Indiana Tribüne, Volume 4, Number 414, Indianapolis, Marion County, 6 August 1882 — Page 6

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Kossette's Roman.

PrtiZgtkrönt sn Pariser Thierschutzverew.) Follette war eine kleine schvarze Hündin, kurzhaarig, von der.Race der eng Uschen Rattler, jener amüsantesten, bepeglichsten Race der Welt. , Follette, kaun größer als ein mittelmäßige Kan inchen, brauchte dennoch in ihrer queef silbernen Beweglichkeit, neugierig und geschäftig, wie sie war, ein ganzes HauS für sich. m Zwanzig Mal in einer Stunde lies sie die Treppe aus und ab, von einem Zimmer in' andre, vom Salon in die Küche, riechend, sorschend, mitunter auch ous den Schooß irgend einer Person springend, von der sie muthmaßen konnte, daß selbe geneigt wäre, sie ein wenig zu liebkosen. Follette mußte Alles sehen und von Allem sich Rechenschaft geben können. So wie sie des Morgens vom Markte nach Hause kam, wußte sie durch bloßcs dreimaliges Schnüffeln ihres wie ein Trüffel schwarzen Schnäuzchens, was eö Abends zum Diner geben würde. Man hatte ihr, um der Mode zu hul digen, ein klein wenig die Ohren gestutzt, und wenn sie jetzt ihre zwei kleinen Ta baksdütchen spitzte, welche ihre viereckige Stirne begrenzten, so hatte sie daö brolligste Gesichtchen, das man sich denken lann. SVlnH fmtt Srn ffrw 9QrtnfJr J V Hl J W Gontier zu Orleans nicht mehr und nicht veniger als 500 Francs gekostet, als er sie seinem' TSchterchen Alice zum Ge schenke machte. Die Bekanntschaft war rasch gemacht. Das kleine niedliche Thier schloß sich so fort innig an seine Herrin an,man konnte seitdem nie Eines ohne das Andere se hen. - Die Auswahl eines Halsbandes würbe als wichtiges Ereigniß behandelt. Fräulein Alice entschied sich endlich sür ein Collier, aus einer doppelten Stahl kette bestehend, die durch eine Platte ver einigt war, auf welche sie ihren Namen Und ihre Adresse hatte graviren lassen; in kleines Silberglöckchen, welches an einem Ring der Kette hing,- tSnte sröhlich bei jeder Bewegung Follette'S. Des Abends nahm ihr Fräulein Alice das Halsband ab, da es sie während der Nacht gestört hätte, und am darauffol genden Morgen streckteFollette selbst das ttöpschen hin, indem sie die beiden Psöt chen auf die Knie ihrer Herrin legte, um diese Jnpgnien die sie . wohl kleideten, wieder aus deren Händen zu empfangen. Follette schUn xvx Zimmer ihrer Her tin; man hatte ihr auö einem. Weiden körbchen, in welches einweiche?, sorgfäl tig gesalteter Teppich gelegt var,ein nied liches Bettchen gemacht. - Im Winter, wenn die kleine Hündin, nachdem sie sich in ihrem Körbchen ein paar Mal um sich selbst gedreht und sich schließlich rund gerollt, die Schnauze auf zhr Hmtergestell gestutzt, zum Schlasen zurechtgelegt hatte, bedeckteste Fräulein Alice mit einem Unterrock, der ihr bereits au kiin aeworden war. und welcber nun bei Follette die-doppelte Stelle eines Plumeaus und eines Vorhanges vertrat. Am SonntagMorgen gab es immer großes Herzeleid. Fräulein Alice, ging dann mit ihrer Gouvernante ihre Mutter war seit mehreren Jahren todt zur Messe. Es ist bekannt, daß das Vorurtheil besteht, Hunden von jeder Größe und jeder Race oen kmtrltt m Die Kirche zu wehren; weder dem kleinsten schottischen Pinisch, noch dem größten Bulldogg oder dem Neufundländer ist es gestattet, eine Kirche zu betreten. Wenn nun Follette ihre Herrrn sich entfernen sah, stte& sie iäm merliche Töne aus. Alice tröstete sie, so gut es ging, indem sie sie umarmte, ihr . , v . r. v "t. v. cn " jf . n:jc v nil oer sgano uoti vui jxunui unu fortwährend wiederholt: .Aus baldiges Wiedersehen!" Follette war das Herz .schwer: sie flüchtete hinter ein Fauteuil und ließ von dort her nur wimmernde und leise Klagelaute ertönen, welche deutlich ihren Schmerz bekundeten. Welche Freude aber, wenn ihre Herrin zurückkam: Follette machte die erjtaun lichsten Sprunge, um bis zu Alicenö Gesicht zu gelangen; sie drehte und wen dete sich, ja geberdete sich wie im Deliri UM. . Eine Mutter, die ihren todtgeglaubten Sohn wiedersieht, kann keine rührendere Freude äußern. Die halbe Stunde, welche die Messe gedauert, war für FolleUe eine Ewigkeit gewesen. Nach so langer Trennung ihre Herrin viederzusinden, an so viel Glück konnte sie mcht glauven. , . - , TaS Saus, welches .Herr Gontier be vobnte. stand zwischen Hof und Garten. In der schönen Jahreszeit unterhielt sich FJllette auf den grünen Wiesen, wo sie den Schmetterlingen nachjagte, und zwar ' . - or w r r i Mit einem &tx, ver cernmo eines ,azoi tischen Jaadbundes erregen konnte. Wenn der Wind ein trockenes Blatt ous dem Sande der Allee hintrieb, jagte Ballette ihm nack und brachte eö Mit ernsthaftester Miene ihrer Herrin. Die kleine Kundin hatte ein sehr re ges Pflichtgefühl, ließ im ganzenHause weder ein Wavierröllchen noch einen Stöpsel herumlieoen. Als Alice eines Tages in einen Laden trat, bemerkte sie, daß sie ihr Portemon r.aie verloren habe. Die Verkäuferin sah plötzlich, daß Follette etwas in ihrem Maul wenn anders man das kleine zu ein?m Punkte zugespitzte Mündchen iuui nennen rann zu nagen iqien. 'can iah nach: es war richtig, das . Portemonnaie, welches die treue Gefähr tin Alicen's auf dem Trottoir anfgeho den hatte. Ein Biscuit und un,äbliae Liebkosunaen ttnrpn htf. Nelobnuna für oieie ÄUmer!,amkeit. . r rw r" ' " In der ganzen Stadt gab es keinen so kleinen Hund wie Follette. Sie litt ein venig . unter dieser Vereinsamung, aber zwei Epochen auZaeiiommen. sonn te man leicht sehen, daß sie sich über ihr . Cölibat hinvegaeZetit batte. Von Zeit zu Zeit blieb wohl aus der totra&e eme raae oder ein Bulldogg . stehen, augenscheinlich im Zweifel, ob - dieses minimale Thier wirklich derselben Familie angehöre wie er. . Er näherte sich dann lanasam. um im sondiren, Follette mit wissenschaftlicher rmt t..:....V :.r. ' r,

j(i(HC iwicujwiv. gecymeiqett.

daß man ihr Aufmerksamkeit erweise.

wedelte zwei, dreimal mit dem' Schweif, entfernte sich hierauf aber eiligst, indem sie wohl urtheilen mochte, daß dies keine für sie passenden Gatten wären. . . Sie hatte nur einen Freund m oer Stadt,- einen großen Neufundländer, einen Nachbar 'Namens Tom. Dieser Tom war kein Jüngling mehr: er war sieben Jahre alt, während Follette erst ihren einundzwanzigsten Monat erreicht hatte. Als Follette ihn zum ersten Male sah, lag er muten m der Sonne ausaestreckt vor dem Hause, Pfoten und Nase nach vorn gerichtet, die Augen halb geschlossen. Sie erkannte sofort m ihm alle Zeichen der Race; in seiner Hal tung lag jenes gewisse; Etwas, -welches man nur bei alten Familien findet; er war augenscheinlich ein herabgekommener Adeliger. Follette näherte sich ihm. indem sie ihren Schweif bewegte.' Tom, sichtlich erfreut, von emem so graziösen Thiercheu begrüßt zu werden, erhob sich sofort und überzeugte sich mit einem ein zigen Schnüffler, daß Follette dem schö nen echiecht angehöre. &z veröle ihr einen leichten Klaps mit der Zunge aus ihr Schnäuzchen. Follette, welche kitzlich war, beantwortete die Höflichkeit mit einer Serie von Sprüngen, welche Tom in die beste Laune versetzten. Er verfolgte Follette, welche ihm durch die phantasiereichsten Zickzacks und Wendun gen zu entkommen wußte. Plötzlich blieb er stehen, eine, neue Provokation erwartend. Follette stellte sich dann stolz vor den großen Hund bin und ließ em kleines, helles Bellen ertönen, sodann sprang sie um Tom herum und versuch te, ihn in die Ohren zu beißen. Dieses Spiel dauerte bis zu dem Augenblicke, wo Fräulein Alice Follette zu sich rief. Follette erfuhr auch bald, daß Tom kein gewöhnlicher Hund sei; daß er ei nes Tages seinen Herrn, der von zwei Strolchen angefallen worden war, - ver theidigt und ein anderes Mal ein Kind gerettet hatte, welches m den Fluß ge fallen war.. Im ganzen Departement gab eZ keinen zweiten Wächterhund, der so tapser und wachsam war wie Tom.' Die aus Achtung gegründeten Gefühle sind die dauernden ; , die - Freund schast Tom's und Folletten's sollte auch erst mit ihrem Tode enden. Vier Jahre vergingen aus diese Weise, vier Jahre angenehmen Provinzlebens. Fraulem Alice war neunzehn Jahre alt, als Herr Gouiter plötzlich zu Grün de ging. Die rechtschaffenen Bankiers werden ost grausam vom Schicksal ge trösten, die anderen niemals. Herr Gomter verllen Orleans und ging mit seiner Tochter nach Paris, wo er eme Anstellung zu finden hoffte. Es waren ihm einige tausend Francs ge blieben. Alice hatte sich nickt von Fol leite trennen wollen, und so war das Hündchen die Gefährtin im Unglücke geblieben, wie sie es m den Tagen deZ Glückes gewesen. Zwei kleine Hofzimmerchen im fünften Stocke ersetzten das prächtige Haus in Orleans Alice nahm von aa zu .ag sichtlich ab ; der Schmerz, ihren Vater leiden zu sehen, tödtete sie zusehends. An einem Novemberabende ging sie zu Bette, um sich nie mehr von demsel ben zu erheben. Ein heftiges Fieber schüttelte sie, ein hartnäckiger Husten zerriß ihre Brust. Follette kam nicht mehr vom Fußende oes Benes iyrer errm weg : wenn tx ne ihrer vielgeliebten Hände einen Au gendllck lang aus dem Bett herabhing, e a - i i ' w iiri o ieaie ouene t zarlilcW. - Armes kleines , Thier," murmelte Alice eines Abends, waö wird aus Dir werden, wenn ich nickt mebr bin 1" Und vielsagende Thränen liefen über die bleichen, abgezehrten Wangen. Am darauffolgenden Tage war' Alice todt. In dem.Augenbllcke, wo das Le ben ibre Herrin verließ, fühlte, Follette, als ob etwas am Grunde ihres Herzens entzweirme. Sie sprang aus's Bett, ließ ihre kleine schwarze Schnauze über das Gesicht der Todten gleiten, beroch es, wie um sich darüber klar zu werden. was eigentlich hier geschehen sei. Herr Gontier ergriff entsetzt die Hand seiner Tochter; Alice, Alice, antworte mir r ' Vergebens.' Er erhob sie vom Kopfkissen, und als er sah, daß Alles vorbei war, stieß er ei nen fürchterlichen Schmerzenöschrei auö und stürzte zu Boden. Zwei Manner brachten einen Sara aus weichem Holz, man legte die Tochter des ehemaligen Bankiers hmem und nagelte die Bretter darauf. Herr Gontier begleitete schluchzend die Leiche seiner Tochter; Follette folgte bestürzt, mit aus das Pflaster heradhän gender Schnauze. Seit zwei Tagen hatte sie nichts ge gessen ; kaum vermochte sie von Zeit zu Zeit ihren Durst aus eimr aus den Bo den gestellten Untertasse zu stillen. Als Herr Gontier vom Friedhof zu rückkam, blieb er am Ufer der Seine stehen und betrachtete das vorbeifließende Waffer. . Plötzlich stürzte er sich den steilen Ab hang hinab in den Fluß. Vorübergehende riefen um Hilfe; man machte ein Boot frei, ein Mann tauchte wiederholt, aber erst nach Verlaus einer halben Stunde gelang es, den Leichnam Gontier' an's User zu bringen. Papiere, die man bei ihm fand, mach ten es möglich, ihn in seine Wohnung zu schaffen. Follette war mechanisch gefolgt. Wo hätte sie auch hingehen sollen ? Aber der Hausmeister bemerkte sie und rief ent rüstet und verächtlich aus : . .Aha. das ist ihr kleines Hündchen ! Das verstehe, wer will. Leute, die nicht emmal selbst Brod zn effen haben, ma chen noch Flausen mit einem Schooß bund ! Er bückte sich bei diesen Worten und zog dem Hündchen das Halsband ab, aus deffen Erlös er sich einige Sous versprach. Nachdem er dies vollbracht hatte, versetzte er der armen Follette ei nen tüchtigen Fußtritt, indem er ihr zu schrie: Marsch fort ! Man braucht dich hier mcht zum Verunreinigen det Stiegen! Der Tritt war so schwer, daß das

arme Thier auf das Straßenpflaster

hinauSrollte und sich zwei, drei Mal

überschlug. : ',' , AIS eS wieder zu sich kam, fragte es sich in der Todesangst, wohin es eigent lich flüchten solle? . . Aus einer Fontaine in der Nähe floß Wasser, Follette ging hin, um ihren Durst zu stillen und sah dort mit Schre cken ihr Bild. Welch eine Veränderung war mit ihr vorgegangen! Wo. waren die Zeiten, in denen? man fürchtete, daß Jemand sie stehlen würde, um sie zu ver kaufen? Sie hatte nur mehr die Haut über den Knochen,' und was für eine Haut. Seit länger als einem Monate konnte sich ihre Herrin Nicht mehr mit ihr beschäftigen, nicht mehr für ihre Toilette sorgen; ihr einst so glänzendes Fell war jetzt rauh und schmutzig. Im Schmutze des FrledhofeS hatte sie sich noch mehr besudelt und konnte jetzt wirklich nurEkel einflößen. DaS Elend stand ihr gar nicht gut. ' ' Follette faßte sodann den Entschluß, aus das Grab ihrer Herrin zu gehen, um dort zu sterben. Ob sie aber den Weg zum Friedhof sinden wird ? Viel leicht später, wenn eö weniger Wagen und veniger Leute auf der Straße gben wird. Sie flüchtete hinter ein Hausthor in eine dunkle Ecke, wo sie sich ganz klein zusammenrollte; doch nicht so klem, daß der Hausmeister sie mcht bemerkt hätte, als er das Thor schließen ging. : Marsch ! Marsch fort !" Und noch ein Fußtritt als Zugabe Nachdem Follette von Straße zu Straße geirrt, gerieth sie zu einem Hau sen Unrath, den sie gierig mit ihren Pfoten und ihrer Schnauze durchforschte. Sie, die ehedem so disfizil gewesen, sie, der man in Milch getauchte Bisquitschei ben gereicht, die sie noch dazu manchmal verschmäht hatte sie war nun froh, tv nen alten sauren Häringskopf oder einen alten Eotelettslnochen zu finden Sie herzehrte dies und machte sich wieder aus den Weg, indem sie versuchte, sich möglichst zu onentiren. Gegen fünf Uhr Morgens kamen zwei Manner an ihr vorbei. .Was ist das?" fragte der Eme. .Em m Verlust ge rathener Hund ...... Ohne Halsband . . Ah ! dann ...... Follette fühlte die Maschen eines Ne tzeö über ihremKopse sich zusammenziehen. aus welchem man sie nur herausnahm, um sie in einen Karren zu werfen, wo sich bereits sieben oder acht Hunde be fanden, arme Dinger, ebenso oder noch ausgemergelter als sie. Einige darun ter hatten entsetzliche Krankheiten, rothe Flecken aus dem Rucken, Krusten auf den Augen. Der Karren rollte welter, von Zelt zu Zett einen neuen Gesungenen ausneh mend. Die Wcrsenmeisterei. Ein großer Hos,mit Gitter versehene Känge an den Wänden dlckeNagel,an die man dleHunde anhangt, die man aus den Strafen um her irrend findet. Die Vagabunden aller Art sind eben eine Gesahr sur die Gesellschaft. Arme Thiere, die kem an deres Unrecht gethan, als daß sie keinen Ort fanden, an dem sie ihre Liebe und Anhänglichkeit anbringen konnten ! Der Hund mun eben auch eine Per sonensteuer leisten; hat er keinen Herrn, so giebt? auch keme Steuerzahlung ! Daher sind die herrenlosenOundeUebel thäter, und das Gesetz, das sie richtet. kennt nur eme Strafe : den Tod. Doch was lag Follette daran, ihr, die doch schon vorher entschlossen war, zu sterben ! Das Aushängen erschreckt sie Nicht übermäßig. Em Kamps von emi gen Augenblicken und Alles ist vor bei. Sie wurde in ihren Reflexionen durch die Ankunst eines Handwagens unter drochen, der von einem etwas weinfeli gen Individuum geführt wurde. Der Mann warf einen prüfenden Blick auf die Jnsasien des Wasenmemerhoses, er faßte suns, sechs Hunde an der Haut des Halses und warf sie m seme Truhe. Dtt Herren brauchen emen Kiemen für ein neues Experiment sagte er zu emem der Hoswachter. Nun da wäre Emer, antwortete die ser, indem er Follette bezeichnete. ' Meiner Treu, wahrhaftig versetzte der Mann und ergriff Follette um sie zu den übrigen Hunden zu werfen, worauf der Deckel zufiel uno der Karren weiter rollte.. - Die Reise dauerte lange. Der Karren hielt endlich vor einem Gebäude von düsterem Aussehen. Man ließ Follette mit den anderen heraus und nach Verlauf von ungefähr emer Stunde meß man sie rn ein Zlm mer, im welchem sich Tische defanden,um welche sechs oder sieben Herren mit zu rückaestreisten Hemdärmeln standen und aufmerksam etwas zu betrachten schienen. was Follette noch mcht sehen konnte. Die Dielen, auf welche ihre Pfötchen traten waren mit Blut bedeckt, welches durch kleine in den Tischen angebrachte Löcher yerabtropste Follette zog sich zitternd in einenWin sei zurück, und von dort aus sah sie aus emem der Tische einen großen Hund wie m vier Theile getheilt aus dem Rücken liegen, dle vier Fune durch Stricke fest gehalten, welche an vier Nägel befestigt waren. Man hatte ihm durch den Na chen, hinter den Augenzähnen, einen Draht gezogen, welcher an beiden Enden Nmge hatte, die an emer Schnur bese stiat waren. Der Kiefer wurde von er nem anderen . Stricke zusammengepreßt, welcher hinter der Eisenstange angebracht und um die Schnauze gezogen war. Meine Herren, sagte ein Mann mit grauen Haaren, .um das Schreien des Thieres zu verhindern, ohne die Aty mung zu hindern, habe ich, wieSie sehen, die Luftröhre blosgelegt und sie durch einen quer darunter geschobenen Nagel erhöht, damit die Blutflüssigkeit in die Lustwege abmeke - . Der Mann, der so sprach, hatte an semer Seite alle Arten von Jnstrumen ten, deren bloßer Anblick schon erzittern machte : gebogene und gerade Scheeren, Zwickscheeren, Sägen ?c. .Wir wollen jetzt fuhr er fort, die äußere Halsader bloslegen...... Von dem Augenblicke an hörte Follette nun mehr consuse Worte; die Sinne schwanden ihr fast. Sie warf entsetzte

sich vo ihren Augen abspielte.. Der Arzt . entfernte d'e Halste der zaut des armen Hundes, riß ihm ein Auge aus, nahm hierauf eine Säge, um ihm den Schenkel zu durchsägen; die Zähne der Säge knarrten auf dem Kno chen, sodann schlitzt? er ihm den Bauch der ganzen Länge nach aus. Das Ovser konnte dabei weder eme Bewegung machen, noch einen Schrei aus;!oken. Sem Blut uef durch alle Rinnendes Vivifecirtifches; seine Henker hatten ihm sogar die Erleichterung der Klage genommen : - . - Follette hatte eme entsetzllche . Vision. Sie glaubte ihren alten Freund Tom, ihren Nachbar aus Orleans in dem gemarterten Hunde wiederzuerkennen. Ja, ja, er war eö ! Wahrscheinlich hatte ihn Jemand gestohlen, nach Paris gebracht und ihn dann verlassen. ,Der brave. tapfere Hund, der seinem Herrn das Le ben gerettet, der sich meinen angeschmol lenen Fluß gestürzt, um ein Kind seinen verzweifelten Eltern wiederzubringen, er. der wenn er em Mensch gewesen wäre, an seiner Brust unfehlbar sechs, sieben Rettungsmedalllen und dasBand der Ehren legion getragen hätte, er lag hier keu chend, zerrissen, mit, bloßen Eingeweiden und zerbrochenen Knochen! Das war der Lohn sür so viel Muth, Ausopserung und Treue ! Meine Herren nahm der Professor wieder das Wort, wir werden jetzt die weichen Partieen mit den Quetfcherzerschneiden..'.'." plötzlich fühlte sich Follette von einer kraft! Hand ersaßt. Nun war an ihr die Reihe; sie wurde auf einen Tisch geworfen, ihre Fuße wurden mit vier Nägeln beseftlgt,ihr kleines Schnäuz chen mit einem festen Stricke zuge schnürt. " Um sich Muth zu machen, dachte sie an ihre yerrm, oer -sie nun folgen werde. Das reuende Profil, Alicen's er chien ihr wie m Traume, ach. Alice hatte sie sicher gegen Scheere und Sfr ge ihrer Pemiger vertheidigt; aber, der .od halte sie zuerst hmweggeraftt. Der Arzt hatte Follette dle Kehle ae ösfnet und sodann ihre Eingeweide bloßgelegt.:. rr v Pi . v . c s oeourne mcyis wener, oas arme Thier hatte schon zu viel gelitten, ihre Augen schlössen sich und ihre Seele, groß wie em Kmderhauch, entfloh m den Aetyerraum. ... Die Vivifectionen" sagt Littre, .sind unerläßlich zum Fortschritte oer Phpsio logie und sogleich auch der Arzneikunde und Chirurgie. Sie gehören zu den nothwendigen Grausamkeiten, die dem Men chen durch den Mißstand seine? Be rufes und den der Welt auferlegt sind. Aber sie sollen mit Schonung gemacht werden, und man muß bei dieser Ärt Studium Alles vermeiden, was ihm den Cyarakter der Grausamkeit geben kann. Sie munen immer cm bestimmtes Ziel des Fortschrittes der Wissenschaft oder Kunst haben. Das ist aber Nicht immer der Fall. Es wird ein verbrecherischer Mißbrauch mit der Vtvlsecuon getrieben. Sechshundertsunfzlg Hunde sind m diesem Jahre der Vivisection geopfert worden. Ohne Zweifel sind die Leiden der Ka ninchen, Katzen, Igel und Tauben wenn sie lebendig zerstückelt werden, eben fo groß, wie die des Hundes; es besteht aber der große Unterschied, dan der Hund un ser Freund, ja unser Verbündeter ist. Er behütet uns, er signalisirt die Gefahr, die uns droht, kämpft sur uns und liebt uns. Der Hund ist ein Ueberläufer, welcher die Reihen der Thiere verlassen hat, um sich dem Menschen an die Seite zu siel len. Der Hund kennt den Unterschied zwi schen Gut und Böse, er saßt sogar den Gedanken des Todes. Wenn er auf dem Sectionstische ge bunden liegt, so weiß er ganz genau, daß man ihn todtet, er wohnt seiner eigenen, langsamen Agonie bei, indem er .sich fragt, wann sie enden wird, und warum man sie ihm anthue. Wie oft schon mag er die Hand seines Henkers geleckt ha ben ! Man verschont also wenigstens die Hunde, die Freunde unserer Kinder, die Huter unseres Herdes! Wenn es ab solut sem muß, so nehme man deren zwei, ja zehn per Jahr, aber man mache keinen Zeitvertreib aus den entsetzlichen Qualen emes Thieres, das im Grunde oft .mehr werth ist, als so mancher Mensch! Aurellen Scholl. GewandteRussificirung. In den russischen Ostseeprovinzen wer den die Russificirungsversuche in ebenso gewaltthätlger wie plumper Weise fort gesetzt. Es fehlt nämlich an geeigneten Lehrern der russischen Sprache, und die vorhandenen, die selbst nicht viel von deutschem Wort und deutschem Wesen verstehen, versallen geradezu der Lächer llchkelt. So hat sogar em vermuth lich an Trunksucht leidender russischer Gymnasial Lehrer folgende spirituelle (oder spirituose) Parallele zwischen Schiller und Lomonosson irgendwo dru cken lassen : .Was war Schiller im Ver gleich zu Lomonossost? Schiller hat auf emer herzoglichen Akademie sich nur eben welter gebracht und schön schremen ge lernt. LomoncsZoff war eines Fischers Sohn und starb als kaiserlich russischer Wirklicher Staatsrath. Schiller wurde Nichts als weimanscher Hosrath. Schild ler hatte gar keinen Orden, Lomonosioff aber deren fünf, von denen ich einen habe Mehr kann man doch nicht ve langen. ENFANT TERRIBLE. Morgen kommt der Onkel aus Eng land" sprach die Mama zu ihren bei den kleinen Mädchen wenn Ihr hübsch artig seid, dürst Ihr mit am großen Tisch sitzen, aber plappert nicht zu viel und sprecht vor allen Dingen nicht von Onkels Haar! hört Ihr?" Deö ande ren Tages sitzt die Familie gemüthlich bei der Mittagstafel, der englische Onkel erzählt soeben von semen Relseabenteu ern, da ruft die kleine Else plötzlich : Mama, Du hast unS gestern verboten, von Onkels Hau zu sprechen, er hat ja aber gar kemS. ;

Blicke aus das Schauspiel, das

ttünstlilyer Negcn.

Der heurige Sommer hat seither lei denschastliche oder auch nur lebhaste Wunsche nach mehr Regen" Nicht aus kommen lassen. Eher hat der Himmel mitunter des Guten zu viel gethan und seinen Segensquell allzu freigebig geöff net, zum Glück jedoch nicht so freigebig, daß er hierdurch unsern Aussichten auf eine reich gesegnete Ernte Abbruch ge than hätte. Aber dafür sind wir ja die bevorzugt. sten unter allen Erdenbenoh nern, daß wir nicht bloß an eine Vervollkommnung' unsrer Zustände denken. wenn uns die gebieterische Nothwendig keit. eine, solche in's Auge fassen lehrt, sondern, daß unsere Speculation zur Zeit , des Ueberflusses an die Tage des Mangels denkt, daß .wlr consirmren, entdecken, erfinden, durch Experimente Probiren und schließlich was heutzu tage eme Hauptsache ist, patenNren lassen, was Hilfe bringt, wenn Hilfe noth thut. .. . . Dle Natur ist bekanntlich so sreund. lich. uns einen immer größeren . Einfluß aus das Walten ihrer Kraste, die nur zum Theile noch geheimnißvoll sür uns sind, zu gestatten. Je mehr wir sie des " r t ' c t . ! THleiers verauoen, nrn oem z iyr Schaffen verhüllt, desto bereitwilliger dient sie uns, und wenn wir erst ganz genau wissen, warum es regnet, so wer den wir auch im Stande sein, Regen zu machen, durch Benutzung der Gesetze der Verdunstung, Condennrung u. Schwere Wolken zu bilden und ihnen das be fruchtende Naß zu entlocken. Daß der Regen mcht bloß von chemi schen und physikalischen Procesien inner halb der eigentlichen Atmosphäre ab; sondern auch mit aewmermaven mecha nischen Vorgängen aus unsrer E?dober fläche zusammenhängt, hat die Ersah rung so oft bewiesen, daß wir berechtigt sind, aus solchen Beobachtungen das Axiom zu abstrahiren, daß der Regen von irdischen Einflüssen abhangt, die wir hervorrufen und. wirken lassen können. Um Mit einem Argumente e contrario zu beginnen, so konnte man noch in den vierziger Jahren in der von hohen Hü" geln reizend umgebenen Universitätsstadt Jena sehen und hören, wie von einem der Hügel aus aus schweren Geschützen aus der Franzosen-Zett im wahr ten Sinne des Wortes Löcher in die Natur, oder vielmehr in die Lust geschossen wur den. So ost sich ein schweres Gewitter über der Stadt gelagert hatte und die Wolken tiefer standen, als die Spitzen der Hügel, brachte man durch die Deto nationen der Geschütze Leben und Beme i r ri'rt "i t. r e i gung in Die schwere, ttilloruienoe Usl unter den Wolken und hierdurch in diese m i fw ! t C selbst. Wenigstens zertheilten und ver-' zogen sich die Wolken haung unmlttel bar nach Abseuerung der Kanonen, und man hielt diese Entladungen sür die Ursache. Schreiben wir das Verziehen des Wetters ebenfalls auf das Conto der Artillerie Knallübungen, so steht fest, daß, was gut ist, die Wolken zu vertreiben, auch gut sein muß, Wolken und Regen zu brmgen und daß wir den letzteren ebenso gut herbei- als hinweg schufen können. Inder That haben die Schlachten unsers letzten, sowie öieicnigen des deutsch'sranzösischen Krieges in vielen Fällen gezeigt, daß kurz, mitunter unmittelbar nach hestigen Artillerie Kämpsen hestlge Regen eintraten. Der Himmel öffnete seine Schleusen nicht et wa, um Thränen darüber zu vergießen, daß die Menschheit noch immer gezwun gen ist, um große und erhabene Ziele m blutigem Ringen zu kämpfen, sondern aus einem ganz mechanischen Grunde, den wir sofort mit möglichster Logik de duciren werden. Doch' zunächst müssen wir noch der Waldbrände gedenken, die sich, wenn fli großen Umfang gewonnen haben rnrö von längerer Dauer sind, ihr Ende da durch bereiten, daß die von ihnen ausgehende Hitze und die hierdurch veranlaßte Bewegung der Luft Wolken und Regen herbeiführt. Während die Flamme den Wmd erzeugt, der ne heulend sucht" und schürt und verbreitet, ruft sie gleich zeitig im Wasser das Element" hinzu, mit dem sie im ewigen Kampfe begriffen ist und dem sie schließlich immer unterliegt. . . . Wenn endlich m Sommer Gewitter wolken den ganzen Himmel überzogen haben und wenn wir, verkommend fast in der unerträglichen Schwüle, den Los bruch eines Gewitters erwarten und er sehnen, dann zuckt erst ein mächtiger Blitzstrahl durch die Lust und dann erst strömt der unendliche. Regen herab.' Und wenn der Regen schwächer,und schwächer geworden und der Donner nur noch aus weiter Ferne grollt, dann hat em blen dender Blitzstrahl, die erneuerte Hestig keit des Regens zur Folge. Bekanntlich ist der Regen Nichts ande res als jene Erscheinung im ewigen Kreislaufe der Vorgänge auf unserer Erde, die sich aus der Verdunstung des Wassers auf der Erdoberfläche, aus der Verdichtung des letzteren zu Wasser dampf, aus dessen Eondensirung zu Dunst und Wasserkugelchen, ans deren Vergrößerung zu Wassertropfen Re gentropsen, Schnee, Hagel, zusammen setzt und entweder als Niederfallender Regen oder Schnee, oder als Thau oder nebelartiger Niederschlag äußert. Die Beschaffenheit der Lustschichten, durch welche die Tropsen fallen, deren größere oder geringere Trockenheit und Temve ratur bedingen die Erscheinungsformen der Niederschlüge.' Die Eondensirung des Wasserdampfes reicht zur Bildung von Regentropfen nicht aus, sondern es muß theils die mechanische Mitwirkung kleiner Körper Staub mitwirken, theils ' muß zu der durch Temperatur Unterschiede bedingten Eondensirung ein mechanischer Anstoß durch Lustwellen hinzutreten. Die letzteren sind entweder eine Folge der durch Temperatur Veränderung herbeigeführten Verschiebung der Lustschichten, oder sie sind durch me chanische Vorgänge veranlaßt, die, wie wir zeigten, durch Explosionen, große und andauernde WärmeEntwickelung, oder elektrische Entladungen verursacht sein können. So hätten wir denn, wenn wir recht nothwendig Regen brauchen, nichts wei ter zu thun, als in den Tag, vielmehr in den Himmel hinein zu kanoniren, oder Portionen Nitroglycerin oder Dynamit,

mit' Zeitzündern versehen, in kleinen Ballons gen Himmel zu schicken und ein Herr Philbrook in New York empfiehlt in der That bei lang andauernder Trok kenheit ein solches Verfahren. Freilich muß man hierbei daraus achten, daß man von solchen Plätzen aus operirt, von denen der Wind nach unsern Fluren weht, so daß dieser die befruchtenden Wolken über unsere Felder herausführt. Diese Erwägung muß ein Sporn dazu sein, daß wir mit allen unseren Nachbarn in Frieden und Eintracht leben. ' Denn weht z. B. der Wind aus Osten, und müssen wir, um unsrer Farm zu Regen zu verhelfen, von der Farm unsres öst lichen Nachbars aus operiren, so würden uns alle unsre Kanonen, Ballons und Explosivstoffe nichts nützen, wenn der Nachbar uns dasLetreten seiner Grund stücke verwehren würde. Und noch ein Gutes könnte der Vorschlag haben, wenn unsre Farmer diejenigen Ländereien, die mit Gebüsch und dergl. bestanden sind und die sie durch Jeuer zu klären beab sichtigen, immer dann in Brand setzen würden, wenn sie gerade Regen brau

chen. Eine lange Reihe zuverlässiger Beobachtungen darüber, ob dann diesen Waldbr-inden en mmiature ziemlich regelmäßig Regen folgt, würde der Wis senschaft eine werthvolle Basis an die Hand geben, von der aus bei den Be muhungen, künstlich Regen zu erzeugen, weite? gebaut werden kann. Mag auch das Wort: Es regnet, wenn eS will" noch für lange Zeit wahr bleiben, daß der Regen dereinst dem Commando des Menschen parirt, ist keineswegs unwahr scheilich, geschweige unmöglich. Zeitdauer des menschlichen Lebens. Von z?hn Menschen, die an einem Tage geboren werden, erreicht nur einer das sünsundsiebzigste Jahr; von achtzn dergleichen kommt nur einer zum achtzigsten, von dreiundvierzig wird nur einer sünsundachtzig Jahre alt. Mit je den Jahre erweitert sich diese Kluft. Fast unter sechzig gleichzeitig Geborenen kommt erst einer zum siebenundachtzigsten Jahre: Einer aber, der hundert Jahre zählen soll, muß dreitausend fünfhundert der mit ihm'zugleichGeborenen ins Grab sinken sehen und wer einhundertfünsJah re alt wurde,dem gingen vierzehntausend seiner Brüder im Tode voran. Von fünfundzwznzlgtausend Menschen ge langt nur einer zum einhundertsechsten Jahre, von fünfzigtusend nur einer zum inhundertsiebten Jahre und unter einer Million Menschen erreicht erst ein Ein ziger das einhundertzehnte Jahr. Was ist Menschenleben Spreu vor dem Winde! Von änhunderttausend Kindern finfrn nspiffi im frftfn flffcptiSinfir Jtnpt: t undzwanzig-bis dreiundzwanzigtausend rslb öenen aHt-dis neuntausend im zweiten Lebensjahre nachfolgen. Die Menge muß aber noch kleiner werden; vier bis fünftausend folgen im fünften Jahre nach und selbst das sechste Jahr verlangt noch tausendbis elshundertOp fer! Und so sind also die hunderttausend dann schon bis mindesten aus sechzigtau send vermindert. Schreckliche Frauen räche. Vor wenigen Tagen machte in dem un weit von Neapel gelegenen Städtchen Eapodimont ein junger Mann, Dome nico Brado, gegen Abend einen Spa ziergang, von dem er nicht mehr zurückkehrte. Erst am vierten Tage fand er sich wieder bei seiner Familie ein, aber in einem höchst desolutem Zustande. Er bat, sogleich zu einem Arzt zu schicken. Er erzählte dann, daß er aus einem Spg zieraanae vo zwei vermummten Män nern überfallen und in den nahen Wald in eine daselbst leerstehende Köhlerhütte geschleppt wurde, wo er auch zwei ver mummte Mädchen vorfand. Er glaubte in dem einen derselben seine verstoßene Geliebte Karoline erkannt zu haben. Er wurde nun entkleidet, worauf die zwei Männtt ihn mit Nadeln zu tätowiren begannen. Durch drei Tage wurde er in der Hütte zurückgehalten und erst am vierten erhielt er-seine Freiheit wieder. Der herbeigeholte Arzt erklärte, keine Hilse mehr leisten zu können. Kürzlich ist der junge Mann gestorbin. Seine srü here Geliebte und deren Helfershelfer be. finden sich bereits in Hast. E i n e w u n d e r l i ch e G e d e n U tasel findet sich, wie man aus Italien schreibt, in einem Hause der Stadt Bel letri. Die Inschrift derselben lautet: In diesem Zimmer konnte Ferdinand 11. von Bourbon in der Nacht des 18. Mai 1849 angesichts weniger Freischär ler inmitten seines Heeres keine Ruhe finden. .Hier schlies in der folgenden Nacht der fiegreiche G. Garibaldi. .Pius IX., von Partika nach Rom kommend, träumte hier von der Größe und Dauer seiner Staaten inmitten fremdländischer Truppen. Hierher kehrte 1875, als daS Vater land frei und sicher war, zurück und schlief: G. Garibaldi..In Zukunft wird, hier Niemand mehr schlafen." Auf BeZehl des Kaisers von Rußland ist Großfürst Nikolai Ni kolajewitsch seiner zerrütteten Verhältnisse halber unter Vormundschaft gestellt worden. . Der Großfürst erhält nur noch 7000 Rubel monatlich und außerdem freie Wohnung, Wagen, Pferde, Heizung und Licht. Alles Uebrige'muß von dem Monatsgelde Gestritten werden. Schul den werden vom Kaiser sür seinen Oheim nicht mehr bezahlt. Die Engelmacherei, d. i. das schändliche Gewerbe, Haltekinder durch mangelhaste Pflege dem Tode zu weihen, ist jetzt in Berlin nicht mehr so verbreitet, wie in früheren Jahrzehnten. Die Zahl der 1880 konzessionirtenHalte frauen betrug 2752 ; die Konzession wurde versagt in 252 Fällen ur.d entzo gen in 26 Fällen. Im Jahre 1860 gab es in Berlin 2853 Haltekinder, wovon im Laufe des Jahres 807 an die Mütter abgegeben wurden und 787 bei den Haltefrauen starben. Es blieb somit Ende 1880 ein Bestand von 1259 Halte lindern. Von im Jahre 1880 vorhan denen 1606 Haltekindern im ersten Le bensjahre starben 703, also 47 Prozent, während von den unehelichen Kindern überhaupt im ersten Lebensjahre die Sterblichkeit 50 Prozent betrug.

Beider Verufözäkilung. . X " Zahler (der in die Stube getreten, von

dem. eben streitenden Ehepaare . jedoch nicht bemerkt worden ist) :, ..Na.' hören Sie, ubrrgeben Sie mir einmal die Liste ! Ich hab' noch , mehr zu thun !" (Der Mann bringt das Verlangte.) Zäh ler,, (die Liste durchsehend) : .Richtig, aber hier, fehlt noch die Bestätigung des Haushaltungßvorstandes." Mnn : Ja, haben Sie denn nicht gesehen, daß wir gerade darüber waren, zu entschei den, wer eigentlich Herr im ause ist." II. Der Herr Privatier Wamperl, elcher jahraus, jahrein sich nur damit beschäf tigt, daß er zum Fenster hinausschaüt, wird vom Magistrate für eine bevorstehende Volkszahlung zum Zähler ernannt. Er -fühlt sich darüber nicht wenig ge schmeichelt und. beginnt sofort, sich im Zählen zu üben, indem er alle Diejeni gen zählt, welche an seinem Hause vor übergehen,' und zwar zuerst die, welche von links nach rechts, dann die, welche von rechts nach links gehen. Am näch sten Tage zahlt, er die Hunde und die Pferde, dann die, Kinder und die Er wachsenen, Frauen und Männer. Im mer weiter fortschreitend, zählt' er die Cylinderhüte, die Stöcke, , die Regen schirme der Vorübergehenden, wie viel Militärpersonen, wie viel Civilisten, dann wie viel knöpfe die Militärperso nen an sich trugen, die Droschken, deren Nummern er später im Geiste addirte' kurz, er übt sich zum Meister im Zählen. Bei der feierlichen Verpflichtung durch Handschlag zählt er die Finger des Bür germeiflers. Er besucht die Bahnhöfe, um die Ankommenden und Abreisenden zu zählen ; er nimmt an Wettrennen Theil zu gleichem Zwecke. Er zählt die Zeilen des Tagblattes, dann die Worte, schließlich die Buchstaben. Er zählt drei Pfund seine Hühnerschrot' nach, und als endlich der Tag' der Zählung heran kommt, ist der Herr Privatier Wamperl irrsinnig, geworden. Er bildet sich ein, er sei nicht nur Zähler, sondern auch N.enn er zugleich und müsse als Bruch r . V- m. crr r m 10 lange ourcr oie Weil laufen, viö er alle irdischen Dinge gezählt habe. Die Aerzte erklären seinen Zustand für un heilbar. An die Emigranten. Bald nun sind völlig wir allein. Um unter uns am Nil zu leben. Denn Ihr könnt nicht mehr bei unS sein. Und sariZ adieu schifft Ihr Euch ein, Europa's Küsten zuzustreben. Ach, Ihr war't uns're Sicherheit, Die wir so lange voll genossen, Wär't Ihr noch da, o schöne Zeit ! Uns würde zugefügt kein Leid Bon Englands glühenden Geschossen ! Jetzt aber riecht es sengcrich. Unheimlich schon ward das Geknister, Die Flotten feuern fürchterlich, O könnt' mit Euch doch fliehen ich ! Arabi Pascha. Kriegsminister. Weibliche Lynchjustiz. Eine Scene, die ledhaft an eine ähnliche in Zola's AfiomoiV erinnert, ereignete sich, wie aus Brüssel geschrieben wird, Freitag den 7. Juli in der Rue des Echelles zu Brüssel und endigte in der Rue de l'Angle. Ein flatterhafter Gatte hatte nichts Bej'ires zu thun gefunden, als mit seiner Dulcinea am Arme in der von inner leglttmen )altm oewoynten Straße zu p:omcn:rcn. Diese, 'mit Recht roütbend geworden, setzte die ganze Straße 'in Aufruhr, stellte sich an' die Spitze einer Schaar von Gevatterinnen, die ihre Sache ergriffen und beschloß, der Geliebten ihres Gatten eine derbe Lektion zu ertheilen. Die kleine Truppe, mit , gefüllten Wasiereimern versehen, rückte in guter Ordnung dem sündhaften Paar entgegen und eine ungeheure Wasierfluth ergoß sich über das Weib, das mit'am Leib klebenden Kleidern, bis auf die Haut durchnäßt, sich in aller Eile unter eine Einfahrt in der Rüe.de l'Angle flüchtete. 'Aber die Meute folgte ihr erbittert nach, und die Polizei lachte aus vollem Halse über diese mit fliegen den Haaren daherkommende Bande. In der Rue de l'Angle änderte sich die . Scene. Es wurden der Freundin veS Verheirateten ohne, alle Rücksicht für den Anstand alle Kleider vom Leibe ge riffen und kaum ein Fetzen am Leibe ge lasten. Endlich erschien ein Erlöser in Gestalt eines Komfortables. Der Kut scher warf eine Decke über das Weib und fuhr im raschen Trab von bannen, gefolgt 5on dem Geheul und Gezisch der wülhenden Megären. Die Lektion war derb, aber verdient. Der Geliebten Rache Durch das Boulogner Gehölz bei Paris rollte unter vielen anderen Wagen einer, der sich durch hohe Eleganz auszeichnete. Drinnen saß ein bekannter Sportsmann mit seiner schönen Gemahlin, aus dem Bocke thronte in hocharistokratischer Hal tun der Kutscher, neben ihm ein Neger. Plötzlich, erhebt sich der Kutscher und schreit (natürlich aus Französisch) : .ES ist wahrhaftig eine Schande, sich in einer Equipage spazieren sahrcn zu lassen und dabei nicht einmal seine Bediensteten be-zahlen-zu können. Ja, meine Damen und Herren, seit vier Monaten sind mir die Herrschaften, die sich da im Wagen breit machen, die Löhnung schuldig, und ich habe nicht einmal mehr ganze Schuhe zum Anziehen." Der Graf, welcher glaubte, daß sein Kutscher plötzlich vom Wahnsinn befallen worden sei, war a::f gesprungen, um ihn von seinem Sitze herunterzureißen.' Jetzt sing aber auch der schwarze Diener mit llagllchcrStim me zu heulen an: .Arme Bob hat auch nix bekommen Geld von diese Gentle man, hat auch die Schuhe zerrisien", und nun streckten' die Beiden, ihre Füße aus und zeigten ihre Stiefel, von welchen die Sohlen losgetrennt wären. Natürlich erfolgte' ein großer ?suflauf, die Polizei kam dazu und sch!' glich stellte sich her aus, daß hier ein don der früheren Ge liebten des Grafen angestifteter Racheakt vorliege.