Indiana Tribüne, Volume 4, Number 193, Indianapolis, Marion County, 26 March 1882 — Page 2

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tlom Adel.

EijZhlung von Friedrich Friedrich. (5. Fortsetzung.) . Der Kommissär wandte seine ganze Ausmerksamkeit dem Pistol zu, welches geladen war. Der Grünspan, welcher sich an dem Zündhütchen angesetzt hatte, verrieth, daß dasselbe nicht erst vor kurzer Zeit ausgesetzt war. Auch der Rost, welcher sich innerhalb des Laufes gebildet, zeigte, daß seit Tagen kein Schuß aus demselben abgefeuert sein konnte. Er paßte die Kugel, mit welcher der Gutsbescher erschossen war, in den Lauf, dieselbe war zu klein, und glitt ganz locker in demselben hinab. Die Ueberzeugung-gcwann er, daß Malten mit diesem Pistol nicht erschossen war. Er durchsuchte den kleinen Koffer, wclchcr neben dem Lager stand, derselbe enthielt nichts Verdächtiges. Das Pistol mit sich nehmend, verließ er das Haus und kehrte, da der Staatsanwalt bereits vorausgeeilt war, zur Stadt zurück, nachdem er den Befehl ertheilt, die Verhafteten gleichfalls dorthin zu bringen. . , Er befand sich am folgenden Morgen noch in seiner Wohnung, als der Freiherr v. Mannstein bei ihm eintrat. Das Gcsicht des kleinen Herrn war bleich, zeigte aber ein: ruhige Festigkeit, wie das eines Mannes, der einen Entschluß nach schwcrem Kampfe gefaßt hat, nun aber auch unerschütterlich fest an demselben hält. Ich komme, um eine Frage an Sie zu richten," sprach der alte Herr, und wenn es sich mit Ihrer Absicht vereinen läßt, dann richte ich die Bitte an Sie, mir ganz offen zu antworten." .. Ich werde es thun", versicherte Pitt. Sie haben gestern mehrere Arbeiter verhaftet," fuhr der Freiherr fort. Liegen Beweise vor, daß dieselben meinen Freund, den Herrn von Malten, ermordet haben?" Ich habe noch Eins Ihnen zusagen vergessen," fügte der Freiherr hinzu. Mit meinem Ehrenworte bürge ich, daß ich über das, was Sie mir mittheilen, schweigen werde, gegen Jeden !" Es hat sich der Verdacht auf sie gelenkt, die Beweise, welche jedoch bis jetzt vorliegen, dürften nicht ausreichend sein," gab Pitt zur Antwort. Dem Freiherr schienen diese Worte nicht zu genügen. Einen Augenblick lang erwog er sie, dann fuhr er fort : Bitte, sprechen Sie ganz offen gegen mich, Sie dürfen es. Halten Sie die Arbeiter für die Mörder?" . Nein erwiderte der Kommissär ruhig.. Ich bin sogar fest von der Unschuld derselben überzeugt." Der kleine Herr stand ruhig da, und doch schienen seine Hände leise zu zittern. Seine fest auseinander gepreßten Lippen verriethen, daß es in seinem Innern nicht so ruhig war. Ich danke Ihnen," sprach er dann. Hegen Sie gegen irgend Jemand Vcrdacht?" Noch nicht. Ich kannte die Verhält nisse des Todten zu wenig und wollte deshalb heute zu seinem Gute fahren, in der Hoffnung, von seiner Gattm Näheres zu erfahren." Thun Sle es nicht," siel der Freiherr w w -wy . t , c w em, yaven tote ujciticio nm oer unglücklichen Frau! Ich habe gestern einen schweren, schweren Tag durchlebt, wie ä) einen zweiten wohl nicht ertragen würde. Malten's Frau und Tochter kamen zu mir, um den Todten zu sehen. ich wollte sie zurückhalten, es gelang mir nicht. Ich begleitete sie und war Zeuge eines so verzweiflungsvollcn Schmerzes, wie ich denselben nicht für möglich gehalten. Ich bin nicht schwach und kann mich beherrschen und doch ergittere ich noch heute, wenn ich daran denke. Schonen Sie die beiden Unglücklichen, welche das Geschehene noch nicht zu fassen vermögen !" Der Freiherr entfernte sich. Der Kommissär blieb in seinem Zimmer zurück und schritt in demselben langsam auf und ab. Es war etwas Räthselhaftes in dem Wesen des kleinen Herrn, welches er nicht begriff. Es drängte sich in ihm die Ueberzeugung auf, daß er den Thäter kannte und den Namen deffelben nicht zu nennen wagte. Sollte Malten durch ngend em Versehen erschossen semk Er überdachte alle Möglichkeiten, ohne eine einziae zu finden, welche die geringste Wahrscheinlichkeit für sich hatte. - Langsam schritt währenddem der FreiHerr über die Straße hin. Bekannte begegneten ihm und grüßten ihn, er bemerkte sie nicht. Sein Gesicht verrieth Schmerz und Trauer. In fast allen Lebenslagen hatte er den Kopf fest und aufreckt getragen, wett er wunte, öan er das ertragen werde, was er einmal ertra gen mußte, jetzt war sein Kopf etwas geneiat und nickt etwa das Alter trug die Schuld daran. Er schritt zu dem Hause des Rechts anwalts und Notars Heller, mit dem er seit langen Jahren m Verbindung stand und der ihm in allen schwierigen vccchts fragen Beistand gewesen war. -!Jch habe von dem Verbrechen gchörs. welches :n Ihrem Hause geschehen ist, sprach er: 'Lassen Sie, nicht deshalb bin ich zu Ihnen gekommen," fugte er hinzu. Sie sind mir schon einmal behilflich gewesen, mein Testament aufzusetzen, ich muß Jhren Beistand zu demselben Zwecke noch einmal in Anipruch nehmen. . Sie wissen, daß Sie jeder Zeit über mic) vcnugcn rönnen, cnigcgncie ocr Notar. Wünschen Sie noch einen Zusah zu den Bestimmungen Ihres Tcstamcutcs zu machen ? 'Der Freiherr schüttelte ablehnend mit dem Kopse. ..:vni iverve incin -Lc iumuu, iukiuic! n, , t . c-. ri. ....... l. ... ,u..3 v ' - - - . . ' . . . . ' ..

bY rHciiipta-bc einsetzen ?" warf Heller er- ' (tonnt ein.

i .'. Nein. Bitte, wollen Sie meine Bestimmun.en aussetzen, daß ich meinenNeffen,'den Sohn meiner Schwester, den Baron Alexander von Seldih, von der Theilnabme an meinem Erbe ausschließe, ban ich ihn enterbe, und dan mein gesammtes Vermögen, wenn ich nicht noch andere Bestimmungen treffe, anderen entsernten Verwandten und Rechtsnachfolgern zur gleichmäßigen Theilung anheim-

füllt. Das Gericht hat die Ansprüche und Nachweise der Verwandtschaft zu prüfen und die Verkeilung vorzunehmen. Wer ein Jahr nach der Bekanntmachung meines Todes seine Ansprüche nicht, angemeldet hat, ist nicht mehr zu berücksichtigen." Der Notar, welcher sich an . einem Schreibtisch niedergelassen nnd die Feder bereits in die Hand genommen hatte, ließ den Arm unwillkürlich sinken und blickte den Freiherrn erschreckt an. Unmöglich !" rief er. Das kann nicht Ihr Ernst sein ! Sie selbst haben mir mitgetheilt, daß Ihr Neffe kein Vermögen besitzt, daß er ohne Sie gänzlich Mittellos dastehen würde ! Es ist mein Ernst," versicherte der alte Herr. . Haben Sie sich mit Ihrem Neffen verfeindet?" warf Heller ein, der sich diese Frage erlauben durste, da er in alle VerHältnisse des Freiherrn eingeweiht war. Der Notar kam dem Verlangen nach. Der Freiherr schritt während dieser Zeit

langsam in dem Zimmer auf und ab. Als das Testament aufgesetzt war, durchlas er dasselbe mit der größten Sorgfalt und unterschrieb es mit fester Hand. Bitte, nun begleiten Sie mich noch zum Gerichte, damit ich dieses Testament deponire und das frühere mir zurückgeben lasse und vernichte" sprach er. Heller begleitete ihn. Es war ihm die Bestimmung des Freiherr ein 3!äthsel und doch mochte er nicht zum zweiten Male fragen, da ihn der kleine Herr gegen seine Gewohnheit ziemlich kurz abgewiesen hatte. Als Mannstem sein früheres Testament auf dem Gerichte zurückerhalten hatte, zerriß er dasielbc ungeöffnet in mehrere Theile und steckte dieselben dann in die nasche. Auf dem Gute des Herrn v. Malten herrschte tiefe Trauer. Sowohl Frau v. Malten wie Emmy konnten das Geschehene noch immer nicht fassen und alle Trostesworte waren bei ihnen vergebens. Sie hatten den Todten zn innig geliebt, als daß sie seinen Verlust so schnell hätten überwinden können. Wohin sie blickten, fehlte er ihnen, es war, als ob ihrem Leben das Licht genommen wäre und sie nun emer Zukunft entgegen gingen, wel che durch keinen freundlichen Lichtfchimmer mehr erhellt werden könne. Malten hatte em Testament hinterlassen und in demselben Mannstein für den Fall seines Todes zum Vormunde seiner Tochter bestimmt ; der Freiherr hatte diese Pflicht gern übernommen und bewährte sich jetzt als wahrer Freund. Tag für Tag war er bei den Tiefbetrubten und bot Alles auf, um sie zu beruhigen. Es trat eme Gemuthsielte bei ihm hervor. welche früher Niemand bei ihm bemerkt hatte. Wenn er Emmy allein und traurlg dasitzen sah, trat er zu chr, strich ihr über das lockige Haar bin. oder brachte ihr eine Blume. Sein Herz erzitterte. wenn er sie weinen sah, und die zartlichsten Worte bot er auf, um sie zu be ruhigen. ' Er hatte die Beerdigung des Todten besorgt und nahm sich der Leitung des Gutes mit der größten Sorgfalt an. Sein eigenes Gut schien er ganz darüber zu vergessen und als ihn Frau v. Malten daran erinnerte, wehrte er die Mahnung ab. Lassen Sie nur," sprach er. Ich weiß doch am besten, wie Malten es liebte, und ganz in seinem Geiste soll das Gut weiter geführt werden. Mag meine eigene Wirthschaft jetzt auch etwas zurückgehen, n n V . t ti jieye auem oa uno meine rven veiommen ohnehin bereits mehr, als sie verdienen. Der Baron v. Selditz war schon am zweiten Tage nach Malten's Tode zum Gute gekommen, um seine innigste Theil nähme zu versichern und seine Unterstützung anzubieten. Er hatte so aufrichtig gesprochen, daß seine Theilnahme der tief gebeugten Frau wirklich einigen Trost gewährt hatte. Der Wunsch ihres Galten, daß Selditz Emmy heirathen möge, war ihr bekannt gewesen und erschien ihr jetzt wie ein heiliges Vermächtniß, zu dessen Erfüllung sie Alles aufbieten müsse. Zwar war das Herz ihrer Tochter so sehr vom Schmerze erfüllt, als daß irgend eine andere Empsindung darin hätte aufkeimen können. dennoch hatte sie dem Baron Nicht verhehlt, daß sein Besuch ihr angenehm sein weröe. Selditz kam öfter und war es Zufall oder Avncyt, er traf Nie mit dem FreiHerrn zusammen. Er entwickelte eine solche zarte Vlusmerksamkelt und em so sinmges und mitfühlendes Eingehen auf Emmys Schmerz, daß er in dem Herzen derselben immer meyr vtaum gewann. Als Frau v: Matten ihm von der auf opfernden Freundschaft des Freiherrn er zählte, glitt ein leichte?, 'ruhiges Lächeln " r s? r v i w - uoer iein ue irni ym. Mcrn Onkel ist cm schwer zu beqrelsender und wunderlicher Charakter", entgegnete er. Er hat sehr viele qnte Seiten und kann, wenn es einem Freunde' zu dienen gilt, sich selbst vergessen, daneben besitzt er aber eben so viele thörichte Launen uno einen .lern en .maen mn. oan f.". ' rr" ' ' r c nichts denselben zu brechen vermag. Er kann dann sogar hart und ungerecht wer 'den. Wegen einer Geringfügigkeit grollt er mir jetzt und da ich ihn kenne, weiche ich ihm eine Zeit lang aus und mache sei nen Versuch ihn zu versöhnen, wett dies das beste Mittel ist, um ihn von seiner Laune zu yetten. Wenn Sie ihm erzaylen, daß ich jtzt öfter hierher komme, so bin ich überzeugt, daß er nicht wiederkammen würde, Sie erweisen mir deshalb einen U):en r, wenn Sie tnm gegenüber meiner gar nicht erwähnen. Man muß seiner Vorzüge wegen seine Launen stillschweigend ertragen, denn er hat sich zu lange und zu tief in dieselben hineingelebt, um sie noch abzulegen." Frau v. Tiaiwi versprach, seine Bitte zu erfüllen. Es war Seldi:,; letzt doppelt daran gelegen, Emmy's Herz "zu gewinnen. Gelang ihm dies, so trat er," da Malten todt war, bald in den Besitz von dessen Vermögen, außerdem war dies vielleicht das einzige Mittel, seinen Onkel zu versöhnen, ohne dessen Unterstützung er nicht zange leben konnte. Nur "die eine Befürchtung beunruhigte ihn, daß Mannstein seine Wette erzählen werde. Erbot deshalb Alles auf, Frau v. Malten zu einer Reise zu bewegen, um sich und Emmy zu zerstreuen.

Gnädige Frau", sprach er, als er ei nes Tages allein mit ihr im Garten saß, es ehrt sicherlich Niemand JhrenSchmerz mehr, als ich, Ihre Trauer ist eine berechtigte und doch können Sie in dersclben zu weit gehen. Es ist ein häusiger Fehler, daß man der Todten wegen die Lebenden vergißt. Sie können durch allen Schmerz und alle Thränen das Gefchchene nicht ändern, es ist deshalb eine Pflicht, welche Sie sich selbst und Ihrer Tochter schuldig sind, daß Sie sich zerstreuen." Schon der Gedanke an Zerstreuungen hat für mich jetzt etwasPeinigendes," entgegnete die betrübte Frau. Sie verstehen mich falsch", siel Selditz ein. Ich meine selbstverständlich nicht Vergnügungen, die müssen Ihnen jetzt widerstehen, ich dachte an eine Reise in eine schöne Gegend, wo Sie die Natur erhebt und zugleich stärkt." Es war seine Absicht, wenn es ihm gclang, die Frau zur Reise zu bewegen, ihr zu folgen und unterwegs Emmy seine Liebe zu gestehen. Ich kann unmöglich eher reisen, bis der Mörder meines armen Mannes ent-

deckt ist," gab Frau v. Malten zur Antwort. Ich kann nicht eher Ruhe finden, bis diese entsetzliche That gesühnt ist." Gnädige Frau, ich habe mir dieie Aufgabe gestellt, wenn müne Kräfte vielleicht auch hinler derselben zurückbleiben," sprach Seldltz. Ohne daß ich bis zetzt darüber gesprochen, habe ich Nachforschungcn angestellt, ich habe mich mit eincm Polizcibeamtcn in der Residenz in rr ii c . Aeromoung gesetzt, uno er sprach oic Ueberzeugung gegen mich aus, daß es leichter gelingen werde, den Mörder zu entdecken, wenn Sie verreist wären !" Emmy war in den Garten getreten und näherte sich ihnen, Selditz stand rasch aus und schritt ihr entgegen. Er suchte Emmy für den Gedanken einer Reise zu gewinnen und wandte es in geschickter Weise so, als obZ ihre Mutter die Reise wünsche, aber nicht denMuth habe, osfcn zu ihr darüber zu sprechen und ein solches Opfer zu bringen. Bringen Sie Ihrer Mutter dies Opfer," sprach er mit weicher, fast bitten der Stimme. Hier wird der Schmerz sie aufreiben, jeder Gegenstand erinnert ! sie an den Verlust. Ich begreife, daß Sie, so lange Sie diese Lust hier athmen, ! das schmerzlich vermissen werden, was Ihnen dieselbe so heimisch und friedlich gemacht hat. Athmen Sie die Luft des südlichen Himmels und es wird sich Jhnen ein Hauch der Beruhigung und des Friedens aufdrängen." Semen gewandten Worten gelang es. auch Emmy für den Gedanken einer Reise zu gewinnen und so oft er zum Besuche kam, drängte er dazu. Frau v. Malten mochte zedoch einen solchen Entschluß nicht fassen, ohne mit dem Freiherrn, den sie von Tag zu Tag mehr als wahren Freund kennen gelernt hatte, diese Idee zu besprechen und zu berathen. Und als er wiederkam, theilte sie ihm, während er mit ihnen im Garten, an derselben Stelle, welche MaltensLieblingsplatz gewesen war, saß, den Gedanken, der sich bei ihr schon zum Wunsche gestaltet hatte, mit. Der kleine Herr schien aus's Höchste überrascht zu sein und seine scharfen Au.u. L 1 Ca f V ! Cam 4 ßtii iiyuu iiuiiiu uuiu uuu uluu vv" Malten, bald über Emmy. Er schwieg einen Augenblick. Ist diese Idee in Ihnen selbst entstanden V fragte er dann. Ihr Neffe meint, daß eine Reise sehr beruhigend wirken werde," bemerkteEmmy. Mnn Nesse; wiederholte der rclHerr noch mehr erstaunt. Wo haben sie ihn gesprochen ?" Hier," erwiderte Emmy unbefangen. Er besucht Sie also V wandte Mannstem sich an die Gattin seines verstorbenen Freundes. Gewiß," erwiderte sie. Er hat von Anfang an uns die größte Theilnahme bewiesen. Er kommt oft und ich kann nicht leugnen, daß er mir stets willkommen ist." Sie dürfen nicht weisen, jetzt nicht," sprach er, außer Stande, seine Erregung zu verbergen. Weshalb nicht?" fragte Frau v.Maltcn. Sie zürnen Ihrem Neffen," fuhr Frau v. Malten fort, ich kenne aber auch Ihr gutes Herz und weiß, daß Sie sich mit ihm wieder versöhnen werden. Ich würde mich aufrichtig freuen, wenn es mir gelänge, Sie wieder mit ihm zu vereinen." Woher wissen Sie, daß ich ihm zürne?" fragte der alte Herr. Er hat es uns selbst gesagt." Hat er Ihnen auch gejagt, weshalb ich ihm zürne?" Nein, er fügte jedoch hinzu, daß es einer Geringfügigkeit wegen sei." Einer Geringfügigkeit wegen," wiedcrholte er mit scharser Stimme, aus der eine unversöhnliche Bitterkeit klang. So wagt er das zu nennen, was mich getrieben hat, ihn zu enterben und was eine Versöhnung zwischen ihm und mir für immer zur Unmöglichkest macht !" . Frau v. Malten und Emmy erbleichten. Was ist geschehen ?" rief die erschreckte Frau. Dem Freiherr waren die Worte über seinen Willen entschlüpft, er bereute sie schon, es war indessen zu spät, um siezurückzunchmen ; er raffte alle Kräste zusammcn, um seine Ruh: wieder zu gcwinnen. Ich werde es Ihnen erzählen, jedoch nicht heute", sprach er. Äle Verucherung kann ich Ihnen geben, daß nicht eine Geringfügigkeit mich zu dem Schritte acdränat bat. denn er ist der Sohn meiner Schwester, er stand mir am nachstcn und seit langen Jahren habe ich nur den Gedanken gekannt, daß er Alles, was ich besii;e, erbe. Nicht allein mein Haus, sondern auch mein Herz ist ihm für immer verschlossen und auch hierher nl er mcyt . . ?. ... ... s ..... :zi cvr,.....c' ....s. . uicucr loinrncii, uuiun iji ovltlulcuiU schast nicht mehr würdig !" Bester Freund, ich kann ihm dieThüre nicht weisen", rief Fran v. V!alten. Sie wissen, daß ich an Ihren Worten nicht zweifle, allein ich vermag nicht zu fassen. was zwischen Ihnen eigentlich vorgefallen ist." Ich werde dafür Sorge tragen, daß er nicht wiederkehrt, entgegnete der Frei Herr. Ah! dort kommt et !" Selditz war hinter einem nahen Ge büsche hervorgetreten und überrascht sie

hen geblieben, als er seinen Onkel erblickte, es schien ihm diese Begegnung

nicht angenehm zu sein. Der Freiherr schritt rasch aus ihn zu. Ich muß Dich ersuchen, das Gut sofort zu verlasien und nicht wieder hierher zu kommen," sprach er mit fester, ruhiger Stimme. Du scheinst ' zu vergessen, daß dies nicht Dein Gut ist und das; nnr Frau v. Malten hier zu befehlen hat ! entgegnete er mit spöttifchem Lächeln. Außerdem bin ich nicht gewöhnt, mir befehlen zu lassen und Deine Worte klangen fast wie ein Befehl." Ich glaube kaum, daß Du wagen wirst, meinem Willen entgegen zu handeln," sprach er. Du weißt, wie viel Grund Du hast, mich nicht noch mehr zu erbittern und zum Aeußersten zu treiben!" Ich werde thun, was mir gefällt," gab er zur Antwort. Ob dies Deinen Wünschen entspricht, ist mir ziemlich gleichgiltig, Du hast Dich von mir losgesagt, es würde also Thorheit sein, wenn ich Rücksichten nehmen wollte " So !"8ries der Freiherr und seine kleinen Augen schlössen sich halb. Du wagst mir noch zu trotzen !" Er trat an 'Selditz dicht heran und sprach mit leiser gedämpfter Stimme einige Worte zu ihm. .Der Baron fuhr bestürzt zurück, das Blut war aus seinen Wangen gewichen. seine Augen waren starr auf seinen Onkel gerichtet. Seine Lippen bewegten sich, als ob er antworten wollte, dennoch waren sie nicht im Stande, ein Wort hervorzubringen. Es ist eineUnwahrheit," ich verlange Beweise !" rief er endlich. Ehrloser, treibe mich nicht zum Aeußersten !" entgegnete der Freiherr erregt. Selditz eilte fort, ohne Frau v. Malten und deren Tochter zu begrüßen. Der Freiherr kehrte zu den Damen zurück, welche den Blick bange auf ihn gerichtet hielten, ohne den Muth zu besitzen, zu fragen. Ich bin Ihnen Aufklärung schuldig und werde sie Ihnen geben," sprach der Freiherr, dessen leise bebende Stimme die Heftigkeit semer Erregung verrieth. Er erzählte die Wette des Barons und deren Folgen, er theilte die Bedingung, welche er ihm gestellt hatte, und den Trotz desselben mit. Ich halte seine That sur eine ehrlose und habe ihn enterbt, weil er sich nicht entschließen konnte, dieselbe zu sühnen," fügte er hinzu. Urtheilen Sie selbst, ob ich zu hart gewesen bin V Die Frau schüttelte verneinend mit dem Kopfe. Malten wmde ebenso gehandelt haben," sprach sie. ,.3a, denn auch er hielt streng auf Ehre !" uhr der Freiherr fort. Wer in so frivoler Weife mit dem Herzen und der Liebe eines jungen Mädchens spielen kann, der der ist auch anderer Thaten fähig !" Emmy war aufgestanden und hatte sich schweigend entfernt, die Blässe ihrerWangen war Mannstein aufgefallen. Mit schmerzlicher Empfindung blickte er ihr nach: Sollte auch ihr Herz nicht mehr gleichgültig gegen Selditz sein ? Er wagte nicht- ihre Mutter darnach zu fragen, als sein Blick indessen dem der Frau v. Malten begegnete, verstanden sie sich sofort Beide, denn sie streckte ihm die Hand ent gegen. Ich danke Ihnen, daß Sie mn dies zur rechten Zeit gesagt haben, sprach sie. Es war meine Pflicht," gab der FreiHerr zur Antwort. So lange ich Emmy's Vormund bm, werde ich gegen sie handeln, als wenn ich ihr Vater wäre. Wir begegnen uns ja Beide in demstreben, ihr Glück zu begründen und ich hoffe. darin werden wir stets einig bleiben !" Er war zu Fun gekommen, ließ sich iedoch zur Rückkehr Malten's Pferd satteln und trug dem Reitknecht auf, ihn zu begleiten, um das Pferd sofort zuruckzufuhren", fugte er hinzu. Ziemlich früh am folgenden Morgen erschien der Kommissär Pitt auf dm Gute. Der Freiherr zuckte unwillkürlich zusammen als er diesen Mann erblickte, dennoch trat er ihm artig entgegen. Ich habe versprochen, Sie über den Stand der Untersuchung zu unterrichten, so weit dies meinePflicht gestattet," sprach Pitt. Haben Sie den Mörder Malten's entdeckt ? warf der Freiherr ein, indem er den Kommissär einlud, sich Niederzulassen und ihm einen Stuhl hinschob. Er that dies mit emer solchen Hast, als wollte er seine eigene Unruhe dadurch verbergen. Nein", gab Pitt zur Antwort. Das Verbrechen, das in diesem Hause verübt ist, hat mir schon sehr viel Muhe bereuet und bis jetzt ist Alles vergebens gewesen. Die Arbeiter haben dasselbe nicht begangen und dies ist jetzt so gut wie erwiesen. Barthels ist verhaftet und seine Aussage stimmt mit der Langhof's vollständig überein. Er ist allerdings in jener Nacht hier im Garten gewesen, um sich zu überzeugen, ob der Herr v. Malten noch bei Ihnen sei, als er indeffen kein Fenster mehr erhellt gesehen,ist er sofort zuruckge kehrt. Nach der übereinstimmenden Au sage der übrigen Verhafteten ist dies fast zwei Stunden früher gewesen, als der Schuß gefallen. Er leugnet nicht, daß er ein Pistol bei sich geführt, aber nur in der Absicht, um Malten zu schrecken, nicht um ihn zu tödten : es .ist dasselbe Pistol gewesen, welches ich am folgenden Morgen in dem Stroh seines Lagers gesunden, und daß aus ihm die Kugel, welche Malten getödtet, nicht geschossen, sah'ich so ort." Der Freiherr hatte schweigend zugehört. wahrend eine Uugen mehrere Male un ruhig und ungeduldig durch das Zimmer ymglltlen. Ich habe meine Nachforschungen nach allen weiten hin ausgedehnt und es ist nur nicht gelungen, eine sichere Spur zu en:oecien," iuyr ocr Kommissär fort. ..5)a sich Ihnen nicht irgend ein Verdacht ansgeorangi Nein," gab der Freiherr zur Ant wort. Herr Freiherr, ich habe jeden mögli chcn Fall erwogen," fuhr Pitt fort, ich finde selbst keine Rübe, wenn mir eine solche Aufgabe gestellt ist, da haben sich ! . I0V-!Vi -r .m nnr zwei nlogilHienen crgcoen. Welche? Bitte, sprechen Sie!" sie Mannstem. Entweder hat sich der Herr von Mal-

ten selbst das Leben gekommen. . . oder die Kugel hat nicht dem Herrn von Malten, sondern Ihnen gegolten !" Der Freiherr war bei diesen Worten zusammengezuckt und erbleicht, seine Augen ruhten mit starrem Blicke auf dem Kommissär. ES ist nicht möglich !" rief der FreiHerr, indem er aussprang und unruhig das Zimmer durchschritt. Jch'bcgrcise, daß dieser Gedanke Sie sehr peinlich berühren muß," sprach Pitt beruhigend. Malten ist gcwisiermaßcn für Sie zum Opfer gefallen, allein Sie kann deshalb nicht der leiseste Vorwurf treffen, da Sie dies nicht ahnen konnten. Sehen Sie es als eine Fügung der Vorschung an, welche Ihr Leben erhalten wollte !" Nein, es kann auch nicht sein !" rief der 'Freiherr, indem er vor Pitt stehen blieb. Ssd) bitte Sie, gegen Niemand

diese Vermuthung anzusprechen." Ich werde darüber schweigen, so lange es möglich ist," entgegnete Pitt. Meine Pflicht zwingt mich jedoch, diese Spur mit allem Eifer zu verfolgen und ich darf wohl hoffen, das; Sie mich darin unterstützen werden. Haben Sie keinen Feind?" Pitt errieth, daß der Freiherr ihm die Wahrheit nicht offen sagen mochte. Herr Freiherr, liegt nicht auch Ihnen an der Entdeckung und Bestrafung des Mörders ?" fragte er. Gewiß !" versicherte er. Malten war a mein Freund, und wenn er mein Bruder gewesen wäre, so hätte er mir nicht lcber sein können. Eine solche hat darf nicht nngesühnt bleiben !" ?ie haben mir also nichts weiter zu agen V fragte Pitt. Nichts, nichts !" erwiderte Manntcin fast hastig und wandte sich ab, als wünsche er das Gespräch baldigst abzubrechen. Der Kommiffär entfernte sich. Der Freiherr war ihm ein Räthsel und doch yatte er aus dessen Erbleichen und erregem Wesen die volle Ueberzeugung gewonnen, daß seine Vermuthung die richtige war. Die- Kugel, welche Malten getödtct, hatte dem Freiherr gegolten, dieser schien sogar zu wissen, wessen Hand sie abgeschossen, allein sein Mund vermochte nicht den Namen deffelben zu nennen. Langsam zur Stadt zurückkehrend, verfolgte er diesen Gedanken weiter und weiter, er . erwog alle Verhältnisse des Freiherr, ohne dadurch dem Ziele näher zukommen. Die That konnte entweder aus Rache geschehen sein, oder Jemand hatte sie vollbracht, in besten Interesse der Tod des Freiherrn lag. ) Seme Gedanken richteten sich auf den Baron von Selditz. Er wußte, daß derselbe der nächste Verwandte des Freiherrn war, und daß dieser ihn zu seinem alleinigcn Erben eingesetzt hatte. Sollte der kleine Freiherr dem Baron, desien wüstes Leben er kannte, zu lange leben ? Sollte Selditz die That begangen haben, um in den Besitz des Vermögens zu gelangen ? Wider seinen Willen halte dieser (sedanke sich ihm aufgedrängt und doch hielt er ihn für unmöglich. Sollte der Baron selbst bei all seinem Leichtsinne emer solchen That sahig scm 5 Sollte er, oerLetzte w rfi i i rf1 sTt yf i A eines so alten uno stolzen iLescyiecyies, zum Mörder hcrabsinken können? Es war kaum möglich. Und weshalb sollte er eme so entsetzliche That begangen haben, da der Freiherr ihn stets in freigiebigster Weise mit Geld versehen und scme Schulden bezahlt hatte? Er erinnerte sich der Pferdespurcn, welche er am Morgen nach der That hinter dem GutSqarten wahrgenommen hatte, stimmten sie nicht auch zu seiner Vermuthung ? Der Baron war wahrend der Nacht zum Gute geritten, hatte das Pferd dort angebunden, bis er die That vollbracht und war dann zuruagekehrt. Der Diener des Freiherrn, welcher in der Stadt gewesen war, kam ihm entgegen, er blieb bei ihm stehen, um ein Gesprach mit ihm anzuknüpfen. Ohne Zögern erzählte der Diener, oan er einen Brief zur Stadt getragen habe. An den Nenen Ihres Herrn r warf der Kommiffär scheinbar gleichgültig ein. Em halb verstohlenes Lächeln zuckte über das Gesicht des Dieners hin. Ncm, nicht an den Hcnn Baron," gab er zur Antwort. Ich glaube auch kaum, daß ich je wieder einen Brief an denselben besorgen werde." Weshalb nicht?" fragte Pitt. Mein Herr ist mit ihm zerfallen Weshalb ?" Ich weiß es nicht. Zufällig hörte ich, daß mein Herr ihn zn enterben drohte und daß der Baron dann sofort und in sehr erregter Stimmung zu: Residenz zurückkehrte." Wann war dies r Der Diener sann viach. Es werden drei bis vier Wochen seitdem vergangen sein." i War es, ehe der Herr von Malten erschössen wurde?" . ' Jawohl der Herr Baron war am Tage zuvor abgereist." Wiffen Sie dies genau?" Gewiß, es war am Tage zuvor." Haben Sie irgend eine Ahnung, wcshalb Ihr Herr mit seinem Neffen zerfallen ist ?" Nein, der Freiherr muß jedoch einen gerechten Grund gehabt haben, denn so heftig habe ich ihn noch nie gesehen. Er drohte ihn zu enterben und ich bin über zeugt, daß er es thun wird, denn wenn er einmal cincnEntschluß gefaßt hat, so führt er denselben auch aus." .' Der Kommiffär forschte nicht weiter, es trieb ihn zur Stadt, um zu erfahren, wo der Baron in jener Nacht gewesen war. In der Stadt angelangt, begab er sich sofort zu dem Hause in welchem Selditz wohnte und dessen Wirth, einen Rentier Namens Oswald, er kannte. - Es wurde ihm trotzdem nicht leicht, sich das Zimmer des Barons'zcigcn zu lassen, denn dicRcugicrdc des R'cntiers war größer, als er erwartet hatte. Er hatte Oswald mitgetheilt, daß er für einen sehr reichen alten Herrn eine Wohnung suche und sein Auge auf die des Barons gerichtet habe, da dicfclbc parterre gelegen sei und einen Ansgang nach dem kleinen Garten habe; endlich gelang es ihm, den Rentier in das Zimmer des Barons zu führen. Es ist ganz so, wie ich es suche," sprach er, indem er das geräumige und freundlich gelegene Zimmer mit scharfem Blicke mnstcrte. Es ist hell und geräumig, dieser Ausgang ist reizend für einen alten

Herrn, der sehr selten ausgeht und doch gern ein wenig frische Luft genießt !" Der Baron ist auch sehr zufrieden damit und wird es sehr ungern hergeben," bemerkt: der Rentier.

Dcr Kommissär zuckte mit der Schul'r bi. (Er kann es unmöglich übel nehmen,' wenn Sie ihm kündigen, weil Sie eine höhere Miethe verlangen. Will er Jh nen dieselbe zahlen, dann hat er freilich das Vorrecht." Alles sehr hübsch," fuhr der Kommis. sär gclaffen fort, der an der Einrichtung des Zimmers den größten Gefallen zu haben schien, obschon sie ihn nicht im Gcringsicn intcrcssirte und sein Auge ganz andere Gegenstände prüfte. Ein Paar feine Pistolen dort über dem Sopha, der Herr Baron ist gewiß auch Schütze." Er. trat näher heran und streckte die Hand nach den Pistolen aus. Es darf nichts angerührt werden !" rief der Rentier. Der Baron leidet es nicht und ist darin fchr streng !" Pitt schien diese Worte vollständig zu überhören, denn schon hielt er eine der Pistolen in der Hand und besah sie prüsend. In d:n gezogenen Lauf konnte sehr wohl die Kugel passen, mit der Malten crschoffc'.l war. Eine wirklich feine Arbeit," sprach er. Ich liebe alle Waffen. Sehen Sie, 'wie sauber der Schast ausgelegt ist. Ob sie geladen ist ?" Er zog langsam, prüfend den Hahn auf. Der Rentier sprang entsetzt zurück. Ich bitte, hängen Sie das Pistol wieder an die Wand," rief er. Der Kommiffär that es lächelnd. Sie sind ängstlicher, als ich vcrmrthete," sprach er, indem er das Zimmer wieder verließ. Eine solche Waffe ist so sicher, wie ein Stock, man muß nur damit umzugehen verstehen. Der Baron ist wohl sehr solide ?" fügte er mit einem halb verschmitzten Lächeln hinzu. Der Rentier seuste unwillkürlich. Ich freue mich, daß er nicht mein Sohn ist," gab er zur Antwort. Er kommt fast jede Nacht erst gegen Morgen heim und fchläft dann gewöhnlich bis gcgen Mittag. Die Herren seincsStandes machen es freilich Alle nicht anders. Arbcit haben sie nicht und an Geld fehlt es ihnen auch gewöhnlich nicht, und wenn es fehlt, giebt es Menschen gcnng, welche es willig borgen und dafür unerhörte Zinsen nehmen." Sie laufen dafür" auch oft Gefahr, das Ganze zu verlieren," bemerkte der Kommiffär. Halt, es fällt mir soeben ein," unterbrach er sich selbst, ,,Sie wiffen wohl nicht, ob der Baron in der Nacht vom 20. zum 21. Juli zu Hause war?" Weshalb?" fragte der Rentier neugierig. Es handelt sich um eine tolle Wette, wclche in jener Nacht in der Weinstube zwischen mehreren Offizieren und einem Herrn abgeschloffen ward," gab der KoMmiffär lächelnd zur Antwort. Mich inieressirt die Sache nur infoweit, weil die Wette eme tolle ist und ich aus den Aus gang derselben gespannt bin. Mir erzählte der Wiiih der Weinstube davon. Em Herr, den er Nicht kannte, der (.doch von den Omucren Baron genannt wurde und mir als eine große, schlanke Gestalt geschildert ist, so daß cs der Baron v. Selditz sehr wohl sein könnte, hat gewettet, daß er in 40 Stunden 25 Meilen gehen will, ohne sich ein einziges Mal niederzusetzen." Das ist rein unmöglich !" rief dcrRentier. Auch ich glaube nicht, daß es durchzuführen ist und deshalb intercssirt es mich sehr, zu erfahren, wer eine so tolle Aufgäbe sich gestellt hat." Und die Wette ist in der Nacht vom 20. zum 21. Juli abgeschlossen?" Ja wohl." Dann ist es der Baron v. Selditz nicht gewesen." Woher wiffen Sie das?" Weil der Baron in jener Nacht das Haus nicht verlassen hat." Sollten Sie sich nach so langer Zeit noch genau erinnern ?" Ja, ich will Ihnen auch mittheilen, weshalb. Am 20. nec mein Geburtstag und ich hatte einige. Freunde zu mir eingeladen. Der Baron kam gegen Abend heim und klagte über Unwohlsein. Er legte sich zn Bett und ließ sich von meiner Frau Thee kochen. Am Abende schien es etwas besser mit ihm zu werden, er sagte, daß er schlafen wolle und daß ihn des halb Niemand mehr stören möge. Meine Freunde gingen deshalb schon um 10 Uhr sort, damit es still im Hause werde. Der Baron verlief erst am folgenden Mittag das Bett wieder." Dann muß es freilich ein anderer gcwcsen sein, ich glaubte auch kaum, daß der Baron von Selditz ein so starkerFußgänger ist," versetzte der. Kommiffär mit gleichgültigem Lächeln, obschon ihn die Mittheilung auf das Höchste interessirte. Er verließ den Rentier, nm den neugierigen Fragen desselben auszuweichen. War der Baron winllcy unwoyi gewesen, oder hatte er das Unwohlsein nur simulirt, um beweisen zu können, daß er in 'jener Nacht das Haus nicht verlassen habe? Wie sollte er dies erforschen? eS gab nur einen Weg. saß kein Pferd, er mußte ein solches sich also geliehen haben, dies zu erfahren war die nächste Aufgabe. Er bezweifelte, daß er im Stande fein werde, dieselbe allein zu lösen und beauftragte deshalb mit der Nachforschung zwei gewandte Polizcidiener, wahrend er selbst auch nicht unthäthig blieb. Am zweiten Tage meldete ihm ein Polizcidicncr, daß ein vor dem Thore wohncndcr Wirth, Namens chmollcr, wclcher ein Reitpferd besitzt, welches er vcrleihe, dasselbe in der Nacht vom 20. zum 21. Juli an einen Herrn' verliehen habe. Nannte er den" Namen des Herrn? fragte Pitt. (Fortsetzung folgt.) Kein Frieden mehr. Neulich, als die Rede davon war, daß der Minister Dr. Friedbcrg dcmissioniren solle, rief ein biederer Landwirth : Was. erst haben sie uns den Friedentbal ge nommcn, und nun auch noch den Friedbcrg ? Sollen wir denn von Berg und Thal den Frieden vrrlicren?"

Hatte Selditz wirklich Malter, erschossen, so konnte er das Gul seines Onkels nur zu Pferde erreicht haben: er selbst be-

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