Indiana Tribüne, Volume 4, Number 179, Indianapolis, Marion County, 12 March 1882 — Page 2
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9 1 -ötf AusSchwarzwÄlder Dickte n&efeln gewonnen elf bekanntes, vorzügliches Mittel gegen Rheumslismus, L .letßkn im Gesicht, eigen im Gesicht, tteißen im Gesicht, ReiKett im Gekickt, Reißen im Gesichts Gliederreißen, Gliederreißen, Gliederreißen, Gliederreißen, Gllederreiöeu. Ällederreißen, Froftdealen, Frsftbeulen, j ropcmcn, i Frostbeulen. Frostbeulen, Sl .-r. r.atrnt. uimt. Otgt, Gicht, Sicht, Gicht, Gicht. Gicht, Gküt. Glüt Qlfii, Gicht ÜerafQtrk pezenschuß, öerenschuß, ßekenschuß, ötrenlüuk. HerenschuS, ZSustknIeid'ea, tW. .1 W l VUsleninoen, Hustenlelden, ßüstenlelden, Hustenleiden. y ' Hüstenleide,l i SranöfMttöenl ä ' H fl tt : Verstauchungen 3 ' Verstauchungen, VerstauÄuneen, Bttstauchunuen, ij El ä (n n -JlllUUlUUUl, Steifen Hals, Steifen Hals, Steilen Sri?, Steifen Hals, Sieisen HalZ, Quetschungen, Quetschungen, Quetschungen, Quetschungen, Vruhunaen, BruhUNZkN, Brühungen, Brühungen, Bruhungen, Äruhungen, Frische Wunden, ftniMic MZunden. ?l rm mtl.. r..v--. y UMRJ zunbrn. R ff- Jf n i Htn ?t i h ert 1 wy ', b . SchuZttvunden, 1 CT4inWlHiiwhM ItlMtWilUVill; Sünittwunden, Schnittwunden, aHnfinsssimp,m,,n v- f i . . v yH i h Sund eLe Schmerzen. st&t cinötsjer; w .... 4 N . lichzZ Milt?! denSthlgen. Unfle. i ?cherzen rdnndn, Ummtn benn wnb tnann in jfter VtT.jll vor un ti tu J Vfe daher PfliSt eine? Jeden, stet et VtUel bei der Z .Hsn zu hben, kheZ nickt kSein sogleich ln gerung der Lmerz?n rtnjjt, sondern kiqk fiiuc d Uebel in kurzer fielt btilt. Hei dies,? 48üinwt da u äKobsBe! fltier Kmt ZLZiliit Del M rtn ite U,Hk:chSAawelsnn U, deutsche?, ßlischer,? 'lanjUjiFV ciiiyti. hU , .V II A UtM.,;, Holl5vdi. her d ic er, dänischer, ddhmischer, Pugiftsch ?oylsyer, P, che beißtgeör, Et. akodi Del s 5-taIiewtfÄet Sprache beißteör. Line Ct,lo Del (0s!ei 50 Cell, tJTf ßlsllf tatZ BUi i sZr ZZ U)) ( U i Nd KMiecc u haben der vin tti eftell 9cn nicht wenu ;er cli V.00 fui nach ll theile Ux vr. iUiUn wtjan. Bcaceiua: U. O0flflnr ) Ca., valtime, M. !H U k U riksmarkk laBftlSMw-Ck.nat K2rCwt gitrrT i
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Vom Adel.
Er,Shlng von Friedrich Fricdr,. (3. Fortsetzung.) .Er hat versprochen, jetzt einige Zeit bei mir zu bleiben," bemerkte der kleine Freiherr. 3ch befürchte nur, daß er es nicyt lange aushalten wird. Es ist f m m oel mir zu um M ihn. Mannstein, das könnenSie ibm wab hastig nicht verargen !" rief Malten lächelnd. Auch ich würde es nicht aushalten, denn Sie leben wie ein Einsiedler. Herr Baron, wenn es Ihnen drüben zu einsam wird, dann kommen Sie jedesmal hierher ! Sie erweisen den Pferden Jhrcs Onkels einen Dienst und hier sind Sie stets willkommen !" SeldiK versprach es. Es war dmck i Malten unbefangene Worte sofort eine ijencrt ummung angevaynl. Der Gutsbesitzer führte die Gaste zu seiner Frau und Tochter, welche im Garten saßen. Selditz sah der jungen Dame, welche sein Onkel so reizend geschildert 11 . V. i iv 1 . yaiie, nicyi oyne einige '.'ceugicr entgegen, obschon er dem Geschmacke des altenHerrn nicht besonders viel zutraute. Erhielt O -f- r - f l ca auai lamn für mogilll), oasz lirnrni) v. Malten in wenigen Jahren sich so sehr verändert haben könnte. Er erinnerte sich genau, daß er sich oft über ihre dürre tLestalt, udcr ihre eckigen Formen und Bewegungen amüsirt Hatte. Um so mehr war er überrascht, als Malten ihm neben seiner Frau eine junge Dame als seine Tochter vorstellte, deren reizende Erscheinung ihm sofort aufsiel. Er würde gezweifelt haben, daß dies dasselbe junge Mädchen sei, wenn er nicht gewußt hätte, daß Malten nur eine Tochter besaß. Emmy mußte in der That Jeden durch ihre Anmuth entzücken, sie war wie eine kaum erblühte Waldblume, so frisch und duftig. Ueber ihrer ganzen Erscheinung lag uoch der zarte, unberührte Hauch der Unschuld und Jugend. Ihre großen blauen Augen blickten treuherzig und chelmisch zugleich, um die rosigen, feingcchnittenen Lippen zuckte es scherzend, und oenn sie die reichen blonden Locken des Kopfes zurückwarf in den Nacken, erschien sie fast übermüthig. Selditz dachte unwillkürlich an Elsa, er verglich beide Mädchen. Emmy war nicht so schön und doch vielleicht noch fesselnder. .Von Jugend auf hatte sie das Leben nnr von der angenehmsten Seite kennen gelernt, der Ernst desselben war ihr deshalb fremd geblieben. Ihn interessirte dies kindisch unbefangene Mädjr. k. tvw? . i . . i icii, jcin -oiia icnnc immer wieoer zu iyr zurück, sein Herz schlug unwillkürlich icyneuer. lr wollte diese ihm ungewohnte Regung seines Herzens zurückweisen, cs schien ihm Hohn zu sprechen und gegen seinen Willen zog cs ihn immer wieder an öle tzseite des reizenden Mädchens, und er bemühte sich, so licbcnswürdia als möglich zu erscheinen. Der kleine Freiherr beobachtete ihn mit seinem scharfen Auge im Stillen und es entging ihm die Aufregung seines Neffen nicht, hatten sich doch dessen etwas bleiche Wangen röther gefärbt und seine Augen schienen einen Glanz bekommen zu haben. Er ging mit Malten im Garten spazicren, während Selditz bei Emmy imd deren Mutter sitzen blieb. Er war mit seinem Begleiter seit langen Jahren befreundet und wußte, daß er ihm gegenüber seine Wünsche nicht geheim zu halten brauchte. Malten," sprach er und seine Augen blickten halb verstohlen und scharf beobjci.v cm. cn . er . rjr . n uujienu. .'.'ceiii iriqje jcyeini sie; jur iJIjre Tochter zu interessiren." Sollte das so schnell möglich sem, er v kennt sie ja kaum," gab der Gutsbesitzer I zur Antwort. ! Es lag dem kleinen Freiherrn viel daran, die Gesinnung seines Nachbars kennen zu lernen, denn auch er besaß in vieler Beziehung emen stolzen Sinn und es würde ihm peinlich gewesen sein, wenn in dem Herzen seines Neffen eine Neigung entstanden wäre, oyne oas; er dossnung hätte. Malten," fuhr er fort, ich sehe meinen Neffen als meinen Sohn an, da ich ihn als alleinigen Erben bestimmt habe, würden Sie ihm Ihre Tochter geben, wenn Beide sich liebten? Ich frage Sie offen, weil ich weiß, daß Sie ebenso gut zu schweigen vermögen, wie ich es kann. Wir bleiben Freunde, auch wenn Sie mir mit einem Nein antworten. Ick) weiß sehr wohl, daß er eine tollverlebte Jugend hinter sich bat. es lieat in seinem Blute, denn sein Vater war nicht anders, und doch hat meine Schwester glücklich mit ihm gelebt. Sie kannten ihn ja. Er hat sein Vermögen durchgebracht, weil er theure Passionen hatte, soweit ich .meinen Neffen kenne, wird derselbe diese nicht haben !" Malten war stehen geblieben und blickte den kleinen Mann halb erstaunt und halb lackend an. Mannstein, bedars es denn so vieler Worte V fragte er. Was diesen Punkt anlangt, so halte ich die Augen selbst offeil, denn ich habe nur das eine ikind und seine Zukunst liegt mir am Herzen. Ich will nun eben so offen zu Ihnen sprachen. Lieben Beide sich, so mögen sie ein Paar werden, ich bin gern einverstanden, zumal ich den Vater des Barons kannte und weiß, daß derselbe ein fester und ehrlicher Ebarakter war, wenn sein leidenschaftliches Blut ihn auch zu mancher Thorheit Hingeriffen hat. Nur verlangen Sie nicht von mir, daß ich auf meine Tochter irgend r- - - r-i. ff r.ft.ri wetcyen lttstuß ausuoc. ie ,im aui wählen, ihr Herz soll entscheiden. Das ist mein fester Entschluß, und davon kann ich nicht abgehen." Einverstanden r nc der relyerruno streckte ihm die Hand entgegen. Mein Nesse mag sehen, wie viel er erreicht. Noch 'J . 'tt !.: t 5 rr- iXs. ems vorn icy yinzuugeii. v?u nijt lebe, werde ich mein Gut nicht aus den Händen geben, denn mem Herz hangt da ran, und ich würde es nicht ertragen können, wenn es mit geringerer Sorgfalt behandelt würde. Sobald mein Neffe sich verhevrathet, werde ich ihn o stellen, oaß er semem Stande gemäß leben kann r haha ! Ich würde ihm auch zu Hilfe kommen können, wenn es Noth thäte entgegnete Malten lachend. Sie sparen zwar mehr, als ich es thue, trotzdem wird auch meine Tochter einst nicht arm sein. Die Malten haben noch lein Glied in u rer Familie gehabt, welches in Armuth jpiebt hatte. Mir ist sein Sohn dachte
den, mit mir stirbt mein Name dabin, ick
habe deshalb für meine Tochter sehr w .... rclcyilcy geborgt." Die beiden Freunde kehrten zu den amen und zu Selditz zurück. Siewaren vollständig mit sich emia und die Au gen des kleinen Freiherrn blickten heiter. ein verschmitztes Lächeln zuckte um seinen Mund hin. Als er am Abend mit seinem Neffen heimkehrte, saßen beide eine Zeit lang schweigend nebeneinander. Es war ihm. als wenn immer noch ein blondlockiger Mädchenkopf vor Ihm hinschwebc, als ob er in ein paar blaue Augen sehe, die uncr mcßlich tief erschienen. Zum ersten Male seit langen Jahren hatte Emmy v. Malten einen liefern Eindruck aus ihn gemacht. Er hatte sich den Damen stets mit einer frivolen Empstn dung genaht, sie hatten ihm nur zur Un terhaltung, zum Spiele für seine Launen gedient ; dies Mädchen, welches fast noch ein Kind war, hatte andere Gefühle in ihm erweckt. Es ärgerte ihn fast. Er hatte sich seinen Freunden aeacnübcr so oft damit gebrüstet, daß seine Brust gegen die Liebe fest gepanzert sei und jetzt drohte ClJL V!.r.4. ri! r r v iuj inqcioc sim uno yeimiicu cinzusaiielchcn und seine Grundsätze über den Hausen zu werfen. Erhielt dies für eine Thorheit, er wollte sich dagegen wappnen und Alles von sich n r iw V.. . . I vereisen, ooaz kehrten ftlneGcdankcn immer wieder zu Emmy zurück, ihreWorte ljarnen in lym wioer, er yorte ste lachen und sah ihre großen blauen Auaen. Der kleine Freiherr saß mit einem Gefühl der Unruhe in der Ecke des Wagens. Fünfngmal schon war sein Auge seitwärts über den Neffen hingeglitten. Es ärgerte lyn, oay oerjelve jchwleg. Hatte er kein Wort über Emmy zu sagen, nicht einmal, daß er sie hübsch fand ? Er mochte ihn . JC 1 r v rti c . maji fragen uno wouie aucy 0lc ltNterHaltung nicht anknüpsen. Sein ungeduldiger Sinn brach endlich doch das Schwcigen. Nun, hast Du mir nichts zu saqcn? fragte er. selditz blickte ihn prüfend an. Malten ist ein prächtiger Charakter," entgegnete er. Ich glaube, in dem Manne steckt nicht die aerlnqste Falschheit. Ich habe ihn früher nie kennen gelernt,sonst würde ich ihm längst befreundet sein und ihn öfter aufgesucht haben. Man trifft solche Charaktere so selten. .!" Das wem ich," unterbrach ihn der Freiherr ungeduldig. Und seine Tochter V Sie ist in der That viel hübscher aeworden, als ich es erwartet hatte, und ich gestehe offin, daß ich sie nicht wieder errannt haben, wurde." . , - Und das ist Alles, was Du mir über sie zu sagen hast V Was verlangst Du mehr?" fragte Selditz scheinbar unbefangen, da er noch nicht sagen mochte, was er noch - nicht wagte, sich selbst zu gestehen. Der kleine Freiherr rückte unruhig und unwillig hin und her. Onkel, das weiß ich selbst nicht." Der kleine Freiherr blickte seinen Neffen einen Augenblick starr an, als habe er dessen Antwort nicht verstanden. Wollte derselbe seine Empsinduugen ihm geheim halten, oder hatte er, in der That dem reizenden Mädchen gegenüber nicht mehr empfunden ? Er bog sich ans dem Wagen, rief dem Kutscher zu, schneller zu fahren und lehnte sich dann in die Wagenecke zurück. Bis sie auf dem Gute anlangten, sprach er kein einziges Wort. Gute Nacht," sagte cr dort kurz und begab sich in sein Zimmer. j Auch der Baron begab sich in sein Ge- i mach, warf sich dort auf das Sopha und zündete eine Cigarre an. Er mochte noch nicht schlafen. Es war nicht seine Absicht gewesen, seinen Onkel zu beleidigen, cr hatte ihm nur nicht eher etwas verrathen wollen, als bis cr mit sich selbst im Klaren war. Emmy gesiel ihm, ihr frisches kindliches Wesen hatte einen tiesen Eindruck auf ihn gemacht, und der Wunsch, sie zu besitzen, war in ihm aufgestiegen. Er war indessen ein Charakter, der sich durch keine Neigung seines Herzens bestimmen ließ, sondern ruhig sein Interesse abwog und berechnete. Er hatte wenig Lust, sich zu verheirathen und doch sprangen die Vor? theile einer Verbindung mit Emmy von Malten ihm zu deutlich in die Augen. Wenn Malten's Vermögen zu dem kam, was er einst von seinem Onkel zu 'crwarten hatte, gehörte er mit zu den Reichsten im Lande und konnte ein Leben führen, wie cr es längst gewünscht hatte. Nur Eins drängte sch in seine Bctrachtungen und in die Bilder, welche cr sich von der Zukunst entwarf, störend ein, der Gesundheitszustand seines Onkels. Der alte Herr war trotz seines völlig ergrauten Haares noch immer so rüstig, daß ihm vielleicht noch eine lange i)!eihe von Jahren vergönnt waren, zumal, da cr außerordentlich einfach und mäßig lebte. Sollte er dann auch, wenn cr vcrheirathet war, noch von dem Willen seines Onkels abhängen? Dieser Gedanke war ihm fast uncrtraalich, und doch wußte cr, daß derselbe, so lange cr lebte, sem Vermögen und Gut ihm nicht vollständig übergeben werde. Den Kops auf die Hand gestützt, blickte er starr vor sich hin. Gedanken auf Gedanken stiegen in ihm auf. Sein Onkel wünschte seine Vcrheirathung, war es nicht moallch, ihm das Ber precyen avzuringen, ihm bei seiner Vcrheirathung das Gut abzutreten k Es war schwer, hierüber Gewißheit zu erlanqen, denn der kleine Freiherr hatte einen sehr klugen und mißtrauischen Kopf, der die wahren Absichten nur zu leicht er rieth. Vielleicht konnte Malten ihm zur Erreichuna semes Wunsches behilflich sein. Da& es ihm aelinaen werde, Emmy's Herz zu gewinnen, bezweifelte er nicht, er war sich semer Borzuge nur auzufeyr vewunt und wußte, wie leicht es war, das Herz eines jungen Mädchens zu fesseln, . "... im j . c x5 das Die Iweil nocy Mil oem iruumcrisuien und idealen Auge der Jugend ansah. ES gab sür ihn längst kein Ideal mehr, allein er brauchte ' nur einzustimmen in Emmy's Anschauungen, brauchte ihr die Zukunst nur in idealen Bildern auszumalen, um seines ErsolaeS gewiß zu sein. ßr Uni stA 'ihot int Nuie. und als er am folgenden Äozgen ausstand,' war der kleine Freiherr bereits aus daS Feld geaanaen. um nach den Arbeitern ZU leben. Um sich die Zeit zu vertreiben, schritt er durch den sorgfältig gepflegten Garten
hin, obschon ihm derselbe wenig Interesse
abgewann, ne aiur war uveryaup: nie im Stande geeZen, ihn zu begeistern ein gutes Souper und eine Flasche Sekt zog er der schönsten Gegend vor. Dann 4 er ' i . y i V Of . . . . ! gao er oem Neilinecyie nen ?irug, uncs der Pferde für ihn zu satteln. Er war ein gewandter Reiter und rasch sprengte er vom Hofe, die Richtung nach dem Gute des Herrn v. Malten einschlagend. Er wollte Malten nicht besuchen, vielleicht traf cr denselben jedoch aus dem Felde und cr wollte sich erst der vollen Freundschast desselben versichern, ehe er das Herz seiner Tochter zu gewinnen suchte. Nur mit Mühe gelang cs ihm, das junge Pserd, welches ohnehin wenig aus dem Stalle kam, im Zügel zu halten, dann ließ cr ihm mehr freien Willen und das feurige Thier schoß schnell dahin. In kurzer Zeit hatte er Malten's Gut erreicht und ritt an dem geräumigen Garten langsam dahin. Hohes Gebüsch verhinderte den Blick in denselben, so sehr cr auch sein Auge anstrengte, in der Hoffnung, Emmy zusehen. Plötzlich langte cr an cmem freien Durchblicke an und sah Malten, dessen Frau und Tochter in dem Schatten eines nahen Baumes beim Frühstück sitzen. Es war zu spät, um das Pserd zurückzuwcnden, denn Malten hatte ihn bereits erblickt, sprang aus und eilte ihm entgegen. Guten Morgen, Herr Baron !" rief er heiter. Sie kommen zur rechten Zeit zum Frühstück ! Er war dicht an die niedrige Hecke getreten und streckte über dieselbe hinweg Selditz die Hand zum Gruße entgegen. . Nein, Herr von Malten, ich will Ihre Gastfrcundschast nicht mißbrauchen," erwiderte Selditz. Mein Onkel ist auf dem Felde beschästigt, ich ritt spazieren und das Pserd scheint hier schon öfter geWesen zu sein, denn es hat mich eigentlich ohne meine Willen hierher getragen !" Dann muß ich mich also bei dem Thiere sür Ihren Besuch bedanken," suhr Malten lachend fort. Nun kommen Sie, ich weiß aus Erfahrung, daß nach einem Spazierritte ein Glas Wein immer schmeckt. Kommen Sie freilich müssen Sie noch einen kleinen Umweg bis zum Thore machen, denn über diese Hecke werden Sie doch nicht hinwegzusetzen wagen." Weshalb nicht V warf Selditz lächelnd ein. Weil die Hecke zu hoch ist und ich nicht glaube, daß das Pferd Ihres Onkels ein besonderer Springer ist." Statt zu antworten, ließ Selditz das Pferd schnell einige Schritte zurücktreten. gab ihm die Sporen und setzte gewandt über die Hecke hinweg. Famos! Prächtig!" rief Malten überrascht. Herr Baron, ich hätte nicht geglaubt, daß Sie ein so vorzüglicher Reiter wären! Auch ich sitze viel und gern zu Pferde, dennoch mache ich Ihnen dies nicht nach!" Selditz war abacsprungcn und hatte den Blick über Emmy hinschweifen lassen, um zu sehen, ob sie seinen kühnen Sprung nicht bemerkt hatte. Ein herbeieilender Diener nahm das Pferd in Empfang und die Hand in den Arm des BaroAs legend, führte Malten denselben zu seinen Damen. Emmy war im weinen lelchtencorgcnkleide und sah noch frischer aus als am Taa zuvor. U:bcr ihre Wangen ergoß sich eine flüchtige Nöthe,, chr Auge senkte sich befangen. Scldch entzchulolgtc uch und verjichmc, daß. es nicht seine Absicht gewesen sei, zu stören. Malten unterbrach ihn. Baron, Sie hatten nichts Besseres thun können " rief cr heiter. Sehen j Sie, ich hatte soeben mein. Frühstück beendet, allein Ihnen zu Liebe beginne ich es noch einmal. Nun sehen Sie sich hier ist es kühl, sobald die Sonne scheint, dringt meine Tochter daraus, dap wicr hicr frühstücken e& ist ihr Licblmgsplatz." Sie haben jedenfalls nicht vermuthet. daß Sie hier gestört werden würden," wandte sich Selditz an das liebliche Maochen. 'Ich befürchte fast, daß Sie diesen Platz nicht wieder wählen werden." Doch," vZrstcherte Emmy lächelnd. Ich brauche den Papa ja nur zu bitten, daß cr Gebüsch an die Hecke pflanzen iapi. Ich thue cs aber nicht V nc Malten heiter, indem er die Gläser füllte und das Glas mit dem kühlen Rheinweine dem Baron entgegenhielt. A!S Selditz um die Mittagszeit aufbrach, um heimzukehren, reichte Malten ihm die Hand. ,Nun bleiben Sie recht lange bei Ihrem Onkel und kommen Sie oft hierher," sagte er. Wir können Ihnen freilich die Residenz nicht ersetzen, dafür sind Sie aber auch hier zu jeder tunde ouss herzlichste willkommen !" Seldck ritt, von dem Erfolge seines Besuches vollkommen befriedigt, heim. Am Morgen des dritten Tages saßen Onkel und Neffe aus der Veranda und tranken Kaffee zusammen. Der kleine Freiherr las- die Zeitungen, welche der Diener soeben ihm gebracht hatte. Ein Gegenstand schien ihn besonders zu interessiren, denn er schüttelte beim Lesen desselben mehrfach, den Kops und schob dann die Brille, welche er zum Lesen benutzte, hinauf auf die Stirne. Hast Du von der Wette in M. gehört, durch welche ein junges Mädchen unglücklich gemacht worden ist?" fragte er den Neffen. Der Baron, welcher, sich behaglich aus dem Stuhle schaukelnd, dasaß, zuckte bei dieser Frage leicht zusammen. Er hatte soeben an einen anderen Gegenstand gedacht. Von welcher Wette?" fragte er möglichst unbefangen. Der Freiherr reichte ihm das Zeitungsblatt. Selditz's Hand zitterte leise, als er dasselbe in Empfang nahm, und er mußte alle Kräfte zusammennehmen, um denArtikel lesen zu können, weil die Schrift vor seinen Augen verschwamm. Er las in dem Artikel die Darstellung seiner eigenen Wette und zugleich, daß Elsa schwer erkrankt war. Seine Brust athmete er leichtert auf, weil in-dem Artikel kein Name genannt war, es war nur gesagt, daß ein Herr von altem Adel die Wette ausgeführt habe. Ich wttjj nichts davon entgegnete er, indem er seinem Onkel die Zeitung zurück reichte und sich die Miene gab, als ob
diese Wette ihn nicht im Geringsten interessire. Ich glaube auch nicht, daß es wahr ist. Man weiß ja, wie cs dieeitungen machen. Fehlt ihnen interessante? Stoff, so ersinnen sie solchen, um-ihre Leser zu unterhalten, ob derselbe wahr ist, . i i
Daraus lvmmi es mcgi an. Der Alle schüttelte zweifelnd mit dem Kopfe. Dies wäre doch etwas zu gewagt," bemerkte er. Könnte die Zeitung nicht gar zu leicht als Lügnerin hingestellt werden ? Würde sie, wenn diese Wette nicht wahr wäre, den Namen der Stadt nennen? Dieser Artikel wird auch in M. gelesen und die Stadt ist zu klein, als daß dort eine solche ehrlose That ein Geheimniß bleiben sollte." Selditz zuckte mit der Schulter. Es mag sein," erwiderte er. Jedenfalls beurtheilst Du die Wette zu scharf; sie ist doch immerhin ein Scherz gewesen." Es lag in seiner Absicht, die Gesinnung seines Onkels durch diese Worte zu prüfen, er hoffte ihn dahin zu bringen, daß auch er die Wette leichter ansah, allein er hatte sich in dem kleinen Manne vollständig geirrt. Der Freiherr richtete sich empor, sein Auge leuchtete. Ein Scherz, wo es sich um den Ruf und vielleicht sogar um den Ruf eines unbescholtenen Mädchens handelt!" rief er. Es ist eine ehrlose That, das Herz eines Mädchens um einer Wette wegen' zu gewinnen und dann im Stiche zu lassen!" Die Heftigkeit, mit welcher der alter Herr diese Worte ausgesprochen, erschreckte Selditz fast. Ich kann nicht so hart darüber urtheilen," bemerkte er, alle Kräste zusammenraffend. Vielleicht ist dieselbe in lustiger Weinlaune entstanden." Das würde zur Entschuldigung dienen, wenn sie am andern Morgen sosort wieder aufgehoben worden wäre," fuhr der kleine Herr erregt fort. Das ist nicht geschehen, in ruhigem, nüchternen Zustände ist sie ausgeführt worden. Sie ist ein Bubenstreich, für welchen keine Züchtigung zu streng ist! Hätte ich'eine Tochter, und sie wäre der Gegenstand einer solchen Wette geworden, so würde ich nicht eher ruhen, als bis ich den Frevler wie einen Buben niedergeschossen hätte. Meine weißen Haare würden mich nicht daran hindern." Das Blut war aus den Wangen des Barons, gewichen. Trafen die Worte nicht ihn selbst? Und doch durste er es nicht verrathen. Er war ausgestanden und an den Rand der Veranda getreten, nur, um sein Gesicht abwenden zu können. Onkel, weshalb sollen wir uns über eine Angelegenheit ereisern, welche uns Beide nicht weiter berührt?" sprach er. Wirst Du heute den Herrn v. Malten nicht besuchen V . Der alte Herr war nicht geneigt, das Gespräch so schnell abzubrechen. Alexander," sprach er sehr ernst, ich ereifere mich nur über Deine Ansichten. Ich hoffte, der Sohn meiner Schwester würde das, was ehrlos ist, auch offen si nennen und nicht in Schutz nehmen.' Sieh, ich habe Dir vieles verziehen, was ich als Jugendthorheit ansehen konnte, in einem Punkte bin ich jedoch sehr strenge: in Allem, was die Ehre anbetrifft." Glaubst Du, ich würde je den geringsten Makel aus meiner Ehre sitzen lassen ?" rief der Baron. Ich hoffe das Nicht, die Seloitz haben das nie gethan, und in der Familie, aus welcher Deine Mutter stammt, wurde eben so streng auf Ehre gesehen!" Selditz hatte Zeit gewonnen, seine gewohnte Ruhe wieder zu erringen. m " c r e. v im NUN, oarin sino mir ja aucu cm lg, sprach er lächelnd, indem cr seinem Onkel die Hand entgegenstreckte. Ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt, wir sind also einig !" Schnell beruhigt, schlug der UeineFreiHerr ein. Wie in der Zerstreuung spielten Sel ditz's Hände mit dem Zcitungsblatte, in welchem der Artikel über die Wette stand, er rollte es zusammen, immer enger und fester und als des Freiherr Jagdhund neben der Veranda durchlief,- warf er scherzend mit dem Blatte wie mit einem Pfeile nach demselben. Er hatte seine Absicht, daß der Onkel den Artikel nicht noch einmal lesen sollte, erreicht. Der Freiberr saß am folgenden Morgen noch in seinem Zimmer, als der Diener ihm mit den Zeitungen mchrcrcBricfe brachte und aus den Tisch niederlegte. Auf einem Briefe blieb sein Auge länger hasten ; dessen Poststempel verrieth, daß er aus M. kam, die Handschrist war ihm eine fremde. Er. hatte in M. weder einen Bekannten, noch irgend eine Verbindun.i. Mas konnte der Brief ent halten? - t Er fand keine Antwort auf diese Frage und kurz cntschloffcn öffnete er das Couvcrt und begann das umfangrcicheSchrciben zu lesen. Schon nach wenigen Zeilen wich das Blut aus seinem Gesichte, cr strich die Hand über die Stirn hin, um sich zu überzeugen, daß nicht träume, er sprang auf, den Brief noch immer in der Hand haltend, dieselbe zitterte. Eine heftige Erregung sprach aus seinen Augen. Endlich setzte er sich nieder, um den Brief weiter zu lesen, es wurde ihm schwer, denn seine Hand vermochte das Schreiben kaum zu halten, vor seinen Augen tanzten die Buchstaben; er besaß jedoch eine starke Willenskraft und durch sie gelang es ihm, sich zu beherrschen. Der Brief war von dem Professor Werther und enthielt die ausführliche Bechreibung der Wette und ihrer Folgen, owie die Namen derjenigen, welche dabei letheiligt gewesen waren. Er rief den Diener. Geh zum Herrn Baron und sage ihm, daß ich ihn bitten lasse, zu mir zu kommen," befahl er. .Schnell !" . fügte er hestig hinzu, als der Diener über sein Aussehen erschreckt einen Augenblick stehen geblieben war. Der Diener flog, denn er hatte seinen Herrn noch nie so hestig gesehen. Mit fest auseinander gepreßten Lippen, den Brief krampfhaft fest in der Hand haltend, blieb der kleine Freiherr in der Mitte des Zimmers stehen, bis sein Neffe eintrat. .Guten Morgen, Oulel!" ries Selditz ihm mit unbefangen heiterem Tone ent gegen ; kaum hatte er indessen des Alten Antlitz erblickt, so blieb er erschreckt stehen.
Was ist geschehen?" fügte, er fragend hinzu. Lies den Brief," erwiderte Mannstein mit kalter Stimme.
Aus dem Gesichte des Barons wich das Büir, als sein Auge die Zeilen durcheilte. Dies hae er nicht erwartet, jetzt galt es, alle Kräfte' zusammen zu nehmen, er kannte ja des Men strenge Ansicht. Fragend ließ er das Auge über ihn hingleiten. Gieb mir Antwort," fuhr der Freiherr mit demselben äußerlich ruhigen, kalten Tone fort. Selditz zog langsam die Schultern in die Höhe. Es ist leider wahr," entgegnete er. Ich hatte indessen nicht erwartet, daß die Wette so schlimme Folgen nach sich ziehen werde." Die Augen des Freiherrn leuchteten, seine Lippen zuckten, seine kleine Gestalt schien gewachsen zu sein, denn fest und imponircnd stand cr da. Du hast wohl erwartet, daß dasMädchen über den Bubenstreich lachen werde !" rief er. Du hattest wohl geglaubt, die Betrogene besitze nicht mehr Ehre wie Du?" Onkel!" unterbrach ihn der Baron, bei den Worten zusammenzuckend. Auch von Dir kann und darf ich solche Worte nicht hören ! Vergiß nicht, daß ich ein Selditz bin !" Der kleine Freiherr blickte ihn sest an. Und ich bin ein Mannstein," erwiderte er, den Kopf emporhaltend. Und die Mannsteins haben von jeher auf Ehre gehalten und streng darauf gesehen, daß von Keinem, der zu ihrer Familie gehörte, etwas Ehrloses gethan wurde." Ich ertrage diese Worte nicht länger!" rief der Baron. ' Du erträgst sie nicht?" wiederholte der Freiherr, indem er noch näher an seinen Neffen herantrat. Hoffst Du vielleicht, mich einzuschüchtern? Du irrst! Ich war fest cntschloffcn, die Hand ganz von Dir zu ziehen, mich von Dir loszusagen ; ich habe jedoch einen anderen Entschluß gefaßt. Weißt Du, wessen Tochter das Mädchen ist, gegen welche Du so ehrlos gehandelt V Nein," gab Selditz ihm trotzig zur Antwort. Sie ist die Tochter des Geheimraths Stein! Ihr Vater cin Ehrenmann und mir innig befreundet. An seinem Kinde hast Du so gehandelt, ihr Her hast Du in ftevelhaftcr Weise zum Spielball benutzt! Nicht Deinet-, sondern des betrogencn Mädchens wegen, um dessenEhre wieder herzustellen, verlange ich, daß Du sie heirathest." Ich werde nie eine Bürgerliche heirathcn !" gab der Baron zur Antwort. Du weigerst Dich noch?" rief Mannstein ausgebracht. Du, der Du ganz von mir abhängst, der Du verloren bist ohne mich ! Nun gut, dann will ich Dir noch etwas sagen : Wenn Du das Mädchen nicht heirathest, so wirst Du nicht einen Thaler mehr von mir erhalten, weder so lange ich lebe, noch nach meinem Tode! Ich werde das Testament, welches ich zu Deinen Gunsten gemacht habe, umstoßen, ich werde ein anderes aussetzen und Dich enterben!" Der Baron nagte mit den Zähnen auf der Unterlippe, sein Gesicht war bleich, seine Augen blickten lauernd drohend. Es war eine schwere Entscheidung, die cr zu treffen hatte. Ein Selditz wird nie eine Bürgerliche heirathen !" gab er zur Antwort. Und ein Äannstein giebt sein Ehrenwort, daß er seine Drohung aussührcn wird!" rief der Freiherr. Drei Tage gebe ich Dir Bedenkzeit, überlege cs wohl, und vergiß nicht, daß cin Mannstein noch nie ein gegebenes Wort gebrochen hat." Er wandte sich ab. Selditz eilte aus dem Zimmer. Durch einen sonst so ruhig überlegenden Kopf chosscn wirre Gedanken. Nur das Eine 'tand klar vor ihm, daß sein Onkel die Drohung ausführte, wenn er scincnWillen nicht erfüllte. Sein Stolz sträubte sich gegen den Gedanken, eine Bürgerliche zu heirathen. Wenige Minuten später sprengte er vom Hose des Gutes der Residenz zu. Der Freiherr stand a.m Fenster und blickte ihm nach, seine weißen buschigen Brauen waren sinstcr zusammengezogen. Er sand keine Entschuldigung sür dieThat seines Neffen, denn in seinen Augen blieb sie eine ehrlose. Der Baron war der Letzte seiner Familie ; konnte ein so altes Geschlecht iu seinem Ausläufer so tief herab sinken ? Worauf stützte sich des Barons Hochmuth, wenn er seine Ehre so sehr vergessen konnte ? Und dann dachte er an das unglückliche Mädchen, welches in Folac der ehrlosen Wette krank darnicderlag. Das Bild! ri - r rv ri! . ' iyrcs zaier, seines reunoec', iucg vor ihm auf. Die ernsten Augen desselben richteten sich bittend auf ihn, als wollten sie ihm zurufen: Nimm Dich meiner Tochter und ihrer Ehre an ! Ihr Bruder ist fern in Italien, der Profeffor ist alt und schwach, in Deine Hand ist es gegeben, das verübte Bubenstück zu sühnen!" Ich wilt es !" rief er, und wer in diesem Augenblicke in die Angen des kleinen Mannes geschaut hätte, würde gesehen haben, daß das, was er einmal beschlossen, unerschütterlich sest bei ihm stand. "Er verließ das Haus, um sich durch seine gewohnte Thätigkeit, die ihm schon über Manches hinweggeholfen hatte, zu zerstreuen; heute hals das Mittel nicht, immer wieder kehrten seine Gedanken zu der Wette seines Neffen zurück und immer wieder fand sein Groll neue Nahrung. War cr auch überzeugt, daß der Baron sich binnen drei Tagen bereit erklärte, seine Bedingung zu erfüllen und Elsa Stein zu heirathen, denn er wul-te cs, daß seine ganze Existenz von ihm abhing, so sühlte er doch, daß sür immer ein ticser Riß zwischen ihnen entstanden war, der durch nichts mehr ausgesüllt werden konnte. Er würde ihm eher verziehen haben, hätte er in einem einzigen Jahre 60,000 Thaler Schulden gemacht dies konnte er nicht verzeihen und noch weniger vergessen. Als er am Mittage heimkehrte, fragte er den Diener, ob sein Neffe auf seinem 3 r ' . ... immer sei. Der Herr Baron ist nach der Residenz geritten und hat mir befohlen, seine Sachen nachzuschicken," gab der Diener zur Antwort. Eine flüchtige Sekunde blickte der FreiHerr überrascht. ,AH, ganz recht ich hatte vergessen,"
sprach cr dann, um den Diener das Geschehene nicht errathen $H lassen und begab sich in sein Gemach. War es die Absicht seines 5lchcn. nicht zurückzukehren? Wollte er seiner Bcdingung einen trotzigen Hochmuth entgegensetzen ? 'Er glaubte vielleicht nicht an den Ernsl der Drohung er sollte diesen Ernst kennen lernen, denn auch er konnte uncrbittlich sein, wenn erst d.ie Ehre in's Spiel kam. Am folgenden Tage gegen Abend kam v. Malten in aufgeregter Weise aus den Gutshos des Frciherrn gesprengt. Er sprang vom Pferde und warf dem herbeieilenden Reitknechte die Zügel zu. ' Mannstein eilte ihm entgegen. Malten, was haben Sie?" fragte cr besorgt, da ihm die Ausregung des Gutsbcsitzers sosort ausfiel. Kommen Sie in Ihr Zimmer, dort dort," entgegnete Malten, schritt schnell voran in das Zimmer des Frciherrn und ging dort rasch einige Ä!al auf und ab, bis er sich soweit beruhigt hatte, um aus die wiederholte Frage des alten Herrn antworten zu können. Ich ritt heute Morgen aus das Feld,
wo ich emc Anzahl srcmder Arbeiter beschästigt habe, weil die meinigen nicht ausreichend sind," erzählte cr endlich. Ich gebe den Leuten einen guten Lohn, vcrlange sreilich auch, daß sie tüchtig arbciten. Ich bemerkte sosort, daß sie sast gar nichts gearbeitet hatten und als ich ihnen deshalb Vorwürfe machte, traten mehrere der Männer an mich heran und sagten, daß sie gar nicht weiter arbeiten würden, wenn sie nicht einen höheren Lohn erhiclten. In dreister Weise verlangten sie denselben, die Andern stimmten darin bei und umringten mich. Ich kenne keine Furcht und bin nicht gewöhnt, mir in solcher Weise Vorschristen machen zu lassen und erwiderte ihnen kurz, daß ich ihnen nicht mehr zahlen und sie ebenso wenig hindern würde, wenn sie die Arbeit einstellen wollten. Sie thaten es sosort unter Drohungen, dennoch kehrte ich ruhig heim, um meiner Frau und Tochter, welche heute Mittag aus zwei Tage verreisen wollten, nicht unnöthiger Weise Befürchtungen einzuflößen. Ich verschwieg ihnen das Vorgefallene und begleitete sie noch eine Strecke, als sie fortfuhren." Das war vernünftig," warf der FreiHerr ein. So weit ich Ihre Frau kenne, würde sie überhaupt gar nicht gereist sein." Malten schien diese Worte nicht zu hören. Ich wollte schon heute Nachmittag zu Ihnen kommen, um Ihnen das Borgefallene mitzutheilen," suhr cr sort. Aus den Drohungen der Männer vcrnahm ich, daß sie mit Ihren Arbeitern in Verbindung stehen und daß sie dieselbe Förderung an Sie stellen wollen."' - Der kleine Freiherr lächelte. Sie mögen cs thun," entgegnete er. Sie werden bei mir ebenso wenig Entgcgenkommen sindcn, wie bei Ihnen!" Laffcn Sie mich zu Ende erzählen," sprach der Gutsbesitzer. Heute Nachmittag wurde ich verhindert, zu Ihnen zu kommen, ich ritt deshalb später fort. Als ich im Walde angelangt war und langsam dahin ritt, sprangen plötzlich mehrere der Arbeiter auf zuich zu und hielten mich an. Sie trugen Knüttel und einer der Manner, der Schlimmste von Allen, Namens Vartels, hatte ein Pistol in der Hand. Ich dachte -nicht an Furcht, als indessen einer der frechen Gesellen meinem Pferde in die Zügel siel, hieb ich ihm mit der Reitgerte über den Kopf, gab meinem Thiere die Sporen und sprengte davon. Ich sah, daß das Pscrd zwei Männer niederriß. Mit wildem Geschrei folgten sie mir. Schieß ihn nieder!" rief Einer. Laß ihn, cr muß ja nach seinem Gute zurückkehren, dann werden wir ihn saffcn," siel ein Anderer cin. So weit, also ist es schon gekommen! Mannstein, geben Sie mir einen Revolver oder cin Paar Pistolen, dann werde ich sosort zurückkehren und sehen, ob Einer den Muth hat. mich anzugreifen, ohne Erbarmen würde ich ihn nicdcrschießen !" Die Augen des kleinen Frciherrn lcuch teten bei Maltcns Erzählung auf, cs schien sast, als ob cr Lust habe, sich seinem Freunde anzuschließen, um gemeinsam mit ihm den Verwegenen entgegenzutreten. Dann besann er sich eines Anderen. Malten, Sie werden das nicht thun," sprach er, die Haud aus den Arm dcö Freundes legend. Doch, doch !" rief Malten, noch immer heftig erregt. Ich will ihnen zeigen, daß. ich sie nicht sürchte!" Sie wissen. Malten, daß ich auch keine .i.rcht kenne," erwiderte Mannstein, den--nch rathe ich Ihnen, thun Sie es nicht.' Wollen Sie der überlegenen Gewalt entgegentreten? Sie sollen sich keiner Gefahr aussetzen, denn ich denke an Jhre FraiZ und Tochter." Die Männer erwarten mich., bis ich zurückkehre." Nun, dann werden wir ihre Geduld auf die Probe stellen, Sie bleiben diese ' Nacht hier, bei mir." Das geht nicht." Weshalb nicht ? Bcsürchten Sie, daß die Leute den Muth haben, aus Ihr Gut zu dringen?" Nein, denn ihr Groll ist nur gegen meine Person gerichtet." (Fortsetzung folgt.) Das Engagement. Ich engacire Sie hiermit kontraktlich als Cbarakterdarsleller. ahtr etn &t miÄ charakterfest und brennend mir nicht durch!" Volkszählung. (Ein Mathematiker bekümmerte sich eines TageS' viel um die zweckmäßigste Methode der. Volkszählung. Ein Traum cfib ihm erwünschten Ausschluß und bewährte den. alten Satz, daß man über schwierige Fragen erst schlafen müffe, ehe man ent scheide, denn welchen der Herr lieb hat,', dem gibt er's in Schlaf. Er sah näm lich den König David in Verhandlung mit seinen Räthen über die gleicheFrage. Jeder brachte einen andern Vorschlag zuMarkte. Der letzte aber sprach: Laß allen Deinen Unterthanen Fräcke onzie' hen, schneid: allen Fiäcken beide Zipfel, ad, zähle die Zipfel und dividire dtt, Summe mit zwei : so hast Du tmföfr, bar die rechte Zahl.
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7, ii i
