Indiana Tribüne, Volume 4, Number 290, Indianapolis, Marion County, 2 July 1882 — Page 6
Zer Handel um den Mmen.
Lon Sacher Nassch. Das war ein Trauertag in Israel und ein unerhörter Tumult in der Judengasse der galizischen Kreisstadt, als derErlaß des Kaisers Joseph II. bekannt wurde, durch dendie Juden gezwungen wurden, fortan Familiennamen zu füh ren. Wie bei einer Feuersgefahr waren alle die schlichten, guten, ängstlichen Menschen, nielche in den engen hölzernen Hausern über und neben einander wohns ten, nicht selten zwei und drei Familien in einem Zimmer, nur durch hölzerne Verschlage getrennt, zusammengelaufen und standen nun in dichten Haufen, in- ' dem sie laut schrieen und heftig gestikulir. ten, wie es nun einmal jüdischer Brauch ist. Nachdem man sich unter Seufzen und Wehklagen dahin geeinigt hatte, sich dem Willen des Monarchen zu fügen, erwachte sofort der auch in den bescheidensten und verschossensten KastanS wohnende Trieb nach Ehre und äußerem Glanz und so und so viel von Streimeks (kalpakartigen Pelzmützen) oder Stirbinden und seidenen Scheiteln bedeckten Köpfe begannen über möglichst schone und dem Ohre schmeichelnde Namen nachzu sinnen. Zu derselben Stunde waren die Beamten des Kreisamtes an ihren großen, mit kleinen Säulengeländen versehenen Schreibtischen erschienen und besprachen das Ereigniß, das wie ein feurigerStein vom Himmel unter sie gefallen war. Plötzlich trat die Gemahlin des KreisHauptmanns Grobacherin langerSchleppe, spitzenbesetzter Nachtjacke und Haube herein. Die kleine üppige Frau strahlte vor Vergnügen, und in ihren Augen funkelte eine fast unheimliche Befriedigung. .Ich habe eine unschätzbare Idee," begann sie mit jener Würde, durch die sie nicht allein den untergebenen Beamten, sondern dem ganzen Kreise zu imponiren verstand. .Der Wille Seiner Majestät soll erfüllt werden, aber in einer Weise, welche uns Allen Vortheil bringt. Der gute Kaiser hat verfügt, daß die Juden Namen bekommen sollen, aber er hat nicht gesagt, was sür Namen ihnen gegeben werden sollen, und ich sinde in dem Rescript keine Stelle, welche es den Ju den gestatten sollte, sich Namen zu wähtat." Sie blickte erhaben um sich, wie Napoleon vor einer Schlacht. .Richtig", sagte der Kreishauptmann, indem er bedächtig aus seiner goldenen Tabatiere eine Prise Spaniol nahm, .vollkommen richtig, aber ich sehe nicht ein, was daraus folgen sollte. Frau Grobacher lächelte mitleidig. .Ich müßte unsere Juden nicht kennen," fuhr sie fort, .oder jeder von ihnen wird sich auf das eifrigste bemühen, einen möglichst schönen Namen zu erlangen." .Gewiß, versetzte derKrcishauptmann, .und wir werden ihnen also in Gottesnamen möglichst schöne Namen peben." .Aber nicht umsonst," rief Grobacher, .sie müssen ihre N' und baar bezahlen." .Was für ein r . . , der Kreiskommiss ...l er sich uw.x. jie Gnädige .' ..nderischesGenie." ,' ., . , ib blinde Kanzlist be- ...:.: n Kompliment zu machen und unter seinem grünen Augenschirme verständnißinnig hervorzulächeln, während der Kreishauptmann ängstliche Blicke um sich warf, und nachdem er heftig geschnupft hatte, ausrief : .Und das sagst Du hier so ruhig, hier im kaiserlichen Amte vor den Herren Beamten? Du vergißt, welche Pflichten die Ehre des Dienstes" .Papperlapapp," rief die resolute Dame, die Dienstehre verlangt, daß das Reskript Seiner Majestät pünktlich ausgeführt wird, und sie verlangt auch, daß die Herren Beamten an den Vortheilen, die wir damit verbinden, Participiren." ' .Nun, wir werden ja sehen," versetzte der Kreishauptmann, heftig schmunzelnd, während sich die Beamten vor seinerEemahlin dankbar verneigten. So stolz übrigens Frau Grobacher auf ihre Idee war, so entsprang dieselbe doch nicht in ihrem Kopse allein, allerorten waren die Beamten sofort einig, aus dem kaiserlichen Reskripte ein gutes Geschäft, eine lukrative Einnahmsquelle zu machen. Und so aeschah es auch. Die Juden begriffen, an derlei Dinge gewöhnt, die Procedur auf der Stelle, und alles ging glatt ab. Wer brillant bezahlte, bekam einen brillanten Namen, wer gut zahlte, einen auten. rsti bescheiden zahlte, einen bescheidenen, und wer nichts zu zahlen im Stande war, einen recht gewöhnlichen, wobei die Beamten nicht selten ihrem Humor die Zügel schien iie&en. Damals erranaen reiche Juden jene Herrlichen Namen, Veilchenfeld, Goldreich, Mondbach, Löwenstamm, Dlamant,yer melin, Nubinseuer. Wohlhabende mußten sich mit Bezeich nunaen wie Scharmant, Nußbaum, Du kat, Perlmutter begnügen ; gegen geringe Summen wurde aewöhnlich die Geogra phie und das gemeine Leben zu Hülfe genommen. Stammte einer aus Wien, wurde er Wiener genannt, war sein Großvater aus Warschau eingewandert, hieß er Warschauer. Andere wurden als Regen, Feuerstein. Tabak eingetragen. später nahm man den Vaternamen zu Hülfe, und es entstanden die Aschersohn, . Salomonsohn, Davidsohn, Joelsohn und so weiter. Die armen wurden zu Essig, Pfeffer. Ameisen. Haberkorn,Kahlköpf und anderen mehr oder minder glanzlosen Namen verdammt. Der erste, welcker im Kreisamte er schien, war der reiche Kaufmann Meilech; er erschien in seinem vollen Sabbathstaate, dem schwarzen mit Marderpelz besetzten seidenen Talar und der hohen Sabbathmütze aus Marder, verneigte sich verlegen und lächelte. .Was wünschen Sie?" sragte der . tp. " relsiomm'.Mr. Was ich wünsche begann der Kauf mann, .wie soll ich mich unterstehen, etwas zu wünschen, Herr Kreiskommissär, ich bin nur da, einen Namen zu erhalten, und da ich schon haben soll einen Namen, so bitte launterthamgst um einen scho nen Namen." Der KreiSkommissär winkte dem Kanzlisten mit den Augen und begann
eine Feder zuspitzen.
.Das ist nicht so leicht ließ sich der Kanzlist Krummholz vernehmen, wir haben da ein Verzeichniß, und es geht der Reihe nach." Er nahm ein Heft zur Hand, legte feine Nasenspitze an dasselbe und las endlich : .Sie bekommen den Namen Schöps, Herr Meilech." .Schöps ?" jammerte der reiche Kaufmann, .was für ein Name ! Warum foll ich heißen Schöps? Die Leute werden zeigen mit Fingern auf den reichen Meilech, wenn er kann nicht bekommen einen besseren Namen als Schöps, das ist ja ein Thier und kein Mensch." .Es ließe sich schon etwas machen," murmelte der Kanzlist, .aber man müßte die Verordnung beiSeite setzen und dann giebt es auch viele Schreibereien." .Ich will gerne geb'n, was Sie wollen für die Mühe," rief der reiche Jude. .Gut," sagte der Kanzlist, .vor allem müssen Sie zahlen, dann müssen Sie aber auch schweigen, Herr Meilech, sonst könnte ich um mein Amt, und Sie in das Kriminal kommen."
.Verstehe, Herr Krummholz, verstehe. verstehe," antwortete Meilech und faltete die Hände über seinem runden stattlichen Bauche .also, was soll ich etwa bezahlen sür einen sehr schönen Namen?" Wenn Sie zwanzig Dukaten oezaylen, können Sie sich sogar einen Namen aussuchen." Mellech scuszte, zog seine Börse, zahlte die zwanzig Dukaten auf und flüsterte : rv v . . Y 5 i l TL V .i'tun vllie icy aoer unleriyanigi.! um oen schönsten Namen, den Sie haben im Lager. Der anzllst richtete sich aus, naym eine erhabene Miene an und begann : Herr Meilech, haben Sie schon m emer schönen Nacht das Himmelsgewölbe betrachtet? Kann es etwas Schöneres geben, als die Sternenwelt ?" .Soll ich hemen Stern ?" murmelte Meilech, .das wäre wohl schön, aber sinden Sie nicht, daß der Name etwas kurz ist sür zwanzig Dukaten?" .GewmentgegneteKrummholz, aber es gibt verschiedene Sterne, Herr Meilech, große und kleine, solche, die stark leuchten, und solche, die nur schwach leuchten." Also geben Sie mir einen Stern, der sehr groß und. stark leuchtet!" Wissen Sie was, sprach der KanzIlst nach einigem Nachdenken, .nennen Sie sich Llchtenstern, das erinnert an Lichten stein, Fürst Lichtenstein." Was sur em prächtiger Mensch, der HerrKanzlist," sagteMeilech schmunzelnd. Llchtenstern, das ist wirklich schon, das muß ich sagen. Schreiben Sie also Lichtenstern, Herr Kanzlist." Meilech blieb hmter ihm stehen und blickte ängstlich über seine Schultern in dasProtokoll, bis er sich überzeugt hatte, daß er wirklich als Meilech Lichtenstern eingetragen worden war. Dann druckte er dem Kanzlisten noch einen Zwanziger in die Hand, denn er wußte sehr gut, daß die zwanzig Dukaten nicht für ihn bestimmt waren, und begab sich mit einer für einen jüdischen Aristokraten fast unanständigen Eile nach Haus. Seine Frau und seine Kinder eilten ihm entgegen. Also was hast Du bekommen sur einen Namen ?" rief die erstere. .Lichtenstern," erwiderte Meilech, er strahlte in diesem Augenblick nicht etwa wie ein Stern, sondern wie die Sonne selbst. .Habt Ihr es gehört, Kinder? Wir sollen jekt heißen Lichtenstern," sprach die reiche Kausmannssrau stolz. Meilech seuszte, er dachte an die zwanzig Dukaten, er dachte aber anch an das Kriminal und schwieg. Zur selben Zeit saß ein anderer Jude, der arme, gute, ängstliche Absalon, mit den Seinen in dem kleinen, ganz kleinen Laden, in dem ein halbwegs großer Mann nicht aufzustehen vermochte und in den die Sonne nur täglich einmal schüchtern durch ein Nitzchen hineinblickte und einen goldenen Strich über dieDiele zog, nicht breiter, als ein Finger, und nicht länger, als die Elle, mit der Absalon denBauernweibern die buntenStosfe vormaß, und es ist nicht zu leugnen, daß die Elle eigentlich em wenig zu kurz war. Kein Mensch wäre im Stande gewesen. zu sagen, was er nicht kaufte und wieder verkaufte. In semem kleinen Laden war eine kleine Welt aller erdenklichen Dinge versammelt, es war wohl alles em bis chen schadhaft, ein bischen alt und ein bischen schäbig, aber dafür war auch jede -Waare prelswurdlg. unter Brüdern so gar, denn der alte Absalon begnügte sich mit einem ganz kleinen, verschwindenden Gewinn. Es gab da Stiesel, die ge flickt waren,und alte verrostete Schlösser, aber es gab auch goldene Uhren, wenn sie auch den Fehler hatten, jede Stunde oder gar jede Viertelstunde einmal ste hen zu bleiben, und es gab auch seidene Roben,die nur ganz wenig von denMau sen angefressen waren. Mitten unter diesen Schätzen saß Absalon mit seiner Frau Rachel und semen Töchtern Ne bekka und Esther, seinem Sohne Jossel und noch drei kleineren mdern, und alle strengten sich furchtbar an, einen Namen m finden, der alle anderen in der Kreisstadt, ja, wenn möglich, in ganz Israel übertreffen solle. Sie fanden keinen,der ihnen allen gleich gefallen hatte. Rachel z. B. machte schüchtern den Vorschlag, denNamcn Gottwelt zu way len, aber Absalon schüttelte sofort be denklich das Haupt. .Man soll den Namen Gottes nicht eitel nennen, sagte er, und wenn ich mich Gottwelt nenne. heißt das nicht, die Leute m Versuchung sübren?" .Goldmann," rief Esterka, :.das wäre ein herrlicher Name, Tateleben." Wie sollen wir heißen Goldmann, wendete Mutter Rachel ein, .wenn wir sind so arm, daß wir kaum haben uns satt zu essen. Müßten wir nicht werden zum Gespötte der Leute 5" Absalon sagte nach langem Nachsin nen plötzlich mit einem seinen Lächeln : .Was sagst Du aber, wenn lchLmentha beißen will, Rachel?" .Aber Tateleben," rief Jossel lachend. .thu' doch einmal ein bischen riechen. necht es etwa nach Lilien hier i Wie Leute werden sagen, hätt' er sich doch lieber Zwiebelthal genannt." Sie beriethen weiter bis zum Essen, sie beriethen während des Essens und nach d?m Esten. Sie fanden keinen Namen, der ihnen schön und passend ge-
nug erschienen wäre, endlich ging Absa-'
on seufzend semen Geschäften nach. Unerwegs, wenn er bei irgend einer Köchin ein Hasenfell verhandelte oder auf der Straße em verlorenes Hufeisen auflas stets nur von dem einen Gedanken beeelt, einen guten Namen zu finden. Er stand eben bei einem Bauer und feilschte mit diesem um ein halbes Dutzend Schwelnsblasen, als ihm seine ganze Familie, Frau und Kinder, nachgelaufen am. .Täte," riesNebekka von weitem schon, jetzt haben wir einen Namen, einen besseren kannst Du nicht finden." Also sprich," murmelte Absalon erwartungsvoll. .Lowenmuth mußt Du heißen." Absalon zog die Schultern empor und ächelte. .Bin ich muthig ?" sprach er, .kann ich doch keine Fliege umbringen; bin ich ein Löwe?" Und wie er so dastand m semem verblaßten bouteillenarunen Kaftan und dem niederen, runden. schäbigen Filzhut, den Schmachtlöckchen an den Schläsen und den fuchsigen Bart, klein, mager, mit einwärts gebogenen Knieen, sah er wahrhaftig keinem Löwen gleich. .Wenn ich heiße Löwenmuth, wird jeder Mensch glauben, daß ich bin ein Simson, und werden mich so lange prügeln, bis sie wisten werden, daß ich em Schaf bin und kem Löwe." Betrübt schlich Rachel, schlichen die Kinder nach Hause, sie brüteten den ganzen Abend und gingen zur Ruhe ohne einen Namen gefunden zu haben. Mitten in der Nacht schrie Rachel plötzlich aus dem Schlafe : Abfalon, weißt Du, wie Du wirst heißen ? Atlas wirst Du heißen !" .Atlas," wiederholte Absalon, mdem er sich auf die andere Seite drehte. .Atlas wäre Nicht übel, aber laß mich schlafen jetzt." Früh am Morgen erwachte der brave Mann mit einem strahlenden, glückseligen Antlitz und begann feierlich : .Frau, Kinder, kommt alle zu mir, jetzt hab' ich ihn, den Namen, Gold und kdelsteme gehören den Reichen, aber die Sonne, die Gott über uns alle leuchten läßt, gehört auch den Armen. Ich werde mich Sonnenglanz nennen. Ist das ein Name, was V Alle staunten ihn an und keine Stimme erhob sich dagegen, Absalon fuhr rasch in seine Kleider und stand wenige Augenblicke spater vor dem Thore des Kreisamtes, genau zwei Stunden, ehe dasselbe geöffnet wurde. Ihm war ganz eigenthümlich leicht und vergnügt zu Muthe, als er endlich in die große. düstere Kanzlei eingelassen wurde und sich unter immerwährenden .Bücklingen, aus den Fußspitzen, dem Kanzllsten Krummholz näherte und denselben mit seinem grünen, mit wunderten von Tintenklexen übersäeten Schreibärmel zu zupfen begann. .Was willst Du?" schrie ihn der Kanzlist an. .Was soll ich wollen," sagte Absalon, .bin ich doch nur gekommen, weil der Herr Kaiser befohlen hat, daß wir armen Juden sollen bekommen schöne Namen, wle m Christen." .Ja so; also wie soll man Dich denn nennen ?" .Wenn der Herr Kanzlist nichts dagegen haben, so möchteich Sonnenglanz heißen." .Wie, was?" nefen die Beamten durch einander. .Sonnenglanz ?" wiederholte der Kanzlist, glaubst Du, daß man so mu nichts Dir nichts Sonnenglänz heen kann? Kannst Du Dir etwa so einen Luxus gestatten ? So ein Name kostet hundert Gulden, hast Du vielleicht hundert Gulden?" Die Beamten lachten alle zugleich. Absalon schlich beschämt davon und kam betrübt nach Hause zurück. .Also haben sie Dir gegeben den Namen Sonnenglanz?" fragte Rachel. .Soll ich geben hundert Gulden!" rief Absalon weinerlich .und möcht' ich sie geben, so hab' ich sie nicht; wir können nichts bezahlen sür einen Namen, wir müssen zufrieden sem Mit emem Na men, der so arm ist wie wir selbst. Was ist ein Name ? Nicht die Stelle ehrt den Mann, sondern der Mann die Stelle, sagt der Talmud ; so ist es auch mit den Namen." Willst Du uns anthun die Schande," rief Rachel, daß wir sollen bekommen einen schlechten Namen? Willst Du sparen dein Geld bet emer so wichtigen Sache? Wenn Du nicht kannst geben hundert Gulden, so gieb einen Dukaten oder zwei, und Du wirst bekommen einen schönen Namen." .Nicht einen Zwanziger geb' ich aus für ein Ding, was so werthlos ist, wie ein Name." .So sprichst Du jetzt, Tataleben," rief Esterka, .vorher hast Du gesprochen ganz anders. .Selbst die Vögel in der Lust verach ten den Geizhals," rief Rachel. .Wenn Du willst geben einen Dukaten, so will ich gkben den zweiten, was ich hab' ver steckt in einem alten Strumpf." Und nun begannen alle zugleich zu schreien, zu flehen, zu beschwörenund Rebekka weinte sogar. Absalon wurde weich und erklärte stch schließlich bereit für zwei Dukaten einen Namen zu kaufen. .Weißt Du was, Rachelleben, wenn die Sonne kostet fo viel, so werden wir uns begnü gen mit einer Kerze, die auch leuchten thut, wenn auch nicht so stark nnd schön. Und so will ich in Gottesnamen heißen Kerzenschem. Wieder erschien Absalon im Kreis amte, wieder zupfte er den Kanzlisten beim Aermel, nur war er so vorsichtig diesmal einen Dukaten auf die Ecke des Schreibtisches zu legen und dann erst in , aller Demuth um den Namen Kerzen schein zn bitten. Die Beamten aber lach ten ihn einfach aus. .Was glaubst Du," sprach der Kam list würdevoll,Kerzenschein ist noch immer em Name, der Mindestens fünf Dukaten werth ist, hast Du vielleicht fünfDukaten, Absalon?" Absalon seufzte und legte zu dem ersten Dukaten bedächtig einen zweiten. .Ich will zahlen, so viel ich kann," sprach er. .für zwei Dukaten werden Sie wohl die Ehre haben, mir den Namen Kerzenschein zu geben." .Geht nicht, lieber Abfalon,geht wirklich nicht," versicherte der Kanzlist.
.Also will ich meinetwegen Grün-
blatt heißen." Die Beamten begannen von Neuem zu achen. .Was find zwei Dukaten?" rief der Kanzlist, was kann man für zwei-Du-aten kaufen ? Eine Hose, die man em Jahr trägt oder zwei, abe?.' nicht einen Namcn, den man sein Leben lang trägt. ur zwei Dukaten kannst Du allenfalls Zuckerhut oder Eisenstein heißen." Absalon war wie vom , Donner gerührt, es schien ihm ganz unmöglich, daß er, der als glorreicher Sonnenglanz ausgegangen war. als einfacher Zuckerhut nach Hause zurückkehren sollte. Ersteckte raurlg sein; zwei Dukaten wieder em und ging sachte zur Thüre hinau; es wähnc jedoch nicht lange, so kehrte er zurück und zupfte den Kanzlisten wieder beim Aermel, er war entschlossen, sem Letztes herzugeben. .Ich will noch dazu legen zwei Zwanziger," flüsterte er, .aber machen S:e mich nicht unglücklich und geben Sie mir den Namen Grünblatt. Gott wird Sie segnen und Ihre' Kinder und Eükel." Der Kanzlist schüttelte nur den Kopf, der Kreiscommissär rief ent rüstet : Willst Du mit uns handeln? Glaubst Du, daß wir Juden sind?" .Wenn Sie mir nicht wollen geben emen guten Namen , sagte Ävjalon furchtbar entrüstet, aber nur innerlich, und ganz im Geheimen, denn er stand noch, immer mit gekrümmten Rucken da und sprach leise, wie wenn er Jemanden mi Schlafe zu stören fürchtete, .dann will ich auch nicht geben zwei Dukaten und zwei Zwanziger für einen Namen, der nicht werth ist emen Kreuzer". Er wartete noch einen Augenblick und als ihn die Beamten nicht weiter beachteten, ging er rasch zur Thüre hinaus und schloß dieselbe sogar ziemlich kräftig zu. Es währte indeß kaum fünf Minuten, so stand der arme Absalon wieder bei dem Schreibtisch des Kanzlisten und begann schwer 'seufzend : .Wenn ich schon hab' kein Geld, will ich noch geben zwei Huhner und eine gute Hose für den Herrn Kanzlisten, was ich hab' gekaust vom Grafen Kamorovski, und Sie werden mich nennen Sonnenglanz." Er war plötzlich muthig wie ein Löwe, legte noch dem Kanzlisten ein Silberstück von zehn Kreuzern auf die Unterlage und sprach : Das ist noch überdies für Ihre Muhe, Herr Krummholz, schreiben Sie also in Gottes Namen Sonnenglanz." .Pack' dich auf der Stelle , ruf der Kreiöcomminär entrüstet, .willst Du uns etwa zum Besten haben ? Wir ha ben keine Zeit für Dich, wenn Du nicht Zuckerhut heißen willst, so sollst Du Knoblauch heißen und damit basta !" Eben ging die Thüre auf, und Frau Perle, eine junge, schöne Wittwe, kam herein und füllte die sonst so dumpse, mit Tabak versetzte Luft der Kanzlei in wenigen Augenblicken mit d?m feinsten Wohlgeruch ; um sie rauschte es von lostbarer Seide, blähte sich üppiges Pelzwerk, blitzten m allen Farben kostbare Edelsteine. Sie näherte sich vem Kreiscommissär, welcher sich mit liebenswür diger Eile erhob, galant lächelte, und ihr semen eigenen Stuhl ar.bot. .Ich bin überzeugt," begann er, .Sie kommen in der Absicht, uns einen recht schönen Namen abzuschmeicheln." .Ich wäre sehr dankbar," stammelte die schöne Jüdin, .und bin auch bereit, zu zahlen die Taxen." .Ich bitte ijicr !" ließ sich der Kanzlist vernehmen. Frau Perle zog ihre Börse hervor, aus einen Wink des Kreiscommissärs stand Krummholz auf und nahm das funkelnde Gold in Empfang, Die Beamten waren augenblicklich in der besten Laune. .Aber wie sollen wir armenSterliche," begann der Kreiscommissär, .für Sie einen würdigen Namen finden. Das ist ja gar nicht möglich. Meint man doch. wenn Sie erlchemen, Frau Perle, Venus selbst die Schaumgeborene, zu erblicken." soaar die Phantasie des windschiefen halbblinden Kanzlisten begann ihre mit Aktenstaub bedeckten, tlntenbeklextenFlu fiel zu regen. .Ich wage zu bemerken," sprach er, .daß es eine passende Anspielung wäre, in dem Namen, den die schöne Frau Perle erhält, ihre Verwandtschaft mit der Göttm der Schönheit und Liebe aus zudrücken, und deshalb stimme ich sür den Namen Wellenhemi, was so viel sa gen will" .Nein, nein", unterbrach ihn der Kreiscommissär, betrachten Sie doch die blühenden Wangen aber richtig, Sie sehen ja nichts, Krummholz wie könnte Frau Perle anders heißen als Rose, das klingt nicht RosengJrten jetzt hat? ich es, Nosenthal." Die schöne Wittwe lächelte verbindlich und wurde auf der Stelle als Frau Perle Nosenthal in das Protokoll eingetragen. Als sie die Kanzlei verlassen und der Knaster des Kanzlisten wieder über die Wohlgerüche der jüdischen Venus die Oberhand gewonnen hatte, begann Absalon weinerlich : Machen Sie mich nicht unglücklich, HerrKreiscommissär. " .Was, ist der Lump noch nicht fort ?" schrie dieser, wenn Er nicht Knoblauch heißen will, so soll er Ohrenbläser heißen, damit Er uns ein anderes Mal nicht die Ohren vollschreit. Ja Ohrenbläser." Wieder ging die Thür und es kam Abuel, der Schneider, er näherte sich bescheiden, aber mit demSelbstgefühl eines wohlhabenden Mannes, demreiscommissär und sragte leise : .Was habe ich zu bezahlen. Euer Gnaden, Sie kcnnen meine Verhältnisse!" Der Kreiscommissär flüsterte mit dem Kanzlisten, das Protokoll wurde aufgeschlagen und der Schneider verließ stillvergnügt als Abuel Honig das Kreisamt. .Herr Kreiscommissär, Herr Kreiscommissär, theurer Herr Kreiscomissär," seufzte-Absalon. Man hörte ihn nicht an, endlich rief er verzweifelt : .Giebt es denn keine Gerechtigkeit mehr ans Erden, daß ein ehrlicher Mann wie ich soll Ohrenbläser heißen V .Ist Dir der Name zu schlecht?" schrie ihn derKreiscommissär an, .so sollst Du Absalon Gans heißen." .Ich bring' mich um, Herr Kreiöcommistär, wenn Sie mir geben einen solchen Namen," betheuerte Absalon, bin ich ein Vogel ? kann ich fliegen ? ich bin auch kein Schege, iÄ bin ein armer, ehrlicher JudV
ES kam Schemuel, der Kutscher, ein
Mann, nicht reicher als Absalon, er kam tiefgebückt und lächelnd, und begann dem Kreiscommissär Schönheiten zu sagen, mit denen das hübscheste junge Mädchen hätte zufrieden sein können. Dann näherte er sich demüthig demKanzlisten und lächelte wieder und erschöpfte sich m den liebenswürdigsten Redensarten. End lich legte er noch drei Zwanziger auf den Tisch. Der Kreiscommissär lachte. .Weißt Du, wie Du heißen wirst. Schemuel?" sprach er gnädig, .Schmeichler wirst Du heißen, bist Du zufrieden?" .Warum soll ich Nicht zufrieden sem?" .Wer ist reich?" rief jekt Absalon, der einen heroischen Entschluß gefaßt hatte. .der mit semem Loose zufrieden ist, sagt die Mischnacr-. So will ich denn in Gottes Namen behalten mem Geld und meinen Namen uns auch zufrieden fein. Geben Sie mir den Zehner, Herr Kanzlist, was ich hab' gelegt auf Ihre Unterläge." .Was? nicht einmal, die vaar 5'reuzer will Er zahlen V schrie derKreiscommissär wüthend ! .Geben Sie ihm das Geld zurück, Krummholz." Der Kanzlist zog daS Silberstück aus der Tasche und warf es dem Juden vor die Fuße, während der Kreiscommissär das Proto koll zur Hand nahm und mit schwungvollem Federstrich den Namen selbst in dasselbe eintrug. . Absalon blickte ängstlich über seine Schulter hinein und brach dann in lautcs Wehklagen aus. .Es wird geschehen ein Unglück, Herr Kreiscommissär," schrie er, Gott wird Sie strafen ! Statt Nudelach sollen Sie effen Hobelspän und statt Tabak sollen Sie schnupfen Streufand" .Was?" rief der Kanzlist, .jetzt will er uns sogar drohen!" Ver Kreiscommissär aber ergriff den armen Absalon und warf ihn zur Thüre hinaus. Er stolperte die Treppe hinab und wankte über den Ringplatz. Als er indeß zu Hause ankam, hatte er dies alles wieder vergessen. Alle umringten ihn freudig erregt. .Wie heißt Du also ?" fragte seine Frau auf das höchste gespannt;" kannst Du nicht reden ?" .Wie soll ich heißen," erwiederte er, bereits in seinSchicksal ergeben, .wie Du mich da siehst, so heiß ich Unglücksmensch WM.iTnn Qnuhr " T V V .Was sür ein Name !" schrie seine Frau. .Was für ein Name !" wiederholten seine Kinder. .Was für ein Name,, sprach Absalon, .der Name ist nicht reinlich, aber davor ist er billig." Zum Kapitel der Bärte. Bärte hat es in früheren Jahrhunderten einzelne von so erstaunlicher Länge gegeben, daß es freilich nicht zu verwun dern ist, wenn selbige ihre Geschichtschreiber gefunden haben. So thut Valvassor in seiner Beschreibung des Herzogthums Kärnthen eines sonderbaren Bartes Meldung, den Andreas Eberhard Rauber van Talberg und Weineck, deutscher Ritter und Kriegsrath Kaiser Maximilians II., trug. Dieser Herr ist seh? berühmt gewesen, nicht nur wegen seiner Körpergröße und gewaltigen KörPerkraft, sondern. auch wegen seinesBartes, der ein wahres Wunder und von einer so außerordentlichen Länge war, daß er nicht nur bis zum Erdboden reichte, sondern, von da aufgenommen, wieder bis zum Gürtel emporstieg. Der Ritter erschien nie in einem Staatswagen oder zn Pferde bei Hofe, sondern stets zu Fuß, um seinen Bart mehr der allgemeinen Bewunderung zur Schau stellen zu können. Er schlang ihn gern um einen Stock und ließ ihn, wie eine ausgebreitete Fahne, den Winden zum Spiel. Dieser Herr wurde einstmals bei sei-, ner Anwesenheit zu Gratz, am Hofe des Erzherzogs Karl, von diesem veranlaßt, seine Kr'äste mit denen eines getauften Jsraeliten zu messen, welcher sich seiner Stärke halber rühmte, von Simson abzustammen. Die beiden Gewaltigen kamen überein, sich Fauststöße zu geben, und das Loos entschied die Reihenfolge. Rauber erhielt den ersten Stoß und zwar einen dermaßen heftigen, daß er acht Tage das Bett und noch länger dasZimmer hüten mußte. Nach der Genesung traf nunmehr ihn die Reihe, seinen Gegner zu bedienen. Er faßte diesen bei seinem ebenfalls ziemlich langen Barte, schlang ihn um seine linke Hand und ver setzte mit der rechten Faust seinem Widerpart einen .herzhaften" (wie der Bericht lautet) Stoß, .so daß der Bart und der untere Kinnbacken in Rauber's Hand zurückblieben; der Jude verlor in demselben Augenblick Leben und Bart." Nach manchen Abenteuern dieser Art starb Räuber in seinem sechzigsten Lebenöjahre auf seinem Bergschloß zu Petronel im Jahre 1575. Zu Braunau in Baiern lebte im 16. Jahrhundert ein Bürgermeister, dessen Bart -um einen halben Schuh länger war, als er selbst. Aus diesem Grunde eben Pflegte der Herr Bürgermeister beim Ausgehen jedesmal seinen Bart über den Arm zu schlagen und solchergestalt zu tragen, aus Furcht, er möchte sonst beim Gehen darauf treten und zu Boden stürzen. Und wirklich wurde auch dieser wundersame Bart endlich für ihn verhängnißvoll. Als er nämlich eines Tages eiligst ausgehen wollte, vergaß er die gewohnte Vorsicht und so wie er eine Treppe hinabstieg, trat er auf seinen Bart, stürzte die Treppe hinuuter und brach den Hals. Solches geschah im Jahre 1572 und der Nachwelt zum Gedächtniß wurde die Figur dieses Opfers seines Bartes am Eingange der Pfarrkirche in Lebensgröße en reliof in Stein gemeißelt. Im Mittelalter war es Brauch, zur Verstärkung des Ansehens öffentlicher Traktate, einige Haare des Bartes an das Siegel zu befestigen, welches der Urkunde angehängt wurde. In einer Urkunde aus dem Jahre 1121 wird die ser Sitte ausdrücklich Erwähnung ge than: .Damit Gegenwärtiges mehr Gewißheit und Festigkeit erhalte, habe ich ihm die Bekräftigung memeS Siegels nebst drei Haaren meines Bartes ertheilt. Ferner heißt es in . einer Schenkung, die 1181 vom heiligen Jlorent de Sauneur zu Stande gebracht wurde: .Und damit
dieses Almosen den Mönchen unangeta stet bleibt, habe ich es durch Ausdrückung meines Siegels, nebst dreien von meinen Barthaaren, wie der Augenschein ergiebt, bekräftigen lassen." In einem alten Fragment emer Geschichte Frankreichs steht, es sei in dem Traktat, ' welches zwischen dem Gothen könig Alrich und Chlodwich, dem König der Franken, abgeschlossen worden, auö drücklich bedungen, daß Alrich den Bart von Chlodwich berühren sollte, um dadurch sein Verwandter zu werden. Herzog Friedrich von Oesterreich überschickte seinen Bart, den er hatte abnehmen lassen, dem König Karl von Ungarn als ein Unterpfand der Verbindung und Freundschaft, die er mit ihm errichten wolle. Aus dem .Italienischen Tagebuchs Von Paul Heyse.
(Auf des Dichters todten Knaben.) I. .So reisen wir ins Land hinein Bei Sonn' und Mond und Blitzesschein. Und immer reist auf Schritt und Tritt Ein kleiner, blasser Schatten mit. Und wo die Erde schöner blüht. Sein Mündchen weher zuckt und glüht. Und wo die Sonne golden lacht Sucht er uns trüber heim zur Nacht. Was suchst du, blasser Schatten, hier. Du kleiner, blinder Passagier? Ach, dir versagt ist alle Lust, Und uns erstarrt dein Hauch die Brust. Wie war dein Auge warm und hell. Ein Lebenswonnenzauberquell ! Und jetzt, o hab' Erbarmen, Kind ! Du stehst ja, wie wir elend sind. Wir drängen dich ja nicht zurück. Doch komm' mit sanftem Geistrrblick, Nicht alles Holden ganz beraubt ! Umsonst ! er schüttelt still das Haupt. Sein armes, bleiches Mündchen bebt: Wie habt ihr nur mich überlebt ! Nun komm' ich, wie ich kommen muß. Und halte Treue bis zum Schluß. So reisen wir in's Land hinein Bei Sonn' und Mond und Blitzesschein, Und mit uns wandert unser Kind. Bis auch wir Andern Schatten sind II. Mir. war's, ich hört' es an der Thüre pochen. Und fuhr empor, als wärst du wieder da, Und sprächest wieder, wie du oft gespro chen. Mit Schmeichelton : Darf ich hinein. Papa? Und da ich Abends ging am steilen Strand, Fühlt' ich dein Händchen warm in meiner Hand. Und wo die Fluth Gestein herangewälzt. Sagt' ich ganz laut : Gieb Acht, daß du ma.)i lauu : . III. .Es steht ein Haus im Garten, Kutzl an em Walochen anoelcknt. Auf allen meinen Fahrten Hab' ich zu ihm mich heimgesthnt. iiisit jun crllang Dort Vogclsang, Wie lachten Blumen rinqs umbcr ! Wie ging's im Lauf . Die Stieg hinauf, Nun graut mir vor der Wiederkehr. Im Haus, da ist ein Zimmer, So luftig hoch, so blank und rein. Was nur an Sonn:nschimmer Ums Häuschen streisie, drang hinein. Wie lustig klang Dort Kindersa:!g, Kein Winkel war von Spiclcn leer; Dort fand ich Nast Nach Tageslast. Nun ösfn' ich seine Thür nicht mehr. Im Haus erklang ein Name Von allen Lippen fort und fort. Der hatte wundersame Gewalt, schier wie ein Zauberwort. Auf jedem Mund Ein Lächeln stund. Als ob's des Frühlings Name wär', Jetzt geht er stumm Gespenstig um. Und wer ihn ausspricht, lacht nicht mehr Schrecklicher s,::tö!f;. Noch einmal, Mädchen, hör' mich an, O, fühle mcincn Schmerz ! Was glücklich, froh mich machen kann, Acb'schcnke mir dein Herz ! Ha, Mädchen, du bist fürchterlich ! Du willst mich nicht zum Mann? Leb' wohl, leb' wohl ! ich hänge mich An eine Andere an. O wüßt' ich, was dich rühren könnt'; Um Alles m der Welt. Erhör' mich, meine Seele brennt ! Ich räume nicht das Feld ! Geh' ich nicht zum Altar mit dir. Dann wähl ich mir das Grab ! Mit einem Messer schneid' ich mir Vom Gänsebraten ab! Umsonst mein Bitten und mein Fleh'n Z Mein Klagen rührt dich nicht ? Vor Jammer möcht' ich fast vergeh'n, Vor Qual das Herz mir bricht: Nur eine Bitt' gewähre mir, Den Tod ich mir erkor. Nimm die Pistol und schieße mir Zehntausend Thaler vor ' Ja, sterben will ich, sterben hier Den Tod von deiner Hand ! Das, theures Mädchen, schwör ich dir. Der Liebe Unterpfand ! Und wenn nicht deine Kugeltrisst Eins soll mir Lind'rung sein. Bei meiner Ehr', ich nehme Gist Und werz's in's Meer hinein ! Du lachst? du fühlst nicht meine Qual Schaust mich verächtlich an ? Unendlich ist der Thränen Zahl Die deinetwegen rann! Und bätest du jetzt flehentlich, Dein Gatte werd' ich nie. Leb' wohl, leb' wohl! ich stürze mich In eine Tabagie !
Quistppe Garivaldi. s
- ; : r "' '' Schwarz wallt der Trauerflor anThurm . ' und Mäste, Und tausend Klaaen drinaen himmelan; Der! einst so fest des Schwerte Knauf umfaßte. Wie liegt so bleich, er da, ein stiller 'cann : Wie thatenrasch und kühn er' auch ge wesen. Ein Kinderherz barg er, wie Gold so rem ; Uneiaennükia. frei vom niedern Bösen Und srei von jedem falschen Hcuchel lcykm. Die Freiheit küßt noch einmal ihm die Lippen, Daß seine Seele leichter aufwärts schwebt. Es rauscht der Apennin, die InselNippen Des Meeres hallen nach: Er hat gelevl! Im Pantheon nicht, aus seinem Insellande. Da bettet ihn allein mit seinem Ruhm, Da singt die Woge Abends ihm am Strande Ein Lied, so ewig wie sein Heldenthum ! Besondere Aufmerksamkeit. Landrichter (im Gasthaus zur Wirthin): .Sind die Eier frisch V Wirthin : Ja freilich, Herr Landrichter, die sind eigens für Sie gelegt worden." Kurze Reue. Spricht der Verstand zum Herzen mein : .Närrchen, wie kannst du so kindisch sein? Lerne dich endlich ein venig betragen. Hübsch manierlich deinTicktack schlagen ! Denkt mein Herz und schämt sich baß : .Welch ein weiser Rath ist das!" Kehrt ihm Jener den Rücken kaum. Schlägt mir's den tollsten Purzelbaum. E. Bormar.n. Ein Optimist. A.: .Sagen Sie, Doktor, die Frau Keishuder soll ja bedenklich erkrankt sein? Dr. B.: .Ist nicht gesährlich, bin heute wieder bei ihr gewesen." A.: .Aber ihr Schwicgcrsozn selbst hat es mir vor ein vaar Ständen ge Zagt." Dr. B.: .Ach, wissen Sie, 5cr sieht Alles gleich in zu rosigem L:cht." Der stärkste Magnet. Der kleine Moritz, der von sciizemVater über Land geschickt wnrde, um Geschäste zu machen, kommt unterrichteter Sache zurück und klagt, daß er den Weg verfehlt habe; es wären nur mehr 500 Schritte bis zum Dorfe gewesen, da sei er aber an einen Bach gekommen, den zu überspringen er nicht gewagt habe. .Gott, was bist De for e' schlecht Geschäftsmann !" sagt darauf sein Vater. .Als ich so alt war wie Du und bin gekommen an'n Graben, wo ich hin Über mußte und mir fehlte der Muth, hab' ich geworfen meine Geldbörse an das gegenseitige Ufer des Baches, und ich kann Dir sagen ich bin jedesmal nachgesprungen." Wider den Tod. Eine Frau ist schwer krank. T er Arzt verläßt ste, nachdem er den Angehörigen gesagt, daß keine Hoffnung mehr vorHanden sei. Am nächsten Tage kommt er wieder, und uuf die Frage, ob die Kranke schon gestorben sei, erwidert der Ehemann derselben : .Nee, Herr Doktor, noch nich', meine Nachbarin ist bei ihr und hält sie noch ein Bischen mit reden auf." Verzeihlicher Irrthum. .Jean, bei dem schönci.- Wetter sollten Sie doch den Wagensch! g zurücklegen, daß man rechts und links ungehindert hinaussehen kann !" Dö3 is schon a'sckcb'n. anä' rau: ww mj t S f ' W J wenn S' aber rechis und links besser
'nausschau'n woll'n, müssen S' Ihren Kaleschcnhut z'rückschlag'n !" Literari scher Verkehr. .Wohin so eilig?" .Zu meinem Verleger." .Hast Du viel mit dem zu thu-, V .Nun, so hin und wieder." .Was heißt das?" .Das heißt : ich bringe ibm meine Manuscripte hin, und er schick! ste mir wieder." Er kennt seine lieben Berliner. Kaufmannszu seinemBedienten): Nun, Simon, haben die Herrschaften alle zugesagt ? Simon (Psälzer): Ach, gnädigerHerr, mache se doch kei' Sache! Kaufmann : Wie so? Ich verstehe Dich nicht. Simon: Awwer Sie kenne doch die Berliner! WailN's zum Fresse un Saufe geht, kumme se all ! Bezahlt. Darf ich um eine Priese bitten. Harr Baron!" ..Bcdaure, Herr Pfarrer, ich habe keine Dose bei mir. da ich nur in der Kirche schnupfe, vm nicht einzuschlafen,"" Das ist aber nicht recht von Ihnen, Herr Baron, daß Sie die einzige gute Wirkung der Predigt aus Sie "hinter. treiben " Zum Dank. Jcht, Herr Doktor, was kostet dees Zädn 'rausziche? Das kostet diesmal nichts, Kasperbauer; der Fall war mir selbst höchst interessant! So, so, int'ressant ist's sür Sie gewese ? No, könntet Se mer eigentlich zum Dank derfür au' no' rastere ! KühnerWunsch. Vater: .Was wünschest Du Dir zu Weihnachten, lieöer Junge?" Junge : .Eine Wurst." Vater: .Und waö noch?" Junge : .N o ch eine Wurst." Vater: .Was außerdem? Dein Heiner Bauch kann ja so viele Würste nicht fasten!" Junge : .Dann wünsche ich mir noch einen Bcift." .(
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