Indiana Tribüne, Volume 4, Number 200, Indianapolis, Marion County, 2 April 1882 — Page 3

Traumdeuterei. van Jnllu StlnH,. Wenn jemand die erst: Nacht in einem neuen Heim schläst, dann muß er auf den Traum achten, den ihm der Schlaf U schert, denn solcher deutet weissagend auf dle Zukunft, oder geht genau so in Er. süllung, wie sich die Bilder ohne Wesen zeigten. Also behauptet die weitver dreiteteVolksmeinung, die in denLebensregeln des Aberglaubens wie ein lebendiges Erbstück aus grauer Vorzeit ausbe wahrt wird und nach ihrem Alter zu ur teilen auch noch Aussicht auf langeDau er hat. Nicht jeder Traum erschien den nordischen Alten, von Bedeutung, son dern sie beachteten nur solche Träume, die zu bestimmten Orten geträumt wurden oder besonders schwer und eindiiug lich waren, als hätten sie das warnende Wort des Jeremias : .Ein Prophet, der Träume hat, der.predige Träume !" gekannt und befolgt. In dieser Scheidung der Träume in Hinsicht ihrer Bedeutung ur.dWichtigkeit. läßt sich unschwer erkennen, daß nicht je- ' des Traumgesicht als eine übernatürliche oder göttliche Offenbarung betrachtet wurde, sondern daß man versuchte, dieselben aus ihren Ursprung zurückzuführen und gesund::: haben mußte, daß von äu ßern (f:::w::'u::a,:n, Krankheiten, genossenen Speisen oder Arzneien herrührende Träume des, göttlichen oder dämonischen Charakters entbehrten. Nach der Ansicht philosoph.ischer F?rscher sollen dagegen die Traume, weit davon entfernt. Götter zu offenbaren, dieselben erschaffen haben. Der menschliche Geist, welcher im SchlafePhantome außerordentliche Dinge vollbringen sah, legte ihnen eine wirkliche Existenz bei und begabte sie mit einer furchtbaren Macht.So wurde nach Lucrez der Himmel bevölkert. Außerdem hat mau gesagt, daß die Bilder derer, die nicht mehr sind', indem sie uns in der Stille der Nacht bcst:chen,denGlc:ubcn an'sZcnZeits erweckt haben, und daß die Geister der Könige oder gefürchtetc? Häuptlinge unmerklich zum Range göttlicher Wesen erhöht worden sind, welche das Schicksal ,dcrLebenden in ihrenHänden halten. Somit sei dieReligion, welche den Menschen weit über das Thier erhebt (und deren Verlassen ihn seiner Darwinistischen Urahnen würdig macht) tinz Tochter der Finsterniß,einPr.oduktderTraumschemen. welche das geschlossene Auge des Schlasenden schaut. Diese Töeorie klingt nicht übel und müßie sich als eine treffliche Waffe gegen den s. g. .Köhlerglauben" erweisen, wenn sie mit den realen Thatsachen in beweiskräftige Uebcreinstimiuung gebracht n?er

den könnte, allein der heutigen Wissenschast fehlt nicht nur eine physiologische Definition des Schlafes, sondern auch die des Traumes. So fragt Vierordt, eine Autorität auf dem Gebiete derPhysiologie : .Wozu dieses allgemeine Bedürfniß einer periodischen Verminderung oder theilweisenAushebung der physischen und psychischen Thätigkeiten ? Welches sind die ohne Zweifel zahlreichen törper lichen, wie giftigen Bedingungen, welche den Schlaf herbeiführen und umgekehrt während des . Schlummers unmerklich das Erwachen vorbereiten? Wie sind endlich die festgestellten Formen beschasfen, unter welchen die Funktionen- des Schlafenden sich nach Quantität und Qualität darstellen? Das sind alles Fragen, auf welche eineAntwort unmöglich ist.Trokde aber ist kein Mangel an Arbeiten und Werken über den Schlaf und die Träume, zumal die letzten das dunkle Gebiet von den Einbildungen Geisteskranker berühren und die Aussicht vorHanden erscheint, durch dasStudium des Traumlebens zur Erklärung vonGeisteskranheiten zu gelangen. Die neueren Abhandlungen über diesen Gegenstand bestätigen den Ausspruch Vierodts inso' fern, als ne au) eine Beantwortung jener Fragen Verzicht leisten und sich mit den Hypothesen begnügen, welche aus den Beobbachtungen von Thatsachen oewonnen wurden. Nach Spitta wird der tiefe Schlaf durch das völligeVerschwinden des Bewußtseins charakterisirt. Der Träumer dagegen oder der Schlafwan delnde hat Bewußtsein, jedoch nicht das Bewußtsein seiner Person, welches das Vorrecht des wc:chenZustandes ist. Durch den Mangel an Selbstbewußtsein erklärt man die Sicherheit des Nachtwandlers, mit welcher er sich inSituationen bewacht, ohne Schaden zu nehmen, deren Gcfährlichkeit dem Wachenden Furcht einjagen und Verderben bringen würde, und derselbe Mangel ist es, der bewirkt, dß der Träumer nicht über die Gesichte und deren zusamNenhanglosenWechsel erstaunt, weshalb er im Traume Handlungen begeht, ohne daß das Gewissen sich regt und sogar Verbrechen verübt, die ihm im Wachen geradezu undenkbar sind. Während des Traumes entstehen in der Seele Vorstellungen, welche sie nach außen verlegt, wodurch dieselben sür den Schläfer den Anschein der Wirklichkeit annehmen,und zwar ost von einer solchen Greifbarkeit, daß sie mit in den machen Zustand hinüber genommen werden und sich zu andern Erinnerungen mischen, als wären sie mit thatsächlich erlebt. Kinder behaupten zuweilen, mit Verwandtcn gesprochen zu haben, im Besitze von Spielsachen gewesen zu sein, die ihnen abhanden gekommen sind, und ähnliche Dinge, die bei genauer Nachforschung sich jedoch als erträumt erweisen,und auch ' bei Erwachsenen findet sich zuweilen eine Verwechselung der Traumerlebnisse' mit denen des realen Lebens. Descartes, der Zweifler, warf daher die Frage auf : An r?elchenZe!chen kann man den wachen Zustand von dem des Träumers unterscheiden ? In den meisten Fällen ist es der Vorgang des Erwachens selbst, der die Traumwelt mit ihren blaffen Farben von der Hellern Wirklichkeit trennt, wie schon derPsalmist erkannte, als er sagte : .Wie ein-Traum, wenn einer erwachet, so machest du, Herr, ihr Bild in Uz Stadt verschmähet Der Kontrast zwischen den Schemen des Traumes und der Realität der Dinge, welche den Erwachenden umgeben, 'ist ein solches Kennzeichen, und zwar ist die Wirkung dieses Kontrastes meistens so stark, daß die Traumbilder rasch verblüffen und nur mit Mühe festgehalten werden könJnfolge dieser Kontrastwirkung

entschwindet die Mehrzahl der Träume dem Gedächtniffe, und dieselben erden in kürzester Zeit vergeffen. War dagegen der Traum von großer Lebhaftigkeit, so wird er in der Erinne rung festgehalten und bildet dann einen Gegenstand des Nachdenkens für den wachende:: Geist. Dann kann es kom men, daß in der Folge der Zeit der Mo ment des Erwachens seine scheidende Krast verliert und der Traum als etwas wirklich Etlebtes geglaubt.und das Er innerungsbild desselben dn Erinnerungsbiidern wacher Erlebniffe zugesellt nnd gleichgeachtet wird. Becinfluß: eine derartige Erinnerung aus dem Traumleben den Menschen in ähnlicher Weise wie thatsächlich ' Erlebte, so fängt die Grenze zwischenTraumleben und wachem Leben, an sich zu verschleiern und unscharf u werden, und , das düstere Gebiet du krankhaften Geistleöens dämmert von ferne auf.. Denn Traumvorstellungen von sehr lebhafter Natur, welche durch den , Vorgang des Erwachens nicht als solche erkannt werden, geiffermaßen wache Träume, das sind die Illusionen und Hallucinationen der Irren. Im Wachen ist unsere Welt zugleich die der anderen, im Schlafe, im Traume ist sie unsere eigene, ebenso wie die Hallucination, die Illusion, welch? den wachen Träumer Dinge sehen läßt, die nur für ihn allein, nicht aber für seine Um. gebung wahrnehmbar sind. Der Hallncinierende alaubt an die Wahrhaftigkeit

der phantastischen Bilder, die seinenGeist umringen. Ja es geht sogar so weit, daß ein geistig Kranker sofort beim Er wachen die Bilder und Geräusche, welche seine Phantasie erzeugt, mit großerDeutlichkeit cmpsindet uud scheinbar durch dieselben geweckt wird. Er zweiselt dann keinesniegs an dem Zeugniß seinerSinne und muß logisch die Phantasmagorien des wachen Traumes sür wirklicheDinge halten. Der schlafende Mensch ist ein vorübergehend Getäuschter, der Poet, der mit der ganzen Gluth der Empfindung den Bildern seiner Phantasie eine Form ver leiht, der sie anderen mittheilbar macht, täuscht sich zeitweilig während des intensiven Schaffens. freiwillig, der wache Träumer, deffen nichtige. Bilder seines Hirns sich ihm mit derselben Lebhastigkeit ausdringen, wie die wirklichen Bilder, kann sich von diesen Illusionen" nicht freimachen. Da er nicht an der Wahrheit der wirklichen Bilder zweifelt, warum sollte er dies den eingebildeten Bildern gegenüber thun, die ihm ebenso lebhaft erscheinen wie die ersteren ? Der Traum erzeugt sich nur im Schlaszustandc, und dieses Kennzeichen unterscheidet ihn von den Illusionen, den Hallucinationen, . den . Delirien, eines Fieberkranken oder den Sinnestäuschungen, welche narkotische Mittel, wie Opium, Hanfextrakt und auch der Also hol hervorbringen. Wahnsinn und Schlaf sind zwei verschiedene Zustände. Auch der Irre kann träumen, aber wenn er erwacht, beherrschen ihn dieJllusionen, die er sür Wirklichkeit hält, während dem Gesunden das Erwachen den Unterschied zwischen denTraumbildern und derWirk lichkeit durch die Wirkung des Kontrastes deutlich erkennen läßt. Im Schlase sind die geistigen Thätigkeilen vermindert, aber nicht aufgehoben; wie lebhaft auch dieBilder unsererTräume sein mögen, sie sind schwächer und dunkler als die des Wachens. Oft erhätt die bis auf ein geringes Maß reduzierte Thätigkeit der Seele während des Schlummers einen Anstoß von außen, der sie veranlaßt, denselben dramatisch zu verarbeiten. Personen, welche gelegen!lichanAthembehwerden leiden, träumen von engen Gängen, einstürzenden Häusern, von Menschengewühl und solchen Szenen, bei denen man erstickt oder LustMangel erleidet. Die plötzliche Streckung des Körpers verulsacht die Vorstellung emcs Sturzes in die Tiese, die Abkühlung eines Armes macht den Träumenden glauben, er sei gescffelt und zu diesem Gesühl der Ohnmacht gesellen sich die Vorstellungen von Ungeheuern, Räubern, wilden Thieren. Geräusche, und selbst Gerüche werden von dem Schlafenden, soweit er nicht ganz tief schläst', ebenfalls zu Traumbil dern verarbeitet. Die meisten Träume fallen in die Zeit kurz vor demErwachen, wenn der Schlaf, nach uns unbekannten Bedingungen, anfängt leichter zu werden und die Seele beginnt, sich zu regen' Eindrücke, welche kurz vor demSchlafe aufgenommen wurden, beschäftigen hausig die Seele und veranlassen Träume, die sich mit den Sorgen des Tages, Hoffnungen undBeürchtungen beschafti gen, und nicht minder oft sind esErinnerungen aus lang vergangener Zeit, welche den Anstoß zu Tranmerscheinungcn geben, die mit der Gegenwart in geringem Zusammenhange steten. Längst Erblindete sehen die Traumbilder farbig, wie sie die Dinge vor dem Verlust ihres Gesichts erblickten, der Greis sieht sich wieder auf der Schulbank neben den ehemalige Kameraden, der Profeffor macht wieder einmal als Student das Examen durch, mit welchem er im Leben jetzt die jüngere Generation ängstigt. Verstorbene erscheinen in blühender Krast und verschwinden beim Erwachen. Von jeher beschäftigte sich der Mensch mit der Deutung der Traumbilder ; das Verlangen, die Erlebniffe des Schlafenden mit denen des Wachenden in BeZiehung zu bringen, ist ein raochl berechtig' tes, roie das Bedürfniß, Widersprüche zu lösen, als ein allgemein menschliches bezeichnet werden kann. Der Elende, dem der Traum Wohlfahrt und Wonne vorzaubert, wird ebensowohl wie der vom Erdenglück Getragene, deffen bangen Traum die Noth und das Elend woben, fragen, was die nächtliche Erscheinung bedeute? Er wird wiffen wollen, ob er zu hoffen, ob er zu fürchten habe, ob seine Lebenssverhältnisse sich ändern können, sich ändern werden, und ob der Traum auf einen bevorstehenden Wechsel der Dinge hinweise ? Nun erzählt uns die Geschichte der Großen der Erde vielfach von Traumen, die einen durchaus divinatorifchen Charakter besaßen, und deren Bilder sich mit den später eintretenden Ercigniffen deckten. Wo eine solche Deckung festgestellt oder auch nur einigermaßen durch Schie den und gewaltsamesAuslegen nothdürstig zuwege gebracht wurde, da war man

überzeugt oder mindestens gern geneigt, das Beispiel eines weissagenden, dieZukunst enthüllenden Traumes vor sich zu haben. Ein einziges solches Beispiel gab demGlauben an divinatorischeTräume einen starken Halt, den die unzähligen Träume, welche mit der Zukunst absolut nichts zu thun hatten, keineswegs abzuschwächen vermochten Es ist das so, wie mit erträumten Lotterielosen. Eine erträumte Nummer, w lche mit einem Gewinne herauskam, gilt als untrüglicher Beweis für die divinatorifchen Eigenschaften der Träume ; von den Tausenden von Nummern, welche geträumt und gespielt wurden, aber nicht mit einem Gewinne bedacht wurden, spricht jedoch kein Mensch. Ob es wirklich zukunst. verkündende Träume, gibt, inwicjern der Zusall bei der Erfüllung 'derselben , mitwirkt, ob die Tagesgedclnken, welche sich mit der Zukunst beschüstigen, während des Schlafes. Bilder sonnen, welche den natürlichen Verlauf der Ereignisse solge recht entwickeln, das laßt sich nur durch sorgfältige Beobachtungen und eineZlatistik der Träume ermitteln. Mit sel!samen, wunderbaren Träumen ist eine eingehende Prüfung der Nebenumslände zu verbinden, ehe gesagt werden kann, daß sie natürlichen Ursachen, äußeren

Einflüssen.lebhastenGemüthsstimmungen I und dem Gesetz der Jdcenajiozlallon nicht unterstchcn und scheinen sie in Be Ziehungen zu späteren Ereignissen zu tretcn, so sind auch diese zu untersuchen, inwiefern sie von dem gewöhnlichen Laufe der Dinge abweichen oder ob sie auch ohne Träume logisch hätten voraußgesagt oder vermuthet werden können. Denn nichts ist schlimmer, als Traumaberglaude, der die Menschen furchtsam vor ihren eigenen, unklaren Gedanken während' des Schlafes macht, und ihr Handeln nach dem Aberwitz der Traumbücher bestimmt. &o wie nun Sorgen und Freuden, Hoffnungen und Befürchtungen mit in den Schlaf hinübcrgenommen nrnden, aus denen die Seele Gedanken spinnt, die sich in Bilder verwandeln, welche in unerklärlicher Weise wie von einerLaterna rnagica nach außen geworfen erscheinen, während im wachen Zustande die von außen auf die Netzhaut des Auges projizierten Bilder Gedanken in der Seele erregen, so sieht der Träumende ost sich selbst in Gesichten, wie eine zweite denkende, redende und handelndePerjon. Er verdoppelt seine Persönlichkeit. Und doch ist diese Verdoppelung, der Persönlichkeit durchaus nichts Außergewöhnliches. Denn wer.in der Erinnerung blättert und sich die Tage derKindheit zurückruft, der fühlt sich im wachen Zustande wieder als Kind, wenn auch weniger deutlich, als wenn diese Erinnerung im Traum: nicht durch die Tages lumgebung abgefchwächt wird. Die Ertnnerung an eme überstanden? Gefahr, an eine genoffene große Freude veranlaßt uns, daß wir uns auch wachend verdoppeln. Deshalb darf die Verdoppelung im Traume uns nicht wundern, und in der That setzt sie den Träumenden auch keineswegs in Erstaunen. Wohl ängstigen wir uns im Traume, wenn Gefahren drohen und bedauern, aufgewacht zu sein, wenn Liebes uns begegnete, aber die Verdoppelung unserer Person finden wir selbstverständlich wie eine Erinnerung. Bringt uns das Leben in die mannigfachsten Lagen und Verhältniffe, der Traum verfährt noch willkürlicher mit uns. Er führt uns mi' Menschen zu-1 fammen, denen wir sonst nicht nahen, er verleitet uns zu Handlungen, die wir wachend nicht begehen, und wir denken und handeln im Traume oft, daß wir beim Erwachen in die Worte ausbrechen : Gottlob, es war nur ein Traum ! Der rechtschasfensteMensch begeht imTraume, weil ihm das Selbstbewußtsein fehlt, ohne Gewissensbisse die scheußlichstenUnthaten. Er wird zum Räuber, Mörder undMeineidigen, er kränkt die Personen, die er lieben sollte, und benimmt sich in den Lagen, in die der Traum ihn führt, derart; daß dasselbe Benehmen im wachen Zustande ihn vor sich selber und den Menschen elend machen nrnrde. Diese Träume sind es, die den Menschen auf sich selbst aufmerksam machen. Was in der Wirklichkeit geschah, ist nicht wieder ungeschehen zu machen, die Vorgänge im Traume dagegei-, die nur einer eingebildeten Welt, und zwar der Eigenwelt des Träumers angehören, sind ungeschehen, da sie nicht realer Natur waren. Worte, im Traume gesprochen, können zurückgenommen werden, Handlungen, imTraum begangen, können ausgelöscht werden, wie ein falsches Rechenexempel von der Schiefertafel, aber . trotzdem kann der Mensch sie als geschehen betrachten, in seiner Erinnerung ausbewahren und. sich ihnen gegenüberstellen. Der Wachende kann die Gedanken und Thaten seiner verdoppelten Persönlichkeit im Traume richten, gut heißen oder verurtheilen, je nach ihrer Beschaffenheit, nnd so veranlaßt der Traum den Menschen zur inneren Einkehr und zur Prüjung seines eigensten Wesens. In unserer Zeit ist das Leben ein geräuschvolles, enge Kreise find durch die Radien der Eisenbahn- undTelegraphenlinien weit wie das Erdenrund geworden, die Hast gönnt der Ruhe keinen Platz am Herde, nnd zur inneren Einkehr gebricht es an StosL Da will es nun erscheinen, als wenn die Traumbilder, in denen der Mensch sein verdoppeltes Ich erblickt, mahnen, über das intensive Leben des Tages, über dem Drangen nach zeitlichenGütern und demhaschen nachGenuß, das innere Leben nicht zu vergeffen, als sorderten sie auf zurErziehung des geistigen Menschen, die so lange dauert, bis das Herz nicht mehr schlagt. - Denn wer wäre vollkommen? Und das möchte wohl rechte Traumdeuterei sein : die Bilder des Traumes mit dem Maßstabe desGewiffens zu prüfen und aus der Welt des Ungeschehenen Lehren för die Welt der Wirklichkeit zu ziehen. Mancher schwere, mancher ängstigende Traum wird dann, anstatt das Gemüth zu bcunruhigen,s kräftigen und festigen. Damit sei aber nicht gesagt, daß das Traumleben dazu angethan wäre, in allen Stücken das Tagesleben zu beeinfluffen. Nein, der Mensch stelle sich über den Traum und den Aberglauben, der mit ihm von jeher getrieben wurde und

noch immer vielfach getrieben wird, und wenn die Schlichen Räthsel, an deren Lösung die Physiologen bisher immer noch vergebens arbeiteten, sich ihm aufdrängen, so nütze er sie zu seinem Heil, indem er zwischen sich und den Schemen, die der Geist während des Schlummers gestaltete, prüfend und Umschau haltend richte.

Ireiligraty und Aueröach. Wie oft wandelten wir auf und ab, hüben und drüben am Rhein, und der Hühnerhund, genannt Strolch, wanderte mit uns. Wir gewannen eine zweite Jugend.,'. In brausender Jugendlust saßen mir selbander ifnd mit anderen guten Genoffen in der Schenke und sah rcn im Abendschimmer und im Mondesglänz in dem Kahne dahin. Ich war in jener Nacht dabei die Matzcrath in ei nein Gedichte schilderte da Frciligrath sich mit dem Glas in der Hand im Kahne erhob und dem alten Drach'enfellS Smollis zutrank." So erzählte Berlhold Aucrbach in einer Rede zum Besten derFcciligrath- Dotation von den schönen Jugendtage?, die er mit dem Dichter verlebt hatte. In Unkel. dem Flecken am Siebenge' birge, der Freiliaralh den Liebessrühling brachte, hatten sie sich kenne gelernt. Der schon berühmte Poet hielt dort förmlich Hof; rhcinab und rheinaus kamen alte und neue Freunde. Unter den letzteren war Auertach, und seltsam, so stark dies: beiden Naturen, der sinnige einsilbige Westfakc und Der lehrhafte redselige Schwade sich unterschieden, wur den sie schnell miteinander Freunde und sind sich's bis zum Grabe geblieben. In einem Brief an Levin Schückinz schreibt Freiligrath am 17. 'Juli 1840 als Postscriptum: Berthold Auerbach ist jetzt in Bonn ein lieber K:rl" und auch in dem Tagebuche für seine ferne Braut verzeichnet er Berthold Auerbach, den Novellisten", dem er erst mehrere Jahre später als demAutor derSchwarzWälder Dorsgeschichten den poetischen Lorbeer flechten sollte. In der Geschichte dieser Freundschaft war Freiligrath nicht nur der Aeltere, sondern auch der zuerst Berühmte. Oft sind Freiligrath und Auerbach in den nächsten Jahren beisammen gewesen; der Poet weilte von 1S41 42 in Darmstadt, dann in St. Goar am Rhein, unweit des Lurleiselsens, wo die Leu'n und Kameele" zum Teufel gingen und der politische Glaubensbekenncr" erwuchs; Auerbach und der Erzähler hatte in jenen Jahren sein Quartier ost in Franksurt,- war aber ;M des Dichters Heim ein stets gerngesehener Gast. Hier in St. Goar erhält Freiligrath den ersten Band der . Dorfgeschichten des Freundes. Ich bin ganz entzückt von dem Buche", schreibt er am IL.Novbr. 1843 an Adelheid von tolterfoth, und wenn ich derSchwarzwald wäre,so brächte ich seinem Verfasser ein rauschendes Tanenständchen dafür! Wenige Tage später,und er trat sür den Schwarzwald ein mit dem herrlichen Gedicht, das bald in Aller Munde war; man konnte sagen, das Buch habe es ihm angethan. Wär ich der Schwarzwald, meine Wipfel ballt' ich. Und schüttelte der Aeste Wucht und brächte Ein Ständchen Dir, wildrauschend und gewaltig! Ich weiß, er thut's! Mag dir auf weiten Flügen Indeß mein Handschlag nnd dies Lied genügen! An Buchner der ihn um Briese Freiligrath's bat, schrieb. Auerbach vor einigen Jahren: Besonders ein Brief Ääre sehr wichtig. Er enthielt das. Gedicht über die Dorsgeschichten in einzelnen Strophen und dazwischen erzählende Prosa, zuletzt hieß es: Ich mach: 'aus dem Ganzen ein Gedicht und lasse es drucken. Bei den so traurigen Elfahrungen von konventioneller Verlogenheit und von Selbstsucht sieht der vollkommen wahrhastige und hingebungsstarke Verkehr mit Freiligrath "wie ein Lichtbild mir in der Seele." Das Gedicht wurde noch im November 1843 fertig. Auerbach dankt sür die Zusendung in einem bewegten Schrei ben, und Freiligrath erwiedert am 18. December: Ich kann Dir gar nicht sagen wieDein Brief mich erfreut hat! Ich bin nun einmal, trotz der Menschenfresscrischen Gedichte einer abgethanen Pe riode eine weiche Seele ; als ich Deine Blätter gelesen, standen Thränen in meinen Augen. Ich war so froh, so glücklich indem Bewußtsein: da hast du einmal einem redlichen, tüchtigen Kerl eine gute Stunde gemacht hast einen lichten, Warmen Strahl, in eine Menschen seele hineingeworfen! Laß uns so in der Liebe an einander festhalten. . . . Wir lesen jetzt die Dorfgeschichten in einem wöchentlichen Lefekranzchen, das wir mit dem hiesigen Landrath und deffen Töchtern allwinterlich flechten. Ich wollte. Du hättest vor einigen Abenden die Thränen sehen können, welche die Müdchen um das Veverle vergossen. Ihrem Vater ist dagegen die Geschichte von Be sehlcrles ganz nütze gewesen . . .'. Simrock schreibt mir unter Anderem: Auf Auerbach' Dorfgeschichten hast du mich durch Dein Gedicht sehr begierig gemacht, und ich denke doch jetzt bei ihm eine AuSnahme'von der Regel zu machen, die er einmal selbst aufgestellt hat, daß ich nichts lese, was nicht mindestens 600 Jahrr alt wäre." , Am 30. December ist Auerbach in St. Goar; Freiligrath notirt in einem Brief an Karl Buchner den Besuch mit den Worten: Ein wackerer, tüchtiger Kerl doch, den ich mehr und mehr achten und lieben lerne." Im Sommer 1844 verläßt Freiligrath, um den Verfolgungen wegen des Glaubensbekenntniffes" zu entgehen, zum erstenmale die Heimath ; erst kurz vor seiner Rückkehr, am 10. April 1848, schreibt er Auerbach von London aus auf die Kunde, daß der Freund sein Weib begraben habe : Nun ist das Unglück über dich gekommen Du mußt die Blüthen dieses überreichen Lenzes auf die Bahre Deines Weibes, Deines kaum gewonnenen Weibes wer fen; nicht allein in der Lust über die Erhebung . unseres Volkes, auch im Schmerz über den Verlust Deines Theu-

erstensollteder heurige Frühling ein ver sacnirn für Dich werden. Und da es so gekommen ist, kann und darf ich nicht jchweigen. Der Glückliche bedürfte meiner nicht, den Trauernden erquickt vielleicht ein warmes Wort von dem sernen alten Freunde. Und so trete ich denn weich und ernst vor Dich hin, faffe Deine beiden Hände und sage aus der Fülle meines Herzens: Armer, armer Auerbach! Das ist Alles mehr weiß ich, mehr bab ich nicht ! Nur Mitgefühl und Theilnahme keinen Trost ! Den spenden zn wollen wäre 'Vermeffenheit und Beleidigung ! Trost suche bei Gott, Trost suche bei dir selbst. Trost suche bei dem Kinde,, das sie Dir gelaffen, wir Freunde können Dich nur brüderlich an unsere Brust prcss?ii und Dir sacn. wie tief, roie unsäglich lies es uns betrübt. Dich von diesem' Herbsten betroffcn zu sehen. Wir hoffen und vertrauen. Du werdest diesen Schmerz männlich in Dir durchkümpsen. . Sei gebeugt, aber nicht gebrochen ! Ach, was' läßt 'sich leicht ra tben aber, nicht wahr. Du bist ein A!ann ! Du gedenkst und Du trauerst ewig, aber mit der Weihe des Gramö im blutenden Herzen trittst. Du bald zurück in unsere Reihen, neu gesesligt und neu gekräftigt, ein Mann, der sein Weib in die freie deutsche Erde betten mußte, nachdem sie ihm und der Freiheit einen Jungen gcdorcn ! Sie muß ein trcsflichcs Weid gewesen sein, daß sie Dich so glücklich machen konnte ! Dafür soll ihr Grab grünen und auch wir, die wir sie nicht

gekannt haben, wollen sie lieben und eh- ! ren und um ie trauern ! Ich ein bald bei Dir. lieber Auerbach ! Anfangs Mai breche ich auf aus dem Exil, zunächst nach Frankfurt. .Dort hoffe ich Dich. zu tref. fen nnd dort wollen wir mitwirken, jeder nach seinen Kräften, daß das stolz und groß Begonnene nicht in unseliger Verwirrung und Besehdung aufgehalten werde oder, gar verkümmere und zu Grunde gehe. Meine Frau fühlt Dein Leid urid drückt Dir die Hand gleich mir selber. Meine Kinder sollen mit dem Deinen spielen. . Ich habe zwei am Leben das dritte schläft seit anderhalb Jahren unter dem englischen Rasen. Gott sei mit Dir! Unser Wiedersehen wird ernst sein, aber doch ein freudiges!" Ob es in dem ver sacniin zu einem Wiedersehen der Freunde käm.wissen wir nicht; für Auerbach mit seinen Gothaismus wäre ein Begegnen schwerlich ein freudiges gewesen. Wie es scheint, hat er den radikalen Poeten, den Genoffen der Marx und Lassalle, der Becker und Bürgers, den Sänger der Revolution ruhig und theilnahmlos kämpsen, unterliegen und. zum. zweiten Male in das Eseno" wandern lassen, und erst,' als der Poet von dort dem Vaterlande das erste Lebenszeichen in Gestalt des Buches: Dichtung und Dichter" sendet, meldet sich auch der Freund wieder an. Freiligrath weiß, was er will, aber gutmüthig wie immer, nimmt er die Hand an und laßt nur ironisch durchblicken, was er von dem Freundschastsbedürfniß hält, das nach sechsjähriger Pause wieder erwacht ist. Er schreibt am 2. Juli 1854 aus London: Lieber Auerbach ! Herzlichen Dank sür Deine Bücher und Deinen sreundlichen Brief. Jene trafen schon vor ein paar Tagen, dieser obgleich vom 20. Mai traf mit der Post erst gestern bei mir ein. Die Bücher, dachte ich mir gleich, konnten nur von Dir selbst kommen. Da hast Du ein Packet vom Auerbach"! sagte ich meiner Frau, als ich Abends nach Hause kam, die stereotypirten Dorsgeschichten. mjch den neuesten Band und drei Exemplare vom Les-sing-Epilog in den Kaus. Die aber schickt er nur, daß ich ihn in eine andere Auslage von Dichtung und ; Dichter" ausnetzmen soll." Wir haben herzlich lachen muffen, als Dein Brief alle diese Vermuthungen nachträglich bis aus's Tüttelchen bestätigte. Bedarf es noch erst die Versicherung, lieber Freund, daß mir Deine Sendung recht in die Seele wohlgethan hat?. Laß Dir warm und treu die. Hand dasür drücken! Du bist wirklich fast der Einziz: noch, der mir in solcher Weise zeigt, daß. ich nicht ganz vergeffen bin drüben, und glaube mir daß ich dies anzuerkennen weiß. Daß ich Euch nicht vergeben habe, daß ich wie verschlagen auch von, der Heimath und wie fernab den behaglichen Kreisen einer rein literarischen . Existenz, dennoch treu gedenkend an der Heimath und den allen, ruhig in ihr gebliebenen Freunden fest halte;. oab ich mir einen freien unbefan qenen Blick sür die geistigen Bestrebungen des Vaterlandes bewahrt habe, und daß mein Herz, tro alledem und alledem unverbittert geblieben ist das, glaube ich, habe ich, durch meine Anthologie Dichtung und Dichter" zur Genüge bewiesen, und es freut mich, daß dafür der Eine oder derAndere jetzt wieder zu mir kommt. Auch Du, nehme ii'g uoyl nicht mit Unrecht an, bist wahrjizunlich zunächst durch jenes Buch auf den Gedanken gekommen, Dia) mir wieder zu nähern. Wie dem auch sei Du bist jetzt da und wir sind uns die Alten!" Das Schreiben, das dann noch kurz die Dorfgeschichten rühmt diese feine sichere Seelenmalerei sollen sie Dir noch erst nachmachen" schließt mit den Worten : Wohl dem, der im Exil ein liebes Weib und lieb:: Kinder hat. Er ist nicht ganz ohne Heimath !" . Wir sind die Alten ! Und sie sind es fortan geblieben. Als von Barmen aus 1867 die Dotation für Freiligrath angeregt wurde,, stellte sich auch Auerbach in die Reihe 'der Werber um einen Nationaldank für den verbannten Dichter, und in den Vortrag, den er in Darmstadt zum Besten der Sammlung hielt, kam seine Freundschaft für denselden volltönend und packend zum Ausdruck. Das Werk gelang, zum zweiten Male .an's öerz der Heimath sinket der stöoet, ein Anderer und doch Derselbe", ! ' . a diesmal für immer. In Auervach's Schmabenland wählt er sich das Heim, und dort, wie auch Sommers in der Schweiz, sehen sich fortan die Beiden öfter Mieder im frohen Gespräch vereinigt, wie dereinst am Rhein. Im December 1869 begrüßt Freili grath die mit Btldern von Vautier gezierte Ausgabe bes Barsüßele" mit munteren Versen : Nun heißt's: Was kommt dort von der Höh'?

Die Räder, knirschen durch den Schnee, Die scharfen Hufe wirft das Pferd . Sieh' da,Freund Berthold's alt Gefährt! Im Wälderwamms auf hobem Sitz, Im Dreispitz, in der Zipfelmütze So fährt er stolz durch Land und Leut', Der Vautier ist sein Fuhrmann heut. Barfüßele, sein liebstes Kind, Fährt mit ihm durch den Schnee und Wind; Die Wänglein glühn, es weh'n die'Zöpf', Ei welch ein hold und lieb Geschöpf! Hocherfreut über die poetische Gabe dankt Auerbach und sendet die Cauer'sche Statuette des Barsüßele für den Weihnachtstisch in die Drei Hasen" zuCannstatt. Frciligratb, .antwortet am 3 Januar 1871); ..Geliebter Freund, welch' treues dankbares Herz bist du hoch! Was hab' ich denn Großes für Dich gethan?

Hab' ich doch nur wieder einmal ausgesprochen, welch' hohe Freude Deine dlen. reinen Schöpfungen mir fort und fort bereiten, hab' ich doch nur zu gern die Gelegenheit ergriffen, auch dem Md ster Vautier meine Verehrung zu bezeigen! Das Danken ist ganz an mir. Habt Ihr Teufelskerle mich denn nicht zu ein paar frischen lustigen Versen begeistert! Dafür drücke ich Euch die Hand" Einen Monat fpäte? grüßt er wieder seinen OldBerthold"; denn ahcnLenz witternd freut et sich auf das sommerlicheZusammenleben am Bodenseeodcr im Schwarz wald, am Wajzer oder unter den Baumen". eine Hossnunq, die in diesem Jahre der Krieg nicht in Erfüllung gehen ließ. Im November erhält Freiligrath von Heidelberg aus einen Theaterzettel mit dcrAn.'ündigung desVortrags vonHurrah Germania". Er erkennt auf der Adresse die Handschrist Auerbach's und läßt sosort aus gut Glück einen Gruß nach Heidelberg fliegen. AmSchluß des Brieschens heißt es : Wären wir nur erst in Paris! ich fühle und denke so deutsch, wie nur je zuvor diese. Zerrüttung eines trotz alleöem noblen, tapferen und klugen Volks, dieses unsägliche Elend, welches (wenn auch durch eigene Schuld) über Frankreich herein gcbrochen ist, frißt mir. dennoch fast das Herz ab, Gott mit uns!" wie es auf den preußischen Thalern heißt." Im März 1874 sendet Aucrbach den Waldsried an Freiligrath. Als er nicht gleich Antwort erhält, scheiut er pikirt zu sein und zu meinen, der Freund halte mit seiner Meinung über das Bch hinter dem Berge, weil ihm die politische Seite desielben nicht behage. Diesmal hat er den Dichter gründlich verkannt, denn dieser antwortet am 8. April 1874 aus die zedensaus etwas argwöhnische Mah nung: .Du bist eine ungeduldige Seele, lieber Auerbach! Was redest Du denn von meiner jetzigen Zurückhaltung", die obendrein durch die besondere Schatti rnng innerhalb der freigesinntcn Partei" veranlaßt sein soll? Wenn ich Dir den Empfang Demes Waldwed" (der jetzt etwas länger als 14 Tage in meinen Handen ist) nicht sofort dankend ange zeigt habe, so kann das doch auch aus anderen Ursachen herrühren, als aus den von Dir einzig als wahrscheinlich angenommenen. Kann ich denn nicht krank. kann ich denn nicht verreist, kann ich nicht sehr beschäftigt gewesen sein, können nicht sonst frohe oder traurige Erelgnljle mich abgehalten haben? Ist mir denn in diesen zwei Wochen nichts Anderes durch denKopf gegangen,als,,Waldsned", und würde ich, wie es Brauch und Recht ist". Dir nicht ohiiehin bald ein Wort über das Buch zugerufen haben, auch ohne Deine Mahnung? Doch genug! Ich will nicht auch empfindlich sein !" Freiligrath findet nun zwar, daß Auerbach sein Bestes und Eigenstes in das Buch hineingelegt habe, daß der ?ng umrahmte Spiegel der Erzählung, der das Bild einer großen Zeit auffängt und zurückwirst, blank und fleckenlos sei, aber schon die Ausstellungen, die er folgzn läßt, zeigen, daß ihm das Werk nicht den vollen Genuß gemachthat, den er einst bei den Dorfgeschichten gefunden. Ihm behagt nicht das Quirlende, 'Un ruhige. Hin- und Herspringende" der Erzählung, ihn stoßen die kurzen gehackten, epigrammartisch zugespitzten Satze ab; dann:- Deine Menschen oekom plimentiren sich zu viel, wenn sie etws Gutes oder Gescheidtes gesagt haben! Ist das ein verstandnißinniges Anblicken, ist das ein Umarmen, ein Küsten und Handedrücken nach jedem bedeutenden Worte! Meinem Gefühle wiederstrebt das." Die Geschöpfe ähnelten eben dem Schöpfer, und wer fände nicht in den citirten Worten dessen ganze Art? Das wesentliche Aber" Freiligrath's geht die politische Seite des Buches an. und er hält damit nicht zurück, obgleich ! er sich sagen konnt:, daß er hier die verwundbarste Stelle des Autors treffen werde. Ohne Zurückhaltung" sagt er : Du (ich identifizie Dich natürlich mit Heinrich Waldsried) gehst mir zu weit in Deiner Einheitssreude. Ich brauche Dich nicht daran zu crinnern.wie ich in denTa gen der Gefahr mich rückhaltlos auf die nationale Seite gestellt habe. Daß ich darum aber das Reich", wie es aus dem Kampfe hervorgegangen ist, sür das Höchste halten sollte, für das Ideal, nach dem wir alle gestrebt, für dos wir Kerker und Exil nicht gescheut haben : das, li? ber Heinrich Waldfried, fällt mir nicht ein. Ich acccptire die Dinge wie sie sind, als eine zeitweilige Nothwendigkeit. aber ich begeistere mich nicht dafür. Ich ehre Deine Ansicht, weil ich weiß, daß sie aus Wahrhaftigkeit und ehrlicher Ueber zeugung beruht, aber ich theile sie nicht. Sie unbedingt theilen, hieße ein poliüsches Programm unterschreiben, hieße mich zum Mitglied einer Partei machen. Das aber liegt mir sern. Ich bin froh, daß ich keiner Partei mehr angehöre (also auch "seiner besonderen Schattirung" innerhalb einer Partei) daß ich, jetzt schon seit Jahren wieder aus jener hö Hern Warte" stehe, von welcher ich einst gesungen. Meinen Idealen, meinen Ueberzeugungen bleibe ich treu, aber mit Programmen und Manifesten bleibt mir vom Leibe !" Da haben wir des Poeten letztes Glaubensbekenntniß-, und war es nicht eine Bekräftigung desselben, als er genau ein Jahr später -trauernd an Herwegh's offenem Grabe stand, der einzige deutsche Dichter, .der dem als Reichsseind" Geächteten die letzte Ehre erwies ? Einer aber ein Löwe !

Der Ochnupstadarim OundeSsenat. . Eine schöne Gewohnheit ist daS Schnupfen gerade nicht. In der That ließe sich vom rein ästhetischen Stand punkte aus Matches gegen dasselbe, ge gen das Einziehen des Schnupftabaks in die Nase, was an und sür sich eine stark an's Komische grenzende Körperstellung bedingt, einwenden, womit wir jedoö .:.o v , . '

keineswegs oic yerrcn vcynupfer beleidigen wollen, zumal da dieselben, wie das Schnupfen selbst, in derRegel etwas sehr Gemüthliches in ihrem Wesen ha ben. Die Zah! der Schnupser hat sich in der Neuzeit sehr verringert, namentlich die der Gewohnheitsschnupser. Währcnd das Schnupfen in der zweiten Hälfte des vorigen und zu Anfana des gegenwärtigen Jahrhunderts zum guten Tone gehörte, ist es in der neueren Zeit durch das Eiaarrenrauchen wesent-ich beschränkt worden, denn es ist für unsere Zeit, in welcher von einem Jeden, der e zu etwas bringen will, eine rastlose Tbä...r . v .... .7. nanu üciiangi iviro, riroa umnanollch uno maazi in oer vt aus die Ange hörigen der jüngeren Generation auch einen etwas altsränkischen Eindruck, wo- ' bei wir gegen den Verdacht, als wollten wir die Herren Schnupser absichtlich beleidigen, auf das Entschiedenste Vcrwab rung einlegen müssrn, und zwar um so meyr, als. das schnupfen zu den bercchtigten Eigenthümlichkeiten desBundesjenates gehört und an den Wände der Senatshallc sogar Schnupftabak oo)t sur ven Gebrauch der He:ren Senaioren angebracht stnd. ueber das Schnupfen IM Bundessenate ließ sich dieser Taq: der älteste Beamte desselben, Capt. Jsuak Basr : . . : . r I", "! cuicjcycnucr veize aus. jiejcr . Herr begann vor fünfzig Jahren als . Page des Senats seine Carriere und hat es seitdem längst zum Capitän der Pa- . gen gebrrcht. Der würdige alte Herr feierte nenlich sein fünfzigjähriges Jubi läum als Beamter des Bundessenats, und da er in seiner gegenwärtigen Stellung auch die erwähnten zwei Schnupftabakdosen unter seiner Controle hat, so beschenkten ihn die Herren Senatoreil zur Feier dieses Tages mit einer golde nen SchnupftabaSdose im Werthe von $200. Dieselbe wurde vom Senator Bayard aus Delaware mit einigen Pas senden Bemerkungen dem Jubilar überreicht, worauf der letztere eine kurze Erviderungsrede hielt, in welcher er, so zu sagen, eine .Geschichte des Schnupsens im Bundessenat" gab. 'Nach den Angaben Herrn Bassetts scheint das Schnupfen im Bundesfenate durch Martin Van Buren, als derselbe BicePrüsident war, cingesührt - oder doch verallgemeinert worden zu sein.' Dieser Herr besaß eine werthvolle gol dene Schnupstabaksdose, welche er 5)crrn Bassett in Verwahrung gab, damit dieser sie immer gefüllt halte nrd vor jeder Sitzung auf den Tisch des Vice'Präsi deuten stelle.' Behufs Anschaffung des nothwendigen " Schnupftabaks wurden Capt. Bassett allwöchentlich 50 Cents ausgezahlt. Als Van Buren's Termin abgelaufen war, wurde die Schnupftabaksdose von Capt. Bassett ihrem Eigenthümer zurückgegeben. Es ist übrigens noch zu bemerken, daß auch Henry Clay manche Prise aus dieser Dose zu nehmen pflegte. Derselbe war ein so leidenschastlicher Schnupser, daß er nicht selten in seinen fulminentan Reden abbrach und, sich zum Tisch des Vice-Prä-sidenten begebend, mit Bedacht undGra cie eine krästige Prise nahm, worauf er zu seinem Sitze zurückkehrte und weiter redete. Die VIce.Präsidenten Johnson und Tyler waren keine Schnupfe und Hnr Bassett hatte daher selbst eine Schnupftabaksdose zu beschaffen und gefüllt zu halten, bis George M. Dallas VicePräsident wurde, welcher, wie Van Buren, eine hübsche goldencSchnupftabaksdose mitbrachte,wclche er gleichfalleHerrn. Bassett in Verwahrung . gab. VicePräsident Fillmore, aber proteslirt dagegen, 'daß sich eine Schnupstabaksdose auf seinem Tische befinden sollte, zuma! da er derAnsicht war.öaß die Erledigung der G.schäste des Senats dadurch tot sentlich beeinträchtigt würde. Dieser Protest war die Veranlassung, daß an der Ost- und Westseite der Senatshalle eine Schnupftabaksdose angebracht wurde. aus welchen die Herren Senatoren aI1id!tnin schnupfen können. Der Lenz geht um. Ich sag' euch was : der Lenz geht'um ; Nehmt euch in Acht, ihr Leute ! fz izt- c c . : f : . n : n v. n. ii ii u ijciuuiuj, uu uiiu iuiunr, Als ging er aus aus Beute. Seid nur behutsam, wo ihr steht. Und blickt umher ein Weilchen ; Denn plötzlich, eh' ihr euch's verseht. Schießt auf ein keckes Veilchen! O, traut jetzt keinem alten Baum, Weit eher noch den jungen. Denn eine Knospe, wenn ihr's kaum Noch ahnt, ist aufgesprungen! Wer träumend wandelt durch ein Thal, Der möge sich besinnen; Die Lerche kann mit einemma! Ihr schmetternd Lied deginnen ! Mit Vorsicht und Behutsamkeit Jn's Aug' der Mädchen schaue ! Gefährlich ist in dieser Zeit Das schwarze wie das blaue ! Ich sag' euch was : die Lieb' geht um ; Nehmt euch in Acht, ihr Leute ! Sie ist so heimlich, still und stumm Und sie geht aus auf Beute ! Emil Kuh. - Unüberlegt. Wie gesallt Dir meine Cousine ?" O, wie gerne würde ich mein Leben dasür lassen, wenn sie mich heiralhen wollte !" . k' . Der Zug des Herzens. Wünschen Sie vielleicht Vanissr-, Erdbeer, Himbeer, wir haben verschie dene Sorten Fruchteis." So, dann, geben Se wer Zwiebel Eis!"