Indiana Tribüne, Volume 4, Number 235, Indianapolis, Marion County, 7 May 1882 — Page 6
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Öln rtNicM KAnMüJ. .' ,. ' - 'M : . . . . , . - - - ' ' ' trwwal.r,!hlung v.n fftittiO 8l IrtrtO. Emma Wandor war Verkäuferin in '.wem Seidenvaarengeschäste. Ihren Äater, der in emer kleinen Stadt Ge kichtöwmter gewesen, hatte sie schon vor Jahren verloren, und als kurze Zeit daraus auch ihre Mutter gestorben war, hatte sie sich, gezwungen, für ihren Unteryalt fernerhin selbS zu sorgen, nach L. begeben, wo ihr durch Vermittelung eines Bekannten eine Stellung indem Seidenwaarenlager des Herrn Vorchers angeboten war. Sie war ein hübsches und bescheidenes Mädchen, mit dem die Käufer gern ver kehrten. Auch BorcherZ, bei dem sie nun schon einige Jahre in Kondition stand. schäjte sie hoch, da er sich aus ihre Gewissenhastigkeit und Treue verlassen konnte, aind bisher hatte er noch nicht die geringste Ursache gehabt, über sie zu klagen. Da er den Nutzen, den sie ihm brachte, zu würdigen mußte, so hatte er bereits mehrere Male ihr Gehalt frei willig erhöht. Schon die Gewißheit, daß er sich mit voller Zuversicht auf sie verlassen .konnte, hatte einen großen Werth sür ihn, er benutzte sie daher, auch zu Austrägen, die GewisZenhastigkit und Umsicht. erforderten. Eines Tages schickte die Frau des Majors v. Tollesky zu BorcherS und ließ ihn ersuchen, ihr zur Auswahl einige 'Seidenroben zu senden. Ungern kam dieser dem Ersuchen nach, denn der Ma jor, der schon vor Jahren seinen Abschied erhalten hatte, trotzdem aber .standeö gemäß" lebte, besaß zahlreiche Schulden, über deren Bezahlung er sich den Kopf nicht allzusehr zerbrach. Borchers gab Emma den Austrag, die Seidenroben zu der Majorin zu tragen, indem er noch hinzufügte: jfficnn die Dame eine Robe auswählt, so überlassen Sie ihr dieselbe nur gegen sofortige Be Zahlung, denn der Major steht schon bei rnanchem Kausmanne im Buche, und Mahnungen helfen bei ihm rein gar nichts." . .Und wenn die Dame nun nicht U zahlen kann?- sragte Emma. : .Dann bringen Sie die Robe wieder it, denn es liegt mir an der Kundschaft fcer Majorin sehr wenig. Auf eins will stch Sie noch aufmerksam machen. Die iNajorin pflegt sehr hochmüthig und jtolz auszutreten, aber lassen Sie sich dadurch nicht verblüffen. Entweder sie zahlt, oder ich verzichte darauf, etwaö an sie zu verlausen." Es war ein sehr unangenehmer Aus trag sür Emma, dem sie sich nicht ohne Besorgniß unterzog. Mit einer Anzahl - Seidenroben versehen, begab sie sich in die Wohnung der Majorin v. Tollesky, wo sie von dem Dienstmädchen empfan gen und in das Wohnzimmer geführt wurde. Hier wollte das Mädchen ihr die Roben abnehmen, Emma jedoch sprach den Wunsch aus, die Stoffe der Majorin selbst vorzulegen. .Die gnädige Frau ist noch nicht zu sprechen, ich habe den Auftrag, ihr die Roben in das Schlafgemach zu bringen erwiderte das Mädchen. : Emma schwankte einen Augenblick, dann übergab sie die Seidenstoffe dem Mädchen. Ziemlich lange Zeit mußte sie warten und hatte also Gelegenheit genug, sich im Zimmer umzusehen. Der Luxus der Einrichtung setzte sie in das höchste Erstaunen; sie begriff nicht, wie Man so kostbar wohnen und doch Schul den haben könne. Sie hatte keine Ah nun davon, daß in gewissen Kreisen der äußere Schein ein beliebtes Mittel ist, die Leute über die Vermogensverhält" nisse zu täuschen, um sich Kredit zu ver schaffen. .., Endlich kehrte die Dienerin zurück, übergab ihr die Seidenstosse und fügte hinzu, daß sich die gnädige Frau eine Robe ausgewählt, die sie behalten wer de. Emma blieb zögernd stehen, sie hatte nicht den Muth, Bezahlung zu for--htm: .Wünschen Sie noch etwas ?" fragte die Dienerin. .Ich habe den Auftrag, die Robe nur gegen sofortigeBezahlung hierzu lassen bemerkte Emma schüchtern. .Jsi das vielleicht stets Gebrauch in Ihrem Geschäfte ? fragte die Dienerin spöttisch. .Ich habe von Herrn BorcherS den bestimmten Austrag und bin daran ge bunden entgegnete Emma. Die Dienerin schien willens. Emma . aus dem Zimmer zu weisen, entschloß sich dann aber doch, ihrer Herrin erst die Forderung mitzutheilen. Wenige Minuten spater wurde die Thür hestig ausgerissen und eine große, stattliche Dame, die noch immer ein An recht daraus hatte, hübsch genannt zu werden, trat ein. Einen Augenblick maß sie Emma mit einem hochmüthigen Blicke vi?n Kopf bis zu Füßen. hat Ihr Herr wirklich dieDreistizkeit gehabt, Ihnen einen solchen Austrag zu geben, wie meine Dienerin mir mitge theilt hat fragte sie.
- Ja M antwortete Emma sich zusam menraffend. Dann sagen Sie dem Herrn Bor chers, ich würde ihm das Geld schicken, übrigens sei es das letzte Mil, daß ich . von ihm sause !" rief die Majorin. Und fügen Sie hinzu, ich sei eine solche Im pertinenz nicht gewöhnt, der Herr möge künftighin überlegen, mit wem ec eS zu thun tja: - Durch diese heftigen Worte gewann such Ema mehr Muth. Ich bitte um Verzeihung sagte sie, .aber ich im an meinen Auftrag gebun den und-kann davon nicht abgehen. Die Majorin schien durch ihren Blick Emma vernichten zu wollen. Das ist mehr ls unverschämt rief sie zornglühend, .mir dies zu bieten ! Babette wandte sie sich an ihre Diene rin, .geben Sie der Person den Stoff zurück und dann weism Sie ihr die Thür. Eine solche Frechheit habe ich noch nicht erlebt." Emma traten die Thränen in die Au gen, mit Gewalt hielt sie dieselben zu rück. Mit zitternder Hand emzssing sie den Seidenstoff und verlieb dann schnell die Wohnung der .noblen Leute. Hin ler sich vernahm sie noch die schelt.uide ' . Stimme der Majorin. Als sie an ihm Wobnuna voruberkam. aina sie für kurze
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au,ve,nen.: .Juruagekeyrt ta das Ge schSft,' erzählte sie BorcherS. die nieder, trächtige Behandlung, welche ihr wider fahren m'ax. .Nun, ich will Ihnen 'die Halste des Werthes, den das Kleid hat,' schenken," sagte der Kaufmann tröstend, . .hätten Sie der Majorin den Stoff, gelaffen, so würde ich , den ganzen Werth eingebübt habend ' Emma beruhigte sich. Mit erhöhtem Eifer begab sie sich an ihre Arbeit, um ihrem Principal sür seine Güte und Frei gebigkeit zu danken. Da erschien gegen Abend ein Pslizei beamter in Borchers' Geschäft und sragte nach Emma. Ohne Furcht trat sie ihm entgegen. .Sie waren heute Morgen in der Wohnung der Frau Majoritt v. Tol lesky?" sragte der Beamte. Emma bestätigte es. Sie waren dort einige Zeit allein im Zimmer?" forschte der Beamte weiter. Jawohl .Wohin begaben Sie sich, als Sie die Frau Majorin verlaffen hatten V .Ich kehrte hier zurück." .Direkt ? Ohne irgendwo einzukeh ren Ueber Emma's Gesicht huschte eine Nöthe der Verlegenheit. .Nein", sagte sie dann zögernd, .mein Weg sührte mich an meiner Wohnung vorüber, ich ging einige Minuten aus mein Zimmer." .Aha und was thaten Sie bort f7' .Die Dame war so hart und heftig gegen mich gewesen, dab mir die Thrä nen in die Augen traten," gab Emma zur Antwort. Ich mochte diese Thrä nen nicht auf der Straße zeigen und ging deshalb aus mein Zimmer, um mich aus zuweinen Der Beamte lächelte ungläubig. .Viel Zartgesühl sür eine Person in Ihrer Stellung ! Kommen Sie sofort mit mir in Ihre Wohnung." .Was soll ich dort?- sragte Emma ängstlich. .Das wird sich finden," lautete die kurze Antwort. Borchers hielt es für seine Pflicht, sich Emma'S anzunehmen. .Was ist geschehen V sragte er. .Ich begreife nicht, was sie von dem Fräu lein wollen, weshalb sie Ihnen in. ihre Wohnung folgen soll?" .Sie brauchen es auch nicht zu begrei sen, denn vorläufig kümmert es Sie nicht," war die barsche Antwort. .Allerdings kümmert es mich," rief Borchers. .Das Fräulein steht unter meinem Schutze, und ich bin daher be rechtigt, zu fragen, weshalb sie mit Ihnen gehen soll." .Weil der FrauMajorin eine goldene Uhr und eine erhebliche Geldsumme ge stöhlen worden ist, und zwar gerade während diese Dame allein in ihrem Zimmer war," entgegnete der Beamte. .Allmächtiger Gott und ich ich soll!" schrie Emma auf, wahrend sie auf einen Stuhl sank. .Das ist nicht wahr, das ist unmög lich !" rief Borchers erschreckt. .Ich bürge sür die Ehrlichkeit des Fräuleins." .Das ist Ihre Sache!" erwiderte der Polizist achselzuckend. .Meine Pflicht erfordert, das Zimmer und die Sachen der Dame nach den gestohlenen Gegen ständen zu durchforschen." Emma raffte bei diesen Worten alle ihre Kräfte zusammen und richtete sich auf. .Ja, ich will mein Zimmer durchsu chen lassen !" rief sie. .Ich will mich von dem schmachvollen Verdacht reinigen. Kommen Sie." Aus Borchers' Befehl wurde ein Wa gen herbeigeholt, in welchem das un glückliche Mädchen mit demPolizeibeamten nach ihrer Wohnung fuhr. BorcherS begleitete sie. Dort angekommen, sank sie fast ohn mächtig zusammen. Der Polizeibeamte kümmerte sich nicht darum,sondern durch suchte mit der größten Sorgfalt ihre Sachen. Emma achtete nicht aus ihn, sie hatte das Gesicht mit beiden Händen bedeckt und weinte leidenschaftlich. Bor cherö' beruhigende Worte hörte sie gar nicht. .Ma !" rief der Polizist, der eben bei der .Untersuchung des Kleiderschrankes beschäftigt, indem er ein kleines Päckchen mit Geld hervorholte, .wollen Sie jetzt noch leugnen hier ist Geld, sogar Goldstücke .Das ist mein Geld eö sind meine Ersparnisse," versicherte Emma. .Sonderbär.' Da3 Geld, welches der Frau Majorin ' entwendet' ist, .bestand auch in Goldstücken." ' .ES find meme ErsparnlZse, Die iä) von meinem Gehalte zurückgelegt," be theuerte Emma noch einmal. War dieDame überhaupt imStande, von ihrer Gehalt Ersparnisse zu ma chen V fragte .der Polizist, sich an Bor cherS wendend.' Ja," gab dieser zur Antwort, ob gleich etwas erstaunt über die Auffindung des Geldes,, .denn sie lebte sehr bescheiden und zurückgezogen." .Für ehrliche Ersparnisse ,st dieser Versteck im Kleiderschrank nicht der rich tige Ort," suhr der Beamte fort. .Ich bin den ganzen Tag über nicht Daheim und besürchtete, das Geld könne mir aus der Kommode entwendet wer den entgegnete Emma. .Dort im Kleiderschrank, hoffte ich, würde es Nie mand finden. .Dasselbe glaubt Jeder, der eine ent wendete Sache verbirgt. Dab ich nicht an Ihre Ersparnisse glaube, können Sie sich leicht selbst sagen. Ich will Ihnen einen uten Rath geben, gestehen Sie Ihr Vergehen offen ein und sagen Sie, wo Sie die Uhr gelassen haben,das wird Ihre Strafe mildern." .Strafe?" schrie Emma auf. .Ich bin ja unschuldig, ich weiß von leinet Uhr und keinem Gelde." .Sie wollen also nicht gestehen ? So muß ich Sie verhasten. Folgen Sie mit .Retten Sie mich ich bin unschul dig," schrie Emma, auf BorcherS zu eilend und flehend seine Hand ergrei send. Ich stelle jede Bürgschast sür daS Fräulein !" versicherte dieser. Der Polizist zuckte die Achseln. . .Das Fräulein gegen Bürgschast wie der frei zu geben meinte er, .ist Sache des Staatsanwalte5 undUntersuchungS
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richterS, ich thue nelnt sticht, indem ch sie Verhafte? .? uxozu.r: v, : Fassen Sie sich," andte . sich Bor cherS an Emma, .ich -werde Sie nicht verlassen, . Ihre Unschuld muß ja bald erwiesen werden." ;J?7i 'in ; Das unglückliche Mädchen, hörte diese Worte kaum, der Gedanke an das Ge fängniß hatte ihr ! alle Kraft geraubt. Willenlos lieb sie slch von dem Beamten nach dem Wagen führen, - der sie nach dem Gesängniß bringen'sollte. : ; BorcherS' Bemühungen, dab Emma gegen Bürgschaft, die er zu stellen sich erbot, auS der. Hast : entlassen werde, blieben erfolglos ; sein Eifer, mit dem er sich deS hübschen Mädchens annahm, schien sogar mißverstanden zu werden, eS blieb ihm also nichts übrig, als der Sache ihren Lauf zu lassen. Nach wenigen Wochen mußte Emma ja die Frei beit wieder erlangen, denn daß sie un schuldig war, daran .zweifelte BorcherS keinen Augenblickt Der Tag der öffentlichen Verband lung war erschienen. Emma wurde aus die Anklagebank geführt. Eine furcht bare Veränderung war in den wenigen Wochen mit dem frische blühenden Mädchen vorgegangen. Ihre Wangen waren bleich und eingefallen, ihre Augen blickten matt und eingefallen, nur mit Mühe hielt sie sich aufrecht. Auf die Ermahnung deS Vorsitzenden, durch ein offenes Geständnib ihre Schuld zu mil dern, antwortete sie leise aber bestimmt, daß sie unschuldig sei. Die Majorin v. Tollesky wurde jetzt als Hauptzeugin in den Gerichtssaal ge rusen. Hoch ausgerichtet, in stolzerHal tung trat sie ein. Mit koketter Hand bewegung schlug sie den Schleier zurück und warf einen kalten, genugthuenden Blick aus das unglückliche Mädchen. Aus ihrenlugen sprach nicht daS geringste Mitleid. Sie erzählte, wieEmma zu ihr gekom men sei, um ihr einige Seidenroben zur Auswahl zu bringen, dab sie die Ange klagte vertrauensvoll eine Zeitlang al lein in ihrem Zimmer gelassen habe, und daß dieselbe in einer sehr dreisten, ja frechen Weise aufgetreten sei, weil sie ihr nicht sofort das Geld für die auöge wählte Robe eingehändigt habe. .Ich wollte da? Geld Herrn Bor cherS selbst überbringen, weil ich noch Verschiedenes bei ; ihm zu kaufen beabsichtigte," fügte sie hinzu. .Die Person benahm sich jedoch in einer sol chen Art und Weise, daß ich ihr den Stoff zurückgab und sie auö dem Zim mer wies. Als sie sort war, ging ich an meinen Schreibtisch, um nach der Uhr zu sehen, und fand zu meinem Schrecken, dab aus der Schublade sowohl die Uhr als auch das Geld, welches dicht daneben in einem kleinen Kästchen gelegen hatte, verschwunden war." .Wie hoch belief sich die Summe?" sragte der Richter. .Es waren achtundzwanzig Zwanzig Markstücke," erwiderte bie Majorin. ; .War die Schublade Ihres Schreib tisches verschlossen ?" .Nein, der Schlüssel steckte darin." ' .Sie haben behauptet, daß nur die Angeklagte in der Zeit, in welcher die Uhr und das Geld abhanden gekommen, sich im Zimmer besunden habe,' dab da her nur sie den Diebstahl begangen ha ben könne," fuhr der Richter fort. .Dies behaupte ich jetzt noch und halte es mit aller Bestimmtheit aufrecht," ent gegnete die Majorin. .Während ich unter den Stoffen meine Auswahl traf, blieb meine Dienerin bei mir, und die Person war allein im Zimmer." .Wie lange wohl?" .Etwa eine Viertelstunde lang .Wer befand sich auber Ihnen und Ihrer Dienerin noch in der Wohnung?" .Niemand !" .Die Angeklagte hat sich nie zuvor etwas zu Schulden kommen laffen," be merkte der Richter. .Ihr Prinzipal gibt ihr das beste Zeugniß und betont gerade ihre Ehrlichkeit." .Trotzdem kann Niemand als die An geklagte mir Uhr und Geld entwendet Laben," entgegnete die Majorin mit Entschiedenheit. .Ich weiß bestimmt,' daß beides noch vor ihrer Ankunft da war, und bemerkte den Diebstahl sofort, naqdem sie weggegangen." Der Polizeibeamte, der' Emma verhaf ;'irriK tet hatte, wurde jetzt aufgerufen. Er sagte aus, die Angeklagte habe auf ihn ganz entschieden den Eindruck einer Schuldigen gemacht, sie sei bei seinem Anblick bestürzt gewesen und erbleicht. Von ihren Ersparnissen ' habe sie kein Wort gesagt, sondern dies erst als Aus flucht benutztnachdem er das Geld im Kleiderschrank gefunden. , BorcherS, als einzigster EntlastungS zeuge, wiederholte nochmals daS günstige Zeugniß, das er Emma ausgestellt, und versicherte, dab er sie einer solchen That völlig unsähig halte. Damit war das Zeugenverhör been det, und der Staatsanwaltergriff das Wort. Er bewies Emma's . Schuld in scheinbar unanfechtbarer Weise. Sie allein könne nur den Diebstahl ausge führt haben, da nur sie allein im Zim mer der Majorin gewesen. Dann habe sie sich in ihre Wohnung begeben, um dort daS Geld zu verbergen. Daß die goldene Uhr nicht gefunden sei, entlaste sie nicht, denn sie könne dieselbe ja an einen ganz sicheren Ort versteckt haben. Der Polizist führte auberdem an, dab sie auf ihn den Eindruck einer Schldigen gemacht, und sein Urtheil wiege in die sem Falle schwer, da sein Blick durch Er fahrung geschärft fei und er der Ange klagten völlig objektiv gegenüber stehe. Der Entlastungszeuge habe der Ange klagten zwar ein sehr günstiges Zeugniß ausgestellt und betont, daß er ihr stets unbedingt vertraut habe, ein solches Vertrauen schließe aber gerade eine grö ßere Vorsicht aus und mache eine Täu schun leicht begreiflich. Er halte daher die Schuld der Angeklagten sür völlig erwiesen und beantrage eine Gesäng nißstrafe von sechs Monaten. Emma's Vertheidiger hatte eine schwere Ausgabe, denn die Aussagen der Majorin und des Polizeibeamten waren zu gravirend. Er beschränkte sich darauf, auf Emma'S bisher unbescholtenen Lebenswandel, sowie aus die Möglichkeit hinzuweisen, daß doch noch ein Anderer das Zimmer der Majorin betreten haben könne. Dem Urtheile deS Polizeibeam
ten hielt er entgegen, daß auf ihn die Angeklagte den Eindruck der Unschuld mache, er beantrage daher - Freispre chung. Der Gerichtshof zog sich in das Be rathungSzimmer zurück, schsn nach kur ier Zeit trat er wieder in den Gerichts saal. Emma, die während der Ber handlungin stumpferTheilnahmSlosigkeit dagesessen, erhckd sich mühsam aus .den Wink deS Vorsitzenden, der das Urtheil verkündete. Es lautete aus zwei Monate Gefängniß. Mit lautem Aufschrei brach Emma ohnmächtig zusammen. . Am folgenden Tage ging Emma'S Vertheidiger zu ihr, um ihr mitzutheilen, daß er gegen das Urtheil appelliren werde. Sie lehnte es ab, da sie an Al lem verzweifelte, erklärte sich auch bereit, ihre Strafe sofort anzutreten, denn was sollte sie, eine wegen Diebstahls Verur theilte, in der Welt, da sie sich vor den Menschen doch nicht sehen lassen konnte. Borchers' Glauben an Emma'S Un schuld war unerschüttert geblieben; er faßte deshalb auch den Entschluß, die Unglückliche nicht zu verlassen, sondern sie in fein Geschäft wieder aufzunehmen. AIS sie ihre Strafe verbüßt hatte, holte er sie daher aus dem Gefängnisse ab. Er erschrack, als er sie sah, denn sie war nur noch eine gebrechliche, hinfällige Ge statt, auS deren starren Augen der Tod zu blicken schien. Freundlich bot er ihr feine Hülfe und ihre frühere Stellung in seinem Geschäfte wieder n. .Ich bin unschuldig," entgegnete Em ma, , allein ich bin wegen Diebstahls be straft, nnd die Leute werden nicht an meine Unschuld glauben ich kann mich vor Niemand sehen lassen. Beharrlich lehnte sie BorcherS' Aner bieten ab, sie kehrte in ihre Wohnung zurück and war am andern Tage aus der Stadt verschwunden. Borchers sorschte nach ihr, allein seine Bemühungen blieben ersolglos, und die Befürchtung gewann Raum in ihm, daß sie sich aus Verzweiflung das Leben ge nommen habe. So waren einige Wochen vergangen, als eines Tages ein Polizeibeamter zu ihm ins Zimmer trat und nach Emma forschte. Er theilte ihm mit, daß die der Majorin v. Tellesky entwendete Uhr ge funden und der wahre Dieb entdeckt sei. Die Uhr war von dem eigenen Sohne der Majorin, einem Zöglinge des Kä dettenhauses, bei einem Goldschmiede verkauft worden. Der Kadett, ein jun ger leichtsinniger Mensch, der sich im Schuldenmachen seine Eltern zumMuster genommen, hatte sich, von seinen Gläu bigern gedrängt, verleiten lassen, seine Mutter zu bestehlen. Seinem Vorgesetz ten hatte er alles gestanden. An dem Tage, an welchem Emma bei seiner Mutter gewesen war, hatte er zur selben Zeit das Haus seiner Eltern be treten und war in das Zimmer seines Vaters, der gerade abwesend, gegangen. Dort hatte er den Wortwechsel zwischen der Majorin und .Emma mit angehört. Als Emma das Zimmer verlassen hatte, war er heimlich hinweggeschlichen, hatte die Uhr und daL Gold aus dem Schreib tische seiner Mutter entwendet und war dann unbemerkt in das Zimmer seines Vaters zurückgekehrt. Von dort aus machte es ihm keine Schwierigkeiten, durch die Hinterthür das Haus wieder zu ver lassen, ohne gesehen zu werden. Mit dem Gelde,' welches nach seiner Aussage nur in elf Zwanzigmarkstücken bestanden, hatte er seine Schulden be zahlt, die Uhr hatte er erst spater zu verkaufen gewagt, als er glaubte, die Angelegenheit, für die Emma unschuldig gebüßt, sei in Vergessenheit gerathen. Der junge Verbrecher wurde .sofort auS demKadettenhause ausgestoßen, und die Polizei suchte nun Emma auf, damit eine Remedur der Gerichtsverhandlung eingeleitet und lhre Unschuld gerichtlich ausgesprochen werde. Erst nach einigen Wochen gelang es den Bemühungen der Polizei, Emma in einer kleinen . Stadt aufzufinden, wohin sie sich zurückgezogen und wo sie durch Nähen kümmerlich rhr Brod verdiente. Sie wurde nach L. zu rückgebracht und Borchers nahm die Ün glückliche, die so viel gelitten, bereitwillig in sein Haus aus. Die Remedur des Gerichtsverfahrens wurde eingeleitet, der Sohn derMajorin war als Zeuge vorgeladen und mußte seine volle Schuld gestehen. Emma wurde freigesprochen und es wurde dem Erkenntnisse die ausdrückliche Bemerkung hinzugefügt, daß auch nicht der geringste Verdacht auf ihr hasten geblieben. Eine wenig ehrenvolle, ja sogar äu ßerst verdächtige Rolle spielte die Ma jorm v. Tollesky, denn es trat jetzt her vor, daß ihr Groll gegen Emma auf ihre Aussage nicht ohneEinfluß gewesen. Ein zweiter Punkt ließ ein eigenthümli ches Licht aus die Ehrenhaftigkeit der Majorin fallen. DerKadett hatte seinem Vorgesetzten angegeben, nur elf Zwan zigMarkstücke entwendet zu haben, und blieb bei seiner Aussage stehen. Die Majorin hatte aber wie erwähnt bei der Verhandlung gegen Emma die ihr angeblich von dieser gestohlene Summe auf achtundzwanzig Zwanzigmarkstücke angegeben und diese waren ihr auch aus den im Kleiderschranke vorgefundenen Ersparnissen Emma'S von Gerichtsvegen als das ihr entwendete Eigenthum ausgezahlt worden. Auf das gericht liehe Erkenntniß nun, daß sie jetzt Emma achtundzwanzig Zwanzigmarkstücke auszuzahlen hätte, erklärte die noble Dame, daß sie nicht mehr im Besitz deS Geldes sei. Beider infolge dessen vorgenomme nenExecution ergab sich, daß die sämmt lichen Möbel des Majors bereits ver pfändet und auch seine Pension, soweit dies zulässig, mit Beschlag belegt war. Dies erhöhte den Verdacht, die Majorin habe sich wissentlich an den Ersparnissen des armen Mädchens bereichert, allein der Beweis konnte leider nicht geführt werden. Emma nahm ihre völlige Freisprech ung nur mit geringer Freude auf, denn die Frische ihrer Jugend war dahin. BorcherS stellte sie wieder in seinem Gc schäfte an und Jedermann suchte durch erhöhte Freundlichkeit und Ausmerksamkeit die Arme vergessen zu machen, was sie ungerecht erlitten.
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Aas UUcZmeer. In neuer Zeit hat man im Leben des Meeres eineNkturerscheinung beobachtet, über deren Entstehung , und Bedeutung die Ansichten der Seefahrer wie der Ge lehrten ziemlich weit auseinander gehen, und die ihrem Wesen nach noch völlig unaufgeklärt geblieben ist. Es ist dies das sogenannte Milchmeer", eine Art optischer Täuschung, welche die Einen sür eine Wirkung der während eines GewitterS sich der Meeresfläche mittheilen den Elektrizität, die Anderen als die Folge ' von chemischen ' Verbindungen, welche auS der Auflosung von Thier undPflanzenkörpern der maritimenFlora entstehen, und die Dritten als große Massen von Fischlaich, die zum Meeresfpiegel emporgetragen sind und von Schichten sich unter demselben bewegen derFische herrühren, ansehen. Alle die se Erklärungen sind indessen, wie schon gesagt ganz hypothetischer Art Wahr scheinlicher ist die Version, daß man eS hier ebenfalls wie bei dem Meeresleuchten mit einer großen Zahl phosphoreS zirender kleiner Thierchen zu thun hat, deren Organisation indessen zeigt, daß die Natur ganz neue Erscheinungssor men bei dem genannten Phänomen produzirt. Eine bemerkenswerthe und glaubwürdige Unterlage sür diese Ver muthung bietet die Schilderung, die der Kommandant des französischen Kriegs schiffeS .Armide" von dem eben erwähn ten Phänomen macht, daS er im Jndifchen Ozean auf der Fahrt von Point de GalleS auf Ceylon nach Aden am 10. Februar 1881 bei klarem und ruhigem Wetter ausmerksam beobachtete. Bald nach Mitternacht, so sagt er in dem be treffenden Bericht, während wir uns un gesähr unter 10 Gr. 57 M. nördlicher Breite und 60 Gr. 43 M. SstlicherLäuge befanden, erhellte sich plötzlich der westli che Horizont und zeigte einen fo intensiv leuchtenden Lichtstreifen, daß die Aus merksamkeit des wachthabenden Ossiziers dadurch sogleich in hohem Maße erregt wurde. Derselbe glaubte zuerst, es sei der Glanz der sich demHorizont nähern den Gestirngruppe des Sirius und Can opus; er wurde aber bei dem stär ker werdenden Lichtsein bald andererAn ficht und glaubte nun, die Erscheinung rühre vielleicht von einem in Flammen stehendenFahrzeuge her. Kurze Zeit da raus erschien das Milchmeer, bestehend in einer ungeheuern, die ganze Oberfläche des Wassers bedeckenden weißenSchaum mase. Das ganzeMeer hatte eine milch weiße Farbe angenommen, deren Weiß einem Schneefeld glich. DerGlanz des selben war so mächtig, daß dieBewegung der Wellen und drr Seegang sast gar nicht zu unterscheiden ; Kamm undFuß der Wogen verschwanden in einer einzigen großen hell funkelnden Oberfläche. Vom Kielwasser des Schiffes, das sonst 1 Seemeile weit als tiefeFurche sichtbar, sowie von der durch dieSchiffs schraube erzeugten Welle, welche daS Wasser gewaltsam nach .rückwärts wirft, war nichts zu entdecken es schien viel mehr, als ob das Fahrzeug ohne irgend welche sichtbare Spur das Meer durch schnitte, woraus zu schließen, daß das Milchwasser nicht nur eine oberfläckliche Schicht, sondern mehr eine dicke, zähe Büssigkeit darstellt. Mit derWeiterfahrt, d. h., mit dem Vorrücken des Schiffes in den Rayon des ' Milchmeeres, trat das Phänomenen immer schärserer und deut licherer Weise hervor. Fast sah es aus, als ob man sich in einem flüssigen Eis felde befände und zwischen kleinen Eisschollen hindurchsteuerte. Mit dem beginnenden Tageslicht ver schwand dieErscheinung. Bei einer auf merksamen Betrachtung des Meeres sah man deutlich in den Wellen eine unzählige Menge von kleinen leuchtenden Kör pern, die einen ganz besonders intensiven Glanz'zelgten, sowie sie mit denWänden des Schiffes in Berührung kamen. Es wurde nun ein Eimer in die See hinab gelassen und mittelst desselben eineQuan tität von ungefähr zehn Liter Wasser an Bord geholt. Bei nähererUntersuchung fanden sich in demselben etwa 400 phos phorhaltige kleine Körper von ein bis zwei Zentimeter Länge, die, wenn man den Eimer schüttelte, Funken sprühten. Unter das Licht einer Lampe gebracht und dort geprüft, erschienen diese kleinen Körper als gallertartige Substanz, die bei der Berührung mit der Luft sogleich' zusammentrocknete und nur ein kleines dunklesKügelchen zurückließ, das, mit ei nem Tropfen Wasser benetzt, sogleich wieder die frühere Formund Beschaffen heit annahm. Wenn man diese Körper chen mit der Hand zerdrückte, dann hin terließen sie einen leuchtenden Streifen, der schnell wieder erlosch und keinerlei Geruch hinterließ. - Eine mikroskopische Untersuchung er gab, daß die kleine dem Waffer entnom mene Kugel ein durchsichtiges Meeres thier war, das einen ziemlich großenVor rath von eiförmigenSaamenkörnern trug und seineSchwimmflossen wie selneFühl fäden unaufhörlich bewegte. Seine Ge stalt war ellipssörmig; die innerenFühl fäden gaben dem Rogen eine rotirende Bewegung, mit den äußeren machte die Kreatur eineBewegung, wieJemand, um sich zu erwärmen, dieArmc um denOberkörper schlägt. Die äußere Hautdecke war der Länge nach gestreift. DaS bis zum Tage ausbewahrteWasser verlor sei ne Leuchtkraft, man konnte es fo viel schütteln, als man wollte, es zeigte keine Lichterscheinung mehr. Auch das bei Tage aus dem Milchmeer geschöpfte Waffer wies, in einen dunklen Raum gebracht, keine phosphoreszirenden Kör per mehr auf ; daß man sich noch inner halb des Bereiches des ersten befand, war deutlich aus der trüben blaugrauen Farbe zu erkennen, die dem Seewaffer eigenthümlich war. Bei Eintritt der Dunkelheit amAbend des zweiten TageS wurden dieselben Er scheinungen beobachtet; an Stelle der schieferfarbigen Meeressarbe trat ein hell leuchtender milchartiger Wasserspiegel und die Phänomene der vorgegangenen Nacht, allein mit dem Unterschied, daß ein dünner Nebel die intensiven Farben, die sich in Ver ersten Nacht gezeigt, mehr verwischte. Mikroskopisch untersuchte kleine Wassermaffen zeigten, daß daS Meer mit vielen Pflanzenfasern und an deren Pflanzenstoffen erfüllt war. Die phosphoreszirenden Thiere waren die-
selben, und bei Tage verschwand wieder um Alles. In der dritten Nacht deutete der viel mattere Schimmer des MeereS spiegelS daraus hin, daS man fch den Grenzen des Milchmeeres nähere ; ein aus demselben mit Wasser gefüllter Ei mer enthielt nur 50 Individuen. In der vierten Nacht kehrten die Erschein gen noch einmal, und zwar ganz in der früheren Stärke und mit der intensiven Leuchtkraft zurück. Vierzig bis fünfzig Zentimeter lange, zylinderisch geformte Körper, die in einem grünlichen Licht schein theils ganz, theils zur Hälfte er glänzten, zogen an der Korvette vorüber, indem sie dieselbe mit einem Kranze von dem elektrischen Licht gleichenden Leucht glänz umgaben. Um sie herum grup pirten sich hell funkelnde Seesterne und Mollusken mit ähnlicher Leuchtmasse. Leider gelang eS nicht, diese Strahlen qnellen mittelst des Netzes auszusangen, da der Sporn de? Schiffes bei dem Durchschneiden dergluth die Thiere weit abseits warf. In dieser vierten Nacht wurde das Mttchmeer stellenweise ' von breiten dunklen Streifen durchzogen, die keine - phoöhoreSzirendenMaffen zeigten ; auch wurde der Glanz derselben ma)ter. und in der fünften Nacht verschwand eS endlich zwischen 2 und 3 Uhr Morgens völlig und um nicht wieder zu erscheinen, nachdem eS sich noch einmal in seiner ganzen Schönheit mit den hellsten und
sunkelnden Lichttönen gezeigt. In den fünf Nächten, in denen das Phänomen erschlenen, hatte das schiff eine Entfernung von 220Seemeilen oder 1100Kilo meter durchmessen, und zwar in einem Raume, der sich, geographisch näher bezeichnet, unter dem 12. Grad nördlicher Breite und zwischen dem 51. und 61. Grad östlicher Länge erstreckte. Die at mospharischen wie die ozeanischen Ver Hältnisse waren während derBeobachtung durchaus normale, Wetter und See ru hig, der Mond im erstenV!ertel,dasVer halten von Barometer undThermometer ganz stetig und ohne bedeutendeSwan kungen; eine leichte Brise wehte aus Nordost und hob die Wellen zu mäßiger Höhe. Die Temperatur des Wassers hielt sich an der Oberfläche aus circa 25 Grad. Aus den an Bord angestellten Beob tungen ging ganz unzweiselhast hervor, daß die Ursachen des sogenanntenMilch meereö in einer großen Anhäufung von phosphoreszirenden kleinen Thieren zu suchen ist, welche, je nachdem sie in dich teren oder lockeren Schichten über ein ander gelagert, ein mehr oder weniger intensiveSLicht ergeben. Offen bleibt dabei die Frage, ob die Eigenschaft des Leuchtglanzes der genannten Thiere mit der Elektrizität zusammenhängt, ob sie auf dem Wege einer chemischen Verbin dung entsteht, oder ob sie irgend einen anderen Grund hat. Mehrere der am Bord der Korvette befindlichen Osstziere hatten das selsame Phänomen schon an anderen Stellen in südlichen Breiten z. B. im Golf von Aden, im Meerbusen von Bengalen, in der Nähe von Java, in den Monaten Januar und Februar beobachtet. Noch nre war ihnen dasselbe aber in derGroß artigkeit erschienen, wie aus dieser Reise. Die Annide" hatte einige Jahre vorher um dieselbe Jahreszeit ganz denselben Weg gemacht, nur etwa 30 Seemeilen weiter nordlich das Meer durchschneidend, ohne das Geringste von einer derartigen Erscheinung zu bemerken. Es würde unbestreitbar ein großesJn teresse gewähren, über die .verschiedenen Milchm", die über die Ozeane ver theilt sind,Näheres inErfahrung zu brin gen, und namentlich darüberAuSkunft zu erlangen, zu welcherZeit sich dieselben zei gen, wie groß ihre Äusdehnung, ob sie, wie daS Pflanzenmeer von Sargaffo im Atlantik, an derselben Stelle bleiben, oder ob sie den Platz wechseln, ein Verlangen, das allerdings nur dadurch, daß eine systematische, gleichzeitig aus ver schiedenen Punkten eingeleitete wissen schastliche Untersuchung stattfände, zu verwirklichen wäre. Der Schmetterling. Fri nach dem FranjSsischen deS Lamartine. Geboren in wonniger, lenziger Pracht Und sterben, wenn duftig die Rose noch lacht. Auf Zephyrsflügeln im reinen Azur Schwimmen im Dome der hehren Na tur. Sich wiegen in lieblicher Blumen Vchooß, Das ist bezaubernd des Schmetter lings Looö. Trunken von Farbe, von Dust und von Licht, Ist lang seines Bleibens hienieden ja nicht ; Er wischt von den Flügeln, noch jung sich den Staub Und stirbt, eh' noch herbstlich sich färbet daS Laub; Er gleichet dem Wunsche im menschlichen . herz, . Der mmmer rastend fliegt Himmel wärtö; Im Fluge berührend, was bietet die Welt, Doch niemals und nirgends ihr dauernd gesellt. Kehrt endlich zum Himmel er freudig zu rück. Zu suchen dort oben ein bleibendes Glück. Ein vielbegabter Mann. Als Curiosum, das allerdings ein recht trauriges Licht auf die geschäftlichen Verhältnisse in der Residenz wirft, wird mitgetheilt, daß ein Berliner Geschäfts mann 9... im veraanoenen Jabre nickt , , , , w y w ww g " - - - r r weniger, als sage und schreibe: 643 Executionen über sich hat ergehen lassen. . - ? . - i. r... Dieselben sind zum großen Leidwesen der Gläubiger und BehörQl sämmtlich fruchtlos ausgefallen, Naseweisheit von Mirza S ch a l k y. Der Nase Länge Bedeutet Strenge. Aus unholde Tücken Deuten die dicken. Stumpfnäschen zielen Nach neckischen Spielen. Doch einer rothen Nase Gefunkel DasistwieKellertiesenDunM!
J?Idsr'S Clazt an OliemSe Levi.
(3Zit verhkltenen, Eeschluchje.) Sitz' ich beim Bliemche so Saiala maures Geh ich vor Seligkeit Beinah kapaureS ! Schwarz um die Elfestirn i Spiele die LLckches; ' Himmlisch, wie Morgeroth, .Glühe die Backches. Geistreich im Zwiegespräch Gewm' ich mer Mieh da. Zahm wie e Hundelche Schlers' ich die Brieh da. Wollt nur das Bliemche mich. Oeftersch beachte ! Awwerasttoseding Läßt mich verschmachte Blinzt net und lächelt net, Saiala maures ;, Schert sich de Deiwel drum. Geh' ich kapaures. . Bliemche, das schwör' ich der Hoffarth ist sindig IS der de Jsidor Ebber ze windig ? Liegt in mein Wese nix Forsches un Kräst'ges ? Mach' ich in Kleider net Gute GeschäftcheL? Reich' mer die Sylphehand Fihl' doch Erbarme! Komm, an meim Buse hier Sanst ze erwarme ! Wirscht de mein Compagnon Saiala maures, Geht mer mei Lewensglück Nimmer kapaures! Znm Abschied an Wereschagin. Du maltest treu sie, deines Landes Söhne, Du großer Künstler aus den Russenrei chen : Umstarrt von Todten, Blut und Graus ihr Zeichen, Fandst du für sie die rechten Farbentone. Es fehlt nur, daß dein Werk der Lorbeer kröne, Bon Geoktepe noch das Feld von Lei chen; Und Höheres wohl mag deine Kunst er reichen. Fügst du zum Kriege noch die Friedens scenö: Zeig' uns in farbenreichem Schreckensbilde Die obdachlosen Juden, bleich und blutend. Verhöhnt, getreten, aufgelöst in Qua- ' len Und hinterdrein die Henkerschaar, die wilde. Todtmüde Greise mit der Peitsche sputend Das wär' ein Elend, das nur du kannst malen. (Kladderadatsch.) . Wie das Volk spricht. Das ist nicht ganz ohne ! sagte der Steuerzahler da hatte er im Sommersemester die Klassensteuer für April zu entrichten. Ich fühle mich hier nicht ganz wohl! sagte Cremer da wurde er vom Centrum an die frlsme Luft befördert. Unkraut vergeht nicht! sagte der Raucher da konnte er die Straßburger Manufaktur-Cigarre nicht zu Ende rau chen. " Wir sind sehr gut aufgelegt ! sagten die konfiszirten Bücher da wurden sie stark gekaust. - '. Ich bin um kein Haar besser als' die Anderen ! sagte der Kahle da ließ er sich in den Kahlkopsverein ausnehmen. Ich bin leicht gerührt ! sagte die Reklametrommel da that sie im Dienst der Kunst ihre Schuldigkeit. Heute geht Alles in den Wind ! sagte der Arbeiter am Osterfeiertag da machte er einen Ausflug. ? 7 (Ulk.) Det Protz der Oper. Dame: Ich finde die Akustik sehr schlecht Sie nicht auch V Herr : Nein, ich rieche nichts." Erklärlich. Lehrjunge: Seit ich bei dem neuen Meister bin, kann ich kein BröckerlFleisch hinunterschlucken!" Mutter: .Was sehlt Dir denn? Lehrjunge: ,'S Fleisch Gedankensplitter. Wenn die Gelehrten Alles wueten, was sie geschrieben haben, dann würden sie ihren Namen doppelt verdienen. - Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen. Am schwersten fällt es uns, von einem Menschen das zu fordern, was er uns ungehindert hätte leisten sollen. Warnung. Reviersörster: Hören Sie, Hr. Pfar rer, wenn Sie alle Tag: zum Anzünden Ihrer Cigarre dem Wirth eine ganze Büchse Streichhölzer verbrauchen, so be komme ich am Ende noch amtlich mitJh nenzuthnn! Pfarrer : Wie so ? Reviersörster: Ei nun, wegen Holz frevels. U n g u n st d e r 3 e i t e n. A. : Verlassen Sie sich darauf, dies Drama spiegelt uns in getreuem Bilde die Ungunst der Zeiten .wieder .' Das ist ja Misere an allen Ecken und Enden. Wenn's so fortgeht, müssen wir ohne Ausnahme betteln gehn. B. : Ja, zu wem denn ? Abwehr. Gläubiger : .Jetzt wär's aber wirk lich Zeit, daß Sie mir die zwei Mark, die Sie von mir geborgt haben, bezah len !" Student : Ja, was denken Sie denn !? Glauben Sie, ich Hab's große LooZ gewonnen !"
