Indiana Tribüne, Volume 4, Number 414, Indianapolis, Marion County, 6 August 1882 — Page 3

Aer FVKgmatische. Von Fritdri FriOrlch. In seinem Lehnsessel, die Beine geSchlich, von sich gestreckt, sitzt Philipp demmelmann, Bürger, Stadtverordneiuirnb' Hutmacher.' Er mag ungesähr Vierzig 'Jahre zählen, ist gut genährt, mittelgroß, hat hellblondes Haar und ;in paar blaue, gutmüthig und ruhig blickende Augen. Langsam raucht er seine Cigarre, liest mit einer Hornbrille aus der Nase eine Zeitung, nimmt dann und mann einen Schluck Kaffee aus einer großen, neben ihm stehenden Tasse, war tet nach jedem Schluck einige Minuten, um dem Kaffee Zeit zu lassen, ohne Ue berstürzung an seinen Bestimmungsort hinunter zu lausen, und nimmt dann die Zeitung wieder vor. In Jedem, der ihn so'sitzen sieht, muß nothwendig der Gedanke aussteigen, daß Semmelmann sich ungeheuer wohl fühlt. Und er fühlt sich auch roohl, obwohl fein Geschäft keineswegs gut steht, seitdem durch den Krieg von ' 1866 ein großer Theil DeutfchlandS unter einen Hut gebracht ist. .ES ist schlimm," pflegte er zu sagen, .daß die jtzige Zeit für die Köpfe so venig Sorge trägt, allein dagegen ist nichts zu machend Nach seiner Ansicht kann nämlich ein anständiger Mann im schlimmsten Falle in zerrissenen Stieseln ehen, wenn er nur einen guten Hut trät, weil die Füße sehr untergeordnete Theile des menschli chen Körpers sind. Seine Gattin Karoline stürzt in auf geregtester Weife in das Zimmer. .Aber Philipp, Philipp ! Hörst Du nichts?- ruft sie. Semmelmann läßt da ZeitüngSblatt ruhig sinken, blickt seine ausgeregte Häls te an und erwidert, ohne seine ausge streckten Beine einzuziehen : .Nein. Karoline!-

.Karlchen schreit ja " .Na, das habe ich wohl gehört, allein ich dachte, er würde wohl wieder still werden," bemerkte Semmelmann. .Er ist gefallen er blutet er hat sich ein Loch in den Kopf gestoßen ! Eile, ihn w holen!" ruft die Gattin. ' .I, so schlimm wird es nicht sein," tytgegnet Philipp, erhebt sich, trinkt-erst ' gemächlich seine Tasse aus und macht sich dann mit Gemüthsruhe aus den Weg, seinen schreienden Jungen zu holen. Karoline treibt ihn zur Eile an, sie ringt die Hände, schiebt ihn zur Thür hinaus, allein Semmelmann behält sein einmal gewohntes Tempo im Schritte bei. Nach kurzer Zeit kehrte er mit dem noch immer heftig schreienden und stark blutenden Junaen zurück. Karoline stürzt ihm entgegen, entreißt ihm den ungesähr sechsjährigen Knaben und un tersucht dessen Kopf, wäfcht die nicht un bedeutende Verletzung und ist in größter Besorgnch, daß der Fall dem moe scha den könne. .Na, es wird nicht gleich so schlimm werden ; ich habe schon viel gronere Lö cher gesehen." spricht Phillipp und läßt n in oen Leon enet wieder rneoer, um den Leitartikel, den er begonnen, zuEnde zu lesen. Semmelmann gehört nämlich zu den jenigen Charakteren, die durch nichts aus ihrer Fassung und Ruhe zu bringen sind. er ifi in es tr fthTpnmrttf8 Krfinn bei mehr denn hundert Gelegenheiten V I VM V 7 3 M " hat ihm seine leicht erregbare Gattin zugerufen, daß in seinen Adern Fischblut fließen müsse, allein Phillipp antwortete ihr jedesmal mit der größtenSeelenruhe: .Nee, Karoline, das verträgt sich mit der Naturgeichichle maxi" Karoline hat ihn noch nie in wirklicher Ausreaung geiehen. Wenn ihm da Haus über dem Kopse brennte, würde er sich erst noch ruhig eme Pfeife stopfen und gelassen sagen: Na, so schnell aeöt's mcht, wir haben ia auch eme Feuerwehr ;" wenn der leibhastige Teu sel eines Tages auf einem Besenstiele vor semem Hause voruberntte, wurde er gemächlich ans Fenster treten, hinaus schauen und. höchstens rufen : .I, . der reitetja einen recht hübschen .Trab! Ja selbst wenn seine Frau ihn mit .dem neunten llhnot beschenkte, wurde er sich nur hinter dem Ohre kratzen und sagen : via; bald wird es doch ein BiSchen; zu viel. , . . .? . ,, ; : Alles, was r thut, t5ut er mit :9tulj somfil t ; , V V? fls i-itfi wendigkeit erkannt semem Lehrjungen 4iM vvi.iuuj4tuytiiti . it .viw vtuiu ' h'Wnrnhrt'tna rmnfnnn an inntn in hott enden Stock, legt den Jungen über. Ml zj zi a n tu; i v haut ) ihm fünf auf ' und raucht dabei ruhig seine Pfeife weiter. Geht ihm ein Kunde . mit . emer . mcht unbedeutenden Summe durch, so zieht er mit dem Line al einen Strich durch das Konto, dessel den und bemerkt nur: .Das kommt von der Unsolidität." , . .In der Stadtverordneten'Versamm lung gehörte er zu den .Jamännern, hatte er sich indeß einmal in den Kopf aesekt, nein zu sagen, so bleibt er dabei und weder Bitten noch Gründe-können seinen Entschluß abändern. Selbst, wenn einst sein Eintritt in den Himmel davon abginge, so wurde er aus St. Petrus Frage ruhig .nein" antworten. mit einem gelassenen .Guten Morgen" der Himmelsthür den Rücken zukehren und ohne Aufregung die- Treppe zur Volle hinabsteigen. -Er selbst fühlt sich bei seinem phleg matischen Charakter an Wohlsten und aus seinem gleichmäßigen Lebensschritt vermag ihn nichts herauszubringen. ÄdenoZ geht er regelmäßig in da cm i a". . . . v maagauä, iFi mi Belannlen am Stammtische und trinkt sein bestimmtes Quantum Bier. Seine Stimmung ist immer dieselbe, nicht fröhlich, nicht trau. rig. Er spricht über Politik und städtl t y. tr . Y n rr- . . n .. 1 lege nerya.iNi e, aoer uels Mit emem solchen Gleichmuthe, als ob ihn daS Al les nicht im Geringsten interessire. Vergebens haben seine Freunde Alles aufgeboten, um ihn aus seinem Phlegma aufzurütteln, alle ihre Berfuche sind ae scheitert. Sie haben ihm einen Mann gegenüber gesetzt, der die Verpstichtung , : r aus q genommen, iym oei zeoem iüjom zuvidersprechen und gerade das Gegen theil von Dem zu behaupten, was er sagt, um ihn zu reizen. Die Freunde haben die Hoffnung auf gegeben, ihn je aus seinemPhlegma auf zurütteln, seineFrau ist zu diesemStand punkte noch nicht gelangt, weil sie sich

änlich über ihn ärgnt.' Wenn das

Dienstmädchen sie in dir ' niederträchtig sten Weise geärgert hat,' so daß sie vor Ausregung und Erbitt rung zittert, und sie kommt zu ihm, dar.iit er ihr vermöge seiner Autorität als Mann' und Stadt, verordneter denKopf zurechtrücke, spricht er gemüthlich : .Karo:!nchen, die Mao chen heut zu Tage sind nun einmal so. deshalb muß man sich mcht über sie araern Sie hat, um ihn zu erzürnen, oas j. sen versalzen, verpfeffert oder verbrannt. a2em er hat eS entweder ruhig gegeben o)er er ist ausgestanden. und hat sich eine Cigarre .angesteckt; sie hat ihn Nachts jede Stunde geweckt, er hat es sich ruhig gefallen lassen und den versäumten Schlaf am Tage nachgeholt. In ihrer innern Erbitterung hat sie ihm einst, als er im Begriffe war, sich 'zu einem Schmause anzukleiden, sämmtllcheKnöp fe von dem Sonntagsbeinkleide aoge schnitten. Er hat, als er dies bemerkte, allerdings große Augen gemacht, 'aber sogleich gelassen hinzugesügt : .Karolinchen, ohne Knöpfe geht' daS nicht, sie kommt sonst in'sRutschen, ich werde des halb meine alte Hose anbehalten." , Karoline hat damals über diesen miß lungenen Streich, die ganze Nacht geweint. Wenn sie sich nur ein einziges Mal tüchtig mit ihm zanken könnte, ja sie würde sich freuen, wenn er sich einmal von der Aufregung so sehr hinreißen ließe, daß er sich geärgert hätte ! Er thut es nicht, ist sie noch so erzürnt, ist sie selbst nahe daran, ihm einen Streich zu versetzen, so. spricht er ruhig : .Aber Karolinchen wie Du nun wieder bist. Hatte sie diesen phlegmatischen Mann doch nie genommen ! Sie hätte ihn ken nen sollen! Schon als er sich um ihre Liebe bewarb, zeigte er daffelbePhlegma.Er hatte einen Nebenbuhler, einen Zinn gießer, dies beunruhigte ihn jedoch sehr wenig. Karoline hatte ihn gern, ihr Herz gehörte ihm, und nur, um ihm durch Eisersucht etwas mehr LiebeZfeuer einzuhauchen, begünstigte sie den Zinn gießer. Freunde machten ' ihn , daraus aufmerksam und gaben ihm' den Rath, dem Zinngießer durch eine Werbung um Karolinen's Hand 'zuvorzukommen, Semmelmann antwortete ruhig: .Erst muffe er mit dem' Umbau seines Hauses fertig sein, ' welches ihm schon genug zu schaffen mache. Uebrigens habe sein Nebenbuhler ja die' Schwindsucht und wenn Karoline demselben ihre Hand schenke, so werde sie ihn nicht lange oe sitzen dann könne er sie ja noch immer helrathen ! Karoline erfuhr dies, sie schenkte im Aerger dem Zinngießer ihr Herz, allein ehe sie noch vor dem Altare mit ihm ver bunden war. starb er wirklich an der Schminosucht. Einige Monate später führte Semmelmann, nachdem der Um bau seines Hauses beendet war, sie zum Altare. Er tanzte auf der Hochzelt ei nen langsamen Walzer mit ihr, setzte sich dann, well er etwas viel Punsch getrun ken hatte, in die Ecke eines Sopha's und schllef ein. Karoline zieht endlich ihren HauZarzt zu Rathe, weil sie , hofft, daß dieser ein Mittel gegen das Schlafen bentzen wer d:.' Der Arzt zuckt mit den Achseln und erwidert : .Das liegt in dem Blute." .izneoi es oenn lein ajcinei, lyn zu andern r ruft Karollne verzweistungZvoll. .Ich will schon zufrieden sein. wenn ich ihn nur ein einziges Mal in Ausregung oder Zorn sehe. Helfen Sie mir dazu, Herr Doktor." Der Arzt sinnt nach. - .Besitzt ihr Mann denn keine Leiden schaft V .Keine einzige !" .Trinkt er nicht gern V .Ja, Morgens einen Kümmel, zum Frühstück und Abends einige Glas Bier. Es schmeckt ihm stets vortrefflich und be kommt ihm auch, allein, wenn er eS nich mehr haben könnte, so würde er sich auch darem ergeben. .Er raucht?" . .Gewiß! Cigarren und Pfeifen Wollte ich ihn daran hindern, so würde er es unlerlaffen und ruhig sagendes gäbe so viele Menschen, die'nicht rauchen durften, folglich sei es für ihn auch mch nöthig." ' . .Ihr Mann ist Stadtverordneter,' fährt der Arzt fort, .sollte er nicht etwas ehrgeizig sein? Wie wäre es, wenn man den Ehrgeiz in ihm nährte, wenn man. ihn ausstachelte, daß er nach der Wurde, eines, Stadtraths streben muffe .Sie kennen ihn noch nicht, Herr Dol tor. Wenn er morgen zum. Stadtrathe erwählt wurde, so wurde er es viellelch nicht einmal annehmen, weil die "Stel lung ihm zu vielArbeit und Mühe brach te, ja selbst übe? einen Orden würde er sich so' vicl freuen, n?ie über eine Kiste guter Cigarren." '.So machen Sie ihn eifersuchtig !' ruft der Arzt endlich halb . verzweifel aus. .Auch das hilftnicht, denn ich habe es bereits versucht. Ich habe mir einen Hausfreund angeschafft, natürlich nur zum Scheine, denn für eine ehrsameFrau geziemt sich daS nicht, ich stellte mich als ob ich in denselben verliebt sei, ich ließ es ihm merken, allein er that An sangs, als ob er mich nicht verstände. AIS ber vausfreund inde zu oft' kam. warf er ihn eines Morgens zum Hause &:.... rc . x. . r- r . yililllls, uucin vaoei argerie er jiaj nicni, er wurde auüz nicht ausaereat. ruma faßte er ihn beim Arme, führte ihn an die Hausthür, schob . ihn hinaus und setzte sich dann an den Frühstückstisch, um mit dem beflenAppetlt zu frühstücken Ich habe mir einen andernPlan aus gesonnen, um ihn zum Wenigsten einma in Ausregung zu sehen, um mich zu über zeugen, daß er wirklich einer Aufregung ' n v v "7? t v sayig tu, uno oazu muzn Vle mir ye! sen. Ich weiß, daß er mich liebt, ich will mich verstellen, als ob ich krank wäre und sterben mune und damit er es glaubt, müffen Sie es ihm sagen, Herr Dok tor!" Der Arzt will von diesem Plane na türlich nichts viffen, er verweigert seine Mithülfe, ja er hält es für bedenklich, Semmelmann in so ernster Weise auf die Probe zu stellen. Karoline bittet und fleht und verscheucht endlich all' seine Bedenken. .Es wird ihm wahrhaftig nicht schaden!" ruft sie. .Er wird etwas in Angst gerathen, allein ei kann auch zwanzigmal mehr tragen, als tbtx

andere Mensch.' Hinterher werde ich

hm alles gestehen, und ich gebe Ihnen mein Wort, daß er Ihnen deshalb nicht zürnt,' dazu ist er zu gutmüthig." .' Die Ausführung dieses Planes wird ftt V (aTaahXam tfft vt statt r tr 4 Ul.Utlfc U4ytllUl.il JJlUlftlH Vl4tmutt Philipp Semmelman .begiebt sich ah nungslos und vollkommen ruhig, nach dem er gehörig gefrühstückt hat, am an dem Morgen m sem Geschäft. Kaum ist er indeß eme tunde fort, so kommt daS Dienstmädchen," um ihn zu holen, weil seine Frau plötzlich sehr heftig er krankt sei und nach ihm verlange. Zweifelnd schüttelt er mit dem Kopse und hat nicht recht Lust, das Geschäft zu verlaffen; daS Mädchen stellt indeß den Zustand KarolinenS so, gefährlich dar, daß er sich doch auf den Weg nach femer Wohnung'macht. Semen gewöhnlichen Schritt behalt er naturlich bei, ja, er kehrt noch bei einem Kaufmann vor, um sich, für 1 Sgr. Schnupftabak mit zu nehmen." ,' ' '. Als er'in seiner Wohnung anlangt. empfänat ihn seine Frau, im Bette liegend, mit entsetzlichem Stöhnend . Sie schemt von den heftigsten Schmerzen ge plagt zu sein.' Der Doktor sitzt mit ernner , Miene, neben ihrem Bette unv hält ihre Hand, in der seinigen, um den Pulsschlag genau zu beobachten.' .Ader.Karolmchen, was lstDlr dennk" fragte Philipp, an das Bett tretend. .Ich sterbe, ich sterbe !' iammert. ote Gefragte. .Ra. so schnell gebt das Nicht, erwl derteSemmelmann ruhige .Was schnell kommt, vergeht auch wieder schnell. Du warst ja noch ganz munter, als ich fort gmg." .Ich sterbe ich sterbe !" wiederholt Karollne. Philipp blickt den Doktor an. Dieser zuckt mit den Achseln und pricht: . Sehr. bedenklich!".Haben Sie denn nichts verschrieben zum Einnehmen?" fragt Semmelmann. .Ich glaube, es wlrd Nichts mehr hei sen sehr gefährlicher Zustand Herz schlag jeden Augenblick zu 'befürchten l" .Na, so ein Bischen zur Aderlässen könnte wohl nicht schaden," bemerkt Phi lipp. ' , .Oh, ich fühle den' Tod schon nahen Philipp mein .Mann ich will mem Testament machen !" .Karolinchen, rege Dich nicht auf," die Hand der Scheinkranken erfassend. .Wozu willst Du ein Testament machen? Andere Erben als mich und die Kinder hast Du ja nicht. Das Testament würde Dich noch mehr aufregen !" Earoline schließt die Augen und ver zieht das Gesicht, als ob der Tod bereits nahe. .Philipp bemerkt es und tritt zu dem Arzte. Herr Doktor," spricht er, .können Sie denn gar nichts mehr thun ? Hel sen Sie! Sie wissen, wenn so eine Frau aus der Wirthschaft und von ihren Km dern gcht.so giebt das eine unangenehme Störung. Und dann die Unruhe durch dasBegräbniß .Was, was !. unterbricht ihnKaroline, sich plötzlich emporrichtend und aus dem Bette springend. Nur eine unangeneh me Störung giebt eS, wenn ich sterbe ! Nur die Unruhe des Begräbnisses fürch test Du weiter nichts?" Sie steht dicht und drohend vor ihrem Manne. Semmelmann ist ziemlich überrascht. verrath dies aber durch keine Miene. .Du wirst Dir noch schaden," bemerk er. .Nein, ich schade mir nicht !" ruft Ka roline in heftigster Aufregung und nicht länger im Stande, die Verstellung wel ter zu führen. .Ich bin gar nicht krank mir fehlt nichts, ich will auch nicht sterben, ich wollte mich nur überzeugen ob Dein Fischblut nicht schnell fließen würde, wenn ich wirklich stürbe, ob Dich auch mein Tod nicht aus deiner Ruhe herausbringen könnte ! Jetzt kenne ich Dich vollkommen jetzt jetzt weiß ich Alles !" Aus dem alten bekannten Tone der Aufregung seiner Gattin hört Philipp sofort, daß ihr m der That nichts fehlt daß Alles nur Verstellung von ihr gewesen ist. Er zürnt ihr deshalb nicht, im Gegentheil erfaßt ihn ein ganz behagli ches Gefühl, daß er nun all den unange nehmen Störungen, welche der Tod mit sich gebracht hätte, überhoben ist. .Na, Karolinchen, das ist mir lieb!" entgegnete er. .Du stirbst also nicht! Sieh, nun kann ich doch heute Abend zur rechten Zeit zu meinem Biere gehen !" .So, also an das' Bier denkst Du mehr als an mich !" ruft Karoline erbit tert. .Nur das war Dir unangenehm, daß, wenn ich gestorben wäre. Du heute Abend vielleicht eine halbeStunde später in das Wirthshaus gekommen wärest ! Nun sollst Du heute gar nicht hin !" .Dann bleibe ich zu Hause, wenn ich Dir einen Gefallen damit erweise," er widert Philipp gelassen. .Sehen Sie, Herr Doktor, so ist er ! Nichts bringt ihn aus seiner Ruhe!" wendet sich Karoline an den Arzt. Und wenn in drei Stunden btc Welt unter ginge, so würde er ganz ruhig zu Mit tag essen und dann noch sein Schläfchen halten ! Es ist zum Verzweifeln !" Der Arzt zuckt mit den Achseln. .Aber Karolinchen, ich sehe gar keinen Grund ein, weshalb ich mich aufregen soll," wirst Philipp ein. Die erzürnte Gattin antwortet ihm nicht. ' Sie hat jetzt jede Hoffnung, ihn zu ändern oder auch nur einmal erregt zu sehen, ausgegeben, und sie ändert ihn auch nicht. Semmelmann bleibt seinem Phlegma treu oder das Phlegma ihm. Und er ist ein glücklicher Mensch. Er ärgert sich nicht, wenn für das Militär Millionen jährlich verausgabt ' und die Steuern in Folge deffen erhöht werden, er ärgert sich nicht, wenn trotz des Frei zügigkeitsgefetzes des Norddeutschen Bundes die Polizei noch immer aus der alten Flöte bläst, eS bringen ihn nicht einmal die vielen Reden, welche im Ab geordnetenhause gehalten werden, inAus regung, denn er denkt, wozu sind die Herren denn da, wenn sie nicht reden sol len, etwas müssen sie doch auch für die Diäten tbun. Ohne je in seinem Leben eine Ueber stürzung begangen zu haben, legt er sich endlich hin, um zu sterben. Weinend umstehen seine Kinlxx und seine Gattin

ein Bett.' Karoline ist untröstlich, iaat '

ic sich auch oft über ihn geärgert, so liebt t ihn dennoch, und er ist stets gut gegen ic gewesen. Semmelmann wem. dak er nickt eine Stunde mehr zu leben hat, er sühlt den Tod bereits nahen. .Karolinchen," spricht er, die Hand einer Frau erfassend, .reae Dich nicht auf. sieb, einmal, mun man - sterben. Zahle nur dem Pastor für meinBegräb :xi . c .is :n v y r iiiß mui meye Ul ilvlyig unv tllp M , Tt . P js i 1 . ieme unnugen eiazicyien oei meiner Beerdigung - machen.- Heute Abend schickst Du wohl in die Restauration, in n14Ä mtt rtrtrtt1l"n flirt IihS f0'2 usimjt iuy imiuit yvyuuyn uu, unv tui s r i i , . . jagen, oaß q mcyr kommen rönne, .wett ich gestorben sei. Und der Rentier Lebman sckuldet'mir nock 24 Sar.. die ich ihm in Sechsundsechzig abge Wonnen habe !" Er legt sich aus die andere Seite und stirbt, ruhig, gelassen, ohne jegliche Ue berstürzung. : j - - ' ' Kleine Kräfte -un5 große Wirkungen. Lo Sr. . Bernfttl. In viel entschiedenerem. Grade als in der Pflanzenwelt treten die kleinen Kr äste und die großen Wirkungen in - dem Organismus der lebenden Thierwelt auf. ' Es gibt organische Gebilde von höchster Wichtigkeit, deren Wirkung man mit hoherBewunderung wahrnimmt, die aber so außerordentlich ' klein 'sind ' daß selbst das allerfeinste Mikroskop ihre Struktur vergeblich zu erforschen sucht. . Um einzelne Erscheinungen dieser Art hier vorzuführen, wählen , wir aus .der großen Reche derselben nur solche Vor gänge, die im eigentlichem Sinne des Wortes noch immer sehr, verschlossene mechanische und. physikalische- Räthsel sind, wie sehr sich auch die Lebenswissen schaft, oie Physiologie, bemüht, dem Grunde derselben nachzuspüren. - , ..Man weiß es - längst, .daß unsere Schleimhaute' und namentlich dieieni gen, : welche' die Lustwege zu -unseren Athmunasorganen emhüllen die Eigen tühmlichkeit haben, ?,.die eingeathmete Lust zu filtriren, .damit unsere Lunge nicht unreine Stoffe aufnehme, welche in der Lust schweben. Unsere Nase, welche einen offenen Kanal sur die Ath mung bildet, , ist mit feinen Härchen be setzt, woran der Staub 'sich ansammelt. der die Luft verunreinigt. Wir be obachten dies nicht blos auf staubigen stranen sondern auch m unseren Woh nungen, wenn die Stubenlust mit Rauch oder dem Ruß einer blakenden Lampe vermischt ist. Es ist dies eme Filtra tion, welche in unserem AthmungZpro zeß von großer Wichtigkeit ist. . Diese Filtration durch, ein Haarnetz sindet in unserer Mundhöhle, welche ebenfalls einen offenen Weg zur Lunge bildet, nicht statt : dasur ist die Feuch tigkeit der Schleimhaut eine vortreffliche wirkende Fang-Vorrichtung, welche gleichfalls - zur Reinigung der in die Lunge eindringenden Luft ausreicht. Man merkt die Wohlthat dieser Emrlch tung ganz besonders, wenn durch eine leichte Entzündung der Schleimhäute, wie z. B. beim Schnupfen, dieser Rel nigungsprozeß unterdrückt wird. Die Athembeschmerde, welche dann zuweilen eintritt, rührt zum großen Theil von dem Mangel der Luftreinigung her, selbst wenn die Entzündung selber sich nicht bis m die Luftröhre erstreckt. Verdankt man diesen Prozeß der Lustreinigung schon an sich einer sehr wohlthätigen Einrichtung, so ist der Prozeß selber Mindestens physikalisch erklärbar. Wir sind im Stande, durch künstliche. Vorrichtungen eme solche Luft reinigung zu bewerkstelligen. Man kann durch ein Flöckchen loser Baumwolle an emer Stelle, durch welche die Lust hm durchstreicht, die Kunst, welche den Härchen der Nase zugewiesen wird, rech wohl nachahmen. Stellt man an die Stelle, an, welcher- die Luft vorüber streicht, eine Glasscheibe mit etwas Gly cerin befeuchtet auf, so ahmt sie die Fangekunst unserer Mundschleimhaut! eben falls gut nach. Ja, man ist im S tan de durch solche Vorrichtungen an - der kleineren Oeffnung m einer Fensterschel be den Grad der .Verunreinigung : der Stubenlust zu messen, . und thut dies auch mit gutem Erfolge m Krankenzim mern, wenn es gilt,' die schädlichen Bei Mischungen der Luft zu bestimmen. . ! : Aber . in unserem . Organismus ge schieht vielmehr als dies. - - Würden wir nur . auf : die Filtration angewiesen sein, so würden sichdie schädlichen Beimischungen der Lust in Mund und Nasenhöhle ansammeln und schließlich die ganzen wohlthätigen Vor richtungen unwirksam machen. ' Ja, die Ansammlung der schädlichen Theilchen wurde unfehlbar Krankheuserschemun gen herbeiführen, wenn nicht eine ande re Fürsorge uns davon befreien würde. um den Schaden abzuwehren, tritt in dem oberen Theile der Nasenhöhle ein Reiz em, der uns zum Niesen ' zwingt. Sammeln sich in dem Hinteren Theile der Muudschleimhaut die schädlichen LustvelMiichungen zu stark an, so ent steht ein nicht minder wahrnehmbarer Reiz, der unseren Kehlkopf zwmgt, sich einen Moment zu schließen und die Ath mung vorerst einzustellen. Zugleich aber erhalten hierdurch unser Zwerg fell und unsere Bauchmuskeln Veran lassung, plötzlich gegen die Brusthöhle anzuprallen und die Luft der Lunge ge waltfam gcen den verschlossenen Kehl köpf zu pressen. Der Kehlkopf öffnet sich dadurch gewaltsam, und man hustet, wobei der Hintere Theil der Mundhöhle von überflüssigem Schleim und den schädlichen, angesammelten Lustbeimi schungen befreit wird. Niesen undHusten sind in solchen Fäl len nicht Krankheitserscheinungen, son dernEinrichtungen physiologischerNatur, die zur Reinhaltnug der Luftwege sehr wohlthätig wirken. Beide Kunststücke vermag man daher auch unter naturll chen Umständen willkürlich hervorrufen, und thut es in der Regel, wenn man durch ein gewisses Gemeingefühl die Empstnduna hat, daß eme Veranlassung dazu oowalttt. Wenngleich dieser Prozeß auf psycho loaisckem Gebiet nock ' in mancken Be ziehunaen weiterer Erklärungen der Wissenschaft bedarf, so ist .derselbe och

mindestens theoretisch begreiflich, sobald

man die noch immer sehr rathselhafte Rolle der Nerven dabei u Öilfe ruft. Die Vorrichtung, welche mechanisch eine Reinigung der Lust von außen nach in nen bewirkt, ist wunderbar genug be .( 'i.i . .r. 'x. f jf rr: : x i giaici von pmqo!0giill)enlnriHlungen, welche sehr wohlthätig Schädlichkeiten von innen nach außen beseitigen. Die se Kombination ist an sick sebr merkwür big und verdient unser eifrigstes Nach denken; aber man mmmt ledensalls da bei wahr, daß-: sich auch hierbei kleine Kräfte zu großen Wirkungen verbinden. Nun sollte man meinen, - daß hiermit genug zum Schutze des Organismus ge scbeben sei.- Allein nähere Untersuchung gen haben erwiesen, daß noch ein ganz anderes Kunststück im Organismus hier bei eine Rolle mitspielt, welches ebenso mechanisch wie physikalisch vollkommen räthselhast ist und vor welchem die Phy siologie ohne jeden Anhalt emer Erlla rung dasteht. Niesen und Husten sind Prozesse von Kraftäilßerungen, die stoßweise eintreten, um die Luftwege intakt zu halten. Hin ter diesen steht aber noch ein ganz bis in die neuere Zeit völlig korrekter Hilfspro zeß,"fur welchen, der Wissenschaft zeder Schlüssel fehlt. Man mackt nämlich die Bemerkung. daß die Schleimhaute der Luftwege und ? ' -i . it! n n aucy m anoeren operiueneii oie unjl versieben, kleine Tbkilchen, welche sich an ihnen ansetzen, sehr, langsam von dort fort zu tranöportiren, wo sie nicht hm gehören.- Dieser- Prozeß 'geht -nicht plötzlich vor .sich, sondern sindet ganz unmerklich immerwährend ;stait.' ES geschieht dies durch eigenthümliche r gane, mit . welchen die ' Schleimhäute ausaestattet smoj" die man mit bloßem Auge nicht sehen kann und die nur durch gute Mikroskope m ihrer Thätigkeit oe merkt werden können. Die Schleimhäute ' besitzen nämlich ganz feine Flimmerhärchen, welche sich unausgesetzt hin und her bewegen und in normalen Zuständen die kleinsten schäd i rr y Y . f jt V ! " jt - 1 1 iicyen rosse, weicye ncy an vie cyleiui baut ansehen wollen, immer weiter fort scbieben. i bis sie aus dem .Bereich ihres schädlichenMirkens hinaustransportirt sind'.. Diese: Flimmerbewegung. durch welche ganz zweifellos sehr schädliche in den Körper eingedrungene Stoffe aus geschieden .werden,- sind von Kräften dirigirt, , welche wir nicht kennen. Da die Oraane. die ! Flimmerhärchen, so außerordentlich klein sind, so müssen die Kräfte, welche ihre Thatlgkeit anregen, aam unendlich sein sein. Da man ie doch allen Grund hat,zu vermuthen, daß durch diese Flimmerbewcgungen viele gistig: Ansteckungsstoffe, wie Bakterien, Bzcillen, verhindert werden, sich in dem Körper anzusetzen, so, können wir vcn ihnen ganz besonders sagen, daß sie eine sebr arone Rolle . in .dem Organismus der lebenden Wesen spielen. Es sind dies eben kleine Kcafte von sehr großer, maarnaer Wirkung. Als Seitenstück zu der organischen .yangieil außcrutücnuiiy iicuuc eituic wollen wir das Augenmerk aus eineVor r-r ",:.. l .7 v i : v : i . richtung lenken, die scheinbar offen vor dem Blick des Beobachters daliegt, aber dennoch durch die Impulse sehr llemer Kräfte eme besondere große Wirkung er lanat. Die Lebens-Fabrik im Innern unseres Körpers ist von der Außenwelt m der wir existiren, durch eine sehr merkwürdige Scheidewand abgejonderl. Vie scheide wand ist unsere Haut, welche zwar nich unseren Körver von der Außenwelt ab scklient. aber dock so beschaffen ist, da der Verkehr mit der Außenwelt in sehr merkmurdlgerWeise begrenzt wird. Sind dleAthmungsvorrichtungen die Haupt stätte. in welcher der Grenzverkehr zwi schen Außenwelt und Innenwelt durch Einatbmen und Ausathmen stattfindet. so spielt die Haut, welche unseren Körper umgiebt, eme Hauptrolle bei den Vtos sen. welcke unausaesekt aus bemannen bereiche exportirt werden müssen. Diese Hautthatigkett ist so wichtig für den Lebensprozeß, daß der Erstickungstod ein tritt,' wenn man einem Thier drei Viertel der Haut durch einen LackUeberzug un wegsam macht. Die Haut unseres Körpers ist keines wegS ein einfaches Gebilde. Sie besteht aus drei besonderen Lagen, die zusammen ein durchaus nicht schwaches Leder bilden. Die obere Haut welche vor unseremBlick offen daliegt,' heißt H o rn h a u t.- In ihr existiren weder Adern noch sind in ihr Nerven vorhanden. Sie ist deshalb auch blutlos und gesühllos. Von dieser Ober haut kann man ganze Fetzen abschneiden, ohne Schmerz zu empfinden. Sie reibt und nutzt sich auch fortwährend ab, er neuirt sich aber wieder sehr schnell. Wenn man sich mit einem scharsen'Federmeffer einen kleinen Fetzen dieser Haut von dem Ballen der Hand abschneidet und ein we nig gespannt gegen das Licht hält, so sieht man deutlich, daß er viele kleine Löcher hat. Es sind dies die Schweißlöcher, von welchen wir eben sprechen wollen. Unter dieser Oberhaut liegt eine zweite Hautschicht, welche man die Lederhaut nennt, und die von Nerven und Blut äderchen durchwebt ist. Es kommt vor, daß man sich durch einen Stoß am Schienbein die Hornhaut verletzt, so zu sagen abschürst, wobei man Gelegenheit hat die bloßgelegte Lederhaut zu sehen. Wenn sie unverletzt ist zeigt sie sich glän zend und von zarter Struktur. Sie ist blutig und nervenreich, schmerzt und blu tet aber nicht, wenn man sie unberührt läßt und vor Kälte schützt. In. dieser Lederhaut wurzeln die Haare, mit welcher unser Körper besetzt ist, weshalb es Schmerzen verursacht, wenn man ein Härchen ausreißt. Auch diese Haut ist durchlöchert' denn die Schweißkanäle führen durch sie hindurch, da die Quelle des Schweißes noch tieser unter dieser Haut liegt. In der That ist es die dritte Haut, welche man das Unterhaut'Zcllgewebe nennt, in welcher die Schweißkanäle ihre Wur zeln haben. Es sind dies eigenthümlich gewundene Knäuel'Drüsen, velche durch starke Vergrößerungsgläser betrachtet, wie Därme aussehen. DieseDrüsenge bilde sind meist mit Fett umlagert. In ihnen sammelt sich das Wasser aus den an ihnen vorübersührenden Blutäderchen,' und dieses : Wasser bildet eben den Schweiß, vermischt mit anderen Stoffen, welche aus dem Körper hinaustranspor

irt werden müssen, nachdem sie ihre

Wirkung im Blute selbst vollzogen haden. Dieser Export aus dem Innern des Körpers hinaus in ' die - umgebende Lust st von der arökten Wichtiakeit zur Er Haltung deS Lebens und der (Zesui'dheit. Die Schwelßlöcher sind nicht gr?a?e d izu eingerichtet, die im Körper abgenutzten Stoffe nur m Form von tropsb a rem Schweiß zu exportiren, sondern hun dies auch m der Regel durch Aus dünstung in Gasform.'. Man ann wochenlang ohne tropfbaren Schweiß leben, aber verfällt sofort in Krankheit, wenn man die gasige. Ver dunstung unterdrückt. ' Dem äußeren Anschein nach ist man leicht .geneigt anzunehmen, daß sowohl der gasartige wie der tropfbare Export aus derselben physikalischen Grundlage beruht, wie das etwa der Fall ist, wenn man irgend eine Flüssigkeit dem Zutritt der Lust aussetzt. Aber bei näherer Be trachtung ergiebt sich sehr bald, daß auch in diesem Prozeß' ganz besondere klein? Kräste eme groke Rolle spielen, die durch die Physik allein nicht erklärbar sind. Die Naturforscher haben nämlich mit großer Genauigkeit die Zahl derSchweiß löchcr auf dem ganzen Körper gezählt. st ? . x In c k. .rjc:.s..u.u :&ie Jayi oerieiocn rn uui uciiimcucucu itorperigeuen eyr veriqieoen. in . ? . rx v. rr Stuckchen yaut von der Größe emer Mark hat am Nacken und am Rücken des Menfchen circa 400 Schwechlöcher. An den Wangen ist die Zahl derSchweiß löcher schon größer ; sie beträgt aus einem gleich groken Stuck mehr als 540. Aus dem Leibe und der Brust steigt' aber die Zahl beträchtlich. Sie beläust sich auf 1130. An der Stirn befinden sich schon mehr als 1258. Am ' Halse steigt die Zahl auf 1300, und an der Fußsohle zählt man sogar aus emem gleich großen Stuck 2685. Rechnet man alles zusam men, so hat ein erwachsener Mensch aus dem ganzen Körper an zwei Millionen und dreimal hundert nnd achtzig Tau send solcher offenen Kanäle, die vom In nern des Körpers nach der Außenwelt fuhren. ' Da die Schweißlöcher von kleinem Umfang sind, so haben sich die Natur forscher nach genauen Messungen die Frage vorgelegt : Wie groß möchten wohl die gesammten Löcker sein, wenn man sie in ein einziges Loch vereinigen wollte ? Die Antwort hierauf lautct, daß ein solches Loch ungefähr so groß sein würde wie ein gewöhnlicher Suppen teller. Nunmehr wendete man sich der Frage zu: wie viel verdunstet denn von einem Teller, den man mit 30 Grad warmem Wasser frei der Lust aussetzt und ihn 24 Stunden lang , stehen läßt? Müßte da nicht die Verdunstung derjenigen gleich sein, wie dies am menschlichen Körper der Fall ist? Die Antwort hieraus lautet aber ganz anders, woraus hervorgeht, daß ein Mensch doch etwas Anderes ist als ein tellergroßes Loch voll Wasser, das man dauernd aus 30 Gmd Wärme hält. Von einem solchen Teller würden in 24 Stunden höchstens 10 Lot Wasser verdunsten ; die Hautausdünstung eines Menschen aber beträgt in 24 Stunden an zwei Pf und. Woher stammt der gewaltige Unter schied? Man vermag wohl einzelne physikalische Umstände anzusühren, welche eine stärkere Verdunstung am Menschen begünstigen ; aber daß dies in so hohem Grade stattfindet, daS wird durch diese Umstände keineswegs erklärt. Beim austretenden Schweiß wirken überhaupt noch andere Kkäste mit, deren Wirkung wir beobachten, aber deren Ursprung uns unbekannt ist. Es sind Seelenzustände hierbei thätig, wie wir dies ost beim Angstschweiß deutlich genug -wahrey-men. Auch Schreck und Aufregung sind schweißtreibend. Heftige Thätigkeit der Muskeln und leidenschaftliche Empsindüngen reizen die Drüsen zu schnelleren und energischen Absonderungen. Die dkltthalb Millionen Schweißdrüsen , UN sereö Unterhaut-Zellengewedes dienen offenbar zur Ausgleichung einer über schüssigen Wärme des Bluts die lebens gefährliche wird, wenn sie über 45 Grad steigt. Der Schweißest zur Abkühlung unumgänglich, und dieseAbkühlung wäre wiederum gefährlich, wenn sie sich auf einenPunkt de? Körpers konzentriren würde. Die Vertheilung der' dritthalb Millionen Organe auf dcn ganzen Kör per repräsentirt so recht die Wohlthat der kleinen Kräfte, deren Fol gen uns als große Wirkung deutlich we rden. Gleichwerthig keit des Ochsen und Kuhfleisches. Es wird all gemein angenommen, daß dem Ochsenfleisch das Fleich von -Kühen' an Nah rungswerth nicht gleichkomme. Diese Annahme ist indessen eine irrige, da, wie neuere Untersuchungen dargethan haben, ein innerer Unterschied zwischen Ochsen fleisch und Kuhfleisch nicht vorhanden ist. Die Jleischfasern sind bei der Kuh eben so zart, ja noch feiner als beim Ochsen. Jene enthält noch mehr Fleisch erster Güte als letzterer und überall, wo die Kühe den Ochsen gleich gehalten und ge mästet werden, sind die Preise dieselben. Der Grund, warum das Kuhfleisch in so geringem Ansehen steht und gewöhnlich auch schlechter ist, als Ochscnfleisch, liegt darin, daß die Kühe in späterem Alter geschlachtet, nicht gemästet, und durch Kalben und Milcherzeugung zu sehr an gestrengt werden. Das Frühausstehen. Der Unterschied zwischen dem Aufstehen um sechs uud um acht Uhr beträgt in 40 Jahren 29,000 Stunden, oder 3 Jahre 120 Tage und 16 Stunden, oder acht Stunden des Tages zehn Jahrelang, so daß das Ausstehen um sechs Uhr in Hin sicht der Geschäfte eben so gut ist, als lebte man zehn Jahre länger. Das n vielen Orten Deutschlands s:attsindende Glockenläuten zurMittagszeit ist ein alter, bis in . das Jahr 1456 zurückzuführender Gebrauch. In diesem Jahre verordnete nämlich Papst Ealixtus II. das Mitagsläuten pro pace wegen des Heereszuges gegen die Türken, und in Deutschland, das von den Türken bedroht wurde, blieb dasselbe weiter bestehen, ja einzelne Fürsten lie ßen sich es angelegen sein, von Zeit zu Zeit die strenge Beobachtung der Sitte besonders anzuempsehlen.

Ein Opfer der Humanität. Rentier N?ckme:er beschließt, in berz

Geruü der Mobltdätiakeit zu kommen. und tritt bem 5s,;?rsck!ikvereine als ckrl ves Mitglied bei; 'S kost't nit viel vnt Pi t ct l ein ebenso edles wie tcyonks-Vergnu aen! motivirt er den Beitritt seinem Haushälterin gegenüber. Bald daraus macht er die Wahrnehmung, daß im Hause des Medicinalra thes Weißnix großartige Hundcschindereii los sei, denn so oft kr an dem Hausz2 a.1(.(.i V, ' i ? r : . 9 vrn I vuiuutiyii;i, onngi crouwnuuysa sein und ftefiniT nn s,in Pihr ; Wart' V I " "w ff du sollst mir h? N,'lis,stinn bleiben las I " - w -v v vfw r f Im W . 1 . ' & i V . cn ocnll nq Pechmeier uno zeig! or Medizinalrath bei'm Bezirksgericht, xot gen Thierqualerel an. Pechmeier ttirc in lii Kosten der Tagsatzung mit 5 i30 kr. verurtheilt. da es sich herausstellt daer Medicmalrath weder einenHun p7,t,t k. cn;. ti . vipi, nun) -oiDijctiion oeireiv! , w" jämmerliche Winseln und Heulen ent puppte sich als mißverstandene 'Musi5 s?!npr T-rh fit Tltri;;... f Vif.I g "Vif ililviHUJlll iynv4 denden Buben. Pechmeier befreit am Marktplätze vier unter den Flügeln zusammengeschnürte Hühner. Der scharst Bindfaden könnte ' die armen Thicrchen wund reiben, gct auch ohne Quälerei!" meint cr die Huhner aber nehmen Reißaus unw ' ihr Befreier muß unter Intervention de Polizei 3 fl.20 kr. bezahlen. Auf einer Landpartie begriffen, be acgnet Pechmcler einkm Tr OÄsen z der Treiber haut in die Thiere mit einen?Knüttel em; Pechmeier will unter Vorweisung seiner Vcrcismarke interveniren, der Treiber aber schwingt den Knüt lel über ihm und schreit wuthschnaubend: Jetzt, wenn D' nit glei' machst, daß D' weiterkimmsi, sangst aa' a' Paar, elendi ger Lump, schäbiger !" Der eingeschüchterte Pechmeier sieht irr ' diesem Augenblick ein müdes Comsorta-- , bleroß daherbinken ; er springt, Rachebrütend, in den Wagen und da er noch vor dem. Treiber die Stadt erreichen will, um diesen anzuzeigen, schreit erden:' Kutscher zu : Jetzt hau' d'rein in der? miserablen Krampen, damit wir in einerBiert'.lflund' d'rin sind ! Kost's was 'S kosn!" Bor dem Stadtthore sällt . diealte Mähre zusammen und verendet 5 Pechmeier kommt mit dem Fuhrwerksclgenlyumer, der Ersatz beansprucht, in. Streit und wird unter großem Mrn schenauflaus arretirt. Pcchmeier .wirdzum Ersatz des Pferdes mit 25 fl. 20 k r., in die Gerichtskosten zu 14 fl. 15 kr. verurtheilt und obendrein mit 10 fl. weg tn Verleitung zur Thicrquälcrei bestrastwobei als erschwerend angenommen wir b. daß er selbst Mitglied des Thierschu Vereins ist. Aussprüche einer alternden.' I u n g s r a u. Und die Tugend, sie ist kein leerer. Schall, der Mensch kann sie üben im Le' den," sagte die dreiundvierzigiährigt -Jungsrau Barbara Heinicke. Da be' trachtete sie das Bild des Forstndida- ' ten Meier, den sie vor dreiundzwanzic Jahren, ohne erhört zu werden, gelubfchatte. " Wollust ward dem Wurm gegeben !7 sprach sie ein zweites Mal. Da hatte sifc. ties und schmerzlich geseuszt. Einen Nachen seh ich schwanken; aber' ach, der Jäbrmann fehlt!" spra6z sie" ein drittes Mal. Da erblickte sie deL Schwanenwirths purpurn auZgeschla---gene Hochzeitskutsche. Nur ein Wunder kann Dich tragen." in das schöne Wunderland sprach sie' ein viertes Mal. Da war sie doch auV mählich zur Erkenntniß gekommen, dafc es zu spät sei. Aber immer blieb's verborgen, was' ich suche, was ich will." sprach sie ein" fünstes Mal. Da veranstaltete sie einen Rückblick auf die letzten zwei Decennien. -Kaum, daß ich Bacchus, den lustigen, habe, kommt auch schon Amor, der lächelnde Knabe " sprach sie ein. sechstes Mal. Da gedachte sie nciderfüllt ihrer jungen Nachbsrin, die einenWeinhändler geheirathet und im folgen den Jahre einen reizenden kleinen Jungen gekriegt hatte. - ' Bemannt sind alle Schiffe, 0, wär auch ich bemannt,- sprach sie ein letztes Mal. Da hatte sie dem noch immer. lebendigen Wunsch ihres Herzens den. präcisesten Ausdruck verliehen. Leiser Wink. Wie machen Sie es nur, daß Sieden faden Schwätzer, den Doctor, immer so bald anbringen, wenn er Sie sucht V 0, ganz einfach ! Wenn er fünf Minuten da ist, stehe ich auf, hole mei nen Uebcrzieher, Hut und Stock und richte mich zum Ausgehen. Den leisen. Wink versteht er und empsichlt sich." Dankgefühl Bettler: Tausendmal sag' ich, ver geli's Gott für die wunderschönen Stiesel ! Meiner Treu', vor lauter -Freud'' könn'.' ich Ihnen gleich a' Busserl geb'n !" Naiv. Johann, seit einer geraumen Zeit sehe ich, daß meine Hemden, im Gegen ltz zur übrigen Wäjch?, eine volleWoche zu spät zur Waschsrau kommen, wie geht denn das zu ?" . Entschuldigen, Herr Lieutenant, ich hab' mir immer denkt, die Hemden sind' noch so sauber, daß cs Schad' wär', sie in die Wäsch' zu geben, und da hab' ich sie immer noch a' bis! getragen ! X Entrüstung. Diese Frechheit, schreibt mir da der Musikdirektor Keiler, er habe mich kürz lich bei Commerzienrath Bolzmann sin gen hören und meine Stimme außer ordentlich schön gesunden; er bitte mich deshalb, Mitglied seines gemischten Chors zu werden. Ich, die Frau des AssesiorZ von Rohreck, geborne von Fal lcnklau, Mitglied einer gemischten Ge sellschast!' Mißgeschick. Eigenthümliches Schicksal des Stu denten Bierhuber : wenn er in dieKneipe , will, ist die so voll, daß er kaum 'rein kann, und wenn er nach Hause will, ist. er so voll, daß er kaum 'raus kann.

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