Indiana Tribüne, Volume 4, Number 270, Indianapolis, Marion County, 11 June 1882 — Page 6

IasZe!taUtrd6KKtnzität.

' ' 7 vn AlZA tlntz. Große Erfindungen beherrschen eben, sowohl ihre Zeit, wie große Männer, und vie wir gewohnt sind, die-politischen Phasen der Völker auf das Innigste mit ihre Fuhrern m Verbmdung zubringen, - so können wir die bedeutsamsten Epochen in der Kulturentvicklung der Nationen nach solchenErsindungenbenennen, welche einschneidende Umwälzungen zur Folge hatten. DaS Schießpulver, die Buch" druckerkunst. die Dampfmaschine, der tleltrische Telegraph sind vier solcher großer Erfindungen, welche gewaltige Aenderungen im Leben der Völker herberührten. Das Schießpulver brachte die engenden Mauern zu Fall, welche die Städte umschlossen, die Buchdruckerkunst gab dem geistigen Leben die Mittel zur freien Entfaltung, die Dampfmaschine mehrte die Arbeitskraft und steigerte die Produktion, sie verringerte die Entfer uungen mit Hülfe der Schienenwege und der Telegraph verbindet die entlegensten Orte durch die Möglichkeit des äugen dlicklichen GedankenauZtsusches zwischen ihren Bewohnern. Die letzten Dezennien gehörten dem Dampse. Die Verwerthung und An Wendung der Dampfkraft auf allen nur denkbaren Gebieten der Industrie, der Gewerbe, der Landwirthschaft und selbst des Haushaltes nahm in einer derartig schnellen Weise zu, daß man fast zu glauden vermeinte, die Grenze ihrer Aus Nutzung sei erkennbar. Und so leben wir in dem Zeitalter des Dampfes. Die Gesammtpferdekrast aller Dampsmaschi nen und Lokomotiven, welche in der gan zen Welt im Gangestehen, wird auf acht zig Millionen geschätzt. Wenn jede Pferdekraft die Arbeit von zehnMännern verrichtet,, so schaffen die Dampsmaschi nen täglich die Arbeit von achlhundert Millionen Männern. Die Bevölkerung der Erde wird auf 1,455,923,000 Seelen geschätzt und die Anzahl der Männer Dom fünfzehnten bis zum fünfundsechzigsten Jahre aus ein Drittel der Gfc sammtbevölkerung, also in runder Zahl fünfhundert Millionen. Mithin verriet) len die Dampfmaschinen nahezu das dop ?elte Quantum von Arbeit, als sammt liche arbeitsfähige Männer der Erde, vorausgesetzt, daß dieselben ihre mecha nische Kraft mit größtem Fleiße ausnütz ten. Beziehen wir diese Verhältnisse je doch nur auf die Kulturvolker, indem wir jene Millionen aus der Rechnung fort lassen, welche an der produktiven Arbeit in unserem Sinne nicht theilnehmen, jene Völker, die ein vegetatives Leben führen, so ergiebt sich, daß auf die achthundert Millionen Dampfmänner ungefähr eben soviel den Kulturvölkern angehörende Seelen kommen und die Konkurrenz mit denselben ausnehmen müssen. Die Arbeit, welche der Dampf verrich tet, ist jedoch nicht ihm eigenthümlich, sondern wird ihm durch die Wärme ver liehen, welche durch die Verbrennung des Heizmaterials entsteht. Der Dampf und die Dampfmaschine sind nur das Mittel, die Wärme in Arbeit zu verwan dein und die letztere in die entsprechende Form der mechanischen Bewegung über zuführen, die für irgend einen Zweck ge - ni"i5ft Vrnrh - M4li VV. Die Erzeugung des Dampfes und seine Ausnutzung erfordert eine Anlage einerlei ob dieselbe feststehend oder transportabler Natur ist die von solider Konstruktion sein muß und nicht allzu kompendiös gestaltet sein darf, wenn der Nutzeffekt in vorteilhaftem Verhältnisse zu dem verbrauchten Feuerungsmaterial .stehen soll. Ebenfalls hat die Fortleitung der .durch die Dampfmaschinen er zeugten Arbeit ihre Grenzen, denn Treib riemen, Drahtseile und Wellenleitungen können nicht nach Belieben weit sortge führt werden, ohne daß schwerwiegende Arbeitsverluste eintreten, und deshalb giebt es mancherlei Fälle, in denen aus die Anwendung der Dampfkraft Verzicht geleistet werden muß. Aber diese Schranken fallen jetzt auch ; weder die Schwerfälligkeit der Dampf Maschine, noch die Schwierigkeit der Arieitsübertragung legen ihrer Verven dung zu Zwecken ein Hinderniß in den Weg, zu denen man sie bis jetzt verge dens dienstbar zu machen suchte, seitdem die Elektrizität sich ihr eng gesellte. . Wird einem geschlossenen Leitungs draht ein Magnet genähert, so entsteht in demselben ein elektrischer Strom. Wird die Näherung und Entfernung von einer Maschine besorgt, so erzeugt dieselbe elektrische Ströme. Wird andererseits ein elektrischer Strom um ein Stück weiches Eisen geleitet, so wird dasselbe so lange magne lisch und vermag ein anderes Stück Eisen anzuziehen, resp, festzuhalten, als der Strom dasselbe umfließt. Man kann daher mechanisch: Arbeit das AnnäHern des Magneten an den Leiter in Elektrizität umwandeln und diese verrich tet wieder Arbeit, wenn sie um ein Stück weiches Eisen geleitet, dieses magnetisch macht und somit zum Anziehen eines eisernen Hebels veranlaßt. Aus diesem Prinzipe beruht die Kon struktion der maznet-eleltrischen Ma schinen, deren vollkommenste die dynamo elektrische Maschine von Werner Sie mens ist, der im Jahre 18GG die Stahl magnete gänzlich beseitigte und zeigte, u?ie Arbeit direkt in elektrische Ströme umgewandelt werden kann. Es würde uns zu weit führen, auf die Konstruktion dieser Maschinen und die Schwierigkeiten einzugehen, deren schließ liche Ueberrcindung zwöls Jahre inten sirer Arbeit bedürfte, ehe eö gelang, den Apparat herzustellen, der berufen ist, Umwälzungen weitgehendster Natur zu bewirken; es genüge daher die Mittheilung der Thatsache, daß durch die dyna mo.elektrische Maschine die Möglichkeit gegeben ist, Arbeitskrast in jedem Be trage in elektrischen Strom umzuwan deln. Stellen wir uns eine Dampfmaschine vor, welche eine dynamo-elektrische Ma schine treibt, so haben wir auf der einen Seite die durch den Verbrennungsprozeß erzeugte Wärme, welche das Wasser in Dampf verwandelt, der den Kolben der Dampfmaschme hebt und eine Arbeit vollbringt. Als Zwischen-Glied be trachten wir die dynamo-elektrische Ma Wne, welche die Arbeit der Dampfma-

schinen in Elektrizität umsetzt und auf der anderen Seite haben wir den elektri schen Strom, den wir mittelst geeigneter Metalldrähte fortleiten können. Die Wärme wurde Arbeit und die Arbeit Elektrizität. Werden in die Leitungsdrähte zwei feste Kohlenstäbe eingeschaltet und ent sprechend genähert, so erglühen dieselben und erzeugen daS elektrische Licht, welches seit einigen Jahren den Kampf mit der Gasbeleuchtung aufnimmt und zur Be leuchtung großer Räume, als Signal feuer auf Leuchtthürmen, als Lichtquelle bei nächtlichen Bauarbeiten und zur Ne kognoszirung des Terrains im Kriege Anwendung findet. , Gelingt die Thei lung des elektrischen Stromes für prak tische Verhältnisse, so wird die allgemeine Einführung der elektrischen Glühlichter keine großen Schwierigkeiten haben, und die kleinen Lampen Edisons, in deren lustleeren Glaskugeln ein hufeisenförmig gekrümmtes Stäbchen von Bambuskohle glüht, werden der heißen, die Athmungs luft verderbenden Gasflamme die em psindlichste Konkurrenz bereiten. Die elektrischen Ströme, welche von einer Centralstation ausgehen, allwo ko lossale Dampfmaschinen 'die Arbeit liefern, welche von den dynamoelektrischen Maschinen in Elektrizität umgesetzt wird, erleuchten am Abend die Wohnräume, am Tage dagegen können sie anderweitige Verwendung finden. Wird nämlich ein elektrischer Strom in eine zweite dynamo-elektrische Ma schine geleitet, deren Konstruktion nur geringe zweckmäßige Abweichungen von der stromerzeugenden Maschine besitzt, so setzt dieselbe sich in Bewegung und ver wandelt die Elektrizität wieder in Arbeit. Der Strom, welcher die Lampen speist, kann daher zumJngangsetzen kleiner Ar beitsmaschinen benutzt werden. Er kann die Nähmaschinen und Webstühle treiben, wie dies aus der Berliner Gewerbeaus stellung der Fall war, die Wiege schau kein und zu allen den Vorrichtungen an gehalten werden, welche ingeniöse Erin der ihm ausbürden. Die intensive Hitze, welche zwischen zwei, im starken elektri schen Strome erglühenden Kohlenspitzen entsteht, wird bereits zum Schmelzen von

Platina, Gold und anderen Edelmetallen benutzt, und eine elektrische Küche im Klemen wurde auch schon ausgerüstet, um zu zeigen, daß man mit dem Feuer, das in einer Entfernung von einem Ki lometer unter einem Dampfkessel brennt, sehr wohl wenn auch kostspielig Speisen bereiten kann, sobald die in Elektrizität umgewandelte Wärme vermittelst metallner Drähte an den Ort ihrer Bestimmung geleitet wird. Von der größten Bedeutung wird jedoch vorläusig die Uebertragung der Ar beit aus elektrischem Wege sein. Schon aus der Berliner GewerbeAusstellung erregte die elektrische Eisenbahn von Siemens und Halske die erste in der Welt ungeheures Aussehen, das sich auf der elektrischen Ausstellung zu Paris nur noch steigerte. Mittlerweile wurde die elektrische Bahn bei Lichterselde dem Verkehr übergeben, während auch die Linie Charlottenburg'Spandauer Berg bei Berlin vor wenigen Wochen eröffnet worden ist. Eine feststehende Dampfmaschine er zeugt Mithilfe eines dynamo-elektrischen Stromgebers die erforderliche Elektrizität, welche frühe? durch die Schienen in den Wagen, nunmehr aber durch eine neben der Bahn laufende Hochieitung, die durch eine eigenthümliche Kontraktrolle mit dem Wagen kommunizirt, zu der Arbeitsmaschine geleitet wird. Es gewährt einen gar überraschenden, stets wieder seltsam berührenden Anblick, wenn der personenbesetzte Wagen scheinbar ganz aus sreien Stücken seinen Weg zu rücklegt. Weder Pferd noch Schornstein, noch sonst eins der gewohnten Kennzeichen treibenderKräfte ist sichtbar, und der dünne Leitungsdraht sieht zu winzig aus, als daß in ihm der Uebermittler der Be wegung gesucht wenden könnte. Was auf der Erde leicht ausführbar ist, läßt sich auch unter der Oberfläche in den Bergwerken anwenden, und gerade hier steht dem Förderungswerke durch die An Wendung elektrischer Motoren eine be deutende Zukunft bevor. In die entferntesten Winkel der Stollen können die Drähte rn.it Leichtigkeit geführt werden, sei es, um Pumpen zu treiben, Ventilatoren zu drehen, Bohrapparate zu bewe gen oder Karren zu schieben. Das ge förderte Erz fällt auch ferner der Elek trizität anheim. Die Erzscheidemaschine von Siemens und Halske sondert mittelst einer Anzahl krästiger ringsörmigerElektromagnete die zerkleinerten Eisenerze aus dem tauben Gestein, und aus eleltro lyrischem Wege können die Metalle von einander, sei es aus ihren Lösungen oder in feuerflüssigem Zustande getrennt wer den. In der Landwirthschast wird der schwerfällige Dampfpflug d?m bequemeren elektrischen Pfluge weichen und in ähnlicher Weise, wie die Wagen einer elektrischen Bahn. von einer stationären Dampfmaschine auf weite Entfernungen die vorwärtstreibende Kraft durch elektri sche Uebertragung erhalten, ist man bedacht, Flußund Kanalschisfe fortzubewe gen. Die. menschlichen und thierischen Zugkräfte, die kaum zur Hälfte ausge nutzt werden, machen alsdann den dyna-mo-elektrischen Maschinen Platz, wo es sich darum handelt, in den Gewässern ohne Gesälle Fahrzeuge vorwärts zu bringen. So wird die in Elektrizität umgewan delte Arbeit aus den verschiedensten Ge bieten zum Theil schon verwendet, zum Theil steht ihr ein weites Gebiet offen, und nicht lange wird es dauern, daß auch sie dem Kulturleben eine eigenartige Signatur aufdrückt. Wir stehen jetzt am Anfang des Zeitalters der Elektrizität. Vor unseren Augen vollziehen sich die Umwandlungen, wir sehen, wie sie bald hier, bald dort in die Verhältnisse ein greift und sich von Tag zu Tage neues Terrain erobert, wie vor ihr die Dampf Maschine. Bis jetzt bildet das Heizmaterial die Kohle, die Hauptquelle der zur Arbeits leistung benutzten Elektrizität, aber wir haben andere Quellen, die herangezogen werden müssen, um die im Schooße der Erde aufgestapelten Kohlenvorräthe zu schonen. Der Wind und die Wasser sälle. Ebb: und Fluth und die lebendige Kraft dc Soznenstiahlen lassen sich in

Arbeit und Elektrizität überführen, und da diese wiederum, je ' nach Bedarf, . in Wärme, Licht und Arbeit umgesetzt wer den kann, gehen wir einer Ausnutzung der Naturkräfte entgegen, die nur mög lich ist im Zeitalter der Elektrizität.

Lygienische Ariefe. (von einem praktischen Lrzte.) Die Praxis entbehrt noch in mannig sacher Hinsicht derjenigen Mittel, mit deren Hilse es möglich ist, die Werthver Minderung eines Nährmittels mit abso luter Sicherheit durch das Experiment zu bestätigen. Die chemische Analyse ist noch in keiner Weise binreichend aus gearbeitet, um alle hier einschlagenden Fragen endgiltig zu beantworten. Fast aus keinem Gebiete der Chemie ist das Feld noch so wenig bebaut, wie auf dem jenigen der Nahrungsmittelprüfungen, und noch fehlt es an einheitlichen, sicheren Erkennungsmethoden und Bestim mungsweisen vieler der wichtigsten Be standtheile einzelner Nährstoffe, und in noch viel höherem Grade gehen die end giltigen sachverständigen Gutachten über ausgeführte Untersuchungen aus einan der ! Trotzdem gab es und gibt es söge nannte Hygieniker, welche mit seltener Naivetät das große Bedürfniß nach chemischen Untersuchungsämtern im Reichstage und Presse geltend machen und die Laien mit ihrem bestehenden Ueberzeugungsmnth wie die Behörden irreleiten.Trotzdem gebahren sich Solche, welche vielleicht irgend einmal auf dem Gebiete der Technik einen glücklichen Griff gethan, von dem Wesen der Nah rungsmittelUntersuchungen aber kaum einen richtigen Begriff haben, vielfach als Anwälte der Wissenschaft über Fra gen, deren Beantwortung völlig außer dem Bereiche ihrer wissenschaftlichen Be fähigung liegt. Trotzdem wagen es Viele über die Gesundheitsgefährlichkeit gewisser Nahrungsmittel-Fabrikate Das nachzusprechen, was irgend ein von fal schem Ehrgeitz Geplagter auf Grund ganz unrichtiger Versuchsanstellung der Wissenschaft und dem leichtgläubigen Publikum als richtige Entdeckung an gepriesen. Welcher Art die Konsequenzen sie ge stalten können, die sich aus solchem Ge bahren sensationslustiger Ausdringlinge und ihrer Nachbeter ergeben, wird fol gendes schwerwiegende Beispiel darthun: Es ist eine bekannte traurige Thatsache, daß unser deutscher Weinbau im Rück gang begriffen ist. Der seltene Eintritt wirklich guter Jahrgänge vermindert die Darstellung guter, trinkbarer und preis würdiger Weine in dem Grade, als sich die Praxis der Mittel, diesen äußeren Zufälligkeiten gewachsen zu bleiben,selbst beraubt. Durch die Einführung des Stärkezuckers zur Verbesserung des Mo stes geringer Jahrgänge bereitete Gall vor 30 Jahren dem deutschen Volke ein doppelt wichtiges Geschenk. Denn durch seine Arbeiten und deren praktische Durchführung erlangte der Weinbau und der und der Ackerbau gleichzeitig einen bedeutungsvollen Vorschub, und Frankreich war es, welches bis auf den heutigen Tag diese Erfindung Galls ausnützte, um seiner Weinprodnktion den Vortheil zu gewähren, sich von dem Wechsel der Jahrgänge unabhängig zu erhalten. Was thut Deutschland ? Auf Grund mehrerer sogenannter wissenschastlicher Untersuchungen, deren Re sultat sich aber in neuester Zeit mehrfach als falsch und werthlos sür die Praxis ergeben haben, verdächtigten viel Wein Produzenten ihre eigenen, früher von ss gutem Erfolge gekrönten Manipulatio nen, zwangen die kleinen Weinbergbesitzer an Mosel, Nahe und Rhein zur Verschleuderung ihres geringwerthigen Mostes an die Groß-Weinindustriellen, uud viele derselben um von sich den Ver dacht der sogenannten Weinsälschung, wie sie die Gall'sche Erfindung jetzt nen nen, abzuwenden, schreien am lautesten über ein wissentschastlich und praktisch bewährtes Versahren, das sie vielleicht in der Stille mit um so größerer Sicherheit betreiben. Wer hätte nicht schon von dem Gallisiren des Weines als -einer gesetzwidrigen Handlung gelesen? Wem sind nicht die Beschuldigten des Stärke zuckers als eines gesundheitsschädlichen Produktes der StärkezuckerFabriken in der Tagespresse bekannt geworden? Wer hat nicht von den Prozessen und ihren unglücklichen Ausgängen gelesen, welche alle diejenigen traf, die sich des Stärke zuckers zur Wein oder Mostverbesierung bedienten ? Und alles DaS aus Grund von ganz oberflächlichen Untersuchungen lder aus erlangten Resultaten und auf Grund deS maßlosen Geschreies schlauer Geschäftsleute und ihrer mehr oder weni ger interessirten Heiser. Jedem Rechtlichdenkenden besällt ein Gefühl der Scham und des gerechtfertig ten Unwillens, wenn er sieht und hört, wie die größten Wohlthaten eines Deut schen von seinen eigenen Landsleuten mißachtet werden, während sie denFran zosen als goldene Trauben in den Schooß fallen! Scham und Unwillen muß Jeder empsinden, der da sieht, wie, von größtem Egoismus geleitet, sich Vertreter dieser Richtung mit der Ver folgung ihrer Spezialinteresien bis in die Kreise der höchsten Gesetzgeber wagen, während an Mosel, Nahe und Rhein der unglückliche Winzer solcher Habsucht, solch absichtlich falscher Spiele, mit den Errungenschaften des deutschen Fleißes, mit gebundenen Händen gegenübersteht! Die höchste Zeit ist es, sollDeutschland's Weinbau der französischen Konkurrenz nicht völlig zum Opfer fallen, soll die Weinproduktian nicht von der Kunst wein'Jndustrie überflügelt werden, daß die um die Gunst der Gesetzgebung Buhlenden endlich entlarvt werden und daß dem Gallisiren des Wei nes und dem hierzu mit Vortheil verwerthbaren . Stärkezucker, durch besten Zusatz zum Weine letzterer vollmundiger, bouquetreicher und kräftiger wird und ohne irgend welche gesundheitsstörende Eigenschaften zu erlangen, und somit der Gallschen Entdcrkung selbst das alte, volle Recht wieder zuerkannt werde. Die höchste Zeit ist es, daß dieTagespresse mit wohl verstandenem Interesse seine Hülfe dem fleißigen, aber armen Winzer im Westen Deutschland's in vollem, wohlverdientem

Maße zu Theil werden lasse. Nachdem die neuesten, physiologischen Studien gediegener Forscher die vollständige Unschädlichkeit des Stärkezuckers und seine Bestandtheile dargethan und dadurch alle Verdächtigungen gegen dieses richti ge Produkt unserer Landwirthschast ge genstandlos gemacht haben, möge auch die Gesetzgebung und Presse in richtiger Erkenntniß der Thatsachen alle jene Maßnahmen außer Wirkung setzen, welche der Gall'schen Weinveredlung bis zu diesen Tage so schwere Opfer aufer legt. Für die Leser dieser Briefe soll aber die im Vorhergehenden geschilderte An gelegenheit den Beweis liesern, auf wie schwachen Füßen die Gesetzgebung steht, sobald sie sich zu viel auf die Resultate einer nur unvollständig ausgebauten Wissenschaft, wie die Chemie es noch ist, allein zu stützen sucht. Das Vorstehen de soll dazu beitragen, zu beweisen, wie schwierig es in den meisten Fällen ist, die Verfälschung eines Nahrungsmittels zu konstatiren. Denn so wie der Beweis sür eine stattgefunden? Werthverminderung auf Grund angestellter Untersu chungen in vielen Beziehungen gar nicht zu sühren ist, so schwer ist es, Belege für denVerdacht einer absichtlichenTäuschung in allen Fällen zu finden; an diesem Steine scheitert vielfach das Fahrzeug der Gesetzgebung gegen die Nahrungs mittelfälschung überhaupt. Wie aber, so wird man fragen, soll sich der Konsument gegenüber solcher Thatsachen stellen? Antwort: Er kause stets nach dem Werthe, nicht nach dem Preise! Er frage nicht sowohl: Was kostet dieses oder jenes ? sondern vielmehr, was ist Dieses oder jenes werth ?" Das konsumirende Publikum stehe davon ab, bei'm Einkaus von Nah rungsmittel oder Gebrauchsgegenstän den aller Art für die Billigkeit im Preise über die Qualität zu stellen ; er verlange für sein Geld nicht mehr, als ihm billi ger Weise und ohne den Weg der Täu schung zu betreten, von dem Verkäufer geboten werden kann. In dem Bestre ben, billig zu kaufen, liegt der Grund, daß viele Verkäufer um der Konkurrenz gewachsen zu bleiben, zu unerlaubten Mitteln greisen um das Verlangte billig zu liefern. Werden dann die Händler durch die Behörden in der Weise unterstützt,, daß bei Beurtheilung der Qualität eines Streitobjektes dessen Werth und nicht dessen Preis in den Vordergrund gestellt wird, so sieht sich das Publikum gezwungen, diePreisfrage unter die Werth frage zu stellen. Hat z. B. ein Kaufmann Zimmerpulver zur Hälfte mit ei nem ungefährlichen Rindenmeh! gemischt, um das Gemisch zur Hälfte des Preises von Zimmelpulver verkaufen zu können, so darf er nicht wegen Verfälschung des Objektes in Strafe fallen; denn er hat das Letztere zu seinem richtigen Preis verkauft. Sache des Käufers war es, sich vor dem Ankaufe des Zimmerpul vers über dessen wahrenWerth zu unterrichten. Durch solche Auffassung der Verhältnisse schwinden die zahlreichen Fesseln, welche man dem Verkehre in wohlgemeinter,aber völlig mißverstände ner Rücksicht gegen den denkträgen und urtheilsarmen Theil der Bevölkerung zur Zeit schlägt. Durch Schaden wird man klug ! und nur durch Schaden, aber nicht durch Gesetzparagraphen und Kontrolmaßregeln aller Art witzigt man dasPublikum in seiner großen Gesammtheit. So wenig Jemand das Recht hat, sich zu beklagen, wenn er ein Grundstück zu theuer kaufte und bezahlte, und so wenig der Verkäuser des Letzteren des halb, weil er, ohne betrügerisch vorzu gehen, ein gutes Geschäft gemacht hat, gesetzlich belangt erden kann, so wenig kommt Jemand das Recht zu, sich über die geringe Qualität von Mehl, Milch, Bier, Wein und Brod zu beschweren, wenn er diese Stosse nicht über ihren wahren Werth bezahlt hat, vorausgesetzt, daß die genannten Nährmittel keine gesundheitsschädlichen Beimischungen enthalten. Es ist ein ganz verfehltes Bemühen so viele? Behörden, das Publikum allseitig durch Marktkontrole vor Betrug schützen zu wollen und dadurch eine Art Vormundschaft über dasselbe auszuüben. Lasse sich jeder Käufer die Butter, das Brod, das Fleisch und die Milch vor wiegen, resp, vormessn und bezahle da für einen entsprechenden Preis, so wird er vor Betrug vielfach gesichert bleiben, und die Behörde nur dann einzuschreiten Veranlassung finden, wenn berechtigte Klagen wegen Betruges vorliegen. Billig und gut ist selten zu kaufen. Schutzgesetze für den Verkehr mit Kon sumtibilien sind Quarantänevorschriften vergleichbar; sie erscheinen so lange von Werth, als sie nicht gehandhabt werden. Gebraucht man sie, dann erweisen sie sich vielfach als Siebe.

Während noch zur Zeit der aufgehenden Sonne des Roi Soleil Frankreich seinen Luxus von England importirte, sah es noch ein paar Jahr Hunderte früher mit dem altenalischen Luxus sehr bescheiden aus. Im Jahre 1234 schlief König Heinrich III. zum ersten Male auf einem Strohsack, statt dessen bis dabin bloße Bretter, mit Decken belegt, gedient hatten. Als be sonders vornehm galten in London um 1240 Häuser, die mit Ziegeln bedeckt waren; die große Mehrzahl der Gebäude hatte nur Strohdächer. Noch um das Jahr 1300 kannten die Bewoh ner der Hauptstadt keine Kamine, son dern wärmten sich an Gluthpfannen. Wein wurde, gleich der Medizin, in den Apotheken gekauft, natürlich auch zu Apothekerpreisen. Vornehme Kavaliere machten ihre Reisen zu ' Pferde, ihre Dame, wenn solche in ihrer Begleitung war, hinter sich auf dem Sattel ; zwei rädrige Wagen galten als außerordent licher Luxus. Die ersten Windmühlen bis dahin hatte man sich der Hand mühlen bedient wurden 1299 erbaut, um dieselbe Zeit uch die ersten ordent lichen Brücken. An die Stelle der Holz stifte, welche die Damen so lange bei ihrer Toilette gebraucht, traten 1343 die ersten Stecknadeln; die ersten seidenen Strümpfe trug 1661 die Königin Elisabeth. Ein wie .verweichlichtes Zeitalter ist dagegen das unsere !

Die Z?ett-ZeicZensprac!Ze. . Sin Schwank uk Obotritenlanb.

Zur Zeit, als über die schwerinischen Lande noch Friedrich Franz 1. regierte, jener joviale, volksthümlich: Fürst, von dem noch heute eine Menge liebenswür diger Charakterzüge, lustiger Anekdo-ten, drolligen Geschichten und komischer Schwanke im .Volksmunde leben und umgehen zu jener Zeit trat einst in Ro stock ein hochgelehrter Professor aus Bo logna auf, dessen ganzes Dichten und Trachten daraus hinauslief, eine Zei chensprache zu erfinden, die das oft genug und neuerdings wieder von Wien aus angeregte Problem einer Weltsprache" auf mimisch'plastischem Wege lösen, d. h. alle Nationen der Erde wenigstens in st u m m e s Einvernehmen mit ein ander setzen sollte. Um für dieses gedachte, aber immer hin etwas seltsame Unternehmen Propa ganda zu machen, bereiste der Italiener die Universitäten Europa's und war bei dieser Rundtour, wie gesagt, auch nach der einzigen Hochschule des Obotritenlandes gelangt.' Die Rostocker Proses soren wußten indeß nicht recht, was sie mit dem Manne anfangen sollten. Für einen Faselhans gewöhnlichsten Schla ges war er ihnen denn doch zu gelehrt; seine Idee einer weltverbindenden Zei chensprache aber ernst zu nehmen wer mochte eö den Herren verargen, wenn sie dazu eben auch keine allzugroße Neigung verspürten. Inzwischen hatte auch der Herzog von der Ankunft dieses pantomimisch - lin guistischen Sonderlings gehört, und da jener, wie alle humoristisch veranlagten Charaktere, für seltsame Ausschwigung des menschlichen Hirns ein liebevolles Empsinden hatte, so lud er den Bolog neser Professor an seinen Hof. Nach mannigsachen Unterredungen mit dem Gelehrten über dessen Spezial Materie kam denn derFürst ziemlich bald zu der Ueberzeuguug, daß er in dem Mann trotz dessen Schulweisheit einen completen Narren vor sich habe; einen Narren überdies, dessen maßloser Ei gendünkel eine kleine Züchtigung wohl verdiene. Solches Objekt zu einem guten Witz ungenutzt sich entgehen zu lassen, lag aber nicht im Mindesten in der Natur Sr. Hoheit! Aus einem der Dominien des Fürsten nun, allwo der joviale Herr des öfteren dem Jagdvergnügen nachging und dem Reitsport huldigte, wohnte ein Huf schmied, der zwar einäugig, sonst aber ein durchtriebener dreidrähtig durchge nähter und in der Wolle gefärbter" Gc sell war, und der an natürlicher Scklau heit und Mutterwitz dem wohlbekannten Schäfer des Abtes von St. Gallen, Herrn Hans Bendix, kaum irgendwie nachstand. Dieser wackere Schmiedemeister wurde von dem Fürsten dazu ausersehen, eine hervorragende Rolle in der Komödie zu spielen, die Friedrich Franz mit dem hochgelehrten Erfinder der weltverbin denden Zeichensprache aufzuführen gedachte. Der einäugige Jünger Vulkans wurde also demgemäß für einen bestimm ten Tag nach Ludwigslust entboten. Am Vorabend dieses Tages äußerte der Großherzog gesprächsweise zu dem Bologneser: Ew. Hochgelehrtheit kann ich eine frohe Botschaft verkünden ! Es hat sich da in meinem Lande in einem entfernten Städtchen ein GymnasialProfessor Theologe von Natur gefunden, der merkwürdiger Weise ganz die selbe Idee verfolgt, wie Ew.Gelehrtheit. Angesichts des Interesses, welches Sie jedenfalls sür diesen Collegen und sein Unternehmen hegen werden, habe ich denselben bereits zu einem Colloquium entbieten lassen." Natürlich brannte der Professor vor Begier, sich mit dieser gleichgestimmten Seele in Verkehr zu setzen, und konnte kaum den anderen Morgen erwarten, an welchem die Zeichenconversation statt haben sollte. Der Hufschmied traf denn auch glück lich zur rechten Zeit ein, wurde feierlichst mit Robe und Barett bekleidet, in kurzen Worten, soweit dies nöthig, über die Situation aufgeklärt und alsdann dem Bologneser Pseudo-Collegen gegenüber gestellt. Feierlich tritt der Herr Professor aus seinen Amtsbruder vom Ambos einen Schritt zu und erhebt einen Finger. Sosort streckte der falscheProfessor als Antwort deren zwei in der Luft. ' Nun mehr reckt der Italiener mit vielsagender Miene drei Finger in die Höhe. Den Schmied aber scheint dies zu verdrießen; denn böse runzelt er die Stirn nnd hält dem Italiener die geballte Faust in beängstigend geringer Entfernung vor die Nafe. Mit außerordentlicher Genugthuung aber scheint der Gelehrte diese Bewegung wahrzunehmen; er zieht als Erwiderung eine Orange aus der Tasche, die er sei nem vermeintlichen Collegen lächelnd entgegenhält. Dieser aber schüttelt verächtlich den Kopf, sucht ein Weilchen in seinem Rock herum und bringt schließlich einStückchen derbes,grobes Schwarzbrod zum Vorschein, ein Ueberbleibsel von sei ner Wegzehrung, das er dem Italiener mit überlegener Miene zeigte und dann wieder zu sich steckt. Bei dieser Geste leuchten des Proses sors Augen förmlich vor Freude; er macht dem Pseudo-Collegen eine zustimmende Verbeugung, und wendet sich als dann in äußerst selbstzufriedener Haltung dem Fürsten zu, der mit ihm schleunigst den Saal verläßt, in welchem diese stummberedte Comödie sich abgespielt hatte. Nwt, Ew. Hochgelehrtheit, wie weit sind Sie mit Ihrem Amtsbruder gekom men?" fragte begierig der Großherzog. Oh, Altezza, wenn ich von mir selbst absehe, so ist das die bedeutendste Au torität auf dem zeichensprachlichen Ge biet, die mir je vorgekommen! Ein ge nialer Mann, der, wenn er Gelegenheit hätte, sich unter meiner Leitung noch et was mehr zu vervollkommnen, als der bevorzugteste Apostel meiner Lehre gel ttn könnte. Jammerschade nur ist's, das er kein Italienisch versteht und ich kein Deutsch, um uns in Betreff unserer meiner Idee der weltverbindenden Zeichensprache noch eingehender zu verstand!

gen. So viel aber steht fest, daß wir uns schon bei dem jetzigen Stande der Angelegenheit durch die Vermittelung von Zeichen und Blick stundenlang auf'S Geistreichste. zu unterhalten vermöchten! Und was war der Gegenstand Ihrer' stummen Unterredung?" sagte der Fürst, über dessen Antlitz schon bedeuten deS Wetterleuchten der Heiterkeit zu zucken begann. ! .Oh, ich zeigte ihm dem Theolo gen zuerst einen Finger, der die Ein heit des höchsten Wesens darstellte. Er hebt sodann zwei Finger auf, zum Be weist der Existenz dts Vaters und des Sohnes. Ich diete ihm darauf drei Finger dar, um die Dreifaltigkeit zu be zeugen. Er fährt in der Discussion fort, indem er mir durch die geschlossene Faust die Erhärtung giebt, daß in der Dreifaltigkeit dennoch nur die Einheit zu suchen sei. Ich bringe alZdann die Orange zum Vorschein als Symbol, daß die Allmacht nicht nur die nothwendige tägliche Nahrung gewährt, sondern auch darüber hinaus die Annehmlichkeiten, die Äißigkeiten des Lebens ; und nun, ' geben Sie Acht, Hoheit, nun weis't mir der wirklich geniale Mann ein Stücklein trockenes Brot vor das Symbol für den Ausspruch: Einfachheit ist das Grundprinzip des Lebens in ihr beruht ein höherer Werth, als in Prunk

und Uepplgkett!" Hier war .wohl Friedrich Franz nicht mehr imstande, seine Lachlust im Zügel zu halten. Er verabschiedete also, in stummer Ergriffenheit, das Lumen der Wissenschaft, und ließ sich, nach glücklich wieder beruhigtem Zwerchfell, den Schmied citiren. Dieser befand sich übrigens keinesmeas in rosigster Laune, sondern polterte.: seinem Missing'schen Dialekt ziemlich . grobkörnig aus den Großherzog los. j I, dit was io'n nüdlichen Persesser, ! C f . i yw- i oen onmlye yoyeil ncy oa von Pul lonja haben kommen laten! Ee'n jan zen utjemass'nen Flegel war dit ! Jrst kiekt he mi so recht dmatsch in de Fischo namie und wiest mi denn eenen Finger, womit hei doch blot uf mien' Eenögig keit anspülen dhaun dhat. Ick wies em natürlich min twee Finger, um den Ahl fanz so bedüden, dat ick mit mien een Oog mihr siech, als hei mit sien twee groten dömlichen Jlupscher! Aewerst de Kerl hat doch noch die Frechheit und hebt nochmal drei Finger up, as wull hei seggen : tsch! wie beid harrn tohoop noch man dree Oogen ! Son'n Ekel ! Na, binah leep mi des Luus öwer de Läwer, owerst ut Respekt sör Könikliche Hoheit höll ick an mi un wies em blot de Fuust ! Wat dhaut vor de Kierl? ! Bringt sonn ollen dwatschen gölen ! Eppelsineneppel ut de Tasch, as de ; Koopmanns ant Finster stehn hebb'n un wur't Stück veer Schilling von kosten ' deiht! Dormit wull de Döslopp doch, nu blot seggen : Sowat bugt Ji hier j in Meöelbörg doch nich, dortan is der! Bod'n hier tau Power!" Na't was' man gaud, dat ick von mien Frühstück her noch'n Stückschen good möckelbörgsch Roggbrod ün Sack hett; dunn kunn ick den Kierl doch gliek bewiesen, dat ick up sinen Eppelsineneppel wat hausten dhau! Aber warrastign Jott ! ick harr em vö'r Arger den Knust Brod in si'ne ohle gäle Fisasch smäten, wenn Könikliche Hoheit ihn nich tau rechter Tid ruttreckt hatten!" Der patriotische Grobschmied wurde mit guter Gage für seine tresfliche Lei stung entlassen, und andern Tages auch der gelehrte Bologneser letzterer nicht ohne die huldvolle Versicherung, daß die Idee einer weltverbindenden Zeichenspräche" des Schweißes der Edlen sicher werth sei. Ein Kro kodil in der Theiß. Dem ELenör" berichtet man aus Szolnok, daß aus der dort befindlichen Menageric ein ziemlich großes Krokodil entkommen sei und znm Entsetzen der Szolnoker, die vorläusig alle Gedanken auf Flußbäder aufgeben müssen, in derTheiß seinenAufenthalt genommen habe.. . Ge wiß sehr interessant, aber nicht mehr ganz neu, vielmehr mit anderen Orts ud Flußnamen als Saison-Anekdote schon oft erzählt worden. Aus der Schule. In einer Frankfurter Schule forderte dieser Tage der Lehrer einen Schüler aus, ihm Wör ter zu nennen, welche mit Miß" begin nen. Ohne viel Besinnen erwiderte der Aufgerufene : Miß Wanda. Einige altdeutscheRäthsel und Scherzfragen: Welches ist der stärkste Buchstabe? Das O, es hält Pserde.und Ochsen an." Warum ruft der Nachtwächter: Hört Ihr Herren und laßt Euch sagen ? Die Antwort ist etwas altdeutsch unhöflich und lautet : Weil die Frauen sich ja doch Nichts sagen lassen !" Ein anderes lautet : Es steht was im Holz und red't immer und kein Mensch giebt ihm Antwort, j Was ist's V Der gottlose Bauernw'S meint damit den Prediger aus der Ka'l zel. Schließlich noch ein Räthsel in Versen : Es ging ein Mädchen über'n Rhein, Es holte seiner Jungfer Wein, Es hatte weder Glas noch Faß Sag', worin trug es das ? Antwort : In den Trauben ! Aus den Neuen Flie genden." Was? Scheiden wollt Ihr Euch lassen? Habt Ihr denn ganz vergessen, daß in der heiligen Schrift geschrieben steht : Mann und Weib sol len Eins sein?" Hochwürden, wann Se öster bei uns vorbeiganqa war'n, hätten's g'moant, mir san uns'rer zwan zig !" Logisch. In einer schönenStadt am Rhein sühlte sich ein Einwohner, der aber zu dem alten Stamm der immer mehr verschwindenden Bürger- gehörte, durch eine Maßregel der Gemeindebchörde beschwert und eilte aus's RathHaus, um sich bei dem Oberbürgermeister zu beklagen, zugleich aus seine Eigenschast als Bürger' pochend. Der Herr Obcrbürgermeister bemerkte dem Beschwerde führer jedoch, daß es in der heutigen Gemeinde keine Bürger", sondern nur Einwohner gebe Dann replicirte treuherzig der also Abgefertigte, gebührt Ihnen auch nicht der Titel Oberb ü r germeister, sondern Sie sind einsach Ober einvohner meister."

Der Jobs von Veddehanse.

(Pfälzisch.) Ihr wißt's ich hob d'r Geld wie Hei. Un schwärm' for's Brobbeknalle, . Un bin e forscher Kerl d'rbei, Un loss' mer Nix gesalle ! Sucht eich e Dimmere, den ihr fobbt. Ihr Knöbb, un loßt mich auße! Sunscht werd eich uff die Pot geklobbt Vom Jobs vun Beddehause. ! Kummt neilich so e Stadtgesicht, DU blechern Bix am Nieme, Un datscht mich an, der freche Wicht, Als däht' sich so waö zieme. Un fragt ich denk, der Deiwelsoll Den Mickesänger lause Er frägt un grins't dabei wie doll: Js das dort Beddehause? Nu kennt d'r doch die dimmschti Kuh Das Nescht uf dausend Elle. Ich denk : Du Lass ! Du Schlissel du ! Meenscht du de Jzbs ze prelle ? Nee, Berschche! Nee'! Do droll dich heim Un mach deim Parrer Flause ! Ich geh so leicht nit us de Leim, Ich, Jobs vun Beddehause. Fort !" haww' ich korz en angeschnarr Mit Zorn un Aagerolle. Das heeßt mer Geischtcsgegenwart ! Ihr hudd's no5sehe solle! Verblifft un krumplig stand er do, Als hädd' er Ohrebrause. No ja, ich sag's, ihr kennt mich doch De Jobs vun Beddehause. Ich bin un bleib e sorscher Kerl, Un raach mein flodde Knaschter. Ich bin un bleib vum Dorf die Perl, Erscht nooch mir kummt der Paschter, Un wer mit mir sich uhe will. Der bleib d'r lieber drauße ! Ich butz den Luder sunscht die Brill, Ich, Jobs vun Beddehause. Im Aquarium. Wilhelm: Seh' mal, Aujust, den jroßen Karpen dahinten, der schwimmt so langsam und sieht jarnich verjniegt aus! August: Fehlen duhen duht ihm nischt, det seh ick. Er wird wohl heite morgen mit die linke Flosse zuerst ufge standen sind,, un nu is er bei schlechte Laune. Mächtiger als der Teufel. Denke Dir nur," sagt eines Tages Veit zu seinem Nachbar, bin ich heute auf dem Felde und pflüge ; da kriegt mein Ochse wieder mal den Rappel und ist nicht von der Stelle zu bringen. I, sag' ich, Luder da soll dich doch gleich der Teufel holen ! Aber der Teufel hat :fc :jc.i -. f i f , : c Mlul geyoll. zcaum tun lll) wleoer .zu Hause, da kommt der Gerichtsvollzie her, der holt meinen Ochsen, und ich hatte den Mann noch g".? nicht mal ge rufen " Kasperbauer und der Obera m t ma n n. .Was hat er da gesät, KaZperbauer?" Bohnen, Herr Obcramtma' Ja, kommen denn auf diesem Boden die Bohnen ?" Wenn se kommet, Herr Oberamtma', so kommet se net, aber wenn se net kommet, so kommet se!" Ist Er närrisch, Kasperbauer ?" Noi, Herr, dees net, aber dees Ding is so: Wenn se kommet, dees hoißt d' Taube, so kommet se net, dees hoißt d' Bohne, aber wenn se, dees hoißt d' Taube, net kommet, so kommet se) dees hoißt d Bohne!" Optisches Experiment. Lehrer : Ja, mein Kind, durch ein Mikroskop wird daZ kleinste Thier chen ost 000mal vcrgröfrt sieh' ein mal diese Käsmilbe an!" Kind : Ah, die ist groß, wie muß da erst ein Elephant groß ausschauen, wenn man den durch ein solches Mikro skop anschaut!" Scharfsinnig motidirt. Lieutenant: Kanonier Bombe-, veö bald haben Sie den Posten verlassen ? Wissen Sie nicht, daß Festungsstrafe darauf steht ? , Kanonier: Herr Lieutenant, als ich neben dem großen Kanonenrohr Posten stand, hab' ich gedacht : Einer kriegt es nicht fort, zwei oder drei auch nicht, und wenn mehr kommen, kann ich sie mit meinem kurzen Säbel auch nicht abhal ten : also hab' ich das Äohr allein liegen lassen. Linguistisches. Karlchcn : Papa, was heißt denn Ovation. Papa (Oberlehrer) : Karl, denke an deine Vokabeln ! . Karlchen (nach einiaem Besinnen) : Ich weiß, Papa, von ovurn, ovi daS Ei ; Ovation heißt Eierkuchen. Der geduldige Rhein. Erster Handwerksburfch (erzählend) : Ich habe den Rhein von Köln ab 'runter gemacht. Zweiter Handwcrk-b::rsch : Hat er sich das gefallen lassen? Verfehlte: Beruf. Corporal (einen Mann einzeln cxerci rend) : Sie sind ein colossales Roß! .Infanterist: Das kann wohl nicht gut sein, sonst wär' ich doch bei der Cavalle rie! Ein Kind der Zeit. Hier, liebes Binchcn, hab' ich Dir eine neue Puppe gekauft.- , Aber, Papa, mit dieser kann ich mich gar nichr sehen lassen, sie trägt ja die Mode vom vorigen Monat." Käthchen's Tant'. Wohin, Käthchen Y .Ach, zur Tan i'!" Rasch war sie entflogen, Reicht' zum Gruß mir kaum die Hand; Ob sie wohl gelogen ? Nicht doch ! Ihrer wartend stanl Wirklich dort ein Adjutant. . Erklärlich. Frau: Himmel, da geht ein fd durch! .Mann: Wird nicht anders .können, wird ein Cassir darauf sia.