Indiana Tribüne, Volume 4, Number 277, Indianapolis, Marion County, 18 June 1882 — Page 6

Ok ZZeurtyeilnng des Weines vom lZemislZm Stand- ; punkte. Don 3t V.Has.

Der Wein ist seit vielen Jahren Ge euftand vielfacher Forschungen, und hervorragende Gelehrte (Pasteur, Mul der und Andere) haben ihn zum Objecte ihrer Studien gewählt. Wir sind da durch zu der Erkenntniß gelangt, daß der Bein eine sehr complicirte chemische Zusammensetzung besitzt, und daß er zahl, reiche chemische Verbindungen in sehr variablen Mengen' enthält. Viele von den Bestandtheilen des Weines lassen sich quantitativ bestimmen; andere, die dessen Qualität wesentlich beeinflussen, sinken sich in so geringer Menge vor, daß die Feststellung der letzteren schwielig oder gar unmöglich ist. Der Handelswerth eines Weines hangt wohl in der Regel weniger von den quantitativ leicht bestimmbaren Hauptbestandtheilen, als vielmehr von jenen Komponenten, ab, welche das Aroma, das Bouquet, die Blume des Weines bilden. Ist es aber nicht von großer Wichtigkeit, eine möglichst genaue Kenntniß der Zusammensetzung eines Getränkes zu besitzen, das uns als Genußmittel dient und auf unsere Gesundbeit von entschiedenem Einflüsse sein kann ? Ist nicht der Wein zahlreichen, mitunter gesundheitsschädlichen Verfäl schungen ausgesetzt, die sich nur durch die chemische Untersuchung desselben erkennen lassen ? Repräsentirt nicht jeder, auch der schlechteste Wein einen gewissen Werth schon durch seinen bloßen Alko holgehalt? Der wahre Werth eines Weines kann also nicht durch den Ge schmack allein bestimmt, sondern es muß auch die chemische Analyse zu Rathe gezogen werden. Die Untersuchung des Weines ist in der That für den WeinHandel von großer Wichtigkeit geworden, einer Wichtigkeit, die in den von den Regierungen Oesterreichs und Deutsch lands erlassenen Kunstveingesetzen einen beredten Ausdruck sindet. Bevor man zur chemischen Analyse ei nes Weines schreitet, hat man zunächst den Zustand, die Farbe, den Geruch und den Geschmack desselben zu beurtheilen Factoren, deren Bestimmung unerläßlich ist, theils weil man oft schon aus ihnen allein einen Schluß auf die Qualität des Weines ziehen kann, so daß die chemische Analyse bloß eine Bestätigung der sogenannten Kostprobe" zu geben hat; theils um die Weinsorte, zu welcher der fragliche Wein geHort, zu ermitteln (;. B. ob Riesling, Traminer, Muskateller u.s.w., oder, nach dem Orte der Abstammung : ob Bordeauxwein, Tokaier, Madeira u. s. w.) ; theils weil an dadurch Anhaltspunkte gewinnt, in welcher Richtung hauptsächlich die chemische Untersuchung Aufschlüsse geben soll, da es ja nicht in allen Fällen nothvendig ist, eine ausführliche Analyse des Weines vorzunehmen; theils endlich, weil die Berücksichtigung der Physikalischen Beschaffenheit des Weines den Chmiker vor Tauschungen bewahren kann. "Jlndet man z. B., daß der zu untersuchende Wein trüb ist und daß sich in der Flasche- nach längerem Stehen ein Bodensatz bildet, so muß man diesen mikroskopisch prüfen, da eine Trübung des Weines häusig die Folge einer Krankheit ist, welche man das Umschlagen" nennt. Man sieht dann, wenn man einen Tropfen des Bodensatzes durch das Mikroskop betrachtet, eine Unzahl kleirer Körperchen (Batterien), welche nach Pasteur die Weinsäure zersetzen, indem sie daraus zum Theil Kohlensäure und flüchtige organische Säuren bilden. Man wird dann natürlich in einem solchen Weine eine geringere Menge freier Säure und weniger Extrakt als meinem gesunden Weine finden. Aus Unkenntniß dieser Thatsache sind schon viele' Experten verleitet worden, zu behaupten, daß ein Wein, dessen Mangel an Säure und Extract nur eine Folge jener Krankheit war, mit Wasser verdünnt sei. Die Bestimmung des Alkohols, des Extractes und der freien Säure (welch letztere natürlich in dem Extracte mit inbegriffen ist) gibt wohl ein Bild über die Zusammensetzung des Weines nach sei en Hanptbestandtheilen, reicht jedoch nur in seltenen Fällen hin, einen Wein richtig zu beurtheilen. Ein Wein kann einen ganz normalen Alkohol- und Extractgehalt haben und dennoch verfälscht sein, indem der zuerst mit Wasser verdünnte Wein nachher Zusätze von Alkohol und einzelnen Extractbestandtheilen haben kann. Man muß daher auch die näheren Bestandtheile desExtractes, so weit als es möglich ist, quantitativ bestimrien. Im Allgemeinen ist dies bei sol genden Extractbestandtheilen nöthig : Weinstein, freie Weinsäure, Essigsäure, Gärbsäure, Zucker, Glycerin und Asche. Ost muß man noch die Afche näher untersuchen, um mineralische Zusätze zu entdecken. Zur Beurtheilung des diätetischen Werthes eines Weines muß eine vollständige Analyse desselben ausge sührt werden. Ein oussallend geringer Gehalt an Weinstein, Glycerin, Asche, und inRothweinen auch an Gerbsäure, deutet auf tiue Verdünnung des Weines mit Wasser; ein abnorm hoher Gehalt an freier Weinsäure, Glycerin und Gärbsäure aus einen Zusatz dieser Körper ; ein hoher Essigsäuregehalt aus einen Erstich" ; ein hoher Zuckergehalt in einem Säß. weine, bei gleichzeitig geringem Gehalte n Asche, auf einen Zuckerzusatz; ein ab sonn hoher Aschengehalt auf den Zusatz tines oder mehrerer Mineralstosfe. Häusig wird eine Entsäuerung des Weines vorgenommen, wenn dieser zu Diel freie Säure enthält oder wenn er einen Essigstich hat, und es wird dazu entweder gepulverter Marmor, oder neutrales weinsaures Kali, oder auch Potosche verwendet; im ersten Falle wird dann der Wein in der Regel einen abormen Kalkgehalt, in den beiden andem Fällen einen Kaligehalt aufweisen. Letzterer kann aber auch von einem Maunzusatz herrühren, welcher mitunter zum Schönen des Weines angewendet rnrd ; in diesem Falle wird man natürLch in der Asche auch viel Schwefelsäure id Tho?erde sinden. Ein abnormer

Schwefelsäuregehalt der Asche ist jedoch in derRegel dieFolge eines Gypszusatzes, welcher oft zur Erhöhung der FarbenIntensität nd zur Beförderung der Klärung des Rothweines, besonders in Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien und Portugal, Anwendung sindet. j Durch den Zusatz des GypseS wird , der Weinstein des Weines zersetzt, indem sich weinsaurer Kalk, ausscheidet, während schwefelsaures Kali in Lösung ! bleibt. Gegypste Weine zeichnen sich daher auch durch große Armuth oder gänzlichen Mangel an Weinstein aus. Das Gypsen des Weines- ist in Frankreich bis zu einem gewissen Maße erlaubt; es darf nämlich dcr Schwefelsäuregehalt des Weines nicht mehr als 2 Gramm Kaliumsulfat im Liter entsprechen. Zusätze von Mincralsäuren kommen höchst selten vor, da sie dem Weine einen zu scharf sauren Geschmack ertheilen. Viel bäufiger ist die Anwendung von Farbstoffen zum Rothsärbcn, der Salicylsäure zum Conserviren des Weines, des Stärkezuckers und Rüben Zuckers zum Gallisiren und Petiotisiren. Durch das Schwefeln der Fässer und des Weines, welches theils zum Zwecke des Conservirens, theils auch zur Wiederherstellung kranker, insbesondere aber braun gewordener Weine angewendet wird, gelangt schweselige Säure in den Wein, welche sich durch Oxydation allmälig in Schwefelsäure verwandelt, die jedoch im Weine nicht im freienZustande vorhanden ist. Das Schwefeln des Weines kann nicht als Verfälschung bezeichnet werden; auch ist ein geringer Gehalt desWeines an schwefeligerSaure der Gesundheit durchaus nicht nachtheilig. Ist man genöthigt, einen Wein stark zu schwefeln, so muß derselbe so lange im Fasse lagern gelassen werden, bis die Quantität der schwefeligenSäure auf ein geringes Maß reducirt ist. Durch Zusatz von Theersarbstoffen (Fuchsin, Safranin), welche gewöhnlich unter Anwendung von Arsensäure erzeugt werden, kann der Wein arsenhaltig sein. Ein Zusatz von Bleizucker, der in früherer Zeit häusig angewendet wurde, kommt jetzt nicht mehr vor. Doch können sowohl Blei als auch Kupser und Zink dadurch in den Wein gelangen,daß dieser mit den Metallen einige Zeit hindurch in Berührung blieb; so z. B. Blei dadurch, daß ein Wein in eine Flasche gefüllt wurde, in deren Rinne auf dem Boden Schrotkörner, die zum Reinigen derselben verwendet wurden, zurückblieben; Zink durch Berührung des Weines mit Zinkgefäßen ; Kupfer dadurch, daß Most, um ihn zu concentriren, in einem Kupfergefäße abgedampft wurde, oder auch durch Filtriren von Wein mittelst eines kupfernen Filtrir-Apparates, der wohl von innen verzinnt ist, in welchem sich aber das Zinn an einigen Stellen losgelöst hat. Aus dieser kurzen Darstcllung der bei der Untersuchung des Weines zu berücksichtigenden Momente geht hervor, daß zur richtigen Beurtheilung desselben eine Summe von Erfahrungen gehört, die nur dadurch erworben werden kann, daß man sich erstens andauernd und eingehend mit den Methoden der Weinuntersuchung besaßt und daß man zweitens nicht nur die chemischeZusammensetzung, sondern auch die Farbe, den Geschmack und das Bonquet weniastens der Hauptsächlichsten Weinsorten-kennen zu lernen Gelegenheit hat. Pasteur, welcher woh! den Rang der ersten Autorität auf diesem Gebiete einnimmt, erklärt, daß es eine der schwierigsten (les plus scabreux) Ausgaben der organischen Analyse sei, zu constatiren, ob ein Wein verfälscht ist oder nicht, und daß häusig ein unanfechtbares Urtheil nur dann möglich sei, wenn man ganz sicher ist, den fraglichen Wein mit unzweifelhaft echtem Naturweine derselben Abstammung und desselben Jahrganges vergleichen zu können. Hat man jedoch einen solchen Wein nicht zur Verfügung, so muß man in vielen Fällen daraus verzichten, dieRichtigkeit der Angaben in Bezug auf die Abstammung des fraglichen Weines zu prüfen. Dann kann man aber auch die so häusig gestellte Frage, ob ein zu untersuchender Wein, der sich durch keine besonders charakteristischen Eigenschaften auszeichnet, Naturwein" sei, nicht mit Bestimmtheit beantworten, sondern das Urtheil nur in der Weise abgeben, daß man, wenn der Wein keinen seiner Bestandtheile in abnorm großer oder geringer Menge enthält, erklärt : Der Wein hat eine normale Zusammensetzung", oder: Die Zusammensetzung dieses Weines entspricht der eines Naturweines gleicher Sorte." Hier kann nicht der Ort sein, sämmtliehe Fälle, die bei Weinuntersuchungen vorkommen können, erschöpfend zu behandeln. Es sollte nur der Beweis geliefert werden, daß zur Beurtheilung des Weines allgemeine chemische Kenntnisse allein nicht genügen, sondern daß dazu noch specielle Ersahrungen gehören. Zum Schlüsse mag noch darauf hingewiesen werden, daß es nur durch die richtige Beurtheilung kranker Weine aus Grund der vorgenommenen chemischen Unter suchung möglich ist, die Krankheit zu heilen und die Weine vor dem sicheren Verderben zu retten. (Wiener N. Fr. Presse.)

Miltärische Sonnenfinstkrniß. Aus der guten alten Zeit- erzählt man sich folgende heitere Anekdote: Eines schönen Vormittags ertheilte der Herr Hauptmann . beim V'Regiment bei der Parole folgenden Appell-Befehl: Leute Nachmittg sindet eine Sonnensinsterniß statt. Um 3 Uhr treten sammtliche Mannschaften, inklusive der alten Leute, auf demKasernenhofe im Drillich anzug und Mütze an. Ich werde den Mannschaften die heutigeSonnenfinster niß erläutern. Bei schlechtem Wetter im Exercirschuppen." Beim Appell verliest der Feldwebel folgenden Befehl : Heute Nachmittag sindet aus Befehl des Herrn Hauptmanns auf dem Kasernenchofe eine Sonnenfinsterniß statt, beiwelcher sämmtliche Leute, inclusive der alten Mannschaften, im Drillichanzug und Mütze erscheinen. DerHerrHauptmann wird die Sonnensinsterniß persönlich leiten. Bei schlechtem Wetter findet die Sonnensinsterniß im Exercirschuppen statt

Timotyeus' erste und lchte cLiebe. Thimotheus, nimm Dich um's Himmels Willen vor unerfahrenen Backfischen und allzu erfahrenen Witwen, diesen gefährlichsten aller Männerfallen, in Acht," pflegte vor Jahren seine Mutter selig zu sagen,wenn immer sie ihn imVer dacht hatte, daß er sich nach einem Ehegespons umschaue. Und damit hatte sie ihm, da er ohnehin überaus schüchterner Natur war, einen so nachhaltigen Schreck eingejagt, daß er hinfort instinktiv vor jeder Berührung mit dem zarten Geschlecht zurückbebte und schließlich auf dem besten Wege war, als einsamer Hagestolz seine Tage zu beschließen. Es war dies. um so mehr zu bedauern, als er wirklich alle Tugenden besaß, die eine Durchschnittsgattin glücklich gemacht hätten. Er hatte weder große,noch kleine Laster, und selbst der nationalen .Untugend des Wirthshauslebens zog er einen beschaulichen Spaziergang in die freie Natur, eine mittelmäßige Cigarre vor. Ein zu Gardinenpredigten aufgelegte Frau würde Ersteres allerdings schmerzlich vermißt haben, aber sie hätte ja immer noch auf die verbotene Cigarre zurückfallen können, um ab und zu die Würze des Glückes und die nöthigen reinigenden Wetterwolken am ehelichen Himmel zu liefern. Bei zweckmäßiger Behandlung hätte er sich, wie man zu sagen Pslegt, um den Finger wickeln lassen, und da er ein hübsches Einkommen besaß weder zu lang, noch zu kurz, weder zu dick, noch zu mager, und beinahe hübsch zu nennen war, so hätte er recht begehrenswerthes Ehematerial abgegeben. Schade, daß er so exessiv schüchtern war, daß er sich schließlich fest vorgenommen hatte überhaupt nicht mehr zu heirathen! Indessen, sein 36. Geburtstag sollte diesen Entschluß auf eine harte Probe stellen und seinem Junggesellenthum möglicherweise verhängnißvoll werden. Vom Bureau nach Hause schlendernd, las er nämlich die verlockende Annonce einer KunstreitergesellschaZt, welche die Stadt gerade mit ihrem Besuch beehrte, und da das, wie gesagt,sein Geburtstag war, und der Abend unfreundlich zu werden versprach, so gedachte er sich nach kurzem Besinnen ein jbene" anzuthun und den Hochgenuß einer Circusvorstellung zu gönnen. In ErWartung desselben und gleichsam als ahne" ihm etwas,würgte er sein bescheidenes Mahl ungewöhnlich schnell hinab, ersetzte den während des Tages Last und Mühen verschwitzten Papierkragen durch einen frischen, riß sich mehrere vorwitzige Haare aus und wandte sich alsdann mit großen Schritten dem Pferde-Musen-tempel zu. Dieser war wie üblich auf dem freien Platze vor dem Rathhause errichtet. Den Mittelpunkt bildete ein stattlicher Mast, von welchem die deutsche Flagge wehte, während ringsum die konisch geformte, hie und da gestützt und mit kleinen Fähnlein gezierte Leinwand sich blähte, aus dessen Innere bereits Musik, von der Sorte, die Steine erweichen, und Menschen rasend machen kann, ertönte, um Schaulustige enzulocken. Zugleich mit Herrn Thimotheus GoU helf trat eine hübsche schlanke Brünette, an der Rechten ein Schwesterchen, an der Linken ein Brüderchen sührend, zur Casse und begehrte mit ungemein melodischer Stimme die nöthigen Billets, der Zusall wollte denn es ist kaum anzunehmen, d aßThimotheus mit Absicht in den Focus dieser Gazellenaugen gerieth daß die drei auch dicht neben ihn zu sitzen kamen. Nur das Schwesterchen trennte ihn von dem gesürchteten und doch so reizenden Wesen, welches er nicht umhin konnte das heißt, wenn er völlig sicher war, ihrem Blicke nicht zu begegnen zuweilen verstohlen anzuschauen. Und jedes Mal, wenn er dies zuWege brachte, hielt er sich eine innerliche Strafpredigt, bezeichnete er als unverantwortlich, daß er nicht schon längst solch' ein herziges Wesen heimgeführt und einen Sonnenstrahl in sein dumpfes Hagestolzthum gelassen, wobei es denn an Titeln wie Hasensuß :c. nicht fehlte. Völlig unbewußt, daß sie das Inte resse ihres Nachbars in so hohem Grade erregt, saß indessen Bertha da Brüderchen sowohl, wie Schwesterchen hatten sie schon dutzende Male so genannt bemüht, die neugierigen Fragen der Kleinen zu beantworten, oder sie auf irgend etwas Wissenswerthes aufmerksam zu machen. Als die Vorstellung begann, konnte man auch deutlich wahrnehmen, daß sie nur der Geschwister wegen gekommen war, ihre eigene in deren Freude gipfelte. Dabei vergaß sie nicht, daraus zu achten, daß ihre Schutzbefohlenen den Umsitzenden nicht lästig fielen, oder den hinter ihnen Sitzenden unnöthigerweise die Aussicht versperrten. Kurz, Herr Timotheus entdeckte jeden Augenblick ei nen neuen Zug, der ihm eine Garantie eines ungemein liebenswürdigen Cha rakters schien, wie es zu einem so holdseligen Aeußeren paßte. Die Vorstellung war selbstverständlich zum Todtlachen-: Da war dieselbe runzelige Schöne in Tricots, mit dem stereotypen nichtssagenden Lächeln, die auf ihrem geduldigen Zelter während ihrer Praxis schon beinahe so oft im Kreise herumgeritten, wie sich die Venus seit dem ältesten Tag um die Sonne gedreht. Da war dasselbe schmerzlich lächelnde Kind im Flitterstaate, das so geschickt durch den Papierreif springt, und auch der kreideweiße Clown mit dem zweifelhaft weißen Costüm fehlte nicht,' der seine altbacknen Witze so mechanisch absolvirt, wie sein Magen die Verdauung seines Nachtmahls. Kurz, die At tractionen waren so mannigfacher Art, daß die Zuschauer es anfänglich gar nicht beoachteten, wie sich draußen ein Gewitter über dem Kunsttempel" entlud, dessen dicke Tropfen vernehmlich an die Leinwände pochten. Erst als ein mächtiger Donnerschlag miederhallte, regte sich eine Besorgniß, die denn auch allzu gerechtfertigt schien; denn gerade, als der bekannte dressirte Maulesel, den Niemand drei Mal im Kreise herumreiten kann, ohne abgeworsen zu werden, vorgesührt wurde, riß das morsche Seil, mittelst dessen die Mitte des Zeltes an dem Mastbaum in die

Höhe gezogen und befestigt war, und im nächsten Augenblick - sank die sturmgepeitschte Leinwand sammt den Stützen auf die Zuschauer nieder, verlöschte die Lichter, ertönten Jammergeschrei und Pferdegewieher und bildete das ganze ein Choas, wie man es sich tragi-komi-scher nicht wohl denken kann. . Im ersten Augenblick, als Herr Thimotheus das Zelt niedersinken sah, breitete er unwillkürlich seine Arme wie schützend über Bertha und die Ihrigen aus, während gleichzeitig auch sie die ausschreienden Kleinen zu beschirmen suchte. Beide aber wurden wie alle Uebrigen, unerbittlich von der Wucht der durchnäßten Leinwand niedergedrückt, und so kam es, daß Herr Thimotheus zum ersten Male in seinem Leben, wenngleich nothgedrungen, ein weibliches Wesen umarmte. Wie denn in Augenblicken der Gefahr oft ganz passiv angelegte Charaktere eine ungemeine Seelenstärke und Geistesgegenwart entwickeln, so war auch Herr Thimotheus vermuthlich einer derErsten, die einen EntsaTluß faßten. Anstatt sich in dem entsetzlichen Tumult mit unnützem Trösten seiner Leidensgesährten zu befassen, bebte er im nächsten Moment wieder instinctiv von Bertha zurück und bemühte sich, sein Taschenmesser herauszulangen und zu öffnen. Nachdem ihm dies gelungen, machte er einen krästigen Schnitt über sich in die Leinwand, ergriff dieselbe mit beiden Händen und erweiterte die Oeffnung. worauf er in's Freie kroch und seinen nächsten Nachbarn heraushalf, es den Uebrigen überlassend, sich desselben Ausganges zu bedienen. In mächtigen Strömen goß noch immer der Regen nieder, und nichts war natürlicher, als daß Thimotheus, die Kleinen auf beide Arme nehmend, in den ersten besten Thorweg der Umgebung flüchtete und Bertha pflichtschuldigst ihm dahin nacheilte. Dann solgten peinliche Minuten für den wackeren Mann, denn in der Ausre gung des Augenblickes und vor Freude über die glückliche Errettung des Brüderchen und Schwesterchens, konnte Bertha nicht umhin, seine Hand zu ergreisen und ihm von Herzen zu danken, während die Kleinen, schon wieder beruhigt, sich an ihn drängten. In solchen Momen ten werden aber auch die schüchternsten Seelen bald bekannt, und nachdem man noch Zeuge gewesen, wie sich drüben der entsetzliche Knäuel entwirrte und einer nach dem Andern, inclusive der runzeligen Schönen und des dressirten Maulesels, in eingeweichtem Zustande, aber ohne ernstlichen Schaden genommen zu haben, an die Oberfläche besördert worden, um Bertha galant den Arm anzubieten, Schwesterchen bei der Hand zu fassen und die kleine Gesellschaft nach Hause zu geleiten. Trotz seines guten Gewissens, welches doch ein so sanftes Ruhekissen sein soll, schlief unser Held die folgende Nachtsehr unruhig vermuthlich in Folge der ge. habten Gemüthsbewegung. Selbst wenn Bertha und besonders die Kinder beim Abschiede nicht so dringend gebeten hatten, er möge sich ja recht bald sehen lassen,hätte die baareHöflichkeit erheischt, sich nach dem Befinden der neuen Bekannten zu erkundigen. Thimotheus jedoch bedurfte bei ruhigem Blute drei Tage, ehe er sich zu diesem. Entschlüsse emporzurassen vermochte. Dann erst macht? er in peinlicher Gala seine Anstandsvisite, wurde selbstverständlich überaus freund lich aufgenommen und nun, warum die alte, ewigneue Geschichte wiederkäuen ? Genau an seinem 37. Geburtstage war die Hoch nein, genau an seinem 37. Geburtstage schwur er wiederholt einen förmlichen Eid, nie mehr den Versuch machen zu wollen, zu einem weiblichen Wesen in nähere Beziehung zu treten; denn als er an jenem verhängnißvollen Morgen sich in Bertha's Wohnung eingefunden, hatte ihm diese sreudestrahlend einen weit hübscheren, weit jüngeren Mann, als er selbst war, als ihren Gatten vorgestellt. Sie war bereits zwei Jahre verheirathet, und Letzterer hatte nur in seiner Eigenschaft als Amtsgerichtssecretär eine Wechselprotesttour unternommen, welche Gelegenheit Bertha benutzte, um ihren Stiefgeschwi sterchen eine Freude zu bereiten, und sie in den Circus zu führen. Nein, wie sich die Weiber verstellen können," seufzte er zuweilen später in schwachen Stunden, ich hätte doch darauf geschworen, daß sie noch lcdig gewesen Zum Luxus des 18. JahrHunderts. Am 7. November 1743 gab der Gras Brühl der Königin von Polen zu Ehren ein Fest, welches ihm 14.000 Thaler kostete. Die Teller, welche für den König und die Königin bestimmt waren, bestanden aus dem allerseinsten gemalten und vergoldeten Porzellan; jeder derselben kostete 5 Dukaten. Bei jedem neuen Gang nahmen die Pagen die Teller fort und warfen sie zum Jenster hinaus aus die Straße, damit sich Niemand solle rühmen können, von ei nem Teller zu essen, von welchem das KönigSpaar Speise zu nehmen geruht hatte. Als das Dessert aufgetragen wurde, hatten die Pagen bereits 46 solcher Teller, d.h. mit andern Worten 230 Dukaten zum Fenster hinausgeworfen. Einige Zeit darauf veranstaltete derFürst von Sulkowsli, UM den Grasen Brühl zu verdunkeln, mitten im Sommer eine Schlittenfahrt, bei welcher der Weg von Naußen nach Lissa, der eine deutsche Meile lang ist, um den fehlenden Schnee zu ersetzen, wie berichtet wird, zwei Fuß hoch mit Zucker bedeckt war. Die philanthropischeRlchiung unsererZeit hat inPris eineJnsti tution gezeitigt,welche erwähnt zu werden verdient, Garküchen nämlich sür Schüler in den Pariser Kammunalschulen und Kleinkinderschulen, in welchen bedürftigen Kindern unentgeltlich warme Speise verabfolgt werden, den Kindern besser situirter Eltern aber gegen den geringen Betrag von durchschnittlich 15 Centimes die Benützung dieser Speiseanstalten freigestellt wird. Von derartigen bedürftigen Kindern sind etwa 24,000 vor Handen. Natürlich begegnen die Schü-ler-Garküchen auch ' in Frankreich einer namhaften. Gegnerschaft, welche pädagogische, moralische und sozialpolitische Gründe gegen die junge Schöpfung ins Feld führen.

Wirthshäuser in Griechenland gehören zu den seltenen Landschastsstafsagen. : Man reist dort sehr billig, wenn man das Glück hat .auch in Arkadien geboren" zu sein, und begeisterte Freunde der Antike mögen sogar in dem Bewußtsein schwelgen, daß es sich dort Nach der alten griechischen Sitte des Reisen auf Kosten Anderer", d. h. Reifens auf Gastfreundschaft noch Wohlleben läßt. Der Grieche selbst, falls er einmal zum Reisen genöthigt ist, sieht sich wohl vor, daß er alle Etappen seiner Straße mit Gastfreunden" belegt sindet ; der Handlungsreisende verliert sich selbst heute noch nicht so leicht hierher, und der fremde Lordos" wird, so kalkulirt man, nicht ohne Dragoman reisen, und dieser hat gewiß wie überall so auch hier seinen Kumbarus" (Gevatter), bei welchem er Unterkommen schafft. Wozu also GastHäuser bauen? Griechenland ist noch nicht Fashion für Touristen geworden! und wird es kaum werden, dafür stehen die 'liebenswürdig spitzen, schneidenden Kiesel, mit denen es übersäet ist. Man muß sich dort hüten, seinen Fuß an einem spitzen Stein zu stoßen" oder aber den Fuß in Patentleder gehüllt aus diese Kiesel zu setzen. Sie sind wehrhast und vertheidigen ihr Vaterland schon durch ihren Stich vor dem landschaftruinirenden Touristenstrom. Und doch giebt es hie und da Wirthshäuser im sonnigen Hellas. Aber wie sehen sie aus ! Wir traten ein" sagt ein neuerer Reisender ergriffen von den vollkommen unbewohnten und unverschlossenen Räumen Besitz und installirten uns ruhig in dem größten Gemache, welches mitseinen Fenstern und Balkons den Markt beherrscht. Nicht allzu lange darauf erschien ein kleiner Junge einen andern Auswärter haben wir nie zu Gesich: bekommender unser anspruchsvolles Verlangen nach Waffer, Seife, Handtüchern u. s. w. mit ungeheucheltem Erstaunen und weit offenem Munde entgegennahm, um sich dann, einstweilen aus Nichtwiedersehen. zu entfernen." Wie idyllisch, welch wohlthuender Gegensatz zu der gleich Wölsen und Füchsen herbeitänzelnden Schaar der Jeans und Jacques in den Hotellerieen zivilisirter Länder. Logiren kann man nun allerdings wohl in einem solchen griechischen Wirthshause, wenngleich es in den einsamen Räumen an Mitbewohnern nicht fehlt. Allein Kaffee trinkt man lieber anderswo, nämlich in dem Kaffeehause, deffen buntgemischte Kundschaft unter ausgespannten Zelttüchern im Freien umhersitzt; und will man eine Cigarre haben, so geht man wie es einfacher nicht sein kann nach dem Tabaksladen, welcher sich nach dem Grundsatz, daß Klappern zum Handwerk gehört, durch das Geraffel seiner Wagschalen und das Geklingel der an den Kettchen befestigten Schaumünzen bemerklich macht. Und wie die Alten ihre Leschen" hatten, ihre Bar-bier-und Weinstuben, so auch Junggriechenland. Purpurrothe Fähnchen oder über die Breite der einmündenden Straßen gespannte Fäden, an denen Fetzen kunstvoll ausgeschnittenenSeidenPapiers von allen Farben flattern, bezeichnen hier die Stellen, wo man einen Guten schenkt". Exochotate", d. i. Excellenz, bekommt da freilich der Abendländer bei jedem dritten Worte an den Kopf geworfen. Das M o d e th ier ist nun! die Katze geworden. Auf das in Berloques, Ohrgehängen und allerhand anderen Schmuckgegenständen genugsam verewigte Schwein ist zuerst der Hund, dann die Schlange,Eidechse und Kröte jetzt die Katze gefolgt. Einer Pariser Laune ist das Decret entstammt, und Juwelierläden, die GalanteriewaarenHändler, die Album-, Etui- und Feuer-zeug-Fabrikanten beeilen sich, dem Edicte zu folgen. Mit gekrümmten Buckeln und gesträubtem Haar sieht man die Katzen in Reliefpressunz auf Cigarrentafchen, Portefeuillen und Portemonnaies, als Grtffe der Spazicrstöcke und Regenschirme, als Federwischer,Bonbonnieren und Nippesftguren. Hier ist der Koloffalkops eines riesigen Katers in oxydirtem Silber mit goldenen Augen und glühendem wetgeöffnctem Nachen, der als Tabacksbehälter dient ; dort'klettern an einem Kuchenteller aus polirtem Nickel zwei Katzen empor, um eine kleine Maus, die in der Mitte läuft, zu erHaschen : eine andere steht auf den Hinterbeinen und zerrt an dem Faden aus einem silbernen Knäuel, und wieder eine leckt die Milch aus einer Schale, welche als Aschenbecher benutzt werden soll. In Schmucksachen ist die Variation nicht minder reich : Armspangen, an denen der Kops mit Saphiraugen das Schloß, der Leib und Schweif das Armband selbst binden;Katzen grünlich emaillirt, mit denals .Katzenaugen" bereits bekannten steinen als Schmuck des Kopses zur Broche und Berloques, und endlich als Agraffen für die leichten Sommerhüte der Damen das Lieblingsthier der alten Jungfern in Phantast!scher Ausschmückung. Dasheuteso gewöhnliche Wort Justizmord gebrauchte zuerst der bekannte Geschichtsforscher und politische Schriftsteller August Ludwig von Schlözer (geb. 1735, gestorben 1809) und zwar im zweiten Bande seiner 1782 bis 1793 erschienenen Staatsanzeigen." Cs heißt daselbst Seite 273 in einer Fußnote zu dem Aufsatz: Abermaliger Justizmord in der Schweiz 4782" wie sol2t : Ich verstehe unter diesem neuen Worte du Ermordung eines Unschuld!gen, vorsatzlich und sogar mit allem Pompe der heiligen Justiz, verübt von Leuten, die gesetzt sind, daß sie verbüken sollen, daß kein Mord geschehe oder, falls er geschehe, doch gehörig gestraft werde. Ein neugieriger D i eb stand kürzlich in London vor dem Polizeirichter. Herr Präsident", sagte der Angeklagte, ich bitte, die Verhandlungen zu vertagen, weil mein Vertheidiger nicht anwesend ist. Aber Sie sind ja aus frischer That -ertappt worden, mit dcr Hand in der Tasche des Vestohle nen", antwortete der Richter. Was in aller Welt könnte Ihr Rechtsbeistand da noch zu Ihrer Rechtfertigung vorbringen?" .Das ist's eben, was ich sür mein Leben gern wiffen möchte " erwiderte der Dieb.

Der Kaufmann als Ehestands-Canvidat.

Der Kaufmann ist in der Regel em Geldmensch, d. h., ein Mensch, der nach viel Geld sucht.Die Mädchen lieben aber die Männer nicht sehr, die erst Geld suchen, sondern welche viel Geld besitzen. Der Kaufmann betrachtet Alles als Waare ,und er liebt auch nur solche, die nicht lange auf Lager bleibt. Nun ist es aber bekannt, daß viele Mädchen Morgens gern liegen bleiben ; und erst recht, wenn sie einmal Frau geworden. Der Kaufmann setzt einen Artikel, wenn er beginnt alt und'pabel zu werden, im Preise herunter, eine Frau aber will um so mehr gelten, je älter sie wird. De? Kaufmann nimmt allenthalben gern den Mund voll, der Frauen liebstes ist aber, wenn der Mann hübsch sein den Mund hält und der Frau das letzte Wort läßt. Jeder Kaufmann ist ein zweitheiliger, denn er besteht aus Soll und Haben, die sich wie zwei seindliche Brüder zu einander verhalten. Nun sind aber die Frauen viel zu sriedliebend, um einen so zwiespaltigenMenschen lieben zu können. Heirathet nun der Kausmann dennoch, so ist Er offenbar das Soll und Sie das Haben. Beim Kausmann ist aber Soll ost noch größer als das Haben; das kann Sie jedoch nicht dulden, bei ihr muß das Haben stets größer sein als das Soll.Der Kaufmann ist ein Mensch, der kauft und losschlägt. Ein Mädchen, wenn es einmal Frau geworden, will aber nicht losgeschlagen, sondern ewig behalten sein.Ferner gibt der Kaufmann sich gern mit Wechseln ab. Die Frauen können aber das Wechseln nicht leiden, sondern sie sagen : Du hast nur einen Prima- und Sola-Wechsel, das bin ich und a vista hast du mich stets einzulösen. Beider Mannigfaltigkeit deZ kaufmännischen Geschäfts endlich muß ein Mädchen, um das ein Kaufmann freit, sich so viele Fragen pellen, daß ihr die Lust zum heirathen darüber ganz vergehen mag. So z. B. : Will er dich auch fest behalten oder nur in Commission? Werde ich auf ein gutes Lager kommen, oder werde ich bald wieder übertragen, zur Disposition gestellt oder remettirt werden ? Wird er dich als einen ordinären Artikel betrachten mit Rabatt, oder sollst du in's Netto geworfen werden und als Baar-Artikel bald wieder abgehen ? Gewiß haben die Mädchen Ursache, dergleichen Fragen aufzuwerfen, denn die jungen Kaufleute sind mit der Zeit gar zu speculativ auch in der Liebe geworden. Darum ist es mein wohlgem-'-'ter Rath : bessert euch, betrachtet Mädchen nicht als Waare, die man nur deshalb nimmt, um dabei zu Prositiren, oder um eineEtikette daran zu heften, sie als Aushängeschild oder gar als Ladenjungser zu benutzen, während ihr euch in Vereinen und imWirthsHause gütlich thut. Chin fische Eigetttliümlichkeiren. Ein klein wenig hart mögen die Stühle sein, auf welchen man in der chinesischen Provinz Schen-si zu sitzen pflegt, und man sitzt aus denselben minbestens so erhabcn-hart, wie die altrömischen Aedilen, Prätoren und Consuln auf ihren kurulischen Steinsesseln. In jener Provinz werden nämlich Stühle nicht beim Schreiner, sondern beim Töpfer gemacht und im Nothsalle ist jeder sein eigener Stuhlfabrikant, d. h. er nimmt etwas Lehmerde her und knetet sich den gewünschten Stuhl zusammen. Derselbe wird natürlich mit der Zeit steinhart. Auch Tische und Betten werden aus jenem Material gefertigt. Es mag sich gleichwohl ein wenig drollig anhören, wenn so ein chinesischer Hausvater sagt : Ich muß mir heut' noch ein neues Stuhlbein kneten." Oder Trag' doch einmal unsere Matratze zum Töpser." Oder aber: Der Kesselflicker muß kommen und neuen Draht um unseren Tisch legen." Eine andere Eigenthümlichkeit hat man in der Provinz Kansu. An theilweis bis 10,000 Fuß hohen Gebirgen vorüber", heißt es in den jüngst erschienenen Reisebildern von der Expedition des Grafen Bela Szechenyi Im fernen Osten", betraten wir endlich das Thal des Hoang-Ho und damit die große Thalebene der Hauptstadt, die, von unzähligen Armen d:s Stromes durchfurcht, weit und breit als ein Kanaan gilt, obgleich man, zur Vermehrung der Bodenwärme (!) die Felder mit Steinen belegt. Merkwürdig sind auch die Visitenkarten, welche die Expedition des genannten Reisenden führte. Derselbe sagt darüber : Ebenso hatte man sich mit chinesischen Visitenkarten zu versehen, deren Anfertigung eine Sache von besonderer Wichtigkeit insofern war, als man nach Ankunft selbst in bescheidenen Orten genöthigt ist, seine Karten allen Personen zu über reichen, die nur irgendwie Anspruch auf Stellung machen können. Die Uebersetzung der großen Visitenkarte, welche Namen und sämmtliche Titel enthalten muß, während die kleinere nur den Namen trägt, lautete fürten Verfasser wie folgt : Groß'Oesterreich. Beamter mit dem blauen Knopfe und der Pfauen seder. Himmels - Aufseher zweiter Klasse. Sternkundiger Prophet." etc. Aus der Schule. In einer Wiener höheren Töchterschule wurde die Gudrunsage gelesen. Als man zu der Stelle kommt, wo von Gudrun gesagt wird: Gram und Kummer waren ihr täglich Brod," sagt der Lehrer : Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmem ; warum nicht ? Schülerin : Nun, man kann doch nicht alle Tage dasselbe essen. In der Gesangstunde bei einer an deren Lehranstalt beginnt der Lehrer : Wir haben in der letzten Stunde von der Theorie der Tonleite? gesprochen. Ein Schüler : Was ist dennTheorie? Lehrer : Weiß Niemand, was Theorie ist? Zweiter Schüler : Theorie ist dasGe gentheil von Praxis. Lehrer : Was ist Praxis ? Schüler : Praxis hat ein Arzt. Lehre? : Nun aber was ist Theorie ? Schüler : Theorie ist ein Arzt, dcr keine Praxis hat. Vorbedingung. Mutter (zu ihren Kindern): Jaenn ich reich wäre und keine Kinder hätte, so' solltet Ihr mal sehen, wie prächtig Ihr leben solltet! .

VimttallistisözeS. In dem Correspondenzblatt der Bimetalllsten" wird ein poetisches Flugblatt: Des Silbers Fluch" mitgetheilt, um den Beweis zu liesern, wie die Begeist:rung für die Doppelwährung bereits selbst dichterische Blüthen gezeitigt bat. ' Währt der Enthusiasmus für dies Prinzip in steigender Richtung noch weiter, so werden wir bald noch die fol genden Mittheilungen zu lesen bekom men: Der bimetallistische Familenvater darf sich nicht, wie andere Familienväter, mit einem Goldkinde begnügen, sondern muß thunlichst bestrebt sein, sich daneben auch noch ein Silberkind anzuschaffen. Der bimetallistische Ehemann muß nicht blos die silberne Hochzeit feiern, sondern ist schon des straffcn Punzips wegen verpflichtet, noch fünfundzwanzig Jahre weiter zu leöcn, um seine Ehe durch die goldene Hochzeit im Sinne dcr Doppelwährung zu vervollständigen. Der bimetuüistische Naturfreund dars in seinem Zimmeraquarium nicht einscitig Goldfische sültern, sondern muß daneben auch Silberfische, zu erlangen suchen. Der bimetallistische Botaniker muß gegen die alte Ungerechtigkeit ankämpfen, daß man nur Goldlack und Goldregen, dagegen noch keinen Cilbcrlack und Silberregen kennt. Dcr bimetallistische Pattischwärmer dars seiner Begeisterung sür die Sängerin nicht anders als durch die Strophe Lust machen : Bimetallistische Philomele So müßt' fortan Tein Name sein : Denn Silber hast Du in der Kehle Und Gold bringt Dein Gesang Dir ein. Wir würden uns freuen, wenn wir durch diese Anregungen zur immer weiteren Verbreitung der'Wahrheit beitrü gen: .Doppelt nährt am längsten." (Ulk.)

Das Huhn und dcr Karpfen. Lon Heinrich Setdsl. Auf einer Meierei, Da war einmal ein braves Huhn, Das legte, wie die Hühner thun. An jedem Tag ein Ei Und kakelte, Mirakelte, Spektakelte, Als ob's ein Unding sei ! Es war ein Teich dabei, Dcin ein braver K.,rpfen saß Und stillvergnügt sein Futter fraß. Der hörte das Geschrei : Wic's kakelte, Mirakelte, Spektakelte, Als ob's ein Unding sei. Da sprach dcr Karpfen frei : Alljährlich leg' ich 'ne Million Und rühm' mich dcss' mit keinem Ton; Wenn ich um jedes Ei So kakeln wollt', Mirakeln wollt', Spektakeln wollt' Was gäb's sür ein Geschrei' Zerstreut. Der klein' Alsred (vor Ostern): Papa ! Warum schreien denn die Kaken und Hühner jetzt so viel? Vater (beschäftigt): Das kommt, weil sie jetzt viel Eier legen, mein Sohn. Matzen. Von der Frau eines ebensc berühmten als rechtgläubigen jüdischen Professors wurde der Bursche eines in demselben Hause wohnenden Ossiziers öfters zu kleinen Dienstleistungen herangezogen. Vcrgütigungen, meist in Ncturalverpflegung bestehend, lohnten seine Gefälligkeit. Als das jüdische Osterfest herannahte, befand sich aber die Frau Professorin in nicht geringer Verlegenheit; aus dem ungesäuerten Passahbrode ihres Gesetzes todt beim besten Willen nicht die gewohnte Butterstulle für den braven Soldaten herzustelle::. Ein Versuch mußte gemacht werden. Kennen Sie Matzcn?" wagte sich die Dame daher schüchtern bei kommender Gelegenheit an ihren militärischen Gehülsen. Bei welcher Kumpanie steht er?- war dessen prompte und stramme Replik. Doppelsinnig. .Man hat berechnet, daß in Berlin jährlich zwei Millionen Bierseidel zerschlagen werden, da treffen also aus den Kops beinahe zwei Seidel!" Sehr glaublich. Aöer lieber Karl, wie Du wieder schmutzig heimkommst ! So 'jast Du mich gewiß nie gesehen, wie ich noch in Dei nem Alter war !" Bauernwei s h e i t. Pfarrer: So, so, an dcr Wassersucht ist Euer Mann gestorben ? Da thut mir aufrichtig leid, Gickelbä uerin. Hat er denn viel gelitten ? Bäuerin: Ne, gar Nix hat er gelitte, Herr Parrer ! Ich hätt' mir so gern als e mal en Kaffee gekocht in der Nacht, damit mir das Nachtwache nit so lanz morde wär' awwer nit c mai das hat er gelitte. An Sarah. Als de warst jung un sien. Warst de von Marmor; Jetzt bist de alt und mies, ?!u sprichst de von Arnci. Mich hast Du verstoßen. Weil hausirt hab' mit Knepp' ich; Nu sust de 'n Choßcn, Jetzt sag' ich Dir : nebdich ! M i ß v e r st ä n d n i ß. Nichter : Sie waren schon einmal wegen Milchfälschung angeklagt? . Bauersfrau : Ja. Nichter: Wieviel haben Sie denn damals bekommen? Bauersfrau : Bekommen hob i goar nix; i mußt' no sechzig Mark zahl'n! .. Bedenklicher Ausdruck. Nun, nun, Baronin, Ihr Arzt mag. ja die trefflichsten Cigenschasten, besitzen, aber glauben Sie denn, daß er der alleinseligmachende Doktor ist ?"