Indiana Tribüne, Volume 4, Number 407, Indianapolis, Marion County, 30 July 1882 — Page 7

Zur Vaturgeschichte de

j Vanzes. Eine punoIoöifcSe Studie von Hr. Ty. PiSttit. Es ist zwei llhr morgens, der große Casinoball in der guten Stadt Zopfingen naht sich seinem Ende. Rings an den Wänden sitzen die wachsamenMülter der tanzenden Damen aufgepflanzt; mit heroischer Selbstverleugnung die über wältigende Müdigkeit niederkämpsend, gähnen sie verstohlen durch die Nase, ziehen von Zeit zu Zeit die schlaftrunkenen Augendeckel in dieHöhe und bemühen sich, aus ihren Gesichtern den stereotypenAus druck gesellschastliche: Vergnüglichkeit festzuhalten. An Wände und Thürpfosten gelehnt, stehen die ehrsamen Ballvä ter umher, schauen gedankenlos und resignirt in das Getümmel, ziehen manchmal heimlich die Uhr aus derTasche und schleichen dann seufzend zum Busfet, um ihre Tugend zu belohnen und die müden Lebensgeister wieder aufzufrischen. In diesen: Rahmen älterer Gestalten tummelt sich in buntem Durcheinander die junge Welt. Aber wie verändert erscheinen jetzt, spät in der Nacht, nach sechsstündiger, rastloser Tanzarbeit, die jugendlichen Repräsentantinnen des schönen Geschlechts und solcher, die es sein möchten ! Der festliche Vallanzug, die mühsame Frucht wochenlanger Ueberlegung und unverdrossensterNadelarbeit, ist arg mit genommen; die frischen Blumen, welche Haupt und Busen schmückten, sind derwelkt, geknickk, zu Boden gefallen und zertreten, die kunstvollen Frisuren in be denkliche Unordnung gerathen. AuS den Gesichtern ist der glückliiche Ausdruck spannungsvoller Erwar tung geschwunden, der Freude schöner Götterfunken versprüht, dieGenußfähig keit erschöpft, und immer deutlicher treten die Zeichen der Ermüdung und Abspan nung hervor. Hier sieht man die zarte Gestalt einer vielbegehrten, aber etwas bleichsüchtigen Tänzerin matt wie ein ab gehetztes Wild auf einen Stuhl sinken und mit nervös-zuckendem Gesicht gegen die' Erschöpfung ihrer Kräfte ankämpfen, während sie eine geistreiche Bemerkung ihres Tänzers über die Hitze im Saale mit einem verbindlichen L cheln zu beloh nen sucht ; daneben, als (egenbild, eine vollblütige, corpulente und stark geschnürte Schönheit, die nach dreimaligem Durchmessen der Rennbahn mit dunkel rothem, apovlektischem Gesichte ängstlich nach Lust schnappt und heftig mit dem Fächer arbeitet, um die plebejische Röthe aus ihrem erhitzten Gesichte zu vertrei ben. Weniger ausfallend als bei denDamen treten die Vermüstungen des Abends in der äußern Erscheinung der Herren her vor, denn an ihrem geschmacklosen, für unsere nüchternpraktischeZeit so bezeich nenden Anzüge ist eben nicht viel zu verderben; aber auch in iliren Gesichtern zeigen sich die Spuren der Ballstrapazen deutlich genug, und wenn sie sich keuchend die schweißbedeckte Stirn trocknen, wenn sie, srolZ. einen Stuhl zu erwlschen, sich erschöpft neben ihrer Dame niederlassen, dann stockt mehr unb'mr die Unter Haltung, die Augen blicke.: stumpf und übernächtig, geistreiche Scherze undCom plimente vollen nicht mtlx über die träge Zunge, und auch der liebenswürdigste Schwerenöter ist am Ende seiner Lei stungsfähigkeit angelangt. Da plötzlich wird mit lauter Stimme verkündet: Der letzte Tanz!" Die verführerischen Klänge ciiu Straußischen Walzers tönen lockend ins Ohr und fahren mit elektrisirender Wirkung in die müden Beine. Die schlaftrunke nen Augen glänzen, die blassen Wangen röten sich wieder ; alles erhebt sich, jeder will noch einen letzten Tropfen aus dem Becher der Freude kosten, und wie von einem wilden Strudel fortgerissen, wir beln noch einmal die tanzenden Paare durcheinander in bacchantischer Lust. Wahrlich, man braucht keine schim melnde alte Jungfer, kein versauerter und lendenlahmer Junggeselle, kein phi liströser, mit tanzlustigen Töchtern ge segnete? Ballvater zu sein, um ob sol chen Gebarens den Kopf zu schütteln und es seltsam, unheimlich, ja, toll zu sin den. Was ist es denn nur, so hat sich wohl schonMancher gefragt,wenn inmitten des allgemeinen Freudenrausches eine nüch lerne Stimmung ihn überkam, was ist es nur, das den Menschen mit dämonischer Gewalt dazu bringt, stundenlang im Schweiße seines Angesichts umherzu springen und sich nach dem Taite der Tanzmusik im Kreise zu drehen wie der a J, m rsr v er V S ttyatls von Bagoao uno lerne ircoan ten nach dem Zauberhorn Oberons ? Bevor ich versuche, diese Frage auf physiologischem Wege zu losen, muß ich zunächst einige Thatsachen aus dem Ge biete der Nervenlehre in Erinnerung brinaen. . Bekanntlich unterscheidet man an dem menschlichen Nervensystem zwei Haupt abtheilunaen : Gehirn undRückenmark. Zwischen beiden besindet sich, als ver bindendes Mittelglied, am Eingange der Schädelhöhle das soaenannte verlänger ie Mark, ein kleines, kaum zolllanges, aber für viele Lebensverrichtungen sehr wichtiges Organ. Aus demRückenmark entspringen theils bewegende Nerven, welche sich mit ihren zahllosen Verzweigungen im ganzenKör per verbreiten ; jene leiten ihre Erregun gen von der Peripherie nach dem Cent ?um und vermitteln dieEmpsindung, das Schmerzgefühl, diese leiten ihre Erre gungen vom Centrum nach der Periphe xxt und vermitteln die MuSkelbewegun gen. Beide stehen nun aber wieder an ih rerUrsprungsquelle,imRückenmark, durch die soaenannte graue Substanz in inni ger Wechselbeziehung, und zwar so, daß jede einigermaßen kräftige Erregung der empfindenden Nerven heb auf die vewe senden übertragt und auf diese Weise unwmkürltche, sogenannte Reflexbewe gungen hervorruft. Solche Bewegun gen sind entweder einfacher Art und be stehen dann in regellosen Zuckungen ein zelner Muskeln, oder sie sind complicir terer Natur, umfassen eine Gruppe von Muskeln und haben dann das Gepräge einer gewissen Zweckmäßigkeit, sodaß sie den Emdruck der Ueberlegung, der Ad sichtlichkeit machen. Daß aber bei sol chen combinirten Reflexbewegungen der

Willenseinfluß nicht erforderlich ist, das j X. i AiiTAU . p m Y. - I

vciucicn u. a. geiopsle dienen, roeiaje noch tagelang nach der Verletzung Flug wegungen machen oder mit den Beinchen ihre Flügel putzen, wenn man sie beru higt; eben so enthauptete Frösche, wenn man einen ihrer Hinterfüße mit nner ätzenden Säure betupft, denn sofort ma chen sie mit dem andern Hinterfuße leb hafte und durckaus Zweckmäkiae An strengungen, um dieSäure wegzuwischen, k - l w t m p ifn. ri t- . I I und doch kann selbstverständlich von ei ner überlegten Handlung bei derart vec stümmelten Thieren keine Rede sein. Einfache Reflexbewegungen beim Menschen sind beispielsweise die Zuckungen, welche, erfolgen, wenn man ihn kneipt, mit einer Nadel sticht oder die sehr empfindlichen Nerven seiner Fuß sohle kitzelt; combinirte Reflexbewegun gen, an welchen eine bestimmte Gruppe von Muskeln theilnimmt, sind die krampshasten Athembewegungen beim plötzlichen Eintauchen in ein kaltes Bad, eben so das Niesen, welche durch Kitzeln der Nasenschleimhaut, das Husten, wel ches durch Reizung des Kehlkopses hervorgerufen wird. Alle diese complicirten und zweckmäßig combinirten Reflexbewegungen werden nicht durch das Rückenmark, sondern durch das verlängerte Mark vermittelt. Für unsereAufgabe hat nun aber die ses Nervengebilde noch eine ganz beson dere Bedeutung, denn hier entspringen die hauptsächlichsten Wurzeln derjenigen Nerven, durch welche Arme und Beine in Thätigkeit gesetzt werden; hier haben wir die Quelle der so außerordentlich man nigsaltigenMuskelbewegungen zu suchen, welche z. B. beim Schwimmen, Gehen, Springen, Laufen und endlich auch beim Tanzen ausgeführt werden, Bewegun gen, welche, wenn auch anfänglich müh sam erlernt, doch bekanntlich mit derZcit so geläufig werden, daß wir sie fast unbewußt, wie Reflexbewegungen, ausfüh ren, daß einfacherWillenZzntrieb genügt, um den ganzen dazu ersorderlichenMus kelapparat in Thätigkeit zu setzen und gleichsam mechanisch fortwirken zu las sen. Aus dem verlängerten Mark gehen aber nicht allein die Wurzeln der Bewe gungsnerven unserer Extremitäten her vor, sondern hier entspringen auch die Gehörnerven, und diese Thatsache ist es. welche uns den Schlüssel zur Losung des Tanzproblems liesern soll. Werfen wir zunächst einen flüchtigen Blick aus die wichtigsten Theile des menschlichen Gehörorgans. Im verlängerten Mark wurzelnd, en det der Gehörnerv mit zahlreichen, mi kroskophisch feinen Fasern in dem innern Ohr, welches von dem äußern Ohr be kanntlich geschieden wird durch dasTrom melsell. Hinter diesem befinden sich verschiedene, sehr verwickelte Vorrichtungen, welche dazu dienen, die Ausnahme von Schallwellen, d. h. von Tonempfindun gen, zu erleichtern. Hier wird eö genügen, den wichtigsten und wunderbar sten Theil dieses GehörApparates, die jogenannteSchnecke, etwas genauer zu be rächten. Es ist dieses em kleines, kaum Zoll langes, schneckenhausähnliches Gebilde, von fester Knochenmasse schüt zend umschlosien und im Innern mit ei nem spiralförmig gewundenen öaut blatte versehen, welches in der Form ei ner allmählich schmäler werdenden Wen deltreppe verläuft. Auf diesem häutigen Splralblatte liegen die Endsasern der Gehörnerven ausgespannt, ähnlich wie tönende Saiten eines Claviers, und diese winzigen Nervenfäden, von denen . v cm . ? i ... man mir oem cllrolop mcgx weniger als 3000 gezählt hat, sind es, welche die Tonempsindung vermitteln, indem sie durch di-an d.?s Trommelfell schlagen den Scliallwellen in Schwingung versetzt werden. Um verständlich zn machen, in welcher Weise sich dieser Mechanismus des Hörens vollzieht, braucht nur an die bekannte Thatsache erinnert zu werden. daß, wenn man in ein Clavier hineinsingt, immer diejenigen Saiten des In struments schwingen und mittönen, deren Tonhöhe den hineing:sungenen Tönen entspricht. Ganz dasselbe findet im menschlichen Ohre statt, und wie die langen Saiten des Claviers tiefe Töne, die kurzen Saiten hohe Töne hervor bringen, so dienen die längern Nerven fäoen der Schnecke dazu, um die tiefern Töne, die kürzern, um die höhern Töne zum Bewußtsein zu bringen. Nkch dieser kleinen Abschweifung kehren wir zu unserer Ausgabe zurück. Es wurde bereits gezeigt, da& w:r im verlängerten Mark die gemeinsame Ursprungsstelle sowohl der Gehörnerven wie der Bewegungsnerven unserer Ex tremitäten zu suchen haben. Dies läßt schon gleich vermutben,daß beide in einem gewissen Reflexvcrhältnisse stehen, daß Erregungen der Gehörnerven sich leicht auf die Bewegungsnerven drExtremitä ten übertragen werden, und daß dem in der That fo ist. beweist schon die jedem aeläunge Erfahrung, daß man baplok liehen, intensiven Gehoreindrücken heftig zusammenfährt, indem Arm und Bem muskeln unwillkürlich in Zuckung gera then. Ferner muß hier daraus aufmerksam gemacht werden, daß unter den reflexer regenden Ursachen es hauptsächlich die lntermlttlrenoen, rasch auselnanoer sol gendenReize sind, welche die stärksten und nachhaltigsten Wirkungen hervorbringen. Solcher Art ist vor allem der Kitzel, bei welchem durch an und für sich schwache aber rasch wiederholte Erregungen der Gefühlsnerven diese in stärkster Weise gereizt werden, und welch yesngeZuckun aen durch das Kitzeln empfindlicher St:l len, wie z. B. der Fußsohlen, entstehen. welch unwiderstehliches Bedursnltz zum Niesen man empfindet, wenn bit Nasen schleimhaut mit einem Federbart gekitzelt wird, in ja bekannt. Aebnlicb nun, wie der Kitzel auf die empfindenden Nerven, wirkt eine inter mittirende, d. h. rhythmische Musik auf die Gehörnerven, und- daß diesi Behauptung keine willkürliche ist, darauf weist rr . . t! 'S. i ' t.I irnon vie pracye yin, uiucm iuu ua spielsweise eine muntere, mit recht dral len Rhythmus in die Ohren fallende Tanzmusik als prickelnd bezeichnen, a, bei der Schilderung musikalischer Wir kungen oft geradezu von Ohrenkitzel reden. Somit durfte die Behauptung gerechtfertigt sein, daß es vor allem das rhythmische Element in der Musik ist. was so eigenthümlich erregend und ver

führerisch aus unsere Bewegungsnerven, hauptsächlich aber auf den Bewegungs apparat unserer Beine einwirkt. Die Losung des Tanzproblems ergibt sich damit auf seh? einfache Weise. Indem die durch rhythmische Musik verursachten Gehörerregungen bis zum verlängerten Mark, d. b. bis zur Ur

I sprungsstelle du: Gehörnerven fortgelei V . t ? C V . iei weroen uno vier renecioncn aus vie gurzeln der bewegendenArm undBei . . l.a nerven einwirken, entitebt in uns de.s Bedürfniß, den gleichsam stoßweise wi? kendeu Rhythmus der Musik mit stoß weisen Muskelbewegungen zu begleiten. So erklärt sich auch das sonst ganz un verständliche und komischeGebaren, durch l welches das Publicum in Concerten und Opern sein Wohlgefallen zu erkennen gibt. Der eine nickt mit dem Kopfe, der andere trommelt mit den Fingern, ein dritter klopft mit dem Fuße, kurz, in ver schiedenster Weise sucht man das durch einen stark markirtenTact hervorgerufene Bewegungsbedürsniß zu befriedigen, so bald eine gefällige, ausgesprochen rhyth mische Melodie aus dem rauschenden Meere der Töne auftaucht. Die Gelegenheit, dergleichen Beobach tungen zu machen,wird freilich heutzutage immer seltener, da ja bekanntlich für die moderneMusik die Melodie ein veraltete ter Geschmack, ein überwundener Standpunkt ist. Das aber, trotz Richard Wagner und seiner Adepten, von allen naturwüchsigen und unverkünsteltenMenschen der Rhythmus als das svecins belebende Element in der Musik und hauptsächlich in der Tanzmusik empfunden wird, das beweist u.a. die Existenz gewisser volkstümlicher Instrumente, welche keineswegs zur Her , fr . ri . . t v vororingung muiicaiii.cyer one, onorrn lediglich dazu dienen, den Tact zu ver stärken. Dahin gehören z. B. die Castagnetten der Spanier,welche bei keinem ihrer Volkstänze fehlen, und deren ener gisches Knacken einen so eigentümlichen Zauber auch auf den phlegmatischen Nordländer ausübt. JnSpanien herrscht zudem die aus dem Orient und aus der Zeit der Maurenherrschast stammende Sitte, die Tanzmusik mit lebhaftem, fti..i...ir:

lacimaßlgen $anociiaiicgen zu Dfgicxien, rairniuern rouioen ie uqen -oerueu und diese einfachste, kindlichste Art, den gungen, wie sie z. B. das Menuet erforTact zu markiren und wirksam hervorzu- dert große Schwierigkeiten, und Miß

heben, durfte einer der schlagendsten Be weise sem, daß em stark ausgeprägter Rhythmus in der That das wesentlichste Erfordern und die naentliche Seele jeder Tanzmusik ist. Eine ähnliche Be deutunq wie die Castagnetten der Sparner hat das trommelartlgeTamburrn der Italiener, ebenso das sogenannte Hackebrett, welches unsere deutschen Vorfahren zum Tanze lockte, und endlich auch das unmelodischste aller Instrumente die Trommel, deren belebenden Klängen nicht allein der wilde Zulukrieaer. son dern auch der avllmrte europäische Soldat so gern lauscht. Und welch über raschende Wirkung dieses primitivste aller Instrumente auszuüben vermag, das zu beobachten haben wir ja m dem Land der allgemeinen Wehrpflicht Gelegenheit genug. Wenn bei anitrengenden ucano

vermärschen in glühender Sonnenhitze doch werden sie ohne Zweifel sehr würdesich das Bataillon schweißtriefend durch voll und unsern modernen Walzern und

den Staub derLandstrae schleppt, wenn die Erschöpfung den Soldaten zu über wältigen droht und zeder verdrossen und gleichgültig semes Weges zieht, dann läßt der Commandant die Trommel rühren,elektrisirend fährt der kriegerische Klang m die erschlafften Glieder, und rt t . t i. i in Neme uno neo, nacy dem acle !s rasselnden Kalbsells marschirend, ist die Müdigkeit für eine Zeit lang wenigstens vergessen und überwunden. Ein anderes und gewm sehr -unver dächtiges Beispiel, wie durch rhyth mische, wenn auch vorkommen unmusicalische Geräusche das Bedürfniß rhyth' mischer Muskelbewegungen erweckt und angeregt wird, liefert uns das früheste Kindesalter. Krästige Säuglinge mit lebhafttmBcwequngstrieb strampeln aus dem Arme der Mutter vergnügt mit Armen und Beinen, wenn man nur einfach mit zwel Klotzen emen recht muntern Tact aus dem Tische trommelt, und läßt dann die u.'cutter den kleinen Unrast nach dem Tact dieser hölzernenMustk auf und Nieder tanzen, so ist die Besriedigung vollständig und er jauchzt vor Wonne. Schon bei dem Säuglinge also ver mögen wir die ersten Spuren der Tanz lust nachzuweisen, die erstenRegungen eines Naturtriebe-, welcher sich bei den wildesten wie bei den civilisirten Völkern geltend macht. Die Tanzweiscn aber, welche diesem Bedürfnisse ihre Entstehung und Elsindung veroanl'.A, stnd verchieden, je nach den Sitten der Zeit, sowie nach den Eigenthümlichkeiten des Landes und seiner Bewohner. Je kräftiger und lebensfrischer ein Volksstamm, desto re ger ist auch semeTanzlust. Charakteristisch durch leidenschaftliche Energie, durch stolze Haltung und edlen Anstand sind die Volkstänze bei den heißblütigen Spaniern, deren Melodieen fast alle nach dem so ungemein herausfordernden und versuhrerlsch Zockenden Dreitact ge hen; übermüthig und von raschemTempo in dem Lande der Tarantella, bei den lebensfrohen Italienern, welche unter ihrem gesegneten Himmel der Noth des Lebens spotten; kcck und feurig bei den leichtlebigen Polen und Ungarn; harm los und derb bel den kräftigen Tirolern, Je weiter wir aber nach dem kalten Norden kommen, ie muhevoller daS Le ben, je drückender dieSorge um die Exi flenz wird und je mehr das unwirthltche Klima die Menschen in ihre enaen und ärmlichen Wohnräume bannt, desto plumper werden ihre Bewegungen, desto seltener die Volkstänze, und im höchsten Norden bei den feehundsfellbe. kleideten und thranschwelgenden Eskimos scheint der Sinn für die Freuden des Tanzes vollständig erstorben zu sein. Was nun aber die sogenannte gute Gesellschaft anbetrisst, so huldigt sie in allen fünfWelttheilen wie in der Kleider mode so auch in der Wahl und Beliebtheit der jeweiligenGesellschaststänze dem herrschenden Zeltgeist, und zwar m sehr bezeichnender Weise. In der erstenHälf te des achzehnten Jahrhunderts z. B., in der Ant des rasnnirt behaqllchen Le bensaenusses liebte man langsameTanz weisen, gemessen Bewegungen, und jeder Gebildete bevorzugte die majestäti sche Sarabande, die feierliche Chasonne, die vornehme Gavotte, die zierliche Mu sette, daS graziöse Menuet, und man

nahm kein AergerniS daran, daß soar Kirchenchoräle zu Tänzen benuht wurden, inoem' man die Melodiecn beibehielt und nur den Rhythmus änderte, ähnlich wie man jetzt aus beliebten OpernMelo dieen, Märsche, Walze: und Polkas macht. Heutzutage, in dem Zeitalter des Dampfes und oer sicberhaflen Ge schäft'gkeit, bedarf man stärkerer Reiz Mittel. Eine langsame Tanzmusik scheint uns unerträglich,; widersinnig.und was unsern Vorfahren begeisternd in die Bei ne fuhr, würde uns einschläfern. Da mals erfreute man sich an heiter anrc genden Weisen, heute verlangt man nach stürmisch aufregender Tanzmusik und

sucht Besriedigung in dem wirbelnden Walzer, dem rasenden Galopp, oder gar einige Stufen tiefer steigend in dem wahnwitzigen, Sitte und Anstand verhöhnenden Cancan. Damals bewegte man sich mit wohleinstudirter Grazie, huldigte seiner Dame mit respectvoller Courtoisie und führte sie mit feierlicher Würde zum Tanz. Jetzt macht man nicht so viel Umstände; mit rücksichtslosem Ungestüm reißt derHerr seine Dame an sich und mit Locomotivengeschwind igkeit stürmt er mit ihr durch das wilde Getümmel, ols gelte es einen verzweifele ten Kampf ums Dafein. Wahrlich, der ungeheure Gegensatz zwischen der alten und neuen Zeit kommt kaum irgendwo sonst schärser zum Ausdruck als in dem tollen Gewühl, in dem rohen Stoßen und Drängen unserer modernen Ball säle. Da aber bekanntlich alles unter der Sonne dem Wechsel unterworsen ist, da der Fortschritt der Men chheit sich nicht in gerader Linie, sondern nach Art einer langsam aussteigenden Spirale vollzieht v v.rr jf. . : rr uno infolge oeen nuu) gcroiucn oeliräumen alte Sitten und Gebräuche wie der aufzutauchen pflegen, so ist immer möglich, daß wenn der jetzige Zeitgeist sich ausgetobt hat, auch die ruhigern Tänze wieder in die Mode kommen werden. Freilich würde eine plötzliche Wie dereinsührung der feierlich graziösen Tänze der vorigen Jahrhunderte unsere jetzige Damenwelt in einige Verlegenheit setzen,denn mit ihren enganliegendenJut i f f V V . f! i: . r stl i llchketten haben. Schon im Alterthume wurde dicTanz kunst geübt und in hohen. Ehren gehal ten, denn öffentliche Tanze gehörten damals zu den beiliqen Gebräuchen vieler Völker und dienten bei religiösenFestlich leiten zur Verherrlichung der Gottheit und zur Erhöhung der Andacht. So wurden in Griechenland bei den hohen Festen zu Ehren des Bacchus die dlthy rambischen Hymnen von Tanzendenge sungen, und ein Rest dieser alten Sitte bat sich dann in der aus den Bchus festen entstandenen griechischen Tragödie erhalten, bei welcher bekanntlich derChor seine m wechselndem Versmaß vorgetra genenBctrachtungen mit wechselnd rhyth mischen Tanzbewegungen begleitete. In welcher Weise dieselben ausgeführt wurden, wli en wir treuicn nicht genauer. Polkas wenig ähnlich gewesen sem. Gewisse Andeutungen in der Bibel lassen vermuthen, daß :n alten Zelten auch bei den gottesdunstlichen Festlich leiten der Juden getanzt wurde. So z. B. wird im Buche Samuelis berichtet. daß der König David bet der feierlichen I & fX- t t i. P mootuna oer Vunoeslaoe vorder elven einen Tanz aufgeführt habe ; es heißt dort wörtlich : Und David tanzte mit aller Macht vor dem Herrn und war bt gürtet mit einem leinenen Leibrock." Welcher Art aber der in neuester Zeit so viel berufene Tanz um das goldene Kalb gewesen ist, darüber scheinen die schuft gelehrten derAntisemiten nicht ganz einig zu sem, und es bleibt einstweilen onene Frage, ob wir denselben als ein Beispiel altjüdischer ritueller Festtänze oder als einen wilden Ausbruch roherBlasphemie, als eine Art gotteslästerlichen Cancans anzusehen haben. Uebrigens wurden im Alterthume nicht allem die mehr oder weniger feierlichen F-streigen, sondern auch die profanen Tanze gepflegt, und zwar wie bei uns. theils dilettantisch u. zum Privatvergnü gen,theils auch von berufsmäßigen Tön zern und Tänzerinnen, welch letztere sich zu allen Zeiten eines lehr dankbaren Publikums erfreut zu haben scheinen, Am beliebtesten waren die üppigenTänze der Griechen, welche sich nach und nach in den benachbarten Ländern verbreiteten. besonders inKlemanen undAegypten un ter den prachtliebenden und ausschweifen den Nachfolgern Alexanders des Großen, ln Italien nach der Eroberung Griechen lands durch die Römer ; selbst bei den Jf nullten scheinen zur Zeit des Verfalls ih rer politischen Selbständigkeit mit grie chlscher Sitte auch griechische Tanze Em gang gesunden zu haben, und sehr wahr scheinlich wird der verhängnißvolle Tanz, welchen die Tochter des rachsüchtigen Herodias vor dem Könige Herodeö auf sührte und welchen dieser mit der Ent hauptung Johannes desTäuferS belohn te, ein guechl cher gewesen fein. Eine nähere Erörterung der Tanz kunst, wie sie von unsern modernen Corps de teilet geübt wird, gehört kaum noch in den Nahmen dieser Unter suchung, denn hier haben wir es schon mcht mehr mit dem Ausdruck emes na turgemäßen physiologischen Bedürfnisses zu thun, sondern mit rafstrnrten unste leien, grotesken Sprüngen und der massenhaften Ausstellung weiblicher Rei ze. Immerhin aber ist auch diese Er scheinung kennzeichnend, wenigstens für die dlasirteUebersättigung, welche zu folch extravaganten Reizmittel greift. Zu dem besteht die Tanzkunst, wie sie auf unsern großen Bühnen erscheint. zum großen Theil in pantomimischen Darstellungen. uno vier oursle oic Bemerruna am Platze sein, daß in allen Volkstänzen, in welchen der Rhythmus das specifisch trei bende Agens ist, doch auch immer em pantomimisches Element sich mehr oder weniger geltend macht. Jwei Seelen mmmungen sind es vor allen, welche neben der Befriedigung des harmlosen Bewegungsbedürfnisses in den Tänzen aller Zeiten und Völker zum Ausdruck kommen : die Liebe und die Kampseslust, also die beiden mächtigsten Triebe und Leidenschasten, deren das

Menschenherz überhaupt fähig ist. Bei den wilden Völkern ist der Krieastanz

vorherrschend, d. h. die pantomimische Darstellung des Kampfes : in den Na tionaltänzen friedlicher und civilisirter Völker dagegen kommt dteLttbe mit ihren verschiedenartigen und wechselnden Re gungen zur Darstellung, indem suchende Bewegungen den Rhythmus des Tanzes begleiten. Da nun m neuerer Zelt die kriegerische Stimmung unter den Völkern Europas in bedenklicher Weise überHand genommen hat, da wir in dem ehernen Zeital ter eines bis an die Zähne bewaffneten Friedens, in der Aera der Kruppschen Hinterlader und allgemeinen Wehrpflicht leben, so sollte man denken, daß, dem Zeltgeiste entsprechend, die friedlichen Liebestänze bei uns allmählich aus der Mode kommen und kriegerische Tänze an ihre Stelle treten müßten. Einstweilen sind jedoch noch keine Anzeichen dieser veränderten Geschmacksrichtung zu be merken, und unsere militärischen Haupt linge haben bis jetzt nicht die Gewöhnheit, bei Mobilmachungen sich durch martialische Tänze zu begeistern, bevor ne den Knegspsad beschielten. Dage gen sind sie im friedlichen Wettkampf des Ballsaals unbestritten die flottesten und unermüdlichsten Tänzer und deshalb verdientermaßen die entschieden bevor zuaten Lieblinge der Damm. Die schwarzbeschnlepelten Herren von derFeder aber stehen bei ihnen in dem üblen Rufe, träge Gesellen und faule Tänzer zu sem, vielleicht well diese Producte un serer berühmten deutschen Schuldressur von früher Jugend auf zu viel sitzen müssen und zu sehr mit Gelehrsamkeit ubersuttert werden, wodurch allmählich die Köpfe so schwer und die Beine so schwach werden, daß der naturgemäße Beweaunastrieb und damit auch die Tanzlust vor der Zeit erlahmt und lischt. er Ein Bild aus der Judenhetzz. Nach dem Nujsischcn von 81. Weinstein. Am Ufer eines Baches an der Grenze einer kleinen Bezirksstadt ertönte wildes. verwirrtes Geschrei Sie hat sich ertränkt!" Diese schreckliche Nachricht gmg von emem zum andern. Man fand sie zwischen den Rädern einer halb zerfallenen Wassermühle, wohin sie der Fluß verschleppt hatte. Entsetzen erfaßte leinen beim Anblick der schrecklich entstellten und angeschwollenen Leiche. Ei' niae Stellen der rechten Schulter zeigten noch helle Spuren menschlicher Zähne, durch die langen schwarzen Haare, welche das Gesicht bedeckten, blickten ein Paar weit geöffnete Augen. Schrecklich war der Ausdruck dieser Augen ! Aber noch schrecklicher, noch entsetzlicher waren die schwarz gewordenen und verkrümmten Lippen, auf welchen, wie es schien, mit dem letztenSchauer auch der letzte Schrei erstorben war : ), was habt Ihr mir gethan?!" Hier eine kurze Schilderung dieses in der Blüthe der Kraft und Hoffnung m tretenen, reinen, unschuldigen Lebens: Unbemerkt verstrichen drei Jahre ih res Daseins in St. Petersburg. Neue Welt, neue Menschen, neue Bücher: der erste Schritt auf dem Wege zu ienem Ziel, welches sie so lange, so lange als emen Schatz tief m ihrer jungen Brust verborgen hielt. Und mit der ganzen Leidenschaft emes jugendlichen, strebens reichen Wesens tauchte sie m die aluhen den Wellen dieses für sie neuen Lebens em.... Sie wird Doktor sem, wird arme Leute unentgeldlich curiren, 6efon ders ab:r jene unglücklichen, hrnariaen Muschiks).... Jktzt zahlt sie erst 21 Jahre, hat also noch eme ganze Lebens lausbahn vor sich. Und sie wird gut und ehrlich mit diesem Leben haushal ten. Sie wird zu Nutzen der Mensch heit und der Wissenschaft wirken sie wird glücklich sein.... Zwei Jahre, nur noch zwei Jahre, und sie ist am Ziele:. . Und der Vater, er ist schon alt, der Arme, zur Arbeit ist er schon zu schwach. Mit jedem Tage gehts schwerer, immer unbeweglicher wird das Rad der Drehdank, an welcher er die besten Jahre sei nes schweren arbettssamen Lebens ver bracht Aber es sind ja nur zwei Jahre, und er wird ausruhen können. Er wird nicht mehr zu arbeiten brauchen und wird bei ihr wohnen können, turllch .... Und basclia, der liebe, gute Sascha! Er hat sie ja so lieft !.... nächstes Jahr schon wird er in's Leben als ehrlicher und unermüdlicher Mitar beiler eintreten. . . . Und Hand in Hand werden sie auf dem Wege emes arbettsamen und glücklichen Lebens wandeln. Sie werden dieses Leben erkämpfen ! Alle Hindernisse müssen gegen den vereinten Andrang zweier von Kraft und Willensdrang erfüllten Wesen weichen. . Und sie werden. glucklich sem. Diese erquickenden Gedanken wurden geboren und blühten auf während der hellen Dämmerung der hellen Sommer nächte in dem kleinen, ärmlichen Stüb chen der jungen Studentin. Hier, in der glanzeneen und geräuschvollen Nest' denz Arbeit und Hoffnungen, und dort, in dem kleinen und ärmlichen Städtchen cm gutes, hebendes Va terherz. Arbeit, Hoffnungen und Liebe! Und eine ruhige, heitere Glückseligkeit erfüllte ihre tunge Brust Und nun ist sie endlich zu Hause. Wie wohl fühlt sie sich bei diesem lieben, guten Greis, in diesem armen Winkel, wo die glücklichen Jahre ihrer Jngend verflossen sind. Sie war kaum im Stande, den Vater zu tz kennen, denn seine Haare waren ergraut und seine Gestalt gebeugt. Und wie er sich ihrer freut ! Wie er glücklich ist ! . . . Seine Tochter, seine .kleine" Sanitschka wird Doktor sem.... Du Ueber Gott! Durfte er denn von einem solchen Glück auch nur träumen?! Und doch ist es Wahrheit Nur behüte Gott, daß sich die schrecklichen Gerüchte nicht verwirklichen !" lispelte, wie ein Gebet, der Greis, und das alte, liebende Herz druckte sich so krampfhaft zusammen. . Dem Alten wird so erschrecklich zu Mu the. . . . Nachts hat man im benachbar ten staotcyen Mein Gott, mem Gott ! auch bei uns, erzählt man sich, soll dasselbe geschehen.... Gestern wurde schon der alte Krämer geschlagen. L MulchiVaZs,

und beraubt. . .. wir werden Alle," sagten sie, abschlachten ! Und den

ganzen Tag wlrd immer weiter getrun- ... r r? ' " ren, immer weuer gesogen j Gott lispelte wieder der Greis, rette uns: Vitut meine rochier, mem emziges Kind, meinen einzigen Trost !" und Thränen rollten über die grauen Wimpern des Alten In der Stube ist alles ruhig. Ein schwacher Schein der zu Ende brennenden Kerze warf zlt ternde Llcht-Stretten aus die billigen grauen Tapeten, kaum durchdringend nach jenem Winkel der Stube, wo vor einigen Minuten der Alte selber seinen theuren Gast zu Bette gelegt Die Arme, wie müde sie vom Wege ist ! Aber sie schläst schon. Eine dichte, heiße Röthe bedeckte ihre frischen Wangen. Em stilles, klares Lächeln umspielte dieses ganze liebe Gesichtchen. Sie war eingeschlafen, von einem gesunden, süßen Schlaf erfaßt. . . . Wildes Geschrei,' Geheuls en'tsetzl'iches Brüllen Seufzen erfüllt die Luft. . . Herzzerreißendes Schluchzen von Frauen und Kindern, rasendes Geschrei der besossenen und m thlerlsche Wuth gerathe nen Räuber.... Krachen erbrochener Möbel. . . . Klirren der eingeschlagenen Scheiben Brich los ! Hau 00 m m am A V zu " yuise 'Alles mengte sich in em dumpfes (Äetoie ,nn ler niß Wind Regen .... Wohin fliehen ? Wohm sich retten ! Schon sind sie hier! Schon brechen sie in dle Stube em. sonja Sonitsclika!. . . Wo bist Du? .... hierher .... Rette Dich. . . . Gott, wo ist sie denn ?. . . . Aber umsonst. Wie eme wilde Bestie überfiel ihn ein starker großer junger Kerl Ein Jude! He, hierher. hierher !" Der Alte sank zusammen und der Bursche ließ eme Hand voll grauer Haare fallen. Im Hose horte man Ge fchrei, Gekrach, wildes Gelächter Sonja, Sonja !" schreit heiser der zer schlagene und mit Blut überströmte Greiö, sich alle Muhe gebend, sick emen Weg durch die in immer größerer Wuth gerathene Menge zu bahnen Aber da strich blitzartig etwas Weißes im Finstern vorbei und verschwand hinter der Thüre der Scheune. .. .Sonia ! Mein Gott! Lassen Sie!...." Aber schon ereilte sie ein häßlicher, vom Trunk rasend gewordener Kerl, dessen Kleider mit Koth bedeckt und abgerissen waren Ein wildes, verzweifeltes Klag geschrel erscholl von dort. Etwa zehn schrecklicheMinuten mochte da der Kampf währen Plötzlich öffneten sich die Thüren der Scheune und es lies heraus ein Mädchen in zerfetztem Hemde, ganz beschmutzt und von Blut überströmt. . . Sie lief m der Richtung zur Hausthure, stolperte aber und fiel aus etwas War mes, kaum noch Zuckendes in einer dampfenden rothen Lache Auf der ge genuber liegenden Seite der Straße zelgte nch plötzuch Helles Feuer Em blutiger Feuerschein breitete sich aus und beleuchtete diesen verhängnißvollen Platz . ..Em neues, verzweifeltes magge schrei erschütterte die Luft Vater, Vater! Hülfe!...." Aber zu spät! ,Laß doch " brüllte über ihr die rasend gewordene Bestie, indem sie ihr stückweise das Hemd vom Leib riß und in ihre nackte Schulter ihre Zähne klemmte Auf dem Hose war unterdessen schon Niemand mehr zurückgeblieben Der Haufen ging weiter." . .Sie allein allem am blutüberströmten Leichname ihres Vaters m Händen dieser lichen Bestie in Menschengestalt'.. In der kühlen Umarmung des Jlus ses verbarg sie ihre Schande, trug zu Grabe ihre Träume, ihre Honnungen, ihr kaum aufgeblühtes Leben ! DieErn tezeiten auf derEr d e. Daß in Folge der verschiedenen Zonen und der dadurch wieder bedingten verschiedenen Jahreszeiten aus unserer Erde die Getrelde-Ernte in äußerst bisferirenden Epochen stattfindet,ist eine all bekannte Thatsache; daß diese Epochen aber insgesammt mehr als drei Viertheile des Jahres umfanen, und es so nur drei. ja man kann wohl sagen, nur zwei Mo nate gibt, in welchen nicht irgendwo auf Erden Getreide geerntet werde, dieses Faktum dürfte nicht Jedermann wissen. Es ist darum vielleicht Nicht ganz ohne Interesse, wenn wir in Folgendem einen Ernte-Kalender unseres Planeten hier mittheilen. In Australien, NeuSee land, dem größten Theile von Chili und in einigen Strichen der argentinischen Republik findet die Ernte im Monat Januar statt; im darauffolgenden Februar beginnt sie in Ostindien und wird. je weiter gegen Norden fortschreitend, im März beendet. Mexico, Egypten, Perfien, Sirien ernten im April, wäh rend dies im nördlichen Kleinasien, m China, Japan, Tunis, Algerien und Marokko, sowie in Texas im Mai ge schieht. Des Weiteren erntet man in Kalifornien, Spanien, Portugal, Jta lien, Griechenland, auf Sicilien und in einigen der südlichsten Departements von Frankreich im Monat Juni. Im übrigen Frankreich, in Oester reich Ungarn, Südrußland und in einem großen Theile der Vereinigten Staaten von Nordamerika findet die Ernte im Juli statt, nnd im August folgen dann Deut chland, Belgien, die Niederlande. Dänemark, New-York. Im September endlich kommen Schottland, Schweden, Norwegen, der größte Theil von Kanada und Rußland an die Reihe, und in den nördlichsten Gegenden des letztgenannten Reiches, sowie in Finnmarken, findet das letzte Einbringen der dürftigen Fech sung gar erst im Oktober statt. ES sind also allein die Monate November und Dezember, in welchen faktisch auf Erden keine Ernte-Thätigkeit vor sich geht. Bekenntniß. Haus frau : Obwohl wir nicht im besten Einverneh men von einander scheiden, Auguste, wünsche ich Ihnen doch von Herzen Glück auf Ihren ferneren Lebenswegen.- Köchin (gerührt): .Ach, Madame, da Sie so gut sind, so will ich Ihnen noch sagen, daß de? Küchenschlüssel auch noch zur Speisetaa mer paßt." Richtige Erklärung.) O F?5nzl, was ist denn eigentlich die Lie oe?" Siehst Nett'l, die Liebe ist, wenn Zn,? hfr Utn (Hflh firt in $n?nhT V .. - -7, mm . V . beirathen will, das auch lein Geld hat.

?llt KUß.

Um diesen einz'gen Kuß, o, zürne D:m Freunde nicht, laß von der Stwie Entrüstung schwinden und Verdruß, Es war ja nur ein einiger Kuß!" Und wieder hell wird ihre Stirne, Es wird das Auge wieder klar: Naiver Jüngling! Sieh', ich zürne nur, weil es ein einz'ger war ! m Thierschtttzvereinötteder. Ruht die schönste der Hyänen In des Käfigs engem Raum Hör' sie schnarchen, hör' sie gähnen. Seh' sie lächeln hold im Traum. Schäkernd zups' ich sie cm Schwänzchen, Doch im Nu schnellt sie empor. Und das liebe kleine Hänschen Beißt mir ab das linke Ohr. Geh' nun mit betrübten Mienen, Weil das Thierchen in Gefahr. Denn ich hatte ja Trichinen, Wie ihr wißt, im vor'gen Jahr ! Carl von Mikado. Jnstruktions. Blüthen. Wenn ick von hinten durch dem Rohre sebe. Kanonier SBüfiaV rnnt p;? ? I - - - v w V f V V Welches ist das geringste Strafmaß? elm auspassen.In das Innere des Rohres kann man nur durch den Verschluß gelangen. Die Protze zerfällt in drei gleiche Hälften, von denen die mittlere die größte ist. Unsere Bauern. Gang, schäm' de, und heul net so in eim Trum fort, Hansjörg. Ml deim G'heul machst dei' Weib doch nimme Ie bendig." I woiß des wohl, Friederle, über ist ebe scho' so mci' Art, daß i wege jeder Kleinigkeit heule muß!" Herr Geh. Nath Engel ist, nach einer langjährigen verdienstvol len Thätigkeit, als Rath zweiter Klasse in's Privatleben zurückgetreten. . Es giebt Leute, welche darin eine Undankbarkeit erster Klasse erblicken. In Putkamer's Album. ' O red', so lang Du reden kannst, O red', so lang Dir's reden paßt, Es kommt die Zeit, es kommt die Zeit Wo Du nichts mehr zu sagen hast. Billiger Wunsch. Emnt schonen Wuchs hat der Mann und ein edles Profil, auch ist er ledig, wie ich erfahren habe, zudem haben die Kaminkehrer ein schönes Einkommen wenn ich ihn nur einmal gewaschen sehen kannte !" Verechsigtes Mitleiden. Der Primaner Bormann fehlte sehr häufig in der Klasse, denn er fand es wett angenehmeren irgend einen Wirths Hause ein gutes Glas Bier zu trinken,. aU den langweiligen Erörterungen deS Professors zu folgen. Sein jüngerer Bruder, der dieselbe Klasie besuchte, mußte ihn dann mit allen möglichen Fic ilvuci! eiiliHuzvlgeii. Einst fehlte Bormann der Aeltcre wie der einmal und der Professor fragte den Jüngeren : Aber lieber Bormann, Ihr Bruder .uirj...iv:. . ist heute wieder nicht in der Klasse, vie geht das denn zu?" Herr Professor erwiderte der schlagfertige Jüngling, mein Bruder wurde heute Morgen von ganz entsetzlichen Zahnschmerzen geplagt, und nun ist er nach dem Zahnarzt gegangen, um sich das SchmerMsobjekt herausziehen zu lassen." So," meinte der Professor etwas ge dehnt und blätterte in sememNotlzbuche; dann bemitleide ich Ihren armen Bru der sehr, denn nach meiner Tabelle hat er sich im Lause eine Semesters gerade 42 Zähne ausziehen lassen Aus der Schule. Lehrer (zu einem seiner Schüler) 5 , Aber, Huber, schon wieder muß ich Dein Benehmen rügen ! Ich denke. Du hät test doch genug o n i r lernen können, was sich nicht schickt 1" Aus der Jnstructionsstunde. Korporal: ".. ..Was,Jhr wißt nicht, was Propertät ist ? Propertät ist das jenige, was die Knöpfe an den Hosen sind, sie hält den Menschen aufrecht l" Vortheil einer Liebschaft. Frau : Du Alter! ich glaub' gar, unsere Köchin hat eine Liebschaft ange fangen mit dem Maler da d'rüben, . das wär' ja doch recht fatal !" Mann : Fatal ? fei froh das ist ein Vortheil, nachher bekommen wir doch nicht so ost einen angebrann ten Braten." Frau : Wie so ? wie kommst du jetzt darauf V Mann : Wenn die wirklich eine Lieb schaft mit dem Maler angefangen hat. fo paßt sie jetzt sicher auf'n Braten recht auf, damit sie ihm ein gutes Stück zu kommen lassen kann und die Maler sind allemal Feinschmecker; wenn sie nun einen angebrannten Braten he? geben thät', Oüßr sie sich gewiß recht schämen vor ihm; sie wird ihm alsk immer ein gutes Stückl geben vollen, und dabei kriegen wir nachher auch einen guten Braten, und das. ist gewiß ein Vortheil." Aückerinnerung. Frau (zu ihrem Mann, der ihr irr Jrtrn t'tnf rtm An?W T nrfrntrfwA Mana, wo sind die schönen Zeiten, alö wir ns noch porzellanenes Geschirr an den Lops geworfen haben!? . Die erkannte Ursache. Das kleine Lieschen ist nach Beende gung der Schule mit dem Herrn Lehrerins 45f:lb gegangen und hat siSj Dieses und Jenes zeigen lassen. Nach Hause kommend sagt die Kleine zur Mutter : Jetzt weiß ich auch, warum daS Korn so schnell wächst, wenn der Acker gedüngt worden ist !" .Nun, laß einmal hören?' Das Korn beeUt sich, so rasch cXl 9 j, niOtlilMj UUil VI j wegzukommen. . wfwi nptn itrmtrlirfpn pftnn? UlvyilUy VW WM HtktH Vtttt,