Indiana Tribüne, Volume 4, Number 442, Indianapolis, Marion County, 3 September 1882 — Page 6
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AugenbNQsöilder. Man stelle sich folgenden, höchst fonUtbaxtn Fall vor : Ein Feldhüter sieht Itim Abgehen der Felder auf der Landstraße einen Herrn stehen, der, seinem 'Veueren nach ein gebildeter Städter, an aueS Andere eher, als an einUeberschrei ' ten der LandeSgesetze denken läßt ; und doch, dieser Mensch scheut sich nicht, mit der unschuldigsten Miene von der Wett einen Jagdfrevel zu begehen. Er nimmt einen Hasen, der eiligst feldein rennt, us'S Korn, drückt ab und nun, die Flinte hat für diesmal versagt und auf diese Weise dem Hasen sein Lebe, dem Gutsherrn sein Eigenthum erhalten; aber die Absicht ist sonnenklar erwiesen. Der Feldhüter eilt auf den Attentäter zu. Wissen Sie, mein Herr, dak Sie sich einen Jagdfrevel haben zu Schulden kommen lagen? Nun, ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen; Sie können eö gar nicht leugnen." Ich?" fragt erstaunt der Angeredete; ich wüßte wirklich nicht, auf welche .... ach so, " besinnt er sich plößlich, und ein homerisches Gelächter schallt durch die Felder. Beruhigt Euch, lieber Mann ! Hier ist meine Visitenkarte; bringt sie Eurem Herrn und laßt Euch von ihm das Zeitungs-Feuilleton vom letzten Sonn lag vorlesen, damit Ihr, wenn wir uns wieder einmal in dieser Weise begegnen, rnitlachen könnt !" Verdutzt zog der Feldhüter seiner Wege. Ob aber nicht vielleicht auch unter mei nen Lesern so Mancher ist, dem die ganze Geschichte räthselhast erscheint, der die Lösung noch nicht kennt ? Nun, sie ist sehr einfach. Der angebliche Jagdfrevler hatte nicht im Entferntesten die Ab sicht, jenen Hasen in ein besseres Dasein zu befördern ; er war gar nicht einmal in der Lage, das zu thun, au dem einfachen Grunde, weil er keinerlei Waffe mit sich führte. Vielmehr war der In haber jener Visitenkarte derProfesier M., Physiolog in der benachbarten Stadt und mit dem Apparate, den er da in der Hand hielt, und der freilich tau schend wie ein Jagdgewehr aussah, wollte er keineswegs einen Hasen aus der Welt, im Gegentheil, wollte er einen neuen Hasen, oder richtiger. da$ Bild eines solchen in dieWelt schaffen, kurz ge zag!, er woiue oen yaen tn lememaufe photographiren, er wollte sich Augen blicksbilder von ihm verschaffen, um daHeim, in seinem Laboratorium, die Be vegungen des flüchtigen Thieres im In teresie der Wissenschaft zu studiren. Augenblicksbilder das ist der neuepe Fortschritt in der Lichtkunst; einFortschritt, ebenso wichtig wie irgend einer, der in dem halben Jahrhundert des Be siehens der Kunst in ihrem Bereiche gemacht worden ist. Zur Herstellung eines Bildes, bei spielsweise eines Porträts, durch die chemische Wirkung des Lichtes, ist eine ZeitZ erforderlich, welche, je nach der Auffassung, sehr kurz schrecklich lang genannt werden wird. Wer früher einmal einem Maler gesessen hat, wird freudig erstaunt sein übe? die Schleunigkeit, mit welcher die Angelegenheit von Patten geht ; der Knabe hingegen, der, ein recht tes Kind unserer rastlosen Zeit, vielleicht noch überdies in der Periode der Ben geljahre" steckt, wird finden, daß esunerträglich" lange dauere. Das liegt im Zuge der Zeit. Je großer, je kolossaler die Zeiträume werden, welche in der Weltgeschichte aufgeschichtet sind, desto größer wird daS Maß der Zeitschähung. Während die unter uns lebenden Greise von der Verwunderung, wie schnell man von Berlin nach Wien kommen könne, sich nicht mehr haben los machen können, findet der Jüngling den Tageszug, weil er eine Stunde länger fährt 'als der Nachtzug, schneckenhast und unbenutzbar. . Die Sitzungsdauer, d. h. die Expost tionsdauer bei photographischen Aus nahmen gewöhnlicher Art hängt von verschiedenen Umständen ab : von Beleuch tung, also dem Locale und dem Wetter, von dem photographischen Apparat, d. h. seiner Linse und dem lichtempfindlichen Stoffe, und schließlich vom Geschmacke li Photographen. Stets aber zählt diese Zeit nach .Secunden. In den er pen Perioden der Kunst verhielt sich das anders. Die srühesten Lichtbilder bean spruchten Stunden der Exposition, die alteren Bilder Daguerre's immer noch viele Minuten ; erst die Anwendung des Broms statt des Jods in der Daguerrstophie reducirte die Zeit auf eine oder zwei Minuten, erst die Ersetzung derDa " - m . . guerrotypre vurcy vte Pyolograpyie ,m engeren Sinne des Wortes auf Secun den. Das Bedürfniß, die Expositiondauer noch mehr herabzusetzen, hat sich zuerst in zwei Fällen fühlbar gemacht, die deshalb zemeinsam ins Auge gefaßt werden müs en, so komisch das auch bei derVerschie Genauigkeit d:r Fälle sich ausnehmen raag. Das eine Objekt, welches man nicht lange exponiren darf, wenn man ein brauchbares Bild erhalten will, ist die Sonne; das andere Objekt sind die kleinen Kinder. Die Wirkung der erste, ren auf die photographische Platte ist zu park, die der letzteren zu schwankend m Folge der Beweglichkeit des Objekts als daß eine auch nur wenige Sekun den lange Expositionsdauer gestattet väre. Bei der Sonne läßt sich diesem Uebelstande leicht abhelfen; denn wenn sie, ihres starken Glanzes halber, nicht lange exponirt werden darf, so braucht sie auch, aus demselben Grunde, nicht lange exponirt zu werden; ein kleiner Bruchtheil einer Sekunde genügt schon, um ein scharfes Bild von ihr zu gewinnen. Es kommt also nur auf ein Mittel an, die empfindliche Platte, nchdem sie der Wirkung der Sonnen scheide kaum ausgesetzt worden ist, dieser wiederum zu entziehen.' Der französische Astrophysiker Janffen hat das durch An Wendung rasch fallender Schirme, die mit einer kreiSrundenOeffnung versehen sind, erreicht. Die erste Frucht dieser Me thode bestand in der Entdeckung der sog. Granulation der Sonnen-Oberfläche; inwieweit dieses körniae Ausehen mit der sonstigen Beschaffenheit unseres Central körperS, namentlich mit den Sonnenfle Sen im Zusammenhange stehe, darüber haben die venigen, seit dem verfloffenen Jahre gemachten Versuche noch nicht zu jiner sichercnEntscheLung gesührt. Ein
andere? Phänomen, aus welches Janffen seine Erfindung anwandte, war der Ve nuS'Durchgang im Jahre 1874. Hier kam es daraus an, die der. Reihe . nach aufeinander folgenden Phasen ,des Vor ganges in einer Serie von Lichtbildern zu sixiren; nach den bisher hierüber bekannt gewordenen Resultaten scheint , sich die Anwendung der Augenblicks-Photo graphie wenigstens im Großen un'oGan zen bewährt zu haben. , Die Sonne ist der einzige Körper, welcher auf die in der gewöhnlichenPho tographie jetzt üblichen, mit . Jodsilber imprägnirten Collodiumflächen genügend krästig wirkt, um Augendlicksbilder (Expositionszeit 1J500 I5IOO Sekunde) zu erzeugen. Schon die Mondscheibe muß mindestens eine Sekunde exponirt wer den, liefert aber dann wegen der durch die bewegte Erdatmosphäre hervorgeruse nen "Wallungen- ein meist .undeutliches Bild. Selbst der mit den großartigsten Hilfsmitteln und bewundernswerthen Geschick bezabte Photograph Rutherford in New'Dork, der in der Sonnen-und Mond Photographie Unübertroffenes geleistet, hat imLause von mehrerenJah ren nur ein einziges, völlig scharfes, Mondlicht erhalten. Auch dieAstrophy sik drängle also zur Lösung der Augen olicksPhtttopraphleIrage. Nicht minder die Physiologie, welche die Bewe gungen der Thiere b'Sher nur meist aus Umwegen zu studiren vermochte. Wer einem Photographen zum ersten Male sitzt, wird gewöhnlich von. diesem daraus aufmerksam gemacht, daß er un genirt blinzeln möge, da daS Auge sonst den Eindruck der Starrheit erwecken würde. Für unseren Zweck ist hiebei intereffant zu ersehen, wo die Grenze der Lichtempfindlichkeit der gewöhnlichen 5flegativplatten von der obengenannten chemischen Beschaffenheit liegt. So rasch auch der Vorgang des Blinzelns ist, immerhin wird man annehmen dürsen, daß er einen nicht unbeträchtlichenBruch theil einer Secunde dauere; auf dem Bilde aber fehlt er für den Zweck des Bildes glücklicher Weise gänzlich. Ebenso markiren sich bei der Ausnahme von Plätzen und Straßen rasch vorübergehendePersonen entweder gar nicht oder nur als ganz schwache Schatten. Man sieht also ein, daß Bruchiheile einer Secunde hie? spürlos vorübergehen. Zuerst kam man- aus die Idee, die Ob jektivlinse zu verstärken, um eine größere Helligkeit zu erzielen ; und beiPhotographien kleiner Kinder greist man noch jetzt vielfach zu diesem Mittel. Allein hier tritt ein neuer Uebelstand auf: Die Lichter werden zwar genügend scharf, aber die Schatten w-.rden vom Lichte mehr oder weniger verschlungen ; und so stellt dann manches jener Kindergesichter auf derartig erzeugten Bildern eine nur von wenigen schwarzen Punkten und Strichen unterbrochene hellweiße Fläche dar. Mit der Vervollkommnung der Linse ist es also nichts, und es bleibt nur noch die Verbesserung des empfindlichen Stoff's übrig. DieserSchritt vorwärts ist nun neuerdings durch die Entdeckung der außerordentlichen Lichtempfindkichkeit der Vromfilber-Gelatine gemacht worden, zuerst wie es scheint, in' Amerika. In der ganzen Welt verbreitet, wie um den Ruhm der neuen Erfindung zu verkünden, sind jene beiden Pendantgruppen von Weltbürgern im zartesten Lebensalter, welche in Chicago aufgenommen wurden ; die eine Gruppe zeigt sie vor Müdigkeit Thränen vergießend, die andere dem neu erwachten Tage munter entgegenlachend, und beide Bilder lasten, trotz der dramatischen Bewegtheit der Situation, an Schärfe des Ausdrucks nichts zu wünschen übrig. Wichtiger ist die Anwendung, welche von dem neuen Verfahren auf die Aufnähme in Bewegung befindlicher Thiere im Jntereffe der Physiologie gemacht ist. Auch hier scheint ein Amerikaner, Muybridge in San Francisco, der Erste gevesen zu sein, welcher wirklich gute Resultate erznlle, indem er seine Aufmerksamkeit hauptsächlich aus die Welt der Viersüßer, namentlich derPferde, richtete und inBezug auf dieThätigkeit derMuökeln für die OrtSbeweaung bei diesen Thieren manches schon Bekannte bestätigte, manches Neue hinzufügte. Am schwierigsten aber wird das Problem, wenn es. sich um die Ausnahme fliegender Thiere, der Vögel, der Fledermäuse, der Insekten handelt ; deshalb so schwierig, weil die einzelnen Phasen der periodischen Bewegung am raschesten auf einander folgen, und weil man hier in den Verlaus der Bewegung, ihre Richtung u. s. w. gar nicht eingreifen kann, um sie für den photographichen Prozeß günstig zu reguliren, waS be: Pferden doch einigermaßen möglich ist. Es kommt also auf zweierlei an: rasch hintereinander eine ganze Serie von Bildern desselben Objektes, z. B. Vogels, in verschiedenen Stadien seiner Flugbewegung zu erzeugen ; und zweitens, den hierzugeeigneten Apparat in jedem Augenblilcke in Funktion treten lasten zu können. Daß er handlich und bequem transportabel sein muß, ist in der letzten Bedingung erfichtlich schon mit enthalten. Allen diesen Anforderungen genügt in einer bei der Schwierigkeit des Problems erstaunlichen Weise eben der Apparat, der einemJagdgewehre so täuschend gleicht, und der deshalb, wie wir sahen, seinem Träger so verhängnißvoll werden kann. Der Er find dieses Instrumentes von echt sranzösischem Detailgeschick ist der schon seit längerer Zeit rühmlichst bekannte Physiologe Marey in Paris ; und derRuhm seiner Arbeit wird dadurch nicht geschmälert, daß, wie sein LandSmann Janaffen in der Pariser Akademie ganz kürzlich nachgewiesen hat, ein Theil deS Witzes und Geschicks ohne Noth auf den Apparat verschwendet worden ist. Die Ähnlichkeit deS Apparates' mit einer Flinte ist selbstverständlich nur eine äußerliche; er besitzt wie diese einen zum Anlegen an Kinnbacken oder Schulter bestimmten Kolben, einen Lauf, einenHahn und eine Vistrvorrichtung. Die lektere wird benutzt, um zu erreichen, daß die von dem fliegenden Vogel auSgesandten Lichtstrahlen die in dem Laufe enthaltene Odjektivlinse senkrecht treffen richtiger gesagt: die von dem Himmelshinte;gründe deS Vogels ausgesandten Lichtstrahlen; denn der Vogel selbst erscheint, wie sich leicht einsehen läßt, als ein dunkler Schatten in Heller Umgebung. Hin-
ter dem'ObjektivgläS, und unterhalb des Laufes, " befindet sich ein Uhrwerk, wel ches in Funktion tritt, sobald der vorerwähnte Hahn abgedrückt wlrd.!, Unmittelbar wird durch dieses Uhrwerk eine centrale Axe in Bewegung gesetzt, und zwar derart, daß sie in .der Sekunde genau zwölf Umdrehungen macht. . Diese Axe beherrscht ..die'übrigen .Theile deS Apparats, nämlich erstens ein: Metall scheide, welche, eine schmale Oeffnung enthält, und zweitens eine - Scheibe mtt zwölsFenstercheu, hinter welchen die lichtempfindliche Bromsilber-Gelatine-Platte sich befindet. Gleich hier sei bemerkt, daß der den Apparat benutzende Photogravh eine Schachtel mit einem Vorrathe derartiger lichtempfindlichen Platten mit sich führt, welche derReihe nach anStelle der verbrauchten . Platten in den Apparat eingesetzt werden können. DieScheiben drehen sich, sobald das Uhrwerk in Gang gesetzt, sodaß.daS Brld des VogelS, wie es durch daS Odjektivglas ent warfen wird, in jeder Sekunde zwölkmal auf die lichtempfindliche Oberfläche fällt, und zwar jedesmal nur für die Dauer von 1J720 Sekunde. Während dieser außerordentlich kurzen Zeit wird die hintere Scheibe durch das Eingreifen von Zähnen festgehalten, um dann weiter zu rotiren. Gerade die letzte Vorrichtung machte dem Erfinder des Apparates, was man begreiflch finden wird, beträchtliche Schwierigkeit. Aber sie wurde überwunden, und der Apparat funktionirt vortrefflich. . , ... Nur einige der Ergebniffe seien hier angeführt. Bevor der Apparat auf fliegende Vögel, gerichtet ' wurde,' unterzog man ihn einer Prüfung an. todten. Ob jekten, deren Bewegung man willkürlich bestimmen konnte. Vor einem , weißen Hintergrunde rotirte ein schwarzer Pfeil mit einer Geschwindigkeit von etwa süns Meter in der Sekunde. Diese Geschwindigkeit war so groß, daß sie dem Auge keine Spur des PfeileS mehr zu sehen gestattete; vielmehr erschien die Scheibe ganz gleichmäßig in weißlichem Grau. Trotzdem ergab der Revolverapparat zwölf, prächtige Bilder, welche, jedes einzelne, nicht nur den Pfeil in der 'betreffenden Lage, sondern auch seinen Schatten mit einer Schärfe darstellten, als hätte sich der Pfeil während der Ausnahme in absoluter Ruhe besunden. Dieser Vorversuch ist übrigens recht geeignet, zu zeigen, worin das Wesen des photographischen AugenblicksprozesseS liegt. ES besteht darin, daß bäS veränderliche Bewegungsbild eines Gegenstandes in die, elementaren Ruhebilder, aus denen es sich zusammensetzt, ausgelöst wird. Ein seit einiger Zeit bekannter Apparat, der seiner hübschen Wirkung halber auch in weitere Kreise gedrungen, das sogenonntePhenakistoskop, oder die Wunderscheibe, leistet gerade daS Entgegengesetzte : er setzt aus lauter einzelnen Ruhebildern, welche dem Auge durch seine Spaltöffnungen nur für ganz kurze Zeit sichtbar gemacht werden, ein Bewegungsbilde zusammen Diese beidenApparate, von denen der eineAnalyse, der andere eineSynthese desBewegungSbildes liefert, flehen also einander gegenüber und ergänzen sich gegenseitig.- Für die Ansertiger der Wunderscheiben war es nicht ganz leicht, geeignete Objekte für die Zeichnungen zu finden, weU es darauf ankam, diese letzteren genau der Natur entsprechend herzustellen. sonst hätte das zusammengesetzte BewegungSbild einen unnatürlichen Eindruck hervorgerufen. JnZukunst würde es einLeichteS sein, jene Zeichnungen dem Revolverapparate Marey'S zu entnehmen, und so die Flugbewegung der Thiere im Bilde getreu nachzuahmen., Ein Beispiel der Resultate, zu welchen der französische Gelehrte gelangt ist, bietet die Seemöve dar. Dieser Vogel führt in der Secunde gerade örei Flü gelschlüge aus, woraus man schließt, daß in dem Revolver. Photographen das sünste der zwölf wiederum mit dem ersten übereinstimmen wird. Man erhält also vier verschiedene Stellungen firirt; auf dem ersten Bilde zeigen sich die Flügel zur höchsten Höhe erhoben, auf dem zweiten senken sie sich, nehmen auf dem dritten die tiefste Stellung ein, um sich auf dem vierten wieder zu heben. Ueber die genaueren Gesetze des Vogelflugs liegen seit einigen Jahren zwei Parteien unter den Physiologen mit einander im Streit,' die eine geführt von Marey, die andere mit dem Amerikaner Pettigrew an der Spitze, besten in der Brockhaus'schen internationalen vigenschastlichen Bidliothek erschienenes gemeinverständliches Buch über die Ortsbewegung der Thiere übrigens zur Lektüre warm empfohlen werden kann. Bei jenem Streite handelt eS sich namentlich darum, . welches eigentlich die einzelnen Bewegungen sind, .aus denen sich ein Flügelschlag zusammensetzt; und hierfür wie derum ist, wie man begreifen wird, die Dauer der einzelnen Phasen in erster Linie maßgebend. Da nun dieMarey'sche Methode Bilder liefert, welche genau gleichen Zeitintervallen entsprechen, so ist sie geeignet, diese Frage zum Austrag zubringen. Freilich ist hierfür eineVervollkommnung des Apparates in einer gewissen Richtung wünschenSwerth ; und für die Beobachtungen anderer fliegender Thiere, z. B. der Fledermäuse und der Insekten, wird sie sogar nothwendig. Bei einer so zusammengesetzten Erscheinung, Wie der Flüaelschlag, sind nämlich vier verschiedene Phasen sehr wenig ; und bei den eben genannten Thieren, bei welchen die FlügelschlSge noch viel rascher auf einander folgen, erhält man nicht einmal diese vier, sondern nur eine oder zwei Phasen, aus deren Anblick sich nicht viel schließen läßt. Bei den FledermSusen, die überdies sehr unregelmäßig und m der für den photographlschen Prozeß ungünstigsten Dämmerbeleuchtung fliegen, konnte man nur konstatiren, daß der Bogen, in welchem die Flügel hin- und herschwingen, ein ganz kolossaler ist; namentlich nach unten stellen sich die Flügel nahezu' einander parallel. Wenn sich, wie gesagt, einerseits die Nothwendigkeit herausstellt, mehr als zwöls Bilder in der Sekunde zu erzeugen, so ist andererseits der Maiey'sche Apparat, wie seinErfinder selbst zugibt, an der Grenze seiner Leistungssähigkeit; mehr als zwölf Mal die lichtempfindlichePlatte anzuhalten, und stets nur für nicht viel
mehr als den: tausendsten -Theil ' einer Sekunde, erweist sich, worüber , man. sich gar nicht wunhern dars, als , unmöglich. DaS ist der Punkt, wo Marey'S College in der französischen Akademie, . Janffen, eingreift und die Frage 'aufwirst : Ist es denn überhaupt nothwendig die empsindliche Platte anzuhalten ? ,..Ode'r ist es nicht vielleicht gestattet, sie, auch während der Aufnahme, weiter rotiren zu lasten ? D:ese,Frage läßt,sich nur durch die Erfahrung entscheiden; und die Erfahrung hat Janffen Recht gegeben In einer der letzten .Sitzungen war er in. der Lage, eine Platte vorzuzeigen, auf tyri--cher die Granulation i der Sonne . vollkommen scharf zu sehen war, obwohl sie während deS photographischen Prozesses mit einer Geschwindiakeit von 16 Centimetern in der Sekunde sortbewegt vor' den war..'- ; ; t, . ; ,,. j Das die neue Erfindung auf den verschiedenartigsten Gebieten eine Zukunft habe, ist unzweifelhaft, s -Der Verbrecher wird sich gegen, seine , Aufnahme , seitens der Polizei nicht mehr sträuben können, einfach, weil es , eine , Photographie des Unbesußteu ist, deren Opfer er wird; der Dieb wird am Tage der GerichtsverHandlung vergebens leugnen : man wird ihm schwarz aus weiß zeigen, daß seine Hand, ' wenn auch nur einen Moment, die Tasche seines . Mitmenschen zumAusenthaltSorte erkoren hatte ; auf dem Geburtstagstische wird sich die'eigene Photographie vorfinden, mit welcher der Jubitar von denSeinigen überrascht wurde; und ein geschickter Pariser Optiker wird die Operngläser"mit"elner Vorrichtung versehen, welche den Besitzern es gestatten wird, die Bilder schöner Frauen, denen sie im Ballsaale oder im Theater, bei der Cour oder beim., Korso begegneten, als Andenken mitzunehmen. Denn was man schwarz - auf weiß besitzt, ,, Kann man getrost nach Hause tra- ; ... 1 . gen.-., . Vor gar nicht lanzer Zeit sagte der Abgeordnete Fancher im Landtage : Es gibt jetzt Momentbilder. Durch dieses Verfahren können die Portraits gestohlen werden,, und man wird sich vielleicht durch das Anlegen einer Maske dagegen verwahren muffen. Damals koimte Vogel, der berühmte Berliner Photochemiker, mit Recht bemerken, Fancher sei das Opser einer Mystifikation geworden ; heute ist das Recht ans die andere Seite getreten. ' ' . Und zum Schlüsse noch Eines : Es gibt ein Apparat, welcher unübertreffliche Augenblicksbilder liefert, und welches so alt Ist wie das Menschengeschlecht selbst. Dieser Apparat ist das menschliche Auge; hier genügt in der That ein Blick, um ein Bild zu schaffen; und daß dieses Bild ein wirkliches,' photochemisches ist, haben die Entdeckungen von Voll und Kühne neuerdings gezeigt. ' Aber während der Apparat von Menschenkunst, seinem Zwecke entsprechend, die von ihm erzeugten Bilder fiziren läßt, heißt es bei Bildern, welche uns der Blick unseres Auges verschafft: Wie gewonnen, so zerronnen !". Ein wahres Glück für uns! Den wäre dem nicht so, wie würde sich unS nach wenigen Secunden das Bild der Welt darstellen? A. Eh. Bauer.
Bulgarische Neisebenteuer. Ein eigenthümliches Abenteuer erlebte jüngst eine deutsche Dame in Bulgarien. Man berichtet dem N. Tagbl." hierüber: Die junge Dame hatte ein Engagement als Erzieherin bei einem bulgarischen Millionär Namens Bogdan angenommen, und begab sich 'trotz ihrer achtzehn Jahre allein auf die Reise nach ihrem Bestimmungsort. . Bis Sosia hatte es keine, Noth, denn die Kultur, die alle Welt beleckt, hat sich auch bis dahin schon vorgewagt, aber von dort hieß es vierundzwanzig Stunden per Achse" bis zur Besitzung des Herrn Bogdan reisen, und zwar durch eine ziemlich verrufene Gegend. Letzteres . ahnte das junge Mädchen nicht, doch sollte sie es bald erfahren. Sie, trat die Reisein einem halbasiatischen Postsuhrwerk mit noch einigen Personen anie sie nicht kannte. Dieselben schienen fremd zu sein in dem Lande, wie sie, nur ein alter, düster dreinblickender Mann, der. mit Niemanden ein Wort sprach, schien hier zu Hause zu sein. Die anderen Reisenden begannen bald ein lebhaftes Gespräch, und dasselbe drehte, sich zum Schrecken des Mädchens nur um Reiseabenteuer, um Straßenräuber, die hier von Zeit zu Zeit hausen sollten, u. dgl. mehr. Zwei der Reisenden erzählten, wie schlau sie es stets ansingen auf so gefährlichen Touren sie haben am lich in einer Börse immer eine gewisse Summe bereit, die sie widerstandslos auszuliefern bereit sind, wenn sie überfallen würden ; ihre eigene Baarschaft aber hätten sie so gut verborgen daß kein Räuber sie zu finden im Stande sei. Das junge Mädchen horchte aufmerksam zu, als ihre Nachbarn sich geheimnißvoll den Ort mittheilten wo und wie sie aus harmlose Weise Geld zu verbergen wußten. Der Eine hatte es in den Rock eingenäht, der Andere im Hut u. s. w. Sie lächelte, denn so gut, wie sie, hatte eö Niemand verborgen. Nur eines beunruhigte sie und sie sagte es sie hatte nämlich ihre ganze Baarschaft so gut verborgen, daß man bei ihr absolut nichts finden würde, und das könnte die Herren Straßenräuber am Ende stutzig machen. Eine Summe sür bedenkliche Eventualitäten bereit zu halten,' daran hatte sie nicht gedacht. Man lachte sie aus und war neugierig, wo sie ihr Geld denn gar so gut versteckt habe. Sie erröthete und sagte nach einigem. Zögern : .Ich stehe mit jeden Fuße aus einer Hundert-Rubel-Note und das ist mein ganzes Vermögen. . . . DieStrümpfe fügte sie lächelnd hinzu wird man einer Dame in diesem Lande denn doch, nicht stehlen !" Man war höchlich belustigt von dieser naiven Offenherzigkeit des Mädchens und selbst der schweigsame, düstere, alte Herr lächelte einen Augenblick und sah nicht ohne Wohlgefallen aus das frische junge Blut. Später, als sie gespröchsweise das Ziel ihrer Reise nannte, schien das Jntereffe des alten Herrn sür sie immer lebhafter zu werden, doch er fprach kein Wort. So kam der Abend, die
Nacht, und wie eö die Umstände, gestatteten, man nickte so sorglos vor -sich hin .... Plötzlich wurden die Paffagiere un sanft aus ihrem Halbschlummer gerüttelr. .Räuber ! hatte einer der Reisenden aufgeschrieen und griff nach seinem Revolver. Der schveigsameAlte hielt ihn zurück.: I rv ; v . In diesem Augenblicke hielt der Wagen und zwei bewaffnete , bärtige Männer l schwangen "sich hinaus. Der Eine leuchtete mit einem glimmenden Spane den Reisenden in's Gesicht, der Andere forderte : mit vorgehaltener Pistole den Leuten das Geld ab. - Seinem Wunsche wurde ohne Widerrede entsprochen. Die junge Dame hatte nichts und sie zitterte.' Die Banditen musterten den Inhalt der Börsen und waren damit durchaus nicht zufrieden ; sie schrieen und fluchten und bedrohten sämmtliche' Insassen mit Schlägen und einer Leibesdurchsuchung, wenn nicht augenblicklich mindestens noch hundert Rubel zum' Vorscheine kämen. Eine . bange . Pause .entstand : Keiner rührte sich. Niemand wollte sein Versteck Preisgeben, doch als die beiden. Räuber nun wirklich Miene machten, Hand anzulegen, da sagte der düstere alte Herr : Macht Euch keine unnöthige Arbeit,' Kameraden, wir haben nichts. Es müßte denn sein,: daß diese fremde Dame, die Euch gar nichts gegeben, doch etwas hat. Ich würde Euch rathen, ihr die Strüm pfe auszuziehen, vielleicht findet Ihr dort etwas." Die ganze Gesellschaft war starr vor Schrecken über diesen Verrath und Jeder griff unwillkürlich nach der Stelle, wo er verwundbar war. Die Banditen lachten und rissen dem weinen den Mädchen Schuhe und Strümpfe von den Füßen. ' .Grinsend . vor Vergnügen steckten siediegefundenen200Rubel zu sich, wünschten der Gesellschaft glücklicheReise und verschwanden. Die anderen Insassen des Wagens athmeten zwar erleichtert aus, als die Unholde , fort, waren, aber' sie konnten nicht umhin, das arme Mädchen in Schutz zu nehmen und dem alten Verräther die ärgsten Insulten anzuthun. Er schwieg. . Manchmal aber lächelte er das wei-nende-Mädchen an ihr erschien das teuflisch, sie war ganz fassungslos. Den Anderen wurde allmälig unheimlich in der, Nähe dieses unheimlichen Menschen. Er hatte es verhindert, daß aus dieRSuber geschaffen wurde, er hatte sie . .Kameraden" genannt und das Vertrauen dieses harmlosen Mädchens so schändlich mißbraucht. . . . Am liebsten hätten' sie ihn aus dem Wagen geworfen. Der Kutscher kündigte dem Mädchen endlich an, daß sie nun bald am Ziele sei. Man veranstaltete nun rasch eine Kollekte, an der sich der Alte jedoch nicht betheiligte, und wollte der Beraubten die 200 Rubel wieder einhändigen. ' Da hielt der, Wagen, der Alte stiea zur Verwunderung der Anderen aus und reichte der Dam? die Hand, indem er sie bei ihrem Namen nannte. Sie sah ihn groß an. Wer .sind Sie V. Bogdan", antwortete er bündig. Den Herren wünschte er nun eine glückliche Reise und sagte, sie möchten ihr Geld nur be halten, er wolle der jungen Dame den Verlust zehnfach ersetzen, denn er verdanke ihr eine halbe Million.... So viel hätten die Kerle bei, ihm gefunden, wenn es zu einer Leibesdürchsuchung gekommen wäre! MN' kann sich die Ueherraschung der Gesellschaft und das Glück des Mädchens vorstellen. Der alte reiche Bulgare hat Wort gehalten.
5luö dem Reiche der Mitte. Der chinesische Weise Meng-tse. welcher im vierten Jahrhundert vor Christo lebte und von seinen Landsleuten als Philosoph nach dem berühmten Kung-fu-tse am meisten geschätzt wird, äußerte sich seinen Schülern gegenüber in folgen der Weise über den allzugzoßen Musikund Theater-Enthusiasmus : .Ihr liebt die Harmonie, die Tonkunst bezaubert euch. Und daran finde ich nichts zu ta deln, daß ihr mit Wohlgefallen einer schönen Stimme lauscht, wenn ihr einsam in eurem ; Zimmer weilt und die Aussicht auf reizende' Blumenbeete habt, oder in der Nachts wenn der Mond sein silbernes Licht über euch ausgießt.- Aber schickt es ' sich w ohl sür einen Menschen, seiner ' Leidenschaft' soweit nachzugeben daß er einer Bande Schauspieler und Musiker erlaube, sich von den Trümmern seines Vermögens zu bereichern ? Leute, die solches thun, gleichen den einbalsa mirten Leichnamen, welchen man das Gehirn durch die Ohren gezogen hat. . ' ... y ' : ' . ;. . . ' ' : ' , Ein hoher . chinesischer Staatsbeamter war sehr stolz daraus, daß er ein Kleid trug, welches über und über mit Juwelen besetzt war. Einst begegnete er einem .Bonzen, der'ihm durch mehrere Straßen folgte, sich von Zeit zu Zeit tief vor y'vd verneigte und ihm in wohlgesetztenWorten sür die schönen Diamanten Dank sagte. Erstaunt'. über das sonderbare Benehmen brach der Mandarin '. endlich in die Worte aus :Was will der Narr damit sagen ? Es ist mir nie in denSinn gekommen, Dir meine Juwelen zu schenken Gewiß nicht", persetzte der Bonze, aber Du löstest mich Deine Steine doch sehen, und das ist alles wozu Du die Juwelen selbst gebrauchen kannst.' Es ist also in dieser Beziehung kein , Unterschied zwischen ' uns, abgesehen davon,! daß Du die Mühe hast, die Diamanten verwahren zu müssen, und daS ist eine Sorge, von welcher ich Mich gern befreit , . ; J; . . Wie ' groß die Macht dn'Gewohnhelt sei, lehrt so manche .Geschichte. ,zJch möchte nicht sagte ein, griechischer Phi losoph, daß man mir . eine abgenutzte Schale wegnähme, an deren . Gebrauch ich mich gewöhnt habe.".' Auch folgender Vorfall ist ein Beweis des Satzes, daß der Mensch ein Gewohnheitsthier ist. Als Tsching.wang, mit dem Ehrentitel der Keusche, derselbe Regent, welchem die Historiker die Aufführung der berühmten großen Mauer zuschreiben, den Thron von China bestieg (246 v. Chr.), befahl er, allen Gefangenen, die unter der Regierung seiner . Vorgänger eingekerkert worden waren, die Freiheit zu geben. Unter den Unglücklichen, welche vor ihm erschienen, um ihm für seine Gnade zu danken, befand sich auch ein ehrwürdiger
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Greis, der sich dem Kaiser zu Füßen warf und ihn folgendermaßen anredete: Großer Vater von i China, ' Du siehst hier einen Unglücklichen,der 85 Jahre alt ist 5 und seit seinem zweiundzwanzigstkn im Kerker gelegen hat. Ich verlor meine Freiheit, 'trotzdem ich unschuldig war, und ohne daß man sich bewogen befunden hätte, mich meinen Anklägern gegenüber zu stellen. So habe ich mehr' als sechs Jahrzehnte in fürchterlicher Einsamkeit zugebracht und mich in diesem langen Zeitraum an mein, Unglück gewöhnt. Der Glanz der Sonne, die mir scheint, blendet meine Augen : ich habe die ganze Stadt durcheilt, um einen Freund zu suchen, der mich führen, mir beistehen oder wenigstens sich meiner erinnern würde. . Aber meine Freunde, meine Eltern, meine Verwandte: Alle sind todt, und ich bin vergessen. Gestatte mir Tsching.wang, daß ich den Rest meineö traurigen Lebens in der Einsamkeit zubringe; die Mauern - meines KerkerS gefallen mir bester als der herrlichste Palast. ; Ich habe nicht lange mehr zu leben und' würde unglücklich sein, wenn' ich meine irdische Lausbahn an einem anderen Orte beschlösse, als da, wo ich sie zurückgelegt habe, nämlich in dem Ge sängnisse, aus velchem Du mifr hervor zogst." Tschingwang erfüllte den Wunsch des Alten, welcher nicht lange danach starb. Das Gefallen, welches dieser Greis an seiner Einsamkeit fand, gleicht demjenigen, welches wir allesammt am Leben empsinden; , mißvergnügt sehen wir alles an, waS um uns ist, wir geben vor, dseS irdischen Aufenthalts müde zu sein;- und doch wird uns unsere Gefangenschaft durch ihre Lange immer lieber. Uebrigens erzahlt Mercier eine , ganz ähnliche Geschichte von einem Franzosen, der 47 Jahre lang in der Bastille gesangen - saß und erst von Ludwig XII. bei dessen , Regierungsantritte begnadigt wurde.-: ,! Ferner befindet sich im Castun'schen Panopticum .zu' Berlin! die . plastische Darstellung emer Zelle der Bastille" sNr. 17 des Katalogs). 1 In 'dem Verließe erblickt man einen. Graf de Lorge, welcher vierzig Jahre lang unschuldig in dem berüchtigten Kerker gefangen gehalten wurde bis ihm die Stürme der Revolution seine Gesöngnißthür öffneten. Nach seiner Befreiung lebte er noch vierzehn Tage, immer von dem schmerzlichen Wunsche beseelt, nach seiner einsamen Zelle zurückgebracht zu werden. So zeigt sich auch hier die Wahrheit des alten Spruches : .Nichts Neues unter der Sonne Edmund Bayer. DaS erste Pferderennen in Deutschland. ' Jener gräflichen Familie Hahn in Mecklenburg, die dem deutschen Vaterlande eine stattliche Reihe lustiger Originale geschenkt hat, verdanken wir auch das erste Wettrennen. Es' war im Jahre 1826. wie Alfred v.' Würzbach in einem vergestenen Heftchen mittheilt, daß Graf Hahn'Basedov, der Gatte von Jda Hahn-Hahn und der ' Neffe des kuriosen Theatergrafen, in Neubrandenburg ' (in Mecklenburg) den ersten Turf eröffnete. Der ganze obolritische Adel, voran der Gras Hahn, spieltm als Jockeys eine glänzende Rolle. Der Graf nahm sich sehr stattlich in seinem knappen Anzug von weißem Atlas aus, und als er an der großherzoglichen Tri büne salutirend vorüüerritt, applandirte Niemand eifriger als seine schöne junge. Frau, damals im ersten, noch glücklichen Jahre ihrer Ehe. Beim drit ten Signal flogen die Kavaliere durch die Bahn.- Mit athemloser Aufmerksamkeit folgte Alles den Reitern. Da ging eine Bewegung durch die Menge: ! Sie kommend Der Großherzog neigte sich über die Brüstung und Grüsin Jda lete die Arme, ohse es zu wissen, aus seine Schultern. Der erste war Graf Hahn. Seine Gattin stieß einen so lauten Freudenschrei aus, daß der Großherzog sich nach ihr umschaute, und da er ihr strahlendes Gesicht und ihre glühenden Wangen sah, drehte er sich hastig um,.' faßte sie in die Arme und drückte einen schallenden Kuß aus ihre Lippen. So straft man die allzugroßen Enthusiasten sagte er lachend, während die Gräsin sich beschämt niedersetzte. Nun sollte Gras Hahn als Sieger zur Tribüne herantreten, um den von der Großherzogin ausgesetzten Preis aus ihrer Hand in Empfang zu nehmen. Da nahte sich mit einem verschämten Lächeln der Landmarschall von Oertzen der großherzoglichen Tribüne und flüsterte einige Worte : Die Grcßherzogin brach in ein lautes, Gelächter aus, auch der GroßHerzog lachte und binnen Kurzem ging eö wie ein rauschender Strom , durch die ganze Gesellschaft und auch Gräfin Jda lachte herzlich mit. . Was war geschehen ? Graf Hahn hatte sich entschuldigen lasten: Sein allzuknappes Atlakgewand war ihm bei dem schnellen Reiten in allen Nähten auseinander geplatzt und nur noch die Fetzen hingen dem gräflichen Jokey um Taille und Rücken, die trotz engster Einschnürung dem starken AtlaS getrotzt und ihr' riecht ausgiebigster Breite und Fülle begehrt hatten. Neue Skignon-Variation. Kennst Du das Land, wo hoch die Höl- .., - lenbrauts Aus zwanzig Eimern 1 blind hernieder y ' schaut, n..; Der bange Wirth um siebzehn Groschen ' ' . ' - fleht, l ; ' Wie Waschfrau keusch und bleich dieDame steht ? : ; ' ', ! : r : ; ' ' ' . ' . '. : Kennst Du das Land,' wo kerchenliedum- "! , braust Im Ochoftfaß die Neckar - Nymphe schmaust. Der sanfte MopS das Huhn am Spie ... dreht. Der Satan schräg und stramm die Flöte , - steht? Kennst Du das Land, wo schwarz am ' . Bosporus . Der Schweinhünd schläft beim, heitern Büchsenschuß, . Der grimme Hahn aus vierzig Schlünden kräht. Der Nachttisch hoch und blank die Orgel - steht? ' Dagobert Wahnsried..
mmmmmmmmmHBmmmmemmamemmammamm Auf da stoana'tt Wank. ' ' l S'schcht aui'n Pinzgau.) Jn'Pinzgau drin; drom auf da Hech ) Da sührt zur stoana'n Bank- da Wech, Da sitzt si's g'miathli auf den Stcan, Kannst aus an andan d'Füaß 'nauf , ' 7 thoan. In' druntan Stoan, da sirt no' heunt. Wann grad da Mon hell drüba scheint, A Loch, wia von an Absatzin!!. Wannst fragst : Woher? die saZ da nit. . I awa woaß's ! D' all' .Vurz'ntraud", De hat ma's hoamli anvatraut. Die G'schicht war so : In ana Nacht Ham Buam' und Dirndln zua drom - ' . , 'bracht. Und wia's so sitz'n belanand. Jn's G'sicht sahrt ean' a hoaße Hand, Und glei' d'rauf thuat vor ean' si' zeig'n A sremda Spielmann mit da Geig'n! Wia der zun spiel' anfangt, geht's los: Wird gler d' Vawirrung sakrisch groß! V a w e ch s ' l n thuat oan Bua sein Dirn, Thuat 's Nachbarn seine wegaführ'n ! Da Andre macht's akrat a so, A Weil' sein's mit'n Tausch wohl froh. Aus oamal seh'n'S, wia dumm 's ham 'lhan, Und sang'n deßtweg'n z'raff'n an. Und wia's 'n Spielmann deut'ln woll'n. Da seg'n's sein Tritt nur von da - Sohl'n! Und sida dem (seitdem) sitzt gern alloan Da Bua und 's Dirndl aus den Stoan, Damit, wannNacht nit mondscheinliacht, Nit eppa a Verwechslung g'schiacht l ) Xus der Pfonteben- in der Hintergerm.Dr. Mürzroth.
!Das liebe Dorel. 'Die Herzogin von Briay, Sibylla Dorothea, hatte die Kinder aus der Stadt zu sich aus das Schloß kommen lasten, um sie zu beschenken, wie sie das an ihremGeburtstage pflegte. Es war aber am 10. September 1613, also ihr fünf und dreißigster Geburtstag. Wie heißest Du," fragte die Fürstin ein kleines Mädchen, das zum ersten Male ans dem Schloste war. Anna Pohlin," lautete di: freundliche Antwort. ' Und weißt Du auch, wie ich heiße," fragte Sibylla Dorothea weiter. Allerdinas', das liebe Dorel." Bei dieser Antwort erschraken die Um stehenden, und der Bürgermeister ergriff das Wort und sagte : Fürstliche Gnaden, wollen solche Rede der Stadt nicht entgelten lassen." Solche Rede," siel Dorothea ein, hat mir wohlgethan, und ich möchte den köstlichen Namen nicht um den Titel Majestät" hingeben." Seitdem nannte ihrGemahlsie auch nur .sein liebes Dcr?l." N u n, n e : Es ist ja jewiß im höchsten Jrade c'nerkennenswerth, daß die Eng lände'r bei die Vorpostenjesechte in Ejypten stch so schnell' zurückziehen, daß das Leben der'Soldaten so viel als möglich jeschont wird, aber die richtige und mit allem Komsort der Neuzeit ausjestatlete Jeschltindigkeit beim Ausreißen werden ste doch erst dann erreichen, wenn sie' Fritze Käpernick'n engagiren und von ihm den Kriejern rejulären Unterricht im Rückwärtsloofen ertheilen lasten, denn sonst kann bei das wüste Jcrenne doch mal Cener hinfallen 'und dann is so ein zieuer und langsam beschaffter Waffenrock kaput, man weeß nich wie ! Ick hab't aber immer jesagt, loofe wie Du, roenns prcstirt, wünschen wirst, jerannt zu haben. Bedingte Fragen. Wenn unter Grevy ein Minister ein halbes Jahr im Amte sungirt, ist er dann nicht die längste Zeit svcinister gewesen? ' , ' Wenn die französischen Legitimisten schon seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen' gegeben haben, ist das ein Grund für die Zeitungen, den Grasen' Ehambod todt zu sagen ? Wenn der Mensch auf Stoffwechsel angewiesen ist, kann man behaupten,daß die Zeitungen in der Hundstagszeit ein menschenwürdiges Dasein führen. - Wenn Badegäste und Sommersrischler über das garstige Wcttcr au? der Haut fahren wollen, wohin soll die Fahrt gehen ? (Ulk".) Neue englische Conjugation. Ich patronisire. Du etabttrst ein Protcctorat, Er reorganisirt, Wir ordnen, Ihr europäisirt, Sie revidiren die Karte von Afrika. Ich werde arrondiren. Du wirst reguliren. Er wird von natürlichen Grenzen reden. Wir werden ein Faustpfand nehmen, Ihr werdet die Beschverhältniste corrigiren, Sie werden annectiren. Wieder zu Hause. Köchin (zu der heimgekehrten Madame): Wisten Sie, wenn : ich hier in Jhttr guten Stube aus Ihrem guten Sopha aus Ihre? .guten Taste Ihren guten Kaffee trank, dann haben Sie mir in Ihrer feuchten Bude dort in Herings dorf immer recht leid gethan." Dame: Hat Jemand in meiner Abwesenheit nach mir gefragt?" Köchin: Ach, wer fragt nach Jh. nen!" Herr: .Aber, Friedrich,vo sind denn alle meine Cigarren hingekommen ?" B e d i e n t e r : Bei des ville Regnen sind se seucht jewcrden und wie ick se nu langsam bei Schweselholzseuer eenzeln abdröcknen will, sind se mer aus Versehen anjedrannt. Schade ! Nich wahrZ F r a u von Hause (auf dem Sopha einen Uniformknopf sindend): Wenn ich nur wüßte, wie der Erenadier ausgesehen hat,der an diesem Knopf angenäht war!"
