Indiana Tribüne, Volume 4, Number 242, Indianapolis, Marion County, 14 May 1882 — Page 7
I Mein Unglück war die Brodbürste. Eine jener mix ehrwürdig wenem Haar, elfenbeinernem Griff und ebensolchem Rücken ausgestatteten Bürsten in Yata gan oder Hnndscharsorm, mit denen sich daS Stubenmädchen, zuweilen dieHausfrau und das Hausfräulem in bürg, lichen Häusern bewaffnet, um damit nach beendeter Mahlzeit die Brodkrumen vom Tische zu segen. Ein derartiges HauZ gerath brachte mir dauernde? Verderben. ES war mir niemals in den Sinn ge kommen, mich zu verheirathen. Da ich erst 23 Jahre alt war, hatte ich vollauf Zeit, daran zu denken. Zudem sagte mir oftmals mein mir wohlgesinnter Chef, der die Gewohnheit hatte, meinen Namen auf ein Papier zu malen, wäh nd er sprach: .Junger Mann! Ich rathe Ihnen auf das Entschiedenste ab, sich jemals zu verheirathen. Nicht weil ich selbst schon seit zehn Jahren von meiner Frau getrennt lebe (ein glückli cheS Lächeln umspielte seine Lippen) und seither in drei väterliche Prozeffever wickelt gewesen bin (seine Stimme nahm hier einen traurigen Klang an), o nein, nicht deshalb aber... . .(er bog den -Kopf nach seitwärts und vollendete den kunstvollen Schnörkel meines Namens zuges) lch rathe Ihnen trojdem aus das Entschiedenste ob l" Ich gab ihm die Versicherung, daß ich ohnedies gar nicht daran denke. Wozu auch? War ich nicht vollkommen glücklich? Hatte ich mir nicht mein Junggesellen leben auf das Angenehmste eingerichtet? Ich war schon zu jener Zeit in dem Communal-Bureau angestellt, welchem ich heute noch meine Dienste widme. Ich bezog das für mein Alter ansehnliche Gehalt von 2700 Francs und bekleidete ein Amt, welches mich nicht allzusehr in Anspruch nahm. Man wollte mir wohl und hatte von meinen Fachkenntniffen in Begräbniß'Angelegenheiten eine sehr hohe Meinung. Ich galj in der That für einen tüchtigen Specialisten. So war ich in der angenehmen Lage, meinen Berussagenden täglich nur zwei Stun den widmen zu müssen, während ich den übrigen Theil des Tages an die AuflSsung schwieriger Räthsel und Rebuffe illustrirter Wochenblätter wendete. Auch in dieser Thätigkeit war es mir vergönnt, eine besondere Fertigkeit mir anzueignen, und an jedem Sonntag las ich mit Befriedigung meinen Namen unter der Ru brick : .Richtige Lösungen haben finge sendet :" Trotz dieser kleinen Annehm lichkeiten betrachtete ich die im Amt verbrachte Zeit als eine dem Broderwerbe geopferte. Mein eigentliche? Leben be gann um 4 Uhr Nachmittags, um welche Zeit ich, ein leichtes Chanson trällernd, mit einem winzigen Stück Seife ver sehen, zum Waschbecken eilte und mir die Hände wusch. Bald war das un liebsam glänzende BureauSacco mit einem eleganten Straßenrock vertauscht, wie von selbst glättete der feine Tuch ürmel die ab und zu rebellischen Haare des Seidenhutes, und ich spazierte, dem Portier einen Gruß zublinzelnd, nach dem metallischen Rhythmus meines Spazierstöckchens über die Boulevards des Invalides und Montparnasse in die Richtung meines etwas entlegenen Heims. Wie herrlich waren dieseWanderungen! Zumal an linden Sommernachmittagen. Das helle Sonnenlicht, welches den Malerin seine Stasfelei bannte, ver goldete mit seinem stetigen strahl die Laubkron'en der uralten Bäume. Sie sind längst nicht mehr. Man hat sie während der entsetzlichen Belagerung vernichtet und seither durch abscheuliche Platanen ersetzt. Wie lieblich war's doch, im Schatten der alten, lieben Lin den, der- behäbigen Kassanienbäume zu lustwandeln, welche zur Zeit LouiS'XI V. gepflanzt worden waren, zu einer Zeit, in der man den Bäumen und Jnstitu tionen Raum und Zeit ließ tüchtige Wurzel zu fassen und sich gedeihlich zu entwickeln ! Vor dem Ostbahnhofe vu.rde täglich Halt gemacht. Der Kell ner hatte mir mein LieblingsplStzchen refervirt, und ich verzehrte mein Mahl in friedlicher Stille; ab und zu ließ ich meinen Blick durch'S Fenster schweifen, beobachtete da? Einlausen der Züge, und ergötzte mich am Anblick der Ausflügler, welche zu den Portalen des Bahnhofes hinaushasteten. Da gab's Soldaten, die einander auch in den Gesichtszügen merkwürdig ähnlich sahen; alte Botaniker mit blauen Brillen und grünen Botanisir büchsen; Liebespärchen der mannigsaltigsten Sorte, vom zaghastenBürschchen, welches das Stubenmädchen seiner El tun über Land sührt und gesehen zu werden sürchtet, bis zum siegessicheren Roue, der einer schüchternen Gouvernante den Arm bietet. . ..Sobald es zu dunkeln begann, war eS meine. Ge wohnheit, vor einem Cafe ein kleines EiS zu nehmen, und dann ging'S nach Hause, zu mir nach Hause, in mein eige nes Heim! O, das war eine schöne Zeit ! Wer mag letzt wohl in den trau lichen Räumen, die ich selbst dekorirt hatte, hausen? Gewiß irgend ein ,Phili ster. ein Griesaram, der Wände unwür dig, welche ich eigenhändig, mit den Portraits berühmter Männer bemalt hatte. ' In ienem Winkel standen, säuberlich geordnet, meine Pfeifen; hier lag meine m schwarzen Futteralsarge schlummern de Flöte, in die ich bei geöffnetem Jen ster süßes Leben zu hauchen pflegte; dort , r. c Y . oreneie oer von .rauncyieil uno vto$ haar überquellende Lehnstuhl seine wei chen Arme nach mir aus; auf jenem Brett blinzelten die goldenen Buchstaben auf den Einbanddecken der Bücher, die ich wohl Hundertwal gelesen batte und fast wörtlich auswendig kannte. Mein guter alte? Dickens! Wie köstlich, in diesen Räumen, sein Morgenpseifchen schmauchend, umherzuspazieren, vor dem Fenster das grüne Meer des Luzem boura. in der Ferne der Dom des Van theon und über all dem Lust, Licht, Qimmel. so viel Himmel! Die Schmal ben zogen gar dicht vor meinem Fenster unaufhörlich hin und her. ihr zartes .Cuik, Cuik" klang wie: Gut' Morgen "Ünd wie prächtig schwanden mir die Abende dahin! Unaussprechliches Glück
Die Arodöiirste. Don Jransois Cop.-e.
zog in meine Brust ein, wenn ich bei ernstem und doch freundlichem Mond i schein mich in mein Fenster legte und ein zartes Lied von Mozart auf meiner Föte blies. Man fragt : Und die Frauen ! Freilich, auch das zarte Ge räusch meines ruhig verfließenden Lebens hatte sich zuweilen mit den Knistern von Frauenkleidern vermengt; doch waren eS nur solche, die von Mädchen getragen werden,welche man des Abends vor den Magazins erwartet und deremGeplauder man mit halbem Ohre zuhört, sobald man sie zum bescheidenen Souper sührt. Ich hatte die Unvorsichtigkeit, just dieses einst einem älterenKollegen, einem, wie es heißt, praktischen" Manne anzu vertrauen.Er erklärte, mir belsen zu wol len Er wisse etwas Passendes für mich Eine Mitgift von 30,000 Franks nebst Aussicht aus mehr. ... Die Mutter habe violette Lippen und würde bald einer Herzkrankheit erliegen er volle mich beider Familie ein führen.... Ich zögerte, überlegte ; überlegte und zögerte, Nach vierzehn Tagen war ich verloren, ich hatte eine Einladung zum Mittagessen in der Familie des Mädchens angenommen. Die Brod bürste gab mir den Rest. Die Mahlzeit war wirklich tadellos. Wir plauderten recht angenehm, ich fühlte mich von der Familie angemuthet; die Empfindung der Behaglichkeit durch strömte mein Herz. Mama hatte den Anschein einer zwar etwas förmlichen, aber sonst ganz ausgezeichneten Dame, welche die Pause zwischen Braten und Mehlspeise mit eingehendenUntersuchun gen der Politik der europäischen Groß mächte auszufüllen liebte. Auch der Vater mit seinem fleischigen Kopse und dem stattlichen, graumelirten Barte miß fiel mir nicht ; ich hatte eben gut dinirt. Ich hatte leider viel zu gut dinirt und vertiefte mich, ohne an irgend etwas Bestimmtes zu denken, in's Dessert, welches wie in allen guten Bürgershäusern, auch hier aus Biscuit, Orangen, Aep feln, Nüssen und warmen Kastanien be stand. In jenem Augenblicke gab die Mutter der Tochter einen Wink ; sie er hob sich, nahm ein Körbchen und die un glückselige Brodbürste zur Hand und tänzelte graziös von Couvert zuCouvert, um die Brodkrumen vom Tischtuche zu entsernen. Man ist von Fleisch und Bein, man hat Blut, warmes Blut in den Adern. Was Wunder ulso, daß ich den Ent schluß faßte, um ihre Hand anzuhalten, als diese große, feingevachfene Brünette mit den Aprikosenwangen sich lachend über mich beugte, so daß ihre langen Flechten nach vorne aus meine Schultern fielen und mich mit ihrem Parsum sörm lich trunken machten! Ich habe um ihre Hand angehalten. Zehn Jahre sind seither verflossen und ich bin der unglückseligste Mensch auf Erden geworden. Adieu ihr lustigen Rebusse de? illu strikten Journale von ehedem! Jetzt flecke lch bis an den Hals in langweiligen
Aktenstücken ; ich untersuche .Vorschläge zur DeSinficirung der Straßen, ich referire über die .Bewegung der Vieh feuchen! Das macht mich krank, elend. Ich bin Vater dreier Kinder und beziehe ein Gebalt von nur 5000 Franks. Das macht mich rasend ! Ich muß demnach arbeiten viel arbeiten. DaS macht mich nervös. Um mn be: memen Vorgesetzten An sehen zu verschaffen, muß ich Bücher schreiben : .Die Todtenschau, ihre Ver gangenhett, Gegenwart, und Zukunst , in zwei Bänden. .Ueber die Gefahren der vorzeitigen Beerdigung in drei Bänden. Die Beerdigung auf den Friedhöfen der Vorstädte und der Lei chentransport durch Eisenbahnen mit Rücksicht aus eine ästhetische Statthastig seit und die Rückwirkung auf die öffentliche Hygiene-, in vier Bänden ! Ich ! de? ehemalige Flötenspieler und Verse macher! ach ja, Musik und Poesie kön nen nur Poeten und Junggesellen ge nießen ! Auch meine reizenden Prome naden von ehedem haben längst ausge hört. Jetzt muß ich um 4 Uhr Nach mittags eilends in einen Pferdebahn Waggon springen um nach dem abscheu lichen Quartier zu gelangen, in welchem meine Frau wohnen will, da sie ihren Eltern näher sein möchte. Ich bewoh ne ein- niederträchtiges Zimmer, durch dessen Fenster ich aus ein demolirteö Ge bäude und weiter rückwärts auf das Profil eines siebenstöckigen Häusermon strumS blicken muß, welches noch dazu mit einer mir verhaßten Nuance grün anaestrlchenM. Und dabei kann ich mich nicht einmal über meine Frau beklagen, sie ist ein sehr liebenswürdiges Geschöpf. Frei lich verhätschels und verdirbt sie die Kin der in einer unverantwortlichen Weise. Sie liebt nicht wie eine Mutter, sondern wie eme Henne ihre Kuchlem. An Al les, was meine Frau thut, habe ich mich gewöhnt, uur. nicht an die von ihr mit systematischer Genauigkeit bewerkstelligte Unordnung im Hause. Ja, Unord nung oder soll ich eS etwa anders nennen, wenn man sich des WinterS am Ofen warmen will und nicht dahin ge langen kann, weil es Kinderwäsche zu trocknen gibt? Ebensowenig wie diese Gewohnheit, werde ich jemals begreifen können, wie man ein Kindermädchen im Hause dulden kann. daS stets einen odiosen'Weingeruch verbreitet und deren Anblick schon nervSS macht. Auch über meine Schwiegermutter könnte lch mich kemeSwegS beklagen. Sie hat so viel zu thun, ihrem strengen. tvrcrnnlschen Gemahl mit den drohenden Augenbrauen die schier unerschöpflichen Wünsche an den Augen abzulesen, daß für mich fast gar keine Zeit übrigbleibt. Aber er, Dubu, mein Schwiegervater, er ist es, der mir mein Leben vergiftet, der mir meine Existenz unleidlich macht. Anmaßend und mittelmäßig, mißbraucht er seme hohe Stirne und den gelstlg de deutend scheinenden Ausdruck seiner Zü ge dazu, jedem sehet Aussprüche den Anstrich der tiefsten Weisheit zu geben. Dabei befleißt er sich einer unausstehlich langsamen, nachdrücklichen Redeweise, welcher de? Charakter einer ebenso un berechtigte als lächerlichen Lehrhaftig keit innewohnt. Titln Schwiegervater weiv Alles, hat A'les vorher gesehen. er hat Alles immer schon viel früher ge sagt. Er hat Ans hauungen über Poli
ik, Geschichte, Philosophie und Kunst,
Er beherrscht alle Disciplinen, mit denen emals der menschliche Geist sich befaßt bat. Ihn überrascht, ihn wundert nichts. Dabei umspielt ein ungemein sussisanteö Lächeln seinen feingeschnittenen Mund, und er tändelt unaufhörlich an einer goldenen Uhrkette, die er um den Hals ragt. Er beschäftigt sich aber auch mit socia en Fragen, verlangt Hebung der Ge werbe und konstatirt eine Abnahme der öffentlichen Wohlthätigkeit ; gleichzeitig aber verweigert er einem Krüppel zwei Sous, toeil Diese Lumpen Gebrechen simulireu, sei er selbst doch einst von einem zerlumpten Mädchen angebettelt worden, welches, um sein Mirleid zu er wecken, ihm ein Kind aus Wäscheappen ! unter die Nase hielt. Kaufe ich irgend einen Gegenstand, Dubu weiß immer einen Mangel daran zu entdecken und würde ihn beiweitem bil lger und besser zu erstehen aewunt ha den; warum ich ihn nicht gebeten habe. weshalb ich mich lieber an ihn wende u. s. w. Dubu . hatte unter Anderm künstlerischen Geschmack. Als wir ,m vergangenen Herbst den Jahrestag un serer Hochzeit festlich begingen, macyle er uns ein furchtbares Gemälde zum Geschenk. DaS elende Machwerk stellte eine geschmackwidrige, ekelhaste Episode aus der Jnquisthonszeit dar. unter schiedlich verzerrteMenschenleiber chmor ten an Pfählen, während blutige Henker anderen Opfern die Augen ausstachen. Dieses Schandwerk sollte in uuser Speisezimmer gehängt werden und meinen Appetit verderben. Ich wiedersetz te mich aus das Entschiedenste. Da er sann er einen teuflischen Racheplan ; er schenkte unö für unser Schlafaemach ein wandgroßes Porträt, welches ihn selbst in einer FreimaurerUnisorm darstellte ! In dieser Weise verfließt nun mem Le ben ! Und warum all das ? Weil mir das Blut damals zu Kopfe stieg, als meine Frau mit der Broddurste die i?ru men vom Tische fegte ! Ob. diese Bürste? Wie um mich an die Genesis meines Unglücks fortwäh rend zu gemahnen, rnmmt meme rau an iedem Sonntaae nach dem Souper, das sichelförmige Instrument, welches mir damals die Freiheit abgeschnitten hat, zur Hand und fegt lächelnd die Brodkrumen vom Tischtu'che. Es ist hart, solches Sonntags, am Tage der Ruhe, erleben zu müssen, nachdem man die Jährlichsten einer Landpartie mit Schwiegereltern und Kmdern uberflan den hat. Kein Wunder, wenn man von nichts als dieser unglückseligen Sichel bürste oder Bürstensichel träumt. Ja r . n iv -rjr vi- i.u: ei0X im Traume eriazeini mir uz maische Bürste ; ihre Form weckt in mir die trübselige Erinnerung an daS letzte Viertel des Honigmondes meiner Ehe! Vllternde Nädchen. Alte Jungfern ! DaS spöttische Lä cheln, welches manche Lippen umschwebt. wenn iene beiden Worte genannt wer den, wer sollte eS Nicht kennen ! Ist eS wohl zu ertragen, wenn sie gedankenlos. verächtlich oder gar tn beleidigender Weise ausgesprochen werden : am aller wenigsten, wenn dies Leute thun, die es kaum werth sind, die Schuhriemen zener Be pöttelten" zu lösen. Wie viele jungen Mädchen erfahren in djr Liebe eine Enttäuschung und sind zu beständig, zu ehrenwerth, zu edel den kend, um dann eme Ehe einzugehen des äußeren Vortheils willen, wenn nicht der Hauch inniger Neigung ihr verklärende Weibe gibt. Andere wieder sind Opfer strenger Pflichterfüllung, sie wollen dem Gellebten nicht einen vielleicht durch den Leichtsinn des Vaters oder BruderS be fleckten Namen bringen, oder sie wollin ihn nicht dem Zusammenleben emer griesgrämigen Mutter aussetzen, ihm mcht die Sorge sur verwaiste, Mgere Geschwister ausburden. Wie viele Ursachen gibt eS nicht, wel che einem Mädchen die Verheirathung unmöglich erscheinen lassen. Die Jahre vergehen, daS einst vielleicht gefeierte Mädchen überschreitet endlich das 30., 40. Lebensjahr ! In all diesen Jahren ist das instinetive Sehnen nach einem tbeilnehmenden, aleichgesinnten Gefährten, in dessen starken Armen man ausruhen kann von der Last des LeoenS nicht erfüllt, sind die goldenen Jugend träume nicht verwirklicht worden. Die rosigen Wangen werden bleich und ein gefallen, Silberfäden durchziehen immer mehr und mehr die sorgsam gepflegten Flechten. Wir sehen nur die äußeren Veränderungen. Eines aber bleibt sich ewig gleich : es ist daS Herz, welches niemals altert, eS pulsirt noch ebenso warm und feurig wie m der Jugend. Die Meisten von uns fühlen die Ela sticität des Empfindens. Niemand aber so sehr wie das alternde Madchen, denn eS versteht es nicht, mit Gracie alt zu werden, gleich der Frau und Mutter, deren Gloriole anmuthig zu sinken be . .. , ? - C ... f i. . . .? ginni, ;e mcyr oer lugenoucye reis yer anwächst, welcher sich mit Vertrauens vollem Ausblick um sie schaart. Mag das alternde Mädchen auch ihre Pflichten getreulich vollbracht haben, es bleibt doch eine Leere zurück; die echte Mission des Weibes, das Schaffen und Walten im eigenen Heun, daö Ausgehen in dem ge liebten Gatten, zu dem sie mit vertrau enSvoller Liebe emporblicken möchte, eS ist nicht ihr zu Theil geworden. Sie vergißt den Flug der Zeiten und dünkt sich in ihrem Innern noch das harrende Mädchen. Höchst selten aber sind die Fälle, wel che ein alterndes Mädchen noch in späte ren Jahren dem häuslichen Glücke zu führen, denn die meisten Männer fordern vor Allem ein hübsches Antlitz und legen nur wenig Werth auf die vortrefflichen Eigenschaften des Herzens und des Gel sies. Daher kommt es, daß manches alternde Mädchen einsam bleibt bis an's Ende ihrer Tage; die Mehrzahl solch .armer Auögestoßener aus dem Hafen des Glücks wird ihrer Umgebung zum Segen durch ihre Güte und Aufopferung ; gibt es dann aber einzelne, welche wirklich ver bissen und hartherzig, sich selbst und an deren zur Qual, durch's Leben gehen, so müssen wir manch bitterem Herzeleid Rechnung tragen und Mitleid walten lassen! Kaum ein noch so einsam dastehendes
Mädchen wird es geben, das Nicht in el nem verborgenen Fache ihres Schreib Pultes irgend eine heilige Erinnerung
aufbewahrt an die goldene Zelt der Lle be, sei eö nur ein vergilbtes Briesblatt, eme veiwelkte Blume, eme erbteichte Locke oder irgend ein kleines Geschenk, das geheiligt ist durch die Erinnerung an den Geber. Es sind dies Mahner aus längst verganaenen Tagen, traute Andenken an enge Stunden, Rel'.qmen, die geheiligt ind durch manche heiße Thräne, welche darauf gefallen in Stunden bitteren Schmerzes. Darum kann mit vollster Ueberzeu gung behauptet werden, ein alterndes Mädchen, das, emem Engel des Friedens gleich, Segen spendet, wohin es kommt. soll Lude und Verehrung überall finden. Nicht Spott also mögen sie ernten, die vielverpönten alten Jungfern. Eine lebe von ihnen hätte den Rechten gesun den, wenn sie nur gewollt hätte. Und wenn sie aus was für Gründen immer hr Glück geopfert,, so sollte es unsere Pflicht sein, ihr Blumen aus den rauhen Pfad eines einsamen Daseins zu streuen, nicht aber, sie zu schmälern, denn : Mancher ist wohl, der erfahren Hat aus Erden keine Lust; Keiner, der nicht still bewahren Wird ein Weh in feiner Brust." Der späte Gast. ES faß an jedem Abend Bei'm Wirth ein später Gast, Der ging, eh's zwölf geschlagen, - Gar niemals heim zur Rast. Ich bleibe sprach er lachend, Nur immer deshalb hier. Weil nie mein Schlüssel öffnet Vor Mitternacht die Thür' Und fröhlich trank sein Gläschen Er bis in später Nacht,' Und bis die zwölste Stunde Im Gasthaus war vollbracht. Dann wankte er nach Hause Und wenn das Schloß er fand Dann öffnete sein Schlüssel .Ihm ohne Widerstand. DaS war ein guter Schlüssel, Ganz kunstgerecht gemacht. Nur öffnete die Thüre . Er nie vor Mitternacht. 4 Wie dieses kam, das wußte Allein der späte Gast; Der ging, eh's zwölf geschlagen. Gar niemals heim zur Rast ; Und weil er niemals früher Sich je nach Hause trug, D'rum öffnete sein Schlüssel Auch nie eh's zwölfe schlug. EinWort an die Besitzer von Taschenuhren! Em Artrikel aus dem Allgem. Journal der Uhrmacher kunst welcher die Aufschrift trägt: .Wie man dieTaschenuhr behandeln mu , lau tet: Eine wirklich gute Taschenuhr ist ein so werthvolles Obiect, daß man m der Behandlung derselben mehrSorgsalt an wenden sollte, als dies leider im Allge meinen geschieht. Man ziehe die Uhr mit größter Regelmäßigkeit stets zu der selben Zeit auf, am besten hierzu ist die Zeit des Ausstehens am Morgen. ES ist möglichst zu vermeiden, die Uhr aus eme Marmortischplatte oder überhaupt aus eine kalte Fläche zu legen. Bei feinen Uhren kann der plötzliche Temperatur Wechsel durch Zusammenziehen des Me tallS die Feder sprengen. Außerdem macht die Kälte daS Oel gerinnen, in folge dessen arbeiten die Rüder und Zap fen weniger leicht und beeinträchtigen die Regelmäßigkeit des Ganges. Am besten ist es, die Uhr beim Weglegen in schräger Stellung gegen emen weichen Gegen stand zu lehnen, möglichst entsprechend der Lage, die sie m unserer Westentasche einnimmt. Frei ausgehängt darf die Uhr Nicht werden, weil da leicht Schwm aunaen entstehen, die außerordentlich störend aus den Gang einwirken.' ES ist . . r v y. . r f. V-t : . oaupaqlicy oaraus zu leyen, oap me Deckel der Uhr gut schließen; will man seme Uhr rem halten waS leider nur selten geschieht so benuje man nur Ledertaschen. Die Mit Tuch oder Fut terleinen gefütterten Taschen erzeugen durch fortwährende Reibung eine Menge wmziger Faserchen, die nach und nach m die bestschliekende Uhr eindringen. Der Schlüssel sei so klein und knapp passend wie möglich, damit man sofort den Wl verstand des Werkes nach Vollendung des Ausziehens gewahr werden kann. Auch wnd bei emem zu weiten Schlüssel der Stahlzapsen, der zum Anstehen de stimmt, allzusehr mitgenommen, und ge rade dessen Reparatur ist ziemlich kost spielig. Daß man beim Stellen einer Uhr die Zeiger absolut nicht zurückdre hen darf, ist unrichtig. Es ist sogar besfer, wenn man dadurch ein längeres Drehen erspart, sie zurück, anstatt vorvärts zu drehen. Bon Zeit zu Zeit muß das Innere einer Uhr nothwendigerweise gereinigt werden. Nach und nach trock net das Oel auf. Staub sammelt sich und demgemäß nützt sich die ganze Ma schinerie ungebührlich ab, während die Funktionen derselben unregelmäßig werden und ost ganz aushören. Wer eine gute Uhr sein eigen nennt, und dieselbe lange als gut betrachten will, der muß sie mindestens alle zwei Jahre einmal rei nigen lassen. Doch hierbei ist beson des zu beachten, daß man die Uhr nur zuverlässigen Händen anvertraut. , Gnomen. Tadel mußt du ertragen, willst du dich vor Andern hervorthun : Ihn hat als Steuer die Welt stets aus die Größe gelegt. Wo sind die Tempel von Stein und die Götzenbilder zerbrochen ; Aber es huldigt das Herz heimlich noch manchem Idol. Fürchterlich ist im Zerstören die kleine gistige Zunge ; Feuer und Schwert sind nur Stümper vergliche mit ihr. Unserem Erdengefängniß dient zum Jen ster der Glaube, Daß der Gefangene kann hoffend die Ewigkeit sehn'n.
5t a s e n st n v , e n.
Aus Bodenstedt's Täglicher Rundschau. . Deine Nas ist wie der Thurm auf Libanon, Der gen Damaskus siehet." . Hohelied VII. 4. Dan du die Nase ins Gesicht behülst" so wünscht bekanntlich Onkel. Bräsig, die kreuzbrave Haut, einmal über daö andere, wenn sein Blut in Wallung geräth und er sich vor komischer Emphase nicht zu lassen weiß. Ein chnstllcherer Ausruf lst kaum denkbar: denn wer die Nas einbüßt, verliert sein besseres Selbst voraus gesetzt, daß er mcht beweibt ist. Welch' hohen Rang und hervorragende Wichtigkeit unsere Nase behauptet, vermag man erst dann vollkommen zu verstehen, wenn man sich den häßlichen Eindruck vergegenwärtigt, den ein Antlitz übt,' welches der Zierde seiner Nase ganz oder theilweise verlustig ging. Von jeher hatte daher die Rhinoplastik, die neuerdings einen staunenswerthen Grad von Vollkommenheit erreicht hat, sich mit dem Problem der Nasenbildung mit besonderem Eifer beschäftigt. Aber gleichwohl ist eS ihr bislang noch nicht ge lungen, diesen Theil des göttlichen Ebenbildes so täuschend nachzumachen, daß eine kokette Schöne um den Verlust desselben nicht mehr besorgt zu sein brauchte. Jener Magistrat, der einem Unglücklichen, weleher auf offener Straße mit einem schauderenegenden Nasenftagment umherlief, nachdem er im Communaldienst seinen Thurm von Libanon" durch einen unverschuldeten Unglücksfall theil' weife verloren hatte, von Amtswegen eine blecherne Nase anfertigen ließ, hat damit ebenso viel Rücksicht auf daS Gefühl seiner Bürger wie Verständniß für die Bedeutung jenes Gliedes bewiesen. Nicht minder wußte jenes Pferd dasselbe zu würdigen, das seinem Peimger die Nase abbiß und entsetzlich ! verschluckte. Da diese Methode der Wiedervergeltung nach beglaubigten Zeitungsberichten in unseren Tagen auch von wüthenden Barbaren unserer civilisirten Länder öfters angewendet wird, so ist der Wunsch des alten Brasig wahrhaftig nicht mehr ohne allen praktischen Grund. Nächst denPhysiognomikern und dem Seelenriecher Jäger, der die Nase in pbvsiologischer Hinsicht neuerdings zu Doyen Ehren gebracht bat, wein wohl Keiner so sehr den Werth der Nase zu schätzen wie der Schauspieler. Meister Dormg, der von den mimischen Hilfs mittein der Darstellungskunst so viel wußte, well er es für rühmlicher erachtete, durch die Natur die Kunstwirkun gen zu erzielen, pflegte von seinen Col legen, die sich zurHerstellung der Maske künstlicher Msencorrecturen" zu bedienen pflegten, mit ' geringschätzigspöttischem Lächeln zu sagen: Ah, pay geht mir doch mit diesen Nasen künstlern! Da aber die Dörings immer seltener werden, so mag man es den Epigonen nicht verübeln, wenn sie auch die Nase in den Dienst ihrer Kunst stellen. Und daß sie,wenn dleS mt Geschick und mndlgkelt ge fchieht, damit wirklich überraschende Effekte hervorbringen, wird Niemand leugnen, der die physiognomlsche Be deutung der Nase kennt; denn bekannt lich hat das Sprichwort Recht, welches uns lehrt: Ein guter Giebel ziert das HauS" und ein schlechter verun ziert es. Man kann sogar noch weiter geher und behaupten, daß von der Nasenform in den meisten Fällen der Eindruck des ganzen Gesichts abhängt, besonders beim Weibe. Wie reich wäre die Erde an Schönheiten, - wenn das weibliche Geschlecht nicht in zahllosen inconekten Nasengebilden seine parti honteuse besäße! Wie viele Hübsche Gesichter fesseln unseren Blick beim Betreten eines Con-cert-oder Ballsaales. Wie viele Grazien oder Amorettenköpfchen mit den bekannten Spuknäpfen Cupido's in den blühenden Wangen berücken unsere Phantasie mit schmeichelnden Vorstellungen, wenn wir die beliebte Promenade der haute volee einer Großstadt mustern. Aber wie rasch weicht der Zauberbann, sobald sich eine bondiesen anmuthigen Sylphiden, die auf den zierlichen französischen Chaussuren gar verführerisch Heranschweben, in Prosilstellung dem prüfenden Beobachter präsentirt! Wie ärgerlich und enttäuscht wendet-er dann das Gesicht ab, um seine Leichtgläubigkeit zu verwünschen, die wieder einmal ihr Vertrauen auf eine e.del geformte Nase so übel belohnt sah. Häßlichkeit entstellet immer, selbst das schöktste Frauenzimmer", versichert ein bekanntes Scherzworts welches man als ein Oxymoron aufzufassen pflegt. Ergänzen wir hinter dem ersten Worte den Zusatz: Der Nase" so wird aus dem Witze der bitterste Ernst. Es braucht sogar nicht einmal Häßlichkeit zu sein. Schon die geringfügigste Unregelmäßigkeit der Linie genügt zur Hervorbringung jenes Effects; denn daS menschliche Antlitz in der Gesammtharmonie seiner einzelnen Theile gleicht einem wohlgestimmten Accorde, in welchem ein einzelner unrichtiger Ton genügt, um emen unreinen Klang zu erzeugen, der aber vollends in einen schrillen Disaccord umschlägt, wenn die Dominante, die Nase, nicht stimmt. Wer sich über den ästhetischen Werth eines Gesichtes klar werden will, betrachte zuerst die Nase. Leider lehrt die Erfahrung, daß in den meisten Fällen an ihrer Mißbildung ein im Uebrigen für Schönheit prädestinirtcs Gesicht seinen herz- und sinnerftcuendcn Beruf verfehlte und aus diesem Grunde bestenfalls auf. die Kategorie der Netten" Anwartschaft erhielt. Leim Manne tritt dieser Mangel weniger hervor. Denn wie seine Schönheit mehr in dem geistigen Ausdruck der .Thatkraft, der Energie, der Charakterstärke, der Klugheit und der Herzensgüte beruht, über denen man bei sonstiger Regelmäßigkeit des Schnittes und der Züge ein nicht völlig reines Ebenmaß, oder incorrccte Linien vergißt, so stört auch eine gegen die strengen Schönheitsbcgriffe verstoKende Nase bei ihm weniaer den 65
ammtemdruck als beim weiblichen Ge-
schlecht, wenngleich auch eine vollkommene Männerschönheit ohne normal gestaltete Nase nicht denkbar ist. Ich sehe es ihr oder ihm an de. Nase an," ist eine vulgäre Redensart? n der sich em gut Theil praktischer Weisheit verbirgt. So paradox es auch klingen mag, so sehr bestätigt eS die tägliche Menschenbeobachtung, daß in der Nase sich fast noch beutlicher der individuelle Charakter ausprägt, als in dem Munde und den Augen. Letztere sind der Seele Spiegel, aber eben fast ausschließlich nur für die Gemüth-se!. ten des Menschen. Ein treues, klares Auge tauscht selten über cm gutesHerz, ein stechendes, scheues noch seltener über Häßlichkeit des Charakters. Die Nase dagegen ist der Compaß des Psychologen für den Curs, den der Wllle des Menschen in seinen mannigfaltigen Erscheinungsformen, in Afsercten und Leidenschaften oder auch in ruhiger UeVerlegung verfolgt. Sie ist in gewissem Smne das Symbol des Charakters bei beiden Geschlechtern. Henathscandldaten sollten daher, bevor sie sich auf die Freierschaft begeben. Nlchts eifriger studlren als die Symbo llk der Naie. wenn sie mckt etwa vorziehen, nach Jäger'scher Methode 6aö in manchen Fällen freilich Nicht leicht ausführbare Experiment der SeelenPrüfung vermittels der Dustcurven anzustellen. Am deutlichsten dstegt sich in der Nase der Grad der Energie und der Leidenschaft auszudrucken. Eme stark heraustretende, etwas -steil abfallende, geradlinige Nase von schmalem Rücken ist in der Regel ein untrügliches Kennzeichen für die Thatkraft und die zielbewußte Entschlossenheit ihres Besitzers, während ihre dicke, fleischige Beschaffenehit in dieser Formation auf Eigensinn mit Bornirtheit gepaart schließen läßt, vollends, wenn sie sich dem Aussehen eines Rabenschnabels nähert. Bedeutende Tragödinen, deren Spiel unö durch die Kraft und die Wucht ihres Pathos entzückt, verrathen diese Gabe häusig schon durch ihre energische Nase, die. wenn sich mit dem Feuer auch lebhafte Phantasie und sinnliche Hingabe an die Illusion paart, mit kräftig sich wölbenden Flügeln und tief um dieselbe sich legenden Zügen ausgestattet sind. Denn in nichts lodert so mächtig 'die Verzehreade Gluth und Dämonie weiblicher Sinnlichkeit wie in diesen Winkeln der Nase, an welche stark ausgebildete Nüstern ansetzen, wie wir sie häusig auf Bildern bei Männern wie bei Frauen der antiken Welt finden. Siemieradski'S Fackeln des Nero" und Pilotty'S Triumphzug des GermanicuS"liefern dafür die fprechendsten Beispiele. Kein Maler der neueren Zeit hat eS vielleicht in so bewunderungSwürdiger Vollendung verstanden, die Leidenschaft der Sinnlichkeit im menschlichen Antlitz im Schnitte der Nase zu veranschaulichen, wie dieser. Die ganze Abscheulichkeit thierischer Leidenschaft und grausamer Ener gie spiegelt sich schwerlich deutlicher in emem Nasengebilde als in jenem neronischen Gesichte Siemieradski'S dessen entsetzliche Verworfenheit durch die für jegliches Laster der Slnnenlust und wilder Blutgier typisch zu nennende Nase charakterisirt wird. Auch Goeihe'S mächtige Römernase und die bei Weitem edler geschnittene, aber nicht minder energievolle und von Sinnlichkeit zeugende Nase Napoleon's I. sind beredte Beispiele für die oben erwähnte Theorie. Beiden sind auch die charakteristichsen, anscheinend stets in lebendiger Vibration arbeitenden, tief umfurchten Nasenflügel eigen, die auch zwei andere berühmte Repräsentanten verfeinerten Weltsinnes, Byron und Heine, kennzeichnen. Wer das Capital von der Nase praktisch studiren will, nehme eine Sammlung von Portraits hervorragender Personen zur Hand. ES wird sieb dann mit überraschender Klarheit die Wahrnehmung ergeben, daß fast alle historischen Größen durch kräftige, weit vorspringende und Energie bekundende Na en sich auszeichnen. PompejuS, Jul. Cäsar, BrutuS, Marc Anton, AugustuS, Cicero, Constantin d. Gr., TheodosiuS, Karl Y., Ferdinand I., Richelieu, Ludwig XIV., Colbert, Frau v. Maintenon, Cromwell, PerikleS, ThucydideS, Sokrates. Aristoteles, Alexander d. Gr., Demostheneö, Luther. Wallenstein, Tilly, Karl XII., Sickingen, Gustav Wasa, Albrecht von Brandenburg, der Große Kurfürst, Friedrich ii Kant, Voltaire, MonteSquieu, Diderot: alle waren Besitzer von Musterexemplaren kräftig hervortretender und ausdrucksvoller Nasen. Als vollkommenster Typus einer cdlen und den reinen Schönheitsgedanken versinnlichenden Nafe wird bekannt' lich die griechische angesehen, wie ihn die antiken Statuen aufweisen. Ein griechisches Prosil gilt auch heute noch als der Inbegriff physiognomischer Vollkommenheit. Freilich unterscheidet man dabei den strengeren altklafsischen Schnitt von dem der eigentlichen Blüthezeit und gibt diesem den Vorzug. Denn während dort Nase und Stirn im Profil 'beinahe eine gerade Linie bilden, zeigt hier die Proffillinie ander Nasenwurzel eine Berechnung zu einem dem flachen freilich sehr nahe kommenden stumpfen Winkel und eine sanfte Einbuchtung über der .Nasenwurzel. Gesichter mit gerader Profillinie erscheinen monoton und phlegmatischindifferent, wogegen die der letzteren Gattung ideales Leben, eine hehre SchönHeitsverklärung ausdrücken. Äie Heitcrkeit und erhabene Ruhe der ewigen Götter, denen jede Leidenschaft fremd ist, kann nicht vollendeter im GesichtsPunkt versinnlicht werden als eben durch dieses klassisch-ideale Profil, daS seinen physiognomischcn Charakter und Ausdruck durch den Schnitt der Nase erhält Je kräftiger die Nase aus demGesicht herausstrebt, je mehr sie sich an der Wurzel einbuchtet, und je stärker geschwungen und schroff abfallend sich ihre Profillinie zeigt, desto leidenschaftlicher und energischer wird der Charakter der
Physiognomie, desto mehr entfernt tt sich von dem Ausdruck der idealen Ho-j heit' und Ruhe. Heldenhafte That-' kraft, ungestümes Temperament,, starker Wille prägen sich daher in der R' gel in dem römischen TypuS der Nase' auS. Zu einer heroischen Schönheit paßt dieser daher besser als der ideale griechische Schnitt. Je kleiner uni regelmüßiger die Nase ist, desto mehrverleiht sie dem Gesicht den Ausdruck! de? Anmuth und deö Sinnenden. j Lächelnde Schalkhaftigkeit und heiles ren Muthwillen kennzeichnet eine kleine,!
::n wenig aogepumpfte viae, oer loge-, nannte Soubrettentypus, ohne den wir! uns die artigen Kammerkätzchen und rr.1...rTX , . rw 1 V : jajeimucgsoeriajinigien lioioinoincn veri italienischen Comödie schlechterdings.' nicht vorstellen können. Am lieoenSwürdlgsten aber sind jene kleinen,, eln! wenig superklug erscheinenden Nasen,! die bei einer beinahe unmerklichelt Krümmung des Rückens in leichtem! Bogen an die Oberlippe ansetzen und,' dem Gesicht den Ausdruck muntererNai-i vetät geben. Man verzeiht ihnen nicht! - - m . r . .,7 r nur gern einige .'tajeroeisgm, lonoeVN! Nndet ste sogar an ihnen reizend und' drollig, aber freilich nur dann, wen sie nicht aufgekippt sind. In diesem Falle nämlich ist Wahrscheinlichkeit vor . v-.- v - i? i v i oanoen, oaß Dinier oer qeimerel eine kleine Impertinenz, hinter der Drolene cnmvvl cnrell. te rlanruna lehrt, deß auch diese Species des großen Nasengeschlechtes für den Psychologen ein selten irreleitender- Wegweiser in der Beurtheilung deS Charakters ift Frauen, bei denen man sie findet denn ihnen ist sie fast ausschließlich ei aen verrathen durch solü ein artigeS Stumpfnäschen zwar nicht viel krisi tischen Verstand, desto mehr aber fröh-j liche Laune, heitere Lebensfrische und je! nach der Stellung deS lieben, Dingeö mehr oder weniger Caprice und Cigen-j sinn neben natürlichem Muttcrwiß undl kindlicher Sinnesart. Zwischen den beiden Extremen drÄ heroischen und naiven NasentypuS liegt! die unabsehbare Reihe von mehr oder? minder mißrathenen Alltagsnasen, in! deren manigfach variirten Formen sich: daS bunte Gemisch von Vorzügen und Fehlern ost deutlich, oft nur leise symbolisirt findet, auS dem der Durchfchnittsmensch zusammengesetzt ist.! Dumme und impertinente Personen! sind durch breitgedrückte, kloßartige uud zuweilen auf dem Rücken eingebuchtete Nasen gekennzeichnet, die je nach dem' Vorwalten der einen oder der anderem Eigenschaft bald nach oben streben, unn daS Himmelslicht mit den Oeffnunge aufzufangen, bald sich auf die Lippe' hinabnzigen, in welch' letzterem Falle! sie auf eine gewisse DasiS von Cholerik hindeuten, die jedoch meist von fangui-nifch-phlegmatifcher TemperamentsVeranlagung im Zügel gehalten ;u werden pflegt. Garstig und abstoßend wirken jene Nasen auf den Beschauer, deren Horizontallinie an der Basis mit der Oderlippe einen spitzen Winkel lU det: eine Gattung, die in den meisten? Fällen Tücke verräth und.dannganz be-', fonderS bösartig erscheint, wenn sie! schmal, zusammengedrückt und dabei ej bogen ist, eine Abart, welche vorviegend den Geizhälsen, Pedanten und Schleichern, überhaupt in sich verschlos-! senen, unzugänglichen und ungeselligen! Murrköpfen eigen ist und nur in AuZnahmefüllen mildere Beurtheilung; rechtfertigt, wenn ein Paar wohlwol lende Augen über solch einem verdächtig gen Zinken" die Controle führen. t Kritisch angelegte Köpfe, scharfe, zer setzende Denker, Skeptiker und Rechnen genieS erfreuen sich vorwiegend solcher Gesichtsvorsprünge. Jeder Physiog nomiker wird sie aber mit größtem: Mißtrauen betrachten, wenn sie gar bei aller Cxcentricitüt der Form von ein paar lüstern aufgeblühten Nüstern fran kirtsind. Wer daS gelobte Land einer wahr haft heillosen Stilanarchie der Nase kennen lernen will, der reise nach Bau ern. Eine ächte Bajuvarennase, die von Kindesbeinen auf, ja wohl gar schon in der Wiege mit dem göttlichen Naß des Bieres genährt worden ist, spottet jeglicher Diagnose des PhysiognomikerS. Nie und nirgends, selbst nicht einmal bei oenhinterpommerschen Kassuben, hat man solche Urtypcn cyklopischer Ungeschlachtheit wiedergefun den wie an den Bächen deS Münchener Hofbrüus. Fürst Bismark hat das Bier gescholten, weil es dumm und trüge mache und zum Vhilisterium er ziehe. Mag sein; daß es eine viel schlimmere Wirkung erzielt, nämlich die Verunstaltung deS Ebenbildes Gottes, ist in meinen Augen eine noch weit ver derblichereEigenschaft. Der liebeGott, der dem Noah nicht den Hopfen, sondern die Rebe wachsen ließ, wußte also recht gut waS er that. Vom Stand Punkt des Physiognomikers bin ich da her ganz energisch für eine starke Bier steuer und empfehle diesen Gesichts Punkt allen Befürwortern derselben, wenn sie demnächst wieder auf dem parlamentarischen Menu erscheint. Die Herren Robert G. Ingersoll und Richard Newinan haben Ende voriger Woche, und zwar ersterer im Gerichtszimmer in Washington, der letztere in den Hallen der New Yorker Legislatur, eine Beredtsamkeit imSchim psen entwickelt, um welche sie ein Kuhhirt, in Arizona bene'.den dürste. Das Be nehmen der hochgebildeten Herren ver- !! cm nniapi uns, roenigliens einige Viuiyen ihrer Sprechweise anzuführen: Lügner, miserabler Lugner," lügnerische vlus geburt der Hölle dreckiger Hund," x. l ' . m r m I Jt Xf... yunosgeiurliler gummier, icy iT;iUäc Dich in die Fresse," hartgesottener Sünder," :c. :c. . , Lieutenant-Eonman der Gorringe sagt über DeLong : Die Ver Staaten besitzen deinen fähigeren, ge schickteren. tapfttcrcn, wohlmeinenderen Marine-Ossicier, als er war. DeLonz war ein .Held" und unser Marine.tt" nisterium wird nur sich . selber ehren, wenn es DeLong's Andenken ein Mo nument errichtet. Dasselbe sollte an die ' Officiere die Aufforderung zu Beiträgen richten und leflterelwürden reichlich ftie ßen." - . r7 II I 2
r.y
j . . 5225
