Indiana Tribüne, Volume 4, Number 270, Indianapolis, Marion County, 11 June 1882 — Page 2

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CSuf ver Orandstötte. Ctrocn z Raimund'S Aschenlted. .-Jie iab so stattlich auS .'T! Morgen noch das Haus, Wie stand so stolz der Bau .Äa Mittag noch zur Schau, :S3'u hell die Sonne lag "ZKiZ ihm am Nachmittag ! .Unb als erschien die Nacht, )ahm war alle Prachl Ein Aschen ! -!3a Menschengeist erfand .Zu Aller heil, wie stand 'Das glanzvoll leuchtend hier, Unübersehbar schier ! Strömt erst das Volk herein, Swmm wird's vor Staunen sein. !un eilt's herbei, und leer -Und öde ist's umher Ein Aschen ! Aie durch ein Zauberwort :Hat sich erhoben dort in Schloß, so wunderbar. ;4nd da's geschehen war, (Zank's, wie vom Zauberpab Berührt, in's Flammengrab, ag's, tückisch hingestreckt, 2B0N Nacht und Rauch bedeckt. Ein Aschen ! ' Dem Meister war geglückt - in Werk, klug und geschickt, I)as Rettung Jedem bringt, Wer mit dem Siechthum ringt, ' Und selbst dem Sensenmann 'Den Sieg erschweren kann, Da sank es rettungslos, .'3in Trümmerhäufchen bloß, Eit. Aschen! 'Das Kunstwerk, hergesandt Von fernen Küsten, fand IDen Weg wohl über's Meer rotz der Gefahren her. bedankt, Ihr Götter, seid, Mun ist's in Sicherheit. Seit gestern unter Dach Uno heute ist es, ach, Ein Aschen ! Doch, ist ein Riese auch "Das Feuer, dessen Hauch Heimtückisch unerhört Des Menschen Werk zerstört. So angefeuert lacht Der Mensch des Feuers Macht, Und wieder wird das Haus Erstehen schöner aus Der Asche !

:2lt hescheidung in FrankreiH. Die Dichter in Frankreich hatten - Tin prächtiges Thema von je, - Das tummelten sie ohn Ermatten, v war .die Scheidung der Eh'." Uns fehlt die Scheidung der Ehe, -Sie fehlt uns wahrlich enorm, Wir schreien so lange Wehe, 33is daß man uns giebt dieReform. Die Kammer sehte den Bitten --Entgegen ihr eisernes Non !" Und weiter die Dichter stritten ".Und zeterten : Divorgons ! Es wuchsen die Tantiemen - ganz gewaltiger Höh', Die Dichter thäten sie nehmen .Und stecken in's Portemonnaie. ' Man theilte in drangvoller Enge 3:: Dichter erhabenen Groll, -Mit Agio bezahlt man die Ränge Ha:!et und Amphi waren voll, lind wieder jüngst tagte die Kam mer. Jetzt freuet, Dramatiker, Euch, - lubt frucktlos war Euer Jammer. vDie Scheidung beräth man sogleich. Da feiert, o welch' ein Segen, ; Triumphe des Dichters Genie, 'Die Kammer laßt sich bewegeu, J2ic Scheidung wird fait accoin pli. 'And alle Franzosen fühlten : Das ist ein Triumph der Cultur ! ' Die Stücke, die solches erzielten, ' Die werden jetzt Makulatur ! Die armen Theaterleute beloben sich Mann für Mann : . 'Wir schreiben dafür bis heute, -Wir schrieben dagegen fortan ! AnJgnatiess. Sa den Slotabeln sprachst Du neulich: l3c3Dii den Juden angethan. Das schiene feindlich und abscheulich Den Juden nur in ihrem Wahn. - SeQ5lqi oeieh-n was lönnr es nutzen, t"Z t r?Atr!?rte 7 mmvt. ju v-4.uivviyvu i luiuiuju lZefchah's, die Juden zu beschützen, 21-sr Judenschutz erstrebtest Du. JZzz Hülse wollt'st Du ihnen bieten, Sa wolltest vor der Räubergier 'Der wilden Horden sie behüten-, 2ifS ihnen weh wer kann dafür? 2a olltest der Verfolgung Plage, 'Du sagst es selber, lindern bloß. 3eit entsteht die große Frage : .Wie rcirb man Deine Freundschaft los? Sle spürten Deiner Schergen Krallen z Deines Schutzes graus'gem Bann, O thu' den Juden den Gefallen Und sei ihr Feind vonheute an ! , Taö Hamvacher Ftst. 1832-1882. D'ZZ deutsche Vaterland kühn zu besrei'n, :23ard es ins Werk gefetzt vor fünfzig Jahren, ZInd nun - wir hoben staunend es erfahren 2cfl c i"! Freien nicht begangen sein ! Mein dl: Wiederkehr des Tages läßt .Drotz alledem sich würd'ge? nicht begrü ben : Q$ mußten ja mit ihrer Freiheit büßen. Die inst dem Volk bereiteten dies Fest. Der New Borker Bundesbonds'cker.Vrockmay hat eine Zelle nahe der

'".au'ö-mne.

Der -MnaUkrr. , . ?.? . Crjtjlanj in ri Abtheilung on vldu! L?öllhaust.

(8. Fortsetzung.) Ich erwarte Niemand, antwortete Olaf wuh, und finster beschäftigte er sich mit vtn vor -ihm stehenden Speisen, aber es Wäre doch möglich, daß sich einer meldete, den wiederzusehen ich nicht wünsche. Hat er dir ein Leid angethan, so mag er kommen, Olas, ich selber will ihm Rede stehen, will's ihm lohnen mit Haß und bösem Willen Nein Barbro, nicht mit HaßundFeindschast, wenn Jemand hierher kommt, und nach mir fragt, sondern mit Herzlichkeit, als ob du ihm dein eigen Leben zu danken hättest ; von mir aber sollst du zu ihm sprechen wie von einem Todten. Barbro sah starr auf Olas. Es ge schah zum ersten Male, daß er mit seinen Eröffnungen so weit ging. Jemand, der deinen lustigen Sinn begrub, soll ich danken ? fragte sie erstaunt, und in ihren klaren Augen funkelte es auf wie ein vernichtender Blitz, und tiefer senkten sich die Furchen in ihr hartes Antlitz. " Sinnend betrachtete Olaf die alte Freundin. Ich sehe es ein, hob er nach einer Weile an, um Leute, die Besseres verdienen, vor deiner Feindschaft zu bewahren, muß ich offener gegm dich sein. Und so höre denn, gute Barbro : Wenn ich Zeuge eines Verbrechens war, eines Verbrechens, so schwarz, daß ich es nicht deschrewen rann; wenn ich das meuchlerisch vergossene Blut treuer Gefährten und Freunde den Rasen befeuchten sah; war ich ein Feigling, als ich nicht in ihre Reihe trat, um gemeinschaftlich mit ihnen hingeschlachtet zu werden? Ueber Barbro's Antlitz breitete es sich sich aus wie erwachendes Verständniß. Konntest du ihnen dadurch helfen, sie retten, antwortete sie darauf fest und dadurch ihre Ueberzeugung, vom Gegentheil offenbarend, ja, Olaf, dann hast du gefehlt. Erlangtest du hingegen damit weiter nichts, als dein eigen Ende zu dem ihrigen, so wärs Thorheit, mehr noch es wäre ein Selbstmord gewesen. Das mag sein, versetzte er nach einer Pause, und tief runzelten sich seine Brauen. Er schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Teller klirrten, und heftig fuhr er fort : Nein, mein Tod hätte ihnen nicht geholfen ; ob ich aber Unglück licher wäre, wenn meine Gebeine heute neben den ihrigen bleichten verdammt! Ich mag nicht darüber nachdenken. Denn eine Last ist's für mein Gewissen, mich als Mitschuldigen betrachten zu müssen, weil ich das Verbrechen nicht zur Anzeige brachte. Ich ging aus dem Lande fort, hoffte dadurch alles zu vergessen, allein es war vergeblich. Weshalb erleichtertest du dein Gewissen nicht an Ort und Stelle ? Weil dadurch Unschuldige mit ins Verderben gerissen worden wären. Nein, ich konnte es nicht über's Herz bringen. Ich ging und meinte, wenn's andere anhängig machten, wäre ich aus dem Wege, um nicht zeugen zu müssen. Und diejenigen, sür welche du sorgtest, sie wußten, daß du ihnen das schwere Opfer brachtest? Sie baten mich darum, und hätten sie's nicht gethan, wäre ihre Seelenruhe mir mehr werth gewesen, als die Vestrasung der Mörder. Ich gönnte ihnen fogar den Glauben an die Schuldlosigkeit jemandes, den ich unfehlbar in der Mitte der Meuchelmörder sah. und dessen Namen ich vvn feinen Genossen nennen horte. Ha, Brandvold, Billot und Towlas ! Und wiederum fiel seine Faust dröhnend ans den Tlfch. So hast du gehandelt, wie es menschlich und recht war, versetzte Barbro zuversichtlich, aber Schreckliches mußt du erlebt haben in dem fremden Lande. So Schreckliches, daß bei der Erinne rung daran mein Haar sich noch immer sträubt. Und was hat dies alles mit deinem Be suche zu schassen ? , . . . C V . . . K. diejenigen, oenen iqj zu ani verpflichtet bin, die sich in der höchsten Noth meiner erbarmten, die mir sogar reiche Geldmittel boten, um hieher zurückkehren zu können und damit jede Gefahr sür einzelne Schuldige zu beseitigen trachteten. sie haben von Zeit zu Zeit an mich geschrieben. Und du hast ihnen geantwortet ? Nein, anfänglich durfte ich nicht um ihrer selbst willen und weil sie ebenfalls das Land zu verlassen wünschten, und später, als ue sich erst unterwegs besän den, fürchtete ich, daß sie kommen würden, um sich von meiner Lage zu überzeugen. Hast du (veld von ihnen erhalten Sie boten es mir an, allein ich machte keinen Gebrauch davon. Sollte ich mich für mein Schweigen bezahlen lassen? Lieber wäre ich gestorben. Du hast ehrenwerth gehandelt, Olas ; doch wenn sie wirklich kommen sollten und sie finden dich als einen armen Mühlenbesitze?, was liegt daran ? Ich war unvorsichtig genug, ihnen meine Adresse mitzutheilen. Und darauf hin erwartest du sie ? Vor einigen Tagen schrieben sie, daß ihr Weg sie durch' Lardel führe. Du willst sie nicht wiedersehen ? Nein, ich will nicht, ich kann nicht. So sind sie demnach schlechte Men schen? Bessere Menschen, als sie oft gefunden werden. Doch nun weißt du genug, Barbro. Ich habe dir schon mehr anvertraut, als mir nachträglich lieb ist. Du wirst mich indessen nicht mehr daran erinnern und jeden Fremden, der mich aussuchen möchte, mir fern halten. Hoffentlich erscheint niemand. Da ich keinen Brief beantwortet habe, glaubt man vielleicht, ich sei auf der Reise gestorben freilich, dcis wäre erst recht ein Grund, nach mir ju forschen. Kannst sie in dem Glauben erhalten,- und todt bin id) für sie. Ja, on3 wäre das Beste. Meine Schuld an sie habe ich durch die schwersien Opfer abgetragen; Mitwisser eines Verbrechens doch nichts mehr davon, Barbro- komm, laß uns heiter sein; räume den Tisch ab sollte jemand fragen, ob ich die mir ertheilten Aufträge erfüllt habe, so antworte, ich hätte es kurz

vor meinem Ende mit aller Treue gethan, l't:h stT,S ff r-1'-X -r"M yy . T0. i 'S

hätte keinen gefunden, der um Dinge wußte, die vor zwanzig Jahren sich hier oder draußen zwischen den Schären ereigneten. Sie werden das verstehen, und genügt's ihnen nicht, so mögen sie selber weitcrsorschen. Doch nun beeile dich. Was sollen die Teller länger hier? Komm, komm, du altes Hausgeräth ; hast ja noch immer eine gute Stimme. Spiele mir ein Stückchen auf dem Kasten, und singe ein Lied, wie ich's vor einem Vierteljahrhundert fchon von dir hörte. Spielen will ich und singen, Olaf, antwortete die Greistn.. auch das Schnee Huhn, wenn es längst weiß ist vor Alter, erhebt noch immer seinen Lockruf. Nur das eine sage mir zuvor, dann sollst du durch nichts mehr daran erinnert werden : die Männer, welche sich bei dir anmeldeten, sind es Leute, die ich fürchten müßte ? Es sind überhaupt keine Männer, erklärte Olaf rauh, ohne auszusehen. Spitzfindige Weiberzungen fürchte ich mehr als gröbliche Drohungen eines Mannes, fuhr Barbro mit ihren versteckten Forschungen fort. Auch Weiber sind's nicht, sondern Damen. Die eine bereits etwas älter

womit soll ich sie vergleichen ? Nun, sie erinnert an einen tiefen,, lieblichen Fjord ; so ernst ist sie und so treu wie ein solcher im Zurückstrahlen seiner Uferbilder. Die andere, Barbro nun auf. jener Seite des Thales kommt ein schlanker Elf aus schwindelnder Höhe heruntcrgesprudelt und getanzt. Und trittst du unten an den ixlf, wo er sich tm zamt der Zel ten zwischen den Felsblöcken ein Becken auswühlte, dann schau in dieses Becken so ties, so schwarz und doch so klar das und ihre Augen. Bei dem letzten Worte sprang er wie erschreckt empor, und die Arme über der breiten Brust verschränkend, beaann er auf und ab zu wandeln. Geräuschlos erhob sich Barbro, ge räuschlos deckte sie den Tisch ab. Ein Weilchen ordnete sie noch in der Küche, dann erschien sie wieder mit den leisen Bewegungen emes Schattens. Ihr Ant litz war noch härter, faltenreicher geworden. Als ihr Blick den rastlos Einher wandelnden streifte, lugte es wie heimliche Trauer aus ihren Augen, wahrend die schmalen Lippen sich fester auseinander legten. XVIII. Capitel. 2) er Besuch. In der Entfernung von etwa zweihun dert Schritten führte die Landstraße an dem Gehöft vorüber. Barbro spielte und sang; Olaf saß in ernstes Grübeln versunken da, sonst hätten sie vielleicht doch das Geräusch unterschieden, mit wel chem vor dem nach der Mühle abzweigen den Wege drei kleine Waaen anhielten. Auf dem vordersten faß Helga, ihr folgte Karen, teoe ihr kleines Pferd lenkend, jede hinter sich auf einem schmalen Querbrett Skjutsjungen. Das dritte Gefährt mit dem Gepäck befand sich in den Händen eines älteren Burschen, der den ihnen von Brandvold beigegebenen Führer ersetzt jcv r: . v . r v V , yaiie, nacuoem ne oas aroaz errelcyr. Dort liegt Olaf's Mühle, erklärte dieser, indem er, sobald die Pferde standen. zur Erde sprang und zu Karen herüber eilte, mit dem Hmaunahren nach dem Hofe hat's seine Schwierigkeiten. Ein alter Canal wäre zu überschreiten, die Brücke aber ist verrottet und verfault, daß r M . ., ne räum nocy emen 'cenjcyen tragt. Karen lenkte ihr Pserd neben Helga's. Ich hatte den Herrn Olaf gern gespro chen, wenn es nicht zu spät wäre, bemerkte Ne nachdenklich zu dem Burschen gewandt. Ist er zu Hause, so ist er auch munter. antwortete dieser, sonst finden sie die alte m . . . c r -t i i aroro zu yauie ; oie Mast weoer am Tage, noch des Nachts. Karen sandte einen lanaen Blick durch das mondbelcuchtete Thal. Wie wett ilt es bis Lärdalsören? fragte sie zweifelnd. In einer Stunde guter Fahrt erreichen wir's, hieß es zurück, zu jeder Zeit finden ? c j rr - r -i v wir oori em offenes iLaflyaus. Yler zu übernachten ist nicht rechte Gelegenheit. Die Olafs, eigentlich heißen sie Ornesen, sind heruntergekommen, daß der letzte kaum weiß, wo er selber sem Haupt niederlegen soll. Da Karen nicht antwortete, londern ihre Nichte beobachtete, die regungslos nach dem Gehöft hinübcrsah, dessen Verfall sogar bei der Mondbeleuchtung zu erkennen war, fuhr der Burfchc fort : Ist's den Damen genehm, so ruse ich ihn hieher. Er soll ein sehr gelehrter Herr sein und wird mit Freuden die Herrschaften in Lärdalsören am hellen Taae aufsuchen. Karen schien die letzte Bemerkung überhört zu haben, denn sie neigte sich Helga zu, welche die Richtung ihrer Blicke immer noch Nicht geändert hatte. Der letzte Olas weiß felber kaum, wo W t s m er )tm Haupt meocttegen oü, wiederholte sie mit einer gewissen Bitterkeit, jedoch sich der englischen Sprache bedienend, ist dir jetzt klar, weshalb er von meinem Anerbieten keinen Gebrauch machte ? Weshalb alle meine Briefe unbeantwortet blieben? Weshalb er und die jüngste Nachricht muß ihn gefunden haben verschmähte, sich wenigstens auf i i rr c sv f v oem letzien yeit oer cife flcy uns anzu schließen ? O, ich kenne solche Charak tcre: im Unglück entwickeln sie einen ae radezu verletzenden Stolz, welcher ihnen in einer sorglosen Lage fern bliebe! Nimmermehr kann er sich einer Lage schämen, die er selber nicht verschuldete, entgegncte Helga lebhaft und mit einer Karen peinlich überraschenden Entschiedenhcit. Briefe mögen verloren gegangen sein Nein, nein, unterbrach Karen sie ernst, nach allem, was ich über ihn erfahren habe, glaube ich ihn richtig zu beurthcilen. Und er schämt sich nicht etwa seiner Lage nein im Gegentheil, er ist ge wisscrmaßen stolz auf sie, um nicht zu Zagen : er trotzt auf sie. Unsere Aufforderung, sich hiehcr zu bemühen, hieße ihn beleidigen ; dagegen vorbeifahren, ohne ilin zi: bcgrün, würde er im ärgsten Sinne deuten So wollen wir ihm eine solche Kränkung ersparen und selber hinüöergehen, bemerkte Helga schnell. - So komm denn, versetzte Karen, indem sie mit Hülse des Skjutsjungen das Gefährt verließ, welchem Beispiel Helga ohne Säumen folgte; dann, nachdem diese neben sie hingetreten war: mag er es m Tf ? W . - tt aufnehmen, wie er will, er soll wenigstens

5:Za:n, dap der Anblick c;:ja!:c3 nr

sallenen Heimstätte uns zurückgescheucht

hätte. Die beiden Jungen führten die Pferde mit den Köpfen zusammen, um sie bequemer überwachen zu können, worauf Karen und Helga dem ihnen vorausschreitenden Burschen aus dem unter üppig wuchern dem Grase fast verschwindenden Weae und über eine morsche Holzbrücke folgten. St ! gab der Bursche cm Zeichen, in dem er stehen blieb. Karen und Helga erschraken bei der gcheimnißvollen Warnung, und als sie lauschten, unterschieden sie den Gesang der alten Barbro, begleitet von sansten Accorden. Da hinüber müssen wir, bemerkte der Bursche gedämpft, aus das einzige noch einigermaßen wohnliche Blockhaus zeigend, die Thür liegt aus dem Giebel ; ich werde hingehen und pochen. Die Menschen, die drinnen sind, besinden sich aus der Wasserseite Nein, nein, flüsterte Karen dringend, die Fenster werden auch drüben nicht höher liegen ich möchte zuvor hineinschen vielleicht genügt das, und unbemerkt kehren wir in die Straße zurück. Der Bursche nickte sorglos. Was kümmerte ihn Karens Entscheidung, die blutenden Herzens das Zittern des an ihrem Arme hängenden Mädchens fühlte und ihren Geist aus's äußerste anstrengte, dem Wiedersehen eine ihren bangen Hostnungen entsprechende Seite abzugewinnen. Auf ein Zeichen von ihr fetzte der Bursche seinen Weg vorsichtig sort, und dichter schlössen Karen und Helga sich ihm an. Auf die Giebelseite herumtretend, gewahrten sie ein kleines erleuchtetes Fen ster. Der Bursche wars einen Blick hinein. Die Küche, kehrte er sich Karen zu, dann traten sie ganz um den Giebel herum, wo sie sogleich den Schein bemerkten, welcher durch zwei größere Fenster auf den Strom hinaussiel. Karen trat vor das nächste hin ; doch erst nachdem sie flüchtig in das düstere Gemach hineingespäht hatte, zog sie Helga neben sich. Olaf saß noch immer an dem obern Ende des Tisches, das Haupt aus beide Arme und den Tisch gestützt. Seine Finger hatten sich in das dichte blonde Haar vergraben, daß es wild und wirr zwischen denselben hervorquoll. Ihm gegenüber stand Barbro vor der Langeleik. Die alte Frau war unermüdlich im Spielen und Singen ; sie schien Olaf mit Gewalt in Schlummer verjenken zu wollen. Helga hielt den Athem an. Ihre Blicke waren starr aus Olaf gerichtet, während Karen lange ihre Aufmerksamkeit zwischen diesem der alten Frau und dem lieblichen Mädchen an ihrer Seite theilte. Wer sagte ihr, welchen Eindruck dieses Wiedersehen aus Helga ausübte? Knüpfte sie anfänglich Hoffnungen an die düstere, unheimliche Umgebung und den nicht minder unheimlichen Gesang, so zer schellten dieselben gleich daraus wieder beim Anblick des kraftvollen jungen Mannes, dessen Haltung eine solche war, daß ste Theilnahme erwecken mußte. Er ist krank sicher, er ist krank, flüsterte Helga endlich, tief aufseufzend, als Barbro eine kurze Pause nur mit dem Klingen der Saiten ausfüllte, und helle Thränen entstürzten ihren Augen, so saß er da, als wir ihn fanden Komm, wir wollen unsere Reise sortsetzen, flüsterte Karen besorgten Herzens zurück, roir würden ihn stören nein, nicht krank ist er ; aber eine finstere Stimmung hat sich seiner bemächtigt, macht ihn untauglich zum Verkehr mit andern. Olas richtete sich empor. Geräusch konnte er bei dem Saitenspiel nicht vernommen haben, aber die Blicke, die aus ihm ruhten, hatte er gleichsam gesuhlt. Indem er sein Antlitz dem Fenster zukehrte, siel das Licht der Lampe voll aus seme Juge. Karen war zurückgetreten. Komm, Helga, komm, mein Kind, flüstcrte sie dringender, komm, bevor er uns entdeckt was soll er denken Doch Helga, die beim Hineinschauen in das ernste Antlitz mit dem sprechenden Ausdruck innerer Unzufriedenheit neben der Freude des Wiedersehens nur das Gesühl innigsten Bedauerns kannte, am wenigsten aber derartige Regungen zn verheimlichen vermochte, rief laut aus : Herr Olaf! Wir sind da ! Und Thränen erstickten fast ihre Stimme. Herr Olaf ! ' Wir haben Wort gehalten Dann aber, wie über ihr Thun entsetzt, ergriff sie Karens Hand, von welcher sie sich eben befreit hatte, und sich gleichsam entschuldigend, sprach sie mit vor Erregung bebender (stimme : ch konnte nicht anders, Tante Karen so sah er damals aus sie stockte, und wie durch Zaubergewalt gebannt, blickte sie wieder durch das Fenster. Beim ersten Ton von Helga's Stimme war Olar ausaesprunacn, und zualeich verstummte die Musik. Todtenblcich und mit der reck)tcn Hand sich auf den Tijch stützend, starrte er durch die Fensterscheiden in die Nacht hinaus, wo er eine Bewegung zu entdecken meinte. Von denjenigcn, welchen er auszuweichen wünschte. zu solcher Stunde überrascht zu werden. war das letzte, was er für möglich gehalten hatte. Der (sedanke an die Wirklichkeit schien ihn zu lahmen, daß er so regungslos stand, leine Miene machte. auch nur die nothdurstigsten Pflichten der Gastfreundschaft walten zu lassen. Was m's? weckte Barbro ihn aus dem einer Betäubung ähnlichen Zustande, denn auch sie war, weniger durch die sremde Stimme, als durch deren Wirkung aus Olas, in heftigen Schrecken versetzt worden. Sie sind da, lispelte 'Olas und sein eben noch so bleiches Antlitz färbte sich dunkel unter dem andringenden Blut. Und wenn sie da sind, nahm die Greisin schnell wieder das Wort, -indem sie sich mit festen Schritten der Thür zu bewegte, so dürfen wir nicht vergessen, daß auf dieser Stelle dein Großvater schon unbgrenzte Gastfreundschaft übte, die Schneidemühle berühmt war wegen der offenen Hände, die sich jedem Besucher ohne Unterschied entgegenstreckten. Sie verschwand in der Küche. Gleich darauf hörte Olaf die Hausthür gehen und Barbro die Fremden einladen. Einen Blick warf er um sich ; zugleich trat ein Lächeln bitterer Selbslversvot1 tung auf seine Züge. Wie erschien ihm :ng?:zm slöhliH Zo düster, Zo

und unwohnlich ! Wie grinsten ihn die schweren 5)olzmöbel mit ihren geschnitzten Fratzen so höhnisch an! Wäre in diesem Augenblicke das mit dicker Erdschicht beladene Dach .sammt den schwarzen Balken niedergebrochen, ihn unter den zerschmetternden Trümmern zu begraben, er würde es willkommen geheißen haben. Die in der Küche laut werdenden Stimmen brachten ihn wieder zu dem Bewußtsein seiner Lage, nesen ihm in'S Gedächtniß zurück, daß er, einmal vor die nackte Wirklichkeit hingestellt, wenigstens die äußeren Formen zu beobachten habe. Und wodurch hatten die beiden freundlichen Wesen überhaupt verdient, daß er

jetzt eine veränderte Haltung zur Schau trug, nachdem er auf der anderen Seite des Oceans aus überströmendem Her zen und in glühenden Worten seine unauslöschliche Dankbarkeit betheuerte ? Wodurch hatten sie verdient, daß er mit ihnen um die gegenseitig geleisteten Dienste gleichsam rechtete? Was aber konnten sie, mußten sie glauben, wenn sie ihn plötzlich bestürzt und fassungslos vor sich sahen? Barbro schlich an ihm vorbei und machte sich im Hintergrunde des Zimmers zu schassen, wo die Beleuchtung nur matt wirkte, sie daher die beiden Fremden unbemerkt zu beobachten vermochte. Wir haben Wort gehalten, begann Karen, und .Olas-ms Antlitz blickend, be griff sie, daß jede Stimmung, welche auch immer er zur Schau tragen mochte, eine erkünstelte, und der Ausdruck der Wahrhcit das war, was aus der tiessten Tiefe feiner Augen hervorlugte, nämlich eine grenzenlose Verwirrung. Wie um ihn zu beruhigen, fügte sie daher hinzu : Unser Gesährt harrt aus der Landstraße. Vorbeifahrend konnten wir uns nicht versagen, selbst aus die Gesahr hin, zu spät in Lärdalsören einzutreffen, Sie wenigstens flüchtig zu begrüßen. Herzlich willkommen auf meiner Besitzung, antwortete Olaf, mit einer einladenden Bewegung auf zwei Stühle weisend, die indessen nicht angenommen wurden ; ich bcdaure nur, daß ein unbedachtsames Glück Sie zu einer Stunde hiehersührt, in welcher Sie einen ungünstigen Eindruck von meiner Häuslichkeit empfangen müssen. Nicht die Heimath unseres Freundes suchten wir, sprach sie herzlich, sondern den Freund selber. Sie zögerte einige Secunden. Es berührte sie peinlich, daß Olaf ihre Nichte kaum beachtete, diese hingegen mit sichtbar schmerzlichem Erstaunen zu ihm emporsah, als hätte sie ihn nicht wiedererkannt, und noch milder klang ihre Stimme, indem sie fortfuhr : Aber auch andere Beweggründe trieben mich, und wenn alle Erinnerungen wachgerufen werden und man sich fehnt, im fremd gewordenen Vaterlande neue Anknüpfungspunkte zu gewinnen, setzt man sich leichter über manche Formen hinweg. Sie entsinnen sich meiner Aufträge ich ahne Gewissenhaft stellte ich die mir übertragenen Nachforschungen an, vnsetzte Olas einfallend, und weit über die mir gesteckten Grenzen dehnte ich ste aus, jedoch immer vergeblich. Nirgends entdeckte ich eine Spur, welcher nachzugehen Ersolg verheißen hätte. Nicht , einmal über die Namen erfuhr ich näheres. Und dann Sie verzeihen Ihre Austräge lauteten so verschleiert hätte ich mich an ein bestimmtes Ereigniß halten können. Die Namen allein und fo wenig auffällige Nebenumstände Ich gebe es zu, unterbrach Karen ihn, und eine seltsame Veränderung ging aus ihrem Antlitz vor, indem sie alte Erinne rungen bekämpste, ja, ich gebe es zu. Drüben konnte ich nur Andeutungen er theilen, und jetzt, da ich selber hier bin, dürften ausführlichere Erklärungen belästigend scheinen. Aber ich danke Ihnen ausrichtig für jeden Schritt, welchen ie für mich unternahmen doch es ist spät und Lärdalsören weit, unsere skiutsiungen sind sammt den Pfer den vielleicht schon ungeduldig geworden. Und wohin wenden Sie sich von Lärdalsörcn aus? fragte Olaf höflich, jedoch mit heimlicher Spannung. Borlausig bleiben wir dort. Vielleicht suchen wir ein unseren Ansprüchen gcnügcndcs Ocrtchcn an einem der Fjorde, oder wir ziehen nach einer größeren Stadt hier meine Nichte soll darüber entscheiden. Und nicht nach dem Salzsee zurück? Nimmermehr ! erklärte Helga nunmehr lebhast. Dann schoß es blutroth in ihre Wangen. Nem, wir kehren nicht mehr dorthin zurück, kam Karen ihrer Nichte zu Hülfe; unser Ausenthalt im Sognefjord ist übrigens abhängig davon, wie lange mein Schwager in demselben verweilt Er er ich meine Brandvold ist selber hier ? suhr Olaf bestürzt aus. Wir sind mit Helga's Vater herübergekommen, antwortete Karen mit einem bezeichnenden Blick auf ihre Nichte, und hier beabstchtlgcn wir, uns von lhm zu trennen. Er selbst geht mit Auswanderern zurück. Doch lassen wir das und wiederum wies ste mit den Augen auf Helga, deren liebliches Antlitz mehr und mehr den Ausdruck herber Enttäuschung angenommen hatte, vielleicht begegnen wir Ihnen noch einmal in Lärdalsören, wenn der Zufall Sie in nächster Zeit dorthin führen sollte. Alte Bekannte finden ja leicht Anknüpfungspunkte zu anregenden Gejprachen. Ein gewisser Dowlas verzeihen Sie die Frage, hob Olaf noch immer.' erregt an, wie ökaren's letzte Worte überhörend. es knüpfen sich sür mich Erinnerungen an diesen Mann Wir wissen nichts von ihm, versetzte Karen bebenden Herzens, um das Gespräch in dieser Richtung nicht weiter zu spinnen, wenigstens nicht mehr, als daß er drüben blieb. Er soll verhaftet sein. Wir hatten weder Grund, noch Gelegenheit, uns nach seinem Ergehen zu crkundigen. Brandvold im Sognesjord, wiederholte Olaf wie im Traume, ohne sich unmittelbar an Karen oder Helaa m wenden, wer hätte das für möglich gehalten freilicher verfolgt vettlmmte Zwecke, die sich me,ner Beurtheilung entziehen, und zerstreut fügte er hinzu : Also Lärdalsören?. Ein freundlicher Punkt.' Die Sonne scheint i.t:x -! r i v. " oori iagiicy eine Viunoe langer 013 yier. ich Zöge, hinzukommen gewiß, .ich

komme und werde nicht verabsäumen, Sie

aufzusuchen. Wir mi.ssen fort, beendigte Karen nunmehr ernstlich die Zusammenkunft, ich fürchte überhaupt, Sie bereits zu lange in Ihrem pattiarchalischen Heim gestört zu haben. Beurtheilen Sie nachsichtig unser Eindringen und ein beinahe gewaltsames Eindringen war es Gott sei Dank, sprach er vor sich hin, indem er ins Haus zurücktrat, so hat das rächende Geschick dennoch diesen Dowlas erreicht. Ein anderer vollzog das, was zu thun meine Pflicht gewesen wäre. Aber lhr Vater Brandvold er hier, in einem Lande, in welchem Recht und Gesetz walten; hier, um neue Opfer jener Irrlehre mit fortzuschleppen; ind sie bleiben hier, trennen sich von 'm. Ist damit das Band zwischen i .ten gelöst ? Dowlas, Billot und Brandvold, ihn schaudklte. Es klopfte an der Hausthür. Barbro ging hinaus, um zu öffnen, und kehrte mit einem Manne zurück, welchen zuvor gesehen zu haben Olas sich nicht entsann, und der dennoch mit einer gewissen Vertraulichkcit um Obdach sür die Nacht bat. Mein Name ist Bratlid, sprach er sorglos, als Olas ihn zweifelnd betrachtete, und seinen Wanderstab zur Seite stellend, begann er die Riemen seines wohlgesüllten Tornisters zu lösen, komme von oben herunter, hoffte heute noch Lärdalsören zu erreichen, allein Mensch bleibt Mensch, und über seine Kräste kann niemand. Klar wie das Sonnenlicht, gab Olaf zu, und es soll niemand von mir behaupten, daß ich einem müden Wanderer eine Mahlzeit und Obdach verweigerte. Freilich, wie ein Fürst können Sie nicht gebettet werden, aber wer einen guten Tagesmarsch zurückgelegt hat, schläft auf einem festgestopsten trohsack sanfter, als mancher hochgeborene Herr oder Abt zwischen seinen Elderdaunen. So danke ich Ihnen, mein guter Herr, fnhr Bratlid sort, und doppelt, weil ich fürchtete, Ihr Haus bereits voll zu finden. Feine Herrschaften warcn's obenein, die an mir vor einer Weile stolz vorbeifuhren. Ich sah sie noch drüben auf der Landpraße halten. Bevor ich heran war, brachen sie auf, und vielleicht zu meinem Gkück. Auf einen nachläsnacn Wink Olas's nahm Bratlid neben dem, Tische Platz. Einen Imbiß lehnte er aber mit dem Bemerken ab, bereits auf einem weiter oberhalb gelegenen Gehöft gastliche Aufnahme gesunden zu haben. Dann kam er, wie um das Gespräch nicht einschlummern zu lassen, wieder auf die beiden fremden Damen zurück. Es "mag den Herrschaften hier nicht glänzend genug gewesen sein, bemerkte er, unbekümmert um Barbro, die ihn von einem schattigen Winkel aus argwöhnisch betrachtete, solche städtischen Damen passen nicht recht aus's Land. Im allgemeinen mögen Sie nicht ganz unrecht haben, versetzte Olaf, nach der ihm gebotenen Unterhaltung greifend wie ein übersättigtes Pferd nach einer harten Distel, allein in diesem Falle treffen Ihre Ansichten nicht zu. Was Sie für verwöhnte Städterinnen halten, sind zwei so herzhaste Landbewohnerinnen, wie man schwerlich in Norwegen findet. Also nicht von hier? forschte Bratlid, anscheinend überrascht, nach Dingen, mit welchen er durch Brandvold längst vertraut geworden war. Olaf antwortete nicht, für Bratlid ein Zeichen, mit seinen Bemerkungen vorsichtiger zu sein. Andere Gespräche, welche er anzuknüpfen suchte, scheiterten ebenfalls an Olafs Wortlargheit, so daß er für angemessen hielt, Uebermüdung vorschützend, um Anweisung der ihm bestimmten Lagerstätte zu bitten. Alsbald erhob sich Barbro in ihrem schattigen Winkel, wie aus ticsem Schlafe erwachend. Eine Unschlittkerze . anzündend, leuchtete sie Bratlid die Küche hinans und von dieser durch eine kaum bemerkbare Thür in eine Kammer, welche, gemeinschaftlich mit ihrem eigenen umfangreichen Schlafraum an das große Wohnzimmer grenzend, nach der Hosseite hinauslag. Eine einfache Bettstelle mit Hcumatratze, ähnlichem Kopfpfühl und mehreren wollenen Decken befand sich in derselben. Durch ein kleines, nach dem Hofe hinaus sich öffnendes Fenster erhielt sie am Tage Licht. Dasselbe war höchstens zwei Ellen von dem nächsten der beiden Fenster ihres eigenen Zimmers entfernt, oder vielmehr durch einen Zwischenraum getrennt, wie ihn die beide Gemächer von einander scheidende Balkenwand bedingte. Mögen Sie ruhig schlafen hier, be merkte Barbro grämlich, indem sie sich anschickte zum Gehen. Bevor sie die Hausthür schloß, sandte sie einen Blick nach dem vor ihr liegenden morschen Mühlengebäude hinüber. Der Mond war so weit herumgeglitten, daß sein Schein durch eine Felsluppe dem Gehsst entzogen wurde. Erst in der Nähe der Landstraße wiederholte sich die unregelmäßige Grenzlinie zwischen Licht und Schatten. Daß ihr Gast das Fenster öffnete, befremdete sie nicht, denn die Nacht war feucht, jedoch nicht kühl. Wie ste eben umkehren wollte, blieben ihre Blicke plötzlich auf dem Giebel der Mühle haften, wo sie glaubte, in dem tiefen Schatten eine Bewegung wahrge nommen zu haben. Spähend wartete sie und nahm nach einigen Minuten wahr, daß ein Stück von dem Schatten des Giebels sich scheinbar lostrennte und hinter diesem verschwand. Zugleich horte sie, daß ihr Gast, dessen Stimme durch das offene Fenster nm die Giebelecke herum ihr Ohr erreichte, wie im Uebermaße des Behagens eine kurze Melodie vor sich hinsang. Sie hatte genug von ihm gesehen, um von Argwohn gegen ihn erfüllt zu sein und die eben beobachtete räthselhafte Erscheinung in Beziehung zu ihm zu bringen. Als sie bald darauf Bratlid das Fenster schließen hörte, trat sie in's HauS zurHck, die Thür hinter sich verriegelnd und den Schlüssel, gegen ihre Gewohnheit zu sich steckend. Sie folgte damit einer dumpfen Eingebung,, den Verkehr ihres Gastes mit dem gcheimnißvollen Fremden wenigstens zu erschweren. Geräuschlos und ohne Licht begab sie sich in ihr Schlafgemach. Eben so oeräuschlos entfernte sie die beiden Fall haken von dem der Kammer zunächst be cst : X.... e.n. e r? c p iMijell Fensterflügel, woraus sie diesen

mittels eines zu solchem Zwecke dort an gebrachten Riemens und Knebels so be festigte, daß er eine Handbreit offen stand und weder vorwärts noch rückwärts be wegt werden konnte. Angekleidet warf ste sich auf ihr Bett. Eine unbestimmte Besorgniß hielt sie-wach. Es überraschte sie daher kaum, als ste nach Ablauf höchstens einer halben Stunde das Geräusch unterschied, mit welchem jemand an das Fenster der benachbarten Kammer klrpste. Zugleich vernahm ste deutlich, wie der nur durch die Balkcnwand von ihr getrennte Fremde fich von seinem Lager erhob, nach dem Fenster hinschlich und es öffnete. Um diese Zeit befand Barbro sich an ihrem eigenen Fenster. Vorsichtig hin ausspähend, bemerkte sie die Gestalt eines Mannes, welcher nach dem Pochen einige Schritte zurückgetreten war und äugenscheinlich zu erfahren suchte, ob das von ihm angeregte Geräusch noch aus einer anderen Stelle, des Hauses gehört worden. Barbro hatte unterdessen ans einem Schemel Platz tzknommcn. Ihr Ohr be fand sich tn beinahe unmittelbarer Nähe der Spalte zwischen Fcnsicrfüllung und Flügel, welcher in seiner schrägen Stellung sogar noch eine Art Schalllciter sür die draußen gkwechseltcn Worte bildete. - Ich hatte es beinahe ausgegeben, heute noch ein Lebenszeichen von Ihnen zu erhalten, unterschied sie gleich darauf Bratlids Stimme. Bin schon eine Weile hier, hicß es ge dämpst zurück, allein ich fürchtete, vor das falsche Fenster zu kommen. Hörten Sie mein Singen? sicher hörte ich es ; allein das Weib

stand m der Hausthürund starrte den Himmel an. Ich mußte befürchten, mich durch eine Bewegung zu verrathen, und so blieb ich in Zwciscl, welches Jcnstcr da richtige ist. Es war überhaupt ein Zu sall, daß ich den Weg hichcr sand, indem ich nur auszukundschaften vermochte, daß Sie und die Fremden zu verschiedener Tageszeit in das Lärdal eingetreten seien. Wäre der Mondschein vor meinem Ein treffen von der Straße fortgeglitten, so hätte ich nimmer die Stelle cntdet, auf welcher die Wagen eine Weile gehalten haben Sind wir überhaupt sicher hier? Schläft die alte Hcre nicht in dcr'Nähe? Niemand weilt auf dieser Seite des Hauses, antworlcki Brätlid aus dem Fenster, und aus der größten Deutlichkeit seiner Worte glaubte Barbro u entnch men, daß er sich weiter in's Freie hinaus lehnte ; wahrhaftig, suhr er fort, da steht noch ein Fenster offen, nebenbei das sicher ste Zeichen. Denn hier im feuchten Thale schließt man die Nachtluft gern von sich ab. Sie mögen indessen der Vorsicht halber hineinlauschen. Eine Hand ergriff den Fensterflügel und versuchte ihn weiter zu öffnen, dann, als sie aus Widerstand stieß,' ihn ganz zu schließen, woran Barbros Vorkehrungen ebenfalls hinderten. Es ist festgemacht, flüsterte der draußen Stehende Bratlid zu, indem er sein Oh? dicht an die Spalte brachte.. Eine Minute verstrich in lautloser Stille. Barbro hätte den Kops nur ein wenig zu drehen brauchen, um das Ant litz des Lauschenden mit ihrem warmen Athem zu streifen. Alles still wie das Grab, bemerkte dieser endlich, wieder vor Bratlid hintrctcnd, und aus den Zweck ihrer gcheimnißvollen Zusammenkunst eingehend, suhr er sort: Haben Sie ermittelt, was die beiden ge rade hicher führte? Es ruft den Ein druä hervor, als wären sie schon früher mit dem seltsamen Einstedler wie die Leute hier herum ihn nennen bekannt gewesen. Unstreitig, antwortete Bratlid, um m meinen Nachforschungen weniger gehin dert zu sein, trennte ich mich schon am Tyin-See von ihnen, und so brachte ich leicht in Ersahrung, daß dieser Olaf, deffcn Namen ich mehrfach von ihnen nen nen hörte, in Amerika gewesen ist. ES läßt sich also voraussetzen, daß die Be kanntschaft drüben geschlossen wurde. Lei der dauerte ihr Besuch hier im Hause zu kurze Zeit, und von dem, was ich durch das geschlossene Fenster erlauschte, kann ich nicht jedes Wort verbürgen. So haben Sie nichts verabredet ? So viel ich zu unterscheiden vermochte, ist Brandvold's allerdings nicht offen ausgesprochener Verdacht begründet. Eine Art Liebesgcschichte scheint in der Lust zu schweben, ich meine, daß sie wohl einig werden möchten und doch nicht recht kön nen. So hieß es, er solle nach Lärdals ören kommen, und als sie sort waren, erklärte er der alten Frau, er ginge auf längere Zeit in's Gebirge hinauf. Das Beste wär's freilich,' allein der Teufel traue Liebesleuten. Sie sprachen Brand vold später als ich ? Er begleitete mich in Bergen an Bord eines nordwärts fahrenden Dampfers. Erwähnte er Olaf's ? forschte Bratlid gespannt. Mit keiner Silbe. Verdacht muß er freilich geschöpst haben, daß er mir auftrug, mich Ihnen im Lärdal zuzugesellen und gemeinschaftlich mit Ihnen zu han dein. Der Teufel mag ruhig zusehen, wenn eine Tochter im Begriffe steht, nicht nur ihrem Vater, sondern auch ihrem Glau ben untreu zu werden, versetzte Bratlid; wann die Mistlüoe" in See ging, wissen Sie nicht ? Brandvold sprach davon, daß zur Zeit unserer Ankunft in Lärdalsören sie bereits in den Sognesjord eingelausen sein müsse. Es hängt vom Winde ab. Irre ich nicht, so geht er damit um, seine Tochter ohne Tante an Bord zu schaffen. (Fortsetzung folgt.) , In der Küche. .Gnä Frau, geh'n S' heut' aus, auf'n Sonntag ? .Nein, ich bleibe zu Hause. Wrum fragst Du?- .Ich wollt Ihnen nur sagen, daß Sie ganz ruhig fortgehen können. Ich hab' weiter nichts vor und will mir nur zu Hause was nähen, dann stört es mich nur, wenn Sie jeden Au genblick vaS voll'n !" Eine drollige Antwort. In einer .fafhionablen" Töchterschule i Detroit frug die. Lehrerin kürzlich, wie viele der Mädchen anwesend seien. Als sie keine Antuort erhielt, wiederholte sit die Frage, worauf die jüngste Schülerin antwortete: .ES sind achtzehn iut-j Damen anwesend, die Mädchen sind ct!i ' 5 der Kühe."

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