Indiana Tribüne, Volume 4, Number 263, Indianapolis, Marion County, 4 June 1882 — Page 7
Hygienische Anest.
(SJon inem praktischen Arzte ) Im Verlaufe der verflossenen Jahre hat sich zu Gunsten der Erzielung reiner, unverfälschter Nahrungs- und GenuK Mittel eine Strömung gebildet, welche nicht mit allzeit lauteren. MittehWein Ziel verfolgte, dessen Erreichung aber in um so größere Ferne gerückt blieb, je weniger Diejenigen, welche als Haupt Interessenten sunktioniren, unterstützend mitwirkten. Gegenüber maßlosen und recht oft von grober Sachunkenntniß zeugenden Ver dachtigunzen in Betreff der Qualität gewisser Nabrmittel und ihrer Darstellung oder Gewinnung, haben sich zwar in neuester Zeit mehrfach Stimmen erho ben, welche, den übertriebenen Anschuldigungen und Anfeindungen ganzer Geverbszweige, eine unparteiische, objektive Darlegung der Verhältnisse verjuchten, aber eine planmäßige und sachverstän dige Bekämpfung vorhandener Uebel stände ist noch immer in dieser Angelegenheit selten zu beobachten gewesen, und deshalb dürfte es an der Zeit sein, zu versuchen, in die Bewegung gegen die Nahrungsmittel Fälscher etwas mehr Plan und System zu bringen. Daß es Aufgabe der Gesundsheits pflege ist, die Befriedigung der Ernäh rungsbcdürfnisse des Publikums in ge regelte und gefahrlose Bahnen zu füh ren, wird Niemand leugnen. Ob aber Jeder, der das so außordentliche weit läufige Gebiet der Hygiene kultivirt, gerade in Bezug auf einzelne hervorra gende Abtheilungen desselben die erfar derliche Sachkenntnis besitzt, um sein Urtheil als maßgebend in den Vorder gründ stellen zu dürfen, darf wohl mit Recht bezweifelt werden. Der Umstand aber, daß gerade die meisten Derjenigen, welche die Agitation gegen die Nahrungsfälscher in Szene setzten und leiteten, dem Gebiete, welches sie hierbei betraten, intellektuell wenig oder gar nicht gewachsen waren, erzeugte der Mißgriffe und Fehler, Mißverstand nisse und Unzuträglichkeiten so viele, daß eS nicht möglich war, selbst in denjenigen Sphären, in welchen über die Ange legenheit das letzte Wort in unpartei ischer Weise zu sprechen gewesen, den Ansichten und Urtheilen über die in Fra ge kommenden Verhältnis allezeit die ersorderliche Sicherheit zu wahren. Hieraus entwickelte sich aber ein Zustand der Unsicherheit und Zersplitterung im Ur theil der richterlichen Behörden, wie er kaum aus einem anderen Gebiete der Rechtspflege jemals wieder anzutreffen sein dürfte. Als Verfälschung eines Nahrungs mittels ist jede, in der Absicht zu'täuschen, vorgenommene Werthverminde -rung eines solchen zu beurtheilen. Der Beweis dafür, daß das Vergehen der Verfälschung vorliege, ist also erst dann Geführt, wenn erstens die Werthvermin derung eines Objektes festgestellt, und zweitens dargethan ist, daß'dieselbe in der Absicht, zu täuschen, ausgeführt wurde. Beide Bedingungen können aber nicht in allen Fällen gleichzeitig er füllt werden und der Umstand, daß man in vielen einschlagenden Fragen entweder mit dem Nachweis der Werthver Minderung an sich, oder andererseits mit der Annahme einer absichtlichen Täu schung allein rechnete, um das Vergehen der Verfälschung als constatirt zu be trachten, mag zu so vielen Jnconsequen zen in der Rechtsprechung auf diesem Gebiete Veranlaffung gegeben haben. Zur Klärung der Thatsachen muß da her zunächst erörtert werden, ob es mög lich ist, in jederBeziehung über die statt gefundene Werthverminderung eines Objektes wissenschaftlichen Aufschluß zu erlangen. Hieraus läßt sich kurz mit einem entschiedenen Nein ! ' antworten. Die wissenschaftliche Prüfung kann in vielen Fällen wohl die Veränderung, aber in den seltensten Fällen die Werth Verminderung einesOdjekteS conflatiren, und deren Versuche, letztere Frage zu beantworten, haben leider sehr vielfach zn ganz unhaltbaren Ansichten und Ur theilen geführt. Vor mehreren Jahren kam z. B. eine Sorte präparirteö Kakaopulver in den Handel, welches sich durch seine leichte Aufquellbarkeit im heißen Wasser, sowie durch seine vermehrteNahrhaftigkeit aus zeichnete und trotz dieser Verbesserung seiner Qualität im Interesse des konsu mirenden Publikums fachmännisch unter sucht, als verfälscht betrachtet und von der Behörde verurtheilt wurde, weil der Fabrikant zur Erreichung obigen Ersol ges dem Kakao bei seiner Zerkleinerung 2 Procent kohlensaures Kali zugefügt hatte, durch dessen Anwesenheit dasProdukt aber unbedingt gewann. Die Con currenz bemächtigte sich dieser Thatsache, verkleinerte auf Grund des sehr voreilig abgegebenen Gutachtens den Werth des Produktes, um schließlich sich desselben Mittels zu bedienen, die Kakao masse leichter aufschließbar und genußbar zu gestalten. Der gute Ruf der ersteren Firma war schwer betroffen, trotzdem die Qualität des Fabrikats in keiner Weise gemindert gewesen hohe Geldstrafen wurden über die Firma verhängt, und viele Concurrenten nützten die Methode frei aus. und alles dies auf Grund eines ganz ungerechtfertigten, unsachver -ständigen Gutachtens ! Wie lange ist eS her, daß man die Bierbrauerei der gröbstenVerfälfchungen bei der Bereuung des BlereS beschul digte? Durch die TageSpreffe zog sich, wie die Geschichte von der Seeschlange, unge schwächter Weise die Fabel von der Ver Wendung ausgesprochener Gifte, wie Pikrinsäure, Herbstzeitlose, Strychnin 11. s. w. eö sind, als Mittel, den Bieren bittern Geschmack und stärkere narkotische Wirkung zu verleihen. Und als die Missenickaft und Die Behörden es ver suchten, dem Gerüchte auf den Grund zu gehen, da ergab sich, daß es auf chemi icke Weae bisher noch nicht gelungen war, Pikrinsäure und das Gift der Herbstzeitlose mit vollster Sicherheit im I w O V . t . Biere, welches an ncn ,azon in oem Hopfengifte (Lupulin) der Träger einer narkotischen Substanz ist. in jedem Falle . . c .ty. !M V . r . 0!&4.iM nachznwellen, oaß uue lll uitci .niuiutiij ausgeführten früheren chemischen Unter suchungen in ihren Resultaten vielseitig
unsicher und unrichtig waren, und daß in dem Falle, wo es sich um die Feststellung des Strychnins handelte, konstatirt wur de, bafe nicht die englischen Brauer, son dern die Apotheker von England aus Frankreich Strychnin zu medizinischen Zwecken bezogen hatten. Nicht de Vcrfälschungssucht der be, treffenden Industriezweige, sondern der vielfache Mangel jederzeit tüchtig gebil deter Sachverständiger und entsprechend stichhaltiger Prüsungsmethoden ist es, welcher hier in Betracht kommt und zu dem Verlangen berechtigt, daß die wiffen schastliche Begutachtung in die Hände nur solcher gelegt werde, welche sich durch entsprechende vielseitige Ausbildung und Thätigkeit, sowie durch fachmännische, mitErsolg bestandene Prüfungen den Be börden gegenüber als vertrauenswürdige Sachkundige legitimirt haben. 'In der Kuhmilch, welche vielfach als Ersatzmittel der Muttermilch für Säug linge verwendet wird, ist ein Nahrungs Mittel geboten, deffen Qualität oft weit hinter den gestellten Anforderungen zu rückbleibt. In gerechte? Würdigung dieser Thatsachen haben die Sanitätsbehörden Marktkontrolen eingeführt, die jedenfalls sehr bcachtenswerth erscheinen, wenn die expeditiven Methoden, deren man sich zur Prüfung der Milch mittelst der sogenannten Milchwaage in den allermeisten Fällen sehr illusorisch in den Re sultaten erscheint, wenn man trotzdem immer wieder von Neuem dazu vorschrei tet, dieses Milchuntersuchungsversahren als wichtigsten Maßstab für die polizeiliche Marktkontrole hinzustellen, so ist zu konstatiren, daß alle derartigen Versü gungen zu den zwecklosen Experimenten gehören, durch welche die Milchverkäufer nur eingeschüchtert werden, bis. sie die Werthlosigkeit der ganzen Manipulation erkannt haben, und durch welche das Publikum vorübergehend beruhigt wicd, um dann enttäuscht mit um so berechtig tern Zweifeln dieser Sicherheitsmaßregel entgegen zu treten. Nicht immer die Schuld des Verkäu fers ist es, wenn das gekaufte Produkt den gestellten Anforderungen an Reinheit und Güte nicht entspricht; hier machen sich Verhältnisse geltend, welche bisher noch viel zu wenig in Betracht gezogen wurden, und-bei deren Hervortreten, die Konsumenten selbst die größte Schuld trifft. Zur Naturgeschicyle der Narren.
In einer Vorrede, welche Alexander Dumas zu einer soeben erscheinenden Sammlung kleinerSalon-Lustspiele' von Frau Janvier de la Motte geschrieben hat, findet sich folgende kurze Naturge schichte des Narren, welche, oenn auch nicht viel Neues, so doch das Alte in glänzender neuer Form bringt. Es heißt darin : Der Narr ist einsehr eigenthümliches Thier. Diejenigen, welche ihn mit dem Dummkopf verwechseln, beweisen ohne Weiteres, das es ihnen vollständig an Beobachtungs und an Ordnungssinn fehlt. Zwischen dem Dummkopf und dem Narren besteht jener außerordent liche Unterschied, das der Erstere, wenn man genöthigt ist, ihn im Ters-aTet über sich ergehen zu lassen, immer lang wellig, unausstehlich, zum Verzweifeln uuerträglich ist, während der Letztere unter den gleichen Bedingungen von ein em stets neuen Jntereffe, von stets unvor hergesehenen Wendungen ist. Die t fen der Narrheit sind wenn man sich nur recht auskennt von entzückenden Ueberraschungen voll. Einen Narren vor sich haben, einen wirklichen Narren, der mit sich selbst zusrieden ist, der e3 sich wohl sein läßt, der sich gern ausschwätzt, welcher Hochgenuß! welcher Leckerbissen! Em einzlgesBedauern verbittert dasVer gnugen desFeinschmeckers,d.l.daß man eS nicht unmittelbar mit einemFreunde thei len kann. Man schämt sich dieses einsamen Schmames; aber der Narr will so auf die Minute gekocht werden, mit so viel Sorgfalt aufgeschnitten werden, mtt so viel Vorsicht geschlürft werden, daß man nie weiß.ob man durch eine dritte Person nicht zerstreut wurde und ob man nicht verleitet würde, dieses seltene Wildpret zu früh oder zu spät vom Spieße zu ziehn. Denn der Rarr, der wirkliche Narr, der vollkommene Narr ist außerordentlich selten. Darum ist er nicht allein sehr gesucht, sonsern unaufmerksamere ver wechseln ihn auch leicht mit dem Dumm köpf, deren eS unzähligegiebt. Der Narr muß nicht unbedingt einen Unvernünftigen enthalten. Im Gegen theil, wenn er von guter Race ist, ver hüllt er sich und versteckt sich sehr lange unter Eigenschaften oft ersten Ranges. Gelehrsamkeit, sogar Geist sind mit der Narrheit nicht unvereinbar. Sie um geben sie manchmal, wie das saftige Fleisch einer Frucht ihren Kern umgiebt. Man sieht einen wohlerzogenen, b:rühm ten Mann, man argwohnt nichts, man spricht mit ihm, man vertraut ihm seine innere Ueberzeugung an; dann, bei einem gewissen Wort, einer gewissen Geste, er kennt man das besondere Individuum, man sieht ihn plötzlich ganz anders an und rust innerlich aus : Ah, das ist Einer! Und nun fängt derNarr an, sich mit all seinen Glöckchen vor Einem zu drehen, mit all seinen anmuthigen Bewegungen, lächelnd die Zähne zeigend wie ein Tän zer im Seidenröckchen. Von diesem Augenblick an reicht lein Schauspiel an dasjenige heran, das man sich nun ge den kann; es ist geradezu königlich. Kein Musikinstrument, kein Flügel von Erard, keine Geige von Stradivarius, die unter den Fingern eines Liszt oder Paganini so richtige, so reine Töne geben würden wie dieses menschliche Instrument, das alleTöne spielt, die man will, wenn man den richtigen Knops zu berühren weiß. Die Narrheit ist die einzige Eigen schast des Menschen, welche die Natur, man weiß noch nicht,wa?um, zur höchsten Vollkommenheit entwickelt hat. Wenn das so vielfache und ir.:eressante Antlitz des Narren in einigen Zügen gemalt werden könnte, so wäre es vielleicht in jenem Portrat eines endgiltlg als Nar ren erkannten sehr heroorragendenMan nes, das eine Dame entworfen hat: Ja, ja, sagte sie, ich kenne ihn genau. Das ist der Herr der immer von sich spricht, und wenn c: schweigt, so sieht ; man. daß er es nur :hut, um noch mehr l an sich zu denken.
Das MittagSgespenst.
Die .Tägl. Rundschau in Berlin er zahlt : Während uns Nordländern die Mltternachtsstunde die unheimlichste zu sein pflegt, in welcher die Gräber gähnen und allerlei Spuk zwischen Himmel und Erde sem Wesen treibt, war den Alten die richtige Spukstunde die heiße Mit tagszelt. Es ist a dies auch im Suden diejenige Zeit, zu welcher das Leben der Natur zu pausiren scheint. Hält dieNa tur Siesta, so ist ja das die beste Zeit, wo man das Hineinragen einer - überna türlichen Welt in die unsere empfinden mag. Furcht überschlich den antiken Bauer daher nicht so, wenn er Nachts umherstrich, als wenn er Mittags durch die glühende Einsamkeit des Waldes gehen mußte, während das heiße Laub unter seinen Füßen knisterte. Da mochte er wohl Pan's Gesicht oder etwas ande res Uebernatürliches plötzlich erblicken und, von panischem Schrecken gejagt, aus dem Walde fliehen. Auch in der Mark kennt man ein Mittagsgespenst. Es ist auch schaurig einsam im heißen Sommer in unseren märkischen Fichten Schonungen. Die Pschcsponiza nennen die Wenden diese Mittagöfrau. Sie hat es vor Allem auf die Kinder abge sehen. Zwischen 12 und 1 Uhr erscheint sie, trägt eine Sichel an einer langen Stange auf der Schulter eine echt sla vische Gespensterwasse und schneidet damit den Frauen die Köpfe ab. Wenn Jemand Mittags auf dem Felde ist, so ist sie plötzlich da, sagt : Sezp a syju (Sichel und Hals), und wer dann nicht bis 1 Uhr ihr Geschichtchen erzählt, den tödtet sie. Wenn die Kinder Mittags in die Erbsen (Schoten) gehen wollen, um zu naschen, sagt man ihnen: Da Schlucht" die Mittagsfrau. In Bloisch dors im Spreewalde ist ein Stein, der ist oben eingesessen, weil die Pschespo niza darauf zu sitzen pflegt. Wenn junge Mütter nicht recht lange im Bett bleiben, sondern Mittags ausstehen, kommt die Mittagsfrau auch in dieStu ben und schafft Unheil. Man nennt sie auch die Flachsjungfer, und wer um Mittag auf dem Felde ist, muß sich hü ten, von Flachs zu sprechen; das ruft sie herbei. Die Mittagsstunde ist überhaupt nichts werth, wie ein Sprichwort im Dorfe Groß'Särchen bei Triebe! behauptet. Da reitet ein Mann auf e! nem weißen Schimmel" um die Felder und weder Mann noch Pferd haben ei nen Kopf. Dann entsteht ein Gesäuse und Gebrause und man sagt : Da kommt der Alte mit dem Schimmel. Im Dorfe Schleife hütete einmal der Bauer Leido ein Pferd in einem Gärtchen hinter ei nem Teiche, schlief da ein und schlief bis zur zwölften Stunde, da kam das Mit tagsgespenst und sraß dem Pferde den Kopf ab. Und im Brahmo kam es so gar zwischen Elf und Zwölf und fraß Menschen. Dieser märkische Pan hat also recht unliedenswücdige Eigenschas ten. Was aber Gutes an ihm ist, das ist: er nöthigt die Bauern, die Mittags stunde ihre Freistunde ja innezuhal ten. Und das ist dem Knechtsvolk gewiß ja angenehm genug. Vielleicht ist das Gespenst sogar dazu erfunden worden. Fast überall in der Mark ist die Pünkt lichkeit zu bewundern, mit welcher die Gespanne, um zwölf Uhr vom Acker heimkommen, sobald nur der Küster evrahmt" hat, d. i. vom Klrchthurm die Mittagsstunde mit dreimal drei Glocken schlagen ankündigt. Was die Pünkt lichkeit der Arbeiter im Einhalten der Mittagsstunde betrifft, so ist diese wohl eine sehr verbreitete und ließe somit aus eme Weltherrschaft des Mlttagsaesven stes schließen. Geyser. Sin türkische Hunde-Novell. Arthur war jung, reich, gebildet, un abhängig, hübsch, er war im Besitz Alles dessen, was das Leben zu verschönern vermag, aber Arthur war Nicht glücklich, er liebte unerwidert Adelen. Adele war jung und schön sonst hätte Arthur Adelen nicht angebetet. Adele war reich, sonst hatte sie Arthurn nicht aus geschlagen, aber Adele war nicht fromm; sie verachtete die Männer im Allgemei ne und haßte Aithur noch obendrein in specie. Warum verachtete denn Adele die Männer ? Adele war bis in ihr zwanzigstesJahr von Sommersprossen fürchterlich entstellt und wurde von keinem Manne emeZ Blickes gewürdigt, obwohl sie keinen Knopf Geld besaß. Im 21. Jahre be. kam sie die Blattern, in Folge deren günstigen Verlaufes sich die Sommer sprossen gänzlich verloren; im 22. Jahre starb ein Onkel und hinterließ ihr sein großes Vermögen, nun war sie angebe tet und umschwärmt; sie aber verachtete ein Geschlecht, das niederträchtig genug ist, eme Aphrodite lieber zu betrachten als eine Vogelscheuche, und so erbärmlich lieber in einer Villa Rebhühner, als in einer Bauernkeusche Grundbirnen aus der and der Liebe zu genießen. Sie haßte aber Arthurn obendrein. um semes und ihres Hundes willen. . mr fl m , . yr uno yiev ttioo und war eme nichtsnutzige, bissige kleine Bestie von Pintscher ; man sagte, er sei noch böser als seme yerrin. Arthur's Hund hieß Geyser und war ein edler, löwenmuthiger Neufundländer mit prächtigem schwarzen Pelz, blutigen Augen und einer Doppelnase, wie sie nur einem Hunde gut ansteht; man hielt ihn für gescheldter als femen Herrn. Fido hatte Geysern gezwickt und Gev ser Fido'n so zusammengebeutelt, daß ihn seine Herrin im Schnupftuch nach Hause tragen mußte. Adele war unversöhnlich, Arthur in Verzweiflung. Arthur sprang in's Wasser, Geyser . ru . , zog iyn mleoer oeiaus ; Artyur war zu emer sehr ungesunden Zeit hmemae sprungen und bekam ein rheumatisches Fieber, das ihn 14 Tage an daS Bett sesselte. Geyser machte alle Stunde einen Höl lenlärm, damit er nicht vergaß, die Me dizin zu nehmen. Als Arthur das erste Mal das Haus verließ und vor Adelen'S Wohnung vor beidefilirte, sesselte ihn dort ein sonder bares Schauspiel. - Vor ihm rannte ängstlich kläffend ein
leiner, nackter Hund er war weder mit
Halsband noch Maulkorb bekleidet hin und her, hinter dem das verkörperte Fa um m Gestalt eines stämmigen Man neö in kurzer Jacke sich anschickte, jene Schlmge über ihn zu schleudern, welche ur seinesgleichen niemals einen guten Klang giebt. Jldo hatte seinenUrlauo in denHaus hos in trotzigem Uebermulhe gegen das Kammermädchen bis aus die Gasze aus gedehnt. Der Unglückliche war verlo ren ! Oben am Fenster stand Adele, rathlos die Hände ringend. Da gedahrt sich mit blitzesschneuer Zeugung in Arthur's Gehirn die retende That; erlöst den Maulkord von Geyser's Schnauze, hetzt ihn auf Fido; ..pack, herein, marsch nach Haus " Geyser faßt den am Rande des Grabes Taumelnden und läuft mit ihm nachAr hur's Wohnung. Fido ist gerettet. Grimmig wandte sich der Apollyon des Hundegeschlechts zu Arthur; mein Herr, wie können Sie sich unterstehen! ch werde Sie arretlren lassen." Arthur aber entaegr.ete erhaben : ist es nicht genug, daß Sie Hunde arreti ren, wenn sie keinen Maulkorb tragen, wollen Sie mich auch noch arretiren, weil ich einen trage? er ging nach Hause. Nach fünf Minuten östnet sich die Thür seines Salons ; athemlos stürzte Adele aus das Sopha, wo ihr Liebling sich eben von der ausgestandenen Angst erholte. Zehn Minuten lang drückte sie ihn stumm an die hochwogende Brust dann erhob sie sich mit Würde. Mein Herr!" Mein Fräulein !" Eine Gefälligkeit!" Tausend für eine mit Freuden !" Geben Sie mir Ihren Hund. Sie fangen gerade mit der Tausend und Einten zu fordern an." Ich muß den Hund un ter jeder Bedingung haben;" wohlan meinen Hund bekommen Sie nur zu gleich mit meiner Hand." Gut, es gilt, ein solcher Hund ist zehn Männer werth." Geyser, bring" rief Arthur, lächelnd mit den Augen nach Adelen winkend. Geyser nahm die Hand Adelen's und zog sie zu seinem Herrn ; in Geyser's Nachen vereinte sie pch mit der Hand Arthur's. Die Erde trug nie vier glücklichere Geschöpfe. Ein edleö Künstlerherz. Henriette Sontag begann ihre Künst lerlaufbahn in Wien. Wer etwas von den Brettern weiß. welche die Welt bedeuten, wird , leicht glauben, daß die junge, liebenswürdige und hochbegabte Künstlerin manchen Kampf gegen Neid und Mißgunst zu bestehen hatte, indessen ihr Debüt war ein glänzendes, trotz der Eifersucht ihrer Kolleginnen. Je mehr die boshaften Schlangen von den Seltenlogen her zischten, um so lebhafter und- leiden schaftlicher applaudlrten d:e Löwen deö Parketts. Fräulein Amalie Steininger war eine der Enragirtesten jener Schlan gen eme Dame, deren einstmalige Oktaven längst vom Sturm der Leiden schast aus wenige scharfe Töne reduzirt waren. Dessen ungeachtet aber hatte Fräulein Amalie noch Ritter, welche ihre Farbe trugen und sür ihre Schönheit eine Lanze brachen, und mit Hülse dieser Ritterschaft gelang es ihr, ihre Rivalm aus dem Felde zu schlagen. Einige Jahre darauf sang Henriette Sontag mit dem Tenoristen Fager zu sammen in Berlin und stellte sogar die Signora Catalani in Schatten. Die Feder der Journalisten sprach und schwärmte nur noch von Heniiette Son tag; und in und um Berlin herum gab es keinen Garten, der nicht geplündert worden wäre, um ihr eme Blumenspende zu bringen. Ihr Wagen war stets von Angehörigen der ersten Fammen bela gert, und mehr als an einem Abend spannte ihr das begeisterte Volk die Pferde aus, um den vergötterten Lieb ling mit seinen Händen heimwärts zu fuhren. Das war ein wahrer Enthu siasmuS ! Sie war, wie schon gesagt, die Catalani ihrer Zeit, nur daß sie jung und schön, während jene ausfallend häß lich war. "s Als Henriette Sontag eines Morgens durch die Straßen Berlins suhr, hörte sie eme liebliche Kinderstimme die. öster reichische Nationalhymne singen. Die Künstlerin ließ sofort halten und winkte die jugendliche Sängerin zu sich an den Wagen heran. .Wie heißt Du. Kleine?, fragte sie, auf die Wagenthür gelehnt, die vor ihr stehende. TcarmtxV." lautet die in echt österreichi schem Dialekt gegebene Antwort. .Wer ist die Frau dort, welche Du führtest?" fuhr die Sontag fort. .Das ist meine arme blinde Mutter erwiderte das Kind. .Und der Name Deiner armen blin den Mutter?" forschte sie weiter. .Amalie Steininger." .Amalie Steininger!" wiederholte die Künstlerin in höchster Verwunderung. .Ja. Amalie Steininger", sagte das Kind. .Meine Mutter war eme be rühmte Sängerin, bevor sie ihre Stimme und das Augenlicht verlor. Sie hat nämlich so viel gewemt, daß sie erblm dete. Dann haben alle ihre Freunde sie verlassen, wir mußten alles verkaufen, was wir besaßen, und gehen nun betteln. damit wir nicht verhungern. Henriette Sontag vermochte kein Wort hervor zu bringen ; die Thränen, welche in ihren gronen glanzenden Au gen perlten, erstickten ihre Stimme. Die Reiter hatten auch Halt gemacht. und waren der Unterhaltung Mit leb haftem Jnteresie gefolgt. .Meine Herren," wandte sie sich nach kurzer Pause zu diesen, .erlauben Sie mir, hier aus der Straße eme Sa:n lung sür die unglückliche Kollegin zu ver anstalten, die des Augenlichtes beraubt ist. Hier ist meine Bör e" uhr ste fort. .und bitte, lasien Sie diese nicht die emzige sem, die den Weg m des Kmdes yande sindet. Im nächsten Moment wurde das Madchen mit Silber und Gold so über schüttet, daß es meinte, der Himmel müsse emen Engel zu ihr gesendet haben. um ihre arme unglückliche Mutter von allem Elend zu befrei.en.
Vin nntin itn I!sMttr tntn .Hinter oer Körngsmauer, No. 19 , antwort:.: daS Mädchen. Nannerl, grüße Deine Mutter von ihrer abten Kollegin Henriette Sontag, und sage ihr, heute Nachmittag werde dieselbe sie in ihrer Wohnung aufsuchen. Ich möchte Deine Mutter selbst sprechen. age ihr also, sie solle mich erwarten." .Henriette Sontag !" rief die Kleine, mmer mehr erstaunt, und lief eiligst zu hrer Mutter zurück, um ihr zu erzählen. wer die schöne vornehme Dame sei. Henriette Sonntag hielt Wort. Im Laufe des Tages suchte sie Amalie Stei nlnger aus m Begleitung emes alten, ihr befreundeten Herrn Sie schloß ihre unglückliche Kollegin mit inniger Theil nähme in die Arme und vermied es takt voll, Wien zu erwähnen, um Amalie nicht daran zu mahnen, wie sie Henriette einst dort behandelt hatte. Der Freund, welcher die Sängerin bei ihrem Besuch begleitet, war ein berühmter Augenarzt; er untersuchte die Augen der Blinden, schüttelte aber schon nach kurzer Prüfung traurig das Haupt. Hier war leme Hoffnung. An emem der nächsten Abende fang Henriette Sontag die Jphigenie"' zum Besten einer unglücklichen Künstlerin, und wir brauchen wohl nicht zu sagen, wer diese unglückliche Künstlerin war. So lange Amalle Stemmger lebte, sorgte Henriette Sontag sür sie und sür das Nannerl, welches die beste Erziehung erhielt und später als berühmte Schauspie lerm, von Liebe und Dankbarkeit beseelt. der aroßen Sängerin Henriette Sontag edles Herz nicht genug rüh men konnte. Sprüche des Weisen El'BewNazi. Der Mensch ist in der Welt mit nichts zusrieden,. außer mit seinem Verstände ; je weniger er hat, desto zufriedener ist er. Der fällt am meisten, wer stolz genug ist, in seine Tugend kein Mißtrauen zu setzen. Der Mensch begeht ost wider Willen ein neues Verbrechen, nur um derScham röthe über ein altes auszuweichen. Eine einzige abgeschlagene Wohlthat macht tausend wirklich erzeigte in Einem Augenblicke vergessen. Geduld ist eine Kunst und eine von den schweren. Die Weiber können sie nicht lernen, aber lehren. Wenige wissen, wie viel man wissen muß, um zu wissen, wie wenig man weiß. Man thut ost viel und thut im Grunde doch nichts, weil man das nicht thut, was man thun soll. Die Menschen bezeugen die Idee des Rechtes, die sie in sich tragen, stets mehr dadurch, daß sie das Böse an anderen gestrast, als an sich verbessert wissen wollen. Die Vortresflichkeit des wechselseitigen Unterrichts bewährt sich nirgends besser als in den Zuchthäusern; die meisten kommen als größere Schurken heraus, als ste hineingegangen sind. Ein herbes Gemüth wird mit der Zeit nicht milder, und eine schärfe Zunge ist das einzige schneidende Werkzeug, welches durch beständigen Gebrauch mcht abgestumpft wird. Macht das Glück fröhlich, so macht daS Unglück weise, und die Weisheit macht doch am Ende trotz dem Unglück wieder fröhlich. Unsere eingeschränkte Natur kann keine ununterbrochene Glückseligkeit ertragen. Geregnet muß es haben, wenn dieSonne uns recht lieblich scheinen soll; gestürmt muß es haben, wenn die Stille uns recht wohl thun soll ; und nur durch einen Zusatz von Bitterkeit gewinnen dieLeckerbissen deö Lebens ihren wahren Hochgeschmack. Die Vergehung eines gemeinen Man nes gleicht dem falschen Gange einer Ta schenuhr, der nur eine Person betrifft, vergeht sich aber ein hochgestellter, ist es so, als wenn die Klrchthurmuhr falsch geht, das macht Viele irre. Unter dem Volke in Genua ist die Redensart: .daß du eine Ambo gewinnen möchtest" eine sehr gewöhnliche Verwün schung, und soliden Erfahrungssatz deut lich machen, wie jeder Spieler durch einen kleinen Gewinn geködert, gelockt und in's Verderben gestürzt wird. ES ist das Weib' ein süßes Uebel, - Ein leichtes und ein schweres Joch. Es kommt mir vor wie eine Zwiebel, Man weint dabei und ißt sie doch. Das erste Weib ward durch denTeufel, Durch's Weib der ersteMann verführt. Seitdem hat stets die Frau' derTeufel, Und stets die Frau den Mann regiert. Sieht man eine Burgruine, so mag man sich darüber trösten, daß die Raub vögel, die dort gehorstet haben, in Ab gang gekommen oder zahm geworden sind. Ein Vater klagte: Meine Tochter hat Beruf zum Klosterleben, aber zum Un glück ist sie nicht reich genug, um das Gelübde der Armuth abzulegen. Der Geist warnt ost das Herz und spricht - ein. ernstes Wort, Ja, sagt das Herz, und geht auf altem Wege fort. ' Die Nationen, die sich aus ihre großen Männer am meisten einbilden, .sind oft die letzten, die sie bei ihrem Leben ehren. Nur für den, der schon im Grabe liegt und Niemanden mehr im Wege steht, darf man eine Gewogenheit hoffen, die nun kein Neid mehr schwächt. Mit dem Recht ist es wie mit dem Fleische; es ist zü theuer, als daß e3 auch den armen Leuten zu gut käme. Ueber raschende Entdeckung. Frau: Ich bin in Geldverlegenheit und möchte sragen, was Sie mir auf den Löffel darleihen könnten er ist ganz gut und echt da brauchend keineSorge zu haben. Die Frau Barsnin, welche bei mir wohnt, hat ihn schen ost benutzt, und die nimmt nichts, ivas nicht ganz echt und gut ist. Leihhausbeamter nachdenklich) Nun warten Sie 'malader Frau Baronin hab' ich allemal $0 Mark daraus geliehen! - '
ftASV IVVIII hVll Hltlll Kiira V fragte Henriette weiter, sich an dem Erstaun.' der Kleinen weidend.
Schritt und Lauf. Die
Welt am Wanderstabe durchmeffen, isteine jener leicht hingeworfenen Redens arten, bei der man kaum die Unmasse von Beinschwingungen überdenkt, die dazu erforderlich sind. Und doch ist der Schritt ein geringfügiges Fortbewe gungsmittel. Bei einem erwachsenen Manne rechnet man durchschnittlich 05 Centimeter darauf. Man hat berechnet, daß der franzosischeSoldat beim gewöhn lichen Marsch 76 Schritte in der Minute macht, während dcr Geschwindschritt 100 und der Sturmschritt 126 Schritte in der Minute zählt. Daraus ergibt sich, daß der französische Soldat im gewöhnlichen Schritt etwa 2j Fuß in der Secunde zu recklegt, während er im Sturmschritt etwa 3 Fuß in der Sekunde durchmißt. Für das deutsche Militär aber ist der schritt jetzt auf 90 Centimeter Läna angevom men und das Zeitmaß auf 112 Schritte in der Minute für den gewöhnlichen Marsch, auf 120 für den Sturmschritt. Längst erwiesen ist es übrigens, daß man beim Schnelllausen keineswegs durch die Verlängerung der Schritte schneller vor wärts kommt, sondern nur durch deren Beschleunigung. ES hat gewandte Lauser gegeben, die schon 14, ja sogar 30 Fuß in der Secunde zurückgelegt haben, eine Schnelligkeit, welche fc.st derjenigen der besten Pferde gleichkommt. Gute Kutschenpferde, wie z. B. dienordamerikanischen, durchlaufen bei Trabbewegun gen 1000 Meter in 1 Minute 27 Se. künden. Wenn nun auch ein Menfch eine Zeit lang an Schnelligkeit mit dem Pferde zu wetteifern vermag, in derAus dauer wird er es nie auch annähernd erreichen. In Wien gab es bis zum Jahre 1848 eine förmliche Zunft von Schnellläufern, die sich aus den Vorlau fern gebildet hatte, die vor fürstlichen und herrschaftlichen Galawagen hertrabten. Diese mußten alljährlich am 1. Mai einen Wettlauf im Prater anstellen. Einer der berühmtesten Schnellläufer, welchen die Neuzeit gesehen hat, war MenseN'Ernst, ein Norweger, der indeß auch, wie die meisten semer Genoffen, dem aufreibenden Gewerbe zum Opfer siel und an einem Lungenschlag endete. Ein excentrischer Lord. Gegen Ende des Jahres 1880 starb Lord Wristd, eines der größten Originale Londons. Während seiner amerikani' schen Reise trat er eines Tages in Philadelphia in ein Restaurant und verlangte ein besonderes Gericht. Der Kellner betrachtet den Gast und sängt an zu lachen; der Lord zieht eine Pistole und feuert aus den Kellner, dieser stürzt zu Boden, man laust hinzu, der Wirth des Etablissements lamentirt. aber Wristd sagt ernst und ruhig : Setzen Sie die Luche auf meine Rechnung? Aber der arme Teufel war nicht todt geblieben, er hatte sich erholt,und man brachte'ihn in's Hospital, wo er gut gepflegt und bald von der erhaltenen Wunde geheilt wurde. Der Lord sehte dem Burschen eine Pension von 8000 Mark aus. Künstliche Finge r. Von berühmten Kriegshelden ist es bekannt, daß sie sich beim Verlust von G'.iedmaßen künstliche machen ließen und so das Kriegshandwerk ruhig sortsehtcn. So Götz v. Berlichingen und der wilde Herzog Christian von Braunschweig, die mit ihren eisernen Händen ebenso kräftig dremschlugen, wie. ehedem. Der General Nadasdy zog fogar mit einem silbernen Beine in den Türkenkrieg. Ein ähnliches Beispiel bietet die Musikge schichte. Desrnasures, ein vorzüglicher Organist, der am Ende des vorigen Jahrhunderts in Rouen lebte, verlor auf der Jagd durch das Platzen seiner Flinte die drei letzten Finger der linken Hand. Er ließ sich künstliche machen und es gelang ihm durch angestrengten Fleiß trotz der künstlichen Finger die srühere Fertigkeit im Orgelspiel wieder zu erlangen. E in Sorgenbrecher. .Können Sie mir nicht etwas geben, das aus meiner Seele die Gedanken an Sorgen und trübe Erinnerungen verbannt Y fragte ein melancholisch blickender Mann einen Apotheker. Der Medicinmann nickte stumm und mischte ihm eine Arznei mit etwas Chinin, Vermuth, Rhabarber, Bittersalz und Ricinusöl. DaS Mittel half, denn sechsMonate lang hatte der Mann nichts weiter zu thun, als im mer neue Pläne zu ersinnen, wie er wohl den abscheulichen Geschmack dieser täglich genommenen Mixtur aus dem Munde los werden könnte. E i n n ch 5 n 1 1 Z u g D e r französische MarschallBaffompierre wur de im Jahre 1602 als Gesandter König Heinrichs IV nach Bern geschickt, um die von Heinrich III geschlossene Allianz zu erneuern. Als er, nachdem er seinem Austrage entsprochen, bei seiner Abreise bereits zu Pferde saß, traten die Abgeordneten der Schweizer Kantone, jeder mit einem Becher Wein in der Hand, an ihn heran, um ihm den Ab schiedstrunk zuzutrinken; jider leerte seinen Becher bis auf den Grund. Da ließ der Marschall dreizehn Flaschen Wein herbeibringen, goß den Wein in Ermanglung eines Glases in einen seiner großen Reitersticfel, setzte an und trank ihn in einem Zuge aus auf das Wohl der Schweiz. Elektrische Funken. Die Mode ist eine zweite Vesta : ihre Priesterinnen bekommen keine Männer. Eine Uhr, ein junges Weib und ein altes HauS bedürfen unausgesetzter Für sorge. Wenn der Affe seinen Leib im Spie gel erblickt, so zerschlägt er ihn. Könn te mancher Mensch seine Seele im Spie gel sehen, wie sie wirklich beschaffen ist, er würde ihn wohl auch zerschlagen. ' Zwei kräftigeFreunde sindUhren, wel che in ihren kleinenPendelschlägen abwech selnd abweichen und zusammenstimmen, aber bei dem großen ordentlichen Aus schlage in einer Stunde zusammentref fen. Wenn der Teufel du Seele eines Genies als Braten verzehrt, so beißt er gewöhnlich die arme Seele eines Recensenten von Profession als trockenes Brod dazu. Manche Pädagogen vollen die Lei denschaften ihrer Schüler zügeln, haben aber die Ihrigen noch so wenig in ihrer Gewalt, daß sie im Streite mit der Grammatik den Geist aufgeben. .
. Zur Feier d,ö Hufslienfestes in Stetnau, am 15. Mai. Au Bernau im Märrschen Lande, Wo die Panke aus dem Stande Quillt an sechs Zoll tief und breit. Ist gescheht in alter Zeit Folgende Historia. Vor vierhundertfünfzig Jahren Kamen der Husstten Schaaren In die Mark zu wilder Hatz, Sengten, raubten, brannten.schatz. Trieben Mord und Schande. - Gen Bernau auch, schrecklich hausend, ' Zogen ihrer schier Dreitausend,
trugen ueq oer totaöt Bcgier Weil's allda gab köstlich Bier, Schöne Frau'n und Mägdlein. Aber damals war ein schlauer Pfiffiger Bernauer Brauer; Fuhr zehn Wagen Bier vor's Thor, Solches hatte er zuvor Mit Strychnin verguften. Als die Wächter von den Thürmen Sah' heran die Feinde stürmen. Hub sich Weh- und Kampfgeschrei, Weiber kochten Wuch und Brei ' Wider die Husstten. Doch der Meister dort der Bürger Sprach : .Wir forchten nit die Würgec Hlmmelkreuzschockschwerenoth ! Schlagen wir die Czechen todt Wie die tollen Hunde!" Seht, da öffneten die Leiber Greise, Kinder, Männer, Weiber; Schwerter, Flegel, Hämmer viel, Messer, Gabeln, Besenstiel Glänztrn da zum Kampfe. Nächtlich zogen die Bernauer Durch das Thor nun vor die Mauer, Wo dort auf dem Rothen Feld War geschlagen, Zelt an Ztlt, Der Husstten Lager. Bon dem Bräu mit gingen Stoffen Hatten sie zu viel ge trunken; Lagen da in tiefem Schlaf Auf dem Stroh und schnarchten brav. Wie die Murmelthiere. Eh' die Feinde noch erwachten, Ging's nun an ein großes Schlachten: Auch nicht ein Hussit entrann. Alle bis zum letzten Mann Wurden abgemetzelt. Als die Feinde dann bezwungen Und der schöne Sieg errungen. War groß Jubel in Bernau, Und es sprach zu Mann und Frau Stolz der Bürgermeister : Achtzehnhundertzweiundachtzig Wird man dieser großen Schlacht sich Noch erinnern in Berlin Und zum Siegesseste zieh'n Gen Bernau ! Victoria ! Kladderadatsch. .Nachdem einer der Sicher, hettsbeamten, welche in demRingtheater. Prozeß als schwer compromittirt scheinen, durch ein Avancement ausaei worden ist, steht die Ernennung des Herrn Jauner zum Branddirektor in Aussicht. Ferner sollen alle diejenigen Beamten der Polizei, welche das Thea ter mcht betreten haben, die Rettunsmedaille erhalten Herr Staatsanwalt Lamezan, der Außerordentliches leistete dürste mit einem einfachen Verweis da vonkommen, nachdem die Absicht ihn wegen fahrlässiger Unterstützung Sterbender anzuklagen, aufgegeben scheint. General Jgnatieff hat eine von ihm kürzlich vorgelaffeneDeputation von Zuden seiner .wohlwollendsten Inten, tlonen" versickert. D, fc..,. schieden mit dem erhebenden Bewußtsein, .daß sie bei der nächsten ?ludenderssi.n berücksichtigt werden sollen. 1 8 Unmaßgeblicher Vorschlag zur Güte Die in der neueren Zeit wieder mehr, fach im Deutschland aufgetauchte Ueber. Völkerungsfrage veranlaßt uns, dem Reichskanzler folgenden Gesetzentwurf als unmaßaebllcken XnrtäUn ,1. ......1 breiten : - alicht1' Zugvögel werden verstaat 2- Jeder über die Grenze kommende Storch hat emen möglichst hoch zu grei senden Emgangszoll zu entrichten. 9 JrcierU? diesem Zoll erwachsen den Ertrage sind zumBesten derUnfalls Versicherung zu verwenden. Einige Freunde der neuen Wirth. schaftspolitik. Kothederblüthen. Die französischen Flüchtlinge waren s''br gewerbthätige Franzosen. Lle Mönche waren Musterschulen für die Oekonomle und wurden von ihnen selbst bearbeitet. Nun, wie lange regierte Dante? Als schrecklichesVorzeichen hat damals auch ein ungewöhnlich große? Ochs statt, gefunden. Wenn Einer die Geschichte nicht stu. dirt, der ist kein Mensch, der ist ein Bauer. Goethe betrachtete Schiller's Erst, lingswerke von einem Standpunkte aus. den er längst überwunden hatte. Chlodwig war ein an Körper und Geist unzurechnungsfähiger Mensch. Die Holländer tragen auf ihremKopfe eine eigenthümliche Hutbedeckuvg. Beliebte und unbeliebte Tischgäste. Mathematiker ladet man gern zu Ti sche, denn sie sind sehr bescheiden, indem sie mit Wurzel:, 'vorlieb nehmen, auch Optiker mag man gern leiden, denn sie sind zusrieden mit Linsen und einem Specktrumm (Spectrum) ; aber von den Geometern will man nichts wissen, die sind unverschämt, denn sie bringen sechs Tanten (Sextanten) mit. Brennende Frage. In Hannover's Vorstadt Linden Erdöl und Asphalt zu finden, DaS ist wahrlich nicht so schwer,' Schwerer löst sich schon die Frage ; Wo und wie sind't heutzutage Sich der nöthige Aktionär Z
