Indiana Tribüne, Volume 4, Number 242, Indianapolis, Marion County, 14 May 1882 — Page 6

Fas KprülZwort im deutscZen Veqt. ZvflS Sprüchwort entsteht im Volks. Unde wie die Welle im Meere. Plötz. Nch ig es da, aber man weiß nicht, woher Jflcv Sem Wesen ist schwer zu dezeichnen. Wtll man eine Desinition ha ben, so wird man das Sprüchwort als einen dem Vottsmunde entsprungenen Ausspruch bezeichnen müssen, welcher bei passenden Anlagen wiederholt zu werden pflegt. Dtt Sprüchwörter enthalten ei ne große Summe von LebenöveiSbeit und werfen deutliches Licht auf Sitten und Gebrauche des Volkes, auf seineAn schauungen in Politik, Religion, Recht und Moral. Die hohe Bedeutung des Spruchvortes für das Volksleben und sür.dtt Culturgeschichte . dürfte außer Zwelfel stehen. ES wird dies schon durch die vielen Sammlungen bewiesen, welcle bereits im sechzehnten Jahrhundert auf. treten, und mit denen bis in die neueste Zeit hinein bedeutende Gelehrte sich be . schästigten. So gab Simrock im Jahre 18-16 eineSammlung von 12,396Sprüch Wörtern heraus. So groß diese Zahl scheinen mag, umfaßt sie dennoch bei Weitem nicht -den - Gesammtschatz des deutschen SprüchworteS, wie aus dem Umstände hervorgeht, daßWander'S deut 'sches Sprüchvörterlexikon, dessen erste Lieserung im Jahre 1836 erschien, aus 140150,000 Sprüchvörter und sprüch. wörtliche Redenarten berechnet war. ES ist uns unbekannt, ob das Werk vol. lendet wurde. Ganz erschöpfend aber wird auch das unfangreichste Sammel werk nicht sein können, weil tauseud und aber tausend von Sprüchwörtern unsaß bar vou Munde zu Munde flattern, und weil sie viel schneller entstehen, als der fleißigste Sammler arbeiten kann. Außer den Sammlungen, welche sich den gesammten Sprüchwörterichatz des Volles zu umfassen bemühen, giebt es eine große Anzahl von Specialsamm lungen. Ganze große Gruppen von Sprüchwörtern sind einzelnen Berufskreisen eigenthümlich, oder "beziehen sich ouf einen bestimmten Kreis der gesell schastlichen oder wissenschaftlichen Ent Wicklung. Die Theologie und dieGeist lichkeit hat ihren bestimmten Kreis von Sprüchwörtern eben fo aufzuweisen, wie die Arzneikunde und die Aerzte, wie die Jurisprudmz und, die Juristen, oder rich tiger gesagt: im ewig schaffenden Volks munde erzeugten sich von Altersher Aus spräche, welche, oft in witziger Weise, sich um bestimmte Berufsklassen und ihre Thätigkeit gruppirten. - Ganz besonders günstig für die Bil dung vonSprüchuörtern war daSRechts leben der ' Deutschen und das deutsche Recht .selbst, worunter hier daS von Deutschen inDeutschland hervorgebrach' te, den fremdenRechten gegenüberstehende Recht zu verstehen ist. Nur wenige RechtZnoraen waren codificirt, und daS geschriebene Recht bezog sich fast auS schließlich auf das öffentliche Recht, wäh rend das Privatrecht unserer Vorfahren sich in mündlichen Ueberlieferungen fortpflanzte und auf einem, oft gradezu in Sprüchwörtern gekleideten Herkommen - beruhte. Recht war das, was von kundigen Männer als solches be

zeugt wurde. ES vlldeten sich im VolS munde kurze Sätze und Sentenzen, wel che sich auf das Rechtsleben bezogen, und welche maßgebend wurden für die Ent fcheidung von RechtZstreitigkeiten. Roch ,spätereReichsgeletze erkannten dasVolkS recht un, welches sich auf diese Weise ge bildet hatte, indem sie bestimmten, daß Reichsrecht guten Gewohnheiten nicht tntgegen fein solle," und noch heut' zu Tage sind die RechtSgewohnheiten- nicht ganz auS unserem Rechtsleben geschwun den. Einen ungleich höheren Werth und eine oft gradezu entscheidende Bedeutung hatte die Rechtsgewohnheir," welche in ihrer äußeren Form häusig als Rechts fprüchwort" austrat, noch im vorigen Jahrhundert. Als Beispiel von der Be deutuug, welche man dem Sprüchwort imRechte einräumte, mag gelten, daß ein Spruchcollegium das Zeugniß eines Schäfers als ungültiz verwarf, weil es im Sprüchvort heißt: Schäfer und Schinder sind Geschwisterkinder", und' weil der Schinder unehrlich und deshalb unfähig sei ein Zeugniß abzulegen. Die fe Thatsache als kürzlich geschehen" theilt Professor Eisenhart in seiner Sammlung von Rechtösprüchvörtern mit. Der gelehrte Verfasser hat weit über 300 Sprüchvörter, welche er nach den verschiedenen Rechtsmaterien, auf welche sie sich beziehen, in neun Abtheilungen irackte. commentirt ünd ihre Beziehung zum Reckt, sowie ihre Bedeutung für v - 1 m m . m w w . dajzelbe nachgewiesen, ot sreulcy in recht naiver Weise, welche heute kaum noch als iNknsckastlick - vassiren dürfte. Bei dem Standpunkte aber, aus welchem die Rechtswissenschaft zur Zett ljenyartS and. aelanate sein Handbuch, welches namentlich der siudirenden Jugend als Leitfaden zu dienen bestimmt war, zu hoher Berühmtheit. Bei der nachstenden Auswahl sind be sonders solche Cprüchworter berücksichtigt worden, welche stch noch gerne m tagn Sen Kebraucke befinden. DasBewukt sein von ihrem Zusammenhange mit dem Rechte ist verloren gegangen, daß sie aber oennoch ihren Werth haben, und oap )t mehr sind als bloße Gemeinplätze, be . weist die Zähigkeit, mit welcher sieJahr Hunderte überdauerten. Haben si: auch keine Bedeutung mehr sür unser heutiges Reckt, so spricht sich dock in ifcnen auck Ituit noö vie vor ?iabrbunderten ba? Fühlen und Denken des Volkes aus, velcheS oft mit einem kurzen, von den SZorsaüren überlieferten Sake das Nick. tiae trifft, während der aelekrte Rickter den Wald vor Bäumen nicht sieht, oder auch nach Lage der Gesetzgebung eine - Entscheidung zu treffen genöthigt ist, welche für den schlichte, aber gesunden Sinn des Volles gradezu unvegrelstlch ,rscke!nt. Wenn der Buer, felsenfest 'von seinen guten Rechte überzeugt, den Proceß verloren hat, so ruft er wie vor 'rtrT!tihfrt8n auck beute noü unmuth sg auZ: .HundertJahre Unrecht ist keine Stunde Recht !' vioq yeuie icw gender uralte Vers im Munde von Alt

Nd Jung :

.Zehn Jahr ein Kind.Zwanzig Jahr ein Jüngling.. Dreißig Jahr ein Mann. Vierzig Iah? wohlgethan. . Fünfzig Jahr stile ftahn. Sechzig Jahr geht'S Alter an. Siebzig Jahr ein Greis. Achtzig Iah? nimmer weiß ) j Neunzig Iah? Kinde? Spott. Hundert Iah? gnade Gott." Die Worte blieben dieselben, während Sinn und Anwendung allerdings andere geworden sind, da jener VerS vor Alters Bezug auf das Personenrecht hatte und in volkSthümlicher Weise diejenigen Befugnisse bezeichnen wollte, welche dem Menschen je nach seinem Alter zustanden, oder welche andere Personen (Aeltern, Vormünder) in Bezug aus ihn auszuüben hatten. .Kinder und Narren reden die Wahr heil" sagt man, wenn man sich auf das Zeugniß von Personen berief, denen wegen großer. Jugend oderGeisteSschwä che volle Glaubwürdigkeit nicht beizumessen war, indem man darauf hinweisen wollte, daß die unbefangene Offenheit des Kindes und des Narren den Mangel des Alters und des vollen Verstandes ersetze. Ein Anklang an diese Anschau ung findet sich auch noch im heutigen Rechte vor, insofern Civil und Straf Proceßordnung übereinstimmend verord nen, daß solche Personen unbeeidigt zu vernehmen sind, welche zur Zeit der Ber nehmung das sechzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet, oder wegen mangelnder Verstand eöreise oder wegen Verstandes schwäche von dem Wesen und der Be deutung des EideS keine genügende Vor stellung haben. Auch das Sprüchwort : .Jugend hat nicht allezeit Tugend welche eine strafrechtliche Bedeutung hat, findet ei nen Wiederhall in unserer modernenGe setzgebung. Man wollte dadurch aus drücken, daß die Strafthaten jugendli cher Personen, welche oft' aus Unreife des Urtheils, Unüberlegtheit oder Ueber muth entspringen, milder zu beurtheilen seien, als die Delicte des gereiften, über legenden Mannes. Dieselbe RechtSan fchauung findet sich im deutschen Straf gesetzbuche wieder, nur daß dasselbe noch weiter geht als das alte Recht, indem es, dem humanen Zuge der Neuzeit folgend.

die Strafthaten jugendlicher Personen von unter zwölf Jahren su? gänzlich straffrei erklärt und bei Personen unter achtzehn Jahren Strafe nur dann eintreten läßt, wenn festgestellt wird, daß sie bet Begehung der That die zur Er kenntniß der Strafbarkeit derselben er forderliche Einsicht besaßen. Und auch m diesem Falle sind die Strafe milde? als die, welche den übe? achtzehn Jahre alten Thäter für dieselbe Handlung treffen. Zahlreich sind die Sprüchwirler, welche sich aus die 'StandeSunterschiede zwischen Adel, Bürger ünd Bauer und auf die scharf abgegrenzten RechtSbefüg niste der verschiedenen Gesellschastsklas sen beziehen. Diesen Verhältnissen entspringen die heute noch gebräuchlichen Worte: DaS Handwerk hat einen goldenen Boden und .Wenn der Bauer nicht muß, so regt er weder Hand noch Fuß." Der letzterwähnte AuSspruch be zieht sich aus die gedrückte Lage und die hierdurch hervorgerufene Stortlgkelt deS hörigen" Bauernstandes, welcher in Preußen bekanntlich erst durch dieStein Harden-bergsche Gesetzgebung zu einem menschenwürdigen Dasein erhoben wur de. Aus die Spanndienste welche der Bauer dem Gutherrn zu leisten hatte. bc zieht sich das Spruchwort : DerBauer mutz dienen wie er bespannt ist. Dies will besagen, daß es beiBeurthellung deS Umfanges der zu leistenden Spanndlen sie nicht auf den Landbesitz und die son stigenBermogensverhältNisse desBauern, sondern lediglich aus die Anzahl deS von ihm gehaltenen Zugviehes ankomme. Das Spruchwort : .Aemter und Zünfte müssen so rein sein, als wären sie von Tauben gelesen," entstammt der Zeit, zu welcher das Handwerk m die freien Städte einzog und aufborte eme ausschließliche Beschäftigung unfreier Knechte zu sein. Der freie Handwerks mann hielt aus Standesehre, und des halb duldete er rncht, daß unfreie, unehr Ilche und befcholtene Personen Mitglte der von Zünsten und Genossenschaften wurden. Rem wie von Tauben gelesen mußte die Zunft sein. Aber auch kein anderes Handwerk durste der zünftige Meister treiben, denn vierzehn Hand werke, fünfzehn Unglücke d. h. wer Vielerlei beginnt, kann Nirgends Tüchti' aes leisten. Den' mittelalterlichen Vorstellungen über das, vaS wir heute als bürgerliche Ehrenrechte bezeichnen, entstammt das Spruchwort : Ehre verloren.Alleö ver loren." Der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, wie wir heute sagen, hat bt stimmte, im Gesetze vorgesehene Nach theile zur Folge, welche aber bei weitem mcht die Erheblichkeit für den davonBe troffenen habenwie der Ehrverlust im Mittelalter. Derselbe war fast glelchbe deutend mit Rechtlosigkeit. Auch ganzen Berufsklassen hatte dleEngherzlgielt un serer Vorsahren den Makel derEhrlvsig' keit aufaedrückt. Schäfer und Schars richte? waren ehrlos, und ihnen stellte man alle unehelich Geborenen gleich. Sogar die Armuth machte unehrlich. Die rechtlichen 'Befugnisse der Armen waren eingeschränkt und Anderen wer ren sie unsähig, ein vollgültiges Zeugniß abzulegen, ztl als muoere Bitten oit Barbaren der mittelalterlichen Rechts pflege abzuschwächen ansingen, schwanden diese Vorurtheile. allmählich dahin. Aus dieser Periode des Ueberganges stammt das auch uns noch gelaustge Spruch niort: Armuth ist keine Schande.' In seiner ursprünglichen Bedeutung und Anwendung spricht dasselbe das Ber langen aus nach rechtlicher Gleichste!' lung des Armen mit dem Begüterten. )eute sagt man dafür : AchtjigJzhr schneevtiK. Liebe heißet die Fee, die wirkt unglaub liche Wunder, Daß sie dem Häßlichen selbst reizende tT 3t 1 - M. qonyeik rerieiyi. Stiergesecht ? Barbarei, wo Thiere blu tend verenden! Heuchler ! demSeelenmord schaust lüster

- nen Blickes du zu.

l)yaitinisJe Orieft. (V,n ktne xrikttschk ?,te.)

Ein regelrechter Luftwechsel in unseren Wohn - und' Schlafräumen ist einem stärkenden Bade zu vergleichen. Wir begünstigen hierdurch die Hautthätigkeit und damit gleichzeitig alle tnt Bor gange deSStoffwchselS, welche nu! Letz terem in direktemZusammenhange stehen. Und gerade hierüber, über den Luftwechsel in Wohn und VersammlungSräu men, ist auf dem Gebiete der wissen schastlichen Gesundheitspflege so Vieles geschrieben und gepredigt worden, weu das Thema in seiner Behandlung sich als ein gleich elastisches als ergiebiges erwies, daß man kaum glauben sollte, es könnten über die Art und Weisen der Lusterneuerung auch unter dem größeren Publikum noch irgend welche Zweifel obwalten. Man täuscht sich aber mit solcher Annahme gewaltig; denn der konservative Sinn, der Hang am Alt gewohnten, die Furcht vor kleinen Unbequemlichkeiten in subjektiver und sinan zieller Beziehung läßt die Wenigsten für Vorschläge m dieser Richtung empfang lich erscheinen. Außerdem ist die Auf gäbe einer ergiebigen Ventilation unter Vermeidung jedes fühlbaren Luftzuges nicht so leicht zu lösen, als es sür den ersten Augenblick erscheinen mag. Betrachtet man zunächst als Zweck der Lusterneuerung in unseren Wohn und Lufträumen die Reinigung der Lust von den AuSdünflungsprodukten der mensch lichen Haut und- Lungen, so ist in jedem Zimmer, welches einen Ösen mit gutzie hendem Schornstein besitzt, dieser Zweck vollständig zu erreichen, sobald die An zahl der Zimmerinsassen nicht größer ist. als diese naturliche Ventilatlonöwelse sie gestattet.' Jeder Mensch beansprucht m Wohn, ArbeitZ oder Schlafzimmern einen be stimmten Luftraum. Derselbe soll für jeden Einzelnen dreißig Kubikmeter nicht unterschreiten. Em Zimmer also, wel cheö 6 Meter lang, 3 Meter breit, 4 Meter hoch ist, mithin 60 Kubikmeter Rauminhalt faßt, darf nicht mehr als zwe: Insassen bergen, soll es für jeden einen verfügbaren Luftraum' von 30 Kubikmetern bieten. Wollte man den felben Raum als Schlafzimmer für drei Personen benutzen, so würde man nur 20 Kubikmeter Lustraum sür jeden Ein zelnen zur Verfügung' haben, das Zimmer würde ein gesundes Wohnen unter dem Einfluß der naturlichen Ven tilation kaum gestatten. Ein Blick auf den Ofen zur Zeit der eizperiode belehrt jeden Laien in der esundheitslehre, daß daS Feuer nur unter de? Wirkung des aus dem Zimmer durch Rost und Ofentbüre eintretenden Luftzuges brennt, denn der Zug im Schornstein bedingt em fortwährendes Nachziehen der Zimmerlust. Lekrere: wird als mit allen den durm die menschliche AuSdünsjung bedingten Verunreinigungen abgesaugt und durch neue, von Außen eintretende, frische Lust im Zimmer ersetzt. Wo kommt aber diese srische Lust her, wrno wir im Winter mit sorgliche? Angst alle Thürensugen und Fenster verschließen ? Durch die Wände ! Alles Mauerwerk auS Ziegeln und Sandsteinen ist höchst durchlässig für Lust; in dem Falle, wo dichtes Bau Material, Felösteme von Porphyr, Gra nit u. f. w. zum Häuserbau Verwendung finden, da sind es die zahlreichen mit Mörtel ausgefüllten Fugen, welche den Luftzutritt vermitteln. Unsere Woh nungSräume sollen, wie unsere Haut, dem äußeren Luftzutritt den Durchgang mcht verweigern. DaS Ueberlackiren der Häuserflächen ist eine Unsitte, welche sich vielfach durch Erkrankungen der Be wohner rächt. So wenig man die Haut mit lustdichten Gewändern bekleiden darf, will man sich nicht den größten Gefahren für die Gesundheit aussetzen. so wenig sollten aus Gründen der Er sparniß oder der Mode luftdichteFirniß uberzuge auf die Außenfläche unserer Wohnräume gestattet fem ! Es fragt sich nun, ob, wenn die Heiz Periode vorüber, die Ventilation unserer Wohnräume noch immer durch den Ofen zu bewerkstelligen sei ? Die Antwort ist ein unbedingtes Ja ! Bei der Errichtung, von Zimmerösen hat man in neuerer Zeit solche mit söge nanntem hermetischen Verschluß empfoh len und eingesührt. So unleugbar durch dieselben der Vortheil an Brenn materialersparniß in den Vordergrund tritt, so werthlos, vielleicht gefährlich, sind sie in ihrer Bedeutung als Ventila toren. Der Ofen soll der natürliche Ventilator unserer Wohnungen zu allen Jahreszeiten sem ! , Man halte im Frühjahr, Sommer und Herbst, wenn die Heizung abge schloffen, trotzdem die Ofenthüren Tag 1 am m m und viaqt recht viel geonne: uno man wird stets sich einer guten Zimmerlust erfreuen können. Dies gut zumal für Schlsräume ! In jedem Schlafzimmer, welches einen Ofen hat, und ein sol cher sollte in keinem Schlafraume fehlen möge derselbe Tag und Nacht weit geöffnet bleiben. Geschlossene Oesen und solche mit her metischem Verschluß sind die größten Feinde einer regelrechten Lusterneue runq, die gefährlichsten Freunde für un sere Gesundheit ! Sie gleichen den Heuchlern, die unö Mit ihrer Zutraulich keit gewinnen, um uns später zu schädi aen. Das Geld, welches man unter Benutzung solcher Oesen an Brennmate rial erspart, wird später von Arzt und Apotheker oft vielfach beansprucht ! Man hat in neuerer Zeit die Beob achtuna gemocht, daß epidemische Krank heilen in den höheren Stockwerken der 1. - m . . . 1 Cl yaufer groner öiaoic oici oiier zum Vorschein kommen, als m den Wohnun aen der Erdaeschosse und Untererdge ickone. welche doch den Ausdünstungen des Erdbodens in viel höherem Grade ausgesetzt sind. Diese Thatsache liefert " . rv- C.rC'-CW. den erneuerten ewels, oaß ole AUS0UN stungen der Menschen gefährlicher sein können, als die Exhalationen des Erd r-: . tr.'Um i v: CITJ Ms fv oooens : wie Uyu vn uvyiuyusbehörden möglicher Weise auf die rechte Babn ibrer Bestrebungen und vielleicht zu dem Gesetze, daß jeder bewohnte Raum wenigstens 30 Kubikmeter utt räum für den Einzelnen bieten muß. und daß auch in den höher gelegenen Wohnungen sür eme ergiebige natürliche

Ventilation thunlichst Sorge getragen werde.

Mit richtiger Erkenntniß der gestellten Aufgaben haben die Baumeister bei Er nchtung von Versammlungsräumen und Wohnungen der wohlhabenden lauen durch Einführung der künstlichen Venti lation den Ans.orderungen e'ines gesun den, normalen Lustwechsels Rechnung zu tragen gesucht. Die in früherer Zeit hierbei begangenen Fehler, welche die so genannte Lusleizung wegen ihrer aus trocknenden lrlunaen in den Augen des Publikums vielfach verwerflich er scheinen ließen, sind durch Einrichtungen, welche eine hinreichende Anseuchtung der emzusuhrenden Lust gestatten, m neuerer Zeit völlig beseitigt worden. Trotzdem treten die Klagen über Unbehaglichkeit m derartig künstlich ventmrten Räumen immer von Neuem auf, und eS fragt sich. ob diese lagen berechtigt sind i Die Luftzufuhrung erfolgt bei der na türlichen Ventilation, wie schon oben hervorgehoben, in unsern mit gut ziehen den Oefen ' versehenen Wohnungen hauptsächlich durch die porösen Wände, vertheilt sich also auf eine große Ober fläche und wird dadurch für die Zimmer bewohner nicht fühlbar. Ber der künstlichen Ventilation ge schuht die Lusterneuerung durch in den Wänden angebrachte Kanalöffnungen, welche die srische Lust in Form eines fühlbaren Zuges den Räumen zuführen, als ob dieselbe durch ein Rohr m daS Zimmer hineingeblasen würde; und hierin liegt zr Zeit noch die schwache Stelle vieler Ventllations'Anlagen ahn licher Art. So lange unsere Ingenieure nicht im Stande sind, die einzuführende Ventilationsluft auf große Austritts flächen zu vertheilen, so lange sich mit der Lufterneuerung das Gefühl des Zuges verbindet, wird die künstliche Ventilation noch immer berechtigten Vorwürfen aus gesekt bleiben. Die Wirkung einer gu ten Ventilation äußert sich nicht nur in der Beschaffung gesunder Athemluft, sondern zumal in der Beseitigung aller durch die menschliche Hautthätigkeit be dingten verderbenden Einflüsse. Letztere machen sich aber zumal dann geltend, wenn die Häutpflege der Zimmerbewoh ner keine , geordnete ist. Unsere Ober haut ist kein Hornpanzer, sondern ein für äußere Einflüsse sehr empfängliches Or gan. Ihre Ausdünstungen werden um so weniger beeinflussend, je öfter wir die auf dek Hauts'berflache haftenden Reste derselben bese- iigen, öfter durch stärkende Bader dieselbe remlgen und kräftigen. ES ist nachgewiesen, daß in Familie, welche bei normaler Ernährungsweise ihre? Hautpflege durch häusige Bäder günstige Rechnung tragen, die Entste hung und Verbreitung ansteckender irrnkheiten am wenigsten zu beobachten war. - Hierin liegt eine ernste Mahnung für Jeden, nicht nur sich selbst die Wohlthat reinigender Bäder zeitweilig zu gönnen. sondern auch dafür Sorge zutragen, daß seine Umgebung sich einer guten Hautpflege nicht völlig entschlage. Man nützt sich selbst am meisten, indem man seinem Nächsten die Gesetze der Gesund heit'slehre recht oft zu Gemüthe sührt. Hierbei verdient noch besonders hervor gehoben zu werden, daß die Hautem pfindlichkeit bei Kindern mehr als bei Erwachsenen zur Geltung kommt, und daß gerade unseren jungen Pfleglingen neben gesunder Kost und Bewegung eine geregelte Hautpflege zu Gunsten ihrer Organentwickelung ganz besonders zu Statten kommt, sowie, daß das weibliche Geschlecht mit seiner leichteren Empfäng lichkeit sür äußere Eindrücke sich neben normaler Kost und fleißiger Bewegung im Freien oder im Hauswesen der Für sorge für eine geregelte, Hautthätigkeit besonders befleißigen möge. Was man an Bädern verausgabt, erspart man vielfach an Arznei und an ParfümS ! Eintagsfliegen. Es war ein prächtiger Morgen, die Uhr hatte soeben sieben geschlagen. Meine Wirthin brachte Kaffee und Zei tung. Es war 71 Uhr, als ich auS der Zeitungslektüre eine Idee für ein humo ristisches Feuilleton über eineTageöfrage fand. Es war 8 Uhr, als ich amSchreid tische saß und eisrig an diesem Feuilleton schrieb. Gegen 9 Uhr war ich mit der Arbeit fertig. Dann machte ich rasch Toilette und eilte nach dem DönhosS platz, um dort einen Pferdebahnwagen zu besteigen. Um 10 Uhr war ich bei Dr. Bl., um ihm meine Arbeit für das Feuilleton deS Abendblattes anzubieten; meine nähere Bekanntschaft mit Dr. Bl. berechtigte, ja verpflichtete mich zu die sem Ueberfall des Mannes in seiner Privatwohnung. Wahrend wir plau derten, las Dr. Bl. das Manuscript durch, acceptirte es und machte mit Blaustist seinen Vermerk für die Setzerei auf daffelbe. Dann nahm ich das Feuilleton wieder an mich, setzte mich wieder auf die Pferdebahn und fuhr nach der Setzerei, wo ich gegen 11 Uhr das Manuscript in die Hände des M6tteur-en-)age8 legte. Um 1 Uhr kam ich nach dem Eairekturzimmer und las zur Superrevijion die Eorrektur meines Feuilletons noch selbst. Es war 4 Uhr, als die ersten Exem plare noch seucht von der raffelnden Ro tationsmaschine genommen wurden, ein Setzerjunae brachte diese Erstlinge nach dem Redaktionsbureau und da ich mich gerade daselbst befand, konnte ich eines der ersten Exemplare, welche mein Feuil leton enthielten, gegen 4j Uhr in meine Tasche versenken. Es war 5 Uhr, als ich an der Kaste stand und mir von dem Beherrscher derselben das Honorar für dieses Feuilleton auf den Tisch zählen ließ. Als sich die schwarzen Fittige der Nacht auf Berlin hcrabsenkten, ging ich nach dem Nedaktionsbureau, um den Nachtdienst anzutreten. Mein Weg führte mich an einem Delicatesseneschäst vorüber, verlockend winkte das Schaufenster, ich wurde schwach und trat ein, fünf goldgelbe Bücklinge erstand ich zum Nachtmahl. Der Bureaudiener hatte mich verlas sen, und ich war allein in den weiten Redaktionsräumen. Vom Hose her drang wahnsinniges Geräusch, dort ras selten und rasteten die Rotationsmaschi nen, welche die Jnseratenbeilagen druckten: hin und wieder unterbrach meine

Einsamkeit ein Bote, der Depeschen vom Telegraphen oder Wolffschen Bureau brachte. Die. Cigarre war zu Ende ge raucht. Meiner Ueberziehertasche ent nahm ich die in Zeitungepapier gehüll ten Räucherfische und die Hände erhob ich zum leckeren Mahle. Vollendet war es beinahe, nur eine Privatdepesche auS Ragusa hatte Mich zu stören versucht. Plötzlich hielt ich ein im Essen. Bückling und Taschenmeffer sielen aus daS Papier herab da da . da stand eS mein Feuilleton vom Morgen. Die Nummer des Abendblattes, in welcher mein erst am Morgen entstandeneSFeuil leton abgedruckt war, hatte der Bändiger der Bücklinge zum Einpacken benutzt. Mein um 9 Uhr Morgens vollendetes Feuilleton war Abends um 9 Uhr um jene Stunde kaufte ich die Bücklinge Makulatur .... Makulatur !

Die Rotationsmaschinen raffelten und rasten, flackernd brannten die Lampen im RedaktionSsaal, mein Kops sank aus den Tisch, mir war so weh, so bitter, so bitter, so elend Aus den PapierkSr ben erhoben sich die Geiste? der erschla genen Manuskripte, hohlwangige, bleicht, verkrüppelte Gesellen, und höhnisch grin sten sie mich an: Haha!- lachten sie, Du Makulaturheld ! Ihr Makulatur Helden! Was ist Euer Werk? Zwölf Stunden lang dauert sein Leben ! Haha! Haha ! Makulaturheld !" Aus den Zei tungen, welche auf den Tischen, auf dem Sopha, aus den Seffeln, auf der Erde lagen, erhoben sich andere Geister, eine traurige Gesellschaft,' dem fehlte ein Bein, dem ein Arm, dem der halbe Leib eS waren die Zeitungen, die zu Re daktionZzwecken gelesen und zerschnitten worden waren. Drohend hoben sie ihre Arme, verstümmelte Arme : Elender l" schrieen sie. Elender ! Darum zer schneidet, zerfetzt) zerreißt man uns, da mit wir, kaum geboren. Euren Zwecken dienen, Zwecken von zwölsstündiger Dauer, elender Knecht im Dienste deS zeitungssressenden' Molochs, genannt Publikum, Eintagsfliegen Vater!" Schlagt ihn todt!" , schrie auS der Ecke der Kopf der Allgemeinen Zeitung", denn nur der Kopf war noch von ihr übrig geblieben. Schlagt ihn todt!" krächzte der Rest der Allgemeinen". Zusammenstöpple? !" schrieen die Zei tungsgeister. Makulaturheld !" .höhn ten die Manuscriptgeister. Dazwischen klang eS wie Entengeschnatter, hun dert Enten mindestens das waren die Seelen der Enten, die in der Redaktion ausgebrütet und in die Spalten gebracht worden waren. Ich hörte die Thür zum ersten Zim mer," ds weit vorn lag, zuschlagen, ich hörte ein schlürfendes Geräusch mein Blut erstarrte, dort kam die Seeschlange, das getreue Abbild des Ichthyosaurus, den ich, als Kind m Jlmmermann's Wundernder UrotU" mit so viel Entse tzen betrachtet. Näher und näher kam sie mit unheimlich schlürsendem Geräusch, jedt schnappte sie nach mir. Der Met-teur-en-pages stand vor mir : ES ist ein Uhr, Herr Doktor ! Ich schließe die Form ! Haben Sie noch etwas?" Ich winkte ihm verneinend. Er ent ferntesich schlürfenden Schrittes, feine Schlappschuhe klappten unheimlich, bis er die Thüre des ersten Zimmers ge schloffen. Ich blies die Lampen aus. mem Nachtdienst war zu Ende ! Ich floh von dem Orte des Schreckens. Ich habe diese Geschichte nicht auS Ci telkeit von mir selbst erzählt, ich wählte deshalb die egoistische" Form der Er zählung, weil ich mich mit meinem Na men dafür verbürgen will, daß das Wahrheit ist, was ich von dem Schicksal meines Feuilletons berichtet. Es ist un ser Loos, das LooS des Journalisten, daß das, was er schafft, in Hast, gehetzt von dem vorwärts eilenden Zeiger der Uhr, schafft mit äußerster, geistiger An strengung daß es stirbt, nachdem es kaum geschaffen. Neues, neues !" schreit das Publikum. Immer Neues" will ste haben diese erbarmungslose Menge und nach zwölf Stunden wirft eS das Neue" fort. ES ist alt, eS ist verbraucht, es ist Makulatur! Der Bildhauer würde wahnsinnig, wenn man sein eben voll endetes Werk in Trümmer schlüge, der Dichter, der Dichter, der Himmel, Mond und Sterne, Herz und Liebe ansingt, würde sich die Haare ausraufen, wenn man feine soeben vollendeten Manu scripte zum KäseEinwickeln verwenden würde! Was würde der einsachste Ar beiter sagen, der sein Werk, soeben erst erstanden, vergehen sähe. Würden sie nicht alle verzweifeln, fliehen von dieser Arbeit, welche die Strafen desSysiphus und der Danaiden gleichzeitig birgt? Wir dürfen nicht fliehen ? Wir müs sen auf unsern Plätzen ausharren, ohne Zucken, ohne Mucken, bis wir sterben, mit der Feder in der Hand. Neues" schaffen, immer Neues ! Und doch haben wir ein Herz für un sere Arbeiten, doch stnd sie uns werth. Sind sie doch Geist von unserem Geiste, wenn es manchmal auch noch so wenig ist. (Berliner Neueste Nachrichten.) Die Kunst zu regieren. Tief hinten in d:r Türkei lebte vor mehreren Jahren ein uralter Pascha, der im ganzen Morgenlande sich des Nuses erfreute, unter allen seinen Zeitgenoffen es am besten zu verstehen, das Volk zu regieren und es dabei so zu lenken, daß dasselbe freiwillig des alten Türken Ki sten und Kasten sülle. Er hatte einen Schwiegersohn, den er seiner Befähigung zufolge, vor allen seinen Kindern zu sei nem Nachfolger im Regiment bestimmt hatte. Eines Tages ließ er diesen zu sich rufen und eröffnete ihm. daß er sein Ende herannahen sehe, und ihm deshalb die Sorge der Regierung übergeben wolle. Der Schwiegersohn ward traurig, seufzte und konnte nicht umhin, den sterbenden Alten zu erklären, daß er sich nicht wür dig sühle, eine so schwere Pflicht zu über nehmen, indessen er wolle es versuchen, wenn der geliebte Vater ihm die Lehren der Weisheit mittheilen wolle, nach denen derselbe mit so vielem Glücke und Erfol ge das S taatSschiff gelenkt und daS Volk zur beiderseitigen Zufriedenheit geleitet habe. Da sprach der Alte : Gern? möchte

, , i zu schwach, ich will Dir deßhalb eine kurze Geschichte erzählen, aus der Vu den Unterschied erkennen mögest, wie in weiser Mann handelt, und wie ein Thor zu Werke geht." .Weit von hier gegen SonnenUntergang in Frankistan ist ein hohes Gebirge mit Namen Caravancas, von dem sich grünende Thäler und blühende Fluren, untermischt mit reichen Getreidefeldern und fischreichen Flüssen und Seen, weit in die Ebenen hinabziehe. Die Be wohner dieses Landes sind wohlhabend und wohnen auf einzelnen Höfen, wie auch in freundlichen Dörfern und Fle cken. Die Arbeit und die frische Luft machen sie kräftig und gesund, so daß sie nur selten eines Arztes bedürfen, die deßhalb auch in der Regel weit auf dem Lande auseinander wohnen, weshalb man sie Landärzte nennt. In der Ge gend eines schönen klaren LandSee's, den die Eingebornen den Würmsee nen nen, lebte nun ein solche? Landarzt, der weit und breit wegen seiner Kunst be rühmt war und deshalb so viel zu thun hatte, daß er sich sogar einen Gehülfen halten konnte. Denn, wenn auch die Leute an und für sich gesund waren, so traf es sich doch nicht selten, daß sie sich beim Holzfällen oder anderen Arbeiten im Walde verletzten und so gezwungen wurden, die Hülse des klugen Landarztes in Anspruch zu nehmen. Eines TageS stand nun dieser in seiner Stube, strich sein Barbiermesser und dachte an gar nichts ; da klopft es an die Thüre, er ruft herein", und ein Bauer tritt in das Zimmer mit überaus schmerzlichem Gesichte und einem verbundenen Fuße, den er langsam nachschleppte. In der Hand trug er einen kleinen Korb mit Fischen, die er dem Landarzte auf den Tisch legte." Guten Morgen." Guten Morgen." Was will er?" . O, Herr Landarzt, ich hab' mer waS gethan, ich glaub' i bin in was 'neintre ten, i kann's nimmer aushalten vor lau ter Wehthun, g'rad auf der Sohlen ist'S und i kann nicht Hinsehen." Wer'n mer glei' seh'n," sagt der Landarzt und wickelt dem Bauern den Einband vom Fuße. Wie er ihn her unten hat, sieht er, daß der Bau-.r sich wirklich einen Dck?n eingetreten hatte, der bereits anfing zu eitern. Der Landarzt nimmt seinen Daumen, drückt den Dorn noch tiefer in den Fuß, legt ein Pflaster d'rüber und sagt : Ja, daS wär' freilich e schlimmer Fuß na, es wird sich schon wieder uachen; schau' er halt in acht Tagen wieder her." Der Bauer hat fürchterliche Schmer zen und hinkt nach Hause. Nach acht Tagen kommt der Bauer, wie der Landarzt geschafft hatte, wieder, macht ein noch viel schmerzlicheresGesicht, und legt ein paar Hühner auf den Tisch. Der Landarzt nimmt den Verband wieder ab, drückt mit seinem Daumen den Dorn noch tiefer in die Wunde und legt ein noch größeres Heftpflaster d'rü ber. So, jetzt wird sich'S schon machen, komm' er nur in acht Tagen wieder." Der Bauer hat immer mehr Schmerzen und kann's beinahe gar nicht mehr aus halten. . Er kann den Tag kaum erwar ten, wo 'er wieder zum Landarzt kommen darf. Mit einem jammervoll schmerzli chen Angesichte hinkt er herein und legt einen Hasen und ein halb Dutzend Reb Hühner auf den Tisch. - Ich kann's nimmer aushalten, ich kann's nimmer aushalten die ganze Nacht thu' ich keinAug' zu ich mein', ich muß frei ausschreien vor lauter Schmerz." Ja, ja !" sagt der Wundarzt, so e Fuß ist a langweilige Geschicht;" nimmt den Verband ab, drückt mit dem Dau men den Dorn noch tiefer in den Fuß, legt noch ein dickeres Heftpflaster d'rü ber, und sagt : So, lieber Freund, hab' er nur e Bisl Geduld, es macht sich schon, komm' er nur in acht Tagen wie der her, es geht schon, es geht schon." Der Bauer hinkt heim, bei jedem Schritt thut er einen lauten Schrei, als wie wenn er mit einer glühenden Zange gezwickt würde. Das Ding thut ihm alleweil weher und diesmal kann er den achten Tag nicht erwarten, sondern macht sich ein PaarTage früher auf, zu seinemFreunde, dem Landarzte. Aber diesmal war blos der Gehülfe zu Haus, denn der Landarzt war auf eine benachbarte Ein öde gerufen worden, weil eine Bäuerin beim Heuaufladen sich den Kopf ausge kegelt hatte. Ein Paar Stunden, darnach kommt der Landarzt nach Hause, zieht den Rock aus und setzt sich auf die Ofenbank. Am Fenster steht der Gehülfe und keut an den Nägeln. Nix Neues V fragt der Landarzt. .Na." Ist Niemand da gewesen ?" Ja." Werden?" G'rad nur e Bauer." Was hat er gewollt V 5 paar Staats Lamperln hat er gebracht, ich hab' se gleich in' Stall ge than." E Paar Lamperln? Ja warum? was hat er denn sonst da 'than?" En Dorn hat er im Fuß gehabt, den hab' ich ihm herausgezogen, der muß elende Schmerzen gehabt haben ; aber. der hat e Freud' gehabt. Glei' mar der Schmerz weg und gesprungen is er wie e Eichkakel." O Du elendiger Lump, Du misera belige: !" schreit der Landarzt, rumpell aus und gibt seinem Herrn Gehülfen ein Paar Ohrseigen, eine rechts und eine links. 0 Du elendiger Lump ! Was glaubst Du, daß der Bauer noch Alles in's Haus geschleppt hätt? und was hätt' der noch obend'rcin sür eine Mordsrechnung kriegt ?" Von diesem Landärzte magst Du lernen, wie Du als kluger Mann handein und Dein Interesse wahren, und von dem GeHülsen, daß Du nicht durch voreilige Unbedachtsamkeit dieselben ver kürzen und durch übelberechnetes Wohl wollen zerstören sollst. Nach diesem Beispiele regiere, und Du wirst glücklich Hein,"

ick dieses tbun. aber meine Kräfte stnd

Herrn Llaron Seligmann's Ztitbe

trachtungen. O jerum, o jaure. Was sin das for Zeiten ! Was haven wir Jiden For'n Klumpatsch zu leiden ! Herr Levi, Herr Levi, Das kann nischt so fort geh'n Jetzt geht'S noch us'S Stumpen, Doch bald werd's uf Mord ges. Die Stadt is bevelkert Von withigen Limmeln. Mer werd uns zerfleischen, Mer werd unS verstimmeln. DaS fröhliche Schachern, Mer werd's uns verleiden Das ibbige Läwen, Mer werd'S uns beschneiden! O jerum, o faureS, Mer werd uns versausen ! Mer werd mit Gewalt uns Zu GojimS betausen ! Ich seh' 'schon im Geist uns Teutonisch polirt wer'n! Ich seh schon, Herr Levi, Wie Sie consirmirt wer'n! Ach, wüßt' das Ihr Täte, O jerum, o faureS, Er kaast' sich en HSring, Er nähm' sich, was Saures. Dann elend und iwel, Gott soll mer behiden. Wird's werklich jetzunder Dem ehrlichsten Jiden! Sie zucken die Achslen Sie meinen, das thut nischt ? Sie achden das Hetzen, Sie achden die Wuth nischt ? Sie meinen, die Bildung Stund' höher und freier, Alö Gojim.GenSrgel, Un Jiden'Geleier. Bei Ihren Bekannten, So viel as Sie wißten, Gäb's Menschen un Denker, Ka Jiden un Christen ? Herr Levi, Herr Levi, DaS scheint mer bedenklich ES werd mer im Busen Beklommen un kränklich. Ach müßt' das Ihr Täte, O jerum, o jaureS, Er kaaft' sich en HSring, Er nähm' sich vaS SaureS Soll das von uns Jiden Der Halt un der Kitt fein ? Mir scheint, dak Sie selber A Antisemit sein ! (Schaft) Hl Im Londoner Hydepark. Du sährst in goldner Karosie, Bon Gummirädern gewiegt; Du wohnst in schimmerndem Schlosse, Von Sammt und Seide umschmiegt. Du strahlst in Conzert und Theater, Demanten auf wogender Brust, Dieweil Dein geehrter Herr Vater So schlau zu stehlen gewußt. DaS sind so die Unterschiede Im flirrenden Menschensein ! Du schöne, schlanke Sylphide, Wie macht die Sache mir Pein ! Mein Vater ich will eS nicht loben, ES dünkt mich eben kein Ruhm Hatuch die Hand erhoben Nach fremdem Eigenthum. Doch blieben ihm Wege und Mittel Zu größerem Stehlen beschränkt. Dein Vater hat Orden nnd Titel Den meinen hat man gehenkt Aeschylus. , , , 's letschte Schtü. (Pfälzisch.) Wer mit de' Wuch'rer Hot zu dhun. Der nemm' sich nor in Acht, Sunscht werd'S em, wie 'em Dummrian Vum Michel Schlitz gemacht. Der Hot 'em Dummrian sei' HauS Gepännt, sei' Hos un Heerd, Un Hot em aach de ganze Schtall Bis uf de Kuh geleert. Die Kuh, die Hot er drin geloßt. Heeßt deß nor insofern 's im Schtroofg'setz heeßt : da? letschte Schtück Kann nit genumme wer'n.Der Dummrian guckt vor sich hin Un greint sein gutes Dheel, Der Michel grinst un blinzt en an, Un sagt: .Du armi See!'. Du duhscht mer leed ! Da hoscht e' Kalb, Deß mach' ich Dir zum G'schenk.Der Bauer nimmt deß dcrre Dhier Un dankt un kricht die Krenk Dann jetz schbringt unser Schlitz in d' Höh' Un lacht und secht dazu : .So, jeh is 's Kalb Dei lctschtesSchtück, Nor her jetz mit der Kuh !" Das Schwören. Professor: So lagen also die Dinge. Ich babe den Eid geleistet, und somit ist der Prozeß zu meinem Gunsten cntschie den. Haben Sie auch schon einmal ge schworen, gnädiges Fräulein ? Fräulein (verschämt): Ja, öieb e Doppeldeutig. Pfarrer : Du, Jakob, was that der Kain rZit seinem -Aruder Äbel?" Jakob : Er hat ihn verratheii!" Pfarrer : Das war nicht recht, sag's Du, Fritz Frij? : Kain hat seinen Bru der Abel todtgeschlagcn !" Psarrer : Das war brav.Egoistisch. Hör' mal, Auaust. ci?ent!ich finde ich es sonderbar, daß Du so ost zu m i r kommst, mich üler nie aufforderst. Dich zu besuchen Ja steh' mal, Emil, das hat seinen guten Grund. Bin ich bei Dir und Du langwnlst mich, dann gehe ich und bin Dich los. Warst Du aber bei mir, so wäre es viel schwerer. Dich los zu werden."