Indiana Tribüne, Volume 4, Number 228, Indianapolis, Marion County, 30 April 1882 — Page 5

Söfe Crivoscianer.

i , . (3on wem lpertichichen Oksizier.) Wenn ich zwischen uuseren Mitbür gern in der Crivoscie und den Herzegowzen wählen sollte, so muß ich offen estehen. daß ich Letztere bei weitem vor ziehe. Nicht weil sich etwa die Herzegovzen durch die Künste des Friedens vor Jenen hervorthun, oder weil ihre Sitten und Gebräuche im Kriege milder xnd menschenfreundlicher waren, sageich dieZ. In diesen beiden Beziehungen ist ihre Handlungsweise ganz gleich, ebenso wie ihre Nationalität, denn die Unter Scheidung zwischen Crivoscianern und Herzegowzm ist nur eine politische. Aber die Herzegowzcn sind erst seit dem Jahre 1878 dem sernen, jahrhundertelangen Drucke der Türkenherrschast eutrückt, und während dieser ganzen langen Zeit siel nicht ein einziger Lichtstrahl der Aus klärung, der Humanität ans diesen VolkZstamm. Ihre Behercher, die Türken, waren ebenso wUd und grausam wie sie daher das brutale Gesetz : Aug' um Auge, Zahn um Zahn." Die Crivoscianer dagegen gehören nun schon j?cit länger als ein halbes Jahrhundert z Monarchie, sie hatten stete BeröhrungZpunkte mit Risano, mit Cattaro und selbst Ragusa. Wenn auch die Regierung während dieser langen Zeit gar nichts für sie gethan hat, um sie zu er ziehen, so konnten sie sich auf der anderen Seite über keinerlei Bedrückung beklagen. Und dennoch so ost es ihnen einfällt, ein wenig Aufruhr zu machen, zeigen sie sich ganz so wie die yerzegow zen ; die Jndianerstämme der Coman cheS, PawneeS, Schwarzfüße und wie sie alle heißen, die Cooper in seinen Roma nen so schön schildert, würden keinen Augenblick gezögert haben, sie als tvür dige Stammesgenossen aufznnehmen. Die Crivoscianer ich will bei dieser zwar unrichtigen, aber nun einmal allgemein eingebürgerten Benennung der Bewohner des durch dieHerzegowina und Montenegro eingeschlossenen Gebirgölandes bleiben sind arme Leute. Den Ackerbau, das heißt den Anbau von etwas Gerste oder Kartoffeln in denKarst löchern, wo sich Humus angesammelt hat, und überall dort, wo sich bei dem sterilen Karstboden überhaupt etwas an bauen läßt, besorgt das Weib. Diese Frauen, deren gedrungene, plumpe und kleine Gestalten und unschöne Gesichtszüge keinen gefälligen Eindruck machen, sind das thätige Element. Sie thun Alles, sie besorgen das Hauswesen, pfle gen die Kinder, verfertigen Kleider, ho len von weite Entfernungen her das Trinkwasser und fungiren überhaupt als Lastthiere. Bt finden das selbstver ständlich und beklagen sich nicht. Die Männer beschäftigen sich in FriedenSzeiten mit Herumlungern, auch hüten sie die Heerden der Risanoten und die wenigen Schafe und Ziegen, die sie selbst besitzen. Wenn ihnen ein Hase oder ein anderes Gethier unterkommt, welches ein Schußgeld abzuwerfen verspricht, so wird eS erlegt; auf Haselund Steinhühner riskirt der CrivoScianer nicht so leicht einen Schuß, es rentirt sich nicht.. Mit Wild und Holz treibt der Crivoscianer Handel und bringt diese Waare aus den Markt nach Nisano, das heißt, er geht in stolzem Selbstbewußtsein, den Czibuk rauchend, voran, und hinter ihm folgt sein Weib, ein wuchtiges Holzbündel auf dem Haupte und das Wild auf dem Rücken tragend; dazu strickt die Arme während des Ge henS noch dicke Wollsocken, um ja nur keine Zeit zu verlieren. Diese Leute leben bei ihrer Armuth ganz unglaublich frugal und sehen ost monatelang kein Fleisch. Der kleine Erlös ihres HandelS wird zur Anschaffung von Munition, Tabak und jenen Gegenständen verwendet, die absolut zu Hause nicht erzeugt werden können. Ihre Woh nungen sind armselige Hütten, wie man sie in einigen Stunden herstellen kann. Aus den Karststeinen, die den Boden bedecken, wird eine Mauer aufgeschich tet, die ein Viereck schließt und einen Einaang freiläßt. Einige Stangen und Stroh bilden Dachstuhl und Bedachung. Fenster und Rauchfang gibt es rncht. Die Ziegen oder Schafe, welche der Hausherr beutn, wohnen als geschätzte Hausgenosicn mit ihm und der Familie m dieser Hütte, welche keme Einnay tunasstücke nach unseren Begriffen auf weist. Einige Gesäße, eine Axt, einige ausgewählte Steine zum Sitzen und etliche alte Strukas oder Decken und Säcke bilden den ganzen Reichthum, letztere überdies die Schlasstätten. Die Männer gehören einem schönen Menschenschlage an ; sie sind hochgewachsen und aut gebaut, die Gesichter mit den scharfen Augen und den stark gebogenen Nasen weisen aus den südslavischen Typus. Aber jahrhundertelange Ent behrunazn, welche auf Generationen ein gewirkt haben, und ihre außerordentlich fruaale Lebensmette lauen kein Muskel fleisch bei ihnen auskommen, sie sind Alle hager und sehnig, dabei aber sehr kras tia. Trotz meine mehrjährigen Auf enthaltes in der Bocche ist es mir nie ge lunaen, einen gut genährten Crivoscia- ... f.: r.tri : c . X -: ri i : . s: ner zu ?qcn; iyic vsciuuujcii, ui Popen, sind im Geqensatze zu ihren Be russc.encssen in allen übrigen Theilen der Welt ebenfalls mager. Die Handel treibenden und heerdenbesitzenden Risa noten dagegen präsentiren sich dem Auge als wohlgenährte, krälkae und gut ge kleideteMänner, und ihre Gastwirthe und Fleischhauer sind seist, wie es sich für solche üeute geziemt. Die Kleidung und Ausrüstung der Crivoscianer besteht aus der Kabanitza, einem Leibrocke, der nicht ganz an die I -T-1 S. . . r Nie icuyi uav vorn Nicyl zusammen schließt, sondern etwa Zwei Bandbreiten Raum srei läßt. Unter diesem sieht die Weste hervor, die bis an die Schlüssel deine reicht. Die kurzen Beinkleider reichen blS unter das Kme, das Unter dein ist mit Leinen oder Wollstoff um wickelt, welcher durch Riemchen kreuz und quer festgehalten wird. Die Füße stecken in dicken Wollsocken, die ein WeniaeS über die Knöchel hinaufreichen, und sind mit Opanken bekleidet, um den Unter leib vor Verkühlung zu schützen, trägt der Crivoscianer, wie alle südlichen Völker, einen Gürtel aus Leder von sehr großen Dimensionen, weil dieser zugleich

das Waffen-Arsenal enthält. DieKopsbedeckung endlich besteht aus einem Fez oder,, einer . montenegrinischen Kappe. Die Kleidungsstücke aus derbem, ehemals weißem Wollstoffe im Hause ge webt und angesertigt, sind abgetragen und Hchmutzig-grau. . Ich habe niemals einenCrivoScianer in einer neueiuweißen Bekleidung gesehen. Die Weste ist zuweilen wohl auch farbig gewesen, wie die Spuren von verblaßtem Roth ver rathen. Auch die eng. anliegende Kopfbedeckuug ist alt, durch Schmutz undFett lederartig, die rothe oder schwarze Farbe unkennbar. Zur Vervollständigung die, ser Bekleidung gehört noch die Struka, ein brauner Shawl aus grobem Gewebe, und die Torba, eine Art Brodsack auS Kuhhaargeflechte, in welcher Proviant und sonstige Habseligkeiten mitgesührt werden. Diese ganze Bekleidung ist au ßerordentlich praktisch sür daS Leben im wilden ' Gebirge. Sie hindert beim Steigen und Klettern selbst dann nicht, wenn daS Knie bis fast an da Kinn gehoben werden muß, denn das Knie ist nicht beengt, und der Fuß kann nicht auf die Schöße der Kabanitza treten, wie dies unseren Soldaten bei ihren Män teln passirt. Die Struka aber schützt, um den Oberleib gewickelt oder über den Kopf czezogen, vor Wind und Regen. Die Opanken, durch deren dünnes Leder die Fußfohlen das Gefühl für alle ebenheiten des Bodens bewahren, ge statten ein Anklammern mit den Füßen und befähigen daher im Vereine mit der steten ; Gewohnheit . zu eine? staunenS werthen Schnelligkeit und Sicherheit der Bewegung auf dem zerriffrnenFelsboden, wo wir trotz aller Vorsicht undLangsam keit stets gegen . die Gefahr, den Fuß zu brechen oder zu verstauchen, ankämpfen müffen. Wer aber glauben würde,durch das Anziehen von Opanken im Karstgebirge leichter fortzukommen, begeht einen großen Irrthum, denn die Fußsohle muß hiezu von Jugend aus abgehärtet sein. Es wär? gerade so, als wenn ein Städter barfuß über Stoppelfelder schreiten wollte, wie das die Bauerndirnen und Knechte gemächlich thun können. Deßhalb ist die Idee, unsere in der CrivoScie und der Herzegowina operirenden Truppen mit Opanken zu bekleiden, unaus führbar; jene Regimenter aber, deren Contingente zu Hause Opanken zu tra gen Pflegten, die slovakischen und croatischen Regimenter, sind mit solchen be theilt worden. Der Ledergürtel, welcher die halbe Brust und den Magen bedeckt und meh rere etagenförmig angebrachte FLcher enthalt, ist mit Mordwerkzeugen förm lich gespickt. Ein gut bewaffneter Mann sührt in der Regel zwei große und zwei kleine Steinschloßpistolen, den Handschar, der diagonal so im Gürtel steckt, daß die rechte Hand den Griff äugen blicklich ergreifen kann, endlich zwei bis drei kleinere Messer in Leduscheiden. Sie sehen beiläufig so aus, wie die alten Tischmeffer unserer Bauern, haben einen flachrunden Holzgriff und eine

haarscharfe, an der Spitze zuruckge bogene Klinge. Diese Mener sür die Bedürsniffe deö gewöhnlichen Lebens, mit denen der Mann das Lamm ausweidet und wenn es gebraten am Spiße fervirt wird, sich Stücke Fleisches herunterschneidet, bilden im Kriege die Instrumente zu den scheußlichsten Verstümmelungen an gefangenen, verwundeten oder todten Feinden zum Abschnei den der Nase, der Oberlippe und der Ohren. Für den Nahkamps und das Handgemenge finden die Pistolen und der äußerst scharfe Handschar Verwendung; mit letzterem werden überdies die Leichen der Feinde in grauenerregender Weise geschändet. Die Schießgewehre der Crivoscianer sind alte, lange Feuersteinflinten, mit denen sie trefflich umzugehen wissen. Bei der jetzigen In furrectlon tauchen jedoch moderne, gute Hinterladegewehre in starker Anzahl aus, deren Provenienz nicht schwer zu errathen ist, denn diese Leute wären nie im Stande, sich solche kostspiellae Waf fen und Munition selbst anzuschaffen. Im gebrauche derselben sind sie aber bei weitem nicht so geschickt, als mit ihren Stemfchloßgewehren, denn sie ver stehen die Anwendung des Aussatzes und das Distanzschätzen nicht. . Eine Auflehnung geaen die Gesetze und die Autorität d?S Staates erscheint vr 5 . rr. üicicn unoanuigcn, gaio verlyierlen Gebirgsbewohnern von geringem Belange. Bei ihrem angeborenen Hange zur Un botmäßigkeit und Gewaltthätigkeit bildet ihnen der Kampf eine anregende und nützliche Abwechslung in ihrer monoto nen Lebensweise : er ernährt sie, denn der Proviant wird durch fremdes Geld angeschafft nnd zugeführt ; er gibt ihnen Aussicht auf Besitz durch Beute und durch die Hoffnung, daß sie wie Anno 1869 endlich und schließlich wieder durch klingende Entschädigungen zum Niederlegen der Waffen bewogen würden. Das grenzenlose, fast religiöse Vertrauen auf die Unzugänglichkeit der Schlupfwinkel und natürlichen Bollwerke ihrer Heimath aber, welches in größerem oder geringe rem Maße allen GebirgZvölkern eigen ist, gibt ihnen das Gesühi der Sicherheit und Straflosigkeit. Es wäre ober ein Irrthum, gegen diese Halbwilden, denen nur Strenge und Kraft imponirt, sogleich wieder jene Milde walten zu laffcn, die sie, wie wir zu unserem Schaden er fahren haben, als Schwäche und Furcht deuten. Es bedarf hier einer strenaen sichtenden Hand. An der dalmatinischen Küste gibt es genug Felsen-Eilande, aus welchen die Rädelsführer und unver besserlichcn Elemente zu regelmäßiger und ersprießlicher Arbeit angehalten werden können, und von wo sie erst nach län geren Jahren dauernder Erprobung und an den Tag gelegter Besserung allmälig wieder in die Heimath entlasten 'werden mögen. In der Crivoscie selbst aber müßten nach vollständiger Entwaffnung aller Bewohner neben der nöthigen dis ciplinirenden Strenge auch alle jene Einrichtungen getroffen werden, um die bildungsfähigen Elemente auch thatsäch lich zu erziehen und zur Arbeit anzuleiten. Als Kern und Muster für diese Strebungen wären aber einige kleine Colonien der eisernen und patriotischen Bewohner der Licca, welche dem kargen Gebirgsboden ihrer Heimath durch harte Arbeit ihn: Nahrung abringen, gegen Gewährleistung einiger Vortheile in die CrivoScie zu verpflanzen. Dann wird

die" AuflehnüngSfarce ' einer Handvoll halbbarbarischer und arbeitsscheuer Her-, umlungerer sür immer ihr Ende erreicht haben. (Wiener R. Fr. Pr.)

Die religiöst Bewegung iu Rußland. . . 2uS der.Köinischkn Zeltuns''.) Der europäische Westen hat sich seit langer Zeit gewöhnt, den inneren Be wegungen im Reiche der 80 Millionen eine sorgsame Ausmerksamkeit zu schen ken, und, gegenwärtig lauscht er mit ängstlicher Spannung demHeberhast er regten Pulsschlage des pelzbedecktenVol kes. Verwundert sragt man sich, worin dieses nulcanischeAufschäumen der erregten Massen seinen Grund habe. Unserer Ansicht nach hat daS russische nihilistisch panslavistische Fieber seine tiefereUrsache in der Thatsache, daß der russische Staat in allen seinen Richtungen hinter den Forderungen seines erstarkenden Volkes zurückgeblieben ist. Aus dem Westen dringen Jahr ausJahr einTausende von Pionieren der Cultur in das Reich des Rubels ein und verbreiten dieErrungen schaften der Menschheit von den erhabensten Ideen bis zu den letzten Handgriffen der Civilisation bis in das seinsteGeäder des russischen Volkes. . Alle Mächte des mit rasender Hast hin und herfluthenden Verkehrs haben sich verschworen, die sla vischen Masten zu europaisiren. So schreitet die Nation aus dem Wege der Bildung langsam vorwärts, sie lernt die Welt, die Umgebung, die eigenen Ange legenheiten denkend , fastend. Nur der Staat bleibt starr auf seinem pa triarchischen Standpunkte stehen und sührt fort, die Menschen wie unmündige Kinder zu behandeln. Nun ist es ein Gesetz alles organischen Lebens, daß die vorhandenen Kräste sich bethätigen wollen, daß ein kraftvoller Organismus sich unbehaglich suhlt, wenn eine Zwangs jacke ihn zu? Unthätigkeit verdammt; kurz, es entsteht dann jene ficberhaste Erregung, jene Nervosität, die gegen wärtig das russische Volk so unberechen bar macht. Daß wirklich dieser Gegen satz zwischen dem sich umwandelnden Volke und dem starren, mumienhaste'n Staat das Grundübel ist, an welchem die russische Gesellschast krankt, dasür liefert die religiöse Bewegung gegen die verknöcherte, bewegungslose Staatskirche einen schlagenden Beweis. . Die Sectirersrage ist in Rußland unstreitig eine der. brennendsten und ihre Entscheidung eine dringende Nothwendigkeit. Diese Wahrheit wird vonTage zu Tage mehr empfunden, selbst die chwersällige russische Geistlichkeit sängt an einzusehen, daß die .Abtrünnigen allein durch polizeiliche Verbote weder auf den Weg der Wahrheit gesührt wkr den, noch an der Verbreitung ihrer An sichten verhindert werden können. Es müssen augenscheinlich sehr wichtige sociale Ursachen vorhanden sein, welche den Boden deZISectenwesenS befruchten und Unzufriedenheit gegen die Staats kirche erwecken, deren Vertreter bei wei tem nicht immer auf der Höhe ihres BerufeS stehen. Die Sectirer erheben gegen die Herrschende Kirche den Vorwurs, daß dieselbe i ihrem Endergebniß nur die sormelle, ceremonielle Seite der Religion entwickelt habe und nicht im Stande sei, den Forderungen der forschenden Vernunft zu genügen. DaS Leben hat in der kirchlich-politischen Sphäre viele solcher Fragen geschaffen, aus welche die mit dem Staate verschmolzene Kirche keine Antwort giebt. Außerdem aber werden die Besseren aus dem Volke, vel chen die Früchte mittlerer und höherer Schulbildung nicht zu Theil geworden, die jedoch nichtsdestoweniger mit gesun der Vernunst und natürlichen Fähigkeiten zur Analysirung der sie umgebenden Erscheinungen begabt sind, durch die Erfahrung im Leben fast unwillkürlich auf die sie quälenden Fragen socialpolitischer Art hingedrängt. Solchen Forschern, die keme Theorreen aus Buchern gelernt haben, bleibt nichts veiter übrig, als sich auf den eigenen' Verstand als den sichersten Leitstern zur Erkenntniß der Wahrheit auf religiösem, politi schem wie socialem Gebiete zu verlassen. So sehen wir sogenannte rationalistische Secten entstehen, denen die unbefriedi genden Zustände in Staat und Gesellschaft reiche Nahrung geben. Sectirer werden größtentheils solche, welche durch Verstand, Sittlichkeit und Energie aus gezeichnet sind d. h. dasjenige Element, welches vorzugsweise zur Propaganda befähigt ist. Nur dadurch lassensich die überraschenden Erfolge des rufst schcn Sectirerthums erklären, zu dessen Anhängern wir gegenwärtig nicht wemger als 12 Millionen, d. h. 15 Procent der gesummten Bevölkerung zählen dür fen. Schließen wir aus der Gesammt bevölkerung des Landes 20 Millionen Katholiken, Protestanten, Juden und Mohamedaner aus, so bleiben 12 MilUrnen Sectirer auf 60 Millionen Orthodoxe, d. h. 20 Procent. Zieht man dabei in Betracht, daß die Sectirer fast in keinem Falle juridische Anerkennung finden, sogar nicht immer geduldet wer den und des Rechtes und der Möglichkeit beraubt sind, frei zu lehren und ihre Ueberieuauna u verbreiten, so seht der ungeheure Erfolg des Sectirerthums in Erstaunen. Daß das Sectenwesen keine " V - r r V ... f.. V rr voruoergeyenoe isqcoeinung in oer runi schen Kirche ist, gegen welches sich durch polizeiliche Maßregeln oder die Feier tagspredigten der halbgebildeten ortho doxen Dorfgeistlichkeit ankämpfen ließe, geht aus der merkwürdigen Thatsache hervor, daß diejenigen Secten, deren Lehre sich fast nur auf nichtsbedeutende Formen und Gebräuche bezieht, keinen Boden sür weitere Verbreitung sinden. Solche Secten verschwinden entweder sofort nach kurzem Bestand, oder werden durch den- Fanatismus der alten Gene ration künstlich erhalten, während die Jugend, die besten Kräfte ausscheiden; kurz, ihre Tage sind gezählt. Diejenigen Secten und Lehren rationalistischen Cha rakters dagegen, welche religiöse Fragen tief berühren und in dem logischen Pro zeß des Denkens bis zu der Gründung einer positiven socialen Lehre gelangen, wachsen täglich :mpor, indem sie frische, höchst energische Individuen an sich zie hen. ' , . . 7 So beginnen die Masten langsam eigene Wege einzuschlagen und sich von , ,.'! I ' - f 1; '

den starren Uebkrlieferüttgen der ortho doxen Kirche unabhängig zu machen. Diese Bewegung droht die russische Ge sellschaft in tausend abgeschlossene Kreise zu zersplittern darin beruht die Gefahr derselben für den Staat; er kann dieselbe nur umgehen wenn er sich dieser Bewegung bemächtigt. Hat er das Volk einmal seine Glaubenslehre von den formellen Grundsätzen der Religion getrennt, welche im Staate herrscht und unterstützt wird, so hat er einen großen Erfolg errungen, welcher denselben weder durch Verordnungen und Verbote, noch durch Predigten oder geistliche ErMahnungen genommen werden kann. Es ist merkwürdig, daß die Besten aus dem Volke welche in ihrer religiösen Weltanschauung sich von der Staats ligion losgesagt haben, denen aber die im Westen bestehenden Wege und Mit tel zur Verwirklichung ihrer sozial-poli-tischen Ideale genommen sind, nichts desto weniger wenn auch aus ihre Art zu vielen positiven Versuchen aus dem Gebiete der Oekononie und Politik gelangt sind. Man dürste .gegenwärtig unter den rationalistischen Sekten in Rußland keine finden, welche nicht bereits ihr Ideal gesellschaftlicher und öko nomischer Ordnung mit Ersolg zu verwirklichen sich bemühte. Viele Sektirer Gemeinden . haben infolge dessen eine erstaunliche Wohlhabenheit und Zufrie denheit erreicht, die Achtung ihrer orthodoxen Nachbarn erworben und die Verwunderung der Ortsbehörden erregt. Auf diesem Standpunkte besindet sich gegenwärtig das Sectirerthum in Rußland und sährt sort, sich zu entwickeln. Es, würde ein unverzeihlicher Leichtsinn sein, wollte man. heute noch gegen die Sectirer durch Gewissensdruck, das Ver bot freien Gottesdienstes oder des gemeinschastlichen Zusammenlebens in den von ihnen gegründeten Gemeindehäusern oder Communen kämpsen. Sittliche Krast und Reinheit, Festigkeit im Glau ben, Verstand und Charakter stnd aus ihrer Seite : sie verfolgen, hieße fle mo ralisch verstärken, die ohnehin erschütterte Autorität der herrschenden Kirche" noch mehr schwächen und diese einflußreichen Leute gegen die Regierung stimmen. Weder die herrschende Kirche in Ruß land, welche nicht weniger al? die Kirche

m den Staaten des Westens emem all gemeinen Gesetze geschichtlicher Entwickelung unterworfen ist, noch der Staat selbst können etwas dabei gewinnen, wenn sie, den Rathschlägen der kurzsich tigen Vertreter der Geistlichkeit Gehör gebend, die Unduldsamkeit gegen die Sectirer vergrößern. ES gibt sreilich unter den Secten unstreitig auch solche, welche schädlich, gesährlich oder anti social sind, wie z. B. die Skopzen. Jede tiefgährende Bewegung treibt sol che Blasen an die Oberfläche. Diese alle haben jedoch keine Zukunst und wer den sehr merklich durch rationalistische Lehren .in den Hintergrund gedrängt. So lange sie existiren, mögen ihre Agen ten verfolgt werden, natürlich aber nur sür verderbliche Treibereien, verbrecherische Handlungen. Alle übrigen, d. h. die überwiegende Mehrheit, sind ge wissenhaste, friedliche Bürger, pünktliche Steuerzahler und arbeitsame, in jeder Beziehung nützliche Unterthanen, welche eher Schutz als Bedrückung verdienen. Hier genügt jedoch keine passive Dul dung, sondern den Sectirern muß das Recht eingeräumt werden, nach ihren socialen und religiösen Anschauungen zu .leben Von einer solchen Anerkennung der Rechte der Sektirer scheint die Regierung noch weit entfernt zu sein. Ueberall in Rußland beruht das Gesetz aus schwankendem Grunde und wird umgangen, auf keinem andern Boden aber mit einer so gsenzenlosen Willkür, als in Beziehung auf die Sectirer. Im allgemeinen können wir sagen, daß die Sectirer nicht nur die vom Kaukasus und aus den Einöden Sibiriens, son dern die vielen Tausende in den Gou vernements von' Central Rußland thatsächlich nur die geringen Freiheiten genießen, welche sie sich durch Be stechung der Polizei erkaufen. Die Geschichte des Sectirerthums von den vierziger Jahren bis auf den heutigen Tag, von den Verfolgungen der Molokaner ud Duchoborzen in Kaukasien bis aus die gewaltsame Zerstörung der Bethäu ser und Einsiedeleien in den Jahren 1879 und 188!) im Gouvernement Archangelsk bietet das traurige .Bild einer ganzen Kette von unmenschlicher Gewaltthätigkeit gegen friedliche Bürger. Nicht ein einziger Sectirer ist sicher, was ihm der nächste Tag bringen 'könnte. Er darf weder seine Gebetbücher, Heiligenbilder, Belhäuser, noch selbst das Haus, welches er bewohnt, als sein Eigenthum betrachten; heute ist er frei, morgen vielleicht im Gesängnisse ; heute war er ein wohlhabender Mann, morgen schickt man ihn in die Tundern von Sibirien. Ost genügt die Anklage irgend eines unbesriedigten Polizeibeamten oder Dorspopen, solche Verfolgung über Hunderte von Fami lien'zu bringen. Es ist jedenfalls eine der Hauptaufgaben der nächsten Zukunst, eine so wichtige Frage wie die Sectirerfrage zu. losen; die Regierung scheint jedoch gegenwärtig anderen Fragen eine arökere Wicktiakeit beuuleaen. In der ' Religion also, wie in tausend andern I Beziehungen, ist der russische Staat in 1 kl . 11.iiMiiAl!lifiiii 1lrti9 Ca. seiner starren Unbeweglichkeit hinter sei ner -5Uit zmrückaeblieben : - das Volk sieht sich deßhalb gezwungen, unabhängig vom Staat seine neuen Bedürsniffe zu befriedigen : Drang und Funktion, so lautet die Formel, welche uns die fieberhafte Erregung des russischen Völ kes auf allen Lebensgebieten erklärt. D a S T :sta me nt. Gast an der Table d'liote : Kellner, schnell einen Stempelbogen, Tinte und Feder! Kellner : Aber, Euer Gnaden, jetzt nach der Suppe! Gast: Ich muß mein Testament machen, denn es scheint,ich werde dasFleisch nicht mehr erleben. Sonderbarer Schlu ß. , ' .Frau Nachbarin, wie könnt Ihr nur einen so blutjungen Arzt nehmen, der hat. ja erst im vorigen Monat sein Exa men gemacht !" .Eben deßwegen hab' ich das größte Vertrauen : der. weiß ge wiß noch Alles. am Besten der hal'ö ja erst ganz frisch gelernt.1 . . . , ,

r:": Jan ayen. r - . . . f l e?ft,ßrr,Ich!scht 5!rol-Ttativ.) ; Am 1. April ging eine neue NordpolExpedition von.P'olaab,' welche gewis sermaßen das wissenschaftliche Vermächt niß des zu früh verstorbenen Weyprecht übernommen' hat und seine. Ideen zur Ausführung bringen soll. Graf Wilczek trSat die Kosten dieser Expedition und sie ist mit Allem ausgerüstet, vaS sie zu wissenschaftlichen Forschungen in den arktischen Breiten nöthig hat, und mit Allem, waS sie braucht, um in jenen un wirthschaftlichen Regionen längere Zeit ausharren zu können. Wie bekannt, soll- die Expedition die Insel Jan Mayen besetzen und dort eine wissenschastliche Station errichten, wäh rend die andere Staaten entsprechende Stationen in denselben Breitegraden be ziehen. : r Die Insel erhielt, wie Scoreöby in seinemWerke MrMt über die arktischen Regionen nebst einer Geschichte und Be schreibung ; des Walfischfanges im Norden" berichtet, ihren Namen von einem holländischen Capitan, welcher die Insel zuerst im Jahre 1611 gesehen haben soll. Da indeß der Walfischsang erst um 1612 begann so darf man glauben,' daß sie nicht vorher entdeckt wurde. Sie ward auch Insel Mauritius genannt,zu Ehren des Prinzen von Nassaus ' Um dieselbe Zeit wurde dse Insel auch von Walfisch, sängern von Hull entdeckt und Dreifal-tigk-itö-Jnsel genannt, und als die russische Gesellschast ' daS Monopol- des Fischfanges sämmtlicher Polargegenden zu erhalten strebte,' ward sie vom König von England' der Corporation von Hull in Folge einer Petition vom Jahre 1618 als Jischerei-Station bewilligt. - Die Holländer, welche seit der Entdeckung Jan Mayen's bis zum Jahre 16t0 die Insel fleißig zu besuchen pflegten, 'und aus dem Walfischfange an den Küsten großen Nutzen zogen,' geben die Haupt hauptsächlichsten Berichte über ihr AuSsehen, ihre Lage und Beschiffung. Der Flächeninhalt der Insel beträgt IQua-

dratmeilen. In' ihrer Mitte thront der 1943 Meter hohe Beerenberg, cm er loschener Vulkan. : Jan Mayen liegt zwischen 9 Gr. 4' 30" und 7 Gr. 52 WestlSnge vonGreenwich und zwischen 71 Gr. 5' 36" und 70 Gr. 49' 30" nördlicher Breite. Prof. Mohn, welcher im Juli des Jahres 1877 eine kurze Erpedition (Norweg. NordmeerExpedition) unternahm und einige Tage zu Jan Mayen mit emem Dam pser geankert war, gibt uns in den ae nannten geographischen Mittheilungen eine vortreffliche Schilderung der Insel, welche wir nachfolgend reproduciren : Durch tiefe Meere von allen Nachbar ländern getrennt, liegt Jan Mayen ein sam im Grönländischen Meere. Die Richtung der Insel ist von NOzO nach bWzW, sie zeigt, nach der Dänenarr Straße und ist der HeklaLinie parallel. Sie m nach Allem, was darüber veob achtet worden,-ganz auL vulkanischen Bergarten gebaut. Ihre Länge beträgt etwas über 74' geographische Meilen. Der nördliche Theil der Insel ist bis zu einer Höhe von 700 Meter mit ewi aem Schnee bedeckt. Der Kegel des BeerenbergeZ ist nur an den schroffsten Stellen, wo die schwarze Bergwand her vortritt, schneefrei ; seine Basis erscheint in einen weiten Schneemantel gehüllt, auS dem gewaltige Gletscher, von denen neun da8 Meer erreichen, herabschießen Dies die Beschreibung Professor Mohn'S. Frühere Schilderungen der Insel finden wir noch bei Karl Vogt, welcher die Fahrt nach Jan Mayen mit drei Genossen im Sommer 1861 unter nahm. Aeltere Beschreibungen oder Berichte' über die Insel, mit Ausnahme von Notizen über ihre Beschiffung, ihren Hauptberg und seine Gletscher, besitzen wir nicht, obwohl, wie schon erwähnt, sowohl die Holländer als auch dieWall sischfänger von Hull in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts jährlich Jan Mayen zu besuchen pflegten. Wohl aber ist uns ein Dokument auS dem Jahre 1633 bis 1634 erhalten geblieben, daS über die meteorologischen und Eis Verhältnisse der Insel relativ die besten Auskünfte gibt. Es ist daS Tagebuch von fünf Matrosen, welche der holländi sehen Walfischerflotte angehörten und die einzigen Menschen gewesen zu sein scheinen, die jemals auf Jan Mayen zu überwintern versuchten. -Sie thaten dies in Folge Aufforderung der Grön ländischen Compagnie, angeblich zur Erforschung der wahren Beschaffenheit des Landes im Winter; -thatsächlich handelt es sich dabei wohl um die Errichtung einer FischereiStation und den Versuch einer Colonisirung der Insel. Der Ver such mißlang; die sieben Holländer star ben, nachdem sie acht Monate auf der Insel zugebracht hatten, an Scorbut, was im Hinblick aus die primitive Aus rüstung, welche die damaligen Cultur Verhältnisse solchen Expeditionen bieten konnten, nur zu begreiflich ist.' '. QeffentlicherDankc Lange sah man im Städtchen K. keine so schöne Leiche", als die des Herrn Bräumeisters. Wohl hundert Menschen, von Neugierde und schönem Wetter angelockt, folgten ihr bis weit zum Fried Hof. Ein Verwandter aus der Haupt stadt rieth der trostlosen Wittwe, im Lo kalblättchen für die rege Theilnahme zu danken. . ' . : Gleich wurde Seppi, der ältesteSohn, mit dieser Commission betraut. Der Herr Dintenmeyer wird's schon machet hieb es. Seppi kommt in's Redaktionsbureau und wartet bescheiden m emer Ecke. .Was wünschen Sie, mein Lieber? fragt endlich der Redakteur. . Seppi : -.Wiffen's, mein Vater ist gestorben, und da läßt stch.die Mutter bedanken. . Beruhigung. ' A.': .Ich sag' Dir nurso viel: wenn ich annehme, was meine Jagdkarte lo stet was ich auf der Jagd verzehre, was ich an Kleidern und Stiefeln ruinir' und im Geschäst versäume, dann kommt mich ein jeder vas', den ich schieke, auf mm deflens 20 Mark zu stehen !" B. : .Da sannu Du mir (Zoll Damen, dakWu !o wenig triffst:- ; ' : , ;.; ;

Young America. . . Von Sera Hutzier. .

i. Sliaving and Shampooiiig' . Unser Robert wurde Floorwalker (Beaussichtiger) des Wiener Cafe. Er hatte, so erzählte er beiläufig unserem schwarzen Diener die Stellung nur aus Ge fälligkeit angenommeu um einen alten Freund des HauseS in seiner Abwesen heit zu vertretend Es sei nicht etwa seine Absicht, den Posten auf die Dauer zu behalten es handele sich darum, dem Freunde seines VaterS einen Dienst zu leisten. Robert leistete vielleicht den von ihm erwähnten Dienst nicht mit gcnü gender Liebenswürdigkeit, oder auch zeigte seine knabenhaft kleine Gestalt nicht die zu einem solchen Amt erforder liche Würde es ereignete sich, dsß die ihm untergebenen Kellner seinen krampfhaft beobachteten Ernst, belachten eS ereignete sich weiteiaß unser tapferer Jüngster ob diese? Äespektslostgkeit in heftigen - Zorn gerieth und, seine Würde ganz vergeffeud, - mit Füßen und mit Fäusten dreinschlug. . Es gab eine durchaus nationale Prü gelei. - . i. Unser kleiner Herr, der schlank '' war und behende, ging ans derselben unver sehrt und siegreich hervor. Es folgte eine kurze Zeit der Beschäftigunslostg keit, in der er mißgelaunt und bis zur Lippe voll kampsbereiten Ingrimms die Zeitungen durchstöberte und eisrig die Annoncenzettel las, die aus Holzzäunen an .den Straßenecken angeklebt waren. Dann kam ein Tag, an dem er in aller Frühe die steile Wendeltreppe unseres Hauses, drei Stufen auf einmal nehmend, 'hinabsprang, sein Frühstück ste hend einnahm, dann eiligst ohne Gruß und Abschied, zur Hausthür' hin ausflog und im Nu verschwunden war. Zum Abendeffen schin er nicht. So war die erste Woche hingegangen, als er zu Ende derselben ganz unerwartet srüh bei Tisch erschien. Er nahm sein Frühstück schweigend ein, und als die Tasel aufgehoben wurde, trat er an des Baters Seite und bot ihm, einen Ausdruck gleich giltiger Höflichkeit auf sein Antlil) zwingend, ein bronzeledernes, geöffnetes Etui. Nimmst Du eine Cigarre V Der Vater ließ vor Schreck und Ueberraschung seine Pseise fallen,' die er sich anzuzünden im Begriffe stand er ver biß das zweifelnde Lächeln, das ihm um die Lippen fuhr, und seine Antwort kam ganz ruhig höflich : .Danke Du rauchst ? Ich ja," war die gleichgiltig hin geworfene Entgegnung. Seit wann denn?" .Eigentlich seit gestern. Mein Geschäft bringt daS so mit sich . So ! Du bist also angestellt V .DaS gerade nicht .Du peäälegt doch wohl nicht wie der?" Ein geringschätzender Blick tras den Bater. ' .Erlaube ich- er gab dem klei nen Körper einen stolzen Ruck, klappte daS geöffnete Etui zusammen und warf uns herausfordernden Blickes die Meldung zu : . .Ich habe mein eigenes Ge schäft.'. Das war dem Bater doch zu viel. Er brach in ein schallendes Gelächter auS. - Sieh' mal an! Dein eigenes Gechäft! Mein Sohn hat sich etablirt! Hoffentlich warst Du so vorsichtig, nicht Dein ganzes Kapital hineinzustecken?" Robert lehnte sich, die Hände in den Hosentaschen, an den Kaminsims. , Er blickte ruh'g aus und schien durch die Ironie des Vaters nicht beleidigt fast war's als sachte sie die Prahlsucht bei ihm an. .Kapital begann er ruhia, habe ich keines hineingesteckt mein Partner (As socie) hatte Geld Was Du sagst! Einen Partner hast Du auch! Mit. der Zeit wird man vielleicht erfahren, wo Dein Geschäft en t. i j gros ooer en aetaii r Vorläufig en aetaii Walnutstr. 5. Cigarren und Tabak !" .Wie heißt Dein Partner ?' Wilfon . ' .Ist er auch auch bei Jahren?" Diese Anspielung auf seine Jugend raubte ihm den Gleiömutb. Seine Worte kamen scharf accentuirt hervor. und seine Augen schloffen sich zur Hälfte bei ihm ein Zeichen auflodernden Zornes. Mein Partner ist ein voll entwickelter Mann, von 46 Jahren. Wer an der Wahrheit .meiner Aussagen zweifelt dies mit einem drohenden Seitenblick aus unsern' Sam, der unausgesetzt grinste, .mag sich persönlich überzeugen Walnut Straße 5. Weiter habe ich nichts zu sa gen, außer" er wandte sich etwas klein laut zum Vater wenn Du vielleicht etwas Kapital anlegen wolltest etwa 100 Dollars wir zahlen sechs Pro zent ich möchte unseren Stock (Lager) vergrößern Du überlegst Dir's vielleicht! Adieu !", Unser Lachen verstummte unter dcö Vaters ernstgewordenem Blick. Er sah dem Kleinen gedankenvoll nach. Danr. plötzlich schien's ihm einzufallen, wie doch der Junge drollig war, und la chelnd trat er zu Harry, unserem Ael testen. .Bist Du so . gut umblickst 'mal in Walnutstr. 5 hinein?" . Ja, Vater Du brinqst mir heute noch Bescheid?? .Jawohl!" .Noch eines ! In Gegenwart von Anderen keine Szene! Gleichviel, was Du findest hörstDu?" Harry machte keine Szene, obgleich ihn, was er fand, ein weuig überraschte. Er zögerte, zu rapportireu Der Vater frug ihn aus. Du fandest also sein. Geschäft V . ja! . . -.Und es verhielt sich, wie er sagte?" Ö ia .Er hat also einen Partner?" O ja, den hat er DaS Auge un seres Harry blickte halb verlegen, halb belustigt. -. - .Was soll das, Harry ! Die Sache nicht Zpaßhast ;.0 doch 1" ntgegnete der Angeredete. .Vor allen Dingen ist das Etabliffement

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ein Jristr und Rastrscäo'n, 'n dem U nebenbei ein kleiner Cigarrenverkauf Qt trieben wird. Unser Robert steht an der Kaste, die er streng bewacht; zu gle!cher Zeit leitet er den Tadakverlauf Sein Associe rasirt - .Selbst ?" . ' :.. .0 ja er ist aar nickt ftoh. - ' - Was -ist er denn für ein Mensch? ..h. - 1 m . . Harry trat zum Vater. Er legte wie zur Beruhigung die Hand aus seine -uwr. , . Erschrick nicht, Vater. Sein Associe' -ist ein Nigger l" .Was !" .Mr Milson ist ein Neger. Ich kenne :' Zh"- famoser Barbier er rasirte' frühe? bei Keel und Hook. Er hat entvder geerbt, gespart oder gestohlen. Er ' etabllrte .sich Walnutstraße 5 und nahn.' Robert zum Partner. Ich sghle mich.:. n.chUonderllch geehrt - ich veiß nichts wie Du darüber denkst" Harry'sRede erlitt eineUnterbrechung. -Nobert loar eingetreten. Gr 5 n&;.; i , 5 s k , ll()m T nicht die Zelt,-seinen Paletot abzulegen, r erstellte sich geschaftmZkia ent vor; - dem Vater auf. Hast. Du Dir's überlegt, Vater?" -Dann einen Blick aus Harry werfend' murmelte er zwischen den 5iäknen lir :r vor : un ,o, nu hast mir's wohl V-v V . j-i veroo:scri r , .Erlaube, wenn ich sehe, daß Du- i nen Kompagnon haft- . , .Erlaube Du ! .Wenn ich Dir mei-': nen Kompagnon vorstelle, so kann ich .z erwarten, daß Du ihm ein Wort sagst--' , . Das habe, ich auch gethan ! '-. - Jawohl hast Du's aetban. Du ball.' ' .ihn angesehen, als. ob er ein junger Elephant wäre,und dann hastDu.JesuS gesagt!" Jefus ist doch auch ein Wort ! Nebenbei ist doch das. kein Mensch, mit dem. -mün sich associirt!.Oho! Stiehlt er vielleicht ?" . Der Vater hatte bis dahin ruhig da- -gesessen. Jetzt erhob er sich und näherte' ' sich den Streitenden. - .Ich ueiß nicht, Robert begann er ernsthaft, ob es mit Uebcrlegung oder aus Vergessenheit geschah, daß Du ver schwiegst, daß Mr. Wilson ein Schwar zer sei .Hat mich denn Jemand nach seiner -Hautfarbe gefragt ?" entgegnete Robert mit blitzenden Augen. ES konnte Niemand auf den Einfall -kommen, daß Du einen MohrenSo schwarz ist er gar nicht .Und Du meinst, das sei ein mildernder Umstand. Einige Nuancen in der Farbe sollen den Thatbestand ändern?Das meme ich gar nicht. Für mich hat seine Farbe nichts Anstößiges. Er ist ein ehrlicher Mann und das Geschast trägt etwas ein. Wenn man nichts Anderes gegen, ihn einwenden kann, als daß er schwarz ist so soll mich das wenig ansechten. Für mich ist er ein Mensch ich wundere mich, daß. ich allein so denke Die Worte waren leidenschastloS und bestimmt gesprochen. Zum ersten Male hob er das dunkle Auge voll und ohne Furcht zum Vater zum ersten Male, sprach auS seiner Haltung, seinen Worten nicht knabenhaster Trotz es lag in ihnen wohldurchdachte Ueberzeugung und seine Stimme bebte leise von unter, drückt Bitterkeit. Es folgte ein län gerer Kampf der Meinungen. Es schien, als opponire unser Vater nur, um den Sohn zur Vertheidigung seiner Anstch , ten herauszufordern. Der Knabe hielt tapfer Stand, und als der Vater ihm endlich die gewünschte Summe Gelde ' zur Verfügung stellte, unter der Bedin gung, daß der FristrSalon in einen ' Cigarrenladen umgestaltet werde da ließ sich unfer Bob herbei, sich bedenken zu wollen er werde mit seinem Associe die Sache besprechen. , - Man einigte sich. Die Veränderung : des Geschäfts war materiell nicht gün stig, und eh' die ersten Monate ver strichen waren, hatte sich die Firma auf' gelöst. Mr. Wilson war ein guter Barbier, aber von Tabak verstand er wenig. Keel und Hook boten ihm die? alte Stelle. Er nahm sie freudig an. Wir trafen unseren muthigen .Jung sten während einiger Tage müßig in den Straßen wandernd, bis er urplötzlich, wieder eiligst aus und einging. Sein rosiges, kugelrundes Knabenantlitz leuch .. tete und blickte unternehmend. Was.: war' der kleine Herr wohl jetzt? Wir., warteten mit Spannung auf den Augen . blick, der es uns offenbaren sollte. Er kam. Den ,,Qetreue voed Jeve," Benutzung cmvfoylcn. I. zur Wir weihen wieder heuer Dir frisch g el e gte Eier, Und wünschen dies : Sie mögen . Auch kommen recht g e l e g e n. II. Es bleiben blindlings Dir 5or ever . Ergeben die Getreu'n von Jever; Empfange wieder deß zum Zeichen, O Deutschlands Eiche, diese Eichen. (Ulk.) Verunglückte Entschuld! gung. . Herr (:iner Dame auf den Fuß tre-' . tend) ; Verzeihung, meine Gnädige. bitie, nehmen Sie eS für einen Hände' . 1 uiuu: Ein Zeitkind. Pfarrer: ....Wenn Vater und Muit.er Dich verlassen, wer nimmt sich Deiner dann an?- ' Schüler : .Die Polizei l" Der Justiz überliefert. Ricbter. .Wein Er' daß der Tbale' den er an Gerichtskosten in seiner Sa$v

gegen Samuel Mayer emgelenoet hat salsch ist; weiß Er,, daß Er sich dadurch . ' eine? schweren Betruges schuldig gemacht hat und straffällig geworden ist?Jude. Wai geschrienl wc haißt . Betrug, Euer Gnaden ? Ha ich habt den Thaler schon über Zechs Wo- -eben, und hab' ihn nicht können n5?z. :

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