Indiana Tribüne, Volume 4, Number 407, Indianapolis, Marion County, 30 July 1882 — Page 2

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Der Fanatiker.

cCjHUuig ,n jei Abtheilungen von S5()uitt ZTZSUHausc. (15. Fortsetzung und Schluß.) So wären wir fertig, kehrte er sich orfcjörn zu; ich war im Voraus überugt, daß bei dieser Zusammenkunft cichi viel herauskommen würde. Und so Ändert Sie wohl nichts mehr, JhrenObLezenheiten auf der Mistletoe zu genü- ? Wir sind noch nicht fertig, nahmThorbjsrn wieder das Wort und wie eine unbringende Wolke lagerte es auf seiner Stirn, daß es selbst Brandvold unheimanwehte. Gegen die Gründe, deren srir uns bisher bedienten, Sie nachgiebig stimmen, sind Sie unempfindlich geSlisben, und so muß ich denn zu einem äderen Mittel greifen, welches kaum -seine Wirkung versagen dürste. An mich 3b Ihre edelherzige Schwägerin denke -Ich dabei nicht. Fern sei es von mir, mich fr erlittene Unbilden rächen zu wollen, 2u5 Rache Sie zu zwingen, das Karen asb Ihrer Tochter verpfändete Wort ein-5-zIbstn. Also auf diesem Felde wollen Sie vercken, mich einzuschüchtern? fragteBrandvzoib wie bedauernd. Gut, lassen Sie hören denn ich muß wohl, so 'nge etc Uebermacht noch auf Ihrer 'Heile ist und Sie mir wehren, mich von xi:v zu entfernen. Za, ich wehre es Ihnen,, bestätigte Shcrbjörn drohend, und so frage ich iznw : Wo ist die älteste Tochter Ihrer Äsrstorbenen Frau geblieben, nachdem sie 3cn deren Mutter in wilder Verzweiflung iind um sie vor dem Mormonenthum zu wahren, hier an dieser Küste zurückgelassen worden ? Qkxn antworte ich darauf, soweit ich "im Stande dazu bin, versetzte Brandvold bedachtsam, als hätte er diese Frage be-seit-erwartet ; gewiß, sehr gern, obwohl -ch ebensogut einfach ablehnen könnte, Ähnen ferner Rede zu stehen. Nachdem steine verblendete Frau der Gott ver pichen möge im Irrwahn das Kind zu meiner Stunde ausgesetzt hatte, in welcher nser Schiff Anker lichtete, war es mir den Augen gekommen. SeinenAufcnihaltscri, welchen man streng vor mir verheimlichte, erfuhr ich erst in späteren Jahren. Ich ließ damals und auch neuer'tin$ ?.''.chforschungen nach ihm anstellen, betheiligte mich sogar persönlich an denselben, und das Ergebniß war, daß die 'Jrau, welcher es zur Pflege übergeben ??urde, seit vielen Jahren todt und das ..Kind ebenfalls todt oder verschollen sei. Ich könnte Ihnen beweisen, daß Ihre Nachforschungen nur beiläufig betrieben wurden, erwiderte Thorbjörn mit ver'haltenem Grimme, vielleicht auch nur eineni materiellen Zwecke dienten, doch das .fällt heute nicht mehr in die Wagschaale. 'Nein, denn dringendere Fragen treten -auf. Zu7,chst: Wo blieb das Verniözen des verstorbenen oder verschollenen Kindes ? Ich hebe indessen ausdrücklich -hervor, daß ich an unser jetziges Gespräch .die Hoffnung auf eine gütliche Einigung knüpfe, die Hoffnung, Ihnen binnen kurj2r Zeit den Weg nach Ihrem adoptirten Äaterlande freigeben zu dürfen. ehr großmüthig, antwortete Brandöold spöttisch, ich könnte dem unberufenen -Zrager den Rücken kehren, allein ich will auch den Schein meiden, als hätte ich irgend etwas zu verheimlichen oder zu bereuen. Ueber den weitaus größten Theil uhres Vermögens verfügte meine Frau -selbst, indem sie es mit dem Karen'S ver- - einigte. Ich ließ es aus besonderen Nück- ' Achten geschehen. Den Rest verwaltete -'ich für meine Tochter Helga. Sie ist die unzweifelhafte Erdin des Ganzen. Da Äiel'e Frage einmal angeregt wurde, gehe ich noch einen Schritt weiter. Die Toch--ler meine? Frau aus erster Ehe ist seit eier langen Reihe von Jahren verschollen. Einer Todeserklärung steht also nicht im Wcge. Ich fühle mich daher veranlaßt, eine Forderung zu erheben, welche, hätte -man mich ungehindert abreisen laffen, "vielleicht allein der Begutachtung und -Entscheidung meiner Schwägerin anheimgegeben worden wäre. Ich verlange dämlich die Aushändigung alles denen, sjoa einst für das verschollene Kind be--stimmt wurde, ich verlange es auf Grund Äer leicht zu erwirkenden Todeserklärung und als rechtlichen Erbthcil meiner Tochitt Helga. Nichts soll dem theuren Kinde vorenthalten werden, versektc nunmehr Karen flehentlich, zu dem Erbthcil ihrer Mutter -will ich ihr noch meine eigene Habe zusichern nnd die ist nicht gering. Brandvold, nur gib Deinen Widerstand, Dcinen ungerechten Widerstand auf: lcßmir Helga, ich bitte Dich darum, nnd sobald ich nicht länger zweifeln darf, daß ihre ällere Stiefschwester wirklich gestorben, trete ich alles, alles an sie ab ach, BrandDold, was gibt es d?nn für mich in der Welt, das ich nicht mit Freuden der TochUx wenn nicht den Töchtern meiner -armen todten Schwester opfern möchte ? Thorbjörn, welcher Karen, so lange sie sprach, mit einem unbeschreiblichen Ausdruck tiefer Verehrung und Zärtlichkeit betrachtet hatte, lehrte sich jetzt, bevor er zu antworten vermochte. Brandvold wie2er zu. Die milden, versöhnlichen Worte KaTen's scheitern an Ihrem verhärteten Ge'.nüth. an ?ibren starren religiösen Anschauungen, hob er mit strengemRachdruck an ; jz, ich lese es aus Ihren Zügen. Und so muß ich denn für sie eintreten, die mit ttler Selbstlosiakeit dem Vater velga's noch manche Demüthigung ersparen 'znocyle Demüthigungen? Mir? fuhr Brand vold leidenschaftlich auf, gewann aber zogieicu jeinc Selbstvcyerrlchung zurück. 'Vielleicht noch mehr,antworteteThorb 'jörn zuversichtlich, ich klage Sie jetzt des sen an, was ick vorbin nur beiläufig er wähnte ; ich klage Sie an, nichts weniger als ausgiebige Nachforschungen nach dem Kindengestellt zu haben daß Sie nach einer Todeserklärung strebten, nur um die Hand auf das Vermögen jenes Kindes zu legen. Denn wären ?ikren Nachfor schungen ernstlich gemeint, so hätten sie .vieueicyr einen anderen Erfolg ergeben. Ihre sinnlosen Anklaaen können mich nicht verletzen, aber sie verdienen, daß ich

den Verkehr mit Ihnen abbreche, versetzte Brandvold geringschätzig; doch ich bin ja Ihr Gefangener, muß nothgedrungen eine 'J&atMxt tttitjkl? Wohlan, seit dem

Tode der Wittwe Engelid und Ihr

junger Gehülfe ist mein Zeuge hörte man mchts mehr von dem Kinde ; sollten die verstrichenen vielen Jahre denn noch nicht zu einer Todeserklärung genügen? Nem, ste genügen nicht, erwiderte Thorbjörn rauh. Hier, Ihre Schwägerin, von der am wenigsten behauptet werden darf, daß sie nicht mit ganzem Herzen an ihrer Schwester und ihren Kindern gehangen hätte, kann und will sich bei solchen oberflächlichen Nachforschungen nicht beruhigen. Sie bedarf der Zeit und der Begleitung Helga's, um die Spnren jenes Kindes auszukundschaften und denselben nachzugehen, bis sie an das eine oder das Ziel gelangt. Von Ihnen aber fordert sie den Talisman, jenen alten Familienschatz, zurück Ich habe den Schmuck nicht gesehen. seitdem Helga's Mutter ihn an ihrem Hochzeitstage trug, siel Brandvold bestürzt ein ; ging er verloren, so geschah es durch ihre Schuld, und sie mag ihn meiner Tochter ersetzen. Sie iahen ihn nickt, bestätigte Thorbjörn, und noch weniger hielten Sie ihn in Ihren Händen. Und dennoch fordere ich Sie aus, ihn zurückzuerstatten. Oder wollen Sie leugnen, daß schon auf dem Tyln-Sce Ihre Agenten und Spione den Versuch unternahmen, denselben Ihrer Schwägerin zu entwenden, und es nur einem glücklichenZufall zu verdanken war, wenn sie das falsche Futteral ergriffen ? Wollen Sie leugnen, daß Sie die beiden gewlenlo en Schurken, den Llstad und den Gullik, beauftraaten, nicht nur Karen und Helga hinterlistig von einander zu trennen, sondern auch den schätz gemalt)am zu rauben 5 Wohlan, der zweite Versuch gelang besser ; aber der Räuber des Talisman liegt sammt dem Schatz in einer Eisspalte bes Sughelle-Gletschers begraben. Dorthin gerieth er auf Ihre Veranlassung ver Schurke sprach es ja deutlich genug aus und Sie sind es daher, von welchem die Rückerstattung des Geschmeides m:t Fug und Recht gefordert wird. Bei dieser Offenbarung entfärbte sich Brandvold. Die Bestürzung drohte ihn zu übermannen, und ein Weilchen dauerte es, bevor er zu antworten vermochte. Den ersten Versuch leugne ich nicht ab, sprach er, sichtbar ergriffen von dem Verlust des Segen spendenden, kostbaren Familienschatzes, denn wo mir das meiner Tochter gebührende Erbstück vorenthalten wurde, verwandtschaftlichcRuckuchten aber mich hinderten, die Angelegenheit dem Spruche eines Richters zu unterwerfen. da war es gerechtfertigt, wenn ich zu anderen Mitteln griff. Hat hingegen ein Raub stattgefunden, so stehe ich demselben fern. An dem ersten Versuch hatte ich genug. Einen zweiten wollte ich nicht. brauchte ich nicht zu unternehmen, denn oo heute oder morgen oder nach zehn Jahren : das Erbstück wäre meiner Tochter ohnehin zugesallen. vitm, es wäre ihr nicht zugefallen, ver setzte Thorbjörn herrisch, und daß es verloren ging, lege ich Ihnen allem zur Last. Der Todte kann freilich nicht mehr als Zeuge gegen Sie aufgerufen werden. Sie dagegen haben Ihre Hand nach fremdem Eigenthum ausgestreckt und sind für den Verlust verantwortlich. Wohlan, entqcanete Brandvold leiden schaftlich, obwohl Ihre Anklagen mir nur zum Theil verständlich und ich mich frei von jeder Schuld weiß, will ich die Verantwortllchleit dennoch übernehmen. Ging der Schatz verloren, so tnnt der schaden nur mich und meine Tochter. Frei von Schuld ? fiel Thorblörn ergrimmt ein. Wollen Sie diese beiden Zeugen Lügen strafen ? Karen, welche nur mit Muhe aus der kenternden Yacht gerettet wurde, wohin Gullik sie brachte. nachdem er unter Berufung auf Ihren Auftrag sie gewaltsam beraubt hatte, und Olaf, welcher ihn aus der Flucht mit seiner Beute in dem Eisabgrunde verschwinden sah 5 Ich beschwöre, daß ich an dem Raube unschuldig bin, erwiderte Brandvold, der jetzt erst den Umsang der gegen ihn erhodenen Anklagen zu begreifen schien, zugleich aber auch einsah, daß es ihm schwer gelingen würde, den Verdacht von sich abzuwälzen, die beiden Schurken: wie zur Trennung Karen's von Helga, auch zu deren Beraubung gedungen zu haben. Was gelten unsSchwüre ? suhrThorbjorn unerbittlich fort; hatten Sie nicht ähnlich bekräftigt, Ihre Tochter über ihre Zukunft selbst entscheiden zu lassen ? Sie nicht zu zwingen, in Familienvcrhältniffe einzutreten, welche der Gesittung, ha, der Sittlichkeit Hohn sprechen Sie ist Mormcnin, Tochter eincöMormonen! unterbrach ihn Brandvold, plötzlich von wildem Fanatismus ergriffen, und er erhob die Hand, wie Gott zum Zeugen anrufend sie ist eine Jüngerin des einzig wahren Glaubens mag sie immerhin, jedoch nicht durch eigene Schuld, von dem Wege des Heils flüchtig abgeirrt sein. Des Himmels Rache aber über diejenigen, welche vermcffen an den göttlichen Einrichtungen des Mormonenthums zu rütteln wagen ! Aber wie, nahm Thorbjörn, einLächeln der Verachtung auf den Lippen, wieder drohend das Wort, wie, wenn die erstgeborene Tochter Ihrer verstorbenen Frau jetzt vor Sie hintrate, Sie anklagte, sie um ihre Kindheit, um die Mutterliebe betrogen, die Mutter aber durch unheilbaren Gram dem Tode in die Arme getrieben zu haben ? Wenn sie hier erschiene, von Ihnen zurückverlangte den Schmuck, zurückverlangte ihr unverkürztes Vermögen, zurückverlangte ihre vielleicht in trauriger Umgebung verlebten Tage ? Brandvold sah aus den alten Lootsen, wie durch die Begeisterung, in welche er sich allmällch htnemredete, eingeschüchtert. Auch Karen wurde durch die vernom-menen Worte in einer Weise beeinflußt, daß sie auf den Jugendgeliebten hinstarrte wie auf ein Wesen höherer Art, in defsenHand es lag, die traumhasten Andeutungen zu verwirklichen. Anfänglich erschüttert, gewann Brand vold zuerst seine Faffung wieder. Was sollen diese leereu Fragen? sprach er achselzuckend. Bringen Sie doch jenes Mädchen hierher und überzeugen Sie sich durch Augenschein von memem Versahren: . Thorbjörn senkte einen Blick innigster Zärtlichkeit ln Karen's besorgt zu ihm er hobene Augen. Tiefe Rührung gelangte aus seinem verwitterten Antlitz zum Aus druck, indem er ihre Hand nahm, wie um t aufrecht zu erhalten, wenn eine cnl

zückende Kunde ihr die Kräfte zu rauben drohte.

Gunhild, rief er darauf laut aus, komm hierher und fordere von Deinem StiefVater Rechenschaft ! Bei Thorbiorn s Ausruf schwankte Brandvold zurück, während sein hageres Antlitz die fahle Farbe des Todes an nahm und serneAugen, indem sie regungslos auf den unheimlichen Lootsen starrten, aus ihren ticfenHöhlen hervorzuauellen schienen. Karen umschlang Thorbjörn's Arm, wie um bei ihm Schutz vor verwirrenden Vinonen zu suchen ; dann kehrte ue ihre Aufmerksamkeit der Thüre zu, welche knarrend aus ihren Fugen wich und sich langsam öffnete. Todtenstllle war eingetreten, denn das. was sich allen Blicken darbot, war ja genug, um den eigenen Sinnen nicht mehr zu trauen. In der offenen :achur, die unke Hand auf deren Fallthüre rastend, stand ein schönes, großes Mädchen, stand Gunnar in der seinem Geschlechte gebührendenBekleidung, stand Gunhild, die älteste Tochter von Karen's Schwester. Das unbedeckte, nur mit einer einzigen Wellenschwmgung knapp bis auf den Nacken niederfallende Haar verlieh dem schöngeformten Haupte einen eigenthümlichen Reiz. Was bei dem jungen Lootsen beinahe störend wirkte, die weiche Rundung der regelmäßigen Züge und die gewissermaßen herbe Strenge in den großen blauen Augen : hier gelangte es zur vollen Geltung. Im Einklänge aber Mit dem gereiften, gleichsam geprüfte Erfahrungen verrathenden Antlitz stand die kräftige Gestalt, welche seit der llmkleidung noch erheblich gewachsen zu sein schien, stand die selbstbewußte Haltung, welche sich auf den bisher ausgeübten chwercn Beruf, auf den Kampf mit erzürnten Elementen begründete, ohne indessen das edle Weibliche abzuleugnen, dessen Entwicklung treu zu überwachen Thorbjörn als seine heiligste Ausgabe betrachtet hatte. Wohl eine Minute verstrich. Thorbjörr beobachtete Brandvold gespannt, dessen Augen sich in ihren Höhlen zu verglasen schienen, sah auf Olaf, in dessen gutem Antlitz sich das Erstaunen ausprägte, in dem jungen Lootsen, mit welchem er Tage lang verkehrte, nicht sogleich die Wahrheit errathen zu haben; dann aber betrachtete er mit einem Ausdruck tiefer, freudiger Rührung Karen, die, nicht länger fähig, sich aufrecht zu erhalten, von ihm sanft unterstützt aus eine Bank gesunken war, ohne indessen einen Blick von dem schönen, großen Mädchen abzuwenden. Gunnar, sprach sie wie unbewußt, als hätte die feindselige Haltung Gunhild's ihr heimliches Weh verursacht. Gunhild vernahm den leisen Ausrus und folgte mit den Augen dessenRichtung. Nur einen kaum berechenbaren kurzen Zeitraum sah sie auf Karen, und was eben noch in ihrem Herzen wogte, auf ihrcn Lippen schwebte, die gehässigen Fragen, die schweren Anklagen, alles ging unter iu dem einzigen Gefühl einer unendlichen Dankbarkeit. Sie iprach nicht ; aber ihre Brust hob und senkte sich wie bei einem vergeblich nach Athem Ringenden, und als ne endlich gewahrte, wie den Augen Karen's Thränen entquollen und langsam und schwer über deren Wangen rollten, da weinte sie laut auf, und vor sie Hinstürzend, legte sie ihr Antlitz aus derenSchoo, schlang sie die Arme krankhaft um sie, und dann schluchzte sie so schmerzlich, daß es ihre ganze Gestalt erschütterte. Gunhild, Gunhild, flüsterte Karen über das aus ihrem Schooße liegende Haupt hin, Tochter meiner armen Schwester! und wie unbewußt vergrub sie die Hände in dem reichen Gclock. Ist es denn möglich, Gunhild und ich verkehrte mit Dir, ohne die Wahrheit zu ahnen Gunhild, blicke auf, Gunhild, du armes, betrogenes Kind, welches statt der Liebkosungcn einer treuen Mutter die rauhe Umarmung der Stürme erfuhr, anstatt von warmen Lippen von eisigen Seeschäum geküßt wurde ! Und Gunhild sah empor, schüchtern und befangen, aber mit einem Lächeln, in welchem sich ihr Glück, ihr Entzücken offenbarte. Und tiefer färbte sich ihr Antlitz. als Karen sie auf die Stirn küßte und sanft das eigenwillige Haar nach den weißen Schläfen zurückstrich. Er war mir Vater und Mutter sprach sie mit vor Innigkeit fast ersterbender Stimme, indem sie mit einem Blick auf Thorbjörn wies, er sorgte dafür, daß ich den harten Verlust nicht empfand, den Sturm und das Meer als mcineGcschwistcr betrachtete und in unserer liefen Abgeschiedenheit nie allein war. Karen sah mit thränenverschlcierten Augen zu Thorbjörn empor. Was sie ihm hätte sagen mögen, der Herzensdank, der auf ihren Lippen schwebte, alles offenbartc sich in dem Blick, mit dem sie dem feinigen begegnete. Thorbjörn neigte, sie beruhigend, sein Haupt, dann wandte er sich an Brandvold. Zerfließt Ihr Herz noch nicht in Milde? fragte er in versöhnlichem Tone. Erweicht sich Ihr Starrsinn nicht angesichts des tiesgekränkten Mädchen, welches nicht einmal einen Vorwurf für Sie hatte, der nicht im Augenblick des Entstehens eben so schnell wieder durch die Empfindnngen treuer Anhänglichkeit erstickt worden wäre? Brandvold raffte sich noch einmal zu einem verzweifelten Widerstande empor. Womit wollen Sie beweisen, fragte er scharf, daß dieses Mädchen, welches ich allerdings als einen ßewandten Matrosen kennen lernte, die Tochter Er kam nicht weiter. Blitzschnell und mit der Geschmeidigkeit eines junges Panthers war Gunhild emporgesprungen und vor ihn hing.reten. Einen Beweis verlangen Si. ? fragte sie mit einer eigenthümlichen W'rde, daß es wie ein Stein von Thorbjortfs Herzen siel, als er sie in solcher Weis? .hre eigene Sache vertreten sah wohlan, Sie sollen den Beweis haben : als meine grausam aemordete Mutter mich der Wittwe Engelid anvertraute, übergab sie ihr, um mich und sie gegen Noth g' schützt zu wissen, die Hälfte eines kostbcren Gefchmeides. Meine Pflegerin ar eine treue Seele. Mit ihrer alten Hände Arbeit hat sie mich ernährt und bekleidet und schnür genug soll es ihr eft geworden sein das kostbare Schmuckstück rührte sie dagegen nie an, wofür Gott sie noch in , ihrem Grabe seLnen möge. Sie zeigte

es mir oft genug, um mich durch den Glanz des Goldes und der Steine zu erfreuen. Dabei prägt? sie jedesmal dem neugierigen Kinde ein, daß es sich nie in seinem Leben von ihm trennen dürse. Als sie endlich ihreStunde kommen fühlte, legte sie es in die Hände eines Lootsen j nieder, der sie häufig besuchte, um sich von i meinem Wohlergehen zu überzeugen und mit ihr über vergangene Zeiten zu reden. Ich trug damals "Knabenkleider, weil meine getreue mütterliche Freundin fürchtcte, Sie würden eines Tages vor ihr erscheinen, um mich zurückzufordern, und es ihr dann erleichtert gewesen wäre, imEinVerständniß mit den alten Fischersleuten, bei welchen wir wohnten, Sie zu täuschen. Die Knabenkleider trng ich selbst dann noch weiter, nachdem sie die Augen geschloffen und jener Lootse mich zu sich genommen hatte. Denn auch er sürchtete, daß ich ihm noch geraubt werden kö.inte, scheute daher die Neugierde der Menschen und ließ mich nur in den dringendsten Nothfällen aus den Augen. Frühzeitig nahm er mich mit auf's Meer hinaus, und so geschah es, daß ich schon in jungen Jahren mich zu einem brauchbarenLootsen heranbildete. Was er für mich gethan hat, brauche ich nicht aufzuzählen. Hier ist der Schatz, fuhr sie lebhafter fort, die Hälfte eines funkelnden und glitzernden goldenen Halsbandes hervorziehend und Brandvold entgegenhaltend, ich hoffte bis auf den heutigen Tag, daß

er dazu dienen wurde, mich vor meinen Verwandten auszuweisen. Diejenige, deren Anerkennung ich heiß ersehnte, fragte nicht danach. Ihnen gegenüber, der meine Todeserklärung anstrebte, ist er wiederum nicht Beweis genug. Bisher ist dieser Schatz mein Heiligthum gewesen ; nicht um den Preis meines Lebens hätte ich mich von demselben getrennt, es sei denn, meine junge Schwester, dieTochter meiner eigenen Mutter, hätte Gefallen daran gefunden. Nachdem ich aber Ihre Worte hörte, erkannte ich, daß Ihnen selbst so viel an dem Schmuck gelegen, Sie ihn durch Andere hatten rauben lassen wollen, ist er mir zur Last geworden. Da, haben Sie ihn, vereinigen Sie die beiden Halsten oder verlausen Sie alles; nehmen Sie mein ganzes mütterliches und väterliches Erbe, wenn ich solches noch zu erwarten haben sollte und Gold und Goldeswerth vermag ja viel über Sie nur geben Sie dafür meine Schwester frei hier sind Edelsteine und Gold und da Brandvold leine Miene machte, das Gereichte in Empfang zu nehmen, sondern mit maßlosem Erstaunen in das heftig erregte schöne Antlitz schaute, warf sie es ihm mit einer Geberde der Geringschätzung vor die Füße. Herr Brandvold, noch ist es Zeit. Geben Sie mir für die geraubte Mutter die Schwester, geben Sie das theure Kind derjenigen zurück, welcher es von der sterbenden Mutter anvertraut wurde, und noch in dieser Stunde will ich, so wie ich hier gehe und stehe, mich an Bord der Mistletoe begeben und Sie aus einerLage bringen, aus welcher außer mir und meinem väterlichen FreundeSie wohl schwerlich Jemand schnell zu erlösen vermag. Brandvold stand wie erstarrt da. Die gesenkten Blicke hielt er sinster auf die zu seinen Füßen funkelnden Edelsteine gerichtet. Da trat Olaf vor ihn hin. 5)ören Sie jetzt auch mich, hob er mit seinem tiefen, vor Bewegung zitternden Organ an ; Sie fragten mich, weshalb ich, der Augenzeuge eines furchtbaren Verbrechens, dasselbe nicht zur Anzeige brachte. Wohlan, außer den erwähnten Ursachen gab es einen anderen Grund, den zu offenbaren ich jetzt nicht länger anstehen darf und der gewiß verdient, von Ihnen ernstlich erwogen zu werden. Haben Sie der Möglichkeit gedacht, daß das Herz Ihrer Tochter nicht mehr frei sei ? Meine Tochter hätte hob Brandvold an. Er schien den Gedanken nicht fassen zu können. Ja, Brandvold, sie hat gewählt, nahm Karen schnell und aus vollem Herren das Wort, und mit innigerFreude beobachtete sie, wie es ungestümem Frohlocken ähnlich über Olaf's ehrliches Antlitz eilte, ja, sie hat gewählt, ich bezeuge es vor Gott und den Menschen, mag sie immerhin noch nicht im Klaren darüber sein, tiefer liegende Gründe aber unsern Frcuno Sie verstummte. Flüchtige Schritte näherten sich der Hütte. Alle Blicke richteten sich gespannt auf die Thür, die alsbald mit Heftigkeit geöffnet wurde. In derselben erschien Ärne's freudig erregtes Gesicht. Hinter ihm drängten sich mehrere Männer in Fischerkleidern heran. Sie haben ihn gesunden, sie bringen hob er an. Das letzte Wort erstarb ihm aus den Lippen. Er war Gunhild's ansichtig geworden, die sich von ihren Knieen erhob und der Thür zukehrte. ' In demselben Augenblick schoten die Männer, welchen, er den Weg gezeigt hatte, sich an ihm vorbei. Es wurde daher niemand im Gemach gewahr, daß er tödtlich erbleichte und, wie von einem Wetterstrahl getroffen, so weit in den schmalen Flurgang zurücktaumelte, daß er von dem Zimmer aus durch Ae offene Thür nicht mehr gesehen werden konnte. Wie einBcrauschter schwankte er dcm?lusgange zu und in's Freie chinau. Sein Antlitz war noch immer bleich und entstellt, der Tod schien ihm seinen Stempel aufgedrückt zu haben. Also deshalb hat es mich an den Sognesjord gebannt, drang es leise über seine Lippen. Borsichtig die Aussicht aus dem Fenter der Hütte meidend, schlich er nach der üdlichen Seite der Bucht herum, wo er ich hinter einem Felsblock niederwarf. In Der Hütte hatten die Verhandlungen unerdeffen ihren Fortgang genommen. Die Ueberraschung, welche die eintretenden Männer erzeugte, steigerte sich zu malosm Erstaunen, als man in der Hand de? einen das gänzlich aufgeweichte und zerstörte Futteral entdeckte, welches Karen stets bei sich zu tragen pflegte, wogegen ein Anderer ein ähnliches Stück Gefchmkire wie das, welches noch immer vor Brandvold aus der Erde lag, triumphirend emporhob. Auf einen Wink Thorbjorn's übergab der Fischer seinen Fund Brandvold, der ihn wie geistesabwesend in derHand wog. Dann entfernten sich die Leute, um drauf.en auf dem Vorplatz der ihnen von Thorbjörn zugesagten Belohnung zu harn. Nachdem wieder Stille eingetreten war,

kehrte Thorbjörn's, Olaf's und Karcn's Aufmerksamkeit sich in erhöhtem Grade Brandvold zu. Mit dem eben empfangcnen Bruchstück des Familicnschatzcs in der Hand stand er noch immer regungslos da. Dann trat er neben Karen hin, und das Halsband auf deren Schooß vor Gunhild niederlegend, sprach er mit mühsam errungener Selbstbeherrschung: Wohl ist es schwer, sich von einem geliebten Kinde trennen zu müssen und ;war aus Nimmerwiedersehen , aLein ich beuge mich vor unleugbaren Thatsachen, welche den Willen des allmächtigcnGottes offenbaren. Gunhild, ich selbst will das Testament Deiner verstorbenen Mutter erfüllen. Hier hast Du den Familienfchmuck, und was Dir sonst noch gebührt, nichts soll Dir vorenthalten werden. Nichts will ich, nichts verlange ich, rief Gunhild cmporspringcnd aus, nur meine Schwester Helga was soll mir anders Still, still, siel Brandvold düster ein, ich gelobte einst, Helga solle über ihre Zukunst selbst entscheiden, und nach allem Vorgefallenen kann ich nur noch mein Wort halten. Ich gehe jetzt an Bord zurück fort fort von hier , wer Zeuge sein will, wie ich zu Werke gehe.

der mag mir folgen. Ja es nt beiier komm, Karen, begleite mich ; es wird hier überhaupt kerne rechte Gelegenheit zum Nächtigen sein; und auch Sie, Hec: Olaf ja, es ist bcffer, heute noch alles zu ordnen, auf daß die Ruhe der Gemüther zurückkehre. 33. Kapitel. nnhttd. Gunhild sah durch das Fenster die User der Bucht in ihrem Gesichtskreise liegen. Arne hatte den Augenblick, in welchem die Fischer Mit Thorbjörn und Gunhild rn die Hütte eintraten, dazu benutzt, hinter dem Felsblock hervor in die Bucht hinabzugleiten und sich mit vorsichtigen Bewegungen eines Bootes zu bemächtigen, in welchem er sich an Bord der Mistletoe begeben wollte. Gunhilb verfolgte Anfangs aus dem Fenster seine Bewegungen, dann schlich sie hinaus, sprang in ein Boot und folgte Arne nach. Nach einigen Minuten befand sie sich in gleicher Höhe mit ihm, schoß sogar noch eine kurze Strecke an ihm vorbei, so daß sie ihn ohne Mühe zu beobachten vermochte. Arne ! rief Gunhild endlich aus, und ihre Stimme hatte einen eigenthümlich zitternden Klang angenommen. Arne, hörst Du nicht ? Ich höre, Gunnar, antwortete Arne. Gunnar starb, versetzte Gunhild gereizt; es ist Gunhild, die zu Dir spricht. So wünsch' ich, daß ich des Gunhild Sprechen nie gehört hätte, hieß es anscheinend sorglos zurück. Und wiederum ruderten sie eine Strecke schweigend. Gunhild ertrug es nicht länger. Wohin willst Du, Arne ? fragte sie herrisch. In die Welt hinaus ; wen kümmert's, wohin ich gehe ? Du gehst an Bord der Mistletoe ? Ich hoffe dort eine gute Stellung zu finden, dann hat's ein Ende mit dem Faullenzerleben; wäre ich vor Jahren gegangen, stünde es heute bester um mich. Warum gingst Du nicht, Arne ? Heute weiß ich's freitich, was mich an den Sogne-Fjord bannte; allein das scheert keinen Anderen. Und dennoch scheert's mich, Arne. Auch ich weiß, was Dich bannte, und wenn Du heute nicht als Kapitän einVollschiff kommandirst, so trage ich die Schuld. Ja, Arne, ich habe viel an Dir zu sühnen, viel, was der Gunnar an Dir verbrach. Der Gunnar verbrach weniger als die Gunhild, hieß es spöttisch zurück. Gunnar war mein Freund ; die Gunhild ist mir fremd, kümmert mich nicht; sie hat mich genarrt mit ihrem Geheimniß, ich hasse sie ! Arne. begarn Gunhild von Neuem, weißt Du jetzt, begreifst Du, weshalb ich mit Dir so lange verkehrte, wie mit einem Todfeinde ? Sicher weiß ich das, Gunhild, es paßte Dir nicht, daß der Schifferknecht vertraulich Dich anredete. Dich wie einen jungen Kameraden behandelte. Dich wohl gar gröblich angriff, wie's Sitte unter jungen Leuten vom blauen Waffer, auch nicht immer feine Worte sprach, so daß ich mich heute selber schäme. Doch wer konnte die Wahrheit ahnen l Kehre um, Arne geh' nicht an Bord des Auswandcrcrschisfes ! Jedes Schiff ist mir gut genug; nur fort von hier und in die Welt hinaus ! Gunhild hatte sich von Neuem wieder ihren Betrachtungen hingegeben ; erst nach einer längeren Pause hob sie wieder an : Arne, zieh' ein Nuder ein, damit ich mein Boot neben das Deinige lege. Was braucht Brandvold da hinten unsere Worte zu hören; und bis dahin dringen sie verständlich über das glatte Wasser, wenn wir die Gedanken uns gegenseitig zuschreien. Wenn Du meinst, Gunnar, warum nicht ? antwortete Arne, indem er das Ruder zur Seite warf und Gunhild's Boot mittels eines um die beiderseitigen Ruderpflöcke geschlungenen Tau-Endchens Bord anBord mit dem seinigen.besestigte, woraus jeder nur noch mit einer Hand arbeitete. Arne, wir kennen uns schon seit Iahren. bemerkte Gunhild fast tonlos. Du erschienst mir damals wie ein halbes Kind, und ich hatte meine Lust an dem scharfen Bürschchen,, versetzte Arne lustig; jetzt weiß ich freilich, woher Dir so viel Weisheit kam. Laß das jetzt ruhen, fuhr Gunhild mit unsicherer Stimme fort, daß es Arne befremdete, aber in diesen Jahren habe ich nicht recht an Dir gehandelt. Je hausiger ich mit Dir verkehrte, um so feindseliger begegnete ich Dir. Richtig, Gunnar, so daß ich mich oft fragte, was ich verbrochen haben könnte, um so viel Feindschaft zu verdienen. Und dennoch verdientest Du sie ; denn Du hattest mir meine Ruhe geraubt, daß kch Tag und Nacht an Dich dachte. Ich zerfiel mit mir selber, weil ich Dich über Haupt noch ansah. In meinen Feinb wollte ich Dich verwandeln, um meiner Ruhe willen ; ich suchte Dich zu kränken und zu reizen auf alle mögliche Weise. Aber anstatt Deinen Haß zu wecken und von Dir tödtlich beleidigt, sogar geschlogen zu werden, ich hätt's mit Jubel begrüßt gewann ich nur Dein Mit leid. Du bedauertest das junge verbitterte

Bürschlein, welches Dir mit Thränen in den Augen für Tcne Herzc?'.;üte hätte danken mögen un) gleich d. :uf wieder Empfindungen hc'te, als häLe es mit Dir aus Leben und Tod kämpfen müssen. Ja, Arne, so war cZ bisher, und länger noch wäre es so geblieben, ich hätte Dich sogar scheiden seben können, ohne Dir mehr als einen flüchtigen Abschicdsgruß zuzurufen. Seitdem ich aber die mir gebührenden Kleider nicht mehr heimlich anzulegen brauche, sondern offen vor den Leuten darin einhcrgehen dars, hat eine Wandlung in mir stattgesunden, und, Arne, seitdem ich Dich so vcrlassen,aus dem Flur stehen sah, ach, Arne, da fühlte ich, daß icl.'s nicht länger ertragen könne. . Nun wei't Du Alles! DaZ seit einigen Minuten nicht mehr gerührte Ruder entsank ihrer Hand, und sich nach dem anderen Boot überneigend, schlang sie ihre Arme um des Gefährten Nacken, und ihn krampfhaft nach sich ziehend, weinte sie so bitterlich an seiner Brust, als ob il.r ungestümes, wunderliches Herz plötzlich gebrochen wäre. Gunhild ! rief cr ans, daß es wie ein Jubelruf weithin über die Wasserfläche schallte ; und nochmals: Gunhild ! und lauter dvrchdringender : Meine Gunhild! Ruhig, ruhig, bat Gunhild, des cntzückten, treuherzigen Arne Hand drückend, die Leute ersahren es immer noch srüh genug. Ob es die Lcute .erfahren oder nicht, Gunhild, antwortete Arne begeistert, ob sie es heute schon wissen oder erst nach Wochen, das bedeutet mir nichts. Aber hinausgeschrieen hab' ich's, weil meine Brust so voll war. Ich mußte es dem Waffer verrathen, welches mich viele hundertmal in der elenden Z)acht von Ort zu Ort trug, während ich mich des niedrigen Dienstes bei demListad schämte, und doch zu schwach war, den Bann zu b.echen, der mich geheimnißvoll wie mit eisernen Ketten an den Sogne-Fjord bannte, der mir aber jetzt kein Räthsel mehr ist. Ich mußte es den Felsen ringsum zuruscn, denSchären, die immer so ernst und war-

nend zu mir herübcrschauten, wenn ich den Kopf hängen ließ oder mit Gewalt die Schwermuth von mir abschüttelte und in meiner Wildheit und meinem Acrgcr über mich selbst ein bischen Geld verthat und verjubelte, anstatt bedachtsam für die Zukunst zu sparen. Von der Mistletoe drangen Stimmen und polterndes Geräusch herüber, indem Brandvold, Karen und Olaf, neben der selben eingetroffen, sich an Bord begaben. Wie auf ein gegebenes Zeichen hielten Gunhild und Arne die gleichsam tändeln den Ruder in der Schwebe. Willst Du noch an Bord gehen? fragte Gunhild mit heiterem Spott. Hastig senkte Arne sein Ruder in die Fluthen. Einige kraftvolle Schläge, und sie kehrten der Scharenhutte den Rucken zu, während vor ihren Blicken sich der schwarze Schatten der zwischen den Rlsss eingeklemmten Mistletoe sich aus dem Wasser erhob. Heimwärts ruderten sie darauf, Bord an Bord, Seite an Seite. Auf dem Ufer trat Thorbjörn ihnen entgegen. Die Fischer hatten sich auf dem Bodenraum bereits der Ruhe hingegeben. Ich fürchtete, daß die Mistletoe unter Deiner Fuhrung mit Euch Allen davon gehen würde, redete er sie mit herzlichem Wohlwollen an. Gunhild küßte seine Hand. Der Arne befand sich in der That auf dem besten Wege, sprach sie mit einer gewissen heiteren Befangenheit, es kostete mich Muhe, ihn zur Umkehr zu bewegen. Die Mühe nur zweier Worte kostete es. cntjchuldigte sich Arne. Hättest ihn sollen ziehen lassen, versetzte Thorbjörn, welcher die Wahrheit leicht errieth, ein Mann, wie er, findet seinen Weg durch die Welt. Aber er fährt sicherer unter der Leitung eines gedienten Lootsen, wandte Gunhild freundlich ein, und, Arne's Hand ergreisend, zog sie ihn dicht vor Thorbjörn hin, und da sind wir übereingekommen, von jetzt ab gemeinsam durch' Leben zu steuern. Ei, ei, sprach Thorbjörn, wie von ernsten Zweifeln befangen, dahinaus wollte es also mit Deinem Haß und nrit de Arne's Freundschaft, mit Deinen M'.ßHandlungen und mit ftiner Geduld? Nun ja, Arne, und er reichte dem jungenManne die 5)ud, vorgeschwebt hat mir derg!:: chen zwar immer, wenn ich auch nicht ahnte, wie es vor lauter Geheimniß zu eimm befriedigenden Ende kommen sollte. Und so heiße ich Dich recht von Herzen willkommen zur gemeinsamen Fahrt mit me'7!?cr getreuen Gunhilde. 34. Äapitcl. uf Nimmerwlkdttsehe. Rls dasBoot, wclchcsBrandvo!d,Karen und Olaf trug,' die Mistletoe erreichte, war die Nacht hereingebrochen. Oben auf dem Quarterdeck trat ihnen der Eapitän mit einem höflichen Gruße entgegen. Wo ist meine Tochter ? fragte Brandvold. Noch imm:r in ihrerKoje eingeschloffen, hieß es mit raichtt Ozhlvsllen zurück; in das freundliche, snftüthige Kind ist's gefahren wie ein Satansteufel ! Nicht Speise nach Trank hat's zu sich genommen. Wenn s Dir recht ist, grhe ich zu ihr hinunter, brach Karen milde das plötzlich eingetretene Schweigen. Nein, Du nicht, sondern Herr Olas. Ich muß wiffen, ob sie seinem Rue mit frohem Herzen folgt, oder nur wie das Hirschkalb, dem die Mutter fortgeschoffen ist, dem lockenden Jäger. Ich muß wiffen, ob dasWicdersehen mir eineBürgschaft für Helga's freie Entschlietzung und damit auch für ihre glückliche Zukunft bietet. Gehen Sie voran, Herr Olaf, bat Brandvold mit gedämpfter Stimme, nud klopfen Sie an die zweite Thüre rechts. Olaf verneigte sich stumm. Als cr sich der Kajüte zukehrte, klopfte er leise. Helga, sprach er mit einem Ausdruck, we'cher sein Schwanken zwischen Furcht und Hoffnung verrieth. .Die 'Thüre wurde geöffnet, auf ihn zu flog Helga, ihm beide Hände entgegenstreckend. Ich wußte, daß Sie mich nicht verlästert würden, entwand es sich leidenschaftlich ihren' Lippen, während heiße Thränen ihren Augen entstürzten, ich habe auf Ihr Erscheinen gehofft und gerechnet an hatte es böse mit mir im Sinne aber fort jetzt von hier, enn ich nit cer

Entsetzen sterben soll fort zu Tante Karen!

Und mit mir und zu mir in mein sriedliches Heim ? fragte Olaf leise, und einen glühenden Blick senkte er in die zu ihm erhobenen Augen. Helga erschrack. Ihre Augen verarößerten sich, es stockte ihr der Athem, als hätte ne vor einem unfaßbaren Räthsel gestanden, ueftlges Zittern durchlief .t Tt ri n " t rv . iyre )enaii. yre yranen waren ver siegt, die Farbe der Erregung aus ihren Wangen zurückgetreten. Atbemlos harrte Karen der Entlchei dung, während Brandvold starren Blickes seine Tochter beobachtete und bei deren Regungslosigkeit, welche anfänglich ver schiedenen Deutungen Raum gab, wieder eine neueHosfnung in sich erwachen fühlte. Nur Secunden dauerte das schweigen in dem Kajütenraum. Tann aber breitete Helga ihre Arme weit aus, und wie um die Thränen zu verheimlichen, welche wiederum unaufhaltsam ihren Augen entstürzten, warf sie sich an Olaf's Brust, ihr glühendes Antlitz an seinem Herzen bergend. Karen seufzte tief aus. Komm, laß uns gehen, flüsterte sie mit vor Rührung bebenden Lippen, gönnen wir ihnen die heiligen Minuten, auf welf !. c ? r " . f . r cuen ncy cm oauernoes sur ne ausbauen soll. Sie ergriff Brandvold's Hand, und den wie schlaftrunken Folgenden nach sich ziehend, begaben sie sich geräuschlos wieder nach dem Quarterdeck hinauf. Einige Male wandelten Brandvold und Karen auf und ab. Plötzlich blieb Brandvold stehen. Es ist entschieden, sprach er finster ; einer solchen Sprache gegenüber müen alle Bedenken weichen. Der Allmächtige hat sie für einander bestimmt. Indem sie sich umkehrten, erkannten sie Helga's und Olaf's Gestalten, welche eben die Kajütentreppe verließen. Im nächsten Augenblicke hing Helga laut schluchzend an Karen's Halse. " Olaf trat vor Brandvold hin. Sie will mit mir ziehen, sprach er fest und ohne Scheu, mit mir, wohin es auch sei, wenn des Vaters Segen uns begleitet. Also auch diese Rücksicht läßt das treue Kind noch walten ? versetzte Brandvold, unverkennbar wohlthuend berührt. Nun, wenn der Mutter Segen ihr Häuser aufbaut, soll des Baters Segen dieselben befestigen ja, meine Tochter, kehrte er sich Helga zu, die mit krampfhaftem Druck feine Hand ergriff, und er legte die andere auf ihr Haupt : mein Segen soll Dich begleiten. Dich und ihn, der sich als ein so opferwilliger Freund für uns Alle erwies, mein trcuester Segen auch dann noch, wenn längst Gras über mir wuchert. Er küßte ste auf die Stirn, und sich hastig abwehrend, ging er in die Kajüte hinunter. Alle verstanden, begriffen, daß er allein zu sein wünschte. Die Mistletoe hatte ihre Segel ausgebreitet und trieb langsam aus demFelsen nest hinaus in den weiten Ocean. Endlich lag das offene Meer vor dem Schiff. Mei.i Dienst ist jetzt überflüssig geworden, wandte Thorbjörn sich an den Eapitän, lassen Sie auf ein Weilchen bei drehen, um den Damen das Hinabsteigen in den Kutter zu erleichtern, so danke ich es Ihnen von Herzen. Während der Eapitän noch mit Karen, Helga und Gunhild verkehrte und sich hoch und theuer verschwor, des jungen, verwegenen Lotsen Geschlecht mindestens geahnt zu haben, trat Thorbjörn vor Brandvold hin. Mit offenem, würdevollem Wesen reichte cr ihm die Hand. Wir werden uns in diesem Leben nicht wiedersehen, sprach cr, fest in die düstern Augen schauend ; um so mehr sollen wir uns gegenseitig das bieten, was hinzugeben noch in unserer Macht liegt, ich meine eine von versöhnlichenGest'ihlen getragene Erinnerung. Getrennt im Glauben, getrennt in diescr Welt, wie in einer besseren, einigt uns die Anhänglichkeit an theure Wesen, antwortete Brandvold düster, indem er den Händedruck erwiderte. Um Thorbjörn's Lippen zuckle es wie ein Lächeln des Bedauerns. Dann trat er vom Ouarterdeck aus auf die niedriger gelegene Brüstung, auf welcher cr mit zwei Schritten die in derselben geöffnete Pfoe erreichte. Bevor cr die Treppe hinabstieg, rief cr Arne, welcher sich ihm alsbald zugesellte. Sie hatten kaum in dem Kutter festen Fuß gefaßt, als Brandvold und Karen in der Ocffnung erschienen. Sie reichten sich die Hände, anst blickten ihre Augen. Nur wenige AbschiedsWorte wechselten sie noch, :-.nd von dem die Treppe wieder hiua::sflc:s:dcn Arne unterstützt, gelangte ttarcu s.:)nell in der Kutter hinab. An Karen's Stelle war Gunhild getreten. Unbesangen reichte sie Brandvold die Hand ; ruhig sah sie zu ibm auf, indem sie ihm Lebewohl sagte. Einige Sekunden betrachtete Brandvold sie sinnend. Du bist ein starkes Gemüth, sprach cr endlich, cs dürste wohl nicht Viele geben, welche Deinem Beispiel nachzuahmen vermöchten. Er war mein Lehrer, antwortete Gunhild, und sie wies in den Kutter hinab auf Thorbjörn, ihm verdanke ich alles. Meine Achtung folgt dir, mein Segen begleitet dich, und wenn du deiner armen todten Mutter gedenkst, fo laß mich eine Stelle neben ihr finden. Vergiß nicht: ich habe sie unendlich geliebt. Was uns im Leben von einander trennte, es findet seinen Ausgleich im Himmel, vor dem Throne des Allmächtigen. Nun lebe wohl, und schmücke dich bald hochzeitlich mit jenem Geschmeide, welches vor die deine Mutter trug. Mit einem freundlich triumphirenden Blick richtete Gunhild sich höher empor. Meine Mutter hat es getheilt sprach sie zuversichtlich, und fo soll es bleiben. Nur die eine Hälfte geHort mir, mit der andern' wird meine Schwester Helga vor öen Traualtar treten. Brandvold's Antlitz röthete sich leicht. Er mochte der Tage gedenken, in welchen er den ganzen Familienschatz in seinen Besitz zu bringen trachtete, sein Versahren mit dem Gunhild's vergleichen, denn erst nach kurzem Zögern antwortete er hastig : Das sieht dir ähnlich. 5andle, wie du es für angemeffen hältst. Und noch ein mal : Lebe wohl ! Gunhild glitt gewandt die beweglichem Stufen 'munter. Einen herzlichen Bli