Indiana Tribüne, Volume 4, Number 290, Indianapolis, Marion County, 2 July 1882 — Page 4

Kuckuck. Eine Geschichte aus dem Lebe. Ton Smtl Jughan. P.ilftirr tni fnnt(p5slfimHi.T;

" I tj 'v vhikv vMIVttklimC Ulll gaukeln mich alte Erinnerungen. Draußen war Sommer und Jahrmarkt; wir Jungen aber faßen innen im dumpfen Schulsaal, uns nährend an derWeishcit Brüsten". Wir hatten Geographie; das KönigreichHannover, schon öfter durchgepauckt, wurde repetirt : Welches sind die beiden größten Städte im Königreich Hannover?" hatte der Lehrer gefragt und mich dann beim Namen gerufen. Ich gab zur Antwort: Das goldene Thurmdach inHildesheim und die Lüneburger Haide!" Die ganze Klasse brach in ein schallendes Gelächter aus; ich hatte willkürlich das genannt, was gerade meine Phantasie beschäftigte. War's meine Schuld, daß die seltene Bedachung des Domthurmes inHildesheim mit Gold nach des Professors Lehrbuch fingerdick und von ungeheurem Werth mir ein Wunder der Welt, ein Wahrheit gewordenes köstlichcs Märchen schien, die Lüneburger Haide aber nach seiner Schilderung ein Utopien romantischer Einsamkeit sein mußte? Das goldene Thurmdach in HUocshelm und die Lüneburger Haide waren allerdings nicht die beiden großtcn Städte, wohl aber für mich die beiden größten Merkwürdigkeiten und Hauptgcgenstände meines Interesses am ganzen Königreich Hannover, und nach einer ungefähren Berechnung, wie vicl Kirschen ich wohl für ein handgroßcs StncHcin vom Hildesheimer Domdach auf dem Jahrmarkt draußen kaufen könnte, unterbrach mich die Frage des Professors gerade beim eifrigsten Aufbau meiner derartigen Einsiedelei in der Lüneburger Haide. So mag rcohl meine Antwort jefct wieder wundertich erscheinen. Wie wenig wird Wahrheit von den goldenen Träumen und Plänen der Jugend. Als ich aber nach Jahren Hildesr . - . . min u! einer lajuciDcno kalten iiotcm schung bereitete mir auch der berühmte goldene Thurm", ari denen Existenz ich übrigens in den ersten Wochen meines dortigen Aufenthalts wirklich gar noch nicht einmal gedacht hatte. Das war zwar nicht ans Gold, wie ich jetzt wohl wußte, aber doch aus stark vergoldeten Kupferplatten zusammengefügte Kuppeldach sah unter dem tiefhängenden, bleigrauen Tczewberhimmel durchaus nicht wie eine Zierde des Thurmes aus, schien, mir vielmehr Aebnlicbkeit mit einem umaestülvten messingenen Kessel zu haben, dezzen Reinigung von Schmutz und Rost man T v tajvtt n -fi 1 1'4 ? n k (orfiDtiS i lutttji vtn4uu;iuiiii. tyuiu tuuuv; halb ärgerlich über dies erblindete Prachtstück meiner jugendlichen Phantaste und ohnehin etwas beschränkt in meiner Zeit, verlor ich die Lust, mich nach den rindern vielgepriesenen Schäden d?2 , ... . "chflUs ;:: y,:.: i'- issen, r ,' ' tu:;- r.-.;nctc, : .: - .ic qeiie. Schon auf meinem Wege hierher hatte eine weibliche Gestalt, deren etwas unweibliche, große und rasche Schritte mich überholten, durch das eltsame ihres Gedahrens meine Aufmerksamkeit erregt, ie trug ein stark erblaßtes, gru.ies eidenkleid nach einem Scb:iltt, der Gott weiß, wann! einmal Mode gewesen sein mochte, und auf welches vorn die langen Enden eines um den Hals geschlungenen, ebenso altmodischen rosenrothen Shawls, ebenfalls von ?eide, niederfielen. Das gar nicht üble Gesicht, dessen Aussehen auf ein Alter von vielleicht fünfzigJahien schließen lich, verunstaltete ein häßIicher, mit mancherlei Blumen und Band überladener, der Form nach ganz unbeschreiblicher Hut. Trotz der trüben Wintcrphvsionomie des Himmels, die der Erde keinen einzigen Sonnenblick vergönnte, hielt die Dame einen ganz modernen Sonnenschirm über sich aufgespannt, unter dem hervor sie mit eisTigern Kopfnicken alle ihr Begegnenden, sowie links und rechts nach jedem Jenster, wo irgcnv Jemand zu erblicken war, grüßte, ohne daß jedoch die geringste '!otiznahme oder ein Gegcngruß von irgend welcher Seite dieser Höflich.keit gedankt hätte. So war sie eine Strecke weit vor mir bcrgeschrittcn, dann in einer Nebenstraße verschwunden und kam mir jetzt wieder vor die Augen. Vom PostHofe her betrat sie noch eiligeren Schrittes, als zuvor, den Domplatz, augenscheinlich auf der Flucht vor einem Haufen großer und kleiner Buben, die wohl eben die Schule verlassen hatten und gleich einem Bienenschwarm mit Toben -und jubelndem Lärmen sie umzingelnd unter fortwährend wicderholtcnÄufen: .Kucku! Kuckuck!'- sie verfolgten. Auf die vorübergehenden Erwachsenen . schien diese Scene keinerlei Eindruck zu machcn. Einzelne blieben einen Augcnbliä ttchen und wurden auch von derBedrä-'gten angerufen, gingen dann abcr aUe. ohne auch nur einen Versuch zur Steuer des jugendlichen Ucbermu:?nommcn zu haben, gleichgül- . r. So war die Verfolgte'bis - 1 gekommen, und hier, mit ist zusammengeklappten. Son- ' die frechsten der 'Buben zu- . .. f,. cuö, gewann sie freie Bahn . leten Hauptportal und rettete "0 i: 'ii Schutz der Kirche, wohin " igcis! nicht leicht zu fol--v l. . ; . mich nun auch die Ungebühr j ? hier einem schutzlosenWeibe ' ! taste ich mich to h. tremo ' rtnt mit Allem, licscr v'r. .. tanlajjt ljübcti Icuutc, der, r v :.. ?nthümllch vcMivenHaltung 'chenZeuaetlZu schließen. für r;::.,.u3 nichts Ungewöhnliches Einmischung enthalten, ''.v;::: ; Der vor. genaue Erkundidas Ereigniß einzuziehen - , tv V C . h .;, )N einem reunoe Toigenoe v -f.-.- mann hatte bei all seinen c..:gon so ziemlich Glück ge-

Cernacht 511 in erucnMal betrat, erschien es mir keineswegs ;o freundlich, als ich erirutrf-'t ' (in? ciam fiMmrf

habt. Von gänzlich armen Eltern und srüh verwaist, war er zuerstLaufbursche bei einem Kaufmann, dann Markthelfer der Fuhrleute, später Hausknecht in einemAusspannlokale gewesen hatte sichs hiernach beimBetriebe eines Handel mit Lumpen und weißem Sand, welche Artikel er anfänglich aus selbstgezogenem Karren, dann mit einem Pferde durch Stadt und Dorf fuhr, sauer werden lassen, und hatte bei all' diesen Hantirungen nach und nach ein hübsches Sümmchen zusammengespart und damit schließlich noch, unterstützt von einem kleinen Lotteriegewinn, eine kleine Schenkwirthschast inHildesheim käuflich an sich gebracht. Wenu diese auch nur von. Leuten geringeren Standes und Vermögens, Arbeitern und kleinen Handwerkern besucht wurde, so bedürfte er zu deren Befriedigung, auch keines kostspieligen Aufwandes, erlitt bei der mäßigen Zeche dieser Gäste, die selten oder nie etwas ans die Kreide kommen ließen, keine'Verluste und hatte so sein gutes Auskommen. Nur in Bezug auf den ersehnten Kindersegen seiner Ehe waren seine Wünsche lange unerfüllt geblieben, bis endlich schon bei vorgerückten Jahren seine Frau ihn noch mit einem Töchterlein beschenkte, dessen Geburt aber gleichzeitig der Mutter das

Veoen kostete. In diesem Kinde gipfelte nun fortan all seine Liebe, all sein Stolz und seine ganze Freude am Leben, freulich in einer für die Zukunft derselben wenig vortheilbringenden Weise; dem sonst so sparsamenManne war nichts zu theuer, wenn es galt dem Kinde zu willfahren, und Lottchen wurde so von ihm auf's Gründlichste verhätschelt und verzogen. Zum Ueberfluß wird sie auch noch nach erfolgter'Konfirmation in eine auswärtige Pension für Töchter höherer Stände" geschickt, und von dort kehrte die erwachsene Jungfran als ein bildschönes Mädchen, zwar gänzlich unbekannt mit Allem, was zur Führung eines bürgerlichen Haushaltes erforderlich, dafür aber den V!und voll französtscher Phrasen, den Kopf voll romanhasterJdeen und empfindsamer Schwärmereien, in's Vaterhaus zurück. - Hrer aber begann sie sich bald sehr unbehaglich zu fühlen. Die beiderseitigen, jetzt so sehr verschiedenen Lebensgewohnheiten riefen zwischenVater und Tochter eine Verstimmung hervor, die Beide nach nnd nach in eine wenig freundliche, oft beinahe feindselige Stellung zu einander gerathen ließ. So konnte Lottchen, die in der Pension singen und Guitarre spielen gelernt hatte, von ihrem Vater, der sein Licht nicht gern unter den Scheffel stellte und bei aller sonstiger Harmlosigkeit zuweilen ein wenig zu prahlen und groß zu thun liebte, zu seinem großen Aerger nicht bewogen werden, auch vor den Stammgästen seiner Schankstube, freillch fast lauter langjährigen Freunden und Bekannten, ihre Talente leuchten zu lassen. Dagegen hatte Herr Kesselmann die Gewohnheit, wenn er, wie es jetzt bei den Verdrießlichkeiten mit der Tochter öfters geschah, durch ein Gläschen über den Durst in andere Laune" kam, sich gern inErinnerungen an seine ehemaligen armen Verhältnijte, aus denen er sich zum Bürger und Eigenthümer emporgearbeitet, zu ergehen. Er pflegte dann seinen Güsten allerhand Schnurren und Späße, die damals ihm begegnet waren und die er selbst angestiftet hatte, zum Besten zu geben, und unterließ dabei niemals, sich selbst und die Manier seines früheren Gewerbes karikirend, mit überlauter Stimme den Ruf: ,, Lumpen! Lumpen!" und "Sand! Sand!" zum allgemeinen Jubel der um ihu Versammelten ertönen zu lasfen. ' Besonders dieser letzte Exceß war dem Töchterlein, dessen Eitelkeit von keiner Mahnung an den einstmaligen geringen Stand des Vaters wissen mochte, ein wahrer Grüuel. ' Auf den von der Pension veranstalteten Festlichkeiten hatte sie unter dem Schwärme zahlreieher Verehrer ihres hübschen Gesichts, besonders zu einem jungen Juristen aus guter Familie sich hingezogen gefühlt, und als dieser, seine amtliche Lausbahn bei einer Gerichtsbehörde in Hildesheim beginnend, jetzt die alte Bekanntschaft durch öftere Besuche im Hause des Herrn Kesselmann zu erneuern suchte, entstand gar bald zwischen den beiden jungen Leuten ein zärtliches Verhältniß, zudem der, Vater stillschweigend sein Ja gab, ' weil es ihm doch nichts geholfen hätte, Nein zu sagen. Wie leicht aber konnte der Herr Amtsauditor, der vielleicht im Stillen aus der Ullgewöhnlichen Erziehungsweise der Tochter auf ein angemessenes Vermögen des Vaters geschlossen hatte, zufällig einmal Zeuge jener Ausbrüche der tollen Laune desselben werden und ihm dann die Verbindung mit dem Kinde eines früheren Lumpensammlers weniger wünschenswerth erscheinen! Dem mußte vorgebeugt w'erden, und als der Alte einmal wieder nach Lumpen" rief und Sand" feilbot, erklärte sich Lottchen bereit, seinem bisher vergeblichen Wunsche zu entsprechen und den Gästen ein p'aar Lieder zu singen, wenn der Vater mit dem unschicklichen Rufen aufhören wollte. Diese Herablassung glaubte sie dem Geliebten gegenüber eher mit kindlichem Nachgeben unter die wunderlichen Einfälle des alten Mannes entschuldigen zu können, und der Leßtere ging auf ihren Vorschlag um so williger ein, als ihm die Tochter hier ganz gegen ihren Willen eine Waffe gezeigt hatte, womit er sie sür die Folge seinen Wünschen geneigter zu machen hoffte. Er hatte sich nicht getäuscht. Es bedurste fortan nur der Drohung: Ick raup Sand!" um den sonst so wenig biegsamen Sinn des verzogenen TöchterchenS geschmeidig zu machen. Lottchen sang also. Aber'der Water verlangte auch immer- neüe Lieder zu hören, und nur eins derselben, das am Schlusse'jedcs seiner zahlreichen Verse mit dem oft wiederholten Refrain: Kuckuck! Kuckuck!" den Ruf dieses Vogels nachahmte, geflel ihm derma-

ßen, daß die Sängerin es jeden Abend, und oft mehrere Mal hintereinander, hören lassen mußte freilich erst nach jedesmal voraufgegangener Drohung des Alten! Sing, Lottchen, oder ick raup Sand!" Unter den geöffneten Fenstern des Schenkzimmers hatte sich bei den schönen Sommerabenden noch ein anderes Publikum zu diesen Gesangsvorträgen eingefunden ein Haufe Straßenjungen. Diesen schien aber das so oft schon zu Gehör gebrachte Kukuckslied durchaus nicht schön, um nicht eine Abwechslung zu verdienen. Bald begannen sie der Sängerin mit der leicht abgelernten Melodie des Refrains: Kuckuck! Kuckuck!" in den Text zu fallen, und als strenges Ruhcgebot und sogar das Schließen der Fenster gegen diese Störung unwirksam .blieb, ließ K. sich herbei, die Störenfriede mit dem stocke von der Thür zu jagen. Dieser Gewaltthat sollte die übelsten Folgen haben. Die Buben kamen, je öfter sie weggetrieben wurden, stets mit um so größerem Anhang zurück und trieben das Kuckucksgcschrei so arg, daß Lottchens Gesang endlich verstummen mußte. Am nächsten Abend ging es gerade so, und als Lottchen an einem der folgcnden Tage 'über die Straße ging, sammelten sich alsbald einige Handwerkslehrlinge und andere Knaben, die unter fortwährenden Zurufen: Kuckuck! Kuckuck!" sie durch die ganze tadt verfolgten. Dergleichen Tollheiten sind wie ansteckende Krankheiten, die oft im Nu die ganze Jagend eines Ortes crgreifen; doch verschwinden sie auch ebenso rasch wieder wenn sie richtig behandelt werden. Es war kurze Zeit nach diesen Vorfällen unter den jungen Leuten eine Landparthie verabredet worden, und am Nachmittage des bestimmten Tages kam der Herr Amtsauditor.umLottchen zu dieser Lustbarkeit abzuholen. Kaum hatten sie jedoch die Straße betreten, als sie auch schon von einer sich rasch zusammenfindenden Schaar Kuckucksrufer umringt waren. . Als der junge Mann merkte, daß auf seine Begleiterin die Ungebühr gemünzt war, blieb er stehen und redete in freundlichem Ernste ein paar Worte zu den Knaben, die. ihres beschämenden Eindrucks auf diese auch nicht verfehlten und wohl geeignet gewesen würendcrMart für immer ein Ende zn machen, hätse Lottchen sich nicht in demselben Augenblicke von Aerger und Leidenschaft hinreißen lassen, einem der Knaben, der ihr unvorsichtig nahe genug gekommen war, einen derben Schlag in das Gesicht zu geben. Erschrocken sprang der Junge zurück, um im nächsten Augenblicke, von Rache und dem schallenden Gelächter der Kameraden gespornt, aus voller Kehle sein Kuckuck,, zu schreien, worin die Anderen natürlich sofort auch wieder einstimmten. Indessen hatten sich auch erwachsene Leute hinzngefunden; der Vater des geschlagenen Knaben, entrüstet über die Mißhandlung, die sein Sprößling eines unschuldigen Wortes wegen" erlittcn, erschien scheltend auf dem Platze, und nur mit V!ühe entzog . der Herr Auditor sich und Lottchen dem drohenden Aergerniß eines größeren Straßenskandals, indem er mit ihr in das naheliegende Haus einer ihnen bekannten Familie eintrat, wo er si? nach kurzer Weile, ohne der Landparthie weiter zu gedenken, sehr kühl verließ. Am anderen Morgen erhielt Herr Kesselmann ein Billet des Herrn Amtsauditors, worin derselbe ihm

lehr yosllch anzeigte, aus zwingendeu Rucknchtctt" aus das Vergnügen fernerer Besuche in seinem Hause verzichten zu müssen; und als bei ferner von Lottchen gewägten Ausgängen die ärgerlichen Auftritte mit.den Kuckuck!" rufenden Knaben sich jedesmal wiederholten, zogen sich auch alle Freundinnen und sonstige Bekannte von ihr zurück, denn Jedermann fürchtete, . in ihrer Gesellschaft in Konflikt mit der lieben Straßenjugend zu kommen und dem Spottgelüchter von Groß und Klein Preisgegeben zu werden. Zwar wurden Eltern, Lehrer und sogar die löbliche Polizei in Bewegung gesetzt allein nichts half; der Kuckucksruf konnte nicht mehr unterdrückt und zum Schweigen gebracht werden; und als der Vater, sich täglich mehr mit der Tochter entzweiend, die ihm in bitterstcn Vorwürfen die ganze Schuld an dem Mißgeschick ausbürdete, nicht zu bewegen war, solcher Kindereien willen," wie er es nannte, sein mühsam erworbenes Eigenthum hier zu verkaufen nnd anderswo hinzuziehen, ging Lottchen wieder nach auswärts in Pension. Aber die jugendliche Bevölkerung hatte ein gutes Gedächtniß; denn als Lottchen nach länger als Jahresfrist, durch eine ernstliche Krankheit des Vaters zurückgerufen, das erste Mal wieder die Straßen Hildesheims betrat, ging der alte Skandal von Neuem los und der Spottruf Kuckuck!" ertönte, wo sie sich nur blicken ließ. Und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Der Alte starb und bei Ordnung des Nachlasses blieb der Tochter gerade so viel übrig, um bei ihrer Unfähigkeit zu jeglichem Broderwerb ohne Beihilfe fremden Mitleids Nothdurstig leben zu können. Sie ist eine alte Jungfer geworden, die. durch die Fehler ihrer jugendlichen Erziehung dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen, in ihrer Vereinsamung immer mehr in eine barocke Geistesrichtung gcrieth, welche sie alle jene Wunderlichkeiten und Verschrobenbeiten zur Schau tranen Angrstöts deren der Spelt der Mengen nie auSstirbt. Die Knaben aus der Zeit, in die Lottchens Jugendjahre fielen, sind längst Männer geworden, allein deren Kinder und lnkel haben den Spottnamen der alten Jungfer gleich einerErbschaft überkommen, und die jetzige Generation HildesheimS kennt sie einzig unter dem Namen Kuckuck." Soweit die Erzählung des Freun-des.

'Das Königreich Hannover ist inzwischen eine preußische Provinz, der Ruf Kuckuck" auf offener Straße seitdem ein verpönter Frevel geworden, der seinen waghalsigen Unternehmer in unangenehmen Conflikt mit dem Strafgesetzbuch und hinter Schloß und Riegel bringen' kann. Die arme Verspottete aber ist wohl längst verdorben, gestorben ! m ßin Sittenölkd aus WeTiko. Aus seinen Wanderungen durch Mexiko giebt der französische Reisende Paul Duplessis in seinem Reisewerke unter Anderem auch eine höchst interessante Schilderung einer Hinrichtung in dem Minendistrikte von-Silvania. Ein Jahr vor meiner Ankunft in Gosala", erzählt Duplessis,. war ein junger Mann Namens Don Antonio V...., der einer der reichsten und angesehensten Famitten der Stadt angehörte, durch Genollen seiner AuSschweifungen unter schrecklichen Umständen ermordet worden. Die Mörder, fünf an der Zahl, ergriffen die Flucht, Dragoner und bewaffncteDicner setzten den Flüchtlingen nach, umzingelten sie und schössen .vier derselben nieder. Man hätte die blutige Geschichte ganz vergessen, wenn nicht der Ucberlebende als Straßenräubcr durch seine Heldenthaten die Umgegend Eosalas und der Minen unsicher gemacht hätte. Dieses Glück nahm indessen ein schnelles Ende; denn als ich in Eosala ankam, war dieser Bandit, Namens Joachim Pacheco, vor einigen Tagen verhaftet worden. Ucberall sprach man nur von diesem Ereigniß und das Gesängniß auf dem Marktplätze war von einer neugierigen Ä!cnge umringt. Jeder wollte den berüchtigten Pacheco sehcn und Jeder sah seinen Wunsch erfüllt, da das Gefängniß zu edener Erd: liegend und nur mit einem Gitter ver-

schen, seinen Bewohner allen Blicken preisgab. Pacheco zeigte eine sehr gelassene Miene, rauchte mit vielerWürde eine kleine Cigarre und schien die Neugier, deren Gegenstand er war, nicht zu beachten. Amanderen Tage sollte sein Prozeß verhandelt werden; ich nahm mir vor, demselben beizuwohnen. Ein Juez dc lotras (Richter) bildete das ganze Personal der Justiz von Eosala. Nie sah man ein weniger ehrfurchtgebietendes Tribunal. Die Möbel des Gerichtszimmer's bestanden güs eister HängMätte, die an Zwei Bai--ken de'r Decke hing, zwei Sesseln aus Bambusrohr, einem Tisch von rohem Akajonholz, der vor der Hängmatte auf einem steinigen, unebenen Boden stand, und einer Binsenmatte, die auf dem Boden vor dem Eingange lag. In der Hängmatte befand sich, halb liegend, den Arm auf den Ellbogen und die Hand auf den Kopf gestützt, ein kleiner runzliger Greis, dessen nachlässiger Anzug mit offenstehendem Hemde keinen offiziellen Ehrakter verrieth. Auf dem Tische stand ein Becken mit glühenden Kohlen zurBenutzung für die Raucher; daneben sah manein Packet Cigarren und ein staubiges Schreibzeug; Papier war nicht vorhanden. Der Angeklagte schaukelte sich ganz bequem in einem von den Sesseln. Nun, mein Sohn," fing der Juez, zn Pacheco gewendet, an, wir sollen Dich also richten?" Mit Eurer Erlaubniß, Senuor," sagte Joachim, in-, dem er, ohne die Frage des Richters zu beantworten, von seinem Sessel aufstand, auf den Tisch zuging, wo das Kohlenbecken stand, und eine Cigarette, die er in den Fingern hielt, daran anzündete. Genire Dich nicht, mein Sohn. . . . rauchen ist eine von den großenBcschäftigungen des Lebens, ich weiß es; Ieider aber ist der Tabak, seitdem die Rcgierung die Regie verpachtet hat, ganz abscheulich geworden." Aber es giebt noch brave Burschen," antwortete Joachim, welche sich mit den ZollWächtern herumzuschießen verstehen und wenn Euer Gnaden sich davon überzeugen will, so braucht sie nur dieses Päckchen Cigaretten anzunehmen." Sehr gern," sagte der Richter, sich des Packeis bemächtigend und eine Eigarette daraus hervorziehend, die er sogleich anzündete. Caramba! begann er wieder, nachdem er nur einige Züge eingeschlürst hatte, Du hast Recht, es ist köstlich; nur die Straßenräuber rauchen nach treffliche Cigarren. Mein lieber Sohn! fügte er in liebreichem, wohlwollendem Tone hinzn, ich erwarte von Deiner Freundschaft, daß Du für mich mitdem vortrefflichenKontrebandier, der Dir diese Cigarren geliefert hat, sprechen lassen wirst. Es wird dies für den Burschen ein gutes abgeben; denn außer dem Gewinne, den er aus dem Verkaufe der Waaren dabei macht, wird vielleicht einst mein Schutz nickt ohne Nutzen für ihn sein. Aber wir wollen unser Verhör fortfetzen. Warum also, zum Teufel, hast Du diesen armen Antonio V.. getödtet?" . Ich habe mir nie Rechenschaft von dieser That gegeben," antwortete der V!örder mit Kaltblütigkeit. Ich muß gewiß an diesem Tage sehr gereizteNerven gehabt haben." Dies ist eine Entschuldigung, ich gebe es zu ; aber sie ist nur untergeordnet und ich erkenne sie nicht an. Apropos, wie theuer verkauft Dein Freund, der Kontrebandier. eine rueda (einen Ballen) Cigarren ?" Für 12 Realen, und jede nieda besteht ans 32 Packeten." Wofür die Regierung uns 10 Realen zahlen läßt!" rief Juez mit Unwillen ; das ist Diebstahl, schimpflicher Dieüstahl!" Das gebe ich u", sagte Joachim: 1 mii- 'wiro dafür lein Dieb erschossen, wie m andern 6aUcn." Apropos. Du erinnerst mich daran, mein Sohn; das Verhör ist beendigt, und ich habe, mein Urtheil zu sprechen. ', Caramba," fuhr der Richter fort, ich habe vcrgen, nur gestempeltes PaPier zn verschaffen; was fang ich nun an ?" Dann wie von einem plötzlichen Einfall inspirirt, wandte er sich an die beiden Dragoner, die den Gefangenen escortirten : ' Meine Kinder", sagte er

zu ihnen, aus Mangel an Papier, mein Urtheil niederzuschreiben, nehme ich Euch zu Zeugen, daß ich den Joachim Pacheco, den Mörder von Don Antonio V...., dazu verurtheile, binnen 48 Stunden an der Stelle, wo er sein Verbrechen begangen hat,erschossen zu werden. Führt ihn in'S Gefängniß zurück." Als die 43 Stnnden, welche der VerUrtheilte noch zu leben hatte, verflossen waren,wnrde Pacheco aus demGefängnisse abgeholt, um zum Tode geführt zu werden. Da erst erinnerte sich der Platzkommandant, daß er den Tag vorher die ganze Garnison von Cosalu, d. h. 6 Dragoner, zur Escortirung eines Geldtransportes verwendet habe und daß für den Augenblick er und sein Degen die einzigen Repräsentanten der Militärgewalt seien. Da nun Pacheco erschossen werden sollte, so befand man sich in großer Verlegenheit, bis sie beschlossen, daß sofort drei Mann gemiethet werden sollten, um die abwesenden Dragoner zu ersetzen. Dieser Entschluß war leichter zu fassen, als auszuführen; denn man brauchte mehr als zwei Stunden, um Leute zu sinden, die nicht allein den guten Willen, sondern auch eigene Carabincr hatten, da alle Diejenigen, die vom Schicksal begünstigt genug waren, um Feuergewehr zu besitzen, mit demselben auf der Landstraße ihr Wesen trieben. Endlich kehrte der Alkalde, der mit diesein Geschäft beauftragt war, von drei improvisirtcn Henkern begleitet, zurück. Aber nur zwei von ihnen hatten die Bedingungen des Handels angenominen; mit dem Tritten, einem großen kupscrfarbigcn Indianer, war man noch nicht handelseinig. Obgleich vier Realen", sagte er, für den Tod eines Menschen sehr wenig sind, so würde ich mich doch bei jedem Anderen in diesen Preis fügen; aber Joachim Pacheco ist mein Freund, mein bester Freund.... ihn kann' ich nicht unter sechs Realen erschießen. Das ist mein letzter Preis." Da die für die Hinrichtung angesetzte Stunde schon vorüber war, so gebot der Alkalde, ohne sich durch diesen Zwischensall aufhalten zu lassen, daß der Zug ailfbreche. Die Menge fetzte sich in Bewegung, und bald darauf erschien der Vernrtheilte selbst, begleitet von einem Mönch, der ihm in seinen letzten Augenblicken Trost zusprechen sollte. Mein Sohn," sagte der Mönch zu Pacheco, indem er ihm ein silbernes Kruzifix vorhielt, Du bist ein glücklicher Sterblicher; denn nach der Absolntion, die ich Dir geben werde, bist Dn sicher, mit unserem göttlichen Erlöser noch heute Abend zu, speisen. Ich danke, Padre," antwortete sanft der arme Pacheco, derziemlich gefaßt schien, ich danke für Eure guten Worte; aber ich bin kein Egoist, uud da Ihr das Glück, das mich erwartet, so gut zu schätzen wisset, so nehmet meinen Platz ein; macht aber keine Umstünde, denn ich biete ihn Euch von ganzem Herzen an.". Das geht nicht," antwortete der Mönck, dem dieser Vorschlag nicht sehr zu gefallen schien, Du hast Deinen Nächsten getödtet und Du mußt sterben; so will es das Recht." Das ist sehr einfältig," rief Pacheco. Das ist gerecht." sagte der Mönch. Einfältig, ich wiederhole es." Es giebt ein gutes Beispiel," rief der Mönch. Ein Beispiel der höchsten Ungerechtigkeit giebt es," schrie Pacheco, ich will es Euch beweisen. Wenn Jemand ein Pferd stiehlt, so kann man ihn einen Dieb nennen. Nun kommt ein Anderer und stiehlt ihm wieder dasselbe Pferd ; wie wird man diesen zweiten Dieb nennen?" Nun, wie Du selbst es eben gesagt," antwortete der Mönch, auch Dieb." Sehr gut, Padre, wir sind schon eins; gehen wir weiter. Wie nennt man einen Menschen, der seines Gleichen tödtet?" Einen Mörder!" Immer besser. Und die, welche diesen Menschen wieder tödten, was sind die?" Hier besann sich der Padre einen Augenblick, ehe er antwortete, dann rief er: Ich bin ein Narr, daß ich mit Dir streite; Du bist gerecht verurtheilt, Das genügt. Du bist ein Ignorant, und ich habe zu Hause vier Bände von den Werken des heiligen Augustin, der gewiß mit mir einer Ansicht über die Todesstrafe ist." Das thut nichts", murmelte derVerurtheilte,wenig befriedigt; Saiut Augustin selbst würde seine Zeit verlieren, wenn er mich von der Gerechtigkeit meines Todes überzeugen wollte". Bei diesen unchrerbietigen Worten schwang der Mönch das schwere Kruzifix, das er trug und ließ es auf die Schulter Pachcco's fallen, der ein schmerzliches Geheul ausstieß. Der Heiland verzeiht und schlägt nicht", 'sagte er mit dumpfer Stimme. Gut, aber auf jeden Fall wirst Du meine Absolution nicht erhalten", antwortete der Mönch. Diese wenigen Worten machten einen tiefen Eindruck auf den Verurtheilten; aus einem Spötter und Widerspenstigen wurde er demüthig und unterwürfig :

Ich bitteEuch um Verzeihung, .Padre, sür alledieseThorheiten ich erkenne, daß ich Unrecht gehabt; aber versprecht mir auch, daß Ihr mir die Absolution geben werdet." Gewiß, mein Sohn", antwortete der Mönch, sich freuend, daß er der Herr des Schlachtfeldes blieb; ich verspreche es Dir. Uebrigens glaube nicht, daß Dein Widersprnch mich reizt, ich liebe es vielmehr, mit meines Gleichen zu streiten, wenn ich sie belehren kann.". Der arme Pacheco schüttelte seine zerquetschte Schulter und ging schweigend weiter. Nach einer Viertelstunde erreichte der Zug den für die Hinrichtung bestimmtcn Ort. Es war am Rande eines breiten Baches, am Fuße eines gewaltigen Baumes, wo der unglückliche Don Antonio V erschlagen worden war. Hier erhob sich jetzt mit dem Fuß in der Erde ein hölzernes Kreuz, das ungefähr vier Fuß hoch und am dritten Theile feiner Höhe mit einer Art Bänkchen versehen war. .Dieses Kreuz, das gewöhnlich mit einer Kette an der Mauer des Gefängnisses t befestigt und als Schreckbild den Augen der Menge ausgestellt war, hatte schon zu mehr als

einer Hinrichtung geoient, wie feine von Kugeln durchlöcherten Enden bezeugten. Man ließ Pacheco auf die verhängnißvolle Bank sich niedersetzen und band ihm den Körper an den Pfahl; die Arme befestigte man ebenfalls an die beiden Aeste des Kreuzes. Nachdem er so die Stelle eines Gekreu zigten eingenommen, begann Pacheco mit fester Stimme seine letzten Gebete. Es ist in Mexiko Sitte, daß, wenn der Verurtheilte bis zur Mitte desCredo gekommen ist, der Priester ihm mit lauter Stimme die Absolution giebt, während der mit der Ezekution beauftragte Offizier durch das Schwenken seines Degens oder eines Tuches Feuer kommandirt. Dieses Mal konnte der Delinquent nicht blos sein Credo enden, sondern er rezitirte auch sein Sünden bekenntniß, ohne vom Tode unterbrochen zu werden. Der Grund dieser Verzögerung lag darin, daß der Jndia n'er mit dem Alkalden noch immer nicht über den Preis seiner Dienstleistung hatte einig werden können. Ich wiederholte es Euch", rief er fast mit Unwillen, daß ich einen Freund für wenigcr als sechs Realen nicht erschießen werde." Dieser Streit hätte noch lange fortgedauert, wenn nicht der Juez ihn: durch einen Akt unerhörter Selbstentäußerung ein Ende gemacht hätte. Laufe Jemand schnell", sagte er, ill meine Wohnung und bringe sogleich den Karabiner und die Patrontasche Pacheco's, die als Beweisstücke zu Häupten meines Bettes hängen; dieser Karabiner ist eine treffliche Waffe, die ich für dreißig Piaster nicht weggeben würde; nur wird mau nach beendigter Hinrichtung die Güte habe, mir denselben wiederzugeben." Ein Mann zu Pferde ritt sogleich mit verhängten Zügeln davon und kam mit dem Karabiner zurück. .Jetzt", suhr cr fort, indem er das Gewehr selbst lud, wer ist der Bur sehe, der sich vier Realen verdienen will?" Mehrere Lcperos traten aus der Menge dervor. . Der Juez wählte den unter ihnen aus, den cr für den entschlossensten hielt, einen alten Dieb seiner Bekanntschaft, und übergab ihm den Karabiner und die vier Realen. Nun Jose", sagte der Alkade triumphireud zu dem Indianer, der seinen Preis zurückgewiesen, Du siehst, daß man Dich entbehren kann." Ihr werdet anch danach bedient werden," antwortVte"J'ose, wie let Lohn, so die Arbeit." Die drei Lepcros hatten sich nun vier Schritt von Pacheco aufgestellt und ihre Gewehre gegen ihn gerichtet. Der Offizier schwang seinen Degen, aber nur ein Schuß ging ab. Pacheco stieß einen furchtbaren Schrei aus, den ihm aber uur die Furcht entriß; denn die Kugel hatte ihm nur eine von den Sandalen, die ihm an den Füßen hingen, fortgerissen und sich dann im Boden verloren. DieseKugel war von dem abgeschossen worden, der die Stelle des Indianers einnahm; die anderen beiden Leperos hatten ihre guten Gründe, nicht zu handeln: der eine hatte im letzten Moment an seinem Gewehr noch etwas bemerkt, was in Ordnung zu bringen war, und der andere hatte hinter sich seinen Namen

aussprcchen hören und als höflicher Lepcro sich umgewendet, um dem Rusenden zu antworten. Beim zweiten Kommando ließ sich wieder nur Ein Schuß hören; diesmal hatte der Schießcnde, und zwar wiederum dcrselbe,der zuvor seine Kunst bewiesen, seine Genosscn vom Schießen zurückgehalten, um auf Pacheco zuzustürzen und da5 Resultat seiner Geschicklichkeit zu untersuchen, worauf er der Menge mik Triumph ein Stück Holz zeigte welches die Kugel von der Spitze des Kreuzes, sechs Zoll übn dem Kopfe des Delinquemcn, weggerinen. Der Schuß war ganz in der gehörigen Richtung." sagte er mit vollkommener Selbstzu friedenhcit, indem er seinen Platz wieder einnahm. Run, Herr Alkalde," sagte jetzt der Indianer, was denkt Ihr von den Leuten, die sür einen Spottpreis schießen? Ihr hättet besser gethan, mir sechs Realen zu geben. Aber ich trage Niemandem etwas uach; gebt mir noch jetzt dieselbe Summe und ich will diese Arbeit in einem Augenblicke beendigen." Jose", antwortete der Alkalde mit Würde, wisse, daß die Behörde sich niemals schwach zeigen darf; man wird, wenn (3 so ist, mehr Zeit brauchen, um Joachim Pacheco zu erschießen, aber ich werde Deinen Vorschlag nicht annehmen." Wir übergehen die schreckliche Szene, die dieser Antwort folgte. Mehr als eine halbe Stunde lang feuerten ie drei Leperos auf den unglücklichen Pacheco, ohne ihn tödtlich treffen zu können. Der Lepero. den der Juez ausgewählt, weil er ihn als einen Dieb und Mörder kannte, täuschte seine ErWartung vollständig, und traf Pacheco nicht ein einziges Mal. Der Beamte hatte nicht bedacht, daß dieser Dieb nur Messer und Säbel zu führen verstand. Endlich sah sich der bedauernswerthe Joachim genöthigt, sich selbst mit seiner Hinrichtung zu befauen, um semenLelden einEnde zu machen. Bist Du da, Jose?" rief er mit herzzerreißender Summe. Hier bm lch,"antwortete Jose, indem er einige Schritte vortrat. Wohlan, todte mich, arnigo!" Sehr gern, mein lieber Pacheco ; aber ich will dafür sechs Realen, welche der Alkalde mir nicht geben will." Ist's weiter nichts? Dann sei außer Sorgen. Jage mir nur die Kugel durch den Kopf uud dann nimm in meiner Tasche alles Geld, das Du darin sinden wirst." Sind sechs Realen darin?" Es ist ein Piaster drin. aber eile Dich. ... denn ich lcldc alle Qualen der Hölle." - Armer Freund," sagte Jose, indem er sein Gewehr lud und auf Pacheco zielte, armer Freund, der einen Pia ster hat und sich eine halbe Stunde lang martern läßt, ohne ein - Wort zu sprechen." Noch redete er, als fern Schuß schon abging. Die Kugel tras zwischen den beiden Augen und spaltete den Schädel. Ohne Zeitverluft warf sich Jose auf den Leichnam seineZ

Freundes u7kd durchwühlte gierig die Taschen desseldin. Zwei Realen einige Cigaretten und ein altes Kartenspiel !" rief er mit Verzweiflung, indem er dieseGegenstände der Menge zeigte. Joachim, Joachim ! diesen schlechten Spaß, diesen Mißbrauch des Vertrauens hätte ich von Dir nicht erwartet! Die Erinnerung an Deinen Tod wird ewig mein Gewissen beschwe

Ttn; Diese Erzählung beansprucht kein anderes Verdienst, als das der buchstäb lichsten Wahrheit", setzt Duplessis hinzu. Fuchs-Idylle. Schau' drob'n die Träubeln, Dös wär' holt a Jux !" So knottert die Füchsin. Jo, jo, sacht der Fuchs. Und die Füchsin macht Augen, Wie a lauernder Luchs. Du, möchtst die nöt nuscln ?" Jo, jo, sächt der Fuchs. Na, so spring' doch, du Nscker !" Sächt die Füchsin pikirt. Du weißt doch, i kann nöt. Weil 's Fett mi schenirt! i: Du bist holt elastisch Un schlanker von Wuchs. Flink ! Hol' uns die Träubeln !" Jo, jo, sächt der Fuchs. 'S is rein zum Varrecka ! Was träumst denn nur so ? Un sitzt nur un gaffst nur, Un sächst nur : Jo, jo!. . .?" Ei, sächt nu der Fuchs do, 'S is a tüchtiger Sprung, Doch des that' mi nöt kränka, . Ich spar' nöt mei Lung. . . Nur Oans möcht mi Sorgen, 'S wird holt aach so sein. Hol' i's merklich herunter, Du friht's holt allein! A u s sp r ü ch e cinergemüthvol len Köchin. Ach, Frau Näthin", schluchzte die Köchin, hängen Sie doch nicht so am Fleischlichen!" Da hatte sie Schelte bekommen, weil sie ihren Unteross'.zier mit Neh-Cotcletten gefüttert hatte Wer das Kleine nicht .-hrt, ist des Großen nicht werth!" jprach sie ein zweites Mal, da sand sie im Spülwas ser einen Bleisoldaten und setzte ihn fein säuberlich auf die Fensterrampe. Leier und Schwert !" sprach sie ein drittes Mal. Da meinte sie die alte Leier das Räsonnircn der HauZsrau über ihr Militärverhältniß. Gott segne meinen Ausgang !" sprach sie ein viertcs Mal. Da hatte sie sich für den freien Sonntag-Nachmittag gu tes Wetter gewünscht. Die Flamme schür' ich nicht am Heerd allein !" sprach sie ein fünftes Mal. Da glaubte sie zu bemerken, daß der Sohn des Hauses ihr verliebte Blicke zu werfe. Die Zeit ist nur eine Form der in neren Anschauung," sprach sie ein sechstes Mal. Da war sie bis nach Mitternacht ausgeblieben. .Die erste Tugend, die ich übte, hieß Freigebigkeit.... " sprach sie ein siebentes Mal. Da hatte sie die Suppe versalzen. Ich seh' es wohl, an einem Haare hängt das Glück der Sterblichen - sprach sie ein achtes Mal. Da hatte die Herrschast in der Sauce ein Haar ae funden. Wenig, aber mit Liebe !" sprach sie ein neuntes Mal. Da hatte ibr die Herrschaft ein Dutzend Hemden, drei neue Kragen, sechs Schürzen, sechs Paar Manschetten, ein Umschlagetuch, zwei Paar Schuhe, zwei Paar Handschuhe, Weber's Universallexicon, Handbuch der Kochkunst und zwanzig Thaler baar zu Weihnachten bescheert. Johanna geht, und nimmer kocht sie wieder sprach sie ein zehntes Mal. Da hatte sie in Folg: dieser mangelhaften ci- r " v 1 eeerung gerunolgl. Auch was Geschriebenes fordr' ich. Du Pendant lu sprach sie ein elftes Mal. Da verlangte sie vom Hausherrn ihr Zeugniß. Was ist Wahrheit V lächelte sie ein letztes Mal. Da hatte sie schwarz auf weiß: Johanna Schulze stand vom 1. April bis zum 1. Juni 1882 als Köchin in meinen Diensten und hat sich diesen ganzen Zeitraum hindurch fleißig, ehr lich, willig, zuverlässig und bescheiden erwiesen. Ich wünsche ihr von Herzen ein ehrliches Fortkommen. Joseph Heinrich Muller, Canzlarath. Blitz und Witz. Ab und zu ein Heller Blitz In des Wetters Strenge, -Ab und zu ein schneller Witz In des Lebens Enge. Jenem jauchzt der Donr.ik zu. Diesem lautes Lachen, Bis c:srischt in heü'rer Auh' Welt und Herz erwachen. Th. Vulpinus. Verb-es scrte Methode. Prometheus stieg zum Himmel aus. Das Feuer sich zu holen. Und hat die Finger bös verbrannt ' An den verbothen Kohlen. Ich will nicht in Ewigkeit Den Geiern sein zum Fraße : Ich steig' hinab zum Rheinweinsaß, Hol' Jener mir im Glase. Seltene Folgsamkeit. Hcrr 5?ardter, warum sind Sie de".n so klein V . Als ich vor 20 Jahren von meinem Vater schied, sprach cr : Jakob, bibe so, toie Du bist," und da wollte ii5 sein Gebot nicht übertreten.Aus einer. Wahlverscrnm lung. Redner : Meine Herren, der Daumen der Reaktion kann noch so sehr di: Zähne fletschen, ein Stoß und er vcr jtummt ! -

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