Indiana Tribüne, Volume 4, Number 428, Indianapolis, Marion County, 20 August 1882 — Page 6
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Rechtlose KtsHSpse. o Kl tenbur. . en elBff berühmten mitteldeutschen IlmveisttZts' und Handelsstadt giebt eS eine gelehrte Gesellschaft, die alljährlich einen von einem Fürsten gestifteten Preis ausZSreibt für die besteAbyandlung über einen Stoff au? der Geschichte, der Lite ratn? oder dem sozialen Leben. Vz nun in den letzten Jahren sowohl in essentlichen Blättern, als in den Ge ,ichtssälen und Parlamenten laute Magen über die Verwilderung des Volkes, litt die Zunahme grausamer und blutikr Verbrechen ertönten, stellte die er vähnte Societät bei ihrem jüngsten Preisausschreiben als Thema dieBeant vortung der Frage aus : . . .Worin sind die Ursachen der Ver vilderung und Rohheit und der Zunähme der Verbrechen gegen das 2e ben und die Gesundheit zu suchen." Da3 zeitgemäße iThema setzte eine Menge Federn in Bewegung. Die Lmstrager brachten ganze Taschen fest rersiegelter umfangreicher Manuscripte mit den bekannten- Motto Couverts. Die Preisrichter.hatten eine Riesenarbeit zu bewältigen. In zehn Abhandlungen var nachgewiesen, daß der schlechte Kirchenbesuch an der Verwilderung der Menschen schuld sei. Ankere suchten die Ursache in dem mangelhaften Unterricht nnd verlangten noch ein weiteres Schul jähr. : Die Milde der Strafgesetze und die,ju humane Behandlung in denZuchtHäusern wurde von dritter Seite ver antwortlich sür die Verrohung gemacht, während noch Andere in dem Krieg, im Branntwein, - in der Todesstrafe den Quell des Uebels erblickten... Aber soviel Mühe sich auch die Herren Verfasser gegeben hatten, um darzulegen, daß sie den wunden Fleck am Gesell Schastskörper getrosten, so sehr auch die ZreiSrichter bei derLektüre jederAbhand lung von der Wahrheit der angeführten Gründe sich überzeugt suhlten, so konnten sie doch keiner Arbeit den Preis' zuerkennen.. . . Ein einziges Manuskript blieb noch u prüsen übrig. Wegen seiner Dünn leibigkeit hatte man es bis zuletzt aufgehoben. Als man denUmschlag erbrochen, ßel ein Blatt Papier heraus, auf wel chem Folgendes stand : .Die Haupscbuld ander Verrohung ' und Verwilderung der Menschen trögt der 28. Vers deS 1. Kap. im 1. Buch . Mose." Die Herren Professoren holten dieBi bei und lasen: rUnd Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde und macht sie Euch Unterthan, und herrschet über Fische im Meere und über S3ögel unter dem Himmel, und über allesThier, das auf Erden kriechet." Die letzten Zeilen waren Unterstrichen. 'Die Preisrichter schüttelten die Köpse und meinten, der Einsender sei ein Narr. Der Jüngste aber fragte, .wer ist er denn?" Es war ein unbekannter Name, das Adreßbuch aber gab über seineWohnung Auskunft. Am Abend suchte der junge Prosessor den Unbekannten auf. Die Straße lag am äußersten Ende der großenStadt, da wo ihre letztenHäu ser schon ins Grüne blicken, hinaus aus Feld und Wiesen. . . . Der Profesior fragte eine Arbeitersrau nach der Wohnung des Mannes. Zu dem wollen Sie V gab die Angeredete zurück und maß den Gelehrten mit sonderbarem Blick . . . Da unten ist es .... in dem großen Garten ... . Aber für den feine Verrücktheit ist er noch im mer zu klein," fetzte sie kopfschüttelnd hinzu. -Also wirklich ein Narr, sprach der Prosessor bei sich, und verkürzte seine Schritte Indessen, trotz alldem ! Der AuSspruch des Plinius, daß kein Buch so einsällig sei, um nicht aus ihm etwas lernen zu können, ist auch auf die Menschen anwendbar. Ein alter Diener öffnete das Gitter thor des GartenS. Des Professors Frage, ob der Herr zu sprechen sei, bejahte er. Langsam, sich prüfend um schauend schritt der Professor durch den Vorgarten aus daS Hau 3 zu .... Vor ihm trippelten ein paar Tauben, die zu veilen einen schwerfälligen, aber der geblichen Versuch deS FliegenS machten Der alte Mann öffnete die Thüre lii Villa Ein brauner Hund, von jener hochbeinigen langlebigen Race, die einer Kreuzung von Jagd und Jlei scherhunden entsprungen ist, empfing ihn Nit lautem Bellen und zugleich erschien for Herr deS Hauses auf der Schwelle. . Der Prosessor erklärte ihm die Absicht seines Besuchs .... Der Besitzer der Villa, ein stattlicher, bärtiger Mann mit sonngebräuntem Antlitz, hörte ihn ruhig c .... Dann bat er freundlich näher zu treten. Wie ein Narr sieht e? nicht aus, dachte der Professor, in die hohe Em MnzZhalle eintretend und in einemFau ml am FensterPlatz nehmend, von des M 53tm eine große schwarze Katze her bwang.... Ganzer als eine Stunde dauerte die Unterhaliung der beiden Männer Die Nacht war schon hereingebrochen, ?. ltl lange. Mann seinen Wirth ver neb. Eine Fülle von Gedanken undAn gungen hatte das Gespräch mit dem leitjamen Manne in ihm wachgerufen. So rasch entströmten Jenem die Worte, Latz der Prvschor ihrem Fluß kaum zu folgen vermochte. Von dem Personen und Sachenrecht Roms ging derSprecher c-n"r 3" 5" Sachen rechnete aber ju nstttche und die Volksanschauung jener Zelt auch Menschen, die EbenbilderGot tti, nämllch die Sklaven. Ein Sklave va? eine Sache, wi, ,k szwt ,i Haus, ein Thier. Man konnte ihn nicht t . r . 7 m viauc rate etne Sache, sondern ihn auch verstümmeln, wie man heute noch Pferden den Schweif oder Hunden die Ohren stutzt, ja man durste ihn auck ungestraft tödten wie ein Thier. ... Die slgnaiur icncr .m trotz ihrer geruhm ten philosophischen Bildung, ibrer tfinft wischen Meisterwerke seiMißachtung des Menschlichen. Lebens gewesen. Grau samkeit. blutiges Würgen in den strie Den, vle im Fruoen, auf dem' Schlacht selbe, wie im CirkuS. Man hieb Skla Vey in Stücke, um damit die Muränen
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zu füttern und ließTausende vonGladia toren in der Arena niedermetzeln. Das Christenthum, die erstarkende Humanität vernichteten die Sklaverei. Die Men schen hörten auf, wenigstens juristisch rechtlose Dinge zu sein. Das Recht des Thieres erkannte Niemand an Gestützt aus jenen Spruch der Genesis, daß der Mensch über die Thiere herrschen soll, glaubte man auch innerhalb der christli chen Kirche des Mittelalters sich Alles gegen die rechtlosen Geschöpfe gestatten zu können.... Und doch hatte schon einer der tiessin nigsten Philosophen des Alterthums, Pythagoras, die Sanstmuth gegen die Thierwelt zu einem Hauptmerkmale der Menschenliebe und der Barmherzigkeit erhoben. Aber die Worte der Weisen werden von der Menge immer verspottet und unbeachtet gelassen Die christ liche Religion enthält über unser. Ver halten gegen die Thiere keine positiven Vorschriften. Indessen in dem Gleich mß Jesu von den Sperlingen liegt aus gedrückt, daß Gott sich auch, um das Schicksal des geringstenThieres kümmert .... Bedeutungsvoller jedoch ist, daß die Bildesprache des Neuen Testaments in zwei Thiergestalten im Lamm und in der, Taube christliche und göttliche Sym bole erblickt. Bei der Erwähnung der Taube unterbrach der Prosessor . den Hausherrn und fragte, wie es komme, daß dieTaube auf seinem Hof gebrochene Flügel habe. Ich fand das Thier auf einem Felde bei Baden-Baden, angeschossen, blutend Dort, wie anderwärts veranstal tet die reiche, blasirte Welt häufig zu ihrer Belustigung Taubenschießen.... Die Polizei läßt das geschehen, obwohl eS nicht nur ein Schriftwort giebt : Wehe dem, von welchemAegerniß kommt, sondern auch einen Artikel im deutschen Strafgesetzbuch, welcher öffentliche, Aer gerniß erregende Thierquälerei verbietet. Ich nahm das wundeschossene Thier mit mir und heilte es." Ueber Haupt alle die Thiere, die er bei ihm finde, seien Ankläger menschlicher Grau keit. SeinenHaushahn habe er im vorigen Jahre in England bei einem Kirch weihfest aus den Händen von Bauern gerettet, die mit verbundenen Augen Pas Hahnenschlagspiel trieben. ' Doch war dem Vogel schon einAuge ausgeschlagen. .... Den braunen Öund. oerzu den Füßen des Erzählers "0$, fand er, der schmachtet, halbverhungert, in einem Chausseegraben.. Es. war ein abgema gerter Zughund, der die schwere Last des Wagens nicht mehr ziehen konnte -und dem sein betrunkener Herr, nachdem er ihn blutig geschlagen, in den Grabenge geworfen hatte. Sehen Sie dort in jenem Käsig die beiden Kanarienvögel? Man tödtete ihren Sehnerv, um sie dann zu allerlei Kunststücken abzurichten. .... . Eltern- führen Kinder zu den Schauvorstellungen der blinden Vögel., und die Kleinen klatschten in die Hand chen, wenn die Thierchen mit einem Ei sendraht, an dessen Ende man ein bren nendeS Stückchen Schwamm befestigt. eine kleine Kanone abfeuern ! . . Kleine geblendete Vögel zum Vergnügen zarter Kinder Kunststücke ausführen zu lassen. welcher abscheuliche Einfall ! Und dann wundert man sich noch, wenn eS Leute giebt, die einen Menschen todt schlagen, um ihn zu berauben. Darin liegt das Gefährliche und Ver hängnißvolle der Thiermarter, daß das menschllcheGesuhl sich durch den täglichen Anblick mißhandelter lebendiger Geschöpfe abstumpft 'und an Rohheit ge wöhnt. Die Moralisten, die Theologen, die Juristen klagen über die wachsende Verwilderung, über die Zunahme gewaltthätiger Verbrechen und sehen nicht ein, daß moderne Erziehungsmethode ei nen Haupttheil der Schuld trägt. Man predigt unaushörlich Respekt vor dem Gesetz, vor derObrigkeit, die dasSchwert trägt, und vergißt dabei, daß es , zum Mindesten ebenso nothwendig ist, Ach tung und Respekt vor der Schwäche und Hilflosigkeit zu lehren, vor Allem aber auch Barmherzigkeit mit den Thieren. Alle bekannten Menschengesellschas ten sagtVoltaire, haben sich imKriegszustande befunden, mit Ausnahme der Brammen." Aber warum ' führen, die Brammen keine blutigen Kriege, warum md Gewaltthaten gegen ihre Murncn chen ihnen fremd ? Weil ihre Religion hnen verbietet, selbst das niedrigste Ge schöps zu mißhandeln oder zu tödten. Zwischen dieser Achtung vor dem Thier und der friedlichen Lebensweise dieser Jndier besteht ein tiefer, ursächlicher Zu sammenhang. . Wie sieht eS dagegen in unserem , hochcivilisirten , Europa aus ? Der jämmerlichste Lump, der keine Spur menschlicher Würde und Tugend in sich trägt, hat noch immer da?' Recht, das geistig entwickeltste Thier zu mißhandeln, zu tödten nach seinem Belieben. - Doch nein, seien wir gerecht ! In neuester Zeit hat sich auch das öffentliche Rechtbewußtsein der Thiere angenommen und das Strafgesetzbuch bedroht, wie schon erwähnt, den, welcher öffentlich oder inAergerniß erregenderWeise Thiere bos hast quält oder roh mißhandelt, mit Geldbuße oder entsprechender Haftstrafe. Aber wie schwach ist diese Schranke, wel che der Gesetzgeber der menschlichen Grausamkeit gesetzt hat ! Für das abgemagerte Pserd, welches erschöpft vor dem Sandwagen zusammenbricht, für den verhungerten Zug Hund, der .übermäßige Lasten durch den Sonnenbrand' der staubigen Landstraße zieht, gegen alle diese Tierquälereien, die sich der Oeffentlichkeit entziehen, ist dieser Paragraph deö Strafgesetzes eben sowenig ein Schutz, wie für den ans der Parsorcejagd zu Tode gehetzten' Hirsch oder Fuchs. O, jenes Kapitel desBuchs über das Weltelelend, welches von den Leiden der Thiere handelt, ist ein ties trauriges beschämendes sür die Mensch heit. Man könnte einwerfen, daß dieseQualen und Schmerzen von den Thieren in Wirklichkeit nicht so schwer empfunden werden, wie feinfühlige Menschen sich einbilden. Es giebt da ein Wort, das im Munde evisser Leute eine große Rolle spielt : die krankhafte Sentimenta lität. Aber wer das Leben und Wesen der Thiere beobachtet hat, wird anderer Meinung sein und an die Wahrheit jenes SprucheS-der alten Kinderfibel : Quäle nie ein Tbier zum Scherz, Denn es fühlt Hle Du den Schmerz
glauben. Man kann sogar behaupten, daß das Thier denSchmerz noch heftiger empfindet, weil es sich nicht durch duRe flexion, durch die Hoffnung auf ein Ende desselben trösten kann. Uebrigens leh ren tausende von ergreisenden Zügen der Treue, der Ausopferung, de.r Klugheit aus der Thierwelt, daß die Annahme, als sei der seelische' Organismus der thierischen ' Kreatur von dem des Men schen ein grundverschiedener, eine irrige ist. Die. Seele mancher höher entwickel ten Thiere . ähnelt in vielsacher Hinsicht der Kinderseele. Dieselbe Lebhaftigkeit freudiger 'und. schmerzlicher Eindrücke, derselbe , rasche .unvermittelte Gefühls Wechsel. Daß Thiere nachdem Tode ihres . Herrn aus Kummer sterben, ist be sannt. Man weiß es von Pferden.hunden und Vögeln; Züge großer Klugheit und Ueberlegung kann man täglich bei ihnen wahrnehmen. ' Niemand, der auch nur oberflächlich das Leben unsererHaus thiere beobachtet hat, wird noch an den Instinkt glauben, jene theologische Be griffserndung, unter - welcher man nach Eduard von Hartmann's Erklärung ein zweckmäßiges Handeln ohne Bewußtsein des Zweckes versteht. Die Thiere ha ben eine Seele wie wir Menschen, daran ist nicht zu zweifeln. Worauf ruht aber im Grunde das Recht der Mensckett.Ge
schöpfe, deren seelischeKräste den unsrigen ähneln, rn so grausamer Weise zu unter drücken, ihr Leben zum Spielzeug ihrer Launen und Gelüste zu machen ? Auf keinem anderen als dem Rechte deZStär keren, dem Urquell fast aller historischen Rechte. Aber auf die Dauer hat man gefühlt, daß auch den Thieren gegenüber dieser Rechtsgrund nicht ausreichend sei. Man hat nach einer höheren Sanktion dieser brutalen Herrschast gesucht und dieselbe in jenenWorten derSchöpsungs gcschichte gesunden: Seltsames Spiel des Zusalls ! Dasselbe Buch, welches uns erzählt, daß eine Taube es war, welche den von den Wogen der Sündfluth umbrausten Ahnen des Menschengeschlechts die aus Todesängsten erlösende Kundschaft brachte, dasselbe Buch ist eö, auf dessen Ausspruch die Menschen ibre Herrschaft, ihr Recht über die Thiere stühen ! Ist das nicht eine grausame Jrome? Hier die Taube mit dem Oelzweig der Arche Noah's . zufliegend, um den verzweifelt nach ihr ausblickenden Menschen zu ver künden, daß die Fluth sich verlause und dort eine Schaar von blasirten Müßiggängern nach einem Flug Tau ben schießend, die angstvoll über das Feld flattert, um es bald mit kleinen, zuckenden, blutigen ' Vogelleibern zu be decken. Aus Vergnügen zu tödten, wie es die Tiger thun, wahrlich, das ist eine blutige Satire auf unsere Civilisation. ; Alle Erscheinungen der Welt stehen im engsten ursächlichen Zusammenhang, der sich freilich oft nur dem Auge des redlichen Forschers zeigt. Auch die Mißhandlung der Thierwelt und die Zunahme grausamer Verbrechen haben einen Zusammenhang. Aller dingö sieht ihn der nicht, dem die Welt ein buntes Gesüge, zusammengesetzt aus tausend willkürlichen Zufälligkeiten ist, jenes kurzsichtige Auge, das in dem von Farben und Gestalten aller Art erfüllten Daseinsbild nicht den großen einheitli chen Grundgedanken und Zug heraus findet, der durch die ganze Schöpfung geht. Und weil die Mehrzahl derMen schen zu jenen Kurzsichtigen gehört, lächeln sie überlegen, wenn man von dem Zusammenhang spricht, der zwischen dem am Zwirnfaden gefesselt fliegenden Maikäfer oder der zerschossenen Taube, dem zu Tode gehetzten Wild, dem ge quälten Pserd und einem ermordeten Menschen besteht. Wenn nicht dasMit gesühl, das Erbarmen die Menschen mild und mitleidig gegen die Thiere timmen kann, so sollte es der wohlver tandene Egoismus thun. Das schwache Kind übt seine Krast an einem hilflosen, schwachen Thier, an ei nem Käser oder Vogel, während das Opser des herangereisten Mannes: sein Mitmensch ist, der ihm bei Befriedigung seiner Gelüste im Wege steht. Man spricht von "der Entsittlichung der Völker durch die Kriege. Gewiß, dieses Völkermorden demoralisirt die Nation und es ist festgestellt worden, daß nach großen Kriegen die gewaltthätigen Ver brechen eine erschreckend große Ziffer er reichen. . Aber das ist doch nur ein vor übergehender Zustand, während die mit leidlose Behandlung der Thierwelt un ter den verschiedenartigsten Formen sich täglich wiederholt und so die ewige Quelle des Verbrechens wird. Andere Gesahren, welche durch eine roheBehand lung der Thiere" entstehen, sollen hier nur angedeutet werden. : ES ist bekannt. daß die schreckliche Tollwuth meistens, bei schlechtgepflegten Hunden ausbncht. Voltaire schreibt irgendwo : Die Menschen fühlen niemals Gewissensbisse überDinge,die sie zu thun gewohnt sind," und Thomas Payne drückt fast denselben Gedanken auS,. wenn ex sagt: Eine Sache erhält den Anschein der Gerechtig keit, wenn mn sich lange Zeit gewöhnt zu glauben, daß sie nicht' ungerecht sei." Die Wahrheit dieser Sätze tritt nir gends. schärser hervor als in dem Ver halten der . Menschen zu den Thieren. Weil seit undenklichen Zeiten die Thiere sürrechtlose' Wesen gehalten werden, glauben die Menschen sich Alles gegen sie erlauben zu können. Und doch hat es in der frühesten Jugend des Menschen geschlechteö bei einzelnen Völkern eine Zeit gegeben; in welcher man auch den Thieren ein gewisses Recht der Persön lichkeit einräumte. Eine Spur von die fern Unrecht des Thieres findet man noch in der Besprengung der Opserthiere. Kein Thier empfing bei den alten Völ kern den Todesstreich, bevor eS nicht gleichsam freiwillig durch eine Bewegung des Kopfes, eine Folge derBesprengung, seine Einwilligung zu seinem Tode ge geben hatte. ' . Aus tausend Quellen fließt der Strom des Bösen zusammen. Eine dieser Hauptquellen ist die Grausamkeit der Menschen gegen die Thierwelt. Es ist eine düsterer Kultur, daß mit dem Fortschritt derselben auf andernGe bieten die Hartherzigkeit gegen dieThier welt zugenommen hat vor Allem auch in unseren großen Städten. Welche Leidensgeschichten erzählen un3 da die
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abgetriebenen Körper der armen Drosch kenpserde ! Hogarth, der berühmte englische Ma ler des achtzehnten Jahrhunderts,. dessen Stist und Pinsel die Thorheiten seiner Zeit verewigt hat, stellte in den Schau fenstern Londons eine Reihe von Ge mälden aus,' welche er die Fortschritte des Verbrechens nannte. .... Das erste, zeigte die Tödtung eines Thieres. . DaS letzte den Mord eines Menschen. . . Der 'große .Sittenschilderer hat . damit eine tiese Wahrheit ausgedrückt, 'wenn auch die oberflächlichen Geister über den sonderbaren Einfall dieAchsel zucken und lächelnd sagen werden,, dann dürfe man auch kein Beefsteak oderHühn mehr'essen. . . Vielleicht ! Aber dieMenschheit würde vielleicht glücklicher, das Leben sanster, gesitteter scin, wenn die blutige Speise, deren ' abschreckenden Anblick die ' Men schen mit Hülfe des Feuers weniger wi derwärtig zu machen suchen, bon unserem Tisch verbannt wäre. .. . Die Menschen würden, deshalb nicht umkommen. ' Im Gegentheil. Wenn das Land, welches jetzt zum Unterhalt der großen Viehherden dient, zum An bau von Früchten verwendet würde, wir würden damit jenes dunkle Räthsel, wel ches sich die soziale Frage, nennt, zum großen Theil gelöst haben. Denn der Lebensunterhalt würde unendlich .billi ger werden, der Hunger aus den Woh nungen der Armen verbannt sein. Es würde zu weit ab führen, wenn hier aus sührlicher über die vegetabilische Ernäh rungsweise gesprochen würde, aber gesünder, billiger als die animalische Kost ist sie, und sie würde noch unendlich wohl eiler werden, wenn unsere landwirth chaftlichen Verhältnisse danach eingerich et wären. Bevor die Menschheit zu dieser Er kenntniß kommt, werden die Flüsse der Erde noch lange ihr Wasser ins Meer schicken und werden noch Ströme von Blut und Thränen fließen. Die ein fachsten Wahrheiten brauchen oft Jahrtausende, um anerkannt zu werden, und so wird auch erst in serner Zeit das Fleisch der Thiere aufhören, die allgemeine Nahrung der Menschen zu sem, obwohl es schon in dem uralten Bibel buch heißt : Sehet an, ich habe euch gegeben aller lei Kraut, das sich besamet auf der gan zen Erde und allerlei fruchtbare Bäume und Sträucher, die sich besamen zu eurer Speise. Und allem Thier aus Erden, und allen Vögeln unter demHimmel,und allem Gewürm, das da lebet aus Erden, daß sie allerlei grünes Kraut essen." Deutlicher und bestimmter konnte die Hinweisung aus die Pflanzenkost kaum ausgedrückt werden. Das war in Kürze skizzirt der Inhalt des Gesprächs, ' das am ' Abend in der Villa des Thursreundes zwischen ihm und dem Professor stattfand. Es war währenddem Nacht geworden, ein heftiger Gewitterregen'strömte nieder, als der Prosessor das einsame Haus verließ. . . . Da klang ein kläglicher Schrei an sein Ohr. ... Er beugte sich nieder. . . Am Rand deö Straßengrabens saß eine klei ne, von Koth beschmutzte, yom Regen durchnäßte Katze, ein kleines, verirrtes oder ausgesetztes, verhungertes Thier chem . . . Einen Augenblick wär der jnnge Gelehrte unschlüssig. Dann hob er das kleine, schmutzige, nasse Geschöpf auf und wickelte es in sein seidenes Taschentuch. Er beschleunigte seine Schritte, als gelte es einen Schatz in seiner Wohnung zu bergen und als er diese erreicht, und das kleine Thier, erwärmt und gesättigt, sich dankbar an seine Kniee schmiegte, sühlte er sich so fröhlich, so glücklich, wie es stets nach einer guten That der Fall ist, er hatte Erbarmen gefühlt gegen ern armes, rechtloses Geschöpf!... ßin angeneymer WeiseSefäyrte. Von yaul von ?chöntha. : Reisegeschichten und Reiseabenteuer sind ost erzählt worden, es ist wahr, aber wirklich originelles Erlebniß braucht man deshalb nicht todtzuschweigen. Es war auf meiner letzten Reise nach Wien. Als ich in Berlin von meinen bestellten Platz im SchlaswagenBesitz er griff, fand ich bereits einen Reisegesähr ten vor. Derselbe hatte sich schon häus lich eingerichtet, er hatte die Stiefel mit gestickten Hausschuhen und den Hut mit einer schottischen Mütze vertauscht; das kleine Tischchen, welches sich später in eine zum Erklimmen der schwebenden Betten dienende Treppe zu verwandeln hat, war mit verschiedenen Gegenständen beladen, ich unterschied zunächst ern Bier seidel mit einem bemalten Deckel, einen bronzirten Stiefelknecht, einen Damen fächer, ein PhotographieAlbum und eine gewaltige Meerschaumpfeife. , Diese Gegenstände ' gehörten indeß Nicht zu dem Neisecomfort meinesSchlafwagengenossen, eS waren, wie er mir später mittheilte, Geschenke, die er nach Wien mitbringen wollte. Er hatte sie da ihm selber keine Zeit mehr geblieben war durch den Hotelhausknecht einkau fen lassen und stand eben im Begriff, den Geschmack seines. Berliner Vertrauens manneS zu prüfen, wobei er die Bemer kung nicht unterdrücken - konnte, , daß er .diese Geschichten in Wien viel, billiger und schöner bekommen hätte. Da konnte ich nicht umhin, Berlin aus Kosten jenes Hausknechts in Schutz zu nehmen - und ihm für künstigeFälle den Rath zu geben, die Reisesouvenirs jedrsmal gleich am Tage der Ankunst einzukaufen; ein Usus, den ich überhaupt und imJnteresse der zu Betheilenden empfohlen haben möchte; man befindet sich da in einer viel steige bigeren Laune. Nach diesemMeinungsaustausch stockte die Unterhaltung wi:der, um erst kurz vor Dresden wieder in Fluß zu kommen. Mein Gefährte sackte., seine Geschenke, nachdem er sie wiederholt von allen Sei ten, mitunter kopfschüttelnd, besehen, Stück sür Stück behutsam ein und lehnte sich dann in die Ecke. SeineErscheinung war njcht gerade sympathisch, er sah nicht aesund aus, seine etwa 6 Schuh hoheGe statt war grobknochig, aber' mager, und die langen Finger, welche eine große Ge schicklichkeit im Cigarettendrehen dewie sen, waren gelb angeraucht wie eine Spitze. Sein Blick hatte etwas Scheu es, ich sühlte ihn aus mir haften, und
wenn ich ihn, begegnen wollte, wich er mir aus. ,.: . Ich suhlte dasBedürsniß,wieder einige Worte an ihn zu richten, gewissermaßen um mir das Gesühl zu verschaffen, daß ich einen harmlosenReisenden gegenüber sitze, den ich vielleicht für mich gewinnen konnte, so wenig ich dies auch ausGrün den der Sympathie wünschte. Ich machte ihn aus die Zollplackereien ausmerksam, di'e'wir in Tetschen zu er warten hatten. Das schien ihn eini germaßen zu beruhigen; - nachdem er sich aber im Kupee umgesehen hatte, sagte er nur: ' das werde ich schon machen, ich verzolle meine Geschenken ich t, kommen mich so schon theuer genug In Dresd:n verließ ich noch einmal den Wagen, meinen Reisegefährten zu rücklassend. Als ich wieder einstieg, lehnte er noch immer in seiner Ecke, und gleichsam unsere frühere kurze Unterhal tung fortsetzend,sagte er: Sie sollen nur suchen, bei mir finden sie nichts."' Dabei lächelte er wie ein verstockter Verbrecher; mir war der Mann . geradezu unange nehm geworden. Er schien indeß mit meiner Gesellschaft vollkommen zufrieden zu sein, denn plötzlich begann er: S'ist eigentlich ganz gemüthlich so zu Zweien im Kupee, können Sie schlafen?" Ich bejahte. Haben sie einen tiefen Schlaf?" fuhr der merkwürdige Mann fort. Wahrheitsgemäß bejahte ich wieder. und aus Höflichkeit stellte ich an ihn die gleiche Frage. Ich habe nur immer so schreckliche Träume", sagte er, .mir träumt immer, es brennt wo, oder ich ertrinke, oder es packt mich Einer hinten, dann sänge ich an zu schreien, und wie ich mich schreien höre, dann wcrde ich munter, dann ist es wieder sür eine Stunde gut; aber der Arzt hat mir gesagt, daß mich dabei ein mal der Schlag treffen kann. Wie es heute werden wird, weiß ich nicht; ich fahre zum ersten Male im Schlafwa gen." DieseMittheilungen waren mir gerade nicht angenehm, ich entwars im Gedan ken ein Bild der bevorstehenden Nacht. Eigentlich ist es ganz merkwürdig," fuhr mein vis-a-vis fort, daß man mit einem Fremden, so ganz sorglos zu Bett geht; nun ja, wissenSie denn,ob ich nicht am Ende ein Lump, ein Verbrecher bin?" O!" erwiderte ich mit einer höflichen Bewegung. Dabei sah ich ihn an und das Gesicht wollte mir gar nicht gefallen. Leider gibt es . im Zuge nur einen Schlafwagen, dachte ich. Der unHeim liche Mensch ließ sich nicht abhalten den Gedanken zu verfolgen. Was wollen Sie machen," sagte er, "wenn ich mich aus Sie stürze, wenn ich Ihnen ein mit einem Betäubungsmittel getränktes Tuch unter die Nase halte' und Sie derweil beraube? Ich kann Sie auch aus dem Fenster ersen, kein Mensch erfährt je im Leben Etwas. . . ich beraube Sie, Ihren Koffer werfe ich auch hinaus . . . in zwei Minuten ist Alles vorüber. . ." Ich blieb, bemüht, den schrecklilFen Scherz humoristisch aufzufassen und 'zu lächeln. Mein Gegenüber schwieg. Ich fühlte, indem ich die dunklen Berge der sächsischenSchweiz anstarrte, daß er mich wiederholt lange ansah, es war, als ob er den schrecklichen Gedanken im Innern ausspinn, als ob er im Geiste unsere
Kräfte messen und die Beute abschätzen wollte. ; Endlich kamen wir an die Grenzstatio ,Ein österreichisches Zollorgan drang in unser Kupee. Der Fremde öffnete seine Tasche, in welcher er die Berliner Ein käufe ausbewahrt haben mußte, derZoll beamte nickte und klebte merkwürdiger weise die Etiquette Zollfrei" auf die Tasche. Ich gestehe, daß mir der Aufenthalt auf dem vom Reisenden und Bahnbe diensteten bevölkerten Perron ordentlich wohlthat, das ich mit einer gemischten Empfindung deS Behagens an die be vorstehende Nacht dachte. Als ich das Schlafkupee wieder betrat, fehlte mein Genosse; mein erster Blick galt meinem Pelz und meinerNeisetasche. Ersterer hing noch am Fenster, dieTasche stand in der Ecke. Gott sei Dank! Eine Minute vor Abgang des Zuges kam der große hagere Mann wieder zur Thür hinein. So, jetzt sind wir ja wieder beisam men," sagteer, sich fröstelnd in die Ecke lehnend, jetzt halten wir nicht bis (er nannte eine böhmische Station), wenn ich jetzt ein Verbrecher wäre, aus eins, zwei wäre es vorbei. . .merkwürdig, man kennt sich gar nicht und schläft nebenein ander... hm...." Erhing, einen glän zenden. aber schmalen kahlenSchädel ent hüllend, seine Kappe an den Nagel und und begann sich zu entkleiden. Auf mein en ausdrücklichenaber unter vier Augen geäußerten Wunsch hatte . ?, mich ' der, Schlaswägenkondukteur - möglichst ' ent fernt von deni Fremden gebettet. Er lag: links 1. Etage, ich: rechts parterre. II ' .Während ich noch 'mit meiner Nacht toilette beschäftigt war, sah ich,wie er sei ne langen Beine -'hinäufzog, . während sein Kops schon in den Kissen ruhte. Eigentlich beneidete ich im Stillen die Leute, die zu Sechsen oder zu Sieben in den gewöhnlichen KupeeS II. Klasse mit fuhren, der Fremde welcher nur zu be dauern schien, daß er kein Verbrecher war,' und es, ;.Gott sei's geklagt, nicht nothwendig haltenich , unterwegs , kalt zu machen war mir' ein sehr unange nehmer. Schlafkamerad.' ' , : ; : Trotz dieser Gedanken, trotz deZSchüt telnS und RüttelnS war mir doch alsbald, als wäre ich eingeschlafen . . . ' Plötzlich fuhr ich empor, derZug brau pe in wilder Hast.dahin, aber über . mir gegenüber rief eS: Es brennt! . eS .vrennt! und des Fremden glänzender" Kops, so kahl wie ein Knie, wurde am Bettrand sichtbar; er. schien einen Ausgang zu su chen, und wäre ich nicht aufgesprüngen,ich glaube, der lange Mensch mit den furch terlichen Träumen hätte im ' nächsten Augenblick zu meinen Füßen gelegen. Ich brachte ihn zum Bewußtsein ein Blick auf die Uhr überzeugte mich, daß wir gerade eine 'halbe Stunde geschlafen hatten. Die geringe Krast, welche die Jugend dem Schlaf entgegenzusetzen ver mag, wurde nach einigen Minuten .wie der besiegt: ich weiß . nicht ob' es-ein Traum war, oder ob es auf Wirklichkeit beruhte, es war mir, als riefe Jemand: Er hat mich, er hat mich!" ES kam mir nicht recht Bewußtsein, aber endlich schlug ich doch langsam die Augen auf.
dann blickte ich zu meinem Gegenüber empor, und da riß ich meine Augen ge waltig aus: aus dem Bette hing einVein vom Knie abwärts es baumelte wie leblos, j'dem . Stoß, .jedem ftuck des Wagens folgend, wie ein frei schweben der Pendel.Himmel dachte ich wenn ihm am Ende einUnglück zugestoßen sein sollte,ein Nervenschlag am Ende habe ich noch Unannehmlichkeiten .... Im Nu war ich aus meinem'unruhigen Bett und aus der Treppe, mittelst welcher-das schwebende Lager des Fremden zu erreichen war. Er schnarchte. Menschenfreundlich hob ich den nackten Pendel in die Höhe und legte ihn zu dcn übrigen Knochen. . - Es war wenigstens schon 1 Uhr vor über. - Der Schlafgott hatte eine ansehn liche Quote des . Tributs bereits in Empfang genommen. - Leider wurde ich bereits um j5 Uhr wieder gcwickt und zwar durch einen aau
merkwürdigen Umstand. Der Magcrc . "':... r. c?.r. " t. r ' oeiiiCB naraiitg um cieic iunoe jeir. Lager, kletterte vorsichtig die Leiter her ab und näherte sich zu meiner Ueberraschung, meinem Pelz, an dem er sich zu schaffen machte, kme mnere Stim me rief mir in diesem Augenblicke zu: Wenn du dich rührst, erschlägt er dich; denn er ist zweifellos ein Verbrecher. Er zog etwas aus der Tasche. Mein Muth siegte. Ich sprang im tiefsten Neglige aus dem Bett auf den Gleichkostümirten zu: .Was trcibenSie?" " .Meinen Stiefelknecht und die Pfeif?'." sagte er entschuldigend, ich habe nämlich in Dresden die Sachen in Ihren ,Pelz gesteckt, ich wollte Ihnen Nichts sa gen...." Dabei zog er den bronzirten Stieselknecht, das Album, das Biersci del und die Pseise aus den weiten Ta schen meines Pelzes. Nachdem er sich nochmals entschuldigt hatte, kletterte er wieder in seinBctt. Ich folgte seinem Beispiel. Er war beschämt, denn ich sollte ja unbewußt der Mit schuldige an seiner Zolldesrai:dation sein, wenn es überhaupt eine war, aber nach Verlaus von süns Minuten verrieth ein alle Dampfsignale übertönendesSchnar chen, das sich sein Gewissen wieder beru higt habe. Als wir in Znaim beimFrühstück einander an unserem kleinen Kupeetischchen gegenübersaßen, 'entschuldigte er sich nochmals wegen derPelzgeschichte. .Sie haben sich aber auch sehr gemäßigt benommen", sagte er, denn setzen Sie, wenn ich wirklich ein Verbreche? wäre und wer bürgt Ihnen denn oasür, daß ich es nicht bin? wenn ich also wirklich ein Verbrecher wäre, fr hätte ich einen Angriff dadurch erwidert, daß ich Sie todtgeschlagen hätte ...wir sind allein j?tzt wär's schon vorbei mit. Jh. nen " Jetzt lächelte ich, gestern im nächt lichen Halbdunkel war mir die wieder holtcErwähnung dieser Möglichkeit nicht gerade angenehm. Sie bleiben in Wien?" sragte er kurz vor Wien. . Nur eine Woche", entgegnete ich. . Ah, das ist ja prächtig", rief er, .ich muß in acht Tagen auch wieder nach Berlin, da könnten wir jz wieder zusam men. ..." . , Natürlich" sagte ich bereits gefaßt, .sagen Sie mir nur, wann Sie. reisen. aber es mutzte ganz bestimmt sein.".Ich gebe Ihnen, meii: Wort, ich reise am Eharsreitag um 8 Uhr 15 Minuten vom Nordbahnhof." .Sehr gut", sagte ich zustimmend, es bleibt dabei " Wir gaben uns die Hand daraus. Natürlich reiste ich zwei Tage später. Phantastische Wünsche Wär' ich einzig' Mal Neptun, Ich wollt' im Schooß der Wonne ruh'n ! Den ganzen Tag würd' ich mich baden, Die ThetiS kniff' ich in die Waden. Spazieren schwömm' ich nicht alleine. Ich führt' den Seehund an der Leine. Das Wallroß ritt' ich ohne Sporen Und hielt' mich fest an seinen Ohren. Den Seestern steckt' ich selbstbewußt Als Orden an die Götterbrust. Sollt' mir'S bei Tisch an Fischen man geln. Würd' ich mir einen Wallsisch angeln. Juwelen mißt' ich ohne Kummer, Mir dient als Ohrring Krebs und Hum mer. ,-,.. In Leipzig trüg' ich ost was vor Mit meinem LeibSirenenChor. , .. . ' -:,'.,-.., f . ... V Nach Norderney schwömm'. 'ich tonstant; Doch wär' mir riesig intreffant. Den braven Haififch zu erheitern, Ließ' ich die schönsten Schiffe scheitern. Statt Knallbonbons ließ' beim Soupi ren Ich rings Torpedos explodiren. Und hätt' ich 'mal nichts weiter vor. , Steckt' ich den Dreizack hinter' Ohr. , Mikado. Einw'eitverbreitetet Glau be Verbietet das Trinken aus einem Kru ge, in welchen das Mondlicht gefallen ist, denn wer aus einem solchen trinkt, wird mondsüchtig, bekommt die .Mond scheimgknt wie das Volk sagt. In einem reizenden, von Thomas Koschat komponirten kärthner Volkslied heißt tS darüber: .Mei Liserl hat g'sagt, und i woaß noch wiaheuet: Seppel, trink aus kan Kruag, wo da 1 Mond einischeint. Denn trinkst aus an Kruag, wo da Mond ' eimscheint. Hast in vierundzwanz'g Stund drauf dö Mondscheinigkeit! Müaß't kraxeln und steig'n über Laterln ' und Zäun, ( Fenster! auf,Fensterl ein, und ka Mensch - darf Dir schrein. Denn schreiat die oanö,oft war'S g'fahr lich und tiaf: Schiaßerst oba von Dach und natürlich wakschthin.
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Saurer Gurkcn-Salat E r sie r R e p o r t c r. Wieder nah'n die alten Plagen, Ent' und Sceschlang' füllt d:e Lücken; In den stillen heißen Tagen Läuft mir's ciökalt über'n Rucken. Zweiter Reporter. Mit Ersindungsgelst gezicrt, Will ich nicht denMuth vcrtieren ; In der Zeit, wo nichts passirt. Läßt der Leser viel pcissiren. , B i 3 m arck. Ob ich auch 'oon stolzem Muth Bin beseell in manchen Fälln-, . Laß ich doch in dieser G!uth Gern mich in den Schatten stcllcn. Schüler. ! Hundsstern macht zum ungc'.c c-cn Kopse, der, sonst so gewitzt; Ach .' ich fürcht', in lang' Ferien Wird sehr viel total verschwi:. ; Mime. Vo:'ni Sommer unf'res Mißvergnügen bangen Wir armen Helden von der Brcitcrwell Begluckt, wer jetzt noch Gage darf ve lange:: ! Doch dreimal glücklich Der, d:r sie c hält ! Pechvogel. - XYS (Si1rta& ClAHti 1nr(l wir ta vtuuis wuiuit tuuyi tiui int, i 1?.: c;tH nM ...s kf,-,?rr J JUtll4l WtlWl 11U14 VlUp UIIU VUlfc Ach ! schon die dritte Landpartie k 9? htutr mir jii Mss?r -W' j -w II BerlinerSommerfrischle Rückvcrsetzt an heim'sche Spree Fühl' ich mich auf steiler Hob'; Jeder Berg, ich sag es eürlich. Ist ein Kreuzberg mir, beschwerlich. Strohwittmer. So ost es angebt, mach ich b!, -1 Seitdem ich einsam wohne ; Ein lust'ger Abend ohne Frau Ist manchmal gar nicht ohne. Ehefrau im Bade. Täglich frag' ich mich mit Bangen : Wird mein Gatte treu mir bleiben ? Ach, ich weiß, daß sonder Siräudcn Leicht Strohwittwer Feuer sangen. (Ulk.) m An die Schwalben. Willkommen viel, ihr Schwalben traut. Vor meinem Fcnstcrlein ! Da? war ei. Frühling trüb und kahl. So arm an A lülh' und Sonnenstrahl, . Und fern in s-emder Weite Der Allcrlicb,e mein ! Ein Blättlein her geflogen ist, Ein Haucb die Welt durchdr:::gt. - Der Liebste kommt, der Souimcr naht. Und was de? Lenz versaget hat. Der reiche un, der warme,' Und doppelt Alles bringt. Willkommen viel, ihr Schwalben traut. Baut froh bei uns euch ein ! Und eh' der Sommer geht vorbei. Wird wohl bereitet noch für Zwei, Verborgen wo im Stillen Ein warmes Nestchcn fein. H. S ch ö n k n e ch t. D er Reaktionär. In Mecklenburg lebt ein Nitterguts bcsitzer, der ein solcher Reaktionär ist, daß er grundsätzlich nie eincnBricf sran kirt, um nicht das Wort frei" darauf schreiben oder eine Freimarke in dieHand nehmen zu müssen. Wer war der erste Privat d o c e n t. Moses, denn in der Bibcl heißt es: Und sie höreten ihn nichts - JmParterre. Dieser Alabasterarm ! Diescr'Hals, wie frischer Schnee ! Ach ! wie wird das Herz mir warm. Ach, wie wird mir's wohl und weh ! Einen Sprung nach den Coulissen, Diesen Nacken muß ich küsZen Doch was brennt mein Mund so heiß? Teusel, das ist Kremserweiß! Lammfromm. Gutsbesitzer : Verdammter Kerl l Recht, daß Du mir in den Weg kommst, a sieh', was die Schindermähre, die ich von Dir gekauft habe, sür Sprünge macht. . Der Teusel kann das Pferd reiten, und Du hast doch gesagt. Du willst ein Kerl sein, wenn der Gaul nicht lammfromm ist." ' . " Pferdehändler: .Nu, wie haißt? Bin ich c schlechter Kerl? Js doch deS Thierche wirklich wie e' Lämmche ; denn was thun die Lämmcher auf der Weid'? Sie springen und bocken und sonst thut Ihr Gaul aach nix!" Das L ooö. Eine bereits verblühte Jungfrau äu ßerte in einer Gesellschast, sie möchte gerne in der Staatslotterie spielen, könne jedoch kein LooS austreiben. Ein an wesender Herr, mit etwas linkischem Wesen, welcher schon lange auf einLeos, jedoch ohne jeglichen Gewinn, gespielt hatte, und dem somit die Lust zum Spielen schon, sehr vergangen war, dachte: hier kannst Du Rath schaffen. Gleich darauf fügte es der Zufall, daß diese beiden Personen in einer Nische allein zusammen trafen; der Herr, nur an das vorherige Gespräch denkend, erlaubte sich die bescheidene Anfrage, ob die Dame geneigt sei, sein Loos mit ihm zu theilen..., .Ja rief die ältliche Schönheit lieblich erröthend und siel dem nicht wenig Verblüfften um den Hals. Der Herr soll, bei seiner ihm ange borenen Schüchternheit gar keinen Ver such mehr gemacht haben, die ihm aufgedrängte Braut über ihren Irrthum aufzuklären. I m Laboratorium. Professor (zu seinen Hörern), .'.Welch' energische Wirkungen das Chlor als Bleichmittel hervorbringt mögen Sie, meine Herren, auch daraus entnehmen, daß Candidaten, wenn ich sie im Examen darnach auch nur fragte, plötzlich schon ganz blaß wurden
