Indiana Tribüne, Volume 4, Number 438, Indianapolis, Marion County, 30 August 1882 — Page 2

Zndilma Möime. FügliHc- und SonlagssnsZsSe. Ofsicc: tt2G. Dc!awarcStr.

fEptcral as gecon(l-clr..R3 matter at the rostoslice at Indianapolis, Indiana.J Abonnements-Preise : Tägliche Ausgabe 12 Ctt. Per Woche. SonntagSanSgabe. ; 5 Cts. Per7!umn:cr. Beide zusammen.'. 15 Tt?. pcrQoch-. ZT Da Tagblat! crschkint jcdcn Nachmi!tag um 2 t)i. Die CoLntagSankgab erscheint bei Morgen. Tribuno Publishing Cosipany. Indianapolis, Ind., 30. August 1382. Trogucn-Verfalschuttg. Philadelphia 'ist der Stapelplatz für die in den Ver. Staaten zur Verroendung kommenden Droguen. Die Ver fälschung diesrs so wichtigen Artikels hat dort einen Umfang angenommen, der schon ' lange die Aufmerksamkeit der Aerzte und Apotheker auf sich gezogen hat und über den sich jetzt auch die Presse linddie öffentliche Meinung in der Stadt der Bruderliebe mit Empörung aus 'spricht! ' Chinarinde wird' aus gewöhn licher, mit einer schwachen. Lösung von v Chinoidin getränkter Baumrinde, Arnicatinctur auS Geum urbanum her gestellt Cichorie .wird für Löwenzahn abgegeben, ungemischter Rhabarber ist käum'mehr" vorhanden, Anis wird mit LehWüngarischer Pfeffer mit Ziegel mehl,Trudenfuß mitLinsenmehl, Ammo niac mit Quarz, Teufelsdrcck mit schwefelsaurem Kalk verfälscht. Unter Gummiarabikum wird gemah lener Sand, unter Opium Blei, unter Castoröl Fischthran und Crotonöl, unter Olivenöl Paraffins! gemischt und von sämmtlichen ätherischen Oelen kommt nicht ein einziges von Philadelphia aus rein und unverfälscht in den Handel; dasselbe gilt von den Säuren. Es ist soweit gekommen, daß beinahe sämmtliche Droguen in Philadelphia .mit schädlichen oder nicht heilkräftigen ..werthlosen Stoffen versetzt werden und daß sich aus dem Grunde nicht nur in .dtrQuäkerstadt, sondern überall in den Vereinigten Staaten' kein Arzt auf die" Wirksamkeit der von ihm ver ordneten Arzneien verlosten kann. .Wirf die Medicin zu den Hunden, ich 'ag sie nicht" sagt Macbeth und dahin wird eS kommen, wenn nicht in allen Theilen des Landes die Aerzte undApo . theker dem Treiben der Wholesale Schwindler in Philadelphia entgegen treten. Wir wissen, daß wir in vielen unserer Stzeisen-und Getränke verfälschte Stoffe zu uns nehmen, wenn aber der Arzt, den wir rufen, daß er die maltraitirte Ma schinerie wieder in Ordnung bringe, beim besten Willen nur neue Fälschungen in uns hinein siltrirt, wie sollen wir dann noch den unheilvollen Einflüssen widerstehen, die nicht nur aus Küche und Kel ler, sondern erst recht aus der Apotheke auf uns einströmen ? Das geringste was Aerzte nnd Apotheker außerhalbPhiladelphias thun kön nen, den dortigen Droguisten ihr schwindelhastesGebahren abzugewöhnen, ist,daß sie jede von dort kommende Droguen Sendung genau untersuchen und, falls sie nur eine Spur von Verfälschung sin? den, prompt retourniren. JSmailia. Wie einst Athene als ausgewachsene Jungfrau six und fertig und in voller Waffenrüstung aus demHaupte deSZeus, welches der junge Hiphästos mit einem Schmiedehammer eingeschlagen hatte, emporsprang, so entstammt dem kühnen Gedanken des großen Canalbaumeisters de Lesseps Jsmailia, das wie ein Pilz gewissermaßen über Nacht aus der Erde emporschoß. ' 'Während die Bauten am Suez Canal im Gange waren, sah Lesseps die Noth wendigkeit ein, auf halbem Wege zwi schen Port Said und Suez eineÄnsied lang zu gründen, von der aus die Tau sende von Arbeitern mit allem, was sie zum Lebensunterhalte brauchten, verse hen, und in welcher die für das großar tige Unteruehmen erforderlichen Bureaux 'und Beamtenwohnungen errichtet werden konnten. Mit dem ihm eigenen Schars blick wählte Lesseps eine sich nur unbe deutend über die Sandwüste erhebende Bodenerhöhung als Bauplatz, auf welcher nur wenige vrkrüppelte Palmen die Monotonie der weiten Umgegend unterbrachen. Straßen und Häuserge vierte wurden im Sande ausgelegt Palöste wuchsen empor, öffentliche Plähe wurden mit großen Kosten mit Anlagen versehen und ein großartiger, zwölfAcker umfassender Park gingeben so schnell der Vollendung entgegen, wie die einsachste Hütte des Arbeiters. Die neue Stadt wurde dem damaligen Khediv zu Ehren JSmailia genannt und dieser ließ ein prachtvolles Lustschloß daselbst erbauen, um welches sich die Villen der Unterbe amten der Canalbauaesellschaft grup pirten. Ein Canal führte von Zagazig der neuen Stadt das Wasser des Nil zu und aus der Levante von Suez, Cairo ulld.Alkt.lndna jirmiilni (!eschäftöletttc, hättdne!kec, keuschen der vcrjchiebenstttt et.ett-zstrllnilett und Watioiuilitätcn ju 'iuujeubeu herbei. Die neue Stadt zahlte böld gtsten 12,MH)(f:inuo?)uer und, uuti den Altwasser befruchtet, entwickelte ihre Umgebung in kürzester Zeit eine wahrhaft wunderbare Vegetation. Der Süßwasser-Eanal von Zagazig .wurd von JSmailia aus nach Suez weiter ge führt und die Existenz dieses le.ercn Platzes ist von der Eanalverbindung in ähnlicher Weise abhängig, wie diejenige von JSmailia. Seinen stolzesten Tag hat Jömaila i November 18C9 gesehen, als zur Feier der Eröffnung deöSuezkanalS eine der glSyzeudsten Flotten der Wett in den

See Timsan einfuhr. Voran dcrAigle mit den kaiserlichen Banner Frankreich?, die damals noch schöre und mächtige Kaiserin der Franzose an Bord, gefolgt von 50 stolzen Dampfern, die den Kai sc? von Oesterreich, dm Kronprinzen von Preußen, den Prinzen Heinrich kaftol land und Gesandte cllcr Staqten Europas trugen. Natürlich strahlte Js mailia im glänzendsten Festgewände und der Khedive ließ als gastsreier Wirth et was daraus gehen. So schnell Jsmailia groß geworden, so rasch stieg eS, nachdem der Canal dem Verkehr, übergeben worden, von seiner stolzenHöhe herab und gegenwärtig zählt es noch ungesähr 2.000 Einwohner. Wer je den fernen Westen bereist hat, dem traten dort bäusia aam ähnliche Erschei

nungen, wenn auch meist in geringerer Ausdehnung, vor Augen. Anden End punkten der Eisenbahnen entwickelt sich während des Baues ein wunderbarer Verkehr; ist die Bahn vollendet, dann fahren die Züge an den verlassenen Niederlassungen vorüber, die yäuser und Hütten verfallen und oft ist der Name der Ansiedlung schnelln vergessen, als tt bekannt wurde. Neue Judiancr.Polttlk. Die Indianer - Frage lst ein schwieri ges Problem. Erleuchtete StaatSmSn ner haben, namentlich früher, ' vorge schlagen, die Indianer auszurotten; eS würde dies eine Nadicalcur sein, aber sie würde, doch gewissermaßen mit den Grundsätzen der Billigkeit nicht völlig zu vereinbaren sein und schließlich hätten die Rothhäute, wenn eS an ihre Beleiti gung geht, doch auch ein Wort mit zu reden und könnten einer solchen Maßre gel mit so schlagenden Gründen entge gentreten, wie dereinst Eapitän Jack und Sitting Bull. So ist am Ende die gegenwärtige Politik, die Indianer zu füttern, zu kleiden und ihnen Waffen zu liefern, damit sie ihrer Liblingsbeschäftigung, dem Einsammeln 'von Scalpö ungehindert nachgehen können, immer noch die beste. Wenn man die Jndianer bei gute? Laune erhält, so saullenzen sie an Wochentagen und widmen nur die Sonntage fanatischer Kopsarbeit, d. h. dem Einsammeln von ScalpS. Diese Politik könnte noch insofern verbessert werden, als man den Indianern Mund vorräthe, Kleider und Waffen nicht in natura liefert, sondern ihnen die entsprechenden GelodetrSge auszahlt und es , ihnen nachher überläßt, das was sie brauchen, von den Jndianer Agenten zu kaufen; für die Letzteren wäre dies Versahren noch ersprießlicher, als daS gegenwärtige und wenn man dann den Agenten noch den Schnapsverkauf an die Indianer gestat tete, so würde selbst ein erleuchteter und selbstloser Politiker wie der BuffaloMiller diese Maßregel billigen Ein vrominenter Jndianer-Stamm, die "Young-Man-Asraid-of a-Wa-tcrmelon" haben bekanntlich vor un gefähr einem Jahre die Ebenen von Arizona, wenn man so sagen darf, un sicher gemacht. Sie bestanden aus 35 Kriegern und trieben es nicht gerade zu arg, denn sie erbeuteten an ScalpS nicht mehr als durchschnittlich zwei und einen halben pro Mann und Tag. Trotz dieser Mäßigung der Indianer waren die meisten Ansiedler durch daS Auftre ten derselben unangenehm berührt, aus demVernichtungskrjege, den eine Abthei lung Bundestruppen unternahm, kamen nur drei Mann nach dem Fort zurück und nun saßten die Ansiedler in einem Meeting die Resolution, die Beseitigung der Indianer selbst in die Hand zu neh men. Wie so ost der Zusall gescheuter ist, als der Verstand der Verständigen, hat er auch in diesem Falle den rechten Weg aezeiat. Vor Kurzem kam nach Graveyard Clty im südwestlichen Arizona ein Hausir er, der einen zweispännigen, vollbe packten Wagen mit Patentmedicinen mit sich führte ; in Folge eines Streites mit einem betrunkenen Temperenzler schoß ihm der letztere eine Kugel durch den Kops, die der Haustrer, bevor er seine letzte Reise antrat, durch einen ebenfalls tödtlichen Schuß auf seinen Gegner er widerte. Hierdurch war das Eigenthum des Hausirers zur herrenlosen Sache ge worden und oat um so mehr, als der Mörder, der den Hausirer umgebracht und hierdurch in Analogie mit dem im (lernen Westen. geltenden Bergrechte Be sitz 'von dessenEigcnthum ergriffen hatte, k.trfrtsf8. vn a li'VII UU IWI WUti i Da ergriff ein alter und erfahrener Miner das Wort und machte den Vorfchlaq, den Wagen mtt den Patent Medicinen in diePrairie hinauszufahren, dort den Indianern zu überlassen und hierdurch die früher beschlagene Ber nichtuna herbeizuführen. Zwei Frei willige meldeten sich als Kutscher, und kaum waren sie eine halbe Meile vor der Stadt angelangt, so sahen siedle ganze ' Bande der "Young-Man-Afraid-of-a-Watcnnelo:i" am Horizonte austauchen. Die Leute aus Graveyard City zer schnitten die Stränge, der Pserde und sprengten in die Heimath ihrer Lieben zurück. Frohlockend machten sich die Indianer über den Waaen' her und ent deckten: wMrs. Winslow's Sootliing Synip", MrsWindliam's tavonte Kemedv", Smith's Fever and Air in ()im ttrown's Ins allihle l.olioii. lor l!u lJh-mn;H iMn KoliinsniiV Kiilmty rrusorv.-ilive", TImhii s4n'fi Sure (Jiuv 1W simiptiwn" und ,;I:idvaf s SansaiKiiilliau Kt-sol vonl". Bi zi:m fru l;en Morgen dotierte da? frohe Gelage. treitdare. kräftlae. elaitlsche Man ner waren Vounc-Man -alVaid-of-a-AVatcrrnelon ausgezogen, als blei che, abgemagerte Krüppel, . mühsam an Stöcken dahin schleichend, langten sie drei Tage spater in dem benachbarten Fort an; in Folge der verschiedenen .Numsorten". dte ne genossen hatten. waren sie in Besth aller der Krankheiten gekommen, welche die genannten Patent Medicinen mit unausbleiblichem Erfolge curircn. Sie verlangten flehend nach

Äem Agenten, Rv. Smith, der zum Glück ein Temperenzler u?ar und legten in dessen treu? 5)and das Gelübde völliger Enthaltsamkeit ah. Smith hat jene

Zrayeren Krieczcr als abircckende iwiele in verschiedene GkJNs-Zdtc des Landes vertheilt und dieselben tragen so wc liö jentilch zur Forderung des gottzefalcn Tempcrenzwerkes bei, datz die Nachfrage nach weiteren abschreckenden Beispielen unermeßlich ist. Die Bürger des freundlichen Graveyard City haben iciö ausgebracht unö jmd mtt mehreren atcntmedicin-Z?adrikanten wcaen !e ferung billiger und zuserlässigerWaaren 1 r. . . m cv p r m u,nieryanviung aeirelen. ÄUs oit)t eise wird Arizona seine Indianer los W u nd diele wirken inmitten der Civilisa tion in nistjorern Dei gloriam. Zwischen Amerika und ?::ropa. Der Vlan. die Reisen zwischen Ena land und den Ver. Staaten wesentlich abzukürzen, ist dadurch seine? Verwirk lichung näher gekommen, dak sich behufs seiner Ausführung die American & European Short Line Rallroad Co." mit Dr. Norvin Green als Präsident und A. B. Blackman als Vicepräsident, beide in New Z)ork, gebildet hat und um Verleihung von CorporationSrechten eingekommen ist. Die neue Linie wird unter Benutzung der bestehenden Bahnen von New Pork über Boston, Bangor und St. Johns nach Ozford in NeuSchottland, von da mittels einer zu erbauen den Bahn nach Neu-Glasgow und von hier mittels der Halifax & Cape Breton Eisenbahn bis zur Straße von Cansa führen; von da werden Dampfernach Cape North fahren und von hier wird eine Eisenbahn bis an die Küpe von Neusundland gebaut werden, von wo die Seedampfer Passaglere und Fracht nach Irland befördern. Diese Dampfer werden in ode: bei dem Hafen von Galway landen. Zwischen Neusundland und Irland fol len täglich Schiffe lausen und zwischerdem Landungshasen in Irland rnrt London wird eine möglichst directe Verbinduna unter Benutzung der vorhande nen Bahnen hergestellt. Neben der kürzeren Dauer der Relze, die bei dieser. Fahrten erzielt wird, wird das Haupt gewicht darauf gelegt, daß die projectirt, Linie den Gefahrm nicht ausgesetzt ist. die mit der Küstenschissfahrt zwischen Neufundland und New )orr verbunden sind. Die landschaftliche Schönheit bei Gegenden, durch welche die Bahn n NeuScholtland und Neufundland fährt, wird als außerordentlich großartig geschildert. Tcr S)tau!lorb. Da sich die Handelskammern in Preu ßen wiederholt sehr nachdrücklich gegen die sogenannte neue Wirthschastspolitil der Regierung ausgesprochen haben, so hat letztere beschlossen, ihnen einen Maulkorb anzulegen. Zu diesem Zwecke sind sie aufgefordert worden, ihre Jahresberichte vor der Veröffentlichung dem Handelsminister einzusenden, der dann thatsächliche Unrichtigkeiten" berichtigen werde. Viele Kammern weigerten sich dessen, aber die von Minden war folg sam, sandte ihren Bericht ein und erhielt folgenden Bescheid : ..Der mittels Be richt am 28. v. M. mir eingereichte Iahresbericht der Handelskammer für 1881 enthält auf Seite 40 ff. in Betreff des Tabaksmonopols eine Ertragsberechnung, welche siti als eine Kritik der bezüglichen Regierungsvorlage zu erkennen giebt und von der in der in der letzteren enthältenen Berechnung wesentlich abweicht. Wenn auch diese Gegenrcchnung zu einer t h a t s ä ch l ichen Berichtigung keinen Anlaß giebt, so kann ich doch nicht unterlassen. die Ha:'.dz!?k.inmtr dare" hinzuweisen, daß eine de:arige, über da.' Nahmen der speziell durch die Handtlö' kammern zu vertretenden Interessen hin-, ausgehende Erörterung sich zur Ausnähme in einen Handelskammerbericht nicht eignet und daher richtiger unterblieben wäre. Der Minister für Handel und Gewerbe. Im Auftrage: gez. Wendt.". ... Weil also die Handelskammer nach wies, daß die on der Negierung beigebrachten Zahlen zur Begründung des Tabakmonopols falsch waren, sollte ihr der Mund gänzlich gestopft werden. Sie ließ sich das aber nicht ohne Weitereö gefallen, sondern wies daraus hin, daß eS gerade ihre gesetzliche Bestimmung sei .die Gesammtintercssen der Handel und Gewerbetreibenden ihres Distrikts wahrzunehmen, insbesondere die Behörden in der Förderung von Handel und Gewerbe durch thatsächliche Mittheilungen, Anträge und Erstattung von Gutachten zu unterstützen." Gleichzeitig äußerte sie den dringenden Wunsch, den Handelskammern auch serner eine freie B e u r t h e i l u n g der auf Handel und Industrie bezüglichen Gesctzcsvorlagen zu belassen. Solche Wünsche sinken indesien bei dem eisernen- Staatsmann kein Gehör. Er will vielmehr die Handelskam mern ganz beseitigen und an ihre Stelle Distrikts'Volkswlrthschastsräthe sehen, die natürlich aus Geschöpfen der Regie rung bestehen sollen. Es ist stets das Unglück nicht nur der Köniae. sondern der Machthaber überhaupt gewesen, daß An V . ' K ic inr iiuijryni nu)i uorni um 1 1 Ml. speettlirendtr Viii,ttr. Die radikalen Pariser Blatter iVjüiideln den neuen Ministerpräsidenten Du c!erc-mit sehr geringer Liebenswürdig keit. Das radicale Blatt Verite" be grüßt ihn z. B. solgendermaßen : Hm: Duclerc' ist ein Geschäftsmann, aber nicht immer ein guter Geschastsmnn,' er toagt kühne und zweifelhaste Spcculationen, welche ihn ost in die kritischsten Situa tionen gebracht haben. Er ist ein Bör senmann, aber kein Politiker, und am allerwenigsten ein Staatsmann. Herr Duclerc ist Mitglied der Verwaltungrathe mehrerer großer Jinanz'Ge ell.

schaften. Die eine derselben hat ihre Hauptintereffen , im Orient und in Äegypten. Wenn man das im Elysee nicht weiß, so weiß man es in Europa. Auf welche Weise aber ein VerwaltuncisMitglied dieser Bank die Interessen Frankreichs wahrnehmen wird, ist wohl nicht schwer zu errathen." . . ' Vorausgesetzt, daß diese Angaben auf Wahrheit beruhen, ist Herr Duclerc nicht der erste französische Staatsmann unter" der neuen Republik, der die Politik mit der Spekulation verbindet. .Der berühmte Gambctta, Her? Leon San und viele andere hervorragende Persönlich leiten zeichnen sich in derselben Richtung aus. Es !äßt sich daher kaum erwarten, daß die Herrschaft der gegenwärtig am Nuder befindlichen Patrioten von langer Dauer sein wird. Lediglich um den Börsenschmindel allmächtig zu machen, hat die französische Nation das Kaiserreich nicht gestürzt.

L ivcr nicht üdertrirben. Ein italienischer Landmann hat unter dem Titel Die Stimme eines Bauern" ein 'Buch veröffentlicht, dem solgende Schilderung aus dem Leben des ländlichen Arbeiters in Italien entnommen ist : Man stelle sich vor, daß es mitten im Winter ist. Der Baue? mußbeiSonnenaufgang im Felde sein, und nach vier bis fünf Stunden ermüdender Arbeit gestattet man ihm, eine kurze Stunde auszuruhen und sich zu erfrischen. Auf einem Steine, oder der bloßen Erde sitzend, entnimmt er einem Korbe oder Tuche einige Schnitten schleckt zubereite ter Polenta (Maisspeise) und wärmt sie nebst einem Stück ranzigen Herings an einem improvistrten Feuer. Mit diesem elendem Mahle belebt er die erschöpften Kräfte. Zuweilen wechselt er die Diät und ißt seine Polenta mit einigen Feigen, oder einer verschimmelten Käsekruste, oder eßbaren Schnecken, oder mit einem Paar Fröschen, die in einemStosf gekocht sind, der zwar als Olivenöl verkaust wird, aber' weiter nichts ist, als ungesundes, stinkendes Fctt. Die Abendmahlzeit ist nicht einladender. Sie besteht neben der Polenta aus einigen Blättchen Salat, mit einer, geringen Menge Oel und Essig angemacht, oder statt dessen aus einem Hering, etwas Brot, einem Apfel, oder aus Radieschen, Zwiebeln, Knoblauch und dergleichen."' Diese. Schilderung ist leider nicht allein sür Italien zutreffend, sondern auch in vielen andern Gegenden Europa, namentlich wo der Großgrundbesitz und der Kartoffelbau vorwaltet, lebt der ländliche Arbeiter zwar etwas anders, aber nicht bester. Daß diese Elaste nicht in größerem Umfange auswandert, liegt gerade an ihrer schrecklichen Armuth. Die Mehrzahl kann das Reisegeld nicht austreiben. Da? Knie Exercitium ist diejenige .Arbeit" der, zur Zeit in New Vork sich wie verrückt qederdenden Heils-Armee, von welcher die Bande die größten Bekehrungs-Erfolge erwartet. Mit militärischer Pünktlichkeit fällt die Gesellschaft auf die Kniee und wiederholt das von Kapitän Joe Jron eingeleitete Gebete Satz für Satz dreißig bis vierzigmal. Dann folgt der übliche und bekannte Erwcckungsdienst, während dcffen die Weiber hiflerisch werden und die Männer brüllen. Die verrückteste unter den Frauen ist die Hallelujah Abbie", eine Engländerin. Die Armee ist gegen jede Art von' Störung oder Neckerei gleichgültig und die Mitglieder behaupten, daß sie di, Avantgarde einer großen Armee sind, welche den Satan von der Erde vertreiben soll. Das Motto aus der Fahm er Armee lautet: Blut und Feuer-; -jtatt ist das Blut der Erlösung und dat .Zeucr des heiligen Geistes gemeint. Und aus solcher Prosanation, cu-' 'olcher Gemeinheit, aus dem Temperenz chwindel.und dem scheinheiligen Sonn .'agssänatismus soll sür Amerika der Scgen'kommcn. , vom Inlanve. Der Schauspieler George Howard in Philadelphia wurde kürzlich von so hochgradiger Schwerhörigkeit besallen, daß er kein Wort derjenigen Per sonen verstehen konnte, mit denen er sich gleichzeitig auf der Bühne befand. Seine Frau nahm in jeder Vorstellung, in der er aufzutreten hatte, einen Platz im Parquette und machte ihm-durch vorher verknbarte Zeichen bemerklich, wenn er ein zusallcn habe; dieses Versahren' haben die BcidcnMonale hindurch eingehalten, ohne daß es von den übrigen Schau spielern oder von dem Publikum bemerkt worden wäre. Ein sensationswüthiger Heiliger in Jersey City, der Heilsarmee angehörend und mehr unter dem Namen 'Salvation Bill-, als. seinem rechten, William Eahill, bekannt, wollte seine Verwandten ärgstigen und gleichzeitig von sich reoen machen, indem' er am. Dienstag nach dem Abfall-Dcck ging.sich dort die Taschen voller Steine packte und in's Wasser sprang. Mehrere Per sonen waren Zeugen der That,' und die Polizei suchte zwei Stunden vergebens nach seiner Leiche. Ende vor. Woche tauchte er wohlbehalten wieder aus und erzählte, daß er nicht die entfernteste Ab. iicht gehabt, schon in den Himmel einzu ilu, sondern daß er im Wasser der, Ballast nieder aue seinen hasche nahm, an' and kletterte und nach fit VJork ging - Vlllfv nur, weit seine Freunde ihn schlecht behandelt hatten und er der berühmteste" Mann der Stadt werden wollte. ' Genau dervierteTheilder 1M0.000Äcnschcn, welche sich imDienste der Eisenbahnen des Lande? befinden, sind mit dem Bau von Eisenbahnen be schästiöt. Diese Zahlen gewähren ein lebhastesBild von dem riesigenUmsange, welchen die Eisenbabn-Jndustrie erreicht bat. Es ist in der That erstaunlich, daß jeder dreißigste Mensch sür eine Eisen

bahn arbeitet. Zum Betrieb werden, nach Voor. -die Albcuer in den Maschi neN'Werlstätien eingeschIossen.-12Mann für jede Meile gebraucht. Kein Wunder, ?aß dikjenigen, nielche die Eisenbahnen controlliren, so mächtig aen?ordcn sind. Texas hat 5 0, 000 Acres Schulländereien,' deren Werth rasch steigt.' Gegenwärtig beträgt derselbe l00.c00,000 Dollars und wird in nicht allzu ferner Zeit auf eine omerikanifche Viertel'Billion angewachsen sein. Der neue brasilianische Gesandte für die Ver. Staaten, F. Lo oez Netto, kam E.-.e o. W. mit dem französischen Dampfer abrador" in New Z)o-k an, ' um dir Pflichten seine neuen Amte zu iidernckmen. Er ist der Führer der l beraten Partei in Bra silien und war durch viele Jahre Mit glied des Parlaments. Lei der Een tennial-Auöstellnng roar er einer ttx brasilianischen Commissäre. Eine amüsante Geschichte passirte Ende vor. W. in New Z)ork. Die Pferde aller durch die kaffaustraße kutschirenden Fuhrwerke wurden unruhig und ängstlich, sobald sie einen gewissen Punkt an der Ecke von Ann Street erreichten. Es war da nirgends etwas zu sehen und doch schien es. als ob ein un sichtbares Etwas den Thieren Furcht und Schrecken einjage. Je mehr Fuhrwerke herankamen, desto schlimmer wurde die Sache. Man sah alte Rosinanten, die lammfromm vor ihren Karren' ein herkrochen, plötzlich sich hoch ausbäumen und mit mächtigen Sätzen davoneilen, sobald sie an der betreffenden Stelle angelangt waren, während die Rosse vor Kutschen und Droschken die drolligsten Bocksprünge machten und dann wie von Furien gepeitscht davonjagten. Niemand vermochte sich die Sache zu erklä ren und die fluchenden Kutscher glaub ten alle steif und fest, der Böse spiele i nen einen Schabernack. Natürlich sammelte sich bald eine großeMenschenmenge an, die ihr Gaudium an dem Schau spiele hatte, und die Straßenjugend war außer sich vor Vergnügen, sobald ein neues Opser herankam. Wie bei allen zuerst übernatürlich erscheinenden Dingen, so blieb auch hier die Ausklärung nicht aus. Man entdeckte ' schließlich, daß unter der betreffenden Stelle Edi son's elektrische Drähte Hinliesen, und daß die Leitung dort schadhast war, so daß die Elektricität hervordrang und die darüber hin Passtrenden Pserde elektrische Schlag? erhielten, die sie im, wahren Sinne des Wortes elektrisirten. Die Strömung wurde abgestellt und damit hatte der Spuk plötzlich ein Ende. V o r K u r z e m st e l l t e sich ein junger Mann aus San Francisco dem Director der Conc?rd-Schule os Philosophy in Boston vor, überreichte demselben mehrere Empsehlungsbriese und bat um Aufnahme in die Schule. , Seinem Gesuche wurde entsprochen, und der junge Mann erwarb sich durchVorkennt nisse, Gelehrigkeit, und Betragen schnell die größte Zufriedenheit der Lehrer. Dieser Tage theilte er demDircctor mit, er wünsche einen Wechsel über $700 ein zuziehen, wurde der Bank, welche dieGeschäste des Direktors besorgt, vorgestellt und erhielt von' dieser den Wechselbetrag mit. 5700 ausgezahlt. ' Seine Hauswirthin führte ihn bei ihrem Bruder, der ein Schneider ist, ein,' und dieser'gab ihm auf einen Wechsel über $350 die Summe von $310 und einen Anzug im Werthe von $40 heraus,der jungeMann casstrte noch mehrere kleinere Wechselbeträge ein und verschwand; sämmtliche Wechsel waren natürlich gefälscht. - Wasser m e lo n'e n g e l'te n . so wohlschmeckend sie unter Umständen sind, nicht' gerade als nahrhaft,' doch hat sich kürzlich ein Fall ereignet, in welchem ein Mann sich über eine Woche von der fast, reichen Frucht ernährte. Ein geioisjei Zose Manuel Rivera verließ in einem Canoe den Isthmus von Panama, um Waffermelonen nach der Insel Otcqur zu bringen, wodieselben verkaufen wollte. ES erhöh sich ein Sturm, wel cher ihn in die Se hinauLtrieb, und all:

l seineBemühungendie Küste zu erreichen,P. ' a4 c ' i. rm waren vergeoucy. 2leyr ais eine 2uocye trieb er . umher und 'lebte ausschließlich von Wasiermeloven,' welche ihm gleichzeitig als feste und flüssige Nahrung dienten. Schließlich rettete ihn ein Dampser, welcher. daS Cänoe und seinen Insassen bemerkt hatte. Nivera soll sich bei seiner Kost gar nicht übel befunden haben. Jn'Betress des Motors des Herrn Keely berichtet der von den Gläubigern des Erfinders mit der Un tersuchung über , den Stand der Ersin dung beauftragte Hr.. William Böckel, Keeley habe allerdings eine neue Natur krast entdeckt, welche eigenthümliche Wir kungln zeigt, die in Einzelheiten von denen komprimirter Lust oder anderer Gase verschieden seien, daß aber die Er findung noch nicht weit genug' vorge schritten sei, um j. tzt schon eine technische Beschreibung zu geben, auf welche nach dem Patentgesetze ein Patent erlangt werden könnte. Während dieser' Saasoi werden nach Aussagen eines Sachver ständigen nicht mehr als die' Hälste bei SommerHotels ohne Verluste davon kommen und nur etwa- fünf' Prozeni Geld machen. . . : : ' Schuhputzerin in G a l v e s -ton ist ein hübsches Mädchen . von 18 ',hren, jiiul.ergiykidktet und höftich ie hat einen tut)l an einer Ttraen. U und verdient täglich ii . : DUur. Pliil. Rappaport, Ncchtsanlvalt und Notar, 02 SödDelaware Str., INDIANAPOLIS, INI).

Oom vlu5lsnde Der Postbeamte in TraiZ caucr in Böhmen, Schuscik. unterhielt seit Jakren mit einer Wienerin ein Lie bcsverältniß, welches er in letzter Zeit stark vernachlässigte, weil er sein Herz an eine Andere vergcbm hatte. Sein: Wiene? Geliebte erfuhr hiervon und bc schloß, sich an dem Ungetreuen zu rächen. Sie kam nach Traismaucr, wo sie den Geliebten im Posiburcau arbeitend an' traf. Nach einem lebhaften Wortwcch scl zog da? Mädchen plötzlich ein schars geschlissenes Dolchmesie? und dersctzte dem Schuscik damit drei Stiche, denen er nach zwei Stunden erlag. Der Ermordete war 28 Jah:c alt. Die Mör dcrin wurde sofort festgenommen und dem Bezirksgerichte Herzogcnbrg übergeben. Der Dom z u Erfurt, eines der werthvaLften und impofantestcnBauwerke Deutschlands, soll in Kurzem im Innern eine Renovirung erfahren, mit welche? der Banrath Vincenz Stah in Köln beauftragt werden soll. Die Arbeit, die u. a. dicErrichtung eines o.othi. jchen Altars einbegreifen wird, soll etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Aus Durham w i r d g eschrieben : .Ein junger Mann ward in einem Hotel verhastet, weil er daselbst eine Börse mit drei Schillingen gestoh len hatte. Am selben Tape langte die Nachricht hierher, daß der Dieb von ei ntm Verwandten ein L'gat von 20,000 Pfd. Sterling geerbt habe.' . Die Befestigung von Thorn in Westpreußen schreitet bedeutend vor und die Arbeiten an den detachirten Fort werden die Stadt zu einem Haupt masfenplatz machen. ES ist demerkenswerth, daß, nachdem die Befestigung? arbeiten lange Zeit g?rnht. sie jetzt gerade mit verstärkten Kräften wieder aufge nommen werden. Vor Jahren war man über die Befestigungsweise nicht einig und die Ansichten schwankten ixju sehen einer Festung in gegebener Ärt und der Anlage eines großen verschanzten Lagers. Letzteres dürste nun wohl aufgehoben sein, und es ist anzunehmen,daß die Befeitigurg nach einem neuen wohl durchdachten Plane ersolgt. Die Kosten sind schon lange von dem Reichstag be willigt nnd stammen aus dem vorbehalteuen Theil der französischen Kriegsent schädigung. aus melchen Mitteln auch die Neubefestigurgen von Metz und Straß bürg entnommen worden sind. In letzter Zeit haben mehrfach jüdische Jliichttinge inKönigS' berg ibren Aufenthalt genommen; von diesen sind 17 angehalten und wegen Legitimations und Mittellosigkeit am I. August zwangsweise mit der Ostbahn nach Eydtkuhncn geschasst worden, um über die Grenze gewiesen zu werden. Aus Furcht vor Festnahme verließen da rauf mit dem Abendpersoncnzuge von Berlin etwa 20 Flüchtlinge sreimillig die Stadt. Eine Stif t ung eigener Art ist der Landsmannschaft Plavia in Leipzig zugefallen. Vor elroa acht Wochen wurde ein Student der Land wirthschast. Mitglied dr PlaviV, im Duell erschossen; in einem hinterlasse nen Briese dcponirte er sür den Fall, daß er fallen sollte. 1000 Mark zu dem Zwecke, daß seine Kommilitonen zum Begräbniß nach seiner im Lüneburgischcn gelegenen Heimath kostenlos reisen könnten. In der That war die.Pla via' bei der Beerdigung vollzählig vertreten. Jetzt hat die'Mutter des Un glucklichen den Plaviern eine Summe von 12.00) Mark überwiesen, mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Ea pitals dazu verwendet werden, Unbe mittelteren den Beitritt zu genannter Landsmannschaft zu ermöglichen. Das H andelsgeographi sche Museum in Berlin wird Mitte Ok tober d. I.' eröffnet werden. DenHaupt degandtheil desselben wird die rcichhal tige Sammlung und Ausstellung der brasilianischen Landesproduktc bilden, welche Ende Juli von dort verschisst wor den ist und Mitte dieses Monats in Berlin Antreffen soll. Es sind dabei über 2C0 Ecntner verschiedener Kaffee proben, eine komplete Sammlung der schönsten und seltensten Sachen, nicht nur Steinwaffen, Töpfe u. s. w. von Indianern, sondern auch Perlenketten, Muscheln und eine komplete Samlmung brasilianischer Mineralien, einschließlich einer vortrcsslichenKollcktion vonAchaten und Krystallen. Bon d erPolizeibehörde in Laibach wurde aus dem Südbahnhose daselbst ein junges Frauenzimmer in Hast genommen, dasMännertleider trug und aus Trieft kam. Dasselbe war mit einem langenKüchenmesser bewaffnet und kam aus demHause.aus welchem die' ver hängnißvolle Bombe geschleudert worden sein soll.' - Aus Befragen gab die Arre tirte an, daß sie fchon lange die Absicht hatte, ihrem Liebhaber zu entlaufen, und daß sie, um - dies ausführen zu können. Mannerkleider anzog.' Das langeMes ser, das in ihrem Nockärmcl verborgen war, wollte sie zu dem Zwecke gekaust haben, um ihren Liebhaber, salls er sie erkannt und dann ihre Flucht hätte verhindern wollen, niederzustechen. Sie erzählt auch. daß derHerr jenes Hauses, aus dem die Bombe aus die Strsße siel, nach Italien geflohen sei. D a m i t d i e B a i e r n u n t e r

unsern Lesern wissen, womit sich ihr angestaubter tfiniij bsch.istiilt. melden ' wir. da d'..ö iitUtt. ioüS man ibm weis., darin bestand, daj, cr na, .,!? Vhenglin iinjiu und u: einem kleinen oote über den See bri Hlkttschwaugau im Mondscheine juhr, von den beiden zahmen Schwänen gezogen, welche er dem Meister Richard Wagner geschenkt hat. Wie Averir milituiro" in i i theilt, hat Kriegsminister Billot be schloffen, diesmal den ausländischen Os sizieren. die den Hcrbstmanödern der französischen Armee beiwohnen, keine Orden mehr zu geben. Rappell be. merkt dazu, diese Anordnung verdiene verallgemeinert zu erden, denn es sei