Indiana Tribüne, Volume 4, Number 436, Indianapolis, Marion County, 28 August 1882 — Page 2

ZndiüNÄ Hribi'me, Fäzlich:- und ScnRtsasansgaöe.

Qfstcc: G2 S. DclawareStr. rtered as gccond-class matter at the fcstosice at Indianapolis, Indiana. Aboneen!ZPreise : Tagli AuZbe. 12 Et?. Per Woche. SonntagZaukgabe ö Et, perummer. Beide znsammen 15 :. perÄoche. t3T" Das TaAdlZtt erscheint jeden Nachmit. lag um 1 Uhr. Die Eoantagsauzgabe erscheint des Morgens. m riaiie Publishing Company. x Indianapolis, Ind., t8. August 1882, Die CliXitlcltäU cit mehreren Monaten wurde keine mue Erfindung od:r Entdeckung von einiger Äeceutung auf den? Gebiete der Electricität und ihrer Anwendung auf da practifche Leben berichtet. Es muß dies um so mehr auffallen, als vor unge fähr einem Jahre kaum eine Woche ver ging, in der nicht unsere Kenntniß von dem Wesen dieser Naturkrast erweitert oder die letztere auf eine neue Art und Weisenden Menschen dienstbar gemacht wurde. In unserem PatentAmte gehen dagegen zahlreiche Gesuche um Verleihung des Patentschutzes für Verbesse rungen ein, welche die Verwendung der Electricität zu technischen -Zwecken be treffen, und dies beweist, daß man der letzteren dieselbe rege Beachtung schenkt, wie jemals zuvor. Wenn alle diese angeblichen oder wir! lichen Verbesserungen sich nur mit den Details der Ausführung der vielfachen bekannten Maschinerieen und Apparate beschäftigen, an den Grundprincipien aber nichts ändern und neue Bereiche für die Arbeit der electrischen Kraft nicht er öffnen, so geht es der letzteren hier mit, wie jeder anderen Erfindung. Zu manchen Zeiten drängen sich große Ent deckungen und Erfindungen und dann kommen Perioden, die sich nur mit den Details, mit dem Ausbau der Ersindun gen nach den gegebenen Richtungen hin beschäftigen. Das Telephon wird fort und fort verbessert, aber an der Idee, die den gegenwärtigen Apparaten zu Grunde liegt, wird nichts geändert ; die electri sche Beleuchtung scheint, mehr und mehr Mieder zu dem Lichtbogen-Systeme zurückzukehren und das Princip des Glüh llchts incandescent light namentlich aus dem Grunde zu verlassen, weil ein Stoss, welcher der Glühhitzeden wünschenswerten Widerstand leistet, immer noch nicht entdeckt ist. Auch an den Apparaten, welche, die Benutzung der electrischen Kraft für Zwecke des Be ttieds vermitteln, wird auf der Basis der bekannten Theorie fortverbessert. Einer größeren Verwendung der elec irischen Kraft im praktischen Leben steht der Umstand entgegen, daß die Herstel lunz der Kraft zur Zeit noch eine ver hältnißmäßig kostspielige ist. Die dy namischen Maschinen, welche diese Kraft zunächst erzeugen, führen den Drähten volle 00 Prozent der auf sie verwendeten Kraft zu, aber die Dampfmaschinen, welche jene Maschinen bewegen, entneh men dem Heizungsmateriale, das sie verzehren, kaum 20 Prozent der in ihm aufgestapelten Heizkraft. Keine Erspar niß an den dynamischen Maschinen kann diesen Verlust am Heizmaterial ausglci chen und aus diesem Grunde wird die Verwendung elektrischer Lampen im Haushalte, die Benutzung der Electrici tät als Motor so lange zu kostspielig bleiben, als die dynamischen Maschinen ausschließlich mittels Dampfmaschinen betrieben werden. Nicht nur hier ist schon wiederholt das Projekt aufgetaucht, die in Strömen und Wasserfallen ru hende Triebkraft in großartigem Maß stabe dienstbar zu machen.sondern Prof. Thompson in England hat schon vor Jahren erklärt und durch Experimente im Kleinen nachgewiesen, daß ein Zehn tel der aus dem auf den Gebirgen von Wales entspringenden Severn unge nutzt strömenden Kraft ausreichen würde, jede Stadt in England mit glänzende? electrifcher' Beleuchtung zu verschen und daß ein fernes Zehntel dieser Krast alle .Axen, Spinnmaschinen und mechanischen Webstühle in Großbritanien in Bewegung setzen würde. Wenn es erst gelungen sein wird, behufs Erzeugung der Electrität für die Dampfkraft eine billigere Kraft zu substituiren,dann wird die Electricität in allen Zweigen des gewerblichen Lebens und des Haushaltes schnell die Stellung einnehmen, die ihr zukommt. Port Said.

In Folge des Vormarsches der Briten gegen Arabi Pascha wird das Städtchen Port Said vorübergehend eine Bedeutung gewinnen, welche auch sein Aeuße res wesentlich umgestalten wird. Der kleine arabisch. frunzösische Hafenplatz ist in der Regel todtenstill und macht trotz sei ner 10 12,000 Einwohner oft den Ein druck einer völlig ausgestorbencn Stadt. Zwischen, der flachen Küste des mittelländischen Meeres und. den seichten La gunen des See Mengaleh gelegen, überrascht. sie den Besucher durch die Reihe großer Hotels, welche die Straße vom Hasen nach der Stadt einfassen, doch fragt man sich nach kurzem Umgange durch die Straßen, für wen diese Hotels da sind und wie es möglich ist, daß ihre Besitzer Geschäfte machen. Der tiefe Sand, welcher die Straßen bedeckt, macht das Fortkommen beschwer lich und die Einwohner schleichen schwei gend und geräuschlos zwischen den Strs ßen dahin. Die Läden sind von Mittag bis gegen Abend geschloffen und in die ser Zeit kann man Stunden lang in der Stadt umhergehen, ohne einer Seele zu begegnen. " " J ...

Nicht zufriere zu steücn. Nachdem die Mehrheit der franzöp scheu Kammer das Ministerium Frcycdnet gestürzt und jeder einzcne republikaNische Führer sich geweigert hatte, ein neues zubilden, hätte man füalich 'an

nehmen sollen, daß ein gänzlich farbloses Cablnet Anttanz Nnoen wuroe. ndessen wurde das Programm DuclercS sehr schlecht aufgenommen. Clemenceau hatte daran auszuätzen, öafe es zwar nichts compromittire, nichts auf's Spiel setze, aber auch absolute Unthatigkeit bedinge. Er sprach von einem Fertencadinet, von einem- Ministerium der Ohnrnacht und meinte,' daß ein solches nur dann zu gebrauchen wäre, wenn auch die übrigen Nationen in die Ferien gingen. Ein Bonapartist rief dazwischen, das Cabinet sein eine Schauspielertruppe für Sommervorstellungen, und allgemeine Heiterkeit folgte diesem zarten Vergleiche. Wenn das französische Volk mit Ver tretern zufrieden ist, die selbst -nicht wis sen, was sie eigentlich haben wollen, die immer nur kritisiren und niemals handeln, so ist das natürlich seine Sache. (Sin gewaltiger Unterschied. Wie aus den europäischen Blättern hervorgeht, hat Gladstone vor einigen Wochen auf dem Mansion HouseBanket ungefähr daö Gegentheil von Dem gesagt, was ihm damals das Kabel in den Mund legte. Er sagte nicht, daß England nach Aegypten gehe, um die allen civilisirten Nationen gemeinsamen Interessen zu vertheidigen, sondern Fol gendes: Die englischen Streitkräfte sind nach Aegypten gesandt worden, um die großen Interessen unseres Reiches zu wahren, ja, das sage ich feierlich du civilisirten Welt, es sind die Interessen, welche wir an diesem Thore haben, und welche nicht alle eu rapäischen Staaten mit uns theilen. Aegypten ist das unentbehrliche Thor für den Handel der beiden Hemisphären; dieses Thor soll offen, und das Land friedlich sein." Allerdings suchte der berühmte Staats mann später diese Erklärung durch ei nige effectvolle Phrasen abzuschwächen, namentlich durch die Behauptung, daß England den Freiheitsdrang Aegyptens keineswegs zurückdämmen, sondern da? Land im Gegentheile frei und glücklich machen wolle, daß es den übrigen Natio nen nichts zu verheimlichen habe und ihr Vertrauen und ihre guten Wünsche be anspruchen könne. Wer indessen die oben angeführten Worte mit der richti gen Betonung liest und sich der Zu stimmung der ofsiciösen Blätter Deutsch lands erinnert, dem kann es gar nicht zweifelhaft sein, daß. Gladstone zum Mindesten die permanente Besetzung des Suez-Canals im .Auge hat. Er hat sich um die sogenannte Neutralität dieser Fahrstraße nicht gekümmert, als Trup pen hindurchbesSrdert werden mußten, und er wird sie in Zukunft noch viel we Niger achten. Wenn es gilt, Kriegsschiffe nach In dien zu senden, so werden dieselben wahrhastig nicht um ganz Afrika herum segeln, weil der Suez-Kanal heilig ge halten werden soll. Auch in Bezug auf die Stellung Eng lands zur Pforte sind die Ansichten Gladstone's vielfach irrthümlich aufge saßt worden. ES liegt ihm gar nichts daran, einen religiösen Ausruhr der Araber gegen den Sultan zu vermeiden, sondern ein solcher wäre ihm sogar äußerst erwünscht. Alle seine Vorschläge zur Demüthigung des Sultans liefen darauf hinaus. Letzteren als Khalifen, als Beherrscher aller Gläubigen, un möglich zu machen. So lange nämlich Abdul Hamid Khalif bleibt, ist er das geistige Oberhaupt auch der fünfzig Millionen Mohamedaner, die England in Indien beherrscht. Der Türkenfeind Gladstone kann keinen Krieg gegen ihn führen, kann ihn nicht aus Stambul vertreiben, ohne jene fünfzig Millionen aufs Aeußerste gegen die britische Regie rung zu erbittern. England hat auö diesem Grunde schon Millionen opfern muffen, um den .faulen Türken" zu schützen, und Gladstone würde viel dar um geben, diese Verpflichtung loswerden zu können. Ist aber der Sultan nicht mehr Khalif, sondern nur noch Sultan von Stambul, so geht er die mohame dänischen Jndier ebenso wenig an, wie der Sultan von Marocco oder der Bey von Tunis. Man kann es also noch erleben, daß Gladstone, wenn er mit Arabi Pascha fertig ist, der Einsetzung eines arabischen Khalifen Vorschub lei stet. Politik und Disciplin. Col. Joseph Taylor von der Verein. Staaten Armee ist angeklagt, sich eines Vergehens gegen die militärische Dis ciplin in sofern schuldig gemacht zu haben, als er versucht hat, das Kriegsmi nisterium durch den Einfluß verschiedener Mitglieder des CongreffeS zur Rück nähme einer ihm ertheilten Ordre zu veranlaffen. Die Angelegenheit wird vor einem Kriegsgerichte verhandelt, aber kein Offizier glaubt, daß eine Verurteilung Taylor's möglich sei, weil es sowohl in der Armee als in der Flotte an der Tagesordnung ist, die Anordnungen des Kriegsministeriums durch politische Einflüffe zu leiten und zu mo dificiren. Jeder einzelne Zweig der Verwaltung vergißt niemals, daß er na mentlich in Betreff der Bewilligungen von den Repräsentanten abhängig ist und so wäscht, natürlich zum Nachtheile einer unparteiischen und gerechten Ver waltung eine Hand die andere. Der Fall des Col. Taylor würde gar keinen Staub aufgewirbelt haben, wenn'er nicht durch seine Collision mit den Wünschen des Col. Corbin eine besondere Bedeu tung gewonnen hätte. Col. Taylor, der eine höchst ange nehme Stellung in dem Barrackenlager bei Newport inne hatte, war von dem

Kriegsministcrium nach Omzha, Ned., beordrt worden und hatte, da der Um zug für ihn und seine Familie unangenehm und kostfpiZÜg sar, durch die er wähnten Einflüsse eine Rücknahme dieser Ordre herbeizuführen versucht. Dadurch daß gleichzeitig Col. Corbin bei seiner Versetzung vo-.l Washington den Posten in Newport für sich wünschte, erhielten die Machinationen Taylors eine Bcdcutung, die sie außerdem nicht angenom men haben würden.

Schwirgcrnzütter. Alle diejenigen Ehemänner in Europa und Amerika,- die sich zu der gewagten Behauptung versteigen, daß der Einfluß einer Schwiegermutter nicht unter allen Umständen ein durchaus segensreicher sei, sollten sich nach Ostindien begeben, in die Fräuengemächer der HinduS'niederer Kasten einen Blick werfen und sie würden sofort einsehen, wie viel Veran lassung wir haben,mit unsernScbwiege? müttern zufrieden zu sein. In Ostindien spielt die Mutter der Frau der Familie der letzteren gegenüber absolut keine Rolle, aber die Mutter des Mannes ist der Dämon des Hauses, und da es in Ostindien ausnahmsloZRegel ist,daßder sich verheirathende Sohn im elterlichen Hause seine Heimstätte aufschlägt, so ist die junge Frau fortwährend den TurKationen der Schwiegermutter ausge setzt. Was in Ostindien einmal Volksgebrauch ist, scheint dies für die Ewig keit zu bleiben, und zu den mit äußerster Zähigkeit festgehaltenen Anschauungen gehört es, daß jeder Sohn eincrFamilie, salls er nicht ausnahmsweise in eine an dere Stadt zieht, seinen selbstständigen Haushalt im Hause der Eltern errichtet. Die Lage der jungen Frauen, die durch schnittlich mit dem 12. Lebensjahre heirathen,ist namentlich in den erstenJahren der Ehe in Folge dks schwiegermütter lichen Einflusses eine so traurige, daß, wie die Statistik nachweist, die meisten Selbstmorde unter den Frauen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren vorkommen. Die .Lond. Tim. erzählt einen kürzlich in Bombay vorgekommenen Fall, daß eine ganz junge, blühende Frau sich er tränkte, und nach den Angaben, die ihr Gatte vor dem Coroner gegen die eigene Mutter machte, durch deren Behandlung in den Tod getrieben wurde. Der Fall ! erregte nicht das mindesteAussehen, denn ! ähnliche Fälle kommen eben alltäglich j vor, und die jungen Frauen, welche die j Behandlung ihrerSchwiegermütter über ! leben, trösten sich damit, daß sie, wenn es gut geht, auch einmal Schwieger Mütter werden. In der Weltstadt. Bruno Meyer, der Koch auf einem südamerikanischen Dag'pser, der dieser Tage im Hafen von New Pork landete, betrat kurz darauf die Bardierstube des Joseph Pietrokowski in der Greenwichstraße. Er nahm aus einem der Stühle Platz und der Barbier rasirte ihn mit leiser Hand vorwärts und rückwärts, daß es eine Lust war. Ihr Haar ist ziemlich lang, ich empfehle Ihnen, dasselbe schneiden zu lassen.- .Schneiden Sie .Sie werden in New tyozl Damenbe. kanntschasten machen und sollten sich schampuircn lassen." .Nur zu." .Sie sehen angegriffen aus, sind Sie etwa nicht ganz wohl?" .Ich habe Kopsweh." .O, das soll schnell weg sein, bitte folgen Sie mir- und der Koch ging mit dem Barbier in ein Nebenzimmer, wo dieser ihm einige fünfzig Schröpsköpse applicirte. .Wenn Sie jc wieder Kopsfchmerz haben, so wenden Sie diese Essenz an, einige Tropsen aus die Stirne gerieben, beseitiqen jeden Kopsschmerz sofon." .Geben Sie her !" .Und dieses Haaröl ertheilt Ihrem Haare einen wunderbaren Glanz und vll Geschmeidipkttt. Jch will es mitnehmen." tin lieber Herr, daö macht zusammen $9 50." .Sind Sie verrückt, ich habe nur 4 mexikanische' Dollars bei mir." .Die bezahlen Sie mir abschläglich und die Sachen, die Sie kauften, erhalten Sie, wenn Sie den Rest bringen." Der Koch erkundigte sich in dem be nachbarten Castle Garden, was er zu thun habe ; .der Barbier erschien dort auf Veranlassung eines Assistenten und producirte eine spccisicirte wirklich aus $9.50 lautende Berechnung, ließ sich aber auf Zureden des Beamten herbei, daß er zwei von den vier mexikanischen Dollars wieder herausrückte und Effenz und Oel behielt. Unser Export nach Ostindien. Ostindien, oder richtiger das anglo indische Reich, hat während des mit dem 31. März 1881 sbgeschloffenen Jahres für mehr als $200,000,000 Waaren im portirt und von diefer Summe entfallen auf die Ver. Staaten bloß tz1.9L3.2O2. Unser Export umsaßttzl.817.780 für Ke rosin, den bekannten, aus unserem Kohl öl gewonnenen Leuchtstoff, so daß für sonstigeAussuhrartikel nur die verschwindend kleine Summe von $145,612 übrig bleibt. Das Kerosin hat nicht nur in den Haushaltungen, sondern auch in den Tempeln der Ostindier Eingang gefunden und wird allgemein als der beste und billigste Leuchtstoff geschätzt. Indem Herr Waltson, unser Geniralconsul in Calcutta, in seinem neuesten Berichte diese Thatsache hervorhebt, weist er speciell darauf hin, daß die Verein. Staa ten noch für zahlreiche andere Erzeugniffe ein weites Absatzgebiet in Ostindien sinden können.. Als solche bezeichnet er in erster Linie Kerosinlampen. sowie billi ges Handwerkszeug aller Art, auf elektrischem Wege plattirte Waaren, Waa gen, Harmoniums, Klaviere, Nähmaschi nen, Patentmedizinen, Jankee-Notions, Farbendruckbilder, Papur und Schreib Material, Tabak, Regenschirme und alle die kleinen Gegenstände für den täglichen Gebrauch, die bei uns in so großem Umfange gebraucht werden und deren Herstellung zum großen Theile durchPatente geschützt. In zweiter Linie bezeuch et der Generalconsul als für den Ej-

Port sich eignende Artikel conjervtrle Früchte und Gemüse, sowie eingesalzene Fische bester Qualität. In dem angeführten Jahre hat Ostindien von den namhaft gemachtcnErzeugniffen für mehr als $5,0G0,000 importirt, und die Ver. Staaten sind nach Ansicht des Herrn Wattson im Stande, jedes andere Land von dem Mitbcwerüe auszuschließen.

Politisier Umschwung Schneller als man zu erwarten be rechtigt war, haben die liberalen Wähler in verschiedenen Gegenden Deutschlands ihren Führern zu verstehen gegeben, daß sie der bisher befolgten Politik müde seien. Es sind bereits mehrere Wahl, bündniffe zwischen Fortschrittlern und Nationalliberalen zu Stande gekommen, allerdings zunächst nur da, wo zwei Abgeordnete in einer Stadt zu wählen sind und jede der beiden Parteien einen (5ndidaten aufstellen konnte. Wo man sich auf einen gemeinsamen Candidaten einigen muß, ist ein Bünöniß natürlich, viel schwerer zu bewerkstelligen, doch wird die unerbittlicheNothwendigkeit.einenDamm gegen die immer mächtiger anstürmende Reaction zu schaffen, die Wähler auch dort zusammenführen. Je größer übri gens der Druck von Seiten der Regie rung und ihrer Verbündeten ist, desto mehr erstarkt das radicale Element in den Reihen der Opposition, und das Endresultat dürfte die vollständige Zer sprengung der Compromißler sein. Doppelt bedauerlich ist es bei der ge genwärtigen Sachlage, daß die Arbeiter von den Liberalen durch Billigung der Ausnahmegesetze vor den Kopf gestoßen worden sind. Wäre das nicht geschehen, so würden die Anhänger der Socialdemokratie in vielen Fällen, namentlich bei den Stichwahlen, ihre Stimmen zu Gunsten der Liberalen in die Wagschale werfen. Daß sie das thun werden, wenn die Fortschrittspartei innerhalb der liberalen Organisation die Oberhand gewinnt, ist mindestens denkbar, für die Nationalliberalen aber werden sie sich unter keinen Umständen erwärmen. System im Wohlthun. Es ist allgemein bekannt, daß die Jsraeliten New Porks und Brooklyns ih ren Glaubensgenossen, den russischen Flüchtlingen) gegenüber eine Opferwil ligkeit an den Tag gelegt haben, die ih nen zur Ehre gereicht. Trotzdem trug das Unterstützungsmerk schlechte Früchte, die' .Aid Society" wurde mit ihren Schützlingen.die letzteren wurden mit der .Aid Society" mehr und mehr unzufrie den. Namentlich in dem colossalen An drang der der Unterstützung Bedürftigen und ferner, wenn auch in geringerem Grade, in der Qualität der Flüchtlinge, hatte'dies seinen Grund. Das Comite der Hilfsgesellschast hat ausdauernd und energisch gearbeitet und der einzige Feh ler. den es beging, bestand dann, daß es die auf seine Fürsorge Angewiesenen über einen Kamm scheeren versuchte,' die Leute gleich partieenweise unter brachte und von jedem Jndividualisircn absah. Unter dem neuen Superinten denten, Herrn Heilprin, macht sich, wie aus New Z)ork berichtet wird, ein erfreulicher Umschwung zum Besseren geltend. Dieser erfahrene -und wohlwollende Mann widmet alle seine Zeit den Flücht lingen, befragt dieselben einzeln über ihre Vergangenheit über ihre Lcistun' gen, Geschicklichkciten und Neigungen, über ihre Aussichten in diesem Lande, (Verwandte oder Freunde, die sie hier haben.) und es ist ihm in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit gelungen, zahl reiche Flüchtlinge so unterzubringen, daß dieselben sich wohl besinn und Aussicht haben, bald in gute 'ei Hältnisse zu kommen. Zum Nückkrancport nach Eu-, ropa empsichlt er nur solche Leute, für die sich hier absolut gar keine günstige Aussicht eröffnet, ode. solche die darauf bcstch n, nach Rnßlanö zulückg.brachl zu werden Die Beförderung i on London aus erfolgt durch das .Mansion Haus Comite". r, Oom Inland. Lynch gerichte sind i n u n seren südlichen und westlichen Staaten fast alltägliche Ereignisse, allein daß ein der Ermordung eines Kameraden ange klagte? Soldat durch einen aus Soldaten bestehenden Mob gelyncht wird, was dieser Tage in Colorado geschah, ist wohl noch nie dagewesen und wirft ein höchst schlechtes Licht aus das Kriegsheer des Onkels Sam. In Philadelphia ruft es großes Aussehen hervor, daß Erzbischof Wood den Katholiken seiner Diözese die Theilnahme an 'einem SonntagsAus fluge der .Irischen Landliga" nach At lantic City untersagte und derselbe dem zufolge unterbleiben mußte. .Einerseits wird behauptet, daß das Verbot als ein Ausdruck des Unwillens über das Vor gehen der irischen Revolutionäre zu be trachten, andererseits wird jedoch erklärt, daß das nicht der Fall sei, der Erzbischof wolle nur den SonntagS-Excursio nen überhaupt ein Ende machen. .W enn man denZusammen stellungen der Sanitätsbehörde über das abgelaufene Fiskaljahr trauen darf," schreibt die .Abendpost" in San Iran cisco .so hätte daö Sterblichkeitsver hültniß unter der chinesischenBevölkerung das unter der übrigen Einwohnerschaft der Stadt herrschende abermals, wie schon im vorhergehenden Fiskaljahr, um ein Namhaftes übertroffen. Während das Gefammtverhältniß mit Zugrunde legung einer Einwohnerzahl von 234, 520 auf 21.34 pro Tausend angegeben ist, wird für die Chinesen 23.8 ange! geben. Ein noch stärkerer Unterschied j in derselben Richtung zeigte sich schon in den Aufstellungen für das vorhergehende Jahr, nämlich 18.27 und 21.7. Bedenkt man, daß unter den importirtenChinesen selbstredend keine oder so gut wie leine Greise und Kinder oder schwächliche oder von Hause aus kranke Individuen mitgekommen sind, so wird das beobachtete größere SterblichkeitS-

Verhältniß unter ihnen um so anbauender. Die Ursachen dieser Erscheinung sind ohne Zweifel sehr verschiedenartig ; aber die Thatsache, daß sie besteht, daß die Sterblichkeit unter den Chinesen größer ist, als unter der übrigen, mehr oder weniger weißen Bevölkerung, ist ein schlagender Beweis von der Gefährlichkeit ihrer massenhaften Anfhäufung in einer Großstadt." Herr Hol so n, der Redacteur des in Baltimore erscheinenden .Sea World and Packus Journal", und Herr Wiles, der Vormann in derDrucke rei desselben .Blattes, wurden am 23. d. M. durch eine furchtbare Gasexplosion gefährlich verletzt. Der Redakteur hatte, als er sein Bureau betrat, den Geruch von Gas mahrgenommen, Thüren und Fenster geöffnet und den Vormann er sucht, mit einem brennenden Streichholz zu untersuchen, ob die Leitung Gas aus strömen lasse; kaum hatte dieser das Streichholz der Leitung genähert, a! die Explosion erfolgte. Die New Yorker Presse be schästigt sich zur Zeit wit herbcrt Spen cer, dem bekannten englischen Schriststeller und Darwinianer, welcher zum Besuche der Vr.. Staaten das Weltmeer gekreuzt hat , Die B arke? .Ezile", wele dieser Tage aus Liverpool in New Port ankam, fuhr am 17. und 18. Juli an vielen Schiffstrümmern und am 2. August an einem kleinen Eisberge vorüber. Einige Tage später wurde eine Mannes leiche, allem Anscheine nach die eines Fischerö, im Waffer bemerkt. Die Tage -der grandiosen und unentwegten Schönheit der Niaga rafälle sind gezählt. Seitdem das Pro jekt, jenes wunderbare Stück Erve zu einem internationalen Park zu machen, aufgegeben worden ist, hatten wir es nur der hochherzigen Gesinnung der Familie Parker zu verdanken, daß diese den Ver kauf der ZiegenJnsel", für welche ihr, glänzende Angebote wiederholt gemacht wurden, beharrlich verweigerte. Der zu den Parker'schenNachlasse mitberechtigte jüngste Erbe wird demnächst die Voll' jährigkeit erreichen und dann wird be husö der Erbtheilung die Insel verkauft werden. Die majestätischen Bäume wer den dann fallen, Fabriken werden an den Ufern errichtet werden, und die co lossale Wasserkraft ausbeuten und Rauch und Ruß wernen die Poesie der Gegend, die ein zig in der Welt ist, verküm mern. Der Congreß hat in der Bcwilligung zur Verbesserung von Bächen und Pfützen das Unmögliche geleistet, hätte er lieber eineBewilligung dafür gemacht, daß die. Umgebung der Niagara-Fälle nicht verbessert improved raub. David Gardner in Balti more wurde auf Grund des von der letzten Staatsgesetzgebung von Maryland erlassenen Gesetzes wegen Mißhandlung seiner Ehehälfte zu 30 Hieben verurtheilt. Das Factum der Mißhandlung ist erwiesen und die Bestimmungen. des Gesetzes sind so klar, daß eine Appella tion eine Abänderung des Urtheils nicht herbeiführen könnte, wenn nicht Gard ners Anwalt behauptet hätte, sein Client sei nie mit seiner angeblichenFrau verhei rathet gewesen. Gelingt es der Frau nicht, diese Verheirathung nachzuweisen, so hat Gardncr nicht seine Frau, sondern eine andere geprügelt und entgeht sonach der Prügelstrase. Auch von Baltimore wer den russische Juden nach Europa zurückgeschickt. Mit dem Dampfer .Phöni cian" reisten 70 russische Jsraeliten nach Europa zurück, welche- das Unterstü tzungs Comite als erwerbsunfähig be funden hat, oder die selbst, den Wunsch ausgedrückt hatten, nach der Heimath zurückzukehren. , Sie werden nach Liver pool und von dort aus vom .Mansion HouseComite" nach ihrem Vaterlande befördert werden. ' Eine interessante Münze ist jüngst in East County, Jll., von Dr. I. F. Snyder gesunden worden. - Sie zeigt auf der einen Seite das Brustbild eines Königs und auf der andern ein Bild Jupiters, mit der Unterschrift : LäZiloos; .ntioekou. Epirhaiiou3. Nikeph wahrscheinlich Hjkopkorou. Sie stammt somit anscheinend von Antiochus IV., der von 175 bis 101 vor Christus herrschte., . . . .R. D. Sneed, ein bekannter Advokat zu Sedalia in Missouri, .schnitt sich kürzlich aus dem oberen Theil der linken Wade einen Akaziendorn, den er sich vor 19 Jahren in den Fuß getreten hatte. Der Dorn war noch gut erhal ten.- ' ' Aus Philadelphia ist seit ungefähr einem Monat der deutscheBuchHalter August Lichtenstein verschwunden, und seine Familie forscht mit begreifli cher Angst nach seinem Verbleib. A m e r i k a w a r, a u f. d e m e i d genösstschen Turnfest in Aarau, was Be redtsamkeit betrifft, besser vertreten, wie damals zu Frankfurt a. M. Auf den von Herrn Turnlehrer Carl Groh ausge brachten, mit unbeschreiblichem Jubel aufgenommenen Toast aus .die Turnvereine der , ganzen Welt" sprach Herr Zschocke, der Enkel deg berühmten Aa rauer Schriftstellers, folgende Worte : .Ich grüße Dich, Du hochgeweihtes Sternenbanner der Ver. Staaten von Nordamerika. Wenn Du wieder über den atlantischen Ocean zurückkehrst, so sage. dem amerikanischen Volke, daß es keines so liebe und achte.wie dasSchwei zervolk."

PhiL Rappaport, Ncchtsanwalt und Notar, 02 Sud Dclaware Str., INDIANAPOLIS, IND.

Kcn QuklKNvk. -Nach der Statistik der Seeschifffadrt gelangte? zur amtlichen Kenntniß im Jahre 1581 die Verun glückugen (Total-Vellste) von Ü46 registrirten deutschen Seeschiffen mit 51,912 Register-Tons. Davon 'entfallen auf frühere Jahrgänge 21 mit 3316 RegisterTons, so daß die Zahl der zur Anzeige gelangten, im Jahre 181 ver unglückten deutschen Seeschiffe 227) uit einem Netto.Raumgehalt von RegisterTon betrug. Von den 24 zur Anzeige gelangten Schiffen waren 11 aus Ostpreußen, si aus Wesjpreußen, 59 aus Pommern, 35 nuS Schleswig Holstein, CG aus Hannover. 24 aus Mecklenburg, 17 aus Oldenburg, 1 aus Lübeck, 12 aus Bremen und 17 aus Hamburg. Sonderdares Programm. Von der .Heilsarmee", einer sonderba ren religiösen Sekle Englands, erzählt die .Schles.. Kirchenztg." Die .Heilsarmee" hat große Plakate in den Straßen angeschlagen, welche die. Campagne" (den .Gottesdienst") in folgender Wiisc bekannt machen: Nachdem in der ge lvöhnlichen Weise die Kriegserklärung mit den Worten : .Krieg! Krieg !" an gegeben wordcnst, werden Alle ausgefordert, an dem 'Kampfe gegen den Teu fel teilzunehmen. Dann wird der Angriffs Plan beschrieben : .Montag : Heilsarmee Angriff. Dienstag : Große Ausstellung der Halleluja Mädchen, Mittwoch : Feuer und Schwefel, Don nerstag : Sammeln zur Attacke, die Soldaten liefern die Patronen ab. Freitag: Feuertaufe, Sonnabend: Victoria.)ubelt.ymnc, Sonntag: Knieübun gen, Vcrihcilung neuer Munition durch den Gcnera'.quartiermcister, Hcrabkom men des heil. Geistes, großer Angriff auf den Teufe! und endlich Hallkluja' Galcpp. A u s Heidelberg wird eine Wuchergeschichte gemeldet, welche ihrer Goßartigkelt und Frechheit wegen weitere Verbreitung verdient. Ein dor tiger Geldverleiher ha?ie 1875 bis 1878 einem Studenten von adeliger Familie nach und nach 6200 M. geliehen, dasür aber Wechsel sich ausstellen lasten, die auf 00.00) M. siaj dllaufen. Die Wechselklage ist anhangig. Leider ist dem sauberen GeschästSman?: strasrechtlich nicht wohl bcizukommcu, weil die Bewucherung vor Einführung des WuchcrgesctzcS stattesnden hat; civ lrecht lich Duij:e die Sache hoffentlich anders sich gestalten. In Bayreutb istes wiederholt zu Prügeleien zwischen Wagner Enthusiasten und Gegnern gekommen, hervorgerufen, wie man meldet, dadurch, daß letztere .Parsisallcra, Parsifallera" sangen. Außer den Regierungen, von Luzern und Uri haben auch die von' Wallis und Tessin beim Bundesralh gegen die vom eidgen Departement des , Innern angeordnete Schulstatistik und gegen dessen Auslegung deö Art. 27 der Bundesverfassung als gegen einen un UllÜssigen Eingriff in die Cantonalsouvcrttnitüt protestirt. ?!eben diesen Pro testen gehen die Angriffe der ultramontanen, reformirt'orthodoxen und föde calistischcn Presse einher gegen den von der Bundesversammlung geschossenen Erziehungssckretär.gegen den dasVolks octo angerufen werden foll. DieSammlung der dazu erforderlichen 30.000 Un terfchriften ist im Gange, und es unter liegt nicht dem allergeringsten Zweifel, daß dieselben leicht zu Stande kommen oder es schon sind. DerEk-Khedive in Paris. Ismail Pascha ist, von Vichy kommend, in Paris eingetroffen und im Grand Hotel abgestiegen. Die Söhne des (.xKdedive, die PrinzenHuffein undHaffan, desinden sich bereits seit einigen Tagen in der französischen Hauptstadt. Wah rend inAegypten dieVölkcr aufeinander schlagen, will sich der einstige Beherrscher ocö Pyramidenlandcs nach feiner Kur in Vichv in Paris ein wenig amüstren. T ram way T un n el unter dem Posilippo. Aus Neapel meldet man vom 6. d. M.: Der berühmte antike Tunnel von Posilippo (auS der Römer tt herrührend und bekannt unter dem Namen der .Grotte von Pausilippo") hat jetzt einen Rivalen erhalten. Gestern ist die Durchbohrung des, was Breite und Höhe anbelangt, größten modernen Tunnels in Europa, nämlich jenes der Tramway unter dem Posilippo, mit einer Weite von 30 Fuß und einer Höhe von 3U Fuß vollendet worden. Noch in diesem Jahre wird eine Dampftramway die durch den Berg getrennten Städte Neapel und Puteoli (Puzzuoli)' mit einander verbinden. Ein breiter Promenadenweg ist für Fußgänger angelegt worden. Die Bürgermeister der beiden Städte warteten auf den entgegengesetzten Seiten, bis die letzte Scheidewand gefallen war, worauf sie einander unter enthusiastischenAkklamationen derStadt rathe und anderer Eingeladenen zur Durchführung deS großen Unternehmens beglückwünschten. Die W a sch s r a u von Alexandrien. Mitten unter den Gräueln von Alexandrien hört man von einzelnen Zügen der Treue und des Edelmuths, durch die sich manche Eingeborene auszeichnen. So hört man von einem arabischen Diener in Alexandrien, der das Hauö seines geflüchtet? Herren durch die Ausrede, eö sei das eines Rechtgläu bigen, rettete, sogar dem Entsernten Nachricht sandte, und auf die Frage, warum er ihm solche Anhänglichkeit beweist, dann einsach antwortete, sein' Herr habe eine alte Mutter, die ihm, dem Araber, so'lieb sei, wie die eigene der habe er daö Haus erhalten. Eine alte Wäscherin auö Ramleh hatte von einem ihrerKundcn regelmäßig abgelegte Kleider und Stiesel erhalten; als nun kürzlich die reiche Frau fast nackt und schamvoll nach der Straße flüchtete, trat ihr die Araberin in den Weg. führte sie in ihre Hütte vnd fragte: .Sitte, willst . Du nicht ein Paar von Deinen Stieseln wieder haben ?" Da möchte manwirk