Indiana Tribüne, Volume 4, Number 290, Indianapolis, Marion County, 2 July 1882 — Page 2
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Der Mnatilzcr.
rj3$Iung in zwei Abtheilungen ron Vllldui VlSSHaus.n. (11. Fortsetzung.) Er ist lange todt, bemerkte Karen leiser, iinb mit aller Krast strebte sie, bei diesen Worten eine ruhlge Haltung zu beroahten, todt, wie so viele, an welchen ich mit Tinverbrüchlicher Liebe gehangen habe und Noch hänge. Da kehrte eines Tages der Schwager meiner Schwester unvermuthet aus der 'Fremde zurück. Er war ein ernster, überlegender, aber auch ein schöner Mann geworden. Ten ruhigcn Ernst bewahrte er auch, als er sich um die Neigung mciuer Schwester bewarb, und da er von ihr nicht jene Liebe forderte, wie sie tcr Mensch nur einmal in seinem Leben empsinden kann, meine Schwester aber in seinem Acnscrcn viel Ähnlichkeit mit ihxen rerstrtenen Gatten entdeckte, so kostete es sie keine schwere Ueberwindung, um den Preis, , ihrem Töchtcrchcn einen lrcr.cn alcr zuzuführen, bald nach Ablauf des Trauerjahres Brandvold die Hand zu reichen. Und ncci) einmal schmückte der Talismeine Schwester. Mochte ihr Sinn nicht nach leeren Äußerlichkeiten stehen, so trollte sie d?ck, wie alle unsere Ahnen inütter!ichcrsei:s. den altherkömmlichen Brauch pietätvoll beobachten. Ein halbes Jahr verstrich in verhältnißmäßig fcctfcni Lebenssonnenschein. Da mei:ic Schwester keine sonstigen Banden an ?i'orwegcn fesselten, so gab sie gern r.A, Brandvold in sie drang, ihn nach Amerika zu begleiten. Er meinte, Iti C5 ihm dort erleichtert sei, einen neuen Hcrd u l ezründen und das Vermögen einer Frzu nutzbringend anzulegen, ein doppelter dirund, die an die heimathliche Eche sich knüpfenden, trüben Erinne?unqen Sinter ihr versinken zu lassen. IcM-k es einen schweren Kampf, der Heimat'.? vi entsagen ; allein die Liebe zu meiner Schwester und deren kleinem 2ochicrchcn es zählte kaum anderthalb Jahre itn 'Alter einerseits, und ferner Äie irüie Aussicht aus eine, wenn auch nur rci'crehcnde Vereinsamung übertrogen ''.icf-'ich alle Bedenken. Ich orduete mci.ie Verhältnisse so, daß mir und einem anderen, ich meine jenen secfahrenden Freu::?, doch warum soll ich es nicht aussprechen? dem Manne, welchcm ich mich verlobt hatte, ' die freund.liehen Hostnungen für die Zukunft nicht getrüb: wurden; das heißt, ich theilte ihm brieflich mit, daß unser Wiedersehen und unsere :;euc Heimath in New York lägen, jind ton srsherZ Übersicht beseelt, machten irir uns reisefertig. .Ob dieser Brief iThorbjcr?! so hieß mein Verlobte? erreiche, ich ahne cs nicht, glaube es aber ! fast. Tntm Schwager selber hatte die .Besorgung übernommen. Der Einzige, weler darübttAufschluö ertheilen könnte, chlramen a auf dem Meeresboden. Der Ta unseres Aufbruchs war end!ich da. Mit den' wehmüthigsten EmÄfind'.''.cn gingen wir an Bord eines LuswandererZchiffes, und zwar kurzlievor r so lautete Brandvolds ausdrücklicher Wunsch der Anker gelichtet wurde. Tas cchi;? lag bereits draußen vor dem : Sogricfzcrö. Es brauchte nur seine Sc-....-'..,innn um ncii) Im Ccean l . We gewöhnlich, wen::' ein Auswande-.--erschifs di: Anker lichtet, war auch das junserige ron einer großen Anzahl von Vooten umringt, Manche hatten Leute gebracht, eiche Diesen oder jenen Freund oder Verwandten noch einmal zu sehen '.sünschten. andere wieder von der Seekost abweichende Lebensmittel, welche den i Scheidenden zum Kaufe angeboten wur'Den. . Ich hatt.' mich von meiner Schwester fetrennl, wt'.&,t in ihrer Koje ihr schlnmnerr.deZ Töchicrchen überwachte. Eine Negerin, c:e zur Bedienung der Damen in der k:ii an Bord war, hatte sich zu sz'hr begeben, um ihren Beistand anzubiein. Schwahast, wie die Farbigen im "Allgemeinen sind, vertraute sie meiner 'Schneit:: an, daß die Auswanderer lauin Mstrmjwn, seien und von Brandvold großen Salzsee geführt werden n 'I?! ormoi.cn und deren Nelibuchen, namentlich mit Nücksicht - :i : - i, f. .11. : : : (j'.ii;micnivuf n, ijuiic meine r genug gehört, um bei solcher . :n wildem Entsetzen ergriffen zu ' LöaZ ihr selbst, der Gattin :r:::rncn, bevorstand, wurde aber liegen durch den Gedanken an ' -j-' ix und das Loos, welchem dieZ7. erst erwachsen, entgegenging. sie, die von Hause aus zart und ' ich, damals in ihrer Verzweiflung .'.st zu einer Handlunz nahm, j ' jeim ersten Hinblick vielleicht unI h erscheint und dennoch von einer ' " . alles überwindenden Mutterliebe j ia ' ich weiß es nicht. Ich entsinne r, daß sie leichenblaß auf ocm j " erschien, Seekrankheit vor:d, sich von mir wandte und einige ! Bemerkungen mit einem fremden . -v-. wech'elie. Dieser bestätigte auf ! die mit frra nrfsinn silier flcannftintfn ' m. , vyv.., - y t rt 1 ..ii... - ä. t r.t tuiicr gc;:iitn fragen oeren .'lrgwoyn, und da nunmehr über die Bestimmung ?cer Auswanderer kein we:kel me'ar wali iidi tuict 'Augenschein überzeugt, f.- : . - ... v. : . .' '.,., ;i i'.h , I .''' -.."' f. .- ;U " .1 . ) c ,, ' . ". . hosten Oas vca;iT Kr:ijra:tuiiuii, vt tjand sich ein: filiere Person, eine Wittwe Samens Engelid. Schon im Hause meiner Grcße!t'?n hatte sie r:t:ti und uns jellen ftcx5 e::fj riir'ide Vlnb:::;.;:: : iöewahrt.- '" ::U ichÜuchiv.: h...!:,s..c tfC5jcN-yit,-ii ihrem leichten Boot inech eiiima: .ü: das Schisf hcnurno'enl, mm einen legten Schidcblick auf uns zu 7 -werfen. Bor ihr stand einer der großen landesüblichen verschließbaren BretterZörbe, in welchen sie Brod gebracht hatte '-'nd sonstige Dinge, die auf Schissen will- . -nen sind, und für welche sie auch lvil"'ithme? fand. - meiner Schwester die Gewiß- - V bäö die hei ihrem Töchtcr-
chcn sitzende Negerin nicht zu viel sagte, als dieselbe sie bedauerte, sich mit anderen Frauen in den Hansstand theilen zu müsien, schritt sie mit ruhiger Haltung nach dem Hinterschiff hinüber, und sich über die Brüstung lehnend, rief sie die alte Engelid zu sich heran. Sie forderte dieselbe auf, an Bord zu kommen, jedoch ihren großen Korb mitzubringen, indem sie ihr einige jetzt überflüssige Sachen schenken wolle. Man war bereits an der Ankerwinde beschäftigt, so daß Niemand auf meine Schwester achtete, als dieselbe aus der obersten Stufe der Falltreppe der alten Frau beide Hände entgegenstreckte und, obwohl noch immer leichenblaß, sie mit sich in die Kajüte hinnnternahm. In der Schlafkoje entließ sie die Siegerin, worauf sie mit qualroll zuckendem Herzen der alten Frau ihre Lage offenbarte. Sanft, um es nicht zu wecken, küßte sie ihr Töchterchen ; behutsam bettete sie cs in den Korb, und das kostbare Halsgcschmcide in zwei Theile zerbrechend, schob sie die größere 5älste zu dem Kinde unter den Pfühl. Viele Tausende von Kronen ist es werth, flüsterte sie der vor Schrecken sprachlosen alten Frau zu, verlaus' cs und laß cs meinem Kinde an nichts fehlen. Der Tcckcl wurde darauf sicher befestigt, und als ob nichts vorgefallen wäre, sah ich ein wenig später beide über das Verdeck schreiten. Du trägst ja so schwer, redete ich die ehrliche Engclid an, als diese, den Korb vor sich mit beiden Armen krampfhaft haltend, auf der obersten Stufe der Treppe stand. Und dabei sah sie so verstört aus, als hätte sie in lautes Wcinen ausbrechen mögen, was ich natürlich dem Trcnnungsschmerz zuschrieb. Sie konnte nicht antworten. Dagegen ergriss meine Schwester das Wort, mit einem Lächeln, welches mir noch im Tode unvergeßlich bleiben wird. Ich habe die treue Seele beschenkt, sprach sie ruhig, manches, was mir hinfort hinderlich wäre, mag ihr von Nutzen sein. Sie küßte die alte Frau. Ehre und achte das kleine Andenken, welches ich dir mitgebe, fügte sie so laut hinzu, daß ich cs hörte. Ich will, ich will, stotterte diese, welche ihre ganze Kraft aufbot und sie war ja noch immer eine rüstige, an Bord von Schiffen nicht zaghafte Frau , den Korb wohlbehalten hinabzuschaffen. Dann lehnte meine Schwester sich über die Blüstung. Mit Todesangst bcobachtete sie, wie die Engelid den Korb endlich behutsam in das Boot stellte, selbst Platz nahm und die beidenRuderzwischcn die Pflöcke legte. Daß ft ihre Last sicher trug, wußte meine Schwester wohl ; aber in jedem Augenblick konnte das Kind erwachen, und das fürchtete sie in jener Stunde mehr als den eigenen Tod. Gott segne dich in allem, was du beginnst, rief sie mit halb erstickter Stimme wieder. Starr blickte meine Schwester dem Boote nach. Ich betrachtete sie von der Seite. Sie war so bleich, erschien mir
so seltsam, dan es mich ängstigte. Arglos fragte ich nach ihrem Befinden, und um sie zu erheitern, sprach ich meine Verwunderung darüber aus, daß die Engelid nicht auch für mich einen Gruß gehabt habe. Denn über die Bestimmung dcr Auswanderer hatte ich ja nicht die leiseste Ah nung ; und so konnte ich ihr Aussehen nur den ersten Anzeichen jener Krankheit zuschreiben, welcher manche Ä).!enschcn ausgesetzt sind, sobald sie nur das Verdeck eines Schiffes betreten. Aus meinen Rath, hinunterzugehen, antwortete sie, daß die frische Lust ihr wohlthue. Dabei wandte sie keinen Blick von dem landwärts eilenden Boote. Erst nachdem es hinter einem Sckärenfclsen verschwunden war, die Wirkung des Windes auf die ausgespannten Segel stch bcmerklich machte und das Schiff mit wachsender Schnelligkeit westlich trieb, richtete sie sich empor. In dcnnelbcn Augenblick trat ibrMann zu ihr. Er wollte seinen Arm um sie legen, als sie schaudernd zurückwich und ohne ein Wort der Erklärung in die Ka jüte hinabcilte. Besorgt folgten wir ihr. Sie hatte sich in ihre Koje eingeschlossen. Auf unsere Frage ertheilte sie keine Antwort. Es ist Heimweh, sprach Brandvold düster, ich kenne das, beobachtete es vielfach. Nur 'Jtuhe verlangen solche schmerzlich erregten Gemüther. Und Rube aönnten wir ihr. Rube bis tief in die?!acht hinein, und bis das Land vereils ylnier'UNv versunken war, Uno als sie dann vor uns stand, leichenfahl und mit beinahe gebrochenen Augen, da schien sie mich nicht zu erkennen. Ihrem Manne aber kehrte sie sich mit unheimlicher Kalte zu. Du bist Mormone, sprach sie, daß es mich eisig durchschauerte, ich bin dir angetraut und daher in Deiner Gewalt. Meine Tochter habe ich dagegen vor einem Loose bewahrt, wie du mir ein solches bereitetest. Sie besindet sich in treuer Obhut. Um den Preis, sie nicht ebenfalls dir zum Opfer fallen zu lassen, will ich sie nicht wiedersehen. Auch ich würde mich deiner Gewalt entziehen, denn das Meer ist tief und barmherzig, fürchtete ich nicht den späteren Borwurs meines verwaisten Kindes und mit dem letzten Worte brach sie bewußtlos zusammen. Was soll ich mein Entsetzen schildern, meine Verzweiflung ? nahm Karen nach k'mer lanaen Nauie scbmettlickcnGrübclns sihre Mittheilungen wieder auf. Das , r kx, -:v h'-itte das, Schiff den '. i'-.ii.-tu-ri ci.ic;: -:.jf t, so' . würden alle K.-vt '.'-7schn5.i.-n reblich' gewesen sein, j 5. ) 'i';:t !,;vit wi einen zur Entdeckung. ;;ü;t.: u.:n in Händen, indem ' - ; "'ii u'-.::: : j ln Räthsel war, was der :-v -.n !!!.; 1 welchem die Engelid ,0 tuHuci uuu, uuuti tn meiner nn än lichen Entrüstung über den an uns begangenen Verrath hätte ich um keinen Preis meine Beobachtung kundgegeben. Meine Schwes.'er hingegen, hatte sie wirklich noch Ar.särungcn ertheile weucn so wäre cs ihr nicht möglich gewesen Denn aus ibre? Bewußtlosigkeit erwacht sie erst nach langer Zeit zu jenen wirren Phantasieen und Fieberträumen, welche schwere und aefälnlicke Krankheiten ;u begleiten pflegen. Und so legten wir eine schreckliche Reise über den Ocean zurück. Lange, lange schwankte die arme gcängstigte Seele aus der Schwelle des Todes,' bevor sie sich entschloß, den zerschlagencn, hinfälligen Körper wieder als
Heimstätte zu betrachten; und als meine Schwester nach unserm Landen in New Z)ork endlich wieder genas. vollständig gesund wurde sie ja nie mehr , da war die letzte Spur von Liebe zu ihremGatten erloschen. Statt deren erfüllte sie ein tiefer Abscheu vor demjenigen, welcher die Trennung von ihrem Kinde verschuldete. Aber ergebungsvoll wie eine Märtyrerin fügte sie sich in seinem Willen, so weit derselbe sich nicht auf ihr fernes Töchterchen ausdehnte. Ihre Gesundheit war Ursache, daß wir in New Zjork beinahe zwei Jahre blieben. Während dieser Zeit führte Brandvold eine größere, vom oberen Missouri zusammengezogene Gesellschaft von Auswandcrcrn nach dem Salzsee, und als er nach N'cw Jork ,n:rücklehrtc, war Helga gcboren. Ein Knc.be hätte der armen Mutter zum Trost gereicht; aber auch das Müdchcn hieß sie herzlich willkommen, mag immerhin die Angst um dessen Zukunft ihr die Brust zusammengeschnürt haben. Was sie thun konnte, demselben eine spätere gänz'icheUnabhängigkcit zu sichern, das führten wir beide gemeinschaftlich aus, ohne daß Brandvold uns daran hätte hindern tonnen oder dürfen. Wie mein eigenes Vermögen, legten wir auch denjenigen Theil des Geldes, über welchen meine Schwester laut tcstamentarischer Bestimmungen sowohl von seilen unserer Eltern, wie von seilen ihres ersten Garten frei verfügte, in New Fort an sicherer Stelle an. Ebenso hinterlegten wir den verstümmelten Familienschatz in einer Weise, daß er, außer uns beiden, jedem andern unerreichbar war. Belehrt durch bittere Erfahrungen und mißtrauisch gegen jeden geworden, hatten wir uns daran gewohnt, alles reiflich zu erwägen und zu überlegen. Wir gingen davon ans, daß anch die zweite Hälfte des Geschmeides nichtHelga, sondern deren älteren Schwester gehöre, wie die Halste des mütterlichen Vermögens, beides aber, erst nach dem Salzsee übergeführt, für sie verloren sein müsse. Und die Hoffnung, daß ihre Erstgeborene noch einmal, wenn auch erst in fernen
Jahren, u, den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen würde, hegte meine Schwester noch in der letzten Stunde ihres Lebens. Diese Zuversicht aber und mein heiliges Versprechen, nicht nur die junge Waise aufzusuchen, an mich zu fesseln und ihr das ihr Gebührende zuzuwenden, sondern auch Helga vordem Loose einer Mormonin zu bewahren, gereichten ihr bis zum letzten Athemzuge zum Troste. Ursprünglich hatte ich beabsichtigt, meine Schwester nur nach dem Salzsee zu begleiten und, getreu meinem Thorbjörn brieflich übermittelten Versprechen, sobald wie möglich nach dem Osten zurückzukehren. Denn um den Preis meines Lebens hätte ich das arme, gebrochene Gemüth nicht allein in die neuen Verhältnisse eintreten laffen mögen. Doch als mich nach den ersten Monaten unseres AufentHaltes in New 9)ork die vernichtende Kunde traf, daß Thorbjörn während eines Orkans mit seinem Schiffe zu Grunde gegangen sei, da gab es nichts mehr, das mich um des eigenen Ichs willen noch an das Leben gekettet hätte. Anfänglich sträubte sich wohl mein ganzes Inneres, an den unerfetzlichen Verlust zu glauben, indem ich meinte, dieser kühne Seefahrer mit dem sanften Herzen eines Kindes könne nicht im Tode erstarrt sein. Allein als Brandvold nach längerer Zeit und seine Bemühungen waren gewiß redlich mir Briefe vorlegte, in welchen das schreckliche Ende des Theuren bestätigt wurde, da mußten wohl meine lentcn Zweifel schwinden. Ich wiederhole, sprach Karen, von diesem Zeitpunkt an war ich für mich selbst todt. Ich betrachtete mich nur noch als den Schutz und Hort meiner Schwester und deren Tochter, und damit ging Hand in Hand der feste Entschluß, mich nie von ihnen zu trennen, allein für sie zu leben. An die Engelid zu schreiben, wagten wir Nicht, aus Besorgn, Brandvold die Zufluchtöstätte des Kindes zu verrathen. Eä stand ja zu befürchten, daß er nicht gesäumt hätte, es herbeizuschaffen und sammt seinem Vermögen und dem Familienschatze zum Mormoncnthum hinüberzuziehen. Später hingegen, als Helga heranwuchs und er in der That den Namen der Engelld rn Erfahrung gebracht hatte, gewöhnte er sich daran, mir gegen- .. ctr t. uver jener armen 2uaxjc nur nocq als einer Gestorbenen zu gedenken, bis er endlich ihren Namen gar' nicht mehr nannte. Helga als die Erbin des Schmuckes, mithin des ungetheilten Ver mögens zu bezeichnen, wagte er dagegen nicht, so lange seine Frau lebte. Erst nachdem diese sich ins Grab gelegt hatte und Helga sich zu einer lieblichen Jungfrau zu entwickeln begann, mahnte er mich eines Tages, sie das Erbe ihrer Schwester antreten zu lassen. Mit Entrüstung wies ich das Ansinnen zurück, ihn bedeutend, daß ich mich 'zuvor von dem Tode ihrer Stiefschwester überzeugt haben müsse, und dies nur geschehen könne, wenn ich gemeinschaftlich mit Helga meine alte Heimath besuche. Daß. . r ' r 1 v er oaraus nienr einging, uoerrai.cule mm) kaum. Was ihn später veranlaßte, selber uns hierher zu begleiten, lasse ich gern unerörtert. Er bleibt der Vater Helga's, der Gatte meiner verstorbenen Schwester, mag dieselbe immerhin von Abscheu, und mit Recht, gegen ihn beseelt gewesen sein. Ob Brandvold es mit den mir vorgespiegelten Nachforschungen nach der Engelid ernstlich meinte, lie.it außerhalb meiner Berechnung. Ich bezweisie es. Denn gelingt cs uns, das Kind zu entdecken, so ist das gleichbedeutend mit dem Erlöschen der Ansprüche an das ihrer Stiefschwester zufallende Erbthcil. Daß es in meiner Hand liegt, mit dem eigenen Vermögen eine Art Ausgleich zu bcwirken, scheint Brandvold nicht zu bedenken, odcr vielmehr, er hat mich aufgegeben. Vielleicht schwebt ihm - eine Art Theilung v?r, i-.dcm er Helga ?u sich l)ir:0;rv----5 c:,c:i .rächtet, mir anheimstellen!), m: mit den Nachsorfchungcn nach der älleren Schwester zu begnügen. Freilich, meine Nachforschungen gebe ich nicht auf, bevor ich sie gesunden oder vor ihrcm Grabhügel gestanden. Aber auch von Helga trenne ich mich nicht, ich würde eibrüchig, meiner todten Schwester gegcn über, zur Verbrecherin an Helga, welch? ebensowenig Neigung wie Anlage besitzt, im vollen Sinne des Wortes Mormoni zu werden.
Das ist der augenblicklicheSachvcrhalt. Sollte man mir die Gelegenheit rauben, den SchuZ der hiesigen Landesgcsctze anzurufen, so liegt es. jetzt in Ihrer Gewalt, für uns einzutreten, 'im Falle der Noth sogar Brandvold der bcabsichtigtenUcberVortheilungen seiner StiestJchter anzuklagen. Es würde dadurch wenigstens Zeit gewonnen, und sicherlich zöge man ihn zur Rechenschaft, weil er .in seinem blinden, Fanatismus sich nicht scheute, einen heil-' losen Drnck auf die religiösen Anschauuugen seiner erwachsenen Tochter auszuüben. Ihre Forschungen nach der Wittwe Engclid konnten nur unvollkommen sein. Es fehlten Ihnen die entsprechenden AnHaltspunkte, aber auch jene bange Theilnähme, wie sie bei mir durch so viele, viele Umstände bedingt wird nein, unterbrechen Sie mich uichi, die Sache liegt zu klar : Ihre Theilnahme kann sich nur auf den Wunsch beschränkt haben, mir einen Dienst zu leisten, und im Grunde leisteten Sie ihn durch das, was die getreue Barbro damals erlauschte. Aber anders noch gestalten sich dieDinge, wenn wir gemeinschaftlich ans Werk gebcn. Zii dem scharfen Blick inniger, ver wandlschaftlichcr Anhänglichkeit, die schon allein durch eine schwache Ähnlichkeit aus die richtige Spur gelenkt werden kann, gesellt sich Ihr Vcrtrautscin mit der mir fremd gewordenen Heimath, gesellt sich Ihre ich weiß es ja opferwillige Freundschaft. Und was die beiden von der Barbro belauschten Männer beiläufig verhandelten, ich meine die Aussagen des Lootscn, muß das uns nicht als ein Jingcrzcig gelten, wo wir unsere Forschungen zu beginnen haben ? Nur übereilen dürsen wir uns nicht, uns nicht in Lagen bringen, welche es Brandvold erleichtern, seine heimlichen Pläne auszuführen. Wir müssen fest zusammenhalten, ihm kühn die Stirn bieten, uns zunächst nur von dem Gedanken leiten lassen, daß Helga nicht von mir getrennt werden darf. Tann erst, wenn er abgereist sein wird, und über einen bestimmten Zeitpunkt hinaus bleibt er nicht , ja, dann wollen wir suchen und fragen, unbesorgt um Hindernisse und Störungen. Und haben wir erst eine, wenn auch mir schwache Spur entdeckt, die aus mehr als zwanzigjähriger Vergangenheit herüberzuführen scheint : in jede Hütte, in jedes Haus, in jedes Kirchenbuch will ich meine Blicke werfen, um mciuer armen todten Schwester letzten Willen und damit meine eigene Lebensausgäbe zu erfüllen. Hier endigte Karen, und als sie gespannt auf Olaf sah, da meinte sie durch die matte nächtliche Dunkelheit hindurch plötUich einen andern in ihm zu erblicken. Seine Gestalt schien noch größer, kraftvoller geworden zu sein. Das ist ein großes, ein unbegrenztes Vertrauen, welches Sie mir bewiesen haben, sprach er, indem er Karen die Hand reichte, und mein Dank dafür besteht darin, daß ich von dieser Stunde an Ihr Streben und Trachten zu dem meinigen mache. Doch um zur entscheidenden Stunde wirksam eingreifen zu können, ist es streng geboten, meine -Beziehungen zu Ihnen vorläufig noch zu verheimlichen. Olas schlugjetzt mit Karen die Nichtung nach der stadt zu ein. Nun schieden sie von einander. Barbro lauschig nach dem Flurgange hinaus. Gleich daraus öffnete sich die Thür, und mit fliegender Hast erschien Karen. Fort ! raunte sie der Alten zu, indem sie auf die gegenüberliegende Thür wies, es folgt mir Jemand auf dem Fuße, vor dem ich Manches verheimliche.! möchte. - Der Vater, sprach 5)clga, und Besorgniß offenbarte sich in ihrem lieblich geröthetcn Antlitz. Ich gehe, versetzte Barbro, beiden die Hand reichend, aus glückliches Wiederscheu, wo auch immer cs sei. Sie kehrte sich ab, Karen und Helga wollten ihr das Geleite bis an die Treppe geben, welche im Hinterhause in den Hof
hinabführte, allein sie wehrte ihnen durch ein Zeichen, und geräuschlos verschwand sie durch die Thür. Auf der entgegengefetzten Seite wurden die Schritte vernehmbar, mit welchen Brandvold die nach seiner eigenen Wohnung führende Treppe erstieg. XXV. Eapitcl. Die Einschifs.ung. Die Nordlandsjacht, geführt vonLisiad und Arne, hatte stch mit der ersten Aus!oaudererladung aus den Weg nach 6er Mistlctoe begeben. Bratlid befand sich an Bord, um die Einschiffung zu übermachen. Einen halben Tag und eine ganze Nacht hatte sie zur Ncise gebraucht, und die Conne lugte bereits über die östlichen Plateaus in die Münduna des Sognesjords hinein, als die Mistletoe und die Schärcnhütte endlich in ihren Gesichtskreis traten. Gunnar stand auf dem höchsten Punkte des die Einbuchtung begrenzenden Felsenwalls. Du, Gunnar! tönte Arnes muntere Stimme alsbald zu ihm herauf. Gunnar! In des Teufels Namen, hörst du nicht? hieß eö, als der erste Ruf gänzlich unbeachtet blieb. Gunnar zuckle die Achseln und kehrte sich Arne mit einem Ausdrucke zu, als sei es ihm unbequem gewesen, seine Aufmcrlsamkeit von der Mistletoe abzuziehen. Warte, ich werde Leben in dich bringen ! hob Arne wieder gutmüthig drohend an, ich bin nämlich abgeschickt worden, dir einen guten Tagclohn nachzuweisen. Verdien' ihn dir selber, antwortete Gunnar gclaffcn. Von mir geht's nicht aus, Gunnar, ich würde mir sonst die Mühe gespart haben, ciu gutes Wort an dich zu verschwenden. Auch von deinem Herrn, dem Listad, nehme ich keins an. Von dem Llstad kommt's ebensowenig, sondern vs :i Jemand, der dich sammt dem Mutier Einschiffen der Auswanderer beschäftigen mocyte. Ihm ist sehr daran gelegen, oder ich hätte cs einem anderen überlassen, von einem Milchbart mit groben Worten abgespeist zu werden. Den Dienst bei Menschenhändlern gönne ich Leuten, welche sich nicht zu gut dazu halten, erwiderte Gunnar, und an crobe Reden solltest du dich bei deinem tzerrlt, dem Listad, zur Zeit doch geiröhnt haben. ' Wenn GuzQar trim Lust hat, thu'
ia? selber, rief Jörns' Stimme, wacher von det Hausthür aus das Gesprach vd.rnommen hatte, Arne zu, indem er bis an die Bucht vorschritt, für mich hat es nichts Verächtliches meine Zeit zu verkaufen, und den Kutter kümmert cs schwerlich, ob er eine Ladung Stocksisch oder Auswanderer trägt. . Wenigstens ein gutes Wort, Vater Jörns, entgegnete Arne, dessen Zorn plötzlich verraucht war, und eilfertig rudertc er sich in die Bucht hinein, von wo aus er die ferneren Verabredungen mit Jörns traf. Ich darf also bestellen, daß Sie einige Ladungen an Bord der Mistletoe schasfen ? fragte er zum Schluß, indem er sich anschickte, die Bucht wieder zu verlassen. Bestelle, daß binnen jetzt und einer Stunde der Kutter sich aus dem Wege nach Lärdalsören befindet, antwortete Jörns, mit dem Lootsendicnst hätt's bei dem guten Wetter nicht viel auf sich. Tann aiif Wiedersehn, Vater Jörns ! rief Arne nach dem Ufer hinauf. Gunnar hatte seine Warte verlassen und sich zu Jörns hinabbegebcn. Auf dem Ufer der Bucht saßen sie. Jörnssprach eisriq und eindringlich, während Gunnar finster vor sich niedcrstarrte. Nur gelegentlich erhob er Einwendungen, die indessen jedesmal mit Entschiedenheit zurückgcwicscn wurden. Ernstes mußte es sein, was zwischen ihnen zur Erörterung gelangte, sehr Ernstes, was verursachte, daß Gunnar mehrfach die Farbe wechfeite, bitter vor sich hinlachte und dann wieder heimlich eine Thräne von seinen gebräunten Wangen entfernte. Du weißt jetzt Alles, mußt einsehen, wie nothwendig es ist, daß du selber in Verkehr mit ihnen trittst, hob Jörns endlich wieder an, und im Uebermaß seines Wohlwollens drückte er des jungen Mannes Hand, als hätte er sie zermalmen wollen; cs ist dies sogar eine Gelegenheit, wie ich mir besser keine wünschen könnte. Du aber mit deinem hellcnVerstände, zeige jetzt, daß du unsere beiderseitige Lage zu würdigen verstehst. Auf deinen Schultern ruht eine schwere Verantwortlichkeit. Du kannst segensreich wirken, aber auch zerrütten. Welche Schritte, durch die augenblickliche Sachlage bedingt, wir auch immer thun mögeil : fern muß jeder Verdacht, sogar der schein gehalten werden, als ob Rachegcdanken uns leiteten oder Schätze uns lockten. Selbst rechtlich Gebührendes muß unter den obwaltenden Verhättnissen zurückgewiesen werden. Was wir uns redlich erwarben, genügt unsern Ansprächen, gleichviel, wohin wir uns wenden mögen. Denn für die geraubte Liebe, für den Verlust vieljährigen Schwelgens in gegenseitiger Anhänglichseit ha, Gunnar, die Erde birgt nicht Schätze genug, um uns dafür zu entschädigcn. Und für erduldete Unbilden rächcn? Gunnar, cs giebt eine Liebe, in welcher, trotz der bittersten Kränkungen, trotz Untreue und Verrath, die letzten Rachcgedaukcn ersticken, nichts zurückbleibt, als Trauer um nun ja, um Verlorenes. Deshalb sich' zu deinen Worten. Denke an mich zu jeder Stunde, während du unsere gemeinschaftliche Sache vertrittst; denke an mich jederzeit, während du die Fäden, welche jetzt in deinen Händen ruhen, so weit verfolgst, daß ich nur noch nöthig habe, die letzte Entscheidung mit einem Segcnsspruch zu begleiten. Batcr Jörns, du verlangst viel; ich kann cs nicht nein, ich kann nicht verzeihen, nicht segnen, wo wir beide mit Füßen getreten wurden, versetzte Gunnar leidenschaftlich, und wie ein Dämon des Haes lugte cs aus feinen großen Augen; vergegenwärtige dir, welche schwe.-e Aufgäbe mir schon im zartesten Kindesaltcr aufgebürdet worden freilich bei dir, unter deinem Schutz und hier auf der einsamen Schäreniisiel war es mir erleichtert, sie zu lösen, wenn auch auf Kostcn des Frohsinns, um welchen ich ost
andere Menschen beneidete. Wenn ich das wüßte, Gunnar, erwiderte Jörns mit ticscm Ernst, dann sollte nichts mich hindern, selbst in die Hände zu nehmen, was ich dir doch nein, ich kenne dich, kenne dein Herz, ich kenne dich besser, als du dich selbst. Gunnar hatte sich erhoben. Während Jörns ihn mit fast ängstlicher Spannung beobachtete, sandte er einen glühenden Blick auf die in seinem Gesichtskreise besindliche Wasserfläche hinaus. Plöklich kehrte er sich um. Eine eigenthümliche Weichheit offenbarte sich in leinen Zügen. Mit einer hastigen Bewegung hob er Jörns' Hand an seine Lippen. Dann trat er auf den Rand des Ufers, und sich einen leichten Schwung gebend, gelangte er in den Kutter hinab. Während er ihn scgclfertig machte und die Ketten löste, holte Jörns einen Korb mit Lebensmitteln aus der Hütte. Mein Segen begleitet dich, sprach er, indem er den Korb hinabreichte. Mehr gebrauche ich nicht in meinem ganzen Leben, antwortete Gunnar zuversichtlich. Er ergriff -in Nuder, und langfam glitt der Kutter ins Freie hinaus. Am folgenden Morgen in der Frühe lag der Kutter nahe der Mündung des Lärdalsels vor dem alten Fischerhause. Tags zuvor waren mehrere Familien eingetroffen, die unter Brandvold's und Olscu's Aussicht in dem Kutter untergebracht wurden. Brandvold gedachte sie an Bord der Mistletoe zu begleiten. Ein wenig abwärts ankerte ein zweites Fahrzeug, in welchem Gullik die zunächst eintreffenden Auswanderer bcfördcrr.. sollte. Während die Leute das Gepäck verstauten und ihre Plätze einrichteten, stand Gunnar müßig aus einer erhöhten Stelle des Ufers. Auhig, sogar theilnahmsvoll beobachtete er die Menschen, die einer ungewiffcn Zukunft auf der andern Seite des Oceans entgcgengeführt werden sollten. Sie sind allein in dem Fahrzeug, redetc Brandvold Guunar au, wird's der Arbeit nicht zu viel für Sie? Wie aus einemTraume erwachend, sah Gunnar zu Brandvold aus. An Brandvold vorbei hatte er Karen und Helga bemerkt, die von der Stadt her sich in einem Fährboot näherten. Wollen Ihre Frau und Tochter mit nach der Mistletoe hinüber ? fragte er, und seine Stimme war plöhlich um einige Töne tiefer geworden. Meine Frau ist längst todt, sprach
Brandvold, aber meine Tcchter ist's da die Blondlockige. Also todt, wiederholte Gunnar, wähknd aus seinen Augen wiederum ein Bll des unversöhnlichsten Hasses aus Brandvold zuckte. Hm, das ist betrübend, na,ment!ich für die junge Dame. Ich weiß, was es bedeutet, keine Mutter zu besitzen, ich lernte nicht einmal meine Mutter kentuv. So früh starb sie' .? Was weiß ich ? Ich hatte einen SticfVater, der hinterging meine Mutter in schamloser Wcise ; da nrnq sie vor Gram gestorben sein, bevor ich alt genug war, ihr Bild meinem Gedächtniß cinzuprägen. Lebt Ihr Stiefvater noch? fuhuBrandvold fort, einen gewissen thcilnahnuiollen Ton erzwingend. Er lebt no h, und ihm allein verdanke ich's, wenn ih nicht bin, wie andere junge Leute, antwortete Gunnar, die einzelnen Worte förmlich hervorstoßend, aber er foll cs büßen, was er an meiner Mutter und mir verbrach. Träfe ich ihn in seinen letzten Zügen, so wollte ich ihm in's Ohr schreien : Du bist ein Mörder, du hast meine Mutter vor der Zeit unter die Erde gebracht ; du bist ein Räuber, du hast mir die Liebe der Mutter gestohlen! Nun gehe hin und verantworte dich vor demjenigcn, zu welchem eine Gestorbene um Rache für ihr verlorenes Kind schreit ! Todtcnbleich war Brandvold einen Schritt zurückgetreten. Um sein Antlitz vor Karen und Helga zu verbergen, die sich langsam näherten, kehrte er sich, wie in Gedanken nach etwas suchend, der himmelanstrebcnden Felswand zu. Mechanisch betrachtete er eine alte Frau mit harten, verwitterten Gcsichtszügen und weißem Kopftuch, die bisher von einer erhöhten Stelle aus das Treiben der AusWanderer beobachtet hatte, jetzt aber sich thalaufwärts.entferntc. Kein Wort wagte er zu sprechen, aus Furcht vor neuen Kundgebungen, die sein Gewissen wie scharfe Peitschenhiebe trafen. Es beschlich ihn der Verdacht, daß der räthsclhafle, ihm sogar unheimliche junge Lootse auf Grund feiner Kenntniß von der Heimath der verstorbenen Engelid von Karen gedüngen wäre, ihn von dannen und nach dem Occan hinauszujagen, bevor cr Zeit gesunden haben würde, sich seiner Tochter zu bemächtigen. Gunnar's wild erregte Leidenschaften hatten sich dagegen geebnet. Als Karen und Helga einige Schritte von ihm stehen blieben, um die Leute in dem Kntter zn betrachten, fragte cr wiedarum, diesmal aber höflich : Die Damen wollen nicht mit hinaus nach der Mistletoe ? Brandvold hatte seine Faffung zurückgewonnen. Nein, sie bleiben überhaupt hier, antwortcte er laut genug, um von Karen und Helga verstanden zu werden. Gunnar kehrte sich um. Einen glühenden Blick wars cr auf Helga, einen zweiten auf Karen, die jetzt erst aufmcrksam aus ihn geworden wär und ihn. befremdet, sogar erstaunt betrachtete, und ohne sie zu begrüßen, sprang er an Bord des Kutters, wo er neben das Steuer hintrat. Prüfend glitten seine Blicke über die sich aus ihren Plätzen einrichtenden Auswanderer hin, thcilnahmlos über die aus dem Ufer versammelten Menschen. Wir kommen noch zur rechten Zeit, redcte Helga ihren Vater an, eine Viertelstunde und du warst fort. Ich habe meinen Plan geändert, antworlete dieser, und seine düster beschatteten Augen suchten argwöhnisch Gunnar, ich werde erst morgen odcr übermorgen mit Gullik, dort dem rothbärtigen Fischcrknecht, fahren. Um gänzlich auf der Mistletoe zu blciben ? fragte Karen. Ich kehre noch einmal zurück, um euch Lebewohl zu sagen, versetzte Brandvold, nachlässig in eine andere Nichtung schauend. Den Tag kann ich freilich nicht bestimmen, jedenfalls aber rechne ich zuverfichtlich darauf, daß ihr bis dahin cine endgültige Entscheidung über eure nächste Zukunft getroffen habt. Sie wird in der zwischen uns vereinbartcn ZZcise getroffen sein, erklärte Karen äußerlich ruhig, obwohl der Gleichmuth, mit welchem Brandvold plötzlich die zwischcn ihnen schwebende Frage behandelte, sie mit tiefer Beforgniß erfüllte. Die alte Barbro befand sich auf dem Wege zu. Olaf. In sicherer Entfernung hatte sie nur so lange gesäumt, bis sie erkannte, daß Brandvold die auf den heutigen Tag festgesetzte Abreise vcrschoben höbe. XXVI. Eapitel.-D erZ w e i k a m p f. Hin und her waren die von Gunnar, Listad und Gullik gesirten Fahrzeuge in dem Sognesjord geeilt und die Arbeit der Einschiffung durfte als in der Hauptsache beendigt betrachtet werden. Karen und Helga hatten unterdeffen ihre Zeit ungestört in Lärdalsören und der nächsten Umgebung'verbracht. In ihren freieren Bewegungen hemmte sie zwar der Umstand, daß sie stündlich dem Eintreffen Brandvolds entgegensahen, der sich seit acht Tagen an Bord der Mistletoe be-
fand. Doch schwerer noch suhlte Karen sich dadurch bedrückt, daß sie. wenn auch unter Beobachtung der höflichsten Formen, auf Schritt und Tritt von Bratlid oder Olscn, deren einer stets in dcrStadt weilte, überwacht wurden. . Untr solchen Verhältniffen war ihr die letzte Möglichkeit abgeschnitten, mit Olaf in Verkehr zu treten; kaum daß sie Gelegenheit fand, in ihre: wachfendcn Beforgniß Helge, mit der Lage des Gehöftes vertraut zu machen, aus welchen sie ihn vermuthete. Und so konnte die Beruhigung, welche sie aus ihrer Zusammenkunft mit O&s schöpfte, nur ein? thcilweisc tz . (Fortsetzung folgt.) Ans der Dorfschule. Es ist schrecklich, wie realistisch in die ser Zeit des Daipses selbst die Kinder sind. Diktirt da neulich ein ehrsamer Dorfschulmeister seinen Buben u. A. oen Satz : .Leonidas kämpfte mit den Sei nen bis zum letzten Athemzug.- Und wie er die Arbeit nachsieht, bemerkt er zu seinem Erstaunen, daß sich Peter, des Bahnwärters Sohn, die Sach'e ganz anders vorgestellt hat. Der Junge hatte geschrieben : LeonidaZ kämpfte mit den Seinen bis zum letzten Abendzug
Der Mann, der helfen rann.
Herr Hazen, der Chef des Siznal bureauö und Obemetterrnacher, scheint unter den gegenwärtigen Umstanden der lMann zu sein, der allein helfen kann. Die Lage des Landes ist eine sehr kritische, und an das Bundesschatzamt wer den die größten Ansprüche gestellt. Aber Herr Hazen kann der Sache ein Ende machen und die noch vorhandenen Bun desgelder retten, obgleich der CongreßeS daraus abgesehen hat, dieselben auf die gewissenloseste Weise zu verschwenden. Alles, was Herr Hazen zu thun hat, wenn er sich als Patriot zeigen will, ist daß er heißes Wetter herbeiführt, und zwar von solcher Intensität, daß der Eongreß' sich sofort sine die vertagt und damit zugleich aufhört, die Gelder des Volkes zu verschleudern. Gleicher Ansicht scheint auch ein Washingtoner Eorrespondent zu sein, welcher schreibt : We heißes Wetter eintritt, so fangen die wohlgenährten Congreßmitglieder sofort an, aus allen Poren zu schwitzen, und wenn sie schwitzen, wollen sie nicht lange mehr sitzen. " Sobald man diese Herren in fortwährender Bewegung sieht zwischen ihrem Sitze und der im Garde robezimmer auf Eis liegenden Appolina risstasche, oder wenn sie sich mit einer Serviette,die sie in ihrer gesetzgeberischen Zerstreutheit aus ihren Kosthäuscrn aus geführt haben, fortwährend den Schweiß aus ihren feisten Gesichtern und von ihren glänzenden Schädeln wischen, so. hört man sie auch sofort von der Noth weudigkeit einer baldigen ILertagung sprechen. Unsere Legislatoren vermögen nur bei kühler Witterung ihren staats männischen Intellekt mit Mühe zusam menzuhalten, aber bei Eintritt heißer Witterung fließt b:i ihnen Alles auseinander.-
Einfälle. Die Tulpe. Vom fernen Osten mit uns hergezogen Du Muschelblume, Lilie, sowie Glocke, Der Eisen Becher, den sie sich kredenzen Beim ersten Frühroth nach den Mond scheintänzen Zur Pflanze geword'ner Jubelruf der Erde Lei jungen Lenzes Sonnenglanze Du Königin, eh' Rose blüht, im Kranze, Dem Dichter lieb wie die prachtvolle Stanze! Die beste Mitgift. Hat Bildung sie, Vermö gen, Stand Ein angenehm Gesicht Und fehlt ihr nur das warme Herz : So wähle sie dir nicht! Die Leute. Frag' nicht zu viel und nicht zu wenig nach den Leuten, Im Wesen bleib dir treu, die Form nur laß dir deuten! Müller's empfindsam e Reise ' .. durchBerlin. Als ich neulich vor dem Glaskasten in's Aquarium stand, wodrin eene. von die iroßen Riesenschlangen man nennt ihr Loa.mimna liegt, die nun schon 700 Tage Nichts jcfreffen hat und an
dem Drrector Hcrnes seinen Reptilien fonds dachte, konnte ich mir nicht enthal"' ten, auszurufen : Wie jenügsam ist doch dieses Ncptil im Verjlcich zu die, die aus andere öffentliche Reptilienfonds jespeist werden und jährlich für viele hunderttaufend Mark Futter verschlingen ! Aus Rußlanö. ?mer neue Enthüllungen von großartt.n Betrügereien und Unterschleifen! Eine Entsetzen erregende Eorruption kommt an's Licht, die sich durch alle Schichten der Gesellschaft bis hinauf in die höchsten Kreise erstreckt. Werden vielleicht die Juden aus Rußland des halb vertrieben, weil die Rassen ihnen in der Unehrlichkeit über sind ? U e b e r l i st e t. Der Jtzig ist bei Schulze's auf Besuch und läßt sich's wohl sein. Die ersten drei Tage wird er mit Freuden, die fol ; genden drei mit Resignation aufgenommen, und jetzt gibt man ihm das Ueber flüssige seiner Anwesenheit nicht undeut lich zu oerstehen. Aber Jtzig ist blind und taub. Da probirt man's mit der List. Schulze fängt mit der' Frau Streit an; sie zanken sich, sie schimpfen sich, sie schlagen sich, sie tragen dem Jtzig den Casus vor, um ihn' im Fall der Partei nähme für das Eine oder Andere, aus seine Manier zum Hause hinaus zu com plimentiren. Aber Jtzig merkt cie.Ab sieht, und ohne verstimmt zu sein, spricht er die verstimmenden Worte : Werd' ich mich doch nischt wegen der d r e i W 0 ch e n, die ich noch bei Euch bin, in Euere Familicn-Angelegenheiten mischen l" j Richard Wagner j hat die Einrichtung getroffen, daß zur Vermeidung eines Mißerfolges bei den Parsifal-Vorstellungen nur p.rsön'.iche j Bekannte des Verwaltungsraths, deren Billets auf ihren Namen ausgestellt sind, Zutritt haben. Da indessen auch dies noch nicht sicher genug ist, so ist ncucrdinas bestimmt worden, daß jeder Billetinhabcr zur Be glaubigung an der Kasse das Geburts attest, den Impfschein, die M'litärpa piere, die letzte Stcuerquittung und die Einwilligung der Eltern vorzeigen muß. . EinenBlumenstrauß lange frisch zu erhalten, benutzt man so! gendes einfache Mittel : Man wirst et was salpeterfaureZ Natron, ungefähr ss viel, als man bequem zwischen Daurierund Zeigcsinger halten kalln, beim tägli
chen Wecqiel des Waners in die Vase und die abgeschnittenen Blumen werden sich über, zwei Wochen in ihrer vollen Schönheit erhalten. Ravoleou III. gebrauchte schzn zur Zeit seiner größten Macht cm Eisen
Präparat in Form emer Mixtur, wclö ,' ; als syrupus Napoleonis" in d? französische und deutsche Pharmakopö ' ' aufgenommen worden ist. Deülsck Apotheker wollen die Tinctur jetzt üi einem etwas stärkeren Eisengehalte als BlutträftigungSmittel herstellen und ihr ! den Namen : 8y?timis Bismarckü"
j beilegen.
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