Indiana Tribüne, Volume 4, Number 421, Indianapolis, Marion County, 13 August 1882 — Page 6

Der alte Pfarrer. Tlnb rsieder wandern! Nachdem man

nach Aegyplen uno aus -Aegypren ftÄ Kanaan geführt, nachdem man sie In der babylonischen Gefangenschaft ge , i i . v o ri Ittlien uno oanu iiuuj vii 0"löiung Jerusalems über den ganzen Erdboden Zerstreut, nachdem man sie in deutschen Städten gemoroei uno geplündert batte, Var ihnen endlich im Osten eine Heimath 6evorden. Sie mußten sich um ihr Le Vtn mühen gleich den Anderen, in deren Mitte sie roohnten, gleich ihnen kannten !le die Armuth, die bittre Noth, dasJoch er Arbeit, aber sie suchten Trost, nicht n der Branntweinschenke, sondern bei i tem Weibe, ihren Kindern, und sie waren zufrieden, oenn oer alte Wanderstad katte Wurzeln geschlaaen in der flatoiim In Erde und begann zu grünen. , Wer weiß, od er nicht noch einmal Blüthen tragen sollte über Nacht? Eine rohe, blöde Menge war eines Tageö in die schmutzige Gasse gedrungen, in der sie eng beisamen wohnten, und hatte den ganzen Ameisenhaufen zerstört, die Männer getödtet oder mißhandelt, den Frauen Gewalt angethan, nicht ein al die Kinder verschont, die Häuser in Trümmerhaufen verwandelt, Geld und Eeldeswerth geraubt, und' wenn nicht geraubt, verwüstet, vernichtet und vor Allem keinen Tropfen Branntwein üb?!g gelassen. Dann waren die Soldaten gekommen und hatten den Pöbel vertrieben, und die Kinder Israels berathschlagten unter dem einzigen Dache, das man ihnen gelassen, unter Gottes blauem, gestirntem Himmel, und noch in derselben Nacht er griffen sie den alten Wanderstab und zo gen davon, dem fernen Westen zu. CZ war eine traurige Wanderung, trauriger als die druch die Wüste, denn bei jedem Schritte drohten Haß, Verachtung und Verfolgung, und kein Wunder wollte geschehen, und kein Moses war da, mit dem Stäbe dem Felsen Wasser zu entlocken, und man ließ die armen Ge hetzten nicht einmal aus den Brunnen trinken, die am Mge standen. Endlich ein schwarzgelber Pfahl mit dem Doppelaar, die galizische Grenze! Schon glauben sie sich gerettet, da treten ihnen Gensdarmen und Zollwächter entgegen, man verlangt von ihnen, den Vertriebenen, Pässe, man durchsucht sie, die nur das nackte Leben gerettet, nach Verborgenen verbotenen Schätzen. Ihre Armuth, ihre Geduld überwin dtt auch dieses neue Hinderniß, und sie dürfen endlich die Grenze überschreiten. Ein freundliches Dorf, ein Kirchen thurm mit rothem, leuchtendem Dache. Sie ziehen zwischen denStrohhütten, den lebenden Zäunen, den fruchttragenden Obsibäumen dahin und machen auf dem Platz vor der Kirche beim BrunnttlHalt. Die Bauern umringen sie neugierig, sie leisten ihnen keinen Beistand, aber sie thun ihnen auch nichts zu Leide, und ein blonde? Knabe, schön wie ein Engel, nur mit einem Hemdchen bekleidet, erklettert sogar einen in hellem Roth glühenden Baum und bringt ihnen Kirschen, die er für sie gepflückt. Da erscheint Barbaschko, der Taugenichts, der Pferdedieb, welchen die ganze Gegend fürchtet, und mischt sich unter die gaffende Menge. Da steht Ihr und schaut rief er, und wartet, bis sie Euch die Brunnen vergiftet und.die Kinder ge schlachtet haben. Ist es nicht eine Sünde, diese Verfluchten, die Christum ge kreuzigt und die man wie Wölfe und Füchse aus ihren Schlupfwinkeln verjagt hat, hier unter uns aufzunehmen und zu dulden? Fort mit ihnen, ehe wir sie aber j veiter ziehen lassen, müssen sie Lösegeld ! zahlen." So sprach der Elende, und seine Wo te fanden mehr und mehr Anklang, die enge begann zu flüstern, zu murren und nahm endlich eine drohende Haltung C3. '.Hier dürst Ihr nicht bleiben sprach vt: Richter zu oen armen eyetzlen, .aber Ihr habt nichts zu befürchten und könnt ruhig Eure Straßz ziehn, wenn Ihr Kopf für Kopf einen . Silberrubel bezahlen wollt." 23ic sollen wir bezahlen?"- erwiderte der Rabbiner, der gebückt; mit. weißem Ha und Bart,' euf einen Stecken gestützt unter den Seinen stand, hat man uns mcht beraubt? Haben wir doch kaum dasLeen retten können! Gebt unsSpeistund Trank und Barmherzigkeit und laßt m.d ausruhen, hier auf bloßer Erde, vir wcen Euch segnen und vor dem Abend den Ort verlassen." .Wir kennen Euch," rief Barbaschko, .Ihr süht Schätze mit Euch, die Ihr ven dem crmen Volke erpreßtlhabt, kaust Euch los wd dann aus der Stelle fort!" .Durüsckt uns," antworteten einzel tie Stimmn aus der Schaar der Kinder Israels, ü:trzeugt Euch, wir sind ärmer alz Ihr." V .Betrügt, wen Ihr wollt," schrie Barbaschko, ins betrügt Ihr nicht'.Und wie auein Signal bewaffnete ZIX. v . 1 - . cm vch d aufgerecte Menge, die Männer Stiften aum Mresleael und tut Sense. 5 Freuen und Sinder begnügten sich, . M - j i rv t ausZiH'.oen, otc aus osrira y- logen. Dann Harfen aue zir fanacn eus die unelücklichen Vertriebe nen, Kelche schreiend und jammernd die slTn-fct ... ' . . r .rfi rt-w-1 v 3Xl"en wogin lomcn jie flehen? Die Streßt vor ihnen war von ihren Feinden gesperrt, der Rückweg var ihnen in herleitn Weile abaelünit tcn, nur ei?. Asyl bot sich ihnen, de? von j.a . - - ' rj i uin. iiicocxctt Mauer umgebene uricohos, der die Kirche aufgab. DaS Thor, über dem das ßt2US hoch in die Luft em porragte, war offen. bieAer drängte man Cl 4 sL? O . i . jic .uct lven und Schlägen uno kl nem Regen von Steinen, um sie zur hö qiizn Vre VDOUes zu plünttrn und ZU morden. Da, mit einem Male, erschien oben aus den Stufen der Kirche ein alter Mann im schlichten, schwarzen Priestergewande, desien weißes Hoar w Winde flatterte, mto htr pin ssritriS : c. r. . &:r Miv v v... .vjij, m ÜCt jyuuu icii. Haltet eiu, Ihr Rasenden 1" rief er, .ist das die Religion der Liebe, die ick Euch predige, seid Tartaren oder o Oh ' . UIU 5 - Sie sollen ihr Geld rauZgeben,' .schrie die Menge wie ein Mann. .Niemand soll ihnen ein Haar krüm en fuhr der Priester Ebritti mit er Fobener Stimme, die wie ein kräftiger

Orgelton der Lust zitterte, fort; .seht hier den Heiland, der für die ganze Menschheit am Kreuze gestorben .ist, für diese ebenso gut, wie für das, er, der die Liebe ist und das Erbarmen, er weiß nichts von Euch, Ihr Heiden, Ihr Gotteslästerer! Die Menge zog sich erschreckt zurück und berathschlagte. Die armen Kinder Israels benutzten die Ruhe, welche für kurze Zeit eintrat, um sich hinter den Mauern des Friedhofeö zu bergen. Kaum hatte aber der Letzte von ihnen durch das Thor den Gattesacker betreten, begann von Neuem der Sternhagel. Hier sank ein jüdisches Weib vervundet aus den nächsten Grabhügel nieder, dort weinte ein Kind, dem das Blut durch die schwarzen Locken herabrann. Da öffnete der greise Priester rasch entschloffen die Thür der Kirche. Hier her, Ihr Unglücklichen! Eure Brüder morden Euch, er aber, der die Liebe ist und der Schutz der Verfolgung, er nimmt Euch in seinem Hause auf.". Die Menge blieb starr stehen, wäh rend die'armen gehetzten Juden in die Kirche flüchteten, deren Thüren sich mit leidig hinter ihnen schloffen. .Und nun zu Euch," fuhr der Priester zu den Bauern gewendet fort, .nicht Ihr seid da,zu richten, nur Gott allein. Fluch über Euch! Der Erlöser wendet seinAnt litz trauernd von Euch ab, die Kirche stößt Euch aus, Ihr seid in Bann ge. than, so lange, bis Ihr Reue und Leid erweckt und Buße thut für Euer verruch tes Beginnen." . Mit zwei Bewegungen voll Würde und edlen Zornes schloß er das Thor deZFriedhofeS und beredete dieMenge sich zu zerstreuen. In wenige Augenblicken war der Platz vor der Kirche leer. Du sollst die Dürstigen speisen! Auch dieses Gebot des Heilandes war leben dig im Herzen des Pfarrers. Kaum war die Ruhe hergestellt, ließ er große Feuer zwischen den Gräbern des Friedhofes an zünden, und der jüdische Schächter be gann das Kalb, die Lämmer und das Geflügel zu prüfen, welche der Pfarrer für die Hungernden schlachten ließ. Bald wurde ringsum gekocht und gebraten, und die Frauen aus demPfarrhof brach ten Milch und Waffer in Eimern, herbei. Es kam Mittag, und die Glocken schwiegen, es kam der Abend und sie schwiegen noch immer, ebenso wenig lie ßen sich ihre schönen tröstendenStimmen, die vom Himmel zu kommen schienen, am nächsten Morgen vernehmen. Die Gemeinde w'ar in Bann gethan, und sie empsand es schwer und bitter. Man brachte ein Kind zur Taufe, der Pfarrer taufte es nicht; mit Geigenklang und Flötenspiel kamen Brautleute, den ewigen . Bund zu schließen, der Pfar er segnete sie nicht; unter Wehklagen und Grabgesang brachte man einen Todten, der Pfarrer begrub ihn nicht. Drei Tage und 3 Nächte brachten die armenVerfolg ten zwischen den Gräbern zu, drei Tage und drei Nächte trotzten die Bauern. Dann erschien der Richter im Pfarrhof und erklärte sich im Namen der Gemeinde seufzend zu jeder Buße bereit. .Ich verlange nicht mehr von Euch", sagte der alte Pfarrer milde, als das Ihr die Gebote des Heilandes erfüllt." Noch denselben Abend setzte sich ein gar seltsamer Zug in Bewegung. Ein halbes Hundert Bauerwagen, auf denen die armen wandernden Juden mit Weib und Kind kauerten, umgeben von be waffneten Bauern zu Pferde, die sie

beschützen, an der Spitze der alte Pfarrer Mlt dem Kreuz. So brachte man sie nach der Kreisstadt, wo ihreGlaübensgenoffen sie liebevoll aufnahmen. Für wle lange? Dann heißt es weiter ziehen, nach Spanien und weiter über den Ocean dorthin, wo das Sternenbanner der Freiheit weht. Und wieder wandern und wandern! Ein angebliches Mittel gegen die Tollwuth. Beim Herannahen der Hundstage kommt ein Mittel' gegen die schreckliche Tollwuth gewiß zeitgemäß. Es ist kein anderes als das neueste UniversalElixir, welches gegen alles Mögliche und Un mögliche helfen soll, das P i l o c a r p i n. Und in der . That läßt die wundervolle Eigenschaft, den Schweiß hervorzurufen ohne Erwärmung, diesen neuen Heilstoff als nicht übel gewählt erscheinen, um das Gift der Tollwuth auszutreiben. Herr Denis Durnont, .Chirurg des Hospitals zu Caen, hat der Pariser Akademie der Medizin einen Fall mitgetheilt, bei wel chem es ihm angeblich gelungen war, ei nen Mann Tollwuth dadurch zu heilen, daß er ihm unter die Haut Einspritzun gen von PilocarpiN'Nitrat machte. In einem Dorfe bei Caen biß ein toller Hund drei Personen : eine Frau, einen Schä fer und ein kleines Mädchen. Der Schä ser brannte seine Wunde einige Stunden nach dem Anfall mit Salpetersäure auZ. Die Narbe schloß sich, die Wunde heilte. Vierunddreißig Tage vergingen, und der Schäfer befand sich ganz wohl. Da starb die Frau, welche gleichzeitig mit ihm ge biffen worden war, an Tollwuth. Unser Schäfer Grille hört die Nachricht, beun ruhigt sich, uird trübsinnig, verliert den Schlaf und erkrankt nun ebenfalls. Am sechsunddreißigsten Tage nach dem Biß wurde er schon von Raserei Anfällen heimgesucht. Er irrte von Haus zu Haus, von wüthendem Durst ergriffen, den er nicht zu stillen vermochte ; er fühlte in der Kehle eine unbesiegbare Zusammenschnü rung ; es war ihm unmöglich, den Apfel wein zu trinken, den er in seinen Mund goß. Man fand ihn am nächsten Tage auf der Landstraße sich wälzen. Er biß in die Kieselsteine, stieß Schreie wie ein Hirsch aus und verbot, daß man sich ihm nahe. Er beklagte sich über eine entsetz liche Bißwuth und ergriff auch wirklich mit den-Zähnen die Stange, die man ihm von weitem hinhielt. Man war ge zwungen den Unglücklichen zu knebeln, ihn aus einen Wagen zu werfen und nach dem Krankenhaus von Caen zu führen. Grille verlor während seiner Krisen das Bewußtsein, der Kopf verdrehte .sich, die Zähne klapperten,der ganze Körper zeigte konvulsivische Erschütterungen. Speichelabsonderung und TranspllStion waren sehr lebhast, der Athem mühsam und nur durch die Nase.. ,

Der Kranke stieß von Zeit zu Zeit ein wahrhaftes heiseres Hundegebell aus. Wenn er wieder zu sich kam, gestand er seine Neigung zum Beißen und beklagte sich über Schmerzen im Oberbauch und Herzbeklemmung. Er . konnte nichts schlucken. . Tödtet mich", bat er, ich leide zu viel ! Ich bin so hin, also gebt mir den Rest- Vergeblich suchte Dr. Dument ihn durch schmerzstillende Mit tel zu beruhigen. Die Krisen wurden

häufiger und schwerer. - Da kam der Arzt aus du Idee, um Schweiß und Speichelstuß zu steigern, dem Kranken Pilocarpin einzuspritzen. In drei Do sen injicirte er ein Centigramm Pilocar pin unter die Haut und setzte diese Be Handlung mehrere Tage fort. Schweiß und Speichelfluß traten rapid ein und in äußerster Reichlichkeit. Die Raserei Anfälle verminderten sich und verschwan den ganz. .Heute ist der Schäfer Grille gesund. Alle Symptome warm in diesem Falle durchaus die der Tollwuth, welche auch durch den Tod der Frau bestätigt scheint. Man könnte sich wohl vorstellen, daß das Pilocarpin die Bemühungen des Orga nismuS, das giftige Prinzip (etwa Tollwuth'Bacillen) auszustoßen, kräftig un terstützt; aber zwei andere Aerzte, Ger main See und Bouley, haben leider mit Pilocarpin bei Tollwuth keine günstigen Wirkungen erzielt. Sollte das Tollgift etwa in verschiedenen Verdünnungs und Energiegraden wie andere AnsteckungsBacterien (Po cken, Milzbrand) im Körper austreten? Bei einem sranzösischenArtilleristen brach volle sieben Jahre, nachdem er in Algier von einem tollen Hunde gebissen worden, als er sich gerade vcrheirathen wollte, plötzlich die Tollwuth aus. Andere ge biffene Menschen scheinen ganz geseit ge gen das Gift. Oder sollte der Fall in Caen, wie An dere behaupten, gar keine ächte Tollwuth gewesen sein ? Bei der Wasserscheu giebt es ein beträchtlich Theil, welches auf Rechnung der Einbildung kommt. Es sind schon Kranke, die alle Symptome der Tollwuth-Ansteckung zeigten, plötzlich dadurch genesen, daß sie den vermeintlich tollen Hund, der sie gebissen hatte. Wasser saufen sahen ! Ob für die von einem wirklich tollwüthigen Thier Gebissenen im Pilocarpin ein Heilmittel gefunden, das erscheint nach dem einzelnen, jeden falls interessanten Falle in Caen doch noch sehr zweifelhaft. Aegypttsche Anekdoten. Man hört gegenwärtig fo viel von Aeaypten und seinen Bewohnern,sie sind an der Tagesordnung Mode hätten wir beinahe gesagt, ' daß es gewiß nicht uninteressant ist, neben den Bildern von fanatischem Haß, Rohheit und blutiger Gewaltthat, die man neuerlichst an die Einwohner des Nillandes knüpft, auch einige mehr harmlose und humoristische Seiten des ägyptischen Volkscharakters kennen lernen. Ein französischer weisender erzählt zum Beispiel Folgendes : Die Araber sprechen gern etwas Französisch, das heißt, sie wiederholen nach Kinderart mit Vergnuaen sranzönsche Worte, ohne de ren Sinn zu verstehen. Als wir einen Ausflug zu den Pyramiden von Gizeh machten, frugen wir einen der. Araber, welche unsere kleine Karawane begleite ten, ob er etwas Französisch verstehe, worauf er sich in die Brust warf und erwiderte : Ja, von dem Gipfel dieser Pyramiden blicken vierzig Jahrhunderte aus Euch herab !" Ganz überrascht von seiner gewählten Ausdrucksweise und Geläufigkeit sagten wir: .Das ist ja sehr schön, nun geh' aber und rufe die Eseltreiber herbei !" Der Mann rührte sich nicht. Wir wiederholten ihm die Weisung mit der Frage : HastDu verstanden r a, vom Gipset dieser Pyramiden blicken vierna Jahrhunderte aus Euch herab l Wir merkten nun erst, daß der Mensch die ost gehörte Phrase aufgeschnappt und wie ein Papagei auswendig gelernt, daß sich seine Kenntniß des Französischen ie doch hierauf beschränkte, und wendeten uns an emen Anderen, der uns die nam liche Redensart herplapperte. Zum Glück fand sich schließlich ein kleiner Beduinen bube von 9 10 Jahren, der in leidlich verständlicher Weise Englisch und Iran zösisch radebrechen konnte und uns als Dolmetscher diente. In einem Hause zu Kairo entstand eines Tages Jeuer und griff, wie ge wöhnlich, sehr rasch um sich, da es mit dem Feuerlöschwesen dort Nicht befon derö bestellt ist. Die Polizei war schnell bei der Hand, und wahrend das Wach schon in hellen Flammen stand, eilte einer der Polizisten in die ebenerdigen Zimmer, um nachzusehen, ob hier eben salls das Feuer schon um sich griffe. Wemge' Augenblicke spater betrat auch der berbeigerusene europäische Elgentyu mer des Hauses dieses Zimmer, um wo möglich noch dieses und jenes zu retten, und fand den Polizeimann ruhig damit beschäftigt, sem schmutziges Hemd aus zuziehen und aus einem der Wäsche schränke ein anderes, reines Hemd zu nehmen und thunlichst rasch seine Toilette wieder herzustellen. .Was machst Du denn hier?- frug der Hausherr sehr erstaunt. Denke nicht etwa, daß ich stehle er widerte der Polizist ruhig. Alles, was hier ist, wird binnen wenigen Augen blicken verbrennen ; ich finde ein gutes Hemd und ziehe es on, aber ich laue da für das meinige hier, so daß dem Feuer sein richtiger Antheil ungeschmälert bleibt. Freilich t da? meimge alt und das Deinige neu, aber die Zahl bleibt dieselbe. Nun komm' schnell fort von mer, es scheint mir die hochite Zeit! Damit ergriff er den Europäer beim Arm und zog ihn mit sich fort. Beide eilten aus dem brennenden Gebäude, uud zwar nicht einen Augenblick zu früh, denn gleich darauf stürzte das Dach zusam men. v In dem hübschen, ganz nach europäi schem Styl erbauten Hause eines reichen englischen Kaufmannes zu Kairo war ein eingeborener Glaser damit beschäftigt, im Speisesaal eine neue Fensterscheibe einzuziehen. Auf dem Büffet standen mehrere Teller voll Kuchen und Konfect, welche die Lüsternheit dkZ armen Teufels

unwiderstehlich reizten. Als der Haus

Herr herbeikam, um nachzusehen, ob der Glaser mit seiner Arbeit fertig sei, da man den Tisch zum Mittagessen , rüsten wollte, sah er den Mann eben mit vollen Händen von den Tellern zugreisen und das zum Schluß des Diners bestimmte Dessert mit vielem Behagen verschmau sen, worin er sich auch durch den Eintritt des Englanders durchaus nicht stören ließ. Was fallt Dir ein,, .Du Unglücks mensch ? Das darsst Du nicht thun !" ; Der Aeaypter sah ihn höchst nnbesan gen an und frug: .Ißt Du von diesen Suiglgkclten ?" .Ja." .Nun, und warum sollte, ich dann nicht auch davon essen V Auf solche Naivetät wußte der Euro päer Nichts zu erwidern. Moderne Patienten. Der .Patient" war von dem unerwar teten Inhalte dieses Schreibens nicht ge rade erbaut, er zerntz dasselbe, m kleine Stucke, die er zum Waggonsenfler hm ausflattern ließ. Wenige Stunden spä ter traf er am Ziel seiner Erholungsreise an. Sein erster Weg führte ihn zu dem Badearzt, dem er sich ohne jenes .Empfehlungsfchreiben" vorstellte, indem er aleich vorweg, um bei diesem Medmner nicht auch den Eindruck eines eingebilde ten Kranken zu machen, seine Beobach tungen etwas übertrieb. Der Badearzt, ein Mann mit reicher Erfahrung untersuchte den Patienten und fand, was sein Kollege'in Berlin gesunden hatte, was jede andere Arzt finden wurde, daß der Kranke im Allge meinen ganz gesund sei. Aber der Mann kennt die Welt und die Gesin nung der Patienten, welche geneigt sind, den Doktor, der sie für gesund erklärt, als Esel zu klassisiziren. Hen: N. war daher sehr angenehm berührt, als ihm der Badearzt neben verschiedenen münd lichen Vorschriften, die sich auf Diät, Zeiteintheilung, Bewegung :c. bezogen, auch gleich zwei Rezepte einhändigte, auf welchen die harmlosen Stoffe Synijp simpl", und Syrup rubic", sowie Aqua destill." eine hervorragende Rolle spielten. Herr N. befolgte alle Vorschriften, trank statt einen Eßlöffel, von jenen Arzneien stündlich zwei Löfffl voll und widmete sich mit dem Behagen eines passionirtenPatienten seiner Kur", die ihn wirklich trefflich anzuschlagen schien. Da ging es an's Abschienehmen. Erstellte sich dem Badearzt wie der vor und erklärte demselben, daß sein Berliner Hausarzt gewohnt sei, die Sa chen sehr, leicht '.u nehmen, daß er bitte, ihm einen Bries mitzugeben, in welchem die nöthige Behandlung genau beschrieben und eine Ermahnung zu gründliche rer Bekämpfung seiner Leiden enthalten sei. Der Badearzt versprach, den Brief zu schreiben, und er hielt Wort. In etwas gehobener Laune verließ unser Freund den Kurort, den Brief des Dok tors in der Tasche. Ob sich mein Zu stand verbessert hat, oder ob ich mich täusche; ob es am Ende nur eine trüge rische, durch den reichlichen Medikamen ten Genuß herbeigeführte Besserung ist ?" Er hielt den Brief in der Hand und kämpfte mit sich wie damals. Die selben Gründe, mit denen er damals die Verletzung des Briefgeheimnisses vor sich entschuldigte, kamen ihm wieder zuStat ten und nach vorsichtiger feuchter Be Handlung öffnete sich das Eouvert, der Brief des Doktors kam zum Vorschein. Er lautete:. Geehrter Herr Kollege! Auf ausdrücklichen Wunsch des Herrn N. gebe ich ihm dieses Schreiben mit, in welchem ich nur die Meinung auszpre chen kann, daß Herr N. relativ vollkommen gesund ist, d. h. insofern die Groß städter dies mit Rücksicht auf die ungün stigeren Lebensdedingungen von sich sagen können. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß er ein leidenschaftlicherMedikamentenschluckcr ist, und ich brauche Ihnen wohl nicht zu empsehlen,ihm nach dieser Richtung hin, so wie ich es gethan, entgegenzukommen; das beruhigt solche Patienien , und daraus kommt es an. Sie würden gut daran thun, wenn Sie seinen Behauptungen, daß er sich sehr krank fühlt, künftig mehr Glauben schen ken wollten, diese Leute'wollen nun ein mal krank sein, lassen wir ihnen die Freude.-Mit kollegmlischem Gnifc :c. . . Wir brauchen nicht erst hinzuzufügen. dan dieser Brief das Loos des ersten theilte und im nächsten Augenblicke in Atome zerrissen in der dem Eisenbahn zuge entgegengesetzten Richtung dahin flatterte Herr N., der sich bei seiner Abreise vom Kurort ganz wohl fühlte. kam krank vor Aerger" hier an. (Berl. Montagsbl.) Charakteristisches von Dumas pere. Alexandre Dumas war bekanntlich immer in Geldverlegenheit, trotz der außerordentlich großen Summen, die er mit seinen Romanen gewann. Man be rechnet, daß er über 5 Millionen Franken verschwendet hat. Dabei ertrug er das Ungemach einer vollkommen leeren Tasche mit demselben Gleichmuth und der heiteren Laune, mit welcher er die Millionen verausgabte. Die Gerichts diener, welche fällige Schulden von ihm einzuziehen hatten, rühmten ihn als den liebenswürdigsten, höflichsten Mann, und als Einen, der im äußersten Nothfalle auch immer Geld herbeizuschaffen wußte. Eines Morgens 8 Uhr lag Alexandre Dumas im tiefsten Scblase. als er vlöklich Alsfuhr und einen Mann vor sich stehen sah. Weiß schon, was Sie wollen," mein te er gähnend, sechshundert Franken ? Habe nicht einen Heller." Thut mir sehr leid, bester Monsieur Alexandre, dann müssen Sie mir in's Gefängniß folgen." Unmöalick. ick babe einiae freunde und Freundinnen zu einem Diner bei Very geladen. Aber wenn Sie Geld haben zu einem so splendiden Diner in dem theuersten Restaurant, müssen Sie doch auch sechs hundert Franken " Armer Sterblicher," unterbrach ihn Dumas, wir können uiiö nicht verstehen. Wie lange geben Sie mir Zeit, die Schuld zu bezahlen?" Bi? Sonnenuntergang, Monsieur

Alexandre, da daö - Gesetz mir nur bei

Tage die Gefangennahme eines Schuld ners erlaubt." Gut, gut ! kommen Sie mit mir zu meinem Verleger." - Die Vier der Dichter und drei Ge richtsdiener fuhren zum Verleger. Als dieser sie eintreten sah, meinte er lachend:, Weiß schon, warum Sie kommen. Du mas, haben Sie Manuskript V Nein !" Ohne Manuskript nicht einen Heller. Für jedes Blatt 50 Francs." Alle Wetter," rief Dumaö, da könnt' ich ja bis Sonnenuntergang noch mein Diner bei Very mit'verdienen. Meine Herren Gerichtsdiener, Sie haben es ge hört.' Nun kommen Sie rasch mit mir nach Hause, da ist keine Minute zu ver lleren. Kutscher, hie? sind 10 Franken Trinkgeld, meine - letzten, aber im Ga lopp !" In seiner Wohnung angekommen. ließ DumaS aus seinem. Speiseschrank Pasteten, Wein undSüßigkeiten bringen. öffnete eine Schachtel Cigarren und sag te zu den Gerichtsdienern : Meme Herren, dak keiner em Wort rede ! Essen, trinken, rauchen Sie, und wenn Sie Ihren Geist bilden wollen, hier meine Bibliothek, 500 Bände, lauter Werke von Mir! Aber keinen Laut! Nur wenn ich klingle, übergebenSie dasBlatt, das ich hinlege, meinem Groom, er soll es zum Verleger tragen und 50 Franks dafür bringen! Aber nochmals: Abso lutes Stillschweigen !" Um H10 Uhr begann Dumas zu schreiben um 3 Uhr waren die Ge richtsdiener befahlt, um 6- Uhr ging der Dichter zu Vsry, um seine Freunde und Freundinnen zu bewirthen, und gab dem Kassirer 500 Franks a conto. Als dieser ihn erstaunt anblickte, sagte er treuherzia : .Bedanken Sie sich nicht bei mir, fondern bei dem Gläubiger, der 1 rr . . rt . MM) yeme um üranlZ willen ein sperren lassen wollte. Ich war gezwun gen, zu arbeiten, und habe gleich sür Sie mitgearbeitet." Ein Kampf um die Braut Andreas Eberhard Rauber, HoskriegS rath des Kaiser Maximilians II. war ein: äußerst stattlicher und gelehrter Mann, dazu von einer bewunderungs würdigen Körperstärke. Der Kaiser hatte ihn in den Neichssreiherrnstand erhoben und war ihm wohlgesinnt. Besonderes Aufsehen, hauptsächlich bei den Frauen, machte Rauber, wenn er in vollemStaate bei Hofe erschien, denn sein Bart reichte ihm bis auf die Füße herab. Dieser Mann verliebte sich in Helena Scharrse gin, eine natürliche Tochter Kaiser vielen Maximilians, und von großer schön heit, der es demgemäß nicht an 'vielen Freiern fehlte. - Vor Allen bemühte sich ein vornehmer Spanier, ein hochgewuch sener, herkulischer Mann, um das junge Mädchen, der Raubers gefährlichster Ne benbuhler war. Der Kaiser entschied endlich, daß die - beiden Neben buhler um die Braut mit einander kämpfen sollten und der Sieger als Preis die Hand der schönen Helena Scharrse gin erhalte. Beide gingen darauf ein und der. Kaiser bestimmte die Bedin aunaen des Kampfes folgendermaßen: Einem jedem der beiden Kämpfer wurde ein Sack gereicht, und Sieger sollte der jenige sein, der den Andern in den Sack stecken wurde. Zur bestimmten Stunde begann der icltsame Zwelkamps im Bei sein des versammelten Hofes und wurde lange ohne Entscheidung geführt, da die beiden Männer sowohl an Stärke wie an Gewandtheit sich ziemlich gleich wa ren. Endlich aber gelang es dem Hof kriegsrath Rauber unter' dem Gelächter aller Zuschauer, dem Spanier den Sack über den Kops zu werfen und ihn völlig hineinzuschieben. So war denn der Sieg entschieden. Rauber erhielt die Hand der schönen Helena, nebst einer glan zenden Aussteuer vom Kaiser. DerSpa nier aber, beschämt über seine Nieder läge, verließ sofort den kaiserlichen Hof und kehrte in seine Heimath zurück. Was Männeken darf und was er nicht darf. Lachen darsst du, du sollst lachen. Ein recht froh' Gesichte machen. Sei's bei Damen oder Herren, Seh' ich'S für mein Leben gern ; Aber mit so gift'gen Mienen Einem in's Gesicht zu grienen. Daß man gleich die Kränke kriegt: Männeken, das darsst du nicht ! Trinken sollst du, du darfst trinken, Wenn der Trauben Säfte winken, Wenn dir winkt der Gerstensaft, Denn das gibt dem Körper Kraft ; Aber picheln, und so döse. Daß man in'S Gesicht 'ne Näse Wie ein Kupferbergwerk kriegt : Männeken, das darsst du nicht ! Rauchen kannst du, du darfst rauchen. Denn vergnügt sein Pfeifchen schmau chen, Eigarr' oder Eigarett, Find' ich für den Mann recht nett ; Aber qualmen, daß trotz Soda Keine Waschfrau igend wo da Grund in die Gardinnen kriegt : Männeken, das darsst du nicht ! Schlafen kannst du, du sollst schlafen. Allen Guten und den Braven Sendet Gott im Schlafe Ruh' Und ein schönes Traumbild zu ; Aber schnarchen um die Wette, . Daß da kracht das ganze Bette, Und die Bänder biegen sich: Männeken, so schläft man nicht' ! Eine aus 9 Personen be stehende Familie in Trieft dürfte in Be zug auf ihr inneres häusliches Leben ein zig dastehen. Es gehört in derselben zum Hausgesetze, daß die Eonversation an jedem Tage in der Woche in einer ande ren Sprache geführt werde. Die Tages ordnunq ist folgende : Montag italie nisch, Dienstag französisch, Mittwoch griechisch, Donnerstag englisch, Freitag serbisch, Samstag deutschzuur am Sonn tag ist gestattet, nach Belieben in einer oder auch in allen genannten Sprachen zu conversiren.- '

Die varnwinderin

Es saß und wand, ' Geschwind, geschwind : Mit zarter Hand, ' Das schönste Kino Den Knäuel von feinste Vszri. Ich war allein Bei ihr, so traut. Im Dämmerschein, Hab' zugeschaut Mit tiefbewegter Seele. Und ach, es schlang Der Faden sich So süß und bang Gar wunderlich DaS Herz mir zu umgarnen. Und seit der Zeit, Ist's aus mit mir. Mein Glück, mein Leid Liegt nur in ihr. In ihr die mich umwunden. Namenlos. Im Fremdenbuche eines Badeortes der Schweiz wurde kürzlich, wie das Badejournal Dtt Sprudel" mittheilt, folgendes zarte Bekenntniß eine? AlpenwandererS entdeckt : Von dem Rigi Lieber schwieg i. Hab' von unten ihn geschaut. Gerne stieg i ! Lieber lieg i Unten aus der faulen Haut. Doch zu Mürrn Mit heißer Stirn Haben wir uns hinaufgetraut. Und dem Firn Und mancher Dirn Auf das weiße Kleid.geschaut. ' --h B t e r s v r ü ch e. Im neuen Rathsfcller zu Berlin sinden sich in deU Nischen u. A. folgende Biersprüche : Es lohnt, mein Sohn, beherzige das, Der Mühe kaum das erste GlaS. , Mari steht doch nicht aus einem Bein, Orum schenk' das zweite Glas dir ein. Füll' dir das Glas zum dritten Mal, Denk : drei ist eine heil'ge Zahl. Auf Vieren geht das Vieh einher. Des Menschen Sinn steht stets nach mehr. Fünf Sinne sind des Menschen Gaben, Ein Glas muß .jeder Sinn doch haben. Laß dir die Warnung offenbaren :- Mit Sechsen darf nur Kaiser fahren. ' Ein Te ufels kr aut i st 6 e kanntlich in den Augen - Vieler der Ta bak. So heißt es kürzlich im Ehari vari": Wiederum hat der Tabak , ein Menschenleben als Opser gefordert. Die ser Tage wollte in der avernie de Lopera ein Herr eine Zigarre au -langen, die ihm entfallen war. In demselben Augenblick rollte ein Omnibus heran, der den Unglücklichen buchstäblich zer malmte, bevor der Kutscker die - Pferde zu zügeln vermochte. Es dürfte dies Wasser auf die Mühle des Herrn Pa stors a. D. Lic. tlieol. Steinwender in Görlitz sein, welcher unter dem Titel: Ist Tabakrauchen vernünftig ?" eine Broschwüre herausgegeben hat, in der er unter derUeberschrift Die Rauchhexe" folgende neun Fragen aufgestellt : Ist das Tabakrauchen Sünde, ist es noth wendig, ist es gesund für den Leib, ist es förderlich für die Seele, ist es etwas Schönes, ist es sittlich schön, d. i. eine Tugend, ist es patriotisch, ist es des Christen würdig, ist es Sache eines gu ten Beispiels, sondeilich für die Jugend? Die erste Frage beantwortet der Herr Pastor a. D. dahin, daß das Rauchen an sich zwar nicht gerade eine Sünde sei (Seite 2 der Schrift), aber er rechnet es doch zu den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten und deren ein Christenmensch sich nach 1. Petr. 2, Vers 11 als ein Fremdling und Pilgrim ent hatten soll" (Seite 21). Auch darum sei das Tabakrauchen höchst verwerflich, weil manche traurige Feuersbrunst da durch verursächt, manches Haus, manche gefüllte Scheune, manches Gehöft durch brennende Cigarren oder Pfeifen oder durch Streichhölzer, deren man sich be Huf ihrer Anzündung bedient hatte, ein geäschert worden (S. 28). Ja, auf der Seite 31 seiner Schrist versteigt sich der Herr Pastor sogar zu der Behauptung, der Tabak dürfe bei den Bemühungen des Branntweins die Zuchthäuser zu be Völkern, als treuer Helfer erfunden wer den. Freuet euch, ihr Freunde des Teufelskrauts !" In Japan kann man au 5 der Frisur einer Frau immer ein Urtheil über Stand und Persönlichkeit derselben fällen. Das Arrangement' des Haares meiner Freundin so schreibt eine eng lische Reisende zeigt an, haß sie eine Wittwe sei und nie mehr heirathen würde. Man kann Alter und Geschlecht eines kleinen Kindes am Haar erkennen und zwar am Haarbüschel oberhalb des Hal se, am Haarring auf dem Scheitel oder am Büschel, das vorne stehen bleibt, während alles übrige abrasirt ist. Das Haar eines Mädchens von 8 oder 9 Iah ren ist hinten mit rothem Krepp zusam mengebunden und vorne rasirt, während an den Seiten Haarlocken stehen bleiben. Junge Damen arrangiren ihr Haar vorne ganz hoch und hinten in Schmet terlingsform mit Gold und Silberdraht oder Federn durchflochten und tragen darin goldene Kugew oder sonstige auf fallende Haarnadeln. Sehr elegante junge Damen ziehen es vor, das Hinter haar in der Form eines halben Fächers zu coissiren. Eine verheiratheteFrau muß das Haar in der Form eines Wasserfallö tragen. Eine Wittwe, die sich' wieder vcrheirathen möchte, trägt ihr Haar ge flochten und dann um eine große Schild krötennadel gewunden, welche horizontal am Hinterkopfe festgesteckt ist. Wenn jedoch eine 'Wittwe fest entschlossen ist, nie mehr sich zu verehelichen, so schneidet sie das Hinterhaar kurz ab und kämmt das Vorderhaar .ohne Scheitel zurück. Man sieht, die Japanesinnen müssen recht viel Phantasie haben, um alle diese. schö nen Haartouren zu erfinden, oder aber jncfc Reisende.

Tcr Rechenfehler. (Eine a'.te Vtschichle in neuer errn.) Der Schuster Pech hält Vesperflunde. Sein mag'res Brod mik vollem Munde Kaut auch der Lehrbub HanneL Topp, Und zählt dabei die Finger ab. Was zählst Du?" fragt voll Ncudegier Der Meister; Junge, sag' eö mir!" Ich zähl' sagt Hans und grinst durch. trieben. .Wieviel im Haus hier böse Sicbm!" Und wieviel zählst Du denn, mein Sn?" I ! mit der Meisterin siedcg schon !" Wart ! schreit und läßt den Knieriem tanzen Der Meister, Dich will ich kurarzen ! Die Meisterin, die sollst Tu licdcn, Die zählst Du zu den bösen Sieben ? -Vermaledeiter Galgenschwcngcl ! Sprich! wieviel zählst 'Du" j:M. Du Bengel?" ' .Es sind ich irrt' um eine Heze Just ohne die Frau Meist'rin sechse !" ' Siehst Du!- sagt Pech jetzt wch! zu " frieden, .Die Wichse hättest Du verm'eden.

Hälfst anfangs gleich Du prompt ge Zählt. Und in der Rechnung nicht aefehlt " (Schalk) Zeig ihr nur. EinMann trifft einen Freund und nimmt ihn mit sich nach Hause zu Tisch. Im Salon läßt er den Gast warten, um seiner Frau den mitgebrachten Besuch anzukün digen. In diesem Augenblick vernimmt der draußen Harrende folgenden Dialog aus dem anstoßenden Gemache. Leise Stimme: Sst! st!" Schrille Stimme : Du hast immer dieselben Manieren Leute nach Hause zu schleppen, ohne es Einem auch nur eine Vier tclstunde vorher zu sagen, und noch dazu Den da, der immer bei anderen Leuten herumschmarotzt !" Leise Stimme : Sst ! Sst 'Schrill? Stimme .' .Laß' mich zufrieden mit Deinem Sst! Sst! Ich will nicht " Leise Stimme: Und .ich sage Dir, Du wirst wollen. Wenn er nur nicht im Nebenzimmer wä re, . ich würde Dir schon zeigen !" Der Freund ruft duich'6 Schlüssel loch : .Ich bin schon weg ! Zeig' ihr nur !" Und man. hörte die Außcnthüre zufallen. N u n n e : Anfang? war eine je waltige Empörung durch die Welt jesangcn, als cs hieß, sie hätten kJbclefs'n lverjiftet. Aber 'n Biskcn was scheint an die ache doch d'ran zewesen zu sind. Wenigstens wird Niemand leugnen ton neu, nachdem die verhängnisvolle Je schichte mit die drei Damcn'ö rausjckom men is, daß Belladonna auch mit zu die nich janz unjcfährlichcn Jiste jcrcchnet werden muß. Ick hab't adcr immer je sagt, wer Ur.jlück hat, der kann sogar beim jrößten Malheur noch ausjesallenes Pech haben. I n einem Berliner Volkstheater wird nächstens ein Daml:smcnsch auf treten. Was es mit diesem Dampsmen schen für eine Bewandtniß bat, weiß man vorläusig noch nicht, doch liegt dle Ver muthung nahe, daß es ein Raucher von Monopol Cigarren sein wird der sich für Geld fehen läßt.. ' Nachdem e in Berliner Ein wohncr auf eine iym von Helgoland übersandte großeHummerschaäle denZoll für frische Hummern hat entrichten müs sen, werden konsequenter Weise fortan zu verzollen sein: Rahmen als Oelgemälde ; Hutschachteln als Kopfbedeckung; Wein- Bier und Liqueurflaschen als Wein, Bier und Liqueur ; Portemonnaies alsNickel', Gold und Silbermünzen ; Kartofselpellen als Pellkartoffeln, u. s. w. u. s w. Das Projekt der Bewässe rung der Wüste' Sahara ist geschci!?rt! Das hatte seinen Grund aber weniger darin, daß zu viel Sand vorhanden ist, als darin, daß zu viel Kies erforderlich gewesen wäre. I n K i e w ist ein Staatsauwalt unter dem Verdachte des Nihilismus ver hastet worden. Das ist nicht so paradox, wie es klingt, wenn man bedenkt, daß Angesichts der in Rußland herrschenden Zustände alle Nihilisten mehr oder minder als öffentliche Ankläger auftreten. ' In London hat sickl cin Anti rauchcrVerein konstituirt. -Sollten die Produkte einer gewissen, TabakManusaktur schon den Weg nach der Themse gesunden haben? (Ulk.) Der Sultan an die Groß mächte. Ich hab' zum Arabi gesagt : Komm, Arabi ! Er hat's vernommen Und denkt euch nur der Schlingel wagt Zu weigern sich! ch kann nicht kom men. Ich hab' nicht Zeit" hat er gesagt. Wat sall ick dorbi dhaun? In Grund und Boden. Auf den Trümmern von Alexandrien. Hier stand die Stadt, Die England hat In Grund und Boden geschossen ; Der Boden, Ihr Schicksalsgenossen, Ist hier, auf dem uns're Hauptstadt stund. Es fehlt nichts weiter als der Grund D a n k g e f ü h l. Bettler: Tausendmal sag' ich, vergelt's Gott sür die wunderschönen Etie sei I Meiner Treu', vor lauter Freud' könnt' ich Ihnen gleich a' Busserl geb'n!" Aus dem Kade'ttenexamen. . Hauptmann : Kadett Blümke, nennen Sie mir die hauptsächlichsten Disseren zen in der Mechanik des Zündnadclsund des Chasiepots'Gewebres. Blümke : Der hauptsächlichste Unterschied der beiden Gewehre ist der: mit dem ersteren schießen wir die Franzosen, mit dem letzteren die Franzosen uns todt.