Indiana Tribüne, Volume 4, Number 172, Indianapolis, Marion County, 5 March 1882 — Page 6
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Litt oder der KracZ.
Vine Skizze ach d Leben. i , . Von z,haO VroelK. Das waren unbeständige Frühlings tage, die ich im Mai des Jahres 1373 in der Heimath antras. Ich kam an; dem Süden dem Lande der Sonne und der Sorglosigkeit, daheim hingen Wolken am 5immel, umlagerte die Sorge das öeben Geitter hieö Krisis des Geld riarttes. Das Speculationssieber hatte n?knscden erariffen, deren Gedankennd GesvrächZkreise sonst weitab von der Weltder.Geldgeschäste gelegen hatten, und mit aufgeregter Spannung verfolgte silöklich der sonst so bedächtige Rentner das Steigen und Fallen der Course, die Erschemungen und Bewegungen an der !t - i . w or Böre, für ote er voryer nur wenig er ständniß gehabt. Und in jenen Tagen u?ar nur vött Sinken der Werthpapiere, nur von erschütternden Katastrophen an der Börse die Rede. Von den Stürmen der vergangenen Nachk wußte der helle Morgen nichts, der, glitzernd im Sonnenlicht, über den Weinbergen und Obstgärten des Dres dener Villendorfes Loschwitz im Blau des Himmels sich wiegte. Mir aber schien' es Moraenthau zu sein, als ich durch die engen Bergpfade, Zvelche die einzelnen Besitzungen trennen und verbinden, hmaufwanderte, vom - Aanoungsplatze des AampslchiN.es, oas mich nach kurzer Fahrt von Dresden ' heraus ,n diese Ma:envelt gebracht hatte. .Mir schien die Welt in Licht und Anmuth getaucht,.als ich in das Gehege der rei chen, glänzenden Besitzung eintrat, die , ein Freund Erich Wollheim, wie er mir gezchrieben, vor Jahresfrist erworben hatte . und seitdem mit seinem jungen. damals, ihm angetrauten Weibe be .wohnte. Und mir war, als hätte ich ein &otn betreten, an dessen Pforten Schutz engel Wache halten, damit die Sorge und die Roth Nicht eindringen können. als ich durch die blühenden Lauogange, an den duftenden Jasmin und Hollun derbüschen vorbei schreitend, um eine Wendung biegend, vor em Bild trat, das in jedem Zuge heiteres Daseinsglück in reichster Fülle widerstrahlte. Auf den letzten Stufen der Treppe stand eine lichte Gestalt, deren knospende Formen sich vom tiefblauen Hintergrund des Himmels wundervoll abhoben; eine Zunge vornehme Frau, ganz lN Weiß ge kleidet, dessen frischen Glanz "der hell blaue Ausputz nur erhöhte ; ein zierliches Morgenhäubchen auf dem lockigen sind lichen Krauskopf, aus dessen Mienen die Freude lachte, es war die Trägerin, der Genius der Freude selbst. So trat mir die junge .Frau des Hauses, die Gattin meines alten Freundes Wollheim, seine Litt, wie er sie in seinen Briefen mir genannt hatte, entgegen; mir noch unbekannt und doch erkannt, mir noch fremd und doch schon vertraut. Uns einigte die Liebe zu Einem, zu Erich, ihrem Herzensschatz, meinem Jugendfreund'. Er selbst war nicht anwesend, sondern schon zeitig in die Stadt gesahim. Natürlich galt unser Gespräch, ihr Geplauder ihm. Er hätte jetzt überZhaupt viel in der Stadt zu thun, sagte sie, sie wisse freilich nicht was ; aber wichtiges müsse es sein, sonst würde er sie nicht ost und so lange ganze Tage oft sagte sie schmollend, allein lassen. Er habe sich an einem großen Bauunteruehmen beteiligt, das sei alles, was sie Zvisse. Erich liebe eö nicht, von Ge Zchäften mit ihr zu sprechen. Und, sie verstände wohl sicher nur wenig davon. Im Grunde müsse sie sich auch freuen, Zzaß ihr Mann eine Beschäftigung gefunden. die sein Inneres so in Anspruch juhmeV - Als er bei ihrer Verheirathung beschlössen: habe, eine praktische BetbätiSung seine'r'Kunst als Architekt zunächst Zanz auszugeben, um sich nur ganz ihr 'lind seinen Studien im Hause zu widznen, da habe sie aufgejubelt und es sei so ckt nack ibrem Wunsch aewesen. Dann ober habe sie oft recht drückend die Sorge empfunden, ob sie, ihre Unterhaltung, ihreringes Wissen ausreichen könnten, ihm Ersatz für die reichen Eindrücke sei7,eS früheren Lebens, für den Verkehr xrit Kunstgenossen, für den Reiz der Ausführung eigener Pläne zu bieten. Auch sei ihr fast nichts im Hause übrig geblieben, zu thun. Alles habe er, der Praktische, der Erfahrene, besorgt, U stellt, ausgeführt, auch im Hauswesen, in der Wirthschaft. Sie sei wohl manchal da recht eifersüchtig auf ihr Ressort -geworden,denn sie sei sich so überflüssig, so zwecklos neben ihm vorgekommen. Nur Schmuck, nur Zierrath. Ja," fuhr die kleine schmucke Hausfrau fort, indem sie mit naivem Stolz mit einem Schlüsselbund klirrte, welcher an altdeutschem Träger ihr vom Gürtel niederhing, das ist jetzt, wo Erich so oft abwesend, besser geworden, und das ist auch ein Trost." Indem kam geräuschlos ein Diener über den Kiesweg in die geräumige Lauie, in der wir unS niedergelassen. Schweigend servirte er die Bestandtheile eines einladenden Frühstücks. ES ist gut, Anton sagte sie. Hat der Herr f;rTslffn?" Der Diener WtUllUVt .v. ' . hatte ein ganze Liste von Austragen zu melden und zum Schluß den Gruß, daß er zu Tisch schwerlich zurückkommen werde. So gern er möchte, denn er erwarte Besuch dabei nannte der Diener meinen Namen und ging. .So ist er nun. Bis zu den Arrangements d:? Küche reicht seine Sorge und dann. kommt er selbst nicht zu Tisch. In der letzten Zeit ist er wirklich ein wenig zu viel voin hause fort. Ueberhaupt" und ein Schatten flog über die heiteren Züge er macht mir seit einigen Wochen reckte Karae. So oft ist er zerstreut und bleibt abwesend, auch wenn er bei mir ist. Fast sürcht' ich, daß er er mir krank wird. Freilich will er nichts davon wissen, wie und wann ich auch i r tnPiri rtTfs v. .! C1 n fi ttiX nicht mich aus. Aber das Lachen kommt Tnrft 2 hfm fSerifn c in fn n. VUVil V v.i. uieiiir QUlUltt tv -"7 " j )U, ja, wie Sie meinen, sind auch wir hier draußen vom Glück nicht bevorzugt und von der Sorge verschont. Trotz des lichten Frühlingswetters ist mir jetzt manchmal -recht trüb m's Herz.... Sie haben einen Mann noch nicht wiedergesehen V .Ich mußkL' es verneinen. Seit meiner
Rückkunft hatt' ich den Treuen von An-
gesicht och mcht geschaut. . . . . Erich Wollheim und ich waren Schulkameraden und als solche die besten Freunde gewesen. Verschiedenes Studium hatten dann unsere Wege getrennt; er war Architekt geworden, ich auf die Universität gegangen. .Der Reichthum seines vor zwei Jahren verstorbenen Vaters, dessen einziger frühe verwöhnter Sohn er war, hatte ihm dann langeReisen gestattet, in Frankreich, England, Italien; aber wiederholt waren wir uns auch in der Heirath wieder beaeanet. Nach einigen erfolgreichen Versuchen, seine Kenntnisse und sem Talent prak tisch zu verwerthen, hatte er vor Iah resfrist geheirathet und sich in die Herr liche Villa in der Nähe seiner Vaterstadt II f.! - cm. r um icincci jungen veive emgeiponnen wie in einem verwunschenen Schloß. ct r jr. r .. r.tt. ? in gerne iaon lcix längerer teil in lei nen Briefen eine Rolle gespielt. Erst als eine ihn, den Verwöhnten, entzückende Bavebekanntschast, dann als Mittel Punkt seiner Zukunstspläne und dann eines Tages als seine Braut. Seitdem waren seine Korrespondenzen sparsamer geworden; gleich nach meiner Ankunft m Dresden aber hatte ich seme drm gende Einladung auf seinen Landsitz er halten. Lili war das Kind eines bekannten Kunstgelehrten, der stets in der guten Gesellschaft gelebt, aber dafür und für die Erziehung seiner ttmoer auch sein jährliches Einkommen hatte aufwenden müssen. So hatte sie die Bildung, wie sie den Töchtern reicher Leute wird; als Erich die eben zur Waise Gewordene zu semer Braut erkor, war sie jedoch Mittel los. Das war ihm gerade recht. So konnte er der Geliebten Alles sein; Alles hatte sie von ihm zu empfangen, von sei ner Liebe. Und er überschüttete das kindlich liebliche Geschöpf, das so in jeder Beziehung die Seine ward. Mit Ausmerk samkeiten, mit Geschenken, mit Kostbar leiten, deren Werth sie selbst kaum zu schätzen wußte. Das ersah ich schon aus diesem ersten Gespräch. Armuth, Ent behrung waren ihr fremd geblieben durch die frohe Wendung des Geschicks, die. als der Vater starb, ihr Wollheim an die Seite stellte. Sie kannte keine Bedurf nisse, die ihr nicht erfüllt worden wären. erst vom zärtlichen Vater, dann vom Bräutigam und Manne. Und so hatte die Welt wohl Recht, sie em Glückskind zu nennen. All' dies überdachte ich, als ich mich von der liebenswürdigen Wirthin verabschiedet hatte, aus der Rückfahrt nach Dresden, wo wie mir Frau Lm ver sichert hatte, der Aufenthalt des Freundes beim Portier eines bestimmten Hotels leicht zu erfragen sein würde. In demselben pflegte er auch zu speisen. Ich sehnte mich, den Guten endlich zu treffen. nachdem wir uns in den Tagen seit mei ner Rückknnst mehrmals verfehlt, wie auch heute. Umsomehr, als die Mittheilnngen der kleinen Burasee in ihrem Landidyll da draußen mir doch Sorgen um ihn rege gemacht hatte. Dennoch war der Nachmittag schon etwas vorgerückt, als ich dazu kam, das genannte Hotel aufzusuchen. Der Portier sagte, Herr Wollheim müsse jede Minute kommen. Es sei heute schon wiederholt nach ihm gefragt worden; er sei Mittags zur Table d'hote gekommen, aber gleich wieder davon geeilt, nachdem er eine inzwischen für ihn angelangte Depesche ge esen. Bier Uhr habe er als Jett seiner Rückkehr angegeben. Da schlägt es eben." Ich ging vor die Thüre des Hotels, um zu warten. Ich kehrte mich eben gegen ein Plakat, da biegt hastig ein Herr in das Portal ein, mich unsanft berührend, Pardon" ich wende mich. Ist er es wirklich ? Ich traue meinen Augen nicht, als ich in das Gesicht mit den vertrauten lieben Zügen blicke, die so ausgeregt, so entstellt sind, daß ich sie nicht anzuerkennen wage. Aber er ist es doch mein Freund Erich Wollheim, wenn es auch nicht sem ruhiges Auge ist, was mit halb erschrecktem, halb ängstlichem Blick den memen erwidert. Du, Du ! Endlich !" stößt er kurz hervor. Willkommen ! Aber bitte, eine Sekunde! Ich bin gleich zu Deiner Verfügung." Er wendet sich zum Portier, der ihm eine Reihe von Briesschaften einhändigt. Dies schickte soeben Ihr Bankier Erich legt alles Andere bei Seite und öffnet mit fieberhafter Spannung das Billet, nachdem er bei Seite getreten. Er liest, er stiert in das Blatt; er läßt es nicht sinken, sondern hält es starr vor sich, aber seme Hand zittert, seine Kniee wanken; ich stürze auf ihn zu. Um Gotteswillen, was fehlt Dir V Dies erweckt ihn aus dem Seelenkramps, der offenbar ihn befallen. Ein gewaltsamer Ruck, er zerknittert das Papier und steckt es in die Tasche. .Es ist nichts, Freund. Gleich! Nur ein wenig Geduld," sagt er leise und dann aussehend und mir mit unsäglich wehmüthigem Blick in's Auge schauend : JD, was hab' ich gethan. Komm' mu. Du sollst Alles ersahren." Mein Weib ! O Gott Die Aermste. Ihr kann ich nicht mehr unter'S Auge treten. Wie soll sie, das ttlno, mein Kleinod, den Schlag verwinden. O Freund, ich bin namenlos unglücklich!" . Nur allmählich erfuhr ich, was ihn betroffen. Wie er dazu gekommen, was ihn verleitet, sein ihm vom Vater in bester Ordnung hinterlassenes großes Vermögen in gewagten Vpelulatlonen anzulegen, ich weiß es des Genauen nicht mehr. Hinemaeriffen in den Strudel, in das Fieber, das damals so manchen Edlen ergriffen, hatte ihn sein gutes Herz, das immer jedem begründeten Appell an seine Freundschast offen stand. Em Akademlegenolie, Architekt wie er, der einst der Vertraute manch srohen Jugendstreiches gewesen, hatte dem Bankerott gegenüber gestanden, nachdem er, verlockt von der Gunst der Zeit, ganze Häuserreihen aus eigene Rechnung gebaut hatte, Miethskasernen, von denen er sich hohen Gewinn versprochen hatte, da ein Verkauf des ganzen Komplexes an eine Aktiengesellschaft in sicherer Aussicht stand. Allein seine Berechnungen liefen auf eine Täuschung hinaus, all' sein Glück und sein Vermögen stand auf dem Spiel, die Rücksicht auf seine Kinder trieb ihn, Alles zu versuchen, um einen Aus-
weg zu sinden und er fand einen solchen in den Garantien und Anzahlungen, zu denen er seinen reichen Freund Wollheim
u bereden wußte. . Duser, unbewandert n derart Geschäften, überließ das Weitere seinen Bankiers und diese konnten der Versuchung nicht widerstehen, den naiven Kapitalisten, im gutem Glauben an den Erfolg ihrer Rathschläge, von einer Spekulation in die andere zu treiden. Nach .und nach riß diesen die magnetische Macht des Spiels persönlich aus der beschrlttenen Bahn weiter ; um Ver luste auszugleichen, lud er sich neue Verpflichtungen auf, nahm Hypotheken auf seinen liegenden Besitz; der Zusammenstürz mehrerer großer Unternehmungen, an denen er hervorragend betheiligt, hatte heute den Bankerott seines Vermögens zu Wahrscheinlichkeit, zu Gewißheit gemacht. Das war die Ahnung, die ihn schon die Tage daher geängstigt und ge quält, das war die innere Krankheit, die ihm sem mnaes Weib vom Antlitz abge lesen, ohne sich selbst zu verstehen, das war die Nachricht, die er vorher empsan gen hatte, ihn angrinsend aus den kah len trockenen Lettern mit dem kaltenBlick des Todes. Schon längst hatte ich den Freund von der Straße m em behagliches ttnelpzlm mer gezogen, das wir allein innehatten ; wir befanden uns in bem Hinterstübchen emes bekannten Weinrestaurants. Wie im Kreise bewegten sich die Gedanken und Bekenntnisse des schwer betroffenen Mannes: Anfang und Ende bildeten stets seine Lili. Sich selbst traute er zu. den Schlag verwinden zu können, ja die Aussicht, nun gezwungen zu sein, fortan durch eigene Kraft, durch strenge AusÜbung seines Berufs seinen Unterhalt zu suchen, hatte für ihn einen tröstenden Reiz. Aber wie sollte sie, die bisher nur durch das Leben getändelt, deren zarte Haut bisher mchts von der Rauheit des Lebens gefühlt, die er gehegt und gepflegt hatte, wie eme Wolkenpnnzesstn, wie follte sie, seine duftige Maienrose, sich in die Härte des Schicksals, m em Leben voller Entehrungen, voller Mühe und Arbeit finden? Er lachte gellend auf. So mußte . es komme. ' Ich war zu stolz, zu übermüthig geworden. Aber daß die Strafe auch das unschuldige ttmd treffen muß, das ist zu grausam. Ich bin nicht feig, Freund, Du weißt es. Aber heute, jetzt, überkommt es mich wie Felgheit, wie markdurchsröstelnde Furcht. Ich bin nicht im Stande, ihr unter die Augen zu treten. Lieber m den Todals mit ihr in das Elend." Nach diesen Worten versank er m dumpfes Brüten, das er bald darauf wieder mit bebenden Anklagen gegen sich unterbrach. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust, und lm selben Moment suhlte ich seinen Arm krampfhaft in den meinen geschoben. Unsere Blicke begegneten sich; m seinen großen glänzenden Augen schimmerten Thränen. Ich bin bereit," sagte er dann leise, ich muß hinaus zu ihr und alles gestehen. Ich werde versuchen. ihr das Schreckliche mitzutheilen. ?. v. ..'... kv ? 5 .V eme z.yranen nonen reicyilcyer, als er mir das sagte, während ich ihn die breite Treppe der Brühl'schen Terraffe herunterführte. Auf der letzten Stufe trat mir wie eine Vmon das fruhlmgslichte Bild von heute morgen vor die Seele. Ern Schauder erfaßte mich. Der Contrast dieses Morgens und dieses Abends, dieser freudeathmendenFrauen gestalt und dem in sich gebrochenen Mann an meiner Seite war zu gewaltig. Nach Hause darfst Du jetzt nicht. Freund, Du bist zu aufgeregt, zu abgespannt. Ich brmge Dich m Dem Hotel. Deiner Frau ein kurzes Wort von Deiner Abhaltung zu telegraphiren, überlaß Mir. Suche zu schlafen; und wenn das nicht geht, such' Dich zu sammeln. Hast Du auch Dein Vermögen verloren, nicht hüls- und aussichtslos stehst Du da. y. m e v 2veme neromoungen weroen nr ictcoi ein lohnendes ArbeitSseld öffnen. Und auch Deine Frau wird sich in das Unvermeidliche finden. Ich selbst will mor gen früh hinaus zu ihr und sie vordere!ten aus die schlimme Kunde. Wie manche Familie, mit der Du befreundet, wird sich freuen, fie ' auszunehmen, bis Du Deine neuen Verhältnisse geordnet hast. Ich habe das Vertrauen, daß fie sich gar nicht so schwer in diese finden wird." Erich war wie verändert. Seine Aufregung hatte sich gelegt. Mit einem weichen Klang in der Stimme, der dieser sonst fremd war, sagte er nach meinem letzten Worte leise vor sich hin : Glaubst Du das wirklich?" Doch nein. Du irrst! Dann schüttelten wir uns die Hände. Wir befanden uns vor dem Hotel. So schnell ließ er mich nicht gehen. Er klammerte sich an meinen Vorsatz, seine Frau auf den Schlag vorbereiten zu wollen. Mit der Verabredung, daß ich das erste Schiff benutzen wolle, und er mit dem zweiten nachkommen, schieden wir endlich. Wie verändert schien mir die Welt, als ich am anderen Morgen den Loschwitzer Bcrgpfad hinaufklomm,welchen ich gestern so fröhlich beschütten, daß mein Herz hätte mögen wettsingen mit der Lerche, die über, mir im blauen Aether auf und nieder sich wiegte. Heut schien keine Sonne und grau war der Himmel, dem keine Lerche zuschwebte; gewitterschwül war die Lust, die mir den Athem benahm. Wie kleinlaut betrat ich heute den Garten, aus dem mir gestern alle Wohlgerüche des Maien entgegengefluthet. Wie langsam und zaghaft schritt ich durch die Laubgänge, für deren reichen Blüthenschmuck ich heute kein Auge hatte. Aber wie verändert fand ich auch die Herrin des . schönen Landsitzes, die gestern alle Blumen des Gartens an heiterem Jrühlingsreiz überstrahlt hatte. Sie war in der größten Unruhe. Sie kam mir, dem Gemeldeten, auf der Treppe entgegen mit herzlichem Gruß, aber auch mit der gleich daraus folgenden Frage : Wo haben Sie meinen Mann?" Es war mir unmöglich, unbefangen zu blicken, als ich erwiderte, daß er das erste Schiff versäumt habe, mit dem zweiten aber sicher nachkommen werde. Noch im letzten Moment habe sich ihm eine Abhal tung in den Weg gestellt. Viele herzliche Grüße habe ich einstweilen auszurichten. Dem sorgenvoll auf mich gerichteten Auge der in ihrer Sorge und Angst noch liebenswürdiger als gestern aussehenden kleinenFrau entging es nicht, i
daß dieS nicht alles war was ich ihr zu berichten hatte.-
Mem Gott," rief sie, .sagen Sie Mir Alles ! Erich ist doch nicht krank 7 Sie schauen drein wie ein Unglücksbote. Was ist ihm passtrt? O, qnälen Sie mich nicht. Bitte, seien Sie offen, ich ängftige mich schon die ganze Zeit. Trübe Ahnungen ließen Mich die ganze-Nacht kein Auge - zuthun. Sie sinden mich vorbereitet." Was sollte ich machen ! Sie beruhigen, daß ich ihren Mann körperlich wohl verlassen, daß, was ich gesagt, die Wahrheit und fie ihn in einer Stunde frisch und gesund in die Arme schließen könnte. Für das Weitere fand ich noch keinen Muth. Gott sei Dank," ries sie. Wenn ich ihn nur gesund weiß, dann bin ich der Sorgen ledig. Sie glauben nicht, was ich heute Nacht ausgestanden. Ich sah ihn im Nachen auf der Elbe. Ich stand auf unserm Balkon und winkte ihm. Da erhob er sich und grüßte mich mit beiden Armen, plötzlich verlor er das Gleuhge wicht, er strauchelte, fiel doch es war ;a em Traum; er lebt mit ja, ist ja ge sund. O, daß er schon da wäre !" Ich erzählte, daß ich mit Erich gestern Abend zusammengewesen. Seme Ge schäfte nähmen ihn in der That sehr in Anspruch und schienen ihm mancherlei Sorge zu machen. Auch der Reiche müsse jetzt die Schwankungen an der Börse empfinden. .O das dumme Geld !" rief Frau Lili dazwischen. Wiffen Sie, daß ich mir manchmal wünsche, wir wären minder reich. Gerade heute Nacht mußte ich wieder diesen Gedanken nachhangen. Was hab' ich hier draußen allein. Könnte ich meinem Mann nicht weit mehr sem, wenn wir uns zu theilen hätten m die Arbeit, die nöthig ist, um uns das Leben behaglich auszugestalten. Ist nicht der Mangel an Bedursrnffen, an Wun schen auch Armuth V Mich hat die Lie be meines Mannes mit Tischlein, deck Dich" und Beuteln, sull Dich" umge ben, über die Bequemlichkeit dieses Da seins empfinde ich als Leere. Ich habe früher nie gewußt, daß der Besitz, der glücklich machen soll, erst erworben wer den muß." Mit Erstaunen blickte ich zu der jun gen Frau auf, die ich nun erst als ein wahres Kind des Glückes erkannte. Sie sagen da goldne Weisheit. Wohl Jh nen, so werden Sie, wenn Sorge und Noth Sie emmal helmsuchen sollten, ge gen ihren Besuch gewappnet sein." Sie sagen das so feierlich !" Nun denn; daß Sie das Ungeheuere aus einmal erfahren. Erich ist über Nacht em armer Mann geworden. Unglück in Spekulationen, in welche ihn Freundschast verwickelt, hat ihn seines Vermögens beraubt." Vorsichtig verfolgte ich die Wirkung mriner Worte auf Llli's Gesichtszügcn. Welch em Wunder ! Wohl waren diese ernst, doch statt Schreck und Entsetzen las ich in ihrem Ausdruck eine ruhige Weihe. Da hob sie das Haupt wie horchend gegen die Thüre. Sie hatte sich nicht getäuscht. Der leise Schritt eines Mannes ward im Nebenzimmer vernehmbar. . Die Portiere schlug auseinander. Das ernste bleiche Gesicht meines Freundes zeigte fich und richtete feinen fragenden Blick auf mich und dann auf seine Frau. Sie weiß es V Ja, Erich, ich weiß es," antwortete ihre Stimme mit freundlichem Ernst. Da stürzte er auf sie zu und bara sein Haupt in ihrem Schooß. Kannst Du mir vergeben V Lieb ich Mich nicht ? Erich, Gelieb ter! Nicht Dir kann ich zürnen, noch mag ich zürnen dem Schicksal. Der heutlge Tag nimmt mir viel, aber er gibt mir mehr : er macht meine Liebe ebenbürtig der Deinen, er gibt Dich mir doppelt, er gibt mir die Freiheit, Dir endllch zu bethätigen, wie lieb ich Dich habe !" 5 Wieder war es Mai. Derselbe liegt in me'.ner Erinnerung jedoch nicht so weit zurück; es war im vorigen Jahre. Mein Weg führte mich nach B.,und emer met ner ersten Besuche galt meinem Freunde, dem Direktor der dortigen Kunstgewer beschule Erich Wollheim. Er genießt im Gebiete semer Wmenschast den Ans emer Autorität, seine Zeichnungen kunstge verblicher Muster find berühmt, seine Stellung ist eme m ieder Beziehung fruchtbringende und einkömmliche. Er bewohnt ei zwar kleines, aber schmuckes Gartenhaus in der Vorstadt. Als ich den Garten in einer sonnigen Vormittagsstunde betrat, traf ich ihn voller Le ben. Zwei kleine Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, tummelten fich auf denRasenplätzen. Vor der von rothen Bohnenblüthen umrankten Laube saß eine lunge rüstige Frau, auf den Armen noch ein drittes, kleineres Kind, das freudig die Händchen zusammenschlug, denn vor ihm stand der Papa, freundlich lächelnd aus seinem zwar ernsten, aber von Güte und Glück belebten Gesichte. Aus den Augen der Mutter aber leuchtete eine Freude, die noch reiner, noch inniger, noch schöner war, als die, welche vor acht Jahren dieselben Zuge verklart hatte, da sie mir zuerst entgegentraten umstrahlt von der Fülle des Reichthums : denn die heutige Freude war durch eigene Kraft errungen. Warum eine Patientin nicht zahlen will. Der practische Arzt Dr. Berthold Glattauer in Wien verklagte die Schlosiermeisters-Gattin Jo hanna Schwarz und deren Gatten bei dem Bezirksgerichte Leopoldstadt. Dr. Glattauer verlangt für die ärztliche BeHandlung der Frau Johanna Schwarz zehn Gulden. Da von Seiten der verklagten Partei Niemand erschienen ist, will der Richter eben die Eontumacirung vornehmen, als die Relation einläuft : Diese Klage konnte der Verklagten nicht zugestellt werden, weil dieselbe nach der Behandlnng des Arztes gestorben ist. Das W ö r t ch e n die" als Druckfehler-Kobold. Neulich stand im Berliner Jntelligenzblatt folgendes Inserat, in welchem das Wörtchen die" an falsche Stelle versteckt worden : Junge Damen für 10 Silbergroschen,die sich an einem Tanzcursus betheiligen wollen ?c."
DaS LllpdrüSen und feine Oordenaung.
Ueber dieses Thema giebt vr.Boschult in Reclam's Gesundheit" folgende Aufschlufse. Alpdrücken (moubus) ist ein allgemein bekanntes Uebel, welches der Volksphantasie mannigfache Gelegenheit zu Auslegung von dämonischer Beeinflusiung gegeben hat. Er läßt die Unterscheidung von Schlaf und Wachen nur unbestimmt zu; von diesen beiden Zuständen der Seele tritt bald der eine, bald der andere deutlicher hervor. Die Kette der Empsindnng des (auch hier noch unter einer gewissen Beeinflussung des Denkens stehenden) Willens und der Bewegung ist meist nicht unterbrochen, aber in der Thätigkeit schwer belastet. Unter anderen mir vorgekommenen Fällen erlaube ich mir einen, den längere Zeit zu beobachten mir Gelegenheit gegeben war, hervorzuheben. Der Zustand stellte sich als ein Kampf zwischen der Gesundheit des Schlafes und dem freien Bewußtsein dar. Die Waage schwankte oft lange; das gänzliche Uebergewicht des einen Factors schließt den anderen aus. Ein Mann von ziemlich kräftiger Constitution, 70 Jahre alt, mit normaler Verdauung, weder zu Kopfschmerz,noch zu Schwindel neigend, litt in früher Jugend oft an Erkältungen mit katarrhalischen Beschwerden der Luftwege. Im kräftigsten, Mannesalter hatte er, bei seiner Lebensweise viel im Freien, im Winter an BronchialAsthma sehr zu leiden. Der dauernde Wechsel des rauhen Gebirgsklimas mit der milderen Lust in der Ebene ließ das Uebel zurücktreten; doch dauerten Bronchialkaiharrhe bei sich mehr bemerklich machendem Ephysem fort. Schon in der Jugend hatte er Alpdrücken gekannt; aber in den traumartigen Zustande, worin das Bewustsein nie völlig unterdrückt war, brachte eine plötzlich den Korper erschütternde Bewegung, hervorgebracht durch die spannende Anstrengung um Befreiung, Erwachen. In spateren Iah ren schlief der Kranke auch mit dem Kopfe nur auf Pferdehaarkissen, hielt streng Diät, nahm häufig kalte Bäder und kalte Waschungen, bis dann die große Neigung zu Erkältung ihm größere Vor ficht auserlegte. Im höheren Alter wur de das Alpdrücken lästiger: selbst ein Tritt gegen die Bettlade brachte den An fall öfters nicht zum Weichen; dies stell te sich zuweilen mehrere Male in der Woche em, meist aber erst nach Wochen oder Monaten. Berm Einschlafen be wirkte jedes festere Anliegen der Bettdecke, oder der Arme oder Beme anei nander, wodurch der Blutumlauf in den äußeren Körpertbeuen gehemmt werden könnte, eine Art Lähmnng bei dunklem Bewußtsein. Auch scheinen bei der m der Regel beobachteten Rückenlage durch den Druck auf die Hautgefäße die bezüglichen Theile der Nervicervicales in Mit leidenschast gezogen zu sein. Der Kranke sucht mit Anstrengung die Glieder zu befreien. Er hat sich daran gewöhnt, schon vor dem Einschlafen die Hände neben sich frei aus die Decke zu legen: auch hütet er sich sehr, die Unterschenkel übereinander zulegen,well der Druck auf die Blutgefäße dag Uebel hervorruft und längere Zeit dazu gehört, um Beine oder Arme wieder frei zu machen. Mlt unter ist dem Kranken beim Einschlafen, als höre er einen Gegenstand heranschleichen: eme Fratze zemt sich. Er ver sucht den Spuk zu fixiren und betrachtet ihn mit gutem Humor; dann löst derselbe sich auf wie em Nebel, und das Erwa chen erfolgt völlig klar. In schweren Fallen wirst sich das ganze Wesen plöklich umstrickend auf den Schlafenden: dann beginnt der Kamps. Die Arme von denen dse Stockung meist ausgeht. bleiben mehr gelahmt; die Beme dagegen weil meist frei, sind thätig. Die Decke wird allmählich abgeworfen, und die kühle Nachtlust bewirkt durch ihre EmWirkung auf die Haut wohl erst das Erwachen. Auf der Reise ereignete es sich. daß der Schlafende den Bettschlrm mit dem Fuße ummen und von de Gepol ter erwachte. Im Jahre 1876 befand fich der Kranke in Stockholm. Er hatte in Durgarden, in einem Gartenpavillon, einem Gartenconcert zugehört und zum Abendbrod wenig Chocolade mit leichtem Backwerk genossen. Zurückgekehrt saß er an dem angenehmen Augustabend in seiner Wohnung noch längere Zeit am offenen Fenster, da die nördliche Breite noch hinlänglich Licht gewährt, um die Aussicht auf Hasen und Schloß bis lan ge nach 9 Uhr zu genießen. Behaglich disponirt legte er sich nieder auf dem ihm bequemen Bette. Er schlief bald ein. als sich das Alpdrücken einstellte. Trotz aller Bemühungen konnte er einen festen Haltepunkt nicht erreichen. Unter den vergeblichen Anstrengungen hatte er einen lauten Klageton auSgestoßen, als seme Tochter im Nebenzimmer lhm zurusend schnell herbei eilte und, ihn ausrichtend, ihn von einer peinlichen Lage besreite. Der Kranke hat nunmehr in seiner Schlafstube folgende Einrichtung getroffen. Zu beiden Seiten am Fußende des Bettes steht ein Stuhl, die Lehne nach dem Bett gerichtet. Der eine Stuhl steht dicht an dem Bettrande, der andere etwas entfernt' davon. Eine doppelte Drahtkette, quer über das Bett gespannt, verbindet beide Stuhllehnen. An dem entfernt stehenden Stuhle hängt an der Lehne an einem eisernen Bügel eine schwere Schelle. Sobald der Schlasende den Alp gewahr wird, stößt er mit dem Fuße kräftig gegen die Kette; der Stuhl mit Schelle bewegt sich, und ihr lautes Töneu bewirkt meistens schnelles Erwachen. Wir sehen also durch die Stockung in den Blutgesäßen der äußeren Körperoberfläche einen Druck aus die Empsindungsnerven der Körperoberfläche veranlaßt, dadurch aber vermöge des mechanisch-chemisch-physikäli-schen Processes die Empfindung zwar erregt, aber in einen Theile des centralen Nervensystems oder des Reflexapparates die gebundene Krast der Bewe--gung nicht wirksam genug angeregt, während daraus der Reiz des Schellen'tones,in seiner verhältnißmäßigen Stärke auf die Gehörnerven wirkend, jene bis zum völligen Erwachen entfesselt und lernen aus dem Beispiel dieses Kranken ein einfaches, aber zweckmäßiges Mittel, um die höchst quälerische und unange-
nehme Empfindung, welche man als Alpdrücken bezeichnete, zu unterbrechen und zu beseitigen. Psychologisch inte refsant ist, daß der Kranke in unbewußter Erinnerung an die Ammenmärchen des Alpdruckes beim Beginn der unangenehmen Empfindung auch Traumbild einer auf ihn zukommender Fratze und später das Traumbild einer Gestalt, die ihn umklammerte, hatte.
Qln Kind deS OlüökS. " Im Jahre 1792 war unter den Künst lern und sonstigen Fremden in Rom allgemein ein Cicerone bekannt, der ich meist auf der Piazza di Spagna aufhielt und wegen seines Eisers und seiner Rechtlichkeit gern den Fremden als Führer empfohlen wurde. Sein Name war Torlonia. Um dieselbe Zeit hielt sich in der ewigen Stadt auch ein Herr de Basseville auf, welcher angeblich als französischer Gesandschaftssekretär, eigentlich aber mit dem Auftrag dort hin gekommen war, das Volk im Sinne der Revolution zu bearbeiten und den Kirchenstaat aufzureizen, sich der französischenRepublick aufzuschließen, zu welchem Zwecke ihm bedeutende Summen von dem Konvent zur Verfügung gestellt wurden. Basieville ging scheinbar viel mit venig beschäftigten Künstlern um, und zettelte allmälig eine Art Verschwörung an, wobei ihm der Cicerone als Dolmetscher und Führer diente und auch viel Geld erhielt, um es zu dem angegebenen Zweck unter das gemeine Volk zu vertheilen. Die Sache mißglückte, weil sie zu früh losbrach. Am 13. Januar 1793 wurde an den Fenstern des Herrn de Basseville eine Tricolore aufgesteckt, das verabredete Zeichen ; er selbst begab sich nachdem Corso, theilte dreifarbigeKokarden aus und forderte das Volk zumAufstände auf. Dieses verfolgte jedoch den Aufwiegler mit Steinwürfen bis an das Haus eines ihm bekannten Banquiers, an besten Thür er noch eine so gefährliche Wunde erhielt, daß er Tags darauf an derselben verstarb. Von Torlonia, dem Cicerone, hörte und sah man darauf lange nichts; später heirathete er als ziemlich wohlhabend gewordener Mann die Wittwe eines ebenfalls vermögenden Sattlers, worauf er sich in Spekulativnen mit römischen Assignaten einließ, welche bald in seinem Hause gedruckt wurden. Dieses Geschäft und ähnliche andere müsien gute Früchte getragen haben, denn das Vermögen des ehemaligen Lohnbedienten wuchs außerordentlich schnell. Später vertrauten ihm Lätitia Bonaparte, der Kardinal Fesch, sowie Karl IV. vsnSpanien sehr große Summen an. Er wurde zum Granden von Spanien ernannt, und als der nunmehrige Banquier das Besitzthum der Familie Odescalchi-Bracciano gekauft und baar bezahlt hatte, erhielt er von Pius II. den Titel eines Herzogs von Bracciano. Sein älterer Sohn vermählte sich mit der Fürstin Cesarine von Sforza, sein jüngerer Sohn mit einer Fürstin Doria. Torlonia, welcher 1754 in Sinea geboren war, starb im Jahre 1829 in Rom. - Der Autographensammler. Em leidenschaftlicher Marder die ser Art kam neulich zu einem Künstler, der ohne Arme geboren, mit den Fußen zeichnete und schrieb, und bat ihn um seine Handschrift für tin Album. Unter Eheleuten. Glaubst Du etwa, liebe lwire, daß ich vetrunken bm?" lallte em eben aus dem Wirthshaus heimkehrender Gatte. Was man sieht, braucht man mcht zu glau ben," erwiderte die schöne Hälfte spitz. Zum bucklig lachen. Eme Dame erschien m emem Buchhänd lerladen und fragte nach einem humoristischen Vademecum wenn ich nicht irre von Wallner sie bemerkte dabei in einer schnell in Fluß kommenden UnterHaltung mit dem Commis, der ein hübsches Gesicht hatte, aber bucklig war, was ihr entging: Ich habe gestern bei einer Freundin Verschiedenes darin gelesen und mir fast einen Buckel gelacht." Das ist mir auch so gegangen erwiderte der Commis wehmüthig lächelnd. Aus. der Kinderwelt. Töchterchen: Mama, Du hast ein paar weiße Haare, wovon kommt das?Mama : Das kommt davon, wenn die Kinder den Eltern Verdruß machen, Ma riechen, davon bekommt man weiße Haare." .Mariechen: Na, dann haft Du aber der Mama sehr viel Verdruß gemacht, denn ihre Haare sind ja alle weiß!---Lieber Papa, bitte, bitte, mach' doch auf! mach' doch blos auf und laß mich ihn sehen! Bitte, bitte. schenk' ihn mir doch'- so bat der zehn rr i . . w lagiige ii,un, roooci er gegen ote ver schlossene Thür des anstoßenden Zimmers. klopste. Aber Curt, was willst Du vom Papa V fragt die Mutter ; laß doch den Papa schlafen!" Q Mama! Onkel Edwin sagte vorhin zu Fräulein v. Koch : Papa hätte einen allerliebsten Anen! (klopft von Neuem gegen die Thür) Es ist schändlich er spielt ganz allein damit!" Romanstoff. Der Madrider Gpoca" vom 23. v. M. wird aus Barcelona geschrieben : Ein verheiratheter Caballero unterhielt mit einer Näherin, die für eines unserer Theater arbeitete, ein Verhältniß. Die gekränkte Gattin des Caballero bat denselben flehentlich, er möge das Verhältniß, das die ganze Familie in Trauer versetzte, abbrechen. Allein weder Flehen, noch Thränen vermochten den Caballero von besten Leidenschast zu hellen. Unter so bewandten Umständen beschloß die unglückliche Frau, sich an ihre Rivalin selbst zn wenden und dieselbe wo möglich durch Vorstellungen zum Aufgeben des Verhältnisses zu bewegen. Am folgenden Tage erhielt die Theater-Näherin den Besuch der Frau ihres Geliebten, und so rührend war das Flehen derselben, daß die Näherin nur die wenigen Worte zu stammeln vermochte : Beruhigen Sie sich, Sennora, das Verhältniß hat die längste Zeit gedauert. Mein Wort daraus!" Die Frau wußte nichts weiter zu sagen und empfahl sich, die Theater-Näherin aber stieß sich einen Dolch ins Herz und verschied bald, dar-auf.
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(Ln unserem eigenen Interviewe?.) Bei Frau EdmondAdam. Ich hatte davon gehört, daß die Freundin und Egeria Gambetta'S,Frau Edmond Adam, .uuf der Reife von Peteröburg nach Paris Berlin berühren und einige Stunden auf dem Bahnhof hierfelbst verweilen würde. Dahin eilte ich also, um mich als Deutscher von der berühmten Revanche-Heldin ein Viertelstündchen persönlich hasten zu lasten. Der Zug fuhr in die Bahnhofshalle ein, und Frau Adam sprang mit - dem Rufe: a Berlin! aus dem Waggon. Kaum hatte sie von mir keine Notiz genommen, als ich sie um eine feindschastliche Unterhaltung bat. die sie mir auch sofort verweigerte. Da ich nicht gesonnen war, in sie zu dringen, so ließ, ich nicht eher ab, bis sie mit der Sprache herausrückte. Haben Sie die Stadtcontribution mitgebracht? herrschte mich dieBesreier der Reichslande an. Ich bewies ihr durch den Augenschein daß ich nicht die mindeste Milliarde, sondern nur Kleingeld bei mir hatte. Dann lausen Sie schnell nach dem Kastanienwäldchen und bringen Sie mir die große französische Kanone, damit ich sie nach dem Mont Valerien zurückbringen kann. ' Sie sind in der That sehr kriegerisch gesinnt, bemerkte ich zuvorkommend. Keineswegs! sagte sie im reinsten Chauvinesisch. Sie sehen, ich sahre in einem gewöhnlichen Coupe erster Classe ohne Schießscharten. Auch habe ich sämmtliche Deutsche, die ich auf meiner langen Fahrt vom Coupesenster aus gesehen habe, am Leben gelassen uni nicht einmal den Schaffner, als er mein Billet eoupirte, gelyncht. Gefangene habe ich unterwegs gar nicht gemacht. Zu gütig ! unterbrach ich, bis zum Bauchhalten gerührt. Ich erkenne das Völkerrecht an, fuhr die große Annecteuse fort, und weiß, daß wir im Frieden leben. 9ftie Sie be merken, reise ich mit kleinem Handgepäck ohne Kartätschen, Chrapnels, Feldtelegraphie und Ambulanzen. Aber einst wird der Tag kommen, wo auf'den tausenden von Pendulen, die Ihr uns gestöhlen habt, die Stunde de? Vergeltung schlagt ! Und wenn Frankreich wieder unterliegt? fragte ich äußerlich ruhig, doch innerlich unbesorgt. Das ist ganz unmöglich, sagte sie zu verächtlich. Aksalow hat es mir vor ei nigen Tagen ganz gnau gesagt, wie wir es zu machen haben. Wir dürsen nämlich nicht mehr, wie früher, die Unvorsichtigkeit begeben, einfach den Krieg zu erklären, sondern wir müssen von vorn herein den siegreichen Krieg erklären. Dann haben wir nur noch nöthig, lauter Y rtHHUnA s;i s r( ln . Zjtfm .mV yiwuiiinni wuyiuuynu ju uiuycu uuu lauter capitulirende Festungen zu erobern, so ist die Revanche perfcct. Um diesen Preis soll mir kein Kugelregen, dem ich persönlich fern bleiben werde, zu dicht, lein Scharmützel, dessen Einzelheiten man mir telegraphiren uird,zu heiß, kein Blutbad, das ich in den Zeitungen sinde, zu tief sein. Das schien allerdings die nackte Adamitische Wahrheit zu sein. Frau Adam sprach jene Worte mit einem Ton und einem Mienenspiel, die mich bis in's Zwerchfell erbeben machten, und sah dabei aus, wie eine Patriotin, der man-die äußerste Waghalsigkeit französischer Troupiers zutrauen konnte. Ich we nigstens halte sie jeder Heldenthat entfernter Armeen für fähig und zweifle nicht daran, daß sie sich dereinst mit der größten Todesverachtung in das dichteste Schlachtengewühl hineindenken wird. Und welches, fragte ich, indem mir der Angstschweiß in allen yoren blieb, sollen die Gebiete sein, die wir dann an Franks reich werden abtreten müssen ? Srt8 nnns Mitfffis.nS fTT 5,? I wie es ja in Ihrem Liede so richtig heißt, antwortete sie mit einem Ausdruck, der mich auf das Lebhafteste an Sarah Bernhardt erinnerte, die ich nie gehört habe. In der That eine eigenartige Frau ! Dem oberflächlichen Beurtheiler könnte sie harmlos erscheinen, während sie sich bei genauerer Betrachtung als eine im höchsten Grade ungefährliche Person er weist. Lustschlösser. An dem Strauch, da blüh'n dieRosen, An dem Strauch, da sitzen Zwei, Deren Hände spielend kosen. Deren Herz erblüht im. Mai ! Seine Faust ist braun und kräftig, Ihre Stirn ist lockenkraus; Und Frau Minne baut geschäftig Ihrem Glück das Obdach aus: Hohe Zinnen, luft'ge Schlösser, Und darin ein duftig' Nest; Wer auch könnt' das Bauen besser ? Alles hält von selber fest ! i Immer höher, immer höhe: Wie es heiße Jugend drängt; Und dem Himmel immer näher . Der voll heller Geigen hängt ! Hinter den umgrünten Bänken Zieht die Woge unbelauscht Ob sie das wohl auch bedenken : Wie der Mai so schnell verrauscht ! Keine Sehnsucht kann ihn retten Wie die Zeit so bald ersteht. Wo um grüne Liebesstätten Kühl und welk der Herbstwind weht ! Eine merkvürdiae AustfTMMT ?A .1 1 M V W IVItl dauer und Verschlagenheit entwikt .1 L - I 1 - - . ' - inic ver viraninQ, ver kurzllH aus dem Zuchthause in Jackson, Mich., entstoy. ahre lang hatte er m der Bott-cher-Werkstatt, in welcher er arbeitete. die getheerten Fäden qesammelt, mit welchen die Faßdauben bündelförmig zusammengeschnürt werden. Aon diesen hat er sich ein Seil gedreht, mittels dessen er sich aus dem Fenster seiner Zelle im vierten Stockwerke der Anstalt herabließ. Die Flucht glückte, das Seil wird als ein Muster kunstvoller Arbeit bezeich-net.
