Indiana Tribüne, Volume 4, Number 263, Indianapolis, Marion County, 4 June 1882 — Page 4
t:u0 dnn Leben berühmter Männer. Von t?wll yeschka.
In einem weitverbreiteten belletristiIahen Journale las ich neulich eine Notiz JJ o.ü 1X.L. t . yr . . CYY.. uver vle iueiogcritaie oeruqrnitt y;can mt", die mit viel Vergnügen bereitet at. EZ ist ja. zweifellos, daß in unfe ter Zeit ungeheuer viel geschehen ist, um das Leben großer Menschen vor unserem Auge bloßzulegen und uns nicht nur in die tiefsten Falten ihrer Seele, sondern auch in jene ihrer Hemden und Schnupf tücher blicken zu lassen, und daß wir eine stattliche Gilde von Leuten besitzen, die es sich zur Aufqabe gemacht haben, alle Winkel nach Ueberbleibseln seien es jetzt materielle oder ideelle unserer Heroen zu durchstöbern. Indeß ist noch viel, sehr viel zu thun, um auf diesem Gebiete Alles an'sTageslicht zu fördern, was für uns vln Interesse ist. Eine hübsche Novität ist die obenerwähnte, velche die Lieblingsspeisen und Getränke der Berühmtheiten aufzählt. Zu welch' tiefen Gedanken wird man nicht ange regt, wenn man liest, daß Lessing gern Linsen aß, während Kant Linsen mit Speck bevorzugte. Wirst das nicht ein ungemein charakteristisches Licht auf die Geistesart dieser beiden Männer, insbe sondere, wenn man gleich daneben erfährt, daß Goethe den Champagner über Alles setzte. Nicht in allen Fällen hat es übrigens der denkende Leser so leicht, und es ist mir bis jetzt nicht gelungen, zu enträthseln, in welchem " Zusammenhange Butterbrod zu demCharalter Karls XII. von Schweden, oder Schinken zu jenem des Dichters der Näubcr" sieht. ,Sehr willkommen war mir die Entdeckung, daß der Kaffee nicht wenige? als drei Lieb haber hatte, und zwar keine geringeren als Voltaire, Fricdcich den Großen und Napoleon I. Ich gestehe nämlich, daß Kaffee auch meine spezielle Schwäche ist, und ich würde die Schlüsse, die ich aus der mitgetheilten Thatsache ziehe, gern anführen, wenn es mir nicht meine angeborene Bescheidenheit verböte. Man wird aus diesen wenigen Andeutungen entnehmen, welch' schäenewerthe Aufschlüsje über das Leben bedeutender Personen derartige Notizen geben können, und ich habe mich deshalb entschlossen, auch das Mcinige zu thun und eifrig nach ähnlichen Daten zu suchen. Was ich nun durch beharrliches Forschen, das mir manche schlaflose Nacht, aber auch manche hohe Freude, manchen unbeschreiblichen Genuß brachte, entdeckt habe, das stelle ich in Folgendem zusammen und hoffe damit, dem Miscellentheil unserer verehrlichen Journale willkommenes Speisung zuzuführen. Natürlich kann ich bei der auf die Arbeit verwendeten Mühe den Nachdruck nur gegen Honori- . rung gestatten, ebenso wie ich mir auch ' -ias Uebersetzungsrecht für sämmtliche lebenden und todten Sprachen vorbehalte. Dies nur beiläufig, und nun an's Werk! I. Allerlei Eigenheiten berühmter Männer. Goethe pflegte sich nie in feinem Leben die Zahne zu putzen und doch waren ote selben immer weiß und glänzend wie Elfenbein. Natürlich, ist es doch, wie Spielhagen in seinen Vorlesungen über Goethe schreibt, als ob die Natur, unbe friedigt über die nothgedrungene Mangelhaftigkeit ihrer Gebilde, es darauf angelegt habe, in diesem Manne einmal einen vollkommenen Menschen zu schaffen, zum Trost, zur Freude des übrigen Geschlechts. Und wer wäre doch ein vollkommener Mensch, der des Zahnpulvers und der Zahnbürste bedürfte, um auch in den Zähnen einem hellenischen Gotte zu gleichen ? Gewiß nicht. Aeschylos wurde von den grausigen Gestalten, welche seine Phantasie schuf, so sehr geplagt, daß er kein anderes Mittel wußte, um in der Nacht Ruhe zu haben, als daß er eine große Schlafmütze über sein ganzes Gesicht zog. Die Griechen lachten ihn deshalb aus sie ahnten nicht, welch hohe Bedeutung die Schlasmütze in spä' teren Zeiten bei einem anderen indoger manischen Stamme finden würde. Ob indeß Aeschylos der erste war, der sich einer chlasmutze bediente, ov er am Ende gar der Erfinder derselben war, tonnten wir trotz emsiger Forschung nicht konstatiren. Schopenhauer konnte die atzen nicht leiden. Man erzählt nch daß er nie, so oft er eines dieser niedli chen Hauöthiere erblickte, sich enthalten konnte, da Wort .Hundevieh !" vor sich hinzubrummev, ein Ausdruck, der bei einem Manne von so hoher Bildung nur Iniä den Effekt zu entschuldigen ist, m welchen ihn nun einmal der Anblick einer Katze versetzte. Vielleicht hangt diese Eiaenbe:t ubriaens mit der bekannten Abneigung des großen Philosophen ge en das .breithüftige Geschlecht" zusam nun. Interessant ist es, wie Meyerbeer zu produziren pflegte.' Ich brauche jetzt eine Tenor-Arle, sagte er, nun gut, ich uerde eine komponiren Dann setzte er sich an' Klavier und versuchte mit der einen Hand eine melodische Tonfolae zu erzeugen, während er mit der zweiten die Begleitung dazu spielte. Das machte so lange, bis er eine Arie hatte, die ihm gesiel. Diese schrieb er dann auf, und so sind jene entzückenden Melodien entstanden, oiz nur noch heute oewun dem. Einen merkwürdigen Character zug von Voltaire erzählt man sich beute noch in Ferney, dem Stadtchen, das ihm so viel verdankt und das sein Andenken treu bewahrt. Voltaire hatte bekanntlich Geld ' genug, um jeden Tag sein Huhn im Topfe zu haben, und in der That fehlte nie das Geflügel auf seiner Tafel. Aber er überließ die Hühner und Gänse selnenGä sten und Dienern und verzehrte nicht als dasBratensett, das er mit Weißbrod auszutunken pflegte. Dieser kleine Zug kann Vieles in dem Wesen jenes ebensosehr verlästerten wie verehrten Menschen er klären. Sokrates wollte seine Weisheit auch beweisen, als er mit der Absicht um ging, ein Weib zu nehmen. Aus dem Kleinen muß man auf das Große schließen, pflegte er zu sagen, und ein Mäd chen, das dieKäserinde weder zu dick, noch zu dünn abschneidet, wird gewiß eine gute Hausfrau. Er paßte deshalb in ollen Gesellschaften, welche er besuchte, wohl auf, und siehe da, die eine Jung, frau schnitt vou ihrem Emmenthaler die ' Borken fingerdick, während die andere
ängstlich kimkerte und nur Häutchen so sein wie Seidenvavier .bei Seite legte.
Endlich aber fand er ein Mädchen, weder verschwenderisch noch geizig, die je nach u .. r , ..... " cm:ff:.i. oer assorie ein vis zmeimiuuucui umschnitt, und diese freite er. Sie hieß Xantippe. II. B erühmtheiten und ihre Lieb habereien. Robespierre : Flötenspiel. Grillpar. zer: Kaffeereiben. Beethoven: Kompo niren. Schiller : Fußbäder. Lessing : Fechtübungen. Kant : Meine Tante, deine Tante. Napoleon I.: Unsolide Gründungen. Fra Diavolo: Börsenspiel. Heinrich VIII. ' von England.': vivorsons ! Ludwig XV.: Hirschjagd. Goethe : Pfänderspiel. Napoleon III.: Streichinstrumente. Bürger Molly. Shakespeare: Zotenreißen. Torquemada: Feuerlmachen.-Rousseau: Kegelschieben (traf stets den König). Talleyrand : Seiltanzen.. Grabbe: Schnaps mit Zucker (siehe sein Lustspiel: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung"). Garrick : Elektrisiren. Richard III. : Reiten (Ein Königreich für ein Pferd !). Keppler: Ballspielen. Fr. Th. Bischer: Schimpfen. III. DieLieblingskleidungsstücke großer Männer. Richard Wagner: Schlafrock. Jean Paul: Strumpf. Rossini: Küchenschürze. Napoleon I.: Kanonensticfc!. Chamisso: Lange Haare. Liszt: Ga- ' j' . i ? tya. üzessel:. kcrcvis. ycinc: un terrock. Makart: Nichts. IV. Lieblings speisen deutscher Dichter. (Mit Angabe der Quellen.) öcinc : Strachino. (Was unter den Käsen der Strachino, ist unter den Menschcn Gumpelino." Reiseblldcr.) Goetbe: Fett und Butler. (Es lebt eine Ratt' im Kellcrnest, lebt nur von Fett und Butter. ...") Julius Rosen : Meerwasser. (Wär' ich die Sonne, ich sog' mich vor Wonne in's dampfende Meer....") Karl Bcck: Brod. (Ich schnitte gern vom Lebensbrode noch einmal mir ein kleines Stück.") Uhland : Spätzle und Sauerkraut. (Nach einer Privatmittheilung.) Emanue! 0 eibel: Backfische. (Siehe Gedichte".) Dingelstedt: Bücklinge. (Siehe seine Bisgraphie.) Schiller : Faule Aepsel. (Nach verbürgten Mittheilungen liebte es Schiller, wie bekannt, beim Arbeiten faule Aepfel neben sich zu haben. Ihr Dust erfrischte ihn, wie er sagte, so sehr. Nun pflegt man aber Eßwaaren, deren Geruch einen anzieht, auch sehr gern zu esien, und der Schluß, daß Schiller faule Aepfel auch gern aß, dürfte deshalb kaum zu gewagt sein. Wcr weiß, ob ". - i v jene anocre Aceioung, oan cyiuer-s Lieblingsgericht ' Schinken war, nicht irrig ist. Die Quelle wenigstens ist nicht angegeben, und andererseits kann man auch vermuthen, daß Schiller seinen abnormen Geschmack verheimlichte, um nicht Anlaß zu muthwilligen Scherzen zu geben. Ja man kann noch weiter gehen -und wird kaum irren, wenn man annimmt, der Dichter habe sich, als man ihn einmal über faulen Aepseln ertappte, nur damit ausaeredet, daß er sagte, ihr Dust erfrische ihn. Leider ist das bis jetzt keinem Literarhistoriker aufgefallen, und Einer erzählte dem Andern die Ge schichte nach, ohne sie erst kritisch zu prüfen. V. Allerlei von unseren berühmten Zeitgenossen. Zola hat eine merkwürdige Vorliebe für schmutzige Wäsche. Makart ist Artemkesser ; das leuchtende Kolsru seiner Bilder soll davon herrühren. Strauß hat keine Flügel, aber um so bessere Beine. Hamerling liebt star ken Tabak. Ebers fuhrt einen Handel mit Mumien. Verdi schielt seit eint gen Jahren nach Wagners Lorbeer. Johannes Scheri geht nie ohne Dreschflegel aus, um jeden Flegel, der ihm in den Weg kommt, gleich dreschen zu können. Sacher-Masoch ist Agent russischer. Pelzhändler. Nicolinis Na men wird weniger um seiner Stimme willen so oft genannt, als in Folge einer gewissen liebenswürdigen Patina, welche ihn auszeichnet. Was unsere politischen Größen betrisst, so habe ich zwar viel interessantes Material über ihre Einzelheiten gesammelt, aber wir leben bekanntlich in einer Zeit, in welcher die Weisheit sehr gefährdet ist, wenn sie ohne Begleitung ihrer Mutter ausgeht, und ich schweige deshalb aus Rücksicht für mich selbst. (Berl. Montagsblatt.) Soziale Briefe an eine Frau Bsn Dr. Franz Stöpel. Individualismus und S 0 zialiömus. Sie drücken Ihre Verwunderung dar über aus, verehrte Frau, daß ich die Proklamirung der Gewerbesreiheit und der Freiheit des Grund und Bodens die größten sozialen Thaten der Neuzeit ge nannt habe. Unter sozialen Thaten, meinen Sie, sollten nur diejenigen Ak tionen verstanden werden, welche aus ei nen gesellschaftlichen, nur durch Veröln dung und Gemeinschaft der Einzelnen zu erreichenden Zweck abzielen. Wir sprechen, bemerken Sie, von einer sozia len Frageoder von sozialen Fragen nur insofern, als wir em Eingreifen der Gesammtheit in die Freiheit der Ein zelnen als eine Nothwendigkeit ansehen, empfinden oder begreifen. Gewerbe' freiheit, freieTheilbarkeit des Grund und Bodens sind nur formelle Flheiten,von denenGebrauch gemacht werden kann oder nicht, von deren Gebrauch Viele that sächlich ausgeschlossen sind, und deren Segen oder Unheil von dem'Gebrauch abhängt, der von ihnen gemacht wird. Freiheit der Gewerbe und des Grund und Bodens, so reden Sie mir serner ins Gewissen, sind die Grundforderun gen umd Säulen des Individualismus, und es ist unklar, wie die Proklamirung derselben eine soziale That genannt wer den kann. Sie haben Recht. Der Sprachgebrauch stellt den Bestrebungen, die auf Befreiung des Einzelnen von den Fesseln des gesellschaftlichen oder staat'
lichen Zwanges gerichtet sind, diejenigen
Bestrebungen gegenüber, welche die Beschränkung oder gar Vernichtung der individuellen Freiheit zu Gunsten einer vorgeblichen oder wirklichen Politik des allgemeinen Wohls bezwecken. Ernennt die einen individualistische, die anderen sozialistische Bestrebungen. Allein genau besehen, ist dieser Sprachgebrauch willkürlich und unrichtig. Eine gesellschaftliche Aktion kann entweder auf die Befreiung der Einzelnen von Fesseln der Freiheit oder auf die Beschränkung ihrer individuellen Freiheit bezw. Willkür zu Gunsten der Gesammtheit oder eines Theiles der Gesammtheit gerichtet sein. Die Gesellschaft, deren Aufgabe nur darin bestehen kann, allen Einzelnen ihre sittlichen Zwecke erreichen zu helfen, kann diese Aufgabe lösen, indem sie den Spielraum der individuellen Freiheit einmal erweitert, das andere Mal einschränkt. Beiderlei Aufgaben sind sozialer Natur, und es ist im Grunde durch nichts gerechtfertigt, nur die die Freiheit beschränkenden Tendenzen sozial zu nennen. Das gesellschaftliche Gewebe ist sozusagen aus individualistischen und sozialistischen Fäden zugleich gewebt; die ersteren bilden den Einschlag, die anderen die Kette des Gewebes. Eine Gesellschaft ohne Sozialismus ist ebenso undenkbar wie eine Gesellschaft ohne Individualismus. Die beiden Tendenzen bedingen und ergänzen sich gegenseitig. Das Vorwalten der einen oder der anderen ist eine Frage der Zeit und Gelegenheit. Nicht die eine oder die andere ist ausschließlich berechtigt, sondern es handelt sich unter gegebenen Umständen nur um das Maß der jeweiligen Berechtigung. Es ist einfach eine Frage der Politik, wie jede andere auch. Die Formulirung eines Gegensatzes: Individualismus oder Sozialismus beruht auf einer irrigen Voraussetzung und muß der koordinirendenFassung : Individualismus und Sozialisums weichen. Es ist nur ein andrer Ausdruck für denselben Gedanken, wenn ich sage, das ewige Prinzip der Freiheit muß durch das Prinzip der Brüderlichkeit ergänzt werden. Die Brüderlichkeit unter den Menschen ist keine alte Forderung der politischen Moral. Das Alterthum vermochte sich eine Civilisation ohne Sklaverei nicht vorzustellen. Das Christenthum erkannte zwar die Gotteskindschaft aller Menschen an, verwies aber ihre Ansprüche auf ein würdiges und glückliches Dasein in das Jenseits und stand den politischen Kämpfen, den Gewaltthaten der Großen und der Unterdrückung der Völker meist gleichgültig gegenüber. Erst die Humanität des achtzehnten Jahrhunderts verkündigte die Menschenttchte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlich keit und forderte die Menschen zum Kamps um dieselben auf. Erst seit so kurzer Zeit ist selbst in den voraeschrittensten Staaten Europas die Leibeigen schaft oder Dlenstpfllchtlgkeit emes großen Theils der Bevölkerung beseitigt. Unter solchen Umstanden war, wie ich sagte, die Proklamirung der Gewerbe freiheit und der Freiheit des Grund und Bodens du größte soziale That der Neuzeit. Durch nichts konnte der Spielraum wirthschaftllcher Thätigkeit und wirtschaftlichen Erfolges, hochauf strebenden Selbstbewußtseins und sitti genden Verantwortlichkeitsgefühls mäch tiger erweitert werden, als durch die Be freiung der ländlichen Arbeit von Leib eigenschaft und Schollenzugehöngkelt und die damit in untrennbarem Zusammenhange stehende Entfesselung der städtischen Gewerbe. Diese Epoche eines ausschließlichen und oft unvermittelttn Individualismus war, wie man mit Recht gesagt hat, die Morgenröthe aller großen Entdeckungen, die Aera eines ökonomischen, moralischen und politischen Fortschritts, wie ihn geschwinder die Welt nie zuvor gesehen hat. An der Schwelle dieses verheißungsvollen Zeitalters steht der große Theoretiker der individualistischen Volkswirthschast, der Schotte Adam Smith. Er forderte wirthschaftliche Freiheit aller Einzelnen im ausgedehntesten Maße. Er verwarf alle Association, da jede Verbindung von Interessenten nur selbstsüchtige Zwecke haben könne. Die Aktiengesellschaft wollte er nur für wenige Betriebe, welche eine bloße Routine" erfordern, zulassen. Von einer in diesem Sinne .sreien Gesellschaft" erwartete er die gerechte Vertheilung des Erwerbes, die Ausgleichung des Besitzes, den friedlichen Wettstreit zwischen Capital und Arbeit. Den Staat beschränkte er aus den Schutz gegen äußere Feinde, den Rechtsschutz, die Sorge für den Volks, unterricht, sowie den Bau und die Unterhaltung öffentlicher Straßen. Hätte er das Zeitalter der Eisenbahnen erlebt, der alles, was Monopol hieß, verabscheute, würde die Privatunternehmung sicherlich nicht als den geeigneten Träger eines so großen öffentlichen Interesses angesehen haben. Sie können den Gang, welchen die Entwickelung der Gesellschaft seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Zeit, in deren Verhältnissen Adam Smiths Anschauungen wurzelten ae nommen hat. Ich überlasse es Ihrer Beurtheilung, zu entscheiden, ob die Erwartungen unseres großen Individualisten sich erfüllt haben; ob die Vertheil lung des Einkommens eine gerechte, der Wettstreit zwischen Kapital und Arbeit ein friedlicher geworden ist. Die Kluft zwi chen oen standen hat sich vermin dert, aber die Kluft zwischen Arm und Reich ist vielleicht weiter geworden, als sie je gewesen. Wie ein durch Sturm ausgewirbelter Sandhaufen, so stürmen die durch kein Besitzinteresse befestigten Massen, blos durch Angebot und Nach, frage bewegt, lose und fremd durch einander, und ein nicht kleiner Theil wird beständig aus der Bewegung geworfen, um als überflüssiges Menschenmaterial dem Verderben preisgegeben oder einer unzureichenden Armenpflege überlassen zu werden. Eine eingehendere Schilderung dieser Zustände kann ich mir ersparen, da Sie, verehrte Frau, dieselben ebenso gut und tkMQ aus unmittelbarerer Anschauung kennen, als ich. Genug, in den' weitesten Kreisen .der Bevölkerung aller zivilisirten Länder hat sich mehr und mehr die Ueberzeugung befestigt, daß die ungeregelten Bestrebungen der Einzelnen nicht hinreichen, eine
befriedigende Gestaltung der gesellschast
lichen Verhältnisse herbeizuführen; daß nur Verbindung und Vereinigung der Einzelnen zu gemeinsamen Zwecken die Krast verleibt, Hindernisse zu besiegen, welche der Anstrengung der Einzelnen und namentlich der Schwachen spotten. Association ist das Schlagwort aller Parteien geworden. Gleichsam instinktiv haben alle es sich angeeignet immer der deutliste FinZerzeig, datz die entsprechende Beweguna eine tiefgehende und unaufhaltsame ist. Gerade diejenige Partei, welche das Banner der individuellen Freiheit voranträgt, gerade die liberale Partei hat, wenigstens in Deutschland, die Genossenschastsbewegung und das Vereinswesen aus den Windeln gehoben und kräftig gefördert. Freilich fehlt viel, ungeheuer viel, daß die Kraft der Association in allen denkbaren oder auch nur in den nächstliegenden Richtungen und aus den fruchtbarsten Gebieten entwickelt sei ; aber das Eis ist gebrochen, und der Rahmen gefunden, in welchem die gestaltlose Masse sich zu geordneter Form entfalten kann. Meine Gedanken über die Richtungen, welche die Genossenschaftsbewegung in Zukunft zu nehmen und über den In-hk-.lt, den sie sich anzueignen l)at, werde ich in-späteren Briefen entwickeln. Ueber einen Punk jedoch bedarf es einer vorgangiczen Verständigung. Die Freunde und Beförderer der Association suchen ihren behaupteten Jndividualismus dadurch zu retten-, daß sie die Association auf die freie Vereinigung einschränken. Von den Tendenzen Adam Smiths, der alle Vereinigung verwarf oder ül er die Achsel ansah, ist ihnen der Widerwillen gegen Eingriffe des Staats in die wirthschaftlichen Bewegungen geblieben. Soweit es sich dabei um die Abwehr unmittelbarer Einmischung in die berechtigte Wirthschaftsspärc der Einzelnen ' oder ganzen Gesellschastsgruppen handelt, ist dieser Widerwille vollkommen gerechtfertigt. Der Staat hat andere, höhere Aufgaben, als die unter den Einzelnen oder ihren Vcreinigungen herrschende und nothwendige Konkurrenz zu stören. Allein darum alle Eingriffe des Staates in Bausch und Bogen zu verwerfen, würde ungerechtfertigt sein. Der Staat ist ja nichts oder soll doch nichts sein, als der.umfassendste freie Bund eines Volkes, und was man einem Verein oder einer Genossenschast zugesteht, die freie Verfügung über ihre 'Machtmittel, wird man dem Staat selbst immer mehr zu dem machen, was er sein soll : zu einem sich selbst bestimmenden Bunde freier Menschen. Ist er dies, so wird der Zwang, den er üben kann, eine von Jedem gern ertragene Fessel der Willkür" sein. In vielen Fällen ist der Zwang, nicht zu entbehren und so offenbar heilsam, daß er bald auch dem Widerstrebendsten als eine Nothwendigkeit einleuchtet. So der Schulzwang. Vor wenigen Monaten hat die liberale Partei des Reichstags, nach jahrzentelangem heftigen Sträuben, den Zwang auf einem anderen Gebiete zugestanden: nämlich den Cassenzwang bei der Unfallsversicherung. Es wird nicht das letzte Zugeständniß sein. Die bloße Freiheit der Association kann denen nicht nützen, die damit nichts anzufangen wissen. Auch ist die natürliche Trägheit der Massen zu groß, als daß der Zwang zum Guten entbehrt werden könnte. Gewißerfordert seineAnwendung die äußerste Vorsicht und Gewissenhaftigkeit; aber lhn ausschließen, würde den Fortschritt der Menschheit in's Ungewisse vertagen heißen. Denn keine Gesellschast kann bestehen und fortschreiten obne einen aefunden Sozialismus ihrer Institutio nen. Lied des armen Mannes". Wie war in alter guter Zeit Willkommen mir die Frühstücksstunde ! Heut abe. stockt in Groll und Leid Gar oft der Bissen mir im Munde. Auch nicht die kleinste Krume bleibt In unsern Tagen unversteuert; Was sich der Arme einverleibt. Es wird vomReich" ihm erst vertheuert. DaS Brod, ihr herr'n, das Brod laßt frei! Der Aermste kann es nicht entbehren ; Ost in der blassen Kinder Reih' Vertheilt er's karg mit bitternZSHren. Vergebens ! Neuer Weisheit voll Erschien die Rotte der Agrarier; Sie stimmten für .Getreidezoll-, unv lyn bezahlt der Proletarier. . Zum lieben Brod wünsch' ich mir dann Ein wenig Schmalz; .ich sollte meinen. Es dürfte d'rum der .arme Mann" Nicht als Gourme euch schon erscheinen ! Doch dünner streich ich's sorgenvoll Und oft muß ich's mir ganz versagen ; Der Centner hat zehn Mark an Zoll Im theuern Deutschen Reich zu tragen. Nichts will ich.mkhr att Brod und Schmalz Kann man frugaler sich erlaben ? Nur, werthe Herr'n, ein wenig Salz Muß jedenfalls dazu ich haben. , Doch wo man's bricht in tiefem Schacht, Und wo man's siedet in der Pfanne, Da nimmt der Staat erst mit Bedacht Den Salzzoll von dem armen Manne." Im Ruhestündchen schmeckt gar gut Das Pfeifchen mir; es ist ein Laster, Doch plagt' ich lieber mich auf's Blut, ' Eh' ich entbehrte meinen Knaster. Doch meiner Sorte Duft, ihr Herr', Macht oftmals mir geheimen Kummer ; Wär' nicht der Zoll, ich wählte gern Zuweilen eine bess're Nummer. In unserer Noth blieb Eins uns doch. Ich anerkenn' es gern und willig ; Der edle Branntewein blieb noch Im Deutschen Reiche äußerst billig ! Wenn jede Freude ihm zerrann. Wenn völlig ihm der Muth will sinken. Da bleibt der Trost dem armenMann", Sein Elend billig zu vertrinken ! (Kladd.)
Otthelm 5!indemann,
der mit dem Matrosen Noros zusammen die Schiffbrüchigen unter DeLong überlebt hat, stammt auS Gingst auf der Insel Rügen, und hat an seine dort lebenden Eltern einen Brief geschrieben, dem wir einige Stellen entnehmen. Die eigenthümliche Orthographie des nicht gelehrten, aber braven Mannes haben wir mit Absicht beibehalten. .Jakutsk, the 7. Januarey 1832. Liebe Elthern ! Es macht mir große Fräude, euch zu benachrightigen, das ich noch am Laben bin, und ich hoffe, das ihr alle gesund und Munther sind, ich habe wiäder harthe Zäithen gehabt, wir haben unseres Schiff wiäder sorloren, ins Eas, am 11. Juni 1831. Wir zohgen die Provigatsfchliäthen und 3 Böüthe über das Eas, und durch das Wasser bis 17. September, wan wir an Sibiria Landethen, wir hathen einen Storm der 43 Stunde dauethe, unsere both nahm sär siäl Wasser ein, und wir dachten das sie alle Auganblick runther gehan würde, wir hathen alle unsere Hände und Füße erfrorän wann wir ans Land kahmen, wir fanden hir keine lüuthe und wir häthen bloszen 70 Psund Pamminkan (Pemmican, gedörrtes Fleisch) zu Assen. Wir gingen zu Fusz bis den 9. Oktober, man der Capithäin aus gab und er könthe nicht mähr gehan, wir hathen dan in 2 Tage nichts mar zu Assan. Er schickte mich und einem andernMann südlich um hülfe zu Schaffen, wir verliäszen ihm, und häthen wäither nichts wie ein Gewar und 40 Pathronen, zu Assen hathen wir nicht mär. . Ich und der Mann der niith mir war, gingen 13 Tage und hatben nichts 'zu Assen wie 2 par althe Stisfclso!an, und maine althe Sechundshouse, und wir machten uns Thea aus Weädcnborke, wo wir die ganze Zaith an läbthcn, dan 23 Oktober fanden wir 2 hütlzen, wo wir einige Farothefische fanden, wir waren dann so schwag, das wir nicht mär auf die Füße stähän könthen, und musten hir einige Tage bläiben, um uns zu Ruhen und stärke zu sammeln um wiäder wäther zu gehan, wir waren 3 Tage in der Hüthe, wan am Nachmittag ein Mann kam mith einen Nänthiarschliäthen, wir gaben ihm zu verstähan, das wir etwas zu Assen haben Wählten, und hülfe, um die andern läuthe zu holan, er könthe uns nicht furstehän, und ging wag, wir dachten, das er nicht wiader komman würde, aber er .kahm dan selben Abend wiäder, und brachte mith sich 2 Männär und 3 Schliathens, und nahm uns mith uns, und brachten uns nach ihren Quarthiär, dan nächsten Morgen JZäisten wir ab nach Bulun, es nahm uns 6 Tage, wan wir an kahmen, würden wir bäide Krank, und unsere Kameraden sinth säht vialläicht schon Thod. Ich und noch 2 mär würden wiöder nach dem Norden, hin abgehan, um zu sehan ob wir nichs fon die Farlorenan finden können und es wird uns noch ein Jahr nahmen bis wir wiäder zu rückkommen nach New tyott. Liäbe Ealthern ich mus jatzt änden, wir haben fähr wänig Zäith, und wir müßen uns wieder Räisefährtig magehen dan wir haben blousen eine Tage iäith und dan müßen wir schon wlader abräisen. Liäbe Ealthern ich hoffe das ihr alle gesunth und munther sind, als ich bin, siäläicht wan ich zurück komme marde ich filaicht zu House kommen, dan wir wurden durch Berliän reisen van wir kommen. Grüße alle guten Freunden und Bekannte Ich far bläibe euar gethräuer Sohn William Nindemann. AD Liäbe Ealthern nähmt das Quworth (Couvert) das in den Briaf ist und Schräbt so bald wie möglich, es nimt lange zäith sür einen Briäf nach Siberio zu gehän." Ansprache an das amerikanische Volk. (halten vom Einbrecher Srumm-Heinrich.) Bravo, Ihr Herren und Damen von Amerika ! ES gefallt wir an Euch, daß Ihr den Präsidentenmörder Guiteau so in Ehren haltet. Eine andere, weniger gebildete Nation würde vielleicht bei der bloßen Nennung seines Namen Pfui rufen, Ihr aber denkt edler. Ihr strömt in sein Gefängniß und kauft ihm feine Photographie ab und sein Facsimile und seine Verse. Dadurch macht er ei nu tes Geschäft und der langweilige Auf enthalt im Zuchthause wird ihm in an genehmer Weise verkürzt. , Amerikaner! Ich bin allerdings nicht so interessant wie Guiteau, aber ich fülle als gemeiner Kerl ebenfalls meinen Platz auS. Ich babe denket darum nicht gering von mir freilich noch keinen Menschen todtgeschossen, wie es Euer von Euch nun verhätschelter Guiteau that, aber ich habe, was mich in Euren Augen zu einer gewiß ebenso liebens würdigen Erscheinung machen wird, von den fünfzig Jahren meines Lebens vier unddreißig im Zuchthause zugebracht. Amerikaner! Wißt Ihr, wie schwer es unsereinem wird, wenn man aus dem Hause mit den genirten Fenstern heraus kommt, sich auf ehrliche Weise so durchzugäunern, daß man nicht erwischt wird? Ich habe es daher nie versucht. Warum auch ? Ich bin immer gleich wieder von Frischem eingebrochen, wie ich eS gewöhnt war. Nur keine Neuerungen ! Nun bin ich aber alt geworden. Die letzten acht Jahre Hülsensrüchte zu Mit tag haben meinen Körper nicht gerade gestählt. Ich sehne mich jetzt nach Nube. Ich din, wie gesagt, leider kein solcher Mörder wie Euer Guiteau, aber wenn auch meine Lorbeeren auf anderen Ge bieten liegen, werdet ihr sie darum nicht, verachten. Ich habe PrimaReserenzen von sieben Zuchthaus Direktoren. Elf Staatsanwälte haben mich, wie ich durch Zeitungen glaubhaft nachweisen kann, einen Abschaum genannt. , In den Be richten über die Gerichtsverhandlungen hat man mir unweigerlich die Titel Schust, Lump und Hallunke zuerkannt. Genügt Euch das, Amerikaner ? So wende ich mich denn Vertrauensvoll an Euch und mache allen Denen, die Guiteau's Kunden sind und diesemMan ne ihre, Sympathie beweisen, folgendes Angebot: ' Meinen Namenszua auf gewöhnlichem
Papier lasse ich Euch schon -mit fünfzig Pfennig ab, mit Schnörkel zehn Pfennig v cm m . . .. It :
rneyr. 'intin jöiio aus oer ameriian! sehen Photographiebude auf dem Bock, fo ausgeführt, daß Jeder, bei dem ich einbreche, sofort erfreut rufen soll : .Ich hätte Sie aber wirklich kaum wieder erkannt!" kostet nur eine Mark. Das selbe in einem feinen Rahmen aus unter Garantie von mir persönlich gestohlenem Holze gefertigt: das Doppelte. Eine Locke von meinem Haupte in Unecht 50, in Echt 40 Pfennige (Erstere sind theu rer, weil ich sie ja erst selbst bei einem Friseur'stehlen muß.) Die ganze Per rücke 10 Mark. Etwas ins Stammbuch : je nach Länge, immer fünf Eentimeter für 75 Pf. Das ganze Ding (einzig echtes Exemplar) soweit der Borrath reicht : 3 Mark. Ein unterirdisches La ger von Blendlaternen, Brecheisen und Dietrichen, zu Andenken ganz besonders geeignet, ist ertra abzulassen. In Zahlung nehme ich Geldsorten aller Art. Auch Uhren, Ketten. Dosen und Ringe nehme ich, wenn's Niemand merkt. Ich zweifle nicht, Amerikaner, daßJhr das. bei Guiteau begonnene gute Werk an mir fortsetzen werdet. Darum immer 'ran, ehe es zu spät wird. Ihr werdet mit mir nicht minder Ehre einlegen, als mit Eurem Guiteau. Und da die Welt nun doch schon einmal über Euch den Kopf schüttelt, so laßt sie weiter schütteln. Die Auslagen sind für Euch dieselben. Ich bleibe Euch wohl ajfeltionirt, Amerikaner ! (Ulk.) ' Die neuen Hosen. (Eine ahre Eeschichtk. Von K. v. Baden.) Der Prinz T'u-TjiVIcliimg sah behaglich auf seinem Teppich und' schmauchte eine Pseife. Da nahte sich ihm demuthsvoll der Haushofmeister, berührte mit seinem Haupte dreimal den Boden und harrte der Ansprache seines Herrn. Yan-Kieii, warum störst Du mich V Erhabener Gebieter! Du hast Gefallen gefunden an'der Kleidung der Eu ropäer, und befohlen. Dir eine Hose anzufertigen. Soeben naht der Hofschneide?, dieselbe zu überbringen." Das Antlitz des Prinzen erhellte sich sichtlich ; er betrachtete die dargebotene Hose aufmerksam und legte sie an. Er freut über die ungewohnte Tracht und die schonen, vollen Waden, trat er schmunzelnd vor den Spiegel. Yan, wie gefalle ich Dir?" O mein Herr und Gebieter, Du strahlst wie das Licht der großen Sonne!" Yan, meine Beine sind schön?" JD Herr, wer anders kann sich solcher Beine ruhmen, so schlank, so schmuck !" Und meine Füße ?" So klein, Herr, als ob sie der zartesten Frau angehörten." Ein wohlgefälliger Blick lohnte ihn. Yan, hole meine Minister !" Der Prinz konnte sich nicht satt sehen im Spiegel, drehte und wandte sich, im mer sein Ebenbild dort im Glase verliebt betrachtend. Endlich kamen die Minister und warteten in gebückter Stellung aus den Wink des Herrn. Minister, blicket aus, wie gefalle ich Euch V Da gab e5 denn ein Ah !" und Oh !", ein Verneigen und Schmunzeln, Kopf und Zopfschütteln, i)aß der Prinz genügend von ihrem Staunen überzeugt war. Befriedigt befahl er : Und nun meine Frauen !" Die Minister entfernten sich, und seine Hoheit hatte Zeit, die Bequemlichkeit der neuen Kleidung zu prüfen, indem er vor dem Spiegel wilde Sprünge anstellte, die Beine hob und senkte auch diese Probe siel zur vollen Befriedigung auS. Da werden die kleinen geschminkten Dämchen auf Sesseln herbeigetragen und in ihrer Rangordnung aufgestellt. So fort erhob sich ein Schnattern und Schwatzen, und alle waren entzückt von der neuen, kleidsamen Tracht. Nur Eine saß nachdenklich da das war die erste Frau seiner Hoheit. Schatz, was sehlt Dir? Was hast Du an der Hose auszusetzen?" Mein Gebieter, ich weiß nicht, was es ist, aber Etwas ist an der Hose nicht recht." Leise Falten kräuselten sich aus der Stirne des Prinzen. Ich muß mich nur besinnen so, Herr, drehe Dich rechts, links, und nun stelle Dich vor mich halt ! jetzt hab' ich's !" .Nun V Die Hose ist Irumtn!" Betroffen sah der Prinz auf die Spre cherin, dann in den Spiegel. Richtig da war's deutlich zu sehen, die Hose war krumm. Wie von einer Schlange gebissen, fuhr er aus den zitternden HauS Hofmeister. Vermaledeiter Lügner! Du sollst meine Rache fühlen. Du und vor allem der Schneider !" Der Arme schwamm in Thränen und bat um Gnade. Endlich ließ sich der Prinz besänftigen und befahl, daß der Schneider bei Todesstrafe sofort eine neue, g e r a d e Hose anfertigen solle. Am folgenden Tage wurde die neue Hose vor den Prinzen gebracht; doch mit furchtbarer Wuth bemerkte er. daß auch diese Hose krumm sei und befahl in seinem Zorne die Hinrichtung des Frev lers. Jetzt wurde bei einem anderen Kleidermacher eine Hose bestellt, und als auch diese sich als krumm herausstellte, raste der Prinz und gebot allen Schnei dern der Hauptstadt, ihm bei Verlust des Lebens eine gerade Hose zu liesern. Der gestellte Termin' nahte heran. Und siehe da : Jede der gelieferten 50 fen hatte das alte Uebel. Jetzt sollte einExempel statuirt werden, und dieHin richtung sämmtlicher schuldigerSchneider murde anbefohlen. Grollend undWuth schnaubend sandte der Prinz zum Hofastronom und ließ um Aufkläruug dieses seltsamen Begebnistes fragen. Am anderen Morgen nahte sich ihm ehrfurchtsvoll der Greis. Prinz," hub er an, ich habe in den Sternen gelesen und der Götter Gcheimnisse entziffert. Und da stand es geschrieben : nicht die Hosen, mein Prinz, sondern Deine Beine sind krumm." - Entsetzt fuhr der Prinz zusammen. Was? Seine schönen Beine krumm? Die Götter lügen!"- schrie er und rief den Leibarzt. Mit trüuriger.' Miene mußte dieser die Aussage desWah'rsagers bestätigen. Da warf der Prinz alle Hosen, die
ihm eingeliefert waren, auf einen Schei terhausen zusammin. Dann zog er wieder seine Röcke an und schmauchte auf dem Teppich seine Pfeife. Oiebeu.
Die merkwürdigste Zahl von allen ist die Zahl Sieben". Man erzählt von sieben Weltwundern ; sieben Saiten hat te die Lyra, sieben Helden kämpften vor Theben, und den sieben Thoren dieser Stadt stehen die sieben Weltweisen Griechenlands gegenüber. SiebenStädte stritten um die Geburt Homers, und sie ben Perser wetteten um die Königskrone. Dem Pharao träumte von sieben mage ren und sieben fetten Kühen, und sieben Plagen sendete der Herr über Aegypten. Sieben Lampen brannten in der Stists Hütte, sieben Jahre baute Salomon an seinem Tempel, sieben Löwen waren bei Daniel in der Löwengrube, und das Buch mit den sieben Siegeln ist noch immer nicht schloffen. In sieben Mündungen strömt der Nil in's Meer, auf sieben 5)ügeln erhob sich das mächti ge Rom, und sieben Könige beherrschten es. Am Himmel prangt das Sieben gestirn, der Siebenschläfer verträumt den Winter, und wie am Rhein das Sieben gebirge, fo kennt die Geographie ein Siebenbürgen in Oesterreich. Es gibt sieben freie Künste, ein Märlcin von den sieben Raben und sieben Schwaben; sieben Farben hat der Regenbogen, und selbst der Gerechte fällt desTagcs sieben mal. Wer kennt nicht die sieben Tod sündcn und die sieben Werke der Barm Herzigkeit? Die Siebener bestimmen die Grenzen der Grundstücke, und das Glück derLiebe hebt uns in den siebenten Himmel. Jeder hat seine sicbenSachen" 17cb, und wenn die siebente Bitte im Vaterunser" lautet : Erlöse uns von dem Uebel", so führt sie diese Zahl wohl nur deßhalb, urnl das größte Uebel eine Böse Sieben" ist. Llu: Der Knabe spielet an dem Fluß Und zieht im Sande Furch' an Furch', Da naht mit angstbcschwingicm Fuß Die Mutter, haut ihn tüchtig durch Und führt hinweg ihn von dem Ort, Weil ihr dies Spiel gefährlich scheint; Doch widerwillig geht er fort. Er zürnt der Mutter, schreit und weint. Und an derselben Stelle stand Nach langer Zeit ein stiller Mann Und dachte an die treue Hand, Die damals ihm so weh' gethan : Als sie mich schlug, wie war's da gut ! Daß ich's nicht wußt', wie war das dumm ; Jetzt kann ich springen in die Jluth, Und Niemand kümmert sich darum." Während früher Indien und China die Stoffe produzirten, in welche die vornehmen Frauen unserer Voreltern sich kleideten, werden dieselben jetzt imAbend lande hergestellt die alten indischen und ostasiatischen Namen der Stsffe sind je doch auch den occidentalischen Produkten geblieben. So hat der Damast, den die Wcbstühle des Abendlandes erzeu gen, seinen Namen von der Stadt Da maskuö, as der man ihn früher am schönsten bezog. Satin ist nach der chi nesischen Stadt Zanytaun benannt, Muslin nach Mosul, und der bekannte Baumwollenstoff Kalikot nach Kalkutta. Tastet erhielt feinen Namen von einer Straße in Bagdad und diese wiederum wurde nach dem Gewebe benannt, das in derselben angefertigt und feilgehalten wurde, denn tafta," heißt auf indisch .gedreht" und bezeichnet einen Stoff aus gezwirnter Seide oder Baumwolle. Der Sarsenet-Taffet leitet seinen Namen von den Sarazenen ab, während Moiree und Mohair, ursprünglich ein Gewebe aus Kameelwolle, aus die Mauren hinweist. Jetzt dient zur Herstellung des Mohairs die amerikanische Angorawolle. Das gelbe Baummollenzeug Nanking, welches in früherer Zeit eine ;roße Rolle spielte, ist nach der gleichnamigen chinesischen Stadt benannt. DaS Wort Samit (Sammt) stammt von six und niitri (Fäden) her, da sechs Fäden zum Ein wurs des Gewebes gebraucht werden. Shawl ist das Sanskritwori ala, wel cheS Fußboden oder Zimmer bedeutet, denn die Shawle wurden zuerst als Tep piche, Vorhänge und Decken benutzt. Bandana,.ein Name für Manchester und Schweizer Taschentücher, die gewöhnlich einen türkifchrothen Grund mit weißem, grünem oder gelbem Pünktmuster haben, kommt vom indischen Worte bamlana d. i. verbinden, weil man. um diese Punkte hervorzubringen, Theile desZeu 5S verknoten muß, ehe sie in die rothe Farbe aetaucht werden, und die zusammengeknoteten' Stellen wieder ausbindet, m dieselben dann entweder weiß zu lassen, oder gelb und grün zu färben. Am merkwürdigsten erscheint jedoch die Ab leitung des Wortes Baldachin von kost baren seidenen und goldenen Brokaten, die von Bagdad nach Italien kamen. Man nimmt an, daß der Vorhang im Tempel zu Jerusalem, welchen JosephuZ als buntfarbig und wunderbar gearbeitet beschreibt, babylonischer Brokat war, und gleiche Pracht undKostbarkeit veranlaßte die Italiener, den Bagdadbrokat zu Schirmdächern bei feierlichen Prozessionen und auf den Staatskarrossen der italienischen Eroßherren zu vemenden. Nach Baldac, d. h. Bagdad, wurden diese Seiden- und Goldbrokate Bai dachin- genannt, welche? Name auf die Thronhimmel übertragen wurde und heute sogar in der Architektur belbehal ten ist. Das Wort Baldachin gehört zu den Fremdwörtern, welche sich vollstän d'g bei uns eingebürgert haben ; seine Bedeutung als eine von Säulen getra gene oder an der Wand befestigte Dicke, als Schalldeckel überKanzeln uudSchutz dach über Figuren an Pfeilen und Thür men ist eine so allgemein bekannte, wie der Gebrauch desselben ein häusiger, und in der großen Oper fehlt bei festlichen Aufzügen der Baldachin fast nie. Lederner Vergleich. A : .Deine SUmme klingt heute wie der wie ein alter Blechtof.B: .Und Deine, wie wenn man ein paar alte Lederhosen die Treppe hinun ter wirft !"
