Indiana Tribüne, Volume 4, Number 165, Indianapolis, Marion County, 26 February 1882 — Page 5

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mcut technische Erfindungen.

Ton Tr. Gustav Lewinstein. ; Von Paris aus kommt , uns Kunde von einem wissenschaftlichen Experiment, welches wohl geeignet erscheint, die ganze chemische und physikalische Wissenschaft auf den Kopf zu stellen, wenn sich die . beobachtete Thatsache als richtig erweisen sollte. Professor Schützenberger will Nämlich bei einer Neihe von organischen ' -Analysen ein größeres Gesammtgewicht der einzelnen gefundenen Elemente er- " halten haben, als das Gewicht der angewandten Substanz betrug, und soll er bei 150 aufeinanderfolgenden Experimenten für 100 Gewichtstheile der ange .wandten Substanz 101 Theil Wasserstoff : aus welchen Elementen die Substanz bestand. gefunden haben. Man hat sich beeilt, von einer Kondensation des LichtäthcrZ zu sprechen,welche diese aus fallende Gewichtsvermchrung bewirken soll, nnd man wird vielleicht noch man che andere Erklärung dieser auffallenden Thatsache Produziren, aber für's erste er . laube'nwiruns noch anderRichtigkeit der - Thatsache überhaupt zu zweifeln. Seit etwa fünfzig Jahren untersuchen unsere berühmtesten Chemiker, Forscher wie Mitscherlich, Liebig. Bunsen, Hoffmann in Deutschland, Gay-Luffac, , Dumas, - Gerhard, Cahours in Frankreich, Fara- - day in England lind Andere mehr die oraanischen Körper durch Verbrennung in trockenem Sauerstoff, d. h. nach derselben Methode, welche Professor Schützenberger angewandt hat, und allen die- & fen Männern sollte entgangen sein, was jetzt beobachtet worden ist? Wenn diese neue Entdeckung durch eine neue UntersuchungZmethode herbeigeführt worden wäre, so dürfte man sie vielleicht, trotzdem sie alle bekannten Gesetze der Natur vor den Kopf, stößt, nicht so ohne Weiteres abweisen ; da aber die Vermehrung der Materie bei der einfachen orgaNischen Verbrennungs-Analyse gefunden sein soll, so glauben wir, da wir die Schwierigkeiten diese? Arbeiten aus eige ner Erfahrung sehr wohl kennen, eher an einen Fehler bei den Experimenten als an einen Fehler in den jetzt gültigen Gefetzen. Wmn die Societe clieniique in Paris eine Commission zur Wiederholung der Experimente eingesetzt hat, so zeigt dies von der Achtung, welche sie dem Herrn Profeffor Schützenberger in Folge seiner vielen früheren Arbeiten zollt ; daran, daß die Kommission zu gleichen Resultaten kommt, glauben wohl die Mitglieder der sogenannten Gesellschaft kaum. ) Diejenigen aber, welche die Nachricht frischweg als richtig annehme nund darauf neue wissenschaftliche Systeme aufbauen wollen, erinnern mich an den Scherz, welchen sich Jakob I einst mit einer viffenschaftlichen Gesellschaft erlaubte. Er stellte die Preisfrage : woher es komme, daß ein todter Fisch leichter sei als ein lebender, und er hatte das Vergnügen, von vierzehn Personen der aus sünszehn Mitgliedern bestehenden Gesellschaft lange Abhandlungen zur Erklärung - dieser wunderbaren Erscheinung" zu erhalten ; nur der fünfzehnte schrieb einfach : Ich habe das Experi?nent gemacht und gefunden, daß die Sache nicht richtig ist ! Anknüpfend an diese Beobachtung möchten wir .auch gleich eines Experimentes des Professors Euthrie erwähnen, welches angeblich die Aufhebung der Schwerkraft konstatiren soll. Derselbe w crry , einen h)usid dann die n Gewichten Zleichgewicht !,iterhalb des e angebracht tion versetzt. Hohe ging, Thatsache zur annehmen, )ie Rotation und den ßt, als daß 7 Magnet sei geworden, hingen, die : zu lausen ; j . . . r. VODCN stehen , ' ' :: .'. uchen, die : ' elektrischen ' ch, wie wir . .: , , ' . anche san- ; .. ! ;' ' u ' : l noch UN . m oi: Beleuchrzettrischem Wege, trotz aller gegentheiligen Versicherungen und Be'chnungen sür d'n allgemeinen Gebrauch noch immerzu theuer, während es ja Viele Verhältnisse giebt, bei denen dieser Umstand gar nicht in's Gewicht fällt, und sich so em reiches Feld sür die Mwendung des elektrischen Lichtes ergiebt. In Bezug auf den Kostenpunkt vergißt man stets, daß z. B. ein Licht, welches so stark leuchtet, wie 1000 Normalkerzen, nicht unter allen Verhältnissen 50 Gasflammen, deren jede wie 20 Normalkerzen leuchtet, ersetzen kann. Wir gebrau chen oft ein in mehrere Flammen zertheilte Lichs, um eine größere Fläche an allen Stellen gleichmäßig zu erhellen, wie z. V. )bei der Straßenbeleuchtung, und bei der Anwendung einzelner, weniger hellen Tlektrischen Lampen steigen die Kosten thx bedeutend. In Amerika selbst, dem) Lande, wo man am meisten und in weUen Kreisen für die Anwendung Zzes elektrischen Lichtes schwärmt, giebt i ä i c i c r man oie iconen oerart an, oaß ne emem Zaspreis von 1 Dollar pro 1000 Kubilfuß entsprechen, allerdings mit dem Bemerken, daß die Gasgesellschaften das Leuchtgas zu diesem Preise nicht liefern Zönnen. ) Eine großartige Anwendung der elek tro-motorischen Kraft ist durch den Be rieb der GotthardtBahn in dem Tun nel mittelst Siemens'scher Maschinen in Aussicht genommen und wird sich Hofsentlich recht bald verwirklichen. Daraus . ' r ...e v o. , aber emen öcdiur aus oic nioenovar keit sür alle Eisenbahnen ziehen zu wol ' len, würde völlig voreilig sein : auch die? spielt die Frage nach dem KostenPunkt die Hauptrolle. Bei dem Betrieb der Babn durch den Tunnel werden die

Unannehmlichkeiten und Unbequemlich leiten der gewöhnlichen Lokomotiven so groß sein, daß ihre Beseitigung, venn ? '

sie überhaupt möglich ist, mehr kosten würde, als die Anwendung der elektri schen Kraft, und da ist letztere also vollständig an ihrem Platze. Daß man die Elektrizität, deren AnWendung ja jetzt so zu sagen Mode ist, auch für allerhand Erfindungen benutzen will, die schon mit anderen bewegenden Kräften sich nicht bewährt haben, darf nicht Wunder nehmen, und so setzt es uns nicht in Erstaunen, daß sich Herr I. Föhr in Stuttgart einen Klavier-Tele-graphen hat Patentiren lassen, d. h. einen Apparat, welcher das auf dem Klavier gespielte gleich schriftlich fixirt. Es ist dies der zehnte oder auch .der hundertste Apparat dieser Art, welcher erfunden ist, und alle sollen ganz vortrefflich arbeiten. Davon, daß dies auch der neue Apparat thut, sind wir ganz fest überzeugt, ebenso aber auch, daß er sehr bald vergessen sein wird, wie seine Vorgänger, denn der letzte Herr Erfinder hat, ebenso wie alle seine Vorgänger, einen kleinen Umstand vergessen, nämlich den, daß die Komponisten nicht am Klavier, sondern am Schreibtisch komponiren, und daß sie das Gespielte nicht zu sixiren brauchen, weil sie ihre Kompcsitionen erst dann spielen, wenn sie dieselben auf dem Papier sixirt haben. Eine recht praktische- Erfindung ist neuerdings einem Berliner, Herrn M. Boas, patentirt worden; es ist dies ein Verfahren zur Herstellung von Lacksilz. Es wird dazu eine lose Filzmasse, welche aus Baumwolle, Kokosfaser undShoddy besteht, auf eine elastische Unterlage gelegt, glatt ausgearbeitet, darauf gefirnißt und lackirt. Der Stoff ist sehr fest, vollkommen wasserdicht, dabei leicht und schmiegsam, so daß seine Anwendbarkeit eine vielfache ist. Ob fich der einem Herrn Alb. Huß in Bernburg patentirtc Briefumschlag be währen wird, bleibt abzuwarten. Der Zweck der Erfindung ist allerdings ein sehr praktischer; indem der Brief selbst osfen daliegt, kann man durch eine besondere Art des Zusammenlegens es so einrichten, daß die Ausschrist im Brief gleich die Adresse bildet, und es kann dadurch, daß der Poststempel auf den Brief und nicht auf das Couvert gedruckt wird, eine Offizielle Feststellung des Datums . eintreten, was jetzt, wenn der Stempel fich aus dem Couvert befindet, nicht möglich ist. Eine neue Art von Sicherheitspapier hat sich Francis Nowlon in London patentiren lassen. Dasselbe besteht aus zwei mit Farbendruck versehenen Blättern, welche mit der bedruckten Seite auf einander geklebt sind. Will man die Schrift auf dem Papier durch chemische Agentien fortbringen, so wird die Farbe des Druckes verändert; radirt man sie fort, fo tritt der farbige Druck durch die dünne Stelle immer deutlicher hervor. Als eine neue Methode, Fleisch zu konserviren, wird aus Frankreich em-

pfohlen, das Fleisch mit einer auf 90 110" C. erhitzten Mischung von Gelatine, Glycerin und Tannin zu überziehen. Die Mischung erhärtet sofort und schließt das Fleisch luftdicht ab. Gleichzeitig kann man, was von der Vielseitigkeit der Erfindung zeigt, die Mischung als Flaschenlack und in Verbindung mit schwefelsaurem Borax und vegetabilischen Farben zur Herstellung von künstlichem Marmor verwenden. Bei den vielen Vorschlägen, welche jetzt zur Sicherung öffentlicher Vergnügungslokale gegen Feuersgefahr gemacht werden, erwähnen wir, daß Herr H. Spencer Parmelee in Newhaven ein Patcnt aus einen selbstthätig funktionirenden Feuerlöschapparat erhalten hat, dessen Anwendbarkeit in vielen Verhältnissen vielleicht zu empfehlen ist. Der Apparat besteht aus einem System von S . X 4 f m , Noyren, o:e mtt elnem Wajjerrejervou in Verbindung stehen, und welche an verschiedenen Stellen Oessnungen mit siebartigen Ausflüssen haben, die durch eine Klappe verschlossen find und durch ein sehr leicht (etwa bei 60 70 ) schmelzbares Loth festgehalten werden. Bricht Feuer aus, so wird das Loth rasch schmelzen und der Löschapparat tritt sofort in Wirksamkeit. Ein: auch zu diesem' Gebiet gehörige Anwendung der leicht schmelzbaren Metalllegirungen zur Sicherung gegen Feuersgefahr, auf die wir aufmerksam machen möchten, macht man in Amerika schon lange in 'den Waaren-Speichern. . Diese find der größeren Sicherheit wegen durch seuerseste Mauern in verschiedene Abtheilungen getbeilt, und die Durchgänge aus einer Abtheilung in die andere nit eisernen Thuren verse hen, welche natürlich des Nachts verschlössen sein sollen. Da aber die Er fahrung gezeigt hat, daß dieser Verschluß gewöhnlich nicht erfolgt, so hat man die Thüren in Schiebethürel? verwandelt, welche fich aus einer schiefen Ebene bewegen, so daß sie, wenn sie nicht- offen gehalten werden, von selöst zurollen. Es geschieht nun dieses Festhalten durch eine eiserne Kette, welche ein Glied aus leicht schmelzbarem Metall enthält. Bricht nun in einer Abtheilung Feuer aus, so schmilzt der Ring, die Thür fällt zu und sperrt die NebenAbtheilungen ab. Vielleicht ließe sich diese Einrichtung auch bei Theatern, z. B. bei den eisernen Vorbänaen anwen-

den. Eine andere Erfindung auf dem Gebiete gegen Feuersgesahr hat sich Herr Wilh. Meißner,- in Stargard Patentiren lassen, nämlich ein Verfahren zur Herstellung seuersicheren Holzes. Er will dies dadurch ereichen, daß er das Holz zuerst in schwefelsaurem Kali, dann in Steinkohlentheer, dem Thon zugesetzt ist, kocht. Darauf nimmt das Holz eine Mischung von Asbest und feuerfestem Thon als feste Decke an und soll nun wetterbeständig und feuersicher sein. Der Kuriosität egen erwähnen wir noch, daß sich Herr R. Liebau in Chemnitz ein Patent daraus hat geben lassen, die Lampen-Cylinder aben schräg abzu schneiden, um dadurch das Ausblasen der Lampe zu erleichtern. Wir machen auf die Existenz dieses Patents ganz beson ders sparsame Hausfrauen, welche zer brochene Cylinder noch weiter benutzen, aufmerksam; sie können sich leicht einer Patentverletzung schuldig machen. ; , i ' . i t i i. i . . . j

Komische Leute.

erlnnerunzSbilder von Siegmunb $r. ES war eine angenehme Dame, die Frau Triebs, die ehrsame Wittib, bei der ich in meiner Junggesellenzeit als Chambregarnist wohnte. Sie hatte eine wirklich liebenswürdige Art. und Weise, mit mir beständig in einer theilungsfrohen Gütergemeinschaft zu leben. Alles, was mein war, wurde von ihr mitbenutzt, und dabei wußte sie es stets so darzustellen, als ob es ausschließlich und allein in meinem Interesse geschähe. Hielt sie mit ihren Freundinnen aus der Nachbarschaft, waS ziemlich alleTage vorkam, ihr Plauderstündchen ab, so wanderte mein Photographiealbum aus meinem Zimmer in das Ihrige, um daselbst als ergiebiger Unterhaltungsstoss zu dienen. Und wenn ich es beim Nachhausekommen nicht aus der gewohnten Stelle fand und danach fragte, dann hatte sie es natürlich nur an sich genommen, um die Metallbeschlage zu putzen. Sprach ich ihr meine Verwunderung darüber aus, baß mein schöne, engli sches Reiseplaid, welches immer ruhig auf der Sophalehne hing, ganz naß sei sie hatte e beim stärkstenRegenwetter spazierengehenderweise als Umschlagetuch benutzt dann behauptete sie, es sei die allerhöchste Zeit gewesen, dasselbe aus ein Paar Stunden an die Luft zu hän gen, weil sonst unfehlbar die Motten hineinkämen. Ebenso ging es mit vielen anderen Sachen, und ich würde diesem KommU--nismus, der mir natürlich durchaus nicht sehr angenehm war, ganz einfach dadurch .entgangen sein, daß ich auszog, wenn die Frau nicht eine gute Eigenschaft an sich gehabt hatte, die alle ihre Fehler ausivog und mich zum Blelben bestimmte. Sie räumte nämlich meinen Schreibtlsch nie aus ! Bekanntlich giebt es sür einen Tages schriftsteller, dessen Arbeitspult beständig mtt emer Unzahl vonZe:tungcn,Manus kripten, Briefen und losen kleinen Zetteln bedeckt ist, nichts Schrecklicheres, als das sogenannte Ordnungmachen. Wehe, wenn eme unberufene and zwischen je nen Haufen von Papieren geräth, der ssur jeden Andern wie em wüstes Chaos aussieht, ihm selbst aber so vertraut ist. ldaß er.imFinstern mitgeschlossenenAugen jaus den ersten Griff auch das kleinste Papierschnitzel herausfindet, dessen er gerade benöthigt m. Es giebt Frauen welche den organischen Fehler haben. solchen Wirrwar nicht mit ansehen zu können. Eine geheime, unsichtbare Ge Xoalt treibt sie mit unwiderstehlicherMacht, Ordnung zu schaffen. 'Da wird denn Alles sem säuberlich abgestaubt, geord net uud gerade gelegt, daß dr arme gePlagte Journalist m die hell. Verzweif Zung geräth nnd beim Vy.J m SiUtn nicht mehr weiß, wo em und wo aus ! Bei der guten Frau Triebs hatte ich dergleichen nicht zu befürchten. Sie hat meine erste Mahnung, sich ein für alle Mal des OrdnungsmachenS auf meinem Pulte zu enthalten, mit so peinlicher Ge wissenhastigkeit befolgt, daß sie selbst bis ouf fünf Fuß Entfernung von meinem Schelbtlfch jegliches Abstäuben :c. streng vermied. So etwas thut emem Jour nalistenherzen wohl, und darum blieb ich !bei der Dame wohnen, trotzdem ich, wie gesagt, eigentlich über Mancherlei zu klagen hatte. So gingen unter Anderem mit meinem Zucker eigenthümliche Dmge vor. Ich machte mir nämlich den Morgenkaffee, den sie mir kontraktlich zu liefern hatte. 'auf eigene Kosten süß, da das von ihr igelieserte Zuckerauantum auch den be Icheidensten Ansprüchen nicht zu genügen vermochte. Er befand sich in. einer glafernen Büchse, die ihren Standort-in emem Schränkchen hatte, aber wenn die ses auch unverschlossen war, so kann so thaner Umstand an sich doch nichts zu der so wunderbar rapiden Verwinderung des Zuckers beigetragen haben, es ,st vielmehr Mit ziemlicher Sicherheit an zunehmen, dieser betrübende Effekt habe lediglich dadurch hervorgebracht werden können, daß irgend eine fremde Hand mit der einfachen mechanischen Marnpu lation des Herausnehmen im Spiele gewesen sei. Einmal machte ich der guten Wittib darüber eine zarte, sinnige Anspielung, ich wurde aber gehörig abgetrumpft. WaS ich denn von ihr dächte, und ich solle nur aus mich selbst ordentlich Acht geben, dann wurde lch wohl merken, wo hin der Zucker kommt. Sie sei schon mehrfach hqtlg erschrocken, wenn sie ae sehen, wieviel ich in eine Tasse Kaffee hmemwurse; das wäre mir gar nich gesund. Aber liebe Frau," antwortete ich mi geziemender Bescheidenheit, ich nehme ja doch immer nur em Stückchen." Ja, das glauben Sie ! aber wenn Sie so Ihre Zeitung dabei lesen, dann werfen Sie in der Zerstreuung immer suns bis sechs Stucke hlnem. Das mus sen Sie nicht, Herr Doktor," setzte sie voll mütterlichen Wohlwollens 'hinzu. Zucker macht dick !" Ich war sehr bestürzt. Sollte ich der Frau Unrecht gethan haben und wirklich in Gedanken selbst ? Zwei Tage später besuchte mich ein Freund. Er kam schon zeitig Vormtt tags, während die Wirthin sich nebenan in meinem Schlafzimmer befand, um das

Bett zu machen. Die Thur stand offen. Wir plauderten über allerhand gleichgültige Dinge. Er erzählte, da wir vom Hundertsten in'sTausendste kamen, daß er zu Hause in seiner Wohnung einen heimlichen Mitraucher für seine Cigarren haben müsse und daß ihm dies sehr satal sei. Da stieg ein bodenlos schlechter Gedanke in mir auf. Ich that so, als ob ich die Frau Triebs, die ja jedes Wort hören mußte, total vergessen habe und sagte : Mir könnte so was nicht Passiren. Ich bin vorsichtig und schlau. Sehen Sie, lieber Freund, ich hatte meine Wir thin im Verdacht, daß sie mir Zucker maust. Ob sie eS gethan hat oder nicht, will ich dahin gestellt sein lassen. Jetzt aber würde ich eS sofort merken, denn seit heute bin ich aus ein brillantes Aus Hilfsmittel verfallen. Ich fange nämlich eine Fliege und stecke die in meine Zuk kerbüchse. Wird letztere nun von einem Unwuscncn geössnU, dann, fliegt da ' , . i; ; 4 v. - - - r . 44 . r A' r -

Insekt hinaus, und ich weiß, woran ich bin."

Mein Freund belobte mich sehr wemn dieser List. Später gingen wir Beide gemeinschaftlich fort. Am andern Morgen wird mir 'mein Kaffee gebracht. Ich hole mir die Zucker büchse; ich öffne sie: was geschieht? Eme Fkege stiegt heraus : Meine sehr wertyaeschätzte Frau Triebs war richtig in die Falle gegangen. Da schlug ich den in jeder Lage des Lebens empfehlenswerthen Mittelweg em und zog aus. - v Aus dem Loyalitütö Club. (Vertraulich.) Tkn Berlin bat stck bekanntlich ein Lo yalitäts-Club gebildet, dtssen Aufgabe es sein soll, den Liberalismus und Par lamentarismus auf gesellschaftlichem Wege mit aller rast zu bekämpfen. Frauen und Töchter der Mitglieder sollen so viel als möglich zur Mitwirkung herangezogen werden. . Aus diesem liuv nno uns nun joi gende vertrauliche Mittheilungen zuge gangen: . . . Da es nur zu wayrscyeinttcy ist, daß ickon den Kindern oft mit der ersten Milch eine liberale Gesinnung eingeflößt . . MVIrv wird, so hat der luv zunächst vesczios sen, aus die Verstaatlichung des Am menwefens hinzuwirken. Es sollen in Zukunft nur Ammen angestellt werden, welche nicht nur aus lyre ayryastlgttlt, sondern auck auf ihre Gesinnung gevrüst und als durch und durch conservativ befunden worden sind. Es wurde auch die Frage angeregt, ob nicht durch die conservative Milch, die aus der republikanischenSchweiz kommt, den Peppelkindern revolutionäre Naupen in den Kopf gesetzt werden können. Der Club fand diese Besürchtung sehr gerechtfertigt und beschloß, die betrefsende Milch durch , einen patriotischen Chemiker genau untersuchen zulassen. In Bezug auf Kinderfrauen wurde festgesetzt, daß die patriotische Gesinnung derselben über jeden Zweifel erhaben fein müsse. Sie könnten der kindlichen Seele frühzeitig schon Entsetzen und Grauen vor dem Liberalismus ein pflanzen, wenn sie an die Stelle des schwarzen Mannes" hervorragende Liberale treten ließen. So würde es z. B. heißen: Jetzt schlässt du gleich ein, sonst kommt der Sauckcn Tarputschen !" oder: Jetzt hörst du auf zu fchreien, odei ich komm' mit dem Forckenbeck oder: Was? Schon wieder naß? Jetzt hol' ich aber den Virchow; der soll dich mitnehmen u. s. w. So werden die Kleinen sich schon zeitig daran gewöhnen, die Liberalen sür das was sie in der That sind, d. h. für Unholde der allerbedenklichsten' Art zu halten. Es wurde darauf hingedeutet, daß die üblichen Bilderbücher in der Struwwel-peter-Manier einer gründlichen Revision zu unterziehen seien. Gerade hier sei volitiscke Belebruna über die verschiede nen Parteistandpunkte und Warnung vor liberalen Ausschreitungen, wenn ir gendwo, am Platz. An Stelle des Kle cker-Käthchens, des Suppen-KasparS, des ZappelPhilipps und des Schrei Hannchens hätten zu treten: die Man chester-Lotte" (ißt Arsenik sür Zucker), der Oppositions-Karl" (bricht beide Beine), die Lemokraten-Lise" (kommt mit dem Kops ins die Fleischhackmaschine), der Secessions-Peter" (erstickt in kochendem Psiaumenmuß) u. s. w. Das wird dazu dienen, den Kindern klar zu machen, daß der liberalen Unart gewöhnlich die harte, aber wohlverdiente Strafe auf dem Fuße folgt. Auch in das Spielzeug, wurde bemerkt, sei sehr wohl eine patriotische Ten denz hineinzulegen. So sei z. B. dem Sem in der Arche Noah eine unange nehme Physiognomie und ein abschrecken des Aeußeres zu geben, damit das Kind spielend schon antisemitische Anschauun gen in sich aufnehme. Figuren aber, die das Kind besonders gern hat und liebt als da sind: Hampelmatze, Nußknacker und Pfefferkuchenmänner verfehe man mit den Zügen berühmter confervativer Abgeordneter, damit das Kind spielend schon oder essend diese Männer anerken nen und verehren lerne. Es kamen ferner zur Verlesung im Club zwei einsache Lieder des vorläusig auf Probe angestellten lyrischen Club dichters. Das eine behandelt die Gefühle einer konservativen Jungfrau einem liberalen Bewerber gegenüber und lautet: Nie werd' ich einen Jüngling achten. Der nicht, gleich mir, durchaus loyal! Nie mög' mich zu besitzen trachten, . Wer von Gesinnung liberal ! Nein, einem solchen höllenbrand Reich' ich mein Lebtag nicht die Hand! Das andere Lied behandelt die Em psindungen eines konservativen Jüngling dem liberalen weiblichen Gejchlech gegenüber iu folgender Weise : Nie werd' ich mir ein Mädchen wählen. Das für den Fortschritt sich erwärmt! Das könnte mir noch grade fehlen. Ein Liebchen, das für Richter schwärmt !t Nie hält ein gutgesinnter Mann Um eine solche Viper an ! Beide Lieder fanden sehr großen Beifall. - Die Commission, welche niedergesetzt war, um verschiedene starke Getränke in Hinsicht aus ihren gesinnungbildenden Charakter zu prüsen, stattete ihren Be richt ab. Man hatte sich nicht dazu ei nigen können. Die 'Meisten schrieben dem alten Korn die Wirkung zu, daß er den stärksten Patrwtismug hervorvorruse, während von Anderen in Bezug aus Kirsch und Kümmel, in Verbindung mit Ingwer, dasselbe behauptet wurde. Man saßte den Beschluß, vorläusig noch eine Reihe von weiteren Versuchen anzu stellen. Ein Subalternbeamter zeigte an, daß er am nächsten Sonntag im Club einen Vortrag über den Einfluß hoher-und enger Halsbinden auf die Verbesserung der Gesinnung halten werde. Freneti scher Jubel begrüßte die Ankündigung, denn das Thema war Allen wie aus der Seele genommen. Endlich stellte noch ein Militär a. D. den Anttag, dahin künstigen Versamm

lungnt d. ClukMitglitd . .von allen parlämnckrrjschen Formen' drrrcha aö gesehen werden solk. Der Antrag fand einstimmige Annahme. - ' So ziel von den Verbandlunaen und

Beschlüssen deSLoyaNtätZ.ClnbS,wekch I wie wir noch hinzufügen, durch txnvx sei ten glücklichen Zufall - zu unserer Ken niß gelangt sind. (Kladderadatsch.)- . Bleichsucht. Wie oft beschleicht den Arzt ein-weh-muthvolles Mitgesühl, wenn er zu einer jener wachsbleichen, müden und schlaffen Erscheinungen gerusen wird, welche die Civilisation, das Leben der .Städte, die Ansprüche der Gesellschaft in so erschreckender Menge hervorbringen. Wie oft möchte er bei deit' Klagen , der ungeduldigen Mütter, die ihre Töchter glänzen oder Geld verdienen lassen wollen, sie aber,' weil es immer nicht gehen will, der Energielosigkeit oder Faulheit, des bösen Willens bezichtigen, in die Worte des großen Shakespeare ausbrechen :' Die Kränklichkeit versäumt ja stets die Pflicht, .. - Die die Gesundheit übt. Wir sind nicht wir. Wenn die Natur, gebeugt, dem Geist ge- . bietet) Zu dulden mit dem Körper. Arme, beklagenswerthe Jugend, die Du der Frische entbehrst und der Rosen aus den bleichen Wangen und noch dafür Vorwürfe erhältst? Wir wollen wenigstens versuchen, Dein Anwalt zu sein und Dir zu helfen, damit Dir Genesung werde und Du die Erde und Menschen mit anderen Augen ansiehst, mit neuem Herzen liebst. Zunächst mi.ß daran festgehalten werden, daß Blutleere und Bleichsucht nicht dasselbe ist. Blutleere ist ein Symptom mancher Krankheit und kommt auch gewöhnlich hier mit in Betracht, Bleichsucht ist aber selbst elne'völlig ausgesprochene Krankheit, die stets unter demselben Bilde verläuft. Am meisten in die Augen fällt die fahle, gelblichweiße Hautfarbe, welche wohl bei dem geringsten Anlaß einem ausblitzenden auf den Wangen Platz mamen kann, sich aber sofort wieder geltend macht. Sie beruht , weniger aus einem absoluten Blutmangel, als aus emer ungenügenden Menge der zelligen Elemente, der rothen und weißen Blutkör perchen. Nach neueren Untersuchungen findet man bei Bleichsüchtigen oft ein sehr ilci nes Herz und ebenso die von ihm abge henden großen Gefäße von sehr geringer Wette, so daß nicht nur, die Blutflüssia keit, sondern auch die treibende Kraft und die Kanäle eine anormale Beschasfenheit zeigen. In Folge dessen ist es Nicht wunderbar, daß auch die Herzaktion mangelhaft von Statten geht und vielfach über Unregelmäßigkeit derselben, über Herzpalpitationen geklagt wird. Auch die Äthmung ist unruhig, bald beschleunigt, bald verlangsamt, so daß auch aus diesem Grunde schnelleres Gehen, Treppensteigen und Anstrengungen jeder Art vermieden werden. Vielfach machen sich nervöse Erscheinungen geuenv. öie rönnen pa) in Gesichtsschmerz oder schmerzhastenPunkten im Rücken, in Magenkrampf oder Unterlelbsbeschwerden äußern. Intensiver Kopfschmerz ist ein so constanter Begleiter des Leidens, dag man durch seine Hartnäckigkeit allein schon auf die Vermuthung der Ursache geführt wird. Die Verdauung ist meist in miserablem Zustande, was um so ärgerlicher, als die Angehörigen ganz richtig vermuthen,daß in dem größeren Appetit und in der Nahrungsaufnahme ein Mittel zur Heilung liegen müsse, und nicht begreifen können, warum ihrem Zureden keine Folge gegeben wird. Ebensowenig, wie Nahrung aufzunehmen, sind die Betrefsenden dann wieder im Stande, das Unverdauliche auszuscheiden, kurz, es sehlt überall an der richtigen Function der Organe, die zwar vorhanden sind, aber nicht zu wissen scheinen, wozu ! Ferner klagen die Kranken gewöhnlich über Kältegefühl, -über kalte Hände und Füße. Wenn man ihnen die Hand gibt, erschrickt man über dem Mangel thierischer Wärme und versucht umsonst, von dem eigenen Ueberfluß Etwas abzugeben. Der Keim der Krankheit wird meist in frühester Jugend gelegt, erlangt aber erst seine volle Entwickelung zu der Zeit, wo sich die geheimnißvolle Wandlung im Weibe vollzieht und das Mädchen plötzlich fühlt, daß es vom Kinde zur Jungfrau herangereist ist. Ein Gleiche niß für die allmälige Entstehung bietet uns die Pflanze, der wir Licht und Luft entziehen und dürre, unbrauchbare Erde geben. Sie kränkelt, sendet farblose. spillernde Triebe und beugt sich zurErde, da sie ihre eigene Last nicht zu tragen vermag. Geben wir ihr Luft, Licht und neue stoffreiche Erde, so wird sie gesun den, entziehen wir ihr aber in bestimmten Zwischenräumen Nahrungssast, so geht sie endlich völlig ein. Auch dem Kinde wird häusig von den ersten Wochen an alles zur Entwickelung Nöthige entzogen. In dumpfiger Stube am Ofen oder im feuchten Keller liegt es sich selbst überlassen und schreit nach besscrer Nahrung, da die jämmerliche Milch den Hunger nicht zu stillen vermocht. Viel zu fiüh wird ihm derbere Kost gegeben, obgleich Magen und Darm ener gisch dagegen Protestiren. So gehen die einwirkenden Schädlichkeiten sott. Die Lust in der Schule, geistige Arbeit, mangelhaste Ernährung reichen sich dieHand, um das oben gezeichnete Bild zu ent wickeln. Bis dahin gehen beide Geschlechter denselben Weg, dann aber trennen sie sich. Der Knabe tummelt sich in der Welt umher und gesundet oder geht un ter oder bleibt eine elende Constitution. Das Mädchen schreitet auf der einge schlagenen Bahn fort, büßt immer neue Mengen im Körperhaushalt ein und wird bleichsüchtig. Das Herz, das nur mäßige Mengen zu versenden hat, entwickelt sich nicht, sondern bleibt klein und krastlos, der Puls ist matt und schleicht in niederen Wellen dahin. WaS nun zur Beseitigung dieses im tter mehr um sich greisenden. Leidens zu

geschehen hat, liegt ziemlich klar auf der Hand. ; . : -. , .

Zunächst sollen wir der Erneuung und Ernährung unserer Kinder eine noch größere Sorgfalt gedeihen lassen als bisher, damit die Entstehung der ersten Anläge, der Krankheit unmöglich gemacht wird. fßhtt Eltern fehlen in der besten Absicht, indem sie des Guten zu viel thun. Gute Milch, frische Luft, namentlich aber viel frisches Wa . asse man regelmäßig auf die jungen Ci 'utionen einwirken. Nicht dadutch, di. vAt die Kinder verzärteln, sie in überssiaen Betten so warm halten, daß sie n: stetigem Schweiß ihre besten Kräfte verlieren, erzielen wir blühende Geschöpfe, auch nicht dadurch, daß wir ihnen von Allem zu essen geben. wenn pe oanacy langen, sondern dadurch, daß wir nach gesunden Prinnvien verNünftig mit ihnen verfahren. Ale Schulfmen müssen dam benutzt werden, die Kinder außerhalb des städti scyen Lebens frische Lust aus dem Lande oder noch besser an der See genießen zu lassen oder ihnen mindestens möglichste Freiheit außerhalb des Zimmers zu gestatten. Daneben müssen kalte Abreibungen des Körpers hergehen. Turnund Schwimmübungen gemacht werden und , Ausfluge nach entlegenen Punkten. Man halte die Mädchen nicht an, die ganze Zeü mit Stricken, Nähen und Hilfeleistungen in der Wirthschaft zu opfern, sondern lasse sie auch hinaus in die schöne, freie Natur. Die .Nahrung bestehe aus kräftiger, gemilchter Kost, und, wenn die Constitution schwach ist, so fehle bei Zeiten nicht ein Glas Weil oder ein Schluck kräftigen Bieres. Ist die Krankheit ausaebrochen und für Jedermann sichtbar, so glaube man nicht, sie mit einigen Gaben Eisen oder einigen Flaschen Eisenwasser allein heilen zu können. So vorzüglich dies Mittel auch ist, so gehört doch mehr zur Herstellung. Vor, Allem ändere man die Lebensweise, nehme die Mädchen aus der Schule und mache sie nicht zu beklagenswerthenGeschöpsen, indem man sie zum Lehrerlnnenexamen zwmgt, wie dies gerade seit Jahren eine Manie ge--worden ist. Jeder vernünftige Arzt wird den einzuschlagendenWeg angeben, aber man muß ihn auch zu wandeln gewillt sein. Am besten wird auf längere Jett der Aufenthaltsort geändert; Arbeit im Freien unter fröhlichen, heiteren Genossen bei steter Hautcultur erregt Appetit nnd wird neben den richtigen Mitteln auch spät noch zum Ziele der Genesung führen, die bann regelmäßig zu erwarten ist. Besonders aber mögen die jungen Mädchen sich hüten, sich ihrer gesunden, schönen Farben zu schämen, wie. dies leide? so ost geschieht, und mit aller Macht darauf hinzuarbeiten, blaß und interessant auszusehen. Kein Manu ist ein Freund solcher interessanten Schön heiten ; denn er weiß sehr genau, was sür Frauen und Mütter aus solchen verkümmerten Mädchengestalten hervorgehen. Darum wachet und hütet die Rosen Eurer Wangen, sie sind die Quelle des spateren ehelichen Gluck s i . An den wirklich leidenden Mädchen frevle man jedoch nicht, indem man sie zu einer Arbeit treibt, die sie nicht leisten können, man gönne ihnen Ruhe. Schlaf und Erholung, damit sie Genesung nnden und durch sie Erde und Menschen mit anderen Augen ansehen und mit neuem Herzen lieben. Die Ermordung eines Wucherers. Wien, 7. Febr. Ein Wucherer, der m Wahrmg, Schulgasse Nr. 15 wohn hafte Josef Edler von Strainsberg ist durch Acörderhand gefallen. Mit ihm zugleich ist seine Wirthschasterin Namens Marie Hillinger ermordet aufgefunden worden. Man hat Ursache, anzuneh men, daß Strainsberg, einer der herzlosesten in der Wucherer-Gilde, in Folge eines Racheaktes aus dem Leben geschafft worden ist. Seine Wirthschasterin mochte wohl Zeugin des Attentates gewesen und aus diesem Grunde gleichfalls von dem Verbrecher ermordet worden sein. Die Zahl derjenigen Personen, welche durch die Erbarmungslosigkeit Strains berg's um ihre materielle Existenz ge bracht und dem Elende preisgegeben wurden, ist eine erschreckend große. Die meisten dieser Opser gehörten dem Be amten- oder Kaufmannsstande an. Doch sinden sich unter den von dem Wucherer hart ins Mitleid Gezogenen auch meh rere Aristokraten und Ofsiziere. Strainsberg wandte bei seinen Dar lehens Geschäften ganz eigenthümliche Praktiken an. Er ließ sich nämlich von dem Unglücklichen, welcher an seine Hilfe zu appelliren gezwungen war, vor Allem einen Wechsel über de vorgestreckten Betrag unter Hinzurechnung von 10 Prozent per iness seinem stabilen Prozentsatz übergeben. Außer diesem Wechsel mußte der Schuldner noch einen zweiten, auf einen mit höherer Summe lautenden, ausstellen. Im Falle der Nichteinlösung des ersten Akzeptes wurde dann auch das gleichzeitig fällige zweite, und zwar unter dem Rechtstitel einer Konventionalstrafe, eingeklagt und die Exekution mit schonungsloser Härte durchgeführt. Wie herzlos der Wucherer bei der gerichtlichen Eintreibung von Forderungen vorging, mag nachstehendes - Beispiel, welches wir aus einer großen Menge ähnlicher Fälle herausgreisen, darthun. Ein Chemikalienhändler hatte bei Strainsberg einen auf 80 Gulden lautenden Wechsel begeben. Gleichzeitig t mit diesem mußte er sich mit einem zweiWx 0...i C nre T..v k ' ien ilzepi aus öuv vauiocn jur on bei Strainsberg übliche Konventional strafe obligiren Der arme Mann war in der Folge genöthigt, wiederholte Prolongationen nachzusuchen, und so kam es, daß er schon nach wenigen Monaten 5000 Gulden schuldete. Da der Ehe miker diese Verbindlichkeit noch weniger erfüllen konnte, als die früheren, führte der herzlose Gläubiger die Exekution mit gewohnter Härte und Beharrlichkeit durch. Das Ende war, daß der Schuldner nach Versteigerung seines ganzen Geschäftes völlig zu Grunde gerichtet dastand. Eine größere Anzahl von Fläschchen mit chemischen Stoffen, welche aus dem Gewölbe des Unglücklichen herrührten, wurden in zwei Schränken der

Strainsbcrg'schen Wohnung vorgefun-', orn. .Uebrigens -schreckte'-der Wucherer m semer Geldgier selbst vor Handlungen nicht zurück, welche schon in das Gebier des Strafrechts hinüberstreifen.. Dies hat ihn denn auch wiederholt mit denr Strafgerichten Kollisionen gebrächt Allem alle -diese Prozesse nahmen einen: günstigen Auögang für strainsberg, dcr das Zusammenwirken verschiedener Umstände, namentlich die Scheu der von. ihm in's Mitleid Gezogenen vor rückhaltslosem Hervortretcn, den Richter jedesmal zu einem sprechenden Er kcnntnm zwang. .... Da Strainsberg sein Metier mit eben soviel Herz- als Gewissenlosigkeit viele Jahre hindurch fortführte, so hatte man gewiß Grund zu der Annahme, daßer sich ein ansehnliches Vermögen erworben habe. Dies ist jedoch in Wahrheit nicht, der Fall. Vielmeb: scheinen seine Geschäfte wohl seit der Geltung des neuerr Wuchergesctzes-schon seit längerer Zeit von Mißfolger. begleitet gewesen zu fein, denn der Wucherer war seit mehr als einem halben Jahr fast unausgesetzt, in Geldverlegenheiten. . Bei den kommissionellen Erhebungen in der Wohnung des Gemordeten fanden sich die Schlüsiel zur seuersicheren Kaste. Dieselbe enthielt eine Menge von meist schon längere Zeit verfallenen Wechseln im Betrage von mehreren tausend Gulden. Baargeld war dagegen: keines vorhanden, wie auch in Zortemonnaie des Wucherers blos neunzehn 5krcuzer vorgefunden wurden. Die KomMission, welche bis tief in den Nachmittag hinein auf dem Schauplatze deZVerbrcchens ihres Amtes waltete,' stellte em umfassendes Verzeichnis aller Personen zusammen, welche nach den vorgefundenen Akzepten und Briefen zu schließen mit dem ermordeten Wucherer in geschästliche Beziehungen getreten waren. Es erschien diese Maßnahme um so nothwendiger, als man, wie wir bcrkiis erwähnten, allen Grund zur Amahr.ie hat, daß Strainsberg - das Opser der Rache eines durch ihn zu Grunde Gmchtcten geworden ist. Positive Anhaltspunkte in dieser Beziehung mangeln jedoch bis zur Stunde gänzlich, obwohl

erhoben wurde, daß dem Wucherer wiederholt von Personen,' die seine hartHerzigkeit zur Verzweiflung getrieben hatte, der Tod angedroht worden ist. Was die Vergangenheit vtramSberg's, welcher 52 Jahre erreichthat, anbelangt, so war derselbe bis in die zweite Hälfte der Fünfziger Jahre em untergeordneter Hülssbeamter bei einem hiesigen Bezirksgerichte. Schon zu dieser Zeit befaßte er sich außer mit Winkelschremerel auch mit Geldvermittlungen, und war diese mit seiner amtlichen Stellung unverembaruche Nebenbeschäftigung die Ursache, daß er entlassen uurde. Von da an widmete sick Strainsberg ausschließlich dem Wucherer-Metier und zwar zuerst als Agent, später als seibstflandlger Geldgeber. In Folge des ausschweifenden Lebens, welchem sich Strainsberg nach seiner Entlassung vom Gerichte noch rückhaltsloser als früher hingab, verstel er im Jahre 1861 in Wahnsinn. Man brachte ihn in die hiesige Irrenanstalt, aus welcher er erst im Herbste 1370 ge heilt entlasten wurde. Während der letzten Jahre stand der Wucherer eines asthmatischen Leidens wegen fast unausgesetzt in ärztlicher Behandlung. In seiner äußeren Erscheinung präfentirte sich Strainsberg als das Prototyp einer echten Wucherersigur, wie man solche über die Bretter unserer Bühnen hinschreiten sieht. Gleich seinem Exterieur trug aber auch die Wohnung in allen ihren Theilen den unverkennbarenStempel ärgster Vernachlässigung. (N. W. Tagbl.) m m m tm In Florida gibt es 17,633 weiße Leute über 10 Jahre alt, welche nicht ihre Namen schreiben können. In allen Golfstaaten gibt es solcher noch immer eine große Anzahl. In Georgia und Süd-Carolina aber sind neuerding die Schulen vermehrt und verbessert worden, und dieses Beispiel wird nach und nach immer mehr Nacheiserung erwecken. Ein Blatt in Denver, Col., ist zu der sehr vernünstigen Ansicht gelangt, daß die meisten der sogenannten .gesellschaftlichen Ereignisse" nichts als slioddy rnockeries seien und deshalb keine Erwähnung in den Zeitungen verdienen. Vier Knaben in Denver verschafften sich freien Eintritt in dLs Theater seit Wochen in der Weise, daß sie eine Seitenthüre mittels eines Nachschlüssels öffneten. Der Umstand, daß sie nie erwischt wurden, machte sie kühn und sie ließen nun auch andere Knaben gegen Erlegung der Hälfte des Eintrittsgeldes ein. Hierbei aber wurden sie, und zwar schon bei dem ersten Versuche, ertappt. Ein musikalisches Kuriosum wird der ftafi. Volksztg." aus dem mittleren Nheingau berichtet. Lebt da in unserem Gaue, unweit des einreichen Hattenhelm, unfern des Wilhelms'schen Niesenfasies, ein schlichter, bescheidener Tonsetzer, Jahr aus Jahr ein still vergnügt sür sich schaffend: Liedern, Chören, Märschen, Symphonien, auch Opern gab er das Leben. Sein Pult birgt dicke Partituren; ihren Werth wird erst die Naü welt schätzen ! In dieses trauliche Schaf- ? . r . - - - ' sensyeim war nun auq oer allerhöchste Erlaß vom 4. Januar 1882 gedrungen. Derselbe wirkte auf den Künstler so überwältigend, daß er sich flugs daran machte und in Begeisterung denselben in Musik setzte. Es klingt vielleicht unglaublich, aber es ist so : Der .Erlaß tom 4. Januar" liegt sür Männerchor und Orchefler komponirt fertig vor. Ein leickteres Arrangement für Schulen beschäftigt eben unseren Meister. Des Componisten Namen? Doch wir wollen nickt vorgreifen. Der Lohn wird gewiß nicht ausbleiben. Vier Männer, welche bei Leavenworth. Ks., -die Eisenbahnbrückpassirten, entgingen dem Schicksal, übergefahren zu werden, dadurch, daß sie in den Fluß sprangen. JnNevada w u r den'seit 165 sür das Staatszuchthaus C7,c:o verausgabt, zu Schukzw:5 cjtt riii mehr als $466,329 ;

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