Indiana Tribüne, Volume 4, Number 201, Indianapolis, Marion County, 9 April 1882 — Page 2
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Hont Adel.
e,,ählung von ZZritdrich Friedrich. (7. Fortsetzung.) " Haben Sie di?, für deren verlehte Ehre Sie eingetreten sind, wieder gesehen ?" Eine leichte Rothe glitt über Platen's blasses Gesicht hin.- ' Nein : auch sie ist schwer erkrankt. Ich werde in wenigen Tagen die Stadt verlassen, zuvor hoffe ich sie jedoch noch zu sehen. ,Jch bin mit ihrem Onkel bekannt.". - -, ... Sie ist in der vergangenen Nacht cntflohen," bemerkte der Freiherr. .Der Lieutenants fuhr., überrascht, fast erschreckt auf. .Entflohen?" rief er. Weshalb?". : ' Der Freiherr theilte ihm mit, 'was ,cr wunte. . ' - ' - Platen schritt erregt im Zimmer aus und ab, er konnte nicht verbergen, wie es in ihm stürmte. . Kannten .Sie' Elsa. Stein naher?- ! fragte der alte Herr. .Nein, und doch begreife ich sie. Ihr Stolz ist so tief verletzt, daß sie es nicht ertragen kann.. Sie hat sich in dem engen Kreise gedrückt gefühlt und sehnt sich hinaus in das Leben, weil sie in den Wogen desselben Beruhigung zu .finden' hofft. Weil ich wußte, daß das frevelhafte Spiel des BaronZ sie tiefer kranken 'werde.' als hundert andere Mädchen, ' deshalb suchte ich . demselben entgegenzutreten. - Wohl haben mehrere meiner Kameraden gcsaat, ich habe, keine Berechtigung dazu gehabt, ich glaube indessen,' jeder Mann ist nicht allein berechtigt, sondern sogar vcrpflichtet, die Ehre eines unbescholtenen Mädchens zu schützen. Einst war es so, und da5 Gute stirbt nicht !" Er hatte diese Worte mit innerer. Erregung gesprochen. Der Freiherr streckte ihm die Hand entgegen. Schlagen Sie ein !"ricf er. Unsere Gesinnung trifft' zusammen. Ich . habe die Wette meines Neffen eine ehrlose That genannt und ehrlos war sie, sie bat sich schwer an ihm gerächt, 'allein die härteste Strafe trifft ihn nicht unverdient ! Nun gestatten Sie mir eine Frage : Sie haben Elsa Stein geliebt ?" Platen wandte sich ab, um die Nöthe seines Gesichtes zu verbergen. , Sie dürfen mir vertrauen,", fuhr der ! kleine Herr fort. Nicht Ncuglcxde treibt s mich zu dieser Fraae, ich würde nicht in das Geheimniß Ihres Herzens dringen, wenn ich mit dem unglücklichen Mädchen nicht das innigste und aufrichtigste Mitleid empfände.. Sie ist entflohen, um sich durch eigene Kraft eine Lebensstellung zu erringen, sie hofft Beruhigung und Bcrgeffen dadurch zu finden, und doch glaube ich, daß es nur ein einziges Mittel gibt, durch welches sie Beides erlangen wird." Und welches ist dies Mittel V ' fragte Platen. ; Die Liebe. .f .Sie allein kann das Gcschchcne in Vergessenheit hüllen, nur durch sie kann Elsa wieder glücklich werden!" . Noch immer zögerte .Platen . mit der Antwort. Ja, ich liebe sie !" rief er endlich. Ich verstand mein eigenes Herz noch nicht, als ich, uni sie zu schützen, Sclditz entgegentrat, als ich aber Wochen lang den Schlaf von mir scheuchte, da trat immer und immer wieder ihr Bild vor micb hin, und es war mir jcdcsMal, als ob ich Beruhigung empfände. Da erst, bin ich mir bewußt geworden, daß ich sie liebe, i heiß und innig, daß es ohne sie kein wahres Glück für mich giebt ! Nun meine Lippen einmal. das Geheimniß, welches ich still in mir verbergen wollte, verrathen haben, tann ich Jlznen auch gestehen, wie sehr ich gekämpst habe, um diese Liebe in mir zu unterdrücken. Je mehr ich jedoch bemüht war. um so leidenschaftlicher slammte'sie aus ! Ich wollte an Elsa nicht mehr denken, und doch beschäftigten meine Gedanken sich nur mit ihr!" ' : '. Und weshalb wollten Sie sie vergcssen?" warf der Freiherr ein. Habe -ich als Krüppel noch ein Recht, um ihre Liebe zu werben ?" 'Sie haben ihretwegen Jhrr . Arm verloren. Gibt Ihnen dies nicht einen Anspruch aus Elsa's Dankbarkeit und Liebe?" Ich befürchte, sie wird anders denken," gab Platen zur Antwort,' da er die Hoffnungen nicht so schnell in sich aufkommen lassen mochte. ' Nein, nein !" fuhr der kleine Herr fort. Sie sind für sie eingetreten, als Sie ihre Ehre beleidigt glaubten, suchen Sie sie jetzt' aufzufinden und zu retten, denn ich befürchte, sie'ist dem Kampfe mit dem Leben nicht gewachsen. . Ihre cuttcr will nicht, daß die Hilf? der Polizei in Anspruch genommen werde, und ich 1 bin zu alt, um diese Aufgabe zu.übcrnchmen. - 1 . , , Diefc Worte hatten in dem Lieutenant gezündet. Ich will sie aussuchen und zu ihrer Mutter' zurückführen !" 'rief' er. Sein Kopf richtete sich empor, ncnc Kraft schien ihn zn erfüllen. - Keine Mühe will ich scheuen, um ihre-Spur zu entdecken, keine Ruhe mir gönnen, bis es mir gelungen ist!" Das Auge des Frechcrrn leuchtete ; er reichte Platen die )ano. Nun werden Sie mir auch gönnen. daß ich daran Theil nehme," sprach er Ich ehe es als einen Beweis hres Ver trauens an, dan Sie mcme Hülse nicht zurückweisen, ich stelle Ihnen die reichsten c"r , - m r f . 'jjcmei zur Verfügung, nerjmcn vsie dieselben an, und wäre es nur, um Ihre Aufaabe zu erleichtern r Gut !" rief Platen, indem er die Hand des Alten erfaßte, wenn ich der Hilfe bedarf, so werde, ich mich nur an Sie wenden - . . Und wann, wann werden Sie Ihre Ausgabe beginnen?" y .Heute noch!" gab Platen zur Ant wort.' Die Beso?gniß der Geheimräthin mebr te sich von Tage zu Tage: dennoch sträubte sie sich noch immer, die Hilfe der Polizei anzurufen ; hoffte sie doch ieden Moraen. daß Elsa an dem Tage heimkehren oder Wunde von ich geben werde. und wenn dann -der Abind hereinbrach, ohne .daß , tt r. l ,5 lyre yon.nung ersuur wuroe.. richtete sie dieselbe wieder auf den folgenden Tag, nrn durm ihn in gleicher Weise enttäuscht au werden.
. Daß Platen es unternommen, die Entflohene aufzusuchen, hatte der Freiherr ihr verschwiegen. Erhoffte mit aller Zuversicht, daß des Lieutenants Bemühungen gelingen würden, und wollte sich dieFreude nicht versagen, die Tochter der Mutter wieder zuzuführen. Aber auch seine Hoffnuug wurde auf eine harte Probe gestellt, denn Woche auf Woche schwand dahin, ohne daß die germgste Spur von Elsa entdeckt wurde. Platen setzte ihn von seinen Bemühungen in Kenntniß, derselbe reiste von Stadt zu Stadt, all' seine ?!achforschungen waren jedoch vergebens gewesen. Ich weiß nicht mehr, wo ich sie suchen soll,", schrieb er. Hätte ich nur die geringste Spur von ihr entdeckt,' so würde ich nicht ermüden ; jetzt erfaßt mich oft die bange Besorgniß, da sie ihrem Leben ein Ende gemacht hat. Ich will diesen Ge-. danken von mir scheuchen, immer kehrt er wieder!" Und auch ' dem Freiherr ' drängte sich diese Befürchtung auf. Er machte sich Vorwürfe, daß er nicht gegen den Willen der Geheimräthin die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen. - Vielleicht kam dieselbe auch " jetzt noch nicht zu spät. Schnell entschlossen, fubr er zur Stadt, um den Polizeikommissär Pitt auszusuchen. ' - - : ' ' -. Sie allein können helfen," sprach er zu dem Eommiffär, als er ihm Alles mitgetheilt hatte. .Ihnen wird es gelingen, zu entdecken, wo die Unglückliche geblieden ist." ' Können Sie mir eine Photographie der jungen Dame verschaffen?" .... Dieselbe soll morgen in Ihrem Besitze .sein." ' ' ; .,. !: - " Der Freiherr kehrte zu seinem Gute zurück. Die .Bestellung der Felder nahm seine ganze Thätigkeit in Anspruch, und es war gut für ihn, denn bei weniger Beschästigung wäre er noch mehr von Sorgen gequält worden. .. Noch immer leitete er Malten's Gut und war bemüht, Emmy und deren Mutter den Verlust, der sie betroffen, vergeffen zu machen. , Dann juchke er dieGeheimräthitt zu beruhigen,' und der Professor schrieb ihm die verheißungsvollsten Briefe, weil von Elsa noch immer keine Sur entdeckt war. Mit unermüdlichem Eifer hatte Platen nach der Entflohenen geforscht ; er war von Stadt zu Stadt gereist, um, sie zu suchen, immer fester wurzelte sich die Liebe zu Elsa in seinem Herzen, je mehrSchwierigkeiten sich ihm entgegen stellten. Schon mehr als einmal, hatte er die Hoffnung,' sie je zusinden, ausgegeben, und dann raffte er 'sich wieder zu neuem " Eifer auf. Gelang es ihm, sie zu sinden und ihre Liebe zu erwerben, dann waren seine Bemühungen auf das Reichste belohnt. ; Völlig erschöpft langte er in einer, kleinen Stadt' an und fühlte sich zu schwach, um -weiter zu reisen. Einige Tage mußte er sich wenigstens Ruhe göunen. Erdachte nicht daran, Elsa's Spur an diesem Orte nachzuforschen, denn was sollte sie hierher geführt haben. . , .. . . 'Länger.als er erwartet hatte, mußte er
an diefem Orte bleiben, weil er sich nur sehr langsam erholte. Die Zeit währte hm lange je mehr sein unruhiger Sinn hn weiter trieb. Den .ganzen Tag über blieb er in seinem Zimmer und nur des Abends begab er sich in. das Gastzimmer. Zwar setzte er sich auch dort allein an einen Tijch, allem ihn unterhielt doch das Gespräch, welches die Gäste an dem Stammtische suhlten, da es . auf kurze Zeit alle anderen Gedanken von ihm cheuchte. , Der Wortführer an dem Stammtische var ein kleiner, wohlbeleibter Herr, dessen lstlge, verschlagene Augen deutlich verriethen, daß er mit den einfachen Gästen seinen scherz trieb. Dieser Mann war Theaterdirektor einer kleinen Schauspielertruppe, welche eben rn dem tadtchen Vorstellungen gab. Wie iit es aber möglich geweien, daß Ihre Gesellschaft nicht immer eine gleich gute geblieben ist? fragte einer der Gälte, em Apotheker, indem er den Dl rektor in der Erzählung von dem einstigen Glänze und Große seiner Isesellschaft unterbrach. Die Brauen des Theaterdirektors zogen sich zusammen, dieser Einwurf schien ihm nicht gelegen zu sein er besaß indessen die vorzügliche Eigenschaft, nch durch nichts in Verlegenheit bringen zu lassen. Er wollte grob antworten, er besann nch jedoch eines Anderen: Wie es möglich gewesen ist, werden Sie doch nicht begrasen, wenn ich es Jhnen auseinandersetzen wollte," entgegnete er ruhig. Ich werde es Ihnen aber durch ein Beispiel zu erklären suchen. Denken Sie den Fall, Ihre Apotheke blühte m so außerordentlicher Weise, daß Sie 20 GeHilfen halten müßten, nun träte plötzlich die Wendung ein, daß außerdem Niemand mehr krank würde. Würde es Sie dann in Erstaunen seen, wenn Ihre Apotheke zurückginge.? 'sehen Sie, so ist es mir auch gegangen. Es giebt keine tüchtigen Schauspieler mehr, und dasPubrnum hat das Interesse für da? Theater verloren, es. ist vorbei mit der Kunst. Ich spiele hierfür zweimal wöchentlich, und doch ist das Haus jedesmal leer. Wer geht hier in das Theater, Niemand,' Sie selbst am wenigsten. Ich mäche alle Anstrengungen, welche ein tüchtiger Direktor nur machen kann, was hilft es ! Kann ich Kräfte schaffen, wenn es keine giebt ? Ich hatte vor vierzehn Tagen die neue Schauspielerin, die Gabriele Vollmann, engagirt, ich setzte Hoffnung auf sie, denn sie ist schön, ihre Gestalt ist groß und schlank, allein gesällt sie? Sie ist zweimal ausgetreten, und jedesmal hat sie mißfallen." Es ist eine Anfängerin, welche noch gar nicht zu spielen versteht," bemerkte der Avotkeker. Sie wird es nie lernen." fuhr Wullen fort. .'Welche 'Mühe? habe ich mir mit ihr gegeben,' um ihr die Rollen einzustudiren; sie ist gebildet, es fehlt ihr nicht an Kenntnissen, allein' sie hat nicht das geringste Talent für die Bühne. Sie wird morgen Abend zum dritten Male auftreten, gefällt sie dann wieder nicht, so schicke ich .sie sogleich fort. Ich habe es ibr bereits anaekündigt, denn, ich rulnire mich selbst durch solche Versuche. So ist es mir aber schon sehr oft ergangen." Und was wird dann wohl aus der unglücklichen Person?", fragte der Apoi . ' .-,.- f , ' tveier. Das ist" nicht meine Sorge," gab Wullen zur Antwort. Weshalb geht sie r rv r i w r i zur Buhne, wenn t lem aienr vez.iyl :
Ist die Bühne vielleicht ein Institut, um Unfähigen ein Unterkommen zu sichern ? Oder kann ich diese Verpflichtung übernehmen ?. Ich habe der Kunst bereits sehr große Opser gebracht, hätte ich es nicht gethan, so brauchte ich nicht hier zu sitzen, sondern könnte als reicher Mann leben, wo ich wollte, Hunderttausende von Thalern" habe ich für die Kunst hingegeben,und doch bin ich nicht im Stande gcwcsen, sie aufrecht zu erhalten, das hat mir aber auch das Mitleid mit dem Einzelnen geraubt, er mag untergehen, wenn er kein Talent besitzt !" Platen hatte der Unterhaltung schweigend zugehört. Er kannte das Elend, welches meist an den kleinen Bühnen herrscht, und unwillkürlich empfand er Mitleid mit dem jungen Mädchen, welches am folgenden Tage zum dritten Male auftreten sollte und dessen ganzes Lebcnsgejchick vielleicht an dem einen Abende. entschieden wurde. Konnte er dem Dircctor, dessen Züge einen so rohen Ausdruck hatten, ein Urtheil über des .Mädchens Befähigung zutrauen ? War es möglich, daß die Unglückliche unbefangen spielte, wenn sie wußte, daß von dem größeren oder geringeren Beifall, den sie fand, ihr Geschick abhing? Er konnte den Bewohnern dieser kleinen Stadt kein Urtheil zutrauen, vielleicht besaß das junge Mädchen viel
dient und mißfiel hier dennoch, weil ne nicht verstanden und begriffen wurde. Die e Gedanken fuhren durch lerne Kopf hin, und er beschloß, am folgenden Abende das Theater zu besuchen, so wcrng cr die kleinen Bühnen auch liebte, da er aus Erfahrung wußte, daß das Meiste auf ihnen entstellt erscheint, daß sie eine Entweihung der Kunst sind. Fast hatte cr am folgenden Abende seinen Entschluß wieder aufgegeben, denn das Wetter war unfreundlich. Der Wind trieb Regen und Schnee an die Fenster und schien Jeden zu mahnen, in dem warmen Zimmer zu bleiben. Da trat der Wirth zu ihm und theilte ihm mit, daß eine Schauspielerin Alles aufbiete, um das Engagement des jungen Mädchens zu verhindern, weil sie befürchte, in ihrer Stellung dadurch erschüttert zu werden. Sie habe Billets vertheilt, damit die Unglückliche, die ohnehin sehr befangen sei, sofort bei ihrem Auftreten mit Zeichen des Mißfallens empfangen werde. Durch einen Schauspieler, der bei ihm verkehrte. hatte er dies erfahren. Es giebt ja nirgends mehr Intriguen und Gehasstgke:tcn, als unter den Schauspielern," fugte er hinzu. Die Schauspielerin soll schon mehrere junge Mädchen, namentlich wenn sie hübsch waren, durch solche Intriguen fortgebracht haben,, sie beherrscht außerdem den Dircctor und will allein die jngcndlichen Gestalten spielen, obschon sie weder jung noch schön ist." Platcn hüllte sich m seinen Mantel und verließ das Haus. Der Wirth hatte ihm den Theaterzettel gegeben, auf demselben stand Kabale und Liebe." Die Rolle der Louiie war durchgestrichen und unten stand mit Nothschrist geschrieben : Louise Fräulein Gabriele Bollmann als Gast." Ein schmerzliches Gefühl durchzuckte ihn, als er den Saal betrat, in welchem die Bühne aufgeschlagen war, auf welcher i. . r. ,, c scoiuers raueripiei gespien 'weroen sollte. Wie eng und armlich war Alles. Das Publikum zählte nicht fünfzig Köpfe. War es möglich, daß m diesem Raume und bei diesen Zuhörern ein Talent sich zeigen und entwickeln konnte, mußte nicht die ganze Umgebung, bis auf die qualmendcn Oellampen herab, demüthigend, lähmend, ja vernichtend einwirken? Er hatte für den ersten Platz bezahlt. mochte denscllfcn jedoch nicht betreten, sondern blieb im Hintergründe stehen. Vor ihm saßen mehrere Burschen von sechzehn bis achtzehn Jahren. Äch Zllchc, sobald sie auftritt," hörte er den Einen sagen. Nein, ich will das stuck erst sehen. zum. Schlüsse pfeife ich sie aus," bemerkte ein Anderer. Wir sollen zischen, sobald sie erscheint " warf ein Dritter ein. Sie soll gar nicht spielen, eme Andere soll sur ne eintreten. - Die Burschen einigten sich endlich dahin, die Auftretende sofort mit Zischen zu empfangen. Die Mittheilung des Wirthes beruhte also auf Wahrheit, denn daß die Wort der Burschen sich aus das junge Madchen bezogen, unterlag keinem Zweifel. ? . ' r ic iingeizrionie, oer eroarmilme Vorhang wuröe'emporgezogen, die Vor stellung begann. Die langsam mit dem Buche in der Hand' hervortretende Louise war Elsa, die er so lange gesucht hatte. Er täuschte sich nicht, er hätte laut aufschreien mögen. Die Burschen züchten lauter und lauter, einige Stimmen verwiesen sie zur Ruhe, sie hörten jedoch Nicht daraus. Platen war zu bestürzt, um die Burschen, die er mit der Hand erreichen konnte, zu züchtigen ; sobald er Elsa er-, kannt, hatte auch er die Fassung verloren. Als sie hinter die Coulissen eilte, stürzte er fort aus dem Saale. Er mußte sie sprechen, sie beruhigen, ihr sagen, daß eine schändliche Intrigue gegen sie gespielt wurde, er mußte sie schützen und er war entschlossen, dies mit aller Kraft zu thun. Auf dem Flur des Hauses, in welchem der Saal sich befand, angelangt, fragte er nach dem Director. Er mußte ihn sprechen, um durch ihn zu Elsa zu gelangen. Im Saale lärmte das Publikum, weil die Vorstellung unterbrochen war, er hörte die laute, drohende Stimme des Directors, ohne daß er wußte, in welchem Zimmer sich derselbe befand. Der Hausflur war nur matt erleuchtet, er wandte sich fragend an Mehrere, welche vorübereilten. Niemand gab in der Ver wirrung Antwort. Schon wollte er in die nächste Thür eindringen, als et eine hohe Frauengestalt, die den Kopf mit einem Tuche verhüllt hatte, über den Flur hinhuschen und aus dem Hause eilen sah. Der Gedanke, daß es Elsa sei, ersaßte ihn, und ohne Zögern folgte er ihr. Er sah sie in eine dunkle Gasse einbiegen, welche zur Stadt hinaus führte. Wohin wollte sie ? Er folgte ihr, so schnell er konnte, der Wind trieb ihm Schnee und Regen in's Gesicht. Hörte er nicht das Rauschen eines Mühlrades' oder täuschte ihn sein Ohr ? Er erinnerte sich, daß in jener
Richtung sich ein Fluß befand, sollte die Fliehende zu ihm eilen ? Dieser Gedanke machte scn Blut crstarren, allein nur einen flüchtigen Augen blick lang, dann Raffte cr alle Kräfte zufammcn,"iim die Vorancilcndcinzuholen. Schon hörte er deutlicher das Rauschen des Mühlrades, schon sah cr das Wasser des Flusses schimmern, nur wenige Schritte war cr noch vom Uscr cntfcrnt, da holte cr die Fliehende ein und hielt, ihren Arm erfassend, sie zurück. Die Unglückliche sank erschöpft nieder und suchte ihren Arm aus seiner Hand zu ziehen.. Lassen Sie mich los, haben .Sie. Erbarmen mit mir, ich kann nicht mehr leben!" rief sie. ' An der Stimme erkannte er Elsa... ..Elsa, Fräulein Stcin " rief cr und beugte sich nieder, um die halb Ohilmächtige emporzurichten. Beim Nennen ihrcö Namens zuckte Elsa fast erschreckt zusammen, dann hob sie den Kopf empor. Einen Augcikl'lick lang sah sie Platen sorschcild an und als sie ihn erkannte, brach sie mit dem Ausruft : Allmächtiger Gott!" wieder zusammen. Platcn beugte sich zu ihr nieder und versuchte, sie zu beruhigen, sie hörte auf seine Worte nicht. Lassen Sie mich sterben," bat sie endlich. Der Tod, nur der Tod kann mir Ruhe bringen !" Besänftigend sprach Platcn auf sie ein, endlich hörte cr sie heftig weinen, un5 die Thränen schicncn das, was so erdrückcnd auf ihr gelegen, zu lösen und zu mildern. Die Heftigkeit des Windes hatte sich gesteigert, der Rcgcn war stärker gcworden, Platcn bat sie, mit ihm zu gehen. Ich darf mich hier nicht fehen lassen" sprach sie. ?lls' ich heute Abend die Bühne betrat, hat man mich mit Zischen empfangen, als ob ein Makel an, mir haste. Man glaubt auch hier mit mir spielen zu können, und doch war es mein ernstes Streben, mir eine Lebensstellung zu gründen." - Nein, nein," siel Platen ein. Nur eine Schauspielerin hat gegen Sie intriguirt, um zu verhindern, daß Sie hier engagirt werden, nur einige Burschen, welche dazu gedungen waren, haben gezischt, ich selbst habe es gehört." Sie waren im Theater V rief Elsa. . Ja, ich bin Ihnen von dort nachgeeilt. Hier dürfen Sie jedoch nickt länf... r , r '. . r' .v
gcr meinen, uno nur iciaji ge- i kleidet, kommen Sie, folgen Sie mir, ich verspreche Ihnen, daß Sie Niemanb sehen soll." Er versuchte Elsa emporzuheben, si: rührte sich nichts Mißtrauen ic auch mir V sragtc cr. Nein," gab Elsa zur Antwort und versuchte auszustehen. Sie war zu schwach, ließ es aber ohne Widerstreben geschehen, daß er ihr behilflich war. Auf seinen Arm gestützt, ließ sie sich von ihm sührcn. , Wohin wollen Sie mich bringen ?" fragte sie nach kurzer Zeit, indem sie zögernd stehen blieb. Nach dem Gasthausc, in welchem sich wohne," gab Platen zur Antwort. Nein, nein ich kann dorthin nicht gehen!" rief Elsa hastig. Weshalb nicht?" Elsa zögerte mit der Antwort. Weshalb nicht?" wiederholte Platen noch einmal. Schenken Sie mir Ihr volles Vertrauen, Sie dürfen es." Ich bin von allen Mitteln entblößt, ich habe nichts, nichts mehr. Auf das Engagement hier war meine letzte Hoffnung gebaut, ich iruirde zufrieden gewesen sein, wenn ich nur so viel erhalten hätte, um den Hunger zu stillen ! Auch diese Hoffnung ist vernichtet ! . Weshalb haben Sie mich am Flusse zurückgehalten, jetzt wäre Alles beendet !" ' Haben Sie nicht an Ihre unglückliche Mutter gedacht, welche aus Angst um Sie saft vergeht ?" warf Platen ein. Er fühlte Elsa's Hand heftig zittern." Ich habe seit Tagen schon an nichts mehr gedacht, ich glaube, ich kann nicht mehr denken !" erwiderte die Unglückliche. Auf meinem Kopfe lastet ein unsagbarer schwerer Druck, die Brust ist mir zusammengeprcßt. Ich habe mich seit Wochen vergebens gesehnt, nur ein einziges Mal weinen zu können; " heute Abend ist es mir zum ersten Male gestattet gewcsen!" - Ihre Stimme bcbtc. . : Kommen Sie, kommen Sie, Sie sind krank," drängte Platen. Wird dcr Wirth Ihres Gasthauses mich aufnehmen ? Ich bin hier schon von mehreren Thuren zurückgewichen worden, und meine Ansprüche waren die bescheidenstcn !" Ich bitte, kommen Sie!" wiederholte Platcn noch einmal. Vertrauen Sie sich meinem Schutze und meiner Ehre an, und scheuchen Sie jede Besorgniß von sich, ich stelle Ihnen Alles, Alles, was ich besitze, zur Verfügung !" - Elsa ließ sich durch ihn fast willenlos weiter führen. Jn dem Gasihause . angelangt, ließ er sie durch des Wirthes Frau sofort auf ein Zimmer bringen, dann zog er den Wirth zur Seite. . ' ' ' Thun Sie für die Dame Alles was in hren Kräften steht," sprach er. Sie ist leidend, lassen Sie Ihre Frau selbst sie pflegen, ich werde Sie in reichlichster Weise dasür entschädigen. Verschweigen Sie, daß sie hier ist, lassen Sie Nieman den zu ihr, und wenn der Theaterdirector oder ein Anderer nach ihr fragen sollte, so weisen Sie dieselben zu mir. Ich verlange, daß die Dame mit der größten Hochachtung und Schonung behandelt wird, mögen Sie augenblicklich auch Verschiedenes nicht begreifen, ich werde Ihnen in den nächsten Tagen Aufklärung geben, und Sie werden es nicht bereuen, meinem Wunsche nachgekommen zu sein." Der Wirth versprach. Alles zu thun. Platen telegraphirte sofort an die GeHeimräthin und den Freiherr, um ihnen Elsa's Auffindung zu melden. Erst dann begab er sich in sein Zimmer. Er war so hestig erregt, daß er selbst der Ruhe bedürfte. Am folgenden' Morgen ließ Elsa Platen durch den Wirth bitten, zu ihr zu kommen. . Die Arme scheint sehr unglücklich zu sein, denn sie hat heute Morgen wieder viel geweint," fügte der Wirth hinzu. Meine Frau hat mir mitgetheilt, daß sie gestern den ganzen Tag über nichts ge-
nassen, da ist es freilich kein Wunder, wenn sie sich sehr schwach sühlt." Elsa saß. als er in das Zimmer trat, halb gebrochen am Fcnstcr; .sie wollte sich erheben, um ihm entgcgcn zu gchcn, ihre Kniee schwankten, und sie mußte sich am Stuhle halten, um nicht umzusinken. Herr v. Platen," hob sie endlich an, ohne die Augen auszuschlagen, mit leise bebender Stimme, einmal sind Sie schon für- meine. Ehre eingetreten, gestern haben Sie mir das Leben erhalten, ich danke Jhncn, obschon Sic mir vielleicht cincn größeren Dienst erwiesen, wenn Sie gestattet hatten, daß ich meinen Entschluß zur Ausführung gebracht. Ich lebe jetzt, allein ich weiß noch nicht, wie ich dies Leben ertragen soll !" Sprechen Sie nicht so !" unterbrach sie Platcn, ruhig mahnend. 'Noch zittert in Ihnen die ganze Erregung nach, in. der Sic sich befanden, Sie, werden ruhiger werden ' und anders - dcnkcnl Auch ich weiß, daß oft so düstere schatten auf unkx Leben fallen, daß wir die Hoffnung verlieren; kein freundlicher Blick scheint sich uns zu bieten, und doch ziehen die Wollen, welche den Schatten warfen, häusig weit schneller vorüber, als wir glauben !"c ; .: :U lU ; ' Elsa schüttelte langsam, zwcisclnd mit dem Kopfe. -. . .,:';.-:,., Erweisen sic mir noch cincn Dienst sprach sic dann. Schreiben Sie meiner Mutter, daß ich hicr bin ! Ich kann cs nicht, ich bin von ihr gegangen mit dem Entschlüsse, mir - eine Lebensstellung zu erringen, ich kannte das Leben noch nicht, jetzt bin ich so unsagbar tief gedemüthigt, daß ich ihr nicht schreiben kann. Aber ich sehne mich nach ihr, cs verlangt mich, mich an ihr Herz zu werfen, ich fühle, daß ich dastehe, hilflos wie ein Kind, dcm die Eltern genommen sind, nicht weiß, wohin cs sich wenden soll." Ich, habe . Ihrer Mutter bereits gesicrn Abend Nachricht gegeben, daß ich Sie endlich gefunden," gab Platcn zur Antwort. Eine flüchtige'' Secunde lang richtete Elsa den Blick auf ihn. ? Fiel es ihr auf, daß er sie gesucht hatte? ; j ; i : ; Haben Sie . ihr mitgetheilt, daß sic hierher kommen möge ?" fragte sic dann. Ja, und sie wird kommen, weil ich die Angst kenne,, die sic Jhrctwea.cn erduldet hat." ' 1 " ' Regungslos saß Elsa da, ihre Brust holte tief Athem, dann strich sie sich mit der Rechten langsam. über die Stirne hin. - Fräulciit,' - was '.gestern Abend geschchcn ist, weiß außer Ihnen und mir Nieniand," bemerkte Platcn. Meine Lippen werden nie ein Wort darüber sprechen!" Elsa blickte'zu ihm auf und ließ einige Secunden lang das Auge aus, ihm ruhcN. . I- i '-. i . . . ; Sic sind edel, ich weiß cs !" sprach sie. Sie ahnen nicht, wie sehr ich mich fürchte, mit Menschen zusammen zu treffen; all' mein Sehnen' ist daraus gerichtet,' ganz einsam. .'und abgeschieden zu leben, 'wo mich Niemand sicht, wo ich spazieren gehen kann, ohne Jemand zu begegnen, wo kein neugieriges Auge mir folgt!" Ein solcher Ort wird sich für Sie sinden," bemerkte Platen und brach das Gespräch ab, um ihr Ruhe zu gönnen. Noch einmal wiederholte cr die Bitte, die trüben Gedanken von sich zu scheuchen, dann verließ er sic. Ein freudiges Gefühl durchzuckte ihn, weil sie ihm ihr volles Vertrauen geschenkt hatte, dann ivieder erfaßte ihn derSchmcrz über das traurige Geschick dcs schönen Mädchens. War nicht zu befürchten, daß in ihrem Geiste doch kmmer ein' trüber Schatten.zurückblcibcn werde ? Die Gchcimräthin kam mit dem FreiHerrn spät in der Nacht an. , Der kleine
Herr hatte cs sich nicht nehm? lassen, sie zu begleiten, und cs gab kaum einen bcsscrcn Rclscttglcltcr. Jn dcm Gasthause angelangt ließ cr Platen . sofort wecken. denn sein ungeduldiger Sinn konnte die Zeit kaum erwarten, in -der er Näheres über Elsa Stein erfuhr. Sehen Sie, ich wuute, daß ie )t sinden würden !" rief er Platcn entgegen, als dieser zu ihm . in' Zimmer trat. Jetzt kann ich Jhncn gestehen, daß ich durch einen Polizeibeamten sehr eifrig habe nachforschen laen, demselben war es. jedoch icht gelungen, auch nur eine Spur der Entflohenen aufzufinden. Ans Sie hatte ich all' meine Hoffnungen gcsetzt, denn ich wußte, daß Sie nicht ermüden würden. Wer wirklich liebt, verliert den Muth nicht." Und doch hatte ich ihn mehr als einmal verloren," bemerkte Platen. Daß ich sie endlich gefunden habe, ist nicht mein Verdienst, ich' verdanke es allein, dem Glücke oder dem Zufalle." Der Freiherr ließ .sich von Platen erzählen, wie er Elsa gefunden, und wie viele vergebliche Bemühungen er sich zuvor gemacht. Durch die Wirthin wurde Elsa am folgendcn ' Morgen vorbereitet, . daß ihre Mutter augekommen sei. : Wo ist sie, wo ist sie?" rief die Unglückliche, erregt ausspringend und zur Thür eilend. In dem Augenblicke tra; oic' Geheimräthin ein. ' Mit. leidenschaftlicher Innigkeit warf Elsa sich an die Brust ihrer Mutter, sie umklammerte sie fest, fest, als ob sie sich nie wieder von ihr trennen wolle. Dann stürzten ihre Thränen heftig hervor. Vergebens suchte die Geheimräthin sie zu beruhigen, vergebens strich sie mit der Hand licbkosend' über 'das Haupt ihres Kindes, die Thränen thaten der beengten Brust wohl, es war, als. ob sie lang sarn lösten, as seit Wochen darauf gele gen. ' Auf einer Fußbank ließ sie sich dann neben ihrer Mutter nieder, die Rechte derselben umfaßte sie mit beiden Händen und gestand ihr dann Alles, was sie erlebt und geduldet. ' - - ' ' Laß, Kind, rege Dich nicht auf," unterbrach sie die Mutter wiederholt. Später, wenn Du ruhiger geworden bist, sollst Du mir Alles ekzählen. Laß jetzt die Erinnerung an das Vergangene, wir habcn uns wieder, und diese Freude soll durch nichts getrübt werden." Ich 'werde.nicht eher' ruhig,', als bis Du Alles, Alles weißt." fuhr Elsa fort. Mein Herz findet durch die Mittheilung Erleichterung, ich habe Unrecht gethan, weil ich Dich verlassen, und ich kann dies nur dadurch sühnen, daß ich nichts ver-schweige."
Die Geheimrüthin war lange bei Elsa geblieben, und dcr Freiherr hatte sic mit Ungeduld erwartet. Nch heftig erschüttert durch daö Wiedersehen und den Schmerz ibrcs Kindes trat sic endlich zU dcm altcn Ferrit und Platen in's Zimmcr. Tcr Freiherr eilte ihr entgegen. Was macht sie ?" sragtc cr hastig. Wie war das Wiedersehen ?" Das armc Mädchcn ist tief erschüttert, ticscr, als ich glaubte," crwidcrtc sic bcwcgt. Es ist, als ob sic allen V!uth zum Leben verloren habe, und ich befürchte, es wird lange währen, ehe sic das Erlebte überwindet!" Sie müssen ihr Zcrstrcung vcrschassen," siel dcr Freiherr ein. Die Eindrücke dcr größeren Reise werden wohlthuend aus sie einwirken." Nein, nein, sie fürchtet sich, mit Menschen zusammenzutreffen," bemerkte die Gchcimräthin. Sie weigert sich sogar, in ihre Hermath oder nach M. zurückzukehren, ihr einziger Wunsch ist auf einen stillen Ort gerichtet, wo sie ungesehen und ungestört leben kann, und wie ich sie kcnne, ist dies das Beste sür sic. Was in ihr r.agt, muß sic durch sich selbst übcrwinden. Andere können nicht mehr dazu beitragen, als daß sic sie ungestört leben lassen." Die Augen dcs Frcihcrrn leuchteten aus, i'uw Hoffnung gewann neues Leben in ihm. Hat sie nicht geäußert, wohin sic zu gehen wünscht ?" fragte er. Nein, ich glaube indessen, daß sic mit jedem Orte cinverstanden sein würde, wenn cr ihr nur völlige Ruhc und Abgcschlosscnhcit gewährt." Würde sie vielleicht jetzt zu bewegen sein, mit Ihnen aus mein Gut zu zichen ?" fuhr dcr kleine Herr fragend fort. Ja, ich habe sic deshalb befragt, si: hat ohne Bedenken zugestimmt." Und dies sagen 'Zc mir jetzt erst!" unterbrach sic der Freiherr lebhaft und mit offener Frcudc. Sic lassen mich darüber in Zweifel und wissen doch, wie lebhaft ich dies wünsche l" , Ich wußte nicht, daß cs jetzt noch Ihr Wunsch ist," bemerkte die Geheimräthin. Natürlich, natürlich !" fuhr dcr kleine Herr sott. Ich wünsche cs mehr denn je, denn ich habe cs in dcr letzten Zeit zu deutlich gcsühlt, daß ich dics Älleinsein nicht . mehr ertragen kann. Ich besitze nicht mehr die Kraft, Gedanken, die mich peinigen, von mir fortzuscheuchen, sic kommen wieder und immer "wieder. Sa gcn Sie Elsa, daß sie 9!iemand bei mir stören soll. Sie soll ganz leben, wie sic es wünscht. Niemand soll ihr entgegentreten, sie soll bei mir ganz die Ruhe sinden, die sie wünscht." Bitte, sagen Sic ihr dies selbst," warf die Geheimrüthin ein. Wird es ihr lieb sein, wenn ich zu ihr gehe?" . Gewiß, sie läßt Sie sogar darum bitten und auch Sie, )err von Platen. Sie fühlt, wie gut Sie Beide cs mit ihr meinen." Der Freiherr hatte diese letzten Worte gar nicht abgewartet, sondern war bereits zur Thüre geeilt, um sich zu Elsa zu bcgeben. Platen uad die Gchcimräthin folgten ihm. Als cr Elsa erblickte, aus sie zueilte und ihre beiden Hände erfaßte, war er so bewegt, daß er nicht sprechen konte. cin Auge ruhte auf den bkichen Zügen des Mädchens, seine Lippen bcwcgtcn sich, ohncdaß cin'Wort übcr dieselben kam. Ich freue mich, daß Sic zu mir ziehen wollen," sprach er endlich. Sic sollen auf meinem Gute lcbcn, ganz, wie Sie wünschen, still und ungestört, es giebt ja ohnehin in meinem Hause nur wenige Menschen, und von diesen wirdJhncn kcincr entgegentreten !" . Elsa entging die Freude nicht, welche aus seinen Augen leuchtete, dieselbe war wahr und natürlich. Ich befürchte nur, - daß ich Ihnen lästiger werde, als Sic ahnen," bcmcrttc sie. Nein, ncin !" sicl der Freiherr cin. Ich habe Jhncn schon cin Zimmer zugcdacht, das liegt nach dcm Garten hinaus ; jetzt ist cs freilich öde in demselben, allein wenn dcr Frühling kommt, dann blüht und dustct cs unter Ihren Fcnstcrn, dann weckt Sie dcs Morgens früh das Singen der Vögel, und dcs Abends schlägt noch die Nachtigall in dcn Zweigen, und kein Mensch stört Sie. Diese Ruhc thut dcm Gemüthe wohl. Auch ich habe eine Zeit gehabt, wo ich dcn Menschen auswich, wo das Leben mir zur Last war und ich auf alles Glück für immer verzichtet hatte, dort in dcm Stillleben der Rawr fand ich den inneren Frieden wieder, und seitdem ist nichts im Stande gewesen, denselben zu vernichten. Elsa schüttelte langsam mit dem Kopfe, sie glaubte noch nicht, daß sie je wieder Frieden sinden könne. Sie werden dort den Frieden sinden, glauben Sie meinem Worte," fuhr der Freiherr fort.' Jn Ihrem Alter vergißt man noch schneller und leichter, das Leben tritt Einem anders entgegen, als wenn die Haare schon gebleicht sind, denn dann richtet sich der Blick mehr in die Bergangenheit, als in die Zukunft, von dcr man nur noch wenig zu hoffen hat." Es ließ dem Freiherrn nun keine Ruhe mehr in der kleinen Stadt. Durch den Telegraphen trug er seinen Dienern aus, sofort einige Zimmer so wohnlich, wie eS in der Eile möglich war, herzurichten, und er wäre diesem Auftrage am liebsten noch an demselben Tage nachgefolgt. Am nächsten Morgen führte ein Wagen Elsa und ihre Mutter, Platcn und den Freiherrn fort aus der Stadt, um sie zur nächsten Eisenbahnstation zu bringen. Platen war nach der Residenz gereist. Wohl hatte der Freiherr ihn gebeten, einige Zeit auf seinem Gute zuzubringen, und er würde ihn am Liebsten für immer dort behalten haben. Platen hatte dies jedoch abgelehnt, weil er Elsa Zeit und Ruhe lassen wollte, um sich selbst wieder zusinden. (Fortsetzung folgt.) . ' Bücher und Weiber. Ein Hagestolz Gelehrter wurde aufgefordert, doch zu heirathen. Danke scdön,- ent gegnete er, ich lobe mir Bücher statt Weiber. Ein Buch braucht fürS ganze Leben ein Kleid, die Frau womöglich alle Tage ein anderes." - 4
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