Indiana Tribüne, Volume 4, Number 421, Indianapolis, Marion County, 13 August 1882 — Page 4

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lüieisiras i . g ä1 S gg Zn'Z MMlrÄÄ gmpfohken von Aerzten und dijinischen Autoritäten des In. und uslande !,em nschStzbareZ CtZrkungs. und BelebunaS Zettel bei llseeiner Cckmäche, Nervöser Nieder. Seichlagenheit, eZeschmZchter Körper. Constitutio, am in ttxHn dem roei5l,chen Geschlecht eigen. Für säulzende Mütter, weklge M'lcharmuth leiden, ist Liebig Mal, Er tractein unftzbareZ Mittel für ihr Leiden. Er rndi daS Verdauungj.Vermöcen. reizt den Appetit. fiztt da Svftevt und eranlaßt inen reichlichen LKpußronMUch. Schwachen und kränklichen Addern, welcht durch Mattiz?eit und Ungeduld, fce ?o!ze v,n Krankheit leiden, oder deren System, dttch gntftße Ueberanstrengung untergraben ist, ird der ebrauch den normalen Zustand des ör 3t und d,e Blüthe der Jugend roreder geben. . Snvakiden u. Zleconvalescenfeaairbin Liebt Mal, Sztraet ein treff. Lchkr He.ser das Leben ,u erhalten und den verlöre ntn Airetit wieder zurück , bringen. Der Mal, fpnct st ferner ein unübertreffliche Ersahmittel fit feste ZlZhrung. eun der Magen ,u geschwächt ist, s,olche bet sich ,u behalten. Schwächliche Frauen, welche den ihre Geschlechte eigenen Krankheiten lei hn erden durch den Gebrauch des Crtracte Ilei enbe Linderung, roenn nii;tHeilung erhalten. Er der Verdauung, reinigt die Löste, reizt den SppetU und bringt neue Lebenskraft. Htterschwache und schwächliche Vttsoncu im TZgelneinen. deren System künstliche arrungSmtttek verlangt, u. b,ssnderS solche.welche Dch zur kchmindsucht hinneigen, finden in dem Malz ztract neuen LebenSsast. Er , st ferner in s,klist scheS Mittel bei Husten und Nervenansällen, welche i einem niedrigen rad on Lebenskraft orkom säen. Als ein Mittel um aö.qemajfSexteu Zpers,ne in gesundes, kräftiges AuS'ehen kri'kk,ugeben. LiebigMajz Extrakt spornt SerdauungZorgane zu neuer Thärigkeit und hilft at;:n ,ur Verarbeituna fettproducirender Stoffe. : ritt der Sau die Rundung der Formen, dem ZI : -:ne die entschwundenen l'tuskeln zurück. I3as es ist. Lieöig Malz nracl ist reiner Tl&li 5rtTcct in concentrirter &irm, vsn angenehmem Sefimsl und frei von Zlltohol. Er kann von dem schwächsten Magen leicht idaut erden und enkhält nichts als xesunde.nahr $itt Stoffe. Zat ächte P:äxarz: führt alZEtiquttte aö ZZ,ldn,ß Baron von Likbig's und in Facsimile srnr Unteischrist sowie denenigen der Herren A. Lozeler & So.. Baltimore, Ms., die all!i.-.igen Agen ln für Amerika. Zer ieöig Malz ßTtract ist , cuen Apotheken rer In allen Händlern rn 5Sitiin:i ju haben; eine Flasche kostet fün'zig SentS. ein Dutzend Flaschen sünf Dollar. S kann -zedcch vorkommen, oef ein Apotheker Liebig Nil, Litract. aui diesem oder jenem Grunde, nicht aus Lager führt und den Kunden ein anderes Prävarat ufjusvrechen versucht. In diesem Falle möchten rr Jedem, welcher einen Tlal) Extrakt von anet Lanntem Werth und sicherer Wirkung nznschaffen iinscht. rathen, darauf zu bestehen. Liebig Malz Extract und keinen Ändern zu erhalten und öen Ayztheker zu itivegen diesen Züalj Extrakt vsn dem SngroShändler, on elchem er sein Drogue -öez'.elzt, kommen zu lagen. 81. Vogeler & Co., Baltimore, Md. 1 Xu SMWÄW 'ittr i ,P ws v. f. A-id:'S.tsä f?j ;iV-.r S-ti f-JS. fi: r?cjy 'MVA ''W Y'täwh ,..'.! .!! .l.!!li;t. V N V ArtK. lBWM n j r . s ij W M, V V gegen: äffe (KraiißQeiten öcs Jllnocas, öcr Ccöcr und des llntcrsctöes, lr.fc?ern fe auZ Lersch le imun g, angeS'.ften iruditätkN und Anuerdattfichkett tttstaden sind und Blähung und ZZero'ung er. rliiZen. Gegen foMintge Leibschmenen, auch die rissen, egen rst'lii'gr .riviiiirr, uu4 ci: ten abbä'.'gigen Beschwerden Iti au,l,K und er Lrust,' den Schwindel. daS Trügen und iit verteil deS Hcpfcl. Tu??kelh ir de? Auzen und t rer 7 ?e:'.em?.U!,g der ruft. beswerlicheZ us und S.r,,:hL?en, Zuiäve. roelche besonders dem Hyxochon, fürchterlich sind. Segen: LeLeiden deS vciblichcnGefchlcchteS. s-Jttüti,?eit.Bs,'chscht.'TÄcr,nü.'. ie'ci. i 'ütvtmnuit, ucitixtiun, chnmachten, I Segen : opf, und lttde,sc:,RttrzlN, er,-. klopsen. Gelbsucht. Gegen Krankheiten ÄeS BlutcS, der Mercn u. dcr Blas?. S e z e n : niat enfeiöen Lk,'cheu::e?. elche durch llncerdaullcklc.r er. vWt :&. q Kundert andk:e 5lr.,:, c.:zTaft Ge itnL" NNstslZrNZUZlZp,Nptt iljaUiia UmitJljllUly Segen . rf rlttrr. li??. C, .f'en. wr. 'e..t ?.i,c. eiiiral:. .:i?:tr:.:.'-'U:ir:c7r,j-,u;ct j'.ct; :;-f, -o:f. iif-t und and r .Vr.v.-r. ; t d:r fats i'.i ttr brauch ttr Tro.fen uitcmii;l;d;c: Li:n'. Ctte einzige .; ' i 4 :.d tu fest oUfnr,iUti den UttgläudlgstiN 8rt Itx üJiriung atUS HeUmittel ük zeugen. Cte Ouer Vlut rein unv die ,sunÄd,e:t i'tt?.'F"..Z- - ...1. kt ifil 2 v v j v f Tle?lzsch.H,.,, Tropfen kostet io Cent. 5 txyV oWt siiri2.ü sind in ollen deutschen Löklen ,n haben, der erden bei Bestellungen SiVMO WUQ vzr vl on kostersrei Versandt durch

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Die Faustm.

Paris, im Juni. Zwei Frauen, drei Männer brlden eine hingelagerte Gruppe am Meeresstrande, bei hereingebrochener Dämmerung. Eine der Frauen spricht, wie vor sich hinträumend: Nein, es war unter uns noch nichts vorgefallen. Nur ein Kuß, ich erinnere mich. Ein Kuß, den er mir ruf die Fußspitze gab, in meinem Ankleidezimmcr. Er mußte denselben Abend zu seiner Gesandtschast abreisen. Diese Engländer, wenn sie unangenehm sind, sind sie es durch und durch. Wenn sie aber nett sind und dann hatte er etwas von feiner Mutter, einer Französin. Erst drei Monate später war ich mit ihm in Brüssel, auf einer Gastspieltour. Er hatte für mich ein Zimmer in einem Hotel bestellt; Hotel de Flandreö; ja, so hieß es. Diese Nacht oh diese Nacht ist unvergeßlich. Sicherlich. die Liebe besteht nicht aus dem Liebhaber allein. Lieben wir nicht manchmal einen Mann wegen der Umstände, unter denen wir ihn zuerst ge liebt haben? Lei Gott, es war seit fam, dieses Hotel. Aus den Wänden quoll eine Musik, von einer Süßigkett, von einer unvergleichlichen Süßigkeit! Und seine Küsse rieselten mir über die Haut mit den Tonwellen, die mich fast körperlich kitzelten; Tonwellen, die unter dem Kopskissen hervorkamen ; das waren ferne Orkane von Klängen, die mich in seinen Armen zum Himmel emporjuraffen schienen; ich fühlte fo et was wie ein Göttliches, das sich mit seinen Liebkosungen vermischte. Was ich euch sagen werde, ist blitzdumm; aber von dieser ersten Nacht ist mir eine Erinnerung geblieben so denkt man sich, müssen Engel einander lieben. Dieses Hotel de Flandres stößt an die St. Jakobskirche und die Orel, daö habe ich erst Tags darauf erfahren, ist in die Wand eingemauert, an welcher unser Bett stand. Uebrigens, .dem mag sein, wie ihm wolle, gewiß ist, daß dies der einzige Mann ist, den ich je geliebt, wirklich geliebt habe." Die so spricht, ist die Faustin, die Heldin de jüngsten Romanes von Cdmond de Goncourt, eines Werkes, das den französischen Markt beherrschte, als es von Pot-Bouille jäh verdrängt wurde. Die Faustin ist eine große Schauspielerin, ein Stern de Theatre franaiZ; sie macht vom Vorrecht ihres Standes, außerhalb des BannkreiseS der philiströsen Moral frei zu schweifen, sorglosen Gebrauch; sie ist die Maitreffe oder eigentlich die unumschränkte Gebieterin des Börsenspekulauten Blancheron, der ihr seine Millonen zu Füßen legt; aber m ihrem eilen Leibe hat sie ein Herz, daS ideaer Liebe fähig Ist, und eine jener Lichtseelen, die sich sonnenblumenhaft dem Großen, dem Glänzenden, dem Schönen zuwenden. Sie macht ihrem Geldaeder Blancheron gar kein Hehl aus ihrer Geringschätzung und Gleichgültigkeit für ihn und aus der schwermüthig sehnsuchtsvollen Erinnerung, die sie jenem Engländer bewahrt hat. Die Episode tm Hotel de FlandreS X at eine Forsetzung, welche die Faustin m , J-W m o erzaytt: Mlllam naym micy ei nige Zeit darauf auf ein Schloß in Schottland Mit. Ich weiß nicht, in welcher Grasschaft. Ich habe es nie erfahren wollen. Ich liebe die Erinnerunz in ihrer Unbestimmtheit, ihrer Verwaschenheit, in der Art von SomnambullsmuS. in welchem ich jene eit l verlebt habe. Ein Schloß, fast eine ' Ol II C 9 V . nuine, uiminen eines -parrs, ocr von Jahr zu Jahr näher herangedrungen war; eine Behausung wie mitten im Walde; ein Grün, ein blasses Grün, wie eS im Vorhof des Paradieses sein muß; alte Bäume, welche die großen, melancholischen Herbstwinde rüttelten. Und dann gab es in diesem Schlosse etwas unglaublich Reizendes Eine Heerde weißer Pfauen, die sich, sobald es Abend wurde, auf den Fenstern, den Rampen, den Treppen niederließen. Nein, ihr könnt euch keine Vorstellung machen von der Wirkung: öei hereinbrechender Nacht, inmitten des alten Gemäuers und der bemoosten Steine diesen großen und unbeweglichen gaty weißen Vogel. . . . Und wenn der Mond aufging, glaubte man in allen Fensternischen die weißen Seelen Dahingeschiedener zu sehen, gekleidet in den Atlaö eines Brautkleides. . . .Es ist ganz eigenthümlich. Ich habe in Ausstattungsstücken nie eine so schöne Dekoration gesehen, wie diese! Sie war bizarr, diese Existenz. Manchmal kam mir vor, ich sei nicht ganz sicher, ob ich wirklich lebe. Das thut aber nichts. ES ist der schönste Monat meines Leben. Zeit ohne Dauer, Tage ohne Stunden...." Hier wird die Faustin in ihrer Schwärmerei durch eine unsläthige Bemerkung ihrer Schwester unterbrochen, gleichfalls einer Schauspielerin, die im Romane die Aufgabe hat, zu zeigen, was eine cynifch-dirnenhafte Komödiantin ist, wenn ihr Laster nicht durch ein künstlerisches Naturell geadelt wird. Der Zwischenruf bringt sie aus ihrem welchen Traum in die Wirklichkeit zurück und sie wird wieder die große Tragödin. deren einzige Sorge augenblicklich die Schöpfung einer neuen Rolle, der Phädra" von Racine, ist, welche sie demnächst im Theatre franaiö darstellen soll. An ihren Engländer denkt sie kaum . mehr, höchstens in verlorenen Momenf r . . . fv cm t azone oocr roiioc 'jcaiur Saiten ihres Gemüthes , Anert hnnnt. v.ik hrtite nnmnI3 das Schloß in Schottland verlajel müssen, weil ihr Engagement sie naö lParis zurückrief, und seither hatte si b0n William n$i$ gehört, riefe au o'" 77, - " - tl, s 1 7 r das Schloß in Schottland verlajen mildert . nn tkr l?naaement ne nach i VrPtf nr ni fmrih tnrtrn iitihrtitts j VIV VI WV I W IVfVVVf V V V v roortet geülieoen, er mußte todt sein, oder sie vergenen Haben. Der große Tag kommt Heran sie spielt zum ersten Ä!ale die PHädra",. In einem Zwischenakt zieht sie sich in ' ihr Ankleldezimmer zurück und bleibt Smiruitftl nssfin mfihf slllfslts klMge ilNUlen aueiN, MUve, uUsgr reai, unrumg, unzusneoen mir selbst und aus'Z Höchste der Sammlung

bedürftig. Plötzlich stößt sie einen

chrel aus ihre gedcuikenlos umheriastende Hand hat ein Stück Papier aufgelesen; es ist ein sttick von einer englischen Zeitung; ihr Auge fällt auf eine Stelle, wo von einem Jagdabenteuer des Vice-KönigS von Indien die Rede ist; ein schwarzer Tiger hat sich auf einen Herren der viceköniglichen Suite geworfen, auf William Rah das sind die Anfangsbuchstaben deS Familiennamens ihres verschollenen Geliebten; gerade hier ist das Blatt zerrissen! Sie sucht, sieberkaft nach weiteren Bruchstücken in ihrer Stube, sie ruft die Ankleidefrau herbei, sie verspricht Gold, wenn man ihr daö fehlende Stück der Zeitung verschaffen will es ist nicht möglich. Das Blatt hat einem englischen Seidenhemdchen zur Hülle gedient und ist theilweise zum Einheizen verbraucht worden. Das Quälende ist, dafc das Fragment kein Datum hat. Es kann von voriger Woche, es kann von vor Jahren sein. Aeußerst aufgeregt spielt die Faustin ihre Phädra" mit nicht völlig unbestrittenem Erfolge zu End und schreibt, kaum daheim angekommen, einen Brief an den ihr befreundeten Sekretär der britischen Botschaft, um sich nach dem Schicksal William Rayne'S zu erkundigen. Aber schon am nächsten Morgen ist sie wieder ruhig und derbrennt den Brief und den ZeitungSfelen, der die todten Erinnerungen an ihre chimärische Liebe mit solcher Gewalt wieder in ihr aufgeweckt hat. Die nächste Zeit vergeht mit fortwäh renden Anstrengungen, ihre Auffassung der neuen Rylle zu vertiefen. Es ist ihr noch nicht gelungen, mit ihrer Phäda" sich selbst und die feinsten Kenner voll zu befriedigen. Gewiffe Effekte hinschmelzender Leidenschaft und eines schaudernden Angstgefühls vor der Gewalt der eigenen Liebe, denen sie mit zorniger Hartnäckigkeit nachjagt, bleiben ihr unzugänglich. Eines Morgens ist sie in ihrem Bade, verstimmt über die Unzulänglichkeit ihres Könnens und verloren in verworrener Träumerei, als ihre Zofe eintritt und ihr eine Visitenkarte überreicht, auf welcher der Name Lord Annandale" zu lesen steht. Lord Annandale", sagte sie,, kenne ich nicht: kenne ich absolut nicht." Was?!" ruft die Zofe, Sie kennen den Herrn nicht, der mir diese Karte übergeben hat, daö ist ja Herr William Rayne!" William Rayne!" schreit die Faugin auf, William Rayne sagst Du! Ja, jeht erinnere ich mich.... sein Bater hieß Lord Annandale.... laß ihn sofort eintreten!" Die Gnädige vergessen ohne Zweifei, wo Sie sind!" ' Ich sage Dir, führe ihn sofort herein!" Vor Aufregung zitternd, langt die Faustin nach einem gläschchen, das auf einem Tische neben der Marmorwanne steht und gießt dessen Inhalt in'ö Bad. Als Lord Annandale eintrat," heißt es im Romane, war der Leib des nackten Weibes nur ein fast unsichtbarer rosiger Schimmer in einem milchig getrübten, opalescirenden Weiß, welches ihre Nacktheit wie mit einem Gewölk verschleierte und bekleidete. Es ist kein Wiedersehen, sondern ein Delirium. Die Faustin findet keine Worte und verbietet auch ihrem Lord zu sprechen, wenn er den Mund aufthun will. Ihr ist es, als wäre sie in einem Traume, und sie hat Furcht, daß ein Laut, eine Bewegung die Enttäuschung herbeiführen könnte. Nur allmälig gelangt Lord Annandal? dazu, Aufklärungen zu geben, zu erzählen. Sein Vater, voll Besorgniß über sein Verhältniß mit der französischen Schauspielerin, hat ihm einen Posten bei einer überseeischen Gesandtschaft erwirkt und ihm befohlen, sich sofort auf denselben zu verfügen. Seine Briefe an die Faustin wurden von den Dienern nicht aufgegeben, die Briefe der Faustin vom Vater mit Beschlag belegt. Er glaubte sich von ihr vergessen, fuhr aber auch in Indien fort, sie zu lieben. Endlich starb der Vater; William erbte den Lordstitel und das Vermögen; er eilte nach Europa Urück und fand auf dem Familienschlosse, sorgsam zu einem Päckchen vereinigt, sämmtliche Briefe der Faustin vor, die man ihm vorenthalten hatte. Und nun ist er da und wieder zu Füßen seiner Faustin. Sie vergißt sich im Bade. Sie weint und lacht abwechselnd wie ein glücklichcZKind. Es wird Mittag, eZ wird Abend, sie denkt weder daran, Nahrung zu nehmen, noch sich anzukleiden. Ihr Börsenmann Blancheron verlangt vorgelassen zu werden; sie läßt ihm sagen, er solle sich zum Teufel scheeren. Endlich mit einer großen Willensanstrengung rafft sie sich auf: Gehen Sie, William, gehen Sie schnell. Und ho len Sie mich heute Abend im Theater ab." Und als er bereits bei der Thüre ist, ruft sie ihm mit einer Kußhand nach: Mein Lord, heute Abend wird die Faustin für Sie spielen, für Sie allein, verstehen Sie mich!" Und in der That, den Abend spielt sie nur für ihren Lord, der in einerPro-sieniums-Loge sitzt und kein Auge von ihr wendet. Als die Schanspielerin", erzählt Goncourt, beim Auftreten zu sagen hatte: geh' ir nicht weiter, ruh'a ir hier Oeuene, Ich hal.'e mich nicht mehr, die Srift schwinden, da murmelte die Faustin diese Verse mit dem Hinschmclzen eines Leibes, der sich in eine Liebesohnmacht verliert, und mit jenen weichen thränenfeuchten Tönen in dcr Stimme, welche in einem Theater jene Personen, die sich lieben, veranlassen, sich mit den Augen zu suchen. Und die Worte Racine's erzählten nicht mehr dem Publikum die Liebe der Gattin des Thesens, sondern sie erzählten William die Liebe seiner Ju. liette und mit den Schatten der Forste Griechenlands sprach sie ihm vom Schatten der Wälder Schottlands; und was sie liebend sagte, war so klärltch der kleinen finstern Loge gesagt, daß

sich jeden Augenblick im Parkett, auf

dem Balkon Köpfe umwandten, um eifersüchtig diese dunkle Ecke zu durchspähen, wo man einen unbekannten Mann errieth, dessen Gesicht man nicht deutlich wahrnehmen konnte." Diesmal trifft sie alle geheimsten Nuancen in der Rolle. Diesmal begeistert sie das Publikum bis zur Tollheit und befriedigt sie sich selbst bis zu einer wonnigen Auflösung ihres gan zen Wesens. Nach dem letzten Aktfchlusse erwartet Lord Annandale sie in ihrem Ankleidezimmcr und sie sinkt an' seine Brust, gebrochen, todtmüde, selig. ES folgen paradiesische Tage. Blancheron wird am nächsten Morgen verabschiedet nnd de? unglückliche Mensch, der trotz seiner brutalen Natur eines Börsenjobbers nicht mehr ohne die Faustin leben kann, bringt .sich um. Der tragische Zwischeirfall macht auf Liebenden kaum einen Eindruck. Lord Annandale kauft ihr ein Hotel, das sie zusammen beziehen, und sie verbringen Monate in einem durch nichts unterbrochenen Beisammensein, welches die Scene des Erwachens in Romeo und Julie" ins Endlose verlängert. In den vallen Sonnenschein dieses beinahe unirdischen Glückes wirst nur Eins einen Schatten: Lord Annandale ist eifersüchtig; eifersüchtig auf die Kritiker, welche sich der, Faustin vertraulich näHern dürfen; auf die Schauspieler, die sie auf der Bühne umarmen; auf das Publikum, dem sie jeden Abend in den Versen des Dichters vsn Liebe spricht. Er möchte sie, die Künstlerin, die geHeime Flamme von Zehntausenden, für sich allein haben; Faustin fühlt ihm Alles nach; sie fagt nichts; aber nach vierzehn Tagen schrecklicher iunerer Kämpfe, die sich äußerlich nur durch eine unausstehliche Launenhaftigkeit und unerklärliche Gereiztheit verrathen, überrascht sie ihn eines Tages mit der Mittheilung, daß sie ihren Vertrag mit dem Theatre sranaiS gebrochen und die Bühne verlassen habe. Lord Annandale hat auf dieses ungeheure Opfer nur eine Antwort; er bittet sie, seine Frau zu werden. Sie thut es aber nicht. Sie hat eine befleckte Vergangenheit. Sie kann lieben, sie kann treu sein, sie kann seine Maitresse bleiben, so lange er sie mag, niemals aber darf sie seinen alten und glanzvollen Namen tragen. Die Faustin und William verlassen Paris und verbringen den Sommer in einer wunderschönen Villa am Bodensee. In den ersten Monaten dauert die Seligkeit, dauert der Taumel fort. Williams Liebe, die einer Steigerung nicht mehr fähig ist. entschädigt sie für Alles, was sie aufgegeben hat. Sie denkt nicht mehr an die süßen Aufregungen und den Rausch der Bühnencr folge, an den blendenden Glanz einer Berühmtheit, die sie zur Ersten unter den Frauen von Paris gemacht hat, an die Huldigung eines Publikums von Hunderttausenden, das sie vergötterte. Sie findet all' das und mehr im Zau der des Zusammensein mit ihrem Geliebten. Wie aber die Zeit dahinrollt, wie der Herbst kommt, erwacht im Grunde ihres Herzens denn doch eine Sehnsucht nach dem Tbeater, die sie am Liebsten sich selbst nicht eingestehen möchte. Sie verschlingt wieder die Bühnennachrichtcn der Blätter, sie UU det, daß sie ihren Namen in der wohlbekannten Rubrik nicht mehr findet, wo er sonst täglich ein Dutzendmal vorkam; sie empfindet eine zornige Eifersucht, wenn sie liest, daß man von unbedeusenden Rivalinnen so spricht, wie man sonst von ihr gesprochen hatte; mit eincm Worte, die Eomödiantin, die sie todt geglaubt, beginnt wieder im Weibe zu rumoren. Um diese Zeit hat Lord Annndale plötzlich einen Anfall eines geheimnißvollen Uebels. Mitten im kräftigsten Wohlsein sinkt er eines Abends bewußtlos und gelähmt zusammen und bleibt lange Zeit in diesem Zustande, eine regunaslose Masse, athmend, aber ausgelöschten Geistes, ein noch, von einem letzten Lebcnshauche erwärmter Todter. Endlich, nach Tagen dieses entsetz'lichen Zustandes, beginnt der Todeskämpf. Es ist eine sonderbare Agonie, die man nur selten beobachtet und auf die der Arzt die Faustin aufmerksam mat: die sogenannte sardonische Agonie". Sie besteht darin, daß die Gesichtsmuskeln des Sterbenden sich zu einem grausigen, teuflischen Lächeln verzerren. Die Faustin, die mit übermenschlicher Aufopferung, vernichtet von einer unsäglichen Verzweiflung, seit dem Augenblick deS Anfalls nicht auS den Kleidern gekommen, nicht von de? Bettfeite des Geliebten gewichen ist, starrt mit Entseken auf dieses unHeimliche Schauspiel und ihr Antlitz ahmt unwillkürlich die Verzerrungen deS Agonisirenden nach. Den Schluß soll nun wieder Goncourt mit seinen eigenen Worten erzählen: Und dieses Schauspiel, für einen Augenblick die Liebende tödtend, brachte gewaltsam die Schauspielerin im Weibe zum Vorschein. Und unmerklich wurde die Faustin von der nervösen, unwill kürlichcn. gegen ihren Willen geschehendcn Nachahmung von vorhin deöpotisch zu einer Nachahmung gedrängt, welche studirt war wie für eine Rolle, für eine effektvolle Theater-Agonie, und das Lächeln, welches sie auf den Lip pen ihres Geliebten überraschte, sie gelangte bald dahin, zu suchen, ob es dasselbe war, welches sie auf ihren Lippen hatte 'und sie wandte sich um und befragte den Spitzbogen des grünlichen Spiegels am alten Waschtisch, der hinter ihr stand. Während sie ganz bei ihrer Comödiantenarbeit war, hörte die Faustin plötzlich einen gewaltigen Klingelzug vom Bette her und sich jäh vom Spiegel abwendend, begegnete sie den Augen des Sterbenden, in welche das Vcwuötsein wie durch ein Wunder zurückgekehrt war. Die beiden Diener waren eingetreten. Turn out tbat woman ! (Werfen Sie dieses Frauenzimmer hinaus), sagte der junge Lord, mit einer Stimme, in wilch:r die ganze Unerbitt-

lichkeit der sächsischen Rasse erwach

war. Die Faustin warf sich mit den Lippen auf die Hände des Geliebten. Er stieß sie rauh zurück mit den Worten : Eine Künstlerin Sie sind nichts als das ein Weib, das unfähig ist, zu lieben. Und sich mit dem Antlitze gegen die Wand kehrend, um zu sterben, befahl Lord Annandale ein zweites Mal über feine Schulter und noch weit gebieterischer: Tarn out that woman!" Das ist der seltsame Roman de Goncourts, den die Einen bis in den Himmel erhoben, die Anderen für vollkommen unlesbar erklärt haben. Die Einen und die Anderen haben leidenschaftlich übertrieben. Der Roman ist als Kunstwerk nicht vollkommen wegen mancher Längen, wegen der ungerechtfertigt peinlichen Beschreibung unwesentlicher Dinge, wegen des kritiklosen VerweilenS bei Nebenhandlungen und Nebenpersonen; aber als Studie eines äußerst komplizirten Frauencharakters, der ein Gemisch von höchsten und nie drigsten Regungen ist, welche die großstädtische Hypcrcivilisation und die egoistische Verdorbenheit der Reichen in einem genial beanlagten, nie beaussichtigten, völlig unerzogenen Weibe entwickeln können, bleibt der Roman eine der merkwürdigsten Erscheinungen der modernen französischen Literatur. Man hat für die Faustin verschiedene Schlüssel angegeben; bald hieß es, sie soll ein Bild der Rachel, bald, sie soll eines der Sarah Bernhardt sein, ffaustin hat nicht nöthig, als Maske aufgefaßt zu werden, um zu interessiren; sie braucht nicht das Pseudonym irgend einer weiblichen bedeutenden TageSberühmtheit zu sein, um deren intimeS Leben die alberne Neugierde der Boule-vard-Maulaffen hernmschnüffelt, auf daß sie unsere menschliche Theilnahme erwecke und festhalte; sie lebt als Faustin ein eigenes Leben, daS genug wahr, genug persönlich ist, um uns durch sich selbst zu genügen, so daß der Leser gar nicht das Bedürfniß empfindet, hinter der Faustin etwas Anderes zu suchen, als die Faustin. Sie ist ein geniales Weib und alle ihre geistigen und leiblichen Eigenschaften sind hochentwickelt; damit sie ein deal sei, fehlt ihr nur eins: die Di. ciplin des Willens. Sie hat Launen, sie hat Einfälle, aber sie hat nie gelernt, sich diesen Cinfällenund Launen, und wären sie noch so toll, zu widersetzen. Da Alles an. ihr hochgezüchtet ist, so sind es auch ihre Sinne, und da ihr jede Selbstcontrolle fehlt, so fällt sie manchmal in unsaubere Verirrun gen, die Goncourt um doch den Naturalisten herauszukehren mit unnöthigem Behagen schildert; aber ihre edle Natur behütet sie vor absoluter Gemeinheit und selbst, wo sie gegen die Moral der civilisirten Gesellschaft sündigt, da ist es bei ihr nicht, wie bei gewöhnlichen verworfenen Weibern, ein cynisches Behagen am Schmutz, sondern ein naives Verkennen der Eonven tion und eine momentane Rückkehr in den Naturzustand, dessen Gesetze allein sie, das eminent natürliche Wesen, in ihrem Innern wirklich empfindet. Die Schauspielerin ist in der Äesellschaftsordnung das einzigeWeib, dem die Sitte gestattet, außerhalb' des mit Thürmern und Mauern streng umwallten Bannkreifcs der bürgerlichen Ehrbarkeit und Natürlichkeit, welche die Schauspielerin in der tausendfach gebundenen Gesellschajt ganz allein reprüsentirt, macht sie eben wie im Leben so in der Literatur dem Dichter und dem Leser so anzie hend. Die Kulturmenschen haben von Zeit u Zeit daö Bedürfniß, sich gegen den Zwang der Kultur aufzulehnen; sie find vernünftig genug, einzusehen, um wie viel die Etnschränkungen,welche sie ihnen auferlegt, der Gesetzlosigkeit deS Naturzustandes vorzuziehen sind; allein übersättigt von ihren Segnun gen, sehnen sie sich mit einer zum Glück unfruchtbaren Schwärmerei nach den gegensätzlichen Reizen eines wilden, blos von Instinkten und Kapricen regierten Daseins, welches eine durch die Rücksicht auf kein anderes Individuum eingeschränkte volle Bethätigung des eigenen Individuums gestatten würde. Dieser Hang im Kulturmenschen führt zu Jean Jaques RousseaufS Phantast! scher Lobpreisung der Barbarei; er erklärt die Gestalt des edlen. Wilden", der nie existirt, den nur die Sehnsucht eines Fenimore Eooper erträumt, der jedoch die Leser entzückthat, weil er ein Stimmungsbedürfniß befriedigt, er sichert dem Robinjon Crusoe, der doch gar keinen geistigen Inhalt hat, eine Unsterblichkeit, die so dauerhaft ist wie die deö Faust selbst. Derselbe Hang zur Auflehnung gegen die Kultur, die uns ebenso nothwendig und nützlich und ebenso verhaßt ist wie den Kindern der Schullehrer, führt unö auch dazu, die Schauspielerin interessant zu finden und die Romane zu verschlingen, deren Heldin sie ist. Ein Buch wie die Faustin ist eine moralische Robinsonade; ss appellirt an dieselben Instinkte in unö wie die Geschichte deS schiffbrüchigen Matrosen. Die Schauspielerin, die allein mit ihrer Leidenschaft in der Welt steht, außerhalb der normalen Ehe und der Familie, uneingezwängt von der Nothwendigkeit, sich zu beHerrschen, sich zu verstellen, und Rücksicht zu Üben, aber auch ungeschützt von den wohlthätigen Gesetzen der Sitte gegen die Gefahren und Abenteuer ihres Herzens und ihrer Sinne. Die Schauspielerin ist in der Gefühlswelt das, was ein Robinson mit seinen Abenteuern in dcr matericllenWelt ist. Goncourt ist der Fenimore Eooper der blasirten und rafsinirten großen Kinder, die Faustin ein graziöses und sublimirtes Gegenstück deö edlen Wilden". Nousseau'sche Sehnsucht nach dem Urwald, das uneingestandene Grundgefühl, das uns an diesem wie an jener Gefallen finden läßt. . Max Nordau. Ir. Augusta, Mo., soll ein deut sches Aebhaber-Theater gegrimÄet wer den.

Auf den Ntttncn Alexandria'S.

(Slu dem Verl. vK.) Alexandria, 17. Juli. Als wir uns heute früh der Stadt näherten, sahen wir ausgedehnte Rauchwölken über dieselbe aufsteigen. Alle an Bord, welche ihre Hauser in Gefahr wußten, .erblaßten bei diesem Anblicke. Naher kommend, begegneten wir fünf englischen und spanischen Kriegsschiffen, welche vor dem Hasen kreuzten, in den wir nun einliefen. Mit dem Fernrohr konnten, wir deutlich die Schäden der Befestigungen wahrnehmen. Das Fort Marabut log in Ruinen, ebenso die nächsten Sttcndbatterien. Im Fort Ek Meks standen noch zwei schwere Geschütze auf den Wällen. Bei dem Fort Kamaria war die eine Ecke ganz abgeschossen. DaS Fort UmKu,t ebe ist wegen der stattgehabten Pu'.verexplosion ganz unkennt lich, das Leuchtthurmfort gänzlich zer schössen. Dcr Leuchtthurm selbst hat zwar blos ?wei große Löcher, dagegen sind die Wälle ganz abgekämmt, aus einer Kasematte gähnt ein Riesenloch, aus den Fenstern dringende schwarze Streifen zeugen von der stattgefunden Feuersbrunst. Die Baracken zwischen dem Fort und dem Palaste Ras-el-Tin sind blos ein rauchender Trümmerhau sen. Vom nahen Harem stehen blos die geschwärzten äußeren Mauern. Der Palast selbst ist unbeschädigt, die Kaserne hinter ihm jedoch vernichtet. Ebenso weisen die westlichen Werkstätten beim Arsenal Spuren des Brandes auf. Ich landete unmittelbar nach Ankern des Mars". Ein Freund bestleitete mich. Wir beide hatten die schußbereite Waffe in der Hand, denn man konnte nicht wissen, ob sich nicht noch plündernde Araber in der Stadt umhertrieben. Von dem Landungsplatze aus durchschritten wir die Rue de !a Douane. Einzelne Araber und Franken, sowie englische Seesoldaten lunaerten daselbst. Nach wenigen Schritten schon stießen wir auf die noch brennenden Ruinen mehrerer Häuser. Dann bogen wir in die Rue de la Marquee d'Jbrahim ein, wo sich die zahlreichen Buden des 'azars be fanden. Sämmtlich waren sie erbrochen, die Straße mit den verschiedenen Em ballagen besäet. Bei einzelnen Häusern waren auch die obnen Stockwerke bis aus die nackten Wä'tde ausgeplündert, dagegen hatten die Acsber nichts angezündet, weil sich ihre eigencn Häuser dahinter befanden. Erst auf dem Place Ibrahim begann das Ruinenfeld. Von hier bis an das Ende des unge heueren Mehemed Ali-Platzes ist auch nicht ein Haus iatakt geblieben. Wir kletterten lediglich über Ruinen. Bei der beträchtlichen Breite des Mehemed AliPlatzes (ungefähr wie Unter den Linden in Berlin) waren die Alleen der Mitte vom Schütte frei. . Die Statue im Centrum ist unbeschädigt, dagegln bezeichnen blos dampfende unkenntliche Trümmerhaufen die Stätte, wo sich noch vor wenigen Tagen prachtvolle Paläste erhoben. Das Hotel Europe ist sörm lich vom Erdboden verschwunden und aus den Nebenhause schlagen noch die hellen Flammen. Vom Palast Zizinia gegenüber stehen nur noch die herrlichen maurischen Thorbögen. Alle anderen Häuser liegen in Schutt und Asche, nur das Tribunal und die englische Kirche sind unversehrt. Dort stand auch ein starkes Picket englischer und amerlkanl scher Matrosen, welche eben beim Plündern ergriffene Araber ohne Weiteres erschossen. Die Körper wurden in die rauchenden Trummern geworfen. Nach dem ich mich legitimirt, ließ man uns weiter passiren. Ich eilte zum Hotel des Menagerles, wo ich vor emer Woche gewohnt. Auch diese Gasse war bis auf das Telegraphenamt niedergebrannt. Das Versatzamt hatte sich geweigert, die versetzten Gegenstände herauszugeben. Wegen dieser Bornirtheit wird es jetzt die Ehre haben, die Pfandobjekte zu ersetzen. Von meinem Hotel stehen blos die nackten Wände ausrecht. Mein Jen ster gähnte höhnisch auf mich herab das Zimmer war verschwunden ! Wir gingen nun eine kleine Strecke längs dem Strande des neuen Hafens (Osthafen). Die Hauser hier waren ebenfalls zerstört. Dicht vor uns brach plötzlich das Hausthor heraus und stürzt: ein par Schritte vor uns krachend nieder. Ein Feuerschein im Innern zeigte uns an, daß der Luftdruck im brennenden Hause dieses Eicigniß veranlaßte. Nun bogen wir in den Boulevard de Ramle ein, den wir größtenthcils un verschrt fanden. Zwei Hauser in vor geschrittenem Baustadium waren nebst den Baugerüsten unangetastet geblieben. Da es hier nichts mehr zu sehen gab, schlugen wir den Weg zur Rue Cherif Pascha ein, welche den Kulminations Punkt der Verwüstung bot. Das Pflaster verschwänd hier tm in den meisten anderen Straßen unter einer Decke von Steinen, Schutt, Balkongittcrn, Eisen bettgestellen, zerbrochenen und halbver brannten Möbeln, zerschmetterten Ge rathen aller Art, verkohlten Holztrüm mern, halbverbrannten Wäs.e und Kleidungsstücken :c. Wir stolperten über diese Trümmerhaufen und sielen in eine Pfütze. Ein Wasserleitrngsrohr war nämlich zerbrochen und ergoß einen dicken Wasserstrahl über die Gasse. Das Wasser, welches durchsickert und alles Mauerwerk unterwäscht, wird binnen kurzer Zeit den Einsturz aller noch stehenden Mauern herbeiführen. Zwei derselben sahen wir während unseres Rundganges zusammenbrechen. Aus dieser Straße kamen wir wieder auf den Mehemed Ali-Platz, wo wir warten mußten, bis zwei gefangene Araber erschossen waren. Andere Araber mußten die Leichname bei dem Kiosk inmitten des Platze verscharren. Um diesem widerlichea Schauspiele zu evtgchen, bogen wir um die englische Kirche irna pasnrten einige zerstörtcHänser, aus deren Fensterhöhlen zwei bis zum Slelctt abgemagerte Katzen kläglich miauten. Die armen Thiere hatten ofsenbar seit fünf Tagen nichts gefressen. Auf dem Boden lag eine Unzahl Patro nenhülsen verstreut,. welche aus dem Laden eines Büchsenmachers stammten, dessen Schild allein noch melancholisch über der erbrochenen Thüre hing. Den Mehemed Ali-Platz nunmehr in

seine? Mitte durchschneidend, erreichten wir die Rue Ibrahim, in welcher das Gemetzel vom 11. Juni seinen Anfang rr mi' . j C!

genommen. men na ourq oiz Querstraße Rue d'Atarine werfend, gewahrten wir, daß von allen Häusern nur noch das österreichische Konsulat ausrecht stand wennschon sein Inneres, wie ich höre, geplündert worden während die anstoßende österreichische Post ein Raub der Flammen ward. In dcr Rue Ibrahim standen noch viele Häuser unversehrt, andere waren geplündert.einige auch niedergebrannt. Dos Schild einer Hebamme war wohl erhalten geblieben. Ein abgemagerter Hund kroch heulend über die Straße. Niemand kümmerte sich um ihn. Die Greuelscenen hatten uns so erbittert, daß wir lebhaft wünschten, plün dernde Araber anzutreffen, sie nieder schießen zu können; leider ging dieser fromme Wunsch nicht in Erfüllung. Ein knabe zeigte uns freilich die Zunge,doch berechtigte uns dies noch nicht zu seiner Tödtung. Ich zeigte ihm natürlich den Revover, doch nur, um ihmAngst einzu jagen; er lief wie ein Wiesel davon. Bei der berüchtigten ArabervorstadtTar tutsch begegnete uns der erste Wagen. Mein Freund, dessen Füße gleich den meinen von dem Klettern über die spitzen Steine derRuinen ganz wund geworden, nahm den Wagen, und wir rollten bis zum Stadtthor, von wo wir rechts bo gen und über den neuen Quai zum Lan dungsplatz zurückkehrten. Während der ganzen Zcit begegneten wir keinerSeele. Die Häuser in diese? Gegend waren.von dem Palmenwäldchen, gcgenübe? Tar tusch, angefangen, unversehrt. Die wenigen Araber, die uns in der Stadt aufsticßen, trugen weiße Binden, zum Zeichen ihrer friedlichen Gesinnun gen. Alle ohne solche riskiren, von den erbitterten Soldaten niedergeschossen ; werden. Die Zahl der noch hier ansässigen Araber dürfte 1000 erreichen können das ist Alles, was von einer über 200, 000 Einwohnern zahlenden Stadt übrig geblieben. Europäer haben sich bisher noch nicht stabil niedergelassen. Die Zahl der Truppen übersteigt sicherlich nicht 2000 Mann, denn wir sahen auf unserem, doch drei Stunden währenden Rundgange durch ein Drittel der Stadt höchstens 200 Mann mit zwei von Ma trosen gezogenen Feldgeschützen. Die erbitterten Soldaten machen wenig Fe derlesen und schießen jeden verdächtigen Araber standrechtlich rieder. Dcr Black Prince" hat gestern und ein anderes Transportschiff heute Nachmittag Trup pen gebracht. Der Kredit LyonnaiS steht noch ausrecht, da es richtig den in meinem vorigen Briefe erwähnten 14. Montenegrinern gelang, ihn gegen die Angriffe des Pöbels zu schufen. Recepte für Vertheidiger. Eines de? trefflichsten Vertheidigungs Mittel besteht darin, die Richter an ihre eigene Vergangenheit zu erinnern und ihnen einzureden, sie hätten es in ihrer Jugend gelegentlich ahnlich getrieben, wie der Angeklagte. Handelt es sich z. B. um einen studentischen Erceß von äußerster Rohheit, so mahne mar., wie dies neulich geschah, die Richter an ihre eigene Studentenzeit und die tollen Burschenstreiche, die sie vermuthlich begangen hätten. Aber auch in anderen Fällen wird sich dies Argument tVfslich bewähren. Ist der Client der Unterschlagung angeklagt und geständig, so svreche der Vcrtheidi ger : Meine Herren Richter ! Ich plai dire auf Freisprechung. Ich erinnere Sie an Ihre fröhliche Gymnasiasienzeit, wo Sie alle so oft das Ihnen anver traute Schulgeld vernaschten, an Ihre akademische Zeit, wo Sie die vom Alten für Collegien - Bezahlung eingeschickten Moneten in Spritzfahrten verjuxten und in Bowlen anlegten. Wer niemals fremde Gelder unterschlagen hat, der werfe den ersten Stein auf den Ange klagten ! Und in diesem Sinne bean trage ich für diesen das Nichtschuldig. Soll über eine Urkundenfälscbuna ab genrtheilt werden, so lasse sich der Ver lyelviger .folgendermaßen vernehmen: Das Verbrechen ist allerdinas beaanaen worden, allein, wer hatte ein ähnliches nicht auf seinem Gewissen ! Die Mit glieder des Gerichtshofes habe ich vor Allen in gegründetem Verdacbte. hak sie. frühe? die Schule unzählige Male gc icywanzt und die Entschuldigungszettel selbst geschrieben haben. 'Damals haben Sie also bereits Urkunden gefälscht, ebenso, wenn Sie in Ihre Klassencensu ren eigenmächtige Verbesserungen ein. trugen, was Sie alle, wie aus Ihrer plötzlichen Schamröthe heroo?geht, gewohnheitsmäßig bet?ieben haben. Aus diesem Grunde bitte ich Sie, den Ange klagten, dessen Schuld ja allerdings erwiesen ist, freizusprechen. Handelt es sich um einen Svielbetrua. so hat der Vertheidiger vollends von vornherein die sache gewonnen. Er braucht blcß zu sagen : Wäre es mög lich, daß Sie diesen Mann verdonnerten. 'Sie, o?e lsle so oft, als noch das Eerevis ihre vormals lockigen Sckäd-l drückte Bier-Skat mit Mogeln gespielt haben ? Ist es denkbar, daß Sie diesen Betrüger zu Freiheitsstrafe verurtheilen, Sie, die. ?le als iorpsburschen so oft die Füchse im. Knobeln prellten? Zu Ihrer Ehre will ich annehmen, daß Sie sich dieser akademischenheldenthaten noch genügend eniinnen, um oen AngellLgten als nicht rx..(i: rc-i ... . . k liyiuaig 0qzi zu eNlllMN. (Wespen.) Wir nehmen mit Vergnügen davon Act, daß von der osierreichischen

Regierung die Schleifung der Festungs werke von Königgratz beschlossen worden ist und bald begonnen wenden soll. Das Schle.scn dcr Werke war nothwendig, da sich dieselben shon kor sechszehn Iah ren als stumpf und lückenhaft erwiesen kaben. Wir können uns nur freuen, wenn in Oesterreich die Werke, die in peinlicher Weise an Preußens Wkrke von 18L6 erinnern, vom Erdboden vertilgt werden. DieJyrtiflcatoren desKladderadatsch.