Indiana Tribüne, Volume 4, Number 270, Indianapolis, Marion County, 11 June 1882 — Page 7
Ke0er KechtigKett. rhsriZmen von ,ft Qdütln.
Moralflatistiker und Philosophen ha. ttn die Frage aufgeworsen, welches die seltenste Tugend sei. Ich glaube, sei tener als Gerechtigkeit ist kein Charak tervorzug des Menschen, und keinen Mangel bekommt man so ost und so peinlich im Verkehr unseres alltäglichen Lebens zu fühlen, als den Mangel dieser Sardinaltugend, die im Grunde genom nen, die Mutter aller übrigen ist. Jede Verletzung des fremden Recht?, und so Mit Alles, was wir mit dem Worte Unrecht bezeichnen, beruht ja in letzter Linie auf diesem traurigen Mangel; ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl macht sSe Versündigungen gegen die Gebote d geschriebenen wie des ungeschriebenen Gesetzes unmöglich. Die biblische .Liebe", von der es heißt, daß sie das Ihre nicht suche, ist nur eine mehr in die Tiefen des Gemüths verlegte Variation der Gerechtigkeit, die als solche nicht nur der Sphäre des Empfindens, -sondern ebenso sehr dem klaren, ehrlichen Verstand angehört, ja, die gleichsam ine Besiegung des blinden Willens durch die Leuchte des Intellekts bedeutet. Gerecht in diesem Sinne ist derjenige, der fremde Rechte selbst da rückhaltlos anerkennt, wo sein persönliches Behagen durch diese Anerkennung geschädigt wird. Gerecht ist der Mann, der die Kollision seiner eigenen Interessen mit den Interessen eines Andern so unbefangen, so ruhig und so wahrheitsgetreu zu prüsen vermag, als ob es sich um eine Frage handelte die sür ihn vollkommen gleich gültig wäre, oder doch nur seine theoretische Theilnahme herausforderte. Ge recht., und von der Gerechtigkeit seines Widersachers überzeugt, war jenerLand mann, der mit seinem Nachbar prozessir te und dem Gegner, als derselbe sich nach der Stadt zum Termin ausmachte, die denkwürdigen Worte zurief: .Nachbar, ich bin heute verhindert Thut mir den Gefallen und bringt beim Richter das vor, was ich zu jagen habe; der wird dann schon wissen, wie er entscheiden soll !" Und somit nahm er seinen Geg ner bei Seite und setzte ihm auseinander, vaS er gegen die Ansprüche desselben einzuwenden gedachle. Der Gegner übernahm denn auch den vertrauensvoll übermittelten Austrag, führte ihn ehrlich aus und verlor den Prozeß. Das war ein gerechter.Mann, denn er wollte nicht aus dem zufälligen Umstände, daß sein Nachbar am Erscheinen verhindert war, Vortheil ziehen; er wollte nur dann obsiegen, wenn seine Gründe besser wären' als die des Widerparts; und da seine Gründe nun schlechter waren, so fügte er sich dem Entscheidungsspruch ohne Murren. ' Wie viel streitende Parteien gibt es heutzutage, die mit jenen beiden Land leuten Aehnlichkeit haben ? Der blinde, brutale Wille mit all' seinem Gefolge von gemeinen Chlcanen, erbärmlichen Kniffen und niederträchtigen Ränken ver drängt fast überall die Klarheit.des vor urtheilslosen Intellekts und das Vertrauen auf die bona fides der Jenseite. Wäre dem nicht so, wie hätte man sich's zu erklären, daß zwei Menschen, die mit einander Prozessiren oder sonst eine un erledigte Differenz haben, diese Meinungsverschiedenheit zur Basis einer persönlichenAntipathie, einer oft geradezu wüthenden Gegnerschaft nehmen? Man sollte denken, zwei klare, ruhige und besonnene Ehrenmänner könnten sehr wohl über irgend eine komplizirte Rechtsfrage verschiedener Ansicht sein, und auch den Wunsch hegen, eine dritte Person, den Richter, über diese Rechts jrage entscheiden zu laffen, ohne daß es erforderlich wäre, diese Verschiedenartigkeit der Auffaffung ins Gebiet der Gesinnung hinüberzuspielen, und nun Verstimmungen auskommen zu laffen, die schließlich zu Haß und dauernde Feindschast führen. Daß eine solche Verstim mung gleichwohl die Regel ist, erklärt sich lediglich aus dem allgemeinen Mangel vorurtheilsloser Gerechtigkeit. Die Befähigung,, die Gründe des Gegners vorurteilslos zu würdigen, gehört zu den seltensten Erscheinungen unselesKulturlebens. Jede Partei prüft die An schauungen der Jenseite durch das trü bende Medium ihres eigenen Wollens und Bestrebens hindurch, und kommt sonach zu dem Resultat, diese Gründe leitn nicht nur anfechtbar, sondern so vollständig hinfällig, daß ein anständi ger Menjch sie gar nicht vorbringen würde. Das Hemmniß, das der eigene Wille durch die Opposition des Gegners sährt, hat ohnehin die jeder Willensbeeinträchtigung eigeneUnlust erzeugt, ein Gemüthszustand, der nicht sonderlich zu Objektivität befähigt ; und so ergibt sich denn jener gehäffige Zweifel an dem guten Glauben der gegenüberstehenden Partei, jener stille Ingrimm, der dem Pseudogerechtigkeitsgesühl des gekränk ten Egsismus entspricht, aber das wahre Gerechtigkeitsgefühl mit Füßen tritt. Das Komische liegt dabei in dem Um stände, daß auf beiden Seiten der gleiche psychologische Prozeß vorgeht. Die Fälle in denen die Indignation über die Fri volitär der Jenseite motivirt ist, dürften sich zählen laffen; denn das Prozeffiren ist kostspielig, so zeitraubend und vom eudämonistischen Standpunkte so wenig zweckentsprechend, daß die Verfolgung begründeter Ansprüche weit öster aus Bequemlichkeitsrücksichten unterbleibt, als daß etwa zweifelhafte oder gar un begründete Ansprüche im Bewußtsein ihrer Hinfälligkeit aufs Tapet gebracht werden sollten. Ich glaube nicht einmal an jene mythischen Bauern, die nur um des Skandals willen prozeffiren, gleichviel ob ihre Sache gut ist oder haltlos. Wenn der Bauer prozeffirt, will er den Prozeß auch gewinnen; er glaubt also zum mindesten an die Möglichkeit des Mißlichen Obsiegens, und das kann er doch nur auf Grund irgend eines positiven Punktes, der ihm von vorn he rein einleuchtet. Wie selten die Gerecht'.) ist, das erfahren wir, ganz abgesehen von den eigentlichen Rechtsstreitigkeiten und so stjgen Differenzen, auch da, wo die sitt Nche Beurtheilung einer Handlung in Frage ftkht. .Ja, Bauer, das ist ga.-,z vaZ Andres diefeZ Motto tönst-
man den meisten.Menschen ins Lebens buch schreiben, ohne ihnen nahe zu treten. Wie ergrimmt der leichtsin nige Bonvivant, der sich kein Gewiffen daraus macht, Hunderte von braven Ar beitern und. Ge chästsleuten um ihren sauren Erwerb zu prellen, der elegante Vagabund, der im Stande wäre, .von flen Zinsen seiner Schulden zu UUn", der Thunichtgut, bei dem das Nichtbe zahlen die Regel ist, wie ergrimmt er, sage ich, wenn ihm nun auSnahmS weise einmal Jemand eine Kleinigkeit schuldet und nicht pünktlich bezahlt! Das ist dann gleich .eine Gemeinheit", .eine unerhörte Wortbrüchigkeit", man geht voll sittlicher Entrüstung mit sich zu Rathe, ob man dem Säumigen .aus die Bude rücken" oder ihm eine. .kategorische Aufforderung" .durch den Rechtsanwalt zustellen laffen soll; man erzählt aller Welt, wie man mit diesem .Schuft" he reingefallen, und bedenkt nicht, daß die Sprache an bezeichnenden Ausdrücken bettelarm sein würde, wenn or Herr Bonvivant nach Verhältniß mit gleichen Prädikaten belegt werden sollte. Ja Bauer, das ist ganz was Anderes 1 Ich kannte einen Gutsbesitzer, dem ein Kaufmann gegen mäßigen Zins ein Darlehn vorgestreckt hatte, zu einer Zeit, wo diese Gefälligkeit hart an den Leichtsinn grenzte. Der Kaufmann, ein durch aus solider, ehrenhafter Mann, riskirte sein Kapital aus reiner Menschenfreund licbkeit und sah selbst dann von einer Kündigung ab, als die versprochenen Zinsen 3 pCt. waren es ändert halb Jahre hindurch ausblieben. Nur in höflicher Weise brachte er das Ver säumte bei seinem Schuldner in Erinne rung. Zufällig war ich zugegen, wie dieser bescheidene Mahnbrief eintraf. .Der unverschämte Kerl mit seinen ewi gen Zinsen !" das war der Ausruf, zu dem sich das Gerechtigkeitsgefühl des Gutsbesitzers emporschwang und die liebenswürdige Gattin stimmte aus vol lem Herzen mit ein. Ja, ja, dem brutalen Egoismus ist es gleichbedeutend mit Unverschämtheit", wenn fremde Interessen, seien sie noch so berechtigt, ihm den Weg kreuzen, aus dem er die gemästeten Hämmel seiner stupiden 'Le
bensgier nach der Tränke führt. Ein anderer Fall berührt noch empö render. Zwei Vettern sind vom Haus aus vollkommen gleich ausgestattet; der eine heirathet überdies eine reiche Frau, der andere ein Mädchen ohne Vermögen. Der erstere, Kaufmann, ein fauler, nichtsnutziger Geselle, über läßt sich trotz aller wohlgemeinten Ver Mahnungen einem Lebenswandel, für den die Bezeichnung .lüderlich" ein Eu phemismuS ist, vernachlässigt in schäm losester Weise seinen Beruf und bringt in kurzer Frist sein und seiner Gattin Vermögen bis aus einen kleinen Rest durch. Sein Vetter, ein Musiker, hat anfänglich mit den größten Schwierig keiten zu kämpfen, ringt sich jedoch, da er Talent bentzt, aumallg empor und aelanat auf diese Weise ungefähr um dieselbe Zeit zu einem bescheidenen Wohlstande, da der Herr Vetter mit seinem schmachvollen Treiben auf dem Punkte angelangt ist, daß die längst unterhöhlte Existenz in Trüm mer fällt. Nun entsinnt sich der Ver schwender seines lieben Herrn Vetters. Bis dahin hat er alle War nungen ignorirt, oder gar mit höhnischer Ueberlegenheit zurückgewiesen : jetzt aber, da er sich sozusagen vis-a-vis de rien sieht, da ihm Niemand m?hr borgt, da sich alle Welt von ihm abwendet, jetzt erscheint ihm der Vetter gut genug sür ein Billet-doux, in welchem es heißt: Lieber Vetter, ich bin momentan in Verlegenheit; kannst Du mir nicht für einige Tage zweitausend Mark borgen?" Der Musiker spricht in aller Höflichkeit sein Bedauern aus; er habe sür Frau und Kind einzustehen ; borgen werde er ihm die zweitausend Mark aus dem ein fachenGrunde nicht, weil man nur solchen zu borgen pflege, die imstande seien,das Geborgte zurückzuzahlen; zweitausend Mark zu verschenken, sei'er mit dem be sten Willen nicht in der Lage, zumal diese zweitausend Mark doch nur ein Tropsen aus einen heißen. Stein sein würden. Item, er lehne ab. Jeder Unbefangene wird nun gestehen müssen: der Mann verfährt nicht nur klug,sondern auch pflichtgemäß: denn seine Frau und seine Kinder stehen ihm naher als ein verlorn Mensch, der von vornherein an's Zurückgeben gar Nlcht denkt, sondern das Anpumpen" in der zweifellosen Absicht versucht, die zu erlangende Summe in denselben Abarund zu werfen, in welchem schon so viele Tausende spurlos verschwunden sind, um sich dann aus den Standpunkt zu stellen : wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren. Wie aber nimmt der heruntergekommene Vetter selbst diese Zuschrift auf ? Wird er sich eingestehen, daß 's nicht besser erwar ten durste ? Wird er sich zwar über die verfehlte Spekulation ärgern, aber doch einräumen, daß die Weigerung vollkom men berechtigt ist ? Wer diese Frage be jähen wollte, der würde beweisen, daß er von der Depravation vermenschlichen Natur keinen klaren Begriff hat. Schim psen wird der Abgewiesene und fluchen und sich in Schmähungen ergeben, ode? gar sich pathetisch in die Brust wersen, von verwandschastlichen Gesinnungen sprechen und Beispiele anführen, wo ein Vetter dem andern in selbstloser Weise geholfen hat, Beispiele, die auf seinen Fall passen, wie die Faust aus's Auge ; denn es ist etwas-Anderes, einem Ve wandten in unverschuldeter Noth beispringen, oder sein Geld wegwerfen an einen Taugenichts, der es doch niemals danken wird. Der Abgewiesene besitzt vielleicht ausreichende Geistesklarheit, um diese Sachlage überall da objektiv zu beurtheilen, wo es sich um Andere handelt, sobald aber er, sein liebes Ich, sein verwünschter .Wille", ins Spiel kommt, da ist der Jntellklt wie mit Schleiern umhängt, und die arme Ge rechtigkeit kommt 'auch nicht von ferne zum Wort. . Oder ein Beispiel aus der literarischen Sphäre ! Wer ist gegen den objektivsten Tadel empfindlizer, als jene .schnöd drigen" Witzbolde, die ihrerseits keine Gelegenheit vorübergehen, lassen, das c n . m ! veroiennvoue aienk zur Jielazeloe j ihre: dreien S?U: U nehmen ZFolche
Leute würden, wie Alphons Karr sagt, ihren Großvater todtschlagen, um einen wirksamen Kalauer zu Wege zu bringen; aber wenn die Kritik nun einmal den Spieß umkehrt und ihnen vollkommen sine ira et studio lediglich nach Maßgabe ihrer Leistungen auf die Finger j klopft, dann schreien sie über .Nieder trächtigkeit, dann schlagen sie Lärm in allen Organen, über die sie durch irgend einen entfernten geistigen oder leiblichen Sippschastler disponiren können, dann appelliren sie an den Strasrichter, natürlich um glänzend abzufahren. Die Gerechtigkeit aber fragt mit dem Berli ner CoupletSänger : .Wo bleib' ich ? Wo bleib' ich? Und so geht es auf allen Gebieten ! Ueberall nehmen wir unseren Mitmen scheu das übel, was wir uns selbst unge straft anmaßen. Der eine neckt und hän seit, wo es ihm einfällt, und spielt sofort den Verletzten, wenn irgend ein fröhlicher Bierbank-Bruder ihn mit der gleichen Münze heimzahlt. Der andere muthet seinen Tischgenossen ekelerregende Ein drücke zu, die er seinerseits mit großem Selbstgefühl sich verbitten würde, er schabt sich die Nägel, oder legt halb zerkautes Fleisch wieder auf den Teller, oder schmatzt wie ein Schwein. Der Dritte beansprucht Höflichkeiten und Rücksichten, die er selbst bei jedemAnlaß verletzt; er geräth in Wuth, wenn ihn Jemand bei einer Verabredung nur fünf Minuten warten läßt, während er sich seinerseits kaum entschuldigt, wenn er eine halbe Stunde zu spät kömmt;' er will aufgefordert sein zu Diesem und Jenem, ohne je das Gleiche zu leisten; er ist .objektivirter Wille"in seiner rohe sten Gestalt, wenn sich diese Thatsache auch zunächst nur in Kleinigkeiten be kündet, und überall verhüllt die Göt tin der Gerechtigkeit' leise seufzend ihr schönes, hoheitstrahlendes Haupt.Wahr lich, es ist eine Tiessinnigkeit unseres Sprachgebrauchs, daß der Gerechte" im prägnanten Sinne so viel bedeutet wie der Edle", .der Tugenhaste". Die Gerechtigkeit schließt alle anderenTugen den in sich, und nur darum ist die Menschheit so weit entfernt von dem
Ideal der Vollendung, wen die Gerechtigkeit in den Herzen dieser trostlosen Pharisäer keinerlei Stätte hat. ßin Knopf. ES war am 9. November des Jahres 18.. Das sonst so ruhige Städtchen I . . war durch die Kunde von einem schweren in nächster Nähe verübten Ver brechen in unbeschreibliche Ausregung versetzt.' Am Morgen des vorangegan genen Tages hatte sich eine junge fremde Frau vor dem Staatsanwalt eingesun den und ihn gebeten, schleunigst nach ih rem Gatten forschen zu lassen, den sie seit drei Tagen vermißte. Nach ihrer Her kunst und den näheren Umständen be fragt, gab sie folgende Erklärungen ab. Sie war aus Amerika, stammte aber von deutschen Eltern. In ihrer Hei math hatte sie sich mit einem deutschen Einwanderer verheirathet und lebte in glücklich? Ehe. Ihr Mann sehnte sich jedoch nach Deutschland ; ihm war da ran gelegen, die Eltern wiederzusehen und sich mit dem Bruder auszusöhnen, von dem er vor Jahren in tiefem Groll geschieden. Seinem Drängen gab , sie endlich nach, und die Reise nach Europa wurde angetreten. In der Heimath an gelangt, schickte sie ihr Gatte nach I. . ., während er selbst zunächst seinen Bruder aussuchen wollte, der in den GebirgZWaldungen in der Nähe des Städtchens als Förster angestellt war. Ihre Be gleitung hatte er abgelehnt, da er nicht wußte, wie ihn der Bruder aufnehmen würde. Sein Eintreffen in I . . . hatte er mit7 Bestimmtheit auf den 5. Novem ber festgesetzt ; nun war bereits der 8. herangekommen, und nicht einmal eine Nachricht hatte die Frau in I ,.. von ihrem Gatten erhalten. Sem Aus bleiben bekümmerte sie um so mehr, als sie seine strenge Pünktlichkeit kannte. Fremd und rathlos wandte sie sich an die Behörde, um durch sie Nachrichten über den Vermißten zu erhalten. Auf Grund dieser Aussagen, zu deren Bekrästigung die jungeFrau ihre Papie re vorlegte, begann die Behörde Nach forschungen anzustellen. Die mit der Angelegenheit betrauten Beamten begaben sich zunächst nach der Behausung des Försters, fanden denselben aber nicht anwesend. Da nur ein Weg von der Landstraße zum Forsthause führte, war es das Nächstliegende, auf diesem Wege nach dem Vermißten zu forschen. In 3 . . . , einem kleinen von Holzschlägern bewohnten Dorse, erfuhren dreBeamten, daß am Abend des 5. November ein Fremder im Wirthshause eingekehrt sei. Die Leute, welche ihn gesehen hatten, beschrieben sein Aeußeres so, wie die Frau das ihres Gatten geschildert hatte. Er war mit dem Förster fortgegangen. Auf weiteres Nachsorfchen wurde denBe amten mitgetheilt, daß der Fremde, als er die Zeche bezahlte, einen reich mitGold gefüllten Beutel gezeigt und aus einer auffallend schönen Meerschaumpfeife ge raucht habe. Als die Bauern erfuhren, daß der Fremde vermißt werde, äußerten sie unverholen, der Förster werde sich wohl den einsamen Weg und die Nacht zu Nutze gemacht haben. ' Die Beamten schauderten, sie wußten, daß,. wenn die Holzschläger Recht hatten, ein Bruder mord geschehen sei. Vom Wirth und einem älteren Bauern aus demselben Dorse begleitet, traten sie den Rückweg nach dem Forsthause an. Inzwischen war der Förster zurückgekehrt. Derselbe war noch gar nicht über den Zweck ihres Kommens unterrichtet, als der Wirth ries: .da ist die Pfeife!' An der Wand neben anderen Rsuchutensilien hing ein schöner mit Silber beschlagener Meerschaumkopf, der, von den beiden Zeugen als derselbe rekognoszirt wurde, aus dem der Fremde am Abend des 6. November im Wirthshause zu Z ge raucht habe. Der Förster zeigte nicht die mindeste Unruhe und auf Befragen erklärte er, jener Fremde sei mit ihm von .Z fortgegangen, habe sich ihm auf dem Wege als sein Bruder zu erkennen gegeben, sei in's Forsthauö mit einge treten, an demselben Abend aber noch nach I aufgebrochen ; den Meer schaumkopf habe er ihm zum Andenken 1 gegeben. Als die Beamten dem Fester
mittheilten, daß sein Bruder vermißt werde, erschrack er sichtlich und äußerte, dann müsse ihm ein Unglück zugestoßen sein. Den Beamten kam das Er schrecken des Försters verdächtig vor
und sie eröffneten ihm, daß sie sich verpflichtet glaubten, sein Haus zu durchsuchen. Wortlos starrte er die Sprechenden an und sank dann um. Die Beamten besohlen dem Wirth, auf den Förster Acht zu geben, und begannen die Haussuchung; sie fanden nichts Un gewöhnliches, nichts, was ihremVerdach te Nahrung geben konnte. Unschlüssig standen sie und überlegten, was sie thun wollten, als vlötzlich der Bauer, der vor dasHaus gegangen war,einen furchtbaren Schre: ausstttß ; sie eilten hinaus. An dem Brummen vor dem Hause stand der Bauer und deutete mit allenZeichen des höchstenSchreckenS-ittdieTiese. DieBe amtenbeugtrn sich über denBrunnen und erblickten an seinem Grunde einen men schlichenKörper. .Mit der Unterstützung zweier Jägerburschen, die inzwischen auS dem Forst zurückgekehrt waren, gelang es, den Leichnam hinauszuschaffen, in welchem die beiden Zeugen aus Z mit Bestimmtheit den vermißten Frem den rekognoszirten. Wie vernichtet stand der. Förster an der Leiche seines BruderS Man schritt zur Unter suchung des Ausgefundenen. Er war vollständig bekleidet, sämmtliche Taschen aber waren leer. Um den Hals war ein dünner Strick geschlungen, am Halse selbst fanden sich deutliche Spuren eine? Erdrosselung. Der Strick wurde von den Jägerb'urschen als die Hundeleine des Försters erkannt ; dieser selbst rekog noszirte die Leine als sein Eigenthum, behauptete aber, sie an dem vergangenen Abend verloren zu haben. Die Indizien waren belastend genug, um die Verhaftung des Försters zu recht fertigen und so eskortirten ihn die Be amten nach I. . . . Aus Grund der gra virenden Ermittelungen leitete die An klagekammer ohne Zögern das Versah ren gegen den Förster ein. Die Sache stand sür denAngeklagten ziemlich schlecht. Erdrückenden Indizien, einer ganzen Schaar von Belastungszeugen konnte er nur ein Leumundszeugniß des ihm vorgesetzten Forstmeisters entgegenhalten. Unter solchen Umständen hegte seinVer theidiger wenig Hoffnung, und im Pub likum erwartete man mit Sicherheit ein verurtheilendes Erkenntniß. Der Tag der Verhandlung war her angekommen. Der Sitzungssaal des Geschworenengerichts war gefüllt von Zuhörern, unter denen sich eine nicht zu beschwichtigende Ausregung kund gab. Todtenstill wurde es aber, als der An geklagte in den Saal trat. Sein Aeu ßeres nahm nicht sür ihn ein. Die Ge fichtszüge waren trotzig, die kleinen tief liegenden Augen stechend, düsterer Un muth lagerte auf seinerStirne. Gleich wohl entbehrte sein Benehmen nicht einer natürlichen Würde. Der Präsident begann das Verhör des Angeklagten. Dieser antwortete mit rauher Stimme, er bestrebte sich of fenbar, ruhig zu sein,- die Gedanken zu sammeln, konnte aber ferne große Auf reaung nicht verbergen. Ueber das. was vorgefallen war, nachdem mit seinem Bruder daö Wirthshaus in Z. . . verlassen hatte, machte er folgende Aus sage : Auf dem Wege zum Jorsthause habe der Bruder sich ihm zu erkennen ge geben. Fünfzehn Jahre wären sie ein ander fern gewesen, der Auswanderer habe sich :m Lause dieser Zelt sehr ver ändert. Eines Mädchens wegen wären sie einst in bitterem Groll von einander geschieden. Jetzt, da die Zeit der heiß blütigen Jugend längst vergangen, wä ren sie froh gewesen, einander wiederzu sehen. In das Forsthaus fei der Bru der mit eingetreten ; bis zum nächsten Tage aber zu verweilen habe er trotz des sturmischcnWetters sich Nicht bereden las sen,weil er seiner Frau versprochen hatte. am 5. m I ... einzutreffen, auch dleBe gleitung durch den Wald habe er zurück gewiesen. Auf die Frage des Präsidenten, wie er den Umstand erklären wolle, daß am Halse des Ermordeten seine Hundeleine gesunden worden ser, erwiderte der An geklagte, hiefür wisse er keine Erklärung. Er glaube, daß er die Leme im Wirths Hause zu Z. . . noch gehabt, unterwegs aber verloren habe. Schließlich gab er zu bedenken, ob er, wenn er wirklich die Schandthat- ausgeführt hatte, so unbe sonnen gehandelt haben würde, dieLeiche in seinen Brunnen zu werfen, wo man sie über kurz oder lang hätte finden müf sen. Die Aussagen der Zeugen waren sämmtlich für denFörster sehr ungünstig. Die Jägerburschen schilderten ihn als ei nen strengen aufbrausenden Mann. Am Abend des 5. November hatten sie eine ungewöhnliche Ausregung an ihm wahr genommen, sie erinnerten sich sogar, daß er ihre Berichte nicht wie gewöhnlich am Abend, sondern erst am folgenden Mor gen gefordert hatte. Von dem Bruder des Försters wußten sie nichts zu mel den, da sie erst nach zehn Uhr aus der Försterei heimgekehrt waren. Der An geklagte räumte seine Aufregung ein, er klärte aber, sie sei eine freudige gewesen. Hieraus wurden Bauern aus Z und der Wirth der dortigen Schenke vernommen. Sie waren an jenen Abend mit dem Ermordeten und dem Förster zugleich im Wirthshause anwesend. Ihre Aussagen waren übereinstimmend. Sie schilderten den Förster als tückischen Menschen, der seine Freude daran hätte, andere m's Unglück zu bringen. Ihren Reden merkte man an, daß sie diese Ge legenheit, sich an dem Förster zu rächen, den sie. glühend haßten, weil er ihnen das Handwerk, der Wilddieberei gründlich gelegt hatte, aus's Beste benützen wollten. Mit schwer bezwungenem In grimm hörte der Angeklagte alle die Be schuldigungen an, die die Holzschläger gegen ihn vorbrachten, seine Lippen beb ten, aber er schwieg. Da trat der letzte Belastungszeuge auf, ein wüst aussehender Mensch, ebenfalls ein Bauer auSZ. . Seine Aussage lautete wie die der anderen Bauern. Eben wollte ihn der Präsident abtreten lassen, als plötzlich der Angeklagte von seiner Bank in die Höhe fuhr. Seine Augen funkelten, er starrte aus den Bauer, wies nach ihm und stammelte : .Da, da, der ist's, der ist's ! Ales blickte erschreckt noch ihm
hin. Seine Brust hob und senkte sich
krampfhaft, schwereSchweißtropsen ran nen von seiner Stirne, und mühsam brachte er endlich die Worte hervor : Licht, Licht, der Men ch ist derMör der oder weiß um.das Verbrechen !" Der Präsident forderte ihn schonend auf. sich zu beruhigen und dann mitzutheilen, was er wisse. Nach einer Pause von Minuten begann er : Mein Bruder trug an jenem Abend einen Rock mit großen plattenHornknöpsen. Emer die ser Knöpfe war lose geworden, und im Lause des Gesprächs drehte' ich ihn vol lends los und kritzelte mit meinem Mes ser ein Jägerhorn und meinen Namens ug aus seine Oberflache. Mein Bruder ah mir lächend zu und nahm dann den Knopf an sich, um ihn wieder annähen zu lassen. Er verwahrte ihn in seinem grünseidenen Geldbeutel. Der Knopf sitzt auf dem Rocke des Zeuger ich er kenne ihn von hier." Wie ein Blitz schlag wirkten diese Worte auf die Richter und Zuschauer. Der Präsident be fahl dem Gerichtsdlener sofort, den be treffenden Knopf vom Rocke des Zeugen abzuschneiden. Man fand wirklich den Namenszug des Försters und ein JägerHorn auf dem Knopfe eingekritzelt. Der Rock des Ermordeten lag als Beweis stück im Sitzungssaale, es fehlte an dem selben ein Knopf, der von dem Förster bezeichnete paßte zu den übrigen und war wie diese vs einer im Lande nicht ge brÄuchlichen Form. Damit änderte sich die Sachlage voll ständig. Der Präsident drang ernstlich in den Bauer, die Wahrheit zu gestehen und erklärte ihm zugleich, daß er äugen blicklich verhastet werden würde, also kei ne Aussicht h?be, davonzukommen. Der Bauer warf einen scheuen Blick auf die Zuhörer, die plötzliche Entdeckung seines Verbrechens mochte ihn um die Fähigkeit des Leugnens gebracht haben, nach kurzem Zögern sprach er die schwerwiegen den Worte : Ich bin's gewesen !" Und nun folgte ein umfassendes Geständniß. Im Wirthshaus zu Z hatte er den Geldbeutel des Fremden gefehen und be schlössen, den letzteren zu berauben. Als die Brüder ausbrachen, folgte er ihnen nach. Auf dem Wege fand er die dem Förster, entfallene Hundeleine und nahm sie an sich. Am Forsthaus wartete er, bis der Fremde wieder herauskam und als derselbe etwa fünfzig Schritt vom Forsthaus entfernt war, schlug er ihn nieder und erwürgte ihn vollends mit der Leine; dieLeiche stürzte er in den Brunnen. In demGeldbeutel desFrem den hatte er den Knopf gefunden, mit dem er, nicht ahnend, daß am Rock des Ermordeten gleiche Knöpfe waren, sei nen eigenen Rock schmückte. Der Förster wurde sosort in Freiheit gesetzt. Allgemeine Stille herrschte im Saale, als er die Anklagebank verließ. Er schritt auf.die Wittwe seines Bruders zu, reichte ihr die Hand, nahm ihre bei den Kinder aus und küßte sie unter einem Strom von Thränen. Dann verließ er den Saal. Schweigend öffneten die Zuhörer eine Gasse, das tiesste Mitteid gab sich in diesem Schweigen kund. Der Mörder wclrd vor die Assisen ge stellt und zum Tode verurtheilt. Und verkündige es dem Volle und rathe ihnen an eine stier liche Pilgerfahrt, laß sie kommen zu Fuß und auf dem Rücken der Kameele aus allen Theilen des Landes, auch aus dem entferntesten, damit sie Zeuge sein kön nen der Vortheile, die den Gläubigen ein Besuch dieses helligen Platzes ge währt." Also lautet, nach John F. Keane's jüngst erschienenem Buch : Sechs Monate in Mekka", die Stelle im Koran, durch die Mohamed die Gläu bigen zu einer Pilgersahrt nach dem heiligen Mekka auffordert, welcher Auffor derung denn auch die Gläubigen im ausreichendsten Maße nachkommen. Euro päer dagegen haben nur selten die heilige Stadt betreten, und diejenigen, die es gewagt haben, konnten es nur, indem sie sich als Mohamedaner verkleidete und gewissenhaft alle Ceremonien an den heil. Stätten mit durchmachten. Das größte Heiligthum dort ist bekanntlich die Kaaba, dieselbe ist 38 Fuß lang, 30 Fuß breit und 40 Fuß hoch und ist vollständig bedeckt mit einer schweren schwärzen Hülle, die theilweise aus Seide besteht; etwa 6 Fuß vom oberen Rande zieht sich rings herum ein breites Band, auf dem in Goldbuchstaben die Ealuma, das Glaubensbekenntniß der Mohame daner, eingestickt ist; an der südlichen Ecke ist der schwarze Stein (Haäschar elArvad), in massives Silber gesaßt, eingemauert und jeder Gläubige muß diesen Stein küssen; er ist das National Heiligthum und jeder Muselmann, wo immer er auch sei, muß beim Gebet das Gesicht gegen denselben richten. Ueber den Ursprung dieses Steines gehen die mohamedanischen Legenden weit ausein ander; am verbreitetsten ist. aber die An sicht, daß er ein Engel sei, der zur Strafe dafür, daß er im Paradiese den Adam und die Eva nicht davon abgehalten habe, von dem verbotenen Baume zu essen, in einen Stein verwandelt ist, der aber am jüngsten Tage seine ursprüng liche Engelsgestalt wieder annehmen wird. Droschkenkutscher: Ach, Herr Doktor! Ick wer' immer dicker, un mir ist dabei so schlecht und schwach !" Arzt : Ja lieber Mann, Sie leiden an Wassersucht; Sie haben Wasser b; Leibe." Droschkenkutscher: So! Na, wenn Sie das meenen, denn wer' ick man bein andern Doktor gehen, denn ick sehe schon, Sie .verstehen meinen Fall nich ! Ick un Wasser im Leibe ! Unsinn ! Seit ick entwehnt bin, is nie een Droppen von det Jetränk über meine Lippen jekommen. - Immer blos Weis vier und Baiersch ; heechstens mal mit Unterbrechung von einige Schnäpse !" Aus den Neuen Flieg e n d e n." Bürgermeister (ein Schrei den lesend): Ihr Ansuchen um Ueberlassung unseres neuen.Gemeindegalgens, zur Hinrichtung eines Verbrechers aus Ihrer geehrten Gemeinde, können wir leider nirfrt ersilllen. da wir den mit nrn ww wr wm 9 w v v W9 w f wm m w ßen Kosten angeschafften' Apparat für' r rrt n . ... UNS uno unsere ememoellnoer uns IN Bereitschaft halten müssen. Hochach tungsvollst Schandmann,' Bürgermei ster in Gaunersdors.
Cln Capitel OHrstker Oclte . fOiOte. Ein ziemlich unbekannte (aber recht interessantes und tnstruUiseS Kavitelchen Weltgeschichte ist die Gelebichre der Schweizerherrschaft über den jetzigen Kanton Tessin. Sie beweist U recht, welch allerliebst tyrannische Neigungen Freistaaten zeigen, falls sie einmal in die Lage kommen, über die Geschicke Anderer zu entscheiden. Als die Eidgenossen im Kriege mit Franz I. von Frankreich das Tessin erobert hatten, dachten sie nicht daran, diese Landestheile als freie Gemeinwesen in ihren Bund auszuneh men ; sie setzten denselben im Gegentheil Vögte, wie angeblich da? HauS Habs bürg sie seinerzeit in die Waldstädte entsendet haben sollte, und schlimmer als diese sagenhasten Maudatare regierten die kleinen Despoten, welche, wie die römischen Prokonsuln, alljährlich wech selten und bald von dem einen, bald dem andern an der Mitherrschast berechtigten Kantone bestellt wurden. Die Unter thanen der gemeinen Herrschaften waren vollständig rechtlos und viel schlimmer daran, als unter ihren frühe ren Fürsten ; sie wurden in harter und grausamer Weise ausgepreckt und in den kleinsten Dingen bevormundet bis zu ihren heiligsten Angelegenheiten. Da zumal mußten diese Heloten je nach der Willtür des anwesenden Gewaltigen ihre Konfession wechseln, als die Resor
mationskämpse in der Schweiz Mitte sechzehnten Jahrhunderts begannen. In Bellinzona gab es gar drei Vöate zu gleich, die - in den drei Schlössern der Hauptstadt 'gierten und ihre Wirksam keit damit anfingen, daß sie die prote stantische Bevölkerung von Locarno vertrieben, die nunmehr ihre blühende Sei den Industrie nach Zürich brachten. Aber beinahe schlimmer noch als das Triumvirat in Bellinzona herrschte Zwinguri in seiner eigengehörigen Le ventina. Die Stelle eines LandvogtS wurde von der souveränen Landsgemeinde öffentlich versteigert und man kanu sich nun denken, in welcher Weife Schlucker, die zu Hause das Brod kaum kannten, als Herren in dem blühenden Livinerthale hausten. Der unerträg liche Druck führte Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zu einem Ausstand, welcher blutig niedergeschlagen wurde. Die Führer verloren ihr Leben, und ihre Köpfe hing man auf. Die Urner ent waffneten das ganze Land; bei Todesstrafe wurde der Besitz eines Gewehres verboten, jedes freie Wort unterdrückt, das Land bis zur Bettelarmuth auöge fogen; es gab weder Recht, noch Schutz vor Gewaltthaten, die mit brutalem Uebermuth ausgeübt wurden. Die Be völkerung versank in Stumpfsinn; sie ging trotz ihres herrlichen Landes jähr lich zurück. Schaaren wanderten nach Piemont aus. Der Rest war ein Hau sen jeder Menschenwürde entkleideter Heloten. Erst die Niederwerfung der Schweiz durch das französische Direkto rium machte diesen Zustanden ein Ende; in der Mediation Bonapartes vom Jahre 1803 erhielt Tessin die Stellung eines selbstständigen Kantons. Aber die Urnerherrschast hat ihre Spuren, wie es scheint, unaustilgbar zurückgelassen. Lieder eines einjährig Freiwillige. Sin nnd Jetzt. Zu Zeiten der Cäsaren Die alten Römer waren Gar mannigfach bewehrt. Ein Scutum zum Bedecken, . Ein Pilum, um zu necken. Im Mittelalter hatten Die Ritter Eisenplatten Als Schirm und Leibeswehr; Sie kämpften und sie stießen Mit Schwerte und mit Spießen, Baumdick und centnerschwer. Die edelste Erscheinung Das ist nach meiner Meinung Der Krieger auf ein Jahr". Er dient Apoll und Ares, Trägt meistens eulares, Oft einen Zwicker" gar !" Amerikanischer Humor. Ein Vankee, der sich im Westen angesiedelt hatte, erzählte einem Engländer, daß er bei einer Gelegenheit 999 Tauben geschossen habe. Als sein Zuhörer meinte, er hätte ebensogut 1000 sagen können, erwiderte der Andere: Oh, nein, wegen einer einzelnen Taube werde ich keine Lüge sagen." Der Engländer wollte sich nicht ausstechen laffen und er zählte, eine lange Geschichte von einem Manne, der von Liverpool nach Boston . r je . r e- . rge,u,womuieli . yaoen iyn gesehen ?" fragte der Jankee. Naturlich ; als ich herüberkam, fuhr unser Schiff einige Meilen außerhalb des Hafens vor Boston an ihm vorüber." Nun, ich bin froh, daß Sie ihn sahen, Fremder," rief der Jankee, weil Sie ein Zeuge sind, daß ich es that, denn der Mann war ich!" Der Kinderdiebstahl bei den Vögeln. Die Eidergans liebt es, auf recht vielen Eiern zu sitzen, wie sie sich denn auch des Ausbrütens ihrer Kinder mit rührender Sorgfalt hingibt. Häufig geschieht es nun, daß die söge nannte Raubmöve, die sich immer in der Nähe befindet, einige Eier zerstört, indem sie dieselben zerhackt und verzehrt. Andere Eier werden ihr vielleicht durch Menschen geraubt. - In diesem Falle zögert die Eidergans nicht lange und annektirt einige aus dem Neste einer Nachbarin. Auch die sogenannte graue Gans, ein gleichfalls nordischer Vogel, trögt kein Bedenken, eines ähnlichen Diebstahls sich schuldig zu machen, we nigstens hat man in ihrem Neste, nebe ihren eigenen Eiern, auch Eier der Eidergans gesunden. Aus dem Leben. Lehrer: Kaum daß Ihr Sohn vierzehn Jahre alt ist, wollen Sie ihn schon aus der Schule nehmen? Ei, ei, das ist sehr früh. Mein Bildungsgang war erst in meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahre bandet. .Mutter (erstaunt): Js't möglich! ftsftr8 ri Qfrr ( fe m. I VH W?", U V4yufcV vuil Ot j griffen is mein Tetje doch uich l
Merander 1L von (einer Geliebten geschildert. .Memoiren der Fürsten Jurjeaskaa über Kaiser Alexander II." Das ist da Titel eines soeben erschienenen BucheL. Zu den pikantesten Verhältnissen du neueren Zeit gehört dasjenige, welcheZ Kaiser Alexander II. fünfzehn Iah lang mit der Fürstin Dolgoruki, sein späteren zweiten Gemahlin unterhalten hat. Es liegt offenbar daran, jenek Verhältniß in ihrem Sinne von dea Publikum beurtheilt zu sehen. Es kann in diesem Falle nicht Wunder nehmen, daß der verstorbene Kaiser als ein Muster eines Menschen und Regenten dargestellt wird, beseelt vom besten Willen, den er aus Mangel an geeigneten Persänlichkeiten nicht immer durchzusetzenvermochte. Einer solchen edlen Seele sehle eine andere gleichgesinnte Seele, deren grenzenlose Liebe der seinigen entsprach ; er fand sie in der Fürstin Dolgoroli, damals 15, gegenwärtig 3Z Jahre alt, welche ihm die zärtlichsteLiebe
einzustoßen vernano. as Buch strömt über von Beweisen der starken Liebe deS Kaisers zur Fürstin und bcrerl drei K:ndern, von denen der jüngste SohnGeorg das vollkommene Ebenbild des VaterS sein soll. Die Art ur.d das Glück deö Familienlebens wird in leuchtenden Farben geschildert, und bei der zuletzt eingenommenen Mahlzeit brach der Kaiser in die Worte aus : 33 suhle mich so selig, daß mein Glück mich erschreckt." Abgesehen von den reichen Geschenken und Kostbarkeiten, hat der Kaiser seiner Wittwe ein Vermögen von drei Millionen Rubel hinterlassen, und da die Zinsen davon als ungenügend sür ihren Lebensunterhalt erachtet worden sind, hat der regierende Kaiser ihr noch eine Jahresrente von 100,000 Rubel ausgesetzt. Höchst intereffant ist die Mittheilung, daß der verstorbene Kaiser ein Privatvcrmögen von 03 Millionen Rubel (der erste Fall in Rußland) erspart habe. Bei dem zärtlichen Verhältniß war es dann auch natürlich, daß die Fürstin Kenntniß vom Gange der Staatsgeschäste erhielt ; ihrerseits vermochte sie den Kaiser über die Bedürfnisse des Landes und NolkeS ,11 ,int?r. richten. Der Kaiser ließ sich von der Fürstin die Staatspapiere vorttsen und machte dann laut seine Bemerkungen dazu. Seine Briefe und andere Dokumente sollen vielleicht in Zukunft veröffentlicht werden. Bei dieser Einflußnahme der Fürpin aus die Staatsverwaltung gelang es ihr denn auch, Verbündete unter den Würdenträgern deS Staates zu finden. Unter diesen scheint Loriö Meliloff die erste Stelle einge nommen zu haben, deffen Höflichkeit und wiederholte Besuche von der Fürpin mit größtem Lobe bedacht werden. Eine Reihe Resormen seien beim Tode des Kaisers in Vorberathung gewesen, wle die Zutheilung von Land an dieBauern, Erleichterung ihrer Steuerlast, Reform deö lästigen Paßwesens, des Eisenbahnwesens, der Landschaften und Aushebung der außerordentlichen Grundsteuer in Polen. Die Maibowle. (Historisch.) AI! s! l, CTO: -t t 01 ciiiiui tutiviiiui i'iiwuysiuuiyi ill der Amtswohnung des kathollschenPfarrers zu Jpsilonshausen macht einer der Gäste, der, zufällig aufstehend, sich inS Nebenzimmer verfügt, die peinliche Ent dckung, daß der Maitrank, von welchem die Haushälterin eben die ersten Gläser im Speisezimmer aus's Büffet gesetzt hat, in einem höchst sonderbaren Gefäß an gerichtet ist. Das Gefäß war aus weißem Porzellan, etwa so breit als hoch, und mit einem großen Henkel versehen; es mußte doch wohl eine Bowle sein, aber es sah täuschend dem polarischen Gegensatz einer Bowle ähnlich, und erweckte in dem Beschauer das unbestimmte Gefühl, als sei es von seinemVerfertiger nicht dazu ausersehcn, trir.lbare Flüssig keit in sich aufzunehmen, genauere Besichtigung steigert dses Vorgefühl zur Gewißheit. Er trok daher nach einigen inneren Kämpfen zurück in'sZimü mer und sagte plötzlich: Aber Frau Zippel, was haben Sie denn da kür ein abscheuliches Töpfchen, in welchem Sie Ihren Maitran! anmachen ? Frau Zippel hebt eins der gefüllten Gläser gegen das Licht, wie um darzu thun, daß die Bowle durch das angeblich .abscheuliche" Töpfchcn durchaus nicht gelitten habe, und erwidert, als der Gast deutlicher wird, mit höchster Entrüstung: Das is gar kei abscheulich Töpfche, sondern e sehr hübsch und anständig Töpfche Ja," ruft der Gast, die Sache mag ja vielleicht auf Einbildung beruhn. aber ich bitte Sie, für Bowle! Wer kaust denn da dieses unglückselige Format....?Wir hawwe's ja gar nit gekauft !" ruft Frau Zippel. sich ereifernd. Geerbt hawwe mcr's von der Tante selig in Heidelberg." Angeführt. In einer Grenzstadt, wo das Gepäck der mit den Eisenbahnzügen ankommenden Reisenden revidirt wird, trat ein Qerr ui dem dienstthuenden Zollbcamten und schloß rasch seinen Koffer aus; ' der Beamte untersuchte alles im Koffer. cn.r:vr: x. . c . ... x. c v :
otuiuute uno oruaie uuu uu uic ur demselben befindlichenZtiefel, um zu er fahren, ob nichts Steuerbares darin' ( -ei. ! Der Herr, welcher den Eifer des Be-' amten bemerkte, sagte schnell : Rein, in diesen Stieseln ist nichts, aber in den andern. ! Wo sind die andern ? sorschte.der Je.' amte gespannt. ' : Hier! antwortete der Gefragte und. ob seineu Fuß in die Höhe. Militaria. Unterossizier (beim Einexerciren) : Himmelkreuzdonnerwettcr, derKerl marschirt gerade wie ein Floh in Filzlatschen ! ' ' Definition. Schorschche: Jäter, eut' wird e gro Symphonie. Cc.-.cert gegee! Was iZ denn eigen!!:.) e SyNphonie.Concert ? Vater: H Symphonie' Eonzert iZ c Concert, w w nit rauche dnf.
