Indiana Tribüne, Volume 4, Number 277, Indianapolis, Marion County, 18 June 1882 — Page 3
Aeisemomente. Venediger Lärm. . Kein Wagengerassel, kein Pserdege. lrappeZ ein schüchterner Laut nur. wenn das Ruder in's Wasser klatscht und die Gondel durch den Canal streicht! VeNtdlg, wer weiß es nicht, ist die ruhigste Stadt, die man stch träumen kann. Die Retsenden Zagen es, die Aerzte rühmen es, und ich selbst habe es hier erzählt.daß es keimn gröberen Contrast gibt, als des Morgens mit betäubendem Getöse über die Wiener Granitwürfel zu fahren und des Abends zwischen schlummernden Häusern im stillen Kabne fick zu wiegen.
Anders freilich, wenn man die Gondel verladt, um durch die Straßcu zu schlen öern. Die Häuser liegen mit ihren Stirnseiten dem Wasser zu und schauen dabei so flmnn und todt aus, als bliöten sie in ihr eigenes Grab ; doch was stch hinten in dcn Gassen umtreibt, dernrsacht bisweilen ein Geräusch, daß man Heimweh kriegen könnte. Auf derBühne ist die Eemönie ausgespielt, in den Cou listen schreit noch Alles durcheinander. Venediger Licht zu sehen, muß man den Ercßen Canal, die Riva befahren; will man aber Venediger Lärm hören, dann heißt es, in die Calli eindringen, wo die verschiedensten 57.andwcrke in beispiellos engem Raume stch drängen, der Bäcker dem Barbier, der Gemüsehändler dem Buchbinder, der Fleischer dem Drechsler, der Schnapswirth dem Schuster in die Bude schaut. Da wird beständig über die Gasse hirber geplaudert, gelacht, geschimpft, gehottet, und das ist sozusagen noch gar nichts. Den ärgsten Lärm leisten die wandernden Gewerbe. Wie izielerlei Gerärsch, von diesen hervorgebracht, in Itt engen Calle wie in einem langen Schallrohr stch fängt, ist kaum zu berechnen. Hie? wird frisches Waster ausgerufen, dort ein anderes Ge tränke in Eis. Ein Fischerjunge mit einem Korbe unheimlicher Schalthiere aus dem Kopfe bietet Seespinnen, Seekrebse, Seesterne zun:Ä:rkause an, ein anderer Tintenfische, Seemuscheln und Seezungen. Mit Beider Stimme tZmpft der Ruf eines Schuhverkäufers, der einen Korb Schuhe am Bauche, schwere Schuhguirlanden auf demRücken trägt und wie ein beweglicher Schuhladen anzuschauen ist. Aqua sresca! . . . stivali ! . . . bestie ! ... stiva .letti ! ... bestie fresche, srcsclie ! Dazwischen tont der beinahe melodische. Gesang eines Blumenhändlers, dem hü den und drüben, in reizenden Farben .prangend, ein ganzer Frühling vom Arme hängt. Doch was vermögen, ste 'Alle gegen den lungenstarken Kerl, den Vertrete? der Pubücität, der mit Trompetenton die frisch gedruckten Zeitungen ausruft: Venezia, Venezia! II Tempo ! II Messasero ! Ja, schreit nur, was ihr könnt, die sechste Großmacht überschreit - ?uch Alle ! ' Venezia . -. Tempo . . . bella bestie . . . stivali . . . resa . . . stivaletti ... ghiaccia . . . Tempo . . . Venezia! Bon oben herab klimpert ein alterst schwaches Clavie?, pfeift eine Flöte in jämmerlicher Dissonanz. Rechts hämmert ein Kupferschmied, links schwirrt eine Töpferscheibe. Dazu das Kinder geschrei, das auZ allen Fenstern dringt, der eintönige Stritt einer Rotte Sol. daten, die hier wegen der Enge jietS in Gänsemarsch aufziehen, das Klippttapp der hölzernen Pantoffeln, wie sie die Frauen aus d!7.i Volke an den, Fünen schleppen. Von der Riva her der Zu ruf an die Fremden : La 0(lola! ' Qui 3a gondola !" Der Pfiff der Ba Pore:::, die zum Lido fahren, der heisere Ruf der größeren Dampfer, der wie schmerzliches Stiergebrüll dem Wirrsal .der Töne einen Baß gibt. Darüber hin das ewige Glockengeläute in allenLlangfärben und Klangstärken, in allen Ton . arten, hell und duipf, düster und sröh .lich, Gebimmel und Gebrumm. Plötzlich aber, wenn das Or in dem Labyrinthe halbwegs stch zurechtgefunden, ein weit,hin dröhnender dumpfer Kanonenschuß, .von dem alle Fenster erklirren und der ahnungslose Fremdling zur Bildsäule erstarrt: das Zeichen, tan es Mittag .geschlagen. Venedig zu Waer mag ein Grab sein, Ven:)ig zuLande lebt im tollsten Lärme. Freilich, kein Pserdegetrappel, 5ein Wagengerassel! Ein halbes Dutzend abgemagerter Reitschulpferde, die im Stdtgarten umherbummeln, find hier bekanntlich die einzigen Vertreter ihres Geschlechtes, und das einzige Rad, das über.daS Pflaster rumpelt, gehört dcm .Schubkarren an, mit. welchem der Vnetiauer Straßenkehrer durch die Stadt -zieht. Wagen und Pferde sind für diese Stadt .so fabelhafte Erscheinungen ge 'worden, daß man dcmenigen auslachen würde, i-dem es unversehens beistele, von .einem .andern entschwundenen Venedig zu erzählen, wo man p Pferd durch die Calli galoppirte und Staatscarrossen -ihren Prunk zwischen den Häusern roll ten. Dieses Venedig ist allerdings znausetodt, aber gelebt hat es. und zu unserem Prwatvcrgnügen können wir es wieder wachrufen, wenn wir es .uns nicht verdrießen lassen, die Staffagen berühmter und namentlich unberuhmter Bilder etwas auf? erlsamer zu studircn, in alten und neuen Büchern nachzuschlagen oder auch nur,durch die Stadt bunimeliid, die Augen xxanchmcl aufzuhebes un) die Straßennamen anzuschauen. Denn von den Ecken der Gassen und Gäßchen einer Stadt kann man ein gut Theil ihrer Geschickte ablesen. Calle delle Cirrozze las ich die serTage in der Nähe von San Samuele. Was hat eine Earrossengasse in der Gondelstadt zu schaffen? Die Ealle wäre auch für den bescheidensten Einspanner nicht breit genug. Der nächste Gedanke ist seldstrerständlich, daß sie ihren Namen auch gar nicht von den Wagen, sondern von den Wagnern hat, und so verhält es stch in der That. Es ist mir nichtelungen, herauszubringen, ob man wirklich inBenedig einst Equipagen benößte, und ich gestehe gerne, daß die Sache nicht wichtig genug ist, um längere NaHsorschungcn zu verdienen. Die Localschciftsieller sind unter inander uicht einig darüber. Carrossen wurden hier fsbricirt, aber nur für's Festland, sagen die einen, während sie die anderen auch in Venedig selber herumkutschiren
lassen. So viel steht fest, die alten LuxuZgeseZe, die so Vieles über venetianische Sitte und Cultur aus der Schule schwatzen, beschäftigen siä des Oestern mit dem Räderfuhrwerke : bald sollen die Carosten nur mit zwei Pferden bespannt sein, bald wird ihnen goldener und silberner Zierrath verbc !en,höchstens bei Schnallen und Klinkcn gestattet; dann werden zu feineWagen- u. Pferde Teppiche untersagt, und endlich sollen die Kutscher nicht schöner gekleidet wer den, als die Barkensührer. Derlei Ge setze wurden noch im sechzehnten Jahr hundert erlassen. ' Sollten ste nur auf die Monate zielen, welche die Venetianer in ihren prachtvollen Lustschlössern an der Brcnta und im Trivisanischen zu verbringen pflegten ? Ueber die Reitkunst der Venetianer
fließen die Nachrichten viel zahlreicher und bestimmter. Von Haus aus waren sie ausgezeichnet zu Pferde, so tresZllche Reiter als Ruderer, und sie blieben es durch's ganze Mittelalter. Turniere, Eavalcaden, Riugelreitcn, alle cavalleristischen Spiele gehörten zu Venedig's beliebtesten Lustbarkeiten. Gab es einen schöneren Turnierplatz als die Piazza? Diese da:s man sich natürlich nicht vor stellen, wie ste hcae ist, mit breiten Steinplatten belegt, von stylvollen Ge bänden umgeben, sondern man muß ste Nch mehr als Garten denken, denn als Marktplatz, voll grünerRasen und schattiger Bäume. Wo heute der Uhrtburm steht, blühte Hollunder. Auch die Mer ceria war grün bewachsen, und wo ste auf San Salvatore mündet, stand einst em dichtbelaubter Felgenbaum, an den man dle Pferde anband. Der ganze Verkehr Venedigs hatte ein anderes Gesicht, wle es sich heutzutage dle gon delfahrenden Vergnügungsreisenden gar nicht träumen lassen. Der Lärm war nicht größer, als er heute ist, denn die Straßen waren nicht gepflastert, bis weilen voll Staub und Koth. Um un beschmutzt hindurchzukommen, trugendie Damen jene Zoccoli, von welchen man rat städtischen Museum mehrere Crem plare sehen kann und die ganz die Form der heute noch gebrauchlichen volzpan tosfeln hatten, nur daß unter der Spitze und unter dem Absätze des Fußes je eine bis zu zwei Schuh hohe Stelze an gebracht war. Wie Jemand auf einem solchen Folterwerkzeuge gehen konnte. bleibt ein Rath el. Gleich eder Ge schmacklosigkeit sind dieZoccoli späterhin, als mit der Pflasterung der Straßen ihre Zweckmäßigkeit längst aufgehört. feinste Mode geworden. Das Pflaster, überhaupt eine sehr edle Errungenschaft der ivillsation und einer ihrer Gradmesser, hat in Venedig t 4. sW m . rte formen oes 'cenlHenverlehres, da Bild der ganzen Stadt gründlich umae wandelt. Wer hier die Straßenecken anschaut, wird hausig dem Namen Sa lizzada begegnen. Seit dem dreizehn ten Jahrhundert heißen so die ersten gepflasterten Straßen. Im Jahre 1264 begann man einige Calli mitBacksteinen zu belegen ; der harte Sandstein, auf dem wir heute unseres Weges schlendern, ist erst seit 167 im Gebrauch. Das leichtere Gehen vermehrte natürlich Han del und Wandel in den Gassen. Seit 1297 durste man nicht mehr durch die Merceria reiten, und da nach und nach auch die übrige Stadt gepflastert wurde der Marcusplatz war es seit 1265 so scheint das Pferd als Verkehrsmittel immer seltener gebraucht worden, schließ lich gänzlich aus dem venetianischen All tagsbild verschwunden zu sein. Wohl gemerkt, nur als Verkehrsmittel. Tur niere und Eavalcaden horten nicht auf; die Patrizier hielten sich immer noch wohlbevölkerte Ställe, die Reitkunst war ein Sport der Vornehmen geworden und blieb es noch lange, lange , Jahre. Als der Doge Francesco Foscari seinen Sohn Jacopo verheirathete (1441), veranstalteten desten Freunde einengest zug, in welchem 250 Ritter auf PrachtPferden figurirten. Nach der Trauung war Turnier auf dem Marcusplatze. Venedig hielt etwas darauf, daß der solchem Lanzenbrechen die vom Festlande gekommenen Ritter durch die einheimi Ichen Robili besiegt wurden. Beiläusig sei bemerkt, daß auch Stiergefechte auf der Piazza wie aus anderen Plätzen der Stadt abgehalten wurden und bis zum Ende der Republik im Brauche blieben. Sogar der Canal Grande, der 'sonst nur glänzende Regatten sah, mußte eines Tages zum Turnierplatze herhalten. Im Jahre 1491 war er zugefroren, und die jungen Patrizier benutzten die Ge legenheit zur Veranstaltung einesReiter kampfes, welchem Katharina Cornaro beiwohnt. Noch Anfangs des sech zehnten Jahrhunderts erscheint ein De cret, der Marcusplatz sei von Bäumen. s Reben, Steinmetzbuden und Latrinen zu i riimn KawU Vsm sT f . V .UUlllllI, UUlWll Util VUyUU jIXitil lUUU Turnieren Xün Hinderniß mehr im Wege stehe. Gleichwohl muß angenommen werden, dß von dieser Zeit an das Pferd seine ÄZlle in Venedig ausgespielt hat, für den großen Haufen eine mehr oder min de befremdlich: Erscheinung war. Zur Nolh könnte znan sich das wieder von einer Straßenecke erzablen lassen. Wer gegznüber von .San Giovanni e Vaola aus .der Gasse tritt und über die Brücke geht, hat plötzlich Bcrocchio's Meisterwerk vor Augen, die Reiterstatue Col leoni's, jenes stsheu Kricgsmannes, der sein Denkmal in Venedig, wie seine Ka pelle in Bergamo, restamentarisch er kauft, seine Unsterblichkeit vor dem Tode bar bezahlt hat. 23ar es nun ein Akt naiver Volksjustiz oder ein Pferd da ma!s (Ende des fünfzehnten Jahrhun derts) berts etwas so Auffälliges, daß man den Reiter darüber srgessen konnte genug, Gasse und Brücke heißenCalle del Cavallo, Non'te del Caöallo. Des Pferdes! Das herrliche, eherne Ge schöpf verdient aber auch diesen bestimm ten Artikel. Zur Zeit de? Renaissance war also das Pferd eine Seltenheit geworden, aber noch immer seine Mythe. Auch die venetianischen Maler und Bi!dbancr,die überdies an den vier antiken Rossen der Marcuskirche treffliche Vorbilder hatten, mußten sich ab und zu mit dem edlen Thiere beschäftigen. Man denke an die Reiterstatuen in den Ruhmeshallen der Frari und Giovanni e Paolo, man betrachte die historischen Bilder imDogen-
palaste, zum Exempe! die Ankunft tzein
nch's III. (1574 von ; Andrea Vicen. tino. Im H'yltergrunde sprengen zwei Reuer rn voller Carrlere dahin, was gewiß mcht als poetische Licenz zu deuten ist. Der französische König hat a It kanntllch auch em Reiterstückchen hier vollbracht, indem, er sich aus den Marcusthurm von seinem Pferde tragen ließ. Und hat nicht Veronese im Triumph der Venezia hüben und drüben zwei prächtige Rosse angebracht, einen Schimmel und einen Fuchs, wie zum Zeichen, daß die siegreiche Wasserstadt auch den Renner des Festlandes gebändigt habe? Ve. ronese sigurirt irgendwo sogar selber als Reiter, und zwar in GesellschaftTizian's. Tintoretto hat in seiner Kreuzigung (Scuola San Rocco) die beiden Meister aus Pferde gesetzt ; ich glaube aber nicht, daß ein Stallmeister mit ihrem Sitze zufrieden w:re. Beide sind die echten Sonntagsreiter, und nicht ohne Lächeln gedenkt man der Inschrift auf Tizian's Grabmahl: Tizianii3 eques. Das Bild ist 1565 gemalt. Sollte die vcnetianische Reitkunst damals schon so heruntergekommen gewesen sein, daß ein Maler für seine Reiter keine Modelle mehr fand ? Sicher scheint, daß vom siebzehnten Jahrhundert an die einheimischenPferde kaum noch das Freie sahen, sondern nur in der Manege getummelt wurden. Bei den Mendicanti giebt es heute noch eine Calle della cavallerizza. Hier war lange Zeit die Reitschule des Adels. Pietro Longhi, der mit dem Pinsel in der Hand der Chronist seiner Vaterstadt gewesen, malte noch im vorigen Jahrhundert junge Patrizier zu Pferd, wie im städtischen Museum zu sehen. Um dieselbe Zeit durfte auch unter denVolks belustiaunaen an der Riva nie ein Cir cus fehlen. Schlachtroß, Turnierhengst, Encuspserd der Rledergang ist au gensällig, aber immerhin nicht so kläglich, wie auf dem Festlande, wo das Pferd die besten Dienste verrichten muß, um schließlich als Karrengaul zu enden. Nach und nach scheint auch der Circus aus dem Volksleben verschwunden zu sein. Ein edles Pferd, das nicht aus Stein oder Erz, ward in Venedig eine Unmöglichkeit, ein Märchen. Als Byron hierher kam, empfand er ein lebhaftes Bedurfnlk nach rnerfußlger und aestüael ter Gesellschaft, und hielt sich denn auch im Palazzo Moncenigo zwei Affen, füns Katzen, acht Hunde, einen Raben, einen Sperber, emen Fuchs und mehrere Pa pageien, aber für seine Pferde, die er mitgebracht und von denen er nicht lassen wollte, gab es m der ganzen Stadt kei nen Stall ; sie mußten nach dem Lido hinübeigeschafft werden, und dort, auf emem ehemaligen Judennrchhos, konnte der Lord, allein oder in Gesellschaft emes Landsmanncs, dcm Reitsport ob liegen. Der tiefe Meersand war den Thieren sehr lästig, ruinirte ste zum Theile, und dies ist vielleicht der Grund, warum es heute auch dem sportlusttgsten Engländer nicht einfällt, das Beispiel desDlchters nachzuahmen. In Venedig herrscht jetzt ausschließlich die Gondel. Daß es nicht immer so gewesen, daß wir uns vielmehr das mittelalterliche. zum Thm noch das spatere Venedig von sporenklnrenden Rittern belebt denken müssen, die hoch zu Roß unter Bäumen hinweg über grüne Rasen sprengten. daran durfte vielleicht, weil es denn doch nicht so allgemein bekannt ist, erinnert werden. Es mag ein Leben gewesen sein, wenn auf der Piazza die langen silbernen Trompeten zum Kampfe bhe sen, ringsum schöne Frauen in Pracht gewändern aus den Fenstern blickten. tausendsarblg der Herzogliche uofstaa sich ausbreitete, die Edlen in goldener Rüstung gegen einander sprengten und Venediger Licht seinen Glanz mit all dem Glänze vermahlte! Es mag ein Leben gewesen sein, wovon wir uns nur bei er hitzter Phäntaste einen Begriff machen können. Ob dies Leben aber mehr Lärm hervorgebracht, als das heutige, angeblich verstorbene Venedig, möchten wir bezweifcln. Das moderne Leben hak überhaupt die Tendenz, von Jahr zu Jahr geräuschvoller zu werden, und Venetianer sind in diesem Punkte so mo dern wie nur möglich. Seit einiger Zeit haben sie sogar eineDamps-Tram. way aus dem Canal Grande eingerich tet. natürlich eine schwimmende, und man kann sich denken, wie die alten Pa trizicrpaläste und.die erlauchten Schat ten. die hinter ihren Fenstern wohnen, erschraken, als eines Morgens in die ge heiligte Ruhe ihrer Wasserstraße der erste Psifs des Vaporetto gellte: Ja, Venedig hat eine gute Lunge. Ick schreibe diese Zeilen in einem Zimmer aji der großen Lagune, mit einem Ohre auf die Riva hinabhorchend. Jede Minute, jede Secunde bringt mir einen neuenRuf herauf. Jetzt ist es nicht mehr dlosEis, Wasser, Schuhw,erk,Scefrucht,ZeitungsPapier, was die Leute verkaufen wollen, es werden auch Orangen, Citronen, Jo hannisbrct, Photographien, Schildkrö ten, Lebensbeschreibungen ausgeschrien. Limoni! Tartaoughe ! Fotografie ! Morte e testamento .del brigante Gasperoni! Ein Bube rennt vorbei und schreit Nummern : die Cewinnste der jüngsten Lotterieziehung. Fenster gehen aus, Körbchen werden am Seil heruntergelassen, und der Schrei halL legt in edes ein kleines weißes Vlalt, um eilends weiterzulaufen. Aus einmal ertont ein rauhes unmenschliches Gekrächze, das ich nicht verstehe: der Kerl r?.it Butte und Schaufel scheint mir ein Lllnpensammkr zu sein. Drüben am Rar.de des Wassers wird mit Hölzer nen Hämmern ein dürrerFisch (baccala) weich geschlagen; Fischer hantieren ge. rauschvoll mit Balken und Brettern; ein Dampfer der Handelsmarine nimmt Kohlen ein, und jede Ladung rollt wie ein Donnerwetter in den Bauch des Schisfes hab. Der Citronenhandler hat indeß nut einem Wasserverkäufer Streit angebunden, und zum Ergötzen des angesammelten Publikums turnieren Beide gegen einander, wer wohl dem Andern in Ersindnng von Schimpfwörtern überlegen sei. Leider verste ich von dem Dialekte zu wenig, um folgen zu können : doch fo viel merke ich, daß es über Worte nicht hinausgeht und die Bciden sich schwerlich wehe thun. Die Glocken läuten, die Dampfer pfeifen,helle Knabenstimmen kreischen, über 'mir haw'
mert eine Engländerin Boito's 'Mephi-
stopheles", und unter Diesen Deutlich sich abhebenden. Lauten surrt, summt, mur melt, trappelt, klappert es in einemfort wie ein Lasso eontinuo vom Geräu sche der Vorübergehenden Auf den Höllenlärm folgt aber plötzlich Todes stille.... Em Regen geht nieder, em dichter Reaen. daß mai die Giudecca kaum sehen kann, und alsbald verschwindet al les Leben von der Straße. In anderen Städten sanaen dann die Wagen erst recht zu rasseln an, Venedig aber versinkt in absolutes Schweigen und ist nun wirklich die ruhigste Stadt, die man sich träumen kann, ein (rad. ein Sterbenslaut. Alles stumm und sin ster. Licht und Lärm bedingen hier einander wie Ursache und Wirkung Sobald .die Sonne wieder scuemt, geht der Tanz von neuem los. Soldaten ziehen vorüber, sechzehn Trompeter voran. Haben ste hier andere Jnstru mente, oder stärkt das reinere .Licht den Klang? Ich we es nicht. Aber schworen möchte ich, daß Trompeten nirgends so hell und prächtig schmettern. Das ist der Ton, der in diese Lust gehört. Man schließt dle Augen und sieht nun, wle die Senatoren und Procuratoren in ih rem farbenreichsten Staate vor Sereniffimus emherziehen ; dle Zeit wird leben dig, wo diese Stadt die reichste, prunkvollste auf Erden gewesen und ein Doge von ihr rübmen konnte, sie sei Herrin über alles Gold der Christenheit ; das große Venedig taucht wieder aus dem Waffer empor, jugendlich frisch, blank und strahlend, eine Göttin, die Königin der Meere. (Hygienische Ariese. (Von einem praktischen Arzte.) Außer denjenigen Einflüssen, welche im Wege der Ernährung oder durch schroffe Temperaturwechsel im Freien, ungenügenden Luftwechsel in geschloffenen Räumen störend auf die Gesundheit des Menschen einwirken können, sind es diejenigen der BeschästigungSweise, der Arbeit oder der Unterhaltung, welche in Betracht zu ziehen sind, sobald es sich um die Feststellumg von Vorbeugungsmaßreaeln handelt, durch welche dem Eintritt von Gesundheitsstörungen überhaupt rechtzeitig entaeaenaewlrkt werden kann. Als Unterhaltungsmaterial für unsere Kinderwelt dient daöSpielzeug, bei deffen Auswahl man, nach pädagogischen An sichten, das Nützliche mit dem Schönen, daö Belehrende mit dem Unterhaltenden verbinden soll. Dlese vollständig nch tige Auffasiung des Zweckes, welcher in der Benutzung und Verwerthung solcher Obielte bei der Jugend llet, schllent jedoch nicht immer die Gefahrlosigkeit als selbstredende Bedmgung aus. Ge fahren in der Verwendung von Spiel Waaren können sich sowohl geltend ma chen in Bezug auf die Venutzungsweise, wie in Hinsicht auf die Beschaffenheit des Ersteren. Em mit mehreren scharfen Instrumenten ausgestatteter Apparat zur Bearbeitung von Holz, kann in dernand eines unvorsichtigen Kindes zur Quelle großer Gefahren werden, die bei vorstch tiger und verständnißvoller Handhabung des Laubsägenapparates z. B. nicht zu befürchten und. Andererseits kann das Spielzeug m der Art seiner Ausstattun gen Ursache zu Gesundheitsstörungen ge den, wenn zum Exempel ersteres mit Gistfarben bemalt ist, die in Folge un vollständiger Befestigung durch Beruh rung mit dem Speichel, oder Schweiße des Kmdes, deffen Erkrankung bedingen könnten. Denn die Gewohnheit der kleinsten Kinder, das Spielzeug zum Munde zu fuhren, und lange Zeit im Munde zu behalten ein Gebühren, welches zumal während der Zahnperlode von den Kleinen gern getzandhabt wird berechtigt vollständig zu Bedenken, sobald die Farben mit Wasser leicht lös lichen und daher auch durch den Speichel leicht auflösbaren Bindemitteln, z. B. Leim, aus dem Spielzeug befestigt sind. Man gebe daher dem Kinde keinen bemalten Gegenstand in die Hand,anwelchem man sich nicht vorher von der Un löslichkeit des Farbenüberzuges in Wasser oder Speichel vollständig überzeugt hat.' Der Trieb zur Selbstbeschästi gung, zur Selbstthätigkeit macht sich in einigermaßen entwickelten Kindern sehr bald durch die Art in der Verwendung des Spielzeuges geltend. Der Wunsch des Kindes, selbstpändig zu schaffen, zu arbeiten, verschiebt in den meisten Fällen den Zweck, den man mit der Darreichung eines Spielzeuges im Auge hatte. Statt Letzteres im Sinne seiner Verwendbar keit zu verwerthen, zieht es das Kind vor, den Gegenstand zu zertrümmern, um mit Trümmern etwas Selbstständiges zu schaffen. Dieses Gebühren der Kinder ist in vielen Fällen die beste Kritik für den Werth des Spielzeuges und führt denkende Eltern dazu, ihren Kleinen nur Das zu schenken, was ihre Einbildungs krast, ihren Schaffenstrieb unterstützt. Gingen die Erzieher immer von diesem Standpunkte aus, so würden sie finden, daß dem Kinde mit sehr geringen Mit teln schon sehr Werthvolles für ihre gcistige Hebung geboten werden könnte; sie wurden sich überzeugen, daß nicht das Fertige, sondern das Unfertige diePhantaste desselben am meisten beschäftigt, und daß das Schifflein, welches dasKind aus einem Schachteldeckel, einigenStäbchen Holz und wenigen Blättern Papier zum Schnellsegler gestaltet, demselben viel größere Freude bereitet, als ein mit allen Kleinigkeiten ausgestattetes fertiges Wasserfahrzeug, für hohen Preis der Spielwaarenhandlung entnommen. Mit dem Eintritt der Erwachsenen in den Beruf stellt sich derselbe gleichzeitig allen jenen Einflüssen bloß, welche die Beschästigungsweise in nicht immer gedeihlicher Art für die Gesundheit des Einzel nen bietet. Man hat bisher bei der Beurtheilung von Berufsthätigkeiten vom Standpunkte der Gesundheitspflege hauptsächlich auf solche sein Augenmerk gerichtet, welche durch Entwicklung gesundheitsschadlicher Gase oder Dämpfe, oder durch Verbreitmig von Staub, der die Athmungsorgane belästigt, zu Bedenken Veranlaffung geben, und es fragt sich, ob die Letzteren auch allezeit berech tigte sind oder waren. Bei der Verarbeitung silberhaltiger
Bleierze resultirt z. B. im Verlaufe der hüttenmännischen Arbeiten ein silberreiches Blei, welches auf dem sogenannten Treibheerde unter Anwendung hoher Temperaturen soviel verbrannt, und in Bleiglätte, welche abfließt, umgewandelt wird, bis das mit herrlichen Negenbogenfarben glänzende Silber, der Silberblick, zum Vdrschein kommt. Während dieser Arbeit sind die dabei Beteiligten trotz größter Vorsicht stets Bleidämpfen ausgesetzt und ost schon nach wenigen Jahren gezwungen, wegen eintretenden Siechthums die gutlohnende Arbeit für immer aufzugeben. Trotzdem, daß bei dieser Vroiedur die Arbeiter noch in der
Blüthe ihrer Mannesjahre zum Opfer ihrer Thätigkeit werden, drängen sich die Hüttenleute zu der gut bezahlten Bleiarbeit. Qier fraat es sich, ob die Gesundheits pflege berechtigt ist, zu verlangen, daß das Versahren des Treibprozeffcs in eincr Weise gehandhabt werde, welche jede weitere Gefahr für die Arbeiter ausschließ? Manche? Lale wird antworten, daß die Veranlassung hierzu erst dann eintritt, wenn sich keine Arbeiter mehr zu Dreier Äeschästigung nnuen lassen. Aber die Vraris lebrt. daß dieselben nie fehlen und daß hieraus den Hüttenbesitzern noch keine Veranlagung erwachsen dürste, der Angelegenheit im Intereffe ihrer Arbeiter näher , zu treten. Anders verhalt es sich mit Ve)chastlgungsweisen, welche unter allen Bedingungen vermeintliche Gefahren mit sich bringen. Durch wiffenschastliche tfrn sckunaen wurde früher nachgewiesen, daß der Staub von Holzkohlen, der Eisenstaub, der Kieselstauv durch die schleimbäute in die Substanz der menschlichen Lunge eingeführt werden,und naym man bisher an, daß unter 100 Erkrankungen älle von Lunaenlckwlndluazl vorkamen bei 11 Schloffern, 62 Feilhauern. 23 Kürscknern. 26 Tavenerern. 23 tfri eu ren, 52 Sandsteinarbeitern. Durch die von dem statistischen Bureau m Leipzig neuerdings ausgestellte Mortalitätsstatistik ist nachgewiesen, daß die Lungen der Metallarbeiter gar nicht in der bisher angenommenen bedrohlichen Weise angegriffen werden ; denn es starben an Lungenschwindsucht von 10,000 Metallarbeitern 47, während von Zimmerleuten und Maurern 54, Tischlern 55, Bäckern, Müllern und Konditoren 61 starben, und diese Zahlen von den gleichen Erkrankungssällen bei Webern, Haar-undFederarbeitern noch übertroffen wurden. Diesen Widersprüchen gegenüber dürste zunächst zu berücksichtigen sein, daß die Entstehung von Lungenlei. den zunächst auf ganz andere Ursachen, wie sie in der Ernährungsweise, in den Wohnungsverhältniffcn, in der mannigfachen Exposition der Einzelnen gegenüber äußeren Temperatur- und Witterungswechfeln austreten können, zurückzuführen sind, und das erst dann, wenn eine oder mehrerer solcher Ursachen in schädlicher Weise zur Geltung gekommen sind, Staubtheile welche in der Atmosphäre des Arbeitsraums vertheilt austreten, als erneute Ursachen zu gesteiger ten Krankheitserscheinungen in den Athmungsorganen zur Geltung kommen können. In dem Maße, als man dahin sein Augenmerk mit Erfolg richtet, daß zu den Berufsarbeiten, welche di? genan:iten UeSelstände einschließen, nur gut genährt?, kräftige junge Männer mit gesunden Lungen zugelassen werden, daß dieselben ferner hinreichend bezahlt sind, um sich stets eine kräftig nährende Kost und eine gesunde Wohn- oder Schlafstube gewähren zu können, daß also dahin gestrebt wird, den Organismus des Arbeiters mit thunlichster Widerstandskraft gegen äußere störende Einflüffe seines Berufes auszustatten, in demselben Maße werden sehr zahlreiche Befürchtungen für Berufsgefahren schwinden. Erst da, wo ein harmonisches Zusammcnwirken der wichtigste Faktoren der menschlichen Existenz, der Arbeit, der Ruhe und der Ernährung erreicht ist. läßt sich mit statistischen Belegen über das Für oder Wider in der Betriebsweise einzelner Berufszweige und deren Einfluß auf die Gesundheit der Arbeiter ein maßgebendes Urtheil füllen. Een BiSken villc." Aber,liebster Herr Jerichtshof, wenn der Mensch keen Jeld nich'hat, denn kann er nich bezahlen, denn aus de Rippen kann man't sich doch nicht schneiden !" so antwortete der wegen strasbaren Eigennutze angeklagte MalerObschinsky aus ieBemerkung des Präsidenten, im berliner Gerichtshöfe, daß man im gewöhnlichen Leben eine Wohnung eben nicht verlas sen dürfe, ehe man nicht die Miethe dezahlt. Präsident : Sie wohnten beim Nentier Poppelaucr ? Angekl. : Ja woll, leider, ick wünschte, ick hätte die Bude nie gesehen, denn wiffen Se, wenn man een Bisken bähe Absä'ke hatte, denn pinselte man mit deHaare an derDcöe,un der Ofen un de Thür, die litten an Al tersschwüche, fo daß man sich nich traute zu niesen, ausAngst, deß der ganzeKlumpatsch zusammenstürzt. Präs. : Sie hatten 18 M. postnumerando zu zahlen? Angekl. : Ick habe ooch immer pünktlich berappt. Präs. : Ja, nur am 8. Dezember nicht. Angekl. : Ick will Ihnen Luz und treffend sagen, wie man zu so was kommen duht. Poppclaue? kommt also am achten zu mich un klingelt an meine Dühre un er klingelt immer gleich gut, Herr Präscndent un sagt : HörenSe mal, heule ist nun schon dcr neunte; nee, sage ick, et is erst der achie. Präs. : Nun, oaö ist doch ganz cgl. Angekl. : Det behauptete Poppeluer ooch, aber ick sagte, et wäre nich jcheen, daß er mir schon um eencnDag beschum mcln will, und es wäre nich scheen, daß er mir um das pemreSündengeld so treten däht, wo er doch wüßte, daß ick erst mein Jüngstes unter den Gottesacker gebracht, uud Hunger weh thut. Präs. : Und dann sind Sie grob geworden ? Angell. : Det kam erst später. Pppelauer wird stch nämlich noch seinen Vi:.kWirth rufholen, und wie die bcedenIammergestalten in meine Tyüre stehen. Präs. ; Da sind Sie ausfallend geworden. Angekl. : Nee, da habe ick Poppe lauern mitsammt dem Bicewirth rausgeschmiffen. Präs. : Sie haben eine seltsame Methode: Wenn der Wirth
nach Miethe kommt,' dann 'werfen Sie ihn hinaus und' nachher rücken Sie.
Angekl. : Det kam erst spater Poppelauer hat mir also verklagt, und kurz vor den Termin kam mir janz zufällig der Gedanke : wat sollste dir mit den Menschen noch lange rumdiskurriren, du ziehst lieber aus. Präs. : Und da haben Sie so ganz zufällig Ihre Sachen in aller Stille zusammengepackt und ha ben dem Wirth das Nachfehen gelaffen. Angekl : Zu seine Vorsehung habe ick mir ooch nie aufgespielt. Präs. : Auf Berlinisch ausgedrückt, sind Sie alsoin aller Form gerückt". Angekl. (schreit). Bezahlen Sie mal die Miethe, wennSie nich wiffen, wovon der Schornstein roo chen soll. Präs. : Haben Sie hier nicht solchen Mund, sonst werden wir Ihnen zeigen, daß man hier nicht langeUmstände mit Ihnen macht. Sie könnten gleich hinten ein paar Tage sitzen. Angekl. : Lieber Herr Jerichtshof, drücken Se man een Oge zu. Et is een Erbfehler von mir, daß ick immer quaffeln muß.-Präs.: Sie scheinen ein äußerst frecher Mensch zu sein. Angekl. : Sie verkennen mir. Präs. : Sie sind schon früher bestraft? Angekl. : Ist aber fchon lange her. Präs.: Als die Frau des Wirthes Sie am Ausziehen verhindern wollte, haben Sie ihr sogar zugerufen : .Halten Sie den Schnabel !" Angekl. : Na ja, det hätt' ick lieber nich thun sollen. DerGerichtshos verurtheilt den Angeklagten zu vierzehn Tage Gefängniß, eine Strafe, die dem Angeklagten den Stoßseufzer entlockte : Au Backe, es ist aber een bisken ville !" Der ehrliche Görgel. Görgel aus Radkersdorf, ein ehrlicher Kerl, diente als wohlbestallter Hausknecht beim Kümmelfelder Meier; der schickte unsern Görgel in die Meierei mit baaren 500 Thalern, selbe dort abzugeben. Freilich war Görgel em grundgescheidter Mensch, derAlles wohl ausrichtete ; aber diesmal kam er triefend von Schweiß von seiner Sendung zurück. Herr fchnaufte er, .dießmal verdien' ich a HalbeWein !" Was.soll'ä?" fragt der Herr. .Ja, sehen's, wie ich da mit dem Geld aus die Landstraß' komme, wo ein Weg in meine Heimath, ein anderer aber in die Meierei führt, da war'S, als wenn Mlr Jemand gesagt hair : Gorgl, geh' heim mit'n Geld nach Radkersdorf, bist dann a reicher Mann ; oberes G'wissen im Bauch hat gelärmt un' g'sagt: Görgl, warst bis jetzt an ehrlicher Bursch un' willst an Svitzbub' werden; schäm Dich ! Ich bin noch lang so dort gestanden un' hab' nachg'dacht, da fällt mir was ein; ich stell meinen' Stecken grad' auf und fag ; fallt der Stecken nach Radkersdorf geh' ich heim ; fallt er nach der Meierei so trag' ich's Geld in die Meierei. Mein Stecken is aber zurMeierei gefallen un da bin ich davon gelaufen un hab das Geld abgegeben, nu V cl sagt der Herr ganz freundlich : Das war schön von Dir, Görgel, und Du kriegst schon Deine Halbe Wein; aber das ist auch Dein Reisegeld zur Heimreif'; denn weißt, ein andersmal könnte der Stecken nach Radkersdorf fallen l" Endloser Selbstmord. Von Richard Schmidt 5 Cabanis. Warnte mich die Maid vor'm Becher: Gift nur sei der Saft der Reben ; Bor den Dirnen" warnt' der Zecher, Die das Gift in Küssen gäben ! Und es regt' die Doppel-Warnung Mir des Herzens banges Klopfen: Gram der tödtlichen Umgarnung, Schwur ich ab der Traube Tropfen ; Schwur ich schaudernd ab nicht minder All' dem wundersüßen Nippen Von der holden Himmelskinder ' Schwellend heißen Purpurlippen. Doch deS Darbens überdrüssig Bald, verwünscht' ich baß mein Leben, War bereit, gefaßt und schlüssig. Selber mir den Tod zu geben Wollte selbst gewaltsam lösen Dieses Daseins eherne Kette : Rasch zu enden, nahm die bösen Gifte beid' ich um die Wette. Küßt' und trank und trank und küßte Ohne Zeitmaß und Bezirkung, Wollte sterben und vermißte Gänzlich, ach, der Gifte Wirkung ! Auf den Grund zu meinem Leide That mich tiefste Forschung führen : Gegengifte stnd's, die beide Wkchselnd sich Paralysiren ! So dcm Tod nun stets mit frischer Kraft weih' ich mich unvergänglich: Trink' und küsi'. ein Gifte-Mlscher, Selbstmord übend lebenslänglich ! T r ö st u n g. Wenn durch Leiden Du gequält bist. Und das Leben Dir vergällt ist. Trübem Sinnen, glaub' nur d'ran. Schließt stch gern dZZ Heit're an. Und durch Thranenfluthen schwanker Gern auch fröhliche Gsdanken, Wie durch falz'ge Mecrslulh frisch Schwimmt der munt're lust'gc Fisch ! Deutsch und Französifch. Der Chevalier K. aus Paris geht in's bayerische Gebirge und wird dort, wie andere Leu!e auch, vom Regen überrascht. Endlich tritt er' in ein niederes Häuschen ein, und nachdem der Besitzer vor ihm erschienen ist, wendet sich der Chevalier an denselben mit folgenden Worten : SU noch aben ein Recken schirm? Können Sie mich geben ein Rcckendach ?., Was?" sagt der Bauer und schaut ihn groß an, was möchten Sie, das verfleh' ich nit, was Sie da sagen." Nach langem Bemühen gelingt es endlich dcm Chevalier, seinem Wirthe den Begriff einzs Regenschirmes" deutlich zu machen und durch Bilder zu versinnlichen ; der aber r::st voll Erstaunen und Unmuth aus : Ra, ja, wenn der Herr gleich deutsch g'red't hätt', und g'sagt hätt', daß er ein Psraplui möcht', nachher hätt' ich ihm ein's geb'n, aber so, da versteht ein' unser Herrgott nit, was man hab'n will !"
Vr iyrx'jt riV;4kVVr,r--V V
JmXT fJWWW " ' '(Psüzisch.) - . Der Sunndag is mei Daz Da gehn mer als in's Schweiz? Un lewe flodd in Saus und 8nn4 So flodd mer kann un mag Haww' ich die ganzi Woch ie Finger krumm un lahm cittazZi'D Dann werd deSunndag forsch zzZ&s-' Ich meen', des derf ich doch !." Schaneddche, nemm dein Hud So schbrech ich six zu meiner üiox liegt die Bergkedd fern ir.i "szfy.r- . Heid bleibt des Wedder cud. ' Schorsch, zieh bei Schdiwwk! ci ' Thcreschc. grins' mer nit so drnm Du, Philipp, häng dei Bichsche Zr Un stocher' nit im Zahn k No, seid er dann so weid? Potz Blitz, Schan dche, sieM,! au I Ich edd, im ganze Schweizerh? Hot Niemand so e jkleid '. Die Schbitze sin samos T Un vorn die blitzeblanke Knepy i No, fall nur nit die engi D?i;De weeßt, des is e Oos ! So ziehe mer selb acht Die-Lindehcemer Stroß enau? Un schderme so des Schweizer!? Un dann werd Wein gebracht Schaneddche, schenk mer ein ? Der Deiwel aach, der Droppe ''rzrtt" Schorsch, nit so lang am Du willst e Pälzer sein ? E ächter Pälzer Jung Der kneipt und schluckt als u?" hohl. t Das Lobbern baßt vor Mädchc? zziDie hawwe halt kee Lung. No. Kinner. balt't ick Ruh tyUUlUl, WVUK 14 diu? u.u -I... j, t. . i Utf kZi? ..S brod 5 Ja, ja, ich weeß. da Hot'S lce YsJSt. Ihr freßt halt immer zu. Schaneddche, mach's zerccht Du bist geplagt, du aarmi Fra galt, Philipp non, ich K r-w"';w ja Der reene Drescherlnecht t Loß aach dcm Licsche was l ' Schun all? so werd halt zzfSfat schdelll Am Sunndag zähl' ich nit mei -Do bin ich schdeds bei Cass' I Schaneddche, setz Dich he? Mir sin d'r doch e glicklich Poor Im Juli werre's achtzeh' Johr Wer glaabt, daß's meeglich xtZx'V. Ich seh'Wch noch wie hcid Im blidheweiße Vraudgewand ttumm, Schähche, geb mer tut Hand Die Zeide liege weid !: t- n- . - Un doch wie sonnehell Schdrahlt uns des Lebe, Dir und rBei Gott ! Es is e wohr Plästr He, Jrih, e nei Budell ! .
Eine unglückliche 2octix. Fräulein : Sie glauben gcr rfcwie streng ich zu Hause gehalten Nicht einen einzigen Abend darf ich zzTr?. Haus verlassen I j Herr : Aber, mein Fräulew, muß ja Ihr Papa ein wahrer LxzzzSz:' sein ! I Fräulein (mit einem Seufzer) : -wenn er das nur wäre ! Er ist z fis?:nur Portier !" f . Aus der Schule geschtsSSZ.. Dienstmädchen : Frau RatZi?. tsr-r Papagei hat schon wieder ein: c-irr Anzahl Wor!e gesprochen." . Nuthin (zur Dame, die ihr eb rrBesuch abstattet) : Ja, mein J?: IJ: $t gelehrig, er lauschte aus jedes W. was mein lieber Mann mit miz rüztr (zum Dienstmädchen) was hat n tesx gtsagt?"
Dienstmädchen : Alte S& Halt'S Maul !
Vorsichtig Aber, Her .Schoserl, wer xtzI Jx,'denn auf den Boden setzen, wo iwstfe... Bank da ist V Sind's stad ! Beider jett trau' i' mi' nimmer; die' Ban? Jlr.rJV am End', wenn i' rni' d'rausse. zusammenkrachen, und zulekt solidarisch hastbar und dürst' fj. ar; noch zahlen l " Bauernweisheit.
Apotheker : Da kann ich Enö r Besseres empfehlen, als den 2r Pcüller'schen Gesundheitsthee, der : gut und hilst Euch gewiß ! Bauer : So, ist der vom Dr. EEST..Dann her damit. Der Dr. UiZSrrz der sauft nischt Schlechtes ! Eine geistreiche Antw Fritz : Papa, warum laßt der &:jt--wächter um 10 Uhr Abends tzz t'znzPsiff ertönen, um die Stunde zu nen ? Papa : Weil er die Null nicht kann. Das klugeJulchel?. Lehrerin (in der Unterklasse) Slf - f m . . , - . i liebe öilnoerchen, wie ich schon cruyrr.: yave, cqieinigt liuch stets rer ziipz dcnheit. Sie ist der beste r 4, , Menschen und ziert namentlich M U Wtt -f 5, fn rA,
weit mehr als Gold uud GfctlpZÄ-.. Nun, Julchen, Du erbebst ja die .rr was hast Du aus Drinem Her? Julchen (freudestrahlend): Äch, vzislein, ich weiß auch einen frönen S??? zur Bescheidkuheit; mein Papa zcr5. immer. Lehrerin : Ei, wie prächtig &&7trifft ! Merkt Alle ja hübsch aus rrüschreibt Euch den schönen Sprui) zzTB Gedächtniß! Jetzt sag' uns den G$tzvl Julchen : Bescheidenheit ist eine doch weiter kommt man ohne ihr
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