Indiana Tribüne, Volume 4, Number 165, Indianapolis, Marion County, 26 February 1882 — Page 6
SgZüsaK einer russischen Jürstin. . Ungefähr zwanzig Jahre nach dem -Tode de5 Großfürsten Alexis erschien, in Pari? ein Buch, welches den Titel führte: JlM Reisen in Nordamerika." Der Verfasser, Chevalier Bossu, hatte schon iurch frühere Cchristen einen großen Ruf als Reisender, namentlich in Bezug us die Genauigkeit seiner Angaben erlangt, und um so größeren Eindruck achten deshalb die in diesem Werke - enthaltenen Mittheilungen. Er erzählte nämlich darin, daß er auf einer am Mississippi belegenen Plantage mit eigenen Augen die Gemahlin des ehemaligen Großfürsten AlexiS von Rußland gesehen habe, velche angeblich schon vor langen Jahren gestorben und in der St. Paulskirche m Petersburg beigesetzt worden. Um zu bev isen, daß kein Irrthum in derPersön chkeit vorliege, erwähnteer, daß die Pr zessin unter ihrem wahren Namen meöreren der ersten Familien
jener Gegend bekannt gewesen sei, deren Mittheilungen er seine Kenntniß der ' . : c. mnzelyell e ans oem aoenieucuuycH Leben dieser unglücklichen Fürstin ver danke. Durch die arausamen Mißhand lungen von Seiten ihres rohen Gemahls zur Verzweiflung getrieben, hatte pe oen Entschluß gefaßt, auf jede Gefahr hin zu s. cr.i. I.V-JL cninicgcn. Ä)a !yr -ocner zu sem Zwecke jeglichen Beistand verwei gerte, so hatte sie sich an ihre Hofdame, die Gräsin Königsmark, die Mutter des ochmals so berühmt gewordenen Grafen Moritz von Sachsen, eine Frau von M. r n ? f - f.lC . vielem vvelne uno ai uiannner uy heit, gewendet. Letztere erklärte sich plötzlich bereit da. zu, nnd es wurde nach reiflicher UeberRegung beschlossen, daß die Prinzessin ihre Flucht, als eine Dienerin der Gräsin verkleidet, ausführen solle, welchLetztut bereits die Erlaubniß und die erfarderlichen Pässe zur Rückkehr nach Deutschland erhalten hatte. Schon im Herbste des Jahres 1714 war Alles zur Flucht vorbereitet, als die unerwartete Rückkehr des Zaren nach Petersburg die Ausführung des Planes verhinderte. Peter, welcher sehr gern in der Gesellschaft seiner schönen und gebildeten Schwiegertochter war, ließ ihr keinen einzigen Tag Zeit und machte es ihr unmöglich, den glänzenden Hof zu verlassen. So verstrich der Winter und der Frühling des Jahres 1715. An Anfang des Sommers erkrankte die PrinHessin Charlotte gefährlich, nachdem sie, obgleich in einem Zustande, welcher die schonendpe Behandlung erheischte, von ihrem trunkenen Gemahle eine grausame Behandlung erfahren hatte. Die Folge 7;avon war eine Frühgeburt. Ehe sie noch das Zimmer wieder verlassen konnte, mißhandelte sie der Unmensch von Neuem dergestalt, daß sie, wie schon wähnt worden, mehrere Stunden bewußtlos blieb und ihre Umgebung an der Wiederbelebung zu zweifeln begann. Endlich jedoch öffnete sie die Augen und sah nur zwei Personen, die Gräsin Königsmark und den deutschen Leibarzt, einen treuen alten Diener, der sie von Jugend auf gekannt hatte, an ihremBett sitzen.' Während der Bewußtlosigkeit der Prinzein hatten Beide Rath gepflogen, dessen Ergebniß sie ihr mittheilten. Um die unglückliche Frau vor ferneren Grausamkeiten und einem muthmaßlichen Tode zu bewahren, sollte ein verwegenes Spiel gespielt werden. Die Gräfin Königsmark hatte vorgeschlagen und der Leibarzt beigestimmt, daß die Prinzessin sür gestorben ausgegeben und einScheinbegräbniß veranstaltet werde, um sodann ihre Flucht aus dem Reiche möglich zu machen. Der Plan gelang vollkommen, wozu die gleichzeitig stattsindende Entdindung der Kaiserin Katharina und die dadurch verursachte Aufregung am Hose viel beitrug. Eine Wachspuppe wurde in den Sarg gelegt, welcher angeblich die Ueberreste der Gemahlin des Großsürsten enthielt, und während die Todlenglocke in der St. Paulskirche läutete, schiffte sich die Prinzessin auf einem nach Stettin bestimmten Fahrzeuge ein, wo sie nach einigen Tagen landete. Sie eilte durch Deutschland, ohne sich ihren dort wohnenden Verwandten zu zeigen, und erreichte Straßburg, wo sie ' sich einer Gesellschast schweizerischer Aus vanderer anschloß, um mit ihnen nach Louisiana zu gehen und sich dort nieder zulassen. In Paris verkaufte sie einen Theil ihrer Juwelen und erlangte dadurch genügende Mittel, um die Ueberfahrt bestreiken und, wie es ihxe Absicht war, eine Niederlassung am Mississippi gründen zu können, die sie mit Hülfe ei ner von ihr gedungenen Familie bebauen wollte. Die Reise wurde ohne Uufall zurückgelegt, aber als die Prinzessin in New Orleans angelangt war, begegnete sie zufällig einem Grafen d'Aubant und wurde von ihm erkannt. Derselbe war früher ein Mitglied der französischenGesandtschast in Petersburg gewesen und hatte daher Gelegenheit gehabt, die Ge mabliu des Großfürsten Alexis zu sehen. Geaenwärtia bekleidete er eine Stelle bei - p r v der Verwaltung ver sranzoqen scolonie inZLouisiana, deren Gouverneur sein Onkel war. Bei der ersten Begegnung hatte der Graf nicht den Muth, diePrin Ztesun anzureden,, allein gefesselt von ihrer Erscheinung, folgte er ihr auf jedem SÄritt. bis sie sich mit der von inDienst genommenen schweizerischen Familie auf einer mehrere Meilen von vitro Orleans entfernten Farm niederließ. Dann eilte z nach der Hauptstadt zurück, nahm von seinem Oheim, dem Gouverneur, auf unbestimmte Jett urlauv und lauste , . stm r r t . mehrere Landereien am wimvm, roei che neben der Farm der dahin geflächte ttn Prinzessin belegen waren. Ein einfaches Blockhaus wurde er richtet, und bald fand sich auch Gelegen heit, in die Nähe der Dame zu kommen, , deren Bekanntschaft er 'so sehnlichst zu machen wünschte. Ihr Verkehr wurde rr f . .i i X (XKy ? QUMulig v oerlruul, vuo 13 endlich wagte, sich der Prinzessin zu er kennen zu geben und ihr, indem er seine innigste Theilnahme für ihr herbes .Schicksal ausdrückte, sein 5erz und seine ' Hand anzutragen. . .. . ; ! Als ein sehr schöner und gebildeter
Mann hatte er, wie es natürlich war, auf da Herz der unglücklichen flüchtigen Fürstin einen tiefen Eindruck gemacht, allein dessenungeachtet wies sie seinen Antrag entschieden zurück. Er wiederholte seinen Antrag mehrmals, aber ohne Erfolg, und entschloß sich endlich, niedergebeugt von seiner hoffnungslosen Leidenschaft, nach Europa zurückzukehren, um ihr nicht durch den häusigen Anblick der Dame täglich neue Nahrung zu geben. Mit dem Gelübde, das Geheimniß ihrer Existenz nie zu verrathen, nahm er von ihr Abschied, begab sich nach New Orleans, und ging dort sosort an Bord eines nach Marseille bestimmten
Schiffes. Während kurz vor der Abfahrt der Anker gehoben wurde, durchblätterte er eme Zeitung, den Mercure VollanoaiS aus dem Jahre 1718, die er in der Kajüte des Kapitäns gefunden hatte, und die erste Stelle, auf die fein Auge siel, enthielt die Anzeige von der Verurtheilung und dem Tode des Großfürsten Alexis. Auf das Verdeck eilen, demCa pitän einige Worte sagen und in jtin QQrtrtl fhrttt tm hrt2 1tFr atn?ffw y t tttbtt, uu uii vww gefahren zu werden, war das Werk eines Augenblicks. In der Stadt verweilte er nicht länger, als nöthig war, um sich em schnelles Pferd zu verschaffen, und ntt dann mit größter Elle nach dem ein samen Farmhause zurück, welches die Dame seiner Liebe bewohnte. Hastig in ihr Zimmer tretend, fand er sie, in Thränen gebadet, vor seinem Porträt. Wenige Worte waren genügend, um Alles zu erklären und den Bund zweier Herzen zu weihen. Sechs Wochen später vermählte sich Prinzessin Charlotte mit dem Grafen dAubant. Jahre verstrichen und das glückliche Paar lebte in zufriedener Abgeschiedenheit von der Welt, als Gras d'Aubant plötzlich gefährlich erkrankte. Die besorgteGattln zog die beste ärztliche Hülfe aus der Hauptstadt zu Ruth, aber wurde belehrt, daß das Leben ihres Gemahls verloren sei, wenn sie nicht schleunigst mit ihm nach Europa zurückkehren könne. Ohne Zaudern begab sie sich sogleich mit dem kranken Grafen und ihrer kleinen Tochter, dem einzigen Kinde aus dieser Ehe, nach New Orleans und an Bord eines französischen Schiffes, welches nach Havre segelte, von wo aus sie sich mit den Ihrigen nach Paris begab. Hier lebte sie m der grokten Zuruckgezogenheit, pflegte ihrenGemahl und verließ die Wohnung nur dann und wann, j um in dem Garten der Tuilerien einen Spaziergang zu machen. Auf einem. derselben erregte sie, mit ihrer kleinen Tochter deutsch sprechend, die Aufmerksammt eines vor ihr gehenden Herrn, der sich plötzlich umwandte, ihr gerade in das Gesicht blickte und verwundert zurücktrat. Dieser Herr war der Graf Moriz von Sachsen, welcher sich vorübergehend in Paris aushielt. Er erkannte die Prinzessin Charlotte sogleich, und unfähig, sein Staunen zu unterdrücken, redete er sie an. In ihrer Bestürzung . r r f 1 - . r t verrieio ne na? uno mußie ncy gesauen lassen, daß der Graf sie nach ihrer beIcheidenen Wohnung begleitete. Ehe sie jedoch schieden, ließ sie sich sein Ehren- . l . vr. . 1 n sTt -r ' - woii geoen, oaß er oas eyelmnlß lyrer Existenz vor dem Ablauf von drei Monaten keinem Menschen verrathen wolle. wogegen er die Erlaubniß erhielt, sie wöchentlich einmal besuchen zu dürfen. Nach Ablauf der ersten Wochen stellte er sich pünktlich vor ihrer Wshnunq ein. aber erfuhr von dem Portier, daß die Dame mit ihrem Gemahle und dem Kmde das Haus verlassen habe. Aller Nachforschungen Ungeachtet war Graf MoriK nicht rm Stande, eme Spur der Flüchtlinge zu entdecken, deren Ver schwinden ebenso gehelmnlnvoll war, wie ihr Erscheinen gewesen. Seinem Worte getreu, wartete er jedoch den Ablauf der drei Monate ab, dann aber begab er sich zu dem Könige Louis XV. und theilte ihm Alles mit. Letzterer schrieb sogleich eigenhändig an die Geschwister der Prinzessin Charlotte, benachrichtigte sie, daß ihre schon lange betrauerte Schwester noch am Leden ti, und bot seinen Beistand an, um die Unglückliche zu ihnen zurückzuführen. Gleichzeitig wurde der Polizei Austrag gegeben, den Spuren der Flüchtlinge zu folgen ; es wurde auch sehr bald ermittelt, daß der Graf d'Aubant unter dem angenommenen Namen Nantes mit seinem Weibe und Kinde nach Louisiana zurückgekehrt sei. Sogleich wurde ihnen ein königliches Schiff nachgesendet, welches dem Gouverneur der Colonie den Befehl überbrachte, die Gräsin d'Aubant und ihren Gemahl mit der größten Auszeichnung zu behandeln und sich völlig zu ihrer Verfügung zu stellen. Der königlicheBefehl wurde pünktlich befolgt, aber das Ehepaar, welches nach der einsamen Farm am Mississippi zurückge kehrt war, lehnte jeden Beistand von Seiten der Regierung ab. Da der Gouverneur dessenungeachtet mit seinen Anerbietungen fortfuhr, so verließen der Graf und die Gräsin endlich die Colonie Louisiana und 'begaben sich nach der Insel Bourbon. Hier lebten sie lange glücklich und zu frieden bis zum Jahre 1754, in welchem eine epidemische Krankheit auf der Insel ausbrach, die den Grafen und seineTochter fortraffte. Vom Schmerz zerrissen, beschloß die einsame Wittwe, nach Eu ropa zurückzukehren und nahm imHerbste 1755 ih:e Wohnung in einem kleinen Hause der Vorstadt Montmartre bei Paris. Sie verweilte daselbst bis zum Jahre 176l, wo sie sich auf die Einladüng mehrerer Freunde ihrer Anderwandten, denen ihre Existenz bekannt geworden war, nachBrüssel begab. Einer derselben, Herzog Albert von Braunschweig.Bevern, welcher eine jüngere Schwester der Prinzessin Charlotte geheirathet hatte, setzte ihr ein Jahrgeld von 30,000 Gulden aus, welches sie, nachdem sie sich in Brüssel niedergelassen hatte, großentheils unter die Armen der Stadt vertheilte. Sie war dort vielfachen Bekehrungsversuchen von Seiten der römischen Geistlichkeit ausgesetzt,aber blieb dem protestantischen Glauben bis an ihr Lebensende treu, welches imSeptember 1772 im hohen Alter von 73 Jahren erfolgte. . - Während ihres, Aufenthaltes in Brüs'. sel hatten'viele Personen, welche' sie in
ihren früheren Jahren gekannt. Gelegen n . . .. e.x. . v. c ri! i
um sie zu ii)zn unu ociiuiugicn cm stimmig, daß sie die ehemalige Gemahlin des Großsürsten Alexiö von Rußland sei. unter ihnen war namenmcy em Varon von Arensberg, ein Schwede von hoher Geburt, der unter Carl XII. bei Pultava gekämpft, aber lange Zeit in St. Petersburg gelebt und die Großfürstin ost gesehen hatte. Auf Grund seiner Aussagen, der des Grasen Moriz von Sachsen und die Mittheilungen in der obenerwähnten Schrift des Chevalier Bossu erschien im Journal encyclopedique" zu Paris, in der Nummer vom 16. Februar 1777, ein langer biographischer Artikel über das abenteuerliche Leben der Großfürstin Sophie Charlotte, welcher solches Aufsehen machte, daß die russische Regierung sich veranlaßt sah, eine öffentliche Widerlegung zu versuchen. Allein, sie blieb ohne alle Wirkung auf das Publikum, und alle Welt behielt damals den festen Glauben an die Identität der verwittweten Gräsin d'Aubant mit der ehemaligen Großfürftin Sophie Charlotte von Rußland. Spätere historische Forschungen haben wenig mehr Licht über diese geheimnißvolle Angelegenheit verbreitet. Zinsftsches TYeaterpuSttkum. Nach fern Russischen frei bearbeitet. Das Theater ist natürlich ausver kaust. Sarah Bernhardt giebt die Kame liendame"; das heißt, wenn sie in einer anderen Rolle aufträte, wurde es wahrscheinlich noch ausverkaufter sein. Der Vorhang ist noch nicht aufgezogen. In einer Loge des zweiten Ranges sitzt die russische ttausmannssamilie Krtz..y..poZf; der Vater eine ziemlich stattliche Erscheinung mit kahlem Schädel, sorgfältig gekämmtem Bart und einem die Grenzen des Angenehmen" schon etwas überschreitendenEmbonpoint; ferner seine Frau, eine unbedeutende Dame mit bedeutendem Spitzenaussatz, weißem, gestickten Crepptuch und zwei erwachsenen Töchtern. Hinter des Vaters Stuhl steht außerdem der Sohn des Hauses, äußerlich eben den Fleamahren entwachsen. Mit leichtem Flaum aus den Lippen und einer entsetzlich albernen Hahnentolle auf dem Kopfe. Alle Klassen der Gesellschaft haben Ränge und Parquet übersiuthet. Kuratel-bemüssiate Kunstfreunde ha ben das Fünffache des gewöhnlichen Eintrittsprelses gezahlt. yat rn die ganze Stadt aus den Kopf gestellt, diese Madame Bernhardt!" sagt der Juchtenhändler en gros, sich selbst gesällig im Stuhl zurücklehnend, während er seine schlau zusammengekniffenen Aeuglein über die Menge gleiten laßt. Billets sind an der Börse mit sünshundert Prozent gehandelt worden." Na, ich weiß Falle, in denen das Zehnfache des Preises gezahlt worden ist," äußert Herr Krtz. .Y..poff iun. mit näselnder Stimme. Saval Nauwitsch Perewersiew hat sur semen Platz oben im Paradies zwei Rubel gezahlt, und als er sich im Restaurant mit seinem Billet aufspielte, wollte ihm ein Cirkus Clown fünf Rubel dafür geben, weil er meinte, er könnt' es für sieben loswerden!" Angenehme Gesellschast, in der Du Dich da herumtreibst, das muß man sagen ! Ich habe übrigens die Loge hier auch nur mit vierzig Rubeln bezahlt, damit der Skandal zu Hause endlich auf hört; und dann weil der Lump, der Stephan Wasilowitsch, ebenso viel für den Unsinn weggeworfen hat. Was Der kann, kann ich noch lange. Sonst wär's wahrhastig eine Sünde, die man dem Priester in der Beichte bekennen müßte!" Laß das doch endlich gut sein, Papa, es ist ja nicht auszuhalten ! Dasür sieht doch auch nun Jeder, daß mir gegen die Uebrigen nicht zurückbleiben, und das, was zeitgemäß ist, mitmachen! Man muß sich ja wahrhaftig schämen, daß man in keiner Gesellschaft mitreden kann; wo man hinkommt wird über nichts Anderes gesprochen, und schließlich sällt die Unbildung der Kinder doch immer auf die Eltern zurück !" Spare Deine dummen Bemerkun gen, sonst werd' ich Dir etwas anders sagen !" Gott, wie kann man um eine Lappalie von vierzig Rubeln solch' Aufheben machen !" äußerte etwas erregt das ältere Fräulein Tochter. Das ganze Publikum sieht schon aus uns." Ach, Papa," sagt der Stammhalter mit einem etwas malitiösen Lächeln, ich bin ja ganz gn bereit, mir mein Billet am Munde abzusparen. Von jetzt ab werde ich zum Frühstück immer nur noch für fünfzig oder, wenn Du durchaus nicht anders willst, auch nur noch für zwanzig oder für fünf Kopeken trockene Semmel mit Raucheraal vertilgen !" Halt den Mund und gieb lieber weniger Geld für Maskenbälle aus, aus denen Du jetzt beinahe allnächtlich herumbummelst !" Nach einer kleinen Pause, während welcher der edle Sohn mit aller Energie seiner Kauwerkzeuge eine Nuß verzehrt, äußert die ältere Schwester zur jüngeren mit etwas Protektormiene : Nun, du kannst es wohl gar nicht mehr erwarten ? Hast Du nicht schon Herzklopfen vor Sehnsucht?" Ein Wunder wäre es nicht," erwidert die Kleine schnippisch. Lange genug ha ben wir doch d'wm gebettelt und lamentirt und demPapa dieQhren voll geweint. Na, endlich werden wir sie nun doch zu sehen bekommen!" Anna," sagt die Mutter, aus einer eingehenden Betrachtung ihrer gesteppten Handschuhnähte sich ausraffend, zu der ältesten Tochter, Du mußt uns das dann immer übersetzen, was sie sagt. Was habe ich denn sonst sürVergnügen sür das viele Geld ? Man weiß ja eigentlich gar nicht, was die Person will. Du hast doch über vier Jahre bei der französischen Jungfer Stunden genommen, na, so viel wirstDu doch profitirt haben?" Ach, Unsinn,Mama! wenn die Franzosen unter sich französisch sprechen, kann überhaupt kein vernünftiger Mensch eine
Silbe verstehen. Ja. wenn es gedruckt ist, und ich ein Wörterbuch daneben habe dann kann ich'S natürlich übersetzen."
Gott, laßt Euch doch deshalb kerne grauen Haare wachsen," sagt der Sohn unter Benutzung seines Zahnstochers. Die versteht man und wenn , sie gar nichts sagt ! , Fedor behauptet, sie soll solche Augen machen, daß man über gar nichts mehr im Zweifel bleibt. Grade in dem Nichtssagenden soll sie eine ungevöhnliche Fertigkeit besitzen; das ist eben die Kunst bei ihr ! Es ist gerade wie bei denBalletteusen; mancher weiß allerdings nicht, was es bedeutet, wenn sie da so herumspringen, aber wer es kennt, der kann jeden Pas verstehen und kommt darüber außer sich vor Entzücken meint Feodor!" fugt der vorsichtige junge Mann hinzu, als er die Blicke seines Erzeugers bei jenen choreographischen Auseinandersetzungen sehr gespannt aus sich gehestet sieht. Ach, das ist mir ganz gleichgiltig !" meint Mama; ich kann doch sür mein Geld auch was Gesprochenes verlangen ! So werde ich -nicht einmal daraus klug werden, ob sie sich zanken oder Schmei cheleien sagen !" Und ich sage Dir. Du verstehst jede Silbe ! Peter Jwanitsch, der vom Fran zösischen höchstens bonjour von adieu unterscheiden kann, war vorgestern hier und wußte nachher das ganze Stück auswendig ! Auf der Bühne läßt sich jetzt plötzlich ein Geräusch vernehmen, als ob etwas Schweres zu Boden sällt; das Publikum fahrt erschreckt zusammen. Jetzt wird die Geschichte gleich losge hen,- erklärt der gut unterrichtete Sohn. So klingeln sie auf Französisch ! Seht 'mal, die sind alle vor Schreck außer sich gerathen, weil die Meisten gar nicht vis sen, daß im ausländischen Theater cn ein Brett geschlagen wird, eh' der Vorhang ausgeht. Wenn man'S weiß er schrickt man natürlich nicht !" Pimm Dich nur zusammen, Marie," meint die ältere Schwester zur jüngeren, daß du nicht laut ausschreibst, wenn sie" kommt, man ist hier schon genug compromittirt !" Herzklopsen werd' ich doch haben können !" entgegnete diese halblaut. Meinetwegen Leibschmerzen, äußert der gefühlvolle Bruder, und sich dann zurMama wendend, fügt er hinzu :Thu' nur wenigstens so, als wenn du auspaßtest, Mama !" Ach, wozu soll ich mich denn zwingen, es ist ja ganz gleich, verstehen kann ich doch nichts ! .Mein Gott, den Robenschnitt und die Brillanten wirst Du doch verstehen," mischt sich das ältere Fräulein ein, und das ist ja gerade die Hauptsache an ihrem Spiel !" Wieder ertönt Geräusch von der Bühne her, und der Vorhang geht auf. Wo ist sie denn nun? Soll sie das etwa sein?". fragt die Mutter ziemlich laut. Ach, wie kann sie denn das sein ? ! Es klatscht ja doch noch Niemand in die Hände!" Schrecklich ! Nun wird bei jedem Menschen, der auftritt, wieder gefragt werden, ob sie da ist ? ! In den Zeitungen hat doch gestanden, daß sie rothes Haar trägt, und dann was ist denn das für ein Kleid ! 's ist ein ganz gewöhnlicher Stoff 40 Kopeken die Elle ! Nach 'der Robe müßt Ihr doch zuerst sehn; wenn die nicht ganz unglaublich ist, dann ist sie" es nicht !" Der kleine dicke Kerl in der Loge hier nebenan sagt eben, daß sie gleich dicht hinter einem Lakaien auftritt, der auf die Bühne kommt!" flüstert die eine Tochter des Hauses. Also warten wir bis der Lakai kommt," meint der Vierzig-Nubel-Vater mit leichtem Gähnen. Ich kann überhaupt von hier aus keine Lakaien sehen, die austreten," sagt Mama ärgerlich. Für diesen Platz solche Unsumme Geld,wo man weder etwas verstehen, noch einen Lakaien kommen sehen kann !" Na, nun könnte das Naturwunder sich endlich' einstellen," meint der Vater sich den Kneifer fester auf die Nase drückend ; wenn das halbe Stück zu Ende geht, ehe sie überhaupt herauskommt, dann ist es ein Schwindel, solche Preise zn nehmen !" Marie, jetzt bitte ich mir sosort den Operngucker aus! Was heißt denn das ? ! Du scheinst Dir einzubilden, daß Du ihn ganz sür Dich behalten kannst !" . Borge Dir doch Mama's ! Es sällt mir gar nicht ein ihn wegzugeben, jetzt, wo sie gleich vorkommen muß ! Wenn ich sie genug angesehen habe und dann noch etwas von ihr übrig ist, werde ich ihn Dir geben !" Du Naseweis ! ich bin die Aelteste und gehe natürlich vor ! So ein Guckindiewelt dürfte überhaupt noch gar nicht mit in's Theater gehen !" Mama, sie will mir das GlaS mit Gewalt wegnehmen, verbiete es ihr doch " zum Glück für die Aufrechterhaltung deF Friedens in der Familie Krtz..y..poff erschallt jetzt von allen Seiten lautes Beisallsgeklatsch, welches den Streit der feindlichen Schwestern übertönt. SarahBernhardt, die größteReklame Fabrikantin ihres darin ausgezeichneten Jahrhunderts, erscheint ouf der Bühne. Na, endlich", sagt Mama Krtz y poff und starrt unverwandt aus das Meerwunder. Ich habe sie mir denn doch ganz anders vorgestellt ! Die sieht gerade so aus, wie die übrigen Schau fpielerinnen, die wir hier haben !" Wie kann man so etwas nur laut sagen!" flüsterte der entrüstete Kunstsöhn. Was verlangst Du denn? Soll sie vielleicht aus den Händen gehen!! Blamirt uns doch nicht mit solchen Redensarten ! Papa, sage ihr doch, das sie schweigt. Man kommt ja in der ganzen Stadt herum! Applaudirt lieber, damit die Leute sehen, daß wir nicht ganz ungebildet sind !" Dabei sprengt sich der edle Jüngling sämmtliche Knöpfe von tmtn erbsgelbenGlacehandschuhen, was auch den Vater so weit fortreißt, mit Stentorstimme drei Mal hintereinander Bravo, Rebecca !" zu rufen. Sie heißt ja Sarah", interpellirt der Sohn wüthend, aber der Alte entgegnete.mit Gemüthsruhe : Für vierzig Rubel kann ich auch Rebecca rufen !" -
Die Mutter -dagegen' lächelt ver-
schmitzt: Eingebüßt hab' ich noch nichts! sie spricht ja gar nicht !" während die äl tere Jungfrau die Nase rümpft und meint: Wenn sie nur wenigstens spielen möchte ; blos um sie zu sehen vier ,Zg Rubel Entree ist wirklich etwas theuer!" Aber sieh doch ihr Kleid an," ruft der kunstsinnige Bruder. Mariechen seufzt inzwischen, und fügt mehr für sich hinzu: Ich bin überzeugt, daß, wenn ich einmal Braut bin, sich Papa entschieden weigern wird, mir solchen Stoff zum Vrauilieio zu raufen. Aha, jetzt hat sie angefangen zu re den," sagt aufhorchend Frau Krtz. .v.' . poff, aber verstanden hab' ich trotzdem kein Wort!" Herrgott, schon wieder ! Verstehen kann : jetzt auch kein Mensch etwas ! Vorläufig hat das eigentliche Sviel nock gar nicht angefangen, wenn das erst im Gange ist, so werde ich Euch die Sache erklären!" na elt Krtz.. y.. poff jr.är gerlich. Jetzt wird sie wohl erst gegen den Herrn da eine Intrigue einleiten." Was macht sie denn eigentlich? sragt Mama nach einer kurzen Pause. Was sie macht ?" Nu ja, was stellt sie vor? eine Kausmannssrau, eine Beamtenfrau oder was sonst r Gott behüte, Mama," erwidert die Tochter, das wem doch jedes Kind ! Sie ist in dem Stück eine nun, wie soll ich gleich sagen " Eine Stimme aus der Nebenloae hilft dem liebenKinde aus der Verlegenheit mit den Worten : sagen wir, eine unverheirathete Frau des Grusen." So. so," sagt getröstet die Mutter, also ein gräfliches liederliches Frauenzimmer." Nach einer kleinenUnterbrechung durch die Vorgange auf der Bühne erhebt die Dame indeß von neuem ihre Stimme : Das heißt, etwas sehr Besonderes sehe ich an dem Kleide auch nicht! Es ist 'ne Robe, wie jede andere. Die Leute lügen doch das Blaue vom Himmel ! Da heißt es nun, daß sie so viel Kleider haben .oll...." Kann sie denn vielleicht auf einmal dreißig Kleider auf die Bühne bringen ?" schreit der Sohn energisch, und derVater fügt kopsschüttelnd hinzu : Das ist richtig, das müssen wir erst abwarten ; und dann : das Beste wird sie ' auch nicht gleich im ersten Akt anziehen !" Das etwas ungenügsamere ältere Fräulein bemerkt dagegen : Nun, zwei Kleider sür jeden Akt könnte sie amEnde auch daranwenden !" Das Beste bei ihr ist überhaupt das Sterben," sagt der Jüngling erklärend zu seiner Schwester gewendet, und sterben kann sie doch erst im letzten Akt !" Mama, diese Bemerkung auffangend, fragt unbefangen : Wie oft stirbt sie denn ?" In jedem Stück einmal!" kreischt der Sohn. Dann haben sie wieder einmal gelogen", fährt die unermüdliche Mutter fort, gestern hörte ich etwas von fünf Mal !" Das ist nicht wahr ! Auf fünferlei Arten kann sie sterben : so hats in den Zeitungen gestanden, und daher hat sie auch ihren großen Rus !" entgegnet entrüstet der Sohn. Na, wenn sie wirklich fünf Todesarten hat, dann könnte sie in jedem Stück wenigstens zwei davon anbringen !" sagt unerschütterlich Frau Krtz . .- y..poff; und Papa, dem die Geschichte schon äußerst langweilig geworden ist, nickt dazu und meint gähnend : Allerdings ; - und das hätte ste auch schon für zwanzig Rubel ganz bequem leisten können !" Ende des ersten Aktes. Fortsetzung mit Grazie ad infinitum. Die Liebes-Erklärung des Philologen. 1. Theure Clara ! Längst schon optativisch Sah mein trunkner Blick zu Dir empor. . . Ach, Dein Lächeln fand ich so specifisch. Daß zuletzt ich jeden Halt verlor ... Selbst der Logik angeborne Schätze Schwanden, heul re vera in der That ! Wenn ich sprach, zerknickten mir die Sätze, Und mein Geist vergaß das Prädikat. . . Laß, 0 laß drum sehnend mich bekennen. Was mich, ach, so wonnesam erschreckt ! Soll ich's Eros" oder Liebe" nennen? Oder scheinr hier Pathos" Dir correct? Traun, Apollo selber steht als Hüter Am Altar, auf dem dies Feuer brennt. Kein Acut betont mir Deine Güter, Auf Dein Herz nur leg' ich den Accent ! 3. Deinem Geist nur will ich Kranze winden, Deiner Tugend edlem Hochgewinn ! Durch ein et" für immer uns zu binden : Das nur heischt mein wonnetrunkner Sinn. Adjektivisch sollst Du mir vereinen Deiner Psyche gottgeweihte Gluth. Beigeordnet sollst Du mir erscheinen. Meines Daseins höchstes Attribut. 4. (Zuamolirem, deshalb und derowegen Kehr' Dein Mündchen mild im Circumflex Deinem wackren Adolar entgegen Zur Katharsis jenes holden Schrecks ! Schon ein Wörtlein sprach ich mit Mama ja Flüstre drum das heißersehnte Wort : Wo Du Cajus, Theurer, bin ich Caja" Und mit Jauchzen ankre ich im Port ! Geheizt. In einer Großstadt gab es im Winter Droschken mit dem einladenden Schilde: geheizt". Ein Herr stieg in. eine solche, fand sie aber eiskalt. Aber lieber Mann," rief kr dem Kutscher-zu, 'ich denk Sie haben geheizt ?" :.;3a' wohl, mein Herr, ; auf dem Böcke,"" ' erwiderte : der' freundliche Rossesührer. ' ' ' " ' " V
Wie ein grober Oeioer slH begti'
stert. Huv,reSke. Einer der berühmtesten Geiaer Frankreichs erzählte im geselligen Kreise seiner Freunde das Geheimniß,, dessen er sich bedient, um seinem Spiele die seelenvolle Innigkeit, den vezw:ngcnden Ton zu ge ben, der insbesondere seinen Namen be rühmt gemacht hat. Lassen wir ihn selbst sprechen: Bei meinem Eintritt erhebt sich ,n der Regel ein wohlgefälliges Murmeln, wel ches den Thermometer meiner Dispositzon schon um einige Grade steigert. Nachdem ich meine Geige gestimmt, klopft der Dirigent mit semem Stabchen, was sagen will: Kops in die Höh'! Kleine Pause alle Häupter erheben sich. Dies ist der erwartete Moment, den ich benütze, um die schönste der Hunderte von Damen, deren Augen aus mich gerichter sind, zu sixiren. Ha! jene Blonde sür diese Farbe schwärme ich nämlich diese soll mein Opfer sein. Sie halte ich sest; ihr schwöre ich in Gedanken nämlich die glühendste Liebe, die heißeste Tceue sür eine halbe Stunde. Ich beginne zu spielen, bohre mich in ihre Augen, ohne mich im mindesten zu geniren, und spiele so ein Duett, ein feuriges, heißglühende Duett mit Instrument und Auge, während doch die Leute alauben es sei ein Solo! Nur sür meine Blonde noch entlocke ich meiner Geige die seelenvollen, sprudelnden und perlenden Töne, nur an sie richte ich die eindringlichste Liebeserklärung der melodiereichsten Sprache. Ob sie's versteht? Gewiß meine Freunde ! Hört weiter : Mein Spiel wird wärmer, die Blonde unruhi ger und so steigere ich ihr Tempera ment und dadurch wieder mein Spiel in's Unglaubliche. Höchst selten solgt mein Opfer nicht in dem gewünschten Grade ; aber für ein kälteres Herz habe ich immer noch eine Mixtur in petto, die unzweifelhaft wirkungsvoll ist: Ich spiele mein Adagio, und meine magnetischeKur wirkt Wunder. Meine Auserwählte schmilzt wie Wachs an heißer Sonne; ihr Auge blickt mich thränenschauernd an; Innigkeit, Liebe, Hingebung spricht aus ihrem Blick. Das ganze Feuer, von dem ich nun ergriffen, theilt sich der Menge mit, ich sühle mich wahrhast groß und in diesem Moment bin ich beinahe selbst überzeugt, ich sei der große Geiger aus mir selbst, während mich doch nur mein armes Opfer begeistert. Mein Spiegel neigt sich zu Ende die halbe Stunde ist um! Die Kriegslist gelungen meine Blonde betrogen ! 1 Gut bedient. Im Boberthale heißt ein Oertchen die Holle und der Besitzer des einzigen Gütchens daselbst der Höllenbauer". Eines Tages saß dieser Höllenbauer im Kretscham eines bei Löwenberg liegenden Dorfes nebst einigen anderen Leuten beim Bier glas, und er hatte eben gehört, daß in l Löwenberg der Advocat N. N. begraben werde. Kommt der Justlzrath F. F. auf der Rückfahrt vom Begräbniß herein, um einen Schluck zu trinken, sieht den Mann und rust jovial: Ah, mein lieber Höllenbauer, seid Ihr auch hier? Was machen die Teufels in der Hölle? Erwiderte der Gefragte, indem er den dreiten Mund zu einem Lächeln verzerrt: "I nu, Herr Justizrath, die fein gleeb ich nich derheeme" do ihs ei Lambrig a Uffgoate gestorba, do hon sie oall miste miete zu Groabe giehn." Der Höllenbauer hatte die Lacher aus seiner Seite Ehepaare sollen den Augen gleich sein, die immer nach einer Richtung gehen. Wenn aber alle Augen den Eheleuten glichen, dann würde es sehr viele Schielende geben. Die Schwiegermutter. Vor der Hochzeit sieht sie den Mann aus sein Absehen im Hause an, nach der Hochzeit sieht sie von seinem Ansehen im Hause ab. Fragen. Was wünschen wir oft, ohne daß wir davon wissen ? Den Schlaf. In wiefern gleicht ein an der Angel gefangener Fisch der Freundin eines Fürsten, welche dieser an einen seiner StaUbedienten verheirathet? Es hat mit beiden einen Haken. Welches Ding bleibt wohlschmeckend, wenn es auch noch mehr Prügel bekommt? Geschlagene Sahne. Deutsch-Polnisch. EinKnabe, der sich in den Finger geschnitten hatte, sagte zum Lehrer : Herr Lährer, kann sich's nicht schreiben, hab' Thutweh an Hand." Ein anderer Knabe, der davon gehört hatte, daß man einen Tintenklecks auch Schwein" nennt, entschuldigte sein Wegbleiben aus der Schule eines Tages damit, daß sein Vater einen Klecks ge schlachtet habe.1 Adressen aus d e m B r i e s kaften. An Freilein Susanna L., Makt in Hof, vorgeboren in Br." An den Makt Sosii B. in Brassel, is Bam Offzir." Statt des Trinkgeldes. Ein schönes Vergnügen das, wenn man am Sonntagnachmittag und bei solcher Kälte eine volle halbe Stund' den Gaul halten muß!" Was hast Du denn bekommen ?" Dumme Frag' ! Was werd' ich bekommen haben? K a l t e Fuß'!" Zurechtweisung. Dame (zu einem Mediciner, der sie in der Dunkelheit verfolgt hat) : Herr Doctor Sie haben sich in der D i a g n 0 s e geirrt." EinOriginalbrief. Gehrter Herr.Redakter! Damit segens, daß ich auch Sinn sür Buäsie taitsche hab, schreib ich Jhne her Gedicht vun H. Heine was haßte Frühlingslied" wie hab ich noch in Sinn von eherher: In Brustkasten meinig drinn : Bimmelbamelbumel. Marzenlied, su fahre in Weite Weltenrummel. Zu Chalupen, nit gar groß, ' Wu Schatz für mich brennte ; Und wann sigste sunst wu Roß, Mach ihm Kuplimente. - Ihr ' , ' Wenzel.
Zur Krönung des dzsren. Man schreibt auS Moskau : Es liegt aus der Hand, daß unter den in Rußland obwaltenden Verhältniffen umfassende Sicherheitsmaßregeln für die Krönung des Czaren Alexander III. in Moskau
getroffen werden munen, wenn uns, mtt Bezug auf dieselben, auch noch nicht recht einleuchten will, wie die Polizei eme wirkliche Ueberwachung des gesummten Publikums zu Wege bringen könnte. : Jedenfalls ist es nicht leicht, hiersür den 4 richtigen Mittelweg ausfindig zu ma chen, da einerseits bei dem Emzuge, der?' Krönung und den derselben folgende Festlichkeiten das Kaiserpaar vor jeds gefährlichen Annäherung aus dem Publikum unbedingt geschützt werden, zu gleich aber auch sowohl der bedeutungs volle historische Akt, wie die gesammten Festlichkeiten möglichst .öffentliche" blei ben und unter- den Augen, theils sogar unter direkter Mitwirkung des Volkes und der schaulustigen Menge von statten gehen sollen. Hiernach wird es erklärlich, daß die Aufstellung der 'zahlreichen Sicherheits Projekte den sonst so erfindungsreichen Köpfen unserer alten Moskauer Patrio ten manch' schwere Stunde verursachten. Vor circa zwei Wochen aber waren diese Vorarbeiten so roei gediehen, daß unser General - Gouverneur Fürst Dolgorucki sich sür einige Tage nach Petersburg begeben konnte, um an der ausschlagge benden Stelle die Entscheidnng betreffs der verschiedenartigen Vorschläge zu er bitten. Nach dem, was bisher darüber in's Publikum drang, müsien zum Theil diese Projekte recht eigenthümlicher Art sein. Heißt es doch, daß emer unserer Patrio ten seine Besorgniß so roeit" trieb, dem Kaiscrpaar von der Benutzung der Pe tersburg - Moskauer Bahn abzurathen und inständigst bat, dasielbe möchte doch seiner Zeit die 600 Werst lange Strecke wmitten seiner von Petersburg hierher marschirenden Garden zurücklegen. An Originalität und Unbequemlichkeit läßt dieser gut gemeinte Vorschlag jeden falls nichts zu wünschen übrig. An Unbequemlichkeit diesmal aber für das schaulustige Pubikum, dürfte ihn jedoch wesentlich noch einFenster-Para graph" übertreffen und, wie wir hören, wird derselbe wahrscheinlich zur Durch sührnng kommen, soweit das geht. Den Fenstern, oder richtiger den Leuten, welche sich den Zug zum Kreml aus den Fenstern mit ansehen wollen, scheint nämlich seitens der Jünger der heiligen Hermandad eine ganz ungemeine Aufmerksamkeit gewidmet zu werden, so daß ohne besondere polizeiliche Erlaubniß eigentlich kein Mensch beim Pasiiren des Kaiserpaares zum Fenster hinausgucken dcttf, wenigstens keiner vonDenenvelche sich für schweres Geld einen Fensterplatz erstehen. Die Fenster-Vermiethe? bedürfen zum Vermiethen polizeilicher Erlaubniß; die Miether ebenso ; sie müs sen sich vorher legitimiren, und zur Ein Haltung dieser im Lande der falschen Püffe" recht illusorischen Maßregel wer den Deputirte des Stadtamtes den ver schiedenen Häusern zugetheilt. Um Letzteren und der gesammten Polizei die Kontrole der vermietheten Fenster zu erleichtern, muffen die betreffenden FensterEinsaffungen einen extra vorgeschriebenen, ins Auge fallenden Anstrich tragen. Wie sich der unglückliche verantwort liche" Deputirte zu benehmen hat, wenn er urplötzlich und unmittelbar vor dem Herannahen der kaiserlichen Equipage an einem der ihm unterstellten Ausgucks ein überzähliges neugieriges Gesicht auftauchen sieht, diese heikle Frage zu beantworten, vermögen wir allccdin nicht. Besindet sich der unglückliche Jnsv'. zient in diesem kritischen" Augenblicke gar aus der andern Seite der Straße, so ist sür ihn an ein Fortschaffen des Ucberzähligen" nun gar nicht mehr zu denken, wenigstens nicht,wenn dicStraßk' derartig sortifikatorisch sturmfrei eing richtet wird, wie in einem anderen Pjekte Voranschlägen. Dem Erzeu desselben, obgleich er selbst Militär erscheint nämlich die Absperrung ' eine ununterbrochene Militär nicht genügend; er verlangt ve hinter dem Truppenspalier recht links des Weges, der für die ka' Wagen frei gehalten wird, tV ausgehobenen Graben, hinter dem Vraben einen Wall, so hoch, daß die auf dem Trottoir stehende Volksmenge ge rade noch darüber fortsehen kann. Doch dieses, jedenfalls indem Kopse ines ehemaligen Jngenieurgenerals entstandene Projekt, wird denn doch vohl eben nur Projekt bleiben, wie wirdenn überhaupt glauben,daß verschiedene der Vorschläge, 'als mehr Schaden wie Nutzen bringend, nr. -, i r , . in Peiersourg aa acia geiegr wurden, nachdem selbstverständlich zuvor den pa triotischen Erfindern t ein gehöriges PluS" in ihren Kondmtenliften gebucht wurde ! Wiener Blätter sprayen sich jüngst i.i ihren Petersburger Korrespondenzen da ' hin aus, Europa dürste vielleicht plötzlich rrnrm rtp nrnnrht n tin m ten Krönung überrascht werden. In unterrichteten Kreisen widerspricht man ' dem aus's Entschiedenste und bleibt da 1 bei, daß zum 1. Mai alle)Vorbereitungen zur Krönung beendet seien, die Krö nung selbst aber hinausgeschoben werden müffe, da im Monat Mai dreNiederkunft der Kaiserin erwartet xslxil. t 1 " 1 Wie Briefe aus Äuland fcmrf,, ten, herrscht jetzt großer Jubel in Israel ob der ossiciellen Erklärung, daß die englischen Proteste wider, die gegen die Juden verübten Gräuel ebenso unbereck. tigt als überflüssig seien, weil die Ge engevung für die Judknaugenblic!lich den Gegenstand des Studiums der rus sischen Regierung bildet.Äon emem Jsraeliten ,n Kiew ist iit Feier dieser Erklärung bereits' ei.ie Stiftung mit einem Capital von 10,00 Rubeln begründet worden mit der ciis drücklichen Bestimmung : Zahlbar an die Enkel meiner Urenkel oder deren Nachkommen an demselben, Tage, an welchem die russische Regierung ihr au genblickliches Studium' beendet baben wird. " . " . "'-
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