Indiana Tribüne, Volume 4, Number 200, Indianapolis, Marion County, 2 April 1882 — Page 6
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Mine Ellltmöllder ausMen.
Von ffrtOrtO chlSgl. sr ach der Nmjitt,,,. HaVn S' fchon g'hört das Unglück, vaS mi trogen hat?- .Nein ! Was is denn g'scheg'n? .Tluszieg'n muß i! Denken 6' Jhner. so was muß Ein'm vor'n Z'grundgeh'n c no passir'n ! ---Ja,da bedaur' i herzli I geh' ins Waer.'- wo, no, nol" ' ES ist langer als ein halbes Jahrhun dert, daß ich diesen Dialog gehört, und ich verliere ihn nicht aus dem Kopse. Ein kleiner, vlelbekmderter Handwerker ve . gegnete uns, meldete meinem Vater das , Ungemach, das-ihm bevorstand und 'lies wie verzweifelnd-davon. Mein Vater sah dem alten Freunde bekümmert nach. seufzte tief aus und meinte : 53 arme Teufel! kommt auch nie zur Ruh'! Kann slch auch nicht erholen und nie recht auf richten ! Trifft ihn das auch noch ! Ja, ein Beinbruch, ein Nervensieber undAus ziehen ist so ziemlich dasselbe. Einmal ausziehen und einmal abbrennen ist ganz gleich. Gott behüte Einem vor so etwas. besonders im Winter!" Diese Ansicht und dieser Ausspruch lmvonirten dem unwmenden Buben; aber auch in späteren Jahren fand ich it.rA. s rc:jfu:Af:f frtT iciuc niuuyc, uii uci iviiyiiültl ViUi felbstaufaestellter Doamen zu zweifeln. . denn neunzigmal in hundert Fällen ist V..r . rv. , (v aVI- V.ccrx'tujr eine xjamuten'ragöüu, uc ren ganzen Ernst nicht nur die Betroffe en fühlen, der auch dem oberflächlichsten Beobachter in die Augen fällt, wenn er . die Scenen und Bilder betrachtet, welche die Ziehzeit". in den Bezirken der Ar muth bietet. Sie war neulich wieder da, das alte gefürchtete Lichtmeß Viertel-, das in die meist schlechteste Jahreszeit fällt, und wo nur die Aermsten der Ar men von ihren Heimstätten verdrängt werden, um mit Kind und Kegel und -mit Fetzen Bündeln und morschem Ge raffe! an den entlegensten Punkten ein neues nothdürstiges und abermals nur interimistisches Obdach aufzusuchen. Welche Wanderungen von Erdberg nach Sechshaus, vom Favoritengrund nach Altlerchenfeld? vom Thury nach Hunds ihurm ! Nur war das Wetter Heuer ausnahmsweise gnädig, und dieLeute brach ten ihr angesticktes Bettzeug, ihre schlotterigen Strohsäcke und das sonstige Ge Tümpel wenigstens nicht tropsnaß in die feuchten unterirdischenScher, wo sie die abgehetzten Glieder und das todtmüde Haupt nun zur kurzen Ruhe legen soll ten. Das Erschreckliche erwartet sie ja ohnehin schon am nächsten Morgen. Ein spöttisch Gezische! hörten sie bereits, höh. nische Bemerknngen sielen knapp vor ih ' ren Ohren, die Kinder reckten die Zunge ' auf sie heraus, und sie vernahmen deut ' lich die Worte: Gesinde!!- Glumpert!" ..Bagage!- Weil ihr Mobiliar" aller dings im defectesten Zustande angelangt. So kann' denn der omnipotente Hausmeister auch nicht anders, als in den allgemeinen Lästerungs-Chor einzustimmen nd nach zwölf Stunden der Quart . die Aussage" zu dringen. Also in drei . Monaten dieselbe Marter, dieselbe Be . schämung! Und Geld kostet sie jede neue . Umsiedlung doch. So wandern sie denn hin und her dem gänzlichen Ruin ent i gegen. Doch von all' dem wollte ich diesmal! nicht erzöhlen; in der Aera des Unbeha i gens und der allgemeinen Verdüsterung j vill "ich nicht auch noch unter dem Striche" melancholisch angehauchte Bei träge liefern, wozu meine geehrten oben postirten politischen" College seit so langer Zeit schon verurtheilt sind. Ich will nicht rühren und nicht zu Mitleid anregen, obwohl ich an Herzergreisenden Episoden genug mitzutheilen wükte, de ren Zeuge ich just in den jüngsten Wo chen war. Davon ein andermal. Für heute mochte ich eine specielle, die tragi . komische, ja fast heiter zu nennende Seite des Aus und UmziehRummels beruh ren, nämlich die Uebcrraschung der mei , sten Meuschen, die bei solcher Gelegen- . heit, erst gewahr werden: was sie Alles . besitzen! O je, das hab'n mir auch auf- , gehoben?!" Ja wohl.... Was man Alles besitze! Man wein es gar nicht. Vergraben und vergessen, versteckt und verpackt in tiesuntersten Laden uud Fächern, in verborgenen Win keln, in unbeachteten Koffern und Kisten, .. in bestaubten Portefeuilles und zerrisse nen Mappen, in Cartons, Schatullen . und Schachteln, in Truhen und Trü . herln, in alten, quiscirten Schränken,' die auf dem Dachboden und' im Holzkel ler vermodern und verfaulen all' diese Behälter bergen ein Sammelsurium von unnützem Zeug, werthlosem Plunder, Dinge und Sachen, um die wir Jahr zehnte nicht gefragt, an die wir zeitlebens , nicht mehr gedacht hätten, wenn sie bei dem allgemeinenRumor des Wohnungs vechsels nicht urplötzlich an's Tageslicht kämen. Nun stehen wir erstaunt und fchauen halb schmerzlich, halb ärgerlich ' die schöne Bescheerunz an; Manches ist - rt L . 4 , V. . : UN voulg unocimwii ijcwüiuc, wie er innern uns seiner Genesis und seiner Bedeutung nicht, nur verstehen den , Grund und den Zvea der jahrelangen Aufbewahruna n:cht, wir entsinnen uns nicht seiner Abstammung, seiner Her- . . . . i f 'kunst oennocy rönnen Dir uns noa) nicht entschließen, den Posel wegzuthun, wir sÄlevven ihn weiter, wir transporti ren ihn peck und bestimmungslos auch in dasueue Heim, - wir belegen und fül len wieder alle Plätze und Räume mit ihm. Schließen wir einst die Augen, ist's mit diesem Bunterlei von undesinirbaren und eingebildeten Kleinodien aus Holz und Pappe, au5 Blech und Eisen :c. Ohnehin rasch zu Ende; pietätlose Hände wühlen eiligst m oen ereroien lscyaen und werfen la den sen ooer zum en per hinaus, was unbrauchbar und un verwerthbar scheint; der Kehrichtsammler und das Weib mit dem Unkenruf :Ha derlump! Haderlump! Messing, Blei, Glasscherben !" sie theilen sich, die Köpse vor Verwunderung schüttelnd, in zahl lose Stücke des wirren Nachlaffes. Was man Alles besitzt, und was man )Alles aufbewahrt! Und die ärmstenLeüte belasten sich am meisten mit solch' unnö thigem Kram und Tänd. ES srcut sie, daß sie doch etwas, und sei es das Nichiste, ihr 'Eigen nennen können, gebe euch der öausir-Iude keinen Deut für den gesammten Quark! Aber manchmal'
haften denn doch auch Erinnerungen an Diesem und Jenem'waS ihnen das Ge ringsügigste und Unbedeutendste lieb und theuer macht. ." Da ist ein Stück Spiel zeug, nur der.. Bruchtheil, der Rest von dem Püppchen oder Wägelchen' aber ein verstorbenes Kind hielt es mit seinen erstarrenden.. Fingerchen. -Da ist. ein vergilbtes Band, ein abgerissener Strei fen, ein altmodisch Fleckchen-eS stammt noch von dem Hochzeitsputz der- eigenen
Mutter oder gar Großmutter. Da sind verblaßte Zettel Brieffraamente, ver dorrte Blümlein sie mahnen vielleicht an glücklichen Stunden, an wertye Freunde, an tbeure Personen: wir tön nen uns nicht trennen von diesen Nippes und Quisquilien und dem chaotischen Krimskrams, und verwahren wie gesagt. Alles nochmals. Als ich vor Kurzem in einer ähnlichen Situation mich befand. da ich nach etlichen dreißig Jahren eben falls meine Wohnung wechselte, gab's wohl auch Nicht nur zu spacken und fortzuschaffen, 'es wäre vernünstigerweise wohl auch so Manches auszumustern gewesen, aber man kommt nicht dazu. und wie sollte es mitunter auch möglich fein, denn man stößt da auf Allerlei. . Zum Beispiel: Hier gleich wieder eine yolzschachtel ohne Merkzeichen, ohne Aufbrist. Was enthält sie? Gewiß auch nicht der Mühe werth, es sö lange aufgehoben zu haben: Ich nahm den Wecke! ab, was war's ? Der Myrthen kränz, den einst meine Braut in denHaa ren, und das Sträußchen, das ich ver fönlich im Knopfloch meines weiland Brautlgamsracks trua. Wie verwelkt und tyeilwelse fast zu Staub zerfallen die carzii.-.i cn r rv lulicr: Zierunooreima aore uenman sie in ungestörter Ruhe: freilich in Ber wesungsruhe uns war keine Ruhe gegönnt, welch' harte Kämvfe bot uns das Leben! Aber in Treue hielten wir aus und wollen's auch sürder so halten. schwelgend schloß ich mein Schahkästlein und stellte es auf seinen neuen Eh renplatz. Mein Weib stand nebenan, auch wortlos und nickte nur zustimmend. Wenn die Söhne diesen Rellauienschrem verein i onnen,weroen ne oen wertyloien !..n ?? t c . Fund ehren? Gewiß Seg'il S' solchenes G'fraßt bebt m'r si' aus, weiß ka Mensch warum und veg'n was? Sammelt si' z'samm mit dieJahr', m'r welb gar rnt, wie ? Aber y.i is's gar ! Die ganze Gramuri da wird verbrennt ! Schauet ja schon bald wie bei ein' Tandler aus, so vollpsropst und an g'räumt is All's! Ohne Gnad' und Barmherzigkeit mach' i mit die Dummheiten jet a End'!- Ein Bezirksgenosse wetterte so, den ich in gleicher Beschästi-. gung fand, im sattsam bekannten Ur-väter-Hausrath" fürchterlich Musterung haltend, und der sodann in komischer Wuth : hinfällige Etagerchen, desecte Notenpulte, zerbrochene ParadluleGe stelle, )eere Perspectiv-Futterals, abge schabte Bilderrahmen, ab und ausge nützte Cigarren'Etuis und Brieftaschen, wackelige, unreparirbare Pfeifenständer, evenfolche uyrlanchen und Lichtschirme, unkennbar gewordene Daauerreotypen, abgeblaßte Photographien von gleichgil tigsten Personen, Todtenzettel von gänz lich Unbekinnten, Kalender von Anno Eins, längst ausgeglichene Rechnungen, alte Porteepees aus der Bürgerwehrzeit, Recepte von nicht mehr innerlichenKrank f Ä F rf W m m yeilssauen, von sollen angefrenene e derwischer, verdorbene Couverts, unae füllte PillenSchächtelchen, Zins'Ouit i tungen, Eotmons-Orden, LicltatlonsKundmachungen, verschimmeltes Gicht Pflaster, gesprungeneRauchstöcke, zerknitterte Papier Eahlers, zerbröckelte Wachssigürchen, Schützen Abzeichen, RundreiseProgramme, einzelne Hosen strupfen, d:tto Handschuhe, abgetragene ravaten, Prels-Tarlfe von Ausverkäu fen, verrostete Schnallen, Päckchen mit verdorbenem Jnsecten-Pulver, Thermo meter. ohne Glasröhre, durchgeblNene Bernstein'Mundstücke, Verlobungs-An zeigen, Annoncen von mittlerweile sal lirten Kohlenhändlern, ruinirte Ansänge eines Herbariums, zerstäubte Schmetter lingsflügel,, Käfersüßchen, abgebrochene Fischangeln, zersessene Lustpolster, ver stümmelte Korkstöpsel, angebrannte Cu das mit eingewickelten Haarsträhnen, Einladungen zu Ausflügen von Vetera nenVereinen, Circuläre von Assecuranz Ge ellichasten u. f. w.. u. s. v. svrma giftig" in die Zimmerecke schleuderte. Wie em Schnitter im Felde die Garben zu Haufen legt, so thürmte der Mann diesen Wull von unnöthlgstem und ma culirtestem. Zeug zu einem förmlichen Berge, von. dem allerdings das Gerölle theuwelse .wieder abstürzte,, bis er mit beiden Füßen auf das Gewirrsel sprang und femen Schwur nochmals ausrief: Alles wird verbrennt ! 8tante pede ! So ein' Unsinn, sur so wag em' Zins zahl'n! Was? Ich konnte ihm, wiewohl vom Herzen lachend, nur Recht geben. Nit ein' tuckerten Heller is der ganze Krempel werth, und das schleppt m'r mit um, wie die Katz' ihre Jungen?" Gewiß ist's so, aber es zeugt eben dafür, daß der Mensch sich nur schwer von dem trennt, was sein eigen Gut ist, wenn es auch nicht mehr zu brauchen und selbst als krmnerungszelchen von despechr lichstcm oder lächerlichstemAussehen wäre. Jeglicher Besitz ersreut in gewissemSinne, und sei es der lastlaste oder unpraktica belste. Nur allein in der Umziehzelt kommt man endlich zur Einsicht und macht sich Lust und entledigt sich von solchem Gerumpel. Sogar die populä ren, beschmutzten Gyps Büsten ohne m - T t. r r i rw ucaicn weroen m 0ia)' reioimen viugen blicken der gänzlichen Vernichtung qeop fert, indem man diese irdischen Größen aus den Schutthausen wirst der kürzeste Proceß, der sich nur um etliche Jahre verzögerte. Eine lebensvolle, rührige Epoche! Schon Wochen vorher geht das Specta kel los, oder beginnen die Prolegomena sür die Hauptaction. Die Eltern blicken der ungewohnten Veränderung, der neuen Wendung.der Dinge nicht ohne Sorgen entgegen 'und haben den Kopf voll von Plänen, Beschlüssen und An Ordnungen. Die Kinder jubeln und freuen sich d& Abwechslung wegen überhaupt und weil sie das Neue, das Fremde das Unbekannte interessiit, und so vergnügen sie sich bereits anticipando an den Ueberraschungen : erwarten sie doch begierigst auch neue Spielplätze, neue Spiele, neue Kameraden, neue
Freunde und Freundinnen. Und wie bald schließt sich in der Kinder und Ju gendzeit eine frische Allianz ! Ich kannte eine luftige Familie, deren Oberhaupt der allerlustigste Patron (in allen Eh ren!) war, in dessen grauem Schädel noch die drastischesten Späße reisten und dessen Söhne der älteste ist dermalen ein vielbelachter Komiker' und tüchtiger Directsr einer namhaften Provinzbühne mit dem Papa in Ergrübelung toller Allotria wetteiferten. Diese Familie, ein reines Eonsortium von Witzmachern, unterhielt sich am besten mit dem Aus ziehen!" und so riesen eines schönen Morgens die beiden Schwerenöther Ju lins und Alsred : .Papa ! Vergiß nicht aus'sAussagen"! Wir wohnen jetzt schon beinahe ein ganzes Jahr hier, und das ist nicht zum Aushalten ! Du weißt und sagst 'es ja selbst, daß es nichts Schrecklicheres gibt, als so lange auf ei-
nem und demselben Flecke wohnhast zu bleiben! Und er gab den Söhnen Recht und kündigte allsoglelch die hübsche und bequeme Wohnung. Als ich den Alten um die eigentliche Ursache seines steten Mobilseins und seiner immerwährenden Marjchvereitschaft fragte meinte er, es gäbe da keinen andern Beweaarund. als eben die Lust an der Veränderung! .langer als em Jahr ertragen wir es nirgends ! Wir müssen immer wieder neue Gesichter um uns sehen! Eine merkwürdige und drollige Liebhaberei! Andere Leute trifft der Mw, wie ge sagt, gleich einem Todesstreich. So verschieden sind die Gustos und die Naturen. Neue Gesichter! Man könnte sie zuuei len wünschen und herbeisehnen,wenn das Schicksal uns mit Menschen in nächster Nähe und engstem Verkehr zusammen gekoppelt, die Einem das Dasein zur Hölle zu machen verstehen. Das. Wort Tell's : .ES kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gesällt!" weiß der zu wür digen, der von der Gemeinheit oderBos heit'seines Gang Genossen" tagtäglich Proben zu erdulden hatte (und dem höh nischen Schabernak und den gröblichsten Insulten schlimm gearteter Rangen sich wehrlos ausgesetzt sah. Andererseits thut Einem auch wieder das Herz wehe, gute, brä?e, redliche, erprobte Menschen durch einen. Wohnungswechsel verlassen zu müssen oder von. ihnen getrennt zu werden, nachdem man in Frieden und Freundschaft so lange mit ihnen, gelebt. Und dann steht man die .ueüen Ge sichter.- Entsprechen sie uns?. Sind sie uns sympathisch ? Vielleicht nicht ganz, aber wir hoffen, unö an sie zu gewöhnen und da wir von Natur aus verträglich, mit der neuen Umgebung so ziemlich gut auszukommen. Nicht immer gelingt es, und da wir in dem neuen Domicil auch allerlei Uebelstände entdecken, die. man ' a . i . . C . . tUNS sruyer veryeimilMle ooer sur vle wir selbst nicht die Augen hatten, so fühlen wir bald, daß alles Ungemach, von dem wir Abschied genommen zu haben glaub ten, nur.von einem viel ärgern abgelöst wurde, ' und das es nur eine neue Lei dens-Station aus unserer irdischen Pas sionsfahrt ist, aus der wir eigenwillig Halt gemacht. Und so beginnt wieder die sehnsüchtige Umschau nach' einem abermaligen Wechsel, und so fort, bis die letzte und richtigste Ruhestätte- ge funden. Das sind so, in flüchtigen Umrissen gezeichnet, die Licht und Schattenseiten der Umiehzeit. Gewechs?lt wird das häusliche Heim dermalen häufiger als emst, da die Stabilität, das Eharakte ristikon iener Epochen, auch in dieser Beziehung vorherrschend - war. Durch ein volles und langes Menschenleben blieb die Mehrheit in ihrer Behausung. Wer ist heute stabil? Das .Volk- am wenigsten, das unausgesetzt aus dem Centrum nach der Peripherie sm .wei-testen-. Sinne des Wortes gedrängt wird. Die billigen Verkehrsmittel, so sagt man beschönigend und entschuld!-' gend, paralysiren das Fatale dieser zweifellos, grausamen Nothwendigkeit.' Aber die autochthonste Einwohnerschaft sieht und fühlt sich nur mehr ad interirn" geduldet, die unaufhörliche Invasion speculativer .Streber" vertreibt sie von ihren legitimen Wohnungs und Erverbsplätzen, die intensivste Verar mung des Gros der Bevölkerung folgt dieser Wanderungsplage auf dem Fuße. Nur Eines änderte sich zu seinem un bestrittenen Vortheile. Ich . meinte die Methode des Ausziehens. Wir sind in diesem Punkte wirklich vernünstiger ge worden , und benutzen mit Gewinn die Gaben der Neuzeit : die praktischen Transportanstalten. Wer das Auszie hen" im Vormärz gesehen wo man kein DienstmännerJnstitut,' keine sinnreichen Möbelwagen, die eine complete Woh nungS Einrichtung zu placiren vermö gen, kannte, gedenkt nur schaudernd an die schweißtriefende Mühe,' die eS unsere naiven Ahnen kostete, wenn es sich darum handelte, seine Habseligkeiten verführen zu lassen. Man nahm damals nach al ter vererbter Gewohnheit meist Grena diere zu diesem Geschäfte, wie man sie ja auch, selbstverständlich gegen Entloh nung, zum Weißen der Wohnungen, zum Holzhacken ic. mit unmotivirtestcr Vor liebe miethete. Die Leute waren unbeholfen, sie brachten keinen Spiegel, kein Bild, keinen Glasschrank unbeschädigt an das Ziel, sie galten als die Mörder aller Kastensüße und jeglicher Fourrn ture." Sie marterten sich trotzdem un beschreiblich ab und litten deßhalb viel an Durst, der sie denn auch an gesähr lichen Stellen, wo zufällig ein Wirths Haus war, halten und ihre Trage nie derstellen hieß. Diesem Beispiele solgte der Kutscher, d. h. der Fuhrmann, der mit dem überladenen Leiterwagen, aus T. f . r . 1 oem oie .ruhigen sxenroyren uno oas Bettgemand, die Kohlentruhen und das Wäschzeug nebeneinander lagen, in den winkeligen Gäßchen und an den Haus schilden und Wachen ohnehin allerlei Unheil anstiftete und sroh war, eine Erholungspause zu finden. So paunrte man denn und that dies wiederholt, bis man valltrunken war, und aus den letz ten Stücken, die man spät ' Abends in die Hände nahm Scherben machte. Etwas besser ließen sich die paar Stadt träger, die Wien damals besaß, zu sol chen Geschäften an. Dieser Ruf erlaubte ihnen darum auch, unerhört grob zu sein (.Ein Flegel wie ein Stadtträger" hieß.'
da? Sprichwort), und auf ihre Kennt nisse und Fähigkeiten sich ein bedeutend Stück . einzubilden, -hre bravouröseste Meisterleistung bestand jedochdarin: .ei langgeschweistes Fortepiano über, eine altmodische Schneckenstiege in das fünste Stöckwerk hinauszuschaffen. Es gelang meistens, aber fragt mich nur . nicht wie....
,.?.- Es ist ein liebenswürdiger, nur dem Deutschen eigener Gebrauch, daß Men schen mit gleicher Gesinnung und. Ue berzeugung, Menschen, die nach gleichen idealen oder realen Zielen streben, .einen Ausdruck für ihre Zusammengehörigkeit, für ihr Zusammenstehen, für ihreFreund schaft darin ti:ch,daßdas herzliche Du die Stelle des steifen Sie ersetzt. . Es läßt sich gegen diesen Gebrauch nichts sagen, so lange er innerhalb gewisser Gren zen bleibt. Leider kann dies nicht an allen Orten und zu allen Jelt:n bkyaup tet werden. Es giebt Menschen, die eine wahre Wuth daraus haben mit jedem Menschen, der ihnen in den Wurf kommt, vomög lich schon nach dem zweiten . Schoppen emen Bruderbund für das even" zu schließen. Es sind diese Bruder- gefährlich für Jeden, der ihnen naht und gefürchtet von allen denen, welche jene Vertraulichkeit aus irgend welchem Grunde scheuen. Eine andere Art dieser .Gewaltbrüder aber st diejenige, welche vielmehr sich r . m . iwi r.' t;ti;x leivjl, als iyren climencucn gqugmuj wird. Sie gehören den gebildeten Stän den an und find sür gewöhnlich Leute von feinstem Tact, von großartiger gesell schädlicher Routine, sobald jedoch des Trunkes Geister sie zu umschweben begin nen, bricht bei ihnen eineArt Weltschmerz aus, der ebenso rühend als komisch ist. Alle Standes und Gesellschaftsunter schiede sind ihnen dann ein Gräucl, alle Menschen werden ihnen zu Brüdern und .Brüderschast" wird mit Jedem gemacht, der sich durch die Flucht nicht ihren Liebkosungen entzieht. Mein Freund M. ist Gymnasial-Leh-rer in B. (Namen zu nennen wäre in discret, deshalb will ich nur anführen, daß B. die Hauptstadt eines großen, eu ropäischen, nordischen Kaiserreiches ist.) M. gehörte zu jener Sorte von Menschen, denen man weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes nachsagen kann, er war harmlos und bis aus den . Duz Punkt ungefährlich - für Männer und Frauen, und allem Anscheine nach sollte sein Leben dahinfließen, friedlich wie ein Dorsbach. , : ; Der. Sturmwind kam in's Land, hoch auf lohten die Flammen des . pölilischen Kampfes. B. hallte, wieder .von dem Waffenlärm und dem Kriegsgeschrei de Parteien, Freund M. verlor seineGriprLsätze und ging unter die elojpsenten Streber." In einem Bezirksverein wag te seine politischstaatsmünnische Seele ihre ersten Flügelschläge. Frenetischer Beifall folgte dem Brillant Feuerwerk von - landläufigen Schlagworlern und abgedroschenen Phrasen,welches der Red ner vordem gemischten Auditorium ab brannte.. Ein großer Trunk, eine Art Verbrüderungsfest der Parteigenossen W . CW gav der Jeier ernen wurolgep ao schluß. Als sich M. am nächsten Mor gen den Banden eines beängstigend tie sen, dumpsen Schlummers entriß, harrte des Redner-Helden bereits der Barbier, um an' ihm sein Verschönerungswerk zu vollenden. M. begrüßte den phyfiogno mischen Künstler mit gewohnter Herab lassung und ließ sich die Serviette um den Hals legen. Nun, wie bist Du gestern nach Hause gekommen, kleiner Schäker? Du hat test einen gehörigen Affen'.- M. hörte diese Worte seines Barbiers wohl, aber er begriff deren Sinn nicht. Erst als der-'Gehllse des. antlitzverschönendem Gewerbes Freund' M.' sanst an der Nase packte und im liebenswürdigsten Tone sagte: Leg' Deinen Kops etwas zurück, Doctor, sonst schneide ich Dich !" überfiel den armen Gymnasiallehrer ein fürchterlicher Schreck. ES brach bei ihm ein grausames Weh aus, Katzenjammer nennt man cs für gewöhnlich und jener weise Mann, der den Kater"naturhistorisch classificirte bezeich nete diese Abart mit den Worten: catu tuissandi pudore confectus. (Der moralische Duz-Kater.) , . Augenblicklich war es dem armen M. unklar, wie er sich zu verhalten habe. Wehrlos ließ er sich einseisen, duzen,-ra siren,' duzen, abwaschen, duzen und nun hatte er seinen Entschluß gesaßt: Wer ther Freund und Bruder," sagte'er, ent weder bist Du mein Bruder, und danu bin ich wirklich außer Standt Dir zu ge statten, daßDu mich fernerhin noch rasirst. Oder Du rasirst mich serner' und dann kann ich allerdings nicht gestatten, daß Sie Mich duzen." Erlauben Sie mal," erwiderte der einigermaßen erschreckte Barbiergehülse, gestern Abend warst Du doch ganz an ders !" Das ist ja möglich,", entgegnete bei Seile sehend M. aber wie gesagt, ich überlasse Ihnen gänzlich die Wahl!" ; Nur einen Augenblick schwankte der so schnöde behandelte Bruders dann op ferte er die Freundschaft auf dem Altare des schnöden Verdienstes. Wenn Sie meinen,. Herr Doctor, dann kann es ja beim ' Alten bleiben !" Ich denke, morgen früh sind Sie wie der da!" M. kleidete sich langsam an, schwe rer, trübtrauriger Gedanken voll. Es klingelte. , Das Mädchen brauchte einen Brief. Ein kleiner Junge wartet aus Antwort!" sagte sie. . Der Bries lautete : Lieber Bruder, ich bin nicht der Mann, der seine Freuu de mißbraucht. Du hast mir aber ge stern Abend, als wir den Bruderbund sür das Leben schlössen, Zusagen gemacht, die, ich unmöglich unberücksichtigt lassen kann, will ich ; Dich nicht schwer beleidigen. Momentane 'Verlegenheit zwingt mich, sofort von Deiner Güte. Ge brauch zu machen. Sei so freundlich und sende mir durch den Ueberbringer dieses 50 Mark. Mit Brudergruß und Handschlag Dein Dr. L."
M. befand sich diesem neuen Attentat
gegenüber einen ganzen Augenblick wehr los, dann raffte er sich zu emer heroischen That aus. Er ließden wartenden Knaben eintreten. Sage dem ' Herrn Doctor," so lau tete der Austrag, den der jugendliche Merkur erhielt, ich werde ihm schrei ben!-' "." , ' Nein", erwiderte der Knabe mit einer gewissen Unverfrorenheit, der Herr Doc tor hat mir gesagt, unter 20 M. soll ich nicht gehen' ; Einige Minuten später hatte M. eine ziemliche Scene hinter sich. Der Knabe war an die Lust gesetzt und der Doctor natürlich ein Talmi-Doctor und der' Schrecken aller ereditsähigen Men'. schen des Bezirks um. eme Enttäuschung reicher. , '7 ' ""7 ' . - M. weiß bis heute noch nicht,'wie er an jenem Morgen mit dem' Ankleiden fertig geworden. Als er aber auf der Straße war und spornstreichs dem Jnsti tute zueilte, in dem er der heranwachsenden Generation Ciceros wunderbare Äeden : in Catilinarn" oocirtel wutdrer auf einmal aufgehalten. '' Der Budiker. der'an der Ecke hemdärmelig vor seinem Kellerlokal stand, streckte ihm treuherzig die Rechte entgegen'und rief: Na siehfle Bruder, da biste ja. Trinkst'n Kleen'n ? Na, denn nich ! Du aber, was mein Aujust is,ick hab' Dirs gestern schon jesagt, der Junge hat Kopp, aber er kann't nich so von sich jeben. Nimm een bisken Rückficht us ihm, er is ja in Deine Klasse!" Freund M. hat noch vor dem üblichen Umzugstermin seineWohnung gewechselt. Er ist in einen entlegenen Stadttheil ge zogen. Oeffentliche Reden hält er nicht mehr, geht nur noch in Begleitung seine: Frau aus. Paris. Ton 81. Barbier, x Ein Höllenkessel ist aus diesem Erdenrunde. Er heißt Paris und dampst und qualmt zu jeder Stünde; Ein vannensörm'ger Kreis, aus Quadern aufgeführt. Dreimal von eines Stroms erdfahlem Arm umschnürt; Ein brodelnder Vulkan, der nimmer müden Hauches Die Menschenmasse wälzt im Abgrund seines Bauches, Ein Schlund, der, allem Schmutz des Lasters ausgethan. Den Auswurs, jedes Volks bestimmt , scheint zu empsah?n ; Und der von Zeit zu Zeit, erhikt von trüben Gluthen, - ! 1 Aufkocht, mit seinem Schlamm die Welt ....--zu überfluthen. . "" :.. ' ., . . In diese Lache setzt der .rosige Sonnen- ' :' tag -'.U ',' , Den schimmernd weißen Fuß nur..selten und nur zag ;.-. ; Ein ewiges Getös steigt aus dem Meis - : , der Dächer ,, ' Im Nebel Tag und Nacht, wie Schaum aus einem Becher. Da ist kein Schlaf; das Hirn sinnt ewig . . . angespannt. Der Bcgensehne gleich, gestrafft von ' Schützenhand. ; Auf drei lebt , einer nur, der nichts in Lüsten endet, -Nie wird dem Sterbenden das letzte Oel -gespendet,.,' Und blieb noch hie und da ein Heilig , thum verschont. So sagt es nur : Auch hier . hat' e i n st . ein Gott gewohnt. Wie mancher Altar ward gestürzt hier und geschändet ! Wie manch Gestirn erblich, bevor's den Lauf vollendet ! Wie manche Lehre siel, noch' ehe sie gereift! . . Wie manche? Tugend ward die Blüthe abgestreift! Wie manch Triumphgespann hat hier die Saat getödtet, , Wie manches Thrones Schmach den Staub umher geröthet ! Die Revolution, die Wolke schwarz und groß. Hier barst sie ost ; allein nur Blut ent hielt ihr Schooß, -So daß der Mensch, bedräut von ewigen Schicksalsläufen, Sich nur der einen Wuth noch hingibt, ' :: l Gold zu häufen. ' ' ' i . i ' 0 Elend ! Muß denn heut' noch so viel : !.." Wahn und Qual, Irrfahrten ohne Rast, Umstürzen ohne . Zahl, ' ' - "Nachdem so mancher Thron, manch stol ' . wi zes onigsvlioniß Vorloren ging im Sand, im hohen Gras. ' der Wildniß, -Muß die Vagantin Zeit, die Greisin, de- - ren Fuß . Gleichgiltig niedertritt., was untergehen muß ' '-. Die manche Weltstadt schon, verfault in : . " . üppigem Laster, . Die Rom hinweggelehrt wieSchmutz vom 'Straßenpflaster, ' Muß sie, gealtert heut' um zweimal tau send Jahr; i Noch jinc Holle schauen wie jene römische war . Derselbe Taumel hier wie dort, dasselbe Lärmen Der Geier, die das Aas des Kaiserreichs ,?t8it uuiuy wuirniiit Dieselbe Gier, die frech, was heilig ist, entweiht Und, den Orakeln taub, nach Brod und Spielen schreit ! Dieselbe Kriecherei furchtbleicher Sena toren Und seiler Sklavenbrut, zu List und Trug verschworen ! Derselbe Lastergang, der schamlos sich entblößt ! . . , Dieselbe Lüsternheit, die Fleisch und : .. Knochen lös't! Gleich riesig dort wie hier .Verbrechen, - Lug, Gemeinheit ! Nur fehlt Italiens Lust und seiner For men Reinheit. Dein echt Geschlecht, Paris, das ist der GHninrtfi4r0r ' Vtvupviivviv
halbwüchsig, scZmupg fahl, wie ein ver . sä)lisf'ner Dreier, ::- 1 Das ungezogene Kmd, der Taugenichts, ! : 'der trag':- . Verschleudert Tag um Tag, der gern : , auf seinem Weg ' i 1 1 . , .
Zle magern )unoe quau. uno, ielnen Gassenhauer Sich pfeifend, schlüpfrig .Zeug hinkritzt an jede Muer. An nichts glaubt dieses .Kind;, es speit - . . die Mutter an. Der Himmel dünkt, ihm nur ein abge . , ." schmackter Wahn ; Was zuchtlos nur und frech, spult in des . Burschen Hirne, Dem reis das Laster sleht .aus sünszehn- ' ' ' ' " jähi'ger Stirne.' : ' Doch ist er kühn ! Ihn schreckt kein Don . . , ner der Kanonen,' : Gleich einem Grenadier kaut ' an den ' " Patronen. ' ' Freiheit : mit diesem Auf trotzt er im . ' , Schlachtgedröhn Den Kugeln ; wenn er fällt, so fällt cr , stolz , und schön. t Doch laß des . Aufruhrs Sturms durch ' - seine Gassen fahren, So solgt er ebenso beherzt den Meuter schaaren; ' Da schreckt cr schadcnfrob, vom bösen M . Geist erfaßt. Mit drohendem. Geheul den Bürger aus der Rast Und schleudert, schwarz von Staub, vor an der wüsten Rotte, Die. Lästerung und den Stein zugleich nach seinem Gotte. O Pöbel von Paris, herzlose Brüt des Lasters, , Die keck das Eisen schwingt und keck den Stein des Pflasters, Du Meer, deß Zorngebrüll, wann es im Sturm erwacht. Auf der gekrönten Stirn den Goldreif zittern macht. Das himmelhoch drei Tag emporwirft seine Massen Und wieder fällt und träg sich hinstreckt und gelassen, Volk, einzig in der Welt, in dem sich räthselhast Mit Greisensünden mischt bezwung'ne Jugendkraft, Das mit Verbrechen spielt und mit dem Tode immer Erstaunt vor Dir die Welt, doch sie be greist Dich nimmer! Deö Wolfes Liebe. Nicht nur beim menschlichen Geschlecht, Auch in dem großen Reich der Thiere Herrscht Sinn für Ordnung und für !; . :a . Recht. . Dieß zu beweisen, referire . Ich ein Geschichtchen, das ich neulich : , Erzählen hörte und getreulich So wie ich es vernahm, citire. ; Auf feinem Thron', saß ernst und strenge Der edle Leu, der Thiere König, Gericht zu halten für die Menge. . Die Klagen, welche tausendtönig Von Unrecht, Willkür und Gewalt Von Schmach m jeglicher Gestalt Vor seinem Richterstuhl erschallen, Hat anzuhören Ihm gefallen. Viel Schlimmes wurde nachgesagt Dem Bären, Tieger und dem Luchs, Dem Marder und. dem schlauen Fuchs ; Am Schwersten ward der Wolf verklagt. Weil ihn der ärgsten Räubereien Die Schafe sammt und sonders zeih'n. Und zur Vertheidigung aufgerufen Der Wolf tritt an des Thrones Stufen Und spricht : O große Majestät! Wie srtch die Lüge sich hier bläht. Und mich, der stets das Recht geachtet. Zum Wütherich zu stempeln trachtet! O glaub' mir, daß mit heißem Triebe Auch ich das Volk der Schafe liebe. Obgleich ich nie mit feiler Kunst Gebuhlt um dieses Volkes Gunst. Da tritt ein Hammel hoch an Jahren, Der viel gelitten, viel erfahren. Demüthig vor den Thron und spricht: Erhab'ner Löwe, grotz und mächtig. Ach zürn' den armen Schafen nicht Wenn diese Liebe uns verdächtig! Du kennest unser Volk bescheiden Und unterhängig allezeit. Und wenn es sein muß, stets bereit Auch einen derben Puff zu leiden ; Doch jetzt vergieb, wenn uns zur Stell' Sich grusllch sträubt das sanste Fell, Denn dak der Wols zu allen Zeiten Viel' Tausende von unsern Leuten ' , Aus purer Liebe schon gefressen Kann selbst ein Schaafskopf nicht verges ' sen ; Drum, mächt'ger Leu ! wir bitten Dich 3 unirer großen ÄNgjl uno oly.-, . Dein Scepter schütz' uns gnädiglich, - , Wenn unsrer Heerde Unheil droht. ' Besiehl, datz sern von unserm Leibe Des bösen Wolfes Liebe bleibe . -D er sonderbare Schuß. .Wal gezchrieen : rief ein Jude, als er erfuhr, daß sich einer seiner bedeutendsten Schuldner durch einen chun entleibt habe : Wai geschriebn; sich hat er ge schössen und mich hat er getroffen !" . .,.:.' i-' . x . Auf djerLeipzl g er Messe. - Schmule: Was thut Moische, is er gesund V Jtzig : Nain !" Schmule : Is er krank ?" Jtzig : .Nain !" Schmule: Wos is er denn ?" Jtzig : Meschugge (närrisch) is er !" Schmule : Hot er mer main Geld geschickt?" Jtzig : Nain so meschugge is er ml!" Auf der Eis end ahn. Rei sender (indem er seinem Nachbar eine Prise anbietet). Schnupsen's mi" Nachbar : Danke, nein!" Reisender (etwas später, seinem Nachbar eine Ei garre anbietend) Rauchen's auch nit V Nachbar: Danke, nein !" Reisender : Also vertrinken's Alles ?" ' Merkwürdig. In A. ist ein Kaffeehaus, welches so m & ? wenig veuazt in, oatz aue Ä.age eme Menge von Fremden dort hingehen, um diese fürchterliche Leere zu sehen.
Dtr Nlng rc.' Liebe und der Ning .'.y , V.,."- .rtTttue. ' . ' .', . Jettchen," sagte Fritz Zander, indem r die Hand auf diejenige Stelle seiner Brust legte, mo er den Sitz seines Her ic.i. cv.nx : jl .
izcns vmuc, c,cn,i veie: Ach, Sie werden doch nicht,- sagte rsi i t ' c r . i . f .it. w a encven uno lqiug verqami oie Äugen zu Boden. Jawohl," entgegnete Fritz Zander feurig,' Sie' sind meine erste, einzige und wahre Liebe. Ich heirathe Sie, wenn ie nichts dagegen haben." Ach," sagte Jettchcu, Sie sind nicht recht gescheut." Es war nicht das erste Mal, daß man dem guten Mädchen eine Liebeserklärung gemacht hatte, aber noch nie hatte einer ihrer Anbeter die Absicht zu erkennenge geben, sie zu heirathen -und deshalb sagte sie zu Fritz Zander : Sie sind nicht recht gescheutDas Gespräch wurde in einem .Ball Lokal" gksührt, welches meist von Perso nen aus den dienenden" Klassen besucht war; der weibliche 'Theil bestand au Dienstmädchen der verschiedenen Kate gorien, der männliche rekrutirte sich zum größten Theil aus der bewaffneten Macht. ' Fritz Zander gehörte nicht zu dieser Klasse, er war .Civilist", aber welches bewerbe er betrieb, darüber konnte Niemand Auskunst geben. Er hatte Jettchen, das hübsche Dicnstmädchen, schon vor acht Tagen in demselben Saale kennen gelernt und ihr von der ersten Stunde an Aufmerksamkeiten er wiesen Heute hatte er mehrmals mit ihr getanzt und sie dann an einen alleinstehenden Tisch am Ende des Saales geführt, wo sie sich der Beobachtung der Anwesenden entziehen konnten. Nach einigen einleitenden Bemerkungen über ihre wunderbaren Reize rückte er mit der bereits geschilderten Liebeserklärung heraus. Jettchens Antlitz ergläuzze vor sreudi ger Erregung, als Fritz Zander erklärte es sei seine Absicht, sie zu heirathen, aber sie hielt es für fchicklich, sich ein wenig zu zieren. Machen Sie doch keinen Un sinn," sagte sie zu dem jungen Manne wie kämen Sie denn dazu, mich zu heirathen." Weil ich Sie liebe, Jett chen," entgegnete Fritz, und wenn Sie nichts gegen mich haben, dann ist die Sache abgemacht." Er ergriff ihre Handund drückte sie an sein Herz; dann streichelte er mit. seiner Rechten zärtlich ihre Handfläche und erklärte, djj er nie eine so weiße, zierliche und kleine Hand gese hen habe, als die ihrige, obwohl Jettchen sich stets Herrenhandschuhe kaufen mußte Und damit unser Bund seine Weihe erhalte," sprach er hierauf, will ich diesen Ring mit Dir tauschen; ich wünsche nur, daß Deine Liebe zu mir so lauter sei, wie das Gold dieses Reifens, den ich Dir übergebe." Mit diesen Worten zog er einen Ring von seinem Finger und steckte ihn an ihre Hand ; dann nahm er einen Goldreifen mit blauem Stein, den er von ihrem Zeigefinger gezogen hatte und streifte ihn aus. seinen Goldsinger. Dieses," sprach er weiter, war der Ring der Liebe ; indem wir die beiden Ringe ge tauscht haben, ist unsere Liebe gegenseitig besiegelt.' Jetzt kommt der Ring der Treue. Ich nehme den Ring mit dem grünen Stein von Deinem Finger und stecke ihn an als Treuering. Morgen Abend, wenn ich Dich besuche, werde ich Dir meinen Ring der Treue überbringen." . Jettchen hatte mit Rührung der schö nen, ergreifenden Rede des Herrn Fritz. Zander zugehört und Alles mit sich ge schehen lasten. Es war ihr freilich neu, daß bei dergleichen Gelegenheiten Liebe und Treueringe getauscht werden, aber sie fand die von ihremLiebhaber eingeführte Sitte sehr schön. Am Abend des folgenden Tages er--wartete sie ihren Fritz vo: der. Hausthür, aber er kam nicht. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß er wahrscheinlich geschäftlich verhindert gewesen, und suchte ihr Kämmerlein auf. Am folgenden Vormittag faß sie in der Küche und schälte Kartoffeln. Während sie bk prosaische Arbeit verrichtete, wiegte sich ihr Gemüth in poetischen Träumen. Sinnend licß sie die Hand in denSchooß sinken, und ihr Auge ruhte mit Wohlgefallen auf dem Ringe, den sie aus der Hand des Geliebten erhalten hatte. Es war eine Scene, wie sie der Dichter so rührend schildert : Du'Ring an meinem Finger, ' Du goldnes Ringelein...." ' ' Aber' wie war eö in Wirklichkeit auch, ein goldenes Ringelein?" Jda,die Küchenkollegin JettchenS, warf die Frage aus und glaubte sie entschieden verneinen zu müffe.i.. ' Sie war unbemerkt einge treten und hatte beobachtet, mit welcher Innigkeit der Blick ihrer Freundin an dem Ringe hing, hatte den letzteren als , dann selbst in Augenschein genommen und sofort die Behauptung ausgespro chen, er sei aus eitel Messing angefertigt. Jettchen wollte das nicht glauben, aber als FritzZander sich auch in den nächsten Tagen nicht bei ihr sehen ließ, wurde sie mißtrauisch und aus ?lnrathen ihrer Freundin übergab sie den Liebesring einem Sachverständigen zu? Untersu chnng.' Das betrogene Mädchen erfuhr nun, daß der Reifen in der That aus Messing . und höchstens 20 Pfennige werth sei. Der Verlust ihrer beiden goldenen Ringe schmerzte sie ebenso, wie die ihrem Herzen angethane Kränkung. Sie de nunzirte den Heuchler und Herzensräuber und hatte die Genugthuung, daß er vom Gericht zu einer Woche Gefängnis verurtheilt wurde. m m Splitter und Balte n. Arme Leda, wie abscheulich ! Wardst bethyrt von einem Schwan l" So ries Ritter Kunz und neulich Hielt er um em Manschen an. Gedankenspäne. Ohne Glück wird man nicht einmal ein ordentlicher Spitzbube. Es ist ost unbillig, emen Gelehrten nach seinen Schriften zu beurteilen. - Mancher verlangt Schadenersatz für den Stock, den er auf uns entzweischlägt. Je näher man sich fleht, um so leichter prallt man aneinander. t r V V Vas, was unv giuaiiq macyen konnte. ist's eben, was uns elend macht. .
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