Indiana Tribüne, Volume 4, Number 179, Indianapolis, Marion County, 12 March 1882 — Page 5

NnS dem Tagebuch einer Thet?s

mutier. sii Vli histr, Kie oulig von gm. Anthoutz. V - : ; Ich hatte mich also doch ge int undAmandachen gewinnt die Wette, denn eZ war in der That der Todestag meines zweiten und nicht,wie ich meinte, der Geburtstag meines dritten Seligen, da wir hier ankamen. Und noch dazu ein Freitag ! Drei Mal hob ich den Pi-aue-Vuben ab. Ein böses Omen! Amandachen hat außerdem ihren Toilettenspiegel beim Auspacken zerbrochen. Wir werden nicht hier bleiben! Und doch scheint bis jedt AlleZ ganz nett. Die Stadt ist hübsch, die College charmant, das Theater ein sehr stattliches Gebäude. Der Direktor, ein liebenswürdiger Herr, soll Geld haben. .Ist keiner vom Bau! Es ist sein zweites Di-rektions-Jahr und er noch immer ohne Gattin! Ei! Ei! Er sah Amanda so ganz eigenthümlich an,als sie den blauen Schleier zurückschlug! Und mir machte er Elogen über Elogen ! Aber da traue Einer. Der Direktor ist immer der ge iorne Feind des Schauspielers! Inder Noth schneiden sie uns selbst vom GalLen herunter, hernach hängen sie uns wieder daran auf! O Schiller, wie wahr ist dein AuZspruch von der schwarzen Canaille, die ihre Arbeit gethan hat und nun gehen kann! Ich habe in meimm Leben schon zu viele Species von dieser Sorte kennen gelernte um noch Vertrauen zu haben. Und doch! .Schwiegermutter eines Direktors ! Schicksal, diese Genugthuung wärest du mir schuldig! Na, die Comödianten sollten sich treuen ! Den Vorschutz haben wir Dekommcn, aber Jda mußte dreimal danachlaufen und hernach gab's lauter einzelne Markstücke. Scheint mit dem Vermögen unseres Chefs doch nicht lveit her zu sein. Aber charmant ist er doch. Er grüßt so ganz apart. Es ist chic darin. Und besonders grüßte er Heute Jda! Warum nun wieder bic l Gestern und vorgestern schien ihm Amanda doch still, wer ergründet die Scylla des Männerherzens?! Jda soll zuerst die Emilia Galotti spielen und ich die olle Mutter" Claudia, die wie eine Löwin um ihr Junacns brüllt. Na, ivartet, ich werde brüllen! Und die Jda wird Euch eine Emilie hinlegen, wie lhr sie m Eurem Nest noch nicht gesehen habt !.... Der Persiko Liqueur ist .lhier sehr schlecht. Wenigstens in der !Conditorci drüben. Muß andere Bezugsauellen entdecken .... Käme mir mix nicht der verwünschte Pique-Bube immer in die Hand und hätte Amanda st eine Antritts-Rolle. Ein Pracht mädel! wird hier riesig durchschlagen! Wanz mein Fleisch und Blut ! Ach ihr Water, mein Zweiter, hätte gewiß seine !belle Freude an dem Kinde! So verHändig, so -agil, so frisch! Gestern hätte sie den Theaterdiener bald zur Thür hinausgeworfen, well er erzählte, daß die vorjährige Soubrette, Amanda'S Vorgängerin, hier sehr beliebt gewesen sei. Im Uebrigen ist Krallmever (so heißt der Galopin des Chefs), ein sehr verstandiger Mann. Auch er tnntt Persiko am liebsten und empfahl mir den grünen Affen zum Einkauf dafür! Die Herren von der Presse haben wir nun auch besucht. Das i die Hauptsache! Das mnß man kennen! Wäre Jda nur nicht so blöde! Der Doktor Dschahn soll auf seine Recensionen sehr eitel sein. Dem Manne kann geholfen werden! Ich will ihn mit EloHen betrunken machen. Haben wir erst den Kündigungsmonat hinter unS, lachen wir den Efcl auS! Der Doktor Gänseblümchen soll sehr verliebter Complezion sein. Na, Amanda hat ihm hinter ihrem blauen Schleier eimge Blicke zugeworfen, die nicht von schlech im Eltern waren, obschon sie dieselben nicht von mir hat. Ein Wettermädel! And kaum achtzehn gewesen!" O schöne Zeit, va auch ich im Flügelkleide ging ! O Jugend '.Jugend! Unsere Wirthsleute find charmante Menschen. Die Frau Schneidermeifterin hatte uns geftern Abend auf Fischsalat eingeladen. Dazu gab's Thee. Ich hätte eine andere Flüssigkeit vorgezogen. ApropoS, der Persiko im grünenAffen taugt nichts. Krallmeyer ist wahrscheinlich weniger verwöhnt als ich. Heut' hat Amanda ihre Debütrolle bekommen. Der Pos-fen-Regisseur brachte sie höchsteigenhändig. Die leichte Person" soll mit ihr . fein! Na, gebt Acht! Ein Glück,daß der Herbst so warm ist. Da kosten die Dlumen noch nicht solches Heidengeld wie im Winter! Und ohne Blumen geht uichts! Die dicke Logenschließerin auf der rechten Seite scheint eine distrete Person. Muß mich an dieselbe hercuimachen, daß sie mir die Kränze mit dem richtigen avcc auf die Bühne schmettert und den Mund hält! Das muß man kennen! Werden sich die An)ern ärgern, besonders die hagere Bohnenstange mit dem Storchnest auf ihrem Chinefenkopf, die sich einbildet, meiner Amanda als Soubrette Concurrenz machen zu können ! Zittere, Byzantia! Wozu überhaupt eine zweite Soubreite? Direktorchen,ich ahne Schreckliches! Schlippermilch heißt diese Fachfallerin; ein recht bezeichnender Name! Sie soll im vorigen Winter in Sigmaringen ausgezischt .worden sein! Und so was kommt daher und will meine Amanda ausstechen! Muß doch durch Theaterdiener und Logenschlicßerindiesen Abfall in Sigmaringen in Umlauf bringen. Solche Leute sind dazu wie geschaffen! Und Jda muß e3 dem Dokror Gänseblümchen sagen, wenn er heut' Nachmittag zu unS kommt. (Wenn er wieder Gedichte vorliest, gehe ich in die Eonditorei. Der rothe Curac,-ao ist bes ser) Bin übrigens neugierig, ob Jda wirklich die Emilie Galotti noch spielen wird. Der Schauspiel-Regisseur murKielte gestern etwas von unübersteigbaren Schwierigkeiten!" Ich wittere ettvaö von bösenNänken! Die komische Alte ist uns auch nicht grün! Spiegelberg. ich kenne dir! Vor 23 Jahren hatte ich einmal mit ihr einen eklichen Skandal. Wir waren in Kyril) an der Kratter und ich spielte noch jugendlich tragisch. Sie war schuld, daß ich mei pem Ersten das Jawort gab. Das verzeihe ich ihr nie, denn ich hätte ihn ihr

fcrft lieber gegönnt! Ach man macht sv

viel dumme Streiche im Leben ! : Unser Vorschuß ist alle. Ich bin in Verzweiflung ! Unser erster Liebhaber (er hat Ähnlichkeit mit meinem Dritten) drängt sich der Jda immer zur Begleitung auf! Na, so was könnte mir pajftn! Ein Verhältniß mit Collegen! Werst das Scheusal in die Wolfsschlucht! Wo nur die Jäger - Offiziere des hier stationirten Regiments alle zu Mittag speisen? Ich habe nun bereits alle iftb!o3 ä'kot umsonst abgeweidet. Wegen der Paar Welnreisenden lohnt sich's nicht, daß man das Heidengelo für das bissel Essen ausgiebt! Wie Jda doch naiv ist. Das hat sie freilich von ihrem PaPasi Götter, warderklelMann in diesem Punkte groß! Jda fragte mich: ob Unmündige wegen Schulden verfolgt und bestraft werden können!" Amanda, obschon die Jüngere, muß sich der Aermsten etwas mehr annehmen. Ich habe nicht die Zeit dazu. Wenn unser Schauspiel-Regisseur denkt, daß wir ihm zuerst Visite machen, da irrt er sich. Der Mensch grüßte mich kaum, als ich eben über dieBühne ging, wo gerade Probe sein sollte! Na, warte, wenn wir erst festen Fuß haben ! Unser Agent bietet uns heute ein Gastspiel nach Neustadt am Pregen. Pah! Was der Mensch sich denkt! Es ist hier doch immer ein renommirtes gutes Theater! Neustadt! Lächerlich! Die blonde Hermann" ist nun schon die Zweite, die hier eine gute Parthie gemacht! Wer weiß, was in der Zeiten Hintergrunde schlummert! Ich hoffe Alles! Amanda's gelbseideneS Kleid und ihr Armband müssen in's LeihhauS! Es geht nicht anders! Aber durch wen? Schickt einen Boten mir, o güt'ge Götter! Habe ich's mir nicht gedacht! Mit Emilia Galotti ist's nichts. Bloße Chikane vom Regisseur! Warte! Jda ist fuchswild. Ich hätte dem stillen Kinde aar nicht diese Energie der Leidenfchaften zugetraut. Das hat sie doch von nur! Es giebt das Herz, das Blut sich zu erkennen." Die Schlippermilch soll die Rolle der Jungfrau von Orleans erhalten haben! Wenn Ihr glaubt, daß ich Jsabeau'n mit der mache mit Ihr! Hohoyo! Uno dem Direktor werd ich zeigen, wessen ein Mutterherz fähig, wenn man dasselbe in dem point d'honncur seiner Kinder deprinnrt! Amanda Hat keine and schuhe mehr! Geld! Geld!.... Ich kann dem Direktor doch keinen Generalmarsch machen, wenn ich Vorschuß will! O Sklavenjoch! WleJagerOfsiziere speisen in ihrem Casino. Auch das noch! Ich leide seit zwei Tagen am Magen. Der Theaterdiener rath mir den Persiko auszusetzen und eö einmal mit Ingwer zu versuchen, der bei Gebrüder Fasse! hier im prima qualite zu haben sein soll! Versuchen wir's!' O ich bin vernünftigen Rathschlägen stets zugänglich! Sonntag ist die leichte Person!" Amanda bekommt vier Krame! Alles besorgt! Der Dl rektor soll schon Respekt bekommen! Und die ganze Bande! Die Kritik tanzt nach unserer Pfeife! Blondchen wie Gänseblümchen find unser! Möcht' ich doch wissen, ob unser erster Komiker hier Namens Grünhoff derselbe ist, der mit meinem vierten Mann in Buxtehude zusammen war. Ich glaube ein Ver wandter! Der Mensch sieht mich so eigenthümlich spöttisch an. Ost sogar verächtlich ! . .'. .Der Mensch muß fort. Ich werde Blondchen gegen ,hn Hetzen! Und nun auf nach Valencia! Erst zum Ingwer, dann zum Direktor! Ich fühle eine Armee in meiner Faust. Der Direktor ist eiu taktloser Geselle! Mir zu sagen: ich röche nach Spiritussen und schrie wie ein Fischwelb! Mir das I Ich mag wohl n wenig laut geworden sein. Das geb' ich zu! Der Henker werde nicht wild. wennEinem so etwas begegnet! Welche Mutter läßt ihr Kind ungeahndet fo kränken? ! Na und nun noch das malltiöse Gesicht von dem Regisseur, der sich immer das Taschentuch vor die Nase hielt. Und dann die Ironie des Direktors,welcher mir ganz offen herausagte: ich sei für die edle Claudia von zu ro buster Constitution!" Ein Wort gab das andere und Ingwer mag vielleicht auch etwas Schuld tragen! Ingwer ist aber doch sein Schnaps! Von Vorschuß habe ich aus point d'honneur nichts gesagt! Lieber verhungern! Uebrigeiis braucht Jda das goldene Medaillon nicht, das sie von ihrem Pathen hat. Weg damit! Amanda soll heute Abend also losgelassen werden! Ach, wie das Mädchen gebildet ist. Gestern sagte sie zu Doktor Gänseblümchen : Ottenbach ist der decolletirteste Klassiker!" Von wem hat sie das nur? So etwas konnte höchstens mein Dritter gesagt haben! Ach, das war nur zu geistreich! Unsere Wirthin soll zum Dienstmädchen geau ßert haben: Unsere Familienbekanntschaften m der Stadt wurden wohl auf Conditorei und LeihhauL beschränkt bleiben." O diese Hauswirthe von möblirten Zimmern! Sie sind die geborenen Feinde aller Kunstler! Na, die kann uns lange bitten, wenn s wie der Jischsalat gibt. Ich glaube, das Oel war ranzig Es ist ein ganz gemeines Complott in der Gesellschaft gegen uns. Komiker und Possen-Regisseur wollen Amanda stürzen! Ich hab's gestern gemerkt. Warum wurde immer so spät aufgezogen beim Hervorruf ? Die reine Chikane! Ueber die Kränze, die wir auf die Bühne schleuderten, wurde im Parquet laut gelacht. Dummeö Volk! Blondchen ist ein Ver röther. Seine Kritik wimmelt von boshaften Malicen! Mich genirt so etwas nicht, aber mein armes Kind soll sich darüber nicht ärgern! Aber freilich, man wird ihr's schon heimlich zustecken, so wie von ungefähr in die Muffe oder in den Schminkkasten ! Das muß man kennen! Die biederen Collegen ruhen nicht, bis wir den Stich weghaben! O, solch' eine niederträchtige Bande wie hier ist noch nirgends zufammengewesen, seit man unter dem Mond auf diesem schnöden Planeten (oder ist ein

Fizstern, ich weiß es nicht mehr) über-

Haupt. Komödie spielt ! Pah, uns soll man nicht unter die Füße treten. Am Ende wäre Neustadt am Pregen . doch noch nicht so schlecht! Könnten wir nur fort! Vielleicht giebt's hier einen Spediteur, der uns auf die Effekten Vorschuß giebt! Morgen spielt die Schlippermilch richtig die Jungfrau!" Und Jda wird NÄ die 'Augen aus dem Kopfe weinen! Vorige Nacht räumte mir von gelben Katzen. Das bedeutet etwas Unangenehmes. . Gemiß gefällt die Schlippermilch! Wenigstens eine Freude: heut' Abend per Post von meinem Aeltesteni dem Buchbinder! Ein prächtiger Junge! Wäre er nur kein Buchbinder! Aber wo ist das Geld hin? Und ich habe doch nur das Allernöthigfte gekaust: eine Flasche Eau de Colögne, zwei Puderquasten und Blumen für unsere Winterhüte! Die Welt gebt unter. ES ist aus ! Amanda will den ersten LiebHaber heirathen! O Götter, wo find Eure Blitze! Meine Amanda! Mein Augapfel! Mein zweites Ich! Was l rr i. i r sl UNS Pounungen, was uns Nlwurse k Eine Theaterehe: Und Jda entsagt der Bühne! Das habe ich eher erwartet. Aber es ist doch hart, an einem Tag zwei solche Schläge. Sie tritt in ein Modewaarengeschäft. Ich habe dieses glänzende Elend satt," sagte ie zu mir, und sage der Kunst für mmer Valet. Ich hoffe jetzt festen Boden unter die Füße zu bekommen! Schreib mir wo du bist, ich werde dich nicht hungern lassen!" Sind das die Früchte meiner Erziehung?! Ich Almosen annehmen von einer Putzmacherln! Hohoho! Noch ist Polen nicht verloren! Ich helfe mir selber! Ich gehe nach Neustadt am Pregen! Die guten Neustädter sollen ihr blaues Wunder sehen. Geschwind zum Spediteur. Jda's Theatergarderobe wird verkaust. DaS ist mein Erbtheil l Morgen wird gepackt und dann hinaus in die weite Welt! Am liebsten ging ich ßuns adieu! Bie Bande hier hat 5 nicht anders von mir verdient! Sinne nach, Moor, wie ist das am besten anzufangen! Man könnte dabei die Bezahlung einiger kleinen Rechnungen so hübsch anstündig vergessen! Also frisch an's Werk! Johanna steht und nimmer kehrt sie wieder!" D Ihr werdet noch Wunder erleben an Eurer alten Mutter, Ihr undankbaren Töchter Goneril und Regan ! Auf nach Neustadt am Pregen! Die alte Garde stirbt, doch ergibt sie sich nicht! Hat Recht! .Fritz Maulchner läßt sich im Feuilleton des Deutschen Montagsblattes über die Stellung des Kritikers wie folgt vernehmen: Das Verhältniß des Kritikers zu seinem Publikum ist immer ein vortreffliches; die einzelnen Herren undDamen jedoch, welchem ihrer Masse das Publikum erst ausmachen, können ihm daS Leben recht schwer machen, wenn sie nach jeder Theatervorstellung, die sie selbst besucht haben, ihre abweichende Meinung im Tone der gekrünkten Unschuld vorbringen und es als persönliche Veleidung auffassen, daß der eigensinnige Rezensent der seiner 2öe hauptung beharrt. Die Empfindlichseil kommt daher, daß daS uebenSwür dige Publikum seinem Kritiker im All gemeinen an viel Ebre erweist. Dadurch, daß seine subjektive Meinung gedruckt wird, hört sie nicht auf, daS Urtheil eines Einzelnen zusein; die Leute find also lm Unrecht, wenn sie im vorab die gedruckte Rezension feierlich mieden Spruch der obersten Instanz lesen und dann Mit ungeheure? Entrü ftuna über Mangel an Objektivität kla gen. Der Kritiker ist Einer, jeder Leser ist auch Einer. Daß der Theater rezensent freilich spreche ich nur von und zu anständigen Leuten gewöhnlich seit seiner Jugend ein besonderes Interesse und darum eine gewlffe theo retische Befähigung für die Bühne gezeigt hat, daß er durch vieles Lesen die dramatische Literatur bener veyerrZcht, als das Publikum, daß er durch jährelange Erfahrung sein Ohr und Auge geschärft hat, daß er auf seinem Platze sich weniger zerstreuen läßt, daß er aufmerksamer zuhört, daß er nachher über die empfangenen Eindrücke genauer nachdenkt, daß er endlich für Stimmung mitunter daS richtige Wort zu finden weiß, das sind Nebensachen, die uns hier nicht bekümmern sollen. Der Kritiker hat nur seine einzige Stimme abzugeben ; wenn sie schwerer wiegt, als manche andere, so liegt die Schuld nicht an ihm. Gerade, um sich selbst zu corrigiren, wird der vorurtheilslose Kritiker eS niemals unterlassen, seinem Urtheil daS Gefammtresultat der Abstimmung beizufügen, d.' h. ehrlich über den Erfolg deS Abends zu berichten. Darum besteht eine vollständige Theaterkritik auch aus dreiTheilen; derFestftellung des Erfolgs, dem subjektiven Urtheil und der objekiven Begründung dieses Urtheils. Ueber den lehten und wichtigsten Theil allein ist eine Diskussion möglich weil da vielleicht des Kritikers Logik angreifbar ist. Seine persönliche Meinung kann als solche nicht bezweifelt werden, und über den äußeren Erfolg, der viele Hunderte zu Zeugen hatte, ist em Streit ganz unmöglich sollte man denken. Aber gerade über diesen Punkt erheben sichzwischen Autoren und Rezensenten die heftigsten Kämpfe. Es fehlt den Ersteren sicherlich nicht an Lust und Selbstbewußtsein, auch gegen die Meinung und sie Begründung der einzelnen Kritiker zu Protestiren; daS ist jedoch oft so schwierig, daß es gewöhnlich auch Unterbleibt. Etwas Anderes ist die fast gejchäftliche Aeußerung über den Erfolg. Da hat der Autor hinter den Koulissen fast immer einen stürmischen Hervorruf vernommen, wenn im Zuschauerraum nur ein Paar Hände vor Erstannen, zusammenschlugen. Und nicht viel weniger sanguinisch als der Autor ist das wohlwollende Publikum. Freunde des Dichters, die sich die Handflüchen rothgeschlagen haben, damit man die Stille im Theater nicht höre, wundern sich nachher, werm-nur von einem .Ach-

tungsersolge" die Nede ist. Wenn der Kritiker von einer vorlauten Elaque spricht, so erzählen die Theaterdirektoren undSchauspieler,'daß es eine solche nicht gebe, und der Oberclaqueur selbst

steckt seine Freibillets m die Tasche, hebt mit römischen Anstande die breitgefchlagene Rechte zum Himmel und schwört, er sei ein uneigennütziger Kunstenthusiast. Wenn wir von Freundendes Autors geredet haben, die zum Erfolge beigetragen haben, so fallen zwei- bis dreihundert Männleinund Weiblem über uns her und rufen unisono : .Ich bin der einzige Freund des Autors, der im Theater war, und ich hab? mein Billet bezahlt! Auch bewundere ich meinen Freund aufrichtig, ohne Rüfickcht auf unsere Intimität!" Ja, wer hat denn von unlauteren Motiven gesprochen? Wer hat denn behauptet, daß der Autor seine Bekannten auf's Beifallklatschen eingedrillt und dann in's Theater geschickt habe? Nein, so was macht sich von selbst; Niemand trägt die Schuld, aber der Ersolg wird doch gefälscht. Uebrigcns muß bemerkt werden, daß die Autoren noch nie Zeter geschrieen haben, wenn ein allzu persönlichcrRczensentbehauptcte,dieFeiude des Verfassers hätten gezischt. Da die angeregte Frage bereits vielfach erörtert worden ist, will ich einmal ganz offen meine Meinung auösprcchen. Ich sinde es vor Allem ganz abscheulich, daß zwanzig na, sagen wir zehn unterichtete, fleißige, mehr oder weniger talentvolle Leute hinter jedem dramatischen Opus hertraben müssen,' daS irgend eiu blutiger Anfänger dielleicht aus Eitelkeit oder aus Gewinnsucht oder schlankweg aus Einfalt zur Aufführung gebracht hat. Ich finde es abscheulich, daß zum Berufe eines Kritikers weil er ohne formelles Examen ergriffen werden kann sich auch so viele unwissende und unehrliche Menschen drängen. Was den armen Kritikcr mit seiner Thätigkeit, die mühevoll und undankbar ist, allein versöhnen kann, das ist das Bewußtsein, daß er von seiner Stelle, aus einem abgegrenzten Gebiete des geistigen Lebens, innerhalb eines bestimmten Kreises, nach bestem Wissen und Gewissen die Wahr heitin ihrcmKampfe gegen die cwigeLüge unterstützt.Und in diesem Kampfe dem einzigen, der werth ist, gekämpft zu werden, von denjenigen gehindert zu werden, die zunächst auf seiner Seite stehen sollten, von den Autoren, von ihnen in seiner Wirksamkeit heimlich gestört zu werden, das ist das Abscheulichste. Ich will von hundert gänzlich uninteressanten Premieren absehen, bei denen so häufig die gröbste Rezension noch eine höfliche Umschreibung für daS leider nicht schriftdeutsche Wort Schafskopf" ist, ich will absehen von den unzähligen Rücksichten, welche der leidige gute Kerl im Kritiker gegen einst verdiente Dichter, gegen strebsame Damen, gegen alternde Liebhaberinnen, gegen zahnlose Helden, gegen banquerotte Theaterdireltoreu nimmt. Ich will nur von dem Dutzend Novitäten im Jahre reden, welchen der blanrteüe Kntlker mit einigen Erwartun gen entgegengeht, und welchen er die Ehre einer ernsthaften Besprechung er weisen will. Darunter sind dann hoch gerechnet drei oder vier Neuig keiten, an denen Einer seine Freude haben kann, und zuverlässig übertreibt . t. A ! . Cl ? k . oann oer rillrer vor vergnügen ?ein Lob; und wenn daS Publikum das Stück nicht verstanden hat wie es ta wohl zuzeiten vorkommen mag so steht er gar nicht an, den Leuten ihre Lauheit vorzuwerfen. Und in den anderen Fällen sollte ich zum Schweigen verdämmt sem? Ich fixe im Parquet, iÄ sebe um mick berum die wodlde kannten Geeichter der Premiere, ich höre jeden Ton im Haufe, ich unterscheide deutlich zwischen dem echte Antheil des Publikums und dem gefälschte, und ich sollte iedes HändeNatichtcn als Urtheil der Mitwelt registnren mügen? Da wird ein Witz gerissen. Nremand lacht. Nur hoch oben wiehert es los. zwei Sekunden lang; dann bnchts ab. die Eluaue war m vorlaut. Oder der Witz wird wirklich belacht und oben applaudiren die Menschen sofort srenel tr r c r . r i nscy, wie nacy ocm 55a)iuLai! einer Tragödie. Das sollte keine Elaque sein? Dann geht der Akt weiter. Es vergeht eine lange Sccve, während deren Niemand ein anderes Gefühl, als das der Langeweile hatte. Der Vorhang fällt, das Publikum bleibt stumm : aber hundert Hände rühren sich, applaudiren kühl und zielbewußt den Vorhang noch einmal empor. Oder: der Akt hat zwar wenig angesprochen. die Schauspieler aber haben gut ge spielt und erhalten ihr Almosen, den Hcrvorruf. Kaum lassen sie sich jedoch sehen, da rufen die Bestner der oben erwähnten hundert Hände kühl aber zielbewußt Autor!" Das sollten nicht die Freunde sein? DieSmptome, andencn der Theaterbabitue die Echtheit des Erfolges erkennt, find oft noch viel mb I tilcr; ich wollte nur andeuten, dab außer dem unmittelbaren Eindruck doch auch sichere Beobachtungen mitsprechen. Wenn aber der Kritiker in seinem Be rufe überhaupt den Erfolg neben sein Urtheil stellen soll, so muß er wenigstenö das Recht haben, den Erfolg von den zufälligen und absichtlichen Fälfchungen loszulösen, die sich vordrängen." Perlengestickte Strümpfe sind die m 1 . 1 A-- CM- 's neueue Acooenarryeii, iveiaze Paricr Modistinnen ersonnen haben, Diese sonderbaren Bekleidungsstücke werden in fabelhaft kostbarer Weise hergestellt und kosten viele tausend Kranken das Paar. Wenn man nun bedenkt, daß doch gerade der Strumpf der am wemallen sscktbare Tbeil einerDamenaarderobe sein soll, fo sieht man den Zweck dieser Verschwendung nicht recht em. . Ein Alligator muß sieben Jahre wachsen, ehe seine Haut $3. werth ist. ES würde fick also immerhin doch noch besser bezahlen eine gewöhnliche Viehzüchterei zu betreiben, als ein Brütenitall von dielen aewaltiaen Eidechsen. eS sei denn man könnte den. Contrakt der iverrendemng Compagnit erya! ten.

Aus Morgenland und Abendland.

Herr Michaelis, Eigenthümer der ..Fr. Pr." von Chicago, der gegenwär-: lg in Deutschland wellt, schreibt allein Blatt: Friedrich v. Bodenstedt'K neueste Gedichtsammlung, welche unter diesem Titel bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienen ist, möchten wir unseren Lesern empfehlen. Auö der Sammuna wollen wir hier zwei Gedichte abdrucken; aus dem Prolog den Theil, welcher sich auf Amerika bezieht, und aus den Amerika behandelnden Gedichen den Abschied : ' Der zweite Theil des Prologs lautet: Ich sah in fernen Abendland:, Aus alten Böllern buntgesellt, ' Ein neueö Leben auferstanden In einer neuentdeckten Wett Wo alte Racen sich verjüngen, ; Der Stamm- und Glauienshadn schwelgt, Der Fortschritt sich in Riesensprüngen Beim steten WeMauf Aller zeigt. Und waS der ZwangSmacht unsrer Ahnen Nicht in Jahrtausenden gelang, Auf weite, selbstgeschaffnen Bahnen Ein freieö Volk im Flug errang.. Da schlagen alle Pulse schneller In wilder Jagd nach Gold und Glück, Da blicken alle Augen heller Nach Vorwärts aber ketnS zurück; Da heißt es : .Sterben oder siegen l Und immer vorwärts geht'S im Sturm, Der Schwache bleibt am Wege liege Und wird zntrete wie ein Wurm. Wohl auf der GlückSiaad kommen Viel Zu Gold und Gut im Utberftuß, Doch Wn'gen wird am gvldnen Ziele Des Glücks durchgeistigter Genuß. Hier treibt in rasender Geschwindthelt Das Leben seinem Ende zu; . Hin hat die Jugend keine Kindheit! Und hat das Alter keine Ruh'. Hier weben keine Dämmerungen Gebeimnißvoll um Mur und Haa : . Der Tag kommt aus der Nacht gesprungen . Iah, wie die Nacht springt aus oem ag. Hin ist nichts Großes schon vergangen, . Da Alles noch im Werden lebt. Und was die Zukunft hält verhanaen, ' Weiß nur, wer emst den Achteln izeöt. Docü die! neuen Welt im Werden In's Herz zu schau'n, schärft mehr den DNck Als alles Große, was auf Erden Bor uns vollendet das Geschm. . - Es ward nur aroß, weil es sich nährte Vom Großen dn Vergangenheit, Und doch ureigne Kraft bewährte In Werken für die Ewigkeit. Natürlich kann ein Dichter in so tor nilien Zeilen kein erschöpfendes Urtheil Aber ein so großes Land, wie das Gemet der Ver. Staaten, abgeben; aber was der mit Recht hochgefeierte Dichter über das Leben und Treiben m Amerika sagt, ist im Großen und Ganzen richtiger und wärmer empfunden als Alles, was namhafte deutsche Reisende vor ihm über die Union geschrieben haben, besonders Büchner, der mit dem Dünkel des Gelehrten einen Blödsinn über Amerika zusammenschrieb, welcher zum großen Theil obenem durch offenbare Böswilligkeit dictiN worden war. . Der Abschied von Amerika lautet wie folgt : Leb' w,hl, merila! Cln flücht' Wand'rn Durchzog ich Deine SegrnSau'n 5 WüY, Nnd doch 'im Scheiden suhl' ich mich ein Vnd'rrr. And da znnft mich Deine Sterne grüßte: Es hat dieö wechselvolle Wunderjahc Die Augen mir geöffnet wunderöa. Daß ich in Deinem Lichte anderS fchev Als da ich kam, nun da ich vea Dir gehe. Leb' wohl muila! Dn Welt im Werden! TuS unl'rn Mten Welt erhab'nen Trümrann Lmkuigy Du, waS GroöeS ward auf Erden, Und irauchft Dich m Lergaug'neS nicht zu kümmern. DieweNen wir och stets voi.? alten Fwch S, dulden Hai, d Geschichte Buch Durchforsche, müssen, gründlich 1 ersah nn, Wk lang' tob ßarna .bet Geschichte waren 2tV woy, ' Amerika! Äoch scheS Ranlch Sah ich fc DK ie!a kllen Musnruschanze Deö Wahiek', 0 Im Gtautaa es beSich selig a Qe dn Hnrscherachi, daö ganze Ven Freiheit trk'x Voll ulckt weiS och ahnt: Wem sei Wahl den Weg ,nr HerrschaH bahnt;. Ob einem Weis oder einem Thoren Nach Glücksfak wird erkor wie schoren l , Leb' wohl, Amerika; WaS mr VerReadung Dir ancb geschah du'rch trügerische Leu? Du irrtest vie im Ziele Detnn Senduna Und ßürmteft aus der Bahn deö ForrschrUZS weitn. ES wurden Wüsten rmkn Deinem Schritt , Zu Paradiesen, den daS Glück zog mit Und trieb zu immn kühn'rn Unternehmung Dich vsrwäits, andern Völkern zur VeZchimung. Leb' wohl Amerika! Von Deinm Aehrn Und Demen immer hochgfüllten Speichern ' Muß nun schon uns're alte Welt sich nähren, Und Alles dient bis Neue zu bereichern. Wie Weberschifflnn fliegen hin uud hn , ' Die Rlesendamxfer über 's weite Wen, Deutschland schickt Dir sein Geld mit seiuen Sindern. Deiu Volk uud Gut zu mehren, scinö zu mwdern. , ' Leb' wohl Amnika ! Dir ward ein Segen, Wie keinem Volk der alten Welt besckleden! ' Wir sthen umdreut von Feinden allerwegen Und müssen kampfbereit sein selbst im Frieden. Denn gegen uns gerüstet sinnt der Feind Auf Rache für den -ieg, der uns geeint. Dir droht kew Fewd, das Meer schützt Deine Küsten, Du brauchst zur Friedensarbeit nur zu rüsten. Leb' wohl, Amerka k Dein Sternenbannn Bedürfte nie des Schutzes großer Heere. Du scheuchtest leicht die rotken Bogenspannn Und suchtest nur in Arbeit Lohn und Ehre. ' Urwälder lichtend und dn Felsen Hnz Erichließend, reich an Gold und Silbnnz; Geleise übn Riesenströme schlagend Und über Verghöh'u, in Xt Wolken ragend, Lei' wobl. Amerika! Was in Dir GroßeS, Kann rrni drr Dummheit Neid und Haß erregen. Du nährst viel Kinder deutschen Muttnschoße, Die treulich mebrn. Deines Wachsthums Et- ' gen Doch deren Herzen auch im fremden Land Dn alten Heimatb och neu zugewandt. Und ihr und ihnen gilt mei Wanich beim Scheiden, Daß nie das Vand zerreiße zwischen Beide ! Diese Verse zeigen, daß Badengedt mit offenen Augen und mit warmem Herzen das veite Gebiet der Union durchreist hat. DaS Urtheil deö ge.

feierten Dichters wird sicherlich viel dazn .'beitragen, die unrichtigen Ansichten zn beseitigen, welche man selbst-bei wohl Gebildeten über Amerika findet und eS sollte daher daS neueste Werk Mirza Schaffi'S: Aus Morgenland und Abendland" in dem Haufe keines Deutsch-Amerikaners fehlen, damit man nicht sage, daß die in Amerika lebexden Deutschen nicht einmal daS Wort des bedeutendsten deutschen Dichters kauften, der Amerika bereiste und ein so wohlwollendes, freundliches Urtheil fällte. Sin weiblicher Lord. London, 16. Februar. Unsere Zeit hat keine Ursache, über Mangel an Schwindlern Klage zu süh ren ; die Brüderschaft ist in aller Herren Ländern stark vertreten und das Hand werk der Jndustrieritter ist zu einer Kunst

entwickelt worden, die emen bevunderns werthen Grad der Vollkommenheit erlangt hat. Ein Fall aber, der jetzt in Birmingham die Gerichte feit einigen Tagen beschäftigt, darf als das Höchste bezeichnet werden, waö auf diesem Ge biete bisher geleistet wurde, und die Advokaten für die vollkommenste Emancipation der Frauen werden darin einen neuen Beweis finden, daß das söge nannte Geschlecht dem sogenannten star' ken Geschlecht in geistiger Beziehung wenigstens gleich steht, wenn nicht überlegen ist. Miß Mary Jane Furneaux, die man im gewöhnlichen Leben eine alte Jung fer" nennen würde, da sie schon 20 Jahre lang die herkömmlichen 26 Sommer zählt,- ist die Heldin dieser wunderbaren Geschichte und ihre Leistungen sichern ihr jür alle Zeiten den Ruhm, alle Schwindelkünstler übertroffen zu haben. So viel man bis jetzt ersahren, hat sie es verstanden, in sieben Jahren mehr als 17,000 Pf. Sterling zu verdienen",und die Art und Weise ihrer Manipulation laßt eS zweifelhaft erscheinen, ob man das Rassinement der Schwindlerin oder die Leichtgläubigkeit ihrer Opfer mehr bewundern soll. . Vor vielen Jahren starb hier LordArthur Pelham Clinton, der zu seinen Leb zeiten Ansprüche auf große Länderelen erhob, die zur Zeit der Revolution seiner Familie angehört hatten und consis cirt worden waren. Diese Firüche fanden natürlich keine Anerkenz und Lord Clinton fließ in seinerEntllschung gewiffe Drohungen gegen die hochststehenden Persönlichkeiten aus, welche die Erlaffung eines Hastbefehles zur Folge hatten. Der Tod entriß den armen Edelmann allen weiteren Enttäuschungen und Unannehmlichkeiten, und er wurde. als der Letzte seines Geschlechts, in der Gruft seiner Ahnen beigesetzt. Miß Furneaux hatte den Fall offen bar genau studirt und sie beschloß den verstorbenen Lord noch eine Weile länger leben zu lasten ; sie blieb Miß Für neaux, wurde aber zu gleicher Zeit Lord Arthur Pelham Clinton, und in dieser Doppelrolle lebte sie seitdem, bald in Herren-, bald in Franenlleidern auftretend, in dulci jubilo fort. Geld und Mädchenherzen flogen ihr überall zu, wo sie sich zeigte, und eme ihrer Braute ist, als sich jetzt Tcosallnde- entpuppte, dem Wahnsinn versallen. Das Spiel begann im Jahre 1874. Miß Furneaux, bt, nebenbei bemerkt, mit einem der berühmtesten englischen Arzte nahe verwandt ist, tauchte damals plötzlich in Birmingham auf und nahm bei einer Mrs. Drew Logis. Ihre äußere Erscheinung war sehr auffällig : ihr Haar war ganz kurz geschnitten; sie trug einen niedrigen Filzhut, einen eng anlie genden, bis unter die Knie reichenden Ueberzieher und sah mehr männlich, als weiblich aus. Mrs. Drew entdeckte auch zu ihrem Entsetzen, daß' ihre Zimmerdarne rauche ! DieS konnte sie nicht verwinden. ES kam zu Auseinandersetzungen, und die Folge war, daß die Miß Frau Drew in's Vertrauen zog und ihr unter demSiegel derVerschwiegenheit mittheilte, daß sie eigentlich keine Miß, sondern ein Mister, und obendrein kein Geringerer sei, alöder.verstorbene-Lord Clinton. .Ich sollte verhastet werden; ich bestach Arzt und Tod;engräber, und während der mit Kieselsteinen gefüllte Sarg zuGrabe getragen wurde, spazierte .der Leichnam" von dannen Lord Clinton setzte dann der vor Erstaunen starren Mrs. DreV seine Erbanspräche auseinander, sagte, daß eine Begnadigung von Seite der Königin zu erwarten sei, woraus ihm dann die aus einige Millionen geschätzten Herrschasten seiner Vorfahren zufallen müßten. Machte schon die äußere Erscheinung und die Lebensgewohnheiten der Miß ihre Behauptung, dem anderen Geschlechte anzugehören, höchst glaubwürdig, so schwanden auch die letzten Zweifel der Hausfrau im Anblick der Briefe, in deren Besitz sich der verstorbene" Lord Clinton befand. , Der Prinz von Wales nannte ihn. my dear friend"; die Königin versicherte ihn ihrer Theilnähme und der Lord Oberrichter Cole ridge schrieb wiederholt, daß die Regelung der Erbschafts - Angelegenheit nur eine Frage der nächsten Zeit sei. Mrs. Drew konnte das Geheimniß nicht bewahren. Sie hatte Freunde und unter dem Siegel der Verschwiegenheit" machte die Geschichte in ihren Bckanntenkreisen die Runde. Das war es, was Miß Furneaux wollte, und bald fanden sich wohlhabende Personen, die, um die königliche Familie zu verbinden", dem Lord- die Mittel .darliehen, deren er angeblich zur Erreichung seiner Zwecke bedürfte. ' Daß Miß Furneaux dabei Helfershelfer hatte, unterliegt keinem Zweifel. Sie ließ die Darlehensgeber an Lord Coleridge, an den Prinzen von Wales, ja an die Königin schreiben und immer erhielten die Absender Antworten, in welchen ihnen für die dem bedauernswerthen Lord bewiesene Theilnahme gedankt und die Versicherung beigefügt wurde daß es dem Lord bald möglich sein würde, seine Schulden abzutragen. Alle diese Briefe sind natürlich gefälscht, trotzdem sie immer von dort herkamen, wo die Adreffa ten sich eben aufhielten. Miß Furneaux wußte daher nicht nur, die Absenkung der Briefe am Pst rarte z t o:c,i:c.,,

dern hatte auch Jemanden zur Seite, der die gesälschten Briefe aufgab. Mit einem Herrn, der Lord Coleridge selbst zu sprechen wünschte, fuhr sie nach London und ging mit ihm in das Gerlchtshofgebäude, wo er in einem Privatzimmer die Ehre genoß, von Lord Coleridge empfangen zu werden. Es war natürlich nicht der Lord. Wer aber dr Pseudo-Smerdis spielte, ist jetzt och ein Geheimniß. Durch diese Machinationen gelang tS dem weiblichen Lord, einegroße Zahl von Personen empfindlich zu schädigen und einige Familien on, ,i. ,'m,

Von einem Herrn erhielt sie mehr als 1o0 Briefe, die sich in ihrem Koffer vor fanden, von denen jeder 3 bis 120Pfund Sterling enthielt. n Mr. Bennon lieh dem Lord Clinton 2000 Pfund, ein. Mr. Screen 3000 Pfund undbiZher ha. ben emige zwanzig Personen, darunter auch Pastoren und FriedcnZ:ichter,Scha. in Summa bereits 17,000 Pfund übersteigen ! Das traurigste an der Sache ist da? frevelhaste Spiel, welche das Frauenzimmer mit ihren Schwestern spielte. Ueberall knüpfte sie zarte Vcrhaltniffe. an; sie hatte zu gleicher Zeit eine ,Braut in Birmingham, eine andere in Liver--Pool, eine dritte in Manchester. Die Mutter des einen armen, nun wahnsinnig gewordenen Mädchens opferte nicht nur ihr ganzes Vermögen, um dem Bräutigam ihrer Tochter zu seincmRechte zu verhelfen, sondern stürzte sich noch tief in Schulden. Einen unbequemen Gläubiger'schäffke sie sich auf gerichtlichem Wege mittelst eines von ihr gefälschten Briefes vom Halse. Der arme Mann saß 15 Mo nate im Kerker und hat obendrein sein ganzes vermögen verloren : 2er Rich ser fand ihn schuldig" und die Sache scheint jetzt eine für ihn sehr unzngknehme Wendung nehmen zu wollen. Täglich bringt die Untersuchua neue überraschende Thatsachen an den Tag und die Frage ist jetzt nur : wo ist das Geld geblieben denn .Lord Clinton lebte durchaus nicht standesgemäß und wo sind die Helfershelfer? Allerlei. Präsident Arthur soll ein sehr guter Banjo-Spieler sein. , Ein New Jorker Restaurant küudigt eine gute Mahlzeit für fünf Cents an, und da kann es noch Leute geben, daß BeecherRecht hat, wenn er bchauptet, daß man mit tzl per Tag eine Fami lie erhalten kann. -Eine junge Dame in St. Joe, Mo., welche an dem Tage, an welchem ihr Geliebter starb, so tobte, daß man glaubte, sie hätte den Verstand verlo ren, tanzte am dritten Abend darnach mit such a nice young feliow ! ; In der Office einer im Westen erscheinenden Zeitung gerieth die alte Office - Kae in die Prcffe ' und der Herr Redakteur schrieb sofort zwei Ueberschriften: Schrecklicher Unfall. Neun Leben vernichtet!" Nur für Diejenigen, welche eS an geht, fei hier mitgetheilt, daß der PreiZ für Strychnin ganz bedenklich in die Höhe geht, man sagt, eS sei dieS die Folge von bedeutenden Anläufen, welche Börsenspeculanten gemacht haben, natürlich nur zu Corner zwecken. Eine junge Dame in Milwaukec verlang; $5000 Schadenersatz, nicht etwa weil sie ein Mann geküßt hat, sondern weil sie dieses Ungeheuer in Menschengestalt eher gefügt hat, als eö ihr recht war. Der Mann, welcher glücklich ist, iff -reich, sagte der alte Peter Coopnl Onkel, laß uns tauschen, her mit dr Dukaten und nimm unser Glück, w möchten es nur einmal zur Probe dersuchen, wie es thut, reich sein und dabei auch noch unglücklich. John Sullivan, der Preisboxer, welcher Pat. Ryan so eutsetzlich ver klopste, wird mit Heirath?antrügen überschüttet, darunter viele, die von Damen Tf isrnmüM toYjtM !mnm 1tT VWtVlllHIWif IWtUII lilUII VIMVI VblVlVM Geschmack zutrauen sollte. Paddy Ryan, der verhauene Ex Champion, hat sich .angeekelt" von Ring zurückgezogen und ist unter die? Saloonwirthe gegangen. Es ist merk würdig, daß der Ekel an dem Geschäft immer erst kommt, wenn ein anderer Geld und Ruhm davongetragen hat, und de: Angeeckelte einige Tage m:t verbundenem Kopse umherzulaufen hat. Ein schlauer Kops hat die Enk deckung gemacht, daß die Pappel die Eigenschaft d ?z Blitzableiters hat. Es würde entschieden ein noch viel schür serer Kops sein, welcher ein Mittel it deckte, wie man solche natürliche Blitzableite? auf das Dach bekommt, und, sie dort hält. Eine neue Mode ist in New York' eingeführt und scheint sich allgemei verbreiten zu wollen. Diese besteht darin, daß die Brautjungfern statt de? bisher üblichen Blumensträuße Gebet bücher in den Händen tragen, dcrerr Deckel aus Elfenbein hergestellt sink und ein großes sch varzeSttrcuz in auf.' fallender Weife zeigen. Eine jungeDamc, in Ohio, na türlich, wollte etwas besonderes haben, und ließ sich zwischen den Schultern: impfen. Sie hat eZ bitter bereut, denrc achtundzwanzig lange Tage Hai sie ohue die gewohnte Stüc, den Arm ein gewissen jungen Mannes Abends auf, dem Sopha sitzen müssen. Es ist sehr selten, daß Frauerr Haar besil)cn, welches bis auf den B den reicht. Eine junge Dame, Jdcr Ferry von Chicopee Falls, Mass., fet jedoch, wie ihre Photographie ausweist. Haar, dessen Ende nicht nnr den Bs den berührt, sondern noch volles FrI auf diesem nachschleppt. DieFarb? deS HaarcS :ft em dunkles Blond; Q. ist skioenweich und dabei so dick, daß cJ seiner Bcsil)erin Unbequemlichkeitnz verursach!, weshalb sie eZ abschnez. pill. ...