Indiana Tribüne, Volume 4, Number 428, Indianapolis, Marion County, 20 August 1882 — Page 4

HSWÄSmA

MW Gegen Anrcgclmaßigkcttcn der Leber. O (T Leber. Lcker. Leber. Leber. Hast Du Aopsschmerzen Leidest Du an 2lnoerdaulichkeil? Zast Du unreines 03lut? Gebrauche Dr. August König's Hamburger Cropftn. Ein bewährtes Heilmittel. Gegen gpsschmryen von sicherer Wirkung. Gegen Anuerdaulichkeit unübertroffen. Gegen agenleiden von Tausenden empfohlen. Gegen ZZlutkrankheiten von Aerzten vermdnet. Die Flasche Hamburger Tropfen so stet 50 Cts. oder' fünf Flaschen zwei Dollars, sind in allen deutschen Avotheken zu haben, oder werden bei Be'iellun gen im B'.trage von $5.00, nach Empfang des Geldes, frei nach allen Thei len der Vereinigten Staaten versandt. Man adressire : A. Vogelcr & Co., Baltimore, Md. rT" VV.JiVi'Xl-',Am. v-yT5 VA., m imr":m--Ktu 1-1 r r-- r? 11 iV"U Ein bekannntes, vorzügliches Mittel gegen Rheumatismus, Veißen im Sestlöl, HNedereißen, MrostöenfeL, Hkcht, Hesch.ß, Lrtuiey, Luftenkeidm. randwunden. Ferflanchunaen, Stcisea LaK, Hnetschnngen. Früyingen, frische ganzen und Schuillwundeni Mhnschmeyen, gesch,llknt Mrüste. oxswey, ZiuckenscSmerzen, Aufgedrungene SiänU, $tttnf(fimtitn, Hyrenwel), und alle Schmerzen, welche ein äußer liches Mittel benöthigen. E:ne Flasche St. Jakobs Oel kostet .50 Cts., (fünf Flaschen für 52.00, ist in jeder Apotheke zu haben oder wird bei Bestellung von nicht weniger - cls- $5.00 frei nach allen Theilen der' Staaten versandt. x . Man adressire : N. Vogeler S Co., Baltimore, Md. Slei.niLk 5!iederlase 2x merikä.

- C

iipaim

M . Jj5 -SyT-- V r? s4fa&y Vf r V'. Vt"-1' J ZL 7?? 4. v' C t'r M MM i tVß ' Z . v i PJMMM ; vV rv; !.7?KVN-Slii'r v Hrv a ittöfti

M

lXLM! ' NRNUiU WMDW i ff J ;JfV) ffr Ö "' v I X! f 'X h U m Vl ty- 1 fs---MMMMAM äV&6&W' ' pl':V ,rmA JU :Lxw dyi M v A d&p. WVT, jJ ; 7. V i Wj V. V'j w . iuiC Ur iztn r J-ij-yg" 4 J v-KAtijr TV!- I 5' '.W ..;. '-'UH-- 8' I v-1 ' rwM' -'! ". i'ntx 7 -3 i'vj IvJL ? l l. Vi ' i' 'J J V i -r I rlir-y-;-;J-v! -ii' r-iTÄgsw ,"" l'lO'-Ail Jf vr . MMMMKAW KÄM 'MW. NMlW V? r 4 3 AV3n w 4 PuS&&& Ur ?'- j rs&RN. i' p '..A .: , i 'i V 0 ? ' ' Cllt' OMMM 55tz5'' r.V t tr -lII 4ll 44 - ?-i (, 1; iiiljC.-V-vU i iwfi !

III III II 1 sl I

Die naeheuer des Seekrieges. Unter den merkwürdig großen Fort schritten, welche seit etwa zwanzig Iah ren aus dem Gebiete der Technik zu ver zeichnen sind, nehmen die im Seewesen und in der Artillerie gemachten, einen hohen Rang ein. Vor genannter Zeit waren die 30pfündigen Kanonen, welche nach dem System Palphans mit emer kegelförmigen Kammer versehen waren die stattlichsten Geschütze, die aus den Stückpsorten der KüegSschiffe hervorlugten. Im Jahre 1859, als die Iran zofen Venedig zur See blokirten, war ich in der Bucht von Spignon zugegen, welche man durch eine auf Holzblöcken schwimmend erhaltene Ankerkette und versenkte Schiffe, gesperrt hatte, denn sie zog sich quer über die Oeffnung des Lido vom Fort Alberoni bis zum Fort S. Pietro, und vor ihr waren Torpedo!, und spanische Reiter versenkt. Die Franzosen lagen Mtt ihren Schissen, darunter die nach damaligen Begriffen mächtige SchraubenFregatte Jmper leuse-, draußen aus dem Meere de.utlich sichtbar, aber sowohl ihre Geschütze wie die unserigen waren nicht im Stande, auö der nach heutigem Mab geringen Entfernung Schaden anzurichten. Im Allgemeinen ward die Ruhe der bloki renden Schiffe draußen und die unserer Flotte in der Bucht von Spignon denn auch nicht gestört. Nur manchmal, wenn die Nacht recht dunkel war, hörte man von der See den dumpfen Schlag von Rudern, deren Schaft man größerer Geräuschlosigkeit halber mit Wollenzeug umwickelt hatte. ES war eine sranzösi sche Schaluppe, welche behutsam nahte, um in der Haseneinfahrt die Barrikade zu untersuchen, die elektrischen Leitungs drahte der Torpedos herauszufischen und andere Dinge zu vollbringen, deren Ausführung nur in nächtlicher Dunkelheit möglich war. Doch in den Batterien der Forts konnte den Wachtposten der verdächtige Ruderschlag nicht ent . m m i f m t aeyen : pionnq yorle man trompeten fignale durch die Nacht, und dann er bellte von dem sonst finsteren Leucht ihurm aus ein Strahl elektrischen Feuers die Elnsayrt und das listige Boot. Als bann ging aus einem der Küstengeschütze ein hallender Schutz los, dann noch einer und noch einer, bis die Schaluppe, dem Bereich des elektrischen Strahles entron nen, in der Dunkelheit verschwand. Schließlich war Alles wieder ruhig, und man hörte von den Schiffen nur von Zeit nt Zeit das Anschlagen der Glocken und den langgezogenen Ruf der Wach Posten Alles wohl !" der sich jede halbe Stunde wiederholt. Bisweilen sah man auch- am hellen Taae ein Bragozzo, das unter dem Lido entlang segelte, plötzlich seine Richtung nach den französischen Schiffen hinaus nehmen. Diesen wollte es frisches Ge müse vom Lido und frische Nachrichten vom Kriege, auch Bericht über die öfter reichischen Maßregeln zur Vertheidigung Venedigs bringen; das wußte man in den Batterien. Da wurden benn wie der die Kanonen gerichtet und die drei ßigpsündigen Kugeln flogen dem VerrSther nach auf die See hinaus; doch ent kam er zumeist, Einmal, als die See recht glatt und das Wetter schön war, gelüstete es einen SeeOffizier beiChiog gia in einer Gondel hinauszufahren, um die Franzosen etwas mehr in der Nähe zu betrachten. Doch hatte er vor seinem Ausflug die Artilleristen unsererStrand batterien nicht vorher in Kenntniß gesetzt und war kaum eine Strecke draußen, als vom Lande ein Schuß fiel und die Kugel wenige Fuß über die Köpse seiner Gon dolieri dahinsauste und durch ihrenLuft druck diese fast über Bord warf. Zu ernsteren Affairen kam es in der Bucht hrt silhinnAti nts&t S? faiiftstUn 1H WfIJttWil tilUI ) Uli vyiUjU( tUUtil nicht viel zu thun, aber man hatte doch Gelegenheit gesunden, ihre Verhältniß mäßig geringe Tragweite zu erproben. .' und fürchtete daher mit Recht die mit drei Zoll dicken Elsenplatten gePanzer ten schwimmenden Batterien, welche schließlich mit dem Gros der französischen Flotte vor Venedig erschienen, doch nicht zur Aktion kamen, da der Friede von Villafranca der Sache ein Ende machte. Sieben Jahre später in derSeeschlacht bei Lifia waren die einander bekämpfen den Kegsschiffe schon viel wirksamer bc waffnet; die österreichischen hatten neben den alten Dreißigpsündern 60 und 48 psündige Kauonen, die italienischen sast durchgehends Armstrong und Yavalli Geschütze, im Uebrigen französische gezo gene Kanonen. Die sür die beidenPan zcrfregatten Ferdinand Mar" und .Habsburg" bestimmten und bereits. vollendeten Krupp'schen Hinterlader konn ten nicht mitwirken, weil Preußen deren Ausfuhr verbot. Aber was waren auch alle diese Geschütze im Vergleich mit den gegenwärtigen Ungeheuern derArtillerie, die auS dem Kampfe mit den immer stär ker werdenden Eisenpanzern der Kriegs schiffe hervorgegangen sind ! In der ersten Hälfte der Sechziger Jahre beaan nen Nordamerjkaner. und 'Engländer einander inGröke. Traaweite undDurck schlagskrast oer Geschosse zu überbieten. und nipp in Essen folgte ihnen bald dann. Im Arsenal vonWoolwich wurdcn nach Fraser's System Geschütze aus star kem Reiseisen anaefertiat, welche 600 psündige Proiektile warfen ; Nodmanin Amerika goß Geschützrohre über einen hohlen, durch Luftströmung kühl erhal tenen Kern ; seine Kanone war sehr groß, e . rn , . . . ' 7 V lein Proittlii wog lauieno Pfund. Doch blieben sie und die andere in der Scbuk weite im Vergleich mit denProdukten der Gegenwart noch weit zurück. Der Leser . ? .'ritt ' wuroe mir uorlgens nicyl soigen, wenn ich ihm die ganze artilleristische Stufen leiter bis zum heutigen Tag, wo die Macht veittragender Marinegeschütze in wenigen Vtunoen die Vesemgungen ei ner großen Stadt in Trümmer gelegt haben, binanführte, und wo wäre hier der Raum, wenn ich erzählen wollte, was die Armstrong, Whitworth, Parrot, Krupp, Blakely,PalllZer, Parson,Broad well, Ericsson, Fräser und Rodman Al les gethan und durchgemacht haben, be vor die Artillerie da angekommen ist, wo sie heute steht, nämlich bei einer Kanone, welche 100 Tonnen, das m zwettau end Centner, wiegt, ein Geschoß von mehr als 2000 P und wirft, das mit einer La dung von 550 Pfund abgefeuert wird, durch eine Stahlplatte von zwei Fuß und hier Zoll Dicke dringt, sie zertrüm rnrnd, stnd das eine Flugweite von ei

ner deutschen Meile besitzt. Es ist enorm. Solche Kanonen führt das italienische Pauzerschiff Drnlio", das furchtbarste Schiff seiner Art in der Gegenwart. An der Beschießung der Forts von Alexandrien haben zwar keine Hundert TonnenGeschütze theilgenommen, wohl

aber welche, die nicht viel geringer sind, nämlich die AchtzigTonnenGeschütze des britischen CitadellschiffeZ .Jnflex ible". Diese sind 24 Fuß lang und weisen ein Geschoß von 1600 Psund. Die Ladung der großen Kanonen besteht aus prismatischem Pulver; dieses hat Körner etwa von der Größe einer wäl schen Nuß; die Körner sind ringsum fa cettirt nach Art der Diamanten. Das gewöhnliche feinkörnige Pulver kann man bei so großer Ladung nicht brau chen, denn ehe es m solcher Menge bis auf das letzte Körnchen verbrennt, ist daS Proiektil chon aus dem Laus, bekommt alfo die ganze Kraft der Ladung nicht mit aus den Weg. Das grobkörnige. prismatische Pulver liegt mit Zwischen räumen unter sich im Laderaum, etwa so wie Zuckerwurfel m einer Zuckerdose; durch diese Zwischenräume kann die Zündflamme frei streichen und bis zu dem letzten Korn gelangen. Ueberdies wird, sobald die Zündflamme im Lade räum die Luft erweitert, dem Geschoß eine vorläufige leichte Bewegung er theilt, bis die volle Ladung wirkt und es mit der rasenden Geschwindigkeit von ungefähr 1800 Fuß m der Sekunde aus dem Rohre treibt. Auf dem englischen Thurmschlff.Nep hm", das anders-gebaut ist als der .In flexible", ging es beim Abfeuern eines AchtunddreißigTonnenGeschützes schon wild genug Her. Das Ere war, wie man vorausgesehen hatte, em Hagel von Glasscherben; alle Fenster an Bord gingen m Trummer. Die Lage aestal tete sich geradezu gefährlich, wenn nach der Abgabe des Schuffes im Thurme die Luft aus den unteren Räumen mit Gewalt herausströmte, um das Vacuum zu füllen, das sich durch die Explosion der großen Pulverladung auf dem Oberdeck gebildet hatte. Der Deckel dis Gang fpllls, einer schweren Winde, ward weg geschleudert und das Verdeck in derNähe des Gangspills plötzlich dermaßen geho ben, daß die Deckstützen unterhalb aus ihren Fußlagern gerissen wurden. Ein Feld des Seekarten-HauseS ward abge l. " i M tf 1k. oruai, em oyleniUlen-Tieael avgeyo ben und fortgeschleudert und der auf den Bootsklampen lagernde Cutter, ein gro ßeS Fahrzeug, der Länge des KieleS nach in zwei Theile gerissen, davon der äußere weit weg in die See flog. Sogar Nie ten und Bolzen wurden durch die Er schütterung gelockert und abgebrochen. Ob nicht die Verwundungen, die vom britischen Geschwader vor Alexandrien gemeldet werden, zum Theil von der enormen Erschütterung der Luft beim Abfeuern der schweren Geschütze herrüh ren? Wiederholt hat sich auch gezeigt, daß die großen englischen Geschütze, welche aus mehrren cylindrischen Theilen zusammengesetzt sind, dem Zerspringen so sehr- zuneigen. Wenn es geschieht, ist es jedesmal ein Ding der heillosesten Gewaltthätigkeit. Beim Zerspringen eines HundertTonnen'GeschützeS auf dem italienischen Panzerschiffe Drnlio" ging eS folgendermaßen zu.: Dieses Un gethüm von einem Kriegsschiff unter nahm in der Bucht von Spezia Schieß versuche behuss Erprobung der hydrau lischen Vorrichtungen sür die Bewegung der Thürme und Geschütze, 'als bei Ab gäbe des letzten Schusses das Rohr der Länge nach barst und das Gas einer Ladung von 500 Pfund Pulver größten theils den verhältnißmäßig engen Raum des Thurmes füllte. Das innere Stahlrohr wurde abgerissen und veranlaßte das Auseinandergehen deö Rohres hin ter den Schildzapsen, welche mit dem vorderen Theil des Rohres in der Laffette verblieben. Der abgetrennte Hintere Rohrtheil ward mit solcher Gewalt ge gen die Thurmwand geschleudert, daß die innere StahlblechVerkleidung, so wie die Zwischenwand von Holz voll kommen durchbrochen und zwei von den 22 Zoll dicken Panzerplatten des Thür mes dermaßen gelockert waren, daß sie gleich einem Paar Flügelthüren offen standen. Die neun Mann, welche sich zur Bedienung des Geschützes innerhalb des Thurmes befanden, wurden theils von dem PulvergaS verbrannt, theils er litten sie durch Niederfallen schwere Verwundungen. Der am Thurm angerichtete Schaden betrug eine Million Lire. Mit den schweren Thurmgeschützen hat es überhaupt eine üble Bewandtniß. Drei Uebelstände machen sich vor Allem bemerkbar. Bekanntlich wird das Ge schütz durch mechanische Krast geladen uno m ewegung gesetzt. Wamtt es das Projektil aufnehme, wird das Ge schützrohr gesenkt und ein mächtiger Ladestock treibt dann die Ladung in den ungeheuren fcchmrn. Wenn der Schuß in diesem Augenblick loöginae, dann wäre eS mit dem Schiffe vorbei, weil der Ladestoa zugleich mit dem Projektil ab gehen und, sich in den Schiffsboden, ae gen welchen, die Mündung des Rohres gerichtet ist, einbohrend, rine allgemeine Verheerung anrichten würde. Zweitens füllt sich nach jedem Schuß das verhält nißmäßig enge Gelaß dermaßen mit Rauch, daß die Bedienungsmannschaft in Erstickungsgefahr geräth, so daß oft Alle davoneilen müssen, sobald das Geschük abgefeuert ist. Drittens entsteht bei jedem Schusse innerhalb des Thurmes ein so mächtiger Luftdruck, daß die Be dienungsmannfchaft sich nicht auf den Beinen halten kann und theils zuBoden, theils gegen die Thurmwanbe geschleu dert wird.. Nun denke man sich zu sol cher Wirthschaft 'das Getümmel der Schlacht in der-fürchterlichen Sommer Hitze der ägyptischen Küste, den wallen den ' Pulverrauch, den Eifer und den Wurst des Matrosen, und man wird zu aeben, daß dieser es im Dienst der alten PaiphanS, die zu ihrer Zeit doch als mächtige Geschütze galten, bei Weitem des er hatte,' und daß wan ihn um sem Leben an Bord der Panzerkolosse und m.i.t v ... fr . leinen zcllryr mil oen glganlijcyen na nonen unserer Zeit wahrlich nicht benei den darf. . Doch eS ist dafür gesorgt daß weder 'die Thurmschiffe noch ihre ri .rjc "i. - ? c ... er.' ... ' 'J vqqcin oen yimmet waqsen. I an'van Zuylen.

(AuSderMkMW.Ztz)

Ei Spaziergang durch Kairo. Von Theodor Hermann Lange.

Constantinopel ist die größte, Damas kus die am meisten orientalische, aber Kairo die bei weitem interessanteste Me tropole im ganzen Morgenlande. AIS die erste Stadt Afrikas trug sie von jeher den Charakter einer Weltstadt. Wenn auch die politische Bedeutung, die Kairo einst als Sitz der Chalisen und als Sta pelplatz des indoeuropäischen Verkehrs besaß, längst geschwunden, so ist eS in Folge seiner günstigen Lage doch noch immer der Schlüsse! der Nilländer ge blieben. Die Zeiten allerdings, in denen man sich m Kairo mitten aus dem euro päischen Komsort heraus und hinein in den Strudel orientalischen Volkslebens stürzen konnte, ohne um seine persönliche Sicherheit besorgt zu sem, sind vorläufig dahin. Die Cbristen Massakres, welche in Alexandrien und Tanteh sich zugetragen, sind glücklicher Weise in Kairo äugen blicklich nicht möglich, da sämmtliche europäische Colornen die ägyptische Hauptstadt verlassen haben. Aber noch stehen eine Anzahl von Europäern auf geführte Gebäude, noch sind eine Reihe europäischer Institutionen vorhanden, an denen sich nur zu leicht muhamedani scher Fanatismus versuchen könnte. Wer durch die Straßen und über die Plätze von Masr) schreitet, ist überrascht, nir gends Pflaster anzutreffen. Bisweilen ist man gezwungen, wenn gerade kein Esel oder Pferd vorhanden, bis sogar über die Knöchel im Sande zu watm. Weht nun gar der Chamsin durch die Straßen, so suhrt dieser garstigeWusten wind bisweilen vollständig undurchsich tige Staubwolken mit sich. Aber nichts deflowemger besitzt Kairo em Kllma,daS zu den besten der Welt gerechnet werden muß. Schnee und Frost sind hier unbe kannte Faktoren und Tausende und aber Tausende von Kranken aus a?7 Herren Länder haben hier seit Jahren ihren kranken Körper wieder genesen lassen. Wer Kairo in seinem eigentlichen Cha rakter studiren wollte, der mußte vor seme Thore gehen, sobald alljährlich die große Pilgerkarawane nach Mekka auf brach, sobald unter Kanonendonner das Fest des Nilschnitteö" begann und so bald die Feier des Tose" ihren Anfang nahm. Das waren Tage, an denen die ganze muhamedanische Bevölkerung der Stadt und Umgegend in lauter Lust auf jauchzte, an denen der Kultus des Islam m semen leuchtendsten Farben dem Auge erschien. Wandelte man dann durch die engen Gassen derBazare undMärkte, so hatten die Verkäufer und Händler das Beste ausgestellt, was sie an Gold und Silber, anSchmuckgegenständen und Waffen auszuweisen batten. Kein Leler. der nicht selber an Ort und Stelle war. macht sich auch nur eine annähernd rich tige Vorstellung von dem Reichthum an Prettosen, dle hier zu schauen sind. Des WeibeS Sinn verlangt allüberall nach dem Glänzenden, nirgends jedoch mehr als da, wo ihm die Freuden am knapp sten bemessen sind im Orient. Frei heit, Selbstständigkeit sind ihm versagt und der Aufenthalt im Harem, mag die ser bisweilen noch so kostbar ausgestattet sem, gleicht doch nur zu häufig dem Le ben in einem goldenen Käfig. Da ist es denn wohl entschuldbar, wenn die Orientalin, je nachdem eS der Stand ihres Gatten erlaubt, sich am Körper mit soviel als möglich goldenem, silbernem und auch diamantenem Schmuck be hängt. ES ist dies der einzig richtige Ausdruck, denn überall, wo sich Ringe, Ketten, Arm und Fußbänder anbringen lassen, erblickt man diese Kleinodien. Zunächst legt die Kairenerin bisweilen drei bis vier Ketten um den Hals. Diese Ketten sind mit kleinen Gold und Sil bermünzen reichlich versehen, je nachdem es die Mittel derFamilie erlauben. Von den Ohren fast aus die Schulter herab fallen feingearbeitete Ohrgehänge, den Oberarm ebenso wie das Handgelenk schmücken massille Goldbänder und die Stirn des Weibes wie ' der . Jungfrau trägt bei Familienfesten nicht selten einen breiten Goldstreifen, mit schimmernden Steinen reichlich besetzt. Um die Hüsten aber schließt sich ein kostbarer Gürtel, um die Knöchel ebenfalls ein goldener oder silberner Reif und die Finger tra gen fast sämmtlich kunstvoll gearbeitete Ringe. Hieran allein kann sich das Gemüth der Frau erlaben, denn kostbare Zimmereinrichtungen, Möb:l u. s. w. sind im Hause eines MuhamedanerS nicht anzutreffen. Die Gemächer sind mit Teppichen und Polstern ausgelegt und abgesehen von einigen Spiegeln bergen diese Räumlichkeiten gewöhnlich nichts weiter. Der Europäer, der Kairo betritt, besucht gewöhnlich daö Erste in der alten Chalisenstadt die Hbekiye, Wie tn Märchen aus Tausend und einer Nacht steigt dieser Garten vor den Bli cken deö Reisenden empor. Von einer Seite zwar stoßen eine -Anzahl europäi scher Gebäude an diese Parkanlage, auf der andern aber schließt sich direkt ein Trümmerfeld an die Mauern der groß artigen Schöpfung des vorigen Khedive. Es ist ein wunderbarer Garten, durch den unsere Füße schreiten, ein Garten, in dem ein ewiger Frühling herrscht. Die seltensten Baume und Sträucher blühen und duften hier. Pflanzen und Gewächse auö allen Erdtheilen, von den Abhängen der Kordilleren, aus den Thä lern des Himalaya und von den weiten Savannen des australischen Kontinents. Sobald die eine welkt und stirbt, sproßt neben ihr eine neue auf. Dazu ist die Anlage reich bewässert und inmitten deö Ganzen ein .umfangreicher Teich, auf dem sich Gelegenheit zu Gondelfahrten bot. Heute wird eS wohl unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse auch hier stiller zugehen. Aber noch vor einem halben Jahre koncertirten in den schattl gen Promenaden der Ezbekiye europäi sche und arabische Musikkapellen und in künstlich hergestellten Felsengrotten, über die sich schäumende Wasserbäche ergossen, bot sich stets ein kühler und erfrischender Ausenthalt dar. WaS Kairo seinen unverlöschlichen Stempel aufdrückt, daö sind dle impo santen Moscheen mit ihren breiten Kup peln, ihren schlanken Minarets und ihren riesigen Portalen. Oben von der Cida ) Tcr öH??tisq, arabisch Nmc sür Siiro.

delle herab genießt man eine vollständige

Rundsicht über das väusermeer der etwa 350,000 Einwohner zählenden Stadt. Viele dieser Moscheen sind indessen m vollständigem Verfall begriffen, die Treppensteme zerstückelt, die Kuppeln durchlöchert und die Minarets dem Ein stürz nahe. Aber von den Terrassen der Citadelle aus ist dies nicht vahrzuneh men. Wa. entrollt sich vor den Augen d'eS Reisenden nur eins der großartigsten LandschaftSbilder, die ich je auf meinen Wanderungen durch vier Erdtheile ge sehen. Wirklich zauberisch aber breitet sich diese Landschaft aus, sobald in der Nacht der Mond sein Licht über sie er gießt, sobald die Sterne am Firmamente funkeln. Der Himmel, der sich am Tage oder während der Nacht über nordafri kanische Gesilde fpannt, ist ein anderer als hier zu Lande. Schon am Tage wölbt sich die Himmelskugel in strahlen der Bläue, ohne Wolken, ohne Nebel; steigt aber erst die Nackt hernieder, dann steht Jupiter wie eine Sonne am Fir mamente, wie ein glühendes Meteor in einem uns unbekannten Glänze. Schars aber zeichnen sich Wüste, Fruchtland, Stadt und Nil von einan der ab. Das Auge schweift in scheinbar grenzenlose Fernen, durch Nichts aufgehalten, hinüber zu der lybischen Wüste, an deren Saum die Pyramiden von Gizeh Wacht halten, ernst und ma jestätisch, wie vor ö000 Jahren. Diese Colosse sah Abraham, als er nachAegyp ten zog, unter ihnen fuhr Jofeph aus Pharaos Wagen und das Auge der flüchtigen Maria mit dem JefuSknaben mag wohl oft ängstlich fragend zu ihren Spitzen emporgeblickt haben. Gegen Morgen, sobald der Sonnenball er scheint, vollzieht sich vor unsern Augen hier ein Schauspiel von tief ergreifender Majestät. Dann zieht die ganze Land schaft kaleidoskopartig vor unserem Auge vorüber. Der Kampf zwischen dem auf gehenden Tagesgestirn und der weichen den Nacht taucht Alles, Moscheen, Pa läste. Brücken, Nil und Pyramiden in wechselnde, wunderbare Farben. Bald roth unter den Strahlen der aussteigen den Sonne, bald bläulich und silbern unter dem Lichte des fliehenden Mondeö liegt eine Landschaft zu unsern Füßen, in der, wie sast in keiner zweiten, jeder Stein seine eigene Geschichte hat. Wir verlassen jetzt die Citadelle und durchwandern, wieder in die Stadt zu rückkehrend, die Muski, die ungefähr für Cairo dieselbe Bedeutung besitzt, wie der Broadway sür New Bork oder die Marketstreet für Philadelphia. Den abend ländischen Begriffen einer schönenStraße entspricht die Muöki freilich -nicht im Geringsten: nicht fehr breit und nicht regelmäßig tracirt, ungepflastert wie alle Straßen Cairo'S, meist feucht, wen alle flüssigen Abfälle einfach auf die Straße gegossen werden, der Tummelplatz zahl loser, häßlicher, gelbbrauner herrenloser Hunde aber zugleich dieHauptverkehrS ader des orientalischen Lebens. Alle möglichen morgenländischen Völker der verschiedensten Hautfarben, beturbante Manner und verschleierte Frauen, Fuß gänger, Reiter zu Esel, Pferd und Ka meel, Geschäftsleute, Bettler u. feierliche Prozessionen : Alles drängt und schiebt sich hier in buntem Wirrwarr durchem ander. Mit dem Brausen . der Volks menge mischen sich das Klirren derGeld stücke an den Bänken der Wechsler, das Klappern der messigenen Trinkschalen in den Händen der Wasserträger, die mit emem Schlauch von Zlegenfell oder ei nem Thongefäß auf dem Rücken die Stadt durchziehen und ihr Waffer an preisen, das klägliche Jammern der Bettler und das Geschrei der mit allen möglichen Eßwaaren hausirender Händ ler, das Brüllen der Kameele und das Gebell der Hunde, der warnende Ruf der Eseljungen oder der den Equipagen voranlausenden Sais mit lautem Da! odereiuinak ! d. h. deine rechte (näm lich : Seite nimm in Acht), oder sehe malak ! d. h. deine linke, oder riglak ! d. h. dein Fuß kurz es ist ein toller Karneval, der hier fast den ganzen Tag an uns voruberwalzt, immer neue, unge wohnte Bilder bietend, und in dem im mer wied?r ich mich mit Genuß herum treiben konnte. Der Korso der eleganten Welt, so wohl der einheimischen wie der europäi schen, war von jeher die Schubra-Allee, eine schnurgerade, breite, von großen tzsykomoren und Lebbachväumen belchat tete Promenade. In der Nähe hiervon befinden sich auch eme Anzahl vlcekönig licher Schlöffer, Paläste und größere vtegierungSgebaude. Hier schlug 1517 der osmanische Sultan Selim I. den letzten tscherkcssischen Mameluken-Sultan TumanBey und am 20. März siegte aus demselben Feld - Mlnschall Kleber mit 10.000 Franzosen über mehr als 50,000 Türken und Aegypter. Durch schneiden wir das Schlacktkeld'.' in asra dr Linie, so gelangen wir zu einemVor ort, catarlge mit Namen. In dem selben befindet sich ein gut erhaltener Garten, Eigenthum noch heute der E; Kaiserin Eugenie, die ihn 1869 bei Ge legenheit ihrer Anwesenheit vom Khe dive Jsmael geschenkt erhielt. In die sem Garten steht nämlich der sogenannte Marienbaum, eine prächtige, breitästige tzsykomore, m deren Schatten der Le gende nach Maria mit dem Jesuskind ouf der Flucht lnach Aegypten gerastet yaven soll. Rings um Kairo herum, besonder auf der östlichen Seite, breiten sich große Trümmerfelder, wirkliche ' Todtenstädte aus. - Wir sehen die Kalifen, wir sehe die Mamelucken-Gräber, und wir können stundenlang durch Straßen von Mauso leen wandern. Daö ist hier am reckten Ufer deö Nils der Boden, auf dem das xk.k.i:rjc. n: : n V r rr ,5 UUuyyy WlC !U!I uano, 019 lim iym . r . Ä. - -r . . grgenuoer im lecynenZayryundert Kairo zu erheben begann. Die letzte Woche (Wf. r . n . . v vvi mnii yicijc iaio in zrairo icag mud Bey, ein Mitglied der El.Azbar Moschee, der größten muhamedanischen Universität, der sich große Verdienste um die Lokalgeschlchte Kairo'S erwarb. Sein Begräbniß, ein großes und feierliches. mag zugielcy zur Charakteristik der Heu tigen Todtenfeierlichkeiten in Aegypten dienen. ' Kaum war der Genannte verschieden, so nahm man seinen .Leichnam, wusch lhn in heißem Wasser ab und legte ihm die Sterbegewande an. Dann erschle nen die mannttHen Angehörigen seiner

Verwandtschaft, die Maral'tiS, UlemaS, MudirS und heulende und t.zendeDer wische. Sie grup;'irten sich um dieLeiche,

murmelten die dumpfen Todtengebete und begannen den Todtentanz. Ihre Augen eollten von Minute zu Minute unheimlicher, ihre Hände ballten sich und das aufgelöste Haar der Derwische flat . . r i n pi terte m langen traynen ourq vie usl. Mit dem Schaum der Epilepsie vor dem Munde brach einer nach dem andern ohn mächtig nieder. Da erschienen die Lei .. , '- ...e eyentrager, navmen oen eimnam aus ibre Sckultern und im Geschwindeschritt stürzten sie dem Friedhofe zu, während die bezahlten Klageweiber schreiend und jammernd der Bahre nacheilten. Aus dem Friedhofe angelangt, ward der Ver storbene der Erde übergeben. Dann grupputen sich die Klageweiber um den Hügl, heulten in herzzerreißenden Tö nen und nachdcm sie die ihnen vorge schriebene und gut bezahlte Stunde ab geheult, ließen sie sich am Grabe zu ei nem leckeren Male Nieder. Sie rösteten ich Fleisch a:r Spießen, kochten sich Kaf ee, spielten Würfel, scherzten und lach. ten. Kaum war diese Pause vorüber, so wurden sie plötzlich wieder vom un bändigsten Schmerze überfallen, sie weinten, stöhnten, warfen sich zur Erde und der Todtenkultus begann von Neuem. Daö sind moslimifche Gebräuche' Wahrlich kein Balsam sür gebrochene Herzen, nichts als kalte, poesielose Cere monieen ! (N. N. Stszta.) Eine Oelbstanklage. Ein merkwürdiger Fall beschäftigte in der letzten Zeit während mehrerer Tage die unter dem Vorsitze von Mr. Justice Watkim Williams abgehaltenen Asnsen. Gegen einen gewissen Thomas Fury alias Wright, alias Henry Charles Cort, Matrose, 37 Jahre alt, war aus Grund seines eigenen Geständnisses die Anklage erhoben worden, eine jener Un glücklichen Klasse Verlorener angehö rige Person zu Sunderland im Jahre 1869 ermordet zu haben. Der Ange klagte war nämlich im Jahre 1579 we gen eines anderweitigen Mordversuches schuldig befunden und zu einer fünfzehn jährigen Strafknechtschast verurtheilt worden. Diese Strase verbunte er nun in dem Zellengefängnisse von Penton vllle, nach dessen Plan bekanntlich eme große Zahl der aus dem Cellularsystem beruhenden Strafanstalten des Konti nentS erbaut worden sind. Hier be kannte er nun den von ihm angeblich im Jahre 1869 begangenen Mord. Von der Ansicht ausgehend, daß Selbstankla gen zu lebenslänglicher oder doch zu langwieriger Freiheitsstrafe verurtheilter Sträflinge, welche sich hierdurch wenig stens vorübergehend eine Erleichterung ihrer Lage zu verschaffen hoffen, eben nicht selten sind, war man ansänglich nicht geneigt, der Anklage Folge zu ge ben,zumal es zur Zeit anBeweisen fehlte, welche die schwere Selbstanklage zu un terstützen geeignet gewesen wären. Der Sträfling bestand jedoch aus seiner An zeige, und so gelangte die Sache vor die Assisen zu Durham. Hier wurde der Angeklagte zunächst ausgerufen und be fragt, ob er sich schuldig bekenne oder nicht. Im Falle des Schulddekennt nlsses (des Plaidirens aus Ghiilty) wer den bekanntlich in England die Geschwo renen entlassen und der Angeklagte sei nem Geständnisse gemäß gerichtet. Umsomehr lassen es sich die englischen.Rich ter mit der ihnen eigenen Gewissenhastigkeit und Vorsicht angelegen sein, des Angeklagten Geständniß in einem solchen Falle zu kontrolliren, beziehungsweise denselben vor den Folgen seines Ge ständnisses zu warnen. Auch hier trotz der schweren Bezichtigung hatte der Angeklagte keinen Vertheidiger zurSeite. Wohl sah sich der Richter in dem Saale um, um an einen der etwa anwesenden Advokaten zu appelliren ; es war jedoch keiner zu Stelle. Grund genug, daß Mr. Justice sich mit folgenden Worten an den Angeklagten wendete : Angeklagter, wenn ich Sie recht ver standen habe, bekennen Sie sich schul dig? Angekl. : So ist es, Mylord. Mr. Justice : Verstehen Sie auch Sinn und Tragweite Ihrer Erklärung? Sie bekennen sich aus freiem Antriebe des schwersten Verbrechens, des Mordes, für schuldig. Angekl. : Ich bin schul dig, Mylord. . Mr. Justice : Wissen Sie auch, wel. ches die Folge dieses Ihres Guilty" sein wird ? Angekl. : Ich weiß es, Mylord. Mr. Justice : Ich bin gebunden, nach dem Gesetze Englands auf Grund Ihrer Erklärung ein Todesurtheil gegen Sie Zufällen, und keine Macht der Erde kann Sie dem bevorstehenden Henkertode entreißen. Angekl.: Ich habe dieses Alles erwogen. ' ' Mr. Justice : Nein unmöglich ! - Sie haben keinen rechtsgelehrten Beistand zur Seite. Ihr Vertheidiger würde Ihnen gewiß rathen, dieses unselige Ge ständniß zurückzunehmen tnd eine Ent scheidung der Jury zu provoziren. Ich muß nunmehr, bie, Stelle Ihres Vertheidigers einnehmend, Sie bitten und Ihnen rathen, das Geständniß zurückzu nehmen. Es ist möglich, daß Sie die schwere That verbrochen haben, daö deumächstige Beweisversahren wird dies klarstellen ; aber sagen Sie mir vor allen Dmgen, was hat Sie nach Ablauf von 13 Jahren zu dieser Selbstanklage bestimmt, zu einer Zeit, wo Sie dieFol gen eines andern schweren Verbrechens büßen ? Angekl. : Mein Gewissen,My lord. - In der Stille -und Einsamkeit meiner Zelle fand ich keine Ruhe, bis daß ich.... Mr. Justice: Ich begreife dies und erkenne, es an. Es beweist, daß Sie, so tief gesunken Sie auch sein mögen, menschlicher Regungen nicht unsähig sind. Aber dennoch, ich bitte Sie, er sparen Sie-, mir vorläufig, Ihr Todes urtheil auszusprechen, lassen Sie dieJury noch einmal Ihre Angelegenheit prüfen! Angekl. : Wenn Sie es so anordnen, Mylord! Mr.Justice : Ich habe kein Recht, Ihre Erklärungen durch Zwang zu beeinflus sen, allein .ich rathe Ihnen wohlvollen verweise.. Nicht wahr,' Sie widerrufen Ihr Schuldig ? Ich darf Nichtschuldig in das Protokoll eintragen lassen ? ?An

gekl. : Gut denn, .not guilty" (nicht-

m-.G ßh$h Und nun, weil Sie dem Rathe des Ge richts gefolgt sind, wird auch die eS nicht lassen, daß Sie ohne Vertheidiger ab geurtheilt werden. Ich vertage dieSache auf morgen. . r."rr Am folgenden Tage fand die formelle Verhandlung statt. Mr. Milvam uoer nahm die Vertheidigung auf Ersuchen deö Mr. Justice. x . Der Angeklagte bewahrte während der Verhandlung die größte Fassung. ES schien ihm ordmtlich ein Alp von der Brust genommen zu sein in der Sicherheit, daß das schiere Verbrechen seme entsprechende Sühr.e finden werde. Durch die erhobenen Beweise wurde daö Geständniß des Angeklagten bepätigt. m Die Jury erklärte ihn nach kurzer Berathung .schuldig.Mr. Justice (die schwarze Mutze aufsetzend, daö Zeichen, daß er ein Todeö urtheil zu verkünden im Begriff stehe) : .Angeklagter, die Verhandlung hatJhre Selbstanklage bestätigt. Ohne letztere würde diese schwere Blrtthat keineSühne erhalten haben. Und dennoch, so sehr ich diesen Beweis Ihrer aufrichtigen Reue schätze, muß ich daö Todesurtheil in seiner ganzen Strenge gegen Sie säl len und kann Angesichts der Größe des Verbrechens auch keinerlei Hoffnung machen, daß Sie eine Begnadigung zu erwarten haben. Trachten Sie in den wenigen Tagen, die Sie noch zu leben haben, Ihren Frieden mit Gott zu machen, wie Sie ihn mit der Welt gemacht haben!" Mr. Justice verkündet hieraus daö Todesurtheil in der herkömmlichenForm, der Angeklagte trägt dieselbe Ruhe, die er während der Verhandlung bewahrt hatte, zur Schau; ihm schien offenbar diese tragische Lösung und damit dieErlösung von einem verlorenen Leben willkommen. Lethargie. Aus Paris 27. Juli sch'reibt man: Am 12. Mai fand man auf einer Bank eines der freien Plätze eine armlich ge kleidete, etwa 24 Jahre alte Frau, die in tiefem Schlummer .lag und aus demselben nicht aufgerüttelt werden konnte. Man brachte sie auf einer Tragbahre in das Hospital Beaujon, wo alleVersuche, sie zum Bewußtsein zu bringen, ebenso vergeblich blieben. Da die Aerzte sest stellten, daß die Schläferin sich etwa im dritten Monat dsr Schwangerschaft be fand, mußte mit doppelter Vorsicht ver fahren werden. Tage, Wochen, nun auch schon Monate vergingen, die Frau schlummerte unnnterbrochen weiter, un beweglich aus dem Rücken liegend, mit geschlossenem Auge und offenem Munde, durch welchen man ihr von Zeit zu Zeit Bouillon als Nahrung einführte. Der Fall erregt in ärztlichen Kreisen ein be greifliches Aussehen und wurde noch merkwürdiger, als die Frau vor etwa 10 Tagen ohne jede Erschütterung oder sichtbaren Schmerz und ohne aus ihrer Lethargie zu erwachen, von einem Kind: entbnnden wurde. Dasselbe stand im sechsten Monat und starb sofort. Nachdem diese Krisis überstanden war, konnte man zu energischeren Mitteln gegen die Schlüferin schreiten, und brachte ihr kalte Douchen bei, die in der That richt ohne Wirkung blieben. Nach70tägigem Schlaf gab sie ein erstes Lebenszeichen ; sie stieß einen Seufzer aus, dem andere folgten, ohne daß sie indeß hätte ein Wort hervorbringen oder auch nur eine Gebärde machen können. Auf die an sie gerichteten Fragen antwortet sie seitdem nur immer mit demselben Seufzer; sie scheint die Worte zu verste hen, aber außer Stande, nur eine Silbe zu erwidern. Die Polizei hatte sich na türlich bemüht, die Herkunst dieser sondcrbaren Kranken festzustellen, und Hun derte von Perjoncn zogen an ihrem Bett vorüber, um sie wiederzuerkennen. Am Montag meldete sich eine Frau aus Meaux und erklärte, sie habe eine Toch ter, die sie vor 7 Jahre verlassen, und die schon einmal während des Krieges von 1870 in Folge der deutschen Olku pation einen ähnlichen Ansall von Le thargie gehabt habe. Man sührte sie vor die Patientin. . Ein erstes Mal glaubte sie in derselben ihre Tochter nicht wieder zu erkennen ; am folgenden Tage erklärte sie im Ge gentheil mit Bestimmtheit, es fei ihre Tochter Marie Veron. Als die Kranke diese Worte hörte, schüttelte sie der Frem den wie beipflichtend hestig die Hand. Man hofft jetzt durch weitere Behandlung dem seltsamen Zustande beikommen und die Schlüferin zu vollem '- Bewußtsein bringen zu können. Neuesten berichtet die Frkf. Z.- Die Schlüferin befindet sich noch immer in einem Zustande, den man bei näberer Prüfung nicht sowohl eine Lethargie, als vielmehr.einenStarr krampf nennen muß.. Obwohl aus iü rem langen Schlafe erwacht, kann sie noch nicht den geringsten Willen zu erkennen geben ; ihre offenen Augen blicken starr uud können weder nach rechts noch nach links schen. Wenn man sie anruft, verrathen ihre Züge nicht die geringste Bewegung, und gleichwohl ist es offenbar, - daß sie hört. .Machen Sie den Mund auf," sagte zu ihr der Dr. Millard kürzlich, und die Kranke machte, wie man deutlich erkennen konnte, hestige Anstrengungen, um dem Arzte zu ge horchen. Da man wissen wollte, ob sie wirklich Marie heiße, wie die Frau be hauptete, welche sich sür ihre Mutter ausgab, sagte Dr. Millard weiter zu ihr : wenn Sie Marie heißen, so schütteln Sie mir die Hand !" Da sah man die Finger der armen Patientin sich ballen und mühselig um die Hände des Arztes schlingen, indeß eine lebhaste Röthe ihr Gesicht überflog. Sie kann jetzt ihren Teller mit' beiden Händen halten. An verschiedenen Stellen des Körpers scheint die Empfindlichkeit zurückgekehrt; so stieß sie, als man sie zwickte, einen leichten Seufzer aus. Die Spitzen der medizi nischen .Welt drängen sich um dieses in teressante Krankenbett. Die ihr schätzt nur, wa5 vergangen, i Die ihr nur der Zukanst harrt, Ach. vergißt nicht traumbefangen, Daß daö Leben Gegenvart, j

, .