Indiana Tribüne, Volume 4, Number 228, Indianapolis, Marion County, 30 April 1882 — Page 2

Der KnatiKer. - ' ZNtun, in Heilungen von fdrtin Lyas. ' (2. Fortsetzung.) Leiste leinen Widerstand, ermähnte der MMannbedachtsam. und er reichte dem trösten Mormonen seine Büchse, was lilei SU fürchten, als eititn Kilt unter Bedeckung nach der Salzseeftadt. und die liegt nicht außerhalb-der Richtung unsres Weges. Der andere mochte einsehen, daß Wichand vergeblich, und. händigte seine Safte ebenfalls aus. Aus einen Wink C8 alten Wägers folgte der Halbindianer smem Beispiel, als außerhalb des KreiseS eme geräuschvolle Bewegung entpand. Alle kehrten sich nach derselben ZZw und sahen die Dakotahs in wilder Flucht davonstürmen, ' während deren Wachter ihnen einige Kugeln, jedoch ohne zu treffen nachschickten. Eine halbe Stunde später war der'verZ?fcne Thalkessel wieder reich belebt. An ö;e Räder eines Wagens gefesselt saßen Die drei Gefangenen. Die ihrer Bürden und Sättel entledigten Thiere weideten zerstreut, während die Mormonen, bis auf zwei Wachtposten, das letzte Tageslicht benutzten, alle Umstände festzustellen, unter welchen der Tod der achtzehn Mäner erfolgte. Beim Schein kleiner Feuer, zu welchen cit Wagen wieder das Holz lieferten, wurden drei große Grüber geschaufelt, und dahinein legte man, je zu sechsen, die armen Todten. So gut, wie nur irgend möglich, bettete man sie. Die übriaen Mormonen batten nack

der anstrengenden Arbeit sich fröstelnd in igr? wecken gehüllt, um vor demAufbruch uoch eine oder zwei Stunden rasten zu Tonnen. Die Sonne stand bock am Fimmel, als iie Mormonen sammt ihren Gefangenen en yattessel verließen, Alle gingen zu Fuß. Was nur iraend fortaebrackt wer den konnte, hatte man auf die Reitthiere verladen, um es in der Salzseestadt für die rechtmäßigen Besitzer gewissenhast aufzubewahren. Ueber der Stätte des Verbrechens kreisten wieder Raben und Geier. Große und flehte Wölfe umschlichen die Gräber. Hin und wieder fielen sie sich gegenseitig mit scharfen Zähnen rn, wie um einer den andern für denVer Tust der Beute zur Rechenschaft zu ziehen. In lautlofer Stille lag die öde FelsenVüsie ringsum. Das Geheimniß, welches sie barg, schien ewiger Vergessenheit anheimgegeben zu sein. 2. Kapitel.- Bradvoldk Farm. An einem der krystallklaren Bäche, die. im Wahsatschgeblrge entspringend, sich Sem vom Utahsee dem Großen Salzsee zuströmenden Jordan zugesellen und ungesähr in der Mitte zwischen den beiden genannten Wasserflächen lag eine Farm, oeren nähere Umgebung Alles bot, was ias Herz eines betriebsamen Ackerbauers und Viehzüchters nur immer erfreuen konnte. Bekannt war diese friedliche Heimstätte Veit und breit unter dem Namen BrandlZold's Farm, obwohl ebenso gut bekannt, öaß der Besitzer, ein geborener Norweger, Um besuchsweise gelegentlich einige Tage dort zubrachte, sonst aber für sich und eine zahlreiche Familie seinen eigentlichen Heerd in der Salzseestadt gegründet hatU. Ursprünglich war die Farm für seine ste Frau, deren Töchterchen und Schwe fier eingerichtet worden, die vor etwa ebenzehn Jahren mit ihm von New 'Iork und zwei Jahre früher von Norme- . gen herüberkamen. Er berücksichtigte darin die Neigungen seiner kränklichen - Gattin, welche, obwohl dem Namen nach Mormonin, sich nie entschließen konnte, aus ihrer tiefen Abgeschiedenheit heraustreten und mit den Religionsgenossinnen näheren Verkehr zu Pflegen. Nicht Minder trug er Rechnung den EigenthumUchkeiten seiner Schwägerin, die alsNichtinormonin oder vielmehr Heidin sich mit beinahe männlicher Willenskraft ihre Unäbhangigkcit bewahrte. Seine erste Frau war bereits seit Iah?en todt, aber in deren Sinne lebte und wirkte ihre Schwester ungestört auf der Farm weiter und vertrat zugleich mit treuer Hingebung Mutterstelle bei deren -rlnziaer siebcnzehnjähriger Tochter. Der offenbare Widerwille, welchen die beiden Schwestern gegen das Mormonenthum Hegten, war Ursache, daß schon um seiner selbst und der streng urtheilenden Glaubensbrüder willen Brandvold ihnen ge--stattete, sich zu ihrer Bedienung und den laufenden Farmarbeiten mit einigenUtahJndianerFamilien zu umgeben, welche Pe durch die Bande der Dankbarkeit so trtQ an sich zu fesseln verstanden, daß sie den sichersten Schutz gegen deren noch 3oilde Stammesgenossen bildeten. Die westlichen Abhänge desWahsatschGebirges überströmte die röthlicheBeleuchtung eines lieblichen Nachmittages, wähnd die Quirrah - Höhen ihre Schatten -über die Artemisiasclder hin langsam dem 'Jordan zuschoben. Beängstigende Stille nxib Ocde lagerte über diesen; behagliche, einladende Ruhe umschwebte die auf dem halben Wege zwischen dem Wahsatschgebirge und dem Jordan gelegene Brand-Vold-Farm. Die für den Tag berechneten Zlrbeiten waren beendigt. Außerhalb McSSchuppens, ihrer cigentlichenWohnflatte. vor einem großen Feuer, rasteten etwa anderthalb Dutzend Utahs, braune, schwartige Gestalten, die mehr oder minder in ihrer Bekleiduna eine aewisse Bemlnna zu der Civilisation bekundeten. Zwei jmige Burschen sattelten unter der Aussicht emes ernsten, alteren Indianers der ein kräftiges Pferd, das sie eben von der Wiese hereingeholt hatten, hin . . r i. rund wieder lanoren ne einen neugierigen Blick nach dem Sfitii ccr Ho cinfnedi gung hinüber, über welchen man auf sechs Blusen aufwarls unu coenjo vieien av toariS vom Hofe in's Freie hinaus ae langte. Dort, auf der Außenseite, die W r c Tl .. . Af(it.l fTTts f. - urmc aitj oen ouuu uillvuw "it viuciidd enaelenk des linken den Zügel eines ne xn ihm an einem Pfahl nagenden ebenso sckönen wie kraftvollen Pferdes stand ein schlanker junger Mann und unterhielt sich nit einer aus oer norm euc oenaou Sen Dame. Aber wenn Sie heute überhaupt noch einen Ritt mit Helga unternehmen. Miß Karen, bemerkte der junge Mann mit der rarnen sora losen Vertraulichkeit eines .zwanzigjährigen Jünglings im Laufe des

Gesprächs, warum wollen Sie mir nicht das Geleite wenigstens bis an denJordan geben ? f Mein lieber Andrew, erstens möchte ich die Nebel vermeiden, welche sich bereits über den feuchten Niederungen fammeln, ferner ist es uns zu einer lieben Gewöhnheit geworden, an dem Bache hinaufzureiten und von dem höher gelegenen Boden aus eine volle Aussicht über das öde Thal zu gewinnen, uud drittens Und drittens. Miß Karen ? Und drittens, wiederholte sie zögernd, fügte aber lebhaster hinzu, scheint Helga mehr an einem Ritt nach dem Gebirge hinüber gelegen zu sein. Andrew runzelte die Brauen leicht. So werde ich Helga selber fragen; bezeigt sie keine Lust, mich zu begleiten, so nun, so bitte ich sie darum. Das werden Sie nicht thun, Andrew, hieß es entschieden, jedoch nicht unsreundlich zurück. Sie dürfen nicht vergeffen, daß die Zeiten kindlicher Spiele hinter Ihnen liegen, mag Helga immerhin noch ein Kind sein Sie sind ja verständig genug, daß ich offen mit Ihnen darüber reden darf und da liegt dieGefahr nahe, daß Sie Ihr Glaubensbekenntniß zum Gegenstand eines Gespräches mit ihr wählen ; das möchte ich aber aus alle Fälle vermeiden. Sie ist ja selbst Mormonin, Miß Karen, und wie oft haben wir darüber gesprochen, daß wir noch einmal Mann und Frau werden wollten. Was bei Kindern in der Ordnung geWesen, eignet sich nicht immer für erwachsene Leute, erklärte Karen ernst. Sie wissen, die Tochter meiner Schwester ist mein Heiligthum ; ich darf nicht dulden, daß auch nnr die Möglichkeit derStöruna

ihres noch kindlichen Seelenfriedens ihr nahe trete.. Und dann, Andrew, dieNachricht, welche sie überbrachten, hat mich zu tief erschüttert ; es ist in der That besser, wenn wir durch Ihre Gegenwart nicht fortgesetzt daran erinnert werden. Ich kann das Entsetzliche nicht faffen, daß eine ganze Karawane hingemordet sein sollte, sogar durch weiße Menschen Sie sehen, unwillkürlich komme ich immer wieder auf das grausige Ereigniß zurück , vielleicht beruht alles noch auf einem Irrthum, oder das Gerücht übertrieb Nein, Miß Karen, ich habe den Boten gesprochen, welcher die Kunde nach der Stadt brachte. Achtzehn Männer sind erschlagen gesunden worden, und derApostel Dowlas selbst hatte ihn abgesandt, um Hülfe zurBeerdlgung herbeizuschaffen. Ich begab mich sogleich auf den Weg hierher die ganze Nacht bin ich geritten, um vorzubeugen, daß die Kunde Sie in einer Sie beängstigenden Weise entstellt erreiche. Was ich dankbar anerkenne, Andrew, versetzte Karen gütig, obwohl ich mich hicr vollkommen so sicher o, noch sicherer, als in der Stat sühle. Nein, Besorgniß ist mir fremd, aber der Gedanke an die armen gemordeten Menschen macht mich unglücklich. Man wird die Thäter auskundschaften und zur Rechenschaft ziehen. Und straste man sie mit der äußersten Strenge des Gesetzes, würde dadurch einer einzigen Mutter ihr Sohn, einer Familie der Vater und Ernährer zurückaeaeben ? Doch still da kommt Helga kein Wort mehr davon und sie kehrte sich der Hausthüre zu, aus welcher die Genannte, über den linken Arm die Schleppe eines ebenfalls einfachen Reitrockes, in der linlen Hand eine schwanke Gerte uud aus dem Kopfe einen runden Filzhut, eben getreten war. Das war Helga, die Tochter Brandvold's und semer norwegischen erstenGattm. Das nenne ich schauderhast schnell sich zu einem Ausfluge rüsten ! rief sie Karen und Andrew au, bevor sie bei denselben eintraf. Fünf Minuten Ohne die zugegebenen fünf Minuten, siel Andrew lachend ein. Und hätte ich deren dreimal so viel zugegeben, so befanden Sie sich in einerGer nr f . jC . r Oi j jeuieyai.!, in weiter it ynen unmerinry verstreichen mußten, versetzte Helga lachend. Das Berechnen der Zeit ist nebenbei eine Unhöflichkeit gegen meine gute Tante Karen ; und blieb ich Ihnen zu lange, weshalb begaben Sie sich nicht längst au? den Weg? Ohne Ihnen Lebewohl gesagt zu yaben? Das laffe ich gelten, Andrew, versetzte elaa munter, allein an dem Lebewohl ist Mir weniger gelegen, llis UN ven kdiw Ken, welche ich Ihnen an meinen Vater ' y- ,4 5, . .. ... . ... . .fa v. rti austragen wollte. 'Sie inemen mir uoer Haupt nicht mit, wie Sie ihn verlaffen haben. Seit mehreren Tagen sah ich ihn rncyl, antwortete Andrew zutraulich. Er hatte sich mit einigen Freunden nach den EoloI v !Y..f. !X -1 t. .. Nleen am arsiuy oegeoen, uy giuuuc uui mit dem Apostel Dowlas zusammenzutreffen. Er muß sich also ganz wohl besindcn. Lange ist er nicht hier gewesen, versetzte kelaa bedauernd, arüßen Sie ihn herzlich von mir und fügen Sie hinzu, ich hoffte auf seinen baldigen Besuch. Jedes Wort trage ich ihm gewiffenhast zu, entgegnete Andrew, und seine Ant- ? ' , ö 0 .... i ' ..i4 worl icnnc ill) im voraus. ium unstreitig : Wenn dem Kinde an seinem Vater aeleaen ist, warum siedelt es nicht nach der Stadt über, wo es alle age um . . . ' ihn sem könnte? Er erröthete leicht, als er emem stra senden Blick aus Karen's Augen begeg nete ; dann weidete er sich wieder an dem autmütbiaen Svott. mit welchem Helga antwortete : Ebenso berechtigt konnte un -" ' . . . . . V verlangen, daß mein Vater hierher zöge ; nein, Andrew, nach der Vtaot komme icy nicht, so lanae ich Nicht dazu gezwungen werde, und das geschieht nie. Und was entbehre ick bier? Nichts, aar 'nichts ! Die Spannung, welche sich eben noch in Karen's Antlitz ausprägte, wich vor einer unendlichen Milde, indem sie sich an Helga wandte. Nein, mein theures Kind, sprach sie vielleicht ernster, als es ursprünglich in ihrer Absicht lag, kein Mensch wird Dir Zwang auferlegen, dafür sorgte Deine arme Mutter in ihrem letzten Willen. Und em Versprechen, das in die Hand einer Sterbenden gelegt, muß jeder heilig halten. Der Lärm, mit welchem die Utahbur , lui vit ?iiut ijtiuciuiuujicu, iuue cuic Fortsetzung des Gesprächs verhindert. V STi flAfkAlflA4iAM Y

Karen und Helga waren unterdcffcn auf der Treppe nach dcr Einfriedigung hinaufgestiegen und hielten sich auf der Außcnjcite zum Aussitzcn bereit. Leicht gelangten sie von dem erhöhten Standpunkt aus in den Sattel, und fast eben so schnell ritten sie im gestreckten Galopp davon. Helga jubelte, Andrew, welcher sie bald einholte, lachte. Und fo erreichten sie wie im Fluge das eigentliche Ufergebiet des Jordan. Dort hielt Karen ihr Pferd plötzlich an. Bis hierher und nicht weiter, sprach sie anscheinend sorglos, als Helga und An drew, die eine Strecke vorausgcrittcn waren, wie ein junges Centanrenpaar ihre Pserde herumwarfen und zu ihr zurückkehrten, die armen Thiere schäumen, wir werden eine halbe Stunde zur Rückkehr gebrauchen, sollen sie keinen Schaden davontragen. Und ich? fragte Andrew enttäuscht. Nun, ich denke, ein Reitersmann wie Sie dürste eine solche Frage nicht stellen, antwortete Karen freundlich hu, wie die

Nebel uns hier so kalt streifen und wie erhitzt Du bm. velaa leben Sie wohl. mein junger Freund, und sie reichte Andrew die Hand, grüßen Sie Brandvold; sagen Sie ihm, aus der Farm befände sich alles ln bester Ordvunq, und wie es uns selbst ergeht uun, wir haben es ja durch das tolle Rennen bewiesen. 3. Capitel.-? J'üchtling. Eine Woche war verstrichen, und wiederum hatten Karen und Helga ihren Spazierritt angetreten. Auf einem in dem Artemisiagestrüpp gebrochenen Pfade die Windungen des Baches abschneidend, suchten sie in derRichtuna nach demWahsatsch - Gebirge eine Bodenerhebung zu gewinnen, von welcher aus sie sich eines weiteren Ueberblicks über das Thal zu erfreuen pflegten. Eme kurze Strecke hatten ne heimwärts zurückaeleat, als Helga's Pferd, welches vorausschritt, plötzlich scheute und trotz emes scharfen Hiebes nicht vorwärts zu bringen war. Einen Wolf oder Jaguar m der Nachbarschaft vermuthend, neth Karen, den Bach zu verlaffen und aus der Ebene das Weite zu suchen, als eine matte Stimme sie anrief und mit herzzerreißendem Ausdruck flehte, einen vor Entbehrung Sterbenden nicht elendiglich umkommen zu lassen. Ihre letzte Scheutesiegend, trieben sie die Pferde gewaltsam an, und um eine Biegung des Ufers herumreitend, erhielten sie einen Anblick, der wohl geeignet war, das tiefste Mitleid zu erregen. Ein ursprünglich kraftvoll und hochgewachsener junger Mann in zersetzten und verschliffenen Kleidern lag hart am Uferrande, wo er offenbar vor Schwäche zusammengebrochen war. Ich sterbe vor Hunger und Erschöpfung, flehte er kaum verständlich, einen Bissen Brod gebt mir zu dem Waffer des Baches, mag dann aus mir werden, was da wollen Um Gotteswillen, wie kommen Sie ! hierher und in eine solche traurige Lage ? fragte Karen theilnahmsvoll, wahrend Helga's Augen sich vor Mitleid umflorten. Wie ich hierher komme? fragte der Unglückliche mit einem unsäglich bitteren Lachen zurück. Gehetzt hat man mich. auf Wege getrieben, aus welchen ich meine letzten Lebensmittei verlor und froh sein mußte, mit unbeschwerten Händen mich vor dem Hinabstürzen in schauerliche Ab grunde zu bewahren. Todesmatt und halb verschmachtet gelangte ich endlich auf emen Punkt, von welchem aus ich emen Ueberblick über dieses Thal gewann und in der Ferne eines Heimwesens ansichtig wurde. Mühsam kletterte ich hinab, erqumte mich durch emen Trunk, und eme Rotte unbarmherziger Feinde in der Nähe wiffend, setzte ich meine Flucht in diesem Bache fort. Bis hierher kam ich, dann waren meine letzten Kräfte erschöpft ich fühle es ich kann nicht weiter sind Sie Mormonen ? Nein, Mormonen nicht, fiel Karen bestürzt ein, als sie gewahrte, daß des Fremden Antlitz sich m verhaltener Wuth förmlich verzerrte, und mit einem Seitenblick auf Helga, die in mitleidvolles Anschauen versunken, neben ihr htelt, lerne sie warnend einen Finger auf ihre Lippen, nem, nicht Mormonen, wiederholte sie, wenn auch in engster Beziehung zu solchen stehend aber Sie leiden es muß Hülse herbeigeschafft nrden ; - Helga, reite nach Hause und bringe, wa8 Z)u in der Geschwindigkeit zusannnenrassen kannst. Helga kehrte ihr Pserd um, und das Bett deöBaches verlaffend, schoß sie auf ihrem flinken Renner wie ein Vogel dahiu. Karen blickte ihr nach. Sie ist eine Mormonin, hob sie mit der ihr eigenthümlichen überlegenden Ruhe an, indem sie mit ihrer Gerte nach der Richtung hinüberwies, in welcher der Hufschlag von Helga's Pserd verhallt war, ich danke Ihnen, daß Sie meinen Wink beachteten, denn das treueKind verdient nicht, in seinen Gefühlen dem Vater gegenüber gekränkt zu werden. Mit mir ist es ein anderes. In wie nahen verwandtschastlichen Beziehungen zu beiden ich auch stehe, so einigt uns doch nicht daffelbe Glaubensbekenntniß. Um so mehr betrachte ich es als meine Pflicht und gnviß bin ich von treuesten Absichten durchdrungen Sie nach dem zu fragen, was Ihnen auf den Lippen schwebte, als ich Ihre Mittheilungen hemmte. Ich errathe es fast, diejenigen, welche Sie als erbarmungslose Feinde bezeichneten, sind sind Mormonen ! Mormonen, bestätigte der Fremde zögernd, als hätte es ihm widerstrebt, Karen's würdevoller Erscheinung gegenüber die Wahrheit einzuräumen. Ich sah eine Heerde drüben am Fuße . . , n . it. er .er 0C5 Mvirges, geyori ne lyrcii -oui gern? Ueber das bleiche Antlitz des Fremden eilte der Ausdruck eines unversöhnlichen Haffes,' und solchen Empfindungen rucksichtslos nachgehend, antwortete er heftig: ' . w Mormonen sind es, weiche ncy oerleioen bemächtigten, nachdem sie deren Besitzer t C. 2 4 aT4ü t A ffy C feige aus einem junciyu" hvjjiw sen hatten Es kann nicht sein unmöglich, siel Karen erbleichend ein, und wie ein Mtz durchzuckte ihren Geist die Erinnerung an die verhSngmßvollen Mittheilungen An-

drew's und daß er von ihres Schwagers Abwesenheit gesprochen hatte. Hier liege ich, ein elender, gebrochener Mann, fuhr der Fremde fort, und da darf mir wohl kaum zugetraut werden, daß ich Ereigniffe schildere, welche mein Auge nicht sah. Ja, Augenzeuge war ich, wie achtzehn arglose Männer von ei nem Hinterhalt aus wie Raubthiere hingestreckt wurden ; Zeuge war ich, wie die Mörder, um den Verdacht abzulenken, ihrem Verbreche schamlos einen india nischn Stempel ausdrückten. Und auch mich, den ohnmächtigen Zeugen einer entsetzlichen That, den einzigen Ueberlebenden, hätten sie nicht geschont, wenn es mir nicht gelungen Nicht weiter, siel Karen mit ersterbender Stimme ein, nein, jetzt nicht; ich kann es nicht fassen. Mein Gott, mein Gott, wie soll ich das ertragen ? Eine Aufgabe liegt vor mir, der ich nicht gewachsen bin,' die mich erdrücken muß. ' Einige Minuten sah sie grübelnd in das sprudelnde Wasser hinab. Sie sind Ausländer? fragte sie ruhig, indem sie sich dem sie erstaunt beobachtenden Fremden zukehrte. Norwegen ist meine Heimath. Karen's Wangen rötheten sich leicht. Als sei eine tröstliche Kunde zu ihr gedrungen, erhielten ihre Augen erhöhten Glanz. Norwegen ? wiederholte sie, wie die Wahrheit des Vernommenen bezweifelnd. Olaf Arnesen ist mein Name, hieß es befremdet zurück, im Lärdal liegt meine Geburtsstätte Am Lärdalsalf, der in tausend Wasserfällen und Eascaden dem Sagenfjord zutost, unterbrach Kann ihn mit flüchtig auflodernder Begeisterung. Sie kennen meine Heimath? fragte Olaf gespannt. Sollte ich mein eigenes Geburtsland nicht kennen ? So seien Sie mir doppelt gegrüßt, hob sie darauf, jetzt aber in ihrer Muttersprache an, indem sie Olaf die Hand reichte, einmal als Hülfsbedürstiger, dem Beistand zu leisten die heiligste Menschuipfli'cht ist, und dann als Norwege, der vielleicht dazu erkoren ist, zwischen mir und meinem theu ren Vaterlande neue Beziehungen anzuknüpfen, nachdem die alten vor einer lan gen Reihe von Jahren gewaltsam zerriffen wurden. Und nun erzählen Sie mir die Einzelnheiten des entsetzlichen Ereigniffes, deffen Zeuge Sie gewesen. Beinahe eine Stunde war dahingegangen, als Olaf endlich mit der Erzählung seiner Geschichte schloß. Karen hatte sich erhoben und spähte nach der Farm hinüber. Sie war todtenbleich. Selbst icr Anblick Helga's die in Begleitung des alten Utahs sich schnell näherte,' vermochte das in seiner gleichsam feindseligen Starrheit noch immer schöne Antlitz nicht mehr zu beleben.

Herr Olaf, kehrte sie sich nach einer langen Pause diesem wieder zu, um keinen Preis mochte ich aus freundlicher Schonung über dieses oder jenes im Unklaren erhalten werden. Ich klammere mich bange an die Möglichkeit an, daß Sie getäuscht wurden, wenigstens Brandvold nicht mit zu den Mördern gezählt werden vars. Unvergeßlich sind mir die drei Namen, welche über mich hingesprochen wurden : Dowlas, Billot und Brandvold, unvergeßlich wie die Gestalten und Physiognomieen, welche sich trotz der Entfernung meinem Gedächtniß wie mit feurigen Umrissen einprägten. Unter Hunderten würde ich jedem einzelnen von ihnen herauserkennen. Die Erfahrungen auf dieser Seite des Oceans waren nicht geeignet, die Sehnsucht nach meiner Felsenhelmath abzu schwächen, fuhr Olaf nach einer Pause fort, feit Monaten trug ich mich mit dem Gedanken, die Rückreise sobald als möglich anzutreten. . Durch die jüngsten Erlebniffe ist indessen die Ausführung dieses Planes m noch weitere Ferne hmausgeschoben worden. Sprechen wi? offen, Herr Olaf, so os- J sen, wie es Kindern derselben Erdscholle geziemt. Es fehlen Ihnen die erforderlichen Mittel. Ich räume eS nn, mit Glücksaütern bin ich nicht gesegnet. Das war die Ursache, daß rch nicht schon m New Dork umkehrte. Wir Gebirgsbewohner hangen ja fester an der Heimath, als andereMen sehen. Doch entscheidender für mein länm... 5 ? t r r...c. geres nermelien m oem rremoen anoe, als der Erwnv der fehlenden Mittel, ist jetzt die mir aus dem gewaltsamen Tode der Reisegefährten erwachsene Verantwortuchkett. Aber wie, wenn eine begüterte Person sich fände, Ihnen zur beliebigen Rückzahlung eine entsprechende Summe vorzu schießen ? Olaf sah forschend in die auf ihn gerichteten ruhigen Augen. Seine bleichen, hageren Wangen rötheten sich matt. Dann antwortete er : Nimmermehr würde ich auf ein solches Anerbieten eingehen; am wenigsten in einem Falle, invelchem es den Anschein gewänne, als sollte dadurch m?in Schwei gen erkaust werden. Karen lächelte bitter. Sie legen meine Worte als beabschtigte Bestechung aus, sprach sie in gütigenl Tone, ich zürne Jhnen deshalb nicht. Wäre hingegen in meiner augenblicklichen Lage der Versuch einer solchen vielleicht- gerechtfertigt, so würde ich doch nie wagen, Ihnen einen daraus hinzielenden Vorschlag zu machen. Nein, gewiß nicht. Andere Gründe sind es, die mich zu dieser Frage bewegten. Gründe, die so schwer wiegen, daß ich es nicht beschreiben kann. Ich erinnere Sie daran, daß ich vor vielen Jahren derHeimath gewissermaßen gewaltsam entrissen wurde ; daß ich bisher durch Bande an daö Salzseethal gefesselt war, welche zu sprengen ich nicht Kraft, auch nicht die Neigung besaß, oder ich wäre längst heimwärts gezogen. Hegte ich den Wunsch, daß Sie den mittelbar gestelltenVorschlag willkommen heißen möchten, so trug mich die stille Hoffnung, daß Sie mir drüben einen Dienst leisten würden, mit welchem ich nicht jeden betrauen darf, dessen in Briefen zu erwähnen sogar die traurigsten ffolaen für mich und Andere haben könnte. Und an wen in te? alten Heimath könnte ich noch schmoeH Zugeben muß ich frei lich, daß durch 'Ihre Entfernung von dem amerikanisä)en Kontinent manche schwere

Sorge von meiner Seele genommen würde. Die Dienste, deren Sie erwähnen und deren Erfüllung mich wahrhaft beglückte, darf ich sie übernehmen, nachdem ich hier meine Aufgabe gelöst haben werde ? fragte Olaf mit ängstlicher Spannung. Nein, antwortete Karen fest, denn bis dahin mag ich mich selbst an Ört und Stelle begeben haben. Nur noch eine Bitte richte ich an Sie ; ich begründe sie dadurch, daß ich Ihnen den Namen mei ner Nichte nenne. Helga Brandvold Brandvold! fuhr Olaf sichtbar erschüttelt auf, sank indessen sogleich wieder kraftlos zurück. Sie ist die Tochter jenes Brandvold, dessen Sie erwähnten, des Gatten meiner verstorbenen Schwester, bestätigte Karen. Sie ersehen daraus, wie streng es gebien ist, dem armen, warmherzigen Kindegegenüber die äußerste Vorsicht walten zu lassen. Ueber Ihr Verhalten im Verkehr mit meiner Nichte, der sich voraussichtlich in nächsterZeit häusiger wiederholen wird, brauche ich keinen Rath zu ertheilen ; dagegen bitte und beschwöre ich Sie bei allem, was Ihnen heilig, lieb und theuer : was auch immer in Ihrer Absicht liegen mag, übereilen Sie nichts ; gönnen Sie mir Zeit, meine Vorkehrungen zu treffen, daß, wenn es denn nicht anders sein kann, das Verhältniß nicht zu schwer und vernichtend aus sie hereinbricht. Helga Brandvold, flüsterte Olaf, und ich soll seinBrod essen, unter stinem Dache schlasen, unter dem Dache eines er stockte. . Sprechen Sie es immerhin aus, .versetzte Karen ohne ein äußeres Merkmal ihrer tiefen Erregung, o, sprechen Sie aus, so lange es noch Zeit ist. Das Brod eines Mörders, unter dem Dache eines Morders, wenn ich selbst auch das Schrecklichste nicht glauben kann, nicht glauben will. Nein, nimmermehr ! Ihre Verdachtgründe sind kein Beweis, oder ich müßte sein Haus sie brach ab und nachdem ihre Stimme beinahe bis zur Heftigseit gewachsen war, fügte sie milder hinzu: Sein Brod sollen Sie nicht essen, fondern das meinige, wie ich selbst ohne Bedenken Ihre Gastfreundschaft im Lärdal annehmen würde, und unter seinem Dache zu schlafen o, das verbietet sich von selbst. Denn wie ich Ihre Lage beurtheile, muh Ihre Anwesenheit in diesem Thale Geheimniß bleiben; das aber wird aus der Farm zur Unmöglichkeit, weil wir keim Stunde vor Besuchen aus der Salzseestadt sicher sind. Unserer gewöhnlichen Umgebung dürfen wir trauen. Sie besteht aus dankbar gesinntenEingeborenen, die besser als Weiße ein Geheimniß zu bewahren wissen, und Helga ist ja zu sehr gewohnt, sich von mir leiten zu lassen, um von ihr eine Unvorsichtigkeit befürchten zu brauchen. Jh treue Ergebenheit ist aber eine Frucht des Umstandes, baß sie schon jetzt, obwohl Mormonin, gleichsam ahnungslos die zwischen ihr und dem eigentlichenMormonenthumbestehendeKluft anerkennt. Nem, in unser Haus sollen Sie nicht geführt werden. Aber näher nach der Farm hin, auf dem Ufer dieses Baches, da drängen sich mehrere niedrige Bäume zu einer Gruppe zusammen, in deren Schatten' Helga und ich so manche Stunde verbrachten. Dort soll Ihr Asyl sein ; dort soll Ihnen treue Pflege zuTheil werden. Doch hörten Sie vielleicht zufällig von einer Wittwe Engelid sie muß freilich schon sehr alt sein ihr Mann war

Fischer. Engelid ? Engelid ? fragte Olaf zurück. Nein, ich erinnere mich nicht, diesen Namen jemals gehört zu haben. Sie soll in der Nachbarschaft des Soanefjords auf einer Schäreninsel gewohnt haben, erläuterte Karen, ich hätte gern etwas über sie erfahren; die Aermste mag todt sein. Da entsinne ich mich eines andern, bemerkte sie nach einer Pause wie beiläufiu : von ihm wciß ich freilich, daß er längst auf dem Ulceeresboden schläft, allein wissen möchte ich, ob sein Andenken drüben noch fortlebt. Thorbjörn war snn Name, em so verwegener Seemann, wie nur je mit seinem Schiffe dn Meereswogen getrotzt hüt. Auch der Name ist mir fremd, erklärte Olaf bedauernd, denn obwohl Karen sich zu beherrschen verstand, entging ihm nicht, daß sie die Farbe wechselte und, als sei es zusällig geschehen, indem sie sich Helga .. .- C f. l. r. i wieoer zuieorie, oie ano auls yerz legte. Ich brmge alles ! tonte eme helleStlmme aus der Ferne herüber, und zugleich unterschied Olaf den Hufschlag scharf getriebener Pferde. Das beste was ich sinden konnte ! Der Sicherheit halber zwei Decken ! Solch liebes, bedachtsames Kind, svrnch Karen halblaut vor sich hin, und wie ein Ausdruck der Rührung eilte es üb ihr schönes Antlitz ; mochten die Ungewitter, welche Dein theures Haupt bedrohen, harmlos an Dir vorüberziehen. Du treues Herz. Ich bringe Alles, wiederholte Helga, und ihr liebliches Antlitz glühte vor Eifer und infolge des anstrengenden Rittes, Wein, Brod, Fleisch und Decken zu einem bequemeren Lager ; dann nahm sie von dem Utah alles m Empfang, was derselbe aus zwei großen Sotteltaschen hervorzog und ihr darreichte. Von ihr nahm es Karen, und als Groß - Elk endlich vom Sattel stieg, da war aus dem Rasen der Tisch sür Olaf bereits gedeckt. Zu ihm aber setzten sich die beiden freundlichen Gestalten, ihn mit gleicher Theilnahme einladend und bedienend. Die Sonne berührte die gezackte Linie des westlichen Horizonts, als die. kleine Gesellschast die Stätte der Rast verließ und auf dem Ufer des Baches langsam dessen Laufe folgte. Olaf ritt da3 Pferd des Utah's. Zu beiden Seiten von ihm befanden sich Karen und Helga. In ge ringer Entfernung folgte Groß-Eik, argwöhnisch nach allen Richtungen über die Artemisia-Ebene hinspähend. Auf einer durch den Bach gebildeten schmalen Halbinsel, wo mehrere verkrüv pelte, aber ireitkronige Weidenbäume zu einer Art Laube zusamiMnrückten. land Olaf ein Unterkomme, wie es seinen Wünschen entsprach.. 4. apitel. N4e chreikAkd. Eine Woche xqax verstrichen, ohne daß , Karen und fcefoa in ibrer landlicke Ein. samleit durch irgend einen Besuch gestört

worden wären. Olaf hatte sich vollständig erholt, verließ sein sicheres Versteck aber nur, um in Gesellschaft der beiden freundlichen Pflegerinnen sich in der Nachbarschast zu ergehen. Immer noch schob Karen es auf, Olaf den Rath zur Flucht zu ertheilen, obwohl Alles so eingeleitet und vorbereitet war, daß er zu irgend einer Stunde aufbrechen konnte. Die letzten Nachmittagsstunden hatten Karen und Helga bei ihrem Schützling verbracht, als sie heimkehrend einen Reiter entdeckten, der sich vom Jordan her mit gemäßigter Eile der Farm näherte. Als er bald nach ihnen eintraf, erkannten sie einen Mormonen, welcher als Postreitcr zwischen dem Großen Salzsee und dem Utahsee vermittelte und auf Brandvold' Farm zu übernachten pflegte, namentlich wenn ihm von Brandvold noch besondere Austräge ertheilt worden waren. Heute überbrachte er nur Grüße und die Kunde von dessen Wohlbefinden. Er ist recht beschäftigt gewesen in der letzten Zeit, erzählte er forglcs während des Abendessens, wurde nämlich mit in die Jury gewählt, und beinahe eine Woche haben Geschworene und Richter gebraucht, um endlich mst ihrem Wahrspruch fertig zu werden. Karen fühlte das Blut in ihren Adern stocken. Von den schwärzesten Ahnungen

beglichen, fehlte ihr im ersten Augenblick VM . ' rf f V der 'LXuty. aus dieses Geprac einzuge ben. Um was handelte es sich ? fragte Helga unbefangen. Um nichts Geringeres, als die Schurken, welche vor vierzehn Tagen die Karawane plünderten und zu diesem Zweck den Massenmord begingen, hieß es gleichmüthig zurück. . So hat man die Schuldigen entdeckt? forschte Helga lebhaft weiter, dann aber, wie den starren Blick Karen's fühlend, sah sie u dieser hinüber. Flüchtige Verwirrung bemächtigte sich ihrer, als sie durch ein nur ihr verständliches Zeichen davor gewarnt wurde, sich eine unvorsichtige Aeußerung über ihren Schützling entlocken zu lassen. Sicher hat man sie eingefangcn, antwartete der Postreiter, und fein Appetit schien während des Essens zu wachsen, leider nur drei, zum Glück aber die Leiter des niederträchtigen Unternehmens, wogegen ihre indianischen Mordgehülfen entkamen. Wer weiß, vielleicht fallen uns dennoch einige dieser rothhäutigenSchurken in die Hände. Was gedenkt man mit den Missethätern zuthun? fragte Helga wiederum schüchtcrn unter der Wucht der sie durchschauernden Kunde. Nichts weiter, als sie zu hängen. Es war übrigens eine aufregende Sitzung, hatten sich nämlich mehrere Parteien ge bildet. Einzelne geinten, daß hk Beweise nicht genügten ; andere hielten die Schurken des Prozesses nicht für werth und wollten gleich ein Ende mit ihnen machen. Aber der Apoftel Dowlas und Brandvold, die sprachen mit einem Feuer und Verständniß, daß es bei allen durchschlug, während Billot wieder Beweise für dieSchuld der Angeklagten vorbrachte, die der geriebenste Adrwkat nicht zu widerlegen vermocht hätte. Wie lautete das Urtheil ? fragte Karen, mühsam eine gewisse äußere Ruhe erzwingend. Hängen, antwortete der Postreiter kaltblütig, hängen, wie sich's für Raubmörder geziemt. Morgen Nachmittag Punkt sechs Uhr findet die Hinrichtung statt. Schade d'rnm, daß ich nicht zugegen sein kann! , Nach dem Utahsee wollen Sie ? suchte Karen dem Gespräch eine weniger peinliche Wendung zu geben, doch verrieth sich in ihren Augen eine eigenthümliche Spannung. Nach dem Utahsee, hieß es zurück ; ich werde wohl einige Tage, wenn nicht länger, dort bleiben müssen. Wann beabsichtigen Sie 'meder aufzubrechen? Morgen, früh, das hetf.t, ich brauche mich nicht zu übereilen. Der Postreiter erhob sich. Als seine Schritte auf dem Hofe verhallt waren, ergriff Karen ihrer Nichte Hand. Helga, hob sie flüsternd an, letzt zeige. daß Du nicht mehr Kind bist. Nimm Deine ganze Kraft zusammen un stehe treu zu mir, wenn ich versuche. Unschuldige vor einem schmachvollen Ende zu bewahren. So sind sie unschuldig ? fragte Helga bestürzt. An dem ihnen zur Last gelegten Nerbrechen so unschuldig, wie Du oder ich nur sein können. Doch frage jetzt nicht weiter. Was zu wissen Dir frommt, vertraue ich Dir zu femer Zeit an. Jetzt gilt es nur, zu handeln, schnell und mit Ueberlegung zu handeln. I, die drei Menschen, die man zum Tode verurtheil te, sind unschuldig. Ich weiß es aus dem Munde Jemandes der kein frevelhaftes Spiel mit der Wahrheit Mibt. Ich weiß es von unserem Freunde Olaf. Die Beschreibung feiner Verfolger paßt am wenigsten auf zwei Weiße und einen Halbindianer. Er kennt die Verbrecher, und gerade darin liegt für ihn die Gefahr. Er muß von hier verschwinden, so bald wie nnr irgend möglich. Wenn Alles im Hause zur Ruhe gegangen ist, will, ich noch einmal zu ihm hinaus. Vielleicht gewinne ich durch ihn die Mittel, die. unglücklichen zu retten. Trugen mich meine Erwartungen, nicht, so reite ich rzsrgen selbst nach der Salzseestadt. Ders Po'lreiter müssen wir in unverdächtig Weise r -y i r cm ,k ?(t sruyzelllg aus oe Lveg yeisen, oer mv komme zu spät. Vor ihm dars ich die Farm nicht verlassen; sein Argwohn möchte erwachen, und dann ist es um unfern Fnund geschehen. Wuudere Dich dabei über nichts, was Du mich thun siehst. Ebenso wenig frage, sondern folge blindlings meinen Anweisungen. Tante Ken, Du erschreckst mich, ftästerte elga zagend. Alles klingt fo geheimnißvoll. Beunruhige Dich nicht, fiel Karen Hütig ein, und wenn Bangigkeit Dich zu übermannen droht, schöpfe neuen Muth aus dem Bewußtsein getreuer Pjlichterfüllung. Das Geheimnißvolle dagegen laß Dich nicht gereuen; im Gegetheil betrachte es als einen Beweis weiner opserwilligen Liebe zu Dir und Deiner todten Mutter.

Abseits von dem den Eingeborene? geräumten Schuppen brannte ein durrn? genährtes Feuer. Groß-Elk saß vor! demselben auf der Erde, beide Arme aus die emporgezogenen Kniee stützend. ; Gleich darauf erkannte er Karen, die sich mit geräuschlosen Schritten demFeuer näherte. Groß'Elk, hob sie gcdümpst an, sobaw sie bei ihm eingetroffen war, wenn ich heimlich hierher schliche, so wißt ihr, daß ich Ursache habe. Groß-Elk und alle, die zu ihm gehören, verstehen zu schweigen, antwsrkte der Utah in aebrochenem Englisch. Gut, ich weiß, daß ich aus Euch bauen kann. Nun hört: Wo ist das Pserd des Postreiters ?. Hab's zu den andern Thieren aus die Weg getrieben. Dort mag eS bleiben, bis der Tag graut, befahl Karen, dann holt es herbei und gebt ihm ein gutes Futter. Auf ein Zeichen von mir bringt es gesattelt vor die Hausthür. Fragt der Postreiter nach der Ursache, so antwortet, ich hätte gesagt, er wolle früh aufbrechen. Vcrpehl mich wvhl, Groß-Elk, mir ist daran gele-' gen, daß er sobald wie möglich die Farw verläßt. Hab's verstanden. Miß Karen, versetzte der Utah, will den Gaul prickeln mit ei-, nem Dorn, daß er ungeduldig wird. Macht, wie ihr wollt. Doch weiter: Sucht von 'unseren Pserden dasienige aus, welchem ihr den besten Athem zu-' traut : gebt ihm ebenfalls ein gutes Mais-

sutter, denn es soll mich in ununtcrbroche nem Ritt nach der Stadt tragen. Ein weiter Weg nach oer Stadt. Nicht zu weit für ein gutesThier, Groß Elk. Ich muß morgen eine Stunde vor Soivenuntergang dort sein, und ginge das arme Geschöpf darüber zu Grunde.. Nun begleite mich. Ich will den Fremden sprechen. Erschrocken suhrOlaf aus tiescmSchlas empor, als er seinen Namen nennen hörte und die von der Dunkelheit verschleierte' Gestalt KarenS vor sich stehen sah. -t DaS bedeutet nichts Gutes, waren die ersten Worte, welche er in seinem Erstau-.. itrt fand, möge der Himmel geben, daß Ihre gütige Theilnabme für Andere nicht Ihnen selbst zum Nachtheil gereicht ! Rein, nein, versehte Karen milde, aber iH segne die Stunde, welche uns zusammensührte, weil es dadurch in meineHand gelegt wurde, einem zweiten, nie wieder zu sühnenden Verbrechen vsrzubeugen. Dach die Zeit drängt, und ich muß wiktu, so Sie mir die Mittel zurBersugunz euen, deren ich zu memem Vorhaben ve?rf. Alles, Alles, was ich thun kann, hob ylaf an, als Karen mit der ihr eigenthümlichen, würdevollen Ruhe einfiel: Versprechen Sie nichts, was Sie nicht inseinem ganzen Umfange kennen Hier' ist ein Licht. Befestigen Sie es im Rasm und zünden Sie es an. Ich habe mitgebracht, waS zum Schreiben eines Briefes erforderlich da, hier ist es, fuhr öe fort, und sie kniete neben Olaf nieder, oer mit fieberhafter Haft ihren Anordnnngen Folge leistete ; in der Mappe liegt Papier nehmen Sie von dem gröberen hier, eine Bleifeder. Nun schreiben Sie in englischer Sprache nieder, was ich diktire. Ein Todeöurtheil? fuhr OUs aus, indem er glaubte, falsch verstanden zu haien. ' Schreiben Sie, erwiderte Karen düster, schreiben Sie und alles wird Ihnen klar werden. Sobald sie bemerkte, daß Olaf die Bleifeder ansejte, hob sie en : Die Herren Brandvold, Dowlas und Billot erden hierdurch aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die zum Tode Verurtheilten, zwei weiße Jäger und ein Halbindiner, sofsrt in Freiheit gesetzt werden, ihr Eigenthum unbeschädigt zurückerhalten und mn sie ungehindert ihres Weges ziehen lößt. Sollte dieser Aufforderung nicht pünktlich Folge geleistet oder gar ein Jstizmord begangen werden, so fuhrt mein erster Weg z der nächsten Behörde im Osten, um daselbst die Anklage gegen die wirklichen Mörder zu erhebe. Ich selbst, der einzige Ueberlelnde der unglückseligen Karawane id Augezeugedes Ueberfalles, besinde mich außerhalb des Bereiches Ihrer Gewalt. Sollten Sie meine Worte bezweifeln, Herr Dowlas und Herr Billot, so erwecken folgendeBemerkungen vielleicht Ihren Glau ben Nun fügen Sie selbst hinzu, was Siein: Ihrem Versteck erlauschten, bemerkte Karen, als Olaf, nachdem er geendigt, bestürzt zu ihr emporsah. Das ist furchtbar, sprach er dumpf. Ein Weilchen zögerte er, dann entstand unter der Bleiseder : Das war ein so feiner Streich,, wie nur je ein gegen die Heiden eingeleitete Unternehmen aegUZM ist. Der Herr hat sie in seinem. Zorn geschlagen ! Si erlitten kein anderes Loos, als die Feinde unserer reinen Glaubenslehre jedem Ein zelnen der. Unsrigen bereiten möchten!. Mich beunruhigt, dß es nur ihrr achtzehn sind Ich denke, das wird genügen, um meiner. Aufforderung bei Ihnen Eingang zu verschaffen. Hier schloß Olaf. Nachdem er die eigene Nachschrift Karen vorgelesen hatte, diktirte diese weiter : .Wird meiuem Verlangen pünktlich Folg geleistet, so verspreche ich. leine unmittelbare Anklage gegen die Mörder zu erheben " Ich soll ich verpflichte? versetzte Olaf erbleichend. Wer das sah was ich beobachtete Ich weiß, was Sie bewegt, unterbrach Karen ihn sanft, aber Sie übeisehen, daß es mein Brief ist, welchen Sie schreiben, ich nur Ihrer Hand mich bediente, um keinen Verrath an mir selbe? zu beKehen ach, welche Folgen könnte das haben - außerdem wählte ich Nicht ohne ueberlegung das Wort unmittelbar. Schreiben Sie, schreiben Sie; retten Sie durch diesen Brief auch nur einem Menschen das Leben, so wird die mögliche Straflosigkeit der Schuldigen dadurch zehnfach kusge-. wogen. (Fortsetzung folgt.) Können Sie mir niHt sagen, ob hier in der Käsern' em Soldat ist, der Schulze heißte WaS lst er denn V

.Mein Schatz!-