Indiana Tribüne, Volume 4, Number 442, Indianapolis, Marion County, 3 September 1882 — Page 4

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SaS paplerne Reich Bon S. Lesntjkw.

Mit dem gelinden Ausdruck: Das papierene Netch, .Vumafchnoje ZarstmM, bezeichnen in neuester Zeit die gebildeten Aussen und die liberalen russi. schen Blätter ihr russisches Vaterland. Und ti der That, eine zutreffendere, wahrheitsgetreuere Bezeichnung für daö gegenwärtige Nußlano hätte kau erdacht werden können. Im Auslande ist eS schon seit Genetal Cuftine beliebt worden, Rußland alI einen .Koloß auf thönernen Füßen- hinzustellen; indessen scheint es mir, daß diese ausländische Bezeichnung, welche vielleicht für das frühere alte Rußland noch paffen mochte, den heutigen russischen Verhältnissen nicht entspricht. Ein Koloß mag ja Rußland sein, wenn auch zu seinem eige nen Schaden; daß es aber aus thönernen Füßen stände, muß von jedem Ken ner Rußlands mit Entschiedenheit be stritten werden. Im Gegentheil, die Geschichte Rußlands zeigt uns zur Genüge, daß bei entscheidenden Katastrophen, wenn Rußland augenscheinlich dem .Fall- nahe war, es sich doch, wenn auch mit den äußersten Anstrengungen, aus den Beinen gehalten und seine Existenz tüchtig vertheidigt hat. Ja, man darf wohl überzeugt sein, daß auch künstighin, sollte das Czarenreich durch einen ausvürtigen Feino plötzlich mit Krieg überzogen werden, oder selbst bei schwer sten inneren Katastrophen, das russische Reich sich seiner Haut wehren und jedenfalls seine Existenz theuer zu verkaufen wissen würde. Und deshalb erscheint mir die Redensart von den .thönernen Füßen" heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Da gefällt mir doch besser die einfache und doch so inhaltsreiche Bezeichnung Rußlands als eines .papierenen" ReicheS. Papier in diesem Worte wiederspiegelt sich so naturgetreu das ganze Leben und Treiben Rußlands, seine Menschen, seine öffentliche Thätigkeit, seine gebildete Welt, seine . Finanzen, seine Regierung, seine Eisenbahnen ! . . . Ja, seine papierenen Eisenbahnen, mit den Tausenden von unglücklichen Paffa gieren, welche Jahr ein Jahr aus ihr Leben aus denselben einbüßen! Aber .papierene Eisenbahnen" wie ist dies möglich ? Da sehen Sie doch jene Unglücksstelle an der Kuröker Eisenbahn an, wo vor kaum drei Wochen eine der schrecklichsten Katastrophen stattgesunden hat und wo eine ganze Welt von Existenzen und Hoffnungen in Trümmern liegt ! Dort stehen sie, die Herren Prokureure und Ingenieure, meist Excellenzen, mit der Cigarette im Munde, da stehen sie, dieselben Herren, welche erst vor einem hal ben Jahr an einer eben solchenUnglückSstatte gestanden und Gott weiß wie oft noch stehen werden, da stehen sie, geschmückt mit dem Wladimirorden, angesichtS des Trümmerhaufens von Wa gentheilen, vermengt mit Theilen zerrisjener menschlicher Körper, darunter Lei chen von Kindern, Frauen, Soldaten, Studenten, Kaufleuten und sonstigen Volles, da sieben sie und fragen sich, wie ist denn wöHl dies Unglück gekom men? Ja, es scheint wirklich schwer, die Ursachen dieser Katastrophe zu ergrün den ! Mitten durch eine thalförmige Vertiefung, welche von der Natur selbst zur Aufnahme der großen Waffermaffen, die imFrühjahr und zurHerbstzeit von der er höhten .Umgebung herabstürzen, bestimmt zu sein scheint, ist ein Eisenbahndamm errichtet von elf Faden Höhe und beinahe einem halben Kilometer Länge. Dieser kolossale Damm, welcher von der größten Widerstandsfähigkeit sein müßte und in der Mitte entweder eine Brücke oder einen tunnelartigen gemauerten Kanal haben sollte, war aus flüssigem Lehm anfgeworfen und hatte zumDurch lassen der gewaltigen Waffermaffen ein eisernes Röhrchen von kaum drei Ellen Durchmeffer! Schon zwei Mal wurde der Damm zur Hälfte fortgeschwemmt und der Verkehr unterbrochen, aber man klebte ihn six wieder zusammen und Vorwärts ! kommandirte man. Den Eisenbahnzügen und Maschinisten war dieser Damm, sowie andere Stellen der Kuröker Eisenbahn, ein wahrer SchreckenSort, Sie bekreuzigten sich während der Fahrt über diesen verhängnißvollen Damm, .welcher von der Konsistenz der Butter war,- und dankten jedesmal ihrem Schöpser, sobald sie ihn passirt hatten. Dem reisenden Publikum ging es nicht besser, und. alle Welt, sowie die Preffe, schlug Lärm. Seine hohe Excellenz, der Herr Minister sür Kommunikationen, Generaladjutant und Viceadmiral Possjet sah sich veranlaßt, die Kuröker Eisenbahn endlich Au insplciren, und er fand sie nach jeder Beziehung hin in bester Ordnung. Und heute stehen an dem Unglücksorte jene Herren Prokureure und Ingenieure und haben nur einen Grund für die namenlose Katastrophe : .Die göttliche Macht." Sehen Sie, das nennt man Papier ! Und die Eisenbahn ist etwa nicht von Privaten, von den sogenannten .Unter' nehmern" gebaut worden, sondern von der Regierung selbst, von höheren Be amten traeirt und abgenommen, von höheren Beamten inspicirt und in den er sten Jahren verwaltet worden. Lauter Exzellenzen und Vertrauensmänner der Regierung, welche gegenüber dem ge wöhnlichen Bürgerstande sich als Säulen der Dynastie und der Regierung aufspielen, und welche selbst mit den Gliedmaßen ihre: kranken und greisen Mitbürger wie ein russisches Blatt anläßlich der bezeichneten Eisenbahnkatastrophe sagt kein Mitleid haben, wenn eö gilt, ihrem Eiaennutz zu sröhnen. Armes Ruß'and, für welches das Pavier eine so fatale Rolle spielen muß! Denn in offiziellem, wie bürgerlichem . ' Z, l. . . Sprachgebrauch weroen geraoe vle wud tigsten Dinge bezeichnet mit Papier", .Bumaga." Sie hören oft sagen: Hierüber habe ich noch kein Papier bekommen", d. b. keine Instruktion. .Haben Sie Papier V d. h. Geld. .Ein kaiserliche Papier", d. h. Allerhöchster Befehl. .Ein papierner Vogel" BeZeichnung für schlechte Subjekte und dert . rr tn v cyt.i

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würdig, wie sehr sich mitunter der Sprachgebrauch dem eigentlichen Bau der Gesellschaft und dem Charakter der Bevölkerung akkommodirt ! Denn wie gesagt. Alles in Rußland erinnert lebhaft an Papier. Es ist ja in der Gesellschaft eine gewiffe Konsistenz vorhanden, die Sache ist keineswegs un tauglich, auch ein guter Kern ist vorhan den, aber ist eben Papier. Die individuellen Charaktere in Rußland sind nicht nur nichtenügend ausgebildet, sondern befinden sich alle aus einem Niveau, und eS ist thatsächlich zu bewundern, wie unter dieser ungeheuren Anzahl von .hervorragenden Persönlichkeiten", wie wir die höhere Beamtenwelt im Ganzen bezeichnen wollen, auch nicht eine vorhanden ist, welche in individueller Hinsicht höher oder niedriger stände, als alle übrigen. DaS persönliche Bewußtsein ei neS jeden Staatsbürgers, gleichviel ob hoch, ob niedrig, und zwar nicht nur das staatörechtlicheBewußtsein, sondern überHaupt Alles, was man unter dem allgemeinen Ausdruck der Bürgerpflicht" versteht, liegt in Rußland sehr im Argen daS muß man zugeben, welcher poli tischen Partei man immer angehören möge, und dies ist auch der Hauptpunkt, auf welchen die verschiedenartigsten Klagen der russischen liberalen Preffe hinauslausen. Von Hause auS eine durchweg demokratische Nation und erst von den späte ren Herrschern mit einem Adel bedacht, welcher als solcher noch keine 200 Jahre in Rußland existirt, hat sich das russische Volk um so mehr auf ganz eigene Art entwickelt und betrachtet theilveise noch bis auf den heutigen Tag die höheren und gebildeteren Gesellschaftsklassen als etwas Fremdes, Ausländisches.' Um so mehr aber liegt es diesen Kreisen ob, mit gutem Beispiel diesem Volke voranzugehen und die bürgerlichen Tngenden im Lande hochzuhalten. In demselben Maße, in welchem für das russische Volk die Volksschule nöthig ist, um die Bildung, wenn man so sagen darf, von Unten beizubringen, ist auch die Einwirkung von Oben her, von der intelligenten Gesellschast, unentbehrlich, um ihm einen Spiegel des geordneten Staatslebens vorzuhalten. Die Stellung jedoch, welche die Regierung zu der höheren Gesellschast und der Beamtenwelt einnimmt, die Rolle, welche dieser zugeschrieben wird einerseits und die schlechte Gesetzgebung, welche oe'n Beamten die schwerstenAmtsVerletzungen äußerst leicht macht, andererseits, mußten eben das Pslichtbewußtsein in Rußland in den verwahrlosten Zustand bringen, in welchem es sich zur Zeit befindet. Eine Regierung, die von ihrem Beamtenthum .Papier" anstatt Pflichterfüllung verlangt, darf sich nicht wundern, wenn sie die krasse sten Unordnuvyen vor sich sieht. Es ist kaum glaublich, wie sebr das Pavier" und-das .Schreibwerk" oei den russischen .Behörden, von den kleinsten Lokaläm lern cm bis zu den Centralstellen in den Ministerien hinauf, eingeriffen ist. Die Thätigkeit und Tüchtigkeit eines jeden einzelnen Beamten, sowie ganzer Behörden werden nach dem Maße des von ihnen jährlich verbrauchten Papieres gemessen. Wer am meisten Aktenstücke im Lause des Jahres produzirt hat, der bekommt den größten Orden, um es bild lich auszudrücken. Unter solchen Um-

ständen ist eö selbstverständlich, daß ein Jeder eisrigst bemüht ist, möglichst viel .Papiere" nach der anderen Behörde zu schicken, und eö giebt viele Aemter, die so glücklich sind, gegen Ende eines jeden Jahres die lausende Nummer der aus gehenden Paplere" aus einer sunsstelligen Zahl ausweisen zu können. Manche Behörden, ja sogar die meisten, haben eine erstaunliche Virtuosität hlen er langt und verstehen die verschiedenartigsten Kniffe anzuwenden, um das Maß des Geschriebenen auf jene beträchtliche Höhe zu bringen, und Dutzende von unnutzen Akten, Anfragen, Berlchtlgungen ic. werden in die Welt gesetzt, um eine vier- oder fünfstellige Zahl der Aktenstücke zu erzielen. Wie weit dies auf die Reaieruna eines Landes Einfluk ba ben muß, ist für Jeden einleuchtend, nur für die Regierung des Clären nicht. Ist eS daher nicht völlig zutreffend, wenn die gebildeten und patriotisch gestnnten Ruffen allerdings nicht im Sinne des Herrn Katkov ihr Vaterland mit dem Namen.Papierenes Reich" belegt haben? Und zeugt Alles dies nicht deutlich dafür, daß vor Allem in Rußland eine völlige Umgestaltung des Beamtentums Noth thut? So lange aber die Regierung nur einseitig vorge hen, d. h. nur die Verfolgung der Nihilisten betreiben wird, ohne zu gleicher Zeit, und zwar Hand in Hano mit diefen Verfolgungen, auch die positiven Maßregeln zu ergreifen, worunter eben die Hebung des wahren Pflichtbewußtseins in den höheren and leitenden Kreisen hauptsächlich zu verstehen ist, so lange dies nicht geschehen, wird man lei der nur mit großem Recht sagen dürsen : Rußland, dein Name ist .Papier" ! Die höchsten Monumente der Erde. Ein überaus interessantes Kunstblatt hat die Verlagshandlung von Wachsmuth in Berlin herausgegeben: Die höchsten Bauwerke und Denkmäler, zusammengestellt von N. Schmitt. Es ist eine ansehnliche Zahl berühmter Monumente, welche die Menschheit seit Jahrtausenden aufgethürmt hat, um mit der Materie ihren Triumph über die Materie, den Sieg des Geistes über die unorganischeMaffe auszusprechen. Welch' ein Zeitraum spannt sich von den Pyramiden AegyptenS bis zu den jüngsten Schöpfungen der Technik aus dem Gebiete des Wege- und WaffcrbaueS,, der Viadukte, Tunnels und. Aquädukte! Hier erkennen wir mit einem Blick, wie die Höhe der Pyramiden sich zu der eincS Kölner Domes und diese wieder zu der einer Peterskuppel in Rom sich verhält. Unter denBauten der antiken Welt nehmen jene beiden gewaltigsten Pyramiden des Cheops und - Chephron (137 und 133 Meter) den ersten Rang in der.HS henentwicklung ein, wie sie denn immer noch unter den Baudenkmalen der gan zen Welt an Maffenhastigkeit alles Andere übertreffen und selbst in den Höhenmaßen nur von wenigen überbo

ten werden. Dagegen bleibt einstweilen dem Kölner Dom der ungeschmälerte Ruhm, mit seinen kürzlich zur Vollendung gebrachten Thürmen (166 Meter) das höchste tvmut der Welt zu sein. Unter den Bauten deS Mittelalters ra gen sodann das Münster zu Straßburg mit seinem von Joh. Hültz vollendeten Thurm (143 Meter), der Wiener Stephansdom mit seinem in den glänzend sten Formen durchgesührten. Südthurm am höchsten hervor. Diese beiden wird der edle Thurm des Ulmer Münsters noch übertreffen, wenn, was wir noch zu erleben hoffen, seine Spitze nach dem al ten Böblinger'schen Plane erst völlig vollendet sein wird. In keinem Lande hat der Thurmbau eine solche allgemeine Begeisterung hervorgerufen, wie in Deutschland; wir finden daher eine ganze Reihe von Repräsentanten noch weiterhin aufgenommen : so die Thürme von Sankt Martin zu Landshut und von Freiburg im Breiögau,' dieser mit seiner durchbrächenen Spitze bekanntlich eines der edelsten und konsequentesten Werke gothischer Hochkonstruktionen. Vornehmlich aber sind es die norddeutschen Niederungen,

m welchen man nach gewaltigen Thurmen gestrebt hat, als hätte man das, was die Natur an Erhebungen fehlen ließ, durch den Wetteifer künstlerischen Schaffens ersetzen wollen. Wir finden daher den Dom und die Marienkirche zu Lübeck, die Nikolai- und MichaellSkirche zu Hamburg (erstere mit 144 Meter), die Petrikirche zu Rostock und die Elisabeth kirche zu Breslau, sowie endlich den Dom zu Magdeburg mit seinen originell abgeschlossenen Thurmzwillinaen ausgenommen. Zunächst kommt dann daS stammverwandte Flandern mit dem Thurm der Kathedrale von Antwerpen ; weiter schließt sich Frankreich an mit den ungleichen Thürmen der Kathedrale zu Chartres, der Dome zu Amiens und !u Rouen (hier erst in neuerer Zeit mit büß licher eiserner Spitze von 149 M. Höhe abgeschlossen), sowie Notre Dame zu Paris. Doch bleiben alle diese Werke weit hinter den deutschen zurück, denn in Frankreich begnügte man sich im Ganzen mit möglichst gesteigerten Höhenverhältnissen des Innern, wie zu AmienS und Beauvais. und verzichtete meist auf großartigere Entfaltung des Thurmbaues. England sodann ist durch die Kathedrale von Salisbury, Italien durch die Kuppelspitze des Mailänder Domes vertreten. Hier überall, namentlich in Jtalien, spielt der Thurmbau eine unter geordnete Rolle, und selbst in England bleiben die hohen Spihhelme in der Mi norität. Als ein Kunosum fügt sich die ihrem Kerne nach aus maurischer Zeit stammende Giralda in Sevilla der Reihenfolge ein. Wenden wir uns nun an die Thurmanlggen zu den Kuppelbauten, so ruckt unsere Betrachtung vom Norden nach dem Süden und wir finden im Pantheon die erste wichtige Konstruk tion dieser Art, welche die Grundlage sür alle folgenden Entwicklungen gebildet hat. Hier vermissen wir nun in der Mitte ein sehr-wichtiges Glied, die Sophienkirche zu Konstantinopel, in welcher zum ersten Male die dort noch mittelst maffenhafter Stützmauern und Widerlager fcini aus der Erde lagernde Kuppelschaale leicht aus Pfeilern und weitgesprengten Bögen emporgehoben wird und als Gewolbform jene erhabene Raumwirkung gewinnt, welche dem in die Höhe drängenden Geist des christlichen Mittelalters zum Ausdruck dient. Während aber der germanische Geist im Norden diese Richtung in den jäh emporschießenden Spitzen seiner ost völlig netzartig durchbrockenen Thurmhelme zur höchsten Verwirklichung bringt und damit eine nicht zu überbietende Vergeisti gung der Materie bewirkt, bleibt der Süden dem Kuppelbau treu, und versucht in seiner Weise, mit völlig verschiedenen Mitteln der Konstruktion und der künstlerischen Wirkung, Aehnliches zu erreichen. Dieses Programm, das durch das ganze Mittelalter Italiens gleichsam daö Ideal der Architekten war und z. B. im Dom zu Pisa und dem zu Siena noch unvollkommene Leistungen erfuhr, wird durch, den großen Brunellesco am Dom zu Florenz auf der Schwelle der neuen Zeit zum erstenMale in imposanten Formen verwirklicht, denen aber immerhin noch, durch die Verbindung mit dem mittelalterlichen Langhause Arnolfoö, etwas Gebundenes anhaftet. Erst Bramante stellt in St. Peter zu .Rom (138 M.) den gewaltig sten Kuppelbau in Aussicht, dem sodann Michel Angelo, den Absichten jenes gro ßen Meisters getreu folgend, sie aber entwickelnd und steigernd, die Herrliche Aussührung gab und damit den erhabensten Umriß nach außen, die herrlichste Wirkung im Innern erreichte. Wie von da der Kuppelbau durch Jahrhunderte das Ideal des modernenKirchenbaues wurde, bis in jüngster Zeit die romantische Reaktion wieder zum Mittelalter und sei nen gothischen Fialentbürmen undSpitz Helmen zurückgriff, ist weltbekannt. Die Kuppel von S. Peter zu London und die des Jnvalidendomes zu Paris sind als die ansehnlichsten Beispiele vorgeführt. zugleich als Zeugniffe dafür, daß die Architektur von der einmal durch Michelangelo gewonnenen schlank gestreckten Hochform nicht mehr abgehen mag, vielmehr dieselbe noch weiter zu steigern ver sucht. Als Kuriosum ist dann noch die Kuppel der Wiener Weltausstellung hinzugefügt, zwar wohl ein Triumph modernerTechnik, aber kein günstiges Zeugniß für modernes Raum- und Schönheitsgesühl. Als besondere sür sich bestehende Thurmbauten hat der Zeichner die Garisenda von. Bologna und den Campanile von Pisa aufgenommen, da mit die beiden durch ihre Schiefheit berühmt gewordenen Bauten nicht fehlen. Der Thurm des Rathhauses zu Brüffel sodann giebt ein elegantes Beispiel von dem übermächtigen Einfluß, den die kirchliche Baukunst zur gothsschen Zeit auch auf die Profananlagen ausgeübt hat; doch ist es beachtenswerth, wie dabei, namentlich durch bit Wiederholung der Galerien, das profane Element zu charakteristischem Ausdruck gebracht wird. Allen diesen abendländischen Denkmalen gegenüber tritt der Orient (abgesehen von den schon erwähnten Pyramiden AegyptenS) nur mit dem Kuteb Minar zu Delhi und der Pagode

von Jaggernaut auf, letzteres ein Beispiel von jenen der indischen Baukunst eigenen hochpyramidalenThurmanlagen, in welchen die orientalischePhantastik die starre Form mit wucherndem Bildwerk wie mit den Schlinggewächsen eines Urwaldes überspannen bat. Schließen wir hieran die eigentlichen Ehrendenkmale, zu denen wohl auch der Kuteb Minar zu zählen wäre, so finden wir den Obelisk von Luxor, jetzt bekanntlich zu Paris ans dem Platze, wo in der Revolutionszeit das Haupt Ludwigs VI. unter dem Beile fiel, sowie den Obelisk des Laterans ; ferner die TrajanSfäule als das nicht wieder ereichte Vorbild aller ähnlichen Monumente, der Vendomeund der Julisäule zu Paris und der Alexandersäule zu Petersburg. Den Abschluß dieser Reihe macht einstweilen die Siegessäule zu Berlin (61 Meter), bei welcher unsere Zeit in dem Streben, etwas Eigenartiges zu schaffen, die Tradition verlassen hat, ohne darum etwas Befriedigenderes zu erreichen. Auch das Brandenburger Thor und den zwar größeren, aber keineswegs an Schönheit ebenbürtigen Are de l'Etoile zu Paris dürfen wir hier anreihen. Aber auch einige überwiegend oder ausschließlich plastische Monumente finden wir: den Sphynxkvloß von Ghizeh, den Herkules bei Kassel, daö Hermannsdenkmal, die Bavaria (30 Meter), und daö Denkmal auf dem Niederwald (39 Meter), wie , eS in seiner Vollendung erscheinen wird. Wäre der Koloß des Sonnengottes zu Rhodos erhalten, so würde freilich die antike Welt hier den Sieg über alle modernen Bestrebungen davontrügen. Die Bayerische Landesausstellung. Nürnberg, 10. August. Alle Besucher der Bayerischen Landes Ausstellung find darüber einig, daß der Platz und oie gärtnerischen Anlagen noch nicht ihres ' Gleichen hatten. Der herrliche Park ist in der That ein wahres KabinetSstück der .Gartenbaukunst, so reizend idyllisch und doch wieder großartig und machtvoll wirkend, daß es Jedem schwer wird, sich von diesem kleinen Paradiese zu trennen. Selbst bei reg nerischem Wetter übt er seine magische Anziehungskraft und sieht man Tausende unter den dichtbelaubten Bäumen man dein. Unvergleichbar harmonisch sind mit diesem Parke die verschiedenen Bauten zu einem wunderbaren Ganzen vereinigt. ES macht den Eindruck, als ob diese Bauten nicht um ihrer selbst willen, sondern des Parkes halber da wären. Man weiß nicht, soll man mehr dieKnnst des Gärtners bewundern ober die $lu$ steller, welche bei Aufführung ihrer Pavillons und Kioske ihre persönlichen In ttkeffen mit einer noch nicht dagewesenen Bereitwilligkeit dem Allgemeinen unter ordnen. Die zu den Bauten verwendeten Ziegelsteine, die Pflasterder Durchgänge. man möchte beinahe lagen, jedes Br t: ist ein Ausstellungsgegenstand dieseS oder jenes Industriellen, welcher nicht viel darnach fragte, ob seine Sachen nicht an einen Platz kämen, an welchem sie nicht betrachtet werden würden. Da durch ist der Platz so einzig in seiner Art geworden und nimmt in so ausgedehntem Maße das Interesse der Besucher ir Anspruch, welches in Folge dessen auch dem einzelnen Aussteller wieder zu Gute kommt. ES seien nur einige dieser Bau ten im Freien erwähnt. Zu den Sehenswürdigsten gehört das kleine Villen artige Gebäude mit Schieferdach und Dachgitter, aus Sand und Backsteinen von verschiedenen Bauindustriellen auf geführt. Die damit verbundene Veranda gewährt einen ungemein freundlichen Ausblick auf den Weiher und die denselben umgebenen höchst malerischen Ge büsche und Anlagen. Kein Besucher soll versäumen, auf diese Veranda zu treten, namentlich wenn an schönen Abenden daö elektrische Licht feinen magischen Zauber über das Ganze ausgießt und die herrliche Fahnde des Hauptgebäudes in der Ferne wie ein Feenschloß aufsteigt. In der Nähe davon befindet sich die Kupferdruckerei von Schemm, in welcher

eine Radlrung von Geyer, welche den Ausstellungsplatz zeigt, gedruckt wird. Auf das Hauptgebäude zugehend, kommt man an den herrlichen Brunnen aus Gußeisen, welchen nach dem Entwürfe bon A. Gnauth die MaschinenbauAktien'Gesellschaft Nürnberg ausgeführt hat, sowie an dem von Eyrich entworfe nen hübschen Pavillon von Schönner, an dem aus wusserdichten Stoffen beste henden Zelte von L. Stromeyer u. Cie. und an dem von Oetterich nch Zeich nungen Röhms ausgeführten Brunnen vorbei. Um das Bassin mit seiner prachtvollen gärtnerischen Umrandung sehen wir die Pavillon? des Eisenwerks Fronberg v. Eichner und Söhne nach Zeichnungen deö bairischen Gewerbemuseums, der Rolläden - Jalousienfabrik von Bayer und Leibfried, den Brunnen von Oetterich und den Pavillon von Maisch sür Mineralwasser. Etwas weiter nach vorn steht das Wetterhäus chen aus Zink von Mayer in Würzburg. Diese Partie bildet den Mittelpunkt des Parkes und ist dem entsprechend präch tig ausgestattet. Die zahlreichen Ruhebänke, welche hier angebracht sind, sind an schönen Tagen fortwährend von Leu ten besetzt, welche die Kühlung des rau schenken Wasserstrahles suchen, oder den Klängen der Musik lauschen wollen,wel che von dem bei der Hauptrestauration gelegenen, vom Architekten Schick ent worfenen, in Blieskasteler Cement aufgeführten, herrlichen Musikpavillon herüberklingen. . Französische Disziplin. ' Der sranzösische , Major Labordere brachte kürzlich einen. Antrag vor die Kammer, welcher die Aushebung des passiven Gehorsams in der Armee bezweckt. Der Antragsteller,will den Sol daten da vom Gehorsam. entbinden, wo derselbe glaubt, daß der Vorgesetzte sich im Irrthum befindet, oder daß der Be fehl mit den Gesetzen im Widerspruch steht. Im Anschluß hieran schreibt vnö ein Correspondent, daß jener Major bereit in dem von ihm commandirten Trup pentheil sein Prinzip vollkommen durch geführt habe. Es ist diesem Correspon-

denten gelungen, txv.m Exercitium un!er Labordere beizuwohnen, welcbeö in nach stehender Weise vo;, Statten -ing : Das Bataillon steht in Lim. MajorLaborderc commandirt : Rechts in Colonne RechtZ um Marsch! Vier Zugsühm vor die Front lauiend: Herr Major, Sie befinden sich m Irrthum, wenn Sie glauben, un? so piesacken zu dürfen. Da könnte Jeder kommen ! Wir befehlen Ihnen, ssfort etwas Anderes zu befehlen. Major Labordcre : Brav, meine Herren! Aus diesem Widerspruche ersehe ich, daß Sie noch nicht ganz auf Ihre militärische Selbständigkeit verzichtet haben. Zur Feststellung des Thatbestandes bemerke ich, daß ich nur deßhalb die Colonne herstellen wollte, um mit dem Bataillon in die Kaserne zurückzumarschiren. Zwei Hauptleute: Sie sind wohl gestört, Herr Oberstwachtmeister l Dazu brauchen Sie doch nicht erst die rechtsabmarschirte Zugcolonne herzustellen. Sie lassen einsch die Compagnieen auseinanderziehen, wir maschiren nach Hause, und damit basta ! Major Labordere : Ich freue mich im Innersten über den durchschlagenden Erfolg meiner Methode. Sie opponiren Alle schon ganz stramm und verweigern den passiven Gehorsam in völlig fehlerfreier Weise. Also : Stillgestanden ! Sieben Lieutenants : Ach was, stillgestanden! Still stehen können wir, wenn wir im Quartier sind. Jetzt wol len wir nach Hause; sormiren Sie doch endlich Sektionen, damit wir hier weg kommen. Zwölf Unteroffiziere : Na, Sie Herren Lieutenants können uns schon lange leid thun. Sie wissen ja noch gar nicht, ob wir mitwollen. Siebenundneunzig Gemeine erklären, unter solchen Verhältnissen in Zukunst überhaupt nicht mehr mitexerciren zu wollen. Das Bataillon spaltet sich in zwei Parteien, oon denen die eine den Entschluß zu erkennen giebt, im Tritt in die Kaserne zurückzumarschiren, während die andere auf Laufschritt besteht. Es entspinnt sich aus Anlaß dieser Differenz ein Handgemenge. Die Mann schasten werden unter polizeilicher Be deckuna nach Hause gebracht. Labordere ist entschlossener denn je, seinen Antrag in den gesetzgebenden Körperschaften durchzubringen. (Wespen.) Orest kein Muttcrmörver.

Schon so mancher Glaube, der Jahr Hunderte, wohl auch Jahrtausende die Menschheit beherrscht bat. ist durch die .kritische Forschung unerbittlich zerstört . rv fi ' n a v si ? v woroen. 3.eu i ganz aus oem crelq der Geschichte verwiesen, nicht minder der Schmied von Kochel, dessen Helden gestalt noch jüngst Deffregger in so kraftvoller und überzeugender Weise der Münchener Pinakothek einverleibt hat, während sein kritischer Vernichter gemüthlich daran vorüber durch die Säle schleudert. Wallenstein ist nicht der Verräth, wie ihn Schiller gebildet und als .unzerstörbaren Typus" der Welt binterlasien bat. Lucreua Boraia war nicht die Geliebte ihres Vaters, über Haupt nicht die Megäre, als die sie bisher galt, Kleopatra nicht blos die fürst liche Courtisane, deren Typhus Shakespeares Genie in wunderbarer Vollen dung nach der Feuilleton - Skizze des Plutarch aufgestellt hat, vor der aber das weltbeherrschende Rom schwerlich, wie dies doch nach Horaz Zeugniß der Fall war, würde gezittert haben. So noch andere. So öenn auch Orest, der soviel beklagte, vielbesungene und dar gestellte Metroltonos, oesjen Typus von Aeschvlus in nicht minder genialer Weise geschaffen, nun seit mehr als ;wei Tausend Jahren den Glauben der Welt be herrscht hat. Hat denn Orest, der historische Orest, wie er in der That gelebt hat und wie er aus Homer so deutlich zu erkennen ist, seine Mutter wirklich getödtet ?" Diese Frage scheint sich in der That Niemand mehr vorgelegt zu haben, nachdem die Auffassung der Späteren einmal Herrschend geworden. Eine aenaue Prüfung des Homerischen Textes hat ergeben, daß dieser ?cuttermoro durchaus m das Be reich der dichterischen Erfindung zu verweisen ist und daß die landläufige (auch z. B.' in Brockhaus' Konv.-Lex. befindliche) Angabe, auch bei Homer sei die Rache des Orest an seiner Mutter erwähnt, eine falsche ist. Homer, die e:nge historische Quelle für die Vorgänge des heroischen Zeitalters, ist gerade in Bezug auf die Ermcr dung des Agamemnon und die Rache des Orest nicht karg m seinen Mittheilungen. Es ist das erste Ereigniß, welches die Odyssee gleich am Anfang in besonders feierlicher Weise berichtet und dann ziehen sich die Stellen, welche davon handeln, durch das aarne Evos bin vom ersten bis zum letzten Gesang und zwar m größter Aussuhrlichkelt und mit solchem Nachdruck, wie ibn die Sacke so? dert. Diese sämmtlichen Stellen konstatiren zwei hochwichtige Dinge : erst llcy, daß ttiytemnestra ihrem Gatten nicht sowohl aus eigenem Antriebe untreu geworden, sondern auf rasfinirte Weise dazu verfuhrt worden ist, ihn auch nicht getödtet hat, und zum Zweiten, daß Orest, da er somit keinen Grund dazu hatte, auch seine Mutter nicht getödtet hat. Der Verführer, der bis dabin nach ausdrücklichem Zeugniß des Homer, der hlerm ganz mit Eurlpldes (Jphlg. m Auliö) übereinstimmt! edlen Köniain ist Aegisth; er ist auch ganz allein der cm a v v . o v '... . ,e xnuiuct ves onigs uno lyn auein aio trist.! auch nur Die Nache des Orest. Ihm folgt der allgemeine Fluch, Götter und Menschen verdammen ihn, er hat mit Fug und Recht den Lohn seiner Verbre chen, deren einziger Anstifter und Voll zieher er war, erhalten. Umgekehrt ein tet Orest als wackerer, pietätvoller Sohn bei' Göttern und Menschen, in ungetrüc. tem Glück, nicht verfolgt von den Erin nyen, herrscht er bis an das Ende fein:S Lebens. , In diesen Ergebnissen, die, v!e man sieht, wichtig genug sind, stimmen sZmmt liche Stellen überein und zwar mit absoluter Bestimmtheit, mit Ausnahme ei nes Verses.' Der einzige Vers in der

ganzen Odyssee und im Homer überHaupt, welcher der Mutter in dieser Sache, dem Racheakt des Orcst, erwähnt (III. 310). ist, wie nach dcr Autorität des Münchener HomersorscherS Prof.W. v. Christ mit zweifelloser Bestimmtheit nachzuweisen ist, interpolirt und zwar eingeschoben, offenbar zu dem Zweck, einen Stützpunkt für den später so fest geglaubten'Muttermord in ihm zu finden. Aber auch er meldet nit die Art des Todes der Königin, sondern nur ihre Bestattung. Wir werden also in Zukunst den wahren, historischen Orest, den Orest deS Homer, von dem Orest der Tragiker, besonders des Aeschylus, der ihm. wenn auch nicht als der erste, dies scheinbar unzerstörbare Brandmal des Muttermords aufgeprägt hat, zu trennen haben. Wenn also die heutige Dichtung diesen Mord beseitigt, so steht sie damit' nur auf festem historischen Boden. Sie hat nicht blos das Recht, sie hat die Pflicht von der,wenn auch noch so typisch gewordenen Fiktion der hellenischer Tragiker abzuweichen. Und nun noch ein Wort über die Mut ter. Um die Ermordung durch Soh neshand zu motiviren, mußten die Tragiker vor Allem Aeschylus, sie bis inö Ungeheuerliche mit Verbreche, belasten, ihren Charakter im schwärzesten Lichte zeigen. Sie ist bei ihnen die alleinige Mörderin des Gatten, was sie überhaupt nicht war, und sie muß diesen Mord in der entsetzlichsten Weise vollziehen. Das schwerste Vergehen ist ihr also gar nicht zuzuschreiben. Aber selbst ihre Untreue sällt ihr kaum zur Last, wenn man die Geschichte dieser Versührung während ihrer zehnjährigen Verlassenheit und die Mittel, durch welche der vor nicht zurückschreckende Aegisth ihre Einwilligung erzwäng, in jenen vielsagenden, den Stoff eines ganzen Romans enthaltenden Versen bei Homer betrachtet. Sie lauten (Nestor erzählt dem jungen Telemach Odyffee III. 262 ff.) folgendermaßen : Denn wir lagerten dort (vor Troja),'viel heftige Kämpfe bestehend. Während er (Aegisth) ruhig im Winkel der roffebezähmendcn Argos. Saß und das Weib Agamemnon's mit schmeichelnden Worten dethörte. Zwar sie verwarf zuerst, die göttliche Klytaemnestra, Diese schändliche That, denn sie trug edle Gesinnung : Auch war dort ein Sänger um sie, dem, als er gen Troja Fuhr, der Atrid' eindringlich gebot, zu beschützen die Gattin. Aber nachdem sie der Götter Geschick zum Verderben umsponnen, Führte der Arge den Sänger hinweg in einsames Eiland, Wo er zu Raub und Beute zerfleischenden Vögeln ihn hingab. Aber die Wollende führte der Wollende heim in die Wohnung. Lenden in Menge verbrannt' er auf hei ligen Götteraltären, Weihte des Schmuckes zugleich der Ge wand' und des Goldes die Menge, Weil er vollendet das Werk, das gewal tige, wider Verhoffen. (Wörtlich : das er niemals hoffte, zu Stande bringen zu können.) Es muß ihm also schwer geworden sein. Wenn ihr aber weder die Ermordung des Gatten, noch auch unter solchen Umständen ihre Untreue zur Last gelegt werden kann,

was bleibt dann von dem schwarzen Bil de der Tragiker, die Jncarnation weiblicher Ruchlosigkeit übrig ? Eine Abweichung von ihnen ist also auch hier nicht eine Verletzung der Wahrheit, sondern eine Rückkehr zu derselben. Und was die typische Bedeutung betrifft, so dars man wohl fragen, welche Gestalten wohl mehr Berechtigung zu solcher haben, die des Homer oder die der Tra giker ? Dr. G. S i e g e r t.) Der Held deö Tages in England. Wer mag der Held des Tages sein In England jetzt? ich frag es. Von wem spricht dort wohl Groß und Klein Jetzt, als vom Helden des Tages ? Von wem ist dort jetzt Alles voll, Herzen, Münder und Blätter? Wen feiern die Brüder in Apoll Jetzt dort mit Reimgeschmetter? Der Admiral wohl ist es, er, Der große Thaten vollsührte. Als neulich er vom sicheren Meer Die Nilstadt bombardirte ? Natürlich kann nur er es sein, Seymour, der taplere Degen, Der selbst in's Blaue schießt hinein. Weil er gar zu verwegen. Der ist's natürlich, der in den Krieg Geführt hat Englands Helden; Der sicher bald wird Sieg auf Sieg Dem harrenden Volke melden. Nein, weit gefehlt .' Der dort jetzt steht In des Interesses Mitte. Es ist eine schwarze Majestät Und kein geborener Brite. Ein wilder Fürst ist's, den ir.it Müh' Einst England überwunden ; Der ist der Held, wie spät und früh Die Blätter Englands bekunden. Des Tages Löwe, der allda Den Aufenthalt hat genommen; Statt hinzugehen nach Afrika, Ist er von dort gekommen. Was geht der Nil Altengland an Und die Aegyptische Frage ? Viel wichtiger ist, was der schwarze Mann Beginnt an jedem Tage. Des Tages Held, der Abgott all' Der Zeitungsleser und Gasser Verkündet sei's mit Jubelschall Ist Cetewayo, der Kaffer. (Kladderadatsch.) . m . Die Bimetallisten veranstalten in Köln einen Congreß. Die armen Mitglieder dieses Congresses! Sie können doch nicht zugleich reden und schweigen, wie vollen sie also zeigen. daß sie Bimetallisten find ?