Indiana Tribüne, Volume 4, Number 303, Indianapolis, Marion County, 16 July 1882 — Page 2

Der Mnal'Kcr

Erzählung in zwei Abtheilungen von VklVui S!öllhuscn. (13. Fortsetzung.) Was auch immer gegen uns geplant sein mag, und ich fürchte, entweder eine Trennung oder eine gewaltsame Cntführung : wir können zuversichtlich auf das Einschreiten Olafs rechnen, flüsterte sie keruhiZ?nd; an uns aber ist es, keine Furcht zu verrathen, kein Mißtrauen durchblicken zu lassen. Beabsichtigt man Böses so dürfen wir nicht vergessen, daß wir mit Leuten zu rechten haben, gegen deren rohe Gewalt nur Nachgiebigkeit schützt. ' Und mit dem Gedanken an Olaf und im Vertrauen auf seinen Schutz entschlief Helga bald, wogegen Karen von ihrem dunkeln Winkel aus kaum einen Blick von den beiden Männern wandte, die, canstatt ebenfalls den Schlaf zu suchen, -neben den breiten Schisssschnabel saßen. -ihre Pfeifen raucyten und, wie um chre Jahrgäste nicht zu stören, flüsternd zu einander sprachen. So näherte sich die Mitternachtsstunde, als Listad plötzlich, laut genug, um unter der Kajütenbedachung verstanden zu wer den, in die Worte ausbrach : Ich höre die Räder von Fuhrwerken; das müssen sie sein. Ich will hinüber und mich erkundigen. Vielleicht' kommen sie gleich an Bord und wir mögen dennoch die Ebbe benutzen. Soll ich dich 'begleiten? fragte Gullik. Nein, hieß es kurz zurück, die Damen könnten erwachen und, sich allein findend, über die Maßen erschrecken. Listad hatte die Yacht verlassen. Klopfenden Herzens und tief beklagend, die Reise überhaupt .unternommen zu haben, zahlte Karen die' Nuderschläge, mit weldien er die Jolle landwärts trieb. Eine Weile blieb es darauf still. Dann erneuerten sich dieselben jedoch in verstärktem Maße und begleitet von Männerstimmen in sorglosem Meinungsaustausch. Einige Minuten später schwang Listad sich an Bord. - Es ist nichts mit den Auswanderern, rief er Gullik zu, nur die Hälfte ist drüben und die wollen nicht an Bord, bevor ihre Freunde und Verwandten sich ihnen zugesellt haben! Wie lange wird es dauern? fragte Gullik. Sie meinten, bis morgen Abend, und so lange können, wir der beiden Frauen wegen nicht hier bleiben. Ich weiß nicht, was ich beginnen sott. Brandvold wird in Sorge sein und Olsen nicht minder unruhig nach uns ausschauen. So wollen wir die Anker heraufheben, versetzte Gullik nachdenklich. Die Auswanderer ganz aufgeben ? entgegnete Listad spöttisch. Das würde Brandvold-uns wenig danken. Nein, aber ich v hatte einen andern Plan, das heißt, wenn die beiden Herrschaften damit einverstanden wären. Wir könnten sie in kleinen Booten rudern ; dann wären sie mit Tagesanbruch an Bord der Mistle toc, und über die Auswanderer zu bestimmen, überließen , wir Brandvold selder. Habe der Sicherheit halber ein zweites Boot-und-einen Mann mitgebracht. Sie werden.nicht wollen, wandte Gutlik gedehnt ein und ein halbes Dutzend Stunden angestrengt zu rudern, ist kein Spiel k' w ' ' Brandvold würde es, uns lohnen, hob Listad an, als Karen zu ihnen heran trat. Wie lange Zeit gebrauchen wir, um nach der Mistletoe zu kommen, wenn wir ein Ruderboot benutzen ? fragte sie ruhig und darr.iif' bedacht, keine Furcht oder Mißtrauen zu verrathen. Es handelt sich darum, ob wir eine Jolle oder zwei nehmen, antworteteListad, auf Karcns Urikenntniß des Schifsswesens fugend. ...... . Weshalb zwei ? Ein S'ueerer mit leichter Fracht kommt schneller fort, als zwei mit schwerer. In meiner Jolle finden überhaupt nur drei Menschen Platz, und- die andere, die ich geborgt habe, ist nicht viel größer. Ich trenne mich nicht von meinerNichte, erklärte. ö?areu entschieden. . Wie's beliebt, versetzte Listad, dann möchte Gullik die Sachen nehmen und &"Mifrr n"s tvi rtfirsn i. V, , IVtf VUIt Gut, abcr ich! beeilen Sie sich. In einigen Minuten sind wir reisefertig, be fahl Karen s Lann begab sie sich nach dem Kajülcnraum, wo.sie gemeinschaftlich mit Helga die Decken zusammenschnürte und oie urngen Aachen in den Ztosscr packte. s vne mich, von diesem unheimh-sor-tzukommen, beruhigte sie ihr Befremden über den barte ; d:e Leute trotzdem

mehrere Ellen weit fortgedrängt worden war. Alles gut abgelaufen ! rief Gullik zurück, indem er sich im Vordertheil der Jolle niederließ und nach den Rudern griff. . Ich möchte zu meiner Nichte, sprach Karen bestürzt, sobald sie gewahr wurde, daß Listad und sein Gefährte gleichfalls

die Ruder eingelegt hatten und mit krastigen Schlägen das Boot von dannen trieben. Ich dächte, Sie hätten an der ersten Probe genug, antwortete Gullik in einem Tone, welcher Karen unheimlich berührte, wollen Sie's aber auf die Gefahr des Umschlägen hin noch einmal versuchen, so bin ich bereit dazu dann lauter nach dem andern Boot hinüber, in dessen Kielwasicr er nunmehr folgte : Du, Listad, die Dame möchte zu dir in dein Boot! Wer soll die Verantwortlichkeit tragen, wenn ein Unglück geschieht ? erwiderte Listad; beim besten Willen, es geht jetzt nicht! Wir können uns ja bei einander halten, oder besser noch, du nimmst den Curs nach der andern Seite hinüber, um Olsen abzuholen. In einer Stunde ist's gethan. Ich warte auf dich, wo's um die Ecke herum in den Sognefjord hineingeht und seichter Sandboden die Sache ungefährlicher macht. Sie hören, kehrte Gullik sich Karen wieder zu, die sich aufs äußerste anstrengte, zu ergründen, ob die Trennung von Helga zufällig oder beabsichtigt; und schließlich sitzen Sie hier so sicher wie dort, vielleicht noch sicherer und bequemer. Sei unbesorgt ! ertönte Helga's Stimme von dem andern Boot herüber, ich habe einen bequemen Platz gesunden; das Wechseln soll in der That nicht ungefährlich sein ! Ich ängstige mich nicht, Tante Karen ! Vergiß nicht meine Rathschläge, antwartete Karen beklommenen Herzens, denn ihr entging nicht, daß trotz des anscheinend heftigen Ruderns Gulliks der Zwischenraum zwischen den beiden Fahrzeugen sich vergrößerte, in kurzer Zeit sind wir wieder beisammen ! Einen daraus bezüglichen Befehl wagte sie Gullik nicht zu ertheilen, aus Furcht, daß desien Befolgung in roher Weise verweigert werden würde. Ich vergesse nichts, Tante Karen, erschallte Helgas Stimme noch einmal, ich weiß, wohin ich gehöre ! Dann trat hier wie dort Schweigen ein. ' Karen hielt ihre Blicke starr auf das vor ihr mehr und mehr mit dem Uferschatten zusammenfallende Boot gerichtet. bis sie dasselbe kaum noch zu untcrschden vermochte, zugleich aber auch inne wurde, daß Gullik die Richtung der Jolle geändert hatte und den Curs schräge nach dem andern User hinüberhiclt. Wohin wollen Sie? fragte sie crzwungen ruhig; wir entfernen uns von den andern. Hörten Sie's nicht? fragte Gullik sorglos zurück, wir sollen Dlm abholen. n einer Stunde iit'5 gemacht. Karen sah wieder nach dem Boot aus. Indem dasselbe die fast unmittclbarcNähe der mächtigen Uferwälle suchte, war es ihren Blicken ganz entschwunden. Ein Weilchen starrte sie in den schwarzen Schatten hinein, dann barg ne das Ant litz in beide Hände und die Arme auf den Knieen stützend, saß sie lange regungslos. Um ihre Brust hatte es sich wie Eis gclegt, indem ne allmählich die Ucbcrzeugung gewann, daß sie das Opfer eines wohlüberlegten hinterlistigen Betruges geworden. Wie auf der Flucht vor ihren ciaenen Gedanken sah sie erntn r. Erstaunt spähte tte um sich. Anstatt aus der linken eite. wie sie erwartete, erhob slch.das höhere! senufer zu ihrer Rechten. Ihre erste Empslndung war die einer dumpfen Befrie digung, indem sie wähnte, daß Gullik die Richtung wiederum geändert habe und dennoch den Genossen folge. Dann aber beschlich sie ein Gefühl, als ob sie plötzlich an den Rand eines Abgrundes versetzt worden wäre. Sie hatte in geringer Entfernung vor sich die Rordlandsyacht erkannt; zugleich wurde ihr klar, daß Gullik einen Kreis beschrieb, um mit ihr dahm zurückzukehren, von wo sie vor e:ncr Vicrtelitunde abgefahren waren. Was bezwecken Sie? Wohin bringen Sie mich 5 fragte ne eniscto. Aenastiqen Sie sick) nicht, antwortete Gullik mit widerwärtiger Vertraulichkeit, ich führe Alles genau o aus, wie nur von Brandvold ausgegeben worden. Was hat Brandvold mit meiner Person zu schaffen? suhr Karen bestürzt fort. Er hat uns zu der Fahrt gedungen, wir werden von ihm bezahlt, und da war's nicht unsere Sache, ihm mit Fragen zu kommen. Das kann nur ein Minverständnin hin, hob Karen leidenschaftlich an, als spöttisch lachend einfiel: Seien - aber sckcn Sie still, die ochte kentern und mit Ihnen l vorbel. Auch rathe lch ;t zu erheben; wäreJHhell, würde sie nicht drüben im Dorf ifirt ?,5 Vni V . M, V IV I jrach Karen d nichts un, sich

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dem Dorfe herbeirufen, so thun Sie's immerhin. Wird Ihnen zwar nicht viel helfen. Vor Tagesanbruch bemerkt Sie kein Mensch. , . Die Jolle lag jetzt, von Gullik gchalten, neben der Vacht, und Gullik, sich erhebend, ergriff die oberste Stufe der kurzen Falltreppe, dadurch Karen mahnend.

die Jolle zu verlassen. Ihre Blicke flogen über das plumpe Schifssgebäude hin, dessen . seltsam geormter Schnabelbalken, wie zum Angriff ich zurückbeugend, nach oben wies und die Aebnlickkeit mit einem sagenhaften Scheusal vervollständigte. Es erfüllte sie mit Grauen, das zu einem schamlosen Betrüge bestimmte Schiff noch einmal besteigen, sogar als Zufluchtsstätte betrachten zu muen. Wollen Sie gefälligst hmaussteigen ; weckte Gulliks eiaenthümlich zitternde Stimme sie aus ihren martervollen Betrachtungen. Wo bleiben Sie ? fragte xt kurz. Wenn Sie nichts dagegen einwenden. rudere ich mich nach dem Dorf hinüber. antwortete Gullik, lch vermuthe, es m Ihnen lieber. Ja, es ist nur lieber, erklärte Karen, indem sie sich erhob und gcwohnheitsmäßig nach dem an ihrer Seite hängenden Futteral griff, stützen Sie das Boot, damit ich festen Fuß aus der Treppe fasse ; Decken und Gepäck mögen Sie mir nachreichen. Ich brmg's gelber an Bord, erwiderte Gullik nunmehr wieder trokig und unter dem vollen Einfluß ' seiner zügellosen Raubgier, aber zuvor wollen Sie mir das Futteral überreichen, das Sie da um JhreSchultern tragen und das ichBrandvold überbringen soll, als das- Erbstück seiner Tochter. Das trug er Ihnen auf? suhr Karen wie von einer nrniaen Schlange aebmcn empor, dergleichen wagte der Elende? Und mehr noch, fuhr Gullik fort, dessen rohe Zuversicht in demselben Maße wuchs, in welchem er sich dem mit so viel List ins Auge gefaßten Ziele näherte, ja, mehr noch. Er meinte, ich solle hinzufügen, i-t V P 1 im 5,aue (iie lange zweneiien, einmal wär's ihm mißglückt mit dem Futteral, weil Sie's mit scincrTochter ausgetauscht hätten, allem jetzt könne er nicht davon ablancn. Also ein Tiebstahl, ein Raub vor dem Schrecklichsten bebt er Nicht zurück ! offenbarte Karen im Uebermaß ihrer grenzenlosen Verachtung wie unbewußt ihre Gedanken vor sich hm. Ganz dieselben Worte sprach ich zu ihm, vcrsckte Gullik, als wäre die Bemer kung an ihn gerichtet gewesen, ich hatte nämlich keine Lust, daraus einzugehen. 'Als er mir aver uar bewies, oan er nur das Eigenthum seiner Tochter zurücksor dere, war's mit meinem Widerstand vor bei. Ich alaube Ihnen, saate Karen mit schneidender Schärse; Sie sind bcaustragt, das Futteral mit Güte odcrGewalt hcrbeizuschanen, nachdem aus dem Tym See die List zweier elender Schurken sich als unzureichend erwies ha, also schon damals trug man sich mit dem Ge danken an Diebstahl und Raub Sie haben es ausgesprochen, versetzte Gullik in seiner rohen Weise, mit Güte oder Gewalt soll ich den Schmuck herbeischassen. Und was gedenken Sie zu thun ? Meinen Auftrag zu erfüllen ; aber ich hoffe, Sie er paren mir das Aergsle. Gewiß erspare ich Ihnen das, fiel Karen hastig ein, denn aus Gulliks klimme entnahm sie leicht, daß die Anwendung von Gewalt ihm bei weitem nicht in so hohem Grae widerstrebte, wie er sie glauben machen wollte ; ja, ich erspare es Ihnen, wen ich unfähig bin, die Ge walt mit Gewalt zurückzuweisen, ich erspare es Ihnen, weil ich verabscheue, von Händen, die sich zu einem derartigen Verbrechen hergaben, berührt zu werden da, hier haben Sie das Futteral, bringen Sie es Brandvold und erzählen Sie ihm, wie es in Ihre Hände kam; sagen Sie ihm, seine Handlung wäre eine um so elendere, weil er darauf fußte, daß ich um seiner Tochter willen nie die Gerichtsbehörden gegen ihn aufrufen würde. Sagen Sie ihm aber auch, ein Rächer würde erstehen, wo er es am wenigsten vermuthe, ein Rächer, vor welchem, er zusaminenschauern, sich das Haar zerrausen würde, daß er jemals, schmachvolle Zwecke verfolgend, 'zu verbrecherischen Mitteln gegriffen hat. Alles, alles will ich ausrichten, versetzte Gullik frohlockend, indem er den Riemen des ihm zugeworfenen Futterals um seinen Nacken schlang, alles, Wort sürWort, und er müßte ein schlechter Mensch sein, wie Sie ihn verschreien, gäbe er Ihnen das Ding nicht eigenhändig zurück. Er wollte Karen beim Hinaufsteigen nach der Jacht unterstützen, als diese ihn mit einer Geberde des Abscheues zurückwies. Rühren Sie mich nicht an ! herrschte sie ihm zu, ich finde meinen Weg ohne die Hülse Jemandes, der sich zu einem erbärmlichen Werke hergab, und im nächstcn Augenblick stand sie aus der Kajütbedachung. Vielleicht denken Sie morgen anders über mich und Brandvold, bemerkte Gullik, spöttisch vor sich hinlachend, indem er das Gepäck zu Karen hinaufwarf. Entfernen Sie sich! rief Karen ihm mit einem Ausdruck zu, daß er verstummte. Aber vor sich hin lachte er, während er die Ruder einlegte und schleunigst die Richtung nach dem Dorf einschlug. Wie befürchtend, daß er noch einmal urückkehren würde, blickte Karen ihm Erst als sie die Jolle im Uferp r . i r verschwinden say, ermannte sie Eine eigenthümliche düstere eit hatte sich ihrer bcmächsie von Helga getrennt Verlust des Familienr tiefer beugen. Mit ühl der Verlassenheit iscn Plätschern, mit n den chlssswanoen i ouraninme es ne Leben. Ob dasPlätEbbe bedeutete, wußte ber erwog sie, daß beides euge. Schnell stieg sie l)ung, ebenso hastig begab Vorderdeck hinaus, von er in die Tiefe hinabaeEin Blick überzeugte sie. nSchnabelbalken geschlunin der That durch eine

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auf das plumpe Fahrzeug einwirkende Strömung straff gezogen wurde. Zweifelnd sah sie nach dem Dorf hinüber. Es war, wie Gullik sagte. Sie befand sich zu weit von demselben entsernt, um sich

dort verneymvar zu machen, zumai vie Leute daselbst alle noch im tiessten Schlase langen. Außerdem fürchtete sie, Gullik herbeizurusen. Nach kurzem Sinnen kniete sie nieder. Das Tau zu losen, waren ihre Hände zu schwach. Zu fest hatte die Last der B?cht die Windungen deffelben in einander verschlungen. Nach dem ersten mißlungenen flüchtigenVersuch zog sie et Taschenmesser hervor und es bedachtsam da ansetzend, wo das Tau sich über den Bord spannte, begann sie vorsichtig in den holzartig festen Hanf einzuschneiden. Wieder und immer wieder glitt die kleine scharfe Klinge durch die sich erweiternde Kerbe4, und wenig über die Hälfte erst glaubte Karen ihr mühsames Werk gefördert zu haben, als das Tau plötzlich wie ein Faden zersprang, das sicherste Merkmal der noch immer andringenden Fluth. Klopfenden Herzens sah sie über Bord und dann wieder dicht an dem Mast vorbei nach einer mit demselben in gleicher Linie befindlichen Höhe hinüber. Sie täuschte sich nicht : die Yacht verließ ihren Ankerplatz, jedoch anstatt, wie sie crwartete, sich dem Dorsc zu nähern, trieb sie in schräger Richtung dem jenseitigen Ufer zu. Aber auch dort wohnten vereinzelte Fischerfamilien, welche sie um ihren Beistand anrnscn konnte, und von neuem belebte sie die Hoffnung, in einem vollzählig bemannten Boote binnen möglichst kurzer Frist nach der Mistletoe hinausgeschafft zu werden. Eine Weile überwachte sie die Bcwegung des plumpen Fahrzeugs. Langsam, sehr langsam glitt es von der Stelle. Schwerfällig verfolgte die packst die ihr von der Strömung vorgeschriebene Bahn. Als endlich beim Erwachen des Tages völlige Ruhe des Wassers den baldigen Eintritt der Ebbe verkündete, da lag sie kaum fünfzig Ellen weit von dem schroffen, nackten Ufer. Die Gegenstromung machte sich bcmerklich, ohne daß sie ihr Folge leistete. Indem das. Wasser sich senkte, war das Hinterschiff auf einer blinden Klippe hängen geblieben. Höher und höher wuchs es aus dem Waffer empor, während der Bug von lebhaften Wellen umspielt wurde. Es entstand jenes seltsame Geräusch, welches cmschlafernd auf den Wachenden einwirkt, den Schlaf des Ruhenden dagegen zu einem traumloscn macht. 29. Kapi l.-TughllelSlelscher. Ein zauberisches Farbenspiel erzeu gcnd, trafen die ersten Strahlen derVtor aenionne die blauarünen Nadeln des Suahelle-Gletschers, als der Kutter, den Gunnar, Arne nnd Olaf bereits seit einer stunde der Ebbe cntgegengcrudert hatten, in die äußerste Einbuchtung des Fjarlaudssjords trat. Obwohl während der Nacht durch die Fluthströmung begünstigt, hatten sie andererseits wieder gegen den widrigen Wind zu kämpfen gehabt. Außerdem verzögerte ihreFahrt, daß sie beständig von Ufer zu Ufer kreuzten, um die fMst nicht im Schatten der schroffen Felswände an sich vorbeischlüpfen zu lassen. Ueber das Boot, welches, dem Kutter vorsichtig ausweichcnd, so dicht unter Land hinglitt, daß die behutsam geführten Ruder das aus dem Wasser emporstrebende Gestein beinahe streiften, waren ihre Blicke hinweggeschweift, und um so leichter, weil sie am wenigsten nach einem Boote forschten. Obwohl von tiefer Besorgnis! um Karen erfüllt, wirkten bei Helga doch noch immer deren jüngste Beruhigungsgründe, so daß ihr Vertrauen in die beiden schweigsamen Ruderer sich allmählich befestiate. Mit einer aewissen Zuversicht hoffte sie aus baldiges Zusammentreffen mit der oue, um sodann gemeinschaftlich mit Karen die Fahrt nach der Mistletoe fortzusetzen. Was über diesen Zeitpnnkt ylnaus lag, beunruhigte sie kaum noch. Lebte sie doch der Ueberzeugung, daß bis dahin Olaf an ihre Seite treten würde, um etwa drohende Gefahren von ihr und Karen abzuwenden. Auch sie gab endlich fcer Ucbermüdung und dem Einfluß des eintönigen Geräusches der Nuderschläge nach. Sich fester in ihren Plaid einhüllend, glitt sie von dem kleinen Steuerbänkchen, und dieses als Rücklchne benutzend, entschlief sie bald. Freundliche Bilder mochten sich in ihre Träume angeschlichen haben, daß sie nicht hörte, wie kurz vor Anbruch des Tagcs die Ruder rasteten, nicht vernahm, wie in mäßiger Entfernung von ihr ein von schwach gefülltem Segel einhertreibeittor Kutter umlegte und wieder nach dem jenseitigen User hinübersteuerte. Als er eine halbe Stunde später kreuzend zurückkehrte, da schoß das Boot vor den kräftigen Ruderschlägen im Sogncsjord selber dessen Mündung zu. Fast in demselben Augenblick, in welchem dcr Sughelle Gletscher in den Gesichtskreis der in dem Kutter befindlichen drei Gefährten trat, erkannte Gunnar durch sein Fernrohr die Nordlandsyacht. Die freudige Spannung, in welche diese Kunde Olaf versetzte, wurde schnell wieder gedämpft, als Gunnar erklärte, daß sie augenscheinlich verlaffen,durch die Unachtsamkeit ihres Besitzers aber in eine Lage gerathen sei, daß beim weitern Fortschreiten der Ebbe das Umschlagen unausbleiblich. Und weiter spähte Gunnar auf der unregelmäßig geschweiften Uferlinie, mährend Olaf und Arne sich tiefer über ihre Ruder neigten. Plötzlich setzte er das Glas ab, und mit bloßen Augen sah er scharf nach dem Nordende des Dorfes hinüber. Eine Jolle, von einem cinzelnen Manne gerudert, trennte sich daselbst von den übrigen Booten und trieb mit mäßiger Geschwindigkeit eine Strecke nach dem Fjord hinauf. Dort blieb sie liegen, während der Mann in derselben, wie unschlüssig über die einzuschlagende Richtung, die Ruder in der Schwebe hielt und anscheinend den Kutter aufmerksan betrachtete. Plötzlich tauchte er die Ruder wieder in die Fluthen, den Bug der Jolle nördlich herumwerfend, worauf er seine Bewegungen aufs äußerste beschleunigte. Ein Weilchen beobachtete Gunnar das seltsame Gebühren zweiselnd dann kehrte er, sichtbar erreat. sich Arne zu. Blick hinüber, rief er aus, und sage,

wer's dort so eilig hat, aus unserm Wege zu kommen !

Arne verfehlte ewige Nuderschlage und leistete der an ihn gerichteten Aufforderung Folge. Bei Gott, Gunnar, antwortete er triumphirend, ohne dein Glas und deine Habichtsaugen erkennt Jeder, der nur einmal mit dem Gullik zusammentraf, den rothbärtigen Schurken aus den ersten Blick. Meine ganze Habe verwette ich gegen emen Bmsenhalm, daß er einen binterlistigen Streich ausführte und die Strafe dafür furchtet. So flieht nur em Hund, der einen Braten von einem fremden Tisch gestohlen ! und mit verdoppelter Kraft handhabte er die Ruder. Ist die Yacht leer, so schwebt Unheil in der Luft, bemerkte Olaf beruhigt, wir müffen ihm folgen, und bcsindet er sich erst in unserer Gewalt, dann soll er schon gestehen, wohin die beiden Opfer einer schamlosen Verrätherei gebracht wurden. Schlechtes Einholen im Kielwaffer, erwiderte Arne, die Jolle legt so schnell drei Klaster zurück, wie der Kutter eine ; denn bessere Ruderer als der Gullik giebt es nicht viele, zumal in dem Ding von einer Nußschale. Freilich, sangen müffen wir ihn, allein auf diese Art rücken wir ihm nicht, näher. , Gunnar, den Wink verstehend, drehte den Kutter dem User zu. Olaf und Arne ruderten ans vollen Kräften, nnd als sie endlich zwischen einer Anzahl Geröllblö cken landeten, da hatten sie sich über das zunächst einzuschlagende Versahren geeinigt. Während Arne den Kutter befestigte, betrachtete Gunnar die Pacht noch einmal durch das Fernrohr. Sie war mit dem Vordertheil, dem zurücktretenden Waffer folgend, noch tiefer gesunken, wogegen man nahe dem Steuerruder beinahe unter ihren Kiel hindurchzusehcn vermochte; außerdem hatte sie sich bedenklich auf die Seite geneigt. Niemand an Bord, kehrte er sich den Gefährten zu ; es läßt sich vermuthen, daß sie im Dorse gelandet wurden. Gleichviel, wo, erklärte Olaf zähneknirschend, eine Verrätherei liegt zu Grunde, und entdecken müssen wir sie, wollen wir uns nicht selber eines Verbrechens schuldig machen. ' Das Gespräch stockte, indem sie in den auf dem Ufer sich hinziehenden Weg einbogen und vollen Laufs dem Dorfe zueilten. Dabei überwachten sie fortgesetzt Gullik, welcher, mit äußerster Anstrengung rudernd, sowohl gegen die Ebbe wie gegen die dort fühlbarere Wirkung des Gletscherstromes zu kämpfen hatte und sich deshalb nahe dem westlichen Ufer hielt. Er beabsichtigte augenscheinlich. die Flucht in die nörlich führende Schlucht hinein fortzusetzen, wo er entweder den wilden Gletscherstrom kreuzen, oder seinen Weg nach den Höhen hmauf über die Eisfelder wählen munte. Nur noch zehn Minuten schwerer Arbeit trennten ihn von der in eine kleine feuchte Niederung auslaufcnden Spitze des Fjords. Aber schon nach fünf Minuten erreichten die drei Verfolger die ersten Hauser desDor fes, dessen Bewohner, bereits regsam, sich zum Theil zu des Tages Arbeit rulteten. Das Erscheinen der drei Verfolger erregte bald die Aufmerksamkeit. Dieser und Jener trat zu ihnen heran, und da Arne seit Jahren dort bekannt war, man sich sogar gewundert hatte, den rothen Gullik statt seiner in ListadS Gesellschaft an Bord der flacht zu erblicken, so wur de schnell eine Verständigung erzielt. Gullik war unterdessen ihren Blicken entschwunden. Nur die leere Jolle bemerkte man noch am Rande eines Wiesenstreifens. Da ihm aber nur der ein zige Weg in die thalartig erweiterte Schluchtmündung hinein offenstand, wo Haine und Gärten dort lebender Ansiedler ihm vielfach Gelegenheit boten, sich den Augen der Verfolger zu entziehen, so konnten diese über die inne zu haltende Richtung nicht in Zweifel gerathen. Aus verschiedenen Wegen und Pfaden stürmte man einher; weit voraus eilten die Rufe, den Flüchtling aufzuhalten; von Hütte zu Hütte flog die dumpfe Kunde eines begangenenVerbrechens und aus allen Richtungen eilten Jung und Alt herbei, um sich den Nachsetzenden anzuschließen. Was hinter ihnen stattfand, ahnte und errieth keiner der wilden Jagd, kümmerte auch Niemand. Vorwärts drängte man mit allen Kräften. Voraus Olaf, der kundige, unermüdliche Gebirgsjäger. Ihm auf dem Fuße folgten Arne und Gunnar, die beiden arbeitgewohnten jungen Seelcute. Die Sonne beleuchtete hell die obern Ränder der westlichen Plateaux, als Karen endlich aus einem tiefen, einer Betäubung ähnlichen schlaf erwachte. In der veränderten schrägen Lage wußte sie anfänglich nicht, wo sie sich befand. Dann aber stürmte die Erinnerung an die jüngstcn Ereignisse wie eine Lawine auf sie ein. Sich mühsam auf dem abschüssigen Boden einherbewegend, erstieg sie die Bedachung, unter welcher sie den letzten Theil der Nacht zugebracht hatte. Ihr erster Blick galt der Umgebung. Sobald man vom Dorfe aus auf der Jacht eine Frauengestalt entdeckte, sogar unterschied, daß dieselbe mit einem Tuche winkte, bemannten sich schleunigst ein halbes Dutzend Boote, und von kräftigen Armen getrieben, schössen sie wie zu einer Wettfahrt aus den stillen Wafferspiegel hinaus. Kaum eine Viertelstunde dauerte es, als die vordersten pfeilschnell um die Klippe herumbogen und sich der ?)acht von der Landseite her näherten. Karen selbst ahnte immer noch nicht das Grausige ihrer Lage. Erst als ein Fischer ihr die Hand reichte, in demselben Augenblick aber, veranlaßt durch ihre Bewegung, ein Wafferstrahl in das Fahrzeug hereinschoß und sie zugleich den Boden unter ihren Füßen weichen fühlte, gewann sie die Empsiudung, daß es sich um Leben und Tod handle. Nach vorn sinkend, wurde sie von kräftigen Armen umschlungen und in das nächste Boot hineingerissen, welches, ebenso schnell von der Klippe zurückgestoßen, eine Strecke dem Ufer zuglitt, wo es in der Reihe der andern Boote halten blieb. Karen war aus eine Bank gesunken. Sprachlos vor Entsetzen blickte sie nach der Klippe hinauf, wo es jetzt laut knirschte und krachte. Indem das Vorderschiff sich rasend schnell süllte und nach unten gezogen wurde, war ein Zacken des Riffs durch deir Boden der Jacht gedrun gen. Dadurch am Hinuntergleiten ge-

hindert, gewann ihr oberer Rand schnell

das Uebergewicht. Knirschend und split ternd schrammte die Scitenwand an dem Felsen hinunter; hochauf sprikte das Waffer, hohle Gurgeln und Poltern folgte, dann schloffen die Fluthen sich brausend über dem schweren Fahrzeug. Ihrer Aufforderung, sie schleunigst nach der Mistletoe hinauszuschaffen, begegnete man mit der Kunde, daß im Dorfe bereits Nachforschungen nach ihr angestellt worden seien. Mit freudigem Erstaunen erkannte sie aus der Beschreibung in dem einen der Verfolger Olaf. Aus solche Nachrichten änderte sie ihren ersten Plan. Olaf in der Näbe winend. wollte sie nicht zum zweiten Male sich fremden Händen anvertrauen. Sie beschloß daher, ihn im Dorse zu erwarten, um gemeinschaftlich mit ihm und seinen Begleitern nach der Mistletoe auszubrecyen. Fast um dieselbe Zeit, zu welcher die Boote den Rückweg nach dem Dorf einrx.f n . r , st. laugen, yalien oic Verfolger tyre iZesayre, sur deren Radspuren die am Fuße des westlichen Vergabhanaes sich bin;:ehenden holprigen, oft abschüssigen Pfade keinen Raum mehr gewährten, verlassen. In langer Kette breiteten sie sich über den Gletschcrltrom aus, um dadurch Gullik die Gelegenheit abzuschneiden, sich im Gebüsch und dichtem Gestrüpp zu verbergen. Alsbald eilte Olaf, gefolgt von Gunnar und Arne, den Geröllabhang hinauf. Andere junge Männer schloffen sich ihnen an, als die ihnen nachgesandten Rufe letztere am weitern Vordringen hinderten. Da oben ist's unsicher ! Niemand darf das Eis betreten ! schallte es aus verschiedenen Richtungen. Zurück, zurück, oder ihr seid des Todes ! Der Gullik maa sich's selber zuschreiben, wenn er versinkt ! Doch Olaf blieb taub gegen die Warnungen. Bald kletternd, bald springend oder kriechend, arbeitete er sich unter Aufbietung seiner äußersten Kräfte empor, unbekümmert um die Steintrümmer, welche sich unter seinen Händen und Füßen lösten, niederwärts rollten und Gunnar und Arne, die ihm kaum zu folgen vermochten, ernstlich bedrohten. Vcrräther ! Steh ! rief er dem Flüchtling. keuchend zu, als er endlich das Geroll verließ und in eine muldenförmige Rinne der massiven Eisschicht, trat, auf deren anderm Ende Gullik sich ganz nach dem Wälle hinaufarbeitete. Wo sind die beiden Frauen ? Steh und gieb Auskunft ! Da , kehrte Gullik sich nach ihm um. So viel höher , stehend erkannte er mit einem Blicke, daß'er von seinen Verfolgern nichts mehr zu fürchten habe. Denn bevor die unten Befindlichen den wüthend schäumenden Strom durchschritten und das Eisfeld umgingen, hatte er sich lärmst auf dcffcn anderer Seite in der Wildniß verloren, um unerkannt auf irgend einer andern Stelle der Küste wieder aufzutauchen. Doch plötzlich erscholl dumpscs Drohnen und Krachen, welches aus dem . Innern der Erde hervorzudringen schien und bei den auf dem Eiswalle Befindlichen das eigenthümliche Gefühl erzeugte, als ob ein elektrischer Strom sich durch das Mark ihrer Knochen fortgepflanzt hätte. Olaf stand wie erstarrt ; auch Arne verhielt sich regungslos und achtete nicht des Fclsblockes, der langsam in die Rinne hinabglitt, um dort erst seinen wilden Lauf zu beginnen. Nur Gunnar, der fast athemlos auf dem beschwerlichenWege zurückgeblieben war, stürmte nach vorn, dann aber folgten die Ereignisse so schnell auf einander, daß die Sinne sie nicht alle zu gleicher Zeit zu erfassen vermochten. Achtung ! Wahrt Euch !" schallte es von unten im wirrem Chor herauf, während oben das Krachen und Dröhnen sich in Grauen erregender Weise wiederholte und das Knirschen, mit welchem der Felsblock seinen Weg abwärts versolgte, sich verstärkte. Gullik war zurückgesprungen; wild spähte er nach dem Wege, auf welchem es noch möglich, dem ihm selbst drohenden Verderben zu entrinnen. Bevor er aber einen Schritt auf dem sich trichterförmig senkenden Boden zu thun vermochte, stürzte er nieder. Noch einmal richtete er sich empor, um im nächsten Augenblick wieder zwischen den ringsum aus ihrer Lage weichenden Schollen den Boden zu verlieren. Ein gräßlicher Schrei entwand sich seiner Brust und übertönte neues Bersten und Dröhnen, welches zitternd im Innern der Erde seinen Nachhall zu finden schien. Hoch empor warf er die Arme, indem von allen Seiten die Schollcn unter ihm einstürzten .und mit ihm von. der Oberfläche des Eisfeldes verschwanden. - . Ein dumpfer Hülferuf, welcher nichts Irdischem ähnlich, drang von der Stelle herüber, aus welcher Gullik eben noch gestanden hatte, und aufs Neue folgten dröhnende Erschütterungen, einem Erdbeben vergleichbar. Dann herrschte Todesschweigen überall, unten in dem Thal wie. auf dem Eisfelde ; nur der Gletscherström sang seine alte, eintönige Melodie, indem er unten im Thal, fast in der Höhe des Spiegels des Fjords, einem breitgewölbten Eisthor entschäumte. ' Mitten auf dem Eisfelde aber, aus der weitklaffenden Oesfnung, welche Gullik durch die sinnlose Erschütterung zu seinem rige nen Verderben geschaffen hatte, drang sein Brausen wie ein tiefer Orgelton hervor. ,,, (Fortsetzung folgt.) Wehmuth.' '. Ich kann wobl manchmal singen. Als ob ich fröhlich sei;' Doch heimlich Thränen dringen. Da wird mein Herz mir frei. So lassen Nachtigallen, Spielt draußen FrühlingSlufr, Der Sehnsucht Liederschallen Aus ihres Käfigs Gruft. Da lauschen alle Herzen, Und Alles ist erfreut ; Doch Keiner fühlt die Schmerzen, Im Lied das tiefe Leid. I. v.Ei ch en d o rs.f. in Vertröstung. Schuldner (dem vom Gläubiger die Rechnung präsentirt wird) : .Besuchen Sie mich., nächsten Donnerstag wieder, und ich werde Ihnen dann sagen, wann Sie wieder kommen sollen

Spielgesellen Lieder. Unter derLinde. Ich bin der alte Spielgesell' Und streiche meine Fiedel; Ihr Buben und Ihr Mädchen schnell. Ich weiß ein neues Liedel. Mit Feueraug' Du Bursche da. Du, Mädel, mit dem Kranze, Hi ha hopsasa, 3ch spiel' Euch aus zum Tanze. Als ich noch jung an Jahren war. Da schwang ich auch die Beine, Doch jeho hab' ich graues Haar, Und gern' tanzt mit mir Keine. Doch ob mir solches Leid geschah. Kein Wort soll mir entschlüpfen, Hi -r ha hopsasa. Ich lass' die Jünger'n hüpfen. Grüßt mir die schöne Jugendzeit, Sie ist gemacht zum Lieben; Den traf fürwahr ein großes Leid, Dem das ist fern geblieben. Und ist Dir erst das Alter nah'. Wirst dich bescheiden müssen, Hi ha hopsasa. Und lass' die Andern küsien. Doch weißt du, wie zur Alterszeit Das Herz man kann erneuen? Das kann man, wenn man sich d'ran freut. Daß sich die Jungen freuen. Darum Ihr alten Bursche da, Laßt freu'n uns im Vereine, Hi ha hopsasa, Ihr Jungen schwenkt die Beine!

In derSpinnstubc. Spinnende Mädchen, sinnende Mädchen, Wolll Jhr zur hurtigen Arbeit ein Lied? Dreht Ihr nicht schneller die zierlichen Fädchen, Wenn es mit guten Gedanken geschieht? Ich streiche die Geige, Ihr spinnet; Und bin ich zu Ende uud schweige. So sinnet ! Spinnende Mädchen, sinnende Mädchen, Hört, welche Frage mein Lied Euch stellt: Ist diese Stube voll sausender Rädchen Nicht wie ein Gleichniß der irdischen Welt ? Wir sehen wohl Jeden Bei'm Sinnen, Um sich starke, goldige Fäden Zu spinnen. Weiber spinnen und Männer sinnen Um Ehre und Leben, um Gut und Geld, Glühender Haß und zärtliches Minnen Weben die Netze wohl über die Welt. Ob zum Guten, zum Schaden, Sie sinnen. Das Schicksal ist da, um den Faden Zu spinnen. D'rum Alle, die spinnen. Alle, die sin- , nen. Alle,' die wirken mit Hirn oder Hand, Eines bedenket hn jedem Beginnen : Schlechtes Gewebe hat kurzen Bestand ! Darum, soll Gutes das Leben Uns spinnen. Müssen wir Gutes erstreben Und sinnen. A. Rode rich. G r o ß m u t h. Hauptgläubiger (bei einer Pfändung): Meine Herren, der Unglückliche hat Alles verloren. Nehmen wir ihm nicht das Letzte, was er besitzt, lassen wir ihm die - (rt?ttiin I Gesant. (fällt mit seiner Tänzerin zu . ganzer Boden): Ach Gott, Fräulein, Sie sind auch zu hinreißend ! .EinAusweg. Dr. Schrott : Nun, Maier, was hör' ich denn, Ihr wollt einen geselligen Verein gründen? Maier : Jawohl, Herr Doktor, er ist schon gegründet, und ist auch schon angekaust ein Lokal und ein großer, prächtlger Garten, s.ber wir find noch nicht ei nig, wie wir sollen nennen den Garten. Wir möchten gern haben einen recht be züglichen Namen. Dr. Schott : Nun, warum nennt Ihr ihn denn nicht nach dem Gründer des Vereins ? Maier: Das ist eben der Uebelstand. Sind doch die Gründer derSimonWolf, derNathan Löw und derAbrahamHirsch! Wie können wir da den Vcrcinsgarten nennen nach Einem ? Dr. Schrott : O, das ist ganz einfach. Nennt ihn Thiergarten, so sind alle geehrt und keiner zurückgesetzt. ModerneBildung. Junge Frau : Wozu rathen Sie mir ? Buchhändler : Nun, dieser neue Roman ist m der That sedr empschlenswerth, geistvoll, spannend, von er schütternder Charakteristik, kurz, ein Buch, das man nicht aus der Hand legt, bevor man auf der letzten Seite ange langt ist. Junge Frau (zögernd) : Dann möchte ich doch lieber um etwas Anderes bitten. Dieses Fesselnde" entspricht nicht ganz meinen Anforderungen. Ich will mich bei der Lektüre bilden, ich verlange ein wahrhaft vornehmes Buch . . . eine clas fische Ruhe . . . (halblaut) : unter uns gesagt, eine gewisse Langweiligkeit . . . Nur solche Bücher kause ich : das Fesselnde" lese ich aus der Leihbibliothek. Buchhändler (verbindlich) : O, ich verstehe ! (Tritt zu einer glänzend aus gestatteten Bücherreihe; für sich): So sind .sie alle! (Ueberreicht ihr einen Prachtband.) Hier, meine Gnädige! (An's Pult eilend, um zu notiren) : Mit wem hab' ich die Ehre ? Junge Frau (selbstbewußt): Die Frau Bürgermeisterin ! Der Frühschoppen. Der Studiosus Hempel ist vom Com mers erst um sechs Uhr in der Frühe nach seiner Bude gekommen, liegt de' Nachmittags um vier, gestiefelt und gespornt, im Bett und schläft seinenRausch aus. Da treten zwei seiner Commilitonen ein. . Steh auf, Hempel, mach' Dich ser tig!" . Was ist los ? ' Komm, komm, es ist die höck.p: Zeit zum Frühschoppen!"