Indiana Tribüne, Volume 4, Number 201, Indianapolis, Marion County, 9 April 1882 — Page 5

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yarbenfreude nd yardensche. Bs I. Lnthmer. Kein Unglücklicher ist unseres Mitleids gewisser, clß der Winde; gegen keine Klasse der HülfsbedürftZgen erfüllt die Gesellschast ihre Verpflichtungen lieber und reichlicher, als gegen die, welche nach des Dichters Worte .fühlend wandeln in der Nacht, im ewig Finstern." Aber indem wir unsere unbedingte und freudige Hülfe Denen zuwenden, welche völlige Blindheit hülflos und arbeitsunfähig gemacht hat, behalten wir wenig In. tereste übrig für die Unzähligen, welchen das Organ des Gesichtes zwar verliehen ist, denen jedoch, fei es in Folge mangel hafter Disposition oder falscher Gcwöh nung ein großer Theil der Freuden und Genüsse entgeht, welche uns das Auge vermittelt. Der Mangel der also Benachtheiligten, der ästhetisch Blinden oder Halbblinden, wie ich sie nennen möchte gruppirt sie nach den beiden Rich tungen, in welchen uns , das Auge die Eindrücke der Außenwelt vermittelt, die wir aber von Jugend aus vereinigt em pfinden und unS getrennt nicht denken können : dem Formensehen und Farbensehen. Aus die Mängel deS ersteren hier näher einzugehen, würde uns zu weit von un serm Thema entsernen. Wie 'unentwiekelt dst bei sonst normal gebildetem Au

ge, aber auch entwickelungSsähig die Funktion des Formensehens ist, weiß Jeder, der das Glück hat. die Jugend in einer der bildenden Künste zu unterricht ten. Doch dürste kaum ein Beispiel dafür anzuführen sein, daß aus einem Mangel nach dieser Richtung der Gesell schast ein Nachtheil oder eine Gefahr erwachsen könnte. Anders ist es mit den Mängeln im Farbenschen. Bekanntlich hat sich neuerdings die Augenheilkunde wie die Statistik mit besonderer Ausmerksamkcit dem Kapitel der totalen oder theilweisen Farbenblindheit zugewendet. Denjenigen, welchen bei sonst normalem Sehvermögen die Empfindung für be stimmte Farben gänzlich fehlt, ist selbstverständlich eine ganze Anzahl von Berussartcn verschlossen oder im Interesse der allgemeinen Wohlsahrt zu verbieten. Denn wenn im Beruse des Färber? oder deS MalerS die Farbenblindheit nur dem von diesem Mangel Betroffenen Nachtheil bringt, so kam ein Lootse oder ein Eisenbahnbeamter, dem der Unterschied zwischen rothen und grünen Signallichtern nicht zum Bewußtsein kommt, das Leben von Hunderten gefährden. Aber nicht fowohl mit dieser kränkhaften Erscheinung der Farbenblindheit ha den wir es zu thun, als mit der gerade in unseren Tagen so sehr verbreiteren ästhetischen Unlust", Farbe zu sehen, die Freude zu genießen, welche die Farbe in unser Leben bringt. Man muß be fürchten, etwas Gewagtes zu behaupten, wenn man in dieser Hinsicht Farbe und Ton in Parallele stellt ; wenn man die Farbe als ein ebenso erheiterndes, belebendes, die Nerven gleichzeitig an regendes und beruhigendes Element im seres LcbenZ bezeichnet, wie die Musik. Der letzteren wird kein Mensch diese Stellung bestretten der Farbe gegen über verhält sich unsere Zeit schon seit mehreren Generationen in einer Weise ablehnend, aß man wohl berechtigt ist, diese Farbenseigheit oder Farbenscheu als eine Zeitkrankheit zu bezeichnen und nach ihren Symptomen, ihrer Entstehung und nach der Möglichkeit ihrer Heilung zu forschen. Sehen wir unö daL Leben des heuti gen, gut situirten Bürgers einmal auf feinen Fsrbeninhalt an; prüfen wir, wie viel Gelegenheit, Farbe zu sehen und sich an schöngestimmten Farbenakkorden zu ersrcuen, ihm sein Haus, seine tägliche Umgebung bietet. Lassen wir dabei zunächst jene modernsten Einrichtungen noch unberücksichtigt, die, meist von künst lerischer Beihülse beeinflußt, den Stil einer bestimmten Periode derVergangenheit zumMuper nehmen, die wir aber doch leider noch nicht als Durchschnittsmaß unserer Generation bezeichnen können. Nehmen wir bei unserer Betrachtung den Weg aus dem Engeren ins Weitere, und beginnen bei unserer Person. Für unsere moderne Mannertracht besteht die Farblosigkeit in anerkannter Herrschast. Selbst im Hause und aus Reisen gestat ten wir uns höchstens graue Töne; kaum daß einmal eine Mode unsere Garderobe mit einigen hellgrauen Tönen belebt. Wo wir aber feierlich, in Parade auftreten, sind wir von Kopf bi zu Fuß fchwarz. Wie erfreut da farbendurftige Auge in solcher Versammlung eine gold gestickte Uniform ! und es ist in vielen Fällen gewiß nur ästhetisches Farbendedürfnch, daß die europäische baute volee ihre Salons so gern von den jungen Söhnen deöMarS bevölkert sieht. ES ist ein schönes Vorrecht unserer Damen, daß ihnen die Mode gestattet. sich ln farbige Stosse zu Helden, und unser Auge hat ihnen zu danken, daß sie nach dem Grundsatze :, Wenn die Rose selbst sich schmückt Schmückt sie auch den Garten, von diesem Vorrecht den schönsten und dankbarsten Gebrauch machen.' Aber wie lange ,st es ,enn her, da& man als Balltoilette etwas Anderes als wem tra gen durst ? Finden besorgte Mütter es nicht noch heute unerläßlich, ihre tima üen Töchter zum ersten Balle in den dlendend-veißen Tarlatan der Unschuld zu kleiden? Und an ihrem höchsten Eh rentage tritt die Jungfrau mit dem Er vayuen zum Altare nie anders als in weißem Kleide und weißem Schleier, das einzige Farbige an ihr das grüne Myr W M lyenzweigiein. man venoe nichl em. daß hier das Weiß das äußere Symbol der Jungfräulichkeit se,. Da wo es galt, diese Eigenschaft auf daö Beredteste auszudrücken, bei den Darstellunaen der Jungfra Maria, sind die Maler aller Zeiten und Schulen doch nie auf weiße . c leioiing .versauen Doch folgen wir dem Brautpaare aus der Kirche zum YochzeitSschmauS, und sehen wir uns, während die Glückwünsche ., .. f i . . j ansgerauiqi weroen, mir emem raschen Blick die Hochzeitstafel an. Höchste Ele , . f t.an;, oenn wir oennoen uns in emem sehr auten Hause aber Alles weiß ein Schneefeld, soweit das Auge reicht! Auf dem blendend weißen Tischtuche sind für jeden Gast kleine Stillleben angeordnet; aber sie würden keinen Maler begeistern.

denn ihnen fehlt das, was Las Künstlerauge vor Allem sucht, die Farbe. Aus dem weißen Porzellanteller baut sich iu kunstreichen Falten die Serviette, die würdige Tochter diö damastenen Tisch tuches auf, hinter ihr steht eine Garnitur Gläser wie Orgelpseisen vom Champagnerkelch bis zum Madeiraglas ausmarschirt alle vom hellsten, farblosesten Krystall, höchstens der Namenszug des Hausherrn eingeschlissen. Und wo das weiße Krystall und der weiße Damast aufhört, da tritt daS Silber in feinRecht. Nur ja recht blank geputzt, nur ja keine Spur von Vergoldung an dem prächtigen Tafelaufsatz und den Girandolen, welche die Tasel mehr belasten als schmücken. Jene Sitte, die einmal austauchte, Silbergeräth durch diskrete Vergoldung zu heben, ist von dem wirklich vornehmen Hause, in welchem wir unö besinden, längst als gasthauSmäßig und unfein verlassen worden. Bis jetzt hahen wir noch keine Spur Farbe aus der Tasel wahrgenommen ; unser Auge sängt an, sich nach Farbe zu fehnen, eS schweift sarbendurstig im Zimmer umher aber wir befinden uns nicht im Speisezimmer, man hat wegen der Größe der Tafel im Salon decken müssen, und dieser ist wie könnte eS anders sein in Weiß und Gold dekorirt. Auf die weißen Stuckwände mit den fast verschwindenden Goldleistchen füllt daS Licht durch die

breiten Fenster fast ungebrochen herein, denn die Spitzengardinen, der Stolz der Hausfrau, sind ebenfalls vom blendendsten, nur ein wenig in Blaue spielenden Weiß. ES ist leider kein karikirtes Bild, welches hier von der Farblosigkeit unserer Umgebung zu skizziren versucht wurde. Wohin wir uns wenden, dieselbe Scheu vor einer ausgesprochenen Farbe. Unsere Tapeten mußten noch vor kurzem wenn sie einem seinen" Geschmack entsprechen sollten, im Wesentlichen weißes Glanzpapier mit zartem grauem Muster sein; ja, man erzählt von Häusern, in denen es der höchste Triumph der Haus srau sein soll, alle Räume, Salon und Küche, gleichmäßig in einem hellgrauen Ton mit Oelsarbe streichen zu lassen, m dieselben Samstags abwaschen zu können. Und diese graue Oelsarbe ist sie nicht daS allgemeine Trauerkleid unserer Architektur überhaupt? Sehen wir nicht alle Tage, wie selbst Faaden, die, in natürlichem Werkstein ausgeführt, uns durch die muntere Farbe diefeS fchönen Materials erfreuen könnten, .durch die Tüncherquaste den Reiz der Einheit erhalten. Entsernen nicht unsere Kirchen, na mentlich die dem calvinischen Bekenntniß dienenden, aus ihrem Inneren zeden Farbenfleck wie eine TempelschSndung ! als ob die in grau schattirte Langeweile die einzige Stimmung wäre, die unS zur Gottesandacht erheben konnte ! Ja, so weit ist unS daSFarbenbedürfniß abhan den gekommen, daß wir gar nicht an die Möglichkeit denken, manche Dinge, die in früheren Zelten dieses Reizes nie ent behrt haben, in den Bereich farbigen Schmuckes zu ziehen. Welchem Verleger fällt eL heute wohl ein, feine Bücher mit . . ? , i i oem reizenoen Vqmua rolyer ninaien drucken zu lassen, wie sie sich von dem pergamentsarbigen Papier der Drucke des sechzehnten Jahrhunderts so präch tig abheben, ein Schmuck, den man da malö felbst für Pamphlete und Flug blätter Nicht verschmähte ! Ja, felbst das Geschmeide unserer Frauen, das doch eben an sich zur Zierde bestimmt ist, muß einfarbig sem Gold oder Brillanten in Silber gefaßt. Die Versuche, den löst lichen Emailschmuck und den Reiz sarbi ger Steine, welche . zur Zelt der Renais fance so beliebt wären, wieder elnzufuh ren, fcheitern an dem Einwände : J8un ter Schmuck ist so unfein und markant." Und hierin liegt der Kern der ganzen Frage. Slch freiwillig emes Genusses zu begeben, der uns auf Schritt und Tritt von der Natur selbst dargeboten wird, uegt sonst gar nicht in der Art des menschlichen Geschlechte-. Warum also verhalt eZ sich ablehnend gegen die Far ben und hat das Weiß und Schwarz mit seinen grauen Schattmingen zur Wap pentinktur der Vornehmheit aestempelt ?! Weil jede Farbe einen Charakter hat und ausspricht weil Farbe bekennen so leicht zu Eontroversen sührt, und weil Coatroversen für unser modernes gesel liges Leben unbequem sind. Denn be ruht nicht die ganze moderne Geselligkeit auf einem 'Abschleifen der Gegensätze, einem gegenseitigen Sichanbequemen, wie Busch sie nennt : der Höflichkeit, Dem zierlichen Belügen, Ich weiß Bescheid, du weißt Bescheid, Und Allen macht's Vergnügen, kurz einer stillschweigenden Uebereinkunfz zur Vermeidung jeder entschiedenenMel nung, die genau so farblos und grau ist. wie unsere Wände. Doch es ist schwer und mißlich, einen Zustand zu tadeln, in welchem wir Alle mitten inne stehen, an dem wir Alle, bewußt und unbewußt, Theil nehmen. . ES sei daher auch diese Parallele mit unserer Farbenscheu' nicht weiter getrieben als nöthig. Soviel ist sicher, daß die Vergangenheit zu verschiedenen Perioden eine hochgebildete, im besten Sinne hu-' mane Gesellschaft gekannt hat, die sich in voller Naivetät der Luft an der Farbe in Kleidung und Wohnung, Tasel und Geräth hingegeben hat. Am schwierigsten wird es uns Moder nen, uns das Leben, die Architektur, die Bildwerke der. alten Griechen und Römer farbig zu denken. Der farblose Zustand, in welchem uns die Skulpturen der Antike überliesert sind, der Werth, den wir heute dem Glanz des weißen Marmors beilegen, hat in uns eine so festgewurzelte Ueberzeugung von dem marmorwcißen Aussehen der griechischen Tempelhallen und der darin ausgestellten Götterbilder begründet, daß die Behauptung neuerer Forscher, die auf Grund eingehender örtlicher Untersuchungen daS Gegentheil ausstellten, erst nach jährelangen literarischen Kämpfen durchgedrungen ist. Nicht wenig hat zu diesem Umschwung der Anschauungen die intimere Kenntniß des Orients beigetragen, die wir den letzten Jahrzehnten verdanken. Die gewirkten Tapeten desselben, die Lackarbei ten und Emails haben uns eine ganze Reihe von Farbenakkorden, ebenso wie

von Färbemitteln und Techniken kennen

gelehrt, die unsere Vorstellung von der Polychromie der Alten wesentlich zuHülse kommen. . Aber auch für den, dem eS nicht gegc ben ist, sich aus historifchen Aufzeichnungen ein anschauliches Bild von der Vielsarbigkelt des antuen Lebens zu schatten. hat ein günstiges Geschick in den Resten von Pompeji genug Anhaltspunkte überliefert, um daraus eine klare Vorstellung von der farbigen Erscheinung der antiken Wohnung zu schöpsen. Wohl war in der Campanischen Landstadt der numidifche und äthiopische Markör nicht so häufig wie in der Residenz ; aber ebenso groß war die Farbenlust, und zum Ersatz für das theure, echte MaterlaI begnügte sich der biedere Pompejaner damit, ferner Fagade eine fchembare Marmorbekleidung von abwechselnd rothem, grünem und blauem Marmor ausmalen zu lassen. Bekannter alS dieser, uns etwas barbarisch anmuthende Außenanstrich ist der farbige Effekt des Innern. Jene Wände, die in solcher Frische noch daS Museum zu Neapel füllen, als ob der Maler soeben den letzten Pinselstrich gethan hätte sie zeigen alle jene bekannte, kecke Farbenstellung : über emem meist schwarzen Sockel eine Wandfläche in Zinnoberroth, Himmelbau oder Gelb, überdeckt mit jenen reizenden, l Goldfärbe gemalten Pflanzensäulchen, die wir uns als Wiedergabe von spanischen Wänden mit vergoldeten Gestellen zu denken haben. Und die Bilder, welche in diese Umgebung eingesetzt sind, führen unö die Menschen dieser heiteren, farbenfrohen Welt in bunten, malerischen Kostümen vor Nirgends em schwarzes trt . . i. c . em ? ' !? . Vewano , cos ixtiv, wien wir, war die Farbe der Trauer. Aber verlassen wir das so ost beschriebene Bild von Pompeji, um den weiten Schritt über die Jahrhunderte der so übelbeleumdeten Völkerwanderung hinweg zu thun, während welcher in Byzanz eine reiche, farbenfrohe Kunst, vor Allen eine ausgebildete Malerei, blühte, die der abendländischen Kunst manch besruchtendeö Samenkorn zutragen sollte. Schauen wir unS jetzt daS Bild des MittelalterS an, etwa zur Zeit deS ersten Kreuzzuges : heitere Farbenlust, wohin wir bnaen, am Aeunern wie im Innern der Häuser, in den Kirchen, auf der Ta fei, vor Allem aber in Kleidung und Rüstung. ES ist ein Meer von Farbe, und zwar von vollen, falten Tönen, so daß wir nicht wissen, wo wir ansangen sollen mit der Betrachtung. Treten wir zunächst in eine Kirche, zum Beispiel in die Sainte Chapelle zu Paris, deren streng historische Restauration uns em volles Bild mittelalterlicher Polychromie giebt. Roth, Blau, Grün, Gold, das ist der Farbenakkord, der hier überall durch lllnat. und 00$ in in oem ganzen Raume keine Spur von Buntheit. Die Farben find ln sinnen Flächen ausgelöst. das Gold diext überall als Vermittler, und selbst daS Licht, welches durch die gewaltigen- Fenster m Fülle eindringt, ist nicht ausdringlich und weiß, sondern gefärbt, i&o die Farben des Regenbögens aufgelö, weil dieFenster mit einem farbenprächtigen, durchsichtigen Teppich von Glasmalern geschlossen find. Nicht minder farbenreich als die Kirche muthet uns das Heim des Bürgers oder des Ritters an, der uns m den großen Saal feines Palais führt. Die Decke ist durch schwere, gebräunte Holzbalken getheilt, zwischen welchen die Decken flächen in bunter Malerei glänzen, am groben 5?amm sehen wir nur hie und da die Farbe djS Steins durchschimmern ; alle Stäbe und Hohlkehlen sind roth und blau, auch wohl grun gemalt, die emzel nen Fben durch Vergoldung getrennt; dasselbe gilt von den Vertäselungen und hochlehnigen Möbeln von Eichenholz, welche die Wände zieren. Diese letzte ren mögen wohl einfach getüncht sein ; wir sehen sie nicht, weil die ganze Wand mit gewirkten Tapeten entweder figu renreichen Gobelins, oder orientalischen und sicilianischen Prachtstoffen bedeckt ist. Farbenscheu sind dlese Leute rncht. die da in bunten, rostbaren Gewändern, mit reichem Goldschmuck und farbigen Steinen geschmückt, um den Tisch vtzen und den grünen Römern wacker zuspre chen. Daß im Mittelalter auch die Malerei am Aeußeren derHauser gepflegt wurde, wissen wir auS schriftlichen Aufzeichnun gen, wenn auch die Beispiele selbst. Dank der Tünche späterer, farbenscheuer Zeiten bis aus wenige Reste verschwunden sind. Wer aber einen vollen Eindruck farbiger,, mittelalterlicher Cultur empfangen will, der besuche die norddeutschen Backsteinstädte: Brandenburg, Lübeck, Greisswald, Stralsund, wenn die Abendsonne die Flächen der mächtigen Ziegelmassen in glühende Purpursarbe taucht und lustig in den grüngla sirien schichten spiegelt, oad sie wie Goldfäden glänzen. Dann erhält man den vollen Eindruck dessen, was diese Zeit an Farbenlust ertragen konnte. Aber sie liegt weit hinter uns, und eS giebt viele Leute, denen es eine gewisse Genugthuung gewährt, sie als die JahrHunderte finsteren Aberglaubens zu bezeichnen. Nun, wenden wir uns der Epoche zu, in welcher daSLicht der neuen Zeit wie ein strahlendes Meteor über den Häuptern aufging, der Zeit der Geisterbefreiung, der Renaissance, mit der ja, wie wir stolz behaupten, unfere Zeit eine so große innere Verwandtschaft haben soll, daß wir ihre Kunstformen spräche als die unserer Zeit am meisten entsprechende einfach wieder aufnehmen können. ' Es wäre wunderbar, wenn dieserVöl kerfrühling sich nicht mit dem färbenprangenden Blumenschmuck . deS Lenzes bekränzt hätte. In der Thats ehen wir keine Zeit, die mit naiver Lebenslust jede Freude, die das Dasein bietet, so biS zur Neige auskostet, wie daS 15. und den Anfang des 16. Jahrhunderts. Diese künstlerisch geleiteten Festzüge, Gastmahle, Schaustellungen, sie können nicht ohne das Element der Farbe gedacht werden, und wie die Art zu wohnen und zu leben sich mit Bewußtsein die römische Antike zum Muster nahm, deren Renaissance man ja feierte, so waren es vor Allem die nach Jahrhunderten in alter Farbenpracht aus dem Schutt auserstehenden Paläste und Thermen Roms, die der Dekorationsweise der italienischen Renaissancekünstler als Muster

dienten. Wir dürfen nur. den Namen Rafael, Giulio, Romans, Giov. da

Udme aussprechen, um unS an denZauder jenes übermüthig farbenlustigen, dabei aber doch streng harmonisch gestimm ten Deloratlonsprmzips zu innern, welches in den Kirchen und Palästen Italiens noch heute die hohe Schule der Verzlerungskunst bildet. Wir dürfen unS nur die Bilder der großen Koloristen, emeS Coreggio, Tizian, Paolo Veronefe und Tintoretto vorführen, auf welchen Personen uns die helligen Geschichten in den farbenprangenden wändern der eigenen Zeiten der Maler entgegentreten, um diese in Brokat, Sammet und Atlas glanzenden Geflal ten um ihre Farbsnlust zu beneiden. Wenn wir nun ln drei großen Kulturepochen die Farbe. als ein unentbehrliches Element m Kleidung und Wohnung, im öffentlichen und privaten 'Leben der Menschen gesunden haben, fo liegt uns die Frage nahe : wann, und aus welchen Gründen , ist dlese Freude an der Farbe rloschen' Ob eS Die Reaktion m. die zeder über maßig gesteigerten Lebenslust, jeder bis an ihre Grenzen gespannten Anflrengung folgt, oder ob es in geschichtlichen Vorgängen seinen Grund hat wer wagt es zu entscheiden ? Genug, bald nachdem wir das Ausblühen in Kunst und Wissenschaft, m Lebensfreude und Genüssen, welches wir mit dem Kollektivnamen Renamance bezeichnen, den denkbar höchsten Punkt erreichen sehen, etwa zu Ende des 16. Jahrhunderts, tritt wieder, von den romanischen Ländern ausgehend, ein Rückschlag ein : der heiteren Lebenslust tritt finstere Askese, der launenhaften Selbstbestimmung des Individuums straffes staatliches Zusam menhalten und Centralisiren, der religiösen Befreiung der Geister durch die deutschen Reformatoren und Humanisten tritt die von der katholischen Kirche hervorgerusene Gegenresormatiou entgegen. Und während in Spanien und den Nieverlanden die Scheiterhausen flammen, während die deutschen Fürsten und Stämme sich in selbstmörderischemWahnsinn gegenseitig vernichten legt eö sich wie Mehlthau auf die frohen Herzen, und mit Frohsinn und Lebenslust flicht auch daS äußere Abzeichen derselben, die Farbe, zuerst aus der Kleidung, dann auch aus Haus und Geräth. Nur jene Schaaren, die sich die Herren dieser wüsten Zeit nennen, die Landsknechte, bewahren in ihrer Kleidung bunte, schrei ende Farben: der Bürger und Beamte wie der Hofmann empfangen ihre Kleidermode aus dem Stammlande des Kai ferhaufeS, aus Spanien, und es paßt zu der Stimmung der ganzen Zeit, von den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts bis zum Aukgang des 30jährigen KriegeS, daß diese Mode alle bunten Farben verschmähte und in Schwarz, der Todtensarbe, einherging. Und als dann das große KriegSfeuer, welches drei Jahrzehnte hindurch deutschen Boden verwüstet hatte, in sich zu sammengebrannt war, da war m dem traurigen Aschenhausen kein Keim für Lust und Lebensfreude mehr vorhanden. Wohl sehen wir an dem übermüthigen französischen Hose noch einmal die Mode sich in Farben - Orgien ergehen, die zu den sittlichen Orgien des Louis XIV. und der Regence paßten, aber die Revo lution machte auch hier der Farbe ein Ende. Es waren keine lustigen Tage, die als die Geburtswehen heutiger ge sellschastlicher Ideen bezeichnet erden. Der ernsten Geistesarbeit wie der begei sterten Blutzeugenschaft entsprach daS dunkle Gewand der Männer, die von den amerikanischen Freiheitsheldcn ent nommene Quäkertracht, sowie das dort zuerst mit Bewußtsein austretende Un schuldweiß der Frauenkleidung. Bei den Puritanern und Sittlichkeitssanatikern der französischen Revolution, haben wir die Entstehung unserer heutigen farblo sen Mode zu fuchrn. Ihr folgen dann die schwächlichen Farben in der Frauen tracht der Wertherzeit, der Zeit der weichgeschafsenen Seelen", jenes Hellrosa und das bleu mourant, das sich in dem Worte .blümerant" ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Auch in Häusern und Kirchen sah man die alte Farben freude schnell erbleichen. AuS den Kir chen, die der neuen Religion überwiesen wurden, ward als .papistisch" AlleS ent sernt, was in Bildern, Statuen, Altä ren, Glasfenstern an das katholische Be kenntn'ch erinnern konnte. Aber eine Menge von Symptomen spricht dafür, daß diese fehlerhafte Rich tung deS Gefchmacks bereits im Weichen begriffen ist. Nicht mehr auS Ueberzeu gung, fondern mehr aus Gewohnheit findet man heutf farblose Kleider, färb lose Wände anmuthiger und vornehmer, als farbige; es kommt 'nur daraüf an, daß diefe bequeme Gewohnheit recht oft dem scharfen und frischen Zugwind auS gesetzt wird, der in unseren Tagen durch daS Kunstgewerbe weht. Whl sind es, um im Bilde zu bleiben, erst die obersten Wipfel derBSume, die von diefemWinde ersaßt werden. Aber der Bewegung in die tieferen und breiteren. Schichten deS Volkes Eingang zu verschaffen, bemühen sich Vereine und Künstler, bemüht sich eine kunstgewerbliche Literatur. AuS der höheren Ge fellschaft. .Mit Mißvergnügen habe ich wahrgenommen, daß man Friedrich heiße ! Warum kann man nicht Johann, Jakob oder Georg heißen? MeinGatte heißtFriedrich, und es durch schaudert mich, wenn ich daran denke, daß man auch so genannt werden wüßte. Mein und meines Gatten Wille ist eS, daß man sich umtaufe. Man heiße in unsern Diensten Johann." Diener: Zu Besehl, gnädigste Baronin!" Baronin : Fi donc ! daß eS für unS keinen eigenen Kalender gibt V Photograph : Ein wenig freundlicher, wenn ich bitten darf! So, jetzt ist es aan; aut ! Rubia. wenn ich bitten darf ! Jetzt beginnt es !" Gräfin : .Monj Dieu! Was fällt Ihnen bei, bester Mann, Sie werden doch wohl noch die Apparate wechseln? Photograph: Warum, gnädige Gräsin?" Gräsin: Ach, eö wäre ja für mich ganz erschreck lich, wenn ich mit demselben Apparate gefertigt würde, mit dem soeben die HauSmagd der Baronin Salzwedel ge macht wurde !-

yoeffe uud Qrithttik. Es ist eine , seltsame. Erscheinung, daß es zu allen Zeiten Leute gegeben hat, die sich nicht damit begnügten, sich 'an dem Sinn der Dichterwerke zu ergötzen ; sie drangen auch noch tiefer in die Form und zerlegten Aeußerlichkeiten, bis ihnen nur mehr Zahlen übrig blieben. So hat man glücklich herausgerechnet, daß jeder der 100 Gesänge von . Dante's Göttliche? Comödie so und so vieleVerse enthält, daß die Hölle (34 Gesänge) 4720 Verse, das Purgatorium (33 Gesänge) 4755 Verse, das Paradies (33 Gesänge) 4785 Verse umfaßt, also in Summa 14,233 Verse. Aber noch mehr. Der Landsmann Dante's, Filippo Mariotti, hat sogar die Worte der Verse gezählt und gefunden, daß der ersteTheil der comeäia" 33,444, der zweite Theil 33.379 und der dritte Theil 32,719 Worte enthält, zusammen 99,542Worte! Aber nicht genug damit. Der uner müdliche. Rechner geht noch veiter und sucht aus diesem Heer von Vokabeln die einzelnen Gattungen heraus. Er berechnet, wie viel Adjektive, Verben, wie viele Pronomia :c., :c., wie viele ein-, wie viele zweisilbige Worte vorkommen, er zählt die mit a, mit b und mit ö be

ginnenden Worte, und zerlegt schließlich die Worte in ihre Bestandtheile, um zu ergründen, daß die 99,542 Wotte aus (nur) 403,268 Buchstaben gebildet waren Wir hören ferner, daß sich unter den 6215 Adjektiven der Göttlichen Comödie" nur 17 Superlative befinden ! Ein seh? bezeichnendes Faktur, welches sich unser im Zeitalter der Superlative lebendes Geschlecht ad notarn nehmen sollte. Mariotti hat endlich gezählt, wie ost sich gewisse Worte bei Dante wiederholen. So kommt , 8te11a im ersten Theil 10, im zweiten 9 und im dritten 14 mal vor, amore im ersten Theil 17, im zweiten 49 und im dritten 87 mal. Aber auch die gründlichen" Deutschen haben Arithmethik und Poesie mehrfach mit einander in Berührung gebracht. Göthe hat bekanntlich konstatirt. daß die französischen Kritiker für den Tadel 140, für das Lob nur 24 Wortein Bereitschaft haben. Die Bibelverse find längst gezählt. Der Inhalt der Bibel besteht aus 3,566,480 Buchstaben, die sich zu 773,692 Worten und 31,173 Versen vereinigen. Wiederhohingen sind natürlich eingerechnet. Man Hat berechnet, daß sich der Wortschatz Sallusts auf 3394 Worte, der des Horaz auf 6082 Worte belief. Ariost Hat zu Oi-land Furioso" 8474 Worte, Metastasio, der Librettodichter, 67000 Worte gebraucht. Würde man Heutigen Bübnenfchrift stellern nachrechnen, man dürfte wahrscheinlich dahinter kommen, daß Einzelne trotz sehr respektabler Tantiemen mit der Hälste der zuletzt genannten Wortzahl auszukommen vermögen. Göthe benö thigte zum Ausdruck seiner reichen Gedankenwelt 14,000 Worte, Schiller war haushälterischer: Shakespeare hat in seinen Werken 15,000 Worte ausgegeben, also fast ebensoviel wie unserGöthe. Der Ueberschuß läßt sich vielleicht auf die Größe des englischen Sprachschatzes zurückführen. Nach Adelung beziffert sich der Sprachschatz der Deutschen auf 60,000, Campe hat 141.277 Worte, Radloff 50,000 Worte nachweisen wol len. Zum Schluß noch ein Curiosum. Nach Leibnitz bestehen die Combinationen, welche innerhalb deS deutschen Al. phabets denkbar sind, aus einer Summe von 620,488,401.733,239.439.360,000 Billionen mal 100,000. Man sieht daraus, daß die Dichter noch einen fast unendlichen Spielraum für ihr Singen und Sagen haben. An Worten fehlt es unfcrcr Sprache nicht. Ein m o d erne r R h ap so d e Sei mir gegrüßt. Holdselige hinter dem Tische des Ladens, reich' eine Gabe dem Armen, der im Elend Dich bittet." Mit diesen Worten betrat Anfangs dieser Woche ein etwas reducirt aussehender Mann eine Conditorei in der K str. in Berlin. Die anwesenden Herren wurden durch diesen höchst sonderbaren Gruß in ihrer Zeitungslectüre gestört und schauten lachend den bescheiden an der Thür stehenden Sprecher an. Diesen schien dies durchaus nicht zu genieren und mit einer tiefen Verbeugung nahm er die ihm von der Mamsel gereichte Gabe in Empfang. Hab' Dank, Du holde und schönste des Weibergeschlechts, sür die so schnelle Erfüllung der Bitte des alternden . Mannes. Ist auch die Gabe gering, die Du drückst in dieHand mir, die rechte, macht sie doch voll das Geld, das ich brauch' zum -Schlaf für den Abend." Der Mann sprach Alles in Hexametern, die allerdings ebenso reducirt waren, wie seine Kleidung. Die anwesenden Herren, die sich über den sonderbaren Menschen amüsirten, winkten ihm zu, näher zu treten und beschenkten ihn ebenfalls. Nach seinem Stande und kiner Beschäftigung gefragt, antwortete er : Vor mehreren Jahren noch lehrte ich. ba3 rnensa den Knaben der Sexta. Durch den Geist, den man Fufel auch nennt, verlor ich' die Stellung, bie gute. Jetzt bin ich Nichts und Alles, wie es nehmen wollen die Herren. Wollen Sie eine Tasse Kaffee auf meine Rechnung trinken V fragte ein anderer Herr. Nicht veracht' ich den schwarzen Trank der Levante. Doch ich darf sprechen die Bitte, die ruhet versteckt mir im Herzen. geben das Geld mir der Herr, das bezahlen Sie müfsen, wenn ich trinke. Ich kann heut Abend dasür stilken den Hunger, den großen.- Lachend zogen die Anwesenden ihre Börsen, und es ergab die Sammlung ein so großes Resultat, daß sich der Sonderling schmunzelnd und freudestrahlendenBlicks mit tiefen Verbeugungen gegen die Geber empfahl, xj ' ' D e r s ch l a g e n d e B e w e i s. Richter. .Er ist angeklagt, daß er sein Weib aus die roheste WeisOiißhandclt.Bäuerin. Ja, gnädigster Herr Richter, schaun's nur meinen Arm an, lauter blaue Fleck!" Bauer. Glaub' ihr's der Herr Rich ter net, ich thu ihr gcr nix; was kann denn ich dasür, daß sie gar fo a feine Haut hat. Da überzeugend Ihnen nur selber.- (Haut mit dergaust auf sie ein.) Sehen's jetzt wird'S gleich wieder en blauen Fleck haben !"

Daö neue 6SniüiH. Wenn die ersten Veilchen sprießen Und die Lüfte linder wehen, Wtnn die Bächlein rascher stießen Von den srischbegrünten Höhen, Wenn die Vögel auS dem sonngen Süden singend heimwärts kehren : Vieles Neue in den wonn'gen Alten Weisen giebt's zu hören. Denn sie melden tausendtönig Als die frohste aller Kunden, Daß im Süd ein neuer König Sich auch diesmal einzefunden Vor'geS Jahr hat der Rumänen Fürst der Krone sich bemeistert, Milan hat ein gleiches Sehnen Jetzt zu gleicher That begeistert. . Ewig wär's zum Spott und Höhne Milan's, thät er nicht' ein Gleiche, Und so setzt er sich die Krone Aus des großen Serbenrciches. Von des goldnen Reises Mitten Strahlt ins Land hinaus ein Blitzen, Dringt bis zn den letzten Hütten, Wo die Serbensöhne sitzen. Wie die Mützen jubelnd fliegen. Wie die woll'gen Vließe dampsen. Wie, dem Tag- sie zu genügen, LIO. T v ,

-Linien, singen, zauqzen, pampjcn : Glücklich Völkchen ! sebt am Sviete Dreh'n gcstohl'ne Hammelkeulen, Die mit der Melone Süße c l - .r. c . ociiliuielno oann zerlycllen. Oder wilde Tänzer schlingen Sich beim Rauch der Cigarretten; Kühne Heldenlieder singen Abends sie an Feuerstätten. Also fließen Deine Tage! Will Dich Langeweile quälen. Wirst zur Abhilf' dieser Plage Du Dir einen König wählen. Sieh, der Dörfer Häupter ziehen Dann nach Belgrad zur Skuptschina, Bald erwählt sind sonder Mühen Milan rex und Milanina! Tausend Salamander reibet Man in Schnaps zu Beider Heile: Serbiens Heldenvolk vertreibet Praktisch so die Langeweile ! An die clievte. Du trcu'ster von allen Schätzen mein. Die ich geliebet im Leben, O höre: es soll geschieden sein. Ich muß den Abschied Dir geben. Einen Ranzen und einen Stiefelknecht Und Dich ! das nannt' ich meine. Der Knecht ward alt, der Rock ward schlecht... Du bist mir geblieben alleine. Als Jüngling schon mit heimlichem Schmerz, Durft' ich an Dir mich letzen. Du Heiße ! Ein Fünkchen konnte Dein Herz In glühenden Brand versetzen. Ich durfte Dich küssen in voller Luft, Deine schlanke Taille umfangen. Und Du hast gelegen an meine? Brust, An memen Lippen gehangen. Du hattest das Privilegium, Mir täglich den Mund zu stopfen. Und ich genoß hinwiederum Das and're: Dich auszuklopfen. Es träumt' sich, umschmeichelt von Deinem Hauch, So glücklich, so weltverloren : Et in Arcadia ego ! ich auch Bin in Arkadien geboren ! Du halsst mir zu manchem dunkeln Problem Des Daseins die Lösung finden. Ja mehr noch : ein Hegel'sches Philosopyem Konnt' ich beinah' ergründen. Vorüber ! der Lederbeutel wird leer. Der für Dich birgt die Zehrung. O Liebchen, Du forderst in Zukunft mehr Als ich habe an klingender Währung. ' Du wirst mir zu theuer, mein Schatz, leb' wohl: Du bist nicht mehr zu gebrauchen. Non possumus ! Unter dem Monopol Kann ich Dich nicht mehr rauchen. (Ulk.) Der General Skodeleff ins Vlldnm. sFi nach Hein. Skobeleff, tapfrer Krieger, Läßt's dir denn keine Ruh'? Aufreizen willst du die Slaven Zu einem tollen Coup ! Skobeleff, großer Staatsmann, Was für ein Ochs bist du!" Zum Kinderspott bist du worden Mit deinem kläglichen Coup ! Dein alter Freund und Landömann Wereschagin. Bittere E ntt äuschung. (Aus dem Balle.) Mein Fräulein, haben Sie noch eine Tour srei?" O ja, noch alle r Run, dann dürfen Sie dazulhun, daß Sie nicht sitzen bleiben " Sonderbare Bitte. Oberst. Ich bitte, mein schönes Fräulein, mit was kann ich dienen ?- Fräulein. Haben Sie doch die Güte, Herr Oberst, und stecken Sie l-..inen Ge liebten unter die Soldaten." Oberst. Ist aber der iunae Mann mit Ihrem Wunsche, auch einverstanden. vielleicht würde er sich sehr unglücklich k,-,kk,n 1 1f Fräulein. Das macht nichts : ich bin eine Freundin des Militärs und will keinen Civilisten zum Liebhaber.-

Drei yreiSsragen.

JuriPische PreZsfrage. Posito : TituS, Cornelius und Sempronius spielen mit einander Scat. Ge setzten Falls, SemproniuS wirft daS grüne Daus ab, während er aus das selbe noch einen Stich bekommen mußte. Sempromus. araerlick ühtr seinen Neb. ler, ruft: Ich Esel!" Kaum hat er es gesagt, so aibt ibm - sein Vartner itus eine schallende Ohrfeige und schreit : .Wie kannst Du Dich unterste -hen, memen besten Freund einen Esel zu nennen!- . Frage: Senhrnnr.iS h-n 5!tuS wegen Beleidigung belangen ? ArttHmetischePreiSsrage. Wenn der Aat?? 9rt pu r i , . " " vituii c. Jahre alt ist und das Kind 1 Jahr, so äV? m1 LüaiaI alter als das Kind. Ist der Vater 25 Jahre, das Kind 5 Jahre geworden, so ist der Vater nur noch ömal alter ; ist der Vater 40 Jahre, . da5 Kmd 20 Jahre, nur noch 2mal; wenn der Vater 80 ft nh hn& tfinh S (V 7 60 Jahre, nur noch al so alt. tobe : .waa Xntt Uz danach ganz unvermeidliche Seitens Z J Kind gerade so alt ist, als dcr.Vatcr? PhilosophischePreis'frage. ' Hühner legen bekanntlick t?: Eiern merden bekanntlick w? sünr. . ' "7 vr 4 4s V Die Frage lautet : Ist zuerst das Ei ge- , Italien wuiom UNO daraus das Huhn entstanden, oder war zu Ansang daö Huhn da und hat Eier gelegt ? Die Frage wird einsach nach dem Grundsatze iÄiert G , V f. V!. fVA . 1 . au ,, oiz jlttung stets die Folge der Ursache ist. Die glücklichen Abgebran'n t e n. Als das sächsische Städtcken nahe der böhmischen Grenze, zum großen Theil durch Feuersnotb verbeut wrd. und Hunderte der Bewehncr in Folge ' uw lojnnicn oerorenung der Flammen mchts als das nackte Leben retteten, wur den für die Abgebrannten von nah und fern eine folche Unmasse von abgetrage T?Ä. ks cn. ? . vum, uuui:, oeiniieioer uns Westen eingesendet, daß der dortige Hilfsverein jeden der Abgebrannten reichttcher mit Kleidungsstücken versehen konnte, als mancher derselben vor dem Brande besessen; nur hatte durch die Hast, mit welcher man sich nach dieser Garderobestücken gedrängt, mancher einen Frack erhalten, deffen Schöße er auf der Erde nachschleppte, wahrend einem Andern die Beinkleider eine halbe Elle zu kurz waren, und dem Dritten die Taille des Rockes dicht unter den Achseln saß; Knaben von 710 Jahren trugen die Fracks und Röcke Erwachsener, und Frauen von 3040 Jahren die Män telchen und Sammtjäckchen junger Mäd chen von 1315 Jahren. In diesem Anzüge paradirten den nächsten Sonn tag die Abgebrannten, von Sebnitz aus dem von Trümmern umgebenen Markt Platz und nach dem nahe gelegenen böhmischen Dorfe Einsiedel, und neidisch riefen die Bauern von Böhmisch-Ein-siedel : Ihr könnt lachen, Ihr seid abge brannt, wenn mer doch och abgebrannt wären, hätten mer och so schöne Sachen, wie Ihr." Aphorismen. Wenn dein Sohn ein Lump wird, so freue dich, denn er ist auf dem Wege zu Reichthum und Ehren ! Halte die Weiber nicht für besser als sie sind, sonst halten sie dich für schlecht ter als du bist und zum Narren. isteyien ist gemew, betrugen lumvkg, sich aneignen" aber ist genial und annexiren historisch. politisch. Wenn du es dahin gebracht, daß dir von Rechtswegen keinMensch mehr träum sollte, dann bist du gewiß nahe daran dasjallgemeine Vertrauen zu erringen. Lied eines deutschenKtta ben In meines Vaters Hause Da herrscht ein schöner Brauch ; Was Einer will, das wollen Die Andern Alle auch. . Mein Vater schlägt meine Mutier, Mich schlägt die Mutter wund. Ich prügle meine Schwester, Die Schwester prügelt den Hund. Der Hund beißt unf're Katze, . Die Katze frißt die MausSo pflegen wir aufrecht zu halten Die Eintracht in unserem Haus. Offenes Geftändniß. Ach, Herr von Rothelm, ich bin in großer Noth, leihen Sie mir fünfhundert Gulden; ich wende mlch deßhalb ansle, weil Sie in allen Dinaen ein so ungeheures Glück haben, daß es wahrhastig wohl möglich wäre, ich zahlte Ihnen daö Geld zurück !" Ein Mißgriff. .Ach. liebe Ninna, ich bin die unglück lichste' aller Bräute, mein Geliebter ist mir durchgegangen!" .Mein Gott, wie mag das gekommen sein, er hat Dich ja so zärtlich geliebt??. .Mir ist es auch ganz unbegreiflich, aber ich schreibe es feinerZerstreutbeit zu; denn wir waren, trotz der Eltern Widerstand, einig, gemeinschaftlich zu entfliehenz nun mag sich mein Karl in der Hast vergriffen haben und ,fl ftalt mtt Mir, mit der Kasje feines Principals durchgegangen.N u n n e. Am vorigen Sonntag sind hier in Berlin blos in die Passage sieben Taschendiebe abgesaßt worden, die schon eine janze Menge Sachen wegstibitzt hatten. So was ist wirklich jar nicht zu jlauben ; ick komme aus die Äerwunde rung nich raus; wenn tf't nich schwarz aus weiß jelesen hätte, würde ick sagen, es is nicht wahr; ick schlage die, Hände über den Kops zusammen ; ick weiß mir vor Erstaunen nich zu fassen; ick bin janz perplex von die Nachricht, denn ick hätte es nie und nimmermehr für möglich je halten, daß es in Berlin noch so viel Menschen jiebt. denen man was auS der Tasche stehlen kain ! Rin, stecken, daS märe eher denkbar! Ick bab't aber im mer jefagt. die Zrößte Zucht hat man mit die Leute, die keene haben.

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