Indiana Tribüne, Volume 4, Number 407, Indianapolis, Marion County, 30 July 1882 — Page 3
wechselte sie mit Arne, dann ließ sie sich zutraulich neben Karen nieder, zugleich deren Hand zärtlich drückend. Aber in der offenen Brüstung standen Olaf und Helga. Der düstere Ernst, roelchen Brandvold bisher zur Schau getrafen hatte, verließ ihn auch nicht, als er Olaf das Glück feiner Tochter an's Herz legte. - Du follst Vater und Mutter verlasien und dem Manne folgen, den du dir aus erkoren hast, wandte er sich wieder an Helga. Was er weiter kzinzufügen wollte, erstarb. Leichcnsarbe bedeckte stinAntlitz, und indem er mit bevcnden Lippen nach Worten rang, rollten schwere Thränen über seine Wangen. Der Vater hatte über den Fanatiker gesiegt. Mit- eine? hastigen Bewegung schloß er Helga in die Arme : Gott segne dich, mein Kind, Gott segne dich, meine Tochter, wiederholte er, und er küßte die still Weinende zärtlich ; doch nun geh, geh, mache mir dcnAbschied nicht noch schwerer. Er legte sie in Olass Arme, der sogleich mit ihr die Treppe hinabzusteigen begann, während er selbst, noch immer gegen die- ihn fast überwältigenden Empfindungen ankämpfend, sich nach dem Quarterdeck hinausbegab. Als er oben eintraf, war der Fanatiker wieder in seine vollen Rechte eingetreten. In religiöser Verzückung, wie nach Darbringung eines kärtyreropfers, glühten seine Augen. Nur die bleiche Farbe wollte nicht so schnell weichen. Schnell hüllte die Mistlctoe sich in alle ihr zur Verfügung stehende Leinwand ein. Die Briese, welche ihre Scgel zum westlichen Lauf blähte, trieb den flinkenKutter in den Sognefjord zurück. Ende.
Welcher war der Verrückte 1 Der verstorbene Doktor Brierre de Boismont leitete über 40 Jahre eine der besten Irrenanstalten in Paris; er war mit allen Künstlern und Literaten seiner Zeit befreundet, welche oft mit ihm speis ten, häusig in der Absicht, an dcn verschiedenen Stadien und Arten desWahnsinns Studien zu machen. Eines Tages entspann sich eine lebhafte Debatte zwi scheu dem Arzte und einem reichen Ban kier, welcher behauptete, daß es selbst für Laien leicht sei, den Irrsinn an einem Individuum zu erkennen. Im Gegentheil," sagte der Doktor, ich habe ein Dutzend Kranke in meiner Behandlung, welche außer ihrer fixen Idee ebenso ge fund und vernünftig sind, wie Sie, ode? die es wenigstens zu sein scheinen. Ich gehe eine Wette mit Ihnen ein, daß ich Sie zu einer kleinen Tischgesellschaft la de, in welcher einer der Gäste einer meiner hoffnungslosesten Fälle ist, und daß Sie den ganzen Abend mit ihm zubringen werden, ohne ihn herauszufinden." Angenommen!" versetzte der Banquier, und das Diner wurde für den nächsten Montag anberaumt. Nach vollendetem Mahle näherte sich der Irrenarzt dem Banquier und fragte ihn lächend: Nun, haben Sie den Irren entdeckt?" Pah!" erwiderte der Banquier mit gewisserma ßen verächtlichem Achselzucken, ich hatte ihn bereits erkannt, ehe er volle fünf Minuten bei Tische faß; es war Ihr Nachbar zur Linken. Es war aber auch in der That nicht schwer, zu diese? Er kenntnitz zu gelangen, wenn man ihn von seinen chimärischen Unternehmungen faseln hörte,we!che ihm fo fabelhafte Sum men eintragen sollen. Das ist ja der fertige Tollhäusler! Ich konnte mich auch nicht enthalten, diese Bemerkung meinem Nachbar gegenüber zu machen, der mir auch vollständig beipflichtete." Welchen Nachbar meinen Sie V Den, der mir zur Linken saß, irklich ein ruhiger, unterrichteter, eleganter Mann. Wer ist er denn V Nun sehen Sie," versetzte lächelnd Dr. Brierre, gerade der war der Kranke, von dem ich Ihnen gesprochen habe; der Herr aber, der mir zur Linkcn saß, war Honore de Balzac l" Ein allerliebstes Beispiel ' von der sorglosen Freigiebigkeit des älteren Dumas bringt La vie moderne". Derselbe war f. Z. ebenso berühmt wie es jetzt die filzige Tantiemengier des Millionärs Dumas fils ist. Erzählen wir also : Alexander Dumas Vater bemerkt, daß er kein Geld bei sich hat. Er fährt durch die Avenue Frachot und hält bei seinem Freund Paul Meurice an. Derselbe ist ausgegangen, Dumas wird von denen Frau empfangen. Lieber Duma, was wollen Sie von meinem Gemahl?" Ach, nichts Wichtiges entgegnet Duma,und bekennt ihr feine Verle genheit. Ich bin ganz trostlos", jammerte Madame Meurice; mein Gemahl trägt den Schlüssel zur Kasse stet bei sich, und ich habe nur etwa, was ich in derWirth schaft brauche." Wie viel?" Mein Gott, kaum mehr als ein Zwanzigfrankstück Geben Sie her; Sie bedürfen des Geldes für heute Abend nicht so noth wendig wie ich, ich brauche hundert Francs, aber derAnfang ist doch da, und es müßte mit seltsamen Dingen zugehen, wenn ich den Rest nicht binnen einer Stunde zusammenbrächte." Er nimmt das Goldstück, drückt der Frau Meurice die Hand und will davon nlen. Sie hält ihn zurück : Da fällt mir ein ; Sie lieben, so viel ich mich erinnern kann, die kleinen Pfef fergurken; ich habe welche einmachen lassen und für Sie einen Tops reser litt Wie liebenswürdig ! Geben Sie!" Nein, mein Dienstmädchen soll ihnen den Topf in den Wagen tragen." Dumas eilt in den Wagen, das Mäd chen mit dem Topf folgt ihm; er setzt sich, nimmt den Topf, stellt ihn neben sich hin und wendet sich zum Dienstmäd chen : Danke schön, liebe Kleine ! Bist ein niedliches Kind." Er sucht in der Tasche und fügt hinzu : Hier hast Du etwas für Deine Mühe!" Und er drückt ihr das Goldstück in die Hand, welches ihm Frau Meurice soeben geborgt hat.
Akeine Kräfte und große Wirkur gen. Bon Tr. . e.rnsttln. Wenn der Sturm dcn Wald durchtobt und mächtige Bäume entwurzelt und umstürzt, so erscheint er un? als eine mächtige Naturkraft, weil wir ihn nach dem Maßstab der geringen Kraft schätzen, welche unser schwacher Arm dagegen auszrüben vermag Wir beachten hierbei Nicht, daß es auch eine Naturkraft n ar, die den Baumstamm gar so mächtig heranwachsen ließ. Wir lassen die ungeheure Summe der Einzelkräfte unbe achtet, die den umgestürzten Stamm aus einem kleinen, schwachen Keime zu einem Riesenbaume herangebildet haben. Aus diesem Beispiel können wir so recht entnehmen, wie wir in unseren all täglichen Anschauungen nur diejenigen Prozessein der Natur als Kraft auffassen, die in plötzlichen Impulsen wirksam sind, und wie von einer willkürlich angefachten Macht überraschend und erschreckend ein treten, daß wir dagegen die Summe der kleinen und kleinsten Kräfte umgeschätzt an uns vorüberziehen lassen, in welchen in Wahrheit die wirkliche Kraft der Na tur besteht. Im Allgemeinen kann man denUnter schied dieser Schätzung der Naturkraft dahin bezeichnen, daß uns nicht die auf bauende, sondern die zerstörende Wirk samkeit der Naturprozesse als Kraft er scheint. Wir sprechen von der Kraft des Erdbebens, von der Gewalt des Sturz bachs, von'der Wirkung der stürzenden Lawine, von der Mächtigkeit des Cy klon Sturmes, die das ruhig wirkende Naturleben durchbrechen. Es erscheint in der gewöhnlichen Anschauung dss in Ruhe wirkende Naturdasein als kraftlos und nur dasjenige mit Kraft ausgestat tet, was zerstörend und vernichtend dem regelrechten Laufe der Natur entgegen wirkt. Man darf sich daher nicht wun dern, wenn die von dichterischen Anschauungen erfüllten alten Völker gerade in den zerstörenden Eingriffen der Na turerscheinungen eine willkürliche Götter kraft erblickten. Der oberste der Götter mußte ein Donnerer sein, der den Blitz mit seiner Hand herab aus die Erde schleudert. Der Sturm mußte ein Gott sein, der aus derHöhle herausfährt, über Feld und Wald Vernichtung bereitet, der Sturzwellen im Meer aufthürmt und die Schiffe des ohnmächtigen Menschenge schlechte im Zorn zertrümmert. Auf diese Vorstellungen gründete sich die Furcht vor den Göttern, welche dieBasis der sogenannten Gottesfurcht bildelt. Neben den gefürchteten Göttern, vor de ren Kraft man zitterte, stellte sich dann auch die Verehrung und das Anbeten der Götter ein, welche wohlthätig in der Natur zu wirken schienen. Ein klarer Himmelsdom, von dem die Wolken ver scheucht waren, das Aufstrahlen des Mondes und das Leuchten der Sterne verleiteten zu der Götterverehrung, durch welche man vermeinte, die Gunst der
himmlischen Mächte erringen zn können. All diese Mißverständnisse über das Verhältniß des Menschen zu der Natur wurden wachgerufen durch die irrigeVor stellung über die Macht der Naturkräfte. So lange man die Kraft nach demMaß stabe der zerstörenden und vernichtenden Wirkungen abschätzte, die hin und wieder wie willkürliche Eingriffe :n den ruhigen Verlauf des Naturdaseins eintreten, so lange mußte die Natur als krastlos und die Götter als die Repräsentanten der Kraft erscheinen. Sei'.deni jedoch an die Stelle der herrschenden dichterischen An schauungen die Einsicht der Wissenschaft getreten ist, seitdem beginnt der dichter! sche Wahn von oer allmächtigen Götter Herrschast zu schwinden, und es trat an derenStelle das Streben, die nicht in die Augen fallenden Kräfte der schaffenden Natur kennen zu lernen, um zu begreifen, wie sich kleine Kräfte zu großen Wirkungen verbinden. Seitdem man weiß, daß der lauteste Schall nichts ist, als eine in Schwin gung versetzte Luftwellc, welche das sehr feine, dünne, schwache Trommelfell unse res Ohres erschüttert, fürchtet man den Donner nicht mehr. Der Schall, wenn er auch erschreckend auf uns einwirkt, ist keine mächtige Kraftäußerung eines ent rüsteten Gottes. Der Schall ist so ohn mächtig, daß er nicht einmal im Stande ist, ein Sandkörnchen wirklich von sei nem Orte fortzubringen, das wir durch den Hauch unseres Mundes fortblasen. Der Schall erschüttert die Ruhelage aller Gegenstände, welche von der Welle ge troffen werden; aber er vermag nur ein Erzittern der allerklcinsten Theilchen der Materie hervorzurufen und ist zu schwach, um eine fvrtbewegung zu erzeugen. Der leiseste Wind vermag öas Segel eines Schiffes zu schwellen und das Schiff aus der Wafferfläche dahin zu treiben; aber der allerstärkste Kanonendonner fliegt mit der Geschwindigkeit von 300 Meter in der Sekunde an dem Schiff vorüber, ohne es von dcr Stelle zu bewegen. Wie klein die wirkliche Krast des Schalles ist, das zeigt uns eine der schönsten Ersindungen unserer Zeit, das Telephon, ivelches den Schall meilenweit auf eine feine Eisenplatte überträgt, ohne daß unser Auge im Stande ist, das Erzittern dieser Platte zu bemerken. Man kann im Telephon in Verbindung mit einem Mikrophon einen Donnerschlag in Pots dam auch in Berlin hörbar machen, und zwar so stark hörbar machen, als ob es dicht neben dem Hörer, der sein Ohr mit dem Telephon bewaffnet hat, don nerte. Daß man da aushören muß, den allmächtigen Donnerer" zu fürchten, versteht sich von selber. Mit einer mächtigen Kraft scheint der Blitz ausgestattet; aber, wer es bedenkt, wie man mit einer sehr schwachen Lanze aus Metall, mit einem Blitzableiter, der kaum dicker zu sein braucht, wie ein Lei tungödraht an unseren Telegraphenstan gen dem Blitze schleudernden Jupiter den Weg seiner allmächtigen Geschosse anzuweisen und seinen Zornausbruch in ein harmloses Vergnügen zu verwandeln, der wird wohl einsehen, wie die kleinen Kräste des Blitzableiters mächtiger in der Wirkung sind, als der Zorn des Gottes, dem man die Allmacht des Him melö und der Erde zugeschrieben. Der Blitzableiter an der Kirche ist jetzt nicht mehr txvLt Ketzerei, als welche er zu An fang seiner Erfindung' nach frommen, gotteSfürchtigen Männern erschier.en ist.
Was aber steckt in dem schwachen Blitzableiter, das ihn mächtig genug macht, um den ZorneSboten des allmäch tig scheinenden Gottes die Marschroute vorzuschreiben ? Es ist eine kleine, sehr kleine, tief verborgene Krast, welche man elektrische Leistungssähigkeit nennt, vie in jedem Atom des Metalles steckt, daS den elektrischen Strom leitet. Und die se kleine Kraft ist groß in der Wirkung. Sie erzählt uns zwar nicht, was im Himmel vorgeht, aber sie bringt uns trotz aller Meeresgötter durch den Meeres abgrund per Kabeldepesche ganz genaue Nachrichten über daö, was in den sernsten Welttheilen passirt. Ein recht schlagendes Beispiel von der Kleinheit wirklicherKräfte und der Größe ihrer Wirkngen bietet uns die gesammte Telegraphie. Was sieht unser Auge in einer TelegraphenStation ? Da steht eine ' Reihe von mäßigen Gläsern gefüllt mit Flüssigkeiten, in welche zwei verschiedene Metalle einge taucht sind. Man nennt diese Sammlung von Elementen eine Batterie, die an sich ruhig dasteht und nicht die leiseste Spur einer Kraft verräth. Gleichwohl wiffen wir, daß man durch geeignete Einrichtungen im Stande ist, eine Wir kung dieser Batterie auszuüben auf ei nen Apparat, der sich an vierhundert Meilen jenseits de Weltmeeres in ei nem andern Welttheil befindet. Welch' andere unseren Sinnen sich verrathende Krast wäre wohl mächtig genug, um auf solche Entfernung eine Wirkung auszuüben? Keine Riesenkanone würde das vollbringen. Kein Vulkan würde in seiner Wirkung auch nur den zehnten Theil dieser Strecke mit seiner Kraft durchdringen. Kein Erdbeben, das ei nen ganzen Welttheil zertrümmert, wür de auf solche Entfernung bemerkbar wer den. Ja, ganz Europa könnte urplötz lich in einen Krater von Meerestiese ver sinken, und e3 würde sich dies Ereigniß in Amerika kaum an den Gestaden des Meeres durch einen heftigen Wellen schlag verrathen. Wenn jedoch in un serer TelegraphenStation zwei Drähte an der Batterie so eingerichtet sind, daß der eine in die Erde hineingeht und der andere den Draht eines Kabels berührt, der bis zu einer Station in Amerika reicht, so wirkt dies in so außerordentli chem Grade, daß man dadurch eine Ver ständigung zwischen Welttheil und Welttheil herbeiführt. Blicken wir nun gar noch auf dcn Stand der Mikrophonie und der Tele phonie, so dürfen wir mit voller Sicherheit voraussagen, daß die Zeit nicht mehr fern ist, in welcher man im Stande sein wird, durch die Kombination von äußerst kleinen Kräften Worte in Ameri ka deutlich zu vernehmen, die man in einer dazu hergerichteten Station in Eu ropa spricht, Worte mit gewöhnlicher Stimme gesprochen, welche mit unbewaffnetem Ohre man im Nebenzimmer der europäischen Station nicht mehr ver-
nimmt. Was sind die sogenannten großen Kräfte gegen diese Kombination der kleinen? Ist denn aber die Telegraphie wirklich eine Kombination von kleinen Kräf ten? Ist nicht die Elektrizität an sich selbst auch eine große Kraft? Vermag man ja durch Elektrizität Flammen zu erzeugen, welche dem Sonnenlicht an Krast nahe kommen? Ist man ja auch im Stande, durch den elektrischen Strom explosive Maffen zu entzünden, die Felfen sprengen ? Es mag sein, daß man gegenwärtig, wo man die mächtige Wirkung der Elek trizität vor Augen hat, stark geneigt ist, sie auch zu den großenKrüften zu zählen ; aber dieser Verwechselung vonKraft und Wirkung liegt dennoch eine irrige Anschauung zu Grunde. Die Kraft ist in Wirklichkeit klein, und nur durch eine wissenschaftliche. Kombination ist ihre Wirkung groß. Ein Blick auf die Geschichte dcr Elektrizität wird dies noch deutlicher darthuu, als alle bisher vorgeführten Beispiele. Nachdem Jahrtausende und Jahrtausende vergangen waren, in welchen die Menschen keine Ahnung von derExistenz einer elektrischenKrast hatten,bcgannen si oft vor wenig Jahrhunderten die Aus merlsamkeit aus die Eigenschaft einzelner Körper zu ricbten, welche durch Reiben ihrer Oberfläche die Fähigkeit erlangen, leichte Fäserchen anzuziehen und wieder abzusto' ßen. Durch eine glückliche Konstruktion und eine sinnreiche Eomposition dieser Fähigkeit kam man dahin, eine Elektrisirmaschine darzustellen, an welcher man zum Erstaunen aller Beobachter sah, daß sowohl die anziehende wie abstoßende Krast sich in Funken äußern, die blitzartig erscheinen und von einem Körper in den andern überspringen. Da kam ein feinsinniger Denker auf die kühne Idee, daß am Ende der Blitz aus dcn Wolken auch nur ein elektrischer Funke sein möge, der zur Erde herniederfährt, und man auch wohl diesen großen Funken so ab leiten könne, wie es mit dem Funken der Elektrisirmaschine der Fall ist. Es hatte sich kaum dieser kühne Ge danke bewahrheitet, da trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die wiffen schastliche Beobachtung mit einer neuen Kombination einer noch kleineren Krast auf, um schließlich durch sie eine ganz un geheure Wirkung zu erzielen. - Es ist dies der elektrische Strom der galvani scheu Elemente, welche wir bereits inBe tracht gezogen haben. Der Strom pflanzt sich imMoment, wo einLeitungs draht der Batterie den Kabeldraht be rührt, auf hundert, ja auf taufende von Meilen in einer einzigen Sekunde fort. Wie dick mag wohl der Draht fein, der solche Wirkung ausübt. Nun, Sie wis sen eS wohl Alle, daß der eigentliche Ka beldraht, die Seele des Kabels, welches .tief auf dem Grunde des Weltmeeres 'liegt, nicht dicker ist, als eine gewöhnliche Stricknadel, und der Draht aus der Batterie, welcher den Draht der Leitung berührt, ist nicht viel stärker als ein mä ßiger Stecknadelknopf, und gleichwohl sehen wir, wie diese Berührung von sehr kleinen Punkten die erstaunliche Wir kung aus viele, viele Hunderte vonMeilen ausübt ! Gegenwärtig ist die elektrische Wir kung in noch Viel höherem Grade durcb
die Anwendung von Magneten gestei gert. , Hierbei spielt nicht einmal eine Be rührung zwischen Eisen und Magneten die Hauptrolle, fondern nur dieAnnähe runa, und das Entfernen der beiden Theile des magneto-elektrischen Appa rates ist die Grundursache der wirksamen Ströme. Dabei ist die Kraft eines Magneten für unsere Sinneswahrnehmung so geringfügig, daß wir die Pole des allerstärksten Magneten mit der Hand berühren können, ohne auch nur eine Spur von der Kraft zu merken, die in demselben schlummert. Wenn wir nicht wiffen, daß wir einen Magneten in Händen haben, sind wir nicht imStande, durch unsere sonst Zo seinen Sinneswerkzeuge den existirenden Magnetismus nachzuweisen. Man sieht den Magnet' ismus nicht, man' hört ihn nicht, man sühlt, man schmeckt und riecht ihn nicht, und gleichwohl hat er eine gewaltige Macht, wenn man ein Stück Eisen in seine Nähe bringt. Es tritt hier also eine ganz immense Wirkung in einer für unsere Wahrnehmung ganz und gar unmerklichen Kraft auf. Aber nicht blos in den physikalischen und chemischen Erscheinungen erweist es sich, daß kleine Kräste große Wirkungen ausüben, sondern auch in den lebenden Gebilden der organischen Welt spielen die kleinen und kleinsten Kräfte eine Hauptrolle in der Wirkung. Bevor uns die Naturwifsenschaft einen Abschluß über das Wachsthum einer Pflanze gab, hatte man keine Ahnung davon, daß Millionen und Millionen von ganz kleinen Kräften hierbei thätig sind. Erst das Mikroskop lehrte uns, daß selbst im kleinsten Blättchen einer kleinen Pflanze Tausende von ganz kleinen Oeffnungen vorhanden sind, in welche die unendlich kleinen Atome der der atmosphärischen Lust eintreten und wieder austreten. In unserer Atmosphäre befindet sich eine sehr geringeSpur von Kohlensäure, deren Existenz wir nur durch die feinsten und empfindlichsten chemischen Untersuchungen nachweisen können. Aber die äußerst feinen Oeffnungen in jedem Blättchen der Pflanzen welt verstehen die Kunst, die Kohlensäu re einzusaugen, die Kohle dabei in sich auszunehmen und zurückzuhalten und den Sauerstoff wieder auszuhauchen. Die Säfte der Pflanze, welche von der Wurzel in außerordentlich feinen Kanälen aussteigen, werden dadurch kohlenhaltig, und dieser Kohlenstoff bildet den Haupt bestandtheil der Festigkeit der Pflanzen, das Holzgerüst, das zu ihrer Existenz unumgänglich ist. Es lebt und wächst der allerkräftigste Stamm des riesigsten Baumes nur von den außerordentlich kleinen Kräften heran, die in den dem gewöhnlichen Auge ganz unmerkbaren kleinen Oeffnungen der Tausende von Blättern cxistilen, die in die Luft hineinragen. - Die Kraft ist klein ; aber die Wirkung der kleinen Kräfte ist groß.
Steiniget sie. Das Unglück stirbt nicht aus. Vor einigen Tagen war im wiener Gerichts saal wieder eines jener Familienbilder zu fehen, die in die große Galerie vom menschlichen Elend gehören. Ein jun ges Weib hatte einen flüchtigen Augen blick lang von Glück geträumt. Es blieb ihr nicht einmal so viel Zeit, um einige kümmerliche Brosamen von die sem Glück zu erHaschen. Dann legten sich schwere, nächtige Schatten auf ihr Leben, die drückten und drückten rastlos. Die Ehe wurde ihr zu einer unerschöpfli chen Quelle der Leiden. Sie mußte die ganze Stufenle'ter der Schmerzen durchmachen, die ein Weib unglücklich machen können, von der Verletzung ihrer unschuldigen Eitelkeit angefangen bis zu dem Jammer, sich und ihre unmündigen Kinder, vom eigenen Manne schrecklich mißhandelt, aus dem Hause gejagt und dem Hunger preisgegeben zu sehen. Das Ende war Ehebruch. Theresia Erle war von ihrem Manne wegen Ehebruchs verklagt worden. Bei dem Eintritt in das Gerichtszimmer zit terte sie fo heftig, daß der Richter ihr mitleidigen Tones gestattete, sich sitzend zu verantworten. Der Kläger Gustav Erle war selbst erschienen, um die Anklage gegen seine Frau zu führen ; er hatte sich ein Strafgesetzbuch mitgebracht und zitirte daraus im Laufe der VerHandlung unermüdlich den Paragraphen Fünfhundert und zwei. Mit böser, hei serer Stimme siel er jedesmal, wenn seine Frau eine neue Seite ihres Un glucks aufdeckte, ein : Aber 502 Mit demselben unversöhnlichen Aus druck in Wort und Miene antwortete er dem Richter aus jede Frage : Aber 8 502...." Es schien, als ob der Mann von keinem anderen Gesetze je gehört habe, als von dem 8 502, und als ob alle Freude und alle Wonne für ihn darin bestehe, daß seine Frau verur theilt werde nach diesem 502. Sie wurde aber nicht verurtheilt. Die unglückliche junge Frau erzählte unter Thränen, mit leiser, klagender Stimme die Geschichte ihres Falles. Wir sind' jetzt sechs Jahre verhei rathet," sagte sie, für mich war es aber eine böse Zeit. Ich war siebzehn Jahre alt, als ich mich in ihn verliebt, siebzehn Jahre erst, was konnte ich damals viel ahnen ? Er hat sich ein Spielwaarenge schäst eingerichtet mit meiner Mitgift, es ging aber schlecht. Da hat er haben wollen, daß ich die Eltern noch um Geld bitten soll. Anfangs ist es gegangen, dann aber haben dieEltern immer schreck lich geweint. Mein Kind," hat mir der Vater gesagt, .wie soll ich Dir hel fen, wir haben ja schon selbst nichts mehr, wir haben Dir Alles gegeben. Dir und Deinem Mann." Er hat mir aber nicht glauben wollen, wenn ich nach Haus gekommen bin nnd gesagt habe, der Vater ist ganz arm geworden. Und da hat er mich zu schimpfen angefangen und hat immer geschrieen : Was? sie wollen nichts hergeben? da kannst Du wieder zu ihnen zurück. Ich hab' Dich nicht Deiner Schönheit wegen genom men, Geld hast Du nicht, schön bist Du nicht, hinaus mit Dir, Du Luder, hin aus Canaille." So hat er geschimpft, keine Schlechtigkeit, die er mir nicht zu gerufen hat. Jetzt habe ich ein Kind bekommen, aber er. hat sich nicht daraus
umgeschaut und hat das Kind geschla gen, daß es ein Jammer war. Einmal aber hat er das Kind so schrecklich geschlagen, daß es halbtodt war, es ist ganz blau geworden im Ge sicht. Das hab' ich nicht mehr aushal ten können. Ich bin aufgesprungen und hab' mit ihm gerauft, daß er das Kind in Ruh laffen soll. Da hat er mich an den Zöpfen ergriffen und zu Boden gestoßen und mit beiden Fäusten geschlagen. Und von nun an war das mein tägliches Brod: Schlage und Schläge und nichts als Schläge. Ich hab' den Schmerz verbissen des Kindes wegen.Endlich, als ich wieder in anderen Umständen war, haben die Hausleute gesagt, ich muß fort von ihm, fönst geh' ich zu Grunde. Ich bin also fort und habe bei meinen Eltern entbunden. Wie ich wieder zurückkom',was seh' ich?Er hat sich eine Wirthschaften genommen und lebt mit ihr und will sie nicht weglaffen und will mich nicht weglassen. Da hab' ich in meinem eigenen Hause Dienstbot' sein müffen. Er und die Wirthschafterin haben in unseren Betten geschlafen, die Kinder aber und ich haben in der Küche schlafen müffen, und ich habe ko chen und einkaufen und die Kleider und Stiefel putzen müssen, ihm und seiner Geliebten. Wenn ich gedroht habe, daß ich das nicht ertragen kann,dannSchläge und Schläge und nichts als Schläge. Und ich hab' Alles für die Kinder er tragen. Endlich hat's mein Vater durchgefetzt, daß ich von ihm geschieden wurde. Ich bin seine gischiedene Frau, und er klagt mich jetzt vor Gericht Ja, ich hab' die Ehe gebrochen, Herr Richter, der Joseph Buber, mit dem ich eine kurze Zeit ge lebt habe, der hat mir ein Geschäft ein gerichtet der hat meine Kinder monate lang ernährt, er -war gut' und treu und ein goldenes Herz und hat meine Kinder lieber gehabt als ihr eigener Bater." Das Beweisverfahren ergab die volle Wahrheit der Aussagen der Angeklagten. Es ergab aber auch, daß diese ihr Verhältniß zu Buber schon vor mehr als
acht Monaten gelöst habe. Demgemäß wurde Therese Erle wegen Verjährung des Deliktes freigesprochen. Frevelhafte ttindertrachten. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die Social-Korrespondenz" folgenden sehr beherzigenswerthen Artikel: Schon oft ist man in den Kampf gegen unsin nige, unsittliche und gesundheitswidrige Kindertrachten eingetreten häufig vergebens, zuweilen aber doch mit Erfolg. So mögen denn hier wieder einmal ei nige Mahnworte zum Schutz der Kinder, zunächst der kleinen Mädchen und mit ihnen zum Besten des ganzen jungen Geschlechts eine Stätte finden. Schon seit Jahren ist die schnöde Unsitte der ganz kurzen Kleidchen für kleine Mäd es en eingerissen. Als sie auskam, gingen die Damen noch in Schleppen einher, man fand es vernünftig, daß wenigstens die Kinder Kleider trugen, in denen sie sich frei bewegen und tummeln konnten. Aber dieser Zweck wird doch nicht min der erreicht, wenn die Röckchen eine Hand breit üver dem Fußknöchel enden, statt wie jetzt kaum die Knie zu bedecken, an denen auch alle Unterröckchen und Höschen enden. Das sieht nicht blos häßlich aus und ist ungesund denn wenn auch Strümpfe oder Gamaschen von Wolle die Beine bis über die Knie zu bedecken, ist es doch kein ausreichender Schutz ge gen Erkältung im Winter, namentlich des Unterleibes sondern das Schlimmste, was der weiblichen Jugend geschehen kann : es läßt das Gesühl der Scham nicht aufkommen oder ertödtet es, wo es vorhanden. Leider sahen wir nun aber gar nicht blos ganz kleine, sondern auch Mädchen bis zu zehn und zwölf Jahren in solch anstößiger Tracht, welche im Laufen und Sitzen die Hülste des Kör pers den Blicken preisgiebt. Werden die Kinder da von rohen Straßenbuben verhöhnt und beschimpst, wie es oft vor kommt, so haben nicht diese, sondern die Eltern, die ihre Kleinen so auf die Stra ße schicken, die Hauptroheit begangen und die daraus folgende veranlaßt. Bricht nun ein so fein gekleidetes Mädcken der gebildeten Stände dabei in Thränen aus. so sind das nicht Thränen erwachender Scham, sondern desAergers und Zornes, daß ein gemeiner Straßen bube das Modedämchen verspotten darf. Damit verhärtet sich die Schamlosigkeit noch und steigert sich zum Standesdün kel. Daß gerade in den letzten Jahren an Kindern begangene Verbrechen der schändlichsten Art sich auffallend vermehrt haben, ist bekannt. Liegt da nicht der Gedanke nahe, daß zwischen diesen Ver brechen und jener Kindertracht ein ur sachlicher Zusammenhang stattfinden könnte ? Was steht von einer Kindheit zu erwarten, die nicht schamhaft erzogen wird V Das kürzlich n ied er g e brannte Arcadia-Theater in Petersburg war das hübscheste Sommertheater der Stadt. Der Brand entstand zur Mittagszeit, in einer Pause zwischen den Proben, und zwar durch das Offenlassen eines Gashahnes in der Garderobe der Schauspielerinnen. Andererseits geht auch das Gerücht von Brandstiftung. Zwei verdächtige Personen wurden am tirt. Nichts ist vom Theater gerettet worden. Es sind werthvolle Requisiten, Kostüme und Instrumente verbrannt. DaS Feuer griff in dem ausgetrockneten Holzbau so rasch um sich, daß die Net tung der Bühnenrequisiten absolut un denkbar war. Der Verlust beträgt eine halbe Million Rubel. SchweizerVolksglauben. Wenn Jemand bei einer Tenne, wo die Drescher bei der Arbeit sind, vorbeigeht, so kann er deren Anzahl ermitteln, wenn er scharf auf den Rhythmus der Dresch flegel achtet. Sind ihrer zwei, so klingt es, als sagten die Flegel: Barthol, Barthol l"; bei dreien hört man : Bar tholo, Bartjolo !; bei vieren : Bartho lomä, Bartholomä " und bei fünsen : Bartholomäus, BartholomäuS !" Es soll das der Grund sein, weshalb die Drescher diesen Apostel als ihren Schutz heiligen verehren. i
Wohlgemeinte Warnungen für Bä
ckergesellen und Solche, die es werden wollen. Sei BLckereien und Conditoreien betrug die Unfallzifser, auf 100,000 männliche Per, fönen reduz,rt, 1215, bei Cteinköhlenberg werken 767. Geh. Rath BL dtker, Unfallstatistik deS deutschen Reiche? , für daJahrl58l. Einleitendes. Der Bergmann, der beim Grubenlicht Im Bergesschooß die Kohle bricht, Wol)l ist er von Gefahr bedroht. Und stets umlauert ihn der Tod. Allein viel schlimmer ist daran Der wackre, heldenkühne Mann, Der sich frisch, fröhlich, fromm und frei Geweiht der edlen Bäckerei. Wer mit dem Backen sich befaßt. Dem sag' ich warnend : Aufgepaßt! Die Gefahren des Backtrogs. Wenn in dem Backtrog stark und wild Der Teig inGährung schwillt und quillt. So hüte dich zu, deinem Frommen, Demselben allzu nah' zu kommen. Bringst du zu nah' ihm dein Gesicht, Verlierst du leicht das Gleichgewicht Und mit dem Hanpte fährst du gleich Ties in den weichen Unglücksteig. Dann kannst du leicht um's Leben kommen, Weil dir die Athmung ist benommen ; Eh' zehnmal deine Uhr getickt, Bist du im Teige dann erstickt. WZ D'rum sag' ich : Vorsicht allezeit ! Der Teig ist keine Kleinigkeit. Die Gefahren desOfens. Kommt aus dem Ofen gar und braun Das Brot gar lieblich anzuschau'n, So kriecht der wackere Gesell Wohl selber in den Ofen schnell, Daß er zum Lohne seiner Schläue Sich schlasend d'rin der Wärme freue. , Nun habe weislich daraus Acht, Daß er nicht wieder wird entfacht. Indeß du still und, ahnungslos Noch ruhst in seinem dunklen Schoß; Es würde bald, du kannst es glauben. Dir Qualm und Gluth das Leben rauben. Die Gefahren des frischen Brotes. Gar Mancher gibt dem Brot den Preis, w i m , . V f Wir aus oem jen lommr noa) yein; Er fraat nicht lang, ob's auch gefund. Und schiebt es dampfend in den vschhmd. Doch :st's, das sollst du nie vergeben. Gefährlich, heiles Brot zu cssen. Weil sich's im Halse nur zu leicht Zum Klumpen ballt, dcr nimmer weicht. Was du genossen zur Erquickung, Bewirkt dann schmähliche Erstickung. D'rum zähme deine Eßgcfühle, Bis sattsam, sich das Brot verkühle. Die Gefahren der MehlMischung. Dein Meister setzt vielleicht in Ruh' Dem Mehl ein 'wenig Schwerspath zu. Das fördert die Gesundheit nicht. Doch wirkt cs günstig auf's Gewicht. Dann kauf dein Brot dir frifch und frei In einer andern Bäckerei, Denn besser ist's, du wirst's ermessen. Daß And're deinen Schwersvath essen, Als daß du selber dich verdirbst Und an dem Mincralmchl stirbst. Schluß folg erung. Befolgst du diese Lehren treulich. So sind die Folgen höchst erfreulich. Du kömmst trotz des Berufs Gefahren Gesund und frisch zu hohen Jahren, Und ziehst, hast du gemacht dein Glück, Dich fröhlich als Rentier zurück. Herr Bödiker, so klug und listig. Muß gänzlich ändern die Statistik. Du lachst im sichern Bäckerhaus Den Bergmann in der Tiefe aus. (Kladderadatsch.) Vor Gericht. Richter : An welchen Orten haben Sie die letzten drei Monate vor Ihrer Verhaftung gearbeitet?" Angeklagter : Verzeihen Sie, Herr Richter, das weiß ich nicht mehr, weil ich unter falschem Namen lebte." Ein neunzigjähriger Bauer aus einem Dorfe ist zur Ceremonie der Fußwaschung berufen, und entschließt sich, den Weg dahin zu Fuß zu machen ; sein Sohn, ein angehender Siebziger, begleitet ihn. Unterwegs wird der Sohn müde und will ein wenig ausruhen. Ja, ja," sagt der Vater, so. geht's, wenn man so an' Lausbub'n mitnimmt !" Beim Militar-Examen. Unteroffizier : Durch was wird un sere Armee gestärkt ?" Soldat : Wenn jeder Mann täglich ein Glas guten Cognac erhält !" Unteroffizier : Schafskopf! Unsere Armee wird dadurch gestärkt, wenn sie um so und so viel Regimenter vermehrt wird !" Sinnreicher Taufname. Weißt' Frau, wie unser kleines Mädele heißen foll ? Weil wir jetzt sieben Jahr auf ein Mädele gelauert haden, fo soll es Laura heißen." Technische Ausdrücke für Haue n". Die Schneider sagen: Jemand in die Scheere nehmen und ihm ordentlich die Rocknähte ausbügeln ; die Färber : tüchtig bläuen; die Schuster : garstig ver sohlen; die Gerber : tüchtig walken und den Pudel gerben ; die Landleute : dre schen; die Zimmerleute: verkannten ; die Schlächter : die Hammelbeine lang ziehen; die Cigarrenarbeiter: vertobcken ; die Musikanten : eins aus dem ff ausblasen. Heirathsgut. A: Herr Baron, Sie werden entschuldigen, daß ich Sie um ein kleines Darlehen bitte." B: Aber Sie sagten ja neulich erst, datz Sie noch 3000 Gul den hätten." A. .Das ist allerdings richtig, aber da kann ich nicht d'ran." B: Wie so A: Ja wissen Sie. Herr Baron, die Sache mit den 300 Gulden verhält sich so : Als ich meine Frau heirathete, sagte sie zu mir : Mein lieber ?l!phons. Du bist mir so lieb wie 1000 Gulden !" Und Du", sagte ich, wie 2000 !" macht 3000 Gulden." ,
D' StadlMilli.
(Altbayerisch.) Bei'm Vkichtcnbauern z' Esclenborn San' d' Kuh' im Stall g'rad' g'mollÄ or'n; Dcr Bauer find't si' pünltli' ein. Und schütt' in d' Milli Wassa 'nein. Die Bäuerin, die woaß des net. Daß aa' ihr Mann des G'jchäft vcrstcht, D'rum macht sie's, wie der Wirth bfe Wein, Und schütt' in d' Milli Wassa 'nein. Da älta Milliöua is schlauch, Der woaß was bei die Dienstbots Brauch. Er werd ja do' sei' Ausnahm' sein Und schütt' in d' Milli Wassa 'nein. Die Köchin braucht für ihren Schah A' Bschorcsgeld die falsche Katz' ! D'rum kaast s' nur blos die 'Häls! ein Und schütt' in d' Milli Wassa 'nein. Die Haussrau möcht' halt allwci' spar' Sie is m alle Stuck' erfahr', Geht hinter ihrer Köchin d'rein Und schütt' in d' Milli Wassa 'nein. Brüahwarm vom Institut heraus, Is aa' die älta Tochta z' Haus, Die möcht' halt aa' schon häusli' sein Und schütt' in d' Milli Wassa 'nein. Der Vater aber bci'm Kaffee hat von dem Allen kei' Id:e. 3a heut' zu Tag", spricht zorniq er, Taug'n selbst die Kuh' kein' Teufe! mehr!" Alte Kinder. Fritz: 2?ie alt bist Tu denn. Ella?Ella: Sechs Jahre." Bruder: Sie lügt. Im nächsten Monat wird sie sieden Jahre." Fritz : O diese Werber ! Immer wollen sie jünger sein !" Zuvielverlangt. Ein Franksurfer Kaufmann hat seiner? Berliner Geschäftsfreund nach Sachsen Hausen geführt, um ihm als Kuriosität eine Weinkneipe zu zeigen, wo man den. Schoppen für 25 Pfennig trinkt. M i Kennermiene schlürft der Berliner derr Wein und wendet sich mit Gönnermien c an den in der Nähe stehenden Wirth z Herr Wirth, bitte, was für ein Jahr gang ist denn dies ?" Da stemmt der dicke Wirth büdeHando in die Seiten una schnauzt den gan verdutzten Frager an: Was! Sie wolle' for Ihr' lump g' 9 Kreizer auH noch e' Jahrgang hawe V4 Empörend. Ah, da hört sich aber doch Alles auf l Sie. sitzen hier im Weinlokal und verzehren einen Kalbsniercnbratcn mit Endiviensalat! Ja, da ist's freilich keir: Wunder, wenn Sie genöthigt sind, mich: wegen der lumpigen zn?ci Anzüge seit, bereits drei ahre::" alle Tage mahn ew zu müssen !" Unverbesserlich. Richter : Wegen Hazardspiel sind' Sie zu zwei Wochen Arrest vcrurthellt." Spieler (in die Tasche greifend unh dem Richter ein Spiel Karten zum Abheben hinhaltend): Bier Wochen oder nichts !" Der nie verlegene Feld w e b c l. Gefreiter (im Austrage des Haupt--manns) : Herr Feldwebel, hcuteMittag sollen die Helme mit Wachs bestricher und dann lackirt werden." Feldwebel: Geh', lassen S' mify aus mit so an' einfältigem Gefchwät?,. nur ein E. . . . (hustet) nur, Sie können so 'was saa'n : zuerst mit Wachs cinreiben und dann lackiren, dös is a' Dummheit " fäeWe'iier ' if finfi' mir rtfhrtrfit fSfrr ' I " " (TV-" j J ' CI Feldwebel, es " Feldwebel: Sie Grasteuscl, Sie kab'n nix zu denken, Sie pflichtvergesse ner Mensch, was haben Sie zu denken T Ein vernünftiger Soldat hat überhaupt, nichts zu denken; wollt' mal sehen, wa? das sür eine Armee wär', wenn ein Je der was denken wollt, für was wär" denn nachher 'S Reglement; aber so srecher Gefreiter : Der Herr Hauptmanrz hat's ja g'sagt, Herr Feldwebel !" Feldwebel : Was, der Herr Hauptmann ? Warum sagen Sie denn dös mt gleich, dann ist es Compagniebefehl, iifiejr den kein Mensch hinauskann; es hat auch feine vollständige Richtigkeit, ja wohl; erst mit Wachs bestreichcn, dannlackiren, ganz richtig; der err Haupt mann treffen immer das Beste, es leucht tet mir vollständig ein, aber so einend beschränkten Menschen wie Ihnen lana so 'was nit einleuchten, denn sonst tbnn ten S' net so dumm's Geschwätz füh ren, Sie Einfaltspinsel, treten S'' ab ! Wie ma' nur a' solche Kamee (hustet) an' solchen Kameraden zu an5 Gefreiten machen kann " Beim Abfchlußdes Ehe. Contraktes. Bitte, Herr Bräutigam, eine Renten' auszusprechcn, welche Ihre Frau, resp Braut, von Ihnen im Falle einer Schcv dung zu erhalten hat." . So 'was kann nix vorkimmen, Herr Notar, so was kimmt nix vor." Aber es wird ausdrücklich eine solche Summe sür den Ehekontrakt gefordert." Mit so 'was kennten Sie nur belei digen mane Braut; hob' ich schon ge sogt, so 'was kann nix vorkimmen. Also, um wenigstens der Form zu genügen, sagen wir einen Gulden ver Tag So 'was kann zwar nix vorkimmen, aber sagen mer sünfzig Kreuzer Hinter den Coulissen. Erste Liebhaberin : Sie wissen doch, Herr Direktor, daß ich heute auf die Re. doute gehen will, wann bekomm' ich denn endlich einmal den schwarzen Do mino - Theaterdirektor : N''' L'be. Sie sehen d' als Mantel dient -Zimpel als wir damit ' er Jh!.' ' f - - nc
