Indiana Tribüne, Volume 4, Number 179, Indianapolis, Marion County, 12 March 1882 — Page 3

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Der Schnupfen.

Vsn Tr. lauert in erlitt. Wenn im Herbst und Winter die naß " kalten Tage kommen, durch welche uns der Aufenthalt im Freien verleidet wird, dann stellt sich auck regelmäßig ein Gast em, von dem im Leben wohl kemEremplar des Genus Ilomo sapiens verschont blelvt. Man maa nch auch Muhe geben ihm auszuweichen, er finde? doch Lücken und Gelegenheiten, die ihm genügen, um m unseren Körper einzudringen nö uns 4 in manchmal recht unbehagliche wllmmuna la versetzen. Ist es endlich gelungen, den unangenehmen Galt wieder

loszuwerden, so können wir ncyer jem, ' daß er sich das Vergnügen macht, bei , . y ? . ? .

nächster Veranlagung uns ujicoer einen Besuch abzustatten. Aus derUeberschrift weiß der sreundliche Leser bereits, daß ich von dem Leiden , spreche, welches man gewöhnlich als ' Schnupfen bezeichnet, und es werden ihm gewiß mancherlei trübe und scherzhafte Erinnerungen kommen, wenn er daran denkt, wie viele Male er ihn bereits kennen gelernt hat und wie er ihm das eine Mal unmöglich machte, diese oder jene . geistige Anstrengung zu leisten, das an. !ere Mal, ein Concert oder die Freuden eines Balles aus Herzensgrund zu genie ben. Wenn man nun auch annehmen sollte, daß das Wort Schnupfen" nur zur Bezeichnung des bekannten Nasen Leidens diene, so ist dem jedoch nicht so; . vielmehr können wir oft hören, daß auch I Katarrhe, die den Hals und die Brustor gane befallen, mit gleichem Namen belegt

weroen; rnajt jenen z. B. von einem Brustschnupfen gesprocheu, der eigentlich nichts weiter als ein Lungenkatarrh ist. Auch ich beabsichtige an dieser Stelle den Begriff des Schnnpfens weiter zu fassen und die katarrhalischen Erkrankun gen zu schildern, welche die Nase und 'Halsinnere befallen können, bitte aber wohl zu beherzigen, daß der eigentliche Schnupfen nur in der Nase seinen Sitz hat. Die Erscheinungen eines tüchtigenNa senkatarrhs sind so allgemein bekannt, daß ich füglich deren Schilderung hier unterlassen kann ; ich will mich darauf beschränken, einige Symtome näher zu erklärten. Zu denselben gehört besonders ein oft sehr lästiger drückender Schmerz in der Stirngegend, welcher davon herrührt, das sich die katarrhalische Entzündung der die Nase im Innern auskleidenden Schleimhaut aufwärts aus einige Höhlen fortpflanzt, die im innern des Stirnknochens gelegen und gleich falls mit Schleimhaut austapeziert sind. Einer ähnlichen Fortsetzung desKatarrhs aus den Thränennasengang, dessen Ein gang im innern Augenwinkel und dessen Mündung in der Nase sich befindet, ver jtanlt die oft beträchtliche Röthung der Augen und das Thränen derselben seine Entstehung. Endlich das Sausen in den Ohren und das Gesühl des Vollseins in ihnen, welches nicht zu selten austritt, kommt dadurch zu Stande, daß sich der Katarrh aus die hinter der Nase befindlichen Eingangsöffnungen der Ohrtrom peten fortsetzt. Für den Erwachsenen hat der Schnu pfen nicht viel zu bedeuten; wenn er auch unter Umständen einmal recht unange -nehm sein kann, so sind doch niemals Gefahren mit ihm verknüpft. Anders jedoch gestaltet sich die Sache für Kinder, namentlich Säuglinge. Weiden sie von einen Schnupsen befallen, so lassen sie beim Trinken die Brust oder Flasche alle Augenblick los, weil sie tot "gen Verstopfung der Nase durch den Mund athmen müssen; sie werden auf diese Weife unruhig und leiden in ihrer Ernährung Mangel. Aus demselben Grunde erwachen sie häufig aus dem ' rf f - r 1 t. r r i ' qias, well ue wayreno oegeioen oen Mund offen halten und diefer trocken wird. In schweren Fällen kann sich der Schnupfen bei einem Säugling sogar .bwärts bis' in die Lungen fortpflanzen und eine gefährliche Entzündung dersel iden hervorrufen.

YJ Das akute Stadium emes Schnu jpsens pflegt sehr rasch abgelaufen zu

sem;doch nur Zelten tritt volkommene Genesung von demselben ein, weil wir nicht geneigt sind, sür ein an sich so geringfügiges Uebel etwas besonderes zu thun. Das gewöhnliche Resultat ist daher, daß der erste Schnupsen nicht vollständig ausgeheilt wird, sondern ein Rest hinterbleibt, den wir als chronischen Schnupfen bezeichnen, und der bei näch per Gelegenheit, z. B. in Folge einer Erkältung, sich wieder zu einem akuten Reiaert. Die Hauptklage bei einem sol d)tn ist gewöhnlich die über Verstopfung der Nase, über mangetyaste Wurq cänaiakeit derselben beim Athmen und

) Schnauben, welcher Umstand auf der oft

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recht vttraazlllmen scyroeuung oer .Schleimhaut beruht. Da die Nase in ihrem oberen Theil am engsten ist, so . m ri . C c t ! JJiegi oie neriiopsung auta gier um größten zu sein. Je nachdem nun ans der kranken Schleimhaut die Absonde rung vermindert oder gesteigert ist, wird ferner über Trockenheit oder einen .Zwang, sich häufig schnauzen zu müssen, geklagt, und endlich kann das Geruchs vermögen eine yerabjetzung bis zum völligem Verlust erfahren. Eine recht häßliche Folge chronischen Schnupfens, die gar nicht selten eintritt ist die Biluna sogenannler casenpolypen, ilei nerer Geroächse, die, wie die Beeren an ' einer Traube sitzend, oft in unglaubli 'öer Zahl alle Winkel in der Nase aus füllen und dieselbe natürlich erst recht UNdurqgangig rnaajcn. Wenn man nun auch sür gewöhnlich l Schnupsen den Katarrh der Nasen schleimyaul vezeiqnei, 10 oennoet q fcoA nciö hinter der Nase ein Raum. . t r f r i Ätt sogenannte Nasenrachenraum, der ebenfalls mit einer Schleimhaut über atn iü. deren Erkrankung sich auch ! ack als Schnupien bezeichnen läßt. In 1 cr That geschiebt es häusig genug, dos sich der atarro von oer'Aae aus in otc ,n Nau fortpslanzt. Um eine Vor t,kluna von dieser uubekannten Stelle unseres Körpers zu geben, bemerke ich fie unaesäbr die Form eines Wür felS hat. in gerader Linie hinter der Nase und dicht oderhalb des Zäpschens liegt und daß man sie demgemäß von itnfi Seiten her erreichen kann, nämlich

Jen )?n durch die Nase und von unten

vom Munde aus. Will sich der Arzt daher einen Eiublick hier hinein verschossen, was durchaus nicht leicht ist, so kann er entweder in die Nase eine Röhre schieben, durch welche er blickt, oder er führt in den Mund des zu Untersuchenden einen kleinen runden Spiegel, der

an einem langen Griff befestigt und mit der spiegelnden Fläche aufwärts gerichtet ist. Dieser entwirft das gewünschte Bild. Die Schleimhaut des Nasenrachenraumes ist reich mit Drüsen ausge stattet, die einen sehr zähen schleim ab sondern, dessen Entleerung oft aroße Anstrengungen kostet. Dann ist sie noch dadurch ausgezeichnet, daß sich an den Seitenwänden ie eine Oeffnuna be findet, welche in die Eustachische Ohrtrompete, den Verblndunaskanal inri schen Ohr und Nase, respektive Hals, führt. Die häufigste Erkrankung dieser Gegend ist ebenfalls der Schleimhautkatarrh, der, wie bereits erwähnt, sich von der Nase aus hierher fortsetzen oder nur in ihr entstehen kann. Die Haupt klagen beziehen nch dann wieder ausVer stopfung, erschwertes Athmen und Absonderung des erwähnten zähenSchleims; dazu kommt wohl noch ein Gesühl von Trockenheit und ein Kitzel im Halse, dessen Stelle, bisweilen ganz richtig in den Nasenrachenraum verlegt wird. Bei den Kindern findet man häufig, zumal m den feuchten nördlichen Himmelsstrichen, daß die Schleimhaut zu Zapfen auswächst, die wie Regenwürmer dicht neben einander herabhängen und die genannten 33c schwerden noch mehr steigern. Als eine häufige Folge solcher Zustände entsteht eine Abnahme der Hörschärfe dadurch, daß sich die Entzündung durch die Ohrtrompete allmallg bis m etc Paukenhohle fortsetzt und in dieser zur Ausbreitung gelangt ; daneben besteht gewöhnlich die Empfindung, als ob das Ohr verstopft turne, und es stellen sich auch wohlOhren chmerzen der mannichsaltlgsten Art ein. Wandert der Schnupsen vom Nasenrachenraum abwärts, so trifft er den eigentlichen Rachen und die Gebilde, des Gaumens ; doch können diese ebenso gut zuerst assicirt sein und der Prozeß von hnen aus in die Hohe steigen. Das Dach der Mundhöhle bezeichnet man beanntltch alsGaumen. JmhrnterenTheue entbehrt er der knöchernen Unterlage und besteht nur aus einer weichen Masse, in deren Mitte das Zäpschen herunterhängt. Dieser, der weiche Gaumen, schwebt wie einVorhang im Hintergründe, mit dem Zunaenrücken den Eingana in den Schlund begrenzend, und erhebt ich bet manchen Funktionen, z. B. dem Schlingen und der Bildung einiger Sprachlaute. Seitlich und im Zusammenhang mit ihm befindet sich jederseits eine Nische, welche vorn und hinten von den Gaumenbögen begrenzt ist und die Allen bekannte Mandel enthält. Schaut man dicht unter dem Zäpfchen gerade nach hinten, so erblickt man eine blaßrothe ausgespannte Fläche, die hintere Wand des Rachens, dessen Seltenwände ich der oberflächlichen Betrachtung entziehen. An den eben geschilderten Gebilden kommen nun Entzündungen und zwar namentlich katarrhalische, ungemein häusig vor. Wieder sind es Kinder und unae Leute, die denselben am meisten auZgsetzt find, so zwar, daß viele rcgelmäßig im Frühjahr und Herbst ihren Halbschnupsen, wie sie es nennen, durchmachen müssen; es betrifft diesJndividu en, welche gegen äußere Schädlichkeiten wenig abgehärtet sind und es zur Gewohnheit haben, sobald draußen ein Lüftchen sich rührt, den Rockkragen hochzuschlagen oder ein Halstuch umznlegen. Gelingt es, sie m dieser Hmncht dreister zu machen und dahin zu bringen, daß sie ören Hals nicht immer aus das Peinichste einhüllen, so beachtet man auch. wie sich die vorhandene Disposition.nach und nc.ch verlirt. Die Erscheinungen, löelche eine katarrhalische Entzündung am weichen Gaumen, dem Zäpfchen und den Mandel hervorrust, und bekannt : neben Fieber, das sich öfters einstellt, sind es Schmerzen beim Schlingen, Gesühl von Trockenheit oder Rauhheit im Halse und eine eiaenthümliche Sprache, die man auch als kloßige bezeichnet. Gleichzeitig wird es auch dem Kranken schwer, den Mund gehörig weit zu öffnen, und wenn dies möglich ist,so sieht man die betresende Stelle stark roth und geschwollen. manchmal auch weißlich oder gelblich ge färbt. Letzteres darf man nicht sür Diphtherie halten, sondern es ist nur gefärbte? Schleim, der sich durch energisches Gurgeln mitWaffer entsernen laßt, xn zweifelhasten Fällen sehr empsehlenswerthes Mittel. Nach mehrtägiger Dauer geht der Katarrh wieder zurück oder steigert sich zur Eiterbildung, m welchem Falle sämmtliche Beschwerden erheblich zunehmen, bis das Geschwür r. . . p c rf 1 . r.ttri 1 auiplayl uno ncy oer votier von leioii eni leert, der Kranke, welcher vorher dem Ersticken nahe schien, ist dann mit emem Male wieder genesen. Meistens it auch die Schleimhaut der Hinteren Rachen wand in ahnlicher Welse gleichzeitig af flzirt ohne daß hierdurch besondere Er schemungen veranlagt weroen. Kehrt eine Entzündung der Mandel sehr häufig wieder, so entwickelt sich all- ' ? , r . . n u v v.mallg an innen ein Ju,lui!v, uc Uluu als chronische Vergrößerung bezeichnet: fie kann übrigens auch ohne entzündliche Neranlaffuna entstehen, uno es stno namentlich skrophulöse und schwächliche . ' . . r lt... : Kinder, welche zu vielem ucoei neigen. Man sieht im Halse die vergrößerten Mandeln mieKugeln gegen dieMitte vorgewölbt, oft so stark, daß im Schlunde nur eine enae Svalte übrig bleibt. Dieser Ausland hat nun ganz velummie , . Folgen. Zunächst wird den Kindern das Schlingen erschwert, und weil die . 7 . . vrt..-W2 Mandeln oenGaumen tn oieogc orung en und den Nasenrachenraum verengern wird das Athmen durch vielen uno oie Nase beeinträchtigt, deswegen nehmen die ... ' m. -r .? V V!. Kinder den Mund zur Hilse, der leicht r- n . .tirU.!,. ou.en neyr, uno yreraus ergieui iiuj der ein Heruntersinken des Unterkiefers und ein blöder, oft stupider Ausdruck des ganzen Gesichts. Schließlich kann sich in den höchsten Graden eine Verunstalt ung desBrustkastens,die sogen. Hühner brüst, entwickeln, d. h. Vorstehen des vorderen Theils deffelben und Einsinken des settllchenUmsangs. Selbst emeBeem trächiiauna des Gehörs wird durch v'er größerte Mandeln ost erzeugt, indem sie

von unten her den Zugang zu den Ohr trompeten- verenge.

Nur kurz sei hier noch erwähnt, daß ein Schnupfender ursprünglich in der Ras: begonnen hat.noch weiter abwärts in den Kehlkopf, die Luströhre und die Lungen vordringen und auch hier einen Katarrh erzeugen kann. Gegen den akuten Schnupfen hat man schon vielfach bis jetzt leider vergebens, nach einem sicher wirkenden Mittel gesucht; namentlich seitens der Theatergehörigen ist aus ein solches oft Jagd gcmacht worden und man denke sich auch nur das Fatale der Situation, wenn ein Bühnenkünstler kurze Zeit vor seinem Auftreten von einem Schnupfen befallen und in seinem Vortrage alle Augenblicke durch die rebellische Nase unterbrochen wird. Wer Zeit und Lust hat, der thut wohl am besten, sich ins Bett zu legen und tüchtig zu schwitzen : dann dars er menigstens hoffen, den unangenehmen Gast schneller los zu werden. Bei Säuglingen genügt es,mit einem nicht zu dünnen, in Provenceröl getauchten Pinse! die Nase öster auszuwischen. Ist der Schnupsen chronisch geworden und neigt die Schleimhaut zur Trockenheit, so empsiehlt es sich,öster die Dämpse von warmem Wasser, zu dem man etwas Kochsalz oder doppeltkohlensaures Natron gesetzt hat, in die Nase einzuziehen, um auf diese Weise ihren Feuchtigkeitsgrad zu steigern. Wenn die Feuchtigkeit dagegen vermehrt und die Schleimabsonderung sehr reichlich ist, so daß der Betreffende täglich' womöglich einige Taschentücher verbrauchen muß, dann ist zunächst für regelmäßige gründliche Entsernung des Schleims zu sorgen. Diesem Zwecke dient in ausgezeichneter Art die Rosendauche,cin Vlechgefäß.aus dem ein langerGummischlauch ausgehi,der an seinem anderen Ende einen in die Nasenöffnung paffenden Ansatz trägt. Der mit warmen Wasser und Kochsalz (Theelösfel auf $ Liter) gefüllte Behälter muß etwa H Fuß höher als sich die Nase befindet, angehängt werden, und dort läßt man die Flüssigkeit zu einem Nasenloch einlaufen worauf sie zum anderen wieder ausfließt. Nur hüte man sich, während das Waffer die Nase paffirt, zu schlucken oder zu sprechen. Hat man dieselbe von dem Schleim gereinigt, so kann man ein Gemisch, bestehend aus gleichen Theilen von Tannin und fein gestoßenem Zucker, wie ein Schnupspulver eingießen. Auch bei dem chronischen Katarrh des Nasenrachenraums muß zunächst die Nasendouche in Thätigkeit gesetzt werden. Vle weitere Behandlung, welch: ge wöhnlich im Auspinseln dieses Raumes besteht, ist einem sachverständigen Arzte zu überlassen. Was die Behandlung der akutee Mandelentzündung anlangt, so kommt en vor Allem darauf au, durch zweckmäßig? Abhärtung des ganzen Körpers und des Halses im Besonderen die hausige Wiederkehr derselben zu verhüten. Dazu gehören kalte Waschungen und Abrcibungen im geschloffenen nicht zugigen Raume, Aufenthalt in der Luft bei jeder Witterung, Freitragen des Halses und Gurgeln Mit srischemWasser. Eme consequente Durchführung dieser Maßregeln fuhrt unbedingt zur Erreichung des angestrebtea Zieles, wie ich aus Erfahrung an mir selbst am Besten bestätigen kann. So lange ich als Knabe im elterlichen Hause verweilte, wurde ich sorgsälltig in Shawls gehüllt, wenn ich im Winter oder bei schlechtem Wetter hinaus munte. und zum Lohn dasür wurde ich von recht häufig wiederkehranden Mandelentzündungen heimgesucht. Als ich später die Hochschule bezog, vergaß ich zu meinem Gluck seh? bald die meinem Hals betressenden Vorschriften des väterlichen Hauses.und seitdem bin ich von meiner Platze dauernd . sreigeblieben. Gegen ; den akuten Katarrh selbst ist die Wärme ein sehr wirksames Mittel, indem sie dieEntzündung zertheilt oder die Bildung des Geschwürs beschleunigt. Man benutzt sie in der Weise, daß man einen warmen (nicht heißen !) Thee in Salbei oder Althee in den Hintermund fließen und mit der entzündeten Stelle möglichst lang in Berührung bleiben läßt;, ja. man dars auch mit demselben gurgeln. wenn dies nicht zu schmerzhast ist. Daneben kann man außen am Halse warme Umschlage mit emem Brei von Hasergrütze oder Leinsamen oder Kamillen machen, muß dieselben aber sofort aussetzen, wenn durch sie Kopsschmezen erzeugt werden. Was endlich die Behandlung der chronischen Mandelvergrößerung betrifft, so übte man dieselbe bisher in derWeise, daß man ein scharfes Instrument zu ihrer Verkleinerung benutzte. Leider stößt man hierbei oft auf Widerstreben nicht nur seitens der Kinder, sondern auch der Erwachsenen, und es ist daher sehr ange nehm, in der Elektrizität ein Mittel zu besitzen mit dem man auf eine wenig un angenehme und gar nicht angreisende Weise daffelbe Ziel, wenn auch nicht aus einmal, so doch allmalig erreicht. Ich bediene mich derselben fast ausschließlich, und durch ihre Anwendung bei Jndividuen jeder Altersklaffe, selbst ganz kleinen Kindern, habe ich mich von ihrer Vortrefflichkeit überzeugt. Die Elektrizität wird ich neuerdings dazu gebraucht, die Nasenpolypen in gleicher Weise zu entfernen. Seelenwanderung. (Nach PlZto dem Jüngern.) Wir müssen alle sterben .' Sprach einst ein weiser Mann Im gräulichen Alterthume, Und jeder verwandelt sich dann. Der eine in einen Kohlrabi, Der andre in einen Salat ; Der dritte in eine Bohne, Der vierte in einen Spinat. Doch wer da gewest ein Ssel Bereits in dem Leben hier : Der sährt auch nach dem Tode In solch geöhrtes Thier! Ein Aelterchen. O welch' ein allerliebstes Kindchen haben Sie da, Madame ! Wie alt ist es denn?" .In acht Tagen zwei Jahre es ist mit sei nem Vater an ein und demselben Tage geboren."

ßin empfindsamer Mörder.

Im Jahre 1772 kam vor englischen Geschworenen ein Fall zur Verhandlung, der, seiner gerichtlichen Entwicklung nach, außerordentlich merkwürdig ist. Ein den höheren Ständen angehöriger Mörder, wegen Mangels an Beweisen freigesprochen, will sich, heuchlerisch empfindsam, mit diesem Urtheil nicht begnügen, beansprucht zum Schluß die Vernehmung einer Zeugin, die die Wahrheit seiner Aus sage bestätigen, seine Unschuld beweisen werde, und führt dadurch selbst seine nachträgliche Verurtheilung herbei; denn v.:, C ic stf.: ic Zeugin rrroaynr in lyrer viusjagc hnunasloS einen scheinbar ncbensächlichen, in Wahrheit aber sür die Untcrsu chuna hochbkdeutsamen Umstand, durch dessen' Erörterung die thatsächliche Schuld des Anaeklaaten offenbar wird. Jodn Smitk war Besitzer eines sckönen Landgutes in Lancashirc. Man hielt ihn sür sehr reich und sein vornehmes Leben konnte als Beweis dasur gelten. ;n seiner Jugend ausschweifend und verschwenderisch, so daß er auf den Wunsch seines- Vaters England verlassen mußte, schien er, nach dem Tode des Vaters, als ein Anderer zurückgekehrt zu sein und nur der Neid versuchte an ihm zu mäkeln. Es war gegen das Ends des Herbstes 1772, als eines Abends ein Fremder zu Smith kam und sür die Nacht um Ausnabme bat. Smith wies ihn nicht ab. Nachdem der Ankömmling, dessen Name und Stand völlig unbekannt waren, einige Erfrischungen genossen, begab er sich in das ihm zugewiesene Gemach und bat, man möge ihn früh wecken. Am andern Morgen fand ihn der Bedienstete todt und starr. . Wie ein Schlafender lag er da, keine Spur irgend einer Gewaltthat war an ihm zu entdecken ; der Tod schien ihn im Schlafe überrascht zu haben. Die Bestürzung war um so größer, als man weder den Namen noch die Heimath des Todten kannte. Alles was man über ihn erfuhr, war, daß er am vergangenen Tage durch das benachbarte Dorf gekommen war. Die königliche Jury, welche sich bei der Leiche versammelt hatte, um dieTodesart des Fremden sestzustellen, sah sich, wie seltsam auch die Umstände sein mochten, genöthigt, in das Protokoll die in solchen 'Fällen gebräuchlichen Worte aufzunehmen : Gestorben durch Heimsuchung Gottes Aber trotz des Mangels an allen Anhaltspunkten bildete sich doch das Gerücht von einem an dem Fremden verübten Morde und wurde, besonders in den unteren Klassen, eifrig kolportirt. Man wagte zwar icht, den Namen des Thäters laut zu nennen, doch ließ sich leicht errathen, daß der allgemeine Verdacht auf John Smith lastete. Längst Vergessenes tauchte wieder auf, mit einer gewissen Besriedigung suchte man aus der wilden Jugend des Mannes die Vorfälle heraus, die geeignet waren, einen ungünstigen Eindruck hervorzurufen. Zwei Monate nach dem mysteriösen Ereigniß kam in dem Flecken ein Mann an, der gerüchtweise das plötzliche Ende des Fremden erfahren hatte und denselben für seinen seit jener Zeit verschöllenen Bruder hielt. George Thomson, so hieß der Angekommene, erkannte sofort das .Pferd und die Kleidungsstücke des Todten, die sich noch in den Handen der Justiz befanden, als das Eigenthum seines Bruders Heinrich wieder. Der Leichnam wurde nun ausgegraben ; die Verwesung war noch nicht weit vorgeschritten und die Identität des Fremden mit dem vermißten Heinrich Thomson wurde festgestellt. Der Bruder des Verstorbenen, dem die sür John Smith so nachtheiligen Gerüchte zu Ohren gekommcn sein mochten, verlangte aber auch die nachträgliche Untersuchuna der Leiche und die Aerzte konstatirten eine Vergiftung. Ein neu entdecktes, ganz eigenthümliches, durch keine Wirkung nach Außen hin sich verrathendes Gift hatte den Tod des Unglücklichen herbeiaeführt. Die öffentliche Meinung nannte nun laut John Smith den Mörder seines Gastes, obgleich diese Anschuldigung von r rv M keinem ucyeren eweijc gelragen war, und die BeHorde sah sich, dem allgemei nen - Verlangen gegenüber, genöthigt, gegen den Bezichtigten das Verfahren einzuleiten; John Saülh wurde verhaf tet. Die Untersuchuna ergab Folgendes : Der verstorbene Heinrich Thomson war em Juwelier aus London, der an der Spitze eines großen Geschäfts stand und zahlreiche Verbindungen mitGoldschmie den in Deutschland und Holland unterhielt. Um Geschäftsfreunde aufzusuchen. hatte er London verlassen. An emem bestimmten Tage traf er in Hull mit einem holländischen Kaufmann zusammen und schloß beträchtliche Käufe ad. Ein Gastwirth aus Hull bezeugte, daß beide Männer in seinem Hause sich getroffen und daß Heinrich Thomson eine große Summe in Gold und außerdem noch Werthpapiere und kostbare Steine bei sich hatte. Den Tag nach der Zusammenkunft verließ Thomson Hull und schlug den Weg nach London ein. Er entfernte sich aber bald von der gewöhnlichen Straße, vermuthlich aus Furcht vor Vagabunden, und kam am . nächsten Tage bei John Smith an. Dieser gewährte ihm die erbetene Ausnahme und am folgenden Morgen fand man ihn todt, vergiftet. Ein Selbstmord war nicht anzunehmen. Thomson war reich und angesehen, zudem wurde in dem Jimmer. wo er verstorben war. kein Gläschen, kein Gesäß gesunden, worin das Gift hätte enthalten sein können. Ein Raubmord konnte vorliegen, man hatte bei der Leiche, weder Gold noch Werthpapiere noch Edelsteine gefunden. Die vermißten Werthpapiere waren aber auch nicht im Hause des Angeklagten zu entdecken. Von Bedeutung war allein die Aussage eines Mannes, der in der Nacht, in welcher die That geschah, etwa um 3 Uhr, an dem Hause Smith's vorbeiging und stehen blieb, weil er zu so später Stunde noch Licht darin bemerkte. Der Zeuge sagte aus, er habe deutlich den Schatten eines Mannes oder einer Frau gesehen, welche das Ltcht hielt. Dieser Schatten habe sich aus dem einen Zimmer in das andere begeben, dann seien zwei Personen zugleich aus dem

zweiten Zimmer gekommen, daraus sei

das Licht verschwunden. Einen Augen blick später habe er die beiden Schatten von Neuem gesehen, und suns Minuten darauf fei alles finster gewesen. Der Zeuge setzte noch hinzu, er erinnere sich vollkommen der Bewegung des Lichtes in jener Nacht ; oft habe sich etwa Brei tes, wie eine Thür oder ein Schirm zwischen das Licht und das Fenster gestellt, so daß die Helle zwar nicht ganz verschwand, aber durch das Fenster' nur eben schimmern konnte. Auf diese Aussage hin wurde das betreffende Zimmer nochmals durchsucht, aber es gab darin keinen Thürflügel,, keinen Schrank,. der die Wirkung, welche der Zeuge schilderte, hätte hervorbringen können. Nur schwach belastend war ferner der Umstand, daß man in dem )ause t2muy's oen geschliffenen Stöpsel eines kleinen Fläschchens von ausländischer Manufaktur fand. Kein Geruch, kein Niedcrschlag daran verrieth, welchen Inhalt der Flacon hatte, zu dem der Stöpsel gehörte; gewiß war nur, daß die deutschen iye mlker Flafchchen, in denen sie fluchtige Essenzen aufbewahrten, mit gleichen Stöpseln schlössen. Dies waren die Ergebnisse der VorUntersuchung. Eine Person, deren Zeug niß noch von Wichtigkeit sein mußte. Smiths Wirthschaften, hatte am Tage nach dem Vorfall, das Haus verlassen und konnte nicht ermittelt werden. So blieben die Beweismittel auf die angeführten schwachen Indizien beschränkt. denen gegenüber der Angeklagte mit einem gewissen Recht sich auf feine Stellung in derGesellschast und sein Vermö gen berufen konnte. Unter solchen Um ständen erwartete, wenn gleich man nach wie vor an der Ueberzeuauna von Smith's Schuld festhielt, doch Niemand seine Verurtheilung. Der Tag der Verhandlung kam. Der Anwalt der Krone forderte Abweisung der Sache, weil die Untersuchung noch nicht vollständig sei und verlangte, der Prozeß solle bis zu den Amtie des nächsten Jahres verschoben werden. Dem widersetzte sich aber der Vertheidiger des Angeklagten. Die Verschiebung der Sache wurde seinem Klienten eme lange und grausame Haft bringen, und da die Anklage von der Art wäre, daß Smith nicht gegen Kaution entlassen werden könnte, so würde er schon vorher, er möge nun schuldig oder nicht schuldig sein, eine grausame Strafe erleiden. Diese Gründe waren schon sür die Geschworenen maßgebend, die Verhandlung wurde aufgenommen und - endete, wie vorauszusehen war, mit der Freisprechuna des Angeklagten wegen Mangels an Beweisen. Schon schrieb der Sekretär die Loslprechungserklarung, die Advokaten rafften die Papiere zusammen und die Zuhörer singen an, sich zu entfernen, da nahm der Augeklagte das Wort Er sei eines abscheulichen Verbrechens angeklagt. Die grausamsten Beschuldigungen habe man aus ihn gehaust u. wenn auch freigesprochen, werde er von der Schmach nicht gereinigt sein ; denn ein grausamer Verdacht bleibe immer über dem Manne schweben, der aus Mangel an Beweisen freigesprochen würde. Er wolle alle Zweifel aufklären und Licht aus das werfen, was in der Sache noch dunkel sei, und das Zeuqnm der einzigen Person ausrufen, die den unseligen Eindruck der Beschuldigung aufzuheben im Stande sei. Die Wirthschasterin seines Hauses werde sich stellen und er verlange, daß man sie frage. Danach sich an denPräsidenten des Gerichts wendend, erbat er es als eine Gnade von ihm, den Geschworenen die wirkliche Sachlage vorlegen zu dürfen, und fuhr fort: Ich hoffe, meine Herren, daß Sie mich bald freisprechen werden, nicht aus Mangel an Beweisen., sondern aus fester Uebeizeugung. ' Wenn es erwiesen ist, daß der Fremde an Gift gestorben ist, warum schreibt man mir den Gebrauch solcher Substanzen zu, deren Namen und Verwendung Gott ist mein Zeuge! mir völlig unbekannt sind ? Man sagt, deutsche Chemiker und Apotheker versertiacn solche Stoffe. Der Verstorbene ist in Deutschland gereist, ich habe keinen Fuß dahin gesetzt Nichts beweist, dan Thomson, als er zu mit kam, einen einzigen Diamanten, einen einzigen Schilling besaß. Kann er nicht auf dem Wege ausgeplündert worden sein ? Und wer sagt ihnen, daß er nicht aus Verzweiflung Hand an sich legte? Ich bitte Sie, meme Herren, bedenken Sie, daß nichts, was Thomson gehörte, in meinem Hause gefunden worden ist, daß man die genauesten Nachsuchungen angestellt hat und die Anklage sich auf die unbestimmteftenVermuthungen stutzen muk. Man hat gesagt, es sei in der Nacht Licht in meinem Hause gesehen worden. DaS ist wahr, ich war un wohl, rief meiner Wirthschaften und sagte ihr, sie solle in meinem Zimmer wieder Feuer anmachen. Die Frau thar, was ich ihr hieß: ich habe aber auf dem Gange so lange gewartet, bis sie sich angekleidet hatte. So erklärt sich natürlich das Erscheinen und Verschwinden des Lichtes, von dem der Zeuge gesprochen hat. Ich allein habe die Frau aufgefordert, bei dem Prozesse nicht zu erscheinen. Sie befindet sich in dem Hause meines Advokdten. Wenn Sie sich über diese Vorsicht wundern, so sage ich Jhnen, daß ich Feinde habe, und daß ich die Schwäche,, die Habsucht dieser Frau kenne, die ein verderbliches Werkzeug in den Handen meiner Gegner werden konnte. Deshalb wollte ich, daß sie keine Verbindung mit irgend Jemand habe. Jetzt mag sie sprechen; ich wünsche, daß sie rede; sie wird die Wahrheit dessen bestätigen, was ich gesagt habe." Smith hatte mit imponirender Ruhe gesprochen; die Wirkung seiner Worte war außerordentlich. Sein . Advokat holte die Wirthschaften herbei, eine Frau von 30 bis 35 Jahren; ihr Zeugniß stimmte mit der Aussage Smiths überein. Nachdem sie von den Richtern verhört worden war, wandte sich der Generaladvokat an sie. , Befand sich", fragte er, .das Licht, während Sie im Zimmerndes Herrn Smith waren, nicht auf dem Tische in der Mitte?" Ja." Sie sagen, er sei krank gewesen und habe, wahrscheinlich aus einem Schrank ein Arzneimittel genommen."

Ja, das habe ich gesagt.

Schloß Herr Smith, nachdem er die Arznei aus dem Schrank genommen, die Thur oder lletz er sie geöffnet ?" Er schloß sie ja." Und öffnete sie dann wieder, um das Fläschchen hineinzustellen." Ja." Wie lange blieb der Schrank offen?Ungefähr eine Minute." Ich besinne mich nicht gleich, wo, wie Sie sagten, der Schrank sich befindet, rechts oder links vom Fenster?" Links." Haben Sie diesen Schrank geöffnet, oder öffnet ihn Herr Smith immer selbst?" Herr Smith öffnet ihn stets selbst." Aber den Schlüssel hatten Sie wohl bisweilen in Händen?" Nie ; 5)err Smith behält ihn immer bei sich." Von der Stirn des Angeklagten fielen während dieses Verhörs schwere Schweißtropfen, sein Gencht war todtenbleich. Die Wirthschc,fterin sah ihn an. schrie lautauf und sank ohnmächtig zu Boden. Der' Gencraladvokat hatte auf die Aussage des Zeugen hin, der in der Nacht, da Thomfon ermordet wurde, an Smlths Hause vorüberaing und darin Licht bemerkte, vermuthet, es gebe in Smith's Zimmer einen geHelmen Schrank, dessen Thür beim Oeffnen das von dem Zeugen erwähnte Verschwinden des Lichts bewirkte. Der glnchglltlge nachlassige Ton einer Frage hatte die Wirthschaften irre geführt und sie hatte nicht bedacht, daß ihr Herr verra then wäre, wenn sie jenen Schrank er wähnte. Ihre Ohnmacht hob die Sitz ung aus. Zwei Stunden ipäter wurde die Verhandlung wieder aufgenommen. s , an 1 v nrn ? if . zn ozm ugenoiiri, oa oie viriyiqasie rin, den in Smith's Hause gesundcneu Stöpsel dem Generaladvokaien als El genthum ihres Herrn bezeichnete, traten zwei Sheriffs mit einem Gerichtsdiener in den Saal. Der Genchtsdiener brachte aus einem Teller das Fläschchen, zu dem der geschliffene Stoviel geborte, eine Brieftasche, eine Uhr, eine kleine Geldkaffe, drei Säckchen Geld und zwei qoldene Ketten. Man hatte sich auf Befehl des Generaladvokaten sofort m Smrth's Haus begeben und in der mit Holz belegten Wand eines Zimmers ein gehei mes Schrankchen entdeckt, in welchem sich die dem gemordeten Thomson geraubten Gegenstande vorsandcn. Das Fläschchen enthielt Reste eines flüchtigen Giftes. Den Beweisen seiner Schuld gegenüber schwieg der empfindsame Mörder ; er hatte sich selbst aus das Schaffst geliefert. Zerstreute Einfälle eines öc sammelten. Won A. Mürenberg. Beim Eintritt in eine Antisemiten Versammlung : .Entschuldigen Sie, bm ich hier recht im neunzehnten Jahrhundert ?" Jedes Volk hat diejenige Regierung, welche es verdient." Im schlechtest regierten Lande giebt es die meisten Theekessel. Dacapo-Vers zum Glöckchen"-Koup-let in Einer von unsere Leus" : Ein Glöachen scheint, mit Permlspon, Der Reichstag mir zu sein ; Sein Läuten dringt mit Hellem Ton In höhere Kreise ein. Und das bedenkt, ihr Fürsten?äth', Daß Volkes Stimme spricht. Und Volkes Stimme Gottes Stimm', Vergeßt, vergeßt das nicht ! Ö überhöret nicht. Wo? laut das Glöcklein spricht : Minister sollen aus dem Saal Bei meinem Klang nicht gehn Sie müssen später doch einmal Vor ihrem Richter" stehn !" Schade, daß die Volkszählungen nur alle süns Jahre stattfinden! Sie bieten dem verheiratheten Manne die einzige Gelegenheit, zu erfahren, daß er in sei nem Daheim Haushaltungs-Vorstand ist. Wenn Jemand befürchtet, bei Lebzeiten nicht genug Dummheiten begangen zu haben, dann holt er das Versäumte in seinem Testamente nach. Lerne Dich selbst kennen !" ist leicht gesagt; wer aber wird es wagen. Jewanden sich selbst vorzustellen? Die meisten sterben, ohne diese vortheilhafte Bekanntschaft gemacht zu habe'k, und wenn ein Freund es unternommen hätte, sie mit sich selbst bekannt zu machen, dann wurde eS mit der Freundschaft für immer vorbei gewesen sein. Das Gegentheil von einem Arzt: ein Offizier. Eine gute Bemerkung muß nicht nur Hand und Fuß" haben, sondern auch Fopf". Vor dem Polizeirichter. Run, Du alter Herumtreiber, bist auch wieder einmal da? Du kommst doch jeden Herbst mit den ersten Schneeflocken." Ja wohl, Herr Volizei, wie'n EichHörnchen das geht alle Winter in's Loch." Verfehlte- Drohung. Schlange," rief ein entrüsteter Eheherr in wilder Ekstase seiner Gattin zu, ich werde Dir die Gistzähne ausbrechen." Wie er das anfangen will, möcht' ich wissen," kicherte das lauschende Stubenmädchen ; sie trägt ja schon seit Jahren ein falsches Gebiß." Große Heiterkeit erregte dieser Ta ge ein Intermezzo in einem Berliner Restaurant. Mehrere Herren saßen gemüthlich bei einem Glase Bier zusammen, als plötzlich einer derselben bemerkte, daß seine Uhr abhanden gekommen sei. Unwillkürlich griffen die übrigen Herren nach ihren Chronometern, doch wer beschreibt das Entsetzen, mit dem einer nach dem andern ausrief: Meine ist auch fort! Meine auch!" Schon wollte man die Polizei von dem unerhörten Vorfall benachrichtigen, als sich ein Unbekannter erhob und die Herren mit der Versicherung beruhigte, sie würden ihre Uhren wiedererhalten, da er sie sämmtlich imBefitz babe. Und in der That hingen dieselben an seiner Uhrkette. Der Unbekannte, welcher dieUhren escamotirt hatte, war Niemand anders, als der bckann te Zauberkünstler Max Rößner.

Die Schlacht vei Tscyansch.

Der Sedantaa des vorigen Jahres war von der Jugend von Klein- und GroßTschansch zu einer außergewöhnlichen taatsaktion au5crsehen worden Die beiden achtbaren Stämme waren übereingekommen, an diesem Tage das Erinnerungsfest der Schlacht von Sedan in der Weise zu stiern, daß sie aus der Gemarkung einer der beiden Gemeinden eine Nachahmung des gewaltigen Kampfes Minuten. Ausgemacht wurde beiderseits, daß man von der Verioenduna von Kavallerie und Artillerie Abstand men, und nur leichte Fußlruppen in's Feld sührcn wolle. Indessen solle idem Einzelnen unbenommen sein so dieß es weiter wie ein Pscrd zu wieHern und dadurch die Täuschung erwecken, als sei wirklich Kavallerie vorbanden. Die Einstellung eines Sani-täts-KorpS glaubte man cbettZal!s uterlassen zu können, da jede Partei. imVertrauen aus das Zartgefühl des Gegners, eine schonungsvolle Behandlung erwz ten zu dürfen glaubte. Die Klein-Tschanscher hatten dieFranzosen vorzustellen während die Groß. Tschanscher die deutsche Armee reräsentirten. Die Führung der sranzöschen Truppen übernahm d:c Formerlelzrling Paul Loch, als Anführer der deutschen Armee fungirte der SchlosserlchrlingPaul rw . v . ' a . m - . . c a vueranoer. ötampsesmulylg uno unier großem Kriegsgeschrei rückten die beiden Mächte gegeneinander vor, verhöhnten sich gegenseitig und stürzten sich in's Kampsgewühl. Ein Klcin.Tschanscher Kuhjunge, der bei denFranzosen die nicht unbedeutende Stelle eines General-Feld-marfchalls bekleidete, stel über einen Avanzirten der deutschen Armee her und rauste ihm höchst eigenhändig eine Hand voll Haare aus. An einer anderenStelle des Schlachtfeldes tobte der Kampf noch fürchterlicher. Ein würdiger junger Mann, der im gewöhnlichen Leben die achtungswerthe Stellung eines A-B-C-Schützen einnimmt, bei dem französischen Korps aber als DiviponS-Gencral fungirte, warf dem Befehlshaber der deutschen Truppen eine faule Kartoffel in's Gesicht. Leider entbehrte überhaupt die anze Kopie der Scdanschlacht in bedenklichem Maße der historischen Treue, denn auf der Tschanscher Gemarkung bekamen die Deutschen entsetzliche Wichse, während die Franzosen ein großes SU gesgeschrei erhoben. Die Groß-Tschan-scher stoben in wilder Flucht auseinander, verfolgt von den französischen Truppen von Klein. Tschansch. Die ersteren schrieen, die ganze Schlacht hätte nichts gegolten, man müsse wieder von vorne anfangen. Die Franzosen waren damit einverstanden und die beiden Armeen zogen sich wieder in ihre früheren gedeckten Stellungen zurück. Der Kommandantder Klein-Tschan-scher, Paul Loch, entschloß sich, die Ausstellung deö Feindes zu erspähen und begab sich allein auf Kundschast. Als er an einemBüsche vorbeischtich, brach plötzv . . rn r .tf v - - :ri. . lieg oer Veseyisyaoer. ver ggnm,ie,i Armee, Paul Alexander, auS dem Hin terhalt hervor und sicl über ihn her. Der Angegriffene setzte sich hestig zur Wehr, zog aus der Tasche einen Lustspieß" ein Handwerkszeug wie es die Former gebrauchen und versetzte dem Alcxander einen so hestigen Schlag auf den. Kopf, daß eine blutende 2Vunde entstand. Die beiden Armeen eilten herzu, als sie aber Blut fließen ihenliesen sie mit Angst und Bestürzung davon. Sehr niedergeschlagen und mit gesenkten Fahnen zogen die Klein- und Groß-Tschan-scher nach Haus. Nun stand derAnsührer der Franzosen, P. Loch, unter der Anklage der Körper . Verletzung vor dem Gericht. Er bchaup tete, e, hätte sich nur in der Nothwehr befunden, der deutsche General hätte in einen Graben aeworse'n und ihr' mitgespielt. Die Bewcisausne er- ; giebt indeß, daß er sich b oa Prügelei uyi nuiy "t'iu usiiiaMerizeugc bedient hat uso das Gericht vcrurihcilt ihn zu drel Tagen Gefängniß. Mehrere andere Theilnchmer des Kampfes sind frühe? wegen groben. Unfugs bestraft worden. l Paul Loch erklärt, ei werde nie mehr die verantwsrtungsvolle- Stelle eines Heerführers übernehmen. Lua 1 .iA0AaX V Vit ' Der Chemiker. General : Sagen Sie mir, Korporal Kraxelhubcr, aus was besteht das Pulver?" Krarelhuber: AuS Salpeter, Schwcfel und Kohle." General : .Wa Hit denn die Kohle für einen Zweck V Krazelhuber : Damit's Pulver a Schwärzn kriegt." . Amor. Geselle : Amor ist em loser Knabe !" Köchin. Ich will'S meinen ; bei mri ner früheren Herrschast war auch, a Mohr ;Sie der war bös!" Sitten-Verderbniß. (Die Mutter bringt ihren Knaben von der Prüfung.) Du, Mann, ich laß' den Fritz nicht mehr in die Stadtschule gehn, dort wird ja die Jugend total verdorben. Stell' Dir vor : Vor der ganzen GesellIchast fragt der Direktor einen Knaben von zehn Jahren, den er noch obcndrein zur Tafel heraus ruft, w.,L ein Bcrhaltniß" ist ! GewissenSsroge. Aber Herr Simsler. Sie werden entschuldigen Sie besuchen unser Haus so oft und wegen des GeredeZ umer den Leuten muß ich Sie ernstlich fragen : Kommen Sie, um meineTochter zu hcir.uhcn, oder kommen Sie wegen etas Andcrem V Ja, ich komme wegen etwas Anderem." Gute Qualifikation. k? . T f- . . , . . . c :.. S. .cu nur ijtr, WÄ tit un Krankheit mein Bart so abscheulich gewachsen is und der Dr. Paurel kömmt, heut' wieder nit zum Rosiren." Sie. Nachher rasn' ich Dich." Er. Was Du? wäi' nit übe!, Sie. Nu. warum ?" ich hab' schon manches Spanserkel abgeschoben l" '. Warum? Ofsizier (zur Dame): Oh! Sie sind seltsam tapfer! KZarun, gehen doch die. Damen nicht zum üitär?" , , , .. , Dame : Weil das Militär zu m Damen geht."