Indiana Tribüne, Volume 4, Number 446, Indianapolis, Marion County, 7 September 1882 — Page 2

t & deö Herrn MlipHWM Ich bin überzeugt, daß sich Viele unter Ihnen befinden, welche es für überflüssig halttn. vor einem deutschen Publikum die ProhibitionSfrage zu besprechen, weil der Deutsche 'ja mit wenigen Ausnahmen, welche man allenfalls am Finge? herzäh len kann, so wie so ein Ar.tiProhibilio nistist. WaS bedarf eS da erst noch langer Reden, von denen der Deutsche ohnedies kein allzu großer Freund ist? Bis zu einem g.wiffm Grabe ist Me( trt v ' ' tt.v: ot...Ii:.i OT:-. ! Gedanke nun allerdings berechtigt. Meine d.v..'-...:... iKUt tyUi utsutv uuuy iviuijji vu jtvv Ihre Stellung in der Frage zu beeinflus sen, als vielmehr den, Ihnen die Argu mente an die Hand zu geben, welche Sie unseren Gegnern gegenüber mit Vortheil gebrauchen .können, und serner Ihnen meine Ansichten über die Mittel mitzu theilen, deren Ergreifung nothwendig ist, damit- wir unsere Stellung behaupten können.. Dadurch, daß es uns gelungen ist, die politischen Parteien zur Berücksichtigung ver Frage zu zwingen, hat die Behand. lung derselben eine solch sonderbare Form angenommen, daß Viele, ganz besonders aber Diejenigen, welche den Gang der Ereignisse nicht sorgfältig beobachtet ha ben, nur mit Mühe einen klaren Einblick in die Sache gewinnen. Zu meinem ganz besonderen Bedauern finde ich, daß die deutscht Presse außerhalb unseres Staates die Situation garft und gar verkennt. Da eS die Absicht der Liga ist, diese meine heutige Rede durch den Druck in den wei . r . t. it.. - - - reiien reiien zu veroreuen, 0 yaoe iaz es mir zur Aufgabe gemacht, die Situation, wie sie gegenwärtig herrscht, vollständig klar zu beschreiben. Als unser Comite die Erklärung vom Stapel ließ, daß es seinen ganzen Einfluß zu Gunsten derjenigen Partei in die Wagschale werfen werde,welche sich gegen Prohibition erklären wird, da waren wir uns wohl bewußt, daß beide Parteien sich , die Sache gern vom Halse halten möchten, ' rsir sahen aber zugleich ein, daß die beste Kampfesweise sür uns die sei, die Frage in daS Gebiet der Politik, wohin sie im bedingt gehört," zu ziehen. Es gelang. ES gelang durch die Stellungnahme der 7 demokratischen Partei. Die republikani '- sche Partei dagegen suchte die Stellung nähme zu umgehen und erfand zu diesem ' Zwecke die berühmte oder vielmehr be rüchtigte SubmissionZtheorie, jedenfalls von dem zwar nicht großen, aber doch sehr praktischen Gedanken ausgehend, daß man mit Speck Mäuse fängt. - Diefe SubmissionZidee würde jedem Diplomaten der alten Schule zur gtoßen Ehre ge reichen und man fühlt sich veranlaßt, mit dem!l?t,? in fnnn TOfir M - www-m mmmm w-w-w- g - ff V VW Mj so verwünscht gescheidt,man wär versucht, - sie herzlich dumm zu nennend Submission. Zunächst stützt sich dieseSubmissionö theorie aus die Idee, daß die Prohibi tronSfrage keine politische sei. "It is a 4 question o5 rhe LroziSo, sagen sie. Der deutschen Sprache fehlt der Ausdruck sür das. wunderschöne Wort "sirasido," aber Sie wissen ja wohl was es bedeutet. ' Sonderbarer Gedanke ! Man könnte ebenso gut sagen, die Frau allein habe

W

: darüber zu entscheiden, ob der Mann in's

Wirthshaus gehen darf, was, übrigens von Heimlichkeiten abgesehen, wohl in Wirklichkeit zuweilen der Fall sein wird. Was braucht sich eine politische Partei . um eine solche Kleinigkeit zu kümmern wie . eine Verfassungsänderung! Das ... macht man.so im Stillen zu Hause zviffiI1 httl tiir 9RfinhPtt nfc tfftnS firnn . man da die Politik dazu. Niederträch' . ' tige Heuchelei! Eine Frage, bei welcher eS sich um die Lebensgewohnheiten Hun I 1-" " ' w wm mm w derttausender handelt, eine Frage, bei welcher eS sich um di? Zerstörung von

. , Werthen.im Betrage von Hunderttausen

den handelt, eine Frage, bei welcher es - sich um daS tägliche Brot Tausender han delt, bei welcher es sich aber vor Allem lf um die Festsetzung der Staatsbesugnisse handelt, soll keine politische Frage sein? Im Gegentheil, diese Prohibitionsfrage ist eine- eminent politische Frage ; sie ist eS an'sich, man braucht sie gar nicht erst dazu machen. ES ist in Wirklichkeit ja auch nur ein praktischer Grund, welcher die Republik ner dazu veranlaßt, die politische Bedeu . tung der Frage. zu leugnen. Sie schloß in ihre Reihen zwei Elemente ein, wie sie . .heterogener gar nicht gedacht werden kön nen: das fanatische puritanische Tempe nzlerthum und das freisinnige Deutsch hum. So oder so . war bei Aufnahme der Frage nur zu verlieren, das Rachgeden nach der einen Seite mußte' den Ver- ' lust der Stimmen der anderen Seite zur Folge haben, und so entschloß man sich zu einer .Rühr mich nicht cn" Politik, welche in der SubmissionZthecrie ihren Gipfelpunkt fand - So weit könnte man sich, da man be politischen Parteien ja an und sürsichi

, ' r feine besonders Skrupulosität und kein bcsznders entwickeltes Zartgefühl voraus setzt, mit der Subrnissionstheorie, als mit einem politischen Trick noch allenfalls ab. mm ff ? M M mm

ttnecn. viun aver komm: ott wpea und jUlt JJIUUJUUUV. uuuuwjic 4UUIUI( jsagt sich, daß d.icStimmen nicht gewogen. y: crr..c I.-.TT a:t;m n sondern gezählt werden. Die "fireside question" allein thut's nicht. Auch ist ja nicht Jeder so glücklich situirt, eine "fircsidc" zu haben. Er sagt sich, aber na' türlich so leise, daß er eS kaum selbst hört' daß es sehr viel dumme Menschen giebt' bei denen man sehr, weit kommt, wenn man ihnen Brei um'S Maul schmiert, daß Schlagmorte wie Volksrechte, Volkssou veränetät u. s. w. toffy" sür den Unwissenden sind, er glaubt, daß die Puppen, welche .er Jahr auS Jahr ein am Drahte tanzen läßt, noch besser tanzen, wenn er sie ein wenig kitzelt, und predigt ihnen mit Scheinheiligkeit im Gesichte und Falschheit im Hrzen die Lehre von der heiligen Submission. Was ist Submission?. Submission heißt in Bezug aus die vorliegende Frage Unterbreitung, speziell aber im Sinne der SubmissionZtbeorie Unterbreitung der ' "" -wvuswv mtttiMt v . c?,.,:;..;. -m ger der SubmissionZtheone sagen: die Frage, welche zur Zeit vorliege nnd selche die nächste Legislatur zu entscheiden habe, sei nicht die, ob das ProhibitionS'Amendement angenommen werden solle, oder nicht, sondern die, ob daS Amendemen der allgemeinen Volksabstimmung unter breitet werden solle oder nicht. Ich bin ein äußerst gutmüthigerMensch. Die mich kennen, wissen eS, und die mich nicht kennen, müssen mirS auf'S Wort glauben, oder mögen die Andern drum fragen. Ich will daher Gnade sür Recht ergehen lassen und den eigentlichen Prohibitionisten auch diesen Gedanken als einen politischen Trick, wenn auch als einen hinterlistigen und wenig respektablen verzeihen. Ohne direkte Volksabstimmung können sie einmal ihren Zweck nicht erreichen, und vaö thut der Mensch nicht Alles, wenn er sich einmal in einer Idee festgerannt hat, zumal wenn er sanatisch und dumm ist. Und Dummheit und Fanatismus sind ja Zwillingsschwestern. Was soll man aber voniDenjenigen sagen, welche zugeben, daß sie Gegner des ProhibitionS'AmendementS seien, aber aus Grund der SubmissionStheorie dasür seien, daß die Legislatur daS Amendement annehme. Man ist einigermaßen in Ver legenheit, ob man diese Leute sür maßlos schlecht, oder für maßlos dumm halten soll. Vielleicht sind sie Beides. Diese SubmissionStheorie ist sowohl gegen den Wortlaut, wie gegen den Geist unserer Verfassung. Wenn es die Auf gäbe der Legislatur wäre, bloß die Frage dem Volke zu unterbreiten, warum soll das zweimal geschehen? Kann Jemand einen vernünstigenGrund dasür angeben? Wenn in dieser Vorschrift nicht der Zweck liegt, eine sorgfältige Erwägung des Amendements zu erzielen, waS kann der Zweck dieser Vorschrift sein? Lm Namen des gesunden Menschenverstandes, waS kann er sein ? Die Legislatur, sagt die Konstitution, muß es annehmen (agree to it). WaS annehmen? Den Vorschlag, daß das Amendement unterbreitet werden soll? Wenn so, warum soll sür die Legislatur bei ihrer Abstimmung maßgebend sein ? Wenn die Legislatur nichts mit der Erwägung des Vorschlages selbst zu thun hat, warum ließ man die Legislatur bei Aenderung der Verfassung überhaupt eine Rolle spielen? Die Konstitution gibt dem Volke das Recht zu ratifiziren oder zu verwerfen. Was zu ratifiziren ? Daß daS Amendement dem Volke unterbreitet werden soll ? Wenn daS der Fall wäre, dann müßte ja, wenn die Mehrheit deö Volkes mit .Ja" stimmt, eine nochmalige Abstimmung über daS Amendement selbst stattfinden. ' Wenn dieS aber nicht der Fall ist, sondern daSAmendement gleich angenommen ist, dann muß es doch schon vorher durch die Legislatur angenommen worden sein. denn man kann doch nicht Etwas ratifi ziren, was gar nicht geschehen ist. Es bleibt also doch wohl Nichts übrig. als daß sich die Legislatur mit dem Amen dement selbst beschäftige. Die Legislatur hat nicht nur das Amendement anzuneh me, sie hat eS zweimal anzunehmen. DaS Volk hat dann nachher darüber ab zustimmen, ob es müdem, vaSdieLegiS latur gethan, zufrieden ist oder nicht. Praktisch ist es das Volk. daS das Amen dement. annimmt , oder verwirft, in der Theorie aber ist eS die Legislatur, welche daS Amendement annimmt oder verwirft. während das Volk daS Versahren der Le gislatur ratisizirt. Jeder Versuch, die Verfassung anders auszulegen, ist entweder das Produkt von Dummheit,' oder eine schmachvolle Spe kulation aus die Dummheit Anderer. Anti-Prohibitionö-.Sub-m i s s i o n i st e n. Denken Sie sich doch einmal. in die Stellung, eines Anti-ProhibitiorlS'Sub-miffionisten. Schon der Versuch, das Wort auszusprechen, ist gefährlich, denn man läust Gefahr, daß esEinem im Halse stecken bleibt, oder daß man fich denKinn backen bricht. Er handelt Unrecht auS gar keinem anderen Grunde, als um An deren Gelegenheit zu geben, ebenfalls Unrecht zu handeln. Er ist gegen Prohibition, aber er stimmt dafür, damit Andere Gelegenheit bekommen, Prohibition Anzuführen. Er ist wie ein Sklave, der

' seinem Gebieter die Peitsche herbeiholt.

daß er ihn damit prügle. Eine erbarmlichere, verächtlichere Stellung wie diese kann ich mir kaum denken. ' Und sie ist umso verächtlicher, rceil' sie vloß dazu dienen soll, das Recht mit der Dummheit zu bekämpfen und dadurch daS FreiheitsVerständniß zu vernichten, weil sie mit dem Prinzip der Selbstregierung in Heuchler:scher Weise spielt und den Freihcitsgedanken sür ihre selbstsüchtigen Zwecke benützen will. Den ehrlichen, rechtschassenen Mann, welcher offen nach seiner Ueberzeugung zu handeln gewohnt ist, kann dieses Gebahren nur mit Adscheu erfüllen. Wenn ich mit meiner Anficht ganz allein unter Mil lionen dastände, würde ich mich nicht herbeilassen meine Ansicht zu verleugnen, und wenn ich ganz allein Millionen gegenüber das geltend machen könnte, was ich sür Recht halte, so könnte Nichts in der Welt mich abhalten, meinen Willen Mil lionen gegenüber durchzusetzen. Es ist die Pflicht des Bürgers und des Mannes, das Rechte zu vollen und zu erkämpfen, nicht aber sich feige hinter dcrgroßen Menge zu verstecken und dann, wenn das Unglück da ist. zu sagen: .Ich wasche meine Hände in Unschuld.- Pfui über den Mann, der nicht den Muth der eige nen Ueberzeugung hat. Da ist mir der achte Proylbttionist immer noch lieber. Ich weiß doch was er will. Er betrügt mich nicht, hält.sich keine MaSke vor das Gesicht, sondern kämpst mit offenem. Visir.' Aber so ein Anti-Prohibitionö-Submiffionist geht in die Legislatur, stimmt mit .Ja während seine eigene Ueberzeugung ihm gebietet. .Nein" zu sagen und hilst so Das herbei zusühren,'waö er selbst sür Unrecht hält. Wenn der Befürworter der Prohibition die allgemeineVolksabstimmung verlangt. so finde ich das aus dem Grunde sehr begreiflich, weil er eben ohne die allgemeine Volksabstimmung Prohibition nicht haben kann. Wie man aber von einem Gegner des PunzipS verlangen kann daß er selbst einen der Schritte erleichtere. welche zur Einsührung der verhaßten Maßregel nothwendig sind, ist mir in der That unbegreiflich. . Ich will .die Constitution nicht verän dert haben, ohne Volksabstimmung bleibt sie unverändert, wozu um alles in der Welt brauche, ich also eine Volksabstim mung? Wäre es nicht geradezu lächer lich, kindisch, wollte ich meinen Vertreter in der Legislatur instruiren, auch nur das Geringste zu thun, das dazu dienen kann. meine Ansichten über den Haufen zu wer fen und denen meines Gegner? zumSiege zu verhelfen ? Fragen Sie sich, meine Herren, was die Absicht der Verfasser unserer Constitution gewesen sein kann, als sie eine Aenderung derselben von einer zweifachen Abstim mung in der Legislatur und außerdem noch von einer Volksabstimmung abhän gig machte. War es ihre Absicht, die Aenderung der Verfaffung so leicht wie möglich zu machen, oder war es ihre Ab sicht, dieVerfaffung mit drei verschiedenen Schutzwehren zu umgeben, von denen jede einzelne erst niedergerissen werden muß, ehe man an dieVerfassung selbst gelangen kann ? Wer wagt es zu behaupten, datz diese dreifache Handlung nicht dazu die nen soll, die Verfaffung vor unüberlegten Eingriffen zu schützen, ihre Aenderung so viel wie möglich erschweren ? Dieser ganze Zweck würde vereitelt werden, wenn man die Auslegung der Republikaner als zu Rechte bestehend gel ten lasten wollte. Da nach ihrer Aufsaffung die Legislatur verpflichtet ist, un ter allen Umständen Ja zu sagen, damit die Volksabstimmung stattfinde, so find die ersten beiden Schutzwehren einfach auö dem Wege geräumt, find zu bloßen Formalitäten herabgedrückt, und unsere Verfaffung ist dem schwanken, unsicheren Volkswillcn absolut preisgegeben. So spielt man mit der Versaffung, bloß um einem sanatischen, unduldsamen Elemente Rechnung zu tragen und durch Unter Jt jm v m ? ? . . ' . vr x r. a n orullung uno neriaugnung aucs ecyls bewußtseins seine Stimmen zi: erkausen. Daß diese Leute es fertig bringen, ihre Stellung mit einer großen moralischen Idee befestigen zu wollen, darüber brau chen wir uns nicht zu wundern. Es ist nicht daS erste Mal, daß das Gute in den Dienst des Schlechten gezogen wurde. Auch der spanische Jnquisttionsrichter stützte sein Verfahren aus ein moralisches Prinzip und der ärgste Despot nennt sich von Gottes Gnaden. "Das große moralische Prinzip, -au welchem unsere AntiProhibitionsSub miffionisten herumreiten, das ist das Prinzip deö Volkswillens, der Mehrheits Regierung. Sie sagen, hierzulande herrscht die Mehrheit. Ich .habe nie versucht und werde nie versuchen, dies in Abrede zu stellen. Was immer durch die Mehrheit zum Gesetze rtftnrtt tnitrh tnrh iAfnrrtfnTtrt fit'nfi. Q m KV v vy I vlkD lachten. Ich halte dies gerade so gut sü eine Pflicht nach der Paffirung eines Gesetzes, rc 'eich es sür meinePflicht halte v o r der Paffirung desselben es mit allen mir zu Gebote stehenden' Mitteln zu be kämpfen, wenn ich eS für. ein Unrech halte. Majorit'ätSh errschaft. Die Majorität regiert, d. h. fie hat die Macht, aber Macht und Recht sind nich daffelbe. Die Majorität hat auch die Macht, Unrecht zu thun and Unrecht wird nicht dadurch zum Recht, daß eS von der Majorität begangen wird. Der Wille der Majorität kann nicht Unrecht in ReS

verwandeln. Wir lesen die Macht in die Hände der Äkazörität blog auS dem Grunde, weil es uns bis jetzt noch nicht gelungen .ist, ein dcffercs Negicrungssy stem zu finden, weis wir ff? weder in die Hände cinkS-Einzelnen.'noch in dic Hände der Minorität Uptw wollen. Wie an ollen menschlichcn Einrichtungen, so hasten auch an dem Cystcmc der MajorüSisre gierung die Unvollkommcnbeit. Gerade deshalb aber ist eS Pflicht 'dcS Bürgers den Majoritätswillen nicht zum Ausdrucks gelangen zu lasten, wenn derselbe Unrecht tcS beabsichtigt. Erkennt doch unsere eigene Constitution die Möglichkeit an, daß der Wille, der

Majorität unweise oder' im Unrecht sein ann. Aus welchem anderen Grund kann sie dem Gouverneur die Vetogewalt einräumen, als ans dem die Mehrheit zu erhindern. das zu thun, was nicht recht st? Die Stimme des Gouverneur von Jndiana zählt mehr als die Majorität einer beschlußfähigen Zahl der Mitglieder eidcr Häuser, der Legislatur, und die Stimme des Präsidenten mehr als die Mehrheit sämmtlicher Mitglieder beider Häuser des Congreffcs. Wo ist da die so viel gerühmte Maj 'ritätsherrschoft ?' Es ist eben klar, daß cs viel mehr die Absicht der Verfaffcr unserer Constitution war, daß Das geschehe, was gut und rccht st, als Das was die Majorität will. Der Wille der Majorität ist nicht des. halb Gesetz, weil es der Wille der Mojo. ritä! ist. sondern weil wir kein befferes Mittel baben, zu ' entscheiden, was als Recht gelten soll. Aber wie eS manchmal geschieht daß das Gericht das Unrecht alS Recht erklärt, wie sich die menschliche Gerechtigkeit irrt, so hat auch schon manchmal dic Mehrheit sich geirrt und entschie den, Dou das Unrecht Recht ist. Wenn dieser Irrthum nicht möglich wäre, wie Snnte es vorkommen, daß eine Majori Stspartci sich in cine Minoritätsrartei verwandelt ? Kann eine Sache e,nma! Recht und ein ander Mal Unrecht sein? Richt die Sache war Unrecht, sondern die Majorität war im Unrecht. Der beste Beweis dasür, daß Majori äten zuweilen sehr im Unrechte sind, lieg! ür rns ja in der Annahme der Prohibi' ions'Umendements in Iowa und tfan as durch Vclksmehrheiten. -Dies war nach unserer Auffassung jedensalls ein ehr großes Unrecht. Sie sehen, meine Herren, daß d'ese Submiffionstheorie nach keiner Seil? hin haltbar, ist. daß. es sur den Gegner dek Amendementö eine wahrhaft entwürdi gende Stellung ist, sich dieser Theorie anzuschließen. Sie werden sich erinnern, meine Herren. daß ich kurz nach dem Tode Garsicld's hier an derselben Stelle eine Gedächtniß. rede hielt. Damals hatte ich eine Anzahl von Reden des verstorbenen Präsidenten durchgelesen, nach Stellen suchend. welche das Denken und Wirken des Mannes charakteristrtcn. . Ich sand eine Stelle,, welche mir imponirte. Ich kann sie Ihnen nicht mchr im Wortlaut mittheilen, aber sie enthielt ungefähr Folgen des : . In meinem ganzen öffentlichen Lcben und in all meinen öffentlichen Hi'.ndlun' gen war mir immer mehr an der Zu stimmung eines Manne, als an Der aller Uebrigen gelegen und dieser eine Mann hicß Garsicl). Da war daö Wort cinesManneS, duL Wort eines von Selbstgefühl und . Manncsstolz . durch hrntislfnfn Büraers. der niat um die Gunst der Menge buhlt, dem eS rncht da m mm ' j) " mJ w rum zu thun ist, der Menge zu gefallen. sondern der vor Allem darnach strebt, sein Rechtöbewußtsern' zu befriedigen. m klein und erbärmlich stehen neben ihm diese, Anti.Prohibitionssubmissioni stm, welche zu seige sind, ihre eigene Ansicht geltend ' zu machen, welche aus Furcht der Menge zu mißfallen, das Recht der Gewaltopsern wollen, welche nicht den Muth besitzen, unter der Fahne des Rechtes offen zu marschiren. und deshalb zu Trug und. Verdrehung ihre Zuflucht nehmen, um sich wenigstens den Sckein des Rechtes zu' wahren. Daß diese Menschen sich nicht vor sich selber schämen, wundert mich Wie gesagt, ich läugne nicht die Macht der Majorität, zu herrschen, ich opponire nicht der Volköherrschast, aber ich bestehe auf meinem Rechte, meinen ganzen Em fluß aufzubieten.daß dieMajorität w eise regiere, ich bestehe auf einer Bolksrezie rung nach den anerkannten, 5?stgesetztkn Grundsätzen der Freiheit. Bürg erliche Freihe it. Um nun speziell aus daS vorliegende Prohibitions-Amendement zu- kommen, so könnte ich mit den Republikanern nicht übereinstimmen, selbst wenn ihre Ausle gun'g der Bersassung richtig wäre. . Auch dann, wenn in der That die Legislatur mit dem Amendement selbst nichts zu thun hätte, könnte ich mich nicht dazu verstehen, dasselbe einer Volksabstimmung zu un terbreiten, und zwar deshalb, weil Prohi bitivgcsctze die bürgerliche Freiheit verNichten und ich meine Freiheit über Alles schätze. - - - Leider herrscht vielfach eine falsche Aus kiiffttna von einer freien Regierung. .'ES wird hier so viel von einer Regierung des Vo'.leSsür das Volk und durchras Volk gefaselt, und diese Phrase lautet so bestechlich.' daß sür Viele der ganze Be. griff der Freiheit bloß in dem Umstände besteht, daß dasVolk seine eigenen Gesetze mächt. Für diese Leute ist Majoritäts Herrschaft und Freiheit gleichbedeutend. Wenn Majoritätsherrschast wirklich Frei heit bedeutete, wozu brauchten wir dann , r ------ . -

überhaupt eine Constitution, deren Z.-eck doch offenbar nur darin besteht, der Majorität Schranken zu setzen ? Höher als Majoritätsherrschaft und. höher als Verfassungen stehen die eiwgen Grund sätze der Freiheit. Die Majorität hat die Macht eine Prohibitionsverfoffung einzuführen, aber das ist kein Gebrauch

ihrer Macht, sondern ein Mißbrauch der. selben. .Mit Einsührung eines Prohibi'. tivgesencs tritt ste die ewigen Grund sätze der Freiheit mit Füßen. Wenn die Majorität ihnn-kann, was sie will, was soll dann aus jenen Rechten wcrden.welche wir unveräußerliche Menschenrechte zu nennen pflegen,, ohne deren Anerkennung eine Regierung keine freie ist ? Prohibition dient nur dem Jntereffe Weniger zum Schaden Vieler. Sie zwingt einen Theil der Bürgerschaft unschnldigeu Gewohnheiten zu entsaaen. um einen anderen und noch dazu den klei r"w r . cw w .9 m neren utgeii vor AUSiDwkifungcn zu schützen. Es ist ein Verstoß gegen , frei . 1 SYX - t -r- w mr cemicc Prinzipien, oen Gevraua einer Sache zu verbieten, weil der Mißbrauch derselben schädlich ist. Man verbiete den Mißbrauch, aber nicht den Gebrauch. Ich gebe ja gerne zu, daß man zum Wole des Ganien einen Theil der rndi viduellen Rechte aufgeben muß, aber nur dann, wenn durch die Ausübung derlel ben Andere in der Ausübung gleicher Rechte gehindert werden. Prohibition tedoch verhindert nicht die Ausübung von Rechten zum Wohle de? Ganzen, sondern zum Wohle der Trunkenbolde. Sie schmälert das Recht der Tugendhasten zum:. Schutze der Lasterhaften. .'.Alles dies ist natürlich in der Macht der Majo ritär, aber wenn immer eS geschieht, dann ist eben die Freiheit begraben. Was würden Sie sagen, meine Herren. wenn die Annahme eines AmkudementS verlangt würde, durch welches - Sklaverei eingeführt, oder irgend ein Glaubensbe kenntniß verboten werden soll ? Würden Sie das Recht'der Majorität dazu aner kennen? Würden Sie in solchem Falle die Grundsätze der Freiheit nicht . höher stellen, als. das Recht der Majorität? Sind Sie Willens das Recht der freien Rede abzuschaffen, weil eS zum Zwecke der Verleumdung mißbraucht wird ? Sind Sie Willens das Recht der freien Prcffe abzustellen, weil es zu gleichem Zwecke mißbraucht wird? Wir wollen ein freies Regierungssvstem und nicht ein väterliches. Wir wollen wie Männer und nicht wie ttinder behandelt sein. Ich kann meine Privatbedürfniffi und Ge wohnheiten selbst . reguliren und bedarf dazu keines Andern Hilfe. Der Zwi-fl deö Staates ist der Verkehr zwischen MeMch und Mensch, nicht das Verfahren des Menschen gegen sich selbst zu regeln Man vcrgeffe diesen Grundsatz auch nur sür einen Augenblick und das individuelle bürgerliche Sein ist vernichtet. Man gebe der Marorilät.das.'Recht nach Ge sollen zu herrschen, und der Einschränkung und Bedrückung . ist keine Grenze ge zogen. ' Welchen Werth hat eine Constitution überhaupt noch, wenn sie jeden Augen blick durch eine zufällige Majorität umge stoßen werden kann.. Sobald man Freiheit mit Voltsherr schast verwechselt, ist. die Freiheit vernich tet. Durch allgemeineVolksabstimmung wurde im Jahre 1852 in Frankreich die Republik zerstört und das ttaiserthum eingtsührt, da galt auch der Majoritäts willen. Sind Sie bereit den Weg zu ähnlichem Verfahren zu ebnen ? Im Namen der Freiheit ersuche ich Sie im nächsten Novkmber.durch Ihre Stim Men Prohibition unmöglich zu machen.' D i e F r a g e v o m S t a n d punkte des Arbeiters. Meine Herren! Unter dem, Schuhe unserer Gesetze, unter der stillschweigenden Anerkennung der Wein , Bier und Branntweinsabrikation .als gisefcliche? Industriezweig sind große Summen in Brauereien und Brennereien, angelegt worden. Ein Prohibitivzes'.d würde mit einem Schlage die Resultate . jahrelanger - - - - - T II " - M Arbeit und Mühe vernichten. Glauben f?-! . vC.o.-Xi.X r.(X. Sie, daß es gerecht wäre, eine solche Zer störung von Werthen . vorzunehmen ? Denken Sie der Tausende, welche in die sen Etablissements beschäftigt sind, und von welchen die Meisten Familien. haben. Sie würden plötzlich ihre .Beschäftigung verlieren und wie lange es dauere würde, bis sie einen anderen lohnenden Berufs zweig finden, das läßt sich nicht sagen. Da? ist jedoch nichtAlleS. Der Brauer und der Brantweinbrenner brauchen Fäffer, Maschinerie und 'Apparate, der Wirth, braucht Schänktische, Gläser, Kcahnen, . Stühle. Tische, Flaschen u. s. w. Das Alles muß durch Menschen Hände hergestellt werden. '. Brauer, Brenner und Wirthe können ihr Geschäft nicht in- freier Luft betreiben und Menschenhände müffen beschäftigt w:rden, um die dazu öthigen Räumlich k.'iten herzustellen. In Folge besten sin den außer den direkt in den genannten Berusszweigen' Beschäftigten noch un endlich Viele Beschäftigung, wie Schreiner. Zimmerleute, . K.üfer, Mechanisten, Kupferschmiede, Glasbläser, u..s. w. Dr.Jöhn Walker, Arzt an dem hie sigen Irrenhause, giebt nach sorgfältiger Berechnung die Zahl der in der Fabrika tlon von und dem : Handel mit Wein. Bier und Branntwein direkt und indirekt Beschäftigten in dem Gebiete der Aerei nigten Staaten aus 1.112.330 an. Run frage sich einmal der Arbeiter, wslche Wirkung es auf den Lohn haben müßte, wenn plötzlich eine solche Quelle der Be

schästigung wie mit einer Riescnhand kei

Seite geschoben nnd die Arbeitskraft von 1,112.330 Menschen auf .den Arbeits-. markt geworfen würde. ' Ich bitte diese n,gen Arbeiter, welche Etwas von d:r Arbeiterfrage verstehen und die Wirkung von Angebot und Rachfrage kennen, es sich einmal an den fünf Fingern abzuzäh. len,um wie viel derLohn sinken muß, wenn plötzlich eine solch' bedeutende Quelle der Arbeitsnachsrage vcrnichtet'und zugleich das Angebot von Arbeitskraft in g'eich großem Maße vergrößert würde. Wenn sich azzch daö nicht gleich be. stimmt in Zahlen ausdrücken läßt, so werden sie doch einsehen muffen, daß der Lohn beträchtlich sinken müßte. Sie werden begreifen, daß die Wirkung eineö ProhibitionSgesetzcs nicht nur unheilvoll sür die direkt u. indirekk in den betreffen, den Berusszweigen Beschäftigten wäre, sondern daß der schwere Schlag die ganze Arbeiterklaffe t:äse. Arbeiter ! Die Prohibitionis en haben ihre Sache in KansaS und Iowa durch, gefttz.. Wie alle Fanatiker, kümmern sie sich um RichlS und Niemanden, als um sich selbst und das Z'el ihrcs Fana iZ. maS Je mehr Erfolge .sie erringen, d.-sto größer wird ihre Gier nach weitere.i Eisigen.- Dieser blinde Fanatismus hat sich wie eine Epidemie über d.S ganze Land verbreitet i:nd stockt überall seine bkuehrenden Hände aus. Arbeiter von Jndiana ! Euch ist jetzt die Gelegenheit qegeben, dieser Gier Einhalt zu gebieten. Wollt Ihr. es lhun ? Eure Lage ist schwer genug auch ohne Prohibition, wollt Ihr selbst sie noch schwerer.machen? Die Löhne sind niedrig gi'nu'g, denn das Angebot von Ardeitökrc.:: übersteigt fortwährend die Nachfrage. Wollt Jdr 'dazu beitragen, daß daS Angebot noch größer und die Rachfrage -noch kleiner -werde? ES ist Euch jetzt Gelegenheit gegeben, wollt Ihr Gebrauch davon machen ? Gewiß nicht. UndurchZührbarkcitder P r o h i d i t i o n S g r s e tz e. Trotz a'I deö Unheils, welches Prohibitivgesetze anrichten, möchte cs aber im mexhln möglich sem, cmen Entschuld! Zungsgrund sür sie'zu finden, wenn sie nur überhaupt dem Zwecke dienlich wären. Erfahrung und Statistik weisen jedoch nach, daß Prohiditivgeketze nicht nur nicht ausführbar sind, sondern daß sie sogar öas Gegentheil von cem bewirken. daS durch sie bezweckt werden soll, daß Pro hibitivgesetze eine Vermehrung der Trun kenheit erzeugen. . , . Die Bedürfnisse des Menschen können nicht durch Gesetze regulut werden. Die Geschichte kennt kein Volk duf der Erde, welches nich! berauschende Getränke ge noß. E-nige bereiten sie ar.S Getreide. Andere a.rs Obst, dir Tartaren 'bereiten sogar ihren ttumiS aus Milch. Solche Getränke sind xn Bedürfnis aber wenn sie, es auch nicht wären, könnte doch kein Gesetz die Menschen am.Genuffe.derselben hindern. Das wiffen auch- die Tempe. renzler ganz gut und darin ist vielleicht auch zum großen Theile die Ursache ihres Eifer zu suchen. Denn es ist ja That sach(, daß die schlimmsten Trunkenbolde die eifrigsten .Temperenzler sind. Dies ist auch ganz natürlich. Wer sich selbst kvntrolliren kann, bedarf keines Gesetzes zu diesem-Zwecke. Urkö braucht wan das Bttrinkcn nicht zu ver bieten, wir wiffen uns zu Müßigen. Man kann durch Gesetze weder Tugend schaffen, noch Laster abschaffen. ' Wohl aber ist die gcgentheilige Wirkung möglich. Ge setze können Laster erzeugen. Ja diese Wirkung wird immer, dic Folge von Gesetzen sein, 'welche despoti schen Charakters sind, die menschliche Ra tur nicht berücksichtigen, bedrückend sind, die Verfaffung mit Füßen treten und das Bestehen gewisser Bedürfnisse und Ge wohnheiten außer Acht lassen. . Es stellt sich überall das Bestreben ein, solche Gesetze zu umgehen, und Stroflo stgkeit für die Übertretung derselben zu erwirken. Zu diesem Zwecke bleibt kein nn!if . r . nn . "v . - - -.g.-. - -mm V M V V lohne Gewiffensskrupel begangen und eS v m ' v ? . n v rr . i rrt umiic. unoenucji. 'jjccinnoe wcroen wird zum Verdienst, der öffentlichen Ge rechtigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Der beste Bürger wird zum Eesetzesver ächter und Spione und Denunzianten treiben ihr erbärmliches Gewerbe. Wo immer noch der Versuch mit Pro hibitivgesetze gemacht wurde, hat sich diese.nachtheilige Wirkung herausgestellt, in Maine, wie in Maffachusettö;. in in Maffachusettö wie in ttansas. Rir gevdS .haben die.Prohibitionisten einen Erfolg zu verzeichnen. Wo immer Pro hidition eingeführt wurde, hat der Ge brauch. von Wein und Bier abgenommen und eine entsprechende Zunahme deS BranntweinsuffeS stellte sich ein. Die Folge davon war natürlich eine Zunahme d's Pauperismus. Dr. Thomas Dunn English hat darüber einige Brochuren ge schrieben und statistische Data gesammelt. ES würde mich zu weit führen, Ihnen die in denselben enthaltenen Zahlen anzufüh ren, genug sie zeigen eine auffallende Zu nähme von Trunkenheit und .der Kosten der Armevverwaltung unter Prohibi tionsgesetzen im Vergleiche zu der Wir kung von. Licenzgesetzen. Und imGrunde genommen ist daS ja ganz natürlich. Der Verkauf von Wein und Bier, der besten Temperenzapostel. ist eben schwerer im Geheimen zu bewerkstelligen, alS der von Whisky und io tritt an die Stelle dieser leichten .gesunden Getränke der Verderb liche Schnaps. Und 'Angesichts solch totalen Mißer. folges wagt man es, uns zuzumuthen.

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