Indiana Tribüne, Volume 4, Number 200, Indianapolis, Marion County, 2 April 1882 — Page 5

EttsckS über Kinder.

, Wngakethe Tr . .r. v; .. '-:-j-K.Tjrsi jt . ES ist die. gewöhnliche Anschauung der Dmge, welche ' unZ sagt, daß die Linder von den Erwachsenen lernen .Nüssen und von Erwachsenen allesGute und Richtige absehen sollen,um den Lcbensweg gehen zu lernen; ' mir scheint es umgekehrt, als könnten wir Erwachjene so viel mehr von den Kindern lerneu, deren Thun so oft für uns beschämend ist. Ich haüe öfter Gelegenheit, die Kinder besonder der ärmeren Klassen zu beobachten, für welche die Kindheit wohl kaum einen Sonnenstrahl der Freude, selten die Erholung fröhlichen Spieles, oder gar Behaglichkeit hat. Zur welche aber meistens schon in früheLfr Kindheit ein hartes Pflichten- und Ärbeitsleben . anfängt. Gerührt hat ich oft der gänzlich sich selbst vergesZsende Trieb diejer Kleinen, schon so Zrüh als die geringen Kräste es erlauidcn, den Eltern etwas verdienen zu ibelfen. Ich kannte einen kleinen Knaben, ein Sind von ungefähr zehn Jahren, der nur für den Gedanken lebte seinen El- , lern zu helfen, wo er eö vermochte. Kam er aus der Schule, so gab es keine -Erhohlung für ihn; der Vater' war krank, und Karl mußte zum Doktor und zur Apotheke laufen; Karl mußte alles besorgen, was die Mutter im Hause brauchte, und Wasser holen und harte Ärbeit thun; öfter sah ich ihn gehen, die sÄwcren Eimer voll Wasser tragend, !fo daß es mir schien, als müsse sein klei- - ner Rücken steh zu seh? unter der Last biegen. Frug ich ihn dann: Karl,ist das nicht zu schwer für dich? Kannst du das wirklich tragen?- so sah das liebe Heine Gesicht mich wohl freundlich an, und er versicherte : Ja, das kann ich ! aber der Zug von Uebcranstrcngung und ungewöhnlich großem Ernst, den iseine kindlichen Züge trugen, gingen Mir oft durch das Herz. Regen und Kälte, nasse Füße und dünne Kleider !waren,troZz vieler Zahnschmerzen, kein 'Hlnderm für ihn. die Welten Wege zu gehen, die er oft ein paarmal am Tage zurücklegen mußte; kaum vermochten .seine Arme die kleine augenkranke,elende a)ener zu nagen, oie immer zum Augen arz: gebracht werden mußte ;aber x trug -sie taglich den weiten Weg hin und zurück. Und doch hatte diesesKind das Gefühl, noch mehr für seine Elkern thun zu müssen, und heimlich vermiethete sich cr für eine tüglicheAusgehc.stelle, um die Mutter mit dem Verdienst zu überrafchen,und verpflichtete sich,eine schwere Tracht Wasser mehrmals hin'tereinander eine Treppe hinauf zu tragen. Glücklicher Weise erfuhr das die Mutter und verhinderte es; denn Karl 'Hütte sich ohne Murren durch die überschwere Arbeit zum Krüppel gemacht. um etwas für die Eltern zu verdienen. 'Und wenn dieses rührende Kind zu Hause ankam, so wurde es nicht selten vom Vater mit den härtesten chimpfreden empfangen, und er, der wie ein guter Engel für die Seinen war,mußte still die schrecklichsten Benennungen hinnehmen; und das hat mir oft wahrhaft ins Herz geschnitten. Wie ungern und widerstrebend besor$cn wir oft unsere nicht allzu schweren häuslichen Pflichten, und ich gedenke dabei oft eines kleinen zwölfjährigen Mädchens, das nach dem Tode derMutter den schwerkranken Vater allein pflegte, und den ganzen ärmlichenHaushalt und die Geschwister versorgte; welche Last von Verantwortung und Pflicht lag auf ihren jungen Schultern! Und andere Kinder kenne ich, kleine, Iränklichc, schwache Geschöpfchen, die in alle? Morgenfrühe fchon die weiten Wege durch die Stadt machen müssen, um der Mutterzu helfen dasFrühstückSgebäck in die vornehmen Häuser zu tragen, wodurch ihr ein spärlicher Erwerb wird. Während es draußen noch finster ist, und wir noch im warmen Bette ruhen und wohl behaglich dem auf dem .Fußboden spielenden Schein des traulich knisternden Ofenfeuers zuschauen, ßehen jene armen Kinder durch den Schnee, und der schneidende Wind umweht ihre blassen Gesichtchen. Und doch.so bitter es ihnen oft scheinen mag, sie thun es willig; helfen sie doch dadurch der armen Mutter ! Einst als ich draußen ging, hatte ich inen sehr lieblichen Anblick. DieSchule war beendet, und eine Schaar armer Kinder kam mir entgegen. Zwischen oll' den gesunden, fröhlichen ging allein ein kleines, ganz verwachsenes, und dadurch sehr entsielttes Mädchen, bitterlich weinend, dcun die andern Kinder hatren sich über sie lustig gemacht und sie verlacht wegen ihrer elenden Mißgestalt ; die kleinen herzlosen Wesen machten sich nicht klar, wie sehr sie daö Lei den des armen Kindes dadurch vergrößerten! Da sah ich plötzlich ein ungefähr neunjähnges Mädchen auf das verwachsene Kind zulaufen. Warum roeint die Kleme?" frug sie lebhaft. ma habt ihr ihr gethan?" Und obgleich sie sie selbst nicht zu kennen schien. kniete sie vor ihr nieder, umschlangZsie mit oewen Armen, zog sie an sich und tröstete sie so liebevoll und innig, als sei es ihre eigene, liebste Schwester. Aber ihr Weg führte sie nach einer anderen Seite, und sie war eilig und mußte weiter gehen; rasch besonnen aber rief sie sich ein anderes Kind heran, übergab ihr ihren Schützling und jagte: Bringe die Kleine nach Hause, uno iorge, van ihr niemand etwas zuleide thut!" Und erst als sie sie gut versorgt wußte, setzte sie ihren Weg fort. feie ging an nur vorüber, und indem ich sie ansah, war es mir, als hätte ,ch einen so schonen, .von Liebe verklärten Ausdruck, wtc er aus ihren Augen sprach, noch nie bei einem so jungen Kinde gesehen. Diese kurze kleine Szene blieb mir unvergeßlich; sie hatte mich tief gerührt, und ich mußte densen, welch' cin Segen dieses Kind wohl cinii für leine Welt werden wurde. Auch eines anderen Kindes muß ich mich oft erinnern, der kleinen achtjähgen Tochter einer Wittwe. Ihr Vater hatte sich und die Seinen in das Elend gestürzt; dnrch übermäßige Verschwendung, durch .ungezügelten Genuß des

materiellen Lebens batte er sein großes

Vermögen verschleudert, und Schande . . v t uoerz einen alten camen georernr. Dieses Kind . war' kurze Zeit . nach des Vaters '. Tode ' geboren, und die "durch . Elend und gekränkten Stolz verbitterte Mutter hatte eme Abneigung gegen dieses liebreizende, unschuldige kleine Wesen. Sie behandelte es mit Härte und zeigte ihm keine Liebe; das Kind aber liebte diese kalte unnaturliche Mutter so unbeschreiblich, so über alle, daß keine Lieblosigkeit derselben diese Liebe in seinem Kinderherzen ersticken konnte. EineS Tage kam sie zu mir gelaufen, die tiefblauen Augen und das ganze Gesichtchen strahlend vonFreude. Sie hielt mir die kleine Hand fest ver.scblossen entaeaen. Ratbe nur. was ich darin habe ! rief sie jubelnd. Glückselig ukit sie mir einen Thaler; den hat mir die Tante geschenkt", rief sie; o und es ist zwar em großes Gebeimnik. aber dir muk ick es doch sagen. denke nur. ick babe jetzt schon sechsThaler!" ..Aber Mabel". sagte ich. woher hast du denn so viel Geld? Hast du es geschenkt bekommen Ja, ein wemg wohl", antwortete sie, aber ich habe auch so gespart; weißt du, in der Pension bekommen wir immer etwas Geld, um uns aum Desver Obst zu kaufen: aber ick babe mir nie etwas gekauft, sondern alles Geld aufbewahrt ! " Und was willst du damit anfangen?" frug ich weiter. Sie schlang die Arme um meinenHals.Jch will cS für dieMama haben", flüsterte sie leise. Ich will ihr eme Mähmaschine kaufen und emen bequemen Lehnstuhl, das mochte sie beides gerne haben!" fcki mußte denken, ob der Vater dieses Kindes. daS sich seine kleinen Lieblinasaenüsse fabre lang mit 'Konsequenz versagte, um seiner Mutter eine Freude zu machen, nicht vorBeschämung hatte vergehen - müssen, hätte er diese Worte seiner kleinen Tochter hören konnen;cr der Tausende verschwendete, ti ... - v c- . r.'i- vo weil et eiien uno rinie rni ua Höchstehielt! m m Ein Granden-Wort zur .rechten Zeit. Ei fccücrr Blättchrn an) niftnra Brettrrrtt-Tagk, V.. i. (ll Vor. Richard Cchmidt.l5abanis. Die Kunst geht nach Brod" ; das alte, wenn auch nicht eben gute Wahrwort hatte sich einer melnerHcrrenBühnendirektoren (der Name thut nichts Sache; genug, daß ich an irgend einem Provlnzialtheater Mitteldeutschlands, welches ich auch nicht näher bezeichnen möchte, unter seinem artistischmerkantilen Banner focht) für seine Prlvatzwecke in der Umkehrung zurecht gemacht. tr führte die Schllddevlse: was nicht nach Brod geht, das ist keine Kunst, und folgerte daraus dann mit wohlthätiger Logik welter: ze kleiner die Gage, desto höher der Kunstlerruhm, und nach Maßgabe dieser ebenso schö nen als . billigen Maxime bezahlte er denn seine Mttglleder aus Hochachtung vor ihrer unulerschatt so mama wie möglich. Glaubte der wackere TyeSplskarrenlenker aber je einmal, m die sem Sinn, einen Schauspieler durch zu hohes Gehalt contraktllch gekrankt und herabgesetzt zu haben, so suchte er ihn durch Gagenabzüge auf Grund allerlei . . i i cm t. iicincr, verzwialer, nur 'cuye uno Noth zusammengeklaubter Versehen, die dem Betreffenden am ersten oder fünfzehnten zedes Monats zur Last gelegt wurden, zu trösten und m ferner Künstlerehre wieder zu rehabilrnren. Am schlechte ten allerdings waren doch die Choristen besoldet; aber freilich wobl nur, um sie hinter den Dar stellern größerer Rollen hinter den sogenannten Fachkleidern" nicht artistisch zurückzusetzen und überdies die Hoffnung in ihnen wach zu halten, daß auch sie eö dermaleinst zu !o bedeu tender Künstlcrfchast würden bringen können. Unter diesen dramatischen Halbsöldnern befand sich Einer, der seine Schul digleit und Pflicht wahrlich über das Tiav, ymaus acloan haue, wenn es angesichts der Pflicht im Allgemeinen über Haupt ein Mafc gäbe; speciell die LehenspfllLücn am stadlthcater zu tf. waren nun gar rn.in!o$. Unermüdlich im Dienste seinesKunstBrodherrn, lies Nch dieser wackere Mlme zweiterK lasse im ersten Akt als treuer Rittersmann in Stücke hauen, daß der güldene Panzer aus Mesnngblech nur so klirrte ; er schritt im zweiten, wenn er bestattet ward, hinter seiner eigenen Bahre als frommer Pater einher und sang Trauerpfalmen; im dritten stand er wieder auf von den Todten und trieb als Räuber oder Zigeuner läster lich Unwesen, um im vierten vielleicht als hochgräflicher Hochzeitsgast von allen Seiten zu gleicher Zeit" aufzutreten und aus leeren Blechbechern dieGesundheit des Brautpaares zu trinken und im fünften und letzten als höllischer Dämon 'mittelst eines hölzernen Feuereisens die böse Schwiegermutter den ewigen Flammen des Salonfegeseuerö zu Überliefern. Und das Alles, wie gesagt, für ein wahres Spottgeld. Neben diesen vielseitigen Talenten besaß aber der Chorist Herr Plnneberger noch den nicht zu unterschätzenden Borzug, den Mund aus dem - rechten F'leck zu haben und selbst dem gestrengen Herrn Direktor gegenüber niemals ein Blatt davor zu nehmen vor den Mund namllch.und diesemgenschafthat ihn gelegentlich auch einmal davorbewahrt, ein zu großer Künstler zu werden nach den oben angedeuteten Begriffen und Anschauungen unseres Dircktorö nämlim. Die Sache ging aber fo zu. Es war zum Probe Don Carlos" angesetzt, ein Schiller'sches Drama, welches sich in choristischen Kreisen schon aus dem Gründe bedeutender Anerkennung zu erfreuen hat, weil das Gros der Granden erst im dritten Akt dem Ruf zur allgemeinen Audienz Folge zu leisten braucht: bei Pinneberger aber ftel dieser Umstand an jenem ,age doppelt in s Gewicht, da sein erkranktes, mutterloses Kind der Pflege dringend bedurztc.

Sierbei nun mochte sich der Gute

wohl ein wenig über die Zeit aufgehalten hab,7 denn erstnachdem der Direktor König Philipp seinen .Edlen.daS übliche.BedecktCuch l" zugerufen, schob k" r w . r m V .It.f.t .1 I um oer iauiiiiae vsranoe lliucullvv sehen den Coulissen hmdnrch und suchte! unbemerkt ,n der Menge unterzmaucyen. Aber daS Auge deö Fürsten sieht scharf. - ; f .. .Pmneberger!" ruft der Mreuor, aus der olle fallend, mn meiner erhabenen näselnden , Stimme dem Ertappten zu: Pinneberger. .drücken Se sich mch da so um die ae; ich jeye Alles ! Sie sind mer schon wieder mal zwanzig Minuten zu spät .'gekommen; dafür zieh' ich. Ihnen am nächsten Erften 'ne halbe Monatsgage als nase ab!" Ruhig und grob aber, wie es einem echten spanischen Don geziemt, zertrennt Pinnebcrger gewaltig den dichten Chor, tritt aus dem Kreise der schreckensbleichen Kollegen heraus und spricht, den Blick fest auf den finsteren Couligeutyrannen gerichtet: Maiestüt, von meinem Viscyen Gage gibt'S überhaupt gar keine Hälste! Starr stand der Herrscher, in oe en Reich die Sonne nicht untergeht; auf der Seene jedoch und hinter, über und unter derselben erscholl ein so unehrerbietiges hochverrätherischeS Gelächter ßitMf4sr- rtitftfitr- mih WrflPt UU3 OtUM VVUtVUt,' miv vterkehlen. dak die Erwiderung der Maiestät nicht gehört worden wäre, selbst wenn ocnu-ne eine joicoe iNi nugelioiia r- - f r ? , ci.. ff! . hätte finden können. An den lautesten Lachern aber gehörte Meister Emil Devrient, der, damals wenigstens noch mit einem auf der Höhe seines Ruhmes . stehend, den Marquis Posa aastweise spielte; er trat auf den verblüfften Direktor zu, legte ihm, plötzlich zu feierlichstem isntst übergehend, die Hand auf die Schulter und hub im Ton seiner Rolle mit edlem Pathos an: . Gkda,?nsrklhkit, Eirr, braucht Exantka nicht, So laug' sich sctne Erandkn, dikse gleich, TiDuttki nicht rem ?retk Nkhr.kn laffen! Der berühmte Künstler jetzt deckt ihn ja längst die kühle Erde! ließ cS übrigens bei dieser mündlichen Jnter vcntion im Interesse seines unberühm ten Kollegen Pinneberger mcht bewenden, sondern half ihm ebenso fteigediger als femer Weise auS der Verlegen faeit und Spanien" aus Geldver legenheiten reißen, ist bekanntlich keine Kleinigkeit! Earmcn Sylva." Paul Lindau ist so vornehm gewor den, daß es nicht mehr schön ist. Nicht nur, daß er ,m Privatleben zum Haufreunde der Familie Bismarck avancirt worden ist, beim alten Papa Otto ausund eingeht und mit Herbert und Willy auS einem Glase trinkt, sonder die Vornehmheit spritzt ihm iu letzter Zeit dermaßen aus allen Poren, daß sie nicht nur sem Privatleben, sondern auch seine gesammte Iiteransche Thätigkeit uberfluthet. Und so hoch ist diese Fluth gestiegen, daß von ihr der gute, alte Lindau, der deutsche Kleinstädter", den sich der geistreiche Mensch, der deutsch lesen konnte, an 5 Herz gelacht hatte, ganz und gar. und ich fürchte auf immer verschlungen worden. Und dies- ist schade doppelt schade: erstens um Lindau selbst und zweitens um die deutsche Literatur. Um Lindau selbst. weil inmitten des charaktcr-, krast- und farblosen Gesindels, das in so dichten Schaaren die Fluren der modernen deutschen Presse bevölkert, er eben doch eine hervorragende Erscheinung, - en ganzer Mann ist, der eines besseren Looses würdig, als das eines sog. fawionablen" Llteratcn ist, der ia doch im besten Falle auf dem Paraue der echten großen Welt nur geduldct wird. Um die deutsche Literatur, weil es vielleicht in der ganzen Geschichte derselben keine Periode gegeben hat, in der sich für einen Satiriker ein weiteres und dankbareres Feld eröffnet hatte, als gerade heute. Um die Wahrheit dieser Behauptung zu prüfen, empfehle ich dem geneigten Leier, sich an einem 'teamer-TLge" in eine unserer größeren deutschen BuchHandlungen zu begeben und sich da den eben eingetrosfenen Transport literariicher Novitäten zeigen zu lauen. Wenn er bis dahin die Bedeutung der Redensart es wird nur mies" nicht voll gewürdigt haben sollte, ich garantire, daß von diesem Augenblicke an ihm dieselbe vollkommen klar werden muß. Es würde mich hier zu' weit ab von meinem heutigen Thema führen, wollte ich das Gesagte im Einzelnen zu be gründen versuchen. Davon vielleicht ein ander Mal. So viel wird aber ?cdenfalls jedem Leihbibliothek-Leser be- , r i v r ir ranm lein, vaß aus oem lilerariicyen Markte Deutschlands eine unglaubliche Masse Schund producirt wird, und zwar nicht von jenem Schunde, der wie das Veilchen im Verborgenen blüht. keine Prätentionen erhebt und daher auch verhältnißmäßig wenig zur Verflachung und Corrumplrung des Volksgeschmacks beitragen kann, sondern von jenem selbstbewußten, mit Pfauen federn ausgeschmückten Schund, der mit allen Ansprüchen der Schöngeisterei, der Reinheit des Stils, der Vornehm heit"' der Ideen auftritt und mich immer an eine abaclebte. die rancko dame" spielende Coeotte erinnert. Welch' weite Zielscheibe bietet sich da für die Geißel einer unerbittlichen.ehrlichen, witzigen Satire! Und Paul Lindau trug vor Jahren diese Geißel in seiner Hand. Wie .ist es möglich, daß Jemand, der diese herrliche Waffe einmal geschwungen hat, sie gegen nn Räucherfäßchen umtauschen möchte ? Ohne auf diesen -traurigen Wandlungsproecß in Lindau's literarischer Thätigkeit hier näher einzugehen, will ich gleich bekennen, was mich zu den vorstehenden Bemerkungen gerade jefct veranlaßt hat. Vor mir liegt daS Januarhest der von Paul Lindau heraus aeaebenen Monatssckritt .Nord und Süd", und gerade dieses Heft enthalt " . ..

ein so grelles, so übrrzengendeS Bei

piel jenes Ilmanschen.SnobbiSnmS", n den der Ehemalige geistreiche Feuilleonist verfallen ist, daß es Einem wirkich Leid thun kann. ' ' .An leitender Stelle des erwähnten geiles mn uns nn vwn& entgegen; betitelt: Das Leiden. Ein Märchen vön'Carmen'Sylva." ' Und damik der pi - i Mi . ' , i 5 unkundige Leser gleich wlffe, woran er ist und wie weit er den Mund aufzusperren hat vor pietätsvollem Staunen, st diesem Titel eme Anmerkung beigefügt, die besagt daß Carmen Sylva" keine Geringere ist, als J.M. Königin Elisabeth von Rumänien. Und das Titelblatt des ,- Hesteö zeigt uns Ihre Majestät selbst in cffigie. DaS ist aber noch nicht Alles. Earmen Sylva'S Märchen" selbst nimmt nur 3 Seiten des Heftes in Anspruch. Daraus folgt eine 17 Seiten lange Biographie der königlichen Dichterin, in der ein Herr Mite Kremnitz aus Buka rest das poetische curnculum vitaej der hohen Frau von der Wiege bis zu dem (allerdings ziemlich wackugen)Kömgsthron mit einem den Parasiten eines kleinen Hofes eigenthümlichen,süßersterbenden Enthusiasmus schildert.' Wer ist nun Earmen Sylva ab gesehen von dem die Literatur nichts angehenden Zufall, daß sie Königin geworden? Was hat sie geleistet? Wo sind ihre literarischen Werke, welche den Herausgeber einer der ersten Monatsschriften Deutschlands berechtigen könnten, sie in so auffallender Weise in Bild und Wort dem lesenden Publikum aufzudrängen? Wollten wir um Beantwortung aller dieser Fragen uns zunächst an warmen Sylva s Lelbmographen, Herrn Mite Kremnitz, wenden, so finden wir, daß Ihre Majestät eine Dichterin ist, gegen welche Göthe und Schiller kleine Kinder waren, die höchstens als Vorläufer eine gewisse Anerkennung beanspruchen dürfen. In vielen Familien," lobsingt der gute Mite, denen das Gttlck beschieden war,' daß einer ihrer sprossen die h ö ch st e Stufe m e n s ch l i ch e r Vollkommenheit (ü) erreichen sollte, findet man schon in den vorhergehenden Generationen vereinzelt die Talente, die dann vereinigt nnd potenzirt das S o n n e n k i n d besiken wird. das selbst dem erlauchtesten Stamm einen Schmuck und eine Aureole verleiht, die ihm nichts anderes geben kann. Denn ewiger noch als Ruhm und Größe der Weltenherrschast ist der Gedanke, und länger lebt die Bildung der Phantaste als die der Realität, denn unpersönlich tritt sie schon in's Leben. (WaS daS heißen soll, wissen die Götter!) Earmen Sylva geHort einer Familie an, die seit Generationen bedeutende Menschen hervorgebracht. Ihre Urgroßmuttcr, Fürsten Luise zu Wied, war Dichterin, unter den Geschwistern des Großvaters war der bekannte Reisende und Naturforscher Prinz Maximilian, außer ihm ein Maler und das Großtäntchen," eine der Kindererinnerungen Earmen Sylvas, schrieb Lieder und Gedichte." Nun will die letztere - Angabe über daS Großtäntchen" zwar nicht viel heißen, denn es kommt ja doch schließlich daraus an, waS für Gedichte sie geschrieben. König Ludwig von Baiern war ja am Ende auch Dichter. Allein damit sind die Vollkommenheiten, die Earmen Sylva von ihrem erlauchten Stamme" geerbt, noch lanze nicht erschöpft. Schön ist sie auch, sagt Herr Kremnitz, wie eine Venus. Daß ich so schöne Händ und Füße habe, habe ich nie beachtet, aber auch nie daran gezweifelt," sagte sie einmal mit derNaivetüt, die einer Königin so doppelt schön steht, sie kamen mir zu, als einemSproß unserer Familie." Nun, bei einer Königin mag das schön und naiv sein, was bei einer einfachen Sterblichen -nur albern wäre. Doch daraus kommt cs nicht an. Die Hauptfrage bleibt: was hat diese mit allen Vollkommenheiten der Schöpfung ausgestattete Dichterin in ihrem Fache geleistet? Auch. darauf gieb: uns Herr Kremnitz eine Antwort : In den letzten Jahren," sagt er hat Earmen Sylvia litcranfch unglaublich viel geschaffen. Doch ist davon bisher wenig in die Oeffentlichseit gedrungen." Einige Proben dieser unglaublichen Produltlonskrast" gibt uns aber Herr Kremnitz. Es sind dies kleineGedichte, die meist Familienereignisse auS. dem Leben der Poetin" behandeln.' Ueber den Tod ihres Vaters spricht sie sich z. B. also aus: . Sie haben ihn hinausgetragen .Ganz stille, Und es ist ich will nicht klagen Dein Wille. Muß denn Alles, was auf Erden Ich habe. Bald hinausgetragen werden " Zum Grabe? Und ich geh', wenn ich geblieben Alleine, Zu den Gräbern meiner Lieben . . Und weine. Nun, wäre Earmen Sylvia eine ehrsame Bürgerin von Posemuckel oder Kobbelbude und hätte sie das obencitirte Gedicht als Todesanzeige in dem Lokal-Anzeiger veröffentlicht, so wäre es ja ganz hübsch gewesen. Aber als Probe des Talentes einer Dichterin.der, wie sich Herr Kremnitz, von Paul Lindau indossirt ausdrückt,in dcrZukunft Nichts versagt sein kann," wird cS doch Niemannd, der nicht durch eine Snobbrille lieft, anerkennen wollen. Ich möchte Lindau im Vertrauen fragen: vor zehn Jahren, wäre er nicht der Erste gewesen, der, wenn ihm ein ähnliches Produkt dilettantenhafter Dichteritis" unter die Finger gerathen wäre, dasselbe zum, Gegenstande eines seiner - vernichtendsten harmlosen Briefe" gemacht hätte? Jetzt stehen freilich die Dinge anders. Tempora nrn tantur et noa rnutarnnr in illisl Ueber.das Märchen" von Earmen Svlva, welches uns Nord und Süd" bringt, läßt sich auch kein anderes Urtheil fällen. Es liegt m demselben we v J ,, r jr in . o ii i. . , , , . . jver ein tiefer rnn nocy es mt

nein poetischen Reiz, jener phantaste

vollen Farbenpracht ausgestattet, die man von einemMäreben wenn es aus der .Kinderstube auf das Feld der. Literatür, tritt,, wohl verlangen darf.' ,Ear.mcn. Sylva'S Märchen., erinnerte mich lebhaft .'an.die schöne Zeit meiner Kjndhett. ;";,,:..., ;-:.;X; . " ,' .Ms ich ungefähre 10 Jahre alt war, da gab . ich-im Verein ' mtt ein paar Spielgenossen "eine Zeitung" heraus. Eine unserer, fleißigsten Mitarbeiterinnen war ein Währ.. Mädchen,' welches Olga hieß . und fast in . jeder Nummer Märchen lieserte,' die wahrlich nicht schlechter, waren, als., das .Earmen Sylva's! :" Schade, daß ich nicht eines dieser Märchen aufbewahrt habe: Paul Lindau hätte es vielleicht an der Spitze der nächsten Nummer .von Nord und Süd" veröffentlicht. ; Doch nein, schwerlich. Denn meine arme kleine Olga. ist nicht Königin der wilden Wallache!" geworden. ... Wenn ich mich mit Earmen Sylva und den Produkten ihrer poetischen Laune beschäftigt habe, fo möge es mir der Leser um Paul Lindau's willen verzeihen. An diesem einen allerdings sehr grellen Beispiele habe ich nur die Thatsache nachweisen wollen, die schon längst hätte ausgesprochen werden follen, die aber in Deutschland bei der in' dortigen litcrarischen Kreisen herrschenden Eameraderie kaum jemals offen zur Anerkennung kommen kann, daß namlich Paul Lindau sich auf einer abschüssigen Bahn befindet, auf der schon so viele bedeutende Kräste gescheitert sind, auf der Bahn, die schließlich zum Größenwahn, zur Bauchkriecherei, zur litcrarischen Sterilität führt. Es ist diePflicht eines außerhalb des kleinlichen Getriebes deutscher Literatenkliken stehendenKritikerS, diese traurige Thatfache zu conftatircn. Wer es thut, erweist Lindau zwar keinen Schmelchlerdienst, erfüllt aber eines Freundes Pflicht sowohl gegen ihn selbst, als gegeil die deutsche Literatur, für welche die Verflachung emes solchen Talentes, wie Lmoau es oe nöt, em schwerer Verlust wäre. Von der vierten Seite. (LuS der Frankfurter Ztg.') Die deutsche Sprache ist eine schöne. aber wie es scheint, doch auch sehr schwikrige sprach t, oavon w! nen vor allen Dmgen au merksame Zeitungsleser ein tzusprechen. Auf den ersten Wörtchen m beiden Seiten unserer Tagesblätter geht es gewöhnlich noch mit rechten Dingen zu, aber auch in dem bestgeschriebenen Leitartikel und in ' dem gewandtesten Feuilleton macht die Feder oft seltsame Sprunge und erden gar ueonchc Stil blüthen gezeigt, denn in der drängenden ast der TageSarbett wurde auch einem oethe leicht einmal die Feder auSglei ten. So schrieb emmal die .Nat.Ztg. in einer sehr ernsthasten Besprechung der orientalischen Frage : Die Achillesferse dieser Frage liegt auf der Hand-; und die .Köln. Ztg.- verstieg sich zu der ele. glschen läge: .Das Befinden des Präfidenten Garsield schvebt zwischen Furcht und Hoffnung." Am tollsten freilich sieht es auf der vierten Seite aus, wo jedwedes fühlende Herz gegen Erlegung der Jnsertionsge bühren seiner Liebe Lust und Leid abla gern darf, wo die Geburten, Berlobungen, Hochzeiten und Todesfälle angezeigt werden, wo junge Wittwer 20,000 Thaler Vermögen und ein dazu gehöriges Mädchen suchen, wo Zimmer vermiethet und srischer Schweizerkäse angeboten wird, kurz, wo alles sich tummelt, was das kleine Getriebe des Lebens bedarf und wünscht. Die amtlichen Erlaffe und Bekanntmachungen tragen nicht am tot nigsten dazu bei, die Komik dieses Wirr wans zu steigern. Da lesen wir z. B. einmal : Bekanntmachung. Montag, Vormittags 10 Uhr, soll ein der Gemeinde gehöriger, gut gehaltener, schwe rer, ganz junger Faffelochse wegen Un treue auf dem hiesigen Rathhause öffent lich an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Schneppenhausen, den 24. März 1L62. Ist die Sorgfalt nicht rührend, mit der die Bürgermeisterei Schneppenhau sen auf die ihr untergebenen OchsenOb acht giebt? Ebenso geistvoll machte einst Bürgermeister und Rath des guten Städtchens Teterow bekannt : .Gestern Nachmittag 4 Uhr ist auf dem Bahnplanum von Teschow her ein großer, glatthaariger, schwarzer Hund auf eine hiesige . Bürgersfrau losgekommen, die auf der Malchiner Chauffee gegangen, mit tzchaum vor dem Munde und eingezogenem Schwänze :e. Da der Hund somit der Wuth verdächtig, wird solches hiermit bekannt gemacht." , Passirt eö solchermaßen zuweilen selbst der hohen Obrigkeit, daß sie etwelchen blühenden Unsinn zu Tage fördert, so ist derartiger Unsinn dem beschränkten Ver stände der Unterthanen noch weit eher zu verzeihen. -'Was sollen wir deshalb lange spotten über ein gebildetes Frauenzimmer, von angesehener Familie, das in allen weiblichen Arbeiten erfahren ist und seine jetzige Stelle als Jungser gegen eine andere zu vertauschen wünscht"; oder über eine sehr empsehlenswerthe Dame in gesetzten Jahren, welche die womöglich selbständige- Führung eines achtbaren einzelnen Herren in oder bei Leipzig zu übernehmen wünscht l" Hübscher klingt es schon, wenn ein Mädchen gesucht wird, welches melken und der Haussrau sonst beistehen kann," oder wenn .eine achtbare Wittwe, von Cronberg, die Kuh- und Ziegenmilch geben kann, ein Kind in Kost und Pflege zu nehmen wünscht." Eigenthümlich liest es sich, daß nach einem Hause an der Judenmauer eine Hausmagd gesucht wird, .welche mit Rindvieh umgehen kann und hier sonst schon bei Gart nern gedient hat." Rührend ist es, wenn wir hören, daß .ein theilnehmendes Zimmer an einen Hezsrn zu vermiethen" ist, aber ganz sonderbar finden wir es, wenn umgekehrt .ein heizbares Zimmer eine bejahrte Frau sucht." Wozu braucht daS Zimmer die Frau, und warum muß es gerade eine bejahrte Frau sein? Merkwürdig ist eö, wie ganz verschiedenartige Dinge zuweilen in ein und derselben Annonce verlangt werden. So ha-

!ben wir ein Inserat fkmden : .Eine

Söenkmme, vekche .peneet engmc) spricht, sowie ein paffender Deckel auf ei ncts Sauenraurfa wird baldigst zu miethen gesucht." - , . ' Die '.QSscherm mit Meßendem Wliser" finde: sich recht häufig in dem Jnse- ? " r , rttenryel! nnzerer Zerrungen, icutncr schon kommt eS vor und läßt auf ganz absonderliche Neigungen Ichließen, wenn Jemand ..ein sehr honettes Frauenzimmer zur Conversation im Freien sucht." Aber warum mcht. Fu? magere Leute ist die .baumwollene und halbwollene Wadenfabrik, die zu baldigem Eintritt emen Lehrlmg sucht", bestens zu empsehlen, ebenso wie eine Annonce, in der freundlichst ein halber Hinterplatz in einer Parterreloge" angeboten wird. DaS wäre so etwas für eine sparsame Sarah Bernhardt. Wenn ein am Römerberg ' wohnender Materialwaarenhandler sich erbietet, .feinst Gothaer Würste, Schinken, und sonstigen Schweizerkäse" zn verlausen, so ist das seine Sache, die das Publikum weiter nichts angeht. Wohl aber ist das Publikum dabei interessirt, wenn es in einem Inserat heißt: Dem verehrlichen Gesammt - Publikum bringe ich zur Anzeige, daß ich auch an solide Personen Pserde zum Reiten auöleihe. Johann Bittermann, Stadt- und Landkutscher." Der unterzeichnete Hr. Kutscher scheint an eine solide Kundschast nur in AuSnahmesüllen gewöhnt gewesen zu sein. Befremdlich klingt es auch, wenn wir lesen, daß da und da .MetzgerKnochen zu lausen gesucht wer den", und wir empfinden ein inniges Mitleid mit allen Metzgern, die darauf hin ihre Knochen zu Markte getragen haben mögen. 1 .. Einen eigenthümlichen . Mangel des UnterscheidungsvermögenS setzt folgende Annonce voraus: Meine werthen Kun den bitte ich, meinen Namen nicht mit dem des Herrn Reiß zu verwechseln, da das Geschäft nicht einerlei ist. Ph. Mannheimer, GeflügelhSndler." Nette Kunden, die Reiß und Mannheimer verwechseln können ! Eine wirklich liebenSwürdige Selbsterkenntniß spricht sich in dem Schlußsatz des nachstehenden Re-clame-Jnserats aus : Kopelents kleine .Panoramenbude am Paradeplatz wird zedem Kunstfreunde bestens empfohlen ; man sieht eö dem unscheinbaren Buochen nicht an, daß es so vortreffliche und gutgewählte Darstellungen enthält. D erste Feuerruf" ist in der. That ein bewunderungSwürdiges Meisterstück ! Je dermann verläßt diese Panoramen gewiß mit dem größten Vergnügen." Wie wagen nicht zu widersprechen. Die ' reichste Ausbeute von komischen Stilblüthen bieten aber unter allen Inseraten stets die Familiennachrichten. In der Freude, wie im Schmerz, bei der Anzeige von Geburten, wie bei der Meldung von Verehelichnngen und Sterbefällen, wird das stille Gleichmaß der Seele gestört, und wessen Feder sich sonst in ruhigen Erzögen übe? feine FleischWaaren und sonstigen Schweizerkäse" ergeht, der begeht in solchen Ausnahmefällen willkürlich oder unwillkürlich die gröblichsten Sünden wider den heiligen Geist der Sprache. Da kommen denn derartige Annoncen zu Stande, wie die folgende : Dank. Seit längerer Zeit des Augenlicht beraubt rnifc 18 Wochen aufs Krankenlager hingestreckt, kam am 30. April Nachts der Erlöser und führte unsern guten Mann und Schwiegervater in daS Reich des ewigen Friedens und der Ruhe ein. Der Herr Oberstlieutenant von Strauchwitz hatte ein Detachement der hiesigen Garnison beordert, welches den alten Veteranen zu Grabe trug und über dasselbe feuerte. Wir danken herzlich für diese Güte." Oder ein trauernder Gatte meldet den Tod seiner Frau in Lieser Weise : Des Todes Engel traf heute früh 1 Uhr mit seinem gist'gen Pseil durchs Herz, nachdem er seit vier Monaten vergeblich nach ihr gezielt hatte. 8 Kinder und 16 Enkel beweinen mit mir ihren Tod." Sehr hübsch ftilisirt ist auch die folgende internationale Todesanzeige : Meinen lieben Verwandten und Freun den die leider traurige Nachricht, daß meine theure, verehrte Mutter Frau Eleonore, 78 Jahre alt, heute Mittag 1 Uhr, nach langen, aber schmerzlosen Leiden, am Schlag, in meinem Armen entschlief. Wien,, Paris, Moskau. Columbia, Schandau, Deffau, Leipzig, Dresden, den 7. August 1859." ' ' In weniger eigenthümlichem, als schlechtem Deutsch zeigt eine Wittwe den Tod ihres Gatten an : Unwohl sich sühlend, von einer längeren Reise zurückgekehrt, zerriß gestern Abend 10 Uhr Gott daö glückliche Band unserer 6jährigen Ehe.- - Er raubte mir meinen zart lichen Gatten Louis Friedrich. Er war meinen zwei unerzogenen Knaben ein sorgender Vater." Schon länger bekannt ist die Todesanzeige : Heute entriß uns der Tod zum dritten Male unser einziges Kind", und die köstliche Meldung,- die einst im Chemnitzer Anzeiger" stand : Vergangene Nacht -4 Uhr nahm Gott wäh rend eines Besuchs, bei den Großeltern unser einziges Töchterchen Antonie an den Zähnen zu sich." Aehnlich meldet ein anderer trauernder Vater : Heute Abend verschied schon wieder unsere kleine Marie an KrSmpfen." Als naturwiffentschaftliche Merkwür digkeit theile ich folgende Geburtsanzeige mit, die von Forschern gewiß nicht ohne Jntereffc gelesen werden wird: Die glückliche Entbindung eines gcsunden Knaben zeigen Verwandten und Freunden hierdurch ergebenst an." Hof fentlich ist es dem gefunden Knaben auch gut bekommen! Bei Geburtsanzeigen macht sich überHaupt die Freude der glücklichen Eltern zuweilen in übcrschwänglicher Weise kund. Heute wurde uns ein stark ge knochter Junge geboren," meldet ein se liger Vater der staunenden Mitwelt. Ja, selbst als Partei-Angehorige werden kräftige Knaben zuweilen geboren, wie die nachstehende Geburtsanzeige beweist: Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unZ durch GotteS yilfe ein kräftiger, echt konservativer Junge gebo ren ist." Max Schoenau. Die Banken New York'Z verfügen zur Zeit über $4,051,175 mehr Baar1 geld, als gesetzlich erforderlich ist.

Der falsche WcresQagin

Ein hübscher Scherz wurde dieserTage in 'einem Stammzimmer einer .bekannten Berliner Restauration in Scene gesetzt. Eme fidele Herrengesellschaft hatte durch S" mehreren Theilnehmern der Gesellschast bekannte tzerken aus einer kleinen Stadtemen Zuwachs erfahren, und bgreiflicher We.se reifte sofort -in dem Äff Spaßvogels der Plan, -die Kleinstädter zu mystifiziren.-. Die Sache ?n Man erwartcte nur noch emen Genossen htr wifflZ'A$ SLtÄ-'r2e. bttrdntlich beS Ä'Ä' "ilbringkn "dc. ? t r-TU? s'5r "'gierig ge. macht. fi rielbk 6 in t... 5.. Mif IWl . -" y, Wl w"de, vielleicht gar Endlich kam der Genüge , ?lellcr, einem blutjungen Mr "Je5,'. bcr 5ch durch einc.nicht eben 'cyr intelligente Physiognomie auszeichm'- Die Vorstellung ging vor sich, ""rn Freund, der MalerWereschagin!" M der Jnscenirer deZ schwankes. in das Geheimniß Eingeweihten erltn sich mit würdevollem Ernst, fie "beugten sich ties, die Kleinstädter "bcugten sich noch tiefer. DaZ Glück. hr mt htn Htlocn dcö Tages, mit dem ühmten Werejchagin, in eine? Geselliast zu befinden, hatten sie nicht erwartet. Der den Uebrigen wohlbekannte .Pseudo-Wereschagin führte seine Rlle mit selbstbewußtem Ernst durch. AuS Artigkeit überließ man den berühmten Gast vollends den Freunden aus der Kleinstadt, die ganz Auge und Ohr wa ren. Sie hatten sich den Schöpfer jener i . n . . . ' . . gcwalllgcn reallNllyen wenfationsbilder allerdings etwas anders vorgestellt,, der falsche Wereschagin, inWirklichkeitBuchHalter bei einem größeren Biervcrleger, sah nämlich, wie schon erwähnt, durchaus nicht aus, als hätte cr das zum Krieg, führen absolut erforderliche Pulver erfunden, aber gerade dieser Umstand machte den berühmten Mann in den Au gen seiner arglosen Bewunderer um so interessanter. Die Beiden machten sich die Gelegenheit zu Nutze, sie suchten ihn über alles cm -:jc- . . r . r . x'iogurac auszuqoieri, uoer iclne römi schen Ansichten, über seine Stellung zur Frage : .Ist der Krieg ein nothwendiges Uebel , über seme Studien, die er aus den schneebedeckten Kriegsschauplätzen Y i V rt - t r n-k gemaqr, uier oie eyeimmne leine ya leite, über seine Ansichten m Betreu der. Grenzen deZ malerisch Darzustellenden' lauter DjnKe deren erschöpfende Be antwortung den Buchhalter, emes gro ßeren Bierverlcgers immerhin einige Schwierigkeiten bereitet. Er beschrankte sich denn auch hauptsächlich aus vielsagende Geberden, aus knappe Antworten nnd verbindliche Grimassen, so daß die beiden Herren aus der Provinz nicht länger darüber im Zweisel sein konnten, daß der ganze Geist des berühmten Man neö in seinem Pinsel sitze. Endlich rückte einer der Beiden mit seinem Notizbuch heraus, er spitzte den Bleiftist und hielt ihn dem vermeintlichen Wereschagin hin: Dürste ich Sie bitten, verehrter Meister, zum . Andenken an diese Stunde Ihren Namenözug niederzuschreiben?Mit Vergnügen sagte der Buchhalter, und mit kecker Hand schrieb er hin Weregaschin", ein schwungvoller Schnörkel verzierte die Unterschrift. Der mit dem Autograph Beglückte starrte betroffen auf das Papier. .. ..Ich dachte Wereschagin, und nun schreiben Sie sich Weregaschin? Der Psendo-Schlachten maler wurde über und über roth, er riß den Mund vor Verlegenheit aus Die Andern konnten aber das . Lachen nicht mehr zurückhalten, nun war die Partie sür den falschen Wereschagin verloren; zum Glück halsen ihm die Anderen aus der Verlegenheit, indem sie das Ganze als einen harmlosen Scherz dar stellten, eine Auffassung, der sich schließ lich auch die gutmüthigen Kleinstädter lachend anschlössen. Im .Aufschneiden- ist der amerika nische Seemann unübertrefflich. Be t IXl X i V mr.-.tix. v. ante. uutttttuy vuivtu iuijiiuj in uci iriuyt eines schottischen Hasens Versuche ge macht, bewegte Waffer durch Ausgießen von Oel zu beschwichtigen. Die Nachricht von dem Erfolg des Experiments macht gegenwärtig die Runde durch die Presse und veranlaßte einen alten tar-", den N. I. Herald mit einem Eingesandt zu beglücken. Darin heißt es: Ihre Behauptung, daß Oel den Aufruhr der Waffer beschwichtige, ist richtig. Davo.? ein Beispiel : Die Mannschaft des guten Schiffes m. H. Howland" hatte eben einen riesigen Wallfisch harpunirt; die Segel waren gerefft und das Schiff lag sozusagen vor Anker, mit dem Wallsisch als Ankergrund ; plötzlich erhob sich ein entsetzlicher Wirbelsturm, der sich mit rasender Geschwindigkeit vom Osten her dem Schiff näherte; thurmhohe Wogen brausten vor ihm einher, und an ein Entkommen war nicht zu denken. Wer malt ' aber unser Erstaunen, als wir wahrnahmen, daß der Sturm links und rechts abschwenkend, die Stelle,wo unser Schiff, am Walfisch festgekeilt, vorAnker lag, völlig unberührt ließ ! DerThran, welcher dem a,gebohrten- Walfisch ent quoll, bildete eine Schutzmauer um daö Schiff, sodaß dieses wie in einem fried lichen Thäte zwischen himmelanstrebenden Wellenbergen sicher geborgen lag. That Udo! Geringe Ku n st. aiOnfel: Nun, Fritzchen, Hast Du auch ! schon den großen Elephanten gesehen.

der so geschickt ist, dop er logar eme Weinflafche, selbst entkorkt und dann austrinkt?" Fritz: Na, Onkel, wenn er weiter nichts kann das kann mein Papa auch !" Bescheiden. Student A: Du, Dein Wechselift ja angekommen! Jetzt kannst Du mir aber auch was pumpen Student B : Natürlich, so viel Du haben willst !"p Student A : Ach, so viel brauch' ich garnicht!" Eonversatio n ston. Mit wahrem Vergnügen vernahm ich. daß Sie heute an heftigen Zahn, schmerzen leiden, da mir dadurch daS ilück zu Theil roird, Sie zu Hause zu refsen."