Indiana Tribüne, Volume 4, Number 201, Indianapolis, Marion County, 9 April 1882 — Page 3
MalurwissenslJaftliche Wundschau. Das unmotivirteste Organ unseres Körpers ist bekanntlich die Milz. Wir wissen wohl von allerlei Krankheiten, welche uns die Milz zufügt, aber nicht recht, zn was sie gut ist. ' Die Einen sagen, die Hauptaufgabe der Milz sei, die farblosen Blutkörperchen neu zu bilden und in demBlutstrom zu schaffen ; die Andern, den normalmaßigcn Zerfall älterer farbiger Blutkörperchen zu ver. Mitteln. Thiere, denen man die Milz wegnahm, lebten indeß mehr oder weni ger vergnügt weiter, und es zeigte sich oft keine andere Veränderung, als die Anschwellung der Lymphdrüsen, welche die bisherigen Funktionen der Milz zu übernehmen - scheinen, Einen höchst wcrlhvollen und fruchtbaren Beitrag zur Erkenntniß dieses räthselhaften Organs gibt nun eine von Charles S. Roy in Cambridge soeben gemachte Entdeckung. Man wußte bisher von zeitweisen Milz schwellungen bei Wechselnder und an deren Krankheiten. Charles S. Roy hat aus volumetrischen Untersuchungen der Milz an Hunden, Katzen und Ka ninchen das überraschende Resultat erhalten, daß die Milz regelmäßige Zu sammenziehungen und Ausdehnungen
erfahrt, Die Roy als Systole und Dyastole der Milz bezeichnet. Die Con i iraciionen, raeicne er aus oie gtanen Muskelfasern der Kapsel und der Bälk w rv i chen jenes Organs bezieht, erfolgen in Intervallen von durchschnittlich einer Minute bei den verschiedenen Thiere:', zwischen 4s Secunden und zwei Minu ten und werden selbst durch eine vor übergehende Eompression der großen Körperschlagadern nicht aufgehoben, so daß sie also vom Blutkreislauf unad hängig zu sein scheinen. Roy erperimentirte bis zu vier Stunden an demselben narkotmrten Thiere und konnte die Rhythmik jener Bolumsveränderungen, welche allerdings gewisien Schwankungen unterworfen ist, in Ruhe studiren und mit Hilfe selbstreg strirender Appa rate die betreffenden Curven verzeichnen. Wenn auch die Untersuchungen Roy's die Funktionen der Milz nicht aufgedeckt haben, so ist mit ihnen doch offenbar ein Schritt vorwärts gethan zur bessern Er kenntniß unseres'innern Menschen. Warum ist die Dauer des Lebens so merkwürdig verschieden bei den verschiedenen Wesen, welche die Erde beleben ? Welses ist der Grund ihres Todes und der Grund des Todes überhaupt? Ueber diese trübseligen Fasten- und Passionfragen gibt uns ein sehr interessanter Vortrag : .Die Dauer desLebens", von Professor Dr. Aug. Wei-mann in Freibürg einige Ausschlüsse. Wir zweifein nicht, daß es unsernLesern zur besondern Befriedigung gereichen wird, den Tod als eine höchst zweckmäßige Einrichtung ! nachaewiesen uz sehen. In der That zeigt Professor Weismann, daß, obwohl . der Tod keineswegs ein allen Organis ; men zukommendes Attribut ist, wie im mcr angenommen. wird, doch eine unbc i grenzte Dauer des Individuums in den . meisten auen,uno namentlich auch oeim Menschengeschlecht, ein ganz unzweck mäkiger Luxus wäre. Ein mittelhochdeutscher Spruch sagt : Wi auN(lonlg) waori orel aqre, ein fr- ' -y. s m . t. i f. ...'- 4. .. . 1 5) und drei aunalier. ein Ro'ü drei Hundsalter, ein Mann drei Roßaltcr, macht einundachtzig Jahre. Der Esel. erreicht drei Menschenalter, die Schnee gans dreiEselsa!ter,die Krähe drei GänZealter, der Hirsch drei Krähenalter, die Eiche drei Hirschenalter." Der Spruch beruht nicht auf ganz exacter Bcobach tung, da sonst ein Hirsch sechstausend, eine Eiche zwanzigtausend Jahre alt würde, doch enthält er einen richtigen Sinn : Von allenOrganismen der Erde besitzen die großen Bäume die längste Lebensdauer. Die Adansonien der Eapverdi'schenJnfeln sollen sechstausend Jahre alt werden. Unter den Thieren erreichen die größten das höchste Alter. Der Waisisch lebt sicherlich einige Jahr Hunderte, der Elephant zweihundert Jahre, das Roß vierzig Jahre. Der Spruch enthält zugleich die richtige An deutung, daß dieKörpergröße nicht allein entscheidet. Das Alte? des Elephanten wird auch vom Hechte und Karpfen er reicht ; vierzig Jahre - alt werden neben dem Vferde auch Kröte und Katze, wäh rend Schwein undKrebs dieselbe Lebens dauer- von zwanzig Jahren besitzen. Gleichwohl besteht eine Beziehung zwi schen Körpergröße undLebensdauer : das große Thier lebt wirklich schon deßhalb, weil es groß ist, länger, als ein kleines, denn der Elephant kann nicht an einem Tage gebaut werden, wie eine Fliegen larve. Die. Tragzeit desselben dauert fast zwei Jahre, die Jugend vierund Zwanzig Jahre. Das erwachsene große Thier braucht außer der Zeit zumWachs thum ferner mehr Zeit, als das kl'ine, um die Erhaltung der Art zu sichern. Mit der Größe eines Thieres nehmen nämlich die ernährenden Flächen dessel den nur im Quadrat, die Masse dessel ben aber nimmt im Cubus zu. Daraus folgt, daß, je größer das Tbier ist, um so schwieriger und langsamer kann es einen Ueberschuß von Nahrung über den Verbrauch hinaus assimiliren, um so langsamer kann es sich fortpflanzen. Ein zweites Moment, welches bei der Lebensdauer in Frage kommt, ist dos Tempo des Stoffwechsels und der Le bensprozesse. Lotze meinte : Große und rastlose Beweglichkeit reibt die organische Maffe auf, und die schnellfüßigeil Ge schlechter der jagdbarenThiere,derHunde, selbst die Affen, stehen an Lebensdauer sowohl dem Menschen, als den größcrn Raubthieren nach, die durch einzelne kraftvolle Anstrengungen ihre Bedürf niste befriedigen- die Trägheit der Amphibien gestattet dagegen auch den kleineren unter ihnen eine größere Ledenszähigkeit". Diese Bemerkungen enthalten Richtiges, doch wäre es ein Irrthum, wollte man glauben, daß Schnelligkeit nothwendig auch kürzeres Leben bedinge. Die schnelllebcndenVö gcl üb:rtrcffcn zumeist an Lebensdauer die trögen Amphibien gleicher Körper czröße. Man darf sich den Organismus nicht als einen Haufen Brennstoff vor stellen, der um so früher zu Asche zusam mensinkt, se kleiner er ist und, je rascher er brennt, sondern als ein Feuer, in das
immer neue Scheite hineingeworfen wer den können, und das so lange unterhal ten wird, als es eben nöthig ist, mag es nun schnell oder langsam brennen. Richt dadurch, daß der Körper rascher verzehrt wird, kann Schnelllebigkeit unter Um ständen auch kürzeres Leben im Gefolge haben, sondern dadurch, daß der schnellere Ablauf de? Lebensprozesse auch die Lebensziele, die Reife, die Fortpflanzung rascher erreichen läßt, dadurch, dafc du Organismus rascher seinen Zweck er füllt. Ilic liaeret aqua ! Das Interesse der Art, nicht das des Individuums ist maßgebend ! Hat das Individuum die Erhaltung der Art durch Fortpflanzung, eventuell auch durch Brutpflege, Ernäh rung und Unterricht derJungen gesichert, so kann es abtreten, es hat seine Schul digkeit gethan. Die Weibchen irod Ar beiterinnen der Ameisen leben mehrere Jahre, während die Männchen kaum ein paar Wochen ausdauern. Beide Ge schlechter unterscheiden sich weder durch Körpergröße irgend erheblich, noch durch Complication des Baues, noch durch das Tempo des Stoffwechsels, sie sind nach allen diesen drei Richtungen als identisch anzusehen, und dennoch solch ein Unter schied in der normalen Dauer des Le bens ! Die Tendenz der Natur geht nicht etwa daranf aus, den Individuen im reifen Zustande ein möglichst langes
eben zu sichern, sondern im Gegentheil die Rortprtanwnas- und damit ' v zugleich auch die Lebensdauer so kurz zu normiien, als nur immer möglich. j Die untere Grenze der Lebensdauer wlro ossenvar oaoiirca oeoingi, oa$ oas Jnoiviouum je nach seiner Größe und der Complication seines Baues über Haupt reif werd: und die Fortpflanzung bewerkstellige. Eine Verlängerung de? Leben-daue? über das Minimum hinaus aber wird erforderlich, insofern der ein malige Fortpflanzungs-Akt nicht genügt, um die xux Erhaltung der Ärt nottziae Anzahl von Nachkommen zu liesern. Die AnAslbl der Nachkommen aber wird be dingt, einerseits durch die.Anzahl der Geburten und die Anzahl der jedesmal Gebornen, andererftits durch die mehr oder weniger regelmäßige Zerstörung eines Theiles der Nachkommen. Feinde, Krankheiten, ungünstige Lebensbedin gungcn verschiedener Art vernichten bei manchen Thierklassen so viele junge In dividuen,daß schon eine sehr großeUeber produktion.wie bei den meisten Insekten, oder e?ne besonders lange Produktions zeit, wie bei vielen Vögeln, erforderlich ist, wenn überhaupt Die Art erhalten werden soll. Die Vögel besitzen im Allgemeinen eine auffalleno langeLebensdauer; Nach tigall, Taube, Amsel und Huhn leben zehn Jahre und darüber, während die Sumpf und Raubvögel oft die Ge schlechter der'Menschen kommen und ge sehen. Steinadler. 1719 starb in Wien ein oer wi ayre voryer ge sangen worden war. Die Schönbrun ncr Menagerie hatte einen weißköpsigen Geier, der 1706 gefanKen, 1824 starb, also 118 Jahre in Gefangenschaft lebte, ghen, Adler, Falken sollen 100 Jahre, Schwäne gar 300 Jahre (?) alt werden. Bon A. v. Humboldt's Aturcn-Pa-vaaei" iaaten die Indianer, man verfte.be ikn nickt, weil er die Svracke des 1 ' ' untergegangenen Aturen Stammes spreche. Die meisten Vöcl brüten nur einmal im Jahre, viele Secvögel legen dabei nur ein Ei, viele Raubvögel nur zwei Eier ; der aus Flug berechnete Kör per schließt eine große Fruchtbarkeitaus. Nur die schlechten Flieger, wie die Hül ner, legen viele Eier, aber gerade bei diesen lst die Zerstörung der Brüt bekanntlich besonders groß. Rechnet man die Zeit der Reife bei dem Steinadler auf durchschnittlich fünfzig Jahre, so würde ein SteinadlerPaar während dieser Zeit hundert Eier legen. Es ist gar nicht zu ungünstig gerechnet, wenn man annimmt, daß aus diesen hundert Eiern während der fünfzig Jahre wirklich nur zwei Steinadler groß werden. Würden die Steinadler nicht so lange leben, so wäre offenbar die Erhaltung ihrer Art gefährdet. Der Hase, der an Gewicht nahezu den Steinadler erreicht, lebt nur zehn Jahre, aber er bedarf nicht unbedingt eines längeren Lebens, weil er schneller erwachsen und seine Frucht barkeit groß ist, und weil er, wie alle Säugethiere, seine Nachkommen bis zu ihrer lebendigen Geburt und noch einige Zeit darüber hinaus vor Zerstörung schützt. Die MaikaferLarve frißt vier Jahre lang die Wurzeln der Pflanzen ab,' ehe sie zum Käfer wird, und diese so mühsam errungene, so complicirt gebaute Gestalt des reifen Insekts hat ein seh? vergäng liches Dasein ; derKäfer stirbt etwa einen Monat nach dem Verlosten der Puppe. So ziemlich das Aeußerste an Lebens kürze leisten aber einige Arten von Ein tagsftiegen, die nicht länger als vier bis fünf Stunden im JmagoZustand, d. h. dem Zustande des. reifen Insekts leben. Gegen Abend schlüpfen sie aus der Pup penhülle; sobald ihre Flügel erhärtet sind, erheben sie sich in die Lust, die Fortpflanzung geht vor sich, sie lassen sich aus's Wastcr hernieder, sämmtliche Eier werden auf einmal ausgestoß?n,und das Leben ist zu Ende, das Thier stirbt. Bei derartigen Insekten konnte im All gemeinen in Anbetracht ihrer mästen haftenVertilgung und ihrer großen Eier Produktion für die Erhaltung der Art keine beste Einrichtung getroffen wer den, als möglichste Kürzung des Lebens durch möglichste Beschleunigung der Fortpflanzung. . . Durch Anpassung einer Art an die äußern Lebensbedingungen kann eine Verkürzung der Lebensdauer, ebenso wie eine Verlängerung derselben zu Stande kommen, und zwar unter Vermittlung des Zuchtwahl Prozeffes. Wie jede körperliche Eigenschaft individuellen Schwankungen unterworfen ist, so auch die Lebensdauer ; wir wisten ja vom Menschen her, daß Langlebigkeit erblich ist. Sobald nun die längcrlebenden Individuen einer Art im Vortheil sind im Kampf um's Dasein, werden sie allmälig zur herrschenden Race werden und umgekehrt. Welches ist aber der innere Grund des Todcs überhaupt? Wir wisten beim Menschen, daß Altersveränderungen in den Geweben sich einstellen, welche deren
Funktioniren beeinträchtigen, und daher schließlich entweder direkt zum normalen Tode führen oder indirekt den Tod her beiziehen, indem sie die Widerstands fähigkeit des Organismus gegen äußere Schädlichkeiten schwächen. Die Gewebe haben zur lebendigen Grundlage die Zellen. Die Zellen bleiben aber nicht immer dieselben, sondern zahlreiche Generationen von ihnen lösen sich während des Lebens in unserm Körper ab. Die Ursache des Todes, so deducirt Professor Weismann weiter, ist daher nicht eigent lich in der Abnützung der einzelnen Zel len, sondern in einer Begrenzung der Vumehrungsfähigkeit der Zellen zu fuchen. Man muß sich vorstellen, daß der Tod eintritt, weil die verbrauchten Gewebe sich nicht in's Unendliche fort von neuem wiederherstellen können, weil die Fähigkeit der Körperzellen, sich durch Theilung zu vermehren, keine unendliche ist, sondern eine begrenzte.Die Zahl der Zell'Generationen, welche aus der Ei'Zelle hervorgehen können, ist für jede Art eine normirte und in ihr das Maxi mum von Lebensdauer gegeben, welches die Individuen der betreffenden Art er reichen können. Die Verkürzung der Lebensdauer einer Art müßte fomit da von abhängen, daß die Zahl der Zell Generationen, welche sich folgen können, herabgesetzt würde, und umgekehrt müßte die Verlängerung aus einer Vermehrung der möglichen Zell'Generationen deruhen. Daß eine Zelle sich zehn, tausend-
; oder hunderttausend!!!! hintereinander ! theilen muß und dann mit der Fort i Pflanzung aufhört, können wir bisher ! freilich nur vom Nützlichkeits-Stand j Punkt begreifen. Gesetzt, irgend eine i höhere ThierArt besitze die Fähigkeit, j ewig fortzuleben, so würden sich mit der 'Zeit die Individuen offenbar durch Bej rührung mit der Außenwelt abnützen. schadhaft, lruppelhast werden, und eliegt also im Interesse der Art. dsß sie fortwährend durch neue, vollkommene Individuen ersetzt werde. Anders ist ! dies bei vielen Thieren niederer Art, die zu einfach sind, um durch Abnützung Schaden zu erleiden. Bei diesen macht man die überraschende Entdeckung, daß I der Tod, das heißt die Begrenztheit der Lebensdauer, keineswegs ein allen Dr ganismen zukommendes Attribut sei. Der Körper der Amöben theilt sich in zwei Stücke von gleicher Beschaffenheit. Nichts stirbt ab. Es entsteht nicht etwu ein absterbendes Mutterthier und ein fortlebendes Junges, sondern das alte Thier lebt in beiden neuen Thieren gleichmäßig fort. Man hat kürzlich eine Thatsache beobachtet, die jeden solchen Gedanken, ausschließt. Bei Euglypha, einem beschälten Wurzelsüßer, und bei mehreren andern der gleichen Gruppe sieht man, während die Theilung schon fast beendet ist, die beiden Hälften aber noch durch eine Brücke zusammenhängen, daß die Zellsubstanz der beiden Thiere in Rotation geräth und nun,uie einStrom, eine Zeitlang durch beide Theilhalften hindurchgeht. Es findet also eine vollständige Mischung der Substanz beider Thiere statt, ehe se sich desiniliv von einander trennen. Hätte eine solche Amöbe Selbstbewußtsein, so würde sie bei ihrer Theilung denken, ich schnüre eine Tochter von mir ab", aber dasselbe würde jedeHälste denken und jede würde sich selbst , für das Mutterthier und die andere für die Tochter ansehen. Diese Thiere sind also wohl zerstörbar, aber sie müssen nicht sterben ; der individuelle Tod resultirt bei ihnen nicht aus der inncrn Natur ihres Lebens ; sie können ewig fortleben, so lange die für ihr Le ben nöthigen Bedingungen vorhanden sind, ' sie tragen die Möglichkeit ewiger Dauer in sich. Wie ist den höher organisirten, vielzelligen Thieren diese Anlage zu ewiger Dauer abhanden gekommen ? Es hängt dies wohl mit der Arbeitstheilung in vielzelligen Organismen , zusammen. Die gleichartigen Zellen scheiden sich in Körperzellen und besondere Fortpflanzungszellen. Die Körperzcllen überwo gen bald an Maffe bedeutend über die propagatorischen und gliederten sich immer mehr und mehr nach dem Princip der Arbeitstheilung in immer schärfer gesonderte' specifische Gewebsgruppen. Je mehr dies geschah, umsomehr ging ihnen die Fähigkeit verloren, größere Stücke desOrganismus zu reproduciren, umsomehr also concentrirte sich dasVermögen der Fortpflanzung des GesammtIndividuums in den propagatorischen Zellen. Die verschiedenartigen Körperzellen behielten nur 'mehr die Fähigkeit, Ihresgleichen zu reproduciren. Die einzelnen Gewebszellen können nur wieder die gleichartigen Gewebszellen repro duciren, und auch diese Vermehrungs fähigkeit beschränkt sich auf eine be stimmte, bei den verschiedenen Thieren verschiedene Anzahl von ZellGeneratio nen. Bei einzelligen Thieren war es nicht möglich, den normalen Tod einzu richten, weil Individuum undFortpftan zungszelle noch ein und dasselbe waren; bei den vielzelligen Organismen trennten sich Körperzellen und propagatorische Zellen, der Tod wurde möglich, und wir sehen.daß er auch eingerichtet wurde. Der Tod ist eine Anpaffungserscheinung, die sich durch Vererbung überträgt. Wie die Große einer Thierart sich vererbt, so auch das Alter derselben. Schon die Ei'Zelle, aus der das Individuum sich entwickelt, ist auf Hervorbringung einer bestimmten Zahl von Zell'Generationen normirt. In der raumlichen und in der zeitlichen Beschränkung desJndividuums sehen wir genau den analogen Vorgang, ja die letztere, die Lebensdauer, beruht sogar auf derselben Zellenwucherung,de ren stürmische? Ansang zur Erreichung der Körpergröße führte, die sich aber dann in mäßigem Tempo noch weiter fortsetzt. Auch im ausgewachsencnThier geht die Zellfortpflanzung noch' fort,aber sie übersteigt nicht mehr den Abgang an Zellen, sondern bildet zuerst noch eine Zeitlang den vollen Ersatz für dieselben, um dann herabzusinken. Der Abgang wird nun nicht mehr genügend ersetzt, die Ge.webe functioniren mangclhaft,derTod bereitet sich vor und tritt endlich von einem der drei großen sogenannten Mrni rnortis" her ein. Diese von Professor Dr. Aug. Weis maxir geistvoll begründete Hypothese bietet, wenngleich sie nicht stricte bemie-
scn erscheint, jedenfalls den Vorzug, daß sie auf der Basis der neuesten Forjchun gen die räumliche und zeitliche Begren zung des Organismus aus einem Princip ableitet.
? er Ring. Es ging der Alten nicht gut. Im Schweiße ihres Angesichts hatte sie stets geschafft und dennoch, bei allem Darben und Arbeiten, war sie nicht auf einen grünen Zweig gekommen. Vor vielen, vielen Jahren, als sie, eine junge frische Dirne, die armselige Hütte der Eltern verließ, um sich mit eigener Mühe und eignem Kummer durch's Leben zu schla gen, da hatte sie in ihrer 5ruhe ein Säcklein mitgenommen, das ihre Er sparniffe aufnehmen sollte. Ach, damals hegte sie manche Hoffnung ! Sie war brav und tüchtig, und die Burschen der Heimath hatten sie gern gehabt; konnte sie in der großen Stadt nicht ihr Glück machen? aber die Jahre waren glücklos verstrichen, was sie erhofft, war ausgeblieben, und auch das Sparsäcklein lag im Schube der Siebzigjährigen so leer, wie in der Truhe der Zwanzigjährigen. Nun, die Greisin war zwar schon recht müde, aber sie nahm doch nicht die Krücke zur Hand, um von Haus zu Haus zu wandern. Von der Armenverwaltung' bekam sie drei schöne runde Thaler moj nalllch und. was zum Uutcrhalt noch fehlte, das erwarb die Genügsame selbst. Sie setzte sich an's Fenster, in den lieben Sonnenschein, und strickte von Früh bis Abend, und in der dunklen Kammer hin ter ihrem Stäbchen beherbergte sie einen jungen Burschen, das hals zum Miethsgroschen. Freilich die Nachbarn waren klug, sie lienen sich so leicht kein $ für ein U machen und zischelten, die Mut! ter besäße keimlich einen großen Tovf voll Zweithalerstücke ; wie könnte sie so sauber und anständig gekleidet gehen und so gut leben' Eines Tages war sie verschwunden, und Niemand wußte, wohin sie sich be geben haben könnte. Der junge Mensch welcher bei ihr wohnte, wartete noch einige Zeit ihre Wiederkehr ad und . zog dann fort. Dem Besitzer des Hauses war die alte Mietherin ziemlich gleich gültig gewesen, er kümmrrte sich daher wenia um ikr Ausbleiben. Als aber Wochen darüber vergangen waren, fühlte I er lich doch bewogen, den Behörden von dem seltsamen Verschwinden der Greisin Anzeige zu machen. Die Untersuchung blieb erfolglos. In dem Stubchen der Armen fand man allerdings den großen! Topf voll Zweithalerstücke nicht vor, da aber keiner der klugen Nachbarn diesen Topf jemals gesehen hatte, und auch im Uebrigcn sich Spuren eines Verbrechens nicht ermitteln'ließen, so neigte man sich allgemach zu der Ansicht, der hinter dem Hause vorbeiströmende Bach habe die Alte aufgenommen. Das Jahr verging, kein Mknfch'ge dachte mehr der greisen Proletarierin und ihres plötzlichen Verschwindens, da wurde ihr Körper zerstückelt entdeckt. Aus dem oberen Boden des Hauses, in dem sie gewohnt, stieß eine Wäscherin, die in diesem nun selten benutzten Raume arbeiten wollte, auf einen Arm. Von Grauen gepackt eilte sie fort und v kündete, was sie gesehen habe. Die so fort angestelltenNachforschungen schafften die traurige Reste der Vermißten ans Licht. Eingeklemmt zwischen Dach und Kamin, unter der morschen Dielung und vergraben in Schutt und Mühlhaufen fand man Rumpf und Glicdmaßen; nur der Kopf war nicht aufzufinden. Jedoch konnte ein Zweifel, daß der zerstückelte Körper die Person der verschwundenen Greisin gebildet hatte, nicht obwalten, zumal auch die von ihren Verwandteu und Bekannten angegebenen besonderen Merkmale zutrafen. Wer war der Mörder? Ein wichtiger Fund, der auf die rechte Spur leiten mußte, war zugleich mit der Entdeckung des linken Armes der Ermordeten gemacht worden. An dem aufgebogenen Arme war ein messingener Fingerring zu Boden gefallen.und es ergab sich bald, daß er der Ermordeten nicht gehört hatte. Er schien vielmehr das Eigenthum des Mörders und, durch einen merkwürdigen Zufall, wie zum Beweise der. finsteren That von dem Opfer festgehalten zu sein. Aber der Eigenthümer des Rin ges war nicht zu ermitteln. Verschiedene Umstände vereinigten sich zu einem Verdacht gegen jenen jungen Menschen, der bei der Greisin gewohnt hatte. Er war noch mehrere Tage nach ihrem Verschwinden in der Wohnung geblieben und allein im Stande gewesen, nach dem Morde dieZerlegung desLeich' nams mit der dazu gehörigen Muße vor zunehmen. Der Verdacht gegen ihn wurde noch durch den Umstand verstärkt, daß er, wie sich herausstellte, am ersten Tage nach dem Verschwinden seiner Wirthin verschiedene Sachen aus der Wohnung weggeschleppt hatte. . . . Bei seiner Festnahme zeigte ' er nicht di mindesteBetroffenheit und indenVer hören leugnete er unbefangen und entschieden jede Theilnahme oderMitmiffen schaft an der Ermordung der Unglückli chen. Seine volle Ruhe verließ ihn auch nicht, al ihm auf demKirchhofe die wie der zusammengefügten Ueberreste seiner Wirthin gezeigt wurden. Er erklärte mit festem Ton.die Leiche nicht zu kennen, und bat dann, man möge ihn doch aus der Haft entlassen, da er keinen Grund dazu wiffe. Jndeffen verlangte er doch in den nächsten Tagen ein Verhör, in welchem er erklärte, sein Gewiffen dränge ihn zn dem Geständniß, daß er ein Dieb sei. Er habe nämlich sich durch dieGelegenheit verleiten lassen, mehrere Sachen sei' ner verschwundenen Wirthin mit Hilfe seiner Geliebten fortzuschaffen. Trotz der Offenheit, mit der der Angeschuldigtc seinen Diebstahl gestanden hatte, gewann bei dem Richter dieUeber zeugung von der schwereren Schuld des Verhafteten die Oberhand. Noch wußte jener nichts von dem Funde, der den Mörder verrathen mußte, dem meffingnen Fingerring. Darauf baute der Unterfuchungsrichter seinen Plan. Scheinbar ließ er die Mordangelegenheit dem In quisitcn gegenüber bei Seite und untersuchte nun den Thatbistand des einge standenen Diebstahls Zu diesemZwecke wurden von Jenem alle der. Greisin
entwendeten Sachen ausgebreitet, mit ihnen aber auch mehrere kleine Schmuck sachen, von denen nicht genau bekannt war, ob sie der Ermordeten oder dem Angeschuldigten gehörten. Es wären zwei Ohrringe, zwei goldene Rcifchen und jener mefsingne. Ring. Der Angeschuldigte bezeichnete alle seiner früheren Wirthin gehörigen Sa chen. Als jedoch der Untersuchungsrich ter dies , Anerkenntniß auch für die Schmucksachen geltend zu machen schien, erklärte jener Ringe und Reifchen für
sein Eigenthum. Er wurde, zum Scheine, ermahnt, beide? bisher bewiesenenOffen? heit zu bleiben, alkin, erschwer hoch und theuer, daß die ' Schmucksachen ihm gehörten. Im Eifer versicherte er den messingnen Fingerring immer getragen zu haben, bis erihn vor längere? Zeit verloren habe. Als der Richter noch zu zweifeln schien, bat ihn. der. Angeklagte, sich zu überzeugen, daß er an den kleinen Finger seiner rechten Hand paffe. Dies erwies sich als richtig,und nun wurde die Untersuchung gegen den Mörder von Neuem aufgenommen. Noch leugnete er Anfangs und berief sich auf. sein offenes Zugestandniß der Diebstähle. Als er indeß aus der Entschiedenheit des Rich ters merkte, daß derselbe von seiner Schuld überzeugt sei, schwankten seine Antworten, und als man ihm vollends erklärte, wo der messingne Rmg gcfunden worden sei, schwieg er erschüttert und bedeckte sein Geficht mit denhänden. Diese Stimmung des Schuldigen be nützte der Richter ;mild sprach er ihm zu und der Verstockte wurde weich: Unter Thränen brach das Geständniß durch. Er datte die Greisin erdrosselt, um sie zu berauben. Als er sie todt glaubte, öffnete er alle Behältniffe und durchwühlte dcren Inhalt. Aber wie er auch suchen mochte, dr erhoffte heimliche Schatz der Alten war nirgends zu finden.- Acht Kreuzer und zwei Pfennige hielt er in der Hand, und um d'eses Kupfer der Armuth hatt: er einen Mord begangen ! Um die That zu verbergen, zerlegte er den Leichnam und schaffte die einzelnen Theile auf den oberen wüsten Boden des elenden Hauses. Den Kopf warf er in das rasch strömende Waffer hinter dem Hose. Einige beffere Sachen der Alten nahm er an sich, um dieselben mit Hilfe seiner Geliebten-fortzuschaffen und zu verkaufen, die übrigen, durch scinSuchen und Wühlen nach Geld in wirre Unordnung gerathenen, legte er wieder zurecht, um jede Spur des Verbrechens zu ver w'ischen. In zwei Instanzen zum Tode verurtheilt, sühnte er seine grausige That auf dem Schaffst. Der Hinrichtung sollte die Ausstellung am Prange, vorangehen, doch fiel diese im Wege der Gnade fort. Die Historia vom schlechten Biere. Im grünen Frosch zu Gurkenast Da sitzt beim Bier ein finst'rer Gast, Der schneid't ein wüthendes. Gesicht, Mir scheint, das Bier behagt ihm nicht. Er trinkt das Glas mit Schaudern leer. Die Fanny bringt ein frisches her. Viel' Lander hab' ich durchstudirt Und manche Kneipe ausprobirt. Begegnet ist viel Bitt'res mir. Doch nie noch trank ich so ein Bier ! Er spricht's und trinkt mit Schaudern leer. Die Fanny bringt ein frisches her. Den Bräuer sollt' man ohne Gnad' Lebendig stechten auf das Rad, Die Helfershelfer allzusamm Aushängen an dem nächsten Stamm ! Er spricht's und trinkt mit Schaudern leer. Die Fanny bringt ein srisches her. Wie kann nur auch die Polizei Gestatten so ein Schandgebräü ! Man ist ja seines Lebens kaum Gewiß bei diesem Höllenschaum ! Er spricht's und trinkt mit Schaudern leer. Die Fanny bringt ein frisches her. . Nur Apothekern überhaupt Sei so ein heftig Gift erlaubt. In schwarzen Flaschchen zum Verkauf Mit Vorsicht zu gebrauchen !" d'raus ! Er spricht's und trinkt mit Schaudern leer, , Die Fanny bringt ein frisches her. Man meint, daß man ein Kalb verschluckt. Eh'. man das Bier hinunterdruckt; Da sauf' ich lieber Tintensatz ! He! Fanny! Zahlen möcht' ich, Schatz ! Zwölf Maß? Da ist für eine mehr Geh', Kind, bring' noch ein freches her! Ans dentZZahnhofe Ich 'reise näch dem Norden, hin, ' Du kommst von Osten her, ' Da seh' ich Dich, und Du erblickst Auch mich von ungefähr. Und wie ich in Dein Antlitz schau'. Erscheint's mir längst bekannt Aus einer Zeit so fern und grau. Aus einem andern Land ; Als wär'st Du mir ein liebes Bild Aus lang' verklung'nen Tagen, Als hätt' ich Dir gar Vieles auch Und Gutes noch zu sagen ; Und doch seh' ich zum ersten Mal Dich heut' aus diesem Rund', Und doch trennt uns, fikr immer wohl. Noch diese flücht'ge Stund' ! In Deinem Geist hast sicher Du Auch Aehnliches gedacht, Du schau'st mich lang' und sinnend an ; Der Zug braust durch" die Nacht. Beim ZuchthausDirec t or. Ah hon jour, mein lieber Steuerrath ! Freut mich, Sie zu sehen ! Bitte, Platz zu nehmen Behüte Gott, lieber Freund ! ' Man könnte ja nachher sagen, ich- hätte im Zuchthause geseffen." - Es werden vielleicht ebensovicle Ehen in der Hölle, als im Himmel geschloffen. Der Liebhaber, welcher nur mit Scuf zern Aufwand macht, wird auch nur mit Hoffnungen bezahlt.
Velm Nösselwirth. Ein's aus dem schönen Kärnt n e r l a n d.
y. St. k5osg,r. Das war im schönen Kärntnerland, beim Rösselwlrth zu nein, den Ort verrathe ich nicht, ich weiß warum. Er liegt so recht mitten ,m Lande, und von seinem Kirchthurme aus sieht man das weite, blaue Bergrund, das den. Garten Carantaniens umfriedet. Im Süden schließt er in den finsteren Hängen der Karawanken mit einem wahrhaft germanischen Trotze ab denn dort .sind die Grenzen des deutschen Landes. - Doch! nicht zu viel von der Land schaft, lieber von den Leuten ! Ich habe mich als Student aus meinen Vakanzen viel unter ihnen umhergetrieben, und wäre eigentlich von den . Kärntnern den Bü'ablan und Dirndlan lustig zu erzählen, denn es sind sündhafte Leute. Die Kärntner lasten Gott einen guten Mann sein und sehen zu, daß sie bei den Freuden dieser Welt nicht zu kurz kom men. Nennt mir ein Land, wo man besser ißt und tapferer trinkt, wie in Kärnten ! Nennt mir ein Land, wo man freier und warmblütiger liebt, als dort ! Die Religion irtib die Politik, wie sie auf der Kanzel und in den Zeitungen sieht, macht dem Kärntner wenig Kopf zerdrechens, und stehen etwa einmal römische und slavischeHetzer auf, was wohl vorkommen kann, so ist nur die eine Ge fahr vorhanden, nämlich für die Hetzer, durchgeprügelt zu werden. Just fein ist er nicht ! Er will seinen Fried und sei nen Spaß haben, der Kärntner, damit er weiß, warum er auf der Welt ist. Idealistische Schwärmerei sagt ihm nicht ZU, er gesteht gern ein, daß er seinen Vortheil sucht. Frühzeitig bricht der Jüngling mit der platonischen Liebe,und die berühmten Kärntner Vierzklligen werden bald das Evangelium seiner Freuden. Ich wüßte kein Land, in welchem die Liebe so ehrlich und rückhaltlos auftritt, als in Kärnten ; in einzelnen Thälern wird sie nachgerade zur öffent liehen Sache gemacht in dem Zusammen finden und Werben, in dem nachtlichen Treiben an den Fenstern der Mädchen, ein Cultus der Sinnlichkeit, der kaum eine Rüge erfährt ; denn wer soll daLust zum Rügen haben, wenn man Jeden mahnen kann, sich selber bei der Nase zu nehmen ? Die Ehe und das Familien leben wird dadurch freilich nicht gesördert und die Statistik weist neckisch dar auf hin, daß in Kärnten die Zahl der natürlichen Kinder nicht viel kleiner ist, als jene der ehelich geborenen. Diese allzugroße Natürlichkeit im Lie besleben muthet den Fremden, der ins Land kommt, eigenartig an; Wenige billigen es. Viele interesstrt's wie die Welt schon ist. Und gut aufgenommen wird man überall, das muß man sagen; so geht man gern hin und wird was inne. Die Gastfreundschaft der Kärntner steht jener berühmten der Tyroler kaum nach. Man ist in einem kärntnerischen Wirthshause bald wie daheim; das hat auch jener Reisende, der über die Pa sterze kam und bei meinem Röffelwirth zusprach, erfahren und sich zu Nutze ge macht. Es war ein über und über graues Subjekt, grau an Kleidern und grau an Staub, auch der schöne Künstlervollbct war grau bestäubt, wurde aber immer dunkler, je öfter ihn jetzt der Mann mit der flachen Hand hin und her peitschte. Er stand so auf dem Platze .mitten im Dorfe und da er kein anderes Einkehrhaus sah, das so stattlich und einladend dastand, als das Rösselwirthshaus. so trat er gravitätisch in dieses hinein und äußerte seinen Wunsch, sich in demselben niederzulaffen. Zog denn der Rösselwirth sein grünes Sammetkäpvchen ab und machte eine höfliche Verbeugung. Die kühlgebiete rische Art des Reisenden ließ wohl gar einen Baron vermuthen, bei welchem nicht allein der Mensch, sondern auch der ergiebige Tourist anfängt. ,, Ein großes, lichtes Zimmer begehrte der fremde Gast, und wurde ihm also gleich das Prunkzimmer eingeräumt, dessen drei Fenster auf die weite sonnige Landschaft hinausgingen, und welches mit alten, kunstvoll geschnitzten Möbeln bestanden war, wie solche als Rest ein stiger bürgerlicher Wohlhabenheit und guten Geschmackes in manchem alten Hause noch zü'finden sind. Sie gehören in die Museen, aber der Röffelwirth ist heute noch wohlhabend, hat 'heute noch Geschmack, drum giebt er sie nicht her. Die modernen Tischler machen lauter haltloses, unschönes Zeug, das bei jedem Witterungswechsel vor lauter Rheuma tismus kracht und schnalzt und in weni gen Jahren aus dem Leim geht. ' Das Zimmer war auch sonst behag lich eingerichtet, und so erklärte sich der Fremde mit stillem Kopfnicken zufrieden und räumte sein niedliches Felleisen aus. Wenn man sich im Hochgebirg? längere Zeit herumthut, wie das bei diesemTou risten oder Maler der Fall sein mochte, so läßt man sich hernach das gutcWirths Haus schmecken. Der Röffelwirth freute sich, daß der Mann tagelang in seinem Hause blkeb und sich Speise und Trank munden ließ. Er trieb nicht viel, er lag auf dem blumigen Sopha und streckte die Beine aus, fo lang sie waren, oder er lehnte am. Fensterkissen und schaute in die schöne Welt hinaus, öder er ging im Garten, - am nahen Waldsaum umher und zeichnete Skizzen, oder er strich in den Wirthschastsgebäuden umher und scherzte mit den WeibZleuten. Und als der Tage z?hn odlr zwölf vorbei waren, ließ der Gast den Röffel wirth auf sein Zimmer rusen, faßte. ihn gemüthlich bei der Hand und sagte Fdlgendes : Mein lieber Freund! In Eurem Hause ist mir so wohl, daß alles Gute, was ich drin genieße, mit Geld nicht zu zahlen ist." Freut mich, wenn's Ihnen trugt, Herr, freut mich antwortete der Wirth und war sehr vergnügt. nicht zu zahlen ist," fuhr der Fremde fort, und ich habe auch gar kein Geld im Sack. Den Weltlauf kennt Ihr. Herr Wirth ! Nun seht, ich bin einer vom Weltlauf."
W er sind Sie? fragte der -unsicher. 3ch bin Landschafter antwortete! -Gast, aber die Leute haben ihre Schs- ' chen und wollen meine Bilder nicht tau fen, , das macht, mir. aber nichts, tmr Geld brauche ich nicht. Ich fasse Z5Kunstler das -Leben iheUr
Vbxt nur in Häuser ein 9Wrnth iZ5 und : wo man .lieber einen Künstler tz nährt und verpflegt, als fc; mnrrntitoa verdlrben zu lasten, oder was jv$ schlimmer, wäre, dieselben zu Geld sx machen, da daS Geld di fl,t, tx;,. So lasse ich mir auck ht w - w - - - -vv . g - lchehen und frage nun a, wie langer noch gefällig ist. daß ich bei Euch blrite. Der Röffkkwktk war von hus t? unleugbar überratckl und tnnrt s.., r t . v v ' vk'"y wnerselts :e Frage auf, das aus Gastgebern werden müßte, wenn cllr Gaste so rückten, wie h;rr f, - - - Verr. . . , . . .. Der Fremde lächclt.-. ungefähr so, tät man die pathetischen Worte in m. ä.. i m .iMiv'w Kindes belächelt. .Wenn c lle Gäste so wie Ihr dächte?,.. meintJbr.- sagte er. nein. mnK das braucht Ihr nicht zu fürchten. Den - 1 Tt ? M r aue wane nno nicoi Maler und cHr Maler wi derum sind nickt obn rtvC und werden also eigennützig sein. Dn? F f fc. & - - surnule, cte Gelo yaven. gibt es niöz'-Uoanaenekmeres..als-sick was fAirr zu lassen. Und weil es Sache des Gast,:4i, o :n v m-in r . ' uiinya iji. neu vyuicn jcin yau o an genehm als möglich zu machen, so ist & r! enrr:,. ' k:. . - " iwic 4iuurf, iiiugc Psilazl, jage ch, von idnen Geld zu nebmen. Pflicht entfällt mir gegenüber. Ihr C. r,.iv : - v ... .ct., -r iu umu iiiui wicucr 5?elcgenyci!, Ot)Tit Mühe ein Gentleman ;u sein. m? fet Jedem würde ich diese Gelegenheit nicht angeoelyen lan, aber Ihr gesollt mu -und Euer Haus gefällt mir auch, (nn schöne, musterhast verwaltete Wirthschuft ist so groß, daß mein körperliches Dase? hier nichts anderes ist, als ein lmTi2 hüpfendcr Sperling auf 6urem DacZze.'Wenn's zu ara wird, mackt man nhrr gelegentlich einmal einen Sckufc in Spatzen hinein meinte der Wirth. Pful " machte der Gast. Natürlich nur cien blinden." eraanite der Wirth. ' . So ist es !' saate der fremde nn klopfte, dem Röllelwirth Eins aus dir Achsel, ich kenne Euch, Fund, und ich v,n gerne bereu, noch em Weilchen b Euch zu bleiben und Euch die Ehre zr: ' erweisen, die man einem Gastherrn schuk lg.M. - Nach diesen Wortcn-b'esann nck derRöstelwirth ein wenig, und da er nicht allein Röstelwirth, sondern auch etwa? Anderes, so sagte er endlich : In Goltes Namen, wenn's Ihnen bei mir 9 fällt, so bleiben Sie da, so lang es J!jnen veyagr. Der Maler ist eine Zeit lang ccbfi bin. Er hat am Fensterkissen mit den EU bogen zwei unvergängliche Gruben gr druckt und eine lm Sopha, m wlchM eine Feder gesprungen war; er hat seines Wirthes Haus und Hof abgeb!! ht YtftR hfftn C t fi e-rvm v .4 4i v vu4 xvtv vitti lyuusiuii . Geschenk gemacht, er hatte das Herz drr flachshaarigen Kellnerin für des Wirthe Hauses Fremdenbuch gehalten und darb? seinen Namen eingeschrieben. Endlich aber schnallte er sein Felleisen stramm und . nahm Abschied. Hierbr aber sagte er zum Wirthe : Ich wahr lange wandern können, bis ich wiedc? einen Mann sinde, der so vernünftig i wie Ihr. Mancher wird mich in seinen? blinden Zorn einen Gauner schelten und' sich erbärmlich abhärmen und doch nichts aus meinem- Sack kriegen, weil nichtdrinnen ist. Und die Wenigsten wcrder: es begreisen, daß nichts bester zusa?imenpaßt, al5 ein reicher Mann und rr armer Teufel. Lebt wohl. Geschätzter ich wünsche, daß es Euch gut gehe!."' Er soll seither nicht mehr gesehen worden sein. Ich miethete im vorigen Sommer daZZimmer mit den Gruben in dem Fenster listen und im Sopha, und ich kam lange nicht draüf, warum tt gute Röstelwirth allfort ein wenig mißtrauisch that. (SxfL als er wahrnahm, daß die mäßige. Rech nung glatt bezahlt wurde, lud er mich einem besonderen Hkase Wein und er zählte mir die Geschichte von dem großmüthigen Gaste-. Das Bild des malerisch gelegener -Röstelw'.rthshauses hängt noch heute im großen Zimmer, und es ist ganz so, wir sein Schöpfer gesagt. Mancher betrachtet es, aber Keiner,fragt, ob es zu verkaufrr ist. Mit der flachshaarigen Kellneiw steht's nicht viel anders. Mancher betrachtet sie, aber ob sie noch zu haben, darnach fragt Keiner. Ein Tresser zu rechter Zeit. DZeTochttr, und zwar die hübfche Toch kleines Würgers in Neulerchenfeld, unterhielt mit einem Artillcrie-Oberstlieutr-nant ein Liebesverhältniß, das vor drr: Eltern jedoch geheim gehalten wurde. 1 Der Oberstlieutenant mußte indeß nachDalmaticn abrücken und die geheimoBraut der Zukunft die Entscheidung i res Glückes anvertrauen. Dieser Togr nun überraschte fle ihre Eltern mit drr Verkündigung ibrer Wabl. unte,stützteaber ihre Anzeige mit einem Dokuments das die Elternbald gefügig machte: &ir war nämlich in der Lage, ihnen fco 1864 Loos vorzuweisen, das am 1 März den Tresser mit 15.000 fl.gcmocht.. Diese Familiengeschichte verräth eie Wiener Lokal-Eorrcspondcnz, und rotr.TL die Kriwoschjaner den bewußten Oberfl lieutu;ant ungefährdet den Feldzug mitmachte lassen, kehrt er als glücklicher Bräutigam heim. - synonymisch. Professor (docirt in der Primo) Tenerae, zart, heißen die viriiies vi puellae bei Horaz, weil sie sowohl eine zarte Behandlung zu Theil werden las sen, als auch eine solche erheischen. Gymnasiast (in der Nepetition) : Tt rierae," zart, heißen die virinc vX puellae bei Horazweil sie sich zart qtifühlen lassen.
