Indiana Tribüne, Volume 4, Number 193, Indianapolis, Marion County, 26 March 1882 — Page 7
Der schlaue Wirty. Der Gastwirth zum goldenen Schiffe in einer kleinen Provinzialstadt, die vor Kurzem in das Eisenbahnnetz gezogen worden, safc im gasteleeren Zimmir nachdenkend nebenseiner jugendlichen Gattin. Die verdammte Eisenbahn hat uns rui nirt," begann die hübsche Frau, denn seitdem diese eristlrt, hält sich kein Jrem der mehr bei uns auf, und jeder Verdienst hat aufgebort; selbst die Landleute, die sonst mit Roß und Wagen herein kamen und uns bis in die späte Nacht zu ver.dienen gaben, schmecken kaum mehr in die Stadt herein, und ohne Etwas zu verzehren, sind sie wieder im Nu mit der Eisenbahn dahin. So muß man zn Grunde gehen, ob man will oder nicht. Und unsere Beamten und Bürgersleut' helfen auch noch dazu, uns fertig zu manchen, und halten nicht einmal die Gesell schaststage mehr ein. Haben wir uns nicht schon alle erdenkliche Mühe gegeben, Spanferkel'Partien und musikalische Kränzchen arrangirt? Aber die Lcute'ha ben für das cchönc keinen Siun mehr, scherzen tagtäglich drüben in der Krone mit der dicken Kellnerin herum, richten unsere Wirthschaft aus, heißen Dich als Ausländer emen Dahergelaufenen, der nichts dafür könne, daß er Wirth gewor-, den, und das grämt mich noch am aller meisten." Geduld, mein liebes Weib," sprach ruhig der Wirth, laß' die Leute sagen, was sie wollen, wir müssen nun sehen, wie wir uns retten können. Ich habe an einen guten Freund, einen eben so lustigen als schlauen Patron geschrieben, und ihn gebeten, uns baldigst zu besuchen und Rath zu schassen. Noch hatte er nicht ausgeredet, da trat der ersehnte Freund schon in's Zimmer, ein kue? herzlicher Willkomm ward ihm von Seite des Wirthes zu Theil.w'ährend die Frau die besten Bissen im Hause für ihren Gast aussuchte, damit er ja auf recht kluge Gedanken kommen möge. Lange schon saßen Beide zu Rathe; die Asche mehrerer bereits in die Luft geblasener Cigarren zeugte, daß man dem Verstände ernstlich zu Hilfe gekommen, und leere Flaschen lassen auf ziemliche Aufweichung der Phantasie schließen, da springt der Fremde'plötzlich auf mit den Worten: ich hab's, ich kann helfen!" Die Frau lies eben so sreudig als neugierig berbei, der geladene Rathgeber theilt den Ehegatten seinen Plan mit, wobei er aber viele Bedenklichkeiten des Wirthes zu heben und noch mehr Ein würfe der Wirthin zu wiederlegen hat ; doch sein Plan war gut und hievon soll uns die Folge überzeugen. Nach einigen Tagen rief der Wirth sein Hausgesinde zusammen, erkarte ihnen, daß er eine weite Reise nach Ameri ka machen müsse, um eine reiche Erbschaft, zu erheben und ermähnte sie zu Fleiß und Treue' mit dem Versprechen reichlicher Belohnung nach seiner Rückkehr; von dem Zwecke seiner Reise sollten sie indessen Niemanden Etwas wissen lassen. Aber am Abende schon sprachen die . Mägde von dem Glücke des Schiffwir thes, die Nachbarinnen wußten jede Et was bei der Schiffwirthin zu holen und nebenbei anzufragen, ob denn der Wirth fort nach Amerika sei. Die Bürger sprachen einer um den andern zumTrunke zu, ja selbst die Beamten, der Polizei diener und Nachtwächter, kamen zum Gratuliren zu dem unverhofften Glücke. Die Wirthin biß sich freudig in die Lip Hen ob des zahlreichen Zuspruchs, und erkannte deutlich in der servilen Freund lichkeit der Nachbarn, daß selbe bald einen Göd oder Godl (Pathe, Pathin) bedürf. ten. Unteideffen kommt ein Brief aus Hamburg an,worin derWirth kund giebt, daß er bereits unter Segel gegangen, nebenbei seine großartige Reise schildert, und schließlich "seiner Gattin Liebe und Treue tersichen, was er auch von ihr verlangt. - Der Schiffwirth hat geschrieben!" schrie Einendem Andern aus bet Straße zu, da müssen wir heute schon hingehen, um zu erfahren; nun der kann jetzt was sehen und erleben!" Lange ließ der Wirth nichts mehr von sich hören, die Gaste begannen schon wieder, sich in den verschiedenen Gasthäusern zu zerstreuen, da so manche ausGeschäfts gründen nicht auf einer Bank sitzen mochten. Um diese Zeit besuchte der fremde Rathgeber die Wirthin, ermunterte sie auszuharren, und übergab ihr einige ZeitungZdlätter. Die SBirihin hüllte sich in Trauerkleider, und stellte sich un
tröstlich bei der Wahrscheinlichkeit, daß ihr Mann bei den häufigen Schiffbrüchen, wovon in den Blättern zu lesen war, verunglückt sei. Die vermeinte schöne Wittwe fand bald Tröster in Masse, denn das Geichäft hatte sich schon bedeu tend gehoben, und die Erbschaft konnte ja noch immer eintreffen. Allseits wurde von dem tragischen Schicksal des Schiffwirths, nicht minder aber von der r v. ? c. - jC a Vv ä a irnoncn ajuujÄCueiwi uc uiuujwi. uit .te chen wurden täglich theuerer, ihre Anbe ter aus Gefallsucht täglich verschwenden scher, indem sie jene zu begünstigen schien, die das meiste Geld bei ihr sitzen ließen. So ward ihre Trauer bald verscheucht, und ersreut über ihr stets wachsendes Gcschäst, war-sie guter Laune, die sich mancher ihrer Anbeter zu Gunsten deu rete. Unterdessen befand sich unser Wirth in Hamburg sehr wohl, er besah sich die Schme, fuhr auch einmal nach Helgo land und leistete Maraueurs-Dienstc, um möglichst in der modernen Wirthschüft zu prositiren. Als er nun gar einige Schiffbrüchige kennen lernte, faßte er den festen Entschluß, als Solcher heimzukehren, ließ sich genau deren Geschichte und Erlebnisse erzählen, ja kaufte sich soaar eine Landkarte, um seine Rolle auÄ qeoaraphisch inne zu haben. Mittel nun unter der Vrauthetze kommt der Schiffwirth an, ganz im Costümc und in der Verfassung eines Schisjbrüitoen. Seme Gemahlin, wohl chwer ' lich angenehm überrascht, da sie in der That nahe daran war, Bezirlsgerlchtsdt reltorin zu werden und schon Tag , und Nacht davon träumte, wie sie es dann den. andern Frauen zeigen und fühlen lauen werde, bemerkte soalelch, dan er nicht allein sei, und ein üppiges Mädchen zur Begleiterin habe. Der Wirth stellte semer Frau m Derselben seine Leidens
genossin vor, die allein mit ihm dem Waffertode entgangen, und die er zum Andenken an die gemeinschaftliche Ret tung auch in sein Haus aufnehmen wolle. Auf die Kunde von der Ankunft des Wirthes strömt Alles in das Gasthaus zum goldenen Schiff, und während sich die Meisten, um den Wirth.schaarcn, muß die Frau Wirthin zusehen, wie die blonde Schiffbrüchige der Gegenstand der Aufmerksamkeit und Verehrung ihrer Anbeter wurde, welche ob der Rückkunft des Wirthes, wie begossene Pudel abziehend, sich an der schönen Abenteurerin die ja auch von hohem Stande und reichem Geschlechte sein könne, zu revanchiren suchten. Nun mußte derWirth erzählen; schon lange vorbereitet, schildert er nun die slhönen Städte, die er gesehen, das Meer und die schönen Schiffe, wohl zehnmal so groß, als die Kirche; dann die Schrecknisse des Sturmes, die Verzweiflungsund Todesscenen des Schiffbruches, und dies Alles mit solchem Pathos, daß seine leichenblassen Zuhörer sich nicht zu räuspern getrauten. .Und wie steht's mit der Erbschaft?" frugen Mehrere unisono. 'Nachdem wir nun, ich und meine Begleiterin, auf einen Balken glücklich eine Insel erreicht hatten, nahm uns ein aus Amerika zurückkehrender Dampser.wie der mit nach Hamburg, und dort erhielt ich die traurige Botschaft, daß die Erbschaft bereits erhoben und ich nur ein Namensvetter des selig verblichenen Millionärs sei." Ei, ei," sagten die Bürger, das ist freilich eine traurige Geschichte ; nun aber tröstet Euch, denn eure Wirthschaft hat dadurch keinen Schaden gelitten." Noch ost erzählte der Wirth seine grause Geschichte, da ergreist plötzlich die Wirthin die Eifersucht, wegen allzugroßer Vertraulichkeit ihres Gatten gegen feinen blonden Schützling. Diese hob jedoch bald den Grund der Zttiflig keit und mit ihm den Schleier der ganzen Geschichte ; da sie bereits einem ihrer Verehrer anverlobt war, theilt sie ihrem Günstlinge mit, daß weder sie, noch der Wirth vom Meerwasser naß geworden, sondern beide zu gleicher Zeit inDiensten in einem Hotel zu Hamburg sich wohl befunden und gegenseitig kennen gelernt hätten. Bei seiner Rückkehr habe sie der Wirth als. Kellnerin mitgenommen, mit dem Versprechen, ihr eine Partie auszumachen, welche sie bereits gefunden' Wiederum kamen die Gäste in ungewöhnlicher Anzahl, diesmal aber um ihn zu hänseln; doch dies genirte den Wirth wenig ; er lachte sich in's Fäustchen od der Leichtgläubigkeit seiner Gäste, und da sein Gasthos bereitsRenommee und das Uebergewicht über die andern erhalten hatte, vergaßen seine Mitbürger den Ti tel ,Dahergelaufener" und hielten ihn für einen gescheidtcn erfahrenen Mann. Einige Zeit darauf war Bürgermeister-
wähl, wo er einstimmig gewählt wurde, und die scheelsüchtlge Wirthin zur Krone starb an demselben Tage, an welchem der Herr Bürgermeister eine neue Firma Zum Schmbruchlgen" an sem Haus heften ließ. Eine tapfere Magd. (Nach einer alten Stadtch:onik) An . einem rauhen Herbsttage saßen einst in einer Weinstube der guten Stadt Brieg in Schlesien mehrere Bürger beim edlen Rebensäfte und unterhielten sich von den Stadtneulakeiten und endlich !on ihren Erlebnisjen auf der Wanderchaft. Endlich kam man auf Geister und Gespenster zu sprechen und jeder wuntc ein kleines gruseliges Histörchen zu erzählen, das ihm angeblich passirt ein sollte. In einer Ecke am Ofen aoer aß die Kellnerin, ein kräftiges, gesundheitsstrotzendcs Mädchen von echt schleischem Schlage. .Eben hatte einer der Gäste eine wunderbare Gespenstergechichte beendet, als das Madchen in lau es Lachen ausbrach; etwas verletzterundigt sich der Erzähler nach der Nrache dieses sonderbaren Benehmens und erhielt zur Antwort, daß sie solche Märchen nicht glaube, daß es keine Gespenster gebe. Sie kenne keine Furcht und erbiete sich, dies zu beweisen. Gut ! nahm em großer starker Mann, dcr Nachrichter von Brieg. das Wort. Du erhältst einen Spczicsthaler, wenn Du in dieser Stunde allein hinausgehst ans Hochgericht und mir ans dem Beinhause am Galgen meine yanojcyuye holst, die ich dort liegen licß. Jetzt ist es noch zu früh, rief, ern an derer Gast, sie mag warten, bis dieMitternachtsstunde angebrochen ist, denn erst um diese Zeit treiben die Geister ihr Wesen. Die Kellnerm hatte gegen diesen Vorschlag doch einige Bedenken, aber sie hatte sich einmal ihres Muthes gerühmt und hätte die ärgsten Spöttereien ertragen müssen, wenn sie jetzt zurückgetreten wäre ; sie willigte also ein. In ein dickes Tuch gehüllt, machte sie sich zur festgesetzten Stunde auf den Weg, ließ sich das Stadtthor önnen und schritt ohne Zögern dem Nabensteine zu. De? Sturm umbrauste die cntlaubtenBaume, daß die Aeste klapperten wie die Gebeine der am Galgen hängenden Verbrecher; aw Himmel jagten die Wolken unter der Sichel des Mondes dahin, daß sein mattes Licht unheimliche Figuren aus den Weg warf und vorüberschwirrende Fledermäuse erschreckten das Mädchen, daö sich trotz seines Muthes doch eines leisen Schauers nicht zu erwehren vermochte. In diesem Augenblicke, als sie sich näherte, ertönte von dem gothischen Thurme der alten Nikolaikirchc die Mitternachtsstunde, und' wenige Minuten später stand das Mädchen an den: kleinen Hause neben dem Galgen, in welchcm die Gebeine dcr Verbrecher und die schauerlichen Gerätschaften, die bei den Hinrichtungen gebraucht werden, ausbewahrt lagen. Eben zog sie die Schlüssel hervor, welche ihr der Scharfrichter übergeben hatte, um die Thür zu offnen, als sie bemerkte, daß dieselbe bereits offen war. Vorsichtig trat sie ein und erblickte bei dem hellen Mondscheine sosort an der ihr bezeichneten Stelle die wildledernen Handschuhe des Henkers. Gleichzeitig entdeckte sie aber auch verschiedene Kisten und Ballen, und auf einem Holzschemel stand sogar ein kleiner offener Kasten
mit Pretiosen und Schmucksachen. Kein Zweisel, an diesem unheimlichen Orte, wo keine Entdeckung zu befürchten war, hatte eine Diebsbande ihre Niederlage aufgeschlagen, und die Räuber konnten jeden Augenblick kommen, um noch wäh rend der Nacht ihre Beute in Sicherheit zubringen. Im Begriffe, sich eiligst zurückzuziehen, hörte die Kellnerin ein Scharren hinter dem Hause, und als sie vorsichtig nachsah, erblickte sie einen Schimmel angebunden, der ebenfalls mit einem gefüllten Sacke beladen war. Von Angst getrieben und selbst nicht wissend, was sie that, band das Mädchen das Pferd los, schwang sich hinaus und jagte nunmehr in höchster Eile dem Thore zu. Es war die höchste Zeit, denn hinter ihr ertönten das Pferdegetrappel und die Flüche ihrer Verfolger, die eben zurückgekehrt waren und ihre Flucht bemerkt hatten. Schweißtriefend kam der Schimmel am Thore an, daß sich in dem Augenblick hinter ihm und seiner Retterin schloß, als die Räuber nur noch wenige Schritte von ihr entfernt waren ; sie war gerettet. ' Wenige Tage darauf, an einemSonntag, während alle Hausbewohner sich in der Kirche befanden, und die Kellnerin allein das Hauswesen besorgte, erschienen zwei scingekleidete Fremde in der Weinstube und verlangten ein paar Schoppen. Kaum hatte das Mädchen sich in den Keller begeben, als sie aus den Stufen Tritte hörte; die Fremden waren ihr gefolgt und traten nun aus sie zu mit den' Worten: Damit Dir die Lust vergeht. Dich serner um geheime Dinge zu bekümmern, nimm das !" und ein blitzender Stahl in der Hand des Einen ließ über dessen Absichten keinen Zweifel. Aber in demselben Momente verlöschte die Kellnerin das Licht und es gelang ihr, an ihren Verfolgern vörbci durch die ihr bekannten Kcllerräume den Ausgang zu gewinnen. Sie warf die Thür hinter sich m's Schloß und schlug Lärm, die Räuber wurden gefangen und wenige Tage später gehängt. Zur Erinnerung an diese Begebenheit und das muthige Mädchen aber ward an dem Hause auf dem Marktplatze zu Brieg, wo sich die Weinstube befand, ein Ge-, mälde angebracht, auf welchem die Kellnerin auf dem Schimmel vom Galgen nach der Stadt fliehend dargestellt war, und darunter die Worte : Die dreistige Magd hat viel gewagt." Der Respekt der amerkanischen Rc publikaner vor den gekrönten Häuptern. Der Respekt, den die amerikanischen Republikaner früher vor den gekrönten Häuptern und sogar vor dem ganz gewöhnlichen Adel Europa's an denTag zu legen Pflegten, einRespekt, so ausgesprochener Art, daß er einemEuropäer manchmal ein Läcbeln abnöthigte, sängt in letz ter Zeit an, arg in die Brüche zu gehen, und macht manchmal bereits ausaelas-
senem Spotte Raum. So spöttelt der lunny man der New-Norker Times anläßlich der Beförderung des Fürsten Milan zur Königswürde : Dcr Hauptunterschied zwischen einem Fürsten und einem Könige ist bekanntlich der, daßErsterer einem Helm, letzterer eine Kröne trägt. So eineKrone mit allen modernen Verbesserungen, ist ohne Zweisel eineLanz hübsche Kopsbedeckung, nur manchmal etwas unbequem, besonders wenn sie schwer ist. Der ehlwürdige deutsche Kaiser hält so sehr auf die Rechte seines Ranges, daß er darauf be steht, seine Krone Tag und Nacht zu tragen, was seiner Gesundheit keineswegs zuträglich ist. Seine Krone ist so groß, daß sie, seit ihm die Haare ausgehen, nur ganz lose auf demKopf sitzr'und mit einem Sturmriemen unter dem Kinn sestgehalten werden muß. Das Tragen verursacht am Tage Kopswch, und wenn der alte Mann sichRachts unruhig auf semem Lager umherwirst, wird das Stoßen der Zacken förmlich gefährlich. Bismark hat ihn ermahnt, die.5?rone Nachts am BettPfosten aufzuhängen oder unter dasKopf kmen zu stecken ; aber der eigensinnige älte Mann sagt immer : Nein, Otto, es ist meine Pflicht, die Krone zutragen. und so lang ich noch einen Kopf habe. soll sie nscht herunterkommen !" Königin Vikorm hat mehrere Kronen! eine trägt sie im Winter, eine andere im Sommer; die mindest kostbare trägt sie bei Regenwetter und in den neblichen schottischen Hochlanden. Wenn sie ui's Parlament geht, wird ihr die Kroe auf einem Kissen voranaetraaen, weil das Thor so niedrig ist, das sie sich beim Durchgehen die Krone vom Kopse stoßen würde. Sonst sieht man sie nirgends ohne Krone. Aber man weiß, daß sie Nachts ohne Krone zu Bette geht. Dies thut sie, seit sie einmal mit einem Zinken der Krone ihrem Gemahl Albert beinahe ein Auge aus dem Kopse gestoßen hätte. Damals hat Viktoria einGelübde gethan stets ohne die Krone zu Bette zu gehen. und sie hat es bis heute gehalten." König Humbert verdankt viel von sei ner Popularität der flotten Manier, wie er seine Krone trägt, etwas schief auf dem Kopfe, wie ein Cereviskäppchcn. Er ist dabei so galant, daß, wenn er einerDame begegnet, er stets die Krone abzieht und damit falutlrt. Bei Bällen und in Ge sellschasten behält er die Krone nicht wie andere Könige auf dem Kopf, sondern er nimmt sie unter den Arm, und weun er rncdersikt, legt er sie auf die Knie. Die italienischeKrone ist bekanntlich ausG tß eisen gemacht und jede Nacht stellt der jeonlg sie neben seine Stiefel vor die Thür, damit der Hausknecht sie blank macht. Sobald die italienischen Finan zen es erlauben, sollte Geld bewilligt werden, um sie mit Nickel platiren zu lauen, damit die Muhe und die Koste: des täglichen Puhens erspart werden u. . w." . Dcr sirnnyinan" der Times" wird wohl thun, uch nächsten Sommer Ulch in Europa blicken zu lassen, sonst konnte er wegen allgemeiner Königs- und Für sten-Belcidigung prozcssirt und cinge steckt werden. m o Ein Hausknecht in einem Hotel zu Dallas, Tex., schleppte inngi ein eben vor dem Hause abgeladenes Piano (natürlich verpackt) im Dunkeln drei Treppen hoch hinauf. Er hatte das Collo für den Musterkosser eines Böstoner Drummer" gehalten.
Ein Wettkampf edler Herzen.
Aus Monaco wird unter dem 5. d.M. geschrieben: Sie trug ein blüthenweißes Häubchen auf dem graziösen Blondköpfchen, zeigte uch des Morgens ab und zu am geöffneten Fenster und winkte mit einem größeren Leinwandaewebe einer maginären Person. Er war ein schnellüßigcr, schwarzlockiger und blasser junger Mann, der, ein schwarzes Päckchen unter dem Arme, jeden Morgen amHause vorbeieilte. Sie sahen und liebten einander. Ihre Herrschast (sie war Stu benmädchen) fuhr an schönen Nachmitta gen aus's Land, er machte sich dann in einem Laden (er war Friseur) frei und Beide schwelgten in ungetrübtem Glücke und im vaufe ihrer Dlenuaeber. Bei olcker Gelegenheit wollte sie einst die Honneurs des Hauses in einer desWohltandes. ihrer 5)errschaft würdigen Weife machen und eilte in die Nachbarschaft, um die Elemente einer kopiosen Mahlzeit zu erstehen. Er vertrieb sich die ihm eine leine Ewigkeit dünkende Viertelstunde der Abwesenheit seiner Geliebten, indem er mit Zuhilfenahme fernes Brenneisens die der Herrschast gehörigen Schränke rno Kommoden aufsprengte und. deren Inhalt mit großer Sorgfalt untersuchte. Eine unter Anderem in feine Hände gerathene Brieftasche, welche einen Betrag von 40,000 Francs in Baarem enthielt, glaubte er als Erinnerung an den denkwürdigen Augenblick seines Alleinseins uabehalten zu müssen. Als der Sonnenball am zweitnächsten Morgen über die sanftgewellten Hügel--etten von Ferrara sich erhob, spiegelte er sich in den Fenstern einer rasch dahinrollenden Postkutsche, in derenPolster ich em elegantes Pärchen dehnte und 'treckte : Er und sie. . Wochen verschwanden. Die Beiden durchzogen die blühenden Gesilde der Romagna, entzückten sich am herrlichen Landschastsbild von Neapel; in ihr stiles Glück nel auch nicht der Schatten eines Gendarmen. Mittlerweile schmolen die güldenen Frankcnstücke m seiner Börse zusehends und eines regnerischen Tages mußte er ihr das Gestandniß machen, daß das Reisevermögen nunmehr noch in einem einzigen Napoleonsd'or bestehe. Die unerquickliche Scene spielte ich in emem Cafe von Monaco ab. Am Nebentische hatte unterdessen ein unchemoar gekleideter Fünfziger aus der Brusttasche seines hochgeknöpsten Rockes eine schwarzlederne Brieftasche und daraus ein längliches Papier gezogen, das er fleißig zu studiren schien. Nach einer Welle klopfte er ihm und ihr freundchaftllch auf die Schultern und bald standen er und sie in einem mit mehreren Schreibtischen ausgestatteten Gemach vor emem hart aussehenden Herrn. Nachdem die Personalien aufgenommen worden waren, entwickelte sich folgender schöne Wettkampf: Richter: Haben Sie den Dieostahl begangen oder Ihre Geliebte? Er : Ich, Herr Richter ! Sie :. Nein ich, Herr Richter. Er : Im wiederhole, dan ich es war. Sie : Ich versichere den Herrn Rich ter, ich bin die Schuldige ! Er : Sie sagt es lediglich, um mich zu retten ! Glauben Sie ihr mcht, Mon sieur. Ueberdies stehe ich nicht zum er sten Male vor Gericht. Ich bin kein Neuling in diesen Dingen und war zu wiederholten Malen ähnlicher Angele genheiten halber im Gefängniß. Sechs Jahre wegen Wechselsanchung und drei zehn Monate wegen Einbruchs. Sie fehen also, Monsieur, daß ich den Dieb stahl begangen habe. Sie : Oho : Das wäre mir em sau berer Grund ! Auch ich bin schon zwei mal emgesperrt gewesen ! Ich bin 'die Schuldige, Herr Richter ! Mich müssen Sie bestrafen ! Der Richte? ist zwar von diesem erhebenden Wettkampf zweier edlen Seelen tief gerührt, verurtheilt jedoch ihn zu drei, s i e zu zwei Jahren schweren Ker kers. Wo liegt die Welt? Erdkunde lehrt uns, Kinder, wissen. Wo jeder Ort der Erde liegt, Und welchem Herrn er gehört. Ob Kaiser Joseph ihn besitzt. Ob König Friedrich." So doclrte Elnjt em ergrauter Veteran, Ein Held von Torgau und von Leuthen, er hoch zu Roß emst als Husar Den Säbel schwan, ein kühner Reiter, Wenn's nach dem Feind zu spähen galt. Und jetzt schwang er m alten Tagen Den Baculus und schlug die Jungen Wie mit dem Säbel sonst Panduren. Es war m dieser Stunde just. Als unerwartet, wie er's liebte. Der alte Fritz in's Zimmer trat. Er weilte auf dem nahen Schloß, Wo von dem ungeprüsten Lehrer, Der ordnungswidrig Weisheit lehre. Erzählt ihm ward ; er wollte selbst Dem Alten jetzt das Handwerk legen. Der Schnauzbart machte Rechtsum Front Vor'm Konig wie in sonstigen Tagen. Der winkt ihm aber fortzufahren ; Der alte Geograph gehorcht : Wo liegt denn unser Dorf? Du, Mi&ar ' In Preußen liegt's"", antwortet der. Und Preußen liegt? In Deutsch land liegt's."" Und Deutschland?" In Europa liegt's."" Doch woEuropa ?" Aus der Erde."" Und wo dieErde ?" In der Welt" Doch wo die Welt ?" fragt jetzt der König, er ihn verlegen machen will. .. In Gottes Hand !"" vergeht ber Knabe. Da drückte Fritz die Hand dem Alten, Und tte ihn ruhig des Schulamts walten. Die sinnigsten Maskenballe waren während der letzten Saison in Paris die von Madame Guichard arrangirten. Auf dem ersten erschienen die Damen als Weinstöcke, Erdbeer-, Him beer-, Johannisbeer-, Stachelbeer- usw. Büsche, die Herren als Aepsel-, Birnbergt. Bäume, aus dem letzten die Damen als Küchengewächse, die Herrin als Getreidearten.
VSöthe'ö freudvoll und Leidvoll"
auf der Völkerwanderung. Im Magazin für Literatur zc." macht Herr G. Weißstein auf ein Schriftchen aufmerksam, das semer Zelt nur fuc Freunde alsManuscript gedruckt worden ist. Freudvoll und Leidvoll. Polyglot tischer Versuch von Joh. Friedr. Heinr. Schlosser", ist der Titel und die Wid mung geht anGöthe's Suleika" : Frau Geheimräthin von Willemer huldigend zu Füßen gelegt." Die gelungensten der zwölf Übertragungen sind die folgen den: Deutsch: Freudvoll und leidvoll. Gedankenvoll sein. Langen und bangen In schwebender Pein, Himmlhoch jauchzen. Zum Tode betrübt. Glücklich allein Ist die Seele, die liebt. Holländisch: "Vreul-vo1 En leedvol Gedachten-vol zyn : Streeven En beeven In zweevende pyn : Ileinel-lioog j iicliend Tot der dood tee bezwaart : Gelnkldg alleen is Ilet minne-zick hart. Englisch: Cheerful And tearsul Lost in miising to be: Füll of anguish ' To languish In sad revery : . Ileav'n high exulting Unto death sunk in smart : Happy alone is The love-breathingheart. Schwedisch: Froejdeiull Och sorgfull j tanken nedsaenkt: Langta Och baefva Af aengstan om traengt : Himmelshoeg upstigande, Intill doeden i smaerta : Lycksam endast aer Et aelskande hjerta. Doch nicht nur die blutsverwandten germanischen Uebertragungen haben den Charakter des Göthe'schen Liebesseufzers trefflich wiedergegeben, auch die in der Konstruktion strengeren romanischen Sprachen ind ihm gerecht geworden. Französisch. Toyeuse Et soucieuse En reves plongee : Languissante Et trernblante De crainte agitee : jusqu'au ciel s'elanante, Abattue a Pextreme : Bonheur ne connait Que Pame qui aime. Im Italienischen klingt e noch weieher : (jiqjosa E docrliosa Srnarrita in pensar : .Lanjmente E gernente In iin rnesto soenar : Ein al ciel innalzata, Sevenuta di angor : Sol l'alnia o beata die e vinla d'arnor. Endlich klingt auch die lateinische Uebersetzung ganz gut nur empfindet man den durchgeführten Reun als eine hier wohl nöthige, aber unrichtige Spie lerei : kaetabunda Gernebunda, Sese exerucians : Ardore Et angore Agitata, vagans : In coelos elata Ad irna nutans : Sola anima est beata Amore flagrans. Die Krone dieser. Uebrrfetzungen ge bührt jedoch der Spanischen : Cozosa . Y doliosa, Absorta en pensar : Anlielante Y temblante En triste soüar : Ilasto el ciel arrobada, Anegada en dolor: Solo el alma es dichosa Quien arde en amor. Außer den mitgetheilten enthalt das Hestchen noch eine plattdeutsche, portugiesische, polnische und altgriechische Nachdichtung der Göthe'schen Verse. Das Wölklein. Idylle. Hans Knops und Jakob Spitz, zwei der gescheidtesten Bauern von Felding, und gescheidte giebt's dort mehr, als so ein naseweiser Städter glaubt, also Jakob Spitz und Hans Knopf standen eines schonen Nachmittags im wunderschönen Monate Mai an dem Saume ihrer Felder, mit Aufmerksamkeit das Wachsen der Saaten betrachtend. Steht nit übel !" meinte Haus Knopf. Ja, wenn's Wetterso bleibt !" sprach Spitz Jakob. 's Wetter ? ha " brummte Knopf Hans. Ja, ja, 's Wetter!" summste Jakob Spitz. Und Plötzlich schauten die veloenÄauerleins hinauf zum Hammel, der ganz rein und blau ihnen entgegen lachte, mit Ausnähme eines kleinen Wölkleins am öftlichen Horizont. Siehst Du dos Wölkl dort?" frug nach einiger Zeit Jakob Spitz, mächtige Knastcrwolken aus seiner hölzernenPseise hervorblasend. . Dös Wölkl? ja, dös sieh' i sreili !" entgegnete nach einigen Minuten Knops yans, lndem er aus semer ledernen Ho sentasche eine mächtige Dose hervorzog und schön gemächlich eine gewaltige Prise
der noch gewaltigeren Nase zuführte.
Nun, g'faUt's Dir?" meinte Svik Jakob. Warum soll's mir mt g'fall'n Y ant wortete Hans Knopf. Und w eder entstand eine langerePause zwischen den edlen Landmänncrn, welche mit aufmerksam n Blicken das ferne Wölkchen betracheten . Endlich brach Jakob Spitz, der sich für den Gescheidteren hielt, das Schweigen, und begann : Ja, dös Wölkl V Was ist's mit dem Wölkl V frug jetzt neugierig Hans Knopf, den es bereits verdrossen, dch Spitz zuerst sich .erlaubte zu sprechen. Mit dem Wölkl ist's nicht richti !" gab ganz kaltblütig Spitz Jakob zur Antwort. Und warum ist's nicht richti ?" Warum? Darum! Denn sieh' dos Wölkl, so klein 's is, kann größer werden, und wird größer und alleweil größer, und plötzlich wird's eine große schwarze Wolke, und nachher kommt. der Wind. und dann donnert's und blitzt's, und zuletzt hagelt's und schlagt Alles in Grund und Boden, und dann haben wir die Theuerung und Noth Und nach dieiem Anlauf crichöpft. schwieg dcr edle Spitz Jakob und blickte stolz auf feinen Nachbar. Hans Knopf aber fing aus vollem Halse zu lachen an und stammelte mühselig die inhaltsschwer ren Worte: Jakob, Jakob, Du bist a'win nit im Hagelversicherungs'Bereine!" Und nachdem er sich mühselig gesammelt hatte, begann nun er die weisheitsschwangere Rede : Dummer Kerl ! fürchtet der dös Wölkl! und mi freut's! warum? darum ! Denn des Wölkle wird a Wolken. die Wolken regnet und erfrifcht die Saat, nachher wachst's prächtig,und wir kriegen die schönste Ernte und die wohlfeilsten Zeiten ! Dös sag' i " Und ich ag'. Du bist a E el!" Hohnlächelte nun Jakob Spitz, um sich für vornhin zu rächen. Was wett'st?-. schrie jetzt wüthend Hans Knopf. Da setz' i doch gleich hundert Thaler gegen ein, daß i Recht hab' !" 's gilt !" rief Jakob Spitz, der die hundert Thaler schon in den Gedanken einstrich. Da wär' i a Narr!" meinte nun plötzlich Knopf Hans ; wenn man wettet, so wettet jeder gleich !" Ist mir auch recht !" brummte jetzt verdrießlich Jakob Spitz; 's gilt e Maß!" Topp, eing'schlagen " Und sie legten krästigen Schlages Hand in Hand, worauf nun Beide ihre Augen wieder zum Himmel wendeten, aber umsonst suchten sie das Wölklein. Es war während ihres Streites verschwunden. - Familientragödie. D er äußerst jugendliche John Diver in New Dork liebte die ebenso jugendliche Mary Brennan das. leidenschaftlich. Er machte ihr an jedem Abend im Parlor ihrer väterlichen Wohnung die Eur, und hierbei wurden sehr viele Kohlen verbrannt. Das 'merkte der alte Brennan und schritt am vorigen Sonntag mit einem spanisehen Rohr bewaffnet zu dem im Parlor zärtlich nebeneinander sitzenden Liebespaare. Mr. Diver," sagte er erregt, Sie lieben meine Tochter?" Ja, mehr als ich aussprechen kann." Sie haben meine Tochter den ganzen Winter geliebt, und dabei eine Tonne Kohlen extra verbrannt. Nun habe ich ein Ultimatum zu stellen, entweder Sie heirathen meine Tochter nächsten Sonntag, oder Sie bezahlen mir die ExtraTonne Kohlen." Diver betheuerte, daß er noch zu jung sei, noch nicht heirathen könne, usw. Auch gut rief Brennan, daraus mache ich mir nicht viel, aber rneine Kohlen will ich bezahlt haben. Donnerwet ter, glauben Sie denn, man kann meine Kohlen verbrennen und. auch noch meine Tochter ausschlagen." Diver aber refüsirte die Bezahlung der Kohlen. Da ergriff Brennan den kleinen Liebhaber, ein Kerlchen von 4 Fuß, zog ihn nelens vo1en8 über das Knie und spielte mit dem spanischen Rohr Schulmeister aus's Hinterleder, trotzdem daß Fräulein Mary mit Weinen und Weheklagen um Gnade bat und sogar einmal ihre kleine Hand schützend auf den Theil ihres Geliebten legte,.welchen d Vater eben bearbeitete, sie aber schnell wieder zurückzog, als der Vater immer fort hieb. Dann warf Brennan den Diver vor die Thür. EinsonderbaresJnserat. Eine junge, hübsche und reiche Wittwe, die in Paris lebt, hatte vor Kurzem den barocken Einfall, sich in einem Heiraihsbureau unter falschem Namen als reiche, aber blinde Heirathskandidatin eintragen zu lassen. Die Zahl der ihr Herz und Hand anbietenden Herren war Legion. Die Wittwe hatte vollauf Gelegenheit, die interessantesten Beobachtungen zu machen, als der Direktor des Etablissements sie mit den Bewerbern zusammenbrachte. Die Herren, welche die Dame sür blind hielten, ließen sich in ihrer Gegenwart vollständig gehen; manche kamen in zerlumptem Zustande, andere legten sich mit den Stiefeln aufs Sopha, alle aber sprachen sehr gewählt und zärtlich. Die Wi'twe war jedoch genöthigt, dem phantzstischcn Scherze ein Ende z;u machen, al, einer der dan didaten in seiner zarten Licbcswi'cbnng so weit ging, seine Hände in urz Tasche zu versenken. Was ein verschrobenes Parier Wlttwcnköpfchcn doch sür Einfälle Izat! Der Pinsel alii Näüer. Wie iti ihcnnqc Blätter anläßlich dcr Assairc Dumas-Jacquet cr;äh!cn, war Stichel Ang?lo, dcr zuerst seinem Zorn in einem .-maloe Ausdruck gab. Ein Cardinal hatte den großen Mler bclcidiIt, und Michel Angelo brachte dessen GesichtZzuge in sein Jüngstes Gericht", welches sich in der Sixtinischcn Capclle zu Rom befindet. Der Cardinal schwachtet in der Hölle, er trägt dieOhrcn eincö Esels und eine Schlange umwindet seine Füße. Der Cardinal beklagte sich beim Papste Johann II. über die Frechheit des Malers, und dieser antwortete : .Hätte dich M'chel Angelo ins Fegeseuer gesetzt,so hatte ich dich herausgezogen, m der Hölle aber habe ich keine Macht."
Eine Kaffeegesellschaft. . Eine Amerikanerin aus San Fran "sco, die sich gegenwärtig in Dresden aushalt, um ihre Töchter, deren Auöbildung daselbst vollendet wird,zu besuchen, schildert den Eindruck, den das Leben in der sachsilchen Hauptstadt auf sie machte, m emem Bnefe an ihren Gatten, der in dem .San Francisco Argonaut" ver önentllcht wird. EinAbschnitt desselben beschreibt emen Sonntag . Nachmittag ""d lest sich für jeden, der das Leben in Deutschland kennt, so anheimelnd, daß es uns mcht versagen können, den selben den Lesern mitzutheilen. "Gestern Sonntag Nachmittag war ich von der Familie Werner, in der Mary viel verkehrt,zu.einer TasseKaffee" eingeladen. Bei meinem Eintritt in die geräumige .gute Stube" fand ich be reii3 eine große Anzahl von Damen verzchiedenen Alters versammelt. Sie hatten an einem großen, länglich runden gliche, der mit schneeweißem Damast betJ? Ltm reiches Service auv Mcipen'cr Porcellan prangte, Platz genommen. Alle Damen waren mit emer leichter Handarbeit beschäftigt, die , lungeren mchrfach'mlt sehr künstlichen Stickereien, die älteren mit Stricken. Während der lebhaften Unterhaltung vtt&iit s.: cnw-- . , . . '
uy4tii uic -'iuucin;t aucy Nicut,eincn Augenblick, und nur,"wenn',diesehr umfangreiche Kaffeekanne, was oft geschah, dle Nundc machte, und man dem Kassee und dem wohlschmeckenden Gebäck zu sprach, feierten. di: ginger,, verstummte die Unterhaltung. Die letztere artete mitunter in eine Art Geschnatter cliatter aus. aber trotzdem drehte sich das Gespräch fast ausnahmslos um so interessante Gegen stände, daß ich heimlich im Herzen, durchaus nicht stolz war, wenn ich dieselbe mit den Unterhaltungen verglich, welche die Ladies bei uns zu führen gewohnt sind. Ich hatte meine Besuche der Dresdener Bildcr-Gallerie erwähnt und fand bei Jung und Alt eine solcheKennt niß und solches Verständniß dcr Herrlichen Meisterwerke, daß ich staunte. Dasselbe war der Fall, wenn von Muik oder Erzeugnissen der Literatur die Rede war. Stricken die amerikanischen Damen nicht V fragte mich eine liebenswürdige, ältere Dame, deren fleißigen Fingern ich etwas auffallend gefolgt war. ' Nicht am Sonntag," lautete meine Antwort. Nicht am Sonntag ! " riefen alle. wie aus einem Munde .und warum, nicht?" Die Nadeln ruhten und aller Augen hingen an meinen Lippen. ' Ich verstehe ganz gut deutsch, aber das Sprechen wird mir noch schwer; ich begnügte mich daher mit der Antwort : Man würde das für eine Sünde halten." Die Leute sind alle so liebenswürdig zu mir, aber bei dieserAntwort schienen sie ihre Ueberraschung nicht verbergen zu können. Am Sonntage stricken, oder häkeln, oder sticken eine Sünde .'".Unmöglich, un glaublich 'Mit seinen Freunden zu sammensitzen, plaudern und eine liebe und leichte Arbeit, die. zur Gewohnheit geworden, verrichten, ein Unrecht!" Sie scherzen." .Sie machen uns etwas weiß," so schwirrte es durcheinander. Die gute Frau Warner .kam .mir zu Hülfe, indem sie bemerkte, daß es ja be kannt sei, daß viele Amerikaner es sür ein Unrecht halten, am Sonntage eine Gesellschaft zu besuchen, und sich mit irgend etwas außer mit frommen Büchern zu beschäftigen, aber nicht alle Amerika nerinnen seien so .schrecklich sromm." Die Unterhaltung kam bald wieder in Fluß. Am Abend stellten sich. Herren ein, die Männer der anwesenden Damen und sonstige Freunde der Familie ; es wurde musicirt, ein aus kalten Speisen bestehendes, sehr schmackhaftes Abend brod, sowie Wein und Bier servirt, und die Stunden bis zum Ausbruche vcrgin gen wie im Fluge. Ich kann mich kaum erinnern, ähnlich genußreiche Stunden schon in Gesellschaft, verlebt, einen Kreis von Menschen durch so einsache Mittel froh und glücklich gesehen zu. haben. Freilich kam dazu, daß Mary am Abend ein paar Vortrage auf deml?lavicre zum besten gab und von allen Seiten mit herzlichen Glückwünschen überschüttet wurde ; das Kind hat wirklich erstaun liche Fortschritte gemacht, und Du wirst Dich wohl entschließen müssen. Deinem Liebling die Erlaubniß zu noch einem Jahr Aufenthalt in Dresden zu erthei len." Bei ei ner kürzlich in P o riS abgehaltenen Vc?steigt.rung von Au tographen brachten Voltaire's Testament (in Ferney im Jahre 1760 rn'edcrgeschrie ben) $1000, sechs Schriftstücke, die sich auf die Hinrichtung Louis XVI. beziehen, $400, ein BriefBoltaire's an Rous scau $200. ein Brief Louis XIV. an Philipp V., dieselbe Summe, , aber ein Brief de: Maintenon $2100. ' ., S ehr natürlich. Ein Schulrath findet in einer engen Passage feine Equipage durch den' Kar ren eines vierschrötigen Bauers aufge halten, den weder Bitten noch Drohun gen seines Kutschers bewegen können, auszuweichen. . Aergerlich rust ihm dcr Schulrath ' zu : Guter Frcund, Ihr schnnt mir auch besser genährt,, als un tcrrichtct zu sau." Ja, sZ'ann's, ernähren thun ma uns selber, als r unterricht't wer'n na halt von Ihnen ist dessen Antwort. cues Amt. ' ; Herr, ich bi?te Jh::en meine Dienste an, wenn Sie m'ch zum öigairouprobi ren engagiren wolllen.' 'Ich cine gute Brust und kann-jornitauch die stärksten Havanna) veitragiN. Da die Cigarren ost nicht' gleich sind," so. lasse ich mich auch herbei, von einer' Sorte meh rere Stück zu rauchen." ' . ' r', nf Kindlicher Wils.'ch?? Papa: .Wenn nun nächstens der Storch kommt. Ueber Rudolf, rn8 willst Du, ein Brüderchen odkl' ein .Schme sterchen?" - Söhnchen : Wenn!s Dir ezil ist. Iie der Papa, so hätte ich doch am liebsten, ein Schaukelpferd."
