Indiana Tribüne, Volume 4, Number 201, Indianapolis, Marion County, 9 April 1882 — Page 7

Sie Jeuerproöeu der Lieöe.

on Dr. 2JJärjtot!. So wechseln Freud' und Leid im 2t ben ab ! . Für uns Novellisten ist das freilich die Quelle unserer Freude und vielleicht auch mancher Leiden, aber d Ein's in, Andere geht-, so geben wir uns wir hoffen, zum Vortheile unserer Leser zufrieden. Die Menschen jedoch, welche wir aus dem Leben für unsere Puppenspiele .herausholen, sind ganz anderer Meinung, sobald die angenehmen Stirn den sich plötzlich von ihnen empfehlen, und die un-angenehmen. die ärgerlichen, die geradezu schmerzhaften ihre, verwünschte Aufwartung machen ! In dieser bedauernswerthen Lage befanden sich Leonore, die einzige Tochter des für die kleine Stadt angesehenen KaufmonnesWepenried und ihrHer;?nsfreund, der junge,kürzlich graduirteArzt, Doktor Roderich. Gestern noch in dem glücklichenBewußtsein, daß PapaWepen rieb die Neigung der beiden jungenLeute, die sich von Jugend aus kannten, offen begünstigte, und heute waren sie bereits aus allen ihren Himmeln gestürzt! Da saß das Paar, Hand in Hand, mit gesenkten Augen und von Seufzern ge quält, auf einer Bank des Wepenrieo'schen Gartens, und es war, als hätten die Beiden, die sich einander sonst nicht genug zu sage hatten, gänzlich die Sprache verloren. Die armen Lieben den! Sie hatten auch alle Ursache, traurig zu sein, denn am Morgen dieses Tages hatte sich Folgendes begeben. Papa Wepenried hatte den ahnungslosen Doktor Noderich zu einer dringendenBe sprechung in sein Comptoir eingeladen. Als der junge Mann nicht ohne einige Beklemmung hinüber eintrat denn etwas, das Einem unklar entgegentritt, beklemmt immer war er in banger Ahnung sormlich wie gelähmt vor der ernsten, kaufmännisch - peisen und feierli chen Miene, mit welcher ihm Wepenried entaeaensah und stumm winkte, neben ihm PlaK zu nehmen. Das war sonst nicht die Art des wohlwollenden, freund lichen,herzlich eutgegenkommenden Kauf mannes. Eine Minute lang herrschte unbeimliÄes Schweigen, dann fuhr sich der alte Herr mit der Hand über die Stirne, rückte näher zu Doktor Roderich heran und überraschte diesen mit folgen der Mittheilung. "lever Doktor iKocenct) r IvraH in ernstem, fast wehmüthigem Tone der alte Herr. .Sie wissen, wie ich es von frü her, Zeit mit Ihnen und meiner Tochter ehalten habe. Ich betrachtete Euch als ein Paar, und mein schönster Traum war dies. Aber ich wurde unsanst daraus erweckt. Eine unglückliche Sveku laiion hat mich neoesiens in meinem Ge schüste dermaßen alterirt, daß ich den Bankerott vor mir sehe! Ein Defi zit von nahezu 10,000 Thlrn. weiß ich in keiner Weise zu decken. Sie werden fragen : Was hat dies mit Ihrer Stcl lung zu Eleonoren zu thun ? Das werden Sie sogleich erfahren. Vorgestern zeigte mir mein alter Geschäftsfreund, der enorm reiche Produktenhändler Ma yers an, daß er seinen einzigen Sohn Josua. den er,Vie er jetzt bedauernd einsieht, allzu eingeschränkt erzog, auf Weisen schickte, damit der Junge Selbstver trauen gewinne, aber auch, um sich eine Frau zu suchen. Mayers erinnerte sich, daß ich eine. Tochter habe, und darum habe er seinen Sohn aus alter Freund schast zuerst an mich adressirt. Lieber Doktor, Sie begreisen ! Ich werde Leonore nicht zwingen, aber einer günstigenChance aus demWege zu gehen, verhindert meine verzweifellte Lage. Laffen wir die Dinge gehen wie sie gehen, und geben Sie sich vorläufig der Hoffnung hin, daß Leonore dem reichen Erben, der unter oen besten Familien zu wählen hat, gar nicht zusagen werde!" Mit diesem höchst zweifelhaften Troste für Doktor Roderich war die' Sache vorlausig abgeschlossen. Wir halten die Liebenden eben getrosfen, als sie, von dieserNeuigkeit vollkom men bestürzt, dasaßen. Wo sollen wir uns hinwenden um Hülse in unsererNoth zu finden !" jammerte der junge Doktor endlich vor sich hin. .Der Himmel wird uns nicht verlassen !" sagte Leonore vertrauensvoll und schmiegte sich an den Verzweifelten. .Der Himmel !" rief erbittert der junge Mann, das hieße eben so viel, als die Hilfe werde uns aus der Lust zufliegen !" .Vor Allem muß ich dem aus der Luft geschneiten Herrn Josua gesgllen ! Hast Du das vergessen V ermunterte ihn das Mädchen. Da? wirst Du leider nur zu gewsß !" seufzte der junge Doktor. Wer weiß !" rief Leonore mit einer Schalkhaftigkeit aus, welche sonst zu ihrer Eigenart gehörte, diesmal aber wehmüthig gebrochen aus ihren feuchten Augen blickte. Wer weiß !" wiederholte ärgerlich der Doktor, . fast möchte ich glauben. Du seiest jetzt zum Scherze ausgelegt !" Du herzlieb ster Doktor !" sagte Leonore und zog ihn an sich. Du glaubst, es sei absolut un möglichdaß ich ein Männerherz nicht gewinne!? Du Närrchen.Du ! Und wie wird es sein, wenn ich Alles -thue, damit mich dieser Herr Josua um keinen Preis will? Dabei sah daZ Mädchen den Doktor mit weit offenen Augen an, als wollte es damit die Größe des auögesprochenen Gedankens andeuten. Der Doktor stierte sie ebenfalls mit großen Augen an, dann rief er, indem er ihr ei nen so lauten Kuß gab, daß die Sperlinge im nahen Gebüsch aufschreckten : Leonore, Du Engel ! Ich setze meine ganze Hoffnung aus Dich, auf Deine Treue, auf Deinen Scharfsinn V Und nun sahen die beiden Liebenden wieder so frisch und wohlgemüth aus, als wäre nicht noch vor Kurzem die schwärzeste Wolke über ihren Himmel gezogen ! O du leichtbeschwingte Jugend ! O du würzige Lust der Liebe! Herrn Melchoir Mayers, Firma: Mayers & Eo. in Fagerheim. Lieber, guter Vater! Ich suche Ihren geehrten Wunsch, wie Sie schon aus meinen früheren Zuschris ten ersehen haben werden, zu erfüllen. Ich bin bereits mit Fränlein Leonore Wepenried-so weit, daß ich sagen kann, ich bin bis über dieQhren in sie verliebt !

Sie ist ein wahres Teufelsmädchen, und'

Sie, geehrter Vater, veröle stch ost uoer meine Langweiligkeit und Abspannung geärgert haben, würden ihre Freude da ran haben. Sie ist das personisicirte Quecknlber, ruhelos da und dort. Sie kehrt das Unterste zu oberst,- und reißt Jeden, der in ihren Zauberkreis geräth, mit sich fort, er mag wollen oder nicht. Denken Sie sich nur, ich, der Tatzbär, wie mich Tante Malt zu nennen beliebt. ich habe Loren zu Liebe tanzen gelernt ! Ich habe Blut geschwitzt dabei, und das Mädel riß mich herum, daß ich mich wundere, wenn ich nicht in Stücke ging. Aber nicht genug an dem. Sie bestand darauf, daß ich daß letzte Wettrennen in eigener Person mitmachte ! ! Sie wiffen, wie der Stallmeister Pincette Ihnen erklärte, an mir sei Hopsen und Malz verlorcn, und wie ich im Galopp nicht an ders reiten konnte, als mit um den Hals des Pferdes geschlungenen Armen ! Sie können sich denken, mit welchen Gefühlen ich den Sport mitmachte; ich sah mich im Geiste schon mit gebrochenem Halse, aber ich ergab mich um des satanischen Mädels willen, in mein . Geschick. Schweißtriefend,- schnaufend hob man mich vom Pferde, und Lore lachte so schonunglos über die traurige Gestalt, die ich beimForceritte gespielt haben soll, daß ich nahe daran war zu sagen : Den Dank, Dame, begeht ich nicht! aber sie reichte mir darauf ihre liebe kleine Hand mit so süßem Lächeln, daß ich ihr zu Füßen hätte fallen mögen, wenn ich nicht gefürchtet hätte, es würde etwas plump aussallen, hauptsächlich aber, weil mir von dem Ritte alle Glieder wehe tha ten ! Vorher aber, was ich unter den vielen Herkules-Ausgaben, die ich auf Lore's Wunsch zu erfüllen hatte, bald vergessen hätte, mußte ich mit ihr eine Parthie aus den nahen, 3700 Fuß hohen Teuselskopf" machen. Lieber Vater, Sie kennen meine Jdiosinkrasie gegen dasBergsteigen! Ich brauche also nichts wliter zu sagen, als daß ich von der äußersten Felsenspitze des verdammten Teufelskopfs eine Alsteblume. herabbrachte und drei Tage imBette zubringen mußte, um meine zerschundenen, .braun und blau und blutrünstig tättowirten Glieder zu Pflegen. Ich fürchte nur, daß mich das Mädel, dem immer tausend Launen und Einfälle durch daß Köpfchen zucken und .spuken, noch in die verzweifeltsten Dinge ver-stricken-werde, die meiner Natur so ent gegen sind, wieFeuer undWaffer. Denn offen gestanden, manchmal trieb sie's schon, wieSie aus den kleiuen Beispielen ersehen haben werden, so arg mit mir, daß ich mit Vergnügen in die Lust gefahren wäre ! - Aber nun leben Sie recht wohl, ge ehrter Vater, ich muß aus die es ist. als träumte ich ein dämomschcsMarchen! ich muß auf die Schießstätte, um mich auf Lore's Anordung zum Schützen auszubilden ! Wenn mein zartes Ohr nur das Krachen besser vertragen würde ! Ihr treu und dankbar ergebenerSohn Josua. Zum besseren Verständnisse dieses Schreibens dürste es nicht übel sein, dem geneigten Leser die Photographie des jungen Mannes, genannt Josua, zukommen zu laffen. Er ist von mittlerer Größe, hat einen Kops wie ein riesig ausgewachsener Kür bis, und harmonirt sein Vollmondgesicht völlig bannt. Der Kopf hat kurz geschorene völlig schwarze Haare, dagegen ist der Anflug von Schnurr undBacken bart von auffallender Röthlichkeit. Die Augen sind klein, aber etwas schief ge schlitzt, die Nase eben nicht griechisch, und neigt sich mehr dem slavischen Typus. Der Mund,meist halbgeöffnet, wäre nicht übel, wenn die Winkel nicht zu sehr her abgezogen erschienen. . Aus diesem Gesichte sprechen, in sonderbarer Mischung von Lebenslust und Abspannung,kleinliche Empfindlichkeit und etwas stupide Gutmülhigkeit, Aufmerksamkeit undZer streutheit. An diesen Kopf schließt sich ein kurzer dicker Hals, der auf breiten, maffiven Schultern steckt. Nun geht al les Uebrige in's Schwere. Dicke wurst runde Arme, kochgewölbte Brust, volum inöser Unterleib, breitspurig gestellte oder gestreckte Beine, alles von schwerem Kaliber, nur die Hände sind klein, vor allem die wulstigen Finger von lächerli cher Kürze. In dem bedeutendsten Hotel der kleinen, aber sehr lebhaften Stadt, in wel cher unsere Gesichte spielt, war ein inte reffanter Fremder Angetroffen, ein hüb scher jungerMann von feinen, geschmeidigen Manieren. Schon bet seinem Eintritte erregte er lebhasteAusmerksam keit, die sich sogleich steigerte, als die erste Konversation zeigte, daß der neue Paffagier ein Mann sei, der weit in der Welt herumgekommen, und von heiterem Sinne getragen. Am meisten Aussehen machte eö aber, als sich unter seinen Ge päckstücken eines von so ungeheurem Umfange zeigte, daß es auf einem Last wagen vomBahnhofe weggebracht werden mußte. Natürlich machten sich die Müs skgganger derStadt llsogleich eisrig da ran, sich über dieses Gepäckstück und. sei nen Besitzer ihre werthen Köpfe zu zer brechen. Die Vermuthung des als schassinnig verrusenen, dummen Hotel Hausknechts, das auffallende Packet ent halte Waarenund sei der Besitzer ein Händler mit Pokelwaaren, die hier ausverkauft werhen sollen, fand am meisten Glauben, und es sahen deshalb bereits die einheimischen Kaufleute ergrimmt nach demHotel, indeß der Präses der Gemischtwaarenhändler schon beim Bürgermeister erschien, um mit allerEnt schledenheit Einsprache zu erheben gegen das in Aussicht gestellte .fliegendeEtab liffement eines fremden" Schwindlers. Kaum war daher derFremde noch iV Zimmer getreten, so legte ihm derGarczon auch schon denMeldezettel vor,und reichte ihm in vornehm-zuvorkommender Hal tung zierlich die eingetunkte Feder. Der Fremde lächelte und füllte die Rubiken desZettels aus. Eilig stürzte derGarson über die Treppe in den untern Speise saal, der diesmal vonGästen'gesüllt war. Er ist einSchlffer !" meldete derGarson, den Zettel in der Hand. Das kann ja nicht sein !" schrie der Diurnist der Poti zei; der Mann sieht keinem Schiffer gleich ! Laffen Sie den Zettel sehen !

Richtig, da steht .Schiffer", aber nsch et was ist dabei: 2 u ( x Lust schiffer!" '.Sonderbar!" schüttelte der Sekretär des Polizeiamts den Kops. Aber, meine Herren, sagte ein Herr, der jährlich acht Tage in der Residenz zu sein pflegte, .das ist ja sehr einfach ! Er ist Lustschiffer, d. h. Schiffer zu seinem Vergnügen, oder was man einen Ruder sportsman nennt." Eine Viertelstunde daraus kam der Gareon mit einem riesigen Plakat aus dem Zimmer des Fremden. Es ward an dieWand ehester, und man las : Mor

gen C Uhr Abends wird Herr Schnak mann crus London von hier - aus eine Lustsahrt mit seinem Ballon unter nehmen." Ein Luftschiffer ist's? schrie der Bür germeiste?, und kein Luftschiffe? !. .Nicht einmal ordentlich lefen können Sie !" Diese lehten Worte waren dem Diur nisten des Polizeiamts zugedonnert, welcher sich beschämt aus seine geröstete Leber niederbeugte, worüber die ganze Gesellschaft in Heiterkeit ausbrach, weil der gute Polizeischreiber wegen seiner Amtsgespreiztheit allgemein unbeliebt war, und man ihm daher eine Dehmü thigung von Herzen vergönnte. Indeß war Doktor Roderich eingetre ten. Er grüßte, zog sich aber offenbar nicht in bester Laune wir wiffen, wa rum in ein kleines Nebenzimmerchen zurück, wo eben nur zwei, drei Gäste an einem kleinen Tischchen Platz hatten. Gleich darauf trat auch der Fremde ein, der Lustschiffer Schnakmann. Er grüßte in der liebenswürdigsten Weise und schien sich zur allgemeinen Besriedi gung am großen Speisetisch niederlaffen zu wollen, als er einen Blick in das Ne benzimmer warf, sogleich in dasselbe eilte und im nächsten Augenblicke an der Brust 'des Doktors Rodench lag. Verwundert sahen die im Saale ei nander an und rückten nach und nach immer näher zur Thüre des Zimmer chens heran, in dem sich offenbar jetzt zwei alte Bekannte gefunden galten. Eben neigte der Polizeiamtsschreiber sein Ohr nach dem Gemache, als die Thüre deffelben plötzlich zufiel.. Das ist ärgerlich!" sagte zwar Niemand in dem großens Speisesaale, aber auf jedem Gesichte konnte man es lesen. Doktor Roderich und der Lustschiffer, welche sich hier so unvorbereitet nach mehr als zehnjähriger Trennung trafen und von der Schule her in innigster Freundschaft zu einander standen, hatten sich, wie man denken kann, gar viel zu erzählen. Besonderes der Lustschiffer hatte ein großes Stück seiner Biographie zu entwiueln, da er bei seinem lebhasten Wesen, seinem unruhigen Geiste ein abenteuerliches Leben gesührt hatte. $ Er war Beamter bei einer Eisenbahndirek tion gewesen, dann Reporter eines gro ßen englischen Blattes) hierauf Schau spieler und Sänger und sigurirte jetzt als Aeronaut. Bei dem Humor, mit dem er seine mannigfachen Erlebniffe zu fchil dern wußte, konnte efe nicht anders fein, als daß seinem Jugendfreunde die Miß stimmung, die ihn niederdrückte, völlig schwand. Aber nun kam die Reihe des Erzählens an ihn. Seine Geschichte war einfach. Er hatte sein Ziel : Doktor der Heilkunde zu werden, zu errei chen gehabt, war bisher noch zu keiner bedeutenden Praxis gelangt und sah nun den Traum seiner Liebe zer riffen. Armer Roderich;" sagte der Lustschiffer. Der Bedauerte mußte nichts Besseres zu erwiedern als zu seufzen. Und das Alles, weil dem Papa deiner Liebsten 10.000 in der Kaffe fehlten! Der Teufel soll doch das Geld holen, diesen Hauptsi'.men dieser dum men Welt !" rief der Luftschiffer ärger lich aus. Damit ist aber nichts gehol fen!" brummte Roderich. Du hast Recht Freund! Man muß trachten, etwas dagegen zu thun!" stimmt! der Lnstschiffer bei. Doktor Roderich sah ihn fragend an. Ich weiß. Du bist herzensgut." sagte er, bist -Du denn in so guten Verhältnissen, daß Du wohl thätig in mein Schicksal eingreisen könn test?" Der Luftschiff lachte laut auf. Leider bin ich's nicht! Wenn ich hier keine Geschäfte mache, sitze ich sogar ziemlich ties in der Tinte!" Doktor Roderich ließ den Kops sinken. Nur nicht den Muth verlieren, Freund!rief ihm der lebenskräftige Gefährte zu, ich baue auf die Klugheit Dei ner uorel. sie sazelnt viel esprn zu haben. Wenn dein Rivale noch' so eigenartig ist, wie ich aus Deiner Mit' theilung entnehme, .so ließe sich daraus vielleicht etwas spinnen!. Die beiden Freunde sprachen lange noch aber so leise mit einander, daß Einige von der Philisterschaft im großen Speisesaal ihr Projekt, durch Nähertre ten an die Thüre wenigstens Einiges aufzuschnappen, absolut aufgeben muß ten. .Wir wollen morgen sehen, ob die Papiere des Herrn Lustschiffers in Ordnung ' sind!" sagte der Bürgermeister mit bedeutungsvoller - Miene und gab dann mit seiner Entfernung das Zei chen zum allgemeinen geräuschvollen Aufbruch. Die erste Auffahrt des Luftschiffersder sich nebenbei vor dem gestrengen Amte glänzend legitimirt hatte fiel sehr glücklich aus. Nicht verfehlen konnte eS dabei, daß Doktor Roderich, der die ffahrt mitgemacht hatte, Gegenstand des StadtgesprächeZ wurde. Schon am nächsten Tage ward er zu Krankende suchen aufgefordert, die er niemals zu erwarten so kühn gewesen wäre. Er war mit einem Male ein interessanter Mann geworden, während man bisher kaum von ihm Notiz genommen hatte. Ohne eS gewollt zu haben, wirkte jetzt eine Reklame für ihn, von der man sa gen konnte, sie' sei ihm aus der Lust ge kommen. Leonore, welche in Roderichs Luft fahrt ein Symptom äußerster Verzweif lung gesehen, und mit Herzklopfen die Rückkunft der Luftreisenden erwartet hatte, war über den Erfolg freudig er regt und voll von gesteigertem Ueber muth. Nun muß Josua auch in die Lust fahren!" fuhr eö plötzlich durch ihr Köpfchen. Sie klatschte über diesen Ge danken in die Hände. Dazu wird sich doch der feige, schwerfällige Mensch nicht entschließen triumphirte sie; Dann schmolle ich so lange, bis er es endlich

satt kriegt, und sich eine andere, weniger phantastische Braut sucht !" Ilin Tif2 OnrM .Clfi X ntt lit

V ft t v v v V w v w i vy 0 i srüh triumphirst ? Selbstverständlich war' Josua nicht wenig srappirt von der Zumuthung, er solle die nächsteLustschijsahrt mitmachen ! Im Anfange hielt er die Sache für ei' nen lustigen Einfall, und er entschloß sich darüber zu scherzen. Als aber nicht mehr zu verkennen war, daß es Lore's vollkommener Ernst war, da sträubte such alles in ihm dagegen; ja, wenn er da ran dachte, sühlte er sogar seine Haare sich emporsträuben. Mehrmals war er bereits so weit daß er seine Sachen in die Koffer packen wollte, um kurz und gut die Stadt zu verlassen und seine Be ziehungen zu der kleinen Wctterhexe abzubrechcn. Aber immer wieder erfaßte ihn seine unglückselige Neigung zu Lore mit erneuter Gewalt, und so kam es endlich, daß Herr Josua sich mit einer wahren Verzweiflungs'Encrgie zu dem Wa gestück entschloß. An einem der nächsten Tage erschien denn der arme Verliebte in dem Raume, der zur Auffahrt be stimmt war. Er war bleich, und seine Wangen hingen schlaff herab. Scharfe Beobachte: wollten ein leises Frösteln an ihm bemerkt haben. Er hatte, ob wohl es wärmstes Wetter war, seinen Reisepelz von echtem Zobel mitgenom men, weil ihm wirklich kalt war, und er in den höheren Lustschichten auf großen Frost rechnen zu müffen glaubte. Außer dem war er mit einem riesigen Doppel perspektiv versehen, aber wohl nur zum Scheine, denn er wußte nur zu gut, daß er keinen Blick aus der Gondel hinauszuthun sich vorgenommen hatte, und zwar aus Furcht vor Schwindel. An ei ner Schnur hing ihm eine kolossale Eigarrentasche. Ihr Inhalt war bestimmt, ihn in eine beständige Rauchwolke zu hüllen, um so wenig als möglich von dem ungeheuren Aethermeere zu sehen. Sein Hut war ums Kinn mit einem Riemen festgeschnallt, außerdem war er noch mit anderen Riemen in der Hand versehen, über deren Zweck sich Niemand klar werden konnte. Aber als er auf ein gegebenes Zeichen mit einem tiefen, tiefen Seufzer und einem schmerzlichvorwurfsvollen Jammerblick auf die anwefcnde böse Lore" in die Gondel stieg, flüsterte er dem Lustschiffer etwas zu, woraus dieser lächelte und seinen Mitrei senden, offenbar aus dessen Wunsch, mit dem Ledcrriemen mehrsach an die Gondel schnallte. Diese Procedur ries im Publikum allgemeines Gelächter hervor. Josua hätte weit lieber in die Erde sin ken. als in die Luft fahren mögen. Endlich erhob sich der Ballon, die Stricke, die ihn noch hielten, wurden losgelaffen, und stolz hob sich das Luft sahrzeug. Beifall begleitete die Reisenden, während' Josua leise murmelte : Der Teufel soll Euch alle da unten holen!" Bisher war der Luftfchiffer fehr freundlich gewesen, aber je höher sie kamen, je finsterer ward sein Gesicht ! Immer mehr zog er seine Stirne in dro hende Falten, und seine Augen rollten unheimlich in ihren Höhlen. Natürlich war Josua nicht wenig bestürzt über diese unverkennbare Veränderung, die mit dem Lustschiffer vorgegangen war. Seine Beängstigung ward immer mehr gesteigert, als sein Lustsührer gar keine Notiz von ihm nahm. Auf einmal wandte sich der Aeronat mit den beson deren Worten an ihn:' Mein Herr, hängen Sie sehr am Leben?" Josua war über diese Frage total perplex. Die hämische, dämonische , Art, mit der sie 'vorgebracht worden war, hatte den armen Josua überzeugt, daß der Lust schiffer plötzlich verrückt worden sei. Jo sua vermochte vor Entsetzen kein Wort hervorzubringen. Sehen Sie die schwarze Wolke über uns?" frug ihn nach einer schrecklichen Pause der Lustschiffer. Josua vermochte nur mit dem Kopse zu nicken. Das ist eine stark geladene Gewitterwolke!" fuhr der Aeronaut mit fürchterlicher Ruhe fort; m die Wolke fahren wir Direkt hmem! Josua sah ihn starr an, als wäre er so eben vom Blitz getroffen worden. Aber da können wir ja. . . . elend zu Grunde gehen!" stammelte er endlich. Und was liegt daran? entgegnete ihm der Andere mit frostigem Hohn. Er lauben sie . wvr 2oua aus, .mir liegt sehr viel daran! Be dauere! , Jetzt ist eö zu spät!" brummte der Luftschiffe?, woraus er Josua's Pelz aus der Gondel wars. Er tst unnötbia und zu schwer", erklärte er. Mein kostbarer Zobelpelz!" jammerte Josua leise. Nun warf der Luftschiffer mehrere Sandsacke aus, worauf der Bablon sogleich rapid höher stieg. Um Gotteswillen!" schrie Josua, wir steuern ja direkt in die Wolke!" Das will ich hi!" antwortet ruhig der Andere uno machte Miene, die Gondel noch weiter zu erleichtern. Das war dem armen Mitreisenden zu viel. Er wollte ausspringen und mit seiner überlegenen Krast den Verrückten bändigen, aber er konnte nicht,- denn er war unglücklicher Weise festgeschnallt! Aber", begann der Aeronaut. aber ich halte mich doch verpflichtet, Ihnen zu sagen, warum ich den Tod suche. Ich liebe ein Mädchen; sie kann aber nicht die Meine werden, weil mir nach der Bedingung des Ty rannen von einem Vater ein Vermögen von 10,000 Thälern fehlt. Ohne sie sterbe ich lieber!" Ich mische mich nicht in Ihre werthen Angelegenheiten, wagte Josua zu erwidern, aber wie komme ich dazu, mit Ihnen zu ster ben, der ich gestern noch gar nicht die Ehre hatte, Sie zu kennen!" Hicr war Josua'S Stimme so kläglich gewor den, daß der Lustschiffer Mitleid mit ihm zu bekommen schien. Es ist wahr", sagte er, ich hätte Sie früher von mei ner Absicht unterrichten sollen, aber ich faßte ja den Gedanken erst, als wir schon hoch in der Lust warenz" Wenn Sie 10,000 Thlr. haben, wollen Sie dann nicht mehr sterben?" fiel ihm Josua plötzlich ein. Gewiß nicht!" erwiderte der Lustschiffer, und sein Gesicht klärte sich auf. Dann nehmen Sie hier meine Brieftasche!" rief Josua eiligst, es sind gerade 10 Stück Bank billetö a 1000 Thlr. ES ist mir ein Vergnügen, sie ihnen, zum Geschenk zu machen!" Mein Lebensretter ! Mein Wohlthäter!" schrie der Lustschiffer an der Brust . deS großmüthigen Reisige

fährten. Nicht der Rede werth!" bemerkte Josua, dem es wirklich nicht daraus ankam, ob sein Vater noch ein Packet Bankblllets mehr für ihn verwen'

de. Aber nun bitte ich sehr, öffnen Sie das Ventil, das die ganze verteufelte Luft aus dem Ballon entfliehe, und daß wir so schnell als möglich wieder auf die hebe, nebe Erde kommen!" Mit gro ßem Geschicke operirte der Lustschif ser foglelch nach Josua's Wunsch. In emer Viertelstunde waren sie, zwei Bahn stationen vom Orte der Auffahrt ent fernt, ungefährdet wieder aus der Erde. Eben war im nahen Bahnhos ein Zug zur Abfahrt nach Josua's Heimath bereit. Von ganzer Seele froh, erreichte Josua noch den Zug,und wenige Minuten später fuhr dieser mit dem ein über's andere Mal glücklich Ausathmenden davon. Roderich und Lore wurden ein Paar, denn die aus derLust gekommenen 10,000 Thaler halsen dem Vater Wepenried aus der bösen Verlegenheit. Josua aber verzichtete auf jede fernere velbstwahl einer Braut, woran er sehr wohl that, denn, wie Figura' zeigte, besaß er viele Anlage zu einem Pantoffelhelden. Der Lustschiffer hingegen hatte sein schauspielerisches Talent bei der Poffe in der Luft, die er für seinen Freund ersann und ausführte, wieder so mächtig erwachen.gcfuhlt daß er die Gondel mit dem Thespiskarren vertauschte, aus dem er noch heute mit Erfolg durch's lustige Le ben fährt. Josua'S Zobelpelz wurde aufgefunden und belmLuftfchlfferSchnakmann abgegeben. Dieser sandte ihn mit nachfolgenden Zeilen an Josua : Verehrter Herr! Anbei Ihr kostbarer Pelz. Leider sand er keine Gelegenheit, Ihnen so warm zu machen, wie es mir gelang ! Verzeihen Sie mein Spiel! Es galt zwei Liebende glücklich zu machen. Diese rf . ? T"' 0,5 rk.r ... ? rinnerung'wlro öie yr aicoen lang mehr erwärmen, als es jemals Ihr Zo belpelz vermag ! Ihr ergebener . Schnakman, Aeronaut und Komödiant .Dafür kostet er auch 10,000 Tha ler !" notirte Josuas Vater mit Bleistift auf den Zettel. Die Selöstmörder. AuS de Leben.. Man sollte meinen, daß. weil die Ehen im Himmel geschloffen werden, die Ehe auch wenigstens ein Stück Paradies sein müßte. Und so ist es .auch, nur ist in den meisten dieser Paradiese die Schlange der Zwietracht, der Eifersucht und wie die Friedenstörer alle heißen mögen, und die Unschuld, die Eintracht und der Friede haben ReißauS genommen. Auch der Kaufmann Schwendler lebte in einem folchenjParadlefe, nur war es zweifelhaft, wer von den beiden Ehegat ten das am meisten beklagte, in das sie sich in einem Augenblicke der Leidenschast, oder, wie die Leute sagten, in Folge eines Rechenfehlers gestürzt. Herr Schwendler hatte wirklich dei seiner Ver heirathung mehr das Vermögen, als die Liebeswürdigkeit der Braut ins Auge gefaßte, und erst später gesunden, daß er sich in seinen Votaussetzungen schmerz lich getäuscht. Wie dem auch sein mag. Die ganze Stadt wußte, daß die schwendler'sche Ehe eine sogenannte unglückliche war, und Niemand wußte es mehr, als die Ehegatten selbst. Ansangs hatte man doch wenigstens vor den Leuten ein freundliches Gesicht gezeigt ; am Ende wurde aber auch den beiden Gatten der Schein zur Last, und sie lebten, wie man zu sagen pflegt, auch öffentlich wie Hund und Katze. Und zwar dies um so mehr, als die Vermögens.Verhältnisse sich von Tag zu Tag verschlechterten, statt sich, zu verbeffern. Als Herr Schwendler seine Rechnungsbücher ausschlug und die Bi lanz zog. ergab sich ein nicht unbedeuten des Deficit. Nun hat zwar Mancher mit einem Bankerott sein Glück gemacht; abeiHerr Schwendler war dazu entweder zu ehrlich. oder nicht klug genug. Ein Mittel aber gad's, ihn von seinen Schulden und von seinem häuslichen Glücke auf einmal zu befreien. Er steckte ein Paar Pistolen zu sich und ging damit in den Wald. Frau Schwendler hatte das unruhige Wesen ihres Mannes wohl bemerkt und folgte ihm aus dem Fuße. Von ihm un gesehen, war sie vor ihn getreten, als er eben, unter emem weitschattensen Elch bäum sitzend, die Pistolen lud und dabei Betrchtüngen anstellte über die Nichtig keit alles Irdischen. Mit einem tiefen Seufzer sah er plötzlich auf und in das blaffe Gesicht seiner Frau. So weit ist eö mit uns gekommen" sagte der Mann, daß mir kein anderer Weg übrig bleibt, und d.ara bist Du schuld, Du ganz allem ! Hatte mein Un stern mich nie mit Dir zusammengeführt. so wär' ich noch der glückliche Mann, der lch war. Hab' ich mich Dir aufgedrängt ? war die Antwort der Frau. .Ich hätte beffere Partien machen können und wäre zedenfallS glücklicher, als ich bin." Darum müffen wir scheiden," seufzte Herr Schwendler daraus. Ich bin rui nirt. Das ließe sich verschmerzen durch Sparsamkeit und Arbeit. Mem haus liches Unglück aber läßt sich nicht ver schmerzen. Ich habe meinen Weg ge wählt. Sei Du glücklich!" Wir wollen versöhnt scheiden", sagte die Frau gerührt, und Du sollst nicht allein sterben. Gib mir eine Deiner Pistolen. .Wie? Du solltest!" Ich will. Wir können im Leben nicht glücklich werden, das erkenn' ich wohl. So dürfen wir's im Tode. Gied mir die Pistole. : Leb' wohl!" Herr Schwendler reichte ihr zum letzten Abschiede die Hand, nach her die eine der beiden Pistolen und ging damit tiefer in den Wald. Wie Herr Schwendler nun in dem Wald fürbaß ging, begann er bei sich zu überlegen. Weswegen wollt' ich denn sterben ? Etwa meiner Rechnungsbucher halber? Gewiß nicht. Also wegen meiner Frau. Wenn aber meine Frau sich er schießt, bin ich ihrer quitt, und ich kann ein anderes, ein freies, ein besseres Le

den beginnen. Sein Gewiffen, das auch mitsprechen wollte, brachte er durch al lerlei Sophismen zum Schweigen, und das Resultat seiner Erwägungen war, daß er ein Narr sein müßte, wenn er sich wirklich erschießen wollte einer Frau rat gen, die vielleicht im nächsten Augenblicke nicht mehr war. Er richtete daher die Pistole nicht aus seine Brust, sondern in die Lust. Der Schuß siel. In demselben Augenblicke fast rollte durch den Wald ein zweiter Schuß. Her2 Schwendler lauschte mit angehaltenem Athem. Sie hat Wort gehalten!" flüsterte er leise vor sich hin, aber es wollte ihn fast ein Schauder überkam

men. noek beueate oer Geoanle: uu bist nun frei! kein Grauen t und eilenden Fußes verließ er den Wald, und eilte auf den Umwegen der Stadt und seiner Wobnung zu. Wer beschreibt aber das gegenseitige Entsetzen und Erstaunen, als beide Ehegalten in dcmHausflur zusammentrafen. Sprachlos starrten ne sich an. Eins glaubte in dem Andern ein Gespenst zu zu sehen. Du bist nicht todt?Du hast Dich, nicht erschoffen?" Frau Schwendler hatte ungefähr die selben Gedanken gehegt, wie ihr würdi ger Gatte, und hatte ihren Schuß ebenfalls in die Luft gefeuert. In der festen Ueberzeugung, nun ihres Eyetyrannen ledig zu sein, war auch sie aus einem Umwege zurückgekehrt, und der Zufall hatte es gefügt, daß sie in derselben Zeit durch die Vorderthür eintrat, als Herr Schwendler durch die Hmterthure kam. Es scheint wirklich, daß der Mensch seinem Schicksal nicht entgehen kann !" seuszte Herr Schwendler, nachdem er sich überzeugt, daß seine Frau leibhastig vor ihm stehe. Fügen wir uns also gedul dig drein und schließen wir Frieden." Die Frau schlug m die dargebotene Hand ein und sagte : Versuchen roir'S noch einmal miteinander!" So war der Friede wieder hergestellt. Ich denke aber, er wird nicht lange gedauert haben. EheundMeer. In wiefern gleicht die Ehe dem Meere ? In Beiden wechseln Ebbe und Fluth. Wenn in der Kaffe des Mannes Ebbe eingetreten ist, folgt stets eine Fluth von Thränen und Schelten der Frau. - Ei n Scherz vom kleinen Thiers. Der verewigte Staatsmann witzelte eines Abends m glänzender Gesellschaft darüber, dan man ihn xtC Zei tungen fo oft den kleinenThiers nenne. Als ich noch ein Knabe war," setzte er lächelnd hinzu, war ich fo klein, daß ich auf einen Stuhl steigen mußte, wenn ich mir Erdbeerm pflücken wollte." NocheinScherzvomHeirathen. Nun ja," fagte Herr Arthur, ich habe Mich entschlos en. Mm zn helrathen, und hoffe auch glücklich mit ihr zu werden ; aber, ich muß gestehen, etwas stört mich doch, ihr früheres Verhältniß mit Hermann Jost. Aber, rch bitte Dich, Freund, sie haßt ihn ja wie Gift !" - Eben deswegen der Haß ist mir zu bitter, als daß ihm nicht eine süße Liebe vorangegangen wäre Auf dem Lande. Papa, neulich las ich, wenn man einen wüthenden Stier anblickt, bleibe er slehen und könne einem nichts thun. Ich Hab's heute so gemacht. Ich habe den wilden Bullen starr angesehen, und er stieß mich nicht." Was? Ist das wirklich wahr ?" rief der Bater erschreckt. Ja, aber das Staket war dazwischen." NiedererWasserstand. Die Zeitungen gesielcn sich neulich darin. zu melden, der Wafferstand des Rheins sei so niedrig, daß man bei Straßburg im Flußbett nächstens ein Volksfest feiern undSchweine braten werde. Ja wohl," fagte tvx biederer Rheinländer in Breslau lächelnd, abn Schweine werden nicht gebraten werden, sondern Enten, welche nur noch in emer trockenen Zel tung zu schwimmen versuchen, und die Rheindampschiffe brechen zu ihren Fahr ten schon früh drei Uhr auf, um durch den Thau ein bischen mehr Näffe zu haben." GeschlichteterStreit. Zwei leidenschaftliche Anhänger des Methodismus und PietiSmuS stritten sich über dieWirkungen ihrerLehre. Bei unseren Predigten," behauptete der Methobist, finden die meisten Erweckungen statt." Hm erwiderte der Andere, da müssen sie doch vorher bedeutendem geschläfert haben." Job. Job kam in aller Hast zu seinem Herrn auf demGute gelaufen und sagte, er möge ein paar Leute schicken, Bob stecke im Schlamme. w.Wie weit steckt er denn?" fragte der GutSheer. Bis an dieKniee, Herr." Na, da mag er sich allein wieder heraushelfen", lachte der letztere. Ach, Herr, er kann nicht", seufzte Job, .steckt drin vom Kops bis an die Kniee." Weitgereist. Benjamin erhielt in der Schule Arrest, weil er wie derholt ein Buch vergessen hatte. Nun, Benjaminchen, wo warst Du heut' so lange?" fragte ihn seine Mutter. Ich war in Bucharrest, liebe Mama," antwortete der angehende Witzling. Sonntagsentheiligung. Wer Sonntags feil hält, entweiht, sagt man, den Tag. Wie ist es dann mit Denen, welche Maulagen feil halten? Die künstlerischen Nei gungen der Damen. Als junge Mäd chen lieben sie Kniestücke" und Brustbilder", indem sie ihre Anbeter vor sich knieen sehen und sich von ihnen an's Herz drücken laffen, als Frauen wollen sie lie ben in großen Proportionen," wenn sie alter werden, ziehen sie den .verjüngten Maßstab vor und ganz zuletzt mögen sie nur noch UeberlebenSGröße, das heißt die Wittwen ihrer Männer werden. Einer, der keins hat. In den Kämpfen der Oesterreicher mit den Albanesen wurde unter Anderen ein bie derer Steiermärker am Kopse verwundet. Halb ohnmächtig lag er da, und der Wundarzt sagte, er werde sterben, das Gehirn sei verletzt. . Da richtete sich der verwundete plötzlich halb aus. Glau ben Sie's nicht." sagte er; glauben Sie's nicht ! Hundertmal hat mir mein Hauptmann gesagt, daß ich keine Grütze im Kopse hätte."

Aphorismen über den Hagestolz. Z?on Johö. Billl.igs. Der chronische alte Junggesell gehört unbedingt zum sächlichen Geschlechte. Diese Leute sind wie gedörrte Aepfel an einem Faden und müffen tüchtig auf geweicht werden, ehe man sie brauchen kann. Manche darunter mögen gute Ursache zu ihrem sterilen Stande haben. Sie sind zu knickerig, um zu heirathen. Dies ist die beste Entschuldigung für sie.welche ich kenne, denn einem knicke? gehört kein liebes Weib. . Manche haben sich hintcr eine Kokette gemacht, konnten nicht mit ihr Schritt halten und schließen nun daraus, daß sämmtliche Mädchen schwer zu fangen und zu nichts gut sind, wcnn man sie ' gefangen hat. Eine Kokette einzuholen, ist schwierig, wenn man die Hatz nicht versteht. 'An dernfalls sind sie gerade am leichtesten zu erwischen und geben ost die besten Weibcr. ' ' Wenn sich eineKokctte wirklich vergebt. n r p - '

oann tu 11c 10 maazilos, wie eine abge mähtes Gänseblümchen. Hagestolze machen Koketten, und die Koketten werden dabei mehr als quitt. lnoem nc sagejioize machen. is soll, so sagen Mir Leute, die mebr hiervon verstehen als ich, alte Jungge icuen ge?en. 01c es aus getäuschter Liebe geworden sind. . Das ist beinahe ebenso gescheidt, als wenn Jemand, die gan;e Nackt draußen in der Kälte am unrechten User eines Fluffes bleibt, weil er sich in den Kops gesetzt hat, ihn just an der Stelle zu durchwaten, wo er weiß, daß ihm das Waffer über den Kops geht, während, wenn er ein Bischen hinauf oder hinunter ginge, wo es ganz oequem, er noch dazu ein süßes kleines Wesen finden würde, das ihm mit ausgestreckten Armen herüberwinkt. Getäuschte Liebe liegt natürlich ganz aus einer Seite und entschuldigt daZ Junggesellenthum nicht mehr, als wenn Jemand aus purem Aerger alles Arbei ten aufgäbe und in ein Armenhaus ginge, weil er eineTonne nicht mit einem Ruck heben kann. Hagestolze, fagen Andere, sind es geworden, weil sie die Bürde einer Familie scheuen. Das wäre eine gute Ausrede, wenn sie eine Wahrheit enthielte. So ein alter Junggesell prahlt dir von seiner Freiheit, seiner Sorglosigkeit, seiner Unabhängigkeit vor. Das ist eine taube Nuß, denn Jedermann weiß, daß es keinen bekümmerteren Trops auf Erden giebt, als ihn. Alle seine Träu mc sind Kohle, Skizzen von Backsischen; er kleidet sich, ölt sein Haar, särbt seinen gräulichen Bart, kultivirt Hühner und Elsteraugen, um seinen Beherrscherinnen, die Frauen, zu gefallen, und wird für alle seine Mühe nur ausgelacht. Ich habe es versucht, ein alter Jung gesell zu werden, bis ich vierundzwanzig Jahre alt war, und bin beinahe umgekommen. Damals hatte ich mehr Schmerzen in einem Jahre, als die ganze Zeit seither, und anhaltend hochgradiges Fieber. Wenn ein Mensch nichts als Eitelkeit und Selbstsucht in sich hat, so ist er sehr geneigt, ein Hagestolz zu werden, und gewöhnlich ein gutes Exemplar von der Sorte. Aber das sind die widerlichsten Charakterzüge, die ein Mann haben kann, und es giebt kein stärkeres Argu ment zu Gunsten des Heirathens, als die Thatsache, daß nichts diese Leiden so gründlich kurirt, als eine Frau und einige kleine Kinder. Bis jetzt hat nur ein einziges Wesen diese Welt bewohnt, das ein alterJung gesell werden und diesem Stande zu seinem Recht verhelfen konnte, und da? war Adam. Seit es aber Adam für gut fand, den Reigen zu eröffnen, halte ich es für jedes Mannes Pflicht, sich gleichfalls eine Tänzerin auszusuchen und frisch drauflos zu tanzen.

König Milan der CrNe. Freudenrnfe schreit der graue Kukuk Auf des Serbenlandes schönen Hügeln, Heller Jubel tönt in Serajewo; Denn zum König ist ernannt soeben Von der Skuptschina der edle Milan. An dem weißen Tag, als dies geschehen war. Trat hervor der neu ernannte König, Schön geschmückt mit einem reinen Hemde ; Hatt' ein seid'nes Schnupftuch in der Tasche, Das er ausbewahrte lange Zeit schon Als ein Kleinod in der bunten Truhe, Nie gebraucht vor diesem großen Tage. Also trat er in den Kreis der Edlen, Die mit lautem Zurus ihn begrüßten. Einen Zober voll gebrannten Waffers Ließ er bringen nach dem weißen Hofe. Jedem Edlen schüttelte die'Hand er, Einem Jeden aus dem Zober schöpft' er Einen Becher voll des goldnen Trunkes. AuS des Ahornbaumes Holz gedrechselt War der Becher überaus geräumig. Auf des Königs Wohl mit einem Zuge Leerte non den Edlen ihn ein Jeder ; .König Milan lebe !" rief ein Jeder. Saß darauf dr König auf dem Throne, Deffen Sitz aus Rohr war fein giflochten. Tinte ließ er sich und Feder bringen, Weltpostkarten schrieb er eigenhändig Denn er war des Schreibens wirklich kundig An die anderen Könige der Erde, Ihnen meldend, daß er Ihresgleichen, Und jedwede Karte also schließend : Mit dem besten Gruß von Hauö zu Hause Achtungsvoll ergebenst Milan, Königs Als e? dieses schwere Werk vollendet. Uebergab die Karten er dem Reiter, Der sie brachte nach dem nächsten Kasten; Zechte weiter daraus mit seinen Edlen, Und der Becher machte ost die Stunde. Und ein Zober Schnapses, folgt de andern. Draußen aber vor dem weißen Hofe Stand das Volk und jauchzte froh be geistert. Laut erklang eö : .Herrscher Milan lebe. Der bisher der Serben Fürst gewesen. Der von heut' ab ist der Serben König Und dereinst wird Kaiser sein der Serben ! (Kladderadatsh)