Indiana Tribüne, Volume 4, Number 263, Indianapolis, Marion County, 4 June 1882 — Page 6

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Irauentrost im Kriege.

- "Bn VH lfciu? "Mulier taceat in " ecclesia" u ! Deutsch : .Esschwelge das Welb in der Azrche", sagt Apostel Paulus und kenn zeichnet hlemtt scharf und bestimmt die Stellung, welche das Weib im Alter thume emgenommen hat. Es schweige das Welb ln der Kirche", so hieß eS nicht allem zu? Zett des beginnenden Chri stenthums, sondern auch lange vorher schon, als noch die Völker Asien's Welt geschlchte machten. Und die Frauen schwiegen zu all' dem grenzenlosen tlutlgen Jammer, den uns die Geschichts. schrnber vom Beginne der historischen Zeit an allein zu schildern wissen. Die Frauen mußten es schweigend dulden. wenn der Geliebte, der Gatte, der Sohn dahmsanken in der mannermordenden Feldschlacht. Es ist auch heute so geblieben; heute wie damals wüthet der Mensch gegen den Menschen im blutigen Streite -Krieg geheißen, und die Frau steht abseits mit der Sorge im Herzen, der Thräne im Auge. Hat sich aber das Geschick vollzogen, ist die Schlacht geschlagen, ächzen die Verwundeten auf ihren dürftigen Lagern dann wird nach dem Weibe gerufen, nach seiner milden pflegenden Hand, denn es genügen auch die vollkommensten sanitären Einrichtungen im Heere nimmer, und es muß die freiwillige von Frauen geübte Krankenpflege ihre Trost spendende Thätigkeit entsalten. Da schweigt das Weib auch nicht mehr, fein Herz leitet Zunge und Hand, und ein segensvoll wirkendes Wesen schreitet die Frau an der Seite der schlachtengewohnUn Männer. Der große Ausschwuna. welchen, durch die Genfer Convention veranlaßte, die Krankenpflege im Kriege wahrend der letzten Jahrzehnte aenommen, die allqe meine Theilnahme, die Begeisterung, die diesem Humanitären Streben von allen Nationen entgegengebracht worden, ist jjum UlüßCU -igniC HUI luiiuicge Uno .--Z.. 0 '.i . z z ". y. . v l bürgerliche Frauen zurückzuführen, wel

oze Mit Wort und That eintraten für So viel wir aber auch ,n den Gediese schönste und edelste Idee des neun schichtSbüchern und Dichtungen des römi

zehnten Jahrhunderts. Eme Nuaichau uf dem Gebiete der Hilfeleistung im Kriege vom Alterthum bis inS Mittel alter und die Neuzeit möge zeigen, wie ts bauvtsSSliQ durch die intellectuelle Entvickeluna und Fortbildung des Wer des gelungen ist, die sanitären Einrich tungen im Kriege zu ihrer heutigen AuS dildung zu bringen. So lange das Weib unter der despotischen Herrschast emes Mannes stand, dessen Sklavin eZ war, so lange konnte es nur zwischen seinen vier Pfählen die angeborene Ge schicklichkelt zur Krankenpflege verver then. Daher tritt in der alten Zeit die Frau weder in der allgemeinen, noch in . der Geschichte der Heilkunde in den Vor oergrund. Um sie mag wohl oft Streit und Kampf entbrannt sein, wie um jede andere degehrenswerthe -Sache wie um ein Pferd, einen fetten Weidevlak etwa allein sie selbst blieb passiv und wanderte theilnahmslos in das Zelt des CT . a V. rt . vc f - . . . Sieger, oer iic gewann vno oem ne eine i Sllavm wurde, wie sie es dem früheren ot m m 1 Wer gewesen. vn : v . : cwsiit t. i aw wiücii ici N!lerlyum oaaer nur ournlge Spuren emes AnldetteZ von ü " uuu craun II A fr 4 i äfm I L. . M aa .4V VI 1 ' - - ... u I v . i . i- rr ccienpjugc. . Ja, wir vmen wenig von emer sol chen überhaupt zu erzählen, und in den testen Nachrichten, die wir von den Menschen haben, in den Dichtungen, Sagen, Bilderschriften fließen die Quel. len zwar reichlich über blutige Kriege - Mq om fltrnn Dir - schlcgenen Wunden. Es mag dies auch mit der Beschaffenheit der ursprünalichen Waffen zu ammenhänaen. Diese ocixanocn aus weinen, aus qax Zuge- -. . r l -r r I spitzten Knochenstücken, aus derben Keu len. Es konnten nur Quetsch und Stich wunden entstehen. Der Verletzte schleppte sich auZ der M , Ä , , ' Ntthe der Kampfenden, oder er blieb auf deznSchlachtfelde liegen, wo er vom leger, m?nn er. cywer verwundet war und daher keinen tüchtigen Sklaven mehr abzugeben versprach, einfach erschlagen wurde. Jedenfalls das kürzeste Mittel, den Verwundeten von seinen Leiden zu erlösen. Doch die wilden Höhlenbewohner und Pfahlbauer der vorgeschichtlichen Zeit unserer Erde wuchsen langsam, aber stetig geistig fort, und daS erste Denken gewann viaum ,m Gehirne des Urmen . schen. Er machte Ersahrungen und verglich. Er träufelte das heilende Naß auf ldie brennendt : Wunde, er wusch sie, druckte einen blutstillenden Laubverband ; auf dieselbe und that Andern ebenso. Sem Sohn erlernte diese Handgriffe, übte neue, suchte nach kräftigen Heilwur Sein, und der erste Arzt war ohne Rigo. rosum und Taien promouirt. ' Aus oiqen ansangen mag q vle Seilkunst entwickelt haben. Die ersten Aerzte, denen wir m der Weltgeschichte begegnen, waren die Priester, so bei den Indern die Brahmmen. Sie folgten dem Heere, beteten um den Sieg und sorgten für die Kranken Aehnlich auch . tul IWrthhfm v,Tn Kam w..!. ci um a'"- viu viuumi xocDcns ocpnocniia; oououngen ein .Lazarelhs. Man sieht abgeschnittene Arme und Beine und die zu diesen Ope rationen nöthigen Instrumente. Nach EberS sollen auq ct grauen oes Pya raonenreichs sich mit Krankenpsteae be 'schäftigt haben. In Homer's .JliaS" lesen wir u. A. : Denn ein heilender Mann ist werth wie Viele zu achten. Welcher die Pfeil' ausschneidet und auf legt Ilnoernoen Balsam. Bei Kenophon finden wir den ersten ZZakl einer Fürsorge für die Verwunde ten der Gegner : Kyros (der Jüngere) fcl. Qiekanaenen ,u si tammtn. den Verwundeten schickte er Aerzte, welche sie feilten Philipv und Alexander von Makedonien hatten elvarzte m lyrem Gefolge, doch findet sich nirgends eine Andeutung, daß eS Lazareth'Einrich tungen zu dieser Zeit gegeben habe. Lock weniger trat das Weib aus dem Ovnalkeion. um den Kranken Vllse ui bringen. Dennoch scheinen die Griechen den Beruf desselben hiezu erkannt zu - j . CT . C tTi T.in vier Rfrnnmie teoner jcind MjmW 9 99 W W V9WIWV w - w - w -w -m www V

sthenes sagt : .Ihr werdet wohl uissen.

wie. ; viel eine Strau für einen' kranken. ! Mann werth ist." Allem Gesetz und Sitte werten' dem Meibe den Zutritt in 3rft b3 rundeten ffrieaers. und nur ihren Hausgenossen kam die Wohlthat ihrer Pflege zugute, . Die Römer hatten ihre Kämpse in den allerältesten Zeiten zumeist in der Stadt nahegelegenen Gegendm und die Ver wundeten konnten, nach Hause gebracht werden. Doch galt es auch spater als heiligste Pflicht des Feldherrn, für die Verwundeten zu sorgen. Selbst von der Verfolgung eines Sieges mußte ost ihretwegen abgestanden werden. Inte ressant .ist eine Stelle des Tacitus, die sehr an ein jüngst von uns Allen mit Grausen erlebtes Ereigniß erinnert. Das schlecht gebaute hölzerne Amphitheater zu Fidenä, eine Meile nordöst. lich von Rom, stürzte zur Zeit des Kai sers Tiberius zusammen und begrub fünszigtausenÄ Menschen unter seinen Trümmern. . Tacitus erzahlt hierüber : Die Häuser der Vornehmen standen den Verunglückten offen, Verbandzeug und Aerzte wurden allenthalben geleert. und es war an jenem Tage die Stadt, wenn sie auch ein trauriges Ansehen hatte, den Einrichtungen der Alten ahnlich, welche nach großen Schlachten die Verwundeten durch Freigebigkeit und Sorgfalt erquickten." Mit dem Heil verfahren stand es freilich übel. Der ältere Cato empfiehlt, Kohlblätter auf die Wunden zu legen. Ueberdem gab es ja die Hausgötter, ja Götter für jede Erkrankung eines Körpertheils. Diesen ward ein Heilopfer dargebracht oder eine Zauberformel gesprochen und das Uebrige that Mutter Natur ! Von dem Auftreten griechischer Aerzte in Rom datiren die Anfänge eines ae regelten Medicinalwesens. Kaiser Au gustus, der seinem Leibarzt und dessen Kunstgenossen das Recbl verlieh, den goldenen Ring, das Ehrenzeichen der römischen Witter, zu tragen, schuf auch, zugleich mit der Organisation eines n . t - v. e.-o !.:isiv:n juycuuc jycctc, einen vuiiiiuiuicun M demselben. schen Volkesdlattern, um die Frau zu suchen, welche stch auf dem Gebiete humanitären Wirkens für kranke Solda ten bemerkbar machte wir finden sie nickt: Denn au die Römerm lebte m strenger Abhängigkeit vom Vater und Gatten, auch ihr war keine freie Bewe gunj;, kein selbstständiges Handeln gestattet. , Wahrend alle Völker des Alterthums im rüge verpflegenden Hand desWei des entbehrten, oa sie ihm Nicht lene Lebensstellung, die ihm gebührt, nicht das freie Selbstbestimmungsrecht des Menschen zuerkannten, leistete die ger manische Frau ihrem Volke sowohl im Kriege als im Frieden als freie Gattin und als heilkundige Pnesterm die größ ten Dienste. Sie begleitete den Gatten auf seinen Kriegszügen, den verwundet Dahlnünkenden verband und labte sie. den Leichtverletzten geleitete sie zu den Wagen, der Sterbende fand Trost im m rr j i - r cm . r v ngcumic mnes zuciees, leiner lnoer. 5Xn einer Seit, da die rümilck ffinmi, W " "V " w ' I T na. durch eine Beweauna des Daumens . - - . den des eaten Gladiator kalten Rlute dem 5ode weinte, wor-n . di m mwj a m - . Nl aen brauen, welcde die Wunden aus i. ' v ' ' - : ' dem SÄlachtselde verbanden und so ,u. erst den sSwersten. nfar prftnUrtfon ruk des WeibeZ erfüllten. Dnck n? sfreieGefSbrtin desGatten konnte die deut. scke Kran sa bandkln. mmmtr ls vin, nimmer als das ins Frauengemach gebannte Spielzeug des Mannes ! Darum begegnen wir auch bewundert.den Blickes im deutschen Alterthume einer hthrtn Rrautnnrfintt m wZr Z sn klaMscken leiten Wtö; mr t,crget)cn5 suchen. Hütten wir Gelüste , , , ? " U " , ... nach neuen Schukpatroninnen Hal. dora, Glum's Weib, müßte die Bt iquserm auer grauen wtttmt vom Rothen Kreuze fein! In der Viga (Rliirn'a Ginn w!?. 1V.MM. - WHV W.W VtJUII; VUp l dora die anderen Frauen zu sich rief und sie aufforderte, mit ihr die Wunden Der. Zen aen ,u , verbinden, an deren Qtfan nicht zu verzweifeln sei, gleichgilUg von welcher Partei sie wären. Die Hand, lung dieser edlen Frau fällt in das Jahr 983, etwa siebzehn Jahre vor Christi. nisiruna der 5nsel Island. Neunbun. dert Jahre vor Abschluß der Genfer Convention fand das germanische Weib den Gedanken der freien Vereinigung von Frauen zur Hilfeleistung im Kriege! Doch nicht vereimelt steht die Thatsache der Vervundetenpflege durch das Weib in der Geschichte unseres VolkeS. Den Helden Frohmund pflegte in der nordischen FrohmundS - Sage des Königs Schwester Swanhoyt. .Sie besah seine Wunden so heißt es, .nähte den Leib zusammen und trmp& Ihm nss, m..,. Wie diese ärztliche Hilfe beschaffen war, darüber giebt uns eine Stelle aus der .HeimSkringla", einer skandinavischen Dicktuna des elften 5kaordünderts. R,. Md. ES wird das Ende Thormodr's, des königlichen. Hof . Dichters, in der Scklackt bei t!cklsZad insn c; geschildert. Thormodr wurde von' einem Psette getroffen; er brach den Schaft ab, . ? " .r .1 . . 1 ' i Dcrucp 005 La)laa)lieio und ram zu emer Scheune, welche em grokeL Ge bäude war. Hier waren viele verwun. dete Männer. Bei ihnen befand sich eine Frau, welche die Wunden verband. Da brannte ein Feuer auf dem Estrich. bei welchem sie etwas Wasser wärmte, um die Wunden zu waschen. Das Weib betrachtete ThormodrS Wunde und fand, daß em Elfen IN dieser fest steckte, wußte aber nicht, wohin sich besten -".'. V. V . . VplZe gewenoer. sle yane oa er schiedenes in einen Steinkestel zusam men gethan: einen Hausen Lauch und andere rauter, und rocyte das zujam men, und gab es den Verwundeten zu trinken, indem sie dadurch untersuchte. ob deren Wunden bis in den Leib gin gen. Thormodr wies den Trank 'zurück. Zog zum lyzuzie eiver oen ytn aus der Wunde und sank dann todt zusam men. Diese Erzählung zeigt eine schon ziem lich gut entwickelte Organisation der Krankenvfleae im Heere. Doch viel j früher fchon, lange vor Einführung des s Christenthums, hatten die germanischen I rtr V V. CVf . c i vinuer exn p.nrm n?? v nir?? :n:iT nr 4 - V ? G ? " " V V V W ' 1 ''V' '

Frauen im 'Lager geübtes ' Sanitäts

Personal'i Als. Heilmittel . fungiNen wohl die absonderlichsten Dinge. Wir finden die ältesten Medicamente im Ha . - c . je . v . ri. u v. I vamal, ven zspruqen ajoaen , v. i. Odin's:. ; . . ,Wo Oel getrunken wird, rufe die Erd kralt an : Erde trinkt und wird nickt trunken. Feuer hebt Krankheit, Eiche Verhärtung, Aehre Vergiftung, .... Der Hausgeist häuslichen Hader, Mond mindert Zornwuth, Hundsbiß heilt Hundshaar" tt. Die aebeimnikvollen Runen. Siea .Runen, HilsS-, Spruch-, Baum und . . c . m CY - 5Slnn'Nunen, waren vor Auem als efchwörungs'Formeln wichtig : Baumrunen follst du kennen Willst du heilkundig sein -Und sehen wohl nach Wunden. In die Borke sollst du die schneiden Und in it Blätter der Bäume, Die da neigen östlich die Aeste." Qiemit nehmen wir Abschied von den alten Deutschen und wenden us der Betrachtung der Krankenpflege im Mit. i-r-i. rn v r e icialler zu. ei oen aravlicyen yali fen finden wir einen sehr entwickelten Sanitätsdienst. In Eurova übertrug Karl der Große den Mönchen die Aus. gäbe, an den Klosterschulen Medlcm zu lehren, und in der Folge entwickelte sich die Heilkunst unter deu kundigen Händen der Mönche und Priester zu neuer Blü the. Diese schöne Erweiterung des geistlichen Berufes störten jedoch mit rauher Hand die Päpste. Auf der Kir chen Versammlung zu Le Mans im Jahre 1247 wurde der in vieler Hinsicht eigenthümliche Grundsatz aufgestellt : "Loel68ia. al)k0rr6t. a sancruine" (Die Kirche verabscheut das Blut") und dieser Satz zum Dogma erhoben. In Folge besten wurde den Priestern und Mönchen dci Strafe des Kirchenbannes verboten, die Heilkunst auszuüben und Verwundete zu pflegen. Die Werke christlicher Liebe zu üben verwehrte man den Priestern Christi. Die Kirche nahm ihren Dienern das Familienleben, denn die Priester-Ehe war noch bis ins zwölfte Jahrhundert gestattet; sie nahm ihnen auch die Ausübung eines menschlich schönen Berufes ! In dieser Zeit, m der die Gewalt allein herrschte, zeigt man wenig Gefübl für die Qualen der armen Verwunde ten. Erst im Anfange des zwölften Jahrhunderts, zur Zeit der Kreuzzüge, wurde der Orden vom heiligen Johannes von Jerusalem gegründet, welcher den verwundeten und erkrankten Gottes streitern Spitäler errichtete, und der die erste freie Vereinigung zur Kranken, pflege repräsentirt, welche wir im Mittel alter zu verzeichnen haben. Wie wenig die Hilfe am Krankenbette dem guten Willen hiezu gleichkam, ist wohl leicht zu errathen. Fehlten doch in Deutsch land alle chirurgischen UnterrichtSanstal ten, beruhte doch die ganze innere Heil Methode aus rohester Empirie. Die Kirche bestrafte die Sectlon emer Leiche mit dem Feuertode. Wober konnten die Aerzte also ihre Kenntnis von den Vor gangen im menfchllchen Körper schöpfen ? So ,sanken Medicin und Chirurgie im mer tiefer, sie geriethen in die Hände der Bader und Scherer. die dem Volke als unehrlich galten, und denen erst König Wenzel wiederum das Zunstrecht ver lieh. Während in Frankreick und 3ta lien schon die chirurgischen Lehranstalten zu Paris, Montpellier, Bologna und salerno blühten, sungnten m Deutsch land noch Charlatane. die alles Wissens dar waren, als Wundarzte. Der ersten neueren Organisation der Verwundeten pflege im Kriege beaeanen wir in ftnmk ich, wo der Heldarzt Ambrostus Pare unter König Heinrich IV. bei Gelegen, heit der Belagerung von Amiens das erste Militär Lazareth errichtete. In Deutschland war es Maximilian I., der für seine Landsknechte die erste sanitäre Fürsorge traf. Wir begegnen hier der charakteristischen Fiaur des Feldsckeers. uoer uic icuung oeezoen, oer unier Anderm auch die Soldaten zweimal wöchentlich rasiren mußte, war keine sehr ehrenvolle und anaenebme. Die böckste C irt. t ..." - ärztliche Behörde im Landsknechtheer war oer Ooritt-Tielo-Arzt seine Ent lohnung 40 fl. monatlich. Dem .Obrist 4t?t &i!Ato?f , ... fc..c fcUUf fUllvll g U U M P UUl (H Doctor und ein Feldscheerer. dem Zeld märschall ein Doctor der Artzeney, dem Feldzeugmeifler em Wundartzt zuge theilt.. In einem sehr selten gedorde den Buche des Ulmer Büraers Zronsv ger, der das Landsknechtvesen eingehend chuoert, pnoen wir auch die folgende Jnnruclion : .IM ffalle emer Belaae rung sollen auch geschickte Doctores, Wundärtze. Baliiere oder Sckeerer und Prädikanten zu Trost und Unterhaltung ver ranren, auch alte Frauen oder Weiber, derselben zu warten, gehalten werdm." So beaeanen wir also wieder den Frauen in der Pflege der Kranken. Ä)0ch )t waren nicht den idealen Gestal tey hehrer Priesterinnen vergleichbar wie sie unS auö deutschen Saaen entaeaen treten. Eswar das derbe, streittücktiae. habgierige Landsknechtweib, das mit dem (Wl & scanne in oen Krieg zog, seme Kost ZUbereitete. Kleider Nickte. Wäicke wusck lind dessen Habseliakeiten von einem Ort zum andern schleppte, wie eö eben der rauye riegsdejen da und dorthin fegte, m m - & kT ! rfV - - & f . um um qiükl ju ipreiZtll. Monslog eines Wurmes. Zertritt' mich nicht, o Mensch, gieb acht! mt sonne fcheint o heu, Auch mich entzückt die Himmelspracht, Und sie entflieht so schnell. Ston' mich. nffslTTt'Ä $)ir hin Jr m v M1IV UV In Gottes Sonnenlicht, Nur ich verlange ja nicht mehr Nur ganz zertritt' mich nicht ! Ich krümme mich ja, wie ich muß. Und thu' Dir nichts zu Leid ; Erhab'ner, sieh', zu Deinem Fuß Blüht meine Seligkeit. Du bllck'st entsetzt zu mir herab ; Groll'st Du, weil ich geklagt ? Wie, oder zürnst Du, weil im Grab Dich einst der Wurm zernagt ?

Aer Iksg.

Jza Dr. ,A Bott. Der Floh. dai Flöhchtn, . Da leckere Thirchn , Slürft süßes Alutauf. T. gekanbruch Zum Kühemelken . V Leckt er die Mädchen: 4 il feine Arbeit.. . , LItthaui'chei LsttZliid. DenOberkörv:r leicht vorgebeugt, den Blick aespan.: ach einer Richtung din gewandt, den rechten Urm ausgestreckt und die rosiaen tyhmtx argriffdereit, in Haltung und Gcberden die groteSpan nung so steht die Jungerm der Dia na da, des gus.'1kgen..Äugenbttckes har rend, wo sie ihrer Göttin das .Jagdop' fer darbingen kann. Und welches ist das edle Wild? Mit Verlaub ein Floh! Wer kennt ihn nicht, diesen kecken Eindringling V In der gebrechllchenBe hausung des Armen, wie in den Prunk gemächern des Neichen treibt er sein ver stecktes Wesen. Wäre er. mit des Gesanges Gabe bedacht, so könnte er wie kem Anderer mit solchem Nechte singen : Ueberall bm ,ch zu Hauze, überall dm ich bekannt. Wer hätte nicht schon seme ge waltigen Turneriprunge bewundert ? Glücklich d'rum preis ich den lockcrcnGeselten. Pulex, den Turner im braunen Tricot, Wenn er m Sprüngen, . verwegenen, schnellen. Himmelhoch jauchzet srisch, sromm, frei und trog : Und wem wären nicht schon unliebsame Flohvisiten gemacht? . Gebettet in schwellende Klszen liegt der müde Lew. Emschläsernde Traume umgaukeln die Sinne, und bereits ist der Augenblick im Anmae, wo wir in einen traumlosen, er q uickenden Schlaf verfallen. Da plöhlich ein empfindlicher Stich und dahin ist alle Ruhe ! Erbost stellen wir dem Ue belthäter nach. Jedoch nur selten wird er erwischt. Aber dann freilich ist es auch um lhn geschehen, ilx büßt seme Frechheit mit dem Leben, und wo vordem noch Ruhe und Frieden geherrscht, da ist jetzt Mord und Todtschlag. Der Floh ist sonder Zweifel em anae sehenes Thier. Von jeher hat er eine gewichtige Rolle gespielt. Schon der alte Vrldank hält ihn für cm Gotteswunder und ist der festen Ueberzeugung, daß ihm weder Engel, noch Teufel, noch Mensch nachmachen kann. Und ginge es nach der Ansicht einer bulganschenDame, welche einem Reisenden aus seine ängste liche Flohfrage ganz erstaunt antwortete: Kann man denn wohl oyneglöhe beste hen V so ist der Floh ein unentbehrli ches Attribut des Menschen. Eine noth wendige Eigenschaft seines substanziellen Ichs, eine der'vielen verae notae des äußeren Menschen : Kann man es daher den Dichtern und Weisen verdenken, daß sie sich schon vor Alters mit dem Floh beschäftigten? Pharisäer und Schriftgelehrte überlegten wohl, ob und wie viel Flohe man todten dürfe am heiligen Sabbath,und ob man sich ihrer dürfe erwehren während des Gebetes, ohne zu nehmen Schaden an semer Andacht. Und gewiegte Rechts kundige forschten de eo, quod justum circa pulices, während ältere und neu ere Dichter den Floh im Liede verHerr lichten. Selbst der große Goethe be sang den Konlgsfloh ! , Wenn wir uns nun den sechsbemigen Vampyr ansehen, so besitzt er in derThat alle jene Eigenschaften, die ihn so er schrecklich für das zarte Geschlecht machen. Er ist nichts weniger als von angenehmem Aeußern. Em kurzer, gedrungener, sett lich zusammengedrückter Körper, der aus weichhäutig mit einander verbundenen. harten und borstentragenden Körpern gen, gi'lll) yarnlMazienen, oezleyl, mir kleinem Kopfe und kolossalem Hinterleib, und mit mächtigen , entwickelten, langen je !f je? i t.n.ti . i Sprungbeinen, von denen je zwei auf die drei Brustringe kommen : das ist der ganze Floh, oberflächlich nach seinem äußeren Aussehen betrachtet. Ja sie, die satalen Sprungbeine ma chen gerade den Floh immer entwischen, wag uns freilich nicht Wunder nehmen kann, wenn wir die stark entwickelten Muskelzuge im Beine sehen. Der un ästhetische Körper trägt nun einen eben so unästhetischen kleinen Kopf, dem die einfachen Punktaugen, aus jede? Kops seite eins, obendrein noch ein verschwitz tes Ansehen geben. Keineswegs ist also der Floh eine gewinnende Erscheinung, ganz abgesehen von semer ubelen Aus führung. Er ist der kleine Schalk in der Natur. Eme drastische Vignette zum Capitel : versteckte Leiden. Eine heitere Travestie aus die gute, gütige Jweckmä ßigkeit in der Natur. Und nun erst seine kleinen Marter Werkzeuge ! Sie liegen m emer . Rüssel scheide, aber allzeit zum peinigenden Werke bereit. Es ist ein complicirter Apparat vonhebeln undGelenken,wle ihn sinnreicher selbst die Inquisition nicht zu erfinden vermöchte. Er besteht aus den Mundwerkzeugen, die wir uns deshalb auch elwas genauer ansehen wollen. Man unterscheidet du Mundwerkzeuge der Znsecten allgemein als Oberlippe, als ein Paar Oberkiefer und zweiUnter kieser. Ober- und Unterkicser find die eigentlichen Mundgliedmaßen, während die Oberlippe eine Hautbildung im Kopstheil des Jnsectes ist, die aber auch bei der Nahrungsaufnahme thätig sein kann. Durch weitgehende Umbildungen und Verschmelzungen der einzelnen Mundgliedmaßen sind dieselben nun der Art und Weife angepaßt, wie das Jnsect seine Nahrung ausnimmt. Sie find entweder kauend, wie bei den Käfern, oder saugend,wie bei denSchmetterlingen oder stechend wie bei den Flöhen. Aber alle diese in ihrem Aussehen fo sehr ver-' schiedenen Mundwerkzeuge lassen sich dennoch auf ein und denseibenTypus zu rückführen. Es ist das eine wissenschastliche Entdeckung, die wir dem Scharfsinn eines 'Savigny und Oken verdanken. Und auch bei dem Floh können wir die einzelnen Theile nachweisen. Da sind die Oberkiefer zu Stechborsten umge wandelt und stellen zwei nach vorn sich verjüngende Blätter vor, die sägeartig gezähnt sind, Zwischen ihnen liegt eine unpaare stiletartige Borste. Diese stellt die Oberlippe vor. Die Unterkiefer so .dann sind'breite freiliegende Platten mit

viergliedrigemTaste. , Und . als letztes Paar der Mundwerkzeuge unterscheiden wir die Unterlippe, wie dieEntomologen

sagen, oder das zweite . Unterkieserpaar, welche als eine kleine mediane Platte, die den Münd hinten begrenzt, austritt. Sie trägt zwei klmgenartlg aussehende Taster. Wenn wir nun dies ganze so gefurchtete'Marterwerkzeug unter das Mikroskop bringen, so staunen wir nicht wenig über v . , ? v" c . seinen wunoervouen mzeioau uno vie vollendete Formglätte, -wogegen sich un sere noch so kunstfertig ausgeführten Stilete und Nadeln wie Zaunpsahle aus nehmen. Wen wird es nun noch wun dern, daß der kleine Wegelagerer solche blutige Thaten vollbringen kann? Er verfährt dabei aber auch gar zu chicanös; Erst sticht er mit den Stileten und sagt mit den raspelartigen Kieferblättern m dem Fleische seines ahnungslosenOpferS und dann saugt er diese präparirteWun de noch obendrein aus, indem er die Un terlippe Mit zu Hilfe mmmt! Man ließe es sich nun vielleicht noch gefallen, wenn diese kleinenPeiniger ver einzelt austräten, aber sie zeigen sich in wahren ; Heerschaaren. Wo überhaupt in der Natur kleine Kräste auftreten, da wirken sie nur mächtig durch ihre Ver vielsältigung. Daß man deshalb diese einzelnen minimalen Kraste zu schwachen sucht, ist nur einAct der Nothwehr. Und wenn der lose Fischart den vielbedräng ten Floh auch klagen läßt : Es ist auch schier kein Wunder zwar. Daß ich so klein muß bleiben gar. Dieweil ich je nicht kann gedeihn Bei solchem Schrecken, Sorgen, Scheun. Denn Sorg' und Angst dörrt aus das Verz, Den Leib verzehrt des Gemüthes Schmerz. Es wundert mich, daß wir arm' Flöh' Stets bleiben schwarz, wie es uns geh', Da wir doch grau sollten fern Vor großer Mühseligkeit und Pein. so wird er bei meinen empfindsamen Leserinnen doch wohl kein Mitleid er wecken. Der Julex irritans bleibt nun einmal ein gern gejagtes Wild, sur welckes im Kalender keme Wchonieit vor gesehen ist. Besonders beliebt ist der abendlicke Pirsckaana. Entaebt er diesem, und sind sonst die Lebensbedmgungen günstig, wie deson ders, daß sich em Flohiungimg und em Flohsräulein gesunden, dann sind die Familienbande bald geknüpft. Das Weibchen legt etwa zwölf ziemlich große ovale Eier in die Ritzen oer Mieten uno an ionstiae staubbaltiae Orte. Gerade solche Stellen wählt es mit Vorliebe. Und wenn dann emes guten Tages dort die löbe in Masse austreten, so sagt der Nolksmund. sie sind aus dem iiehricht entstanden. Zumal mit Harn begossene 1 . - s rw m m I C M Sägejpahne sollen nach oer Ansicyl oes aemeinen Mannes ein Erkleckliches in der Flohproduction leisten. Haben die Eier sechs oder im Winter elwa zwois 5aae aeleoen. io sckluvsen aus mnen vle Larven bervor. Sie zeigen sich als schlanke weiße Würmchen, die sich zweier Fühler, Frepspltzen irnd Augen am zcop fe au erfreuen baben. AmKörver stehen seitliche Borsten und am Leibesende zwei Nachschieber, vermittelst deren sich die Larven schlangelnd von der stelle be weaen. So unschuldig tritt uns die zweite Entwlckelunasvbase des blutgierigen Thieres entgegen, und man merkt an ihr noch Nichts, was aus den spateren un Heilstifter hindeuten könnte. Der alte Roesel von Rosenhos. em catursor cyer zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, dem wir so n.'inche mteresjante viologlsche Beobachtung verdanken, fütterte die Larven mit Stubenfliegen und mit ge trocknetem Blut und sah, wie sie' sich darnach särbten. Noch keine zwei Wo chen waren indeß verstrichen, als sie wie der weiß wurden. Gleichzeitig bauten sie sich kleine höhlenartige Wohnungen für ihr Puppenstadium. Als sodann das Lardenkleid abgestreift war. präsentirten sie sich als weiße muntere Puppen mit zwei zangenartigen Schwanzspitzen. An der Puppe können wir nun schon er kennen, daß sie zum Floh hinaus will. Und endlich ist denn auch das letzte Ent Wickelungsstadium erreicht: die Puppe färbt sich allgemach dunkler, und nach elf Tagen springt aus der Puppenhülle der kühne Flohritter in die Welt, um allso gleich auch seinem Berufe- nachzugehen. Also in nicht mehr als vier Wochen, im Winter gehen auch wohl einige ' Wochen mehr darauf, beschenkt unS die allgütige Mutter Natur mit diesem sauberen Pla gegeist ! Nachdem wir jetzt denFloh soweit ken nen gelernt haben, ist es wohl an derZeit, einmal nach seiner Verwandtschaft zu fragen und'unS umzusehen, wo die Sy stematiker dies Wunderthier im zoologi schenSystem gelasien haben. Da finden wir es denn.jedenfalls zurVerwunderung des Lesers, unter den Fliegen. 'Wie kommt Saul unter die Propheten? Oder der Floh zu den Zweiflüglern? In der That, viel ist eö nicht, was ihn zurStellung berechtigte. Ihm fehlt vor Allem das Charakteristische derOrdnun: die Flügel. An Stelle derselben treten, gerade da, wo sonst die Flügel sitzen, am " - m . rt fi mT . , zweiten und drillen Vrullrmge, platten artige Anhänge aus. Der Floh hat nämlich von anderen Jnsectordnungen immer etwas entlehnt, weshalb ihm eben der ausgeprägteTypus irgend einerOrdnung auch sehlt. Von den Kaukerfen hat er die gesonderten Brustringe, von den Schnadelkerfen denBau und von den Fliegen die stechenden Mundwerkzeuge und die vollkommene Verwandlung, als Ei, Larve, Puppe und . Jnsect. Und deshalb glaubt man den Floh am besten zu den Fliegen zu placiren. Ebenso unsicher sind wir über Ver wandschastsverhältnisje in seiner eigenen Familie. Wir kennen auher demlulex irritans L., dem lieben Begleiter des Menschen ; noch besondere Arten, die auf Hund, Katze, Maulwurf, Igel, Maus, Flederbermaus und aus dem Haushuhn leben, die jedoch noch nicht alle nach ihren unterscheidenden Merkmalen beschrieben sind, eine Aufgabe, die eines Flohliebha bers noch harrt. Aber am verrufensten von allenFlöhen ist der Sandfloh, der in den sandigen GegendenSüdamerikas besonders haust. Wegen des abweichenden Baues in den Mund und Athmungswerkzeugen hat

ihn Oken zu einem eigenen Geschlecht er hoben, das er RkMokoprioii genannt

hat. . ; - V ;' i Wett mehr als unser buderer deutscher Floh : ist dieser Ausländer zu fürchten. Wo trocken und . warm m der ,Aüye menschlicher Wohnungen ist, da siedelt er sich an und macht Bekanntschaft, mit dem Menschen. . Freilich nur das Weibchen ist der eigentlich gefürchtet Gast. Das selbe hat nämlich die fatale Gewoynyeil, sich unter die .Fußnägel oder an anderer Körperstellen' emzuoohren, um hier stch zur Eiablage vorzubereiten. ' Bleibt nun das eingebohrte Weibchen ungestört, so juckt wohl die Hautstelle, aber die Geschwulst . bleibt doch ungesayrllch. Wird indeß die juckende Selle gerie ben und gekratzt, was ja meist der Fall ist, so steigert sich die Entzündung und kann unter Umständen zu eklichen Eiterungen und Blutvergistun gen fuhren. Laßt man jedoch den Floh ruhig gewähren, wozu allerdings eine große Willensstärke gehört, so stirbt das Weibchen nach der Eiablage ab und der todte Kadaver wird von der heilen den Wunde ausgestoßen. Von den El ern hat der unfreiwillige Wirthe nichts mehr zu leiden, da sie außahalb der Wunde abgesetzt werden. Um den Eindringling aber los zu wer den, zieht man ihn behutsam erst dann aus derWunde, wenn er sich schon einge bohrt hat. Während des Einbohrens ihn herauszuziehen, ist gefährlich, da er stch mit den Mundwerkzeugen so festklemmt, daß er bei dem Herausziehen in Stücke zerreißt. Erst später, nachdem er sich eingebohrt hat, liegt er loser in der Wunde und ist leichter zu entfernen. Unzweiselhast ha! der alte Vridank Recht : der Floh ist in mehr als einer Beziehung ein wunderbares Thierchen. Sogar zu Schaustellungen wird er be nutzt und weiß ein hochgeehrtes Publi cum der Jahrmärkte in sprachloses Er staunen zu versetzen. Wer hätte nicht schon von dressirten Flöhen gehört und gar von Flohtheatern oder nicht .schon die kunstsertige Leistung dieser kleinen Kerfthiere bewundert ? Im Göttinger Museum ist der kleine Wütherich zum ewigen Angedenken sogar in Ketten ge schlagen und in gewissen Kreisen als das Blumenbach'sche wilde Thier bekannt. Aber nicht nur über seltene Gabendes Geistes, auch über schätzenswerthe Her zensgaben verfügt unser sechsbeiniger Kosmopolit : er ist unstreitig der an hänglichste und allertreueste Verehrer des schönen Geschlechts ! Zur Zeit Ludwig'S XVIII. gab es in Paris einen ehemaligen Garde du Corps, Namens Choquart, der als arger Händelsucher berüchtigt war und zugleich einen fanatischen Legitimismus zur Schau trug. Eines Tages befand sich Choquart im Case und hörte, wie zwei Provinziale am ?"ebentische sich über die Königin Maria Antoinette un terhielten. Es heißt sagte gelegentlich der eine, eines ihrer Augen sei kleiner gewesen als das andere." Sofort erhob sich Choquart und fuhr den Mann an : Sie sind ein elender, feiger Bursche ! Sie beleidigen eine Frau! Ich heiße Choquart, und Sie wissen doch, was das besagen will." Der Provinziale war zwar sehr verblüfft, verstand aber die Herausforderung und nal)m sie an. Am anderen Tage kreuzte man die Klingen und Choquart versetzte seinem Gegner emen leichten Degenstich, worauf die Versöhnung erfolgte. Aber erklären Sie mir doch", sagte nun der Verwun dete, weshalb Sie mich provocirt ha ben. Sie sollen' doch am Ende wissen, daß das eine Auge der Königin kleiner als dcs andere war." Choquart reckte sich in die Höhe und entgegnete mit Würde : Eine Königin, mein Herr kann niemals ein Auge haben, das klei ner als das andere ist ; Ihre Majestät geruhte sich emes Auges zu elsreuen, welches größer war als das andere." Ueber die Herkunft der Japanesen und den Namen ihres Insel landes sind die verschiedensten Meinun gen ausgesprochen worden. Was zu nächst die Herkunst anbelangt, so läßt die Japanesen der eine Schriftsteller von der Mongolei herübergedrängt sein, ein anderer sagt, sie wären aus Segelschiffen von Java gekommen und 7 ein dritter will sogar entdeckt haben, daß sie einer der Verlornen Stämme Israels seien! Nach ihrer eigenen Mythe sreilich sind sie direkte. Abkömmlinge von AmeteraS, der Sonnengöttin., . Was nun den Namen Japan" anbelangt, so kennt' ihn kein Japanese, mit Ausnahme derer, die ihn in Europa oder von Europäern gelernt haben. Der wahre Name des Landes ist Nihon (auch Nipon), und der Japa nese heißt bei sich zu Hause Nihon jin. Den angeführten Irrthum haben die Holländer gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts nach Europa .'gebracht. Nachdem sie die Portugiesen, die schon 1535 nach Japan ihren Handel und die christliche Lehre eingesührt, verdrängt hatten, war ihnen gestattet worden, aus Desina, einer kleinen Insel bei Nagasaki, eine Ansiedlung zu gründen, wo sie in großer Abhängigkeit und unter schmählieher Ueberwachung lebten, ohne weiteren Verkehr mit den Eingebornen haben zu dürfen. Was sie also über Japan be richten konnten, hatten sie von den Chinesen erfahren, die mehr Freiheit genos fen, da von ihnen damals noch die Ja paner Schätze der Bildung, Kunst und Wisienschaft und vor Allem die Schrift spräche bezogen. Der Name des Lan des nun schreibt sich mit zwei chinesischen Charakteren, die, frei übersetzt, das Lind der ausgehenden Sänne" bedeuten. Die Chinesen aber sprechen die beiden Charaktere wie Ja pan aus, und so entstand der Irrthum, der sich dann über die ganze zivillsirte Welt ver breitete. Denselben Hollandern ver dankt Japan auch den Zeiten Irrthum, daß Japan von zwei Kaisern regiert werde. Feinheit und hohe Bildung des Gei stes haben ihren unschätzbaren Werth, sind aber im Leben nicht so wichtig und nutzbringend, als ein gesunderMenfchen verstand. Wer immer nichts a8 Gold bei sich führte, würde allstündlich um kleine Münze verleben sein.

? !S an Untkkschied. Zwoa Deandeln steh'n bei'n Linden-' . baam , Im Garten Hinteren Haus, Sie san versunken', wia in Traam Und kennen si' net auö. Die'Oani schaut net um, net auf. Als waars verzaubert worn. Die And're schaut zum Himm.'.l 'naus. Als hätt' s'was drin verlohn. Die Oani möcht' so gern 'was sag'n, Sie bringt koa' Mörtel für '5s hat ihr 'was die Red' verschlag', Sie woaß net, was und wia. Die And're wissat schon a' Red', De liabli klingen thaat', -Zum Weitersag'n is s' aber net. Und d'rum is s' liaber ftaad.

Halb glüölich san' s' und halb betrüabt. Sie sag'n net za, mt na: Die Oan' is erst oan' Tag verliabt. D:e Ai.dkre scho' zwoa. m m m Der patriotische Herr v. . Teutwitz. Herr v. Teutwitz : Nein, nein, mein gnädiges Fräulein, in diesem Punkte kann ein patriotischer Teutscher absolut nicht zu weit gehen ! Ich verbanne alles Fremdartige, ich setze dem Ungermani schen einen systematischen Widerstand, eine bewußte Feindschaft entgegen. Neu lich passtrt es mir beispielsweise, daß ich mir das Auge etwas beschädige. ' Dok tor Muschler, dem ich auf der Straße begegne, räth mir, eine spanische Fliege hinter das Ohr zu setzen. Herr Doktor, sage ich nachdrücklich, Benno von Teut Witz legt stch nur teutsche Fliegen hinter das Ohr, ich danke Ihnen ! Noch strenger verfahre ich im eigenen Hause. Meinen Bedienten, der sich erfrechte, meine teutschen Kleider mit einem spani schen Rohr zu mißhandeln, habe ich mit Schimps und Schande entlassen, zumal er sich .schon mehrfach erdreistet hatte, auf den' Mangel einer spanischen Wand in meinem teutschen Schlafzimmer hinzu weisen. Sie sehen, namentlich das Spa nische. Romanische ist mir in der Seele zuwider. So este ich z. B. grundsätzlich weder französische Suppe noch italieni schen Salat Aber auch schwedischer Punsch ist mir ein Gräuel, und ungari schen Rostbraten würde ich nicht anrüh ren, selbst wenn ich unmittelbar am Ver hungern wäre. (Er seuszt.) Nur Ein dunkler Flecken entweiht das teutische Wappen meiner untadelhzsten Familie.. Frau von Weilen : Da wär ich doch neugierig j Herr v. Teutwitz : Mein kleiner Neffe, Sie wissen ja, der Knabe meiner älte sten Schwester. .'. . Frau v. Weilen : Nun? Herr v. Teutwitz : Der Junge hat die englische Krankheit! JnderProbe. Dawison gastirte einst am Stadtthea ter in M. als Richard III. Da das Personal sür die zahlreichen Rollen die ser Tragödie nicht ganz ausreichte, hatte die Regie einige der minder bedeutenden Parthien mit Choristen besetzt, so auch den Boten, der im letzten Akt dem König eine Meldung zu machen hat, mit den Worten beginnend : Hier bin ich ! Der frühe Hahn des Dorscs Hat schon zweimal gekräht! Der wackere Chorsänger, den man durch dieses Sprechsolo zu ehren suchte, deklamirte auf der Probe : Hier öln lch der frühe Hahn des Dor fes - :c. Dawison macht ein Gesicht, als habe er drei Ohrfeigen auf einmal bekommen. Noch einmal oen Satz ruft er. Der Unglückliche deklamirt wie oben. Mensch schreit nun der große Tra göde, was raspeln Sie da sür einen Blödsinn daher? Wie kann ein ver nünstlger Mensch nur sprechen: Hier bin ich der frühe Hahn ? Sind Sie denn ein Hahn V Der Chorist wirst einen verachtimgs vollenBlick auf den Regisseur und schien dert ihm die Rolle mit dem ganzenStolz seiner verletzten Menschenwürde vor die Füße, indem er ausruft : Solche Chi kanen ! Ich Hab'S ja gleich gesagt, eS ist nicht meine Rolle !' Verfehlte Bestellung. Der Kommerzienrath Schmidt war gestorben. Seine FamNie läßt, tovt üblich, den TodeSsall in den Kreisen der kleinen Stadt ansagen. Der, geistvolle Bursche des Hauptmann von Müller nimmt die Traueransage entgegen , und beeilt sich, der Herrschast, die gerade beim Kaffee sitzt, folgende Meldung zu machen : Einen Gruß vom Herrn Kommerzienrath Schmidt, und er wäre gestern gestorben, und morgen um 4 Uhr sei seine Beerdigung Praktisch. Lehrer : Sage mir Fritz, welchen Nu tzen bietet die Naturgeschichte. Fritz : 2 Mark. Lehrer: Wie so, mein Lieber? Fritz: Der Herr Lehrer kaust sie mit 2 Mark und verkaust sie um 4 Mark. Auch ein Eisenbahnunglück. Gestern A5id 410 Uhr entgleiste auS bisher unbek'7,ik.l Ursachen beimBahn wörterhause Nummer 8 der von Glau chau abgelassene Personenzug der Mulderthalbahn. Von Pasiagieren war der Lehrer von Stausenberg im Zuge; ein weiteres Unglück ist nicht passirt. Der gesunkene Reim. Dichter: O, des Geschicke? unge ahnte Wendung! Zwar Schuld nur trägt die eigene Ver blendung So trag' ich's als gerechte Himmels Sendung. Nur fleh' ich, Götter ! schickt mir keine (nch unterbrechend) Yimmeilreuzv. ., wo krieg' ich jetzt einen vierten Reim mit Endung her?" Es lor.:mt der Exekutor mit der Pfändung. Deutlich. Herr: .Fräulein Mathilde, darf ich Ihnen meinen Arm antragen V Fräulein : Ach, was wollen Sie denn immer mit Ihrem Arm, tragen Sie mir doch lieber einmal Ihre H a n d an!-