Indiana Tribüne, Volume 4, Number 179, Indianapolis, Marion County, 12 March 1882 — Page 6
Im Karuevak. onThesarother. Wr Kaufmann Sonderland zählte
in der großen Residenzstadt zu den anesebensten Bürgern. Von Hause aus llua und umsichtig, hatte er sich durch rastlose Thätigkeit em bedeutendes VerVögen erworben und nur mit einer gleich ihui in vorgerückteren Jahren stehenden WflegeschWester in seinem großen Hause friedlich dahin gelebt. Seit zvei Jahren aber ar er vermählt mit der Tochter eines Jugendfreundes, eines Beamten in einer kleinen Provinzialstadt. Tie schöne, lebenslustige junge Frau hatte etwas meyr Bewegung m da- bislana Zo friedliche Sonderland'scbe Öaus ebracht. Der Eheherr mimte sick wobl oder übel bequemen, seinen Augapfel-, wie er sie nannte, in Conzerte, Bälle und Gesellschasten zu begleiten, obschon ihm dieje Neuerung gar wenig paen wollte; aber er hatte sich klar und bestimmt ausbedungen, daß die beiden Klubabende. Mitte und Ende der Woche, die er seit Jahren pünktlich eingehalten. Zur ihn sowohl als für sie eweRubevause 'bilden sollten. Und wirklich ging Herr Sonderland, wie sonst als Junggeselle, jetzt aucy ah, Ehemann regelmäßig nach dem Klubhause, wo er seine gewohnte Partie spielte und nach wie vor gegen Mitternacht heimkehrte. Sa schienen allenthalben Friede und rr -r,.,.- V ' rrt . vli!illi,ul!l in oen weuen yooen . r ' macyern lyre yoioe Herrschaft zu üben. Dennoch, nur eine eitle Täuschung! Eines schönen Januarabends war Herr Sonderland durch den lautlos herniederfallenden Schnee gewohnterweise nach dem Klubhause gepilgert und hatte mit den ständigen Personen sein Spielchen begonnen, behaglich und guterDinge wie immer. Es war zehn Uhr geworden, ls der Kellner Herrn Sonderland mittheilte, es wünsche ihn eine Dame zu sprechen. Erstaunt ging der Gerufene hmaus und traf in der Vorhalle seine Pflegeschwester, die, als sie den Schleier zurückschlug, ihm ein ganz bestürztes Gesicht enthüllte. .Liebster, Bester," hastete die sonst so gesetzte und würdige Dame, .komm bald nach Hause ; Du wirst schändlich betrogen! Natalie hat Besuch, Besuch von 'einem Ossizier !" Ah, pah, Närrchen !" lachte Herr Sonderland, ich werde es morgen schon erfahren, was es damit für eine Be vandtniß hat. Bist nicht klug. Geh', geh' nach Hause, Du wirst Dich höchstens tüchtig erkälten. Gute Nacht!" Damit schob er die Erregte, ohne eine Entgeg nung anzuhören, sanft zur Thüre hinaus und kehrte zu seinem Spieltisch zurück. Dennoch schien er aufgeregt zu sein, roenigstenS spielte er zerstreut und herz lich schlecht, ohne indessen eine Minute früher nach Hause zu gehen, als gewöhnlich.. Des folgenden Tages Mühe und Arbeit hatten das Vorkommnis vollständig aus seinem Gedächtniß gerückt, Abends mußte er seine Gattin zu einem Balle begleiten, die Toilette hatte sie den ganzen Tag über in Anspruch genommen, kurz man sprach sich über das Mysterium nicht aus, es gerieth in Vergessenheit. Um so bestürzter war daher Herr Sonderland, als am nächstenKlubabende um dieselbe Zeit, wie das vergangene Mal, seine Schwester ihm Dieselbe Meliung überbrachte, aber mit dem energi schen Zusätze, daß sie sürder ihres Weges allein ziehen werde, wenn er denn durchaus geschlossenen Auges in's Verderben rennen volle! Herr Sonderland war gutmüthig wie Einer, aber auch der Letzte, der einen Schimpf ungerächt über sich hätte ergehen lassen. Er stutzte ; ihm fiel schwer aus die Seele, daß seine Frau ihm nicht ein Wort von jenem Besuch gesagt ; ja ihn wollte dünken, als sei Natalie in den letzten Tagen anders gewesen, als sonst, zurückhaltend, scheu, einsilbig und dann wieder ausgelassen und fast unbändig ! Ja gewiß er täuschte sich nicht. Ich komme stammelte er, und kurze Zeit darauf rollte er in einem Fiaker mit seinem getreuen Eckart nach Hause, d. h. er entstieg dem Gefährt einige Häuser davon entfernt und begab sich mittelst seiner Privattreppe direkt in seinBureau. Dieses war mit den Wohnzimmern verbunden, lag aber in dem dem Gesellschastssalon entgegengesetzten Flügel. Die Schwester huschte hinaus in ihrZimmer im zweiten Stocke. Wohl' ficl Herrn Sonderland der Schritt, den er sich in seiner Erregung vorgezeichnet, sauer, sehr sauer ; wie ein Dieb kam er sich vor, als er leise die Thüren öffnete und schloß und, trotz der dickenTeppiche leise austretend. dieFlucht der Zimmer durchlchlich, welche sein Bureau vom Salon trennte. Aber er war nicht der Mann, sich von seinem Vorsatze abschrecken zu lassen, sorgfältig hatte er seine Brillengläser geputzt, ehe er die Hand auf den Drücker der Thür legte, die ihn schied von seinem Glück oder Unglück wer wußte es ? Die Thür öff. riete, sich geräuschlos unter dem Druck seiner sieberzitternden Hand, er schlug die Portieren zurück, ein Blick hinein in sein Heiligthum und er wandte sich znrück nach der Thür. Er hatte genug gesehen, sein Herz zuckte zusammenvor bitterem Weh und wallte wieder aus in wilder Erregung; der alte Kaufherr ber.bezwang sich. .Guten Abend, Kind sagte er so gütig, als er über seine Lippen zu bringen vermochte. Verzeih, wenn ich störe, ich habe soeben eine wichtige Nachricht erhalten, die mich an den Schreibtisch drängt, und drüben im Bureau ist's tüchtig kalt geworden, laß ein wenig einheizen." Er hatte währenddessen die Brille abgenommen und putzte, sie gegen den Kronleuchter ha'tend. so emsig daran herum, als seien die Gläser in dem woh lig erwürmten Raume beschlagen. Dieses Manöver g ,b der jungen Frau ihre Besinnunq wieder. Er hat nichts bemerkt, sprach sie sich Muth ein, ihre vorh n todtbleichen Mangen särbten kick wieder; behende sprang sie an ihren Grmabl heran, der geschickt ihrer.Umarmun auszuwrich n verstand, und hals ibm sorgsam as dm Pelz, Während sie fragt : Doch keine schlechten Nachrichten, Gottlieb? Und ohn eine Antwort abzuwarten, plauderte si
weiter: Oder doch? Du hast nicht einmal Deinen Pelz abgelegt. Ich habe inzwischen Besuch erhalten," fuhr sie
schemoar unbefangen fort: Herr Lleutenant von Brausewitz. Der schmucke Husar ruckte leinen Attila in den Hüsten fest und trat, sich verbeugend, heran. So, so sagte Herr Sonderland und machte ein Gesicht, als habe er auf einen hohlen Zahn gebissen, das ist ja sehr schön ! Sie werden mich indess?n schon entschuldigen müsien, Herr v. Brausewitz," setzte er möglichst gelassen hinzu, ich habe eine dringend nöthige Arbeit vor." O, ich will durchaus nicht stören," erwiderte der Kavalier mit einer zweiten Verbeuauna. Herr Sonderland, gnä dige Frau, ich habe die Ehre," und mit einer dritten, vierten Verbeugung hatte er Die Thüre aewonnen, die er rasch off nete. Diesen Moment benutzte Natalie, um mit der Schelle aus dem Tisch au klingeln, ehe aber noch der alte Diener Leberecht herbeieuen konnte, befand sich der Osuner schon im Vorsaal, hatte 1 et nen Kalpak und Mantel ergriffen und war von dannen geeilt. Du hast den Herrn beleidigt, ver suchte die hinge Frau zu schmollen. Bedaure ich recht sehr," entgegnete Herr Sonderland ruhig. Adieu !" Er a . . r. " r ' Ort wanote ncy naq oer iQiir, in Plan war fertm. Apropos." sagte er, lndem er sich unter der Portiere noch einmal ... T ' umwanore, reg yaoe uoermorgen mariner Seimath zu thun, da kannst Du mich begleiten. Wir sind Deinen Eltern r . er .e . je. f i..tv! m qon lange einen eury icguioig. Das ist ja prächtig !" jubelte Natalie aus ihr kam eine solche Abwechslung sehr gelegen ich fahre mit, gewiß i V- . m f- r . 1. uno am Venen iirs, wir uoerraiazen oie Eltern. Sitze nur nicht zu lange aus ! fügte sie hinzu und eilte auf Herrn Son derland zu. Dieser aber hatte den Nest ihrer Rede gar nicht gehört, mit emem heftigen : .Ick babe rnne Am zu verlieren, war er rasch hinaus gegangen. Wozu den Jammer beschreiben, wel cher über diesen Ehrenmann hereinbrach, als er einsam in seinem Bureau saß und sich vergegenwärtigte, daß er einen Verlust erlitten, der unersetzbar war ! Zu welchem der Schuldbeladenen die leisen undia'uten Zweifel nachfühlen, welche sie überkamen, als der sonst um sie so besorgte Eheherr sich des anderen Morgens nicht blicken ließ, als er, sonst pünktlich wie ein Stundenweiser, bei der Mahlzeit ausblieb und sich nothdürftig entschuldigen ließ; als die Schwester Lotte sich krank melden ließ und strenge Weisung ertheilt hatle. Niemand in ihr Zimmer zu lassen. Aber hatte ihrGatte nicht selbst gesagt, daß er dringend be schästiat sei ? Kurzum, Madame schlug sich dieSache endlich aus dem Kopfe, und als sie sah, wie lebhast es m denComp toiren und in der Kaufhalle drunten zu ebener Erde zuging, traf sie vorsorglich ihre Relsevorbereuungen. Am nächsten Vormittag dampste das Ehepaar der Heimath der jungen Frau entgegen. Mittags war die Endbahn station erreicht, und gegen fünf Uhr Nachmittags faßen die Beiden und mu ihnen Natalie's Bruder, der hierorts als Rechtsanwalt ansässig war, :n einer Er traPostchaise,welche sie dem Ziel ihrer Reise in emer dreiZtundlgen Fahrt entgegenführen sollte. Dunkle Wolken bedeckten den Horizont und ringsum drei tete sich allmälig die Nacht aus. Natalie war von der außergewöhnlichen Anstren gung ermattet, die Herren saßen beide einsilbig, ja frostig schweigsam da. Da eudlich blies der Postillon in's Horn und hielt vor einem Landhause, dem ersten des Orte.s, welches Herr Son derland angekauft hatte und das den Eltern, die sich von der liebgew'ordenen kleinen Stadt nicht hatten trenren wol len, zur Wohnung diente, y Als die Drei die kurze Vortreppe hmanstlegen, östnete der Vater die Thür. Hier standen die Drei, die beiden Män i r n i . ner, vou liesslen sazmerzes uno oas Weib, eme Beute angsterfüllter Regun gen, die, ihr unerklärlich, sie bestürmten und fich Nicht abweisen ließen. Vater !" stammelte sie endlich. Meine Tochter !" frohlockte der alte Herr, die Tochter herzinnig in seineArme schließend. Natalie," rief die Mutter und streckte der Gellebten die Arme entgegen. Mein lieber Freund und Schwieger söhn!" rief der Vater. Herr Sonderland trat einen Schritt weiter zurück von der Schwelle, die sein Fuß noch nicht berührt hatte, und sagte ernst und feierlich : Das bin ich geme sen, ich bringe Ihnen Ihr Kind zurück ! Der Herr hier,- er schob Natalle's Bru der auS dem Schatten in den Lichtkreis, wird Ihnen Alles sagen!" Gottlieb," schrie di junge Frau auf, Goitliev, Du sollst Alles wissen." Er hatte es nicht gehört. Laut schluch zend war er die Treppe hinunter geeilt und gleich daraus rollte vertagen durch den knirschenden Schnee schnell davon. HerrSonderland schluchzte und weinte wie ein Kind in seinem Wagen. Seine herrliche Frau, sem Augapfel ihm un treu ! Hatte er üe nicht auf den Hän den getragen? Und nun trat das Bild von vorgestern in seine Erinnerung. Er hatte sehen müssen, wie der junge Ossi . f rw i m zier zu ihren uen lag. iyre aiue tt umschlungen haltend und sie kokett einen Kuß mit dem Verruchten tauschte es war Ztum Rasendwerden: Freilich, der Bruder Natalie's hatte mit Entrüstung oie Taaze ,ur imz ai berne Erfindung erklärt, der Naseweis ! Er hatte in der Sache seiner Schwester keinen Federstrich thun wollen. Zvon Pistolen batte der Hitzkopf gesprochen. Aber konnte denn noch ein Zweifel über die ; Schuld seiner Frau auskommend Satte er nicht Alles deutlich ge eyen Mit dieser Qual in der Brust langte der Kaufderr in seiner Wohnung an. Er fühlte sich als tiesgeschlagener Mann. In einer der schönsten der neu erstandenen Straßen der Residenz wohnt der Maler Rafaele Tiziano Beer. Dort gab der Br efträger an demselben Mor gen, als Herr Sonderland aus seinem Lger ein wenig Ruhe, aber keine Er quickung fand, ein zierliches, doch herzlich schlecht geschriebenes Billet ab; wenig
stens waren die Buchstaben durchSchnee flocken oder waren es. Thränen ?
gar grausam verwischt und die Adresse verwies sothane Botschaft an die Frau Professorin Toni Baer, geborene Gräsin Soundso. Die Malersfrau ist ein Engel ihrer äußeren Erscheinung nach und gewiß auch ausond, denn sie hat ein herzliebes schelmisches Lächeln und als Beigabe ein paar reizende Grübchen in den rosigen Wangen, dann aber zwei so treue. klare Augen m dem köstlichen Gesichtchen sitzen, daß der Gedanke an etwas BSses in diesem Köpfchen positiv nicht existiren kann. Eine Schelmerei sei's, etwas Schlimmeres ü donc! Und dennoch ! Hier der Inhalt jener StephansBotschaft: Meine liebe Toni ! Ich bin trostlos ! Mein Mann hat mich verstoßen! Er hat mich memen Eltern zurückgebracht! Meine Eltern sind tief gebeugt. Rette mich, sonst gehe ich r. 8. Es ist elf Uhr, der zweite Zug geht vier Uhr früh, mein Bruder Otto reitet mit diesem . Briefe- nach H. und wird sich morgen bei Dir einstellen. P. 8. O ich Unglückselige ! Deine Natalie." Eine Stunde später wurde Herr Son derland, der mutterseelenallein im Com toir hauste und gar wunderliche Dispo sitionen in seinem Kopse wälzte, abge rufen : Zwei Herren wünschen dringend JmSalon,der Stätte seines Unglücks, harrten seiner zwei Herren. Er trat ib nen gerade und offen entgegen, wie seine Art es sonst war, aber plötzlich wich er zurück, als er in dem Einen Herrn von Brausewitz erkannte. Den Andern kannte er sehr wohl, drängte sich doch alle Welt ihn, den berühmten Künstler kennen zu lernen. Ich heiße Baer," sagte der Professor sich verbeugend, und dies ist Herr von Brausewitz, wollte sagen," hier folgte eine Kunstpause, meine Frau, welche " Ihre Frau ! V fuhr Herr Sonder land auf, Ihre Frau " Gewiß," nahm der Toni das Wort und entfernte den schmucken Schnurr bart, der ihrem Gesichte etwas Pikantes gegeben, gewiß, kennen Sie mich jetzt V Mein Gott," stammelte Herr Son derland, was habe ich gethan ! O, meine Natalie ! Sie waren es, der an jenem Abende ? Verehrte Frau, hät ten Sie ein Wort nur gesagt, so wäre mir großes Elend erspart geblieben !" Herr Sonderland, wenn wir, Natalie und ich, uns nicht gegenseitig das Wort gegeben hatten. Nichts zu verrathen, dann hätte ich mein Wort daraus wenn wir hätten ahnen können, daß unser Scherz so böse Fruchte zeitigen sollte, dann würde ich kurzum, der Scherz ist gründlich verdorben !' Aber, liebe Frau Professorin, denken Sie sich in meine Lage " Woher hatten Sie irgendeinen Arg wohn?" frug der Husar, den Säbel un muthig auf den Boden stampfend und den Attila in die Hüfte rückend. Meine Schwester, die es wahrlich gut mit mir meint, hat es mir gesagt," antwartete Herr Sonderland ruhig. Weht daher der Wind?" warf Mei ster Baer ein, der inzwischen die Bilder an der Wand einer kurzen Musterung un--ierzogen hatte. Bitte, Lieber, das ist eine sehr ehrenwerthe Dame," replizirte der Husar, wir haben den Fehler begangen, jene Dame nicht einzuweihen, weil wir Widerspruch fürchteten, das ist Alles. Mit einem Worte, Herr Sonderland, am nächsten Künstlerball wollte ich als Husar, Natalie als Marketenderin auftreten'. Sie sowohl als ich warten Sie einen Augenblick, Sie sollen Natalie'sKostüm sehen!" Der PseudoHusar klingelte, Leberecht erschien so prompt, daß der Ofsizier, ihn scharf sixirendausrief -Sie haben gehorcht !" - . . - Das thut Leberecht nicht," antwortete der alte Mann, ein Jnventarstück des Sonderland'schen Hauses, .fest und ohne Erregung, aber da draußen stehenHerr schaften, welche Wer ist's V rief Herr Sonderland, dem dieSachlage klar, ach, allzu klar ge worden, und gegen seine Gewohnheit schnell eilte er nach der Tbür, die er hastig öffnete. ' ' Da draußen standen zitternd vor Erre gung die Eltern, der Schwager und die Frau Sonderlands. Meine herzige Natalie, .kannst Du mir vergeben V rief Herr Sonderland ganz außer sich auS. Der ölte Herr wollte sich dem jungen Weibe zu Füßen werfen. Gottlieb," sagte sie ruhig, sein Thun durch sanste Gewalt verhindernd, nicht wahr, das thust Du mir nicht wieder an?" Nie wieder. Du Herrliche !" rief Herr Sonderland, und die Umarmung, welche diesen Worten solgte, zeigte, daß dieBeiden fich wieder gefunden hatten. Doch der Husar wollte nicht Ruhe geben. Kaum hatte Natalie mit Freuden thränen in den Augen sich zu den Eltern wenden wollen, denen Herr Sonderland die allerschönften Entschuldigungen vor stammelte, da war auch er bei der Hand und sagte, kokett den Schnurrbart dre hend : So steht es mit uns, sind das Liebesbetheuerungen, ' meine Liebe?" Doch Natalie schloß dem Losen den Mund durch einen herzlichen Kuß. Gemach." rief jetzt der Maler Baer, nun ein Wort mit Ihnen, Herr Sonderland! Entweder versöhnen Sie sich chit Ihrem Gegner Brausewi oder die Sache wird ernst! Hier," er hatte Otto's Hand ergriffen, der Herr und ich sind die Unparteiischen." Herr Sonderland, dem die hellen Thränen, aber Freudenthränen, über die abgehärmten Wangen liefen, hatte sorg, lich, vie etwa eine Mutter ihre Kinder zur Ruhe bettet, seine Frau und deren Eltern glücklich aus bequeme Seffel pla cirt und suhr jetzt beinahe erschrocken auf, als diese böse Drohung ihn mitten in seinem Versöhnungsmerke tras. Ja, der Husar, der leidige Husar ! Stand er nicht sörmlich herausfordernd vor ihm, die Linke fest am drohenden Säbel, die Rechte noch drohender am Schilurrbart, sagte nicht jetzt sogar die ser Eindringling Gewiß !" und blitzte mit seinen dunklen Augen gar bedrohlich drein.
Was blieb dem argen Blaubart übrig?
Er schloß den schmucken Ossizier in seine Arme und versöhnte sich mitdem Gefähr lichen in einem kurzen ehrbaren Kusse, den der falsche Schnurrbart herabwürdigte zu einer gar drolligen Sühne. Natalie und die Malerssrau haben jetzt ganz andere Gebeimniffe als früher. Man malt und musizirt weniger. Gottlieb Sonderland ist in sehr würdiger aber milder Stimmung und Tante Lotte hat ein sehr geheimnißvolles Benehmen angenommen ja, wenn Gottlieb in die Kemenate tritt, opponirt sie jetzt sogar ganz energisch, wenn ihr seine Ansichten nicht gefallen, was um so auffälliger ist, als sie, sonst jedem Winke, geschweige Worte des gestrengen Herrn Bruders folgte. Räthselhast ! Sein Ideal. Marie, den Kaffee", rief in gemüth lichem Tone Fritz. Und das Frühstück mundete ihm vortrefflich, was eben kein Wunder, besonders wenn man ein junger Maler ist, wir wollen hier aber auch keine Wunder erzählen. Wir wollen nur erzählen, daß Fritz ganz guter' Dinge nach genommenem Frühstück vom Hause ging, fröhlich durch die Gaffen schlenderte, hie und da auch ein munteres Liedchen trillerte, daß er, vor dem Kunstausstellungsgebäude an gelangt, ganz arglos nach dem Bleistift und Notizbuche griff, um au etwa ge eigneten Meisterwerken der Malerei seine Studien zu machen, wozu er ganz be sonders stets am Tage nach vorgenommenem Wechsel der Kunstwerke aufgelegt war, kurz, daß er ganz guten Muthes den Saal betreten hatte und mit einer unglaublichen Metamorphose seines eigenen Herzens denselben wieder verließ. Mama! ich reise!" war sein erstes Wort, als er wieder in dem elterlichen Hause war. Natürlich, daß die Mama es nicht unterließ, den Strumpf, mit dem sie eben' beschäftigt, augenblicklich fallen zu lassen. Waren doch bisher nicht die mindesten Andeutungen zu einer bevorstehenden Reise des lieben hoffnungsvollen Söhnchens, welches freilich wohl schon seine zwanzig Jahre zählte, gemacht worden. Ich reise", sagte Fritz, als Mama alle ihre Redekünste anwendete, um ihn von diesem so unbemerkt herangereiften Entschluffe abzubringen, ich reise, und das noch morgen; der Frühling kommt m'S Land, und Alles, was nur Schwin gen hat, fliegt hinaus in die freie, grüende Natur, soll ich armer Vogel allein im heimathlichen Neste hocken? über dies ist es ja längst Zeit geworden, ein Jünger der Kunst muß in der Welt herumvandern, seine bildende Seele muß sich Stoffe suchen, aus denen sie schaffen kann, denn ist sie auch göttlicher Natur, sind wir doch kein Gott, um aus Nichts schaffen zu können." Fritz hat zwar noch weiter gesprochen, wir vollen hier aber nicht seinen Ideen solgen, um nicht unserer einfachen Erzählung untreu zu werden, und dies um so weniger, als er dieselben keineswegs aus der Seele schöpfte, sondern nur als Vorwände benützte, um die Einwenduugen der lieben Mama, der Vater war leichter zu überreden durch scheinheilige Gründe zu schwächen, was auch balö bei dieser ziemlich gut gelang. Wir aber, die wir in die tiefsten Falten des Herzens zu blicken vermögen, wir, die wir nichts Verborgenes kennen, laffen uns nicht so leicht täuschen, und mögen gerne auch unsern Lesern die geheime Ursache der eigenthümlichen Veränderung unseres jungen Malers anvertrauen. Diejenigen unserer Leser, welche ein mal jung waren, und diejenigen, welche es noch sind, werden uns wohl verstehen, wenn wir sagen, daß in Fritzens Busen ein neuer Morgen aufgedämmert war. Aber nur ein junger Maler kann es begreifen, wie üppig und bunt die jungen Blümelein des neuen Lenzes in Fritzens Herzen emporgeschossen sein mochten. Er war bis dato nie verliebt gewesen, das heißt, so recht verliebt, daß wir Poeten Novellen fabriciren könnten, und wenn er es sich ja einmal glauben laffen wollte, in diese oder ene Blonde vernarrt zu sein, so täuschte er sich nur selber, denn da war es immer wieder diese oder jene Blauäugige, die seine Gefühle wieder zum Schwanken brachte, oder eigentlich das Gleichgewicht derselben her stellte. Er mußte selbst zu dieser Einsicht ge langen, und zwar an demselben Tage, wo er so sorglos zum Kunstausstellungs gebäude geschlendert war. Er wußte gar nicht, daß der geflügelte Schalk die Thüre, deren Klinke er so arglos ergriff, zum Hinterhalt gewählt hatte und seinen spitzigsten Pseil gegen seine Brust losschnellen würde. Er trat in den Saal, und das erste, was ihm entgegenblickte, war ein Bild niß, ein Bildniß; in demselben Saale mochten Mädchenköpfe mit blondern Haaren, blauern Augen, von Phantasie vollern Künstlern mit idealischer Physiognomie ausgestattet, prangen, aber diese Seele, dieses Etwas, das ihn stundenlang magnetisch anzuziehen vermochte, diese Seele besaß nur sie. Fritz hatte sein Ideal gefunden, ja, war es ihm doch als kenne er sie so wohl, so wohl, als hätte er sie täglich, stündlich gesehen; es konnte gar nicht anders sein, einst, als seine Seele noch unter Seelen wandelte, als Gott seinen lebendigen Odem noch nicht in irdische Körper gehaucht hatte, mußte er an ihrer Seite die ewigen Bahnen des Himmels zwischen den ewigen Sternen gewandelt sein. Er stand und stand doch plötzlich wendete er sich um, ergriff den Hut, den Katalog und ging. Ein großer, fester Entschluß war ihm in der Seele aufge gangen, ja, sollte auch sie ein gütiger Gott vom Himmel heruntergesendet haben, so mußte er sie finden, und sollte er die ganze Erde rundum bereisen. Die Mama hatte nachgegeben, und war am Ende zufrieden, als Fritz die Abreise auf acht Tage verschob, um Zeit zu den nöthigen Vorbereitungen zu gewinnen, und der lieben Mutter die Freude zu gönnen, sich unterdeffen we nigstens noch an seinem Anblicke satt zu sehen
Endlich aber brauste die Locomotive und fort gingS nach Düffeldorf.
In Düffeldorf nämlich wohnte Reinhold, der Maler jenes Ideals, so viel hatte Fritz auS dem Kataloge der Ge-mälde-Gallerie ersehen. Warum aber Fritz sich nicht lieber brieflich an den Künstler mit der Anfrage wendete, ob ein lebendes Original seines Werkes auf Erden zu finden sei, mit dieser Frage magst Du Dich, lieber Leser, an Fritz selber wenden, denn wir hätten das ebenfalls für klüger gehalten; vielleicht aber, daß er diese Angelegenheit sür zu delikater Art hielt, um sie einer löblichen Post -. Anstalt anzuvertrauen; genug, er war in Düffeldorf angelangt, und kaum hatte er seine Effekten untergebracht, kaum hatte er die Wohnung des Herrn Reinhold glücklich ausgespäht als er auch schon an deffen Thür klopste. Aengstlich pochte sein Herz, als er auf das zu gewärtigende Herein" lauschte, aber keine Stimme ließ sich hören. Nichtsdestoweniger legte er die Hand an die Klinke, die Thüre war verschloffen. Eilenden Fußes begab sich Fritz zum Hausinspektor, um von diesem den gegenwärtigen Aufenthalt des Malers zu erfahren. Der ist vor zwei Wochen nach Wien gereift," lautete die trostlose Antwort. Nach Wien?" rief Fritz halb in Verzweiflung, ich bitte um seme Adresse." Diese Bitte ward ihm gewährt, er hatte Reinhold's Karte in Händen, und nun war es auch sür ihn keines Bleibens mehr rn dieser Stadt. Abermals brauste die Locomotive und abermals wollte Fritzens Huz vor Ungeduld vergehen, das feurige Roß war sür seine beflügelte Sehnsucht noch immer zu langsam. Doch endlich, endlich ! Da lag die große Stedt mit ihren vielen Merk und Sehenswürdigkeiten. Für Fritz aber gab es hier weder etwas zu sehen, noch zu hören, sein Ideal schwebte ihm stets vor Augen. Nach stundenlangem Suchen und For schen hatte er die Wohnung des Herrn Reinhold gefunden. Diesmal war ihm der Zufall weniger tückisch gesinnt, und er traf den talentvollen Künstler in der besten Laune. Daß freilich mehrere gute Freunde ebenfalls im Zimmer waren, welche bereits einige Flaschen auf das Wohl, wer weiß, welchen Ideals, den Garaus gemacht hatten, da? hatte Fritz gar nicht bemerkt, sv hätte er vielleicht seine übermäßige Ungeduld ein klein we nig im Zügel gehalten. Lebt fie oder ist sie nur eine Schöp fung der Phantasie V Das waren die ersten Worte, mit denen sich der junge Mann vorgestellt hatte. Dß der Künstler etwas verdutzt dreinschaute, mochte auch Fritz bemerkt haben, denn sobald er nur sah, daß ihm keine Antwort wurde, sing er an, viel deutli cher zu werden, und erzählte recht umständlich, was ihn eigentlich hieherge führt habe. Lebt sie auf Erden," so schloß er, so muß ich sie sehen, und müßte ich wandern mein ganzes Leben hindurch, und lebt sie nicht, so will ich mich in eine stille Kammer verbergen sür immer und ewig um sie trauern." So viel ich weiß, ist sie ganz gesund," sagte Neinhold mit dem ehrlichsten Gesichte von der Welt, es ist ein allerliebstes Kind und hat mir als Studienkopf viel Vergnügen gemacht; der Teint ist zwar viel lichter gehalten, anch die Augen haben ein frischeres Colorit, im Ganzen ist aber das Conterfei ziemlich treu. Sie war im Hause meines Onkels als Stu benmädchen angestellt, . und ist meines Wiffens noch nicht avancirt. Um sie aber zu sehen, hätten Sie, junger Mann, gar nicht. Ihre Vaterstadt, zu verlaffen brauchen,, denn! wie ich mich erinnere, können Sie dieselbe sinden, in der in der nun die Gaffe und Hausnummer, die sie mir nannte, als ich ihr ein Zeugniß schrieb, ist mir schon entfallen, aber der Name ihres .'Dienstherrn ist mir noch wohl im Gedächtniß. Fragen Sie nur bei Herrn Robert Zangenberg an." Fritz war gleich in der Mitte dieser Antwort wie begossen dagestanden ; als der Künstler nun vollends geendigt hatte, wiegte er ganz nüchtern sein Haupt, dann schlug er sich vor die Stirn und rief : Wo habe ich denn meine Augen ge habt, ich Thor ! das ist ja unsere Marie!" Quittung. Untersuchungsrichter (nach dem Vollzuge einer Prügel execution zum Angeklagten). Ange llagter ! Paßt auf, was ich Euch vorlesen werde." (Liest :) Die dem Michael Vagabundus wegen Landstreichern und lüderlichen Lebenswandels zuerkannte Strafe von 20 Stockprügeln wurde heute Früh in Gegenwart des Untersuchungsrichters im Gesängnißhofe vollzogen." Dieses Protokoll habt Ihr noch zu unterschreiben, dann könnt Ihr Eurer Wege gehen." Michael unterschreibt : Mit Dank erhalten, Michael Vagabundus." Mißverständniß. Lehrer. Aber Sie, Herr Vetter, haben mich schön im Stich gelassen. Gedenkt's Ihnen nicht mehr, daß Sie mir versprochen ha ben, Sie wollten mir zu meiner letzten Kindstaus' en Hasen schicken." Förster. Was Teufel? Jsch Keiner kommen? Da bin ich unschuldig. Ich hab's, mein' See!', gleich Einem g'sagt, aus'm Feld d'rauö. Da isch jetzt das Ssppermentsvieh wahrscheinlich in's unrecht' HauS g'loffen. Naives Geständniß. Herr (zu seinem Diener). Aber, sag' mir um Himmelswillen, Kerl,bift Du denn wirklich so ochsendumm, oder verstellst Du Dich?!" Diener. I, gnäd'ger Herr, was Sie denken, ich werde mich doch nicht verstellen!" . In der sächsischen Schweiz. Fremder : Hören Sie, Führer, warum heißt denn dieser Berg der Winterberg ?" Führer: Das will ich Sie sagen, meine Herrschasten; im Sommer da is es äne Restoration für die Fremden, im Winter is es blos ä Berg und darum heeßt's der Winterberg."
Die sogen, indischen Vogelnester, welche auf den Tafeln mancher Vornehmen und Reichen auch wohl tei uns hin und wieder als besondere Delikateste eine Rolle spielen, dürften für die übergroße Mehrzahl der sterblichen Erdgeborenen Zeit ihres Lebens so etwa? bleiben, von dem nur in Fabeln und Märchen die Rede sein kann, und es mag vielleicht schon so mancher, der zum ersten Mal davon hörte, bis zu welchem Grade ein echter Gourmand seine Wünsche,wenn er sie zu besriedigen im Stande ist, ausdehnt, mit ungläubigem Lächeln den Kopf darüber geschüttelt haben. Dies Letztere ist aber sehr mit Unrecht geschehen; denn bekanntlich ist über den Geschmack und zwar dies im buchstäblichen Sinne genommen, ganz besonders nicht zu streiten. Die indischen Vo
gelnestcr sind und bleiben nun einmal eine Delikateste, und noch dazu eme recht kostbare, und vielleicht für viele Leute, welche sich den Gaumenreiz derselben nicht zu versagen brauchen, gerade des halb. Diese Nester sind ein Produkt einer Art Schwalbe der Hiniiido esculenta' . Jene Schwalben nisten in Höhlen und Spalten der vulkanischen Urgebirge, welche an den KüstenJndiens und den benachbarten Inseln steil in's Meer abfallen. Dort trifft man sie in ziemlichen Mengen, fich in hsrizontalen Reihen neben und übereinander anbauend, an. Die Nester sind an den stei len Felswänden festgeklebt und werden zweimal im Jahre von Menschen eingesammelt, welche von Kindheit an daran gewöhnt sind, jedoch ihren Beruf nicht selten durch einen tödtlichen Fall in die Tiefe endigen. Die sinnlichen Chinesen betrachten die Nester als ein stark reizendes, erweckendes, magenftärkendeS Mittel, weshalb ste denn auch namentlich nach China hin einen bedeutenden Han delsartikel und dort gerade ein nothwen diges Gericht aus den Taseln der Reichen ausmachen. Man findet die besten Ne ster in tiefen, dumpfigen Höhlen, und zwar, ehe die Schwalben ihre sier gelegt haben. Die schlechtesten sind diejenigen, welche, nachdem die Jungen bereits aus geflogen, geholt werden. Die kleinsten sind die feinsten und reinsten, haben bei nahe eine lichtgelbe Farbe; diejenigen aber, welche später abgenommen werden und in denen bereits Junge gewesen, haben eine dunkelbraune Farbe und sind mit Blutstreifen und Fasern durchmischt. Nachdem die Nester abgenommen, werden ste im Schatten getrocknet und hiV raus bei 60 Pfund in Dosen verpackt nnd für den Handel nach China zuMarkte gebracht, wo die erste und beste Sorte nicht selten mit 1500 spanischen Matten (die 60 Psd.) bezahlt wird, und gleichwohl die geridgen Sorten noch jederzeit 300 bis 400 Gulden (60 Psd.) kosten. Die Vogelklippen von' Klappa Nungal an der Küste Javas liesern durchschnittlich jährlich 3750 Psd. Diese Angaben allein schon laffen aber immerhin erkennen, daß die Vogelnester in der That einen gar nicht so unbedeutenden Handelsartikel sür jene Gegenden ausmachen. Schnellsertig. Pepi : Mutter, ber Herr Lehrer hat hat mich z'Haus glchickt. Ich soll beffere Kleider anziehen, hat er g'sagt, weil der Herr Schulinspektor kommt" Mutter: So! Da setz' halt Deine neue Mütze aus !" Sprichworte über die Frauen. Gewiß sind es nur die satanischen Männer, welche bei den verschiedenen Völkerschaften allerhand lästerliche Sprichworte über die holden Frauen zurecht gelegt haben, aber es ist wahrda stnd die Sprichworte, und wir wollen, um zu zeigen, wie schlecht die Männer sind, einige zum Scherz mittheilen. Bei den Ruffen heißt's : Brautstand ist wie Wein, Ehestand wie Essig" Zusammen ist's ihnen zu eng.getrennt zu wen'g." Beiden Bergamasken: Im ersten Jahr wird geküßt, im zweiten gewickelt, im dritten geschimpft und gehungert." Bei den Venetianern : Wenn ein Mäd chen heirathen will, hat sie eine Zunge und sieben Arme, aber nach den Flitter wochen hat sie nur noch einen Arm und sieben böse Zungen." Bei den Serben : Bei der Mutter ist ste ein Schäs chen, beim Mann ein Wolf Der Spanier charakteristrt die beiden Gatten zoologisch: Sie ein Pfau er ein Esel." Der Finne singt Alles, und so singt er auch hier: Bräute lispeln, Weiber kreischen wie verändert sich die Stimme ! Händchen schmeicheln, Hände kratzen wie verändern sich die Tatzen!" Und endlim der Negersranzose : Der Schuh weiß am besten, wo der Strumpf Löcher hat." Höflich. Frau Commercienräthin Meier erhielt den Besuch desHerrn Hosraths Mevius, welcher die Damen für einen milden Zweck erwärmen wollte. Christel, bring dem Herrn ein Glas Wein!" rief die Commerzienrathin. Christel, die fromme Einfalt vom Lande, brachte alsbald einen Römer in ihren nichts weniger als appetitlichen Händen. Aber Mädchen, bringt aus einem Teller!" sagte Madame ärgerlich. Gleich daraus erschien Christel mit einem Suppenteller, gefüllt mit Rothwein. Soll ich auch einen Löffel dazu bringen, Madame?" Kindlicher Optimismus. Kindsmädchen. Hör', Pepi, wenn Du mir nicht folgst, dann rus' ich einen Gensdarmen, der muß Dich arretiren." Pepi. O, die Gensdarmen sind keine bösen Menschen, vor denen sürcht' ich mich gar nicht. Weißt Du noch, Fanny, wie freundlich gestern der Gens darm war, der Dich im englischen Garten gestreichelt und gesagt sagt : Geh', Schätzer!, gib mir a Busserl." Vor dem hast Du Dich auch gar nicht gesürchtet!" Sprach - Vereinfachung. Jemand, der sich einer originellen und kurzen Ausdrucksweise bedienen wollte, sagte einst : Ich sah Am,- Bam und Nürnberg, und ging über Ochsen,Schwein- und Frankfurt wieder nach Hause." - . Nach was? Viele Menschen dürsten ihr Leben lang nach Ruhm und Ehre Viele nach Liebe und Geld, nach Reisegenüssen ; aber am meisten dürsten wohl die Menschen nach einem salzigen Hering.
LlnNustria.
Das Bißchen Herzegowina-, Was macht es dir für Kummer, , Beklagenswerthe Austria, Wie stört es deinen Schlummer ! Nur dich zu ärgern ist es da. Das Bißchen Herzegowinas Bald gährt es hier, bald gährt es dort. In Mostar und Bjelina Und sprech' malEiner aus das Wort! Aus dem Gebirg Krbljina. Du siehst, daß nichts sich machen läßt. Es ist und bleibt ein Raubernest. Du hast sa doch schon überall Genug, um dich zu placken. Mit Ratzensall' und Vausesall', Mit Czechen und Polaken. Nun kommt zum Schaden deiner Ruh' Die Herzegowina auch dazu. Ich rathe: Willst du, Austria, Dir Fried' und Ruh' erwirken. So nimm die Herzegowina Und schenke sie dem Türken. Zu diesem sprich: Nimm dir nur da - Das Bißchen Herzegowina!" Leichtsinnig, wie der Türke ist. Wird sich nicht erzähmen: Was du ihm bietest voller List. Das wird er gerne nehmen. Es kommt ja auch dem Muselmann Aus eine Sorge nicht mehr an. Und wenn du so dem Türken haft DaS Raubnest aufgebunden? Wie wirst du, ledig dieser Last, Dann froh dein Glück bekunden: Ich bin es los Hurrah! Hurrah ! Das Bißchen Herzegowina!" (Kladderadatsch). - Czechischer SlegeShymnuS. Auf, ihr edlen Wenzeslause, Stimmet an die Siegesweise, Singt ein Lied voll Stolz und Kraft ! Laßt eS bis zu Nepomuken Schallen auf der Prager Brücken : Czcchisch ist die Wiffenschaft! Von den deutschen Professoren Sagt selbst Pindter, dort geboren. Daß ihr Wissen mangelhast Doch der Czech, nichts lernen müffend Ist von vornherein allwissend - Czcchisch ist die Wiffenschaft! Singt den Deutschen es zur Strafe : Vivat hoch der edle Taaffe, Der uns diesen Sieg verschafft ! Auf, ihr muntern Wenzesläuse, Trinkt und brüllt nach Czechenweise : Czcchisch ist die Wiffenschaft! m Stoßseufzer. (Parodie.) Es ist bestimmt in Gottes Rath, Daß, wer einmal fünf Schwestern hat. Muß leiden. Wenn Keine einem Mann' gefällt. So ist er nicht, auch selbst mit Geld, Zu neiden. D'rum, hast du einen Freund, dir werth. Der wohl sich einen eig'nen Heerd . Kann gründen. So lad' ihn ein und last' nicht aus. Bis dir gelungen, ihn an's Haus Zu binden. Die anderen Viere, weißt du was, Die stelle hinter's Fensterglas Der Scheibe. Vielleicht, daß Einen Gott bestimmt. Der Eine nach der Andern nimmt Zum Weibe. in Merkwürdiges Gedächtniß. Sie. so ein Hundert, wie meinen Ami, fmden Sie nicht so leicht in der Welt. Stell' ich ihm heut' Mittag auf sein Hunvrlischerl eine Schüffel mit von gestern übergebliebener Erdäpfelsuppe. Wer sich aber verdrießlich abwendet und die Suppe nicht anrührt, das ist mein Ami. Ja, was geht denn vor? denk' ich mir. Auf einmal fällt mir ein, daß der Ami heute seinen Geburtstag hat. Schnell deck' ich sein Tischerl mit einer weißen Serviette und stell' dann einen Teller mit einem schönen Nierenbraten darauf. Aber nun Hütten Sie die Freud' sehen sollen, und wie er jetzt zugegriffen hat, daß kein Bröckerl übrig geblieben ist ! So ein Verstand von so einem Viecherl, hat der wirklich seinen Ge burtstsg im Kopf behalten Müller: Also is er wirklich in Unjnade jefallen? Schultze: Wer denn? Müller: Na Skobeleff. Schultze : Von seine jebrannte Was serrede? Ach, Unsinn! Jm conträren Jejentheil ! Hast du denn nich in die Zeitung jelesen? Müller: Was denn? Schultze: Na, daß een Schiff von die Kaiserlich Russische Marine alleweile auf seinen Namen jetoost is. Müller: Na was will denn des sa gen? Schultze: Doch wenigstenZ, deß dieRejierung seinen Namen Ehre erweisen will. Müller: Es kann aber ooch bedeuten, deß die Russische Rejierung alleweile dran denkt, den Skobeleff abloofen zu laffen. fBertho ld Auerbach.f'' Im stillem Heimathsdorf, dem er ent fproffen. Hat über ihm die Erde sich geschloffen. Doch seinen Werken wird der Deutsche lauschen, . So lang des Schwarzwalds grüne Wipfel rauschen. Die egyptische Frage. (Beleuchtet von Nunne.) In dem Land der Obelisken Krieselt'S wieder ein klein"disken ; Kracht es nächsten dort einmal. Wird der Krach pyramidal. Der Großvater. Großvater, fluch nur nitlo.!" . Himmel-Kreuz-Donnetwetter, fluch ich denn?" 'Ein Chicagoer Blatt verübt folgenden armseligen Witz : .Die KSni gin Victoria ist eine vortreffliche Frau, aber eine sehr schlechte Scheide."
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