Indiana Tribüne, Volume 4, Number 172, Indianapolis, Marion County, 5 March 1882 — Page 2

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TsS besie und pcherfle Mittel gegen 'daullch?cit, Unverdauligkeit. i j tz2z&tuliUU, UubttdnlkSkeit, ? ; VnverdaukkchKeit, r s ; . . ' .. LeSerkikZen, ZZlulKranKhekten, j . . VerdorSene Löste, daullhlett, Unverdaullhkeit. -daulichkeit, Unverdsullchkeit.

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Vom Adel.

Er,!hlung Von Friedrich Jriedkich. (2. Fortsetzung.) Seldltz trat zu den Ossicieren an den Tisch. Nun, Kamerad, wie geht's ?" fragte er, sich lächelnd den Bart streichend. tsn . r i - w i AZir yaoen uns im agen mqi at)t hen." Die Schuld hat nur an Ihnen gelegen, Selditz", rief Windhoff. Mir sind jeden Tag zusammen gewesen, Sie scheinen durch Ihre schöne Bekanntschaft voll ständig in Anspruch genommen zu sein." So ziemlich, ja," erwiderte der Baron mit der Miene der Genuqthuuna. Es ist auf Ehre ein reizendes Madchen, fast ' L r V n ' nocy ein ino, unjcgmoig zum aeyen:Schließlich werden Sie sich noch in sie verlieben," warf Palm ein. Der Baron richtete seine lange Gestalt nocy hoher empor. Ich werde mich nie in eine Bürgerliche verlieben," gab er mit stolzem Tone zur Antwort. Ich halte zu viel aus meine Ehre und meinem Namen, um eine Schranke- niederzureißen, die schon seit Jayrtaujenben mit Recht besteht!" Ich stimme Ihnen bei, trotzdem halte ich Ihre Wette einem so schönen Mädchen gegenüber sür gefährlich !" rief Windhoff. .Man muß das Mädchen lieben, wenn man ihm in die Augen sieht." . Mein Blut fließt etwas ruhiger," bemerkte der Baron. Ziidem besitzt sie nicht einmal Vermögen, es wäre also die größte Thorheit, welche ich begehen könnte. Ich werde das Glück, sie u besitzen, einem Andern überlaffen, Sle sehen, wie we nig egoistisch ich bin," fügte er lächelnd hinzu und kehrte zu Elsa zurück." Einige Tage später saßen die Ossiciere, auch Platen war bei ihnen, Abends in einer Weinstube. Der Baron trat in sichtbar erregtem Zustande ein und rief ihnen zu: Ich habe meine Wette geWonnen, Kameraden, gestern Abend habe ich mich verlobt ! Bringen Sie Cham pagner," wandte er sich an ten seitwärts stehenden Wirth. Windhoff, Palm und Cronach waren durchaus Nicht freudig überrascht, sie hatten hundert Friedrichsd'or zu bezahlen und ihre Kaffen waren ohnehin gewöhn Iich nicht sehr gefüllt. Selditz, Sie müffen es uns erst bewei sen," rief Windhoff. fti r rrt , ..i. vsenugi ynen mein yrcnwori mazl?" Gewiß, allein bei einer Wette haben wir das Recht, den Beweis zu verlangen." Gut," fuhr der Baron fort. Lesen Sie diesen Brief, den ich vor kurzer Zeit von Elsa empfangen habe. Sie nennt mich in demselben Mein Alexander" und unterzeichnet Deine Elsa", ist dies nicht em hinreichender Bewels r Wmdhoff hatte den Brief gelesen. Wahrhaftig, das Mädchen liebt Sie !" rief er. Nun, setzt Sie dies so sehr in Erstaunen ?" erwiderte der Baron. Es ist übrigens ein reizendes Mädchen, ganz Liebe und Hingebung, es amüsirt ,mich, aus Ehre ! Der Professor ist ganz glückuch und hatte ich gestern mcht sehr geschickt vvum, u luuiut miui ttit tu iuuci cv..,.. ,-tt : ;A Freude über unsere Berlobung m die Srm. rnfr.n'n ftnü? i AVlA!i Ci fctXA Vfr 4 A CYssA f HIMIiy Acht Lage lang werde ich ihnen das d ... v Mt.z. f.A;r;4; s. Sf.reS i?' 6 m i ftZns V wMfr(lrtimrt mrrt Mit steigender Aufregung hatte Platen die srilen Wr.e gehört. 6 . I .Hm Baron, Sie nennen dies nq nennen die immer, einen Scherz ?" sprach er." m " f T ; Naturlich ! Acht Tagellang - viel,ch auch vierzehn Tage werde ich mit der ö.i.i.riJh UÄnttt rt lfiM hrttttt leick w -- - r j i 5?.?. uiuk iwiuui "m v. wv meine Ansichten kennen." Sie werden das nicht thun," cntgeg- . m . , ., ifY. t ' rL nere Plalen mu ein ajicocncr siimmc. ..c ... s . m- s UNO wer luuuic uui yuiuvui . ut Seldik. indem er die halbgeschlossenen Augen mit gehässigem Ausdrucke auf den Fragenden richtete. Ihre Ehre . Was hat meme Ehre damit zu scha - 8 Kaute k ba bltte burt nen Scherz mit eier Bürgerlichen verletzt ,Sie wollen mich wohl nicht verstehen, ?7Z'b Mten zur Antwort. Ich glaubte Ihre Ehre wurde Sie hindern so zu handeln emem unbescholtenen Madchen gegenüber, denn wie Sie handeln, ist ehrlos ! ' Seld'frwM gmylen. irr 1 a un uuu,u, , 6U ,, ob er sich auf Vlaten stürzen sollte ; die . , . ' 1. Yi c ruhige fesie Haltung de,ielben hielt ihn IMTHCT. . cr 1 . Diele Worte verlangen GenugthuMl a vii4 Vtv l&ivoitii ftirntit Ulllj ; Hin vwi v.vtvyuny yvvum ter Stimme. Gewiß, ich habe sie in der Absicht gesprechen." Haha ! als Ritter cmer Burgerlichen " höhnte Selditz. "-Hl vutvilf imuiwn vp, iviv Sie zu handeln belieben, können Sie mich ... v ' . . ... ' Herr Baron, nachdem ich wa&, wie . t V .V.. " l . , nicht mehr beleidigen. Wenn Sie Ge nugthuung verlangen, so stehe ich Ihnen gern zu Diensten." Sie haben sich übereilt, Platen !" rief Windboff. der über diese unerwartete Wendung erschreckt war. Selditz, beim -' 1 ' . . . rsir EHampagncr weroen wir iues ausgiei$m u ö J Ich bin der Beleidigte," bemerkte der Baron, der einem gütlichen Vergleiche nicht abgeneigt zu sein schien. Und ich habe nur meine volle Ueberzeugun? ausgesprochen," versetzte Platen. cri. ; im Der Baron kennt ja meinen Ramen und meine Wohnung " Er grüßte seine Kameraden artig und verließ das Zimmer. Seldik schritt aufaercat im Zimmer . auf und ab. Windhoff suchte ihn zu be- ! ruhigen. ..Lassen Sie. Kamerad!" rief der Baron. Sie sind Zeuge, in welcher Weise Platen Streit gesucht hat ! Es ist wahrhastig eine neue Art Ritterchre, die er sich m m m . . j!i erwerben suckt ! (5r bat veraenen. wer ich bin, und daß mein Name etwas älter

ist, als der seinige, sonst würde er Nicht gen vemeiyen nur zu oeuiucu rnne nu,gewagt haben, mir in solcher Weise ent- regung. Er lachte laut, ohne dap eme npaenzutreten. er wird es bereuen ! Ka- Veranlassung war.

merad.- Sie wissen, dan ick'bier aam ' fremd bin: wollen Sie mir einen Diemt erweisen ?" I

Gern," versicherte Windhoff. Bitte," dann secundiren Sie mir in dieser Angelegenheit. Sie sind zwar mit ihm befreundet, er kann es Ihnen jedoch nicht übel nehmen, daß Sie einem früheren Kameraden diesen Beistand leisten." Ich stehe Ihnen gern zur Verfügung," versetzte der Lieutenant. ' Sie werden ihm also meine Forderung auf Pistolen überbringen, ich wüusche die Sache bald abgemacht zu sehen, und habe nur noch Eins hinzuzufügen. Da der Herr Premierlieutenant es liebt, eine Sache sehr ernst zu nehmen, so wollen Sie auch diese Angelegenheit so behandeln und die Bedingungen darnach bemessen. Höchstens zehn Schritt Entfernung und selbstverständlich gezogene Pistolen !" Lassen Sie uns dieBedingungen morgen srüh besprechen, wenn Sie ruhiger geworden sind." Sie sehen, daß ich schon jetzt vollkommen ruhig bin ! Ich versichere Sie, daß es mir Vergnügen gewähren wird, mit dem Herrn von Platen ein Paar Kugeln zu wechseln nur nicht zum Scherz. Nun kommen Sie Kameraden, der Ehampagner steht bereit, ich werde Ihnen zeigen, daß ich den Durst nicht verloren habe ! Bringen Sie uns größere Gläser!" .wandte er sich befehlend an den Wirth. Diese Kelchgläser sind nur sür Damen, denn sie enthalten viel Schaum und wenig Wein !" Windhoff, Palm und Eronach setzten sich in befangener Stimmung zu ihm, bald jedoch stimmte er sie heiter. Er wollte verbergen, daß ihm das Duell, nicht lieb war, er wollte die Gedanken daran durch den Wein verscheuchen und es gelang ihm. Spät in der Nacht kehrten sie vom Champagner berauscht heim und Windhoff schwör wohl zehnmal, daß Seldltz sein bester Freund sei, und daß er nie einen besseren zu haben wünsche. Windhoff begab sich am folgenden Morgen zu Platen, um ihm die Forderung des Barons zu überbringen, es war ein schwerer Gang für ihn, da er mit Platen befreundet war. Dieser erleichterte ihm seine Aufgabe, als er einige Worte, welche wie eine Entschuldigung klangen, sprach. Sie verkennen mich, Windhoff, wenn Sie glauben, ich würde. Ihnen deshalb nur einen Augenblick grollen," sprach der Premierlieutenant, der Baron ist hier fremd und einen Secundanten muß er ha-

ben. Viel peinlicher ist es mir, daß auch wir in Bezug aus die Wette verschiedener Ansicht sind. Wir werden uns deshalb nicht verfeinden, zumal ich fest überzeugt bin, daß Sie mir einst Recht geben wer den." Das glaube ich kaum," bemerkte Windhoff.. , .... ... Doch doch !" fuhr Platen m fast er regter Welse fort. Sie haben eme Schwester, was würden Sie thun, wenn ein Mann, ja, lassen Sie es mich offen aussprechcn wenn ein Bube das Herz derselben zum Spielball einer Wette machte V Ich würde ihn tödten !" rief Wind hoff. Indessen würde der Fall immer noch ein anderer sein," sugte er hinzu. rv r..- rt jt !je.i T-vf.n. . auazen ie iqj maji iioi, es Ivure ganz derselbe," sprach Platen. Wäre die Wette nur eine Geburt lustiger Wein r... .... , .s, , ..v, .r. laune, nur em toller Streich gewesen, wie u .t aw , t ahnliche wohl em Jeder pon UN ausgechroff dem sfY " V '7 tvlld", "b ium -uuiuu denn er besitzt kein Herz und .... doch nein, Sie sind ein Sekundant." "":" ' " 1TnS in syr'" yUntpn mit 'V'. ,. '" ,. und besser als Sie. Er ist stolz auf seib b Stammbaum seiner m mit iner'Ehre U""""V' I I ' I ' v v rtJ w y Q it i in r. r l i i u ii l lui iilli iluill v i.i ä. . und dch .t er bereits Thaten begangen. denen der ärmste Handwerker zurückschrecken würde. Daraus, daß ich so offen gegen Sie spreche, können Sie schliefce, welches Vertrauen ich zu Ihnen habe. nehmen Sie mir deshalb eine Warnung -1. . .,.5. l: . 1 Tl Mindboff blickte ibn einen Auaenblick iang narr an aj überlege er jedes einhnim r ts U Had iiÄ entfernie sich Er . aß Platen Recht hatte. 'en ce. en T Steffen ersucht, ihm zu secundiren. Veranlassung des Duells kann ich Dir nicht mittheilen, weil mein Wort n0(j bindet," hatte er zu ihm gesproche?. Es handelt sich um eine Wette, d meiner Ueberzeugung mit JKLJ :if ,rn Vlllt VUlfcS JVfcurniVi' vvnv . aron gesagt l t . r- . sCl 11. CVjC uno oaiuriDUNiaji v:;euuiiyuuna. oV hinzufügen, daß Du an meiner I ' -J ' , r. . iiirfit nnhrrS nrnnnnrn nnnrn nur ItiVW vi.iiiv.t fv.ff v. dcst." Zusammen begaben sie sich am folgenden Morgen nach einem Walde, in wclchem das Duell stattfinden sollte. Steffen hatte erfahvcn, daß Seldik ein i r-,' f " t V t 1 Y I vortrefflicher chu s und mahnte Pla1... fY rV(i. iiiiAmmtn , MAtitttfttt 1 ten. alle Kräfte zusammen zu nehmen. Du haft ia den ersten Schuß," sugte er ruhig bei. Platen war vollständig ruhig. Mit dem Pistol habe ich me viel Gluck geyaol erwioerie er iacuemo. verlA(t rnn4i JiDShrtlh nmrt0l" rtltT mm I i , i - r v rv uiivv . f?u 7 U1"V ""i;. ;.: Gefäncklichkclt, als aus die Gerechtigkeit der Sache welche ich vertrete. Uebrigens bm ich aus Alles vorbereitet und babe meine Angelegenheiten geordnet. Fehle ich den Baron, so werde ich kerne Hoffnung mehr hegen, denn ich weiß, daß er vortrefflich schient und Schonung erfflich schießt warte ich nicht von ihm. Sie würde mir sogar pernllch fein, denn diesem Manne mag ich nichts zu verdanken haben." Sie langten auf dem bestimmten Platze im Walde an ; wenige Minuten später trafen der Varon und Windhoff ein, nach ihnen kamen Palm und Eronach, welche Zeugen des Duells sein wollten, und der Arzt. Seldik wollte ruhig erscheinen und die aan;e Angelegenheit wie eine Bagatelle P 1 n' r n . rn behandeln, allein seine hastigen .Bewegun-. Windhoff trat zu Platen und versuchte noch einmal eine Versöhnung. 11 . - j - t Nehmen 5sie Jyre 'uone zurua,- val

er. Ich werde dann Alles ausbieten,daß der Baron versöhnt wird." Gut, ich werde Alles zurücknchmcn, jedes beleidigende Wort, sobald der Baron erklärt, daß seine Verlobung nicht nur ein Scherz sei, sondern daß er das Mädchen, dessen Herz er gewonnen, heirathen wird," gab Platen ruhig und ernst zur Antwort. Doch nur unter dieser Bedingung kann ich meine Ueberzeugung än dern !" Windhoff zuckte zweifelnd mit der Schulter; er trat zu Selditz und theilte ihm Platen's Worte mit. Es ist eine neue Beleidigung, mir solche Narrheit zuzumuthen !" rief der Baron laut. Kamerad, ich wünsche keine andere Genugthuung, als durch die Wasfen !" Die Vorkehrungen wurden getroffen, die Secundanten maßen die Mensuren ab. Die Pistolen wurden geprüft und geladen, Windhoff trat zu Platen, um ihm die Wahl der Waffen zu lassen. Ruhig erfaßte dieser das Pistol. Ziele ruhig und langsam," flüsterte Steffen ihm zu. Erivartc nicht zu viel von mir, denn ich bin ein schlechter Schütze," erwiderte Platen lächelnd. Der Befehl : Auf die Mensur !" ertönte ; ruhig schritt Platen vor, während Selditz erbittert die Lippen auseinander gepreßt hatte, er versuchte zu lächeln, sein Gesicht wurde dadurch verzerrt, seine Hand zitterte. Er gehörte zu denen, die sich mit ihrem Muthe brüsten, denen derselbe indessen fehlt, wenn es gilt, ihn zu beweisen. Platen hatte den ersten Schuß, als das Eommando ertönte befolgte er den Rath nicht, welchen Steffen ihm gegeben. Rasch hob er das Pistol, fast ohne zu zielen, der Schuß blitzte auf, Selditz suhr zusammen, die Kugel hatte ihn jedoch nicht getroffen, sondern schlug in einer Entfernung in einen Baum ein. Windhoff sprang aus den Baron zu, als er ihn so heftig zucken sah. .Von der Brust des Barons schien eine bange Last genommen zu sein, denn sie athmete tief auf. . Es ist nichts sprach Selditz mit

höhnendem Lächeln und rüstete sich zum Schießen. r . Zum zweiten Male ertönte das Eommando. Langsam erhob er das Pistol, sorgfältig zielend, als er indessen dem festen und ruhigen Blicke Platen's begegnete, als er sah, daß kein Zug in demGesichte desselben sich verändert hatte, wich seme eigene Ruhe, seme Hand schwankte und er ließ sie wieder sinken. Unwillig über sich selbst raffte er sich zusammen. erhob das Pistol zum zweiten Male und schoß. Platen schwankte. Steffen sprang zu ihm, schon stand er indessen wieder fest. Du bist verwundet r sagte Stegen erschreckt. Unbedeutend mein linker Arm," erwiderte Platen. Sein bleiches Gesicht schien seinenWorten zu widersprechen. rw v r t i 1 Als Seldltz bemerkte, daß sein Gegner 5 , , . r . . I nur unerheblich verletzt war, warf er das Pistol unwillig zur Erde, jede Rücksicht des Anstandes vergessend. Eine erbärmliche Waffe !" rief er, zu Palm und Eronach tretend. Diese antworteten Nicht. Der Arzt war zu Platen geeilt, um die Verletzung zu untersuchen. Der Getrosfene vermochte den Arm nicht zu bewegen. Sobald der Arzt denfelben berührt hatte. wurde sein Gesicht bedenklich. Platen bemerkte es. - Der Knochen ist durchschossen V sagte er. Der Arzt nickte schweigend. Ich dachte es mir," suhr Platen fort. Ich fühlte die Kugel ausschlagen." Der Arzt hat währenddem den Aermcl des. Rockes aufgetrennt, um den Arm zu untersuchen. Der Knochen war mehrfach zersplittert. Wir müssen eilen, daß wir nach der Stadt kommen, denn hier kann ich den nöthigen Verband nicht vornehmen," sprach er. Ich werde doch den Arm nicht verlieren," fragte Platen. Ich hoffe, daß es möglich sein wird, ihn zu retten," gab der Arzt zur Antwort. Diese Worte klangen wenig beruhigend. Seine ganzeokünstige Lebensstellung hing von dieser Frage ab. Er begab sich zu dem Wagen, welchen Steffen hatte nachkommen lassen und der am Rande des Waldes hielt. Palm und Eronach traten zu ihm, um ihm ihre Theilnahme auszudrücken, selbst Windhoff that dies, nur der Baron blieb in geringcr Entfernung an einem Baum gelehnt stehen und blies den Rauch einer Cigarre in die Lust. Kommen Sie," sprach er zu Windhoff. Ich habe stecht geschossen, immerhin wird es gut sein, wenn wir ein Glas Champagner zur Erfrischung trinken." Ich danke," gab WinZchofs kurz zur Antwort, da er seinen Unwillen über das Benehmen des Barons nicht zurückhalten konnte. Sie wollen nicht !" rief Selditz. Es ist mir unbegreiflich! Weshalb nicht?" Sie vergessen, daß -Platen mein Kamcrad ist. .. Ah so !" Ich glaubte, Sie wären mein Secudant gewesen ! Ich bin meiner Verpflichtung nachgekommen, darf dieselbe jetzt aber wohl als beendet ansehen," entgcgnete Windhoff. Der Baron blickte ihn eine Secunde lang starr an, dann verbeugte er sich schweigend, wandte ih den Rücken und schritt tiefer in den Wald hinein. Durch die eigene Unvorsichtigkeit des Barons, der im Champagnerrausche in Gegenwart des Wirthes mehr über seine Wette verrathen hatte, als seine Absicht gewesen, war es kein Geheimniß geblieben, daß er sich mit Elsa nur einer Wette wegen verlobt hatte. Man sprach in der Stadt davon, und allgemein wurde das Verfahren des Barons in schärfster Weise verurtheilt. - Nur in das stille Haus des Professors war keine Kunde davon gedrungen, weil noch Niemand den Muth gehabt hatte. Werther von dem Geschehenen in Kenntniß zu setzen. Der Gelehrte war über das Glück seiner Nichte auf das Höchste erfreut, 'denn er fand em Gefühl der Genugthuung dar

in, das sie sich in seinem Hause mit einem Baron verlobt hatte. Er hatte gegen all seine Bekannten darüber gesprochen und seine Freunde nicht geheim gehalten. Welche glänzende Zukunft stand Clsa bevor als Baronin v. Selditz ! Er hatte sich im Geiste bereits ausgemalt, wie er den Kops höher tragen werde, wenn er 'sie einst besuche, wenn sie aus dem Gute wohnte, welches der Baron von seinem Onkel erbte, da er dessen nächster Erbe war. Er hatte Selditz gern und war fest überzeugt, daß Elsa durch ihn glücklich werde. In welch seltener Weise intcressirte der Baron sich für seine Wissenschaft, in wie. liebenswürdiger Weise schloß er sich seinen Ansichten an. Sieh," sprach er zu seiner Frau, der Baron hat wirklich das Streben, zu lernen und sich belehren zu lassen. Ich habe selten einen Mann gefunden, der mir mit solcher Aufmerksamkeit zugehört. Er ist ein offener und ehrlicher Charakter, denn er hat mir gestanden, daß er selbst kein Vermögen besikt. Das Gut, welches einst seinem Vater gehört, ist schon durch diesen mit Schulden überhäuft und längst verkauft, so daß ihm nichts übrig geblieben ist. Allein er wird seinen Onkel beerben, der ihn seit Jahren unterstützt. Wie wunderbar sich ein Unsall, der uns Anfangs viele Sorgen machte, zum Glück wenden kann! Wäre Elsa nicht in das Wasser gefallen, hätte der Baron nicht Gelegenheit gehabt, ihr das Leben zu retten, so würde er sie wahrscheinlich nie kennen gelernt haben !" Als der Professor am Morgen seine Zeitungen und Briefe durchsah, fand er ein ohne Unterschrift an ihn lautendes anonymes Schreiben vor, in welchem ihm ein ungenannter Freund die ganze jetzt schon stadtbekannte Wette des Barons mit seinen Kameraden aussührlich mittheilte und seine Nichte vor den Fallstricken des Verführers warnte. Todtenblaß und m höchster Aufregung suchte er Elsa auf, welche er im Garten in Gesellschaft des Barons traf. Stumm, ohne den Baron eines Blickes zu würdigen, reichte er Elsa das Schreiben hin, welche es ansmerksam dürchlas. Elsa zuckte zusammen, sie preßte die Hand auf das Herz und drohte umzusinken. Selditz sprang hinzu, um sie aufzusangen, schon hatte sie ihre Kraft indessen wieder erlangt, sie richtete sich hoch auf, mit einem Blicke stolzer Verachtung eilte sie fort. Elsa, ich will Dich rächen an dem Buben ! Einen Stock einen Stock !" ms der Professor, der seinen Zorn nicht länger zurückzuhalten vermochte. Er blickte sich nach einem Stocke oder einer Waffe suchend um, er dachte nicht daran, daß der Baron ihm an Kraft zehnmal überlegen war, er empfand nur die Schmach der beleidigten Frauenehre, die er rächen wollte. . Der Baron war aus dem Garten geeilt uud er gestand sich selbst, daß dies das Klügste war, was er hatte thun können.

Er war erbittert aus den Prosenor, aus . I. j" . !Js. l.l den, der die Zeilen cm ihn gerichtet, er i c nrw rni '.i. - rr a . alaubte, daß Platen, Windhoff, Palm oder Eronach die Wette verrathen habe und seine Lippen stießen das Wort ehrlos" aus. Daß er selbst ehrlos gehanlos hatte, daran dachte er nicht ! Elsa war nur bis zu einer Laube ge langt, dort war sie aus der Bank zufammengesunken. Regungslos dasitzend, beide Hände vor das Gesicht gepreßt, traf sie der Professor, der sie suchte, an. Er wußte, wie innig sie den Baron geliebt hatte, war sie im Stande diesen Verrath zu ertragen ? Zu ihr tretend, legte er die Hand auf ihre Schulter. Sei ruhig," sprach er mit weicher, bittender Stimme. Dein Herz wird vergessen, daß es ihn geliebt hat." Elsa ließ die Hände langsam sinken, ihre klugen blickten starr, trocken, sie hatten keine Thränen gefunden. Vergessen, daß ich ihn geliebt !" wiede'rholte sie langsam, als ob die Worte von ferne her in ihr Ohr gedrungen wären: Nein, ich will es nicht vergessen !" rief sie dann leidenschastlich. Ich liebe ihn nicht mehr ich hasse ihn ! Er hat tmit meinem Herzen ein frevelhaftes Spiel getrieben und jede Stunde, jede Minute immer will ich mich daran erinnern : Ich will meine Ehre retten und rächen ! Weshälb bin ich nicht ein Mann, der ihm entgejentreten kann! Soll er nngeflrast meine Ehre niedertreten ! Ich kann diese Schmach nicht ertragen 0, weshalb hat er mir mir so weh gethan !" Halb ohnmächtig sank sie zurück. Elsa ! Kind Kind !" ries der alte Gelehrte erschreckt. Er wollte ihr helfen und wußte nicht, was er thun sollte ; er wollte seine Frau rufen und wagte die halb Bewußtlose nicht alleinu lassen. Ich will ja Alles für Dich thun," fuhr er in bittendem Tone fort. Ich will ihn aussuchen und ihm gegenübertreten, ich will Dich rächen ! Elsa, fasse Dich, höre mich!" Niedergesunken aus die Bank lag sie mit geschlossenen Augen da, ein' bleiches. schönes Bild. Ihre Brust athmete schnell und laut, der Schmerz schien sie zersprengen zu wollen. Eine namenlose Angst ersaßte den Professor, denn er glaubte, daß sie sterben werde. Kind Kind !" rief er und erfaßte ihre Hand. Erschreckt zuckte Elsa zusammen und sprang empor. Rühre mich nicht an !" rief sie mit starrem Blicke. .Fort fort ich liebe Dich nicht mehr, ich hasse Dich ! Allmächtiger Gott, ich kann dies nicht ertragen !" Ihr Auge hatte den erblickt, an den sie gedacht. Sie eilte fort, dem Hause zu und dort angelangt, schloß sie sich in ihrem Zimmer ein. , Der Professor solgte ihr und rief seine ürew Er pochte an klsa's hur, ohne eine Antwort zu erhalten er rief laut ihren Namen drinnen blieb Alles still. Sie hat sich das Leben genommen!" ries er und versuchte gewaltsam die Thür zu sprengen, allein seine Kraft reichte nicht j rr. . ?v . aus. Seine Verzweiflung wuchs von Secunde zu Secunde, er wußte nicht, was er thun sollte. Endlich kam Hülfe und es gelang die Thür zu öffnen. Er drang in das Zimmer, suhr aber entsetzt zurück.-. Elsa lag bewustlos aus dem Soph, dieheradhanA

gende Hand hielt einen kleinen Dolch fest umklammert. Sie ist todt sie ist todt .'" rief Werther und bedeckte die Augen mit derHand, um das Schreckliche nicht zu sehen. Seine Frau eilte zu der Daliegenden. Es war E!'s Absicht gewesen, sich das Leben zu nehmen, ihre Kraft hatte nicht ausgereicht. In dem Augenblicke, als sie den kleinen Dolch bereits erfaßt hatte, um denselben in's Herz zu stoßen, schien sie bewußtlos niedergesunken zu sein. Die Professorin entwand der kleinen Hand die gefährliche Waffe, sie beugte sich über die Bewußtlose, rief ihren Namen, rieb ihre Stirne und besprengte ihre Schläse mit Wasser; Elsa rührte sich nicht. Werther eilte fort, um einen Arzt zu holen und die Angst schien seine Füße zu verjüngen. Schon nach kurzer Zeit kehrte er mit dem Arzte zurück, der an Elsa herantrat und den schwachen Pulsschlag sorgfältig prüfte. Er schwieg, allein aus seinem Gesichte prägte sich seine Besorgniß zu deutlich aus. Ist Gefahr vorhanden ?" fragte der Professor. Noch vermag ich es nicht zu erkennen," gab der Arzt zur Antwort. Ich befürchte indessen, daß der allzu starken Ner venerschüttcrung ein heftiges Fieber solgen wird. Der Puls sängt bereits an stärker zu schlagen, die Wangen röthen sich, ohne daß das Bewußtsein zurückkehrt ; sorgen Sie sür die größte Ruhe." Er hatte das Richtige erkennt ; noch ehe die Nacht hereinbrach, lag Elsa im heftigsten Fieber. Der Professor eilte am Morgen des folgenden Tages zu dem Baron, um ihn zur Verantwortung zu ziehen, derselbe hatte M. bereits verlassen, ohne daß Jemand wußte, wohin er sich gewandt. Seine Wette war in der Stadt allgemein bekannt geworden und fast alle wa:en darüber auf das Höchste entrüstet, zumal sie das schönste Mädchen, mit dem er ein so frevelhaftes Spiel getrieben, kannten und wußten,, wie still und zurückgezogen dieselbe bei ihrem Onkel gelebt hatte. Selditz hatte sich zu seinem Onkel, dem Bruder seiner Mutter, dem Freiherrn v. Mannstein begeben, der ungesähr zwei Stunden von der Residenz ein großes und schönes Gut besaß. Er besürchtete, daß derselbe seine That erfahren werde und es lag ihm Alles daran, den alten Herrn zur rechten Zeit zu versöhnen, da er wußte, einen wie festen Kops derselbe hatte, wenn er einmal erbittert war. Seine ganze Zukunft hing von seinem Onkel, der keine Kinder und seine Frau schon vor Jahren verloren hatte, ab. Zog derselbe seine Hand von ihm, so stand er gänzlich mittellos da und er hatte zu wenig gelernt, um sich selbst durch das Leben zu helsen, ohnehin hatte er Arbeit nie ken nen gelernt. Der Freiherr von Mannstein war eine kleine, fast zierliche Gestalt, aber trotz seiner mehr als sechszig Jahre und seines weißen Haares noch sehr rüstig und rührig. Sein geröthetes Gesicht war von vielen Furchen durchzogen, und unter den weißen duschigen Brauen, blickten ein paar kleine, aber sehr lebhafte und schnell bewegliche Augen hervor. Wer den gewöhnNch sehr einfach gekleideten Mann nicht kannte, vermuthete sicherlich nicht, daß er ein so großes Vermögen besay, und wer die kleine, etwas nnruhige Gestalt betrachtete, konnte sich noch weniger vorstellen, wie ein sestcr und entschiedener Wille in ihm steckte. Mannstcin war .em Sonderling. Er lebte einfach, als ob er jährlich nur wenige hundert Thaler zu verzehren habe und

doch war er nicht geizig, denn lem Nothleidender wandte sich vergebens an ihm und seinem Ncssen gab er jährlich eine nicht unbedeutende Summe. Sein Gut galt für eine Musterwirthschaft, die Felder standen meist prächtig und in den Wirthschastsräumen, in den Vichställen und Scheuern herrschte eine Sauberkeit, die Jedem aussiel, und in dem großen Wohnhause bewohnte er nur zwei Zimmer. Ein geräumiger, mit allem Luxus ausgestatteter Salon diente zum Empfange des Besuchs, daran grenzte ein kleineres Gemach, in welchem er wohnte und zugleich schlief. Nach dem Tode seiner Frau, die er sehr geliebt, hatte er alle übrigen Zimmer verschließen lassen und sie waren seit der Zeit nicht wieder geöffnet. Nur sür Selditz war ein Gemach anfbewahrt, wenn er zum Besuche kam, was freilich ziemlich selten geschah, denn dem verwöhnten Baron gesiel das einfache Leben in dem Hause seines Onkels sehr wenig. Der kleine Freiherr, wie er gewöhnlich von seinen Bekannten genannt wurde, hatte mehrere Reitpferde und eine sehr hübsche Equipage, welche er jedoch kaum benutzte. In der Hand den auf den Rücken gelegtenKrückstock haltend, so durchschritt er die Felder und seinem scharsen Auge entging nichts. Der Freiherr war nicht wenig überrascht, als Selditz unerwartet ankam. Er empsing ihn in freundlicher Weise, denn er war sein nächster Verwandter und das einzige Kind seiner Schwester. Er liebte ihn, wenn schon es nicht in seinein Wesin lag, dies durch Worte zu verrathen ; hatte er ihm doch - schon manchen tollen Streich verziehen und ihn in seinem Testamente zum alleinigen Erben des Gutes und seines ganzen Vermögens eingesetzt. Woher kommst Du?" fragte er, nachdem er ihn gegrüßt und sich mit ihm auf der Veranda, zu der eine Thür seines nach dem Garten gelegenen Wohnzimmers führte, niedergelassen hatte. Aus M., Onkel," erwiderte Selditz in heiterer, unbefangener Weise. hast Du es dort nicht mehr ausgehalten V forschte der Freiherr weiter, indem seine kleinen Augen halb verstohlen über seinen Neffen hinglitten. Nein, das ist der Grund nicht. Du wünschest ja, daß ich ein einfacheres Leben führe, erreiche ich dasselbe nicht auch hier ? Ich habe ja in M. sehr wenig Bekannte und ziehe es vor, lieber bei Dir einige Zeit zu leben, vorausgesetzt, daß es Dir angenehm ist." .Du weißt,aß Dein Zimmer stets für Dich bereit gehalten wird," bemerkte der Freiherr. Ich befürchte nur, daß es Dir hier noch weniger gefallen wird. Du kennst mein einfaches Leben,' ich habe mich daran gewohnt und bin zu alt, um es noch zu ändern. Früher bist Du nie länger als einige Tage hier geblieben, es wird wohl wieder so kommen !" ß

Onkel, der Mensch ändert sich !" rief Selditz lachend. Ich habe jetzt wirklich oft das Verlangen nach einem stillen Leben. In der Residenz ist ein solches für mich unmöglich, ich habe zu viel Freunde dort und ein Vergnügen lockt zum andnn. Ost fühle ich auch, daß ich alte? werde !" Der kleine Freiherr traute den Worten seines Neffen noch immer nicht, denn der Umschwung in semer Gesinnung war ein zu plötzlicher. Sollte derselbe ohne eine anßere Veranlassung gekommen sein ? Er kannte auch die Menschen und zwar viel besser, als die Menschen glaubten. Er wollte den Neffen prüfen, ohne daß dieser es gewahr wurde und er glaubte ein siche rcs Mittel zu besitzen. E5 war schon längst sein Wunsch gewesen, daß derselbe sich verheirathen möge, weil er hoffte, daß das Band der Ehe wohlthuend auf ihn wirken werde. Er rief den Diener und befahl ihm, Wein zu bringen. Es freut mich, wenn Du endlich zu der Ueberzeugung kommst, daß Du Dein bisherigeö Leben nicht länger fortsetzen kannst," sprach er lächelnd, indem er sich dem Neffen gegenüber niederließ. Ich habe Dir Vieles nachgesehen und mit Dcinck Jugend entschuldigt, dieser Grund gilt indessen nicht mehr. Du bist in dem Alter, in welchem Andere sich längst durch eigene Krast eine Stellung errungen haben. Du hast bis jetzt noch nicht daran ge dacht." Onkel, Du warst selbst damit cinverstanden, daß ich als Ossizier meinen Abschied nahm." erwiderte Selditz, dem die Worte, in welchen ein Vorwurf lag, nicht besonders gesielen. Alexander, wir haben damals ssen darüber gesprochen, es würde also thöricht sein, wenn wir heute versuchen wollten, uns selbst zu tauschen," bemerkte Mann siein. Ich war damals einverstanden, weil ich befürchtete. Dir würde früher oder später der Abschied gegeben werden." Onkel!" ries der Baron. Meine Befürchtung war es und sie war auch nicht unbegründet, doch das ist jetzt vorbei und das einmal Vergangene rufe ich nicht gern wieder wach. Der Mann soll den Blick nicht zurück, sondern geradeaus richten, denn vor ihm liegt sein Ziel. Da Du Dich jetzt nach einem ruhigeren Leben sehnst, so wirst Du vielleicht geneigt sein, endlich meinen Wunsch, Dich zu verheirathen, zu ersüllm." - Weshalb nicht, wenn ich eine Dame

ände, welche auch meinen Wünschen entprächc," entgcgnete Selditz. Natürlich! Natürlich!" siel der kleine Freiherr lebhast ein, denn aus dieser Ant wort seines Neffen glaubte er entnehmen zu dürfen, daß derselbe wirklich gesonnen sei, ein anderes Leben zu beginnen. Ich verlange nicht, daß Du ohne Neigung heirathest, und das Mädchen muß auch Deinem Stande entsprechen. Sich, dies Haus ist groß genug, daß Du mit Deiner Frau darin wohnen konntest, selbst wenn ich mein bescheidenes Zimmer behielte, davon mochte ich mich freilich nicht tren nen, denn seit einer langen Reihe von Jahren bin ich gleichsam damit verwachsen. Du kennst die Tochter meines Nachbars von Malten. Es ist ein prächtiges, lcbenssrischcs Mädchen und Malten ist obendrein sehr vermögend." Selditz zuckte mit der Schulter. Als ich sie zum lctztm Male vor einigen Jahren sah, war sie ein Backsisch, lag und dürr und hübsch schien sie nie werden zu können." Sie ist cs dennoch geworden und sogar sehr hübsch !" siel Mannstein ein. Zwei Jahre lang ist sie in einer Pension gewesen und als sie zurückgekehrt, erkannte ich sie selbst nicht wieder." Dann muß sie sich allerdings sehr verändert haben," bemerkte Selditz lächelnd. Du sollst sie kennen lernen und zwar morgen schon !" Onkel, cs eilt ia nicht so sehr, da ich noch längere Zeit hier bleibe," warf der Baron ein. Doch, doch, was ich einmal imSinne habe, thue ich bald. Malten war ein Freund Deines Vaters, er wird Dir gern seine Tochter geben, wenn es Dir gelingt, des Mädchens Herz zu erringen. Daß Du mich einst beerben wirst, weiß er ; Du wirst ihm also " nicht nachstehen, sondern noch etwas mehr besitzen." Der kleine Freiherr rieb sich vergnügt die Hände, er glaubte seinen Wunsch er reicht zu haben, da er fest überzeugt war, daß Emma von Walten das Herz seines Neffen gewinnen werde. Der Diener mußte noch eine zweite Flasche Wein bringen und so heiter, wie er seit langer Zeit nicht gewesen war, blieb er mit Selditz auf der Veranda sitzen, bis der Abend hereinbrach. Wie er cs beschlossen hatte, frhr er am folgenden Tage mit Selditz zu Herrn von Malten, dessen Gut ungefähr eine Stunde entfernt lag. Der Baron lächelte über die heitere Stimmung des alten Herrn, es war ihm sogar sehr lieb, daß er die volle Zuneigung desselben wieder erlangt zu haben schien. Sich zu verheirathen, daran dachte er freilich nicht, denn das ungebundene Junggescllenlcben, welches er in der Residenz geführt, hatte, zu viele Reize für ihn und er hoffte bald dorthin zurückkehren zu können. Blieben ihm nicht tausend Wege offen, um der Vcrhcirathung auszuweichen ? Und nm Mittel war er nie in Verlegenheit gewesen, wenn es galt, sein eigenes Interesse zu fördern. Malten empsing sie in der liebenswür digstcn Weife. Er war ein etwas derber, aber gerader und offener Charakter. Sie werden Ihrem Vater immer ahnNcher, Herr Baron !" rief er, Selditz die Hand entgegenstreckend.-Ich bin mit Ihrem Vater eng befreundet gewesen und wenn Sie Ihrem Onkel öfter besuchen, so glaube ich, würden wir auch Freunde werden." (Fortsetzung folgt.) Einanscheinendes P'a r a doxon. Monsieur (ein Geschäftsmann) raucht eine Cigarre in seinem Prioatca binet, Madame sitzt neben ihm. mit ei ner weiblichen Handarbeit beschäftigt. Das Mädchen bringt die Karte; eines Besuchers herein. Monsieur: Sagen StV'.ch sei nicht zu Hause. Madame: Aber Charles, warum willst Du den ar men Mann nicht annehmen Du hast ja nichts zu thun ! Monsieur : Gerade darum, Liebe, wenn ich nichts zu thun, habe, möchte ich am allerwenigsten ge? stört sein! '

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