Indiana Tribüne, Volume 4, Number 202, Indianapolis, Marion County, 16 April 1882 — Page 4

Mnd und Ujitttt.

Stit ?r S. A:nkc?. Anfang undFortentwickelung derAittcrungskund'e.' Tie Anfange dcr' Witterungskunde reichen rückwärts weit überlas Alter des 'McnschcrigeschlcchtZ hinaus.- .Sind nicht Zugvögel, Spinnen, Laubfrösche und manche andere Thiere noch heute als die besten Wetterpropheten geschätzt? haben nicht sowohl nach wissenschaftlicher wie nach biblischer Schöpfungsgeschichte diese ThicrüaZsen schon lange vor dem Menschen existirt ? Oder sollte früher ihr oder ihrer Verwandten Instinkt weniger entwickelt gewesen sein als heutzutage? Welches Geschöpf, das nicht gerade m der Tiefe des Meeres lebt, bleibt denn überhaupt unberührt von den Veränderungen der Witterung oder doch derJah. re-zeiten? So hat also sicherlich auch das Men schengcschlecht zu allen Zeiten seiner Existenz und in allen Klimaten eine Art von WUterungskunde gehabt. Meinun. gen über das bevorstehende Wetter, woran iteh dann Vorstellungen über die Ursachen und das Wesen von Wind und Sturm, Regen und Dürre, Wärme und Saht, Blik und Donner anschlössen. Aber wir wollen uns nicht ergehen in dem Aufhlcn der verkehrten Ansichten, denen man etwa im Alterthum huldigte sder die man noch heute bei den wilden Völkerschaften in Amerika und Afrika findet. Wir hätten viel eher Vcranlassung, auf die vielen verkehrten und abergläubischen Ansichten Rückficht zu nehmen, lk noch heute in Europa findet und gegen welche die Wissenschaft noch lange anzukampsen bben wi:d. Ucberalllst llnwissen$tit die sicherste Stütze des Abcrglau bcns, nicht ciwa weil dadurch das Ein dringen einer absitzt! Ä gefälschten Lehre rnöglich würde, sc.dttn vor Allem des:?cgen, weil beim Fehlen einer richtigen Le'.'?c die sy.fi e ;uni Bedürfniß wird. Tu han:a',ic r.u5 ergänzen, was an dc? Kenntniß r-.27.gelt. Die Sachc der ist csier wie überall, rich kigc VcrstcHiinccn üt-crsicgciiö an die Stelle der iriimitifn zu setzen. Geling: dies, ss r:rd :cr Aberglaube von selbst rc:sch:7!n. Und sie hätten gerade die Witte ru72":::c7; richtig gedeutet werden icr.nen, ic icr-gcman sie nur auf beschränken ?ciictc beobachten konnte? Die SinrsrJIrc nix allen in ihr sich fcurSiresacridcr. Eänsiüssen und Vorgängen is: nur ein frzr.it und kein Theil rrn ;:r Ilciit Itn Einwirkungen der übrizcn tr.ipzzr,. Wie konnte aber an eine jr.lchr c;r.iü:l:ic Betrachtung dieser Erscinungen cedeit werden, ehe über hupt die KugecstIt der Erde bekannt :rc: und ehe mar. rech langen Mühen 'cllrnclic. eine oonücende Kenntniß von ztzt, hc:l:r. Mcjcl VIcbus, von seinen C.Liizr. wi: von seinen Landmassen gerr inner: hc: ? Util Verwunderung sahen die portugief.s:?. xxi sterischen Seefahrer auf ihren rühren Er.:der.zsreisen die merkwürdige TuZ7.e7.dttsclZe der Zonen im atlantischen :tzr., jene? Zonen, in denen, jahraus jabrein, nordöstliche oder südöstliche Winde, wehen, die Passate, und zwischen inen die Zone der Wind flisssn v?r VI cT!ltV UUWI; MliV, Vtfc NVltllV V Vljtl lll tl V, bald mehr nach Rorden, bald mehr nach Süden wanderte. Und gar als sie um das Ccp der Stürme herum endlich siegreich in den indischen Ozean vordrangen, mußten sie zu ihrem Staunen erfahren, daß die dort herrschenden Winde, von Halbjahr zu Halbjahr abwechselnd, die Schisse mit vollem Winde von Afrika nach Indien hinüber und dann wieder hfl nhtn nr. Wrtn m fti&rf 7 QMV frV Jahrhunderte waren erforderlich, um die Umrisse der Erdtheile und Meere festzustellen, und um aus allen Theilen die zahllosen Thatsachen zu sammeln, aus denen sich allmälig die richtigeren Vorstellungen von dem ZusammenwirUn der verschiedenen Einflüsse aufbauen konnten. Instrumente mußten erfunden uerden, um die Temperatur, den Feuchtigkeitsgehalt, den Druck der Lust zu messe:., Instrumente, um den Regen zu sammeln, dieWinde zu messen nach Richtung und Geschwindigkeit, um die Strörnungen des MeereS zu erkennen, so an der Oberfläche wie in der Tiese, und wieder andere um die wärmende Kraft der Sonnenstrahlen zu sammeln und zu messen. Und immer wieder von Neuem mußten diese Instrumente erfunden und die Beobachtungen damit angefangen erdeu ; denn jedes konnte sich aus unVollkommenen Anfängen heraus erst sehr allmälig zu dem Grade von Vollkom menheit entwickeln, der erforderlich ist. venn die verschiedenen Beobachtungen dieser Instrumente unter sich verglich, dar sein sollen. Man ist daher auch beute noch lange nicht fertig mit dem Becbachten. Im Gegentheil, zu keiner Zeit ist fleißige: und ausgedehnter beo dachtet worden, als jetzt, und vielleicht a ... --.- T .:i v:- cn.it yar man zu in vle noillwenoig keit vermehrten, womöglich ununterbro chenen Beobachtens lebhaster empfunden als gerade gegenwärtig. Man hat es verstanden, immer mehr Beobachter heranzuziehen. Seit Jahr, zehnten ist, namentlich angeregt durch den Amerikaner Maury. die regelmäßige Beobachtung und selbstverständlich Ro tirung der oben erwähnten Instrumente alZ eine Pflicht aller intelligenten Seeleute anerkannt und geübt worden, und aus diesen den Gelehrten massenhaft zu strömenden Beobachtungen ist bereits eine ftiille von' neuen rlenntnlffen geschöpft worden, welche rückwärts auf die SeeZckinfabrt den allersörderlichstenEinsluß ausgeübt hat. Die günstigen Winde und Strömungen hat man seitfccni mit scvie! größerer Sicherheit aus. runden gelernt, daß auf manchen viel- . . . . . f- a u ! iAa(!( itU.t lajuitrieii siicutii vu wvtj-j'i um ein Drittel oder gar um die .hälsle cccn früher abgekürzt ist. Ur.-) gleichzeitig hiermit sind amLande, namentlich an wichtigen Kiistenplätzen, Institute errichtet, welche in noch innigexcz 2t: d:Z Sammeln von meteorologische:: Thatsachen mit deren sofortiger Verwerthung verbinden, Institute, die anfangs nur die Aufgabe hatten, auf telcgr.'.phische Meldung eines heranziehenden Sturmes die Schisse im Hasen und in'den benachbarten Häfen rechtzei-

tig zu warnen, die aber bald diese Telegraphen auch benutzten, um ein dichtes .Neh korrespondirender Beobachtungsstationen über die umliegenden Ländergebiete fu spinnen und in internationalem Zusammenwirken die Ausbreitung der Witterungszustände in ihrem Fortschreiten von Station zu Station zu verfol

gen. ? Brachte also der ozeanische Schisssverkehr in seinem Entstörn nd Wachsen die ällmälige Erkenntniß der grocn llimatischen Verschiedenheiten at.f dem Erdball ' und ihres Ineinandergreifen? mit sich, so gab in unserem Jahrhundert der elektrische Verkehr der Witterungskünde ihr neuestes Gepräge, indem er es ermöglichte, den täglichen Gang der Witterung nicht nur an einem Orte, sondern mit gleicher Klarheit über ganze Welttheile hin gleichzeitig zu verfolgen. Noch sind wir freilich weit von dem entfernt, was ich als das Ideal der Beob achtungen hinstellen möchte: von Augenblick zu Augenblick den Gang der Witterung aus dem Erdganzen verfolgen zu können und also die Atmosvhäre als ein Ganzes in ihren fortschreitenden partiellen Veränderungen zu beobachten. Zvrühllttgstagc in Südtirol. Der deutsche Frühling ? Die Einen halten ihn für leeren Wahn, die Andern für eine unerquickliche Periode der permanenten katarrhalischen Affection. Die Mehrzahl aber sitzt frierend hinter dem Ösen, und nur die Binder glauben an das Märchen von dem Knaben Wunderhold, welcher mit seinem Zauberstabe die Lenzwundcr weckt und daS Füllhorn seiner Gaben verschwenderisch ausstreut über die kahle Erde. Und dennoch cxistiren sie, diese Wunder des Frühlings. Nur darf man sie weder am Nordrandc der Alpen suchen, wo sich die vereiste Scholle zögernd und gleichsam verdrießlich aus der frostigen. 1 1 ot 2 n .x. c. : c 9 liiiiiuKiuuii uuu; uuu; litt seinen sonnigen Süden, wo das blaue Meer gegen die Felsen brandet und aus den heißen Klippen staubig und müde ein ewiger Sommer wohnt. Um so berrlicher entfalten sich die Wunder des Frühlings in der mittleren Zone, dort, wohin ich den geneigten Leser zu führen gedenke : Brenner abwärts, an die Südabhänge der Alpen. - Dort an der Gränzmark der , deutschen Sprache, wo sich der Reiz des 'Südens mit deutscher Berg- und Waldeslust vereinigt, fand ich den Lenz verwirklicht, wie ihn die Phantasie trügerisch in langen WinterNächten uns armen Nordlandmenschen vorgaukelt. Während auf Brennerhöhe der Sonnenstrahl noch die ersten Blumen aus dem Schnee hervorzaubert, fchmückt sich die südtirolische Landschast bereits mit dem Diadem des vollentsalteten Frühlings. Im warmen Sonnenschein liegen die Lande. Hell grünen die Wiesen und die Blüthcnbäume strömen berauschenken Dust aus. Der Kukuk rust durch die grünenden Wälder, allernärts rinnen lebendige Wasseradern zu Thal, und an den Wänden des Gebirgs hängen weiße leuchtende Wolken. Jnmttten dieser geschmückten Land schüft liegt Brixen, die alte Bischofsstadt. Aber selbst die goldene Jrühlingssonne vermaa den asketischen Bann nicht völlig zu lösen, welcher seit Jahrhunderten die fromme Stadt gefangen hält. Die Langeweile liegt, so zu sagen, auf dem Pflaster. Der Fremde, welcher die oden Plätze und Gasien durchwandert, schütelt vielleicht ungläubig das Haupt, wenn man ihm erzählt, daß die ehrwürdige Stadt auch fröhlichere Zeiten gesehen. Freilich gehen o:ese Nemimseenzen auf ein paar Jahrhunderte zurück. Dazumal, als drc überschäumende Lebens freude italienischer Renaissance m ihen Anklängen bis an den Fuß der Alpen brandete, fand sie amHoflager derFürstbischöse von Brixen eine ihre? üppigsten Helmstatten. Neben oen Pfarrern und Prälaten lustwandelten damals schöne Frauen durch die werten Hallen der bischöflichen Residenz. In weichen Som mernächten rauschten in den Lustgärten die Fontainen, und das Spiel der Lauten klang verführerisch durch die silberne Nacht. Die Troubadoure sangen ihre mmniglichen Weisen, und aus denLaubgän(Irt'f . . gen und oen vernooienen icdcn wmuen begehrliche Götter. Heute ist daS Lautenspiel verstummt, und die nackten heidmschen Gottheiten liegen m Scherben. An ihre Stelle sind unzählige Crucisixe und Madonnenbikder getreten. Es ist, als ob die Stadt in einer Aeonen lan gen Buße den kurzen Sündenrausch süh nen und vergessen wollte. Doch ich will nicht ungerecht sein. Als ich das letzte Mal durch Brixen kam, durste ich-mich wahrlich über den Mangel an Leben und Staffage nicht beklagen. Die Stadt prangte im Fepschmucke, denn e5 galt, die Jnthronisirung eines neuen Bischofs gebührend zu feiern. Lustig flatterten die schwarz-gelben Wimvel in der Frühlingslust, die Böller krachten und unaufhörlich hallten die Glocken Austria Felix - Die Schluchten, durch welche sich der Eifak südlich von Brixen in das Etsch thal hinabwühlt.sind stellenweise so enge, daß sür die Landstraße nur knapp Raum bleibt und sich die Bahnlinie durch zahlreiche Tunnels hindurchwinden muß. Ueberragt von den Hochgipseln, dehnen sich aus beiden Seiten des Flusses ober halb der Porphyrfelsen langgestreckte Mittelgebirge gegen Süden. Sie tragen fruchtbare Culturen und zahlreiche Ortschaften, welche ihre Ausläufer bis weit in die waldigen Hänge hinauf senoen. venn es Sommer wl?o uno oie Tinten der Landschaft sich vertiefen, wo gen auf diesen Terrassen die Kornfelder als helleStreifcn zwischen den dunkleren Waldungen. Heute aber scheint die Morgensonne ber das thausrische Gelande, und von den Hohen trägt der Lergwind den Wohlgeruch in dieThälcr hinab. Jubelnd und im blitzschnellen Fluge kreuzen die Schwalben durch den sonnigen Aether. Weiß und roth blü hendc Bäume stehen neben den braunen Hütten. Die Bewohner und weit drauden mit der Feldarbeit beschästigt, wäh rend dieHunde und die zurückgebliebenen Kinder das Haus bewachen. Die kleine Welt sitzt unter den Kastanien und spielt

im Grase neben rieselnden Quellen. Die Maienlust glänzt ihnen zuö den .Augen, und ihre Haare sind so goldhell wie die Sonnenlichter, welche über dieFrühlingslandschast sluthen. Durch die Wälder rauschen zahlreichcBäche bergab. Primitive Holzstege führen über die Schluchten ; Waldmeister und Maiglöckchen stehen im kühlen Grunde. Bei der Scenerie auf beiden Ufern deS Eisak überwiegt noch der deutsche Charatter. Wenio.e Stunden südlicher, unten im Ctschland, sind die Bilder bereits Heller und sarbiger. Hier tritt der Süden schon mehr in seine Rechte, und man sühlt sich deutlich nicht nur an derGrenzscheide zweie? Sprachen, sondern auch zweier Zonen. Es ist, als würden mit der linderen Lust auch die Formen der Landschast weicher und südlicher. Eine fast sommerliche Gluth breitet ihren Schleier über die Weingärten des Thalkcssels. Oben auf den Mittelgebirgen, welche dem Wanderer eine Fülle landschaftlicher Genüsse erschließen, weht eine frischere Lust. Die spitzen Kirchthürme dienen als Wahrzeichen der zahlreichen Ortschaften, mährend die Häuser selbst zwischen Fruchtgärten und Weinbergen halb versteckt liegen. Auf allen Vorsprüngen ragen poetische Ruinen in .die blaue Lust. Von ihren halbverfallenen Zinnen grüßt leuchtenden AugeS die Sage in die Thäler herab und erzählt den blühenden Landen wundersame Geschichten auL verklungen Zeit. Der Epheu rankt sich um die Trümmer der Vergangenheit, daneben stehen im Schatten der Edelkastanien kühle einladende Herbergen. Die farbigen Stimmungen und die warmen Töne, welche die südtirolische FrühlingSlandschast zieren, klingen hier insgesammt in einen einzigen weichen Accord zusammen. Durch die Laubkronen der Bäume webt der Jrühlingsglanz seine goldenen Fäden. Der purpurne Wein funkelt im Glas und über den steinernen Tisch weht der Lenzwind die fallenden Blüthen.. Unten im Ctschland grünen die Reben, thalauswärts läuten die Glocken und auf der Birke, welche weißschimmernd über den Abgrund hin ausragt, singt die Drossel ihre süßen Lieder. Dicht bei Bozen liegt in malerisch reizender Umgebung der rasch aufgeblühte klimatische Eurort Gries. Im frischen Grün zerstreut, repräsentiren seine Hauser, ein jedes sür sich, eine lieblicheJdylle. Weidenumkränzte Bäche fließen durch die Auen, und zwischen den Blumen und Jenseits der Talfer beginnt die Stadt Bozen. Durch ihre Straßen pulsirt ein vcrhällnißmäßig lebhafter Verkehr, wie er der Stellung Bozens als der ersten südtirolischen Handelsstadt entspricht. Namentlich an den Markttagen herrscht reges Leben unter den dunklen Bogengängen der Hauptstraße. Aus den Kaufläden und Weinkneipen qualmt jener beizende Tabakgeruch, welcher ebenso undesinirbar, als specifisch im ganzen weiten Kaiserstaat als nationalesParsüm regiert. Ein paar Soldaten, die unvermeidliche Pfeife im Munde, bemühen sich um eine dunkeläugige Italienerin, welche Blumen und türkischen Honig seilhält. Ich glaube, die Wackeren hätten, um die Gunst der spröden Schönheit zu erobern, im Nothfall ganz Trient und Triest an das hübsche Mädchen verschachert. Inzwischen hat sich der Himmel überzogen, und ein warmer Regen rieselt auf die blühende Frühlingslandschast nieder. Während eines solchen lauen Regens scheint ein Gesühl wohlige Behagens die gesammte Natur zu durchströmen. Erdgeruch ersüllt die Lust, und die Stimmen der Vögel klin-

gen lauter und Heller. Erst m den Abendstunden reint die untergehende Sonne den Nebelschleier entzwei und eröffnet den Ausblick auf die Dolomitsspitzen, deren gezackte Cou lisse östlich von Bozen ausragt. Noch haftet der Gluthschein desAbendhimmels aus den Steilwänden. Ihre riesigen, bizarren Formen leuchten durch dieDämmerung wie drohende Gespenster.. Und es ist in der That eine abenteuerliche Märchenwelt, welche hinter diesen rothglühenden Coulissen sich aufbaut, ein rassinirte? Knalleffekt der Natur, welcher Jeden frapplren muß, der zum erstenmal daS Gebiet der südtirolischen Dolamiten betritt. Ueber den grünen Thälern thürmt sich das iahe bruchige, blutrothe Gestem empor, an dessen Zerstörung die Elemente seit Jahrtausenden rastlos wühlen und arbeiten. Auf ihren Häup tern trägt diese gigantische Bergwelt bunte Nadeln und seltsam geformte Mauerkronen, während zu ihren Füßen, der Schleppe eines farbigen Königsman tels vergleichbar, riesige Schutthalden sich ausdehnen. Wer Kraft und Ver- .' t.r.n r. :? wegenaeli genug oenvi, um iic,c gcrrii senen Klippen zu erklimmen, dem keuchten am fernen Horizont in tiefblauen Linien die Fluthen der Adria entgegen. AuS dieser chaotischen Felsenwildniß führen die Wege in daS liebliche venetianifche Hügelland hinab. Von dort aus erreicht man in einer leichten Tagreife die königliche Stadt, um .'deren morsche Palaste die Salzfluth der Lagunen spült. Mittel gegen Trichinen. Man giebt den Kranken .inen Vatermörder ein. Sobald dieser aus eine Muttcrtrichine kommt, verbindet sich der Vater mit der Mutter, der Mörder wird frei, stürzt sich auf die Trichine und tödtet sie. Sollte dieselbe schon eingekapselt sein, so kann man den Vatermörder vorher in Essig legen, der bekanntlich den Kalt auflöst. Schlechte Aussicht. Frauenvereinsdame : Sagen Sie, liebste Frau Räthin, hätte ich wohl auch von Ihrem gestrengen Herrn Gemahl eine kleine Spende zu unserer Wohlthätigkeitscollekte zu erwarten?" Räthin : Ach. ich bitte Sie. der giebt gewohnlich Nichts, und selbst das nur ehr ungern !" SeltsameAuffassung. Ein Fürst besucht ein Lazareth. An das Lager eines Soldaten tretend fragt er denselben : Evangelisch oder katholisch? Soldat: Rheumatisch, Ew. Durch-laucht!

Das Junggesellen-Haus."

Wien, im März. ' In unseren Tagen ist man, was die v Häuslichkeit betrifft, lauge nicht mehr so beschcidcn.'wie die genügsame Braut in Angely's Fest der Handwerker", die da singt : Em Stübchen, ein Tischchen, ein Bettchen, ein Stuhl was braucht man mehr, um glücklich zu sein?" - Die moderne Zeit mit ihren sogenannten socialen Verpflichtungen stellt erhöhte Anforderungen an jeden Einzelnen, sie hat die Phrase von dem standesgemäßen Leben geschaffen, deren Bedeutung gar mancher schwer zu fühlen bekommt. Man beurtheilt die Menschen niHt mehr blos nach ihren Kleidern, sondern . auch nach ihren Wohnungen. Gelängt das Gespräch auf das Thema der Häuslichkeit, so ist die erste Frage : .Wie viele Piecen haben Sie ?" Einen Besuch am Morgen im Schlafzimmer empfangen, wurde auch emem .Gargon jener so zahlreich vertretenen Species der unver heiratheten Männer als unpassend ausgelegt werden. Zu einer regclmäßigen Garczon Wohnung gehört auch ein Empfangszimmer, und, wenn man ein wenig verwöhnt ist, ein Bade-Cabinet. Die Miethe für diese Appartements betragt genau eben so viel, wenn nicht mehr, wie die . für eine selbstständige Wohnung, und bei alledem ist man nicht unabhängig; man muß sich den oft recht sonderbaren Eigenthümlichkeiten der Miethsleute accommodiren u. ihre Launen ertragen auf Kosten seiner eigenen Bequemlichkeit. Diese und ähnliche Erwägungen haben einige jüngere und ältere unverhei rathete Herren, die während des größten Theiles des Jahres m Wien leben, zu dem Entschlüsse veranlaßt, mit Hilse eines zu gründenden Fonds ein eigenes Gebäude zu erwerben, in welchem sie, unbeirrt von allen Hausherrnlauncn, unabhängig von fremdem Willen und unbehaglichen Einfluten, crn beschauliches Dasein sühren können. Ein passendes Domicil sür diesen Zweck zu sinden, war nichts Leichtes ; kostspieliger Umbau und Renovirungen aller Art hätten sich bei jedem Objekte als nothwendig erwiesen, o drängte sich denn den Unternehmern bald die Ueberzeugung auf, es sei am besten, einen Baugründ zu erwerben. Nach längeren Unterhandlungen wurde ein Areal in der Nähe des Stadtparkes angekauft und ein Architekt mit dem Entwürfe der betreffenden Pläne betraut. ' Bereits ha: der Bau des HauseS begonnen, über dessen Thor m goldenen Lettern zu lesen sein wird : Das Junggesellen-Hauö." Bisher haben sich siebzehn Thcünehmer an dem neuen Institute gemeldet, die sich theils aus aristokratischen, theils aus bürgerlichen Familien rekrutiren. Jeder Theilnehmer hat ein- sür allemal die Summe von 8000 fl. zu erlegen. ES ist beabsichtigt, im Ganzen zwanzig An theile zu beschaffen, und gewiß werden sich die drei sehlcnden auch noch finden. Für die Errichtung des JunggesellenHauseS gelten folgende Bestimmungen : ES enthalt zwanzig Wohnungen, jede besteht auS einem Schlafzimmer, einem Empfangs - Salon, emem Badecabmet und einem Entree, und wird nach dem Geschmacke des Elgenthümers, jedoch nur mit Aufwand einer Summe, welche eine noch zu bestimmende Ziffer nicht übersteigen darf,möblirt. Das Parlor, ein großer Salon, ein Lesecabinet und em spelsesaal sind zur gemeinschaftnchen Benutzung bestimmt. Zwei Diener haben sür die Instandhaltung des Hauses zu sorgen. Die SouterrainLocalitäten werden an einen Cafetier und an einen Restaurateur vermiethet und von dem Zmsertragnltte die Steuerauote, etwaige Reparaturen und der Gasver brauch bestritten. Außer der Einkaufssumme von 8000 fl. hat fomit keinTheilnehmer an den Fonds noch etwas zu entrichten, so lange er das Haus be wohnt. Sobald er sich jedoch verheirathet, verfällt der ganze Betrag zu Gunsten des onds. Für den persönlichen Verkehr zwischen den Bewohnern des Junggesellen-Hau-ses gilt nur ein einziger Paragraph und der besteht aus einem einzigen Worte : DiScretion Bei dem Emtritte in das neue Haus haben sie sich Stillschweigen zu geloben über alle Vorgänge in demselben, über die Besuche, welche der Einzelne empfängt, über feine Lebenöweise und jene verschiedenartigen klonen häuslichen Tugenden oder auch Untugenden, die man ia so rasch wahrnehmen kann, wenn man Thür an Thür mit Einem wohnt. Es soll hier keine bösen Nachbarn geben ; vielmehr ist zu erwarten, dak diese? Junggesellen-HauS mit der Zeit auch einen JreundschastSbund in seinen Mauern umschließen werde. . Und damit die Discretion keinem zu schwer gemacht werde, hat der Architekt den Austrag, an der rückwärtigen Front des Hauses ein Hinkerpsörtchen zu errichten, zu welchem jeder Bewohner einen Schlüssel erhält Wir empfehlen für dieses tzsörtchen als Motto die hübschen Verse aus Lenau's FrühlingS-Liedern : Und kein Bach nach diesen Gründen Darf mit seinem Rauschen kommen. Darf der Welt verrathend künden, Was er Stilles hier vernommen m . Ein offenherziger GeistI Wittwe szu ihrem seligen Gatten, der ihr als Geist erscheint) : Wie geht es Dir, lieber Hugo, im Jenseits V Geist : Sehr gut, viel besser als es mir während unserer zwanzigjährigen Ehe aus Erden gegangen ist." Wittwe (erfreut) : Also bist Du im Himmel?" Geist: Nein, in der Hölle !" , Unerhört. Nachtwächter (aus einer Bank eingeschlafen, erwacht durch den Gesang einer vorüberziehenden Schaar von Burschen und Mädchen) : Mordsclcment, wollt'r ruhigst? Da soll üch doch der Donderwetter drinschlage, an friedliche Bürger nicht a mal ruhig schlase z'lasse ! Höchstungelegen. ,0 du liab's Herrgöttle, Du ! Laß mich no' jetzt net stcrba, wo V Mtvity g'rad vor der Thür' ist!"

SchriftsteNernde Frauen. Vermehren, sich die schriststellernden

Frauen auch fernerhin im bisherigen Maßstabe, fo wird der groe Theil der Männer bald kochen und waschen müssen." Es war ein qcistvoucr Vortrag, welcher in diesem Satze gipfelte. Da prasselten scherzhafte Schwärmer; heitere Leuchtkugeln, glänzende Wortraketen erregten das Interesse der Zuhörer. Immer siel das prahlende Licht aus das gleiche Bild, auf die Frau, welche durch Schriststellerei sich Gelderwerb oder Ruhm und Ehre zu schaffen sucht. Die Unselige ! Da sitzt sie und schreibt ohne aufzublicken, indeß der fügsame Ehemann die Kinderwäsche reinigt oder der gequälte Bruder den Braten spickt. Ein gelinder Schauder ergreist selbst den Kühlsten'bei diesem Bilde häuslichen Jammers und der Zuhörer kehrt ganz ersüllt von diesem Eindruck in seine Wohnung zurück. Was Wunder, daß sein Herz höher schlägt beimGedankcn an die liebe, kleine Frau, welche ihn am Theetisch, daheim erwartet. Gottlob! Sie denkt nie weiter, als an ihren neuen Hut. Sie schreibt nichts anderes als das zierliche Billet : Herr und Frau N. N. erbitten sich das Vergnügen von Herrn H." u. s. w. Die Abfassung eines anderen Briefes ist ihr ein Greuel. Schon beim Eingicßcn des Thees bemerkt Madame, daßdcrGemahl sie heute besonders liebevoll betrachtet. Sie benutzt die günstige Gelegenheit, erbittet ein' neues Ballkleid oder beichtet, die Summe ihrer unbezahlten Rechnungen. Der Ehemann ist mit allem z-nsrieden. Immer besser, als wenn er kochen und waschen sollte. Freilich Madame thut das eigentlich auch nicht. Wozu auch ? Man ist allerdings nicht besonders reich, aber man kann und muß doch Mägde bezahlen, welche diesen Arbeiten oblicgen. Gerade damit seine Frau müßig gehen kann, sorgt und quält sich der Gemahl im Geschäfte ab, arbeitet er von früh bis spät mit Anspannung aller seiner Kräste. Dies Geschäft! Madame findet es peinlich, wenn viel davon gesprochen wird. Schon den ersten Versuch ihres Mannes, ihre Theilnahme, vielleicht gar ihr thätiges Interesse daran zu wecken, hat sie scharf zurückgewiesen. Sich um Gelderwerb zu kümmern, dünkte ihr eben so unpassend wie langweilig. Sie hat ja auch ausreichend zu thun, wenn sie die nöthigen Besuche machen, Familienbeziehungen Pflegen und den Haushalt führen soll. Das alles nimmt sie dermaßen in Anspruch, daß sie nicht einmal die Schulaufgaben der Kinder überwachen kann. Sie hat es wohl einmal versucht; aber die neue Lehrmethode ist so schwierig und dann wozu sich die Laune von den Kindern verderben lassen! Die lieben Kleinen sind in irgend einer Halbpension ja gut aufgehoben ! Wie zierlichMadame den Thee schlürft! Der Gemahl betrachtet, beinahe gerührt, die weiße Hand, welche die Tasse emporhebt. Nein, diese Hand wird nie zur Feder oder zur Nadel greifen, um sich und den Ihren ein karges Brod zu erarbeiten, selbst dann nicht, wenn der Gemahl frühzeitig seiner aufreibendenThätigkeit erläge, wenn Noth und Mangel an die Thüre pochen sollten. Madame würde dann versuchen, von Unterstützun gen der Verwandten möglichst bequem weiter zu leben. Vielleicht auch, wenn sie noch jung und schön ist, wird sie die stützende Hand guter Freunde annchmen. Selbst in zweideutiger Stellung aber wird sie n.?ch Me Frau gelind verachten, welche arbeitet, sei es amSchreibtisch, an der Nähmaschine oder hinter dem Ladentisch. DaS wollen wir ihr nicht verübeln. Daß aber Männer, und sogar geistvolle Männer, die Erwerbsthätigkeit der Frau einengen wollen, ist kaum verzeihlich. Die weiblichen Schriftsteller schreiben meist oberflächlich. Zugestanden! Sind denn aber die Verleger wohlthätige Genien, welche nur bestrebt sind, Eitelkeit oder Geldgier der Schriftstellerinnen zu befriedigen? Keine Redaktion, kein Ver leger wird eine Arbeit der Oeffentlichkeit übergeben, wenn nicht ein großer Leser kreis dasür zu erwarten ist. Wenn der Büchermarkt von weiblichen Arbeiten überschwemmt wird, so zeigt das immerhin,, daß ein große Publikum dasür vorhanden ist, , und damit jene literarisehen Produkte auch zur Existenz berechtigt. Die Lesewelt hat nur die Schriftsteller, welche sie. zu besitzen verdient. Ist es doch eine. Thatsache, daß selbst gereiste Männer sich mit der Wassersuppenkost" einer Marlitt befreunden sonnreis, vielleicht gerade, weil sie ihnen keine geistigen Verdauungsbeschwerden verursachte. Diesen Leuten ist das Lesen noch von früheren Zeiten her ein physisches Bedürfniß; aber der Kampf ums Dasein nimmt all' ihr Denken und Sinnen zu sehr in Anspruch, als daß sie den Gedankenreichthum eines ernsthaften WerkeS aufzunehmen und zu verarbeiten wünschten. Gehen die Wogen der Zeit weniger stürmisch, so werden die seichten Bücher von selbst verschwinden, seien sie von Frauen oder von Männern ge schrieben. Das ist ja der Vortheil der freien Concurrenz, daß das Geringere dem Besseren weichen muß. Darum laßt unS der Frau einen Platz gönnen auf der Arena des Geistes. Am Ende wird doch nur diejenige sich behaupten könne, welche dauernd Werthvolles leisten kann. Daß aber auch Frauen sich zu denHöhen der Dichtkunst erheben können, davon gibt die Geschichte aller Völker Zeugniß. Auch dem Schrecküild der kochenden Männer laßt uns muthig ins Auge sehen. Es mag ja Ausnahmen geben, aber im' Allgemeinen wird eine Frau ihre Ausgabe als Haussrau und Matter um so ernster erfüllen, je besser ihr Geist geschult ist. Wer gewohnt ist, seine Gedanken festzuhalten, durchzuarbeiten und in würdiger äußerer Form niederzuschreiben, also zu arbeiten, der wird' sicher, einen höheren sittlichen Maßstab an die Ersüllung heiligcrPflichten legen, als das gedankenlose Weltkind, das Vergnügen und äußern Schein zur Arbeit'stempelt. Die Ausnahmen aber ! Die Frau mit

verwirrtem Haar, tittt!"ibeschmutztnFingern, die ihr Hauswci.:l vernachlässigt brrr ! sie ist freilich schlimm. Ob sie aber viel schlimmer ist, als Ihre reizende kleine Frau, mein Herr! Madame hat den letzten Tropsen Thee geschlürft. Waren die Kinder artig?" fragt der entzückte Gemahl. Sie gähnt, ach, so allerliebst ! Ich weiß es nicht. Da ich zur Kaffcegesellschast ging, waren sie noch in der Schule. Als ich heimkam, schliefen sie schon. Ich muß wirklich die Kindersra u fragen, was sie getrieben haben. Bitte, Männchen, schelle, damit sie hereinkommt." Glücklicher Mann ! Seine Frau wird nie schriststellern. E. E r t ha.

Stcrbliöikcit in ttroßbritaulctt. Die Berichte des britischen GeneralRegistrators zeigen, daß sür ganz Großbritannien die Sterblichkeit 22.4 vom Tausend Seelen im Jahre beträgt, oder, in anderen Worten, daß von 45 Menschen imJahre 1 stirbt was gegen früher eine wahrhast erstaunliche Verbesserung ist, welche hauptsächlich den englischen Sanitäts-Jnspektoren und dem Eifer zu verdanken ist, der durch sie behuss Verbesserung der Gcsundheits-Ver-hältnisse bei Behörden und Volk erweckt wurde. Die ungesundesten Beschästi gungcn sind die, welche in staubiger und gasiger Umgebung verrichtet werden, z. B. Trockcnschleifen, wie daS an Nähnadcln und Gabeln in Shessield geschieht, Kohlengruben, Umgehen mit Gift. Die Vergolder und Versilbere? leiden durch Quccksilberdämpse,Mcssingarbeitcr durch Verflüchtigung von Blei-Oxyden. Soldaten und Matrosen sind kurzlebig, weil sie zu vielen .Schädlichkeiten ausgesetzt sind, und unregelmäßig leben müssen. Schneider und Putzmacherinnen sind am meisten der Schwindsucht unterworsen (auch Bankiers), Schriftsetzer desgleichen (besonders des Blei- und des Antimon-Staubes wcgen),Drucker schon weniger, vermuthlich, weil sie sich stärker mit den Muskeln anstrengen. Auf dem flachen Lande sind die Ackerbauer am besten daran, die Schenkwirthe am schlimmsten. Fleischer sterben verglcichsweise frühzeitig, ebenso Brauer, Fuhrleute und Alle, welche mit der Besorgung von Speisen und Getränken zu thun haben. Athleten sterben früh durch Ucberanstrcngung, ebenso stark bcschästigte Gelehrte. Bei Arbeitern innerhalb des Hauses macht es wenig Unterschied, ob sie leichter oder schwerer die Muskeln und Nerven anstrengen ; aber Arbeiter außer demHaüse haben sechs Jahre mehr Aussicht auf Lebensdauer, wenn sie viel, als wenn, sie wenig arbeiten müssen. Seltsam ist es, daß Grübenräumer und Straßenfeger zu den gesündesten Leuten gehören. m m m Neue Heilmethode bei Blutarmnth und Schwindsucht. In Frankreich bricht sich eine eigenthümliche BeHandlungsweise der Blutarmuth und Schwindsüchtigen Bahn, die gerade das Gegentheil der bisher üblichen ist. Schon seit längerer Zeit hatte Professor Jousset in Paris in .L'Art Medicalc" auf die Bedeutung des fogenannten ,mageren Regiments" bei herabgekommenen Kachektischcn und Tuberkuloscn hingewiesen und von der VerWendung der sogenannten Roborantia" und Tonica" in Kost und Arzenei abgerathen. . Professor Regnault in Rennes verwirft. in seiner Revue Therapeutique" die bisherige Ernährung mit Wein, Fleisch nnd sonstigen Reizmitteln ganz und verlangt streng fleischlose Kost. Gemüse, Milch, Brod (speziell GrahamBrod) und reise Früchte. In gleicher Weise spricht sich Dr. Jussieu im Element de medicine practique" aus. Er giebt ebenfalls Milch, Vegetabilien und Früchte als Nahrung, und als Arzeneien sehr kleine und sehr seltene Dosen von Chinin tann." und Arsen, wodurch er selbst im zweiten Stadium noch entschiedene Besserung und Stillstand der Tu berculose erzielte. Professor Foussagrivcr hat ähnliche Erfahrungen gemacht und ebenso Dr. Carin, welcher sagt : Alsohol (auch in Form von Wein) begünstigt die Entwicklung der Lungenkrankheiten und beschleunigt deren ungünstigen Verlauf. Wein ist Kindern ganz besonders schädlich, und disponirt sie zu Gehirnaffektioncn, Lungenblutungen nnd Schwindsucht." Professor Carriere bestätigt, daß der Genuß von Früchten und besonders von Trauben, r?ci Ausschluß von Fleisch, Gewürzen und Wein den bei anämischen Mädchen, geschwächt ten Frauen und Schwindsüchtigen beiderlei Geschlechts stark angegriffenen Fettansatz besördere. Dr. Claude fordert dringend die Einsührung der fleisch- und damit reizlosen Kost mit Hinweis darauf, das das bisher übliche Reizverfahren beiBehandlung von Lungenschwindsüchtigen, trotz Davos und Meran, trotz Nizza und Kairo, noch sehr geringe Resultate von Heilungen aufzuweisen hat. Alle Autoren stimmen darin ein, daß die Kranken diese milde Kost" gern nehmen, der Appetit fast stets rege ist, und nie die früher so oft bei den Aerzten gesürchtete Nahrungsverweigerung sich einstellt. Die sogenannten nervösen Verstimmungen werden bei milder reizloser Kost bald gehoben. Für deutsche Aerzte wird diese Ernährungs und Bchandlungswelse ebensowenig als ihr überraschender Erfolg auffallend sein. Die. Professoren Esmarch in Kiel und Beneke in Marburg haben bei sogenannter eiweißarmer Kost (die im Grunde ge nommen auch eine fleischlose ist) Krebs, Leber- und Nierenleiden, die bisher für unheilbar galten, gebessert und geheilt, während Dr. von Düring bei fast gänzlichem Ausschluß von Fleisch, Alkohol und anderen Reizmitteln die gesürchtete Zuckerruhr heilte. Mißverstandenes Verbot. Frau : Wiederholt habe ich gehört, daß Ihr Geliebter Sie während meiner Abwesenheit besucht hat das darf nicht mehr vorkommen verstanden ? ! ,. Köchin : Gewiß nicht, gnädige Frau, ich konnte ja nicht wissen, daß mein Schatz kommen darf, wenn Sie zu Hause sind."

Moskauer Nnivcrsttätöleben im 1. Jahrhundert. Die Moskauer Universität, die älteste der zur Zeit bestehenden russischen Hochschulen, war, wie es in dem von Schuwalow entworfenen und von derKaiscrin Elisabeth am 12. Januar 175) unterzeichneten Gründungsdekret heit, in erster Stelle in's Leben geruscn hehuss Bekämpfung und Unterdrückung der im Volke um sich greisenden Scctirerci. Zur Begründung de? Universität waren aus Kronmittcln und von Privatperso. nen etwas über 40,000 Rubel ausze bracht worden. Eröffnet wurden zunächst eine philosophische Facultät mit acht Professuren und eine juristische und mcdicinische Facultät mit je einer Prosessur. Ein ordentlicher Professor erhielt dazumal ein Jahrgehalt von 500Rubeln. Die Studenten waren durchweg Stivendiäten und erhielten jährlich 100 Rubel. Die Haupteinnahmcquclle der Universität bildeten die .Moskowskija Wjedomosti", welche damals die Hauptader des gesummten geistigen Lebens der alten liarenstadt wren hpron l.,?s,

sich dabei aber nur zwischen 500 bis 600 Cremplaren bewegte. Erst als der Schriftsteller N. Nowikow im legten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts die Redaktion der genannten Zeitung übernahm, gelangte dieselbe rasch zu großer Entfaltung und schaarte binnen weniger Jahre einen Kreis von mehr als viertausend Abonnenten um sich.Das Russische wurde als Lchrsprache erst mit Beginn der siebenziger Jahre obligatorisch, doch dauerte es noch ziemlich lange, ehe das Lateinische aus den Hörsälcn verschwand, und ehe sich die Ueberzeugung Bahn brach, daß man alle Wissenschaften auch in russischer Sprache lehren könne. Die Studenten wohnten damals alle sammt in eigens sür sie eingerichteten Sälen des Universitätsgebäudes; hatten eine gleichmäßige Tracht und mußten namentlich darauf achten, daß ihr Haar stets wohl gepudert sei. Den Hauptbestandthcil der Montar" bildete der Degen, welcher den Studenten auf dem er sten nach der Jmmatriculation stattsindenden Actus überreicht wurde. Der sittsamste und fleißigste Student nahm in der Kammer- so wurden nämlich die Wohnräume der Studenten genannt den Ehrenplatz in der Ecke unter den Heiligenbildern ein nd hieß Kammerstudcnt". Auch beim Mittagscssen saßen die Musterknaben" gesondert und er hielten einize wohlschmeckende Schüsseln aufgetischt, während sich die Faulen an' einer 'Kohlsuppe genügen lassen mußten, die ihnen in einer mächtigen Schüssel in der Ecke am sogenannten Eselstische ser virt wurde. .Für schlechtes Betragen wurden die Studenten mirdestenö für die Dauer von drei Tagen in Bauernkleider gesteckt nnd auf Wasser und Brod gesetzt ; von den sür jeden' Studenten ausgeworfenen hundert Rubeln wurden dabei so viel in Abzug gebracht, als zum Kauf einer slavonischen Bibel erforderlich war, welche die Studenten jeden Sonntag lesen mußten. Zur Ostcrzcit that aber auch die Universitätsobrigkeit einiges zur Unterhal tung der Studenten und ließ alljährlich im Univcrsitätshofe einige Schaukeln errichten. Mit Eintritt der milderen Witterung begannen für die Studenten neben den wissenschaftlichen Uebungen in denHörsälen auch noch militärijie Exercitien im Freien. Auf den gelegentlichen Ausflügen in die Umgegend vonMoskau mußten die Studenten stets in Reih und Glied" bleiben und keinerlei Spiele treiben. . Ganz besonders streng war der studircnden Jugend die Theilnahme an Faustkämpsen untersagt, welche damals, wie es scheint, das Lieblingsspiel ter hoffnungsvollen Moskauer Jugend war. Kamen aber gelegentlich doch einige Ausschreitungen vor, so wurden die Schuldigen vor's Universitätsgericht gestellt, welches sich in den Händen der zur juristischen Fakultät gehörigen Professoren befand, und auf welchem nur in lateinischer Sprache verhandelt wurde, was gelegentlich zu sehr heiteren Scenen führte. So war z. B. einmal in einem zwischen zwei Studenten wegen eines gestohlenen Bettladens ausaebrochenen Prozesse als Hehler auch ein . Kwasbrauer verwickelt. Lange war der Universttätsareopag in Zweifel darüber, unter welchem Namen der Kwasbrauer vor Gericht einzuführen sei,' sintemal ja die alten Römer dieses köstliche Getränk nicht, gekannt bättcn bis endlick ein zu Rathe gczogemr Philolog den Herren Juristen aus der Klemme half uno den Kwasbrauer als "cerevisinc secundanae coctor" einführte. Die Universitätsobrigkeit hielt damals Zehr viel darauf, daß die Stubenten fleißig disputirten, und wie beliebt unter den Studenten die Disvutationen waren, beweist der Umstand, daß, als lm Jahre 1768 die medizinische Facultät einen einzigen Studenten zählte, auch dieser eine umsatteln wollte, weil er mit Niemanden zu disputiren hatte ! . jum Schluß mochten wir noch emen Eonferenzbeschluß anführen,' der- die öffentliche Sicherheit Moskaus in der zweiten Hälfte des achtzehnten JahrHunderts illustrirt. Um die Mitte der sechsziger Jahre sah sich die Universi. tätsobrigkeit veranlaßt, darum nachzu suchen, daß während des Winters die Vorlesungen nach dem Essen auskallen möchten, da die Studenten mit Eintritt der Dunkelheit Gefahr liefen, entweder von den in Mengen auf den Straßen herumlungernden hungrigen Hunden aufgefressen oder von Dieben ausgeraubt zu werden. . . . (St. Pet. Ztg.) Der Leidensgefährte. Ein kleiner Vaucrnjunqe hatte seiner Mutter einen Streich gespielt, und da ihm dieselbe eine Tracht Prügel rcrabfolgen, wollte, sich im Schuppen eine? Stelle verkrochen, wohin ihm die Mutter nicht folgen konnte. Um Mittag kommt der Vater heim. Von dem Vorgang lmtcttichtet, läuft er eilig nach 'dem schuppen und kriecht ckuf allen Vieren fc C .4 IXm4mm t.nJtL uuywi, uv iu uus viutiucu u:;icai hat. Die Mutter mit de? Ruthe kömmt hinterher. I, Vadder," rust Hans chen, will Eich de Mutter ooch an's-Fell?-