Indiana Tribüne, Volume 4, Number 249, Indianapolis, Marion County, 21 May 1882 — Page 3
Zer WauschaK poetisches Motiv. .Wem und SäiteaspZel erfreut das erC eclb ec streitbare Moralist es Alten Tcgaments, Jesus Sirach, rann diese Weisheit-nicht leugnen, die so alt ist wie die Kunst, auZ Reben Wein zu keltern und die andere, zu singen, und zu sagen.. Griesgrämige Leute haben neuerdings angesichts der ausgesprochenen Neigung des Gaudeamus-Söngers' Vtttor Schessel und seiner Geistesver-' wandten, die Poesie' welche dem Weine bem tausche d:5 Trinker? entblüU, zu feiern, als eine besondere Eigenschast des deutschen Wesens darzustellen gesucht. Puritaner haben achselzuckend von einer Poesie der solchen Backen und rothen' Nasen" gesprochen und diese Lyrik als eine' Beschönigung des schnöden Lasters', der Trunksucht hinzustellen gewagt. Diefer Ansicht gegenüber, welche die Liebe; ZUM Wem. und die Lust an der erhöhten. Lebensstimnlng, die dem goldenen Re ienblute enthuillt, für ein Nationallaster' derDeutschen erklärt und von bestimmten Gesichtspunkten aus läßt sie sich mit Recht geltend machen kann jedoch die ästhetische Weltbetrachtung diese Eigenschaft nur als Nationaltugend preisen. Ein Volk, dem derDrang, zu singen und zü dichten, inne wohnt, wird allezeit auch die erfrischenden und begeistern den Krüste schätzen, welche den Wein so zaubermächtig erscheinen lassen. Und dies ist keine Lehre der nächsten Gegen wart; es lehren uns die Anfänge aller poetischen Kunst, wie sie uns in den den Bacchus geweihten Huldigungsfesten entgegentreten. Aus den Wechselgesängen, die im Bacchuskult frühe bei den Griechen auskamen, entstanden die ersten Formen des antiken DramaZ und nach dem Bock (tragoä), der als Weinver wüster dem Gölte geopfert wurde unter Absingung von jenen Liedern (Oden), erhielt die höchste Form, in der sich die Poesie überhaupt ausdrücken sann, die Tragödie, ihren Namen. Schon unter den ältesten kunstgerechten Liedern der Griechen sinden wir solche, welche neben dem Muth und der Liebe, und höher als beide, den Wein und seine Segnungen preisen. Kein Späterer hat die Wonne, die wir dem Bacchus verdanken, so Herr lich geschildert, so dankbar gepriesen, wie Analreon und in hundert Liedern, wie sie die Jugend des perikleischen Zeitalters sang, variirte das Thema des schönen Gedichtes des Ion .An Bakchos" :
Bakchos, den Alles verehrt, was den epheuumsponnemn Stab schwingt. Du bist Ablaß und Quell' jeglichen Wechselgesprächs. Volk und Fürsten von Hellas ersreu'n sich an Fest und Versammlung Erst, seitdem auswärts sich rankte die Rebe vom Grund. Ihm entstammen als Kinder : die Fest lust, Reigen und Frohsinn. Wo die Quellen des Glücks zeigt uns als . König dcr Wem. Preis und Heil Dir,Bakchos, Du Wonne der festlich bekränzten Zecher. Du Obmann und Fürst jegli chen heitren Gelags, Förd'rer des Guten und Schönen o laß uns, so lange wir leben, Trinken und scherzen und laß redlichen Sinnes uns sein. Nicht in Germanien also ist die Hei math der poetischen Verherrlichung der trunkenen Stimmung zu suchen. Im Gegentheil schließt die'altdeutsche Poesie diese Gattung der Lyrik fast gänzlich aus. Beinahe scheint es, daß die Trinkerkrast der alten Deutschen die Lust am Trinken für eine zu selbstverständliche Sache nahm, als daß sie eines besonderen Preises bedürfe, und sich begnüg ten, sich die Paradiesesseligkeit in Wal halla auszumalen als ein endloses Zech gelage, bei welchem die schlachtenkundigen Walküre den Helden als Schenkinnen dienten. Au den Heimathgesilden der Poesie überhaupt, aus Griechenland, aus dem Orient ist den Deutschen der Muth gekommen, die Freude am Weku im lyrischen Kunstgedicht auszujubeln. Von Sonnenaufgang, wo der Weinstock zuerst sich emporrankte, kam uns auch zu das Weinlied. Was zuerst deutsche Kunstdichter der Neuzeit zum Lobe des Weines sangen, Martin Opitz, Gleim, Hagedorn, Lesjing. war Nachahmung lateinischer und griechischer Vorbilder. Im .Westöstlichen Divan- finden wir, abgesehen von einigen volksliedmäßigen Stndentenliedern, die Weinposie Goethes. Den Dichtern des Ostens lauschte dann Bodenstedt, der deutsche Mirza Schaffy, die Weisen ab, welche den Wein als Welsheitsquell preisen und verkünden, wie sehr verwandt der Wcincsrausch mit dem Rausche der Liebeslust ist. Denn wie in Griechenland das Evo. wurde im Orient der Preis der Schenke und des Schenken Seele der lyrischen Dicht kunst. Gerade weil der Koran den Gcmiß des Weines verbot, wurde er so be deutsam für einen Hasis. einen Omar Chajjan, tmtn Hart. In den Makamen des letzteren, welche Rückcrt in sei ner wunderbar gelungenen Uebersehung .Die Zandlunqen oes Avu &to von Serua- genannt hat, tritt der Gegensatz . - . i zunicken der kntyait amren oes giauoi aen. kultusitrenaen Moslem und der rinkerlust des fröhlich dahinsündigcn den Poeten geradezu als poetisches Motiv uns entgegen. Der Eulenspiegel des Orients einen solchen muß ich Abu Seid nennen dessen Geist in tausend Funken sprüht, wenn er sich mit seinen aradlschen Glaubensgenossen zum Se rnet; dem Mondscheingespräch der Wüste . vereint, preist m Weine die Macht, der er diese Begeisterung verdankt. Denn Wein ist der Glättstein Des Trübsinns, der Wehstein Des Stumpssinns. der Brettstein Des Sieges im Schach. Ja Wein ist der Meister Der Menschen und Geister, Der Feige macht dreister Und stärket was schwach ; Der'5?rankcS gesund macht. Hohlwangiges rund macht. Verborgenes kund macht Und Morgen aus Nacht. So ist der Genuß des Weins, der Sorgen brechende, vom Zwang der. Convenienz befreiende Rausch der Sin
ne, in 'welchen dieser uns versejt, der nur den Gemeinen zum Thier, den Cd len aber zum Haldgott, wandelt, eine heilige alte Quelle der Poesie, und es ist nur" die Ausübung, eines unveräußerli chen Rechts, wenn. immer auf's Neue die Dichter der nachwachsenden Geschlechter, dem Preise 5es Weines ihre Lieder totU hen. Es ist Naturaesetz, wie dies eioer
,der glänzendsten Kündiger von des Wei! nes Macht und Herrlichkeit, .Friedrich HornZeck, geistvoll begründet. hat : Vergänglich ist Alles aus Erden, Die Strahlen des Lichtes zumeist. Wenn sie lm Wane nicht werden Zum Alles bezwingenden Geist. Wer dächte wohl je noch der Sonne, ' Vom Jahrgang Sechzig und eins. Wär' sie nicht gebannt in die Tonne j Als Seele des köstlichsten Weins. j . . j Und perlt sie dann mild durch die Kehle Des durstigen Zechers, entfacht ' - j Sie tief in der träumenden Seele' - j Gedanken voll schimmernder Pracht Dann hat sich dcr Kreislauf des Lichtes Vollzogen in edelster Art; . ; Der irdischen Gluth des Gedichtes Sind himmlische Flammen gepaart. Der Wein erquickt des Menschen 2e ben ; aber, fügt der treffliche Jesus Si räch hinzu so man ihn mäßiglich trinkt. Alle Lust, wenn sie übertrieben wird, entartet, und was im Ausblühen schön war, ist dann häßlich und ekel. Die poetische Kunst bedarf der Gegensätze zu ihren Wirkungen und zieht deshalb, aber auch nur aus diesem Grunde, auch daö häßlich? in ihr 'Bereich. So ist denn auch der Rausch in seiner Entar lixt:g; frühe schon von den Dichtern als poetisches Motiv verwendet worden, so bald die Dichtkunst zur objektiv? Wie dergabe des wirklichen.LebenS cmporgedrungen war. Wenn in Folge der Wirkung des Weines das Blut rascher durch die Adern und empor rauscht zum Haup te, wo eS die Phantasie machtig erregt, die Bedknklichkeit aber einschläfert, fühlt sich zwar dcr gesund und edel geartete Mensch sür alles Schone und Hohe U geistert und zur Wahrheit und Freiheit gedrängt bei dem schlimmen Menschen aber ist die Wirkung' die entgegenge setzte. Alle niedrigen Triebe, seines Wesens treten grell und deutlich an den Tag. Dem Heuchler füllt die Maske vom Antlitz; der Rohe zeigt sich in sei ner entfesselten Brutalität In Gemeinheit tief versunken Liegt der Thor vom Rausch bemeistert. Wenn e r trinkt wird er betrunken, Trinkekrv i r sind wir begeistert. Sprühen hohz' Witzesfunken, . Reden wie mit Cngelzungen Und von Gluth sind wir durchdrungen Und von Schönheit sind wir trunken. Denn es gleicht der Wein dem Regen, Der im Schmutze selbst zum Schmutz wird. Doch auf gutem Acker Segen Bringt, und Jedermann zu Nutz wird. (Bodenstedt.) Dergestalt gestattete die Art dcs Rausches Rückschlüsse aus das Wesen des Trinker. In Plato's Symposion" sin . den mir den Weisesten und den Schön sten der Griechen einander gegenüberge stellt: Vorrates, den gesetzten Mann, dessen klarer Geist von keinem noch so schweren Trunk aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann und den jungen enthusiastischen Alkibiades, beide unter dem Einfluß eines anhaltenden Gelages. Alkibrades ist trunken : Rebenzweig im Gelock, ist er aus dem Kreis ausgelassener Gesellen, von zwei blumcngeschmück ten Flotendlaserinnen geführt, rn denje nigen seiner ernsten Freunde gekommen, die sich geeint haben, beim Wein Jeder ein Wort des Preises auf Eros, den Gott der Liebe und der Freundschaft zu sagen. Und der Rausch des Alkibiades ossenbart sich nur schön und anziehend in einer gesteigerten Thätigkeit des GeU stes. Seiner enthusiastischen Neigung zu Sokrates leiht er Worte, wie sie die Nüchternheit nie auf seine Lippe hüiie kommen lassen. Ganz anders äußert sich der Rausch beim Cyklopen Polyphem. Dem großen Dichter, den wir Homer nennen, galt es, in diesem Unge thüm ein rohes Geschöpf mit gewaltiger physischer Kraft, aber ohne geistige Stärke zu zeichnen, der dem überlegenen Geist des körperlich schwächeren Odysseus unterliegt. Sein Geist vermag der Macht des Weines keinen Stand zu halten ; ihn macht der Rausch trüge und schwach und versetzt ihn in einen stumpf sinnigen, todtähnlichen Schlaf. Wie hier hat Homer in seiner poetischen Tech nik wiederholt den Rausch als Motiv verwendet. Bleibt es auch nur der küh nen Conjektur überlassen, die Verwand luug der Gefährten oes Odysseus in Schweine nach dem Genusse der Zaubertränke der Circe, deren Wirkung Odysseus allein nicht verfällt, in dieser Rich tung zu intcrpretiren. so ist der Gegen satz der vom schwelgerischen Mahle trun'enenFreier zu dem rächenden Odysseus, zu den nüchtern biederen Hirten, zu der treu häuölichenPcnelope ein offenbar beabsichtigter, der wesentlich zu der packenden Wirkung des Schlusies von Odysseus' vi?ljähriger Jrrsahrt beiträgk. Eine solche objektive Verwendung des Rausches in dcr Poesie sinden wir natürlich nur, wo sich dieselbe auf realistischer'Grundlage bewegt und im bürgerlichen Genre mehr, als im heroischen. Nur von Leidenschaft trunken zeigen sich die Personen der antiken Tragöd ; das Satvrspiel aber setzt ihre Trunkenheit in direkte Beziehung zu? berauschenden Maüit des Äeins. Erst das moderne Drama hat die Vereinigung des konii scken und traaischcn SlvlS gefunden und so seücn wir denn. auch bei Shakespeare neben der jungen elrensiaur Heinrichs des V. den feilen Falstass sich recken, und diesen GeaensaZ; verwandt zur Poe tischen,Verklärnng, wie die Platte Trunlenbeik der Studenten 'in Goethe's Auerbach-Kellerscene und die materiellen Wünsche, die sie gegen Mcphistopheles äußern, poetisch kontrastiren zu dem ho hen idealen Lebensdurst des Faust und den sinnlich'übersinnlichen Begierden, die diesen der Macht des Höllensürsten überliesern. Jc realistischer die Kunst wird, je mehr sie kühn und verwegen ihren Stoss ou5 dem vollen Leben heraus greist: eine um so größere Rolle sehen
wir auch die kleinen Triebe und niederen Begierden in ihrem Lebensgemälde spie len. Das sehen wir ebenso in den spa Nischen Schelmenromanen wie in den Anfängen des englischen Romans, wir beobachten es im Simplicissimus" nicht minder als in den Fastnachtspielen Hans Sachsens und der Meistersinger. Ihrer idealen Mission uneingedenk sieht man gegenwärtig viele Dichter nur in der trivialen Schilderung deö Gemeinen ihre letzte Aufgabe suchen. Ja, der neue ste Naturalismus in Frankreich scheint sogar nur den Schmutz und die Eotar tung des Lebens sür seine Domäne zu betrachten, so sthen wir in Zola's Assomoir die Stadien des stumpssinnigen Säuferwahnsinns in aller Ausführlichkeit und in nackter Naturtreue geschildert: nicht um eines poetischen Kontra steS, sondern um der Wirkung des Häßlichen selbst willen. Sehr erquicklich berührt dem gegenüber die Art, wie der dänische.Dichter Molbech den Rausch als
poetisches Motiv auch um seiner selbst j nullen und mcht des Gegensatzes wegen verwandt hat. Hier tritt der Rausch im Rahmen des Drama's ganz unmit telbar lyrisch auf. Ambrosius, selbst ein Dichter, vom Wein berauscht, bekennt dithyrambisch seine Liebe zu dem Edel sräulein, was er in nüchternem Zustande nun und nimmer gewagt haben würde : Der Wein erquickt den Zecher Und macht ihn froh und frei. Doch wenn geleert der Becher, Ist auch die Lust vorbei. Musik und muntrer Sang Schnellt hoch des Herzens Drang, Doch schnell entflieht die Freude schon mit dem letzten Klang. Nein mehr als goldne Reben Und herrlichste Musik. Preis' ich der Liebe Weben Und ihren Sonnenblick. Ein Wort und sie entstand x Und loh't empor zum Brand Doch kann sie nie erlöschen bis an des ' Braves iano. So singt Ambrosius und trinkt und erzählt dann der Versammlung das I Märchen von semer Liede. Den Gegenstand seiner Liebe möchte der Mann stets frei von den Schwächen sehen, die dessen Schönheit und Anmuth gefährden. Selbst den berauschten Ze cher kann der Anblick eines berauschten Weibes ernüchtern. Goethe's Christiane soll von diesem wiederholt trunken gese hen worden sein, aber zum Liede hat der Anblick ihn nicht begeistert. Wohl aber scheint mir der Mythos, daß Orvheus von trunkenen Bacchantinnen getödtet -worden sei, sagen zu wollen, daß Trun kenheit des Weibes der Tod der Poesie ist. Erst nachdem sie der Held ihrer Liebe verlassen, warf sich Ariadne dem Bacchus in die Arme. Den Weinrausch eines Weibes findet man in den klassi schen Zeiten der Poesie schwerlich als poetisches Motiv verwerthet. Erst die allerneueste Zeit hat in einer Dame Helene von Engelhardt eine Sappho des Weines erstehen sehen und zwar eine seyr talentvolle. Das vor Jahresfrist bei Breitkopf und Härte! iu Leipzig er schienene Wein-Album enthält Osten barungen einer kraftvollen Trinkerseele von hohem poetischen Können und ori ginaler Prägung. Man traut seinen Augen kaum, wenn man das Buch .dem Gatten" einer Dame gewidmet sieht, so burschikos und verwegen, so kühn gedackt und keck ausgeführt sind die Gedichte. Es steigert nicht den Werth des Gedichts, aber es erhöbt das Interesse an ihm, wenn wir von einer jungen Frau an den Gatten auf der Hochzeitsreise einen Vers wie den folgenden ge richtet sehen : .Schenk' ein, schenk' ein, den Feuerwein, Weil wir so jung beisammen sind .... Schon dämmert ' gold'ner Frühroth schein. Der Lerche Jubelrus beginnt. Das Heute erwachet, so strahlend, so mild. Wir kennen kein .morgen", das .heutenur gilt, . Wir zählen nicht Tropfen, wir schlürfen den Trunk, Dieweil wir beisammen, so jung, so jung!Aber nicht nur das dichtende Weib hat sich ganz neuerdings erst der Lyrik des Rausches bemächtigt, auch der männliche Schriftsteller hat erst in diesen Tagen den Versuch gewagt, das von Wein berauschte Weib der Dichtkunst zu .ero bern". Der Realismus des enalischen und amerikanischen Romans konnte frei lich schon früher der Neigung der Eng länderinnen für sinrits nicht aus dem Wege gehen. Dickens konnte das Lon doner Straßenleben nicht schildern ohne betrunkene Weiber als Staffage. Der Sittenzeichner der Seinestadt mußte der von Sinntnlust überregten Cokette den schäumenden Ehampagnerkelch in die Hand geben. Die leichte Literatur spielte ohnedies von jeher mit diesen Nachtseiten, so auch die Operette. Aber überall tritt hier dcr Rausch des Weibes nur episodisch auf. nicht bestimmend eingreisend in den Verlauf der Fabel. Je ner oben bezeichnete allgemeine Wider wille gegen di:se Erscbeinung schreckte bisher wohl auch die Poeten von 'der realistischen Obscrvanz oavon ab, es zu versuchen. Pielleicht war es gerade das Schwierige, das Riskante dabei, was Hans Hopfen nun neuestcns bewogen hat, den Versuch zu wagen. Seit einigen Wochen liegt uns von diesem Autor ein neues Werk vor: .Die Einsameein Roman mit dem Nebentitel : .Zwei Novellen in einer"). Hopfen wandelte ja von je seine besonderen Wege, u. hier scheint er sich dies.ganz nachdrücklich vor genommen zu haben. Denn aus dem Schlußkapitel geht hervor, daß wenn er den Gesehen der Composition und der Schönheit in seinem Roman wiederholt ein Schnippchen geschlagen, das absichtlich geschehen. Dcr Roman ist ein psy chologisch vertiesics Eharaktcrgcmüldk, dos eine weibliche Figur von bestricken dem Wesen, aber unglücklichen Anlagen znr Heldin hat, deren verhängnißvollste die ist, daß eine dämonische Macht sie treibt, das Glück der Liebe Anderer zu zerstören, ohne eZ sich selbst gewinnen zu ) Drtödtn, Heinrich Minden. Z Löe.
können. Der Roman ist fesselnd ge schrieben; da er aber mehr von peinli chen Dingen und unliebenswürdigen Menschen als von angenehmen handelt, so packt er mehr durch Vorzüge derTcchnik als der poetischen Substanz. Als ein Triumph der ersteren erscheint mir nun die Kunst des Dichters, die Hauptwendung im Schicksal der Heldin auf einen Rausch derselben und .dessen Folgen zu begründen, ohne den guten Geschmack zu verletzen. DaS Nachdenken über die Ii terarische Bedeutung dieses Schrittes regte in mir die in dieser Plauderei zu sammengefaßten Betrachtungen an, die ich niederschr'b, um stai einer Inhalts angäbe des Hopsen'schen Romans mit einer Empfehlung von dessen Lektüre zu schließen. Wenn es aber auch dem Au tor in diesem Falle gelungen ist, den Rausch als poetisches Motiv mit Glück zu verwerthen, so bleibt doch das Wort des 'wegen seiner trefflichen Weisheit nicht boch genug zu schätzenden JesuS Sirach zu Recht bestehen : .Ein trunken Weib ist eine groe Plage !" Johannes Proelß. Kleine gullmvilder aus Wien. on ffriidrich Tchlögl.
D e r l e tz t e G a st. Wer könnte das lustige Bild der .Fliegenden Blätter" je vergessen, wenn er es da.nals lachend beschaute, wo ein echter, dickbäuchiger baierischer BierPhilister allein und nachdenklich vor seinem Krug sitzt und, mährend im Hintergründe schlaftrunkene Mägde gähnend und überdrüssig dicGeschirre ausschwenken, er vor sich hinmurmclt : .Jetzt is's Zwölse, da trink i no a Mahl und nachher geh i no lang nit surt." Der letzte Gast! Wie lüstig er dem armen, geschundenen, hundsmüden" Dienstper'sonale ist ! Wie er allabendlich gefürchtet wird! Kümmert's ihn ? Fällt ihm nicht ein, sich um die Leute zu scheren. - Er bleibt, so lange es ihm beliebt. Immer als Letzter . Der Beruf des Zeitungsmenschen" bringt es mit sich; daß er meist erst um jene mitternächtige Stunde zu einem flüchtigen Imbiß und einem stärkenden erfrischenden Schluck gelangen kann, wenn die übrigen sich normal benehmen den Zeitgenossen mit ihrem Vesperbrod und ihrer gewohnten Libation längst fertig geworden und im Heimwege aus der Suche nach ihren häuslichen Pfühlen begrlflcn sind. Da stürmt ttnscrelner noch rasch in eine gastliche Schenke, ver schlingt wie eine Wüsten-Hyäne oder Steppen-Wolf was vorrjsthig und waö zu sinden, gießt sich hinter die Cravate ein gespritztes Achtel" oder ein Glas Pils" begleicht im Nu die Zeche und eilt fort. Der Garson ist in solchen Fällen häufiger mitletdiger, als wir es selbst mit uns sind und meint begütigend: Warum tummeln S'Jhner denn gar so? Js ja no Zeit ! Wird ja no nit ge g'sperrt! Sitzt jader no.da!" Man sieht sich um, also nicht ganz allein? Nicht der Einzige und der Letzte ? In der Ecke dort ist wirklich noch ein Gast mutterseelenallein man fände demnach noch Gesellschaft, könnte demnach ein Gespräch beginnen und hätte Zeit, einen Doppelliter zu trinken, bis sich der Compagnon entfernte, aber man geht lieber und läßt dem lallenden Zecher den Ruhm, der letzte Gast' zu sein. Seine Studien jedoch kann man an derlei Exemplaren den Wirthshaus'Svatlingen" machen. . Sie gleichen sich wie ein Ei dem a dern. Das heißt : je nuch der Gattung, denn der Biertrinke? und der Weiutrin ker sind himmelweit von einander unterschieden. Der angetrunkene Bier Plemperer" wird, nach dem Charakter des von ihin masiek'bast vertilgten Stss fes, schließlich langweilig, faul, schlapp, schlasrig und :acimU in abgerissenen, unzusammkn'Ma?nden Sätzen nur mehr unverständliches, confuzes Zeug. Er sühlt sogar, daß er des Guten mehr als zuviel g'tan und saß es die höchste Zeit iK nach sieben- und achtstündigem C&tr. auf harter Bank, in rauchvoller, dicker, erstickender At' mosphäre und nach üb-rmägigsterDurch' trankung seines zinnern Ich", sich endlich zu erheben und ,eim zu wan ken. Aber 'rist, wieder Terminus technicus lautet, ein .Pikan", er kommt nicht vom Flecke, er kann sich von der liebgewordenett, angewöhnten Stelle seines Trink-Asyls nicht trennen, es überkommt ihn bereits jene fatalste Stimmung des perfekten Zechers, die die Fachgelehrten dieser Wissenschaftdie durstlose Ueberdrüssigkeit" oder auch den Ucberdruß der 9-urstlosigkeit" (ein entsetzlicher Zustand, arger als der hef tigste Fieberdurst ') nennen ; er betrachtet das halbgesüllte, sc)?mlsse Krügel mit einer Art von Widerwillen, und er ist nahe daran, vor dem Gesöffe" Ekel und Abscheu zu empsinden. Trotzdem leert er den Nest, zuckt die Achseln in die Höhe, seuszt ein paarmal recht hörbar, schüttelt den Kopf hin und her, brummt einiges in den Bart und ruft dann : Karl ! Noch cin's ! aber kein Hansel ! Es kommt jetzt 's letzte !' Ach, es ist noch immer nicht da3 letzte. Die Scene wie. dcrholt sich sogar. Dennoch ist der Biertrinker, im Gan zen genommen, friedfertiger Natur. Er sucht wenn er das zuträgliche Maß überschrieen, keine Händel, er beginnt keinen. Streit, keine Stänkereien, ihm ist nur darum zu thun.Anlaß und Gelegenheit zu sinden so lange als überhaupt uiögllch im .Wirthshaüse zu bleiben. E zwingt ihn zu solchemVerlangen nicht die Furcht vor Hader mit einer ehelichen Xqutjppe, kein häusliches Kindergeschrei erwartet ihn, es nöthigt ihn nichts hier zum Auvharren bis Schluß des Lo,sles es animirt ihn kein anregende? Discurs mit vernünftigen Personen, es verführt ihn nicht die Anwesenheit einer schmucken Kellnerin, kein beabsichtigtes, verabre detcs Techtelmechtel" mit der Ausschreiberin ode? der drallen MehIspeiskSchin, mit der nach Feierabend zu schäkern wäre. Nichts von alledem ! Eine unbekannte, undesinirbare Macht bannt ihn mit unlöslichem Zauber in den - schmierigen Winkel, die Kellnerbuben 'räumen ab, sie ziehen ihm das Tischtuch weg, sie nehmen ihm Jeuerzeug und Untertasse
behufs Reinigung, der Hausknecht erscheint mit dem Kehrbesen und der Wasserkanne, man bespritzt seine Beinkleide? und fegt den Unrath auf seine Füße, er ist Jedermann im Wege und hört die deutlichsten Anspielungen, aber er bleibt. Man öffnet Thüren und Fenster, der Zugwind soll ihn vertreiben, er bedeckt sich nur; der bissigeHaus' und Wachthund wird von der Kette losgelassen, er ist mit einem Sprunge im Zimmer und beschnuppert den Gast, der Mühe hat, die Bestie abzuwehren, den noch bleibt er noch, beginnt vielmehr, da der Wirth mit der Addition der Tafel??chn':nz" und des Küchenbuches bejchästigt, . ihn auf die buntesten Fragen keiner Antwort würdigt, mit dem Vüe" ein Gespräch und erzählt diesem seine Erlebnisse beim Vogelfang und .seine Abenteuer beim Fischen in der Donau, in der Enns, in der Mürz, in der March. Da schlägt es zwei Uhr und man dreht die letzte "Gasflamme ihm vor der Nase ab. So erhebt er sich denn, aber nicht, um schon zu geben ; er hält vorerst beim Wirthe am Schenktische, zündet sich an dem flackernden Kerzenstummel eine
frische Cigarre an und sragt, ob nicht ausnahmsweise" ein Stamperl- Slibowitz zu haben wäre. Auch das wird dem Quälgeist bewilligt; er nippt, er kostet, nickt zufrieden und findet nun die passendste Veranlassung, seine Kenntnisse im Punkte der Schnäpse" des Langen und Breiten kundzugeben und namentlich auf den merkbarenUnterschied zwischen Obcrösterreicher, Croatischen und Syrnnier Slyöowitz hinzuweisen. Ob noch ein zweites Gläschen zu haben wäre ? Man murrt, aber man gibt cs ihm, denn man will den .täglichen Gast" durch eine Verweigerung, nicht beleidigen". Nun aber ist's. Ernst; das stark dccolletirte Dienstpersonal schlüpst in seine schmalen Truhen, derWirth nimmt den Leuchter, rasselt mit dem Schlüsselbund und gibt somit das Zeichen zum wirklichen Ausbruch, zum thatsächlichen Finale. Schweren Herzens trennt sich der Exmittirte von dem gemüthlichen Stamm-Localc, aber da schon einmal geschieden werden muß, so sei es in Gottesnamen. Es ist also gclungen,ihn vor die Thür zu setzen, in deren Schloß der Wirth den Schlüssel steckt, und es beginnt das Abschiednehmen : Gute Nacht ! Gute Nacht! Kommen S' gut nach Hause !" Ein Blick nach oben zeigt dem Scheidenden den Himmel in reinster SternenPracht : weichherzig und sür das Schöne und Erhabene' nicht unempfindlich, ergreist ihn das herrliche Bild im selben Momente mit wunderbarer Macht, er deutet gerührt noch dem ' Firmamente und sagt zum Wirth, der eben schließen will : Em' Augenblick noch, Herr Haagen ! Da schauen S' 'nauf; is das a Nacht ! Was ! Wie s' den Sirius heut' wieder sauber pukt hab'n ! Was? Oder is's die Venus ?'Na, der Jupiter is's. scheint m'r warten S'. werd's gleich hab'n : da is der große Bär und das is der kl:ine Bär ; dort der Uranus, die Jungfrau, die Zwilling' i kenn s' ja no alle von da Schul' aus, nur möcht' i wisscn.ob das der Sirius i? W-s glau benSie.herrGastgeber?" Dieser replicirt kurz und bündig : Ich kenn' mich nur unt' im Keller, aber nit dort oben aus: dasür glaubet ich, daß ma schlafen qeh'n sollt'n. . . .is ch bald Drei !" Was, so spät schon? Da kann m'r scg'n, wie die Zeit g'schwind vergeht! Nu, gute Nacht!" Gute Nacht'." Und die Thür fällt ins Schloß und die Niegel werden vorgeschoben. ,.Jz das a Arbeit, den Mann h'ncus z'bri:'.g:n! Und alle Nacht dieselbe G'schicht! Wann er nur gar nit mehr kommet ! I verbrenn' ja mehr Gas, als 'vas ich an ihm verdien'! Und d' Leut müssen a ausbleiben! Wegen ein' einzigen Gast ! Gar kein Einseg'n hat so ein Mensch ! Mit diesem EntrüstungSMonoloze geht der Wirth zu Bette, und ' der andere wankt, wenn er nicht noch ein Cafe mit seinem Besuche erschreckt, nach Hause, um am ! nächsten Abend die gewohnte Weise fortzusetzen. ' Nicht so lammssromm gibt sich sein College, und Rivale im nächtlichen Aufbleiben", der heißblütigere Weintrinker. Von Natur aus lebhaften Temperaments, wird er mit jedem Viertel" oder Achtel-, das er in langen Zügen verständniß und weihevoll schlürft, wärmer und wärmer, bis er sich selbst in jene Siedhitze gebracht, wo es für die Umgebung nicht räthlich ist, ihm zu wiedersprechen oder überhaupt einer andern Meinung zu sein, was ihn, den passiv nirten Krakehler. allsogleich in die Höhe z brächte. Und so geschieht es auch trotz aller Vorsicht der übrigen ; der Disput wird heftiger, der Streit ist fertig, der Lärm ein unerquicklicher. DieVernünftigen entfernen sich und lassen den ungederdigen Störenfried allein. Allem ! Das ist ja eigentlich die Würze seines Seins! Allein, bei einem guten Tropfen, allein mit seinen Gedanken und Träumereicn, wird aus dem Stankerer und hartköpfigen, ewigen Widerpart . der sattsam bekannte wortkarge stille Zecher" der nun seine melancholischen Anvandlungen bekommt, Reue über sein voriges ungestümes Benehmen empfindet, gute Vorsätze hegt und in dieser geläuterten Stimmung sich eine Flasche vom Bessern" vergönnt, da man doch nicht wisie, wie lange man noch in diesem schonen Jammerthale fortveaetire. Die Vergänglichkeit alles Irdischen" ist das Lieblingsthcma seiner Betr-ztungen. wenn diese in die Zeit ir.juii J2 und 1 Uhr Nachts fallen. Nun erinnert er sich auch alter Freunde, d.e er längst überstanden ; er gedenkt mit Rührung so manches treuen Kumpanen, mit dem er angestoßen auf ewige Brüderschaft!" Wo sind ste alle, die braven Kerle, die famosen Trinker, die treuen Aushalter an seiner Seite? Dahin! Dahin '.Das Gefühl übermannt ihn, dcr Wein kommt in jchweren Tropfen aus seinen Augen zurück und perlt in das Glas. Sei es den Todten gebracht ! Franz !' geben Sie noch eine her!" Doch diese? sentimentale Zustand hält nicht lange an, die Krisis ist bald überstanden, der Feuerstrom in seinen Adern beginnt zu rumoren, er schlägt mit der Faust auf den Tisch und begehrt den Wirth zu sprechen. Was ist's, Herr Zett, warum sitzt, man heute um diese Zeit schon allein bei Ihnen ? Ich möchte
noch eine kleine Erlauer" haben) bleiben Sie da bei mir und plaudern wir Eins!" Der arme Zett ! Er hat den K Pf voll von einem genialen Wcinkauf und soll nun das Gesa.baöer des schwerzüngigen Schwätzers und sogar Rede und Antwort geben. Und so kommen im barockesten Wirrwarr die Gebreä:!n dcr Hochq'uellen-Leitung, die Last dcr indirecten Steuern, das Wahlrecht der Füns-Gulden Männer, die E?i'.!ribi:r tionen des ersten Napoleon, die rz:schäden der Osterwo.!:?. Bismarä's Arbeiter'VersorgungsProgrsmm, dcr Pe-troleum-Zoll, die antisemitische Bewegung, die Unverlälichkeit der Gasmesser, der Rathhauskeller, das WürsclPflaster und hundert andere Dinge aus'Tapet, die der Plauderer nur berührt, um den , Discurs in Fluß zu erhalten und in . der traulichen Nische sien bleiben zu können. Der letzte Gast!... ... . Es muh doch ein eigenes Wott7.cge' fühl sein, im Wirthshause so lange bleiben zu können, als cs Einem UXvM, oder doch wenigstensbis an die üns.erste Grenze der erlaubten Möglichkeit! Uebrigens haben die eigentliche Qual mit diesen klebrigen Nachtvögeln" die Easctiers auszuscchten, an welche die arge Zumuthung gestellt wird, eines kleinen Schwärzen" wegen in Geduld abzuwarten, wann es dem Zauderer gefällig sei, endlich sein Heim aufzusuchen. Der letzte Gast! Eine verrusene Erscheinung: in der Bierkneipe langweilig, in dcr Weinstube bedenklich, im Cafe unausstehlich ! Ge?)aßt und gefürchtet ist jede der drei Species Golt behüte Einen vor solch' abschreckendem
Leumund, da ist's doch noch honoriger, das Renommee zu genießen, täglich slüh Morgens der erste Gast zu sein. Äus der alten Zeit. Der blaue Montag hk vordem dcr gute Montag" und scheint in noch ausgedehnterem Maße als heute gesciert zu sein. Schon früh kommen Klagen ü'cer gcn das Uebcrhandnehmen des guten Montags" vor. Die Handwerksgesellen in Nürnberg' begnügten stch gegen das Ende des 16 Jahrhunderts nicht mehr mit dem bloßen Montag ; ste widmeten nicht selten auch die uächstsolgenden Tage der Vollern und Lüderlichkeit. Freilich stand damals das' deutsche Handwerk und Kunsthandwerk in seiner schönsten Blüthe und arbeitete sür ganz Europa. Zur Abwendung der aus solchem Unfug nicht nur sür die Gesellen, sondern auch sür den allgemeinen Geschästsb: trieb entspringende Nachtheile erliep der Rath um das Jahr 1550 die Verordnung, daß die Gesellen an den rw . r OY . r w Montagen iir icrc meiner 01c nolyigcn Arbeiten verrichten und erst dann, wenn dies geschehen, ihren guten Montag machen, aber vor Vesprzeit (3 Uhr Nachmittags) damit nicht beginnen Zollten. In den Wochen, in welchen außer dem Sonntage noch ein oder zwei Feier tage fallen, sollte gar kein guter Montag gemacht werden. Aber auch di? Meister waren keine Muster von Mäßigkeit. Sie gingen täglich zu Wein in die Wirthsstuben, wohin ihnen dann ihre Weiber und Kinder nachfolgten. Deshalb wen det stch der Rath in seiner Verordnung auch an sie mit der Mahnung, sie möchten künstig ihren Gesellen mit gutem Beispiele vorangehen. Am Schlüsse heit es : lind dieweil sich augenscheinlich ersindt, daß dem jehterzählteu dcr Handwerksgesellen unnothdürftizcn und überflüssigen Mißbrauch des guten Montags und ander müßiger Zeit durch ihrer Meister täglich Prassen und zum Wein Gehen bishero mit wenig U?sach gegeben worden, so läßt demnach ein ehrbar Rath dieselben ihre Bürger, die Meister und Handwerker, ganz väterlich und getreulich ermähnen und warnen, daß ste den gemeldeten ihren Gesellen auch anderem HauZgesind in solchem ein guts Exempel sürtragcn, stch des übermäßigen Zechens und Weintrinkens in Wirthshäusern, sonderlich an Werktagen enthalten und dermaßen erzeigen wollen, damit Gottes Zorn damit nicht gemehrt, auch Niemand Aergcrnus geschehen und sonderlich ihre Weib und Kindcr von dem lästerlich bösen Gebrauch, ihnen in Wirthshäuser nachzulaufen und der Füllerei auch zugewöhnen, abczezozen und also ihnen allen Nutz und Guts zu See! und Leib geschafft werde." Originelles Kartenspiel. Eines Morgens sitzt ein Herr in seinem Zimmer und wartet aus seinen Barbier. Statt des Erwarteten tritt ein ganz fremder Mensch herein. Wer sind Sie ? was wollen Sie ? fragt der Hausherr. Ich wünsche Sie zu rastren, wenn es Ihnen gefällig ist !" entgegnet der Eingetretene. Wie kom men Sie dazu ? ich kenne Sie nicht !" spricht Jener. .Das gl.:ube ich moht", lautet die Antwort, .ich habe Sie auch erst gestern gewonnene Mon denke sich das Elstannen des Mannes, als er vernahm, auf welche Weise man über seine Person rctsügt hltc. Das Räthsel klärte sich bald. Zwei Bardiirgesellen hatten mit einander Karten spielt. Als der verlierende Theil kein Geld mehr hatte, sehte er gegen den baaren Vorrath seines College einige seiner Kunden ein und verspielte auch dicse. Von einem sehr b ' t l U (I 11" ten Arzte, Stifter einer neuen Sckts unter den Jüngern Aeslulaps, dksikn Kllren ebenso erstaunlich wie tbcuer zu sein pflegten, lesen wir in einer jüngst zu Paris erschienenen Aiodraphic eine amüsante klein: Anekdote. Der Heil künstle? empsängt eines Tages den Be such eines steinreichen Lords, weicher ausschließlich ihn zu konsultiren über den Kanal gekommen war. Ersieht ihn schaff an, klopft hier und du an ihm herum und hält ihm schließlich ein Flacon unter die Nase: .Riechen Sie!" Der Lor'd liecht. Wohl, Sie stnd geheilt." Der Englän der ist Über die schnelle Art der Heilung sehr erstaunt, fragt indeß ruhig: WaS schulde ich V Tausend Franken!- Der Patient zieht sehr ruhig ein Tausend, franksbillet aus der Tasche, hält cs dem Dotor unter die Nase : .Riechen Sie Gut sind bezahlt!" und verläßt würdevoll da Zimmer.
?xplos!ones durÄ Nehlslauv.
Die neuerdings wiederholt in Mahk mühlcn vorgelommcncn Ezplosionee. namentlich die 5.els!öruna der Mühlen in Glasgow in Schottland und in Mio neapolis haben den Prof. Tobin verav la.t, cm Verfahren ; empfehlen, wei ches de:artigcn Katastrophen vcrbcuL ls gilbt bckannüzch vclsiedcne Vrr dindungen vcn an sich harmlosen Stos fen, sowie Agqregatsormcn durchaus unc.clayr!lche? Körper, in welchen bttc im Stande sind, die ;??siorendsten SS lnnc.cn zu äurn. WasserstrsZgas end' w'.clc!: in Verdinu::g mit Ltmosphäri" Mischung beider ist nicht nur leicht csfc zündlich, sondern explosiv. km Haufen sagcjpne ist rich! rzr soers seucrgcsährlich, Mßt man atec mittels eines Blasebalges troZene spähne über cine ZZlamme dahin sti: so, schießen diese sosort in einet lebhaft?. Flamme auf. Dies crllrt die Exp sionen, die in Hobclsabri!:n bzbach! worden sind. Bekannt ist endlich dcr sogcnan Drudenfuß", das aus dem Samcn Xxfi Bärlapp gebildete gelbe Pulv?r, c! als ruhende Masse nicht brennt, daa? übkr eine Flamme dahin geblasen, cöj tig auflodert und daher zur Herstell-T-, der sogenannten Theatcrdli" rnms det wird. JcdcnfällZ dcsindcn sich cAeußeren der GctrcidrkcM ttäifeSvoren, wie an dem 2cr:v lapp, wenigstens wird diez d'ititfx wahrscheinlich, daß in der Xafc der Zte.Kleien enthaltenden Kasten ic r.iinr. lZrplosioncn in Mahlmüh'.::: er.zst:, sind. Bet allen Explonoi'en in Nülcn r?unmittelbar zuvor Tace und KaStr hindurch in den Mühlcn gccit'.ilct cccden und hierdurch hatte sich die Qua.tität des in der Lust schwebenden M: stanbes und damit deö die tfplcsicu: bewirkenden Stouc? ungewöhnlich termMt, Aaren ferner das Mehl, die Behälter, die Decken, 23a.fcc, Apparck und Maschinen ungewöhnlich ertiU ur.fc ausgetrocknet worden. So genügte eun Lujlzug, der eine Partie Me'dunst üb.eine Flamme hinwcgtrub, diesen zu ex plodircn, ihm folgte der gcsamwtcMer.l' dunst, und die Flammen vcrzchrten tti ßend die dürren Ruinen der durch dir Explosion zerstörten Mühlen. Der genannte Gelehrte glaubt, dcß. . rY man Explosionen m oen 'cuüien eintacv dadurch vorbeugen könne, daß man '.. gromcter in denselö:?. anbriet, beobacht tet und, sobald man einen urgeroöhnlich: trockenen Zustand der Luft wcdrr.immd.. aus dcn 5vczjeln der Etbllsicmcutv Dampf in die Mühlrüume eil'strömcr: läßt. Erfahrene Müller behaupten. dc. das bei feuchter Lust hergestcllle Tltty von besserer Qualität sei, os das irc trecken Lust gemahlene, und so durf: zu dcr größeren Sicherheit gegen fcs? Gefahr nicht nur die Förderung dcr Ge" sundheit der in den MühlcnArbciicnde sondern auch der pekuniäre Bcrlhcil hin zutreten. Zur NchKymung cmpfoylcn - Beiden Zuni-Jndianern, welche dureZ' die Verrichtung ihrer uralte:: Cercu,nien im Ocean bei Boston die nT(ncmtire? Aufmerksamkeit auf sich gelenkt habe-, besteht seit unvordenklicher Zeit der (e brauch und das unverbrüchlich sestgeha tene Gewohnheitsrecht, daß sich atz Häuser ausschließlich im Beslhe fctc Frauenspersonen befinden und nur i der weiblichen Linie forterben. Dorr, braucht also ein Jüngling, der eine Fc rnilie zu gründen beabsichtigt, sich nichr erst umzusehen, wo er eine Wohnung werben oder miethen kann, innerh'd deren er sein hausliches Glück zu etabtt ren im Stand ist, er braucht auch fatalen Worte HauszinS" kein Capitel in dem Etat seiner Hauöhaltungskost anzuweisen, sondern er setzt sich frifö und fröhlich in das Nest seiner Angebe teten. Aus diesem Grunde giebt es bea den Zuni's bei Weitem nicht so viete alte Junggesellen als bei uns, die fcrr auf der höchsten Spitze der Civilifatierz balanriren. Alte Jungfern giebt e's gc nicht. Ader zu jener Eigenthümlichkeit dee. Zuni's gesellt sich noch eine andere' de das Institut in noch höherem Gradr.achabmungswerth erscheinen läßt. Deir.' verheiratete Zuni hat das NutznßungSrecht am Hase der Gattin nur fa lange, als er sich als ein musterhast' Gatte und eventuell Familienvater er weist. Wird er dieser Verpflichtu?. untreu, so kann ihn seine Frau cliuc Weiteres exmittiren oder dies durch in& Eonsto.be! besorgen lassen, ohne daß fe? ihm, wie dies in New tyott, der in dieser Beziehung so äußerst hul7..:neN Stüd. zwei Stunden vorher N?t:z zu gebe brauchte. Es leuchtet ein, deß dtefcSitte bei uns dcr colossalen Är.zil,! vc. Muster - Ehen, die wir bereits hai?? voü eine große Partie weiterer Türkei !audcn-Lcrbi:;dunzcn hinzusügcn wü? dc. Mattl'u-? frciiich würde mit dkl?, Einu ar.de zur Hand sein, düjj die SL und das Gcsetz der Zuni's das zu früh zeitic Heiratl)cu befördert, wenn cbeir 02s Sprichwort : J;:ng glfrcit hat nh-t-vt!ä nT'il" in iii-'n- iii r& nit is IJV.VUt 1 1 IUtj. 1,1, UIS ut 1 o wäre theil. das ja nur ein wcttcrcr Vs?' It beats Mür.chhcuscn ! Cint i-ipige Unterhaltung. Zwei alte 'Rt! CaS a a V s a V 1 . . .fi Sk.. JT-? ivitui, wtiuj; i'ic yuüi. U!tu uuiuici hatten, tauschten ihre sJici,re--Erinneru gen aus und übereilten, sich im Lütz?: Sagte dcr Eine : Ich wr sechs Mont.?. in Guinea und fjir.d es säckliü ' EZ war so hm, ta:: ick aciwurccn rrcc mich in meinen hUfitz zu legen, se: frische Lust zu schöpfen. ÄOrcuf.de?. Andere nplicirle: Als ich in ScnecsJl' war, wurde ich als Führer einst Ervv tton nach ZlM',amb;a le;t;;nn?t. r - tc hatten ein Wetter, wie ich mich kifim nie erinnern kann. Wir hatten 2l Grad Fahrenhcit im Schatten, denk: Sie sich. O, um dcs Himn-clstller?,. sagte sein Gefährte, wie konnten Sie einer solchen Temperatur cs aushallrr:' Sehr einfach, wir blieben in der Son
)Ozx .lst eine turchtdüre Yxploslokrcsc.-, chwrsaurcs Cali entzündet sich nicht, unk, Stärke verlöscht die brennende tte? die man in dieselbe himmsteck:, aber ein-
